Westhoff, Carl - Die Macht oder das Recht, vom Altare des neuen Testaments zu essen.

Abendmahls-Predigt über Hebräer 13, 10 - 16. von

Carl Westhoff, evangelisch-lutherischer Prediger zu Nymwegen in Holland.

Gnade, Barmherzigkeit und Friede sei mit uns, von Gott, unserm Vater, und Christo Jesu, unserm Heilande! Amen.

Ihr wisset, meine Freunde, wir sind als Christen im Besitz gewisser Gnaden-Mittel, des Wortes Gottes und der heiligen Sakramente, und zwar haben wir der letztern zwei, die heilige Taufe und das heilige Abendmahl. Und was ist demnach dieses, das heilige Abendmahl oder das Sacrament des Altars? Bloß etwas Aeußeres, Irdisches, Sinnliches, oder zugleich auch etwas Inneres, Geistiges, Himmlisches? Nun, nicht wahr? wäre es blos jenes, dann wäre es kein Gnaden-Mittel. Aber ja, eben dies ist es, das heißt, daß wir der in Christo Jesu allen Menschen erschienenen heilsamen Gnade Gottes wirklich theilhaftig werden, dazu ist von dem Herrn selber dies heilige Mahl eingesetzet worden, und siehe! darum ist dasselbe ein Mahl, in welchem wir nicht blos mit irdischer, sondern zugleich mit himmlischer Kost gespeist werden.

Und worin besteht sie, diese himmlische Kost? Erinnert euch, Geliebte, an jenes Wort, das der Herr Jesus schon lange vor der Einsetzung des heiligen Abendmahls geredet hatte: Wer mein Fleisch isset, und mein Blut trinket, der hat das ewige Leben und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Und nun achtet auf die Worte, welche, als er in seiner Leidens-Nacht denen, die mit ihm zu Tische saßen, zunächst das Brod brach, und darnach auch den Kelch reichte, hiebei von ihm selber gesprochen wurden. Das ist mein Leib, für euch gegeben; das ist mein Blut, für euch vergossen, so lauteten da seine eigenen Worte. Darum wahrlich! auch wenn es uns nicht ausdrücklich von einem Apostel gesagt würde: Das Brod, daß wir brechen, ist die Gemeinschaft des Leibes Christi; der Kelch, den wir segnen, ist die Gemeinschaft des Blutes Christi, es würde uns schon durch die Einsetzung des heiligen Abendmahls selber deutlich bezeugt: die unsichtbare himmlische Speise, so in demselben uns dargereicht wird, ist keine andere, als das Fleisch und Blut dessen, der, auf daß die Welt das Leben habe, sein Leben in den Tod am Kreuze dahingegeben hat, keine andere, als der für uns gebrochene Leib und das für uns vergossene Blut unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi.

Und diese Speise nun, wer darf und soll sie genießen? Wer, fragen wir, darf und soll mit und unter dem gesegneten Brod und Wein Christi, unseres verklärten Heilandes Leib und Blut genießen, oder wer hat die Macht, von diesem Altare des neuen Bundes zu essen?

Derselbe ist auch heute in unsrer Mitte aufgerichtet. Darum wohlan! hören wir, was das Wort der Wahrheit auf diese Frage antwortet.

Text: Hebräer 13, 10-16.

“Wir haben einen Altar, davon nicht Macht haben zu essen, die der Hütte pflegen. Denn welcher Thiers Blut getragen wird durch den Hohenpriester in das Heilige für die Sünde, derselbigen Leichname werden verbrannt außer dem Lager: Darum auch Jesus, auf daß er heiligte das Volk durch sein eigen Blut, hat er gelitten außen vor dem Thor. So lasset uns nun zu ihm hinausgehen, außer dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. So lasset uns nun opfern, durch ihn, das Lobopfer Gott allezeits das ist, die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Wohlzuthun und mitzutheilen vergesset nicht; denn solche Opfer gefallen Gott wohl.„

Hier haben wir die apostolische Antwort auf die von uns aufgeworfene Frage, meine Freunde.

Es ist ein köstlich Ding, so heißt es Vers 9. unsers Textcapitels, daß das Herz fest werde. Und das geschehe, lesen wir darauf weiter, durch Gnade, nicht durch Speisen, davon keinen Nutzen haben, die damit umgehen.

Gnade, das, sagt der Apostel seinen Mitchristen, ist es, was allein eurer Herzen Bedürfnisse stillen oder denselben an Festigkeit und Sättigung zu geben vermag, nicht aber kann dazu auch nur das Geringste die Beobachtung der mancherlei Speisegebote beitragen, die durch das Judenthum vorgeschrieben sind. Und das veranlasset ihn nun von der Speise zu reden, welche zu essen oder zu genießen allein wahrhaft nützlich sei, und daß er denen unter dieser keine andere, als die im Sakrament des Altars dargereichte versteht, das lehret Alles, was er weiter über sie und ihren Genuß zu sagen hat. Wir hören aber zuvörderst von ihm, wer allein zu solchem Genuße, oder von dem Altar des neuen Testaments zu essen, Macht oder Recht habe, und werden darnach noch darauf hingewiesen, wozu sie, die hiezu berechtigt seien, eben dadurch sich erweckt fühlen sollen, weshalb wir denn auch das Eine, wie das Andere noch näher betrachten wollen. Wir betrachten, sage ich:

Die Macht oder das Recht, von dem Altare des neuen Testaments zu essen, das heißt, das Sakrament des Altars oder das heilige Abendmahl zu genießen, und zwar 1 wem diese Macht oder dieses Recht zukommt, und dann 2. wozu die, welche solche Macht oder solches Recht haben, dadurch aufgefordert werden.

„Wir haben einen Altar, davon nicht Macht haben zu essen die der Hütte pflegen.“ Sehet hier, meine Freunde, es ausgesprochen, wem die Macht oder das Recht, das Sakrament des Altars oder das heilige Abendmahl zu genießen, nicht zukommt. Die der Hütte noch pflegen, das heißt, du der unter dem Volke Israel als dem alten Bundes-Volke aufgerichteten irdischen Hütte und dem was zu derselben gehört, also mit andern Worten der alttestamentlichen Religions-Verfassung auch jetzt, da an die Stelle desselben die des neuen Testaments getreten ist, noch anhangen und demnach in der Beobachtung der alttestamentlichen Gebote und Religionsgebräuche ihr Heil suchen, die, sagt der Apostel zu seinen, aus dem Judenthum übergetretenen Mitchristen, haben keine Macht, kein Recht, von dem Altar zu essen, der für uns im neuen Testament bereitet ist. Und das macht er ihnen nun dadurch anschaulich, daß er ihnen vorhält, auch die den für uns geopferten Leib, und das für uns vergossene Blut Jesu Christi vorbildenden Opfer des alten Testaments dürften nicht genossen werden, wie denn solches überdies auch durch den außerhalb der Thore Jerusalems erduldeten Versöhnungstod des Herrn sei angedeutet worden. „Denn,“ so fährt er, das Vers 10. Gesagte zu beweisen, Vers 11. fort, „welcher Thiere Blut getragen wird durch den Hohenpriester in das Heiligthum für die Sünde, derselbigen Leichname werden verbrannt außer dem Lager.“ Und dann Vers 12: „Darum auch Jesus, auf daß er heiligte das Volk durch sein eigen Blut, hat er gelitten außen vor dem Thore.“ Was ich sage, hält er damit ihnen vor, das ist klar, das ist erwiesen, und zwar, durch die im Gesetze selbst über die alttestamentlichen Versöhnungsopfer gegebenen Vorschriften sowohl, als auch durch den besondern Umstand, welcher bei dem die Sünde in Wahrheit versöhnenden Tode des Herrn Jesu Statt gefunden hat. Jene im alten Testamente vorgeschriebenen Versöhnungsopfer nämlich, ihr wißt es ja aus dem Gesetz, sie sollen nicht, wie die andern Opfer, von denen, welche sie darbringen, zum Theil gegessen oder verzehrt werden, nein, sie sollen, nachdem das sühnende Blut durch den Hohenpriester in das Heiligthum hineingetragen worden, aus dem Lager oder der Gemeinde hinausgeschafft und dort zu Asche verbrannt worden. Und doch dürfte auch von denen, welche eben diese alt-testamentlichen Sühnopfer noch pflegen und hochhalten, ganz wider die dieselben betreffenden Vorschriften irgend ein Sühnopfer verzehrt oder genossen werden? Und ja, damit stimmt denn auch ganz überein, was wir von dem Tode unsers Herrn wissen. Nicht innerhalb der Gemeinde des alttestamentlichen Israels hat er sein versöhnendes Blut vergossen, nein, außen vor den Thoren Jerusalems, als ein solcher, den sie verworfen und aus ihrer Mitte ausgestoßen, hat er, auf daß er durch sein eigen Blut das Volk heiligte, den Tod am Fluchholze erduldet. Und sehet, das weist denn auch darauf hin, sie, die da noch innerhalb der Gränzen des alttestamentlichen Israels sich halten und mit Ihm, dem Ausgestoßenen, nicht ebenfalls ausgehen wollen, sondern nach wie vor der irdischen Hütte mit ihren Geboten und Satzungen anhangen und dienen, sie haben nicht Macht, Christi Fleisch und Blut zu genießen.

Und welche haben demnach auch heute diese Macht nicht? Blos sie etwa nicht, die auch sogar heute noch, nachdem jene Hütte längst hinwegthan worden, so viel möglich an ihren Sitten und Gebräuchen festhalten und in der Beobachtung derselben ihr Heil suchen? Blos das heutige Israel nach dem Fleische nicht? Nun allerdings, meine Zuhörer, ein Jude, der ein Jude blos nach dem Fleische ist, der hat auch heute noch nicht die Macht, von unserm Altar zu essen. Thäte er es, ja gewißlich! er würde sich selber das Gericht essen. Aber darum er alleine? Oder nicht mit ihm ein Jeglicher, der mit ihm einerlei Sinnes ist? Und ja wahrlich! derer, die das sind, gibt es mitten in der Christenheit nur zu viele. Sie nämlich, die da in ähnlicher Weise, wie das fleischliche Israel ebenfalls noch mit dem Gesetze und des Gesetzes Werken umgehen und hierin ihr Heil suchen, sind sie nicht an allen Orten? Sehet sie da, wo auch die, welche sich Christen nennen, doch nicht das Wesen, sondern nur die Schatten, nicht Sein, sondern nur Schein, nur Irdisches und Vergängliches, nur die Welt, und was in der Welt ist, wollen. Und ja, auch da sehet sie, wo die Leute durch eigenes Rennen und Laufen, durch das, was sie selber thun und leisten, irgend etwas Gottgefälliges ausrichten zu können, und so Gottes Wohlgefallen und Ansprüche auf eine ewige Seligkeit sich selber erwerben zu können meinen. Sehet, sie meine ich, sowohl da, wo euch Leute begegnen, die irdisch gesinnet sind, und denen der Bauch ihr Gott ist, und die ihre Ehre in der Schande suchen, als auch da, wo euch solche entgegentreten, die in irgend einer Weise auf ihre eigene Kraft vertrauen und darum durch ihre eigene Weisheit und durch ihre sogenannten guten Werke, durch eigene Veredelung, Ausbildung und Vervollkommnung, durch sittlichen, tugendhaften Lebenswandel die Gunst oder das Wohlgefallen Gottes und damit denn auch die Anwartschaft auf ein zukünftiges besseres Leben, auf des Himmels ewige Freuden erlangen zu können meinen, und ach, dazu habt ihr ja allenthalben nur zu viel Gelegenheit. Aber wahrlich! wie viele ihrer auch seien, und in welchem Glanze sie mitunter auch auftreten und sich darstellen mögen, sie sind doch nur Juden, und so auch nicht berechtiget, Christi Fleisch und Blut zu genießen. Sie haben keine Macht, von dem Altare des neuen Bundes zu essen.

Aber welche, fragst du, haben denn diese Macht? Der Apostel fährt in unserm Texte fort: „So lasset uns nun zu ihm hinausgehen, außer dem Lager, und seine Schmach tragen, denn“ setzt er hinzu, „wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Siehe hier auch dieses angedeutet:

Wir müssen mit Christo hinausgehen, außer dem Lager, und seine Schmach tragen, dann nur können und dürfen wir eben hier draußen sein Fleisch essen und sein Blut trinken. Und was will das sagen: Christus, meine Freunde, als er hinausging aus Jerusalem, da trug er sein Kreuz, und er trug es zur Schädelstätte. Aber er trug es nicht gezwungen, nein freiwillig. Sehet, so sprach er zu seinen Jüngern, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und des Menschen-Sohn wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet, verschmähet und verspeiet werden, und sie werden ihn geißeln und tödten, und am dritten Tage wird er auferstehen von den Todten.

Und warum ging er dennoch hinauf? - Er wußte, daß dies der ihm von seinem Vater zu seiner Herrlichkeit vorgezeichnete Weg sei, und ja, den Willen seines Vaters that er gerne. Er sahe auf Gott, seinen Gott, und auf das, was droben und zukünftig ist. Um der ihm vorgehaltenen ewigen Freuden willen, erduldete er das Kreuz und achtete er der Schande nicht, denn siehe! wer sein Leben in dieser Welt lieb hat, so sprach er, der wird es verlieren; wer aber sein Leben in dieser Welt hasset, der wird es erhalten zum ewigen Leben. Und o ja wohl! Er haßte es, das heißt, das Werk auszuführen, welches ihm sein Vater gegeben hatte, nämlich eine ewige Erlösung zu erfinden, konnte er auch den bittersten und schmachvollsten Tod, ja Leiden ohne Zahl, sowohl willig auf sich nehmen, als auch still und Gott ergeben, und dabei im Glauben und Vertrauen an Gott, seinen Gott festhaltend, erdulden.

Und wir nun? - Ja, meine Freunde, wir sollen eben hierin ihm nachfolgen. „Hier haben wir keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir,“ das soll auch unsre Loosung sein, und weil sie es ist, sollen auch wir uns nicht weigerlich halten, hienieden mit Christo zu leiden. Auch wir sollen also des Herrn Jesu „Namen bekennen,“ daß wir im Glauben an Ihn, den die Obersten dieser Welt ausgestoßen haben, und der darnach durch Leiden des Todes zu seiner Herrlichkeit eingegangen ist, und uns droben eine ewige Friedensstätte bereitet hat, nicht ferner auf das Sichtbare und Zeitliche, sondern auf das Unsichtbare und Ewige sehen, und so nicht hier Unten, nein, Droben das suchen, was uns genügen oder zufrieden stellen soll. Hier unten in der Welt, das sollen wir ebenem Glauben an ihm, den in und von der Welt Gekreuzigten, lebendig erkennen und fühlen, nein, hier ist es nicht, droben, wo Christus ist, da, da allein ist das Rechte und Wahre, das ewige und vollkommen beseligende Gut zu finden, und so sollen auch wir aus dem fleischlich jüdischen Wesen dieser Welt ausgehen und es leiden können, wenn die Welt, so im Argen liegt, uns ausstößt, uns schmäht, lästert und verfolgt, sollen unser Leben in dieser Welt nicht mehr lieb haben, sondern nur Gott und sein Heil begehren und darum auch Gott und sein Heil zu erlangen, willig die Wege gehen, welche wir von dem Herrn unserm Gott geführet werden. Seinen Willen zu thun, sollen auch wir für unsere Speise halten, und Ihm stille zu halten, und auf seine Güte zu hoffen, im Glauben an ihn zu leben, zu leiden und zu sterben, das soll mit Christo und allen alten und neuen Heiligen, Auserwählten und Geliebten Gottes auch unser heiliger Vorsatz und beständiges Bestreben sein. Dann, ja, meine Freunde, dann folgen auch wir jener apostolischen Ermahnung, die mit Christo hilft auszugehen außer dem Lager, und seine Schmach zu tragen, und gehören so mit zu denen, welche hier außer dem Lager seinen für uns gebrochenen Leib und sein für uns vergossenes Blut zu essen und zu trinken die Macht haben.

Und dann nun? - O wahrlich! auch zu uns ist dann gesagt, was wir noch weiter in unserm Texte lesen; „So lasset uns nun durch Ihn,“ nämlich durch Jesum Christum, „darbringen das Lobopfer Gott allezeit, das ist, die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen,“ und dann: „Wohlzuthun und mitzutheilen vergesset nicht; denn solche Opfer gefallen Gott wohl.“

Wir, die wir die Macht oder das Recht haben, Christi Leib und Blut zu genießen oder von dem Altar des neuen Testaments zu essen, sollen darum zunächst den Herrn unsern Gott allezeit, sonderlich aber auch eben bei der Feier des heiligen Abendmahls und schon durch dieselbe die Ihm durch Jesum Christum, unsern Mittler und Versöhner, wohlgefälligen Lobopfer darbringen. Ist es nämlich ein Geringes um diese Macht oder um dieses Recht? O Geliebte, sind wir in Wahrheit mit Christo hinausgegangen, dann, sollte ich sagen, wissen wir auch, von welch unaussprechlichem Werthe dies Recht für uns ist. Wir, meine ich, die wir, weil wir den Glauben des Herzens an Jesum, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens überkommen haben und in diesem Glauben nun auch aus dem Babel dieser Welt ausgegangen sind, und unser Angesicht straks gen Jerusalem, das heißt, nach dem obern, himmlischen Jerusalem, nach der ewigen Stadt unseres Gottes hin gewendet haben, und so begehren und suchen, was droben ist, da Christus ist zur Rechten Gottes, und nicht, was hier unten, was auf Erden ist, ja, Christi, unseres Herrn und Hauptes Schmach für größern Gewinn als alle Schätze der Welt zu halten gelernt haben, wir wissen: Was nun, was auf dieser unserer Wanderschaft nach unserm himmlische Vaterlande vor allem Andern uns Noth thut, das ist die Gemeinschaft des Herzens und Lebens mit Christo, mit Ihm, dem Lebensfürsten, dem Erstgebornen von den Todten, der mit seinem eigenen Blute in die wahrhaftige Hütte, die Gott selber erbauet hat, hineingegangen ist. Nur in dieser Gemeinschaft, das heißt, nur wenn wir ihn, den Herrn der Verklärten und über alle Dinge Erhöhten, Ihn, den Gott gesetzet hat zum Haupt der Gemeinde über Alles, und von dem die Ströme des Lebens ausgehen, selber in uns haben, nur dann, das wissen wir, ist es uns möglich, auf dem eingeschlagenen Wege zu der Stadt Gottes, die droben ist, welche wir suchen, fortzuwandeln. Und wir, die wir hier im Sacramente des Altars eben diese Gemeinschaft mit Christo empfangen sollen, wir wollten doch Gott um diese Macht oder um dieses Recht nicht loben und preisen? Wir wollten Ihn, den überschwenglich Gnadenreichen darum nicht von ganzen Herzen durch Alles, was wir reden und thun, und sonderlich auch dadurch preisen, daß wir von dem uns verliehenen Rechte Gebrauch machen und demnach, seine Güte anbetend, zu der uns bereiteten Gnadentafel herzutreten?

O gewiß! es fehlt uns nicht an Aufforderung dazu, fehlt uns aber ebendarum auch nicht an Aufforderung, jener zweiten apostolischen Ermahnung: „wohlzuthun und mitzutheilen“ Folge zu leisten. Oder wie, meine Brüder, meine Schwestern in dem Herrn, sagt es uns nicht unser eigenes Herz schon, auch wenn es uns hier nicht durch Gottes Wort gesagt würde: „Solche Opfer gefallen Gott wohl!“ Sagt es uns, frage ich, nicht unser eigenes Herz: Wie Gott an uns gethan hat, so sollen auch wir an andern thun, und ja, dadurch sonderlich sollen wir Ihm, dem Geber aller guten und vollkommenen Gabe für seine freie, unverdiente Güte uns dankbar beweisen. Nun wohlan! so laßt uns denn auch diese Opfer dem Herrn unsern Gott und Heiland darzubringen, allezeit uns bereit finden. Laßt uns nicht karg und zurückhaltend sein mit dem, was Er uns gegeben, es mitzutheilen und darzureichen an andere, die dessen bedürftig sind. Nein, laßt uns austheilen an sie aus dem von Gott uns gefüllten Schatze leibliche, wie geistliche Gaben, und darum sowohl, wo und wie wir nur vermögen, die Hungrigen speisen, die Nackenden kleiden und die, so im Elend sind, besuchen und in unser Haus führen, als auch ohne Unterlaß nicht allein für uns und unsre nächsten Angehörigen, sondern auch für die, so uns ferner stehen, ja sogar für unsre Widersacher und Verfolger heilige Hände zum Gnadenthrone emporheben, und hiemit, so oft sich uns uns Gelegenheit dazu darbietet, die herzliche Bitte und Vermahnung verbinden: Kommt laßt euch versöhnen mit Gott. O wir werden des nicht Schaden haben. Wir, die wir geben, werden durchs Geben nicht ärmer, sondern reicher werden. Der Herr, der überschwänglich Reiche, wird uns als treuen Verwaltern des ihnen anvertrauten Gutes mehr und mehr seiner guten, wie seine vollkommenen Gaben zu theilen, wird uns im Leiblichen allezeit das Nöthige, im Geistlichen aber die Fülle schenken. Hienieden werden wir immer reichlicher von ihm gesegnet werden mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum, und werden wir unsern Pilgerlauf vollendet, siehe! dann kommen wir zu Ihm, und genießen in ewiger und ungestörter Ruhe die Freude, welche Niemand von uns nehmen kann. Wir gehen dann aus der leidenden und streitenden Kirche in die triumphirende hinüber, sitzen mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreiche zu Tische, und stimmen darum auch ein in die Lob- und Preis-Gesänge, welche werden in höherem Chor ohne Unterlaß dem Herrn, dem ewigen Gott, Vater, Sohn und heiligen Geist dargebracht werden. Mit allheiligen Engeln und vollendeten Gerechten erschallt es auch von unsern Lippen: Lob und Ehre, und Weisheit, und Dank, und Preis, und Kraft, und Stärke sei unserm Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

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