Linck, Wenzeslaus - Predigt am ersten Sonntage in der Fasten.

Linck, Wenzeslaus - Predigt am ersten Sonntage in der Fasten.

(Text: Matth. 4, 1-11.)

Zum Anfange unserer Bekehrung ist uns noth, dass wir zur Anfechtung gerüstet sein, nach Dem, als der weise Mann spricht: Sohn, wann du zum Dienste Gottes trittst, so stehe in der Gerechtigkeit und Furcht Gottes und bereite deine Seele zur Anfechtung (Sir. 2). Denn gleichwie auf ein jedes Kunstwerk zum Ersten eine Lehrzeit oder Prüfejahr ist, also wird ein Christenmensch zum Ersten probirt durch Anfechtungen, ob er Gott recht mit Ernst suche und liebe. Solcher Weise probirte Gott das Volk Israel 40 Jahre in der Wüstenei, ehedenn er sie in's gelobte Land brachte, auf dass kund würde, was sie im Herzen hätten, ob sie Gottes Gebot hielten oder nicht. Dermaassen versuchte er auch Abraham, und in aller Anfechtung und Trübsal sollen wir bedenken, wie die Väter unseres Glaubens, Abraham, Isaak, Jakob, Moses u. s. w. angefochten sein, auf dass sie probiret würden, ob sie Gott in Wahrheit ehreten, und Alle, so Gott Wohlgefallen haben, sind durch viel Trübsal probiret und gläubig befunden worden. Die aber ihre Anfechtungen nicht haben mit Gottesfurcht angenommen und ihre Ungeduld gegen den Herrn erzeiget, sind vertilget worden. Solche Probirung ist nichts Anderes, als Anzeigung und Erkenntniss, dadurch Einer an ihm selbst und Andere von ihm vergewissert werden, ob er gläubig und treu sei. Denn wie kann ich den Glauben bekennen, so ich nicht vorhin in der Anfechtung probiret und gewiss werde, dass ich glaube? Derohalben uns jetzt zum Anfange unserer Bussen und Bekehrungen die Anfechtung Christi wird vorgehalten zum Trost und Exempel, dadurch wir lernen überwinden die Teufelsgespenste mit dem Worte Gottes, in Kraft des Glaubens seiner Überwindung, sonderlich in Todesangst, wann die Taufe vollzogen wird. Denn ob wohl das ganze Leben eines Christenmenschen stete Ritterschaft und Sterbung ist, dazu er in der Taufe geschworen, und alsbald nach der Taufe die Anfechtung anfallet, doch wird's nicht vollendet, als im Sterben. Hierum merk aus diesem Evangelio, wie du Meisterstreiche brauchen und die Anfechtung überwinden mögest.

Erstlich ist Jesus vom heiligen Geiste zu der Anfechtung geführet in die Wüstenei und vom Ansehn der Menschen weggenommen, auf dass er vom Teufel angefochten würde. Hiebei merke, dass alle der frommen Christen Anfechtung kommt aus dein heiligen Geiste oder gnädigen Willen Gottes, dieweil Christus, der geliebte Sohn, in welchem alle Gläubigen geliebt sind vom heiligen Geiste der allergrössten Liebe des Vaters, zur Anfechtung geführet ist. Dermaassen ward auch Israel aus gnädigem Willen Gottes in die Wüstenei geführet. Derohalben wir's für eine grosse Freude sollen achten, wenn wir in mancherlei Anfechtung fallen, darinnen wir probiren und erkennen den gnädigen, guten Willen Gottes und nicht wider Gott murmeln als die Kinder Israel, sprechend: Warum hast du uns verführet, dass wir vom Teufel angefochten werden! Es kann der Teufel Nichts wider uns ohne Gottes Willen und Erlaubniss, wie im Hiob erscheint. Gott lässt uns nicht über unser Vermögen angefochten werden. Siehe Christum an; dieweil Der wird angefochten, so ist's eine Gnade, angefochten werden. Denn alle Frommen, die wir in Christo sehen, sind heilsam und gut, uns in Glauben oder Nachfolgung anzunehmen. Zum Andern ist Jesus bald nach der Taufe zur Anfechtung kommen , ehe denn er predigte, dabei wird angezeigt, dass wir zur Anfechtung getauft werden und zum Predigen nicht zugelassen, wir seien denn vorhin wohl versucht und probirt. Denn wer nicht versucht ist, was sollte er wissen! Wer im Geringen probirt wird, Dem vertrauet Gott das Mehrere. Die Taufe ist ein Zeichen vielerlei Widerwärtigkeit, dadurch das Fleisch gereinigt oder gewaschen muss werden. Darum auch Christus sich hat lassen anfechten nach der Taufe, dass er uns anzeige, wie unser Leben in Widerwärtigkeit stehen solle, aber durch seine Überwindung überwunden werde. Christus hat seine Überwindung uns gegeben und zugeeignet, so wir nur glauben, als oft wir sein in Nöthen begehren. Es könnte auch kein Mensch irgenderlei Anfechtung überwinden, wo Christus nicht überwunden hätte; in ihm überwinden wir und vermögen alle Dinge. Da Christus vierzig Tage und Nächte gefastet hatte, nachmals hungerte ihn; damit er zu erkennen gab die menschliche Schwachheit, in welcher die Anfechtung überwunden wird, wie St. Paulus spricht (2. Cor. 12): Wenn ich krank bin, so bin ich desto stärker. In der Krankheit wird die Kraft vollkommen. Darum auch der Anfechter zu ihm trat, da er seine Blödigkeit ersah.

Die erste Anfechtung.

Mit Sorgfältigkeit zeitlicher Leibesnahrung, dadurch wir vom Geiste in's Fleisch gezogen werden. Hierunter auch begriffen sind alle Anreizungen zur Wollust dieses Lebens, so aus den Creaturen kommen. Unter dieser Anfechtung sind alle Menschen behaftet, haben immer Sorge, der Himmel falle u. s. w. Hierinnen braucht der Teufel grosse List, daher dass Einen bedünkt, wo er ihm nicht folgt, so lässt er Gott und verleugne die Ehre Gottes. Wenn er spricht: So du Gottes Sohn bist, was darfst du Hunger leiden? kannst du doch dir Rath schaffen deines Gefallens und aus Steinen Brodt machen, also bedeckt er seine Hinterlist und Bosheit mit dem Namen Gottes, gleich wie auch das Herz seinen Geiz und Begierde zeitlicher Dinge pflegt zu vermänteln unter dem Schein der Nothdurft, Ehrbarkeit, Gottesdienst u. s. w. Darinnen wir gewarnet werden, dass etwa unter dem Namen des Sohnes Gottes Bosheit und Anfechtungen kommen werden, in welchen uns noth ist, die Geister zu probiren, ob sie aus Gott sind (1. Joh. 4), wie wir denn jetzt zu unsern Zeiten sehen, dass unter'm Namen Christi die Bauchheiligen sich mästen als die Schweine.

Wider diese Anfechtung antwortet Christus: Es ist geschrieben, dass der Mensch leben wird und erhalten nicht allein im Brodte, sondern in einem jeden Worte, so vom Munde Gottes kommt. Man mag dem Anfechter nicht widerstehen, denn nur mit den Worten der heiligen Schrift. Hierum, was du vernimmst, so schau darauf, dass du sein gewiss seiest und guten, gewissen Grund in der Schrift habest, sonst wirst du in der Zeit der Angst und Anfechtung unterliegen und verderben; denn gleich als der Leib mit Brodte gespeiset und erhalten wird, also wird der ganze Mensch durch Gottes Wort erhalten und gespeiset. Denn ein Christenmensch verlässt sich mit starkem Glauben auf Gottes Wort, der ihm zeitlich Unterhaltung zugesagt hat eben so wohl, als ewige Seligkeit; und derohalben er ermahnet und keck wird, seine Seele und Leib Gott zu vertrauen wie befohlen. Solches Vertrauen erhält mehr, als zeitliche Nahrung. Ich bin jung gewesen und nun alt worden und habe nie gesehen, dass der Gerechte verlassen sei oder sein Same nach Brodt gegangen sei (Ps. 37). Denn er mehr auf Gottes Wort, als auf den Bauch achtet. Also muss man wider diese Anfechtung vor allen Dingen Gottes Reich, so im Worte stehet, suchen und nicht das Evangelium oder Wort Gottes auf zeitliche Dinge oder Nahrung, sondern herwiederum die Nahrung aufs Wort ziehen. Ohne Zweifel, Gott verlässt nicht, die sein Reich suchen.

Die andere Anfechtung.

Mit eiteler Ehre, Ruhmredigkeit und Fürwitz. Denn wenn der Teufel siehet den Menschen auf einer Seite bewahret, also dass er nicht achtet zeitlicher Dinge, sondern auf Gottes Wort achtet, so gehet er ihn zur anderen Seite an, dergestalt, als sei er auch der Meinung, wolle nach der Schrift und nicht dawider handeln. Also, da Christus durch die Schrift den Anfechter überwand, kehret er sich auch zur Schrift. Denn wenn er siehet, dass er den Menschen vom Geiste in's Fleisch nicht reissen kann, so stellt er sich, als suche er auch geistliche Dinge, als wollte er sprechen: Ich halte die Schrift eben so wohl, als du. Derohalben geht er den Menschen mit der Schrift an, wiewohl ungereimt, führt ihn an die heiligen Stätten, das ist, in die heilige Schrift, und dieses ist eine gefährliche Anfechtung, darin noth ist eines hohen Geistes, dadurch er erkennen und unterscheiden möge, wohin ein jeder Spruch der Schrift sich ziehe. Güldene Äpfel in silbernen Schalen ist ein Wort zu seiner Zeit geredet (Sprüchw. 25). Mit dieser Anfechtung rührt er auch Christum, führt ihn zu oberst auf die Höhe des Tempels, heisst ihn, er solle sich hinabstürzen, denn Solches ihm ohne Gefahr sei, dieweil geschrieben ist, dass Gott den Engeln befohlen hat, ihn zu bewahren, und also nicht allein möge, sondern auch solle er's thun. Hierauf antwortet ihm Christus und setzt ihm eine Schrift gegen die andere, als wollte er sagen: Du hältst mir Schrift der Verheissung vor, aber ich halte dir Gottes Gebot vor, nach welchem die Schrift verstanden muss werden. Denn es herwiederum geschrieben ist: Du sollst nicht versuchen Gott deinen Herrn, also dass du nicht wolltest seinen blossen Worten Glauben geben ohne Wunderzeichen, was dann geschähe, so ich mich muthwillig in Gefahr begäbe und dadurch also erkunden und ausspähen wollte, ob er mich durch seine Engel in allen meinen Wegen bewahren würde oder nicht.

Dermaassen versucht man Gott, wenn man will durch Wunderzeichen gewiss werden, ob Gott in uns sei oder nicht, ob der Herr Gott sei, ob er vermöge, was man ihm zulegt, ob er halte, was er verheisse und dergleichen, wo man in einer Sache zweifelt und sorgfältig ist, ob es möglich sei, von Gott versehen sei oder gesehen werde und nicht glauben will, man sehe denn ein Zeichen, gleichwie Christus den Königschen strafte und sprach: Es sei denn, dass ihr Zeichen und Wunderwerke sehet, so glaubet ihr nicht (Joh. 4); und die Juden begehrten Zeichen, ob Christus wahrer Messias und seine Lehre wahr wäre. Also thun Alle, die sorgfältig sind, wie es ergehen werde und sich besorgen mit göttlicher Vorsehung; dass wir viele Exempel sehen beim Volke Israel in der Wüstenei. Da ihnen Wasser mangelte und sie in's Land ziehen sollten, glaubten sie nicht, bis dass sie Zeichen sahen. Auf dass wir auch nicht Ursache hätten, Gott zu versuchen und aus Zweifel seiner Worte Zeichen von ihm zu begehren, ist er uns zuvorgekommen und hat neben seiner Verheissung Wahrzeichen gegeben, so viel uns zum Heile noth ist, damit er unsere Krankheit aufhielte und wir nicht möchten Ursach haben, ihn zu versuchen; wie in den Sacramenten und anderen vielen Zusagungen Gottes erscheinet. Darum musst du in dieser Anfechtung bescheiden sein und vor allen Dingen ansehen, was dir Gott geboten habe; alsdann musst du annehmen die Zusagungen und alle anderen Tröstungen der Schrift.

Die dritte Anfechtung

ist vom Gotteslästern, so durch den Geiz der Mensch zur Abgötterei gereizt wird, darinnen der Glaube Noth leidet. Denn allhier nennt sich der Teufel einen Fürsten der Welt und will, dass man ihm mehr gehorsam sei, sein Wort und Gebot höher achte, als Gottes, welches er von den Kranken mit hoffährtigem Zwang oder Dräuen, von den Starken (als hier Christus ist) mit arglistigem Schmeicheln und lügenhaftigem Verheissen vermeint zu erhalten. Jetzt zu unseren Zeiten sehen wir leider, dass die ganze Welt solcher Abgötterei voll, voll, voll ist, so man der Menschen Geboten, Gesetzen, Tradition und Erfindung mehr gehorsam ist, als Gottes, vermeinet dazu, in Solchem Gotte zu dienen, und ist dieses die allerfährlichste Anfechtung, darin begriffen wird die Tyrannei, Verfolgung und Alles, dadurch wir gezwungen werden, Gottes Wort zu verlassen und der Menschen Träume anzunehmen.

Denn Niederfallen und den Teufel anbeten ist eine Anfechtung der Gotteslästerung, dadurch uns Gedanken und Begierden einfallen, gleich als sei Gott nicht gerecht, wahrhaftig u. s. w., und kürzlich eine Verachtung Gottes und dergleichen, wie ein Jeder bei sich selbst ermessen mag. Darum allhier mit ernstlichem Fleiss widerstanden soll werden mit der Schrift allen Menschen, Päpsten, Kaisern, Fürsten u. s. w., nicht anders, als dem verführerischen Teufel. Nimm allhier vor dich das Exempel der Überwindung Christi, auf dass du nicht verderbest und siehe Nichts an, denn Gott allein. Wo du zeitliche Güter oder Leben achtest, so wirst du gewisslich fallen. Also sehen wir, dass leider Fürsten , Bischöfe, Pfaffen, Mönche und der grösste Theil der Welt den Teufel anbetet um zeitlicher Reiche, Ehre und Guts willen, am meisten darum, dass sie nach Menschenworten lehren von Gesetzen, Handeln und Leben und Gottes Wort verachten.

Mit welchem Ernst dieser Anfechtung widerstanden müsse werden, lehrt uns Christus in diesen Worten: Hebe dich hinweg, du Satan, denn es ist geschrieben: Du sollst Gott deinen Herrn anbeten und ihm allein dienen oder ihn allein ehren. Das ist, du sollst alle Begierde, alle Neigung verlassen, nichts Zeitliches ansehen und blösslich an Gott und seinen Worten hangen. Glauben ist Gewissheit der Dinge, die du nicht siehest. Allhier siehest du, wie grosse Vollkommenheit, Haltung und Vollbringung der Gebote und Worte Gottes von Menschen erfordert wird. Darum lügen und trügen die falschen Theologen, so sprechen, es wolle Gott nicht haben ganze Vollkommenheit vom Menschen, dieweil der Mensch Niemand, denn Gott allein dienen und unterworfen oder gefolgig sein soll. Was ein Mensch thut, soll er Alles Gotte thun, ein Knecht soll seinem Herrn zu Nutz, aber Gott zu ehren arbeiten. In allem Leben soll man Gott das Werk eignen, den Nutz und die Brauchung den Menschen. Gott soll man allein dienen und den Menschen nützen. Wo die Menschen dagegen ihnen den Dienst und die Ehre wollen zuziehen oder auch vermeinen, Gotte den Nutz zuzuwenden (wie denn durch die tyrannischen Gesetze und antichristischen Zwang nach der falschen Lehrer Weise und allen Menschenlehren geschieht), soll man sie wie den Teufel fliehen und verjagen und alle Zeit mit den Aposteln sagen: Man muss Gott mehr gehorsam sein, denn den Menschen. So bald als man Gottes Wort geringe achtet oder daneben Menschenwort an die Gewissen lässt, oder mehr achtet der Menschen, als Gottes Wort, oder nicht blösslich am Worte Gottes hanget, betet man den Teufel an, und mögen die Engel demselbigen Menschen nicht dienen. Da hilft kein Peitschen, noch Glossiren, kurzum, man muss dem Teufel widersagen (wie denn in der Taufe geschieht) und ihn verjagen. Alsdann weicht der Teufel und dienen dir die Engel Gottes und alle Creaturen, und wird wahr, wie der Teufel droben aus den Psalmen fürbrachte, dass Gott seinen Engeln befiehlt, dich auf ihren Händen zu tragen. Denn wo du Gotte getreu bist und dienest, so stellt er dir alle Creaturen wiederum zu Dienste, welcher Herrlichkeit der Teufel aus Neid dich gern berauben wollte, wie er unseren ersten Altern im Paradiese that. Denn in allen diesen Anfechtungen suchet der Teufel nichts Anderes, denn dass er dich abwende vom wahren Gotte, also dass du den Glauben verlassest, treulos im Unglauben werdest und an den Creaturen haftest. Darum, so oft dir diese Anfechtungen vorkommen, so wirf dem Teufel diese Worte Christi mit starkem Glauben vor, gewisslich, du wirst überwinden.

Hierum in Summa lehrt uns in diesem Evangelium Christus Jesus, unser Herr, dass wir in seinen Worten allein haften und darein vertrauen sollen; sonst mögen wir in der Anfechtung nicht bestehen. Ausserhalb des Worts ist fährlich Streiten und besorglich, dass nicht der Teufelsdienst oder falsche Gottesdienst für den wahren angenommen werde. Denn man muss aus allem Menschenverstand Urtheil und Gericht treten und allein Gott sich ganz mit Demuth in sein Wort ergeben und unterwerfen. Amen.

Zu einem Beschluss und kurzen Begriff:

Dieweil der Teufel den Menschen durch Begierlichkeit des Fleisches, Begierlichkeit der Augen und Hoffahrt des Lebens (in welchen Dreien die Welt haftet) ansieht, reizt er durch diese Drei die Herzen zu Liebe der Creaturen und Verachtung Gottes, also, dass sie mehr auf Menschengedanken, denn auf Gottes Wort sich vertrösten und davon reizen lassen.

In der ersten Anfechtung, aus Sorgfältigkeit zeitlicher Nahrung Gottes Wort zu verlassen und zu versäumen, dawider ermahnt der Herr Gott allen Dingen Gottes Reich suchen und mehr auf Gottes Wort, denn auf ungewiss, vergänglich Gut zu vertrauen. Siehe an, wie Gott von Anbeginn der Welt und sonderlich in der Wüstenei, da er das Volk Israel aus Ägypten führte, die Seinen erhalten und gespeiset hat. Siehe an die Vögel der Luft, die Blümlein des Feldes und alle Creaturen und lerne alle deine Gedanken auf Gottes Wort stellen.

In der andern, aus Fürwitz und Üppigkeit Alles verachten und dazu die Schrift und Gottes Wort missbrauchen durch falsche Glossen und Auslegungen, als wenn man spricht: Ich soll nicht sorgen, was ich esse and anziehe, so will ich nicht arbeiten, Gott wird mir wohl Speise vom Himmel senden; item, ich soll in aller Widerwärtigkeit zu Gott vertrauen, hierum will ich keine Fährlichkeit Wassers, Feuers, Pestilenz meiden; item, ich bin von Gott ersehen zur Seligkeit, so will ich thun, was mich gelüstet; item, so der Glaube allein zeiget, was ist's noth, gute Werke thun? Item, so ich Gott angenehm wäre als ein Kind, liesse er mich nicht Solches leyden. Solche und dergleichen Verachtung und Versuchung Gottes kommen aus unrechtem Verstande vieler Sprüche der heiligen Schrift, so vom Glauben, Vorsehung Gottes und dergleichen lauten, und gleich als in der ersten Anfechtung Gottes Wort nicht geachtet noch angesehen, sondern der Mensch nach eigenen Gedanken bekümmert wird, also wird's in dieser gefälscht und der Mensch in seinem Gemüthe aus Betrug erhoben.

In der ersten fehlt Einem Zuversicht zu Gott; in der andern Furcht und Scheu gegen Gott. In der dritten reizt er, Gottes Wort gar zu verdammen um zeitlicher Pracht, Guts und Herrlichkeit willen und Menschen Wort, Lehren oder Gesetze demselbigen vorzusetzen. Dadurch nicht allein Gott vergessen und verachtet, sondern auch der Teufel angebetet wird. Also, wenn der Mensch ansiehet die Gaben, so ihm Gott verliehen hat und sich derselben überhebet, gleich, als hätte er's von sich selber, es sei Gewalt, oder Verstand, Frömmigkeit u. s. w., wie wir denn jetzt bei den Gewaltigen, Gelahrten und Geistlichen sehen, die sich nicht anders, denn für Götter aufblasen, so doch Christus selber hat müssen geniedrigt werden, ehe denn er ist zum Reiche erhöhet worden, demselbigen wir müssen alle gleichförmig werden.

Daraus folgt dann, dass sie mehr ihre Gebote wollen gehalten haben von ihren Unterthanen, denn Gottes Gebot, mehr ihrer Lehre wollen gefolgt werden, denn der heiligen Schrift, mehr ihre guten Werke, Fürbitte, Verdienst u. s. w. preisen, denn den Glauben Gottes, welches Alles nichts Anderes ist, denn mit Lucifer sich an Gottes Statt setzen und angebetet wollen werden. Hierin müssen sie durch den Geist Christi vom Himmel gestossen werden in den Abgrund der Hölle mit dem Satanas. Also vertreiben diesen Antichrist nicht allein Christus in eigener Person, sondern auch alle frommen Christen, mit dem Worte: Hebe dich hinweg, du Teufel! Die Schafe Christi hören keines Andern Stimme, als Christi allein, die fremden fliehen sie; halten auch keine Gewalt, weltlich oder geistlich, anders, denn als Diener Christi und Händler der Worte Christi. Dem allein geben sie das Königreich und Bisthum.

Diese drei Anfechtungen hat der Teufel Christo in seiner Person vorgehalten und nicht minder gegen die christliche Sammlung geübt, die er zum Ersten durch leibliche Verfolgung der Tyrannen angegangen hat und aus Furcht vor Verlust Leibes und Guts von Christo wollen abwenden; zum Andern durch mancherlei Ketzereien und Fälschung der heiligen Schrift in irrige Secten zertheilen; zum Dritten im antichristischen Reich mit Menschengesetzen und Worten in ganze Verachtung Gottes und seines Evangelii zu bringen. Hierum, als die Kirche zur Zeit der lieben Märtyrer am Worte Gottes so fest gehalten hat, darüber auch Leib und Gut verlassen, hat sie also den Teufel im ersten Anstosse überwunden. Zur Zeit der heutigen Lehrer hat sie mit demüthiger Haltung der Gebote Gottes und steter Erlernung des wahren Geistes der heiligen Schrift die andere Anfechtung durch Gottesfurcht bewältigt.

Also nun zu den letzten Zeiten, so der Antichrist, ein Sohn der Verderbniss, sich erhebet über Alles, das Gott genannt wird (2. Thess. 2) und in die Gewissen der Menschen sich setzt, auch sein Wort über Gottes Wort erhebt, muss man trotzlich verachten solch Gespenst mit allem erdichteten Schein des bezüglichen Gottesdienstes und Gotte allein dienen im Geist und in der Wahrheit, ihn allein anbeten, ihn allein ehren, sein Wort allein annehmen und ja kein Menschenwort in die Gewissen kommen lassen.

Eben dermaassen soll ein jeder Christ gegen die Anfechtung sich halten, als nämlich, wo er wird angefochten in Leibesnothdurft oder Erhaltung zeitlicher Dinge, dieselbigen allzu sehr zu suchen, soll er beherzigen, dass alle zeitliche Nothdurft und Erhaltung mehr im Wort und Willen Gottes, denn in menschlicher Sorgfältigkeit und Vorsichtigkeit stehet, wie wir denn vor Augen oftmals sehen, dass Etlichen durch keinen Fleiss ihre Nahrung wird zugelegt, den Anderen herwiederum schlafend Alles zufleusst, darinnen ohne Zweifel angezeigt wird, wie es nicht in der Menschen klugen Anschlägen, sondern im Willen oder Worten Gottes stehe, wie ein Mensch beim Leben erhalten werde, in seiner Nahrung ab- oder zunehme, dess wir gar schöne Anzeigung haben im alten Testamente, da Gott verhiess mancherlei Gebenedeiung, wo sie seine Worte halten und annehmen, herwiederum allerlei Vermaledeiung, wo sie die verachten würden, als nämlich Friede, Zunehmung des Viehes, Frucht des Leibes, gut Gewächs des Feldes. Aus welchem Allen klar ist, wie das Leben und die Nahrung des Menschen stehet mehr im Worte Gottes, denn in Arbeit, Sorgfältigkeit oder Vorsichtigkeit des Menschen, also dass St. Paulus wohl gesagt hat: Es ist weder Der, so pflanzt, noch Der, so feuchtiget, Etwas, sondern allein Gott, der das Gedeihen giebt (1. Cor. 3); item David: Aller Augen hoffen auf dich, lieber Herr, und du giebst ihnen ihre Speise zu bequemer Zeit (Ps. 145). Du öffnest deine Hand und erfüllest jedes Thier mit Gebenedeiung. Alle lebendigen Thiere warten auf dich, dass du ihnen die Speise zu seiner Zeit gebest. So du ihnen giebst, sammeln sie; so du deine Hand aufthuest, werden sie alle mit Güte erfüllet; so du aber dein Angesicht abwendest, werden sie betrübt (Ps. 104). Wenn Einer solche und dergleichen Schrift vor Augen hält, befindet er sichtiglich, dass des Menschen Leben mehr im Willen und Worte Gottes, denn im zeitlichen Brodte, Gute oder Nahrung steht. Derohalben er mehr sich auf Gott verlassen soll, denn auf seine Vorsichtigkeit oder Sorgen und also nicht verzagen, ob er Hunger oder Noth leidet, sondern vor allen Dingen Gottes Reich, so in seinem Worte ist, ersuchen.

Zum andern, wo er dann weiter angefochten wird mit Zweifel am Worte Gottes, also, dass er demselbigen allein nicht vertrauen, sondern Zeichen wolle haben, wie oben bemeldet, soll er beherzigen die Majestät und Gebote Gottes, sich nicht mit fremden, unnöthigen Sachen bekümmern, sondern mit Dem, das ihm Gott geboten hat, wie der weise Mann spricht: Was dir Gott geboten hat, betrachte alle Zeit und sei nicht fürwitzig in allen seinen Werken; wir können seinen Werken weder zusetzen, noch abnehmen, welche Gott gemacht hat, auf dass man ihn fürchten solle (Pred. 3). Darum fürchte Gott und halte seine Gebote; denn Das ist des Menschen Vollkommenheit, also, dass er Nichts mehr bedarf zu seinem Heil (Pred. 12). Wer bist du, armer Mensch, der du mit Gott rechten willst und seine Werke erforschen, an seinem Worte nicht Genüge haben, sondern ihn versuchen? wie die Gleissner, so ein Zeichen von ihm begehret und die Kinder Israel, so ihn zehn Mal in der Wüstenei versucheten und nicht wollten gehorsam sein seiner Stimme, so sie doch seine Majestät und Wunderzeichen, die er in Ägypten und in der Wüste that, gesehen hatten; derohalben sie auch alle mussten sterben und das gelobte Land nicht beschauen. Es ist eben, wo du an Gottes Geboten, Worten und Werken oder Ordnungen nicht willt begnüget sein, sondern weiter forschen, als wenn ein Topf zum Töpfer spräche: Warum hast du mich also gemacht (Röm. 9)? Sage du nicht, warum es Gott sonst oder so wittern lässt, warum es dir jetzt also und bald anders gehet. Stelle es Alles Gott heim, in sein Wohlgefallen, und befleissige dich, dass du in allen Dingen ihm gehorsam seist und ihn alle Zeit fürchtest. Also, wenn es brennt, so hat Gott verordnet Wasser, damit man das Feuer lösche; wenn du krank bist oder kraftlos, so hat Gott von der Erde Arznei und allerlei kräftige Dinge geschaffen, deren du zur Stärkung sollst brauchen; wenn du in die Höhe steigen sollst, so hat Gott Leitern und Stiegen verordnet. So du nun solche Gottes gewöhnliche Ordnung willt verachten und etwas Neues, Ungewöhnliches suchen, so versuchst du Gott und verachtest seine Ordnung. Dergleichen vernimm auch in Worten und Werken Gottes, so du daran nicht begnüget bist und lässt dich in deinen Sinnen bedünken, du wissest's besser oder wollest's anders haben. Allhier brich dich unter Gottes Gehorsam, nimm deine Sinne, Vernunft und Willen gefangen und schaue, dass du Gott nicht versuchest, ihm auch in seinen Verheissungen keine Deutung machest, wie der Teufel allhier that. Es steht allein Dem zu, ein Recht oder Gesetz zu deuten, der es gemacht hat und nicht einem Andern. Hierum strafet das fromme Weib Judith die Obersten zu Bethulia, dass sie Gott ein Ziel wollten stecken, wenn er sie von den Feinden erlösen sollte (Judith 5). Er hat verheissen, er wolle die Seinen in aller Noth erledigen, erhalten. Aber wie, wann, in welcher Gestalt, Das steht bei ihm; darum darfst du dir selber kein Maass, Ziel oder Weise vornehmen, anders, als die gemeine Gottesordnung inne hält, obgleich die Schrift scheinet dazu zu lauten; sonst wirst du als vermessen, ruhmredig und Gottesverächter billig geschätzt.

Zum Dritten, so er wird angefochten, Menschengebot, Lehre und Wort gleich oder höher, denn Gottes zu achten, soll er keine Disputation, noch Rede zulassen, sondern trötzlich widerstehen und allein Gott ehren, keine Creatur desselbigen gleichen, weder um Guts, noch Gewalts willen. Merk auch eben, lieber Mensch, wo, wie und warum die Versuchung geschieht.

Die erste Anfechtung, so Leibesnothdurft anlangt, geschieht in der Wüste nach vierzigtägigem Fasten, da Christum hungerte. Denn weil man volle Kasten hat und Alles genug, was zum Leibe gehört, wird man nicht sehr angefochten hierinnen. Item, es versucht allhier auch der Teufel aufs höchste und spricht: Bist du Gottes Sohn, das ist, so du dich Etwas Guten, zu Gott versiehest, probier es damit, dass er dir Leibesnothdurft gebe, gleich als stände Gottes Reich, darinnen er über uns herrschet und wir ihm unterthänig sind, auf Essen und Trinken, welches er den Bösen eben sowohl, als den Frommen giebt überflüssig. Item, indem, dass er spricht: Gieb, dass diese Steine Brodt werden, reizt er, Leibes Nothdurft zu suchen in widerwärtigen, ungewöhnlichen Dingen; wie wir denn sehen die Menschen ihre Nahrung seltsam und wunderlich suchen.

Aber Christus zeigt an, dass der Mensch mehr Achtung soll haben auf Gottes Wort, denn auf Leibes Nahrung; dass auch Gottes Huld mehr probirt werde, in Dem, dass man sein Wort hält, denn so man zeitliche Güter und Wollust hat. Dabei erkennt man die Jünger Christi, so sie sein Gebot halten. Hierum ohne Noth ist aus Steinen Brodt machen, dieweil Gott verheissen hat, er wolle uns ernähren; wo wir seinem Worte vertrauen, sterben wir nicht Hungers, obgleich die grösste Noth vorhanden wäre.

Die andere Anfechtung bewegt er auf dem Tempel, da man Opfer, Geistlichkeit, Gebet, Lehre und andere gute Werke pflegte zu üben. Denn er zeigt, dass man solche Dinge von zeitlichen Ruhmes und Menschenehre wegen thue, damit der Lohn zeitlich eingenommen und also Gott darinnen nicht geehret werde. Es wird auch Gottes Huld nicht probiret in Solchen, denn durch Anfechtung, wenn der Teufel alle Dinge, so zur Geistlichkeit und Gottesdienst gehören, und sonderlich die Lehre fälscht und dazu braucht der heiligen Schrift. Demnach lehrt St. Paulus: Es müssen Ketzereien sein und Parteien, auf dass auch, die unter euch probiret sind, offenbar werden (l. Cor. 11). Also lehret er, man solle den geistlichen Orden nicht verlassen, denn es ist geschrieben, ein Jeder solle bleiben in der Berufung, darinnen er von Gott gefordert wird (l. Cor. 7); so doch, dass Mönchwerk und Orden keine Berufung Gottes sei, dieweil es nicht Grund in der Schrift hat.

Item, also lehret er Testament machen, zu Kirchen und anderem Gerumpel Geld geben, unangesehen, ob es übel gewonnen oder den armen Altern, Kindern, Freunden entzogen worden. Item, also lehret er opfern, beschönet dasselbe mit dem Evangelio, da die Weisen Christo, dem neugeborenen Könige Opfer brachten. Item gute Werke zum äusserlichen Schein und Ansehn der Menschen thun, bemäntelt Dasselbige mit der Schrift: Euer Licht soll leuchten vor den Menschen. Also versuchet er einen jeden frommen Christen und spricht: Bist du Gott angenehm als ein Sohn, so beweise es in Diesem oder Jenem, dass der Mensch erkunde und probire, ob er Gott angenehm sei und Solches erkunde bei sich selber in ungegründeten Dingen, als da ist vom Tempel fallen, beschönet Solches mit der Schrift und falschen Glossen. Aber dawider muss der Mensch Nichts für nöthig achten, denn nur Gottes Gebot. Er wird auch in seinem Gemüthe nicht zufrieden, noch sicher, dass ihm Gott wohl wolle und gnädig sei, denn nur durch Haltung der Gebote; wie Christus spricht: Ihr seid meine Freunde und mir lieb, so ihr thut, was ich euch gebiete; als wollte er sprechen: Ihr werdet durch kein Ding vergewissert, dass euch Gott wohl will und gnädig ist, denn durch die Haltung seiner Gebote, dadurch euch angezeigt wird der Glaube und der Mensch vergewissert, ob ihm Gott gnädig sei.

Die dritte bewegt er auf dem Berge, da man Schlösser und Befestigung hinbauet zur Herrschaft, Obrigkeit und Tyrannei. Damit reizt er die Herzen zur Hoffahrt, dass der Mensch mehr gehalten will haben seine Gebote und Worte, denn Gottes. Aber dawider muss man keines Dinges achten, als Gottes; Den soll man allein vor Augen haben und ehren.

Beschluss.

Anfechtung ist ein Ausspähen oder Erkunden, dadurch man erfahren mag, wie der Mensch geschickt sei gegen Gott, sich selber und Andere. Also ward Abraham probiret und kund gemacht durch die Anfechtung, dass er getreulich an Gott hing.

Solche Probirung oder Kundschaft nimmt der Teufel ab bei zeitlicher Leibesnothdurft, äusserlichem Schein und Gleissen oder Ansehn der Augen und Hoffahrt des Gemüths. Denn welches Gemüth an diesen Dreien hängt, der giebt zu erkennen, dass er an Gott nicht treulich hafte, sondern an den Creaturen.

Also reizt der Teufel die Herzen zu Sorgfaltigkeit, Leibesnahrung, zum Gleissen und Schein äusserlicher Werke und zum Gepränge oder Tyrannei, in der Wüstenei, auf dem Tempel und Berge.

Dawider lehrt Christus auf Gott und sein Wort allein festiglich das Herz setzen mit starkem Glauben, Vertrauen, er werde uns ernähren, und nicht in gleissenden menschlichen Werken, sondern nur in seinen Geboten uns üben, ihn allein und sonst keine Creatur fürchten, lieben, anbeten und ehren oder gehorsam sein.

Also verwirft der Herr Christus die Bauchmästung, gleissnerische Werke und Tyrannei oder Geiz der Geistlichen, so jetzt nach Menschen Gutdünken und Gesetzen leben. Merk auch, wie er alle Anfechtung aus dem Buche Deuteronomii (5. Mos. 17) - das ist eine Verkürzung des Gesetzes - überwindet, derohalben geboten war, dass der König dasselbige alle Zeit zur Hand sollte haben und ein jeder Mensch alle Zeit im Gesetze Gottes sich belustigen soll. Amen.

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