Harms, Theodor - Das dritte Buch Mose - Das 24. Capitel.

Harms, Theodor - Das dritte Buch Mose - Das 24. Capitel.

Und der HErr redete mit Mose, und sprach: Gebiete den Kindern Israel, daß sie zu dir bringen gestoßenes lauteres Baumöl zu Lichtern, das oben in die Lampen täglich gethan werde, außen vor dem Vorhang des Zeugnisses in der Hütte des Stifts. Und Aaron solls zurichten des Abends und des Morgens vor dem HErrn täglich. Das sei ein ewiges Recht euren Nachkommen. Er soll aber die Lampen auf dem feinen Leuchter zurichten vor dem HErrn täglich. Und sollst Semmelmehl nehmen, und davon zwölf Kuchen backen, zwo Zehnten soll ein Kuchen haben. Und sollst sie legen je sechs auf eine Schicht, auf den feinen Tisch vor dem HErrn. Und sollst auf dieselben legen reinen Weihrauch, daß es seien Denkbrote zum Feuer dem HErrn. Alle Sabbathe für und für soll er sie zurichten vor dem HErrn, von den Kindern Israel, zum ewigen Bunde. Und sollen Aarons und seiner Söhne sein, die sollen sie essen an heiliger Stätte; denn das ist sein Allerheiligstes von den Opfern des HErrn zum ewigen Recht. Es ging aber aus einer israelitischen Weibes Sohn, der eines egyptischen Mannes Kind war, unter den Kindern Israel, und zankte sich im Lager mit einem israelitischen Manne, und lästerte den Namen, und fluchte. Da brachten sie ihn zu Mose (seine Mutter aber hieß Selomith, eine Tochter Dibri, vom Stamme Dan). Und legten ihn gefangen, bis ihnen klare Antwort würde durch den Mund des HErrn. Und der HErr redete mit Mose, und sprach: Führe den Flucher hinaus vor das Lager, und laß alle, die es gehöret haben, ihre Hände auf sein Haupt legen, und laß ihn die ganze Gemeinde steinigen. Und sage den Kindern Israel: Welcher seinem Gott fluchet, der soll seine Sünde tragen. Welcher des HErrn Namen lästert, der soll des Todes sterben, die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Wie der Fremdling, so soll auch der Einheimische sein; wenn er den Namen lästert, so soll er sterben. Wer irgend einen Menschen erschlägt, der soll des Todes sterben. Wer aber ein Vieh erschlägt, der solle bezahlen, Leib um Leib. Und wer seinen Nächsten verletzet, dem soll man thun, wie er gethan hat. Schade um Schade, Auge um Auge, Zahn um Zahn; wie er hat einen Menschen verletzet, so soll man ihm wieder thun. Also, daß, wer ein Vieh erschlägt, der solls bezahlen; wer aber einen Menschen erschlägt, der soll sterben. Es soll einerlei Recht unter euch sein, dem Fremdling, wie dem Einheimischen; denn Ich bin der HErr euer Gott. Mose aber sagte es den Kindern Israel; und führeten den Flucher aus vor das Lager, und steiniget ihn. Also thaten die Kinder Israel, wie der HErr Mose geboten hatte.

In dem heutigen Capitel wiederholt der HErr zwei Gesetze, die Er schon im zweiten Buch gegeben hat, das von dem siebenarmigen Leuchter und von den Schaubroden. Das Oel in den sieben Schalen des Leuchters (V. 2-4) sollte Tag und Nacht brennen, als ein Sinnbild des heiligen Geistes in Seiner siebenfachen Wirksamkeit. Es sollte nicht durch Quetschung der Frucht heraus gebracht werden, sondern nur durch Ausdrücken, damit es das reinste, lauterste Oel sei. Das Oel ist das Sinnbild des heiligen Geistes, wir können auch kurz sagen, des Wortes, denn der heilige Geist wirkt lediglich durch das Wort Gottes und die Sacramente, und diese sind ja erst Sacramente durch das Wort Gottes. Der heilige Geist ist an das Wort gebunden, und es ist eine falsche Lehre der Schwarmgeister, die das Gegentheil behaupten. Das Wort ist der feste Grund und Boden unsere Glaubens; außerdem gibt es keinen, und wir haben keine weitere Offenbarung zu erwarten. Daraus ergibt sich nun der unschätzbare Werth des Wortes. Wir können nur durch den heiligen Geist bereitet werden zum Verständnis desselben, denn wir sind von Natur blind und fleischlich, und die Bekehrung des Menschen ist allein ein Werk des heiligen Geistes; wir können nichts thun, als Ihm Raum geben und Ihm stille halten, damit Er uns die Augen und Ohren öffne, unsere Natur umwandle und die Kräfte der zukünftigen Welt hineinsenke. Das Alles wirkt der heilige Geist beständig in der Kirche; darum durfte auch das Licht im Tempel Tag und Nacht nicht verlöschen; der heilige Geist scheint nicht nur die Menschen an; Er durchleuchtet sie auch bis auf den Grund der Seele.

Wie nun das Oel das allerlauterste und reinste sein mußte, so sehen wir, wie wichtig die lautere, reine Lehre ist, das mit wir das Wort rein und unverfälscht haben. Haben wir das nicht, so kann der lebendige kräftige Glaube nicht in uns gewirkt werden, so wird unser ganzes Christenthum ein kränkelndes, ungesundes. Darum ist es so überaus wichtig, daß wir die reine Lehre haben und bewahren, und in keinerlei Weise davon abweichen, denn wenn das Wort Gottes der einzige Grund ist der Kirche, so ist es auch der einzige Grund, wodurch sie erhalten werden kann. Es kommt Alles darauf an, daß das Wort Gottes rein und lauter gepredigt werde, denn der lebendige Glaube kommt nur durch die Predigt des reinen Wortes; durch die Predigt geht der heilige Geist aus von dem Worte Gottes und durchdringt mit Seiner Kraft alle Glieder am Leibe Christi. Wir bedürfen zur Erhaltung der Kirche weder des Lichtes menschlicher Weisheit, noch des Schutzes der Obrigkeit. Das ist ganz Nebensache; Alles kommt auf die reine Lehre des göttlichen Wortes an. Daran haben wir genug, und mit dem Worte Gottes können wir es getrost wagen, gegen den Teufel, und gegen die Pforten der Hölle zu kämpfen. -

Das sollte vorgebildet werden in dem ewig brennenden Licht. Haben wir nun das Wort Gottes rein und lauter, so haben wir darin die volle Wirkung des heiligen Geistes, bis wir eingeben in den Himmel zur vollkommenen Erkenntnis der Wahrheit, wo wir der Predigt nicht mehr bedürfen, wo der heilige Geist unmittelbar wirkt, wie hier mittelbar. Dann wird der Leuchter nicht mehr nur im Heiligthum stehen, sondern hinter dem Vorhang im Allerheiligsten.

Die andere Vorschrift handelt von den Schaubroden (V. 5-9), welche die Priester mit Wein genießen sollten. Brod und Wein sind die Vorbilder auf das heilige Abendmahl, und der Weihrauch darauf als Sinnbild des Gebets, will uns sagen, daß wir den Leib und das Blut des HErrn nie anders genießen sollen, als unter Gebet, worin wir uns dem HErrn Christo zum Eigenthum ergeben, wie Er Sich uns zum Opfer und Eigenthum gibt. Durch das Gebet steigen wir zu Ihm hinauf, Er zu uns herunter, und so wird im heiligen Abendmahl die allerinnigste Gemeinschaft erhalten zwischen dem HErrn und den Seinen; durch den Genuß des heiligen Abendmahls ergießt sich ein wahrer Seligkeitsstrom in das Herz, das sich dem HErrn ergeben hat. Daraus folgt, daß wie das Wort Gottes rein erhalten werden muß, so auch das Sacrament. Wie der böse Feind es darauf abgesehen hat, das Wort zu verdunkeln, so sucht er auch das Sacrament herunterzusetzen, noch unter das Wort. Er will es von Seiner Herrlichkeit und Höhe herabziehen, und das geschieht durch die Union. Wir haben also zu wachen, daß es nicht herabgewürdigt werde, denn die Union stellt die Lehre vom Sacrament als etwas Gleichgültiges hin, worauf nichts ankomme, und doch ist es das Wichtigste, Herrlichste, Feierlichste, was wir haben. Darum haben unsere Väter nicht hoch genug davon halten können, haben gesagt: Sacramentsgemeinschaft - Kirchengemeinschaft, und sie haben Recht gehabt. Darum verbietet die Hoheit des heiligen Abendmahls, daß nicht Solche zum Genuß des heiligen Abendmahls zugelassen werden, die nicht auf gleichem Bekenntnis stehen. Es sollten ja eben nur die Priester davon essen.

Darin besteht die Wahrheit unserer Kirche, das Wort und Sacrament unverfälscht ist, und wir wahren uns gegen jede Vermischung oder Union. Als der HErr nun diese Gesetze wiederholen ließ, da ereignete sich ein Zwischenfall. Wir wissen ja, daß, als Israel auszog aus Egypten, viel Pöbelvolk mitzog, auch solche Menschen, aus Ehen von egyptischen Männern und jüdischen Weibern geboren. Ein solcher Mann nun fluchte nicht nur im Lager, sondern lästerte auch den heiligen Namen „Jehovah“, den der HErr führte als Bundesgott der Israeliten, und den jeder Israelit noch heute mit der tiefsten Ehrfurcht, entblößten Hauptes ausspricht, und dadurch viele Christen beschämt, die in leichtsinniger Weise den Namen des HErrn im Munde führen, ohne sich etwas dabei zu denken. Die Kinder Israel hatten das Lästern gehört (V. 12), und waren um so mehr in Zweifel, was sie mit dem Lästerer thun sollten, da er ja nicht ganz zu ihrem Volke gehörte. Moses fragte den Herrn, und der gab die runde, bestimmte Antwort (V. 15): Er soll seine Schuld selbst tragen, d. h. es soll für ihn keine Versöhnung stattfinden; seine Sünde soll nicht auf ein Opferthier gelegt werden, und damit zeigt der HErr Seinen ganzen heiligen Ernst, womit Er einen solchen Frevler straft. Alle, die es gehört hätten (V. 14), sollten die Hände auf sein Haupt legen, und damit bezeugen, daß sie nicht gewilligt hätten in die Sünde der Lästerung, mit Abscheu sie gehört, und sich nun frei davon machen wollten, indem sie dem Lästerer sie auf sein eigen Haupt legten, denn wenn man Fluch- und Lästerworte hört, und bleibt gleichgültig dabei, so macht man sich derselben Sünde schuldig. Die ganze Gemeinde (V. 16) soll den Lästerer steinigen, damit die ganze Gemeinde erklärt, daß sie solche Sünde als Todsünde erkennt. Daran knüpft der HErr (V. 17) die Wiederholung des Gebotes der Todesstrafe nach dem Recht der Wiedervergeltung.

Die abgefallene Christenheit lehnt sich mit ganz besonderer Neigung gegen das Recht der Todesstrafe auf, und ich erkenne dazu einen doppelten Grund. Einmal ist es das Sündenwesen, die natürliche Frechheit, die das Regiment haben will, damit jeder thun könne, was er will. Wird der Ernst der Strafe abgeschwächt, so auch der Ernst der Sünde, und ihr wird Thor und Thür immer mehr geöffnet. Was macht sich ein Verbrecher daraus, mehrere Jahre eingesperrt zu werden, bei freier Wohnung und guter Kost; er hat es ja besser, als sehr viele Menschen. So werden die Verbrechen immer mehr zunehmen; dem Staate aber wird es bald über werden, immer neue Gefängnisse zu bauen, und wird die Leute bald laufen lassen. Der Hauptgrund aber ist wohl, daß man die Obrigkeit nicht mehr anerkennen will als eine von Gott eingesetzte, der das Recht über Leben und Tod zusteht; man will sie nicht von Gottes Gnaden, sondern von Pöbels Gnaden, und nimmt das Böse die Ueberhand, so wird das Gute gestraft. Durch die Abschaffung der Todesstrafe werden wir mit schnellen Schritten den letzten Zeiten entgegengehen. Es ist unbegreiflich, daß die Obrigkeit das Recht der Todesstrafe aus den Händen gibt; damit gibt sie alles Recht fort. Daß ganze obrigkeitliche Strafgesetz aber beruht auf dem Grunde alten Testaments; wie der HErr verfährt in Seinem Regiment, so sollen Seine Diener auch thun; und das Recht der Wiedervergeltung ist göttliches Recht, und wehe dem Menschen, der dies Recht umstoßen will.

Ferner sehen wir, daß der HErr die Lästerer und Mörder auf gleiche Stufe stellt, und mit Recht, denn ein Lästerer macht sich des Hochverraths schuldig. Die Könige halten gewaltig darauf, daß ihr Name hochgehalten werde, aber wer kümmert sich darum, ob des HErrn Name schamlos gelästert wird; die Zeitungen sind voll von solchen Schmähungen, und Niemand straft die Lästerer, aber einstens, wenn der HErr sie in Seine Hand nimmt, wird Er sie zwiefältig strafen. Amen.

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