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Luther, Martin - Wider Hans Worst

Luther, Martin - Wider Hans Worst

Es hat der von Brunsvig zu Wolfenbüttel itzt abermal ein Lasterschrift lassen ausgehen, darin er an meines Gnädigsten Herrn, des Kurfürsten zu Sachsen, Ehren seinen Grind und Gnatz zu reiben furgenommen, auch mich zweimal angetastet und gelocket. Erstlich, da er schreibt, ich hab meinen Gnädigsten Herrn Hans Worst genennet, darnach die ganze Häuptsache des Glaubens angreift, der ich mich muß bekennen der furnehmesten Lehrer einen zu dieser Zeit. Da flucht, lästert, plärret, zerret, schreiet und speiet er also, daß, wenn solche Wort mündlich von ihm gehöret würden, so würde jedermann mit Ketten und Stangen zulaufen, als zu einem, der mit einer Legion Teufel (wie der im Evangelio) besessen wäre, daß man ihn binden und fangen mußte. Wiewohl ich aber den unflätigen Mann nicht wert achte, daß ich ihm einen Buchstaben antworten wollte, doch weil ers nicht allein ist, will ich den Unsern etwas zu reden geben.

Für mich zwar zu reden, hab ichs sehr gerne, daß solcher Art Bücher wider mich geschrieben werden, denn es tut mir nicht allein im Herzen, sondern auch in der Kniekehle und Fersen sanft, wenn ich merke, daß durch mich armen, elenden Menschen Gott der Herr, beide, die hellischen und weltlichen Fürsten, also erbittert und unsinnig macht, daß sie für Bosheit sich zureißen und zubersten wollen, und ich dieweil unter des Glaubens und Vaterunsers Schatten sitze und lache der Teufel und seiner Schuppen in ihrem großen Zorn Plärren und Zerren. Damit sie doch nichts ausrichten, ohn daß sie ihre Sache täglich ärger und meine (das ist Gottes) Sache fordern und besser machen. Und wenn sie es könnten leiden oder verstehen, wollt ich ihnen darfur gedankt haben und bitten, daß sie ohn Unterlaß solche Bücher wider mich schrieben, solch Zerren und Plärren trieben samt allen Teufeln in der Hellen. Wie künnt ich sie besser plagen, denn davon werde ich jung und frisch, stark und fröhlich.

Denn solche Bücher alle, wenn derselben soviel tausend wären, als der zu Wolfenbüttel Lügen und Untugend an sich hat und alle Tage und Stunde soviel geschrieben würden, sind sie doch leichtlich zu verantworten - mit einem Wortlin, das heißt Teufel, du leugest, wie denn der hohmutige Bettler Dokt. Luther in seinem Liedlin stölzlich und verdrießlich singet, ein Wortlin kann ihn fällen. Derhalben, weil der Teufel in seinem Heinzen zu Wolfenbüttel so zornig ist und die Lügen so genau sucht, daß er an mir auch mit dem Wort Hans Worst will Ritter werden, gedenke ich nicht viel noch besonders seinem verdammten gefangenen Heinzen zu antworten, als der nicht wirdig bei mir geacht, daß ich an ihn denken wollt, sondern will demselben seine Ehre lassen suchen, wie er kann, denn er soll wohl tausend Jahr suchen, ehe er ein kleines Haarlin davon finden wird. Von Hans Worst will ich erstlich ein wenig sagen.

Wie gar gern von Grund aller seiner Kräften der Teufel leuget, zeiget er hie auch damit an, daß er so aus der Maßen genau durch seinen Heinzen zu Wolfenbüttel zu liegen sucht, da ich wahrlich gemeinet und mich nicht versehen hätte, daß der hohmutige Geist sollte solche lächerliche, kindische Ursache zu liegen suchen, so er wohl andere Ursachen hat, ohn daß es muß sein, wie man spricht. Wer gern lachet, der kutzelt sich selbs, also auch, wer gern leuget, der muß auch liegen, wenn er die Wahrheit sagt, wie Chrysippus sagt. Denn du zorniges Geistlin weißest wohl, dein besessener Heinz auch samt euren Dichtern und Schreibern, daß dies Wort Hans Worst nicht mein ist noch von mir erfunden, sondern von andern Leuten gebraucht wider die groben Tölpel, so klug sein wollen, doch ungereimt und ungeschickt zur Sachen reden und tun. Also hab ichs auch oft gebraucht, sonderlich und allermeist in der Predigt. Und weiß mich nicht zu erinnern in meinem Gewissen, daß ich jemals eine Person insonderheit gemeinet hätte, weder Feind noch Freund, sondern wie die Sachen sich zugetragen, so hab ichs gebraucht. Denn es sollte mich nicht Hehl haben, zu bekennen, wo ich mir bewußt wäre, welche Person ich gemeinet hätte, wenns gleich dein Heinz von Wolfenbuttel selbs wäre mit allem seinem Anhang, ich wollts zu recht für euch allen von Gottes Gnaden wohl verteidigen.

Aus dem folget nu, weil du und dein Heinz so unverschämt lieget und die Lügen so genau suchet, daß auch durch ganz eur Buch in größern Sachen nichts denn eitel Lügen sein wird, wie unser Herr spricht: Wer im Geringen untreu ist, der ist auch im Großen untreu. Wer sich kleiner unnötiger Lügen nicht enthalten kann, wie kann sich der aller ander großen Lügen enthalten? Ja, weil dein Heinz und du solche grobe Tölpel seid, daß ihr gemeinet, solcher fauler, lahmer Zote sollte in diesen Sachen mir Schaden tun oder euch Glimpf bringen, so seid ihr beide die rechten Hans Worst, Tölpel, Knebel und Rülze, und will hiemit euch beiden geantwort haben, daß ihr alle beide, Vater und Sohn, seid verzweifelte, ehrlose, verlogene Böswichter, da ihr sagt, ich habe meinen Gnädigesten Herrn Hans Worst genennet. Keiner Antwort darfs mehr auf solche wörstliche Kunst. Wohl meinen etliche, ihr haltet M. G. H. darum für Hans Worst, daß er von Gottes (dem ihr feind seid) Gaben stark, fett und volligs Leibes ist. Aber meinet, was ihr wollet, so tut in die Bruch und hänget sie an den Hals und machet davon euch ein Gallreden und fresset ihr groben Esel und Säue.

Das sei von Hans Worst geredt. Was aber mehr in seinem Lästerbuch von Geleit und Landfriede etc. gehandelt wird, das gehet mich itzt nicht an und ist zuvor beide durch M. G. Herrn und den Landgrafen also verantwortet, daß Hans Worst von Wolfenbuttel vergeblich seine Ehre suchen und retten wird, wie alle vernünftige Leute zeugen und die Schritte gewaltiglich beweisen, daß hinfurt niemand kann wider ihn ein ehrenrührige (wie sie reden) Schrift stellen, und wenn die Schrift so lang wäre, daß sie zur Welt hinaus reichet, kunnt sie doch nichts von seinen Ehren rühren. Was nichts ist, kann man nicht ruhren. Daß Heinz von Wolfenbuttel wünschen möcht, er kunnte bei diesen Ehren bleiben, daß er Hans Worst möcht bleiben und heißen, denn ichs auch nicht ihm zu Ehren tu, daß ich ihn Hans Warst heiße, sondern aus lauter Gnaden und Barmherzigkeit, der er nicht wert ist.

Zum dritten: Da er nu über sich hauet und die Häuptsache angreift und M. G. H. Ketzer, abtrünnig, aufruhrisch, Monstrum, Nabal, Kain und dergleichen ohn Maße lästert, darin ich und wir alle müssen mit verstanden werden, antworte ich abermal wie droben, daß ich für meine Person nichts Liebers dem besessen Hans Worst wünschen wollt (nicht zu seinem noch einiges Menschen Verderben, als damit mir nichts geholfen noch der Sachen geraten), denn daß er mit den Seinen müßte ohn Unterlaß solche Bücher schreiben und ich dieweil still und fröhlich sitzen und zusehen, wie vergeblich der Teufel mit seinen Hansen, Heinzen, Würsten und Kaidaunen sich ängsteten, marterten und zuzerreten und zuplärreten, damit doch nichtes bei uns denn ein Gelächter anrichten und bei den Ihren die Sache nur ärger machten. Ja, ich wollt, daß sie solche Bücher müßten auch mündlich reden, so würden die Leute mit Ketten und Stangen zulaufen (wie drüben gesagt) und aus Mitleiden als die Besessenen binden und fangen, oder wo die Leute nicht zuliefen, würden zuletzt vielleicht aus Gottes Eingeben Ochsen und Schwein mit Hörnern und Füßen sie zu Tod treten.

Denn auf alle solche Lästerwort, weil es arme, nackete, bloße Lästerwort sind, ohn Grund und Ursachen dahergeplärret und auch nicht ein einiger Artikel vermeidet, so läßt man sie sich heisch oder zu Tod schreien und antwortet dieweil mit einem geringen, leichten Wörtlin: Teufel, du leugest, Hans Worst, wie leugest du, o Heinz Wolfenbüttel, welch ein unverschämter Lugener bist du, speiest viel und nennest nichts, lästerst und beweisest nichts. Die Kunst kann auch ein Angsterzhure auf der Gassen, wo sie eine ehrliche Jungfrau balget, sacket, huret und bubet, da sie doch aller Dinge keinen Grund noch Ursache, sondern wohl das Widerspiel weiß, sich selbs feindselig und die Jungfrau den Leuten lieb und wert macht, und einer solchen Angsthuren sollts nicht saur werden, ein solch Buch zu reden, wie Hans Worst hie von Wolfenbüttel geschrieben hat.

Wenn aber der Teufel und sein Hans Worst könnten also schreiben oder sagen, aus der und dieser Ursachen ist der Kurfürst ein Ketzer, ein Abtrünniger etc., so wäre er nicht ein Hans Worst und man könnte als denn zur Sachen antworten. Aber das ist nicht allein Hans Worst und seinem Vater, sondern auch dem Papst, aller Welt und allen Teufeln zu hoch und unmüglich. Habens nu zwanzig Jahr versucht und je länger, je weiter gefeilet. Das sei den elenden Heinzen und Hansen Worst in diesem Stücke geantwortet, die nichts mehr können, denn wie die bösen Huren bloße Scheltwort speien. Denn wo sie etwas mehr künnten, würden sie dasselb zuweilen mit untermengen und nicht bloß, ledige, vergebliche Lästerung schreien.

Aber ingemein allen Teufeln, Papisten und ihrem Anhang antworten wir über das, so wir itzt getan, nämlich, daß sie in solchen Büchern und Reden, wie sich Teufeln und Teufels Gesinde gebührt, unverschämt liegen. Das zuvor längest für uns alle der Heilige Geist geantwortet hat Spr. 26: Wie ein Vogel dahinfähret und ein Schwalbe davonfleuget, also trifft ein unverdienter Fluch nicht. Hie lehret Salomo, daß wir die Lästerwort oder Flüche, so unverdienet und ohn Grund oder Ursache uns widerfahren, sollen nichts achten, denn sie fahren furuber und treffen nichts. Solchs beweisen alle Historien und Exempel. Wo sind die Lästerung Arii und aller Ketzer wider die Kirchen? Wo sind dieser Zeit Lästerer, Emser, Ecke, Rotzleffel, Wetzel, ihr Bücher sind dahin und zunicht wurden, Gottes Wort aber bleibt ewig.

Noch viel herrlicher urteilet und tröstet uns hierin der Herr selbs Matth.5: Selig seid ihr, wenn euch die Menschen lästern, verfolgen und reden allerlei Ärgestes wider euch um meinetwillen und liegen. Seid fröhlich und freuet euch, eur Lohn ist groß im Himmel. Ohn Zweifel wiederum erschreckt und trauret ihr Lugener und Lästerer wider Christum und die Seinen, eur Verdammnis ist groß in der Hellen.

Hie haben wir das rechte Urteil und Gebot, daß wir fröhlich sein sollen, wenn wir gelästert werden um Christus willen, und sollen getrost sagen, daß sie liegen. Nu können alle Teufel samt aller Welt nichts anders sagen, denn daß wir nicht um Mord, Ehebruch oder ander Untugend so schändlich zuketzert und gelästert werden, stehet auch der keins in Heinzen Buch, und trotz daß sie die nennen, sondern um des Evangelium willen. Denn sie selbs zu Augsburg auf dem Reichstage bekannt haben, daß unser Confessio sei mit der Heiligen Schrift nicht umzustoßen. Und ihrer Fürsten ein Teils haben gesagt von ihren Theologen: Wie fein verteidigen uns unsere Theologen. Sie bekennen, daß jener Sache in der Schrift, unsere nicht in der Schrift gegründet sei, als denn auch wahr ist, und noch heutigs Tages sie uns darum verdammen, daß wir nicht über und außer der Schrift die Concilia, Väter und Dekret ihrer Kirchen wollen annehmen.

Wohlan, da stehet unser Grund und Trotz, und sind nicht (wie Hans Worsts) ledige, bloße Wort, die Biblia und Gottes Wort und ihr eigen Zeugnis stehet bei uns. Bei ihnen stehet etwas anders denn Gottes Wort, nämlich der Menschen Wort, die wir nicht haben wollen, sind auch aufs höhest verboten von Christo selbs und den Aposteln Matth. 15:

Sie dienen mir vergeblich mit Menschen Lehre. Gal. l: Wer ein ander Evangelium predigt, wäre es auch ein Engel vom Himmel, so sei er verflucht. Dies sind (sage ich) nicht unsere bloße, nackete Lästerwort, wie des Teufels zu Wolfenbüttel, wie Schmids, Rotzlerfels und ihrsgleichen.

Hieraus stehet man der Wahrzeichen eines, wer und wo die rechte heilige Kirche sei, nämlich, daß sie soll und muß schändlich belogen, unschüldiglich gelästert, greulich geschmäht und verspeiet werden von des Teufels Mäulern und den unsinnigen Heinzen. Es heißt Improperium Christi portantes, da wird nicht anders aus, wollen wir anders rechte Christen sein.

Sankt Paulus spricht zu uns: Laßt euch nicht erschrecken von den Widersachern, welchs ist ein Zeichen ihnen der Verdammnis, euch aber der Seligkeit und dasselbige von Gott. Denn euch ist gegeben, um Christus willen zu tun, daß ihr nicht allein an ihn glaubet, sondern auch um seinenwillen leidet, und habt denselbigen Kampf, welchen ihr an mir gesehen habt und nu von mir höret. Sollen wir nu gelästert werden, so muß es ja jemand tun, und Sankt Peter oder Sankt Johannes werdens nicht tun, noch kein Christ, noch kein vernünftiger Heide. So müssens freilich tun solche wahnsinnige, besessene Heinzen Wolfenbüttel, Schmid, Rotzleffel, Ecke, Müntzer, Wiedertäufer, Papst, Kardinal, Teufel und seine Mutter und ander Teufelsmäuler im Papsttum. Solch schön Amt und Werk gehört solchen Heiligen in der allerheiligsten Kirchen des Papsts.

Laß nu hergehen Lästerbücher und Lästerung, Regen und Schneien. Hie stehets, daß wir sollen des uns freuen, als des allergewissesten Zeichen, daß wir die selige, rechte Kirche sind, wiederum, daß Christus und St. Paulus unser Lästerer urteilen und heißen sie Lügener und verdammte Gottesfeinde. Was wollen wir mehr haben? Wie künnten sie uns höher Ehre tun, größer Freude geben und stärkern Trost machen, denn daß sie uns ohn alle Ursache allein um Christus willen aus teufelischem und mördlichem Haß (wie Christus hie urteilet) lästern, als die unverschämten, verdammten Lügener unsern Glauben stärken und unser Seligkeit uns gewiß machen, sich selbs verdammen und verfluchen. Darum hab ich droben gesagt, es sei nicht allein leichtlich zu antworten auf ihre Lästerbücher, sondern auch tröstlich zu hören, daß sie uns lästern, und je bitterer und heftiger sie lästern, je besser sie es machen nicht mit ihnen, sondern mit uns. Denn mit ihnen machen sie es also, daß sie es nicht ärger machen künnten. Sie treiben sich selbs in Gottesgericht und wollen von ihm verdammt sein als Diebe und Mörder seines Schafstalls, das ist seiner Kirchen (wie itzt gesagt), welchs ich ihnen noch niemand für meine Person gönne, denn sie sind mir zuviel nütze mit ihrem Lästern.

Nu aber des Heinzen Worsts Buch, entweder von allen Teufeln und Papisten gemacht oder doch allen wohlgefället (welchs gleichviel ist Rom. l faciens et consentiens), so überaus giftig, bitter und böse ist, halt ichs für das feinest Buch, das die Teufel und Papisten in viel Jahren gemacht haben. Denn Christus als der Herr über Segen und Fluchen kann solche Kunst, daß er des Balaams Fluch in Segen verwandeil, yie Psalm 109: Fluchen sie, so segenest du. Und Matth. 5: Seid fröhlich, wenn euch die Leute fluchen. Derhalben die Wahrheit zu reden, künnte der Hans Worst mit allen seinen Teufeln und Papisten M. G. H. Kurfürsten zu Sachsen und uns für Gott keine größere Ehre getan haben in diesem Stück, da er uns schilt Ketzer, Abtrünnige etc., denn daß er mit solchem Lästern und Fluchen unserm Herrn Christo Ursache gibt, uns zu segenen und trösten, wiederum aber sie zu verfluchen und zu verdammen als Lügener, Diebe und Mörder wider Gott und seine heilige Kirche, daß, wo Heinz spricht, der Kurfürst sei ein Ketzer, nichts anders für Christo gilt denn soviel: Du Heinz bist mit deinem Papsttum ein verdammter Lügener und Bösewicht.

Das wollten sie haben. Nu verstehe, was das gesagt ist Psalm 37: Der Gottlosen Schwert wird in ihr eigen Herz gehen. Wohl hat Heinzens Lästerbuch bei ihnen den Verstand , daß es ein scharf Schwert sei wider den Kurfürsten und uns, das uns auffressen solle im Augenblick, aber nach dem rechten Verstand Christi (wie itzt gesagt) ist das die Meinung: Sein Lästerbuch ist ein scharf Schwert, daß dem Heinzen samt seinen Teufeln und Papisten selbs durch ihr Herz gehet, uns aber nicht ein Haar krümmet. Ob ers itzt nicht fühlet wie ein Unsinniger, soll ers doch bald hernach fühlen. Willt du nu eine Glosse bei ein iglich Lästerwort in Heinzes Buch haben, so schreib dabei: Hie sticht Hans Worst für Gott sich selbs und alle Papisten durch ihr eigen Herz und segenet und ehret damit aufs höhest den Kurfürsten zu Sachsen und die heilige christliche Kirche.

Und der barmherzige Gott behüte meinen G. Herrn (ja alle vernünftige Menschen), daß sie ja nimmermehr etwas tun noch reden, das dem Heinzen und seinen Gesellen gefalle oder gut dünke, denn auch das, da er M. G. H. einen Trunkenbold und Nabal schilt, tut er nicht darum, daß er dem Laster feind sei, sondern der Person und Kreatur Gottes ist er gram und ist ihm leid, daß er nicht Laster an ihm findet soviel, als er gern wollte, damit er seinen teufelischen Haß mit Lästern und Schelten büßen künnt, denn er den Splitter gern zu Balken und seine Balken zu Splitter machen wollt. Das merkt man daran, wo er nicht kann Laster finden, da sucht er sie und nimmt für sich die christlichen und fürstlichen Tugend, lästert sie und wollt sie gern zu Lastern machen mit Lügen wider sein eigen Gewissen und kann nicht. Das ist die Art der Kinder des Teufels, der darum Diabolus, Kalumniator, das ist Teufel oder Lästerer, heißt.

Denn der Teufel ihr Gott und Vater ist auch nicht darum den Menschen gram, daß sie Sünde und Laster haben, sondern der Kreaturn Gottes und Gott selbs und hat Lust dran, daß er sie mag dadurch zu Schanden machen, lästern, verklagen und verdammen, wie er zu Schanden worden ist. Darum, wo er sie nicht kann zu Sünden bringen oder Sünde bei ihnen finden, ists ihm gar bitter leid, verdreußt ihn, daß sie fromm sind, fähret zu und greift das Gute und die Tugend an, schändet und lästert und wollts gern zu Sünden machen, das doch nicht Sünde ist, wie die Schrift von ihm allenthalben sagt. Findet er aber etwa eine Sünde, da lachet er in die Faust und ist ihm lieb, mühet sich, wie er sie groß und greulich mache, daß man wohl sagen mag, Heinzen Buch sei ein rechte Kopei und Formular, aus des Teufels Kanzelei genommen. Fromme Leute, wo sie Sunde an jemand finden, ists ihn leid um die Menschen, sind der Sunde feind, wollten lieber, sie wäre nicht geschehen, das sind Gotteskinder, die strafen das öffentliche Böse aus Mitleiden, oder wo sie nicht wollen hören und zu Teufel werden, lassen sie sie fahren und urteilen sie zur Helle oder geben sie dem Teufel.

Auf daß wir aber nicht die Zeit gar zubringen mit des Heinzen Teufelsdreck, sondern auch etwas Nützlichs und Besserlichs dem Leser furiegen, nicht um Heinzes willen oder die ihn aufsetzen , denn sie sind suo iuditio condemnati aures habent et non audiunt, wollen wir die Sache selbs für uns nehmen, nämlich, warum uns die Papisten durch ihren Heinzen Ketzer schelten. Und ist diese, daß sie furgeben, wir sind von der heiligen Kirchen gefallen und haben eine andere, neue Kirchen angericht. Hierauf ist zu antworten. Weil sie sich selbs rühmen, sie seien die Kirche, sind sie schuldig, dasselb zu beweisen. Wenn sie das mit einigem Grund (begehr nicht viel Gründe) beweisen, so wollen wir uns gefangen geben, kommen und sagen: Peccavimus miserere nostri. Wo sie es aber nicht können beweisen, so müssen sie bekennnen (sie tun’s gern oder ungern), daß sie nicht die Kirche sind und wir nicht Ketzer sein mügen, daß wir von der nichtigen Kirchen fallen. Ja, weil da kein Mittel ist, so müssen wir die Kirche Christi und sie des Teufels Kirche sein oder wiederum. Darum liegts gar an dem Punkt, daß man beweise, welchs die rechte Kirche sei.

Solange die Beweisung nicht da ist, so ists vergeblich, daß sich ein Teil der Kirche rühmet und das ander Teil Ketzer schilt, ein Teil muß falsch und unrecht sein. Denn es sind zweierlei Kirchen von der Welt an bis zu Ende, die St. Augustinus Kain und Abel nennet. Und der Herr Christus gebeut uns, daß wir nicht die falsche Kirche annehmen sollen und unterscheidet selbs zwo Kirchen, eine rechte und falsche, Matth. 7: Hütet euch für den falschen Propheten, die zu euch kommen in Schafskleidern etc. Wo Propheten sind, da sind Kirchen, darin sie lehren. Sind die Propheten falsch, so sind die Kirchen auch falsch, die den Propheten glauben und folgen. Nu haben wir bis daher noch nie können von den Papisten erlangen, daß sie beweisen wollten, warum sie doch die rechte Kirche seien, sondern stehen auf dem Spruch Matth. 18, man soll die Kirche hören oder müsse verloren sein, so doch Christus daselbs nicht sagt, wer, wo oder was die Kirche sei, sondern wo sie ist, da soll man sie hören. Das bekennen und sagen wir auch, aber wir fragen, wo und wer die Kirche Christi sei, non de nomine, nicht vom Namen, sondern vom Wesen fragen wir.

Gleich, als wenn ich einen Trunkenen, Halbschlafenden oder einen Narren fragt: Lieber, sage mir, wer oder wo ist die Kirche? Und er mir zu zehen Malen nichts anders drauf antwortet, denn also: Man soll die Kirche hören. Wie soll ich doch die Kirche hören, so ich nicht weiß, wer und wo sie ist? Ja, sagen sie, wir Papisten sind blieben in der alten, vorigen Kirchen sint der Apostel Zeiten her, darum sind wir die Rechten, aus der alten Kirchen kommen und bis daher blieben, ihr aber seid von uns gefallen und eine neue Kirchen worden wider uns. Antwort: Wie aber, wenn ich beweiset, daß wir bei der rechten, alten Kirchen blieben, ja, daß wir die rechte, alte Kirche sind, ihr aber von uns, das ist von der alten Kirchen, abtrünnig worden, ein neue Kirchen angericht habt wdder die alte Kirche? Das laß uns hören.

Erstlich wird das niemand leugnen können, daß wir sowohl als die Papisten herkommen aus der heiligen Taufe und Christen aus derselben genennet sind. Nu ist die Taufe nicht ein Neues noch zu dieser Zeit von uns erfunden, sondern es ist ebendieselbige alte Taufe, die Christus eingesetzt, darin die Apostel und erste Kirche und alle Christen hernach bis daher getauft sind. Haben wir nu dieselbige Taufe, die ersten alten (und wie im Symbole stehet catholice, das ist der ganzen christlichen) Kirchen und sind eben in derselben getauft, so gehören wir gewißlich in dieselbe alte und ganze christliche Kirche, die mit uns gleich und wir mit ihr gleich aus einerlei Taufe herkommen, und ist der Taufe halben kein Unterscheid. Die Taufe aber ist das fürnehmest und erste Sakrament, ohn welche die andern alle nichts sind, wie sie bekennen müss-en. Darum können uns die Papisten nicht mit Wahrheit eine andere oder neue Kirche schelten oder ketzern , weil wir der alten Taufe Kinder sind, sowohl als die Apostel selbs und die ganze Christenheit (Eph. 4) einerlei Taufe.

Zum andern wird das niemand leugnen, daß wir das heilige Sakrament des Altars haben, gleich und eben-, wie es Christus selbs eingesetzt und die Apostel hernach und die ganze Christenheit gebraucht haben, und essen und trinken also mit der alten und ganzen Christenheit von einerlei Tisch und empfahen mit ihnen dasselb einerlei alte Sakrament und haben darin nichts Neues noch anders gemacht, derhalben wir mit ihnen einerlei Kirchen, oder wie Sankt Paulus l. Kor. 10, einerlei Leib, einerlei Brot sind, die wir von einerlei Brot essen und einerlei Kelch trinken. Darum uns die Papisten nicht können Ketzer oder neu Kirchen schelten, sie müssen zuvor Christum, die Aposteln und die ganze Christenheit Ketzer schelten, wie sie denn auch in Wahrheit tun. Denn wir sind mit der alten Kirchen einerlei Kirchen in einerlei Sakrament.

Zum dritten kann das niemand leugnen, daß wir die rechten, alten Schlüssel haben und sie nicht anders brauchen, denn zu binden und zu lösen die Sünde, so wider Gottes Gebot geschehen, wie sie Christus eingesetzt, die Apostel und ganze Christenheit gebraucht hat bis daher. Haben also einerlei Schlüssel und Brauch mit der alten Kirchen, darum wir ebendieselbe alte Kirche oder je drinnen sind. Denn wir machen keine neue Schlüssel, machen nicht neue Gesetze, schließen damit auch nicht Könige und Herrn aus und in ihre weltliche Herrschaften, sondern allein die Sünder aus und in das Himmelreich, gleich wie die alte Kirche getan hat aus Befehl des Herrn, daß uns die Papisten abermal fälschlich anliegen, ja, die alten Kirchen, Aposteln und Christum selbs in uns ketzern und lästern.

Zum vierten kann das niemand leugnen, daß wir das Predigtamt und Gottes Wort rein und reichlich haben, fleißig lehren und treiben ohn allen Zusatz neur, eigener, menschlicher Lehre, gleich wie es Christus befohlen, die Apostel und ganze Christenheit getan. Wir erdichten nichts Neues, sondern halten und bleiben bei dem alten Gotteswort, wie es die alte Kirche gehabt. Darum sind wir mit derselben die rechte, alte Kirche, als einerlei Kirche, die einerlei Gotteswort lehret und glaubet. Darum lästern die Papisten abermal Christum selbs, die Apostel und ganze Christenheit, wenn sie uns Neue und Ketzer schelten, denn sie finden nichts bei uns denn allein das Alte der alten Kirchen, daß wir derselben gleich und mit ihr einerlei Kirchen sind.

Zum fünften kann das niemand leugnen, daß wir der Apostel Symbolen, den alten Glauben der alten Kirchen, aller Ding gleich mit ihr halten, glauben, singen, bekennen, nichts Neues drinnen machen noch zusetzen. Damit wir in die alten Kirchen gehören und einerlei mit ihr sind. Darum läßt uns dies Stück auch nicht von den Papisten mit Wahrheit gescholten werden als Ketzer oder neue Kirche. Denn wer mit der alten Kirche gleich glaubt und gleich hält, der ist von der alten Kirchen.

Zum sechsten kann das niemand leugnen, daß wir mit der alten Kirchen ein gleich Gebet, dasselb Vaterunser haben, kein neues noch anders erdichten, dieselben Psalmen singen, mit einträchtigem Munde und Herzen Gott loben und danken, gleich wie es Christus gelehret, die Apostel und alte Kirche selbs gebraucht und uns dem Exempel nach zu tun befohlen. Und die Papisten hiefür abermal uns nicht können ketzern noch neue Kirchen schelten, sie müssen Christum zuvor selbs schelten, samt seiner lieben, alten Kirchen etc.

Zum siebenten kann niemand leugnen, daß wir mit der alten Kirchen lehren und halten, man solle die weltlichen Herrschaft ehren und nicht verfluchen noch zwingen, dem Papst die Füße zu küssen. Sölchs haben wir auch nicht aufs neu erdichtet, sondern St. Petrus (2. Petr. 2) verflucht die, so sölchs neu erfinden und künftig tun würden. Und St. Paul. (Rom. 13) stehet bei uns und die alte und ganze Christenheit, daß wir hierin auch nicht neue Ding sein oder heißen mügen, wie die Papisten Gott selbs in uns lästern, sondern sind und gehören in die alte heilige apostolische Kirche als die rechten Kinder und Glieder derselben. Denn wir unser Oberkeit, es sei Kaiser oder Fürsten, allzeit aufs treulichst gehorsam zu sein gelehret, selbs auch also getan und herzlich für sie gebetet.

Zum achten kann niemand leugnen, daß wir den Ehestand loben und preisen als ein göttliche, gesegnet und wohlgefällig Geschöpfe und Ordnung zur Leibsfrucht und wider die fleischliche Unzucht und haben den nicht aufs neu von uns erdichtet, auch nicht den Brauch desselben aus uns aufs neu erdacht, viel weniger als neue Lehrer verboten, sondern gleich wie den Gott von Anbeginn geschaffen, Christus bestätigt, die Apostel und alte Kirche geehret und gelehret haben. In derselben alten Regel und Gottesordnung sind wir blieben und damit der alten Kirchen ähnlich, ja ebenderselben rechte, artige Glieder sind, daß man hie siehet, wie die Papisten abermal fälschlich uns Neuerung auflegen.

Zum neunten kann niemand leugnen, daß wir ebendasselb Leiden (wie Sankt Petrus sagt), das unsere Brüder in der Welt haben, da verfolget man uns an allen Örtern, da erwürget, ertränkt, erhenket und legt uns alle Plag an um des Worts willen, und gehet uns gleich wie der alten Kirchen, und sind in dem derselben über die Maße gleich, daß wir wohl mügen sagen, wir sind die alte, rechte Kirche oder je ihr Mitgenossen und gleiche Gesellen im Leiden, denn wir sölchs nicht erdichten aufs neue, sondern fühlens wohl. Ja, wir sind (wie dieselbe alte Kirche auch) dem Herrn Christo selbs am Kreuze gleich. Da stehet für dem Kreuze Hannas und Kaiphas samt den Priestern und lästern den Herrn dazu, über daß sie ihn gekreuzigt haben, gleich wie uns der Papst, Kardinal und Münche verurteilt, verdammt, ermordet und unser Blut vergossen haben und lästern uns noch dazu. Da stehen die Kriegsleute, das ist der weltlichen Herrschaft zum Teil, und lästern uns auch, dazu auch der Schalk, der linke Schacher, Heinz Wolfbüttel, samt den Seinen, den Gott schon verurteilt in Banden zur Hellen gehenkt hat, muß sein Lästern auch dazutun, daß dies Stück als ein alt Zeichen der alten Kirchen reichlich an uns gesehen wird.

Zum zehenten kann niemand leugnen, daß wir nicht wiederum auch Blut vergießen, morden, henken und uns rächen, wie wir oft wohl hätten tun und noch künnren, sondern wie Christus, die Apostel und alte Kirche getan, dulden wir, vermahnen und für sie bitten, auch öffentlich in der Kirchen, in den Litanien und Predigen, aller Dinge, wie Christus unser Herr getan und gelehret, die alte Kirche auch also, daß wir hierin auch alle des alten Wesens der alten Kirchen uns halten.

Weil nu die Papisten wissen, daß wir in allen solchen Stücken und was der mehr sind, der alten Kirchen gleich sind und mit Wahrheit die alte Kirche heißen mügen (denn solche Stücke nicht neue sind noch von uns erfunden), ists Wunder, warum sie uns so unverschämt dürfen beliegen und verdammen, als die von der Kirchen gefallen und ein neue Kirche angerichtet haben, so sie doch nichts Neues an uns finden mügen, das nicht in der alten und rechten Kirchen zu der Aposteln Zeiten gehalten sei, daß ich fürwahr achte, dies sei die Zeit, davon Dan. 7 sagt: Der Alte, antiquus dierum, satzt sich, nachdem das kleine Hörn ausgelästert hatte und das Gericht gehalten. Denn die vorige, alte Kirche leuchtet wieder herfür (wie die Sonne nach den Wolken, hinter welchen doch dieselbe Sonne war, aber nicht helle), und das Lästerhorn will untergehen und alles ein Ende werden, wie da selbs stehet, und das Werk sich zeigt, davon hie nicht Zeit zu handeln.

Aber jemand möcht sagen, es feilet noch an einem, nämlich am Fasten, denn ihr Ketzer fastet nicht (sprechen sie). Ah, Herr Gott, ist ein Stück an uns von der alten Kirchen, so ists leider die Fasten. Ist ein Stück an den Papisten von der neuen Kirchen, so ists, daß sie nicht fasten und im Sause leben auch auf den Fasttagen ehe denn auf den Feirtagen. Ja, wir fasten nicht allein, sondern leiden (mit St. Paulo) Hunger, welchs wir wohl an unsern armen Pfarrherrn, ihren Weiblin und Kindlin täglich sehen und andern viel Armen, den der Hunger aus den Augen sichet, kaum das Brot und Wasser haben und dazu fingernacket gehen, kein Eigens haben. Der Baur und Bürger gibt nicht, der Adel nimmt, daß unser wenig sind, die etwas haben und doch nicht allen helfen können. Da sollten Stift und Klöster zu dienen, so geizen die andern, muß also Lazarus Hungers sterben. Des lachen die Papisten, aber damit zeugen sie, daß wir die alte Kirche, die von den Teufelskindern den Spott zum Schaden leiden.

Hiemit haben wir nu beweiset, daß wir die rechte, alte Kirche sind, mit der ganzen heiligen christlichen Kirchen ein Körper und eine Gemeine der Heiligen. Beweiset nu auch, ihr Papisten, daß ihr die rechte, alte Kirche oder ihr gleich seid. Aber das künnt ihr nicht tun, sondern ich will beweisen, daß ihr die neue, falsche Kirche seid, die immer von der alten, rechten Kirchen abtrünnig des Teufels Hure und Schule wird.

Erstlich bleibt ihr nicht bei der ersten alten Taufe, denn ihr habt euch aufs neue viel andere Taufe erdichtet und lehret, die erste Taufe sei durch Sünde hernach verloren, man müsse gnugtun durch eigen Werk, sonderlich durch Klösterei werde man so rein, als ginge einer aus der Taufe Christi, daher ihr die Welt voll Kirchen und Klöster gemacht.

Und dies Stücke, die Satisfactio, Gnugtuung, ist der Anfang und Ursprung, Tür und Eingang zu allen Greueln im Papsttum, gleich wie in der Kirche die Taufe der Anfang und Eingang ist zu allen Gnaden und Vergebung der Sünden. Denn wo die Taufe nicht ist, da hilft Sakrament, Schlüssel und alles nichts. Wo die Gnugtuung nicht entstanden wäre, so wäre Ablaß, Wallfahrt, Brüderschaft, Messe, Fegfeur, Klösterei, Stifte und das mehrer Teil aller Greuel nicht erfunden und das Papsttum nicht so dick und fett wurden. Darum haben sie dieselbe wohl eine Taufe in ihrer Kirchen genennet, die viel Taufen, Sakrament und Vergebung der Sünden, ja, auch hohe Heiligkeit gewirkt hat. Das ist sie, die Eigengerechtigkeit, die Werkheiligkeit, davon wir viel geschrieben. Wer hat euch befohlen, oder wo stehts geschrieben? Wo findet ihr in der alten Kirchen, daß ihr solche neue Taufe und Heiligkeit erdichten müget? Wer ist hie Ketzer, abtrünnig und neue Kirche?

Zum andern habt ihr das Ablaß in alle Welt getrieben als eine Taufe, ja, als eine Sintßut, das Sünde abwasche, daß kein Winkel ist in der Welt, da eur Ablaß nicht hin verkauft oder gegeben ist, alle Welt voll Siegel und Briete. Wer hat euch befohlen? Oder wo stchets geschrieben? Wo findet ihrs in der alten Kirchen, daß ihr solche neue Taufe und Abwaschung der Sündeo müget stiften? Wer ist hie die ketzerische neue Kirche? Seid ihrs nicht, die Hurnkirche des Teufels?

Zum dritten habt ihr das Weihwasser und Salz nicht allein in alle Kirchen, sondern auch in alle Winkel getrieben als eine Abwaschung (oder Taufe) der Sünden, auch große Zauberei darin gelehret, wie Distin. 3 Aquam sale beweiset. Wer hat euch befohlen? Wo stehets geschrieben? Wo findet ihrs in der alten Kirchen oder Einsetzung der Aposteln? Wer ist hie die neue, abtrünnige Kirche?

Zum vierten habt ihr Wallfahrten gestiftet, zu verdienen Ablaß oder Vergebung der Sünden, welchs, weil es ohn Schlüsselamt geschieht, durch eigen Verdienst, ists auch eine neue, andere Taufe oder Abwaschung der Sünden. Wer hat euch befohlen? Wo stehets geschrieben? Wo findet ihrs in der alten Kirchen, daß ihr solch neue Vergebung oder Taufe sollet stiften? Wer ist hie die neue, abtrünnige Kirche?

Zum fünften habt ihr Brüderschaften gestiftet ohn Zahl, so viel, daß ihr auch alle Welt voll Siegel und Briefe gemacht, alles zu Ablaß und Vergebung der Sünde und zu Verdienst, welchs allein der heilige Taufe und Sakrament Amt ist. Wer hat euch befohlen? Wo stehets geschrieben? Wo findet ihrs in der alten Kirchen, daß ihr solche neue Vergebung oder Verdienst stiften müget? Und wer kanns erzählen, wie mancherlei neue Weise ihr aufs neue erdichtet habt, die Sünde zu vergeben um Geld oder um eigen Verdienst? Wer ist hie die neue Kirche mit neuen Lehren und Sakramenten, davon weder Christus, Apostel, Schrift noch die alte Kirche ichtes gewußt haben?

Zum sechsten: Wer will erzählen alle die greulichen Neuerung, die ihr erdichtet habt in dem hochwirdigen heiligen Sakrament des Leibs und Bluts Christi. Wer hat euch befohlen? Wo stehets geschrieben? Wo findet ihrs in der alten Kirchen, daß ihr erstlich dies Sakrament der ganzen Kirchen nehmen und rauben müget und allein die eine Gestalt lassen und das Ganze allein den Priestern zueigen ? Zum andern: dazu auch dieselbige einige Gestalt nicht den Glauben zu lehren und mehren, sondern in ein Werk des Gehorsams [gegenüber] der Kirchen zu verkehren. Zum dritten das ganze Sakrament (wo es anders als denn ein Sakrament ist) nicht zum Gedächtnis Christi von ihm öffentlich zu predigen und ihm für sein Leiden zu danken, sondern zu einem Pfaffenopfer und Eigenverdienst eines bösen Buben den andern zu verkaufen und ins Fegfeuer den Seelen mit zuteilen und für alle zeitliche Not wie einen heidenischen Götzendienst, ja, wie einen schändlichen Krämpelmarkt auf das allergreulichst und lästerlichst verwandelt, damit Christus Gedächtnis (dazu ers doch gestiftet) geschweiget und ausgetilget habt. Und wenn ihr sonst so eine reine Kirche wäret, als der Apostel selbs und noch viel reiner, so macht euch doch dies einige, greuliche, schreckliche Stücke, welchs ihr aus des Teufels Rat aufs neue erdichtet habt, zur neuen, abtrünnigen, ketzerischen Kirchen, ja, zur Erzhuren des Teufels und zur hellischen Schulen. Denn es ist dies Stücke so verzweifelt, grundlos, böse, daß es in diesem Leben keine Zunge ausreden, kein Herz begreifen kann, bis daß der Jüngste Tag erscheine.

Leset, sammlet, klaubet alle das Böse zusammen, so der Teufel mit euch allen wider uns erdichten kann, und lieget tausendmal soviel dazu, dennoch wirds nicht ein klein Splitterlin werden gegen diesem Balken, daran nicht einer, sondern ohn Zweifel alle Teufel und alle ärgesten Buben in sechshundert Jahren gezimmert haben. Das ist der rechten Stücke eins, das Christus einen Greuel heißt in heiliger Stätte. Darum nicht allein wir von euch sollen und müssen fliehen als von dem größten Zorn Gottes, sondern Himmel und Erden entsetzt und scheuet sich für solcher Mordgruben. Denn dies Stück läßt nicht allein keine Kirche bleiben, sondern macht das ärgeste Stankgemach des Teufels draus, das auf Erden ist. Der Türke, Tatern , Juden sind weit nirgend so eine böse Mördergruben als die päpstliche Kirche in diesem Stücke, denn sie verleugnen allein Christum und kehren den Rücken gegen ihm. Aber diese nehmen ihn hierin für sich, verspeien, verspotten, lästern, besudeln und martern ihn und spielen ein viel greulicher Passion mit ihm, weder ihm leiblich von Juden geschah. Ja, gehet nu hin, rühmet euch die heilige Kirche, von der wir gefallen sind. Der Teufel bleibe bei euch in solcher Kirchen und alle, die so Heinzen sein wollen. Gott behut uns dafür, wie er denn uns gnädiglich herausgerissen hat. Dafür ihm Lob und Dank sei in Ewigkeit.

Zum siebenten: Wer hat euch befohlen, diese Neuigkeit zu machen, daß ihr neue Schlüssel, ja, zween falsche Dietriche geschmiedet habet, damit ihr nicht Sünde vergebt noch behaltet, wie die alten Schlüssel tun bei uns und in der ganzen alten Kirchen. Sondern stiftet aufs neue Sünde und Mord, da sonst keine sind, in eur neuen, abtrünnigen, mörderischen Kirchen damit, daß ihr mit unträglichen, unzähligen Gesetzen die christlichen Gewissen fahet und bindet, schreckt und tötet in Essen, Trinken, Kleidern, Stätten, Tagen und dergleichen äußerlichen Dingen, die Christus frei geboten (Kol. 2) und die alte Kirche also gehalten ohn alle Sünde und Fahr. Dazu Könige und Fürsten absetzt, als wäret ihr Gott selbs. Wer ist hie abtrünnig und neue Kirche? Der Teufel bleibe in diesem gottslästerlichem, mörderischem, sündlichem, verderblichem Stücke bei euch. Der bleibt auch bei euch. Wir sind wieder zur alten Kirchen kommen. Gott Lob und Dank.

Zum achten: Wer hat euch befohlen, über der alten Kirchen Weise und wider Christus Befehl anders zu predigen, denn er befohlen hat Matth. 28: Gehet hin und lehret sie halten, was ich euch befohlen habe. Spricht nicht, was euch recht und gut dünkt. Joh. 14: Der Heilige Geist wird euch alles lehren und erinnern, was ich euch gesagt. Ihr aber habt alle Kirchen und Schulen so voll eurs Drecks, das ist Menschenlehre und Lügen, geschmissen und eurs Köckens so voll gespeiet, daß (wie Jesajas sagt) kein Raum da mehr ist. Und wollt noch die Kirche gerühmet sein. Und dies Stück ist neben der Winkelmesse auch der ärgesten Greuel einer, des Schaden und Plage nicht auszugründen noch zu zählen ist. Damit ihr eine neue Kirche dem Teufel gebauet und demselben damit gedienet, daß es ist eitel Seelmörderei worden und der rechte Kinderfresser Molech, der nicht die Seelen (wie jener Molech) der Kinder selig werden läßt, ob sie leiblich verbrannt wurden, sondern wiederum den Leib eine kleine Zeit lebendig läßt und die Seel verbrannt ewiglich. Ich kann für Schrecken nicht viel an den Jammer der unzähligen falschen, abgöttischen, mörderischen Lehren im Papsttum, das ist in eur neuen, schönen Kirchen, gedenken.

Zum neunten: Wer hat euch befohlen, diese frevelige Neuerung zu machen in der Kirchen, die ein geistlich Reich ist, daß ihr ein leiblich Haupt setzt und nennet es den Allerheiligsten, so doch kein ander Haupt sein kann denn ein geistlichs, welchs ist Christus? Dies ist der dritte ärgeste Greuel in eur allerheiligsten, ja, allerhellischten neuen Kirchen. Denn die alte Kirche weiß nichts davon, ist bei ihrem Haupt blieben, gleich wie wir. Daß es aber des Teufels eigen Geschäft ist und kommen sollte um der Sünden willen, das weiß sie und hats verkündigt klärlich 2. Thess. 2: Der Mensch der Sünden und Kind der Verderbnis wird sich setzen in den Tempel Gottes und sich stellen, als sei er Gott, denn er läßt sich auch von euch nennen irdischen Gott. So hat auch Daniel gesagt, er würde die alte Kirche und Gott seiner Väter verachten und einen andern neuen Gott und neue Kirchen (die ihm seinen neuen Gott helfen stärken) stiften. Wer hat nu eine neue, abtrünnige Kirche? Habens die Alten und wir, so bei dem alten, rechten Haupt blieben sind und den neuen Teufelskopf fliehen und meiden? Oder sinds die, so den neuen Teufelskopf anbeten, die Füße küssen, von seinen zween Fingern sich segenen lassen, seine Lehre über das Wort Gottes heben und das alte, rechte Haupt nicht mit einem Kniebeugen ehren, auch wohl nimmer an ihn gedenken und seins Segens, den er mit seinem ganzen Leib und Blut uns erworben, nicht achten? Aber dieser Greuel ist zu greulich, greulich, daß wenig davon reden nichts hilft und doch recht davon reden keiner Engel Zungen gnug ist. Was Gottes eigen Mund Greuel nennet, das muß ein größer Greuel sein, denn alle Zungen reden können.

Zum zehenten: Wer hat euch befohlen, diese neue Abgötterei aufzurichten, daß ihr Heiligen Dienst stiftet. Heiligen kanonisiert. Fasteltage und Feirtage setzt, sie zu ehren, gleich als wären sie Gott selbs, daß man auf ihr Verdienst sich verlassen und vertröstet mehr denn auf Christum selbs und auf alle sein Blut und Verdienst, welchen ihr zum Richter uns furgebildet habt, den wir durch seiner Mutter und aller Heiligen Verdienst und Furbitt samt unserm Heiligendienst versühnen und Gnade erwerben müßten, daß eur Kirche in diesem Stücke nichts anders ist worden denn der Heiden Kirchen, die Jovem, Junonem, Venerem, Dianam und andere verstorbene Menschen anbeteten. Und wie die Römer ein Pantheon in ihrer Stadt Rom, also habt ihr auch ein Pantheon in der Kirchen gebauet, das ist aller Teufel Kirchen. Das werdet ihr nicht finden in der Apostelschrift noch in der junge Kirchen hernach, die vorzeiten auch der Heiligenbilder nicht leiden wollt und viel Bluts drüber vergossen ist, schweige, daß sie sollten die Heiligen anbeten oder anrufen, das allein Gott gebühret.

Zum eilften: Wer hat euch befohlen, diese Neuerung zu machen, daß ihr den Ehestand verdammt, lästert und verurteilet ihn unrein und untüchtig zu Gottes Dienst? Habt ihr das von den Aposteln oder von der ersten, alte Kirchen? Ja freilich, denn St. Paulus sagt l. Tim. 4, daß ihr künftig kommen würdet, die sich vom Glauben und alten Kirchen abtrennen und verlaufen würden als eine rechte Teuf eishure, die würde vom Teufel solche Lehre empfahen und predigen wider den Ehestand und doch selbs in falscher Heuchelkeuschheit, das ist in allerlei Unzucht, leben. Diese Neuerung sehen wir mit ihren edlen Früchten, daß euch die Erden nicht länger tragen will und Gott mit seinem Gericht angefangen, dreinzugreifen und solche neue heilige Kirche zu weihen zum hellischen Feur hinein. Und wird sich nicht abwenden lassen, das wissen wir, Gott Lob.

Zum zwölften: Wer hat euch befohlen, solche Neuerung zu machen, daß ihr mit dem weltlichen Schwert regiert und krieget und das am meisten braucht, unschuldig Blut zu vergießen? Habt ihrs gesehen, ihr scharfsichtigen Fledermäuse, daß die Apostel oder alte Kirche mit Schwert die Welt bezwungen oder mit Krieg die Kirchen gemehret haben? Wo kommt ihr denn her, die ihr euch rühmet Erben aus der alten Kirchen und uns die neuen, abtrünnigen Kirchen scheltet, die wirs mit der alten Kirchen halten und aus derselben herkommen, ihr aber aus der verlaufenen Teufelshuren, eur neuen, mörderischen Lügenkirchen herkommt.

Es sind noch viel mehr der neuen Stücke als Fegfeur, Heiltum , Kirchen weihen und des Geschwürms ganze Drecket und Dreckental und sonst unzählige Bücher voll von eitel neuen Fündlin , da die alte Kirche nichts von gewußt noch die Apostel. Denn wer kann die Menge dieses Sands oder Dreckes, ja Gift und Teufels Lügen alle erzählen? An diesen sei es diesmal gnug, zu beweisen, wie schändlich die Papisten durch ihre Heinzen liegen, wenn sie uns die neuen, abtrünnige, ketzerische Kirchen schelten, sondern solch ihr verlipt Schwert durch ihr selbs Herz gehet und sich erfindet, daß sie die alte Kirche und ihren alten Braut‘gam als ein Erzteufelshure verlassen, abtrünnig worden und nicht allein ketzerisch (denn das Wort ist zu geringe und zu ehrlich solcher Schandbübin), sondern die widerchristische und Gottes widerige, ja, die sich über Gott erhebt (wie ihr Bräutigam im Himmel auch tun wollt), des Teufels letzte und schändlichste Braut ist. Wir aber, weil wir alle solche Teufelei und Neuere! meiden und fliehen und wieder zu der alten Kirchen, der Jungfrauen und reinen Braut Christi halten, sind wir gewißlich die rechte, alte Kirche ohn alle Hurerei und Neuerei, die bis auf uns daher blieben und wir aus derselben kommen, ja wiederum aufs neu von ihr geborn sind wie die Galater von St. Paulo. Denn wir sind weiland auch der hellischen Huren, des Papsts neuen Kirchen, im Hintern gesteckt, mit ganzem Ernst, daß uns leid ist, so viel Zeit und Mühe in dem Loche schändlich zubracht. Aber Gott Lob und Dank, der uns von der roten Lästerhuren erlöset hat.

Wenn doch solche Neuere; im Papsttum schlecht Neuerei wäre oder sein künnte, so wären sie noch etlicher Maße um Friedes willen zu leiden, gleich wie einer seinen neuen Rock trägt oder leidet. Aber nu klebt diese teufelische Gift und hellischer Mord dran, daß es Gebot der Kirchen, heiliger Gottesdienst, gut Leben, geistlich Wesen heißen muß, darin man Gnade und Leben (so mans hält) oder Zorn und Tod (so mans nicht hält) verdienet. Das heißt aus Lügen Wahrheit, aus Teufel Gott, aus Helle Himmel machen und wiederum. Darum ist des Papsts Kirche voller Lügen, Teufel, Abgötterei, Helle, Mord und alles Unglück, daß es wimmelt. Und ist hie Zeit, zu hören die Stimme des Engels (Offb. 18): Gehet heraus von Babylon, mein Volk, daß ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden, daß ihr nicht empfahet etwas von ihrer Plagen, denn ihre Sünde reichen bis in den Himmel etc.

Vorzeiten, da die Maler das Jüngste Gerichte maleten, bildeten sie die Hellen einen großen Drachenkopf mit sehr weitem Rachen. Darinnen mitten in der Glut stunden der Papst, Kardinal, Bischöfe, Pfaffen, Münche, Kaiser, Könige, Fürsten, allerlei Mann und Weiber, doch kein jung Kind. Ich wüßte fürwahr nicht, wie man sollt oder künnte des Papsts Kirchen feiner, kürzer und deutlicher malen oder beschreiben. Denn gewiß ist sie der Hellenschlund, der zuvorderst den Papst selbs und alle Welt verschlinget in Abgrund der Helle durch des Teufels Rachen, das ist durch ihr teufelisch Predigen und Lehren. Es muß nicht ein alber Mensch erdichtet haben, vielleicht aus Jesaja 5, da er spricht:

Die Helle hat ihre Seele weit aufgesperret und den Rachen ohn alle Maße aufgetan, daß hinunterfahren beide, ihre Herrlichen und Pöbel, beide, ihr Reichen und Fröhlichen. Ists aber plumps oder scherzens also geraten, so ists ein sehr wohl geraten Bilde, dem einfältigen Mann die päpstliche Kirche furzustellen, dafür sich zu hüten und davon zu fliehen, die alles verschlungen hat, ohn die jungen getauften Kinder, davon hernach weiter.

Hie werden und mögen sie sagen: Warum schiltest du uns also schändlich als neue, abtrünnige Kirchen, so wir doch auch die Taufe, Sakrament, Schlüssel, Symbolen und Evangelium haben, sowohl als die alte Kirche, von der wir herkommen sind, und du selbst droben bekannt hast, daß wir sowohl als ihr aus der alte Kirchen herkommen. Antworte ich: Es ist wahr, ich bekenne, daß die Kirche, darin ihr sitzt, von der alten Kirchen herkommt, sowohl als wir, und ebendieselbige Taufe hat, auch die Sakrament, Schlüssel und Text der Biblien und des Evangelien. Will euch noch höher loben und bekennen, daß wir aus der Kirchen unter euch (nicht von euch) alles empfangen haben. Was wollt ihr mehr? Sind wir nicht fromm gnug? Wollt ihr uns nu nicht hinfurt ungeketzert lassen? Wir wissen euch für keine Türken noch Juden zu halten (wie droben gesagt), die außer der Kirchen sind, sondern wir sagen, ihr bleibt nicht dabei und werdet die verlaufene, abtrünnige, hürische Kirchen (wie es die Propheten pflegen zu nennen), die nicht bleibt in der Kirchen, daraus sie geborn und erzogen ist, lauft aus derselben Kirchen und von dem rechten Mann oder Brautgam (wie IIosca sagt von dem Volk Israel) zum Teufel Baal, Moiech, Astaroth. Verstehet ihr das nicht? Ich wills euch sagen.

Ihr werdet alle gewißlich getauft in der rechten Taufe der alten Kirchen wie wir sonderlich in der Kindheit. Und was also getauft lebt und stirbt bis in das siebent oder acht Jahr, ehe denn es die Hurenkirche des Papsts verstehet, ist gewißlich selig worden und wird selig. Daran zweifelen wir nicht. Aber wenn es groß wird und eur Lügenpredigt von eur teufelischen Neuerei höret, glaubt und folget, so wirds zur Teufelshuren mit euch und fället ab von seiner Taufe und Braut‘gam, wie mir mit andern geschehen, bauet und trauet auf seine Werk, wie ihr Hurentreiber in eurn Hurnhäusern und Teufelskirchen predigt, so es doch getauft ist, zu trauen und zu bauen auf seinen einigen, lieben Braut‘gam und Herrn Jesum Christum, der sich selbs für uns gegeben hat. Und gehet gleich, als wenn ein frommer Gesell ein armes, junges, bettelisch, leibeigen Maidlin auferzöge zur künftigen Braut und sich mit ihr verlobete und sie sich fein keusch hielte, bis sie mannbar würde, als denn verkehrete sie die Augen, sehe andere Gesellen an, die ihr baß gefielen, ließ sich bereden, würde brünstig auf dieselben, verließe ihren herzlieben, treuen Braut‘gam, der sie erlöset, ernähret, erzogen, gekleidet, geschmückt und schon gehalten hätte und ließe sich von jedermann zur Huren machen. Diese Hure, so zuvor eine reine Jungfrau und liebe Braut war, ist eine abtrünnige, verlaufene Ehehure, eine Haushure, eine Betthure, eine Schlüsselhure, die im Hause Fraue ist, Schlüssel, Bette, Küchen, Keller und alles hat in ihrem Befehl, so böse, dagegen die gemeinen, freien Huren, Buschhuren, Feldhuren, Landhuren, Heerhuren, schier heilig sind, denn diese ist die rechte Erzhure und eigentlich eine Teufelshure.

Von solcher Huren sagt Hosea und gar viel gröblicher und schier zu gröblich der Prophet Hes. Kap. 23. Das mügt ihr lesen, SO ihr wissen wollt, was für eine Hure eur Kirchen ist, denn eine solche Hure meine ich, wenn ich euch eine abtrünnige, verlaufene Hure schelte, die ihr in der Kindheit rechte Christen getauft auf den lieben Herrn, etliche Jahr gelebt wie die alte Kirche, darnach, wenn ihr groß worden und zur Vernunft kommen (wie ich selbs mit allen andern auch getan), sehet und höret ihr die schöne Zeremonien der päpstlichen Kirchen, dazu den Genieß , Ehre und Gewalt, die drinnen gleißen, ja, die prächtige Heiligkeit und großen Gottesdienst, und für geplauderts Himmelreich vergesset ihr eurs christlichen Glaubens, Taufe und Sakrament, werdet der Lenae, der Erzhuren fleißige Schülerin und junge Hürlin (wie die Komedien sagen), bis ihr alte Huren wiederum junge Hürlin machet und so fortan des Papsts, ja des Teufels Kirche mehret und viel von den rechten Jungfräulin Christi, so aus der Taufe geborn, immerfort auch zu Erzhuren machet. Solchs, halt ich, sei deutsch geredt, daß ihr und jedermann verstehen kann, was wir meinen. Denn ob ihr solch Neuerei bei euch für Scherz haltet, die ihr keinen Gott habt noch achtet, so ists doch für Gott schrecklich, greulich Abgötterei, Mord, Helle und alles Unglück, das Gott nicht leiden kann, daß er darum die Erzhure ewiglich verdammen will.

Davon weissagt auch St. Petrus, da er von euch solchen neuen Propheten und Kirchen redet (2. Petr. 2): Sie reden prächtige Wort, da nichts hinter ist, und reizen durch unzüchtigs Leben zur weltlichen Lust diejenigen, so recht entrunnen waren und nu in Irrtum wandeln müssen, verheißen ihnen Freiheit, Vergebung und Ablaß, so sie selbs Knechte der Verdammnis sind. Item: Sie waren dem Unflat der Welt entflohen durch die Erkenntnis des Herrn und Heilands Jesu Christi und werden wiederum in dieselbigen geflochten und überwunden, wird also das letzte ärger mit ihnen, denn das erste war. Es wäre ihnen besser, daß sie den Weg der Gerechtigkeit nicht erkennet hätten, denn daß sie ihn erkennet haben und sich wiederum kehren von dem heiligen Gebot, das ihnen gegeben ist. Es ist ihnen widerfahren das wahrhaftige Sprichwort: Der Hund hat ausgespeiet und frissets wiederum, die Sau ist in der Schwemme gewaschen und walzet sich wieder im Kot. Das seid ihr, so bin ich auch gewest. Da habt ihr eure neue, abtrünnige, verlaufene Kirchen deutsch gnug beschrieben und klar gnug für die Augen gemalet.

Denn wir bekennen nicht allein, daß ihr mit uns aus der rechten Kirchen kommen seid und mit uns in der Taufe geschwemmet und gewaschen seid durch das Blut unsers Herrn und Heilands Jesu Christi, wie St. Petrus hie sagt, sondern sagen, daß ihr auch in der Kirchen seid und bleibt. Jawohl, daß ihr drinnen sitzet und regiert, wie St. Paulus (2.Thess.2) weissagt, daß der verfluchte Endechrist im Tempel Gottes (nicht im Kuhestall) sitzen wird etc. Aber von der Kirchen oder Gelieder der Kirchen seid ihr nicht mehr, sondern in solcher heiligen Kirchen Gottes richtet ihr auf solche eur neuen, abtrünnigen Kirchen Teufelshurhaus und unzählige Hurerei und Abgötterei oder Neuerei, dadurch ihr die getauften und erlöseten Seelen mit euch verführet und durch den höllischen Rachen in Abgrund der Hellen verschlinget mit unzähligen Haufen, mit schrecklichem Jammer und Herzenleid aller der, so solchs mit geistlichen Augen sehen und erkennen.

Gott aber ists, der durch seine wünderbarliche allmächtige Macht bei euch unter so viel Greueln und Teufeishurerei dennoch die jungen Kinder durch die Taufe erhält und etliche Alte, aber gar wenig, die an ihrem Ende wiederum zu Christo sich gehalten haben, der ich denn viel selbs gekannt habe, daß doch die rechte alte Kirche mit ihrer Taufe und Gottes Wort unter euch bleibt und eur Gott, der Teufel, durch so viel neuer Abgötterei mit alle eur teufelischen Hurerei sie nicht hat können ganz und gar vertilgen. Gleich wie er zur Zeit Elia, da alles (wiewohl es alles Gottes Volk, das ist die heilige Kirche, hieß und den Gott, der sie aus Ägypten geführt, rühmeten) voll und eitel Baal, Abgötterei und Hurerei im ganzen Land war, daß Gott nicht einen Altar behalten hätte, dennoch siebentausend Mann übrigblieben von allen den vielen Tausenden, da die größesten und besten unter waren und zum Teufel fuhren. Und in der Wüsten unter Mose alle sterben, ohn die zween, Josua und Caleph. Gottes Werk heißet: Consummans et abbrevians. Daß er etliche wenig aus Gnaden erhält, wenn der ganze Haufe im Zorn untergehet, davon St. Paulus Röm. 10 reichlich redet.

Also hat auch Daniel 12 lange zuvor geweissagt, daß unter dem Endechrist sollt eine Zeit des Zorns sein und solche Trübsal, als nie gewest ist auf Erden. Und Sankt Paulus in der andern zun Thess. 2, der seine Weissagung aus Daniel daselbs nimmt, spricht auch: Gott werde erzürnen und kräftige Irrtum lassen kommen, darum, daß man die Wahrheit mit Liebe nicht angenommen hat zur Seligkeit. Lieber laß uns unser, das ist der Christenheit, Historien ansehen. Unter Constantio, dem Sohn Constantini, war der Zorn Gottes so groß, daß die Ketzer Ariani alle Kirchen in der Welt innehatten, bis auf zwo, und waren doch dazumal die Bischöfe, auch die Arianer selbs, gelehrte, fromme, ehrbare, fleißige Leute für der Welt. Was sollt denn sein unter dem Papsttum, da kein Bischof sein Amt kann noch übet, epikurisch und säuisch leben, da muß es doch gar der Teufel sein. Darum die papistischen Heinzen und heinzische Papisten viel weniger verstehen, was Kirche oder Gott sei, weder eine Kühe oder Sau verstehet. Es ist ein hoch, tief verborgen Ding, die Kirche, daß sie niemand kennen noch sehen mag, sondern allein an der Taufe, Sakrament und Wort fassen und glauben muß. Menschenlehre, Zeremonien, Platten, lange Rock, Bischofhut und das ganz päpstlich Gepränge rühret nur weit davon in die Helle hinein, schweige, daß es die Kirchen anzeigen sollt, denn zur Kirchen gehörn auch nackete Kinder, Mann, Weib, Baur, Bürger, die doch weder Platten, Bischofshut noch Messegewand anhaben.

Hie möchten die Papisten vielleicht begehrn, ja, sie wöllens mit Gewalt haben, daß man solche neue Artikel ihrer neuen Kirchen solle neben den alten Artikeln der alten Kirchen halten oder dulden. Wo nicht, so wollen sie uns Ketzer und tot haben. Denn der Papstesel ist solch ein grober Esel, daß er nicht kann noch will lernen unterscheiden zwischen Gottes Wort und Menschenlehre, sondern hälts beides gleich. Das beweisen sie damit, daß sie nu oft mit uns eine Vergleichung oder Vertrag fürgenommen, sich gestellt, als wollten sie etwas nachgeben, wir sollten auch etwas nachgeben und also beide zusammen eintreffen (wiewohl auch dasselb noch nie ihr Ernst gewest und uns nur abzureißen und zu trennen gemeinet). Dennoch siebet man darin soviel, wie sie sich über Gott als die endechristischen Lästerer gesetzt haben, denken, die Lehre solle so lange recht sein, solange sie wollen. Wenn sie nicht mehr wollen, solle sie nicht mehr recht sein, denn sie wollen die Macht haben, etwas davon nachzugeben oder nicht, und wie sie es geben oder nicht, sollen wirs annehmen. Muten uns eine solche lästerliche Unkeuschheit an, unverschämt, ohn allen Schein, ganz offenbar, damit sie sich selber dargeben, daß sie keinen behenden Teufel mehr haben, der sie reitet, wie vor etlichen hundert Jahren, sondern den greiflichen Tölpel, groben Teufel, der für Bosheit sich nicht mehr schmücken könne.

Denn weil sie sich erbieten nachzugeben und desgleichen von uns begehren, zeugen sie, daß ihnen gleichviel gilt Gottes Wort und Menschen Lehre. Lieber, Gottes Wort nachzugeben oder andern, stehet bei Gott selbs nicht. Denn er kann sich selbs nicht leugnen noch andern, und sein Wort bleibt ewig. Wer es aber andern oder nachlassen soll, der muß eine höhere Macht haben, weder Gott selbs hat, denn er auch Mose Gesetz nicht hätte geändert, wo ers nicht zuvor durch sein Wort verheißen hätte zu andern. Des unterstehet sich auch niemand denn der Endechrist, wie Daniel 11 und St. Paul. sagen, der sich über Gott erhebt, nämlich das Papsttum. Was soll man nu mit solchen Leuten, ja, mit solchen groben Heinzen und großen Eseln handeln, die da meinen, Gottes Wort sei ein Rohr, das der Wind hin und her webt, des sie mächtig seien, oder (das sie viel mehr meinen) es sei ein Zahlpfennig, der nach ihrem verdammten Frevel müsse gelten, darnach sie ihn auf den Linien heben oder legen. Also fein verstehen sie, was die Kirche sei, ja, eben damit überweisen, daß sie Gott und sein Wort hoch verachten, dazu sich über Gott setzen und seine Kirche nicht sein können. Und der grobe filz, Rulz und Tölpel, der Esel aller Esel zu Wolfenbüttel, schreiet daher sein Eselgeschrei, urteilt und ketzert, so er doch nimmermehr lernen kann, wenn er hundert Jahr studiert und seine Meister im ganzen Papsttum höret, was Kirche sei oder Ketzer, was ein Christ oder Abtrünniger sei. Der Verstand ist ihnen zu hoch. Was aber Mordbrennen sei, das künnte er seine Meister, auch den Papst selbs wohl lehren.

Die heilige christliche Kirche (ich rede itzt mit den Unsern, denn bei dem Papstesel oder bei den Heinzen, Klötzen und Steinen ist kein Vernunft, Sehen noch Hören) ist nicht ein Rohr noch Zahlpfennig. Nein, sie wankt nicht und gibt nicht nach wie die Teufelshure, die päpstliche Kirche, die wie eine Ehebrecherin meinet, sie müsse nicht festehalten bei ihrem Ehemanne, sondern müge wohl wanken, nachgeben, zulassen, wie es der Hurenjäger haben will, sondern sie ist (spricht St. Paulus) ein Pfeiler und Grundfest der Wahrheit. Sie stehet feste (spricht er), ist ein Grundfeste und fester Grund, dazu nicht ein falscher oder Lügengrund, sondern ein Grund der Wahrheit, leuget und treuget nicht, gehet nicht mit Lügen um. Was aber wankelt und zweifelt, das kann nicht Wahrheit sein. Und wozu wäre nutz oder not in der Welt eine Kirche Gottes, wenn sie wollte wanken und ungewiß sein in ihren Worten oder alle Tage was Neues setzen, itzt das geben, itzt das nehmen? Ja, wozu wäre ein solcher Gott nütze, der uns also wollt Wanken und Zweifein Iehren, wie der Papisten Theologia lehret, man müsse zweifeln an der Gnade. Davon sonst gnug ist geschrieben. Denn wo sonst die Papisten in allen Sachen hätten gewonnen, sind sie doch in diesem Häuptstück verloren, da sie lehren, daß man zweifeln müsse an Gottes Gnaden, wo wir nicht zuvor wirdig gnug sind durch unser eigen Gnugtun oder Verdienst und Furbitt der Heiligen. Da sind ihre Bücher, Briefe und Siegel, Klöster, Stift und auch noch ihre itzige Platten und Messen.

Weil sie aber dies Stück lehren, daß sie auf ihren Werken und Zweifel stehen, wie sie nicht anders können, so ists gewiß, daß sie des Teufels Kirche sein müssen, denn es sind und können nicht mehr Wege sein denn diese zween: einer, der auf Gottes Gnaden sich verläßt, der ander, so auf unser Verdienst und Werk bauet. Der erste ist der alten Kirchen und aller Patriarchen, Propheten und Apostel Weg, wie die Schrift zeuget. Der ander ist des Papsts und seiner Kirchen. Das kann niemand, auch die Heinzen und alle Teufel selbs nicht leugnen. Da stehet (wie oft gesagt) Zeugnis, Bücher, Bullen, Siegel, Briefe, Stifte, Klöster, daß mans aller Welt beweisen kann.

Und da stehet St. Petrus (Apostelgesch. 4): Es ist kein ander Namen gegeben, dadurch wir mügen selig werden, ohn allein Jesus Christus. Dagegen spricht Papst Heinz zu Rom: Nicht also, sondern sind viel andere Namen, da die Leute durch müssen selig werden, sonderlich mein Name, darnach alle, die ich will, St. Franciscus, Dominicus und alle eigene Werk, die mir Geld tragen, Könige und Kaiser zun Füßen legen. Hie ist Heiligkeit und Seligkeit, Christus ist nicht mehr not noch nütze etc.

Aber daß wir wieder kommen zu unser Sachen, daß die Kirche Christi nicht liege noch triege, müssen sie selbs ohn ihren Dank bekennen , wo wollten sie sonst bleiben? Sie müssen selbs sagen, sie sei ein Fels (Matth. 16), dawider der Hellen Pforten nichts vermügen, oder wie St. Paulus solchs glossiert: Ein Pfeiler und Grund der Wahrheit. Solchs (sage ich) danken wir ihnen, nichts, daß sie es bekennen. So sagt auch der Kinderglaube, daß es sei eine heilige christliche Kirche. Und St. Paulus l. Kor. 3: Der Tempel Gottes ist heilig, der seid ihr. Wer aber den Tempel Gottes verderbet, den wird Gott verderben.

Darum kann und mag die heilige Kirche keine Lügen noch falsche Lehre leiden, sondern muß eitel heilig, wahrhaftigs, das ist allein Gottes Wort lehren. Und wo sie eine Lügen lehret, ist sie schön abgöttisch und des Teufels Hurenkirche. Was halfs die Könige Israel, daß sie rühmeten, sie dieneten dem Gott Israel, der sie aus Ägypten geführet hatte, damit nenneten und meineten sie den rechten Gott ihrer Väter, hielten auch das ganze Gesetze Mosi. Aber weil sie daneben auch die Kälber oder Baal ehreten oder je damit aus menschlicher Andacht neu, eigen Gottesdienst stiften, dem rechten Gott zu Ehren, so war es alles verloren, denn dawider stund Gottes Verbot: Du sollt keinen andern Gott neben mir haben. Und Mose (5. Mos. 4 und 12) hart verboten hatte, sie sollten nichts Neues noch anders, nicht Eigens fürnehmen, und sprach: Was ich dir gebiete, das sollt du tun. Du sollt nichts davon noch dazu tun. Item: Du sollt weder zur Linken noch zur Rechten davon weichen, das ist: weder besser noch ärger machen, weder nachlassen noch andern. Daher wir in den Propheten allenthalben lesen, wie sie die Könige, Priester und Volk strafen, daß sie immer neue Wege erfinden und nicht auf dem Wege und einiger Bahn blieben.

Denn was neben abtritt von dem Wort Gottes (das allein der Weg ist), wie er spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, es gleiße, wie gut und schöne es kann, so ists gewißlich Irrtum, Lügen und der Tod, denn es ist ohn Gottes Wort, das ist, ohn Weg, Wahrheit und Leben. Und was dürften wir des Worts, wenn wir ohn dasselbige uns selbs künnten Wege finden? Denn das Wort ist allein das Licht unser Füße und Schein unser Wege, welchs leucht im finstern Ort dieser Welt, wie St. Petrus sagt. Wer dasselb nicht stets und fleißig in den Augen hält, wo kann der anders hingehen denn ins Finsternis, so das Licht drum da ist im Finsternis, daß wir uns darnach richten sollen im Finsternis.

Nu laßt uns die neuen Stücke alle nacheinander ansehen, die in der neuen Kirchen des Papsts aufkommen sind, so finden wir, daß sie alle ohn Gottes Wort, das ist, ohn Weg, Wahrheit und Leben sind, allein aus menschlicher Andacht oder Gutdünken oder des Papsts Bosheit erdichtet. Darum, wie die Kirche des Papsts ist voll Ablaß, Eigenverdiensts, Bruderschaften, Heiligendienst, Müncherei, Messen, Gnugtun und dergleichen droben erzähleten Stücken als Gottesdienst, ist sie damit voll Irrtum, Lügen, Abgötterei, Unglaubens, Mords und Summa aller Teufelkirchen. Denn sie können nicht sagen, daß solche Stücke Gottes Wort lehret. Nu sie aber bekennen müssen, daß die heilige christliche Kirche müsse heilig und ein Grund der Wahrheit sein, ohn Irrtum und Lügen (Quia ecclesia non potest errare.), so müssen sie zugleich bekennen, daß sie solche heilige Kirche nicht sind noch sein können, weil sie voll solcher greulicher Irrtum, Lügen und Abgötterei sind, sondern seien die rechte verlaufene, abtrünnige, schändliche Hure des Teufels, dem sie in solchen greulichen Lügen folget und dienet.

Möcht aber ein Gutherziger (wie mans nennet) sagen, was schadets denn, daß man Gottes Wort hielte und ließe daneben diese Stücke alle oder je etliche, so leidlich wären, auch gleich wohl bleiben. Antworte ich, es mügen gutherzige Leute heißen, sie sind aber irreherzige und verführetherzige Leute, denn du hörest, daß nicht sein kann, neben Gottes Wort etwas anders lehren, neben Gott einem andern dienen, neben dem Licht im Finsternis von Gott gestellet ein anders anzünden. Es ist gewißlich ein Irrewisch und Irrtum, wenns gleich ein einiges Stück wäre, denn die Kirche soll und kann nicht Lügen noch Irrtum lehren, auch nicht in einigem Stück. Lehret sie eine Lügen, so ists ganz falsch.

Wie Christus spricht Luk. 11: Schaue drauf, daß nicht das Licht in der Finsternis sei. Wenn nu dein Leib ganz Licht ist, daß es kein Stück vom Finsternis hat, so wird er ganz Licht sein. Das heißt, es muß ganz Licht und kein Stück Finsternis da sein. Eitel Gottes Wort oder Wahrheit und kein Irrtum noch Lügen muß die Kirche lehren. Und wie künnte es auch anders sein? Weil Gottes Mund der Kirchen Mund ist und wiederum, Gott kann ja nicht liegen, also die Kirche auch nicht.

Wohl ists wahr, nach dem Leben y.u reden , ist die heilige Kirche nicht ohn Sünde, wie sie im Vaterunser bekennet: Vergib uns unser Schuld. Und Joh.: So wir sagen, daß wir nicht Sünde haben, so liegen wir und machen Gott zum Lügener, der uns alle zumal Sünder schilt (Rom. 3, PS. 14 und 51). Aber die Lehre muß nicht Sünde noch sträflich sein und gehöret nicht ins Vaterunser, da wir sagen: Vergib uns unser Schuld. Denn sie nicht unsers Tuns, sondern Gottes selbs eigen Wort ist, der nicht sündigen noch Unrecht tun kann. Denn ein Prediger muß nicht das Vaterunser beten noch Vergebung der Sünden suchen, wenn er gepredigt hat (wo er ein rechter Prediger ist), sondern muß mit Jeremia sagen und rühmen: Herr, du weißest, das, was aus meinem Munde gangen ist, das ist recht und dir gefällig. Ja, mit St. Paulo allen Aposteln und Propheten trötzlich sagen:

Hacc dixit Dominus. Das hat Gott selbs gesagt. Et iterum:

Ich bin ein Apostel und Prophet Jesu Christi gewest in dieser Predigt. Hie ist nicht not, ja, nicht gut, Vergebung der Sünde zu bitten, als wäre es Unrecht gelehret, denn es ist Gottes und nicht mein Wort, das mir Gott nicht vergeben soll noch kann, sondern bestätigen, loben, krönen und sagen, du hast recht gelehret, denn ich hab durch dich geredt, und das Wort ist mein. Wer solchs nicht rühmen kann von seiner Predigt, der lasse das Predigen anstehen, denn es leugt gewißlich und lästert Gott.

Wenn das Wort sollt Sünde oder Unrecht sein, wonach wollt oder künnte sich das Leben richten? Da würde gewißlich ein Blinder den andern leiten und beide in die Gruben fallen. Wenn die Bleischnur oder Winkeleisen falsch oder krumm sollt sein, was wollt oder künnte der Meister darnach arbeiten? Da würde eine Krümme die ander machen ohn Ende und Maße. Also auch hie kann das Leben wohl Sünde und Unrecht sein, ja, ist leider allzu unrecht, aber die Lehre muß schnurrecht und gewiß ohn alle Sünde sein. Darum muß in der Kirchen nichts denn allein das gewisse, rein und einig Gotteswort gepredigt werden. Wo das feilet, so ists nicht mehr die Kirche, sondern des Teufels Schule. Gleich wie ein fromme Ehefraue (wie die Propheten solchs Beispiels immer brauchen) muß nichts mehr hören denn ihres Mannes Wort im Hause und zu Bette. Höret sie eines andern Wort, der nicht in des Mannes Bette gehöret, ist sie gewißlich eine Hure.

Das ist nu alles dahin geredt, daß die Kirche muß allein Gottes Wort Iehren und des gewiß sein, dadurch sie der Grund und Pfeiler der Wahrheit und auf den Felsen gebauet, heilig und unsträflich heißt, das ist, wie man recht und wohl sagt, die Kirche kann nicht irren, denn Gottes Wort, welchs sie lehret, kann nicht irren. Was aber anders gelehret oder zweifel ist, obs Gottes Wort sei, das kann nicht der Kirchen Lehre sein, sondern muß des Teufels Lehre, Lügen und Abgötterei sein, denn der Teufel kann nicht sagen (weil er ein Lügener und Vater der Lügen ist):

Dies sagt Gott. Sondern wie Christus Joh. 8 spricht: Ex propriis. Von und aus sich selbs muß er reden, das ist liegen. Also müssen auch alle seine Kinder ohn Gottes Wort aus sich selbs reden, (das ist) liegen.

Nu siehe, mein lieber Freund, welch ein wunderlich Ding das ist. Wir, so gewißlich Gottes Wort lehren, sind so schwach und für großer Demut so blöde, daß wir nicht gern uns rühmen, wir seien Gottes Kirchen, Zeugen, Diener, Prediger und Gott rede durch uns etc., so wir‘s doch gewißlich sind, weil wir sein Wort gewißlich haben und lehren. Solche Blödigkeit kömmt daher, daß wirs ernstlich glauben, Gottes Wort sei so ein herrlich majestätisch Ding, des wir uns allzu unwirdig erkennen, daß durch uns solch groß Ding sollt geredt und getan werden, die wir noch im Fleisch und Blut leben. Aber unser Widerpart, Teufel, Papisten, Rotten und alle Welt, die sind freidig und unverschrocken, türen kecklich heraus, sagen für großer Heiligkeit: Hie ist Gott, wir sind Gottes Kirche, Diener, Propheten und Apostel. Gleich wie alle falsche Propheten allezeit getan, also daß auch Heinz Worst tat sich einen christlichen Fürsten rühmen, aber Demut und Furcht in Gottes Wort ist allezeit das rechte Zeichen der rechten heiligen Kirchen gewest, Turst und Frevel in menschlicher Andacht das rechte Zeichen der Teufel gewest, wie man auch in des Papsts Drecketen greiflich merken muß.

Dies ist geredt von der Lehre, welche muß rein und lauter sein, nämlich das liebe, selige, heilige und einige Wort Gottes ohn allen Zusatz. Aber das Leben, so sich täglich nach der Lehre richten, reinigen und heiligen soll, ist noch nicht ganz rein oder heilig, dieweil dieser Madensack Fleisch und Blut lebet. Doch weil er ist im Werk der Reinigung oder Heiligung und immerfort sich heilen läßt durch den Samaritan und nicht sich weiter mehr und mehr in Unreinigkeit verderbet, wirds ihm gnädiglich um des Worts willen, dadurch er sich heilen und reinigen läßt, zugut gehalten, geschenkt und vergeben und muß rein heißen. Denn dadurch wird die heilige christliche Kirche keine Hure noch unheilig, weil sie am Wort (das ihr Heiligtum ist) rein und feste hält und bleibt. Ihr seid rein (spricht Christus Joh. 15) nicht um eur willen, sondern um des Worts willen, das ich zu euch geredt habe.

Denn die Heiligkeit des Worts und Reinigkeit der Lehre ist also mächtig und gewiß, daß, ob auch Judas, Kaiphas, Pilatus, Papst, Heinze und der Teufel selbs dasselb predigete oder recht täufete (ohn Zusatz, rein und recht), dennoch das rechte, reine Wort, die rechte heilige Taute empfangen würde, wie denn immer müssen Heuchler und falsche Christen in der Kirchen und ein Judas unter den Aposteln sein. Wiederum ist die Unreinigkeit der Lehre, so nicht oder ohn Gottes Wort ist, so vergift böse Ding, daß, wenns auch St. Petrus, ja ein Engel vom Himmel predigt, dennoch verflucht ist (Gal. l). Darum falsche Lehrer und Täufer oder falscher Sakramentmeister können nicht sein noch bleiben in der Kirchen, wie er PS. l sagt, denn dieselben tun nicht allein wider das Leben, welchs die Kirche leiden muß, sonderlich wo es heimlich ist, sondern auch wider die Lehre, welche öffentlich leuchten und scheinen muß, das Leben darnach zu richten. Solchs hat man von Anfang gelehret, wie St. Joh. sagt: Aus uns sind sie, aber nicht von uns, und: In ecclesia sunt, sed non de ecclesia. Item: Numero sed non merito und dergleichen. Daraus man hat diese Unterscheid, es seien nicht alle Christen, die sich stellen, als wären sie Christen. Aber wenns kömmt, daß man der Lehre uneins wird, da scheidets sich voneinander und findet sich, wer die rechten Christen sind, nämlich die Gottes Wort haben rein und fein.

Das sei diesmal gesagt von der rechten Kirchen, davon viel zu sagen ist. Wollen sie weiter hören, wer sie sind, so mügen sie ihren Heinzen weiter lassen von der Sachen schreiben, weil sie keinen Bessern wissen, denn er ist ein trefflicher Mann, in der Heiligen Schrift fertig, behende und läuftig wie eine Kühe auf dem Nußbaum oder eine Sau auf der Harfen, der solche große Sachen wohl führen kann, wie ihr denken künnt, ja, wenn es Liegens, Lästerns und Fluchens sollt gelten. Sind auch zwar nicht wert, daß sie einen Bessern haben sollten. Es ist Viehe und Stall, sprach der Teufel und treib seiner Mutter eine Fliegen in den Hintern.

Wo nu die Papisten werden oder können beweisen, daß sie die rechte heilige Kirche sind und der (abgezählten neuen Hurenkirchen Artikel und Fündlin keine nicht gelehret noch haben oder unser Artikel nicht der rechten alten Kirchen Artikeln sind, als die wir nicht erfunden noch erdichtet, so müssen wir wohl bekennen, daß wir Ketzer und abtrünnig sind. Wo sie das nicht beweisen, so müssen sie wiederum auch bekennen, daß sie die rechte Teufels Hurekirche sind, die von Christo ihrem Herrn verlaufen, sich den Teufel durch neue und andere Lehre hat lassen zuschanden machen. Solchs acht ich, sollt gewiß sein, wenn auch Juden und Heiden oder was noch menschliche Vernunft hat, zwischen uns urteilen sollten.

Sind sie nicht die Kirchen, sondern des Teufels Hure, die nicht an Christo blieben ist, so ists gründlich und gewaltiglich beschlossen, daß sie nicht sollen die Kirchengüter innenhaben, viel weniger diesen Zank (damit sie bisher Kaiser und Reich bemühen) erregen, daß man sie bei uns solle wieder einsetzen und die Güter restituiern, denn das ist eben, als wenn die Teufel von den Engeln begehrten, man solle sie wieder in den Himmel setzen, so sie doch wissen und bekennen, daß sie nicht Gottes Engel blieben, sondern Gottes Feind worden, die in das hellische Feur gehören. Oder daß ich von Menschen rede, ist‘s eben, als wenn ein Dieb oder Mörder wollt wiederfordern das Geld und Gut, so er gestohlen und geraubt, ihm aber abgejagt und nu im Gericht läge oder den rechten Erben wiedergeben wäre, wo nicht, so dräuete er, ein Heinz Mordbrenner zu werden.

Weil aber auf Erden in dieser Sachen kein Richter ist, denn sie sind Part worden, so vorhin die0 obersten Richter sich selbs gemacht und gilt ihr Urteil nichts nach allem Rechten und je so wenig als unser Urteil, die wir das ander Part sind, bei ihnen gilt, müssen wirs so lassen gehen und des rechten Richters erharren. Sonst, wo ein Richter auf Erden in dieser Sachen wäre, würde sich dies Urteil finden, daß sie (jenes Part) nicht allein keine Restitution billig zu fordern hätten, sondern wert wären, daß man sie zur Welt aus jagt und täte ihnen wie der König Jehu den Baaliten und wie der König Josia den Priestern zu Samaria und Bethel. Denn sie sind (wie droben beweiset) für Gott nach der Heiligen Schrift Urteil die rechte Mordgrube und Teufelshure. Daraus folget, daß sie die Kirchen, das ist der armen Christenheit Güter (als die Erzkirchenräuber und Gottesdiebe) zu sich gerissen, mit Frevel innenhalten, dafür noch zu ihrem Schaden verfolgen, sie an Leib und Ehre, zeitlich und ewiglich verderben.

Denn das kann wohl ein Kind von sieben Jahren, ja, wohl ein grober Narr an den Fingern zählen und rechnen, wiewohl der grobe Papstesel samt seinen verdammten Heinzen nichts verstehen können, daß die löblichen vorigen Kaiser, Fürsten, Herrn und fromme Leute ohn Zweifel nicht gemeinet noch willens gewest sind, ihre Güter zu geben, damit eitel Teufelshuren oder Abgötterei zu stiften, zu schmücken und zu ehren, viel weniger, daß sie damit Seelmörder, Kirchenräuber, Heinzen und Mordbrenner erziehen oder unterhalten wollten, sondern die lieben Kirchen und Schulen, das ist das heilige Gotteswort, Predigamt und andere Kirchendienst, Theologen, Pfarrherr, Prediger, daneben auch arme Leute, Witwen, Waisen und Kranken zu unterhalten Gott zu Lob und Ehre.

Denn es heißen nicht Hurengüter, Mördergüter, Gotteslästerer, Heinzen Mordbrenner noch Teufelsgüter, sondern der Kirchen Güter, welche doch itzt nicht allein von den geistlichen Teufelshuren in der päpstlichen Mordgruben aufs allerschändlichst durch Simonei und allerlei Laster gekauft, verkauft, gestohlen, geraubt und vertan werden, sondern auch von den leiblichen Huren und Buben aufs allerunverschamtest verprasset und verpranget werden, viel ärger, weder es zu Sodoma und Gomorra geschah, daß sie nicht einem armen Priester, Schüler noch armen Menschen einen Heller zur Steure geben. Denn sie auch nicht wert sind, so ein gering Guts zu tun, sondern dafür als die verruchten Epikurer beide, Gott selbs und seines Worts und seiner Kirchen, spotten und verlachen. Ja, das ist die schöne heilige Kirche, die noch türen sich heilig rühmen, der Kirchen Güter für ihr eigen achten und Restitution fordern. Aber er soll nicht lange ausbleiben, der solchen verzweifelten, mutwilligen Spöttern und wütrichen Mördern die rechte Restitution geben wird.

Aber indes wir keinen Richter haben auf Erden, so wollen wir über das, daß wir Gottes, des höhesten Richters, Urteil haben in seiner Heiligen Schrift, auch ihr selbs, der Papisten eigen Urteil und Zeugnis, dieweil für uns wider sie brauchen. Denn also hat Herzog George unseliger Gedächtnis gesagt, er wisse fast wohl, daß viel Missebräuche sind in der Kirchen eingerissen, aber daß ein einzeler Mönch aus einem Loche solche Reformation sollt fürnehmen, sei nicht zu leiden. Wohlan, der bekennet (ohn Zweifel er nicht allein), daß eur Kirche voll Mißbräuche ist, das heißt soviel, es ist nicht die reine, rechte Kirche, denn die soll heilig und rein sein, ohn allen Zusatz, schweige denn ohn alle Mißbräuche, wie der Glaube sagt: Ich glaube eine heilige christliche Kirche.

So habt ihr eurs Parts allesamt auf dem Reichstage zu Augsburg den Kaiser gebeten, er wollte bei dem Papst schaffen, daß er kein Ablaß mehr in deutsche Land schicken solle, weil es verachtet sei. Hie bekennet ihr selbs, daß das Ablaß ein veracht Ding sei, das heißt ein Mißbrauch und Abgötterei, denn wo ihrs für recht und gut hieltet, als einen reinen Gottesdienst, könntet ihrs mit gutem Gewissen nicht verachten noch abzuschaffen bitten. Da zeuget eur Gewissen durch eur eigen Wort, daß eur Kirche ein Götzenhaus und unreine sei, die mit falschem, nichtigem, betrieglichen Ablaß dem Teufel und nicht Gott gedienet habe und noch diene.

Zum dritten hat da selbs der Kardinal zu Menz gesagt: Was wollen wir viel disputiern, sie haben einen Artikel, welchen wir wissen und nicht leugnen können, daß er recht sei, nämlich den Ehestand. Noch können wir denselben nicht annehmen. Und obs der von Menz nimmermehr sagte, so seid ihrs numehr selbs so überwunden, daß eur viel, so die Besten sein wollen, solchs öffentlich bekennen. Nu sage mir, meinst du, es sei eine geringe Teufelshure, die solchen schrecklichen Artikel (das ist Götzen) in ihrer Kirchen gesetzt, gestiftet, gelehret, geehret, gehalten hat, daß man Gottes Geschepfewerk, Ordnung und Segen solle verdammt, verflucht und für die großeste Sünde halten? Was Böses künnte der Teufel, Gottes Feind, selbs stiften, wenn er Gott zuwider etwas stiften wollt? Wie hat eur Kirche bei solchem Greuel können heilig sein, wenn ihr gleich alle eitel keusche Jungfrauen gelebt und doch solchen Götzen gedienet hättet? Denn Gott hatte es euch verboten als eine Lehre des Teufels (2. Tim. 4). Und was für Furcht und Heiligkeit solcher Abgott und sein Götzendienst gewirkt hat in eur Kirchen, das müßt ihr selbs klagen, denn da ist Rom, die Stifte, ganz geistlicher Stand, die zeugen, ja, ihr Sünde hat Himmel und Erden mit Schanden und Blutgeschrei erfüllet. Wo ist hie eur heilige Kirche, die mit solchem Greuel so greulich zur Huren gemacht ist durch den Teufel?

Und was habt ihr selbs getan, daß ihr itzt ein Concilium begehrt, itzt verheißen, itzt verzogen, itzt versagt? Ist eur Kirche heilig, wie furcht sie sich denn für einem Concilio? Was darf sie Reformierens oder Concilii? Darf sie eins Conciliums, wie ist sie heilig? Wolltet ihr eur Heiligkeit auch reformieren? Wir für uns haben nie keins Concilium begehrt, unser Kirchen zu reformiern. Denn Gott, der Heilige Geist, hat durch sein heiliges Wort unser Kirche längest geheiliget, ja viel mehr, alle päpstliche Hurerei und Abgötterei ausgefegt, daß wir alles (Gott Lob) rein und heilig haben, das Wort rein, die Taufe rein, das Sakrament rein, die Schlüssel rein und alles, was zur rechten Kirchen gehöret, haben wir heilig und rein, ohn allen menschlicher Lehre Zusatz und Unflat. Das Leben (wie droben gesagt) gehet nicht völlig hernach, wie wir gern sehen und wollten, darüber die Propheten und Apostel selbs auch klagen, denn das gehöret dorthin, da wir den Engeln gleich sein werden.

Aber wir begehren eins Conciliums darum, daß unsere Kirchen verhöret und unser Lehre frei ans Licht kommen möchte, damit eur Hurerei im Papsttum erkannt, verdammt und jedermann, der dadurch verführet, zu der rechten heiligen Kirchen mit uns und samt uns bekehret und gemehret möcht werden. Aber da habt ihr und eur Gott, der Teufel, nicht den Schnuppen, sondern ihr Fledermäuse, Maulwörfe, Uhuen, Nachtraben und Nachteulen, die ihr das Licht nicht leiden künnt, wehret mit aller Macht und mit aller Schalkheit, daß uns ja nicht dazu komme, daß die Wahrheit im Licht verhöret und gehandelt werde. Doch fähret Gott auch immer fort und bringt das Licht je mehr ihr wehret, je mehr erfür, daß ihrs zuletzt doch werdet mit allen Schanden und Schaden leiden müssen. Und was solch eur feldflüchtigs, verzagts, verzweifelts Licht scheuen, uns schrecken oder euch trotzig machen könne, das laßt euch eur Gewissen und eigens Herz sagen.

Weil ihr nu, sage ich, selbs bekennet und bekennen müsset, welche ein unflätige Kirche ihr habt, nicht rede ich itzt vom Leben, sondern von der Lehre, daß ihr soviel greuliche Lügen und falsche Lehre habt, dazu nicht lassen wollt, so müsset ihr folgend auch bekennen, daß ihr nicht die heilige, sondern des Teufels Kirche seid, sonderlich die, so drüber halten und dazu zwingen. Denn dieselbigen beten wissentlich den Teufel an in seinen Lügen, weil sie bekennen, daß es unrechte Artikel sind. Sölchs tut ihr aber oben vom Papst herab bis auf den untersten Priester und Mönch. Das ist der rechte Kern, der beste Haufe, welchen ihr furnehmlich eur Kirche heißt, ohn was dazu eurs Anhangs ist von weltlichen Ständen. Denn denen, so solchs leid ist, die gehören nicht in eur Teufels Hurnkirche, sondern in unsere, das ist in die alten, rechten, heiligen Kirche.

Weiter, weil wir solche eur eigen Zeugnis und Urteil haben, so künnt ihr uns nicht Ketzer noch Abtrünnige schelten, sondern müßt uns recht geben als der rechten Kirchen, die solch eur bekannte Greuel und unrechte Artikel verlassen, wiederum euch selbs als die rechte Teufelskirchen, weil ihr von euch selbs bekannte Greuel und unrechte Artikel verteidingt, haltet und dazu zwinget, bekennen, daß ihr der Kirchen Güter nicht zu fodern habt, als ein Spolium wiederzugeben!, sondern daß ihr die Güter, so ihr noch habt, schuldig seid, als die Gottesdiebe und Kirchenräuber zu verlassen und der rechten Kirchen zu restituiern und einzuräumen . Und wenn ihr noch so eine unverschämte Hurstirn hättet, wie die Propheten reden, die sich nicht schämen kann, müßt ihr dennoch hierin selbs sagen, daß solchs Urteil recht sei. Denn auch Holz, Stein, Dreck und Mist würden zuletzt wider euch schreien, weil da kein anders sein kann, denn daß eine verzweifelte Hure nicht kann eine fromme, züchtige Jungfrau sein. Darum soll sie auch keine Kirche sein, keine Kirche regiern, keine Kirchengüter haben. Das ist die Summa davon.

Daß Heinze weiter den Kurfürsten, das ist uns alle, aufrührisch schilt, ist auch gleichergestalt zu verantworten, nämlich, daß er sich selbs in die Backen hauet und leuget als ein schändliches Lügenmaul, oder vielmehr, wie droben aus dem 37. Psalm gesagt, sticht er sich selbs mit seinem Schwert durch sein Herz. Wiewohl ich aber weiß, daß er sein Leben lang noch nie gewußt noch jemals erfahren habe, was Gehorsam oder Ungehorsam sei, derhalben auch nicht wissen kann, was Aufruhr oder Landfriede sei, wie das seine Schrifte und ganzes Leben weisen, doch wenn ers gleich wüßte, wie böse Ding es sei, so ist er dennoch so voller Teufel, daß ers gleichwohl selbs turst tun und andere damit beliegen. Aber Gott zu Dienst und dem heinzischen Teufel zu Verdrieß bekennen wir diese Wahrheit, daß unsere Fürsten und Herrn dem Kaiser allezeit von Herzen und treulich gehorsam gewest sind, wie das ganze Reich öffentlich muß zeugen. Denn wo sie berufen sind, auf Reichstage oder zu Felde, sind sie die ersten gewest, daß du Worst-Teufel zumal ein grobe Worst bist, wider solch, des Reichs, Zeugnis so schändlich zu liegen.

Meinet aber dein Heinze, daß unser Fürsten nicht gehorchen den kaiserlichen Edikten, darin unser Kirchen und Lehre verdammt sind, da rühmen wir und danken Gott, der uns gnädiglich erhalten hat, daß wir nicht mit euch in solchem verdammten Gehorsam erfunden werden, denn da stehet Gott, ders uns verbeut und spricht: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gotte, was Gottes ist. Und Psalm 115: Er hat den Himmel dem Herrn gegeben, aber das Erdreich den Menschenkindern. Der Himmel oder Himmelreich gehet nicht zu Lehen vom Kaiser, und Gott kann nicht des Kaisers Lehenmann sein, sondern der Kaiser soll und muß Gottes Lehenmann heißen, und wie Sirach auch sagt: Gott hat in den Ländern Herrschaften verordent, aber in Israel ist er selbs der Herr. Gott will allein und selbs in der Kirchen lehren und regiern. Solch Regiment hat er nie von sich oder aus der Hand gegeben. Wie der 60. Psalm zeuget, Gott redet in seinem Heiligtum.

Darum müsset ihr Papisten solch Stücke des Gehorsams mit Gotte selbs, nicht mit uns ausfechten und uns zuvor sicher und gewiß machen, daß wir (wie ihr tut) dem Kaiser mügen geben, was Gottes ist. Sonst tun wirs nicht, sondern nehmen eur Lästern und Lügen zu großen Freuden an, damit ihr uns Zeugnis gebet und bekennet, daß wir nicht Gott das Seine nehmen und dem Kaiser geben, und helft uns also mit eur giftigen Lügen, diese Wahrheit rühmen, daß wir nicht in eurem verfluchten Gehorsam leben. Denn Gott hat dem Kaiser, ja, allen Engeln und Kreaturn verboten, daß sie in seinem Himmelreich, das ist in der Kirchen, sollen kein ander Wort lehren, wie St. Paulus (Gal. l) einen schrecklichen Donnerschlag tut und spricht: Wenn ein Engel vom Himmel ein anders lehret, weder ihr empfangen habt, der sei verflucht. Nu haben wir droben etliche Stück der unzähligen neuen, andere Lehre erzählet (das ist, wie es hie St. Paulus nennet, Anathemata, Verfluchung, Verdammung, Vermaledeiung), damit eur päpstliche neue Hurn- und Teufelskirche erfüllet ist. Darum kann uns der Kaiser noch keine Kreatur zu solchem verfluchten Gehorsam zwingen, ja, er soll sich selbs mit uns davon halten, will er nicht durch St. Paulus Donneraxt in Grund der Hellen verflucht und zeschlagen werden.

Gott hat dem Kaiser gnug befohlen, mehr weder er kann ausrichten. Nämlich das Erdreich, das ist Leib und Gut, da hat sein Amt ein Ende, greift er darüber auch in Gottes Reich, so raubet er Gotte das Seine. Das heißt Sakrilegium, Gottesdieberei, oder wie es St. Paulus (Phil. 2) nennet, Rapinam divinitatis. Wenn einer will Gott gleich sein, das er nicht sein kann, das muß er rauben wollen, denn gegeben kanns ihm nicht werden. Es ist hiezu allein ein einiger Erbe, der hats nicht geraubet noch rauben wollen (wie der Teufel im Himmel und Adam im Paradies täten), sondern ist ihm vom Vater in Ewigkeit gegeben und angeborn von Natur. Die nu den frommen Kaiser Carol hiezu reizen oder unter seinem Siegel solchs tun, das sind ebenso fromme Tieriin als die Schlange im Paradies. Der Kaiser soll unter Gott bleiben und seines gemessen Befehls (als wohl als alle Kreaturn) warten, denn Gott will allhie, das ist in der Kirchen, allein reden und keinen andern leiden.

Gleich (daß ichs deutlich gebe) als ein Ehemann oder Brautgam kann wohl mancherlei Amt im Hause bestellen, mag einen Knecht Kaiser, den andern König heißen und befehlen alle seine Güter, diesem den Acker, jenem den Weinberg, Vieh, Fisch, Kleider, Geld und Gut, aber in der Kammer oder im Brautbette, da lasse sich kein Knecht finden, er heiße Kaiser oder König, denn das ist der Tod (spricht Salomo Proverbio). Hieher gehört allein der Bräutgam, und hie soll die Braut kein Wort hören noch wissen, ohn allein ihres Bräutgams, wie Johannes der Täufer spricht: Wer die Braut hat, der ist der Bräutgam. Also kann und will Gott in der Kirchen kein andern neben sich leiden, da soll man nichts denn allein ihn selbs und sein Wort hören oder solle eine Hure und nicht seine Braut sein.

Hieraus kann man nu wohl verstehen, was ihr Heinzen und Heinzlinge machet, wenn ihr uns Aufruhrer scheltet, daß wir nicht mit euch den kaiserlichen Edikten gehorchen. Nämlich das macht ihr: Ihr bekennet, daß wir die Braut Christi dem Herrn Christo rein und sein Brautbette rein lassen, als die getreuen, gehorsamen Joseph dienen heraußen sonst in unsern befohlen Ämtern. Wiederum daß ihr als die brünstigen Hurntreiber und Ehebrecher, das ist verdammte Gottesräuber oderHimmelaufruhrer, dem Herrn in seine Brautkammer brechen und ihm seine Braut zur Huren machen wollt. Aber er schlägt euch mit Blindheit wie die Sodomiter, daß ihr die Tür nicht findet, läßt euch dafür finden eursgleichen, Huren und Ehebrecher, die euch gehorchen und mit euch zum Teufel fahren. Und Summa, wie gesagt: Fechtets zuvor aus mit Gott, daß wir mugen etwas anders hören und lehren in der Kirchen weder Gottes Wort, item, daß euer oberzählete neue Stucke Gottes Wort seien und daß ihr die heilige Kirche seid, so sollt ihr recht haben und wir wollen gern gehorsam sein. Was ists doch nutze, daß ihr das Konsequenz so hart schreiet und laßt das Antezedens stehen ? Ist doch der Krieg nicht ums Konsequenz, wie ihr unsinnigen Narren schreiet, sondern um das Antezedens: Ponatur ecclesia certo, et obedientia sequetur necessario, econtra non posita ecclesia, nulla sequitur obedientia, ex natura relativorum. Ist anders noch ein Funk Dialecticae in euch?

Das sei diesmal von der Kirchen gesagt wider das Lästermaul der Papisten. Ein ander kanns wohl besser und ich, so ich lebe, wohl mehr machen. Darnach fähret Heinz Mordbrenner fort und schändet auch unser Leben und dasselbe mancherlei Weise. Zeugt meinen G. Herrn und den Landgrafen an mit vielen großen Schmachworten, der er doch keins beweiset, wie der Lugner Art ist. Ich hab aber droben bekannt und muß leider bekennen: Ob wir wohl die reine Lehre göttlichs Worts und eine feine, reine heilige Kirchen haben, wie sie zur Zeit der Apostel gewest, in allen Stucken, so zur Seligkeit nutz und not sind, so sind wir doch nicht heiliger noch besser denn Jerusalem, die heilige Gottes eigen Stadt, darin soviel böser Leute mit unter waren, doch allezeit das Wort Gottes durch die Propheten rein erhalten ward.

Also ist bei uns auch Fleisch und Blut, ja, der Teufel unter Hiobs Kindern, der Baur ist wild. Burger geizet, Adel kratzt. Wir schreien und schelten getrost durchs Wort Gottes und wehren, was und soviel wir können (Gott Lob), nicht ohn Frucht. Denn was von Baur, Burger, Adel, Herrn etc. sich lehren läßt und höret, das ist (Gott Lob) überaus gut und tut mehr, denn man begehret, etliche mehr, denn sie vermügen, ob ihr wenig sind, da liegt nicht an . Gott kann um eines Mannes willen einem ganzen Lande helfen, wie durch den Naaman Syrum und dergleichen. Summa: Es darf des Lebens halben kein Disputierns, denn wir bekennen gern und frei, daß wir nicht so heilig sind, als wir sollen. Allein daß wir solch Vorteil haben, daß uns die Heinzen nicht mit gutem Gewissen weder für Gott noch der Welt tadeln können, sie seien denn zuvor frömmer, weder wir sind. Sonst hat sie Christus schon verdammt, da er spricht: Du Heuchler, zeuch zuvor den Balken aus deinen Augen. Sollen sie aber den Balken zuvor herausziehen und beweisen, daß sie frömmer sind weder wir, so sind wir wohl ewiglich sicher, denn wir nicht wider sie allein vom Splitter (so das Leben betrifft), sondern auch von den großen Balken (so die Lehre betrifft) zu tun haben, wie droben erzählet. Und wir lachen nicht dazu, daß Böses bei uns geschieht, wie sie tun in ihrer Kirchen, als Salomo sagt Spr. 2: Sie freuen sich, Böses zu tun, und sind fröhlich in ihrem verkehreten Wesen, wollens dazu mit Feur und Schwert verteidigen.

Ach, was darfs viel Wort? Über welchen so großer Zorn Gottes kommen ist, daß er muß seinen Gott und Herrn schänden und verfluchen (wie Jesajas 8 von den Juden sagt), der wird freilich nichts ungeschändet noch unverflucht lassen, was Gott schafft, tut oder redet. Denn solcher Mensch ist gewißlich zum Teufel worden. Nu ist es gewiß, daß die Heinzen bekennen müssen, daß wir Gottes Wort lehren und unser Kirche nichts anders lehret, denn was Gott befohlen hat. Das ist am Tage und kann weder Heinze noch Teufel leugnen. Dennoch lästern und fluchen sie solche Kirche und Lehre, schelten uns Ketzer und Aufrührer etc., welchs nichts anders sein kann, denn Gott selbs (des solche Lehre und Kirche ist) ketzern, lästern und verfluchen. Muß nu Gott selbs und sein heiliges Wort also geschändet werden von solchen Teufeln, was sollten sie unserm Leben und Werken nicht tun. Setzet Gott sich selbs, sein Wort und Lehre in die Schmach solcher Heinzen , so mugen wir viel mehr unser Leben hineinsetzen, das doch sonst nicht ganz heilig ist.

Doch ein wenig zu antworten um der Unsern willen (denn Heinz Teufel zu Wolfenbüttel nicht wert ist, daß ein fromm Mensch seinen unverschämten Lügen antworten oder sich darum bekümmern sollte), will ich auf eins oder zwei antworten, so kurz ich kann. Erstlich, da er schreibet, diesen Lärmen (so durch Luther erregt) hab Herzog Priederich angericht darum, daß er nicht gern gesehen, daß dieser Bischof Albrecht sei Bischof zu Magdeburg worden etc. Da muß ich den löblichen, frommen Fürsten entschuldigen und sagen, daß nicht allein Heinz, sondern auch Mainz (aus dem solche Lügen wohl an mehr Ort kommen) hierin liegen als die verzweifelten Bösewichter, des sei Zeuge ihr eigen Gewissen.

Denn soviel ich zu der Zeit erfahren habe, hat Herzog Friederich mit allem Fleiß dazu geholfen, daß der itzige Bischof zu Magdeburg Bischof wurde. Denn dazumal war kein Herzog zu Sachsen furhanden, deshalben Herzog Friederich hätte mügen praktiziern , denselben Bischof zu machen.

Aber dem sei, wie es wolle, das weiß ich zu sagen, so ich zur Locha einmal gehöret (denn ich seine Stimm mein Leben lang nie gehöret noch sein Angesicht gesehen, ohn zu Wormes auf dem Reichstage), daß derselbe fromme Herzog Friederich den Bischof Albrecht so gelobet hat und sich sein so gefreuet, als der ein tröstlicher Fürst dem Reich sein würde, daß nur viel gewest ist . Denn da er wieder von Zerbist kam, daselbs eine Handelung geschah zwischen dem von Lunenburg und Braunswig nach der Schlacht, darin Heinz das Hasenpanier ergriffen und mit Fersen hinter sich gehauen hatte (denn da waren nicht arme wehrlose Köche und Boten, die sich unversehens erstechen lassen wollten), da nu (sag ich) Herzog Friederich daselbs als ein Vicarius des Reichs nach Absterben Maximilianus neben dem Bischof Albrecht gehandelt hatte und heimkam, hatte er solchen Gefallen und Hoffnung zu dem Bischöfe, daß er dies fröhliche Wort hat gesagt: Laßt mir den Mann mausen , er wirds tun. Aber nicht lange hernach, da er das Kräutlin erkennen lernte, hat er also gesagt bei den Seinen: Nu hat mich mein Leben lang kein Mensch also beschissen als der Pfaff. Denn es verdroß ihn übel, daß er den Pfaffen so gelobt und doch gefeilet hatte.

Und ich mag das auch sagen, daß mir kein Herr, auch meine eigen Gnädigsten Herrn Kurfürsten zu Sachsen nicht so gnädig allzeit geantwortet und soviel zugut gehalten haben als eben der Bischof Albrecht. Ich dachte fürwahr, er wäre ein Engel. Er hat den rechten Meister Teufel, der sich so schön putzen kann und doch darunter uns lutherische Buben schalt und was er wider diese Lehre vermocht zu tun, nicht unterlassen hat. Ich meine ja, ich sei auch beschissen in meinem hohen Vertrauen auf solchen bösen Menschen. Wohlan, hin ist hin. Er soll und muß auch dahin. Mein Herr Christus ist für ihm blieben, ich auch.

Weil er aber nicht wissen will, wer diesen lutherischen Lärmen (wie ers nennet) hat angericht, will ichs hiemit öffentlich sagen, nicht seinem Heinzen noch ihm selbs, denn er weiß es viel baß weder ich selbs. Es geschah im Jahr, da man 17 schreib, daß ein Predigermünch mit Namen Johannes Tetzel, ein großer Clamant, welchen zuvor Herzog Friederich hatte zu Innsbruck vom Sacke erlöset, denn Maximilian hatte ihn zu ersäufen geurteilt in der Inn (kannst wohl denken um seiner großen Tugend willen), und Herzog Friederich ließ ihn des erinnern, da er uns Wittemberger also anfing zu lästern. Er bekannte es auch frei. Derselbige Tetzel führet nu das Ablaß umher und verkauft Gnade ums Geld, so teur oder wohlfeil er aus allen Kräften vermocht. Zu der Zeit war ich Prediger allhie im Kloster und ein junger Doktor, neulich aus der Esse kommen , hitzig und lüstig in der Heiligen Schrift.

Als nu viel Volks von Wittemberg lief dem Ablaß nach gen Jüterbog und Zerbest etc. und ich (so wahr mich mein Herr Christus erlöset hat) nicht wußte, was das Ablaß wäre, wie es denn kein Mensch nicht wußte, fing ich säuberlich an zu predigen, man könnte wohl Bessers tun, das gewisser wäre, weder Ablaß lösen. Solche Predigt hatte ich auch zuvor getan hie auf m Schlosse wider das Ablaß und bei Herzog Friederich damit schlechte Gnade verdienet, denn er sein Stift auch sehr liebhatte. Nu, daß ich zur rechten Ursachen des lutherischen Lärmens komme, ließ ich alles also gehen, wie es ging. Indes kömmt für mich, wie der Tetzel hätte geprediget greulich schreckliche Artikel, der ich diesmal etliche will nennen. Nämlich:

Er hätte solche Gnade und Gewalt vom Papst. Wenn einer gleich die heilige Jungfrau Maria, Gottes Mutter, hätte geschwächt oder geschwängert, so künnte ers vergeben, wo derselb in den Kasten legt, was sich gebührt.

Item: Das rote Ablaßkreuz mit des Papsts Wappen, in den Kirchen aufgericht, wäre ebenso kräftig als das Kreuz Christi.

Item: Wenn St. Peter itzt hie wäre, hätte er nicht größer Gnade noch Gewalt, weder er hätte.

Item: Er wollte im Himmel mit St. Peter nicht beuten , denn er hätte mit Ablaß mehr Seelen erlöset weder St. Peter mit seinem Predigen.

Item: Wenn einer Geld in den Kasten legt für eine Seele im Fegfeur, sobald der Pfennig auf den Boden fiel und klünge, so führe die Seele heraus gen Himmel.

Item: Die Ablaßgnade wäre eben die Gnade, dadurch der Mensch mit Gott versühnet wird.

Item: Es wäre nicht not, Reu noch Leide oder Buße für die Sünde zu haben, wenn einer das Ablaß oder die Ablaßbriefe kaufet (ich sollt sagen löset) und verkauft auch künftige Sünde. Und des Dings treib er greulich viel, und war alles ums Geld zu tun.

Ich wußte aber zu der Zeit nicht, wem solch Geld sollte. Da ging ein Büchlin aus gar herrlich unter des Bischofs zu Magdeburg Wappen, darin solcher Artikel etliche den Questorn geboten würden zu predigen. Da kams erfür, daß Bischof Albrecht diesen Tetzel gedinget hatte, weil er ein großer Clamant war. Denn er war zu Mainz Bischof erwählet mit solchem Pakt, daß er zu Rom das Pallium selbs sollt kaufen (lösen sage ich). Denn es waren zu Mainz neulich drei Bischof, Berthold, Jacobus und Uriel, kurz nacheinander gestorben, daß dem Bistum vielleicht schwer war, so oft und kurz aufeinander das Pallium zu kaufen, welchs gestehet , wie man sagt, 26 000, etliche sagen 30 000 Gülden. Denn so teur kann der Allerheiligst Vater zu Rom Flachsfaden (der sonst kaum sechs Pfennig wert ist) verkaufen.

Da erfand nu der Bischof dies Fündlin und gedacht, das Pallium den Foggern zu bezahlen (denn die hatten das Geld fürgestreckt) mit des gemeinen Manns Beutel. Und schickt diesen großen Beuteldrescher in die Länder. Der drasch auch weidlich drauf, daß es mit Haufen begonnst in die Kasten zu fallen, zu springen, zu klingen. Er vergaß aber sein selbs daneben nicht. Es hatte dazu der Papst dennoch die Hand mit im Sode behalten, daß die Hälft sollt gefallen zu dem Gebäu St. Peterskirchen zu Rom. Also gingen die Gesellen hinan mit Freuden und großer Hoffnung, unter die Beutel zu schlahen und zu dreschen. Solchs, sage ich, wußte ich dazumal nicht.

Da schreib ich einen Brief mit den Propositionibus an den Bischof zu Magdeburg, vermahnet und bat, er wollte dem Tetzel Einhalt tun und soIcK ungeschickt Ding zu predigen wehren, es möcht ein Unlust draus entstehen. Solchs gebührte ihm als einem Erzbischofe. Denselben Brief kann ich noch auflegen . Aber mir ward kein Antwort. Desgleichen schreib ich auch dem Bischof zu Brandenburg als Ordinario, an dem ich sehr einen gnädigen Bischof hatte. Darauf er mir antwortet, ich griffe der Kirchen Gewalt an und würde mir selbs Mühe machen. Er riete mir, ich ließe davon. Ich kann wohl denken, daß sie alle beide gedacht haben, der Papst würde mir, solchem elenden Bettler, viel zu mächtig sein.

Also gingen meine Propositiones aus wider des Tetzels Artikel, wie man im Gedrückten wohl sehen mag. Dieselbigen liefen schier in vierzehen Tagen durch ganz Deutschland, denn alle Welt klagt über das Ablaß, sonderlich über Tetzels Artikel. Und weil alle Bischöfe und Doctores stillschwiegen und niemand der Katzen die Schellen anbinden wollte (denn die Ketzermeister, Predigerordens hatten alle Welt mit dem Feur in die Furcht gejagt und Tetzel selbs auch etliche Priester, so wider seine freche Predigt gemuckt hatten, eingetrieben, da ward der Luther ein Doktor gerühmet, daß doch einmal einer kommen wäre, der dreingriffe. Der Ruhm war mir nicht lieb, denn (wie gesagt) ich wußte selbs nicht, was das Ablaß wäre, und das Lied wollte meiner Stimme zu hoch werden.

Dies ist der erste, rechte, grundliche Anfang des lutherischen Lärmens, den nicht Herzog Friedreich, sondern der Bischof zu Mainz durch seinen Beuteldrescher oder Beutelschneider Tetzel, ja, viel mehr durch desselben lästerliche Predigt (wie gehöret), den Leuten ihr Geld zu stehlen und zu rauben, sein Pallium und Pracht zu erkaufen angefangen hat und er doch, von mir vermahnet, dem Tetzel nicht wehren wollt, sondern viel hoher das Geld, so er unter des Ablaß Schein gestohlen hatte, noch stahl und weiter stehlen wollt, weder die Wahrheit und Seelenheil geachtet hat. Und solcher unverschämter Ptaff, der solchs alles wohl weiß, will das dem löblichen verstorbenen Fürsten auflegen, schmeißt und schroteicht solche seine Lügen in seine Heinzen unverschämt, ist nu den Lästerheinzen, den Schandmainzen, den weibischen Memmen, den verzagten Schelmen und ihrer ganzen verdammten Rotten ein Lärmen oder Unlust draus kommen. Das mügen sie dem Bischof zu Mainz danken, der hats durch seinen verfluchten, diebischen Geiz und durch seinen gotteslästerlichen Tetzel, den er geschickt und verteidingt, angefangen. Und wo gleich der Luther nicht hätte des Tetzels lästerliche Predigt angriffen, so war es dennoch zu der Zeit an dem und also Übermacht , daß Stein und Holz hätten müssen dawider schreien, daraus nicht so ein säuberlicher lutherischer, sondern ein teufelischer, greulicher Lärmen worden wäre, denn sie sind bis daher unter unserm Schutz und Schirm, das ist unter Gottes Wort, sicher gewest, wenn sie die Wahrheit bekennen möchten. Die Rottengeister hätten sie sonst wohl Mores gelehret.

Der ander Anfang dieses Lärmens ist der Heiligst Vater Papst Leo mit seinem unzeitigen Bann. Dazu holten Doktor Sau und alle Papisten, auch etlich grobe Esel, da idermann wollt Ritter an mir werden, schrieben und schrien wider mich, was nur Feder regen kunnte. Ich aber hoffete, der Papst sollte mich schützen, denn ich hatte meine Disputation also verwahret und gewappent mit Schrift und päpstlichen Drecketen, daß ich sicher war, der Papst würde den Tetzel verdammen und mich segenen, schreib ihm auch zu die Resolution mit einer demütigen Schrift, und gefiel solch mein Buch auch vielen Kardinalen und Bischofen sehr wohl. Denn ich dazumal besser päpstisch war, weder Mainz und Heinz selbs je gewest sind noch werden mügen, und die päpstlichen Drecketen klärlich dastunden, daß die Questores die Seelen nicht aus dem Fegfeur mit Ablaß lösen künnten. Aber da ich des Segens wartet aus Rom, da kam Blitz und Donner über mich. Ich mußte das Schaf sein, das dem Wolfe das Wasser betrübt hatte. Tetzel ging frei aus, ich mußt mich fressen lassen.

Dazu gingen sie mit mir Armen so fein päpstisch um, daß ich zu Rom wohl 16 Tage verdammt war, ehe die Zitation mir zukam. Aber da der Kardinal Cajetanus auf dem Reichstage zu Augsburg kommen war, erlanget Doktor Staupitz, daß derselb gute Fürste, Herzog Friedreich, selbs zum Kardinal ging und erwarb , daß mich der Kardinal hören wollt. Also kam ich gen Augsburg zum Kardinal. Derselb stellet sich freundlich. Aber nach vielen Händeln erbot ich mich, hinfort zu schweigen, sofern mein Widerteil auch schweigen müßte. Da ich das nicht erlangen kunnte, appelliert ich vom Papst zum Concilio und zog davon. Also ist die Sache hinfort auch auf die Reichstage kommen und oft gehandelt, davon itzt nicht zu schreiben, denn die Historien ist zu lang. Indes gings mit Schreiben widernander aufs heftigst, bis es nu dahin kommen ist, daß sie das Licht unverschämt scheuen, ja, viel Dings selbs itzt lehren, das sie zuvor verdammt, dazu nichts zu lehren hätten, wenn unser Bücher täten.

Ist nur ein Lärmen hieraus kommen, der ihnen weh tut.

Des müssen sie ihnen selbs danken. Warum haben sie die Sachen so unvernünftig und ungeschickt getrieben wider alle Recht, Wahrheit, Schrift und ihr eigen Drecketen? Sie dürfens keinem andern schuld geben denn ihnen selbs. Wir wöllens ihres Klagens in die Faust lachen und ihr zum Schaden spotten und uns trösten, daß ihr Stündlin kommen sei. Denn sie auch noch heutigestags nicht aufhören, als die verblendten, verstockten, unsinnigen Narren die Sache also zu handeln, als wollten sie mutwilliglich zugrund gehen. Gottes Zorn ist über sie kommen, wie sie verdienet haben.

Denn nu es (Gott Lob) an Tag kommen ist, wie das Ablaß eine Teufelslügen ist, tun sie doch keine Buße, denken sich auch nicht zu bessern noch zu reformieren, sondern mit dem blinden, bloßen Wort Kirche wollen sie alle ihre Greuel verteidigen. Und wenn sie sonst kein Böses getan hätten, so wäre allein das Ablaß gnug dazu, darum sie Gott ins hellische Feur verdammt und sie alle Menschen zur Welt aus jagt. Denke doch, du lieber Christ, erstlich, wie der Papst, Kardinal, Bischöfe und alle Geistlichen die Welt mit verlogen Ablaß erfüllet und betrogen haben. Zum andern, daß sie es die Gnade Gottes lästerlich genennet haben, so es doch nichts ist noch sein kann, denn Remissio satisfactionis, id est nihil. Denn man nu weiß, daß Satisfactio nichts ist. Zum dritten, daß sie es als eine Gnade Gottes mit greulicher Simone! und Schariotherei um Geld verkauft haben, so Gottes Gnade umsonst muß gegeben werden. Zum vierten, daß sie dadurch der ganzen Welt Geld und Gut schändlich gestohlen und genommen haben. Und das alles unter Gottes Namen. Zum fünften: Das Allerärgest ist, daß sie solcher lästerlichen Lügen zur schrecklichen Abgötterei gebraucht haben. Denn vieltausend Seelen, so sich drauf verlassen, als wäre es Gottes Gnade, und drauf gestorben, durch solche Seelmörder verloren sind, denn wer auf Lügen trauet und bauet, ist des Teufels Diener.

Solche Seelen schreien ewiglich Zeter über das Papsttum, die sie schuldig sind, Gotte wiederzubringen. So sind sie auch schuldig, alle das Geld und Gut, so sie damit gestohlen, wiederzugeben, auch Gotte zuvorderst seine Ehre wiederzurstatten, die sie ihm durchs Ablaß schändlich geraubt haben. Wenn wollen sie das tun? Ja, wenn bekömmern sie sich drum? Aber doch, wo sie es nicht tun werden, mit was Schein wollen sie eine christliche Kirche heißen und die Kirchengüter besitzen oder fodern? Soll das ein Kirche heißen, die voller Ablaß, das ist voller Teufelslügen, Abgötterei, Simonei, Ischariotherei, Dieberei, Seelmörderei, ist, wie itzt gesagt ist? Wohlan, wollen sie nicht, so müssen sie. Er ist stark gnug, ders ihnen wird abmahnen, zum wenigsten mit dem ewigen hellischen Feur. Indes sollen sie keine Kirche, sondern des Teufels Schule sein und heißen, und wenn gleich alle Heinzen und Mainzen toll und töricht drüber würden.

Item, da der Teufel Heinz den Kurfürsten einen Trunkenbold, Nabal etc. lästert und, als wäre er selbs ein nüchtern Christ, die Schrift führet : Sauft euch nicht voll Weins, daraus ein unordig Wesen folget. Wiewohl mirs übel anstehet, meinen Herrn zu loben, denn der heinzische Teufel kann wohl darauf sagen: Des Brot ich esse, des Lied ich sünge. Doch kann ichs dem Teufel auch nicht so lassen gut sein, ich muß ihm sagen, wie er seiner Art nach leuget, auch wenn er gleich die Wahrheit sagt. Und erstlich kann ich das nicht ganz entschuldigen, daß mein Gnädigster Herr zuzeiten über Tisch, sonderlich mit Gästen, einen Trunk zu viel tut, das wir auch nicht gern sehen, wiewohl sein Leib eines großen Trunks mächtig ist für andern . Aber das wird Heinz nicht beweisen, sondern muß liegen, daß er ein Trunkenbold sei oder unordig Wesen da folge. Es muß Heinz, Mainz und alle Teufel bekennen (wie leid es ihnen auch ist), daß der Kurfürst ein groß Fürstentum zu regiern, viel Sachen zu handeln, dazu mit der Religion und des Reichs neben andern Sachen überschüttet, daß da wenig Muße noch Ruhe übrig, sondern Arbeit über Arbeit ist, wie das am Tage und das ganze Reich weiß. Zu solchen hohen, großen, vielen, wichtigen, täglichen und unabläßlichen Sachen ist freilich kein Trunkenbold nütze noch geschickt, wie das wohl ein Kind und Narr verstehen kann, ohn daß es das giftige Lügenmaul zu Wolfenbüttel nicht verstehen kann, wie ihn denn Gott gestraft hat, daß er keine Wahrheit, Tugend noch Ehre verstehen kann, sondern ist übergeben dem Teufel, alles zu liegen, ja, alles Böses zu tun, alles Gutes zu verstören.

So ist auch da (Gott Lob) ein züchtigs, chrlichs Leben und Wandel, ein wahrhaftiger Mund, ein milde Hand, Kirchen, Schulen, Armen zu helfen, ein ernstes, beständigs, treues Herz, Gottes Wort zu ehren, die Bösen zu strafen, die Frommen zu schützen, Fried und gut Regiment zu halten. Und ist der Ehestand so rein und löblich, daß es ein schön Exempel kann sein allen Fürsten, Herren und jedermann, ein christlich still Frauenzimmer, das einem Kloster (wie man zu rühmen pflegt) gleich ist, da höret man täglich Gottes Wort, gehet zur Predigt, betet und lobet Gott. Will nicht sagen, wieviel der Kurfürst selbs lieset und schreibet alle Tage. Hörest du es, Teufel Heinz und Heinz Teufel? Solchs christiichs, fürstlichs, ehrlichs Leben wirst du nicht können ein unordig oder Trunkenbolds Wesen schelten, du wolltest es denn tun mit der Zungen, damit du Gott selbs und Menschen schändest und lästerst. Denn ausgenommen den Trunk über Tische wirst du nichts finden anders denn eitel große Gaben Gottes und allerlei Tugend eins löblichen, christlichen Fürsten, auch eines keuschen, züchtigen Ehemannes. Die Früchte zeugen vom Baum. Nu muß man leiden, ob etwa an einem schönen Leibe eine Warzen oder Grindlin sei, wo mans nicht kann wenden, als man gern wollte.

Dagegen, wenn du solchs hörest. Lieber, was sagt dir dein Herz (hast du anders ein Herz) von deinem nüchtern, heiligen, keuschen ordlichem Wesen, das du führest? Denn du weißest, daß alle Welt von dir weiß, wie du deine löbliche Fürstin haltest, nicht allein als ein voller, toller Filz und Trunkenbold, sondern als ein unsinniger, wütiger Tyrann, der sich nicht voll Weins, sondern voll Teufel gefressen und gesoffen habe, täglich und alle Stunde, wie Judas im Abendmahl. Denn du speiest auch eitel Teufel aus deinem ganzen Leibe in alle deinem Werken und Wesen, mit Gottes Lastern, Fluchen, Liegen, Ehebrechen, Wüeten, Schinden, Morden, Mordbrennen etc., daß man deinesgleichen in keiner Historien findet (wie hernach). Dazu kannst du dein schändliche Hurerei, ja Ehebruch nicht vollbringen, mußts mit göttlichs Namens Schmach und Schande tun und die arme Metzen als verstorben mit deinem heiligen Gottesdienst, Messe und Vigilien lassen verbergen. Das hast du von deinem Gesellen zu Mainz gelernt, der auch seine Hurerei und Ehebrecherei unter dem Schein des Heiligentums treiben mußte, doch kannst du wohl von dir selb solche Tugend erdenken. Fürwahr, ihr seid ordenliche Leute, die ihr fein wisset, von Trunkenheit und unordigen Wesen zu predigen.

Wie gleich bist du nu dem Kurfürsten, an dem alle Tugend scheinen , ohn daß ein Splitter, der Trunk über Tische, dich (der du sonst voller Teufel bist und nicht einiges, armes Tügendlin an dir hast) muß zum nüchtern, heiligen, christlichen Mann machen. Hiemit will ich das Hofeleben nicht entschuldigt haben, das sie selbs ein Säuleben heißen. Es ist leider dieser Hof nicht allein, sondern ganz Deutschland mit dem Saufenlaster geplagt. Wir predigen, schreien und predigen dawider. Es hilft leider wenig. Es ist ein böse alt Herkommen in deutschem Lande, wie der Römer Cornelius schreibt, hat bisher zugenommen, nimmt noch weiter zu. Da sollten Kaiser, Könige, Fürsten, Adel zutun, daß ihm gesteuret würde. Dazu wills noch ärger werden (ohn Zweifel zur Strafe), daß nu auch welsche Sitten sich in deutschen Landen beginnen zu pflanzen durch die verdammten Kardinal und Heinzen, daß zu besorgen, deutsch Land sei gewest, davon itzt nicht Zeit zu reden.

Und woher hat das Reich Unruhe? Nicht vom Kurfürsten, der still und gehorsam ist, sondern von dir (samt deinen Teufelsgenossen), der du mit Wüeten, Toben, Mordbrennen all Unglück im Reich anrichtest und deine eigen Untertanen auffrissest, nichts anders Tag und Nacht denkest, denn Mord und alles Unglück anzurichten. Das heißt bei dir Ruhe und ordenlich, nüchtern Wesen. Wer dir hierin nicht gleich will sein, der muß aufrührisch, unruhig, unordig, trunken heißen. Ja, so tut dein Vater auch. Weil Gott nicht wollt im Himmel tun, was er wollt, fuhr er zu und wollt Gott nicht lassen Gott sein, wills auch noch nicht tun. So tust du auch, du schönes Ebenbild deines engelischen (hellischen) Vaters.

Von den Kirchengütern hab ich droben gesagt, so hat der Kurfürst (Gott Lob), was derselben furhanden, ganz christlich angelegt und noch tut, als an Kirchen, Schulen, Armen etc. Und dürfte derselben wohl mehr in solchen großen Unkosten, so über ihn gehet. Aber Heinz, das heilige, gehorsame Kind der heiligen Kirchen, hat das Bistum Hildesheim gefressen, fresse wohl gern Magdeburg und Halberstadt dazu und gebe nicht einen Heller einem armen Menschen, schweige, daß er Schulen und Kirchen helfen sollt. Aber er hat eine köstliche Entschuldigung: Die Kirchen und Schulen sind ketzerisch, er aber ein christlicher, heiliger Mann. Darum mag er fressen, was er kann, wiewohl seine Kirche selbs drum zürnet, und geben itzt für, sie wöllens ihm abbannen. Aber obs ernst oder Spiegelfechten sei, dafür will ich nicht sorgen. Lasse die Buben unternander machen, was sie machen. Es ist alles eitel Lügen und Mord, was der Teufel tut.

Vom Landgrafen, den er zweiweibig, wiedertäuferisch, selbs auch wiedergetautt schilt, doch mit solchen kardinälischen, wetterwendischen Meuchelworten, daß, wo es zum Beweisen sollt kommen, er frei könnte seine Zunge wiederum lenken und sagen, er hätte es nicht beschlossen, daß so sei, sondern einen Argwohn gehabt, denn er ist ein Meuchler, Lügener, Zweizungiger und leuget, meuchelt, zweizunget alles, was er redet und tut, davon (sage ich) will ich nicht viel diesmal reden. Der Landgraf ist Manns gnug, hat auch gelehrte Leute bei sich. In Hessen weiß ich von einer Landgräfin, die da ist und soll heißen Frau und Mutter in Hessen, wird auch keine andere mügen junge Landgrafen tragen und säugen. Ich meine die Herzogin, Herzog Georgen zu Sachsen Tochter. Daß aber ihr Fürsten zum Teil den Holzweg gehet, da habt ihrs leider dahin bracht mit eurem bösen Exempel, das schier der Baur nicht mehr will fur Sünde halten und habt uns zu tun gemacht, daß wir mit aller Mühe schwerlich den Ehestand für löblich und ehrlich erhalten, ja wieder anrichten können.

Aber von Anfang hat nie keiner den Ehestand lästerlicher geschändet denn Heinz von Wolfenbüttel, der heilige, nüchtern Mann, als der seine schändliche, unbußfertige, verstockte Ehebrecherei unter dem schrecklichen Urteil und Zorn Gottes (nämlich dem Tod, der alle Menschen frißt, daß uns auch allein Gottes Sohn davon hat müssen helfen) schmücket und berget , dazu unter seinem Gottesdienst, Messe und Vigilien, machet also ein Hehlekäpplin, ja, eine Narrenkappe, beide aus Gott und dem christlichen Glauben, als wäre der Tod, Auferstehen und ewigs Leben ein Scherz und Gäucherei und Gott wäre nicht gnugsam damit geschändet, daß sein Verbot vom Ehebruch veracht wird, sondern muß dazu noch als ein Schanddeckel verspottet werden, daß nicht wunder wäre, ob Gott ein Land drum versinken ließe wie Sodom und Gomorra. Und solcher Gotteslästerer und Spötter tar noch andere löbliche Fürsten richten und schmähen. Der Türke (sagt man) hat wohl über hundert Frauen, noch ist sein Wesen nicht so mit Gottes Namen und Werk als mit einer Narrenkappen geschändet wie dieses Heinzen.

Vom Wiedertäufen laß ich die Bücher dem giftigen Maul antworten, darin man lesen kann, was der Landgraf neben dem Kurfürsten wider die tollen Leute zu Münster getan haben, kann er darüber ein Wiedertäufer werden und heißen, so kann er auch wohl ein Ärgers und Größers werden und heißen. Und was sollt bei solchen bösen Mäulern nicht werden auch der heiligst Mensch auf Erden, wenn unser Lehre, die sie selbs bekennen müssen, daß es Gottes Wort sei, Ketzerei, Ungehorsam, Aufruhr und alle böse Namen leiden muß. Denn weil sie zu Teufeln worden sind, wollten sie alles ihnen gleich auch gern zu Teufeln machen. Aber damit machen sie unser Sache (wie droben gesagt) nichts ärger und ihre Sache nichts besser.

Und daß ich auch zum Ende komme, achte ich für mich, daß Heinze Teufel darum solche böse, lästerliche Lügenbücher furgenommen hab zu schreiben, er weiß, daß er bei aller Welt viel schändlicher Namen hat und stinket wie ein Teufelsdreck, in deutschen Land geschmissen , wollt er vielleicht gern, daß er nicht alleine für andern so scheußlich stünke, sondern auch andere, löbliche Fürsten bestänkern, ob man seines Stanks damit ein wenig vergessen möcht oder doch nicht sein Stank allein alle Nasen füllen müßte, zuvor aus, weil dies Jahr der Mordbrenner Geschrei gar über ihn Zeter schreiet. Denn solch Zetergeschrei zu überschreien mit leisen Worten, das wills nicht tun. Darum muß er sich also zu zerren und plärren, mit Fluchen, Lästern, Liegen, Wüten und Toben, obs helfen wollt. Aber es hilft nicht! Heinz, du schreiest vergeblich, und wenn du wittern und donnern kunntest wie Gott selbs. Dies groß unschuldig Blut zu Eimbeck und anderswo, durch deinen Mordbrand vergossen, schreiet gen Himmel so stark, daß dichs samt deinen Gesellen gar bald (ob Gott will) in Abgrund der Hellen schreien soll, wird auch nicht ehr aufhören.

Daß du aber das Maul wolltest wischen , es seien Bosewichter und Schälke, die solchs von dir, deinen Ehren zu nahe, sagen, ist in dem wohl recht geredt und gebest ihnen deinen eigen rechten Namen. Denn darum sind sie geschmaucht mit Feur, daß sie solche Bösewichter und Schälke gewest, die ihrem Haupt und Erzmordbrenner gedienet haben. Und der Henker, der sie gerichtet, hat damit dir furgemalet, was du verdienet hättest, wenn man dir sollt dein Recht tun. Wohlan, du mußt denken, es sei ebenso mehr in die Helle gerannt als getrabet. Du hasts doch dahin gesetzt, daß du Gottes und Menschen Feind bleiben willt, und wo du Gott ermorden künntest, so würdest du sein ja so wenig schonen als der Menschen, wie dein Wort zeuget, da Herzog George gestorben war: Ei, nu wollt ich lieber, daß Gott im Himmel gestorben wäre. Davon itzt nicht alles, denn es ist zu greulich zu hören, dasselb auszustreichen . Du hast dir sonst ewigs Gedächtnis gnug gestift, daß man Judas, Herodes, Nero und aller Welt Bösewichter gegen dir schier wird heiligsprechen müssen.

Denn obwohl Nero auch Rom ansteckt, tat ers dennoch offenbar und wogets als ein Mann, wie es zuletzt gehen wurde. Und die andern Mordbrenner stecken Briefe, zeigen ihren Namen, warnen ihre Feinde, wogen auch, daß sie dem Henker in die Hände kommen. Aber dieser verzagter Schelm und feldßüchtige Memme tuts alles meuchlings. Er wäre besser ein Frauenhut, der nichts tun sollt, denn wie ein Eunuchus, das ist ein Frauenhut, stehen in einer Narrenkappen mit einem Fliegenwedel und der Frauen hüten, und des davon sie Frauen heißen (wie es die groben Deutschen nennen). Ich habs von feinen Kriegsleuten gehört, wie ein verzagter Schelm er sei, ist auch noch nie keines freidigen Manns Tat von ihm erhöret, sondern was er getan hat, das hat er heimlich oder meuchlings aufs Leugnen getan, oder gegen die, so ubermenget oder übermannet . Seinesgleichen oder einen Mann läßt er wohl zufrieden. Das beweiset er nicht allein mit seinem lästerlichen Meuchelehebruch, sondern auch mit diesem jämmerlichen Meuchelmordbrand, ohn was der Stück noch mehr sind.

Denn also sagen alle Bücher: Wer ein Meuchler ist, der ist verzagt und schlägt keinen Mann redlich, wie der Kaiser Mauritius von seinem Mörder Focas. Si est timidus est homicida. Ein freidiger Mann schämet sich, etwas meuchlings oder gegen seinem ungleichen, wehrlosen Menschen furzunehmen, das doch dieses Heinzen höchste Tugend ist. Und ich halt, daß diesen Meuchelmordbrenner eine zornige Katze sollt aus dem Felde jagen, wo er alleine wäre. Darnach, wenn solche Thrasones ihre Meuchelei begangen, werfen sie den Rüssel auf und sind kühne Eisenfresser, mit Schweren und Martern, Gott und Menschen lästern und schänden, und ist ihre Freidigkeit im Maul mit schändlichen Worten. Denn kannst denken, welch ein mannhaftiger Achilles der muß sein, der Gott (den er für nichts hält) im Himmel den Tod wünschen und fluchen kann, oder wo da etliche Hundert in der Schlacht bleiben, da er aus kecklich geflohen ist, hernach mit solchen Worten ein Held und teuer Ritter wird. Ha, solcher Leute zeucht man viel auf mit einem Kübel voll Milch, oder wenn er sie hinan„ geführt, aller Landsknechte Mutter ist noch nicht gestorben. Item Gott mit uns, der Teufel hole die andern und dergleichen. Welcher Christ, ja, welche Vernunft vernimmt nicht, was für ein Herz da sei, aus dem solche Wort kommen? Ists nicht wahr, das ich droben gesagt hab, er hab sich voll Teufel gefressen und gesoffen und speiet also eitel Teufel aus seinem hellischen Rachen?

Von Nerone schreibt Suetonius: Da einmal bei ihm stund auch ein ungeheurer Unmensch und sprach: Ich wollt, daß nach meinem Tod die Welt im Feur verdörbe, da antwortet Nero: Ja, ich wollt, es geschehe, weil ich lebe. Dieser Nero ist dennoch so kühne und mannlich, daß er mit andern will des Verderben warten. Unser verzagter Frauenhut wünscht wohl, daß der Teufel alle andere hole, aber er will die Flucht behalten und seines Lebens sparen als ein kühner Held, der mit Worten auch Gott kann totschlahen, schweige denn alle Menschen. Aber es ist die letzte Stunde da, wie wir Christen wissen, darin das Papsttum mit seinen Geliedern soll, wie Daniel und Paulus sagen, das greulichst Exempel des göttlichen Zorns sein und der rechte, endliche Greuel, den kein Gewalt auf Erden, auch die heilige Kirche selbs nicht, sondern der Herr Christus selbs mit dem Geist seines Mundes töten und mit seiner Zukunft zustören soll. Darum muß auch solcher endlicher Greuel den schändlichsten Menschen zum Diener haben, den die Sonne beschienen hat. Denn in solche Kirche gehöret solcher Kirchner und solcher Heilige. Und wir wissen (Gott Lob) wohl, wem Heinz mit seinem Meuchelmordbrennen dienet und wo das Geld herkömmt. Aber dagegen wollen wir keck und unverzagt sein, als die wir wissen, wem sie es tun, das ist dem rechten Mann. Laß sie nur getrost anlaufen und eilen zu ihrem Verdammnis, wie St. Petrus sagt. Es soll solch Mordbrennen nicht allein dem Heinzen heimkommen , das weiß ich fürwahr (denn der ist nicht wert, daß man sich damit bekümmere). Und wir wollen einmal sehen, daß dies unser Weinen und Trauren verwandelt sei in eine Freude, der sie nicht so lachen sollen, wie sie itzt lachen. Was gilts?

Es verläßt sich der Heinz und sie alle darauf, daß der Papst uns verdammt hat und der Kaiser auch Edikt wider uns gestellet, darum sie niemand könne tadeln noch urteilen, weil sie Papst und Kaiser gehorsam sein, mügen also tun, was sie wollen, uns zuleid. Das ist die Bruch von Spinnweb gemacht (wie es Jesajas nennet), damit sie geschmückt sind als jener, der sich nacket mit einem Netze anzog, daß man seine Schäme nicht sehen sollt. Aber die Bruch ist nu oft von uns zurissen. Doch weil sie toll und töricht sind, wollen wir sie itzt abermal zureißen, nicht um der Heinzen willen, die nichts verstehen, meinen nichts anders, ihr Spinnweb sei ein gülden Stück, ja, ein Kurisch, Harnisch, sondern die Unsern zu trösten und (welchs nicht wissen) zu unterrichten.

Man spricht auf deutsch: Das Recht ist allzeit ein fromm Mann, der Richter ist oft ein Schalk. Und ich gedenke, da Herzog Friederich einmal eine Klagezettel kriegt von einer armen Frauen, darin sie bat, sein kurfürstliche Gnade wollte ihr helfen zu dem rechten Recht, daß der gute Fürst sehr guter Ding drüber war, daß die Frau zweierlei Recht anzeigt, so er doch nichts wußte von einem unrechten Recht, verstunds aber bald, daß es war geredt soviel: der Richter wäre ein Schalk. Und, o Herr Gott, wenn dies Leben so selig wäre, daß der Richter so fromm wäre als das Recht, so dürften wir keiner Juristen, ja wohl keiner Herren, weder König noch Kaiser. Aber man frage die Juristen drum, was sie für Ursache haben, daß ihre Bücher so klagen über die hohen und niedrigen Richter, daß sie müssen dasein, helfen und wehren, was und womit sie können. Ja, frage die Fürsten und Herrn selbs drum, was sie doch machen, wenn sie ihre Amtleute absetzen und strafen, ist doch das Amt recht und fromm? Und warum haben die Fürsten vorzeiten etliche Kaiser abgesetzt, so doch das kaiserliche Amt von Gott ist und heißt (wie billig) das Heilige Römische Reich um Gottes willen, der heilig ist und solchs geordent, und alle Fürsten ihren Stand rühmen von Gottes Gnaden, das ist heilig.

Ja, warum heißt man der Huren Leib Gottes Kreatur, so sie ein böse Hure ist und alle fromme Weiber sie scheuen, die doch keine besser Kreatur sind des Leibs halben, und der Exempel ist alle Kreatur voll. Alles darum: Quod est differentia inter rem et personam. Das ist soviel gesagt: Res illa: Das Recht ist allzeit ein fromm Mann, aber Persona: der Richter ist oft ein Schalk. Daß nu die Heinzen trotzen darauf, daß Papst und Kaiser, das ist die Personen, uns verdammt haben und nicht das Recht, darum haben wir verloren und sie gewonnen. Das ist eine solche Dialectica, darum man die Knaben von zchen Jahren stäupet in der Schulen, und heißt auch bei ihren Sophisten: A baculo ad angulum. Und daß ichs deutsch rede, obs die Papstesel auch verstehen könnten: Die Frau ist schön, darum ist sie keine Hure. Heinz ist ein Fürst, darum ist er kein Ehebrecher, Mörder noch Mordbrenner. Kaiphas ist ein Hoherpriester, darum kreuzigt er Christum nicht. Judas ist ein Apostel, darum ist er kein Verräter. Lieber, wie soll man solche Leute nennen, die also reden? Sind sie nicht toll und töricht?

Und dies rede ich noch alles von dem Wesen hienieden auf Erden, nämlich, daß Recht und Richter, Res und Persona, nicht für ein Ding, sonder unterscheiden und nicht ineinandergemenget soll sein. Also daß man nicht sehen noch achten soll, was der Richter, sondern was das Recht tut, wie auch der Heide Seneca sagt: Non quis, sed quid dicatur attende. Und die ganze Schrift verbeut, Person anzusehen. Sie haben aus unsern Büchern gelernet, daß man die Oberkeit und Herrschaften soll ehren, das ziehen sie dahin : Was die Person Heinz tut, soll man ehren, so wir doch allein das Amt und Recht gemeinet und verstanden haben. Und zu Wahrzeichen viel Fürsten und Herren (wie auch noch) gestraft haben, daß sie ihre Amt nicht tun, so mengen sie es so schändlich und meinen, alles, was die Person will und denkt, das sei der Oberkeit oder Amts Werk, gleich wie auch Herzog George sich seibs und viel mit sich betrog, daß er auch in Religionsachen möcht gebieten, was er wollt, und die Untertanen wärens schuldig zu halten. Das ist eben des Papsts Meinung und Regiment.

Aber dagegen stehen die Zehen Gebot Gottes, die werfen unter sich nicht allein Kaiser und Könige, sondern auch Propheten, Apostel und alle Kreatur und zwingen sie, zu tun, was Recht ist nach ihrem Amt, und läßt ihnen nicht zu, was sie gelüstet nach ihrer Person. Lieber Gott, ist die Welt noch so blind, nachdem solch Licht so reichlich durch den Katechismus offenbart ist. Was hilft doch unser Predigen, wenn man dies Stück noch nicht lernen will oder kann. Wenn das soll Recht sein, was die Person, so im Amt sitzt, will und tut, so ists gar aus und regiern eitel Heinzen und Teufel und ist Gott und sein Gebot schlecht tot und nichts. Also tat Albrecht, der Henker zum Gebichstein, auch, da er Hans Schenitz ermordet. Er wollt der Richter selbs und das Recht selbs sein, und Gott mußte nichts und tot sein.

Und daß wir gröblich mit Groben davon reden, so ist auf Erden mehr denn das kaiserlich Recht (dadurch ich will das ganz Gericht weltlicher Oberkeit und was die Juristen lehren, verstanden haben). Denn der Kaiser soll und muß herunter in die andern Tafel, ins vierte Gebot, höher kann er nicht (der Teufel führet ihn denn), dazu, wie gesagt, ist er auch der andern Tafel ganz unterworfen und schuldig, zu halten, was Gott in derselben gebeut, sowohl als der geringst Mensch auf Erden. Aber in der ersten Tafel hat er doch so gar nichts zu tun (sowohl als kein Engel noch Kreatur), daß er auch nichts anders vermag denn sich fürchten und zittern für Gott, seinem Namen und seinem Wort, schweige denn, daß er hierin was andern sollt. Denn hie regiert Gott allein, und wiewohl er in der andern Tafel auch nicht Macht hat, die Gebot zu andern, so kann er dennoch die Leib und Güter (so ihm unterworfen) regiern, damit sie nach denselben Geboten und nicht dawider gebraucht, wie Vater und Mutter im Hause auch Macht haben.

Wenn nu die Heinzen schreien, der Papst und Kaiser habens also geboten, den soll man gehorsam sein, ist das die Antwort: Ausgenommen die Zehen Gebot und Evangelium Gottes, welchen der Papst und Kaiser neben uns sollen selbs auch gehorsam und unterworfen sein. Tun sie das nicht, so stehet- das Sprichwort: Der Richter ist ein Schalk, dem gehorche der Teufel und seine Heinzen. Wir wollen dem frommen Mann, dem Rechte, gehorchen. Drehet euch, wie ihr wollet, so müßt ihr zuletzt zum Recht. Die Person wird euch nichts helfen, wenn euch das Recht verdammt, und wenn ihr hunderttausend Kaiser und Päpste für euch hättet. Denn welchen das Recht verurteilt und verdammt einen Schalk und Mordbrenner, den kann der Kaiser und Papst nicht frommsprechen, und hülfe ihn nichts, ob er ihm die Kaiserkron aufsetzt, denn es wäre doch die spinnewebige Bruch, das ist der Richter ohn Recht.

Nu aber dies Jahr der Heinze durch Gottes Gericht ist offenbart und verkläret ein Erzmeuchelmörder und Bluthund, desgleichen nie erhöret ist unter der Sonnen, und der Papst, Kaiser, Kammergericht nicht können oder wollen ihn auch also verklären, hilft ihn nichts, Gottes Gericht gehet über alles, tritt Papst und Kaiser mit Füßen. Das ist aber Gottes offenbart Gericht, daß nicht einer, sondern viel in der Urgicht bekannt und darauf als auf den höhesten Eid ihren Tod genommen, als ein ewig Gericht Gottes, daß der Angstbösewicht und Meuchelmordbrenner, der zu Wolfenbüttel, den Mordbrand habe angericht. Aus diesem Urteil und Gericht wird dich kein Schreien, Zerren noch Plärren, Fluchen noch Lästern, Ehebruch noch Verzagen, Kaiser noch Papst, Teufel noch Engel erretten können, wenn sie dich gleich zum Heiligen kanonisierten. Denn da stehet Gottes Wort und Urteil, das spricht: Zweien oder dreien Zeugen (viel mehr der letzten Not so vieler ) soll und muß man glauben, will man anders Gott selbs glauben. Wenn einer allein da wäre oder in einem Gericht oder wäre wie zu Metz vom Henker ubermartert , so hätte man wohl mügen feilen, doch nicht lange. Aber hie sind viele, den man glauben muß als Gotte selbs, der es heißt glauben als ein wahrhaftig Urteil, und vieler Herrschaften Gerichte, die man muß für Recht und von Gott verordente Gerichte halten, daß sie recht getan haben und jene recht auf dich bekannt haben.

Da stickest du, mit Ketten göttlichs Gerichts und Banden zur Hellen gefangen, wie alle Teufel auch. Laß dir nu Herzog Georgen, deinen Abgott, und den zu Mainz, deinen Heiligen Geist, helfen und raten. Oder lust dichs, so komm wieder und nimm alle Speier und Schreier zu dir, auf daß ihrs gut machet. Wo du es nicht verstehen kannst, will ichs doch, ob Gott will, dem zu Mainz und andern mit ihm also sagen, daß ers verstehen muß. Denn er ist nicht so eine Worst noch unsinniger Narr wie Heinze. Er weiß wohl, was er tun sollte, wenn er die Gnade hätte und künnte dem Reich mehr Nutzs tun (welchs Herzog Friederich auch gemarkt), denn du verzweifelter Meuchler, Frauenhut und verzagter Schelm Schaden getan hast. Aber er solls nicht wert sein, und muß mir leid sein, mein treue, herzigs Gebet, das ich so ernstlich und oft für den heillosen Pfaffen, ihn zu bekehren, verloren habe, wie Samuel an seinem Saul.

Und du schändlicher Heinz läßt dich nicht allein zu solchem jämmerlichen Mordbrand, sondern auch solche Bücher zu schreiben brauchen und zu lästern solche hohe Sachen von Kirchen, Ketzern, Glauben, Unglauben, Aufruhr, Gehorsam, da beide, sie selbs und du auch, weißest, daß du ein unverständiger Narr hiezu bist und uns selbs, so Tag und Nacht, soviel Jahr damit umgangen, dennoch hoch bleibt. Du solltest nicht ehe ein Buch schreiben, du hättest denn ein Forz von einer alten Sau gehöret. Da solltest du dein Maul gegen aufsperren und sagen: Dank habe, du schöne Nachtigall, da höre ich einen Text, der ist für mich. Halt fest, Rüdem, das wird gut, in ein Buch zu drücken, nirgend denn zu Wolfenbüttel wider die Schriftler und den Kurfürsten. Oh, wie sollen sie die Nasen dafür zuhalten und werden müssen bekennen, daß Heinz Potzenhut auch ein Schreiber sei worden. Ja, so solltest du Bücher schreiben, die künntest du verstehen.

Zuerst bitte ich erstlich alle fromme Christen und ehrbare Herzen, die dies lesen oder hören, wollten das mit Ernst wohl merken, daß Gott der Herr (wie gehört) durch so viel ürgicht und Gericht diesen Heinzen verdammt hat als einen Mörder, Bluthund, Erzmeuchelmörder zum hellischen Feur, wo er hie nicht geschmaucht kann werden, daß ein jedermann Gott diesen Dienst tue, rühme und preise solch göttlich Gericht, wo er kann, öffentlich und sonderlich speie auf die Erden, Gott zu Ehren, wo er Heinzen siebet, oder halte die Ohren zu, wo er ihn höret nennen, gleich wie er wollt gegen dem Teufel selbs tun. Und sonderlich ihr Pfarrherr und Prediger, lasset eur Stimm getrost hierin schallen und wisset, daß wir solchs schuldig sind zu tun Autoritäre divina und Gott einen Dienst dran tun. Denn man soll und muß Gottes Gericht und Werk preisen und rühmen, wie die Psalmen uns Ichren. Denn hie hat sich Gott über Heinzen offenbart wie über Pharao in Ägypten, daß wir gewiß sind, es sei sein Gericht und Werk. Und ihr Prediger tut das dazu, daß ihr dem Volk sagt, wie mit solchem Gericht nicht allein Heinz, sondern Papst, Kardinal, Bischof, Pfaffen, Münch und ihr ganz Körper von Gott gemeint sei. Denn Heinz ist ihr aller Diener hierin, wie er sich in seinen Büchern ihrer Kirchen und Gehorsam rühmet (ob wirs wohl ohn das wissen). Und gleichs Urteil sind verdammt alle, die ihm dienen, es sei Speier, Drücker, Adel und wer er sei, so drein gewilligt oder Gefallen dran haben. Hie ist nicht Papsts noch Kaisers Bann, sondern Gottes Bann, wie über den Teufel selbs.

Auch müssen wir solch Gericht und Gottes Werk unser Not halben ausschreien und rühmen, auf daß uns Gott nicht auch (weil wirs wissen und dazu schweigen wollten) solch groß Blut und Jammer zurechene, so bei uns geschehen durch solche vermaledeite Bluthunde und Meuchelmordbrenner, heinzische Papisten und päpstische Heinzen. Gedenkt, wie ernstlich Gott in Mose gebot und den Toten, so auf dem Felde funden ward, von den nähesten Städten wollt gefodert und gereinigt haben. Wo wollten wir bleiben, weil er selbs durch sein öffentlich Gericht und Werk uns meldet und mit Fingern zeiget die greulichen Mörder Heinzen und ihre Gesellen. Es sollt uns wohl die Erde verschlingen oder der Türke fressen, wo wir solch groß Blut und Mord nicht mit ernstem, großem Zetergeschrei von uns weiseten auf den Heinzen, auf den es Gott für unsern Augen weiset und uns versucht, ob wir schreien oder mit Schweigen uns teilhaftig machen wollen.

Sie sind vorhin allezeit große Bluthunde gewest und haben. viel ermordet, bis sie Gott in ihrem Heinzen recht offenbart und verurteilet hat. Denn zuvor haben sie es getan als Richter, da Gott stillgeschwiegen. Aber nu tun sie es als Meuchelmordbrenner, da sie nicht Richter, sondern Part und Feinde nu dem Richter unter die Hand von Gott verurteilet sind. Also soll Gott seine Feinde schänden, die ohn Aufhören gelästert und gemordet haben, auch wider ihr Gewissen.

Zum andern bitte ich, unsere Fürsten und Herren wollten hinfurt weniger Sorge und Mühe haben, sondern fröhlicher Geduld schepfen, als die nu sehen, wie Gott selbs dreingreift und unser Gebet erhöret, dem Papsttum will sein Recht tun in Kürz (wie das Evangelium sagt). Denn dieser Heinz soll ihnen mit diesem Mordbrand den rechten Dienst getan und sie ihm den rechten Lohn gegeben haben. Es stehet Gottes Urteil da öffentlich, der die Mordbrenner, Heinzens Diener, über alle unser Sorge und Fleiß hat ins Gericht bracht und wie Heinz und Papst verdienet, sie verurteilet. Des sei Gott gelobt, der keinen Mord ungerochen und der seinen Gebet nicht veracht läßt sein. Die verzagten Potzenhüte wolltens heimlich tun. So hats Gott an die Sonne bracht, daß sie müssen erstummen. Sein göttlich Gnade wollt fortfahren und sein angefangen Werk vollenden. Dem sei Lob und Ehre in Ewigkeit. Amen.

Hieher gehöret nu der vierundsechzigst Psalm, den wir predigen und singen sollen Gott zu Lob und Ehren wider solche meuchelmördische Heinzen, denn da siebest du sie so eben gemalet, als hätte David von diesen letzten Heinzen fursätzlich wollen predigen.

Der 64. Psalm

Höre, Gott, meine Stimme in meiner Klage,\\ Behüte mein Leben für dem grausamen Feinde.\\ Verbirge mich für der Sammlung der Bösen,\\ Für dem Haufen der Übeltäter,\\ Welche ihre Zungen schärfen wie ein Schwert,\\ Die mit ihren giftigen Worten zielen wie mit Pfeilen,\\ Daß sie heimlich schießen den Frommen.\\ Plötzlich schießen sie auf ihn, ohn alle Scheu.\\ Sie sind kühne mit ihren bösen Anschlägen\\ Und sagen, wie sie Stricke legen wollen,\\ Und sprechen: Wer kann sie sehen?\\ Sie erdichten Schalkheit und haltens heimlich,\\ Sind verschlagen und haben geschwinde Ränke.\\ Aber Gott wird sie plötzlich schießen,\\ Daß ihnen wehe tun wird.\\ Ihr eigen Zungen wird sie fällen,\\ Daß ihr spotten wird, wer sie siehet.\\ Und alle Menschen, die es sehen, werden sagen:\\ Das hat Gott getan. Und merken, daß sein Werk sei.\\ Die Gerechten werden sich des Herrn freuen\\ Und auf ihn trauen.\\ Und alle fromme Herzen werden sich des rühmen.

Die Heinzen haben viel Jahr her mit Herzog Georgen mancherlei Ränke gesucht und heimliche Praktiken gemacht wider uns, bis sie zuletzt haben kühne und frech ohn Gottesscheu und -furcht losgedrückt und plötzlich mit dem Mordbrand geschossen. Und meineten, solche Stricke und Ränke sollt niemand sehen. Als denn niemand sehen kunnte solch Meuchelei. Denn die Heinzen dachten: Der Kaiser tut uns nichts, das Kammergericht viel weniger, der Papst, dem wir dienen, würde es auch nicht leiden. Wer will uns denn tun? Hie ist auf Erden kein höher Gericht über uns. So ist Gott gestorben, von Heinzen zu Tod geflucht. Darum laßt uns plötzlich schießen, brennen und morden, doch meuchling, so haben wir zweierlei Vorteil: Sie können uns nicht schuld geben noch uns verklagen. Ob sie es gleich klagen könnten, so ist der Richter der Heiligst Vater Papst für uns. Und sind also fröhlich und sicher.

Was dacht aber dieweil der verstorbene und von Heinzen zu Tod gefluchter Gott? Der ander Psalm sagt, er habe gelacht und solcher Meuchelmordbrenner gespottet. So sagt dieser Psalm, er habe gedacht, auch plötzlich sie zu schießen und durch ihre eigen Zungen zu fällen, daß sie für aller Welt zu Spott und Schanden sollten werden. Denn da er sähe, daß kein Richter da war, nahm er sich selbs des Amts an und richtet auf viel Kammergericht, zu Wittemberg, in der Mark, Eimbeck, Nordhusen und hin und wider. Als nu kein Kläger, Juristen noch Zeugen da waren, spielet er des Kurzen und ließ ein schleunig Recht gehen. Die Mordbrenner mußten über sich selbs Kläger, Juristen und Zeugen sein und ihr eigen Wort selbs reden. Also fället sie Gott durch ihre eigen Zungen und sprach: In ore duorum et iterum Aus deinem Munde bist du verdammt,

Denn was fragt Gott nach Papst, Kaiser, Könige, Kammergericht, Juristen? Wollen sie nicht sprechen, so mügen sie schweigen. Wollen sie nicht fort mit ihrem Prozeß, so mügen sie dahinten bleiben. Er ist ein großer Herr, der aus Erden und Steinen kann Menschen, wiederum aus Menschen kann Stein und Erden machen. Er kann Narren klug und Kluge zu Narren machen. Also hat er hie in dem Kerker hin und wieder kaiserliche Kammergericht gemacht und hat jenes zu Speir lassen sitzen und das Nachsehen haben. Und ist das allerfeinest, daß beide, Papst, Kaiser und Kammergericht, müssen solche Gerichte für kaiserliche Gerichte halten, denn es sind weltlicher Fürsten und Herren Gerichte, die vom Kaiser (aber alles oben her von Gott) zu Lehen kommen . Also ist doch Heinze durch päpstlich, kaiserlich Kammergerichte (des er sicher zu sein vermeinet) verurteilt und verdammt. Denn trotz ihrem Halse, daß sie solche Gerichte anders denn kaiserlich, ja, göttliche Gerichte schelten. Ob die .Mittelgerichte nichts haben getan, so habens die Hohen Gerichte Gottes und die Untergerichte des Kaisers getan.

Das sind die Wunderwerk Gottes, die dieser Psalm rühmet und rühmen heißt, daß er die Heinzen Mordbrenner plötzlich geschossen und durch ihre eigen Zunge gefället hat. Denn ebendieselben Zungen, die zuvor heimlich miteinander geratschlagt und den Meuchelmordbrand beschlossen, haben sie selbs besagt^, verklagt, verurteilt und ins Feur gefället und den Häuptschalk ihren Häuptmann offenbart und vermeldet, daß er ebendasselb Feur verdienet und numchr für der Welt mit keinen Ehren kann ein Fürst heißen, sondern durch Gottes Urteil ein Erzmeuchelmordbrenner gesprochen ist und gehalten soll werden.

Und daß ich auch mich des verwahre, da im Psalm stehet, sie sind kühne und ohn Scheu, und ich zuvor gesagt, daß Heinz ein verzagter Schelm sei, möcht er oder die Seinen ihrer Esels Dialectica hie brauchen und furgeben, der Psalm wäre wider mich und lügenstrafet meine Wort, weil er sagt, sie seien kühne. Darauf sage ich noch wie vor: Kein Meuchler ist ein Mann, und kein Mann ist ein Meuchler, sondern wer da meuchelt, der ist gewiß ein feldflüchtiger Heinz und verzagter Frauenhut, wie das alle Historien zeugen. Denn sie stehen oder begegen nicht, wo es Fahr hat oder nicht sicher sind, daß da keine Gegenwehre sein kann oder will. Aber wo sie gewiß sind, daß man sich nicht wehren kann, oder wo sie es übermannet haben, da sind sie kühne, doch nichts Guts, sondern nur Schaden zu tun.

Als daß ich Exempel gebe: Die Schrift gibt den Gottlosen allenthalben, daß sie kühne sind wider Gott und fürchten Gott nicht, denn Gott schläft und verbirgt sich, ja, er ist in den Seinen aller Ding schwach, als von Heinzen zu Tod geflucht. Da sind sie denn sehr kühne und jagen den leidenden und flüchtigen gestorbenen Gott, denn sie fühlen keine Straf, Widerstand noch Zorn Gottes, wie Pharao war kühne im Roten Meer wider den Gott Israel und sprach:

Ich weiß von keinem Gott. Und jaget ihm nach bis mitten ins Meer. Aber da sich Gott nur wendet und sich umsähe, da schmissen sie in die Schuh und ins Meer und schrien:

Laßt uns fliehen, Gott streitet wider uns. Also halt ich, daß Meuchelheinze nicht so kühne wäre, daß er einem Baurn türst einen Zaun anblasen, wenn er wüßte, daß ein Flegel hinter der Tür stünde. Er würde die Fersen gar mannlich aufheben, als schneiet es mit Flegeln hinter ihm her. Aber Gott kann er wohl fluchen im Himmel, denn er ist sicher, daß kein Gott sei, der sich wehren könne oder wolle, acht dieweil nichts des Stündlins, das kommen wird.

Wohlan, sie sind verstockt, verblendt, dem Zorn Gottes übergeben. Wir müssen dem Zorn Raum geben und Gottes Gericht lassen gehen, wollen auch nicht mehr für ihre Sünde bitten (wie uns Sankt Johannes lehret), sondern von ihnen und wider sie, Gott zu Lobe und Dank, singen das Judaslied, auf Heinzen also gedeut:

Ah, du arger Heinze,
Was hast du getan,
Daß du viel frommer Menschen
Durchs Feur hast morden lan.
Des wirst du in der Helle
Leiden große Pein,
Luzifers Geselle
Mußt du ewig sein.

Kyrieleison.

Ah, verlorn Papisten,
Was habt ihr getan,
Daß ihr die rechten Christen
Nicht kunntet leben lan!
Des habt ihr die großen Schande,
Die ewig bleiben soll.
Sie gehet durch alle Lande,
Und sollt ihr werden toll.
Kyrieleison.

Wenn ich dies Liedlin einmal vollmache, will ich dem zu Mainz seine Leisen auch finden.

Laß sie nu fahren und hoffen, weil sie der Kaiser, Papst, Kammergericht noch nicht verdammt, wollen sie sicher sein. Hie ist Gottes offenbar Gericht, das heißt Papst, Kaiser, und alle schweigen. Sollt Christus nicht ehe Recht gesprochen noch Judas mit seinen Juden verdammt sein, es hätte es denn Pilatus, Herodes und das priesterlich Hohe Gericht zu Jerusalem getan, so müßte Christus noch am Kreuze hangen und Judas wäre vielleicht längest Hoherpriester worden. Aber da Christum niemand wollt Recht sprechen, sondern die Richter selbs ihn verdammten, mußte es der Vater selbs tun.

Also mügen die Prediger, wenn sie das Volk lehren, wohl vermahnen, daß sie Gotte fürchten und auch heimlich keinen Mord noch böse Tat fürnehmen, denn Gott siehets und bleibt nicht außen, sondern wenn mans zu grob macht und unbußfertiglich noch für Recht verteidigen will, so kömmt er gewiß und kommt wohl. Und mügen also diese Meuchelmordbrenner neben Heinzen und Juda wohl zum Exempel furbilden , denn es heißt: Nihil opertum quod non revelctur. Deo sit laus et gloria in saecula saeculorum. Qui facit misericordiam et iuditium iniuriam patientibus. Amen.

Quelle: BDK - Hutten Müntzer Luther

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