Petersen, Eginhard Friedrich – Philemon - Eingang.

Petersen, Eginhard Friedrich – Philemon - Eingang.

Ver durch ein Haupttal, etwa das Rheintal, auf der großen belebten Heerstraße wandert, der biegt gern einmal in ein Seitental ab. Hier ist alles stiller, einfacher. Die Berge sind nicht so hoch, die Aussichten nicht so weit, die Dörfer oder Städte nicht so zahlreich. Aber es ist uns so wohl da. Es ist alles so traulich und anheimelnd, das Herz fühlt sich erquickt und beruhigt, und wir erkennen, es ist dieselbe Gotteshand, die das kleine Seitental gebaut hat, wie sie sich dort in der großen Schönheit des Haupttals verherrlicht; dieselbe Luft umweht uns da, dieselbe Sonne scheint uns da. So wollen wir mit Gottes Hilfe auch einmal in den nachfolgenden Betrachtungen von der großen Heerstraße der übrigen Schrift in ein Seitental derselben abbiegen, indem wir den Brief des Apostels Paulus an den Philemon zum Gegenstand unsrer Betrachtung machen. Der Brief an den Philemon unterscheidet sich merklich von allen andern Briefen des Neuen Testaments. Während diese anderen sich an Gemeinden wenden, wie die zu Rom, Galatien, Korinth, oder doch hauptsächlich von Gemeindeangelegenheiten handeln, wie die sogenannten Pastoralbriefe an den Timotheus und Titus, und das Große und Ganze des Reiches Gottes im Auge haben, ist der Brief an den Philemon ein kleiner Privatbrief, aber er ist als solcher eine Perle unter den Briefen der Apostel.

Die Veranlassung zu diesem Briefe war, dass dem Freunde des Apostels, Philemon zu Kolossä, nach Anderen zu Laodicea, in Kleinasien, ein Sklave, namens Onesimus, vielleicht wegen einer Unredlichkeit, die er begangen hatte, treulos entlaufen war. (Denn dass Philemon, wie man gemeint hat, an sich ein besonders harter Herr gewesen, geht nirgends aus dem Briefe hervor, in welchem vielmehr nur seine große christliche Liebe gerühmt wird). Dieser Onesimus war dann vermutlich nac7h Rom gekommen und durch den Einfluss des Apostels, der sich dort in seiner Gefangenschaft befand, bekehrt und gebessert worden. Nun verwendet sich der Apostel in diesem seinem Briefe für ihn beim Philemon und bittet den Freund, um Christi willen, den Entlaufenen wieder freundlich aufzunehmen. Es ist also eine rein persönliche Angelegenheit, die der Apostel in diesem Briefe zur Sprache bringt, aber wie die Sonne, welche die Welt erhellt, ihr Bild auch in dem kleinen Tropfen spiegelt, so leuchtet aus diesem kleinen Briefe die ganze große Christenstellung des Apostels heraus, und wir können an diesem Schreiben lernen, wie auch die kleinen persönlichen Angelegenheiten des Lebens christlich behandelt werden, und was aus dem anscheinend Geringfügigen und Äußerlichen wird, wenn es von uns im Geiste Christi behandelt wird. Tut es doch überall das Große nicht im Christentum. Der Herr vergleicht das Himmelreich dem Senfkorne, welches das kleinste unter den Samen ist, sowie dem Sauerteige, von dem man nur ein Weniges unter den Teig zu mengen braucht. Nicht auf das Maß kommt es an, sondern auf die Kraft, nicht auf die Zahl, sondern auf das Gewicht. Ist die Kraft groß und das Gewicht schwer, so kann das Kleinste so Großes ausrichten, wie das Große. Das ganze Christentum ist klein der Welt gegenüber, aber wie Großes hat es ausgerichtet und wie Großes wird es, dürfen wir hoffen, in Gottes Kraft noch tun! Es braucht uns um dasselbe nicht bange zu sein, und wenn auch nur Zehn in der Welt ihm noch geneigt wären. „Fürchte Dich nicht, Du kleine Herde,“ sagt der Herr, „denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.“ (Luk. 12,32.) Möchte auch der kleine Philemonbrief sich als eine Gotteskraft uns erweisen und an uns erweisen, und dazu die Betrachtung desselben von Gott gesegnet sein!

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