Auberlen, Karl August - Das Geheimnis Gottes in Christo – IV. An Pfingsten.
Röm. 8, 5-11.
Die da fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnt; die aber geistlich sind, die sind geistlich gesinnt. Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede. Denn fleischlich gesinnt sein ist eine Feindschaft wider Gott, sintemal es dem Gesetz Gottes nicht untertan ist, denn es vermag es auch nicht; die aber fleischlich sind, mögen Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, so anders Gottes Geist in euch wohnt; wer aber Christus Geist nicht hat, der ist nicht sein. So aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist das Leben um der Gerechtigkeit willen. So nun der Geist des, der Jesum von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird auch derselbige, der Christum von den Toten auferweckt hat, eure sterblichen Leiber lebendig machen um deswillen, dass sein Geist in euch wohnt.
Geist, Heiliger Geist - das ist das schlichte und doch unausdenklich tiefe Wort, um welches der heutige Festtag uns versammelt, und zu dessen besserem Verständnis wir einen Ausspruch des Apostels Paulus aus dem 8. Kapitel des Römerbriefs gewählt haben. Es hat ein edler Mann Gottes (Spener) gesagt: „Wenn wir die Heilige Schrift mit einem Ringe vergleichen können, so halte ich den Brief an die Römer für den Edelstein daran, dessen höchste Spitze im 8. Kapitel sich erhebt.“ Denn in diesem Kapitel spricht Paulus so tief eingehend, wie sonst nicht leicht irgendwo, von den Geheimnissen des christlichen Lebens. Darum kommen hier solche Grundworte vor, wie Geist und Fleisch, Leben und Tod, Grundworte, die uns allerdings geläufig sind, die wir selbst im täglichen Leben, freilich in sehr abgeschwächter Bedeutung, oft und viel gebrauchen, die aber in der Heiligen Schrift einen Vollsinn haben, der nicht so bald ausgelernt ist, und der mehr empfunden und geschaut als gesagt und beschrieben werden kann. Es reichen jene Worte zurück bis ins Paradies, bis auf den Sündenfall, denn da sind die Menschen Fleisch geworden, da ist durch die Übertretung unserer ersten Eltern der Tod in die Welt gekommen; und sie reichen hinaus bis in den neuen Himmel und die neue Erde, denn da erst wird Alles, auch unser Leib und die ganze Natur in den Geist verklärt, da erst wird der Tod völlig in den Sieg verschlungen sein, dass lauteres, ewiges Leben in Kraft und Freude aus den verherrlichten Kreaturen wiederstrahlt (V. 18-23). Wie uns aber diese Worte an den Anfang der Menschheit zurück und zu ihrem Ziele hinausführen, so weisen sie uns auch auf die Mitte des ganzen Weltlebens hin, auf unsern Herrn Jesum Christum, auf sein Kreuz und seine Auferstehung, sowie auf die pfingstliche Ausgießung des Heiligen Geistes. Der Vater hat den Sohn gesandt in der Gestalt des sündlichen Fleisches, um die Sünde im Fleisch zu verdammen an ihm (V. 3); und nachdem Jesus dem Fleisch und dem Tode die Macht genommen, ist er durch seine Auferstehung und Himmelfahrt zu lebendig machendem Geiste, zur Geistesquelle für die ganze Menschheit geworden. Darum konnte Petrus dort am ersten Pfingstfeste sagen: Nun Er durch die Rechte Gottes erhöht ist und empfangen hat die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater, hat er ausgegossen dies, das ihr seht und hört (Apostelg. 2, 33). Und dieser Geist ist und bleibt nun seit jenem ersten Pfingsttag ausgegossen über die ganze Gemeinde Jesu Christi, er wohnt in Allen, die Glieder sind am Leibe des Herrn, als ihr innerstes Eigentum, als der eigentliche Kern ihres Wesens. Daher zeigt der Apostel in unserm Texte, dass Alle, die in Christo Jesu sind, nicht mehr im Fleische und Tode, sondern im Geiste und Leben seien.
Dem lasst uns nun in dieser Stunde an der Hand des Gotteswortes, das wir vor uns haben, weiter nachdenken und dabei 1) den fleischlichen, 2) den geistlichen Sinn ins Auge fassen.
Lieber, himmlischer Vater, wir bitten dich, erneuere und vermehre in uns durch Jesum Christum die Gabe des Heiligen Geistes zur Stärkung unseres Glaubens, zur Kraft in der Gottseligkeit, zur Geduld in dem Leiden und zur seligen Hoffnung des ewigen Lebens! Amen.
1.
Alles kommt bei einem Menschen darauf an, ob er Gott, den Lebendigen, der da Geist ist, oder die Welt, deren Wesen vergeht, zum Mittelpunkt seines Denkens und Strebens, seines Dichtens und Trachtens macht. Wir alle sind von Natur zu dem letzteren geneigt; denn durch die Sünde sind die höheren und edleren, dem Überirdischen zugekehrten Kräfte unseres Wesens, wenn auch nicht gar aus unserer Natur herausgenommen, so doch völlig ohnmächtig geworden, und die niedrigen, seelisch-leiblichen, dem Wesen dieser unteren Welt zugekehrten Triebe herrschen in uns. Darum sind wir Fleisch oder fleischlich, wie der Apostel sagt. Ebendaher soll der ganze Lebenslauf eines Menschen darin bestehen, dass ihm Gott immer mehr wird und die Welt der Sichtbarkeit immer weniger. Ach, wie wenig ist uns doch der lebendige Gott! Vor den Menschen fürchten wir uns viel mehr als vor ihm; die Kreaturen und uns selbst lieben wir viel mehr als ihn. Bei den allermeisten Menschen findet Gott in ihrem ganzen Leben und Treiben, in ihrem Fühlen und Sinnen gar keine Stelle, oder der Gedanke an ihn taucht nur hie und da wie ein kleines, fernes Wölkchen am Horizonte auf, das man kaum ernstlich ins Auge fasst, weil Blick und Herz mit den Dingen umher vollauf beschäftigt sind. Wenn wir irgendetwas zu tun im Sinne, irgendeinen Entschluss zu fassen haben, so denkt unser Herz unwillkürlich zuerst daran, was wir selbst für einen Vorteil oder für eine Ehre davon haben werden; dann ist unser nächster Gedanke, was wohl unsere Freunde und Angehörigen oder überhaupt die Leute dazu sagen; was aber der heilige und allgegenwärtige Gott dazu sagt, daran denken wir gar nicht oder erst zuletzt. Das heißt fleischlich gesinnt sein; sowie Luther es ganz einfach erklärt: dass man nicht nach Gott fragt oder sein nicht achtet und Nichts davon versteht.
Ja wohl, Nichts davon versteht. Denn verständen wir etwas davon, so wüssten wir auch, was der Apostel weiter sagt, dass fleischlich gesinnt sein der Tod ist. Hast du wohl auch schon einmal ernstlich darüber nachgedacht, was Paulus mit diesem Worte sagen will? Er sagt nicht: fleischlich gesinnt sein bringt den Tod, sondern: ist schon der Tod. Wie kann er das meinen? Wir Menschen verstehen unter dem Tod gewöhnlich nichts Anderes als das Sterben, wenn die Augen brechen und Leib und Seele sich scheiden; denn da sehen wir den Tod. Das Wort Gottes aber, vor dessen Augen Alles bloß und entdeckt ist, und das bis auf Mark und Bein durchdringt (Hebr. 4, 12 f.), steht den Dingen und Menschen ins Herz hinein und bezeichnet das Wesen derselbigen, auch ehe es noch in die äußere Erscheinung tritt. Du kannst im frischesten, blühendsten Dasein stehen und deiner Kraft und deines Lebens dich freuen: in den Augen Gottes bist du doch tot, ein übertünchtes Grab; denn er steht dich durch und durch, viel besser als du selbst. So macht auch der Herr Jesus zwischen den gestorbenen und den noch lebenden Menschen keinen solchen Unterschied wie wir, sondern er sagt (Luk. 9, 60): Lass die Toten ihre Toten begraben! Wenn ein Mensch nicht in Seinen Lebenskreis hereingetreten ist, so ist er tot, er mag schon begraben werden oder einen Gestorbenen noch zu Grabe begleiten. In der Heiligen Schrift heißt Tod die ganze inwendige Zerrüttung und Verderbensmacht, der wir durch die Sünde anheimgefallen sind, und die dann freilich auch das leibliche Sterben als notwendige Folge nach sich zieht. So nennt das Wort Gottes gerade das Tod, was die Menschen oft Leben nennen. Wenn wir von Jemand sagen: er ist ein rechter Lebemann, er weiß sein Leben recht zu genießen, so sagt der Apostel Paulus: fleischlich gesinnt sein ist der Tod. Und das ist nicht nur so ein Wort, Geliebte, sondern das ist die volle und die ganze Wahrheit, die sich uns auch zu empfinden gibt. Denn wenn es dem Menschen nach einem solchen Lebensgenuss öde und leer oder gar wüste und elend zu Mute ist an Leib und Seele, wenn er keine Ruhe findet in seinem Innern und gar nicht recht zu sich selbst zu kommen wagt, wenn ihm das Sterben als ein drohendes Gespenst vor der Seele steht, das er immer wieder zu verscheuchen suchen muss: das ist nichts Anderes als der Tod, der in seinem Inwendigen sich regt, als der geheime Wurm, der an seinem Leben nagt, und dessen quälendes Dasein er eben doch je und je spüren muss er mag wollen oder nicht, bis es dahin kommt, dass im anderen Tode dieser Wurm nicht mehr stirbt und das das Leben peinlich zersetzende Feuer nicht mehr verlöscht (Mark. 9, 43-48. Offenb. 20, 14. 15). Oder um ein anderes Beispiel der fleischlichen Gesinnung anzuführen, wenn du dich den Ausbrüchen deines Zorns und deiner Ungeduld, deinen Launen und Verdrießlichkeiten überlässt, so meinst du damit dir Recht zu verschaffen, dich selbst geltend zu machen und den Leuten zu zeigen, dass man dir auch Rücksichten schuldig sei, dass du auch noch lebest. Aber es ist eitel Todeswesen. Dein kochendes Blut, deine fieberhafte Aufregung, die Verstimmung und Verfinsterung, in die du mit deinem ganzen Wesen hineingerätst, das ist ein Stück vom Tode und wird ja oft genug auch leiblich ein Nagel zum Sarge. Denn es ist das gerade Gegenteil von dem lichten, durch und durch klaren, reinen und heiteren Wesen des lebendigen Gottes und seines Geistes.
Denn darum eben ist fleischlich gesinnt sein der Tod, weil es eine Feindschaft wider Gott ist. Gott allein ist die Quelle alles Lebens; außer ihm ist Alles tot. Nur wo die Sonne scheint, da ist Tag; und nur was Gott mit seinem lebendig machenden Geiste durchstrahlen, segnen und beseelen kann, das hat Leben; wer sich feindselig gegen Gott verschließt, der bleibt im Tode. Aber so einleuchtend dies ist, wer wüsste nicht doch aus eigener Erfahrung von dieser Feindschaft wider Gott, von diesem inneren Widerstreben gegen die Zucht seiner heiligen Wahrheit zu sagen? O, was braucht unser Herz oft für Ränke, Tücken und Lügen vor sich selbst, um ihr zu entrinnen! Wir können diese Feindschaft wider Gott z. B. wahrnehmen an unserer Feindschaft wider sein Wort und wider seine Kinder. Wie gerne hört man Zweifel und Bedenken gegen die Heilige Schrift vorbringen, ja wie sucht man selbst solche Anstöße auf und klügelt und meistert und rechtet mit dem Worte des Lebens, um ihm nicht über und gegen sich selbst Recht geben zu müssen! wie oft versteckt sich da das böse, kranke Gewissen hinter den sogenannten gesunden Verstand, mit welchem man dieses und jenes nicht will zusammenreimen können! Und auch wenn man schon das Evangelium angenommen hat, wie sucht man oft Ausflüchte gegen klar bezeugte Wahrheiten der Bibel, sei es auch nur darum, weil sie nicht zu unseren Gedanken und Vorurteilen passen, weil uns also die eigene Meinung, das einmal angenommene System höher steht als das Wort des lebendigen Gottes! Oder wenn ein Prediger die lautere Wahrheit mit Kraft und Ernst verkündigt, wie weiß man immer wieder etwas an ihm auszusetzen, nur um sich durch sein Zeugnis nicht strafen lassen zu müssen! Und was Gottes Kinder betrifft, diejenigen, welche sich offen zu Christo bekennen, hast du nicht einen verborgenen oder auch offenbaren Widerwillen gegen sie in deinem Herzen? hast du nicht eine geheime oder laute Freude, wenn du eines von ihnen fehlen oder gar zu Schanden werden stehst? regt sich da nicht unwillkürlich das Fleisch in uns und atmet wieder auf und denkt: wenn der und der also handelt, dann brauche ich es auch nicht so genau zu nehmen? Und spricht sich hierin nicht unleugbar die Feindschaft gegen Gott selber aus, die in unserem fleischlichen Herzen wohnt?
Ein solches Widerstreben gegen Gott wohnt aber darum im Fleische, weil dasselbe dem Gesetze Gottes nicht untertan ist. Das Gesetz ist freilich kein Kinderspiel. Es tritt mit großem Ernste an uns heran. Es will den ganzen Mann haben. Es will dein ganzes Leben bis in seine innersten und verborgensten Falten, wohin kein menschliches Auge dringt, in Lauterkeit dem Herrn geheiligt wissen. Es sagt zu dir: du sollst lieben und das ist etwas, lieben deinen Herrn von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte und aus allen Kräften und deinen Nächsten als dich selbst (Mark. 12, 30. 31). Dies Wort schneidet tief ins Fleisch hinein, und solches will, solches kann sich das Fleisch nicht gefallen lassen. Es hält wohl etwa gern die Gebote Gottes, soweit sie nicht wehe tun, soweit keine Verleugnung dabei ist, soweit man noch Ehre damit aufheben kann. Aber wenn es gilt, Gott unbedingt untertan zu sein, aus seinem Eigenwesen und Eigenwillen herauszugehen, sich beugen und zerbrechen zu lassen, sein irdisches Behagen und Wohlgefühl aufzuopfern, Gott wahrhaftig im innersten Herzensgrund die Ehre zu geben und auch im Verborgenen und Geringsten ihm treu zu sein in freier Liebe: o wie ist da das Fleisch so träg und so spröde, wie weiß es da so schlangenmäßig sich herauszuwinden! Es hört auf, dem Gesetze Gottes untertan zu sein, wo es eigentlich erst recht anfangen sollte.
Denn es vermag es auch nicht, fügt der Apostel hinzu. Das Fleisch kann wirklich nicht den Willen Gottes erfüllen, es ist das für den natürlichen Menschen eine Unmöglichkeit. Sind wir aber damit nicht entschuldigt? Mutet uns denn Gott nicht offenbar zu viel zu, wenn er uns das Unmögliche zumutet? Nicht also, mein Freund. Du darfst nur das 7. Kapitel unseres Römerbriefs mit gesammeltem Sinne lesen, um Antwort auf diese Frage zu erhalten. Es muss die leidige Erfahrung, dass wir wirklich das Gesetz Gottes nicht erfüllen können, nur dazu dienen, uns zu demütigen, uns zu zeigen, dass wir unter die Sünde verkauft und in ihr gefangen sind, damit wir uns als das erkennen, was wir eben einmal durch und durch sind, unreine, verdorbene Sünder, und damit wir mit dem Apostel nach einer von außen und oben her kommenden Erlösung von diesem Todesleibe uns ausstrecken. Denn wie schnell sind wir doch bei der Hand, zu unserer eigenen Vernunft und Kraft zu fliehen! wie ist es doch eine so gewöhnliche Rede unter den Menschen, dass wir uns selbst helfen sollen, damit uns Gott helfe, dass wir durch unsere Vernunft die Leidenschaften zügeln, durch Mäßigung und Selbstbeherrschung ein würdiges Leben führen sollen! Ja wohl, tue das, tue es nur mit rechter Gewissenhaftigkeit und heiligem Ernst! nimm es nur genau mit dir selbst vor dem allgegenwärtigen Gott und schenke dir Nichts! Paulus hat auch also getan, und du wirst die gleiche Erfahrung machen, wie er. Je lauterer es dir nämlich um wirkliche Heiligung zu tun ist, desto mehr wirst du erkennen, dass du aus dir selbst die Sünde nicht zu verdammen und gründlich zu hassen und zu lassen vermagst, dass du mit tausend Fäden geheimer Liebe und übermächtiger Lust an sie gebunden bist und sie wider deinen eigenen, besseren Willen tun musst. Da wird dir dann auch Nichts übrig bleiben als der Weg, den unser Apostel betreten hat, und den er nun mit geheiltem und kindlich seligem Herzen in die Worte zusammenfasst: Ich danke Gott durch Jesum Christ, unsern Herrn.
Dir ist es unmöglich, Gott zu gefallen, so lang du auf dir selber stehst. Ja, da spürst du nur immer mehr das Missfallen Gottes, seinen gerechten Zorn, sein heiliges Gericht in dir; und das ist eigentlich erst der rechte Stachel des Todes, dass man sich so von Gott abgestoßen und verdammt fühlen muss besonders wenn man dabei noch dazu nicht anders kann, als ihm in seinem Urteil über uns Recht geben. Aber wenn es einmal so weit ist, o, dann ist man auch auf dem Punkte, durchs Gesetz dem Gesetz abzusterben und das Wort zu verstehen: Ohne Glauben ist's unmöglich, Gott gefallen; dann bedarf es nur noch eines Sprungs in die ausgebreiteten Vaterarme Gottes hinein, und du bist gerettet, dass es nun heißt: dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig worden (Gal. 2, 19. Hebr. 11, 6. Luk. 15, 32).
2.
Denn das darf ich euch ja offen und frei verkündigen, Geliebte in dem Herrn: Gott hat Jesum vorgestellt zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blut, auf dass wir ohne Verdienst gerecht werden aus seiner Gnade durch die Erlösung, so durch Christum Jesum geschehen ist (Röm. 3, 25. 24). Und: Das dem Gesetz unmöglich war, sintemal es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott und sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch, auf dass die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist (8, 3. 4). Alles, was das Fleisch und das Gesetz in uns wirken, soll uns nur hintreiben zu dem Gnadenstuhl, zum Kreuze Christi, damit wir nicht das Heil uns selber schaffen zu können meinen, sondern es mit Beugung und kindlichem Dank aus seinen durchgrabenen Händen empfangen. Tun wir das, so ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist (V. 1). Denn wie wir durch Christum zu Gott kommen im Glauben, so kommt Gott wieder durch Christum zu uns im Geiste. Wir können nur Herz und Hand öffnen gegen Gott als leere Gefäße, das heißt glauben; dann aber erfüllt er uns mit aller seiner Gottesfülle, welche Geist und Leben ist.
Daher ruft der Apostel seinen Römern frei und freudig zu, damit sich's ein jeder persönlich recht aneignen könne: Ihr aber, ihr seid nicht fleischlich, sondern geistlich. Ach, dass man so auch heute noch in eine christliche Gemeinde hineinrufen könnte: Ihr seid nicht fleischlich, sondern geistlich! Doch muss Paulus selbst für die damaligen Zeiten schon sogleich einen einschränkenden Beisatz hinzufügen: so anders Gottes Geist in euch wohnt. Um den Geist ist es die allerheiligste Sache. Darum will der Apostel keinen einzigen Christen zu der falschen Meinung veranlassen, als habe er schon den Geist, wenn er ihn noch nicht hat; und deswegen fügt er noch weiter warnend hinzu: Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein, der ist kein wirklicher Christ. Nicht dass wir Christen heißen, will er sagen, nicht dass wir mit Christen umgehen und uns zu Christen halten, dass wir vor Andern für Christen gelten oder auch uns selbst dafür ansehen, Nichts von dem allem macht uns zu Christen. Sondern es muss unmittelbar zwischen Gott und uns im verborgenen Herzensgrund etwas vorgegangen sein und täglich vorgehen, wenn wir wirklich Christi Eigentum und also des Christennamens wert sein sollen. Es muss Geist aus Gott in uns wohnen.
Wie froh wäre ich nun, meine Lieben, wenn ich euch sagen könnte, was es eigentlich um diesen Geist ist; aber ich vermag es nicht, und es vermag das überhaupt kein Mensch, so lang er noch im Fleischesleibe lebt, wie denn ein erleuchteter Ausleger darüber bemerkt: „Paulus beschreibt es nicht, und wir dürfen es auch nicht beschreiben. Man versteht es nicht, bis man im Geist ist, und alsdann weiß man es besser, als man es einem sagen kann.“ Wir wissen ja auch wohl, was unser Herr selbst zu Nikodemus gesagt hat: Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, von wannen er kommt, und wohin er fährt; also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist (Joh. 3, 8). So können wir eben nur stammeln von diesen seligen Geheimnissen, soweit sie uns durch Gottes Wort angedeutet und einem jedem nach seiner Erfahrung lebendig geworden, nach dem Stande seines geistlichen Lebens aufgeschlossen sind. Denn Geist ist eigentlich das letzte und höchste Grundwort der Heiligen Schrift. Gott selbst ist Geist, der Herr, unser verklärter Heiland, ist Geist (Joh. 4, 24. 2 Kor. 3, 17. 15, 45), der Heilige Geist ist Geist; die Gläubigen heißen geistliche Menschen (1 Kor. 2, 15), und wir wissen, dass dereinst durch Christum selbst alles Körperliche noch soll ins Wesen des Geistes verklärt werden. Geist ist also das Wesen und Leben Gottes selbst, es ist ein Gegensatz zu dem sündigen und nichtigen Fleische, welches man steht, das unsichtbare, makellos reine, lichte und vollkommene, ebendaher unverwesliche und allbeständige Kraftleben, welches Christus den Seinigen wahrhaftig und wesentlich mitteilt im Heiligen Geiste, den daher Paulus hier das eine Mal Geist Gottes, das andere Mal Geist Christi nennt. Denn Christus ist der ewige Mittler zwischen Gott und der Welt, Gott handelt mit keiner Kreatur anders als durch Christum. Alles aber, was Gottes ist, ist auch Christi, und Alles, was Christi ist, ist auch des Heiligen Geistes. Es sind uns daher im Geist nicht bloß überhaupt die Lebensquellen der überirdischen Welt eröffnet, sondern der Vater und der Sohn kommen selbst und machen Wohnung in uns durch den Geist (Joh. 14, 23). Darum sagt der Apostel statt: Wenn Gottes Geist oder Christi Geist in euch wohnt, auch geradezu: wenn Christus in euch ist. O, das ist eine unbeschreiblich gnädige Herablassung Gottes zu der armen Kreatur, die wir vorhin in ihrem Fleisches - und Todeswesen kennen gelernt haben. Da gilt es, noch in viel höherem Sinne zu tun, was von dem alttestamentlichen Volke bezeugt wird, als ihm Gott die Errettung aus Ägypten ankündigen ließ (2 Mos. 4, 31): „Und das Volk glaubte. Und da sie hörten, dass der Herr die Kinder Israel heimgesucht und ihr Elend angesehen hätte, neigten sie sich und beteten an.“ Lasst mich hier wieder Worte des schon genannten gesalbten Auslegers (Steinhofer) anführen. „Jesus und sein Geist, sagt er, machen die Sache aus, und das hängt viel genauer zusammen, und gibt mehr aus in das neue Wesen, als zu dem natürlichen Leben die ihm unentbehrliche Luft austrägt. Der geistliche Mensch rechnet nicht auf sich und seine Beschaffenheit, sondern auf die Gemeinschaft mit Jesu, der nun sein Leben ist. Er kennt die neue Kreatur nicht, als im Aufsehen auf Jesum, und weiß, dass er alle Augenblicke wie ein totes Bild wäre, wenn ihm nicht das Leben Jesu zuflösse und ihn durchdränge. Daher ist der Glaubens- und Liebestrieb zum Herzen Jesu gleichsam der Pulsschlag eines geistlichen Menschen; man hat und genießt die von Jesu ausfließende Geistessalbung; man steht mit seinem Glaubensauge unverwandt auf ihn; man fühlt Leben in der Seele, wenn man daran gedenkt: Er hat mich geliebt und sich selbst für mich dahingegeben. Jesus selbst mit allem Segen seines Opfers wird zur Nahrung, Kraft und Gestalt in uns; Er ist unser Leben. Daher will er dies sein Wohnhaus nicht allein lassen. Der neue Mensch darf nie allein für sich sein. Jesus ist selbst bei allen seinen Gliedern und erfüllt mit sich selbst Alle, die er gezeugt hat. Das ist nun freilich nicht zu ergründen, wie die neue Geistesnatur und Jesus zusammenhangen. Jesus wohnt eben im Herzen. Dies ist die Hauptsache; dies muss uns am allermeisten angelegen sein; darinnen leben wir als in unserem Elemente, und alsdann hat es mit allem Übrigen seine Richtigkeit.“
Die nun also geistlich sind, die sind auch, wie der Apostel sagt, geistlich gesinnt. Durch die Wiedergeburt ist das ganze Leben des Menschen das umgekehrte vom früheren Sündenleben geworden. Wir haben das Wesen des Fleischessinns in dem Widerstreben gegen Gott, in der ungöttlichen Liebe zu uns selbst und zur Welt gefunden. Ist nun Jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist Alles neu worden (2 Kor. 5, 17). An die Stelle der Gottentfremdung ist jetzt eine kindliche Liebe zu Gott und Gemeinschaft mit Gott getreten; der Mensch hat den Schwerpunkt seines Wesens und Lebens nicht mehr hier unten, in sich selbst und in der Welt, sondern er hat ihn droben, in Christo und in Gott. Der inwendige Mensch ist nicht mehr kraftlos und ohnmächtig, das Gesetz in den Gliedern bleibt nicht mehr so Sieger und Herrscher, wie es zuvor auch in denen war, welche Lust hatten an Gottes Gesetz (Röm. 7, 22. 23); sondern der innere Mensch wird von Tag zu Tag erneuert durch die Kraftzuflüsse von oben aus dem Reichtum der Gottesherrlichkeit, dass wir nun stark werden durch den Geist am inwendigen Menschen (2 Kor. 4, 16. Eph. 3, 16). Der äußere, dem eitlen Weltleben zugekehrte Mensch aber wird immer völliger in den Tod Christi versenkt, wie der Apostel sagt: Welche Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden (Gal. 5, 24). Und wie in der eigenen Person des wahren Christen Geist und Fleisch ins rechte Verhältnis zu einander gestellt sind, so steht er also auch im rechten Verhältnis zu Gott und Welt außer ihm. Beide sind für ihn geworden, was sie in Wahrheit sind: der dreieinige Gott ist sein Lebensmittelpunkt geworden, die Welt steht jetzt nicht mehr über ihm, dass sie ihn in ihren Zauberkreis hineinbannen dürfte, sondern sie liegt unter ihm zu seinen Füßen; denn unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat, und wir lieben das Kreuz Christi und rühmen uns seiner auch darum, weil wir durch dasselbe der Welt gekreuzigt sind und uns die Welt (1 Joh. 5, 4. Gal. 6, 14). So ist der geistliche Mensch erst der eigentliche, seiner Bestimmung entsprechende Mensch, der sich nicht mehr, gleich dem Tiere, von dem beherrschen zu lassen braucht, was niedriger ist als er selbst; er ist ein freier, königlicher Mann, Gottes Kind, der Welt Herr und Erbe. Damit ist die ganze Stellung, die ganze Gesinnung und Denkungsart des Menschen neu, geistlich, himmlisch geworden. In Gott ist ihm eine bisher ungekannte Welt der Herrlichkeit aufgeschlossen, die unsichtbare, obere Welt des Geistes und Lichtes, von welcher der natürliche Mensch, auch wenn er dem Gesetze Gottes nachzukommen trachtet, Nichts vernimmt und versteht (1 Kor. 2, 14). Der Ort, wo der Christ seine Heimat, sein Herz und seinen Schatz hat, wo er als Eingebürgerter sein Leben und seinen Wandel führt, ist nicht mehr die Erde, sondern der Himmel, so dass die Gotteskinder geradezu, wie Christus, die Himmlischen heißen (Matth. 6, 19-21. Phil. 3, 20. Kol. 3, 1 ff. 1 Kor. 15, 48). Sie erkennen es nicht bloß, sondern sie erfahren es täglich lebendig in sich selbst, dass die eigentliche, ewige Wirklichkeit, das allein unverwelkliche Leben im Unsichtbaren liegt, und dass das Sichtbare nur vergänglich und nichtig ist (2 Kor. 4, 17. 18. 1 Petr. 1, 3. 4). Darum suchen sie auch mit ihren innersten Trieben das Unsichtbare und Ewige mit williger und ernstlicher Verleugnung des Zeitlichen und Eigensüchtigen; sie hassen die Sünde, und von ihr los zu werden, ist ihnen ein tägliches, heiliges Anliegen. Darin besteht eben das Wesen des geistlichen Sinnes, dass man immer tiefer in Gott und in die ewigen, überirdischen Dinge sich eingründet und die Welt in sich und außer sich verdammt und ans Kreuz heftet (Hebr. 11, 1. 7).
Ist es nun so mit einem Menschen bestellt, dann, fährt der Apostel fort, ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist das Leben um der Gerechtigkeit willen. Wir sehen, Paulus ist keiner von denen, die da in jugendlicher Unerfahrenheit meinen, wenn einmal ein Christ Jesum und seinen Geist habe, dann sei er schon ein vollkommener Mann, dann dürfe gar kein Anstoß mehr bei ihm vorkommen. O nein, er stellt es nachdrücklich voran: der Leib ist tot um der Sünde willen. Er sagt nicht mehr, wie bisher, das Fleisch, sondern der Leib. Denn der Christ ist ja wirklich nicht mehr im Fleische, sondern im Geiste: die niederen Triebe herrschen nicht mehr in ihm, die Sünde führt mit ihrer in Staub und Tod herunterziehenden Macht nicht mehr das Hausregiment in ihm, sondern die Licht- und Lebenstriebe, die nach oben gehen, ins ewige, himmlische Wesen hinein, haben nun in des Geistes Kraft die Oberhand gewonnen. Aber obwohl der innere Mensch jetzt Geist geworden ist, so gehört eben doch unser äußerer Mensch, der Leib, noch dieser unteren Welt des Todes, der Unordnung und Zerrüttung, der Eitelkeit und des Verderbens an; unser Leib ist noch nicht verklärt, noch nicht eingegangen in das volle Lichtleben des Geistes. Darum gehen von ihm immer noch viele Sündenreize aus, dass wir alle Tage noch die Macht des Todes und des Verderbens in uns fühlen und alle Tage noch im Kampf und Streite stehen müssen. Und dieser Kampf ist uns von Gott selbst verordnet, damit wir durch Geduld in demselben laufen sollen. Denn, o wie bald ist es geschehen, dass die empfangene Gnade zu einem Ruhekissen für unsere Trägheit und Sicherheit missbraucht wird! Gerade weil und wenn wir geistliche Erfahrungen gemacht haben, so werden wir so leicht mit uns selbst zufrieden und wiegen uns in eine ruhige und selbst fröhliche Sorglosigkeit ein, uns dessen tröstend, wir seien ja gläubig, wir haben ja des Herrn Freundlichkeit gesehen und geschmeckt, oder auch dessen gar, dass wir ja manche gute, christliche Liebeswerke tun und für die Angelegenheiten seines Reiches Zeit und Mühe aufwenden. O wie viel solchen stillstehenden, halben Christentums gibt es auch bei den Gläubigen! wie liegt die Gefahr dazu uns allen immer wieder so nahe! Darum müssen wir es erfahren: der Leib ist tot um der in ihm noch haftenden Sünde willen. Es soll uns diese schmerzliche Erfahrung zum Sporne dienen, zur Mahnung und Ermunterung, dass wir nicht ablassen zu ringen und zu kämpfen, zu wachen und zu beten. Aber auf der andern Seite ist es doch auch ein großer Trost für uns, wenn wir nun wirklich den Druck und die Not der noch immer in uns geschäftigen und vom Leib aus den Geist beunruhigenden Sünde schwer empfinden, dass es uns der Apostel so einfach und nüchtern vorausgesagt hat: der Leib ist zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist das Leben um der Gerechtigkeit willen. O wie halten wir uns da an dieses zwar! Zwar müssen wir seufzen, so lange wir in der Hütte sind, und sehnen uns und sind beschweret; zwar gibt es noch täglich viele Demütigungen, weil wir die Sünde, die uns immer noch anklebt, im Lichte des Geistes je mehr und mehr in ihrer ganzen Tiefe und Fluchwürdigkeit erkennen; zwar müssen wir oft mit dem Apostel ausrufen: Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von diesem Todesleibe! (2 Kor. 5, 4. Röm. 7, 24.) Aber Israel hat dennoch Gott zum Trost; dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie wohl bleiben (Ps. 73, 1. 46, 5. 6).
Ja, Gott ist bei uns drinnen mit seinem Geiste, und der Geist ist das Leben um der Gerechtigkeit willen. Das dürfen wir glauben, wenn wir es auch nicht sehen, und das dürfen wir denn doch auch je und je sehen und schmecken. Es ist nicht recht, nur immer zu klagen; man darf und soll auch rühmen, was Gott an uns getan und in uns gewirkt hat. Es bleibt eben doch dabei, wer durch Christum Gerechtigkeit vor Gott erlangt hat, durch ihn wieder ins rechte Kindesverhältnis zum Vater gebracht ist, dessen innerstes, eigentliches Wesen ist der Region des Todes entnommen und bereits in das überirdische Gebiet des ewigen Lebens hineingepflanzt. Denn Geist und Leben, diese zwei sind unzertrennlich beisammen, ja der Geist ist selbst das Leben. O da lernt man erst, was Leben und Lebensfreude ist, ein Leben, an dem kein Wurm und Tod mehr nagt, weil es gerade hervorgeht aus der inneren Überwindung der Sünde, daraus, dass die Wahrheit wirklich Recht und Sieg in uns behält gegen die Lüge und das Licht über die Finsternis. „In jeder Christo ähnlichen Gesinnung, in jedem zu ihm aufsteigenden Liebestrieb und Verlangen, in jeder Treue gegen ihn ist der Geist mit darunter und beweist sein Leben darinnen. Das gibt dann wahre Ruhe und Frieden ins Herz.“ Denn geistlich gesinnt sein ist nicht bloß Leben, es ist auch Friede. Es ist nichts Beschwerliches dabei, sondern es ist uns innig wohl darinnen; wir leben darin als in unserem Elemente. Und wie kein Geschöpf ohne das Element leben kann, dem es angehört, die Blume nicht ohne Licht und Luft, der Fisch nicht ohne Wasser und dergleichen, so kann der Christ nicht mehr leben ohne die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn im Geist. Weicht er aus diesem Elemente, so ist sein Wohlsein dahin; räumt er der Welt wieder etwas in seinem Herzen ein, so wird er unruhig, bekümmert und verfinstert, bis er durch Umkehr und Reinigung im Blute Christi wieder den Frieden findet. So lernen wir völlig verstehen, was der Herr gesagt hat: Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt; meinen Frieden gebe ich euch (Joh. 14, 27).
Und mit einem fast noch köstlicheren Trostworte schließt der Apostel. Er verheißt uns, dass auch unsere sterblichen Leiber nicht sollen unter der Herrschaft des Todes liegen bleiben, sondern dass Gott sie durch seinen in uns wohnenden Geist mit Leben erfüllen werde, so gewiss er auch Jesum von den Toten auferweckt habe. O, wie ist uns das ein Trost und eine Freude, dass es auch ein Wachstum gibt im göttlichen Leben, dass wir die gewisse Hoffnung haben, der in uns angefangen das gute Werk, der werde es auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi (Phil. 1, 6). Jetzt sehen wir noch immer viel Tod und Elend in uns; aber das Lichtleben des Geistes soll nach und nach den ganzen, auch den äußeren Menschen durchleuchten, dass die finsteren Sündentriebe ihre Gewalt über uns verlieren, und wir in Gottes Bild gestaltet werden. Und einst wird ein Tag kommen, wo auch unser Leib ganz geistlich sein, wo gar nichts mehr von Schwachheit, Sünde und Tod in uns wohnen, sondern das Leben Gottes uns durch und durch erfüllen wird. Denn was wir jetzt schon inwendig erfahren in unserem Christenlaufe, das wird sich auch noch überaus herrlich und majestätisch nach außen bewähren: der Geist ist's, der da lebendig macht (Joh. 6, 63. 2 Kor. 3, 6). Darum beten wir:
Geist, du Strom, der uns vom Sohne
Eröffnet, und kristallenrein
Aus Gottes und des Lammes Throne
In stille Herzen fließt hinein,
Ich öffne meinen Mund und sinke
Hin zu der Quelle, dass ich trinke!
Ich lass mich dir und bleib' indessen,
Von Allem abgekehrt, dir nah';
Ich will die Welt und mich vergessen,
Dies innigst glauben: Gott ist da!
Gott, o Geist, o Licht des Lebens,
Man harret deiner nie vergebens.
Amen.