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Markus - Kapitel 10

Markus - Kapitel 10

(Leander van Eß)

Von dem Bande der Ehe. Der reiche Jüngling. Die Söhne des Zebedäus. Ein Blinder wird sehend.

1 Von hier machte er sich nun auf und kam an die Grenzen von Judäa jenseits des Jordans, wo abermals eine Volksmenge bei ihm zusammenkam, die er wiederum belehrte, wie er gewohnt war.
2 Auch Pharisäer traten zu ihm und legten ihm die verfängliche Frage vor: Darf ein Mann von seinem Weibe sich scheiden?
3 Er antwortete und sprach zu ihnen: Was gab euch Moses für eine Vorschrift?
4 Sie sprachen: Moses erlaubte einen Scheidebrief zu schreiben und sie zu entlassen.
5 Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Diese Verordnung gab euch Moses eurer Herzenshärte wegen;
6 von Anfang der Schöpfung aber schuf Gott sie als Mann und Frau.
7 Deßwegen wird der Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen; sie werden beide ein Fleisch seyn.
8 So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern Ein Fleisch.
9 Was denn Gott vereinet hat, das soll der Mensch nicht trennen.
10 Und zu Hause fragten ihn seine Jünger noch einmal darüber.
11 Da antwortete er ihnen: Wer von seinem Weibe sich scheidet, und eine andere nimmt, der begeht an ihr einen Ehebruch;
12 und wenn das Weib ihren Mann verläßt, und einen andern nimmt, bricht sie ebenfalls die Ehe.
13 Jetzt brachten sie Kinder zu ihm, damit er sie berühren möchte; die Jünger aber bedroheten diejenigen, die sie herbrachten.
14 Als Jesus dieß sah, wurde er unwillig, und sagte zu ihnen: Lasset die Kinder zu mir kommen, und wehret es ihnen nicht; denn für solche ist das göttliche Reich.
15 Wahrlich! ich sage euch, wer das göttliche Reich nicht wie ein Kind aufnimmt, der wird nicht hineinkommen.
16 Darauf schloß er sie in seine Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie.
17 Da Er nun wieder auf die Straße kam, lief Jemand herzu, fiel vor ihm auf die Kniee und fragte ihn: Guter Lehrer! was muß ich thun, damit ich das ewige Leben erhalte?
18 Jesus sprach zu ihm: Warum nennest du mich gut? Keiner ist gut, als nur Einer, Gott.
19 Die Gebote kennest du, als: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht tödten; du sollst nicht stehlen; du sollst kein falsches Zeugnis ablegen; du sollst nicht betrügen; du sollst deinen Vater und die Mutter ehren,
20 Da erwiederte jener und sprach zu ihm: Lehrer! dieß Alles habe ich von Jugend auf beobachtet.
21 Jesus blickte ihn an, gewann ihn lieb, und sprach zu ihm: Eins fehlet dir! gehe, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen; so wirst du einen Schatz im Himmel haben; komm dann, und folge mir nach!
22 Als er das hörte, wurde er ganz betrübt, und ging traurig fort; denn er besaß viel Vermögen.
23 Da sah Jesus um sich, und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer hält es doch denen, die Vermögen haben, in's göttliche Reich zu kommen!
24 Ueber diesen Ausspruch stutzten die Jünger. Allein Jesus wiederholte es noch einmal und sprach zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer hält es, daß die, welche sich auf Reichthümer verlassen, in das göttliche Reich kommen!
25 Leichter ist es, daß ein Kameel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in's göttliche Reich komme.
26 Hierüber wurden sie noch bestürzter und sagten zueinander: Wer kann dann selig werden?
27 Jesus sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott. Bei Gott ist Alles möglich.
28 Da fing Petrus an zu ihm zu reden: Siehe! wir haben Alles verlassen und sind dir gefolgt!
29 Jesus antwortete und sprach: Wahrlich! ich sage euch, Niemand verläßt um meinetwillen und um des Evangeliums willen, Haus, oder Brüder, oder Schwestern, oder Vater, oder Mutter, oder Weib, oder Kinder, oder Aecker;
30 der nicht schon hundertfach in dieser Zeit, zwar nicht ohne Verfolgungen, Häuser, und Brüder, und Schwestern, und Mütter, und Kinder, und Aecker, und in der künftigen Zeit das ewige Leben erhalte.
31 Viele aber, welche die Ersten waren, werden die Letzten; und die Letzten die Ersten seyn.
32 Auf dem Wege nach Jerusalem hinauf ging Jesus ihnen voran, weil sie sich ängstigten und ihm mit Furcht folgten; denn er hatte die Zwölfe wieder beiseite genommen, und ihnen gesagt, was ihm bevorstehe.
33 Siehe! wir reisen nach Jerusalem hinauf, der Sohn des Menschen wird den Oberpriestern und Schriftlehrern und Aeltesten überliefert werden; sie werden ihn zum Tode verurtheilen und den Heiden ausliefern;
34 man wird ihn verspotten, geißeln, anspeien und tödten; am dritten Tage aber wird er wieder auferstehen.
35 Hierauf kamen die Söhne des Zebedäus, Jakobus und Johannes zu ihm und sprachen: Lehrer! wir wünschen, daß du unsere Bitte uns gewährest.
36 Er sagte ihnen: Was wünschet ihr, daß ich euch thun soll?
37 Und sie sprachen: Gestatte uns, daß wir, Einer zu deiner Rechten, der Andere zu deiner Linken, in deiner Herrlichkeit sitzen mögen.
38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisset nicht, was ihr bittet. Getrauet ihr euch, den Kelch zu trinken, den ich trinke, oder euch taufen zu lassen, mit der Taufe, mit der ich getauft werde?
39 Sie sprachen zu ihm: Wir getrauen es uns. Darauf sprach zu ihnen Jesus: Ihr werdet zwar den Kelch, den ich trinke, auch trinken, und euch der Taufe unterziehen, die über mich ergehen wird;
40 das Sitzen aber zu meiner Rechten und Linken steht nicht bei mir, euch zu geben, außer denen, welchen es bereitet ist.
41 Als dieses nun die Zehen hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes.
42 Jesus aber rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisset, daß die, welche für Regenten der Völker gehalten seyn wollen, über sie herrschen; und daß die Fürsten derselben Gewalt über sie ausüben.
43 Aber so soll es unter euch nicht seyn; sondern wer unter euch der Größte seyn will, der soll euer Diener seyn.
44 Und wer unter euch der Erste seyn will; der soll aller Knecht seyn.
45 Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, sich dienen zu lassen; sondern zu dienen, und sein Leben als Lösegeld für Viele zu geben.
46 Indeß kamen sie nach Jericho. Als er von Jericho mit seinen Jüngern und einer großen Volksmenge wieder abreisete, saß des Timäus Sohn, der blinde Bartimäus, am Wege und bettelte.
47 Als dieser hörte, daß es Jesus von Nazareth sey, fing er an zu rufen und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
48 Drohend geboten ihm Viele, zu schweigen; er schrie aber desto lauter: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
49 Jesus blieb stehen, und ließ ihn zu sich rufen. Man rief den Blinden und sagte zu ihm: Sey gutes Muths! steh auf; er läßt dich rufen.
50 Er warf sein Oberkleid ab, sprang auf und ging zu ihm.
51 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was soll ich dir thun? Der Blinde sprach zu ihm: Mein Lehrer, daß ich sehend werde!
52 Da sagte ihm Jesus: Geh hin, dein Glaube hat dich gesund gemacht. Sogleich sah er und folgte ihm auf der Reise nach.

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