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Neff, Felix - Öffentlichkeit

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Einige Christen, übrigens sehr ehrenwerte, fürchten sich vor jeder Art der Öffentlichkeit, wenn es um die Schandflecken der Gemeinde geht und sie scheinen sogar eher bereit zu sein, den zu verurteilen, der sie ans Licht bringt, als denjenigen, der sie tut …. Wäre der christlicher, der sich um dieser Welt willen durch die Übel des Volkes Gottes betrüben ließe und der mehr Sorgfalt aufbringt sie zu vertuschen, als sie zu heilen? Was denn! … Es genügte, mit einem Schafsfell bekleidet zu sein um ungestraft die Herde des Herrn zu verwüsten! Und wenn jemand Alarm schlagen und ›Vorsicht; Wolf!‹ rufen wollte, würde man ihm auferlegen zu schweigen, und nähme ihn möglicherweise selbst unter Beschuß, während der wirkliche Feind seine Plünderung frei fortsetzte! Könnte man das Weisheit oder Nächstenliebe nennen oder gar Gerechtigkeit?

Meine Brüder, wenn unter uns einige sind, die über Personen und Dinge nach diesen laschen Prinzipien geurteilt haben, mögen sie ihre Herzen vor Gott prüfen und sich fragen, ob das ein gerader Wandel nach dem Evangelium ist! Heißt das nicht eher, das Recht zu verderben und das Böse zu dulden? Viel mehr noch, es bedeutet, das Böse zu fördern, es in Schutz zu nehmen und letztlich dafür verantwortlich zu sein. Andere meinen, daß, wenn es nötig ist die Irrtümer und Mißstände anzugreifen, man wenigstens die Personen ganz beiseite lassen muß. Ohne Zweifel, wenn das möglich ist ohne das Ziel zu verfehlen! Aber die Dinge sind selten von den Personen getrennt und oft wird diese Unterscheidung unmöglich und die Bibel macht sie bei weitem nicht immer. Wenn ein Land von einer Seuche bedroht wird, reicht es nicht, eine korrekte Abhandlung über die Krankheit zu veröffentlichen um das Fortschreiten zu verhindern, man muß soweit man kann, auch die davon befallenen Orte angeben. … Es wäre zum Beispiel eine eigenartige Nächstenliebe, die Gesundheit und das Leben aller Einwohner einer Stadt zu gefährden, um nicht dem Apotheker zu schaden, dessen Medikamente verdorben sind. … Andere schließlich, und das sind die meisten, verlieren die Bedeutung der eigentlichen Dinge aus den Augen. Sie hängen sich an die äußere Form indem sie sich über den Ton beklagen. Sie sagen: ›Das muß ja alles gesagt werden, aber man hätte es anders sagen können.‹ Ich weiß sehr wohl, daß es in der Welt allgemein üblich ist, bei unangenehmen Dingen nur einen Teil dessen zu sagen, was man denkt, und den Rest erahnen zu lassen; aber sollte sich der Christ dieser heuchlerischen Redeweise bedienen, die nur allzu oft ausschließlich dem Bösen in raffinierter Weise Raum gibt? Lesen Sie aber einmal in der Bibel und sehen Sie, ob die inspirierten Männer, und der Herr selbst, immer mit dieser kühlen Reserviertheit gehandelt haben, die man uns heute auferlegen möchte und die eher an Gleichgültigkeit erinnert!

citiert nach: Werner Bartl, »Hinter den Kulissen«

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