Keßler, Johannes - Aus dem Vorwort zur "Sabbatha"

Keßler, Johannes - Aus dem Vorwort zur "Sabbatha"

Zueignung an seine Kinder

Nun möchtet ihr sprechen, wiewohl ich mich deß nit zu euch verseh: Ja, Vater, du hast viel geschrieben und Müh und Arbeit unserthalb gehabt; uns wäre lieber, hättest du die Sättel ausbreitet, Arbeit und Sorg tragen, wie du uns Reichthum, Geld, Hab und Gut verlassen möchtest. Liebste Kinder, solchem Eintrag zu begegnen, hat mich zu einem Theil verursachet, diese Chronik Sabbatha zu nennen, damit ich gleich auf solche Frage mit dem Titel Antwort gebe. Denn ich meines Handwerks halb an der Sorge, wie ihr zeitlich erhalten werden, nichts nie versäumt, sondern für und für gearbeitet zu den Zeiten und Stunden, so man arbeiten soll, als ob ich nit einen Buchstaben zu schreiben wüßte. Allein hab ich mich hierob finden lassen an den Sabbaten, das sind an den Feiertagen und Feierabendstunden, so männiglich von der Handarbeit ruhet und müßig geht. zu Nacht schlaft oder unter Abend Kurzweil treibt. Denn ich nit leichtlich glaube, daß ein Mensch, er sei ja in was Berufung er wolle, seiner endlichen Handthierung so steif und gänzlich ergeben obliege, der nit von etwas, entweder Kurzweil oder Erquickung, nebenzu fallend angefochten werde und zum Theil zu gelegenen Stunden demselbigen nachhänge. Die Studierens pflegen, spazieren die nit unterweils auf einer blumenreichen Matte? Arbeiten die Handwerksleute zu allen Stunden, theilen nit etlich ihre Sinne und Gedanken auf kunstreich Schießen, beide mit Pulver und Armbrust, etliche auf Fechten, etliche kämpfen mit Laufen und Springen; etliche, so böser geartet sind, achten Kurzweil Essen, Trinken, Fressen, Spielen, Huren u. s. w. Braucht dieses Alles nit zu viel Weil, Zeit und Hab und dient zu keinem Handwerk: noch will es Jedermann verantwortet haben, so man spricht, es geschehe an Feiertagen und Feierabend. Sollte es dann mir Einigem verderblich sein, so ich müßig bin, in so ehrbaren gottseligen Händeln viel zu schaffen haben, wie Publius Scipio Africanus gesprochen hat: Sollt ich allein in unersättigem Git Tag und Nacht zabeln, und wie Salomon spricht in seinem Psalmen 127, das arbeitselig Brod essen, ob ich keinen ernährenden und für mich sorgtragenden Gott erkannte; so wir doch vielmehr von Gott erschaffen sind, sein Wort und Wunder in allen seinen Werken wahrzunehmen, damit wir zu seiner Forcht, Lieb, Erkenntniß, Lob und Preisen bewegt werden. Vielmehr solltet ihr also gedenken: Wie viel hat unser Vater uns Geld erspart, das er zu diesen Feierstunden hätte mögen mit Anderen unnützlich verzehren und an Leib, Ehr und Gut geschwächt werden!„

Quelle: Leben und ausgewählte Schriften der Väter und Begründer der reformirten Kirche - Band IX

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