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Ezechiel - Kapitel 18

Ezechiel - Kapitel 18

(Leander van Eß)

Der Prophet eifert wider das Vorurtheil der Juden, daß Gott die Kinder für die Sünden ihrer Eltern strafe.

1 Und es geschah der Ausspruch Jehova's an mich, indem er sprach:
2 Warum bedienet ihr euch im Lande Israels dieses Sprüchwortes, sprechend: Die Väter essen saure Trauben, und die Zähne der Kinder werden stumpf?
3 So wahr ich lebe! spricht der Herr Jehova, ihr sollet euch dieses Sprüchwortes in Israel nicht mehr bedienen.
4 Siehe! alle Seelen sind mein; wie die Seele des Vaters, so ist auch die Seele des Sohnes mein; die Seele, die sündiget, die soll sterben.
5 Und Jeder, wenn er gerecht ist, und Recht und Gerechtigkeit ausübt;
6 nicht auf den Bergen isset, nicht seine Augen zu den Götzen des Hauses Israels empor hebt, nicht das Weib seines Nächsten schändet, nicht beiwohnt einer Frau zur Zeit ihrer Unreinigkeit;
7 und Niemanden bedrückt, sein Pfand dem Schuldner wieder zurückstellt, nichts raubt, dem Hungrigen sein Brod mittheilt, und die Nackten kleidet;
8 auf Wucher nicht leihet, und keinen Wucher treibt, vom Unrecht seine Hand zurückzieht, zwischen Parteien nach der Wahrheit das Urtheil spricht;
9 nach meinen Vorschriften wandelt, und meine Gebote beobachtet, daß er thut, was recht ist; ein solcher Frommer soll leben, spricht der Herr Jehova.
10 Zeuget er einen Sohn, welcher Gewaltthätigkeit ausübt, Blut vergießt, oder sonst etwas dergleichen gegen seinen Bruder begeht;
11 hingegen von dem Uebrigen nichts thut; vielmehr auf den Bergen isset, das Weib seines Nächsten schändet;
12 den Hülfslosen und Armen unterdrückt, raubt, das Pfand nicht zurückgibt, seine Augen zu den Götzen emporhebt, Gräuelthaten ausübt;
13 auf Wucher leihet, und Wucher treibt, sollte der leben? Er soll nicht leben; er hat alle jene Gräuelthaten ausgeübt; er soll des Todes sterben; sein Blut soll auf ihm seyn.
14 Und siehe! zeuget er einen Sohn, der alle Sünden seines Vaters sieht, die er thut; aber sich fürchtet, und sie nicht nachahmet;
15 nicht auf den Bergen isset; nicht seine Augen zu den Götzen des Hauses Israels empor hebt; seines Nächsten Weib nicht schändet;
16 und Niemanden bedrücket; kein Pfand zurückbehält; und nicht raubt; sein Brod dem Hungrigen mittheilt; und den Nackten kleidet;
17 von dem Hülflosen seine Hand läßt; keinen Zins nimmt, und keinen Wucher treibt; meine Gebote beachtet; nach meinen Vorschriften wandelt; ein Solcher soll wegen seines Vaters Sünden nicht sterben; sondern er soll leben.
18 Sein Vater, der so sehr unterdrückte, seinen Bruder beraubte, und unter seinem Volke that, was nicht gut ist; siehe! der soll sterben um seiner Sünden willen.
19 Und ihr sprechet: Warum soll nicht der Sohn die Sünde des Vaters tragen? Weil der Sohn Recht und Gerechtigkeit ausübte, alle meine Gebote beobachtete, und sie erfüllte, deßwegen soll er leben.
20 Der, welcher sündiget, soll sterben. Der Sohn soll nicht tragen des Vaters Sünde, und der Vater soll nicht tragen des Sohnes Sünde. Auf den Gerechten soll seine Gerechtigkeit, und auf den Gottlosen seine Gottlosigkeit kommen.
21 Bekehret sich aber der Gottlose von allen seinen Sünden, die er begangen, und beobachtet er alle meine Vorschriften, und übt er Recht und Gerechtigkeit; so soll er leben, nicht sterben.
22 Aller seiner Sünden, die er begangen hat, soll wider ihn nicht gedacht werden; wegen seiner Gerechtigkeit, die er ausgeübt hat, soll er leben.
23 Sollte ich denn, spricht der Herr Jehova, Gefallen haben an dem Tode des Sünders? nicht vielmehr, daß er von seinem Wandel zurückkehre, und lebe?
24 Weicht aber der Gerechte von seiner Gerechtigkeit ab, und thut er Böses, und ahmet alle Gräuelthaten nach, die der Gottlose ausübt, sollte der leben? Aller seiner Gerechtigkeit, die er geübt, sollte nicht gedacht werden; wegen seiner Uebertretung, die er gethan, und wegen seiner Sünde, die er begangen, soll er sterben.
25 Und ihr saget: Der Weg des Herrn ist nicht recht! Höre also, Haus Israels! ist mein Weg nicht recht? Sind nicht eure Wege unrecht?
26 Wenn ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit abweicht, und Böses thut, und deßwegen stirbt; so stirbt er um des Bösen willen, das er gethan hat.
27 Und wenn ein Gottloser von seiner Gottlosigkeit abläßt, die er begangen hat, und Recht und Gerechtigkeit übt; so erhält er sein Leben.
28 Denn er kam zur Einsicht, und ließ ab von allen seinen Sünden, die er begangen hat; er soll leben, nicht sterben.
29 Und das Haus Israels sagt noch: der Weg des Herrn ist nicht recht! Sollten meine Wege nicht recht seyn? Haus Israels! Sind nicht eure Wege unrecht?
30 Darum will ich euch, Haus Israels! einen Jeden nach seinen Wegen richten, spricht der Herr Jehova. Wendet, und bekehret euch von allen euren Missethaten; so wird die Sünde euch nicht zum Sturze gereichen.
31 Entfernet von euch alle eure Missethaten, die ihr begangen habet; und verschaffet euch ein neues Herz, und einen neuen Geist! und warum wollet ihr sterben, Haus Israels?
32 Denn ich habe keinen Gefallen an dem Tode des Sterbenden, spricht der Herr Jehova. Kehret also zurück, und ihr werdet leben.

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