Claudius, Matthias - Vom Gewissen - Siebenter Brief

Claudius, Matthias - Vom Gewissen - Siebenter Brief

Nun, lieber Andres, Du kennst das Glück eines guten Gewissens; und will's Gott, sind außer Dir noch viele, die dies Glück kennen und es heimlich genießen, ohne daß andre Leute davon wissen. Denn ein gutes Gewissen im Menschen ist wie ein Edelstein im Kiesel. Er ist wirklich darin; aber Du siehst nur den Kiesel, und der Edelstein bekümmert sich um Dich nicht.

Mir wird allemal wohl, wenn ich einen Menschen finde, der dem Lärm und dem Geräusch immer so aus dem Wege geht und gern allein ist. Der, denke ich denn, hat wohl ein gutes Gewissen; er läßt die schnöden Linsengerichte stehen und geht vorüber, um bei sich einzukehren, wo er bessere Kost hat und seinen Tisch immer gedeckt findet.

Wehe den Menschen, die nach Zerstreuung haschen müssen, um sich einigermaßen aufrecht zu erhalten!

Doch wehe siebenmal den Unglücklichen, die Zerstreuung und Geschäftigkeit suchen müssen, um sich selbst aus dem Wege zu gehen! Sie fürchten, allein zu sein; denn in der Einsamkeit und Stille rührt sich der Wurm, der nicht stirbt, wie sich die Thiere des Waldes in der Nacht rühren und auf Raub ausgehen.

Aber selig ist der Mensch, der mit sich selbst in Frieden ist und unter allen Umständen frei und unerschrocken auf und um sich sehen kann! Es gibt auf Erden kein größer Glück.

Andres! - Wer doch sich und andre darnach recht lüstern machen könnte!

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