Calvin, Jean - Der Prophet Jesaja - Kapitel 4.

Calvin, Jean - Der Prophet Jesaja - Kapitel 4.

V. 1. Dass sieben Weiber werden einen Mann ergreifen. Der Prophet setzt die gleiche Rede noch fort, sodass der Zusammenhang ununterbrochen weiterläuft. Denn gerade der hier beschriebene Umstand lässt ersehen, wie groß die eben angedrohte Verwüstung und Niederlage sein wird. Denn wenn man die Heuchler nicht mit einem doppelten Schrecken angreift, sind sie taub gegen Drohungen, oder nehmen dieselben leicht, sodass Gottes Strenge ihnen niemals wirklich zu Herzen geht. Darum beschreibt der Prophet die Schrecklichkeit der bevorstehenden Niederlage durch ihre Wirkungen, damit niemand glaube, leicht entschlüpfen zu können. Er will sagen: Meinet nicht, dass nur eine erträgliche Minderung euch treffen wird; es wartet eurer die schlimmste Vernichtung, sodass kaum für sieben Weiber sich noch ein Mann wird finden lassen. Darauf deutet auch der Ausdruck, dass sie ihn „ergreifen“ werden. Dass ein Weib sich freiwillig einem Manne anbietet, entspricht sonst nicht der Schamhaftigkeit ihres Geschlechts. Aber der Prophet verkündet, dass sie nicht bloß dies tun, sondern dass sie gar ihre Hände ausstrecken werden, um einen Mann festzuhalten, der so selten geworden ist. In welcher Verwüstung das Land sich befindet, zeigt auch, was sie sagen: Wir wollen uns selbst nähren. Während es doch die Aufgabe des Mannes ist, Frau und Kinder zu ernähren, suchen jetzt die Weiber einen Mann, unter der drückenden Bedingung, dass sie ihn von jeder Pflicht, ihnen den Lebensunterhalt zu schaffen, entlasten. Wie wenig Männer muss es also geben, wenn nicht bloß eine ganze Reihe von Frauen ihre natürliche Scham wegwerfen, um nur einen derselben zu gewinnen, wenn sie auch vor einem Bunde nicht zurückschrecken, in welchem sie selbst sich ihr Brot verschaffen müssen, und nichts anderes begehren, als von einem Manne zur Ehe zugelassen zu werden.

Lasst uns nur nach deinem Namen heißen. Wenn die Frau in die Gemeinschaft des Mannes eintritt, verliert sie ihren Namen und überkommt den seinen, da der Mann des Weibes Haupt ist. Die Bedeutung der vorstehenden Redeweise erkennt man auch aus Jakobs Wort, da er seine Enkel segnete (1. Mos. 48, 16): „dass sie nach meinem und nach meiner Väter, Abrahams und Isaaks, Namen genannt werden.“ Sie sollen also in Jakobs Familie gehören, an dem Bunde teilhaben, und niemals wie Esau und Ismael ausgestoßen werden. Die Weiber sprechen den Wunsch aus: dass unsre Schmach von uns genommen werde. Denn es bedeutet fast eine Schande für sie, wenn sie keine Männer finden: sie wurden verachtet, als wären sie keines Mannes wert. Zudem war im Volk des alten Bundes Nachkommenschaft ein besonderer Segen Gottes. Darum schildert der Prophet, wie die Weiber aus ihrer schmachvollen Lage herauskommen wollen, und darum allerlei Überredungskünste aufbieten. So muss die Niederlage nahezu alle Männer vernichtet haben.

V. 2. In der Zeit wird des Herrn Spross lieb und wert sein. Nunmehr folgt der nötige Trost: denn die Ankündigung der schrecklichen Niederlage hätte die Frommen erschüttern und in die Zweifelsfrage stürzen müssen, wie bei solchem Zusammenbruch des Volkes Gottes Bund in Zukunft werde bestehen können. Stimmt es doch nicht zusammen, dass das Volk sein solle wie der Sand am Meer, und dass doch eine schreckliche Niedermetzelung es treffen werde, sodass dem geringen Rest alle Würde und jeder Glanz, ja fast der Name, verloren gehen müsse. So verfährt Jesaja, wie er und alle Propheten zu tun pflegen: er beugt vor und mildert durch beigefügten Trost den gar zu großen Schrecken, die Gläubigen sollen trotz allem vertrauen, dass die Gemeinde erhalten bleibt, und sollen mit guter Hoffnung ihren Mut stärken. Wie also der Prophet im zweiten Kapitel von der Erhebung des Berges Zion weissagte, so verheißt er jetzt, dass eine neue Gemeinde aufblühen werde, gleichwie es auf einem zuvor unbestellten Acker zu sprießen beginnt. In der Regel deutet man diese Stelle auf Christus und hält dies für vollends gewiss, weil wir beim Propheten Sacharja (3, 8; 6, 12) lesen: „Es ist ein Mann, der heißt Zemach,“ d. h. Spross oder Zweig. Dass Jesajas Worte den gleichen Sinn enthalten, will man auch aus dem ehrenvollen Nachdruck beweisen, mit welchem gesagt wird: „des Herrn Spross.“ Man behauptet, dass der Prophet damit auf Christi Gottheit deuten wolle. Und wenn er sodann von der Frucht der Erde spricht, soll dies an seine Menschheit erinnern. Wenn ich jedoch alles erwäge, so zweifle ich nicht, dass „des Herrn Spross“ und „die Frucht der Erde“ Ausdrücke sind, mit welchem ein reichliches und ungewohntes Wachstum der Gnade beschrieben wird, welches die Hungrigen erquicken soll. Bei der bisherigen Rede des Propheten musst man denken, dass die durch Verwüstung unfruchtbare und mit Ruinen überschüttete Erde für alle Zukunft keinen Spross mehr verheiße. So muss es die Sehnsucht nach Gottes Gnade erregen, wenn nun von einer plötzlichen Fruchtbarkeit die Rede ist, bei welcher die kahlen und unfruchtbaren Äcker unverhofftes Gewächs bringen. Dieses Bild, dass Gottes Gaben in der Welt aufsprossen, ist in der Bibel geläufig (Ps. 85, 12): „Dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue.“ Ferner (Jes. 45, 8): „Die Erde tue sich auf und bringe Heil, und Gerechtigkeit wachse mit zu.“ Solche Aussagen beschreiben eine reiche Fülle geistlichen und irdischen Segens. Dass auch an unserer Stelle kein anderer Sinn vorliegt, ergibt sich aus dem Zusammenhang. Denn Prophet fährt fort, dass des Herrn Spross lieb und wert sein werde, herrlich und schön bei denen, die erhalten werden in Israel. Er will also sagen, dass für die Auserwählten, die übrig bleiben, herrliche Fruchtbarkeit walten wird, die sie genießen dürfen. Gottes Gnade soll in ein helles Licht treten, wenn eine neue Gemeinde erwachsen wird, gleich als schüfe sich der Herr sein Volk aus dem Nichts, um es dann mit allen Gütern zu überschütten. Wer diese Aussage allein auf Christum bezieht, macht sich den Juden lächerlich, als müsse er die Schrift aus Mangel an passenden Beweisstellen nach seinem Belieben zurechtdrehen. Es liegen aber andere Schriftstellen vor, aus denen man Christi wahre Gottheit und wahre Menschheit viel deutlicher erweisen kann. Dass hier von Christi Herrschaft die Rede ist, auf welche sich die Erneuerung der Gemeinde gründet, gestehe ich gern zu. Übrigens wollen wir uns merken, dass der Trost nicht unterschiedslos an alle gerichtet wird, sondern nur an den Rest, der wunderbar aus dem Schlunde des Todes gerissen wurde. Weil es nun ein zu kalter Trost gewesen wäre, bloß zu sagen, dass eine geringe Zahl solle gerettet werden, spricht der Prophet von der großartigen Herrlichkeit und dem schönen Glanz der Zukunft, damit die Gläubigen hoffen lernen, dass jene Verminderung doch keinen Verlust bedeuten werde. Denn die Würde der Gottesgemeinde ruht nicht auf ihrer großen Zahl, sondern auf ihrer Reinheit, indem Gott seine Auserwählten mit den Gaben seines Geistes herrlich und rühmlich schmückt. Daraus entnehmen wir eine sehr nützliche Lehre: ist auch die Zahl der Gläubigen nur gering, weil sie gleichsam aus dem Brande gerettet wurden, so wird doch Gott unter ihnen herrlich sein und unter ihrer geringen Zahl nicht mindere Zeichen seiner herrlichen Größe geben, als unter der größten Masse.

V. 3. Und wer da wird übrig sein zu Zion usw. Der Prophet verfolgt noch den gleichen Gedanken, dass nach Vernichtung der großen Volksmasse der Rest rein und heilig sein werde. Dass somit der Grund des Heils in der Sündenvergebung durch freie Gnade gesucht wird, dient zu besonderem Ruhme des göttlichen Erbarmens. Denn die Gemeinde soll rein werden durch Austilgung ihres Schmutzes, und die in ihr eine Stätte haben, sollen in Wahrheit Auserwählte Gottes sein. Es ist nun gewiss, dass dies auf die äußere Kirche nicht durchaus zutrifft: denn ihr sind sehr viele Scheingläubige beigemischt, die keinen ihrem Bekenntnis würdigen Wandel führen; ja, diese sind sogar viel zahlreicher, als die Guten, gleichwie die Spreu auf der Tenne den meisten Raum einnimmt. Hatte auch Gott durch die babylonische Gefangenschaft wie durch ein Sieb viele Spreu ausgesiebt, so war doch die Gemeinde von der rechten Reinheit noch weit entfernt. Aber weil wenigstens ein gewisses Bild der Reinheit sich zeigte, die man in ganzer Klarheit und Wahrheit erst sehen wird, wenn die Schafe von den Böcken gesondert sind, so greift Jesaja nach seiner Weise mit jenen Anfängen die ganze Folgezeit bis zum Ende zusammen, da Gott vollständig herstellen wird, was er jetzt nur begonnen hat. Ähnliches sehen wir noch heute. Wenn auch die Kirche durch Züchtigungen und Strafen nicht ganz von ihren Flecken gereinigt wird, so wird doch der schlimmste Schmutz beseitigt, und ein Teil ihres Glanzes kehrt wieder. So erleidet die Kirche von den Züchtigungen keinen Schaden: sie wird zwar vermindert, aber durch Ausscheidung der vielen Heuchler doch nur von einer Last erleichtert, gleichwie für einen kranken Körper die Gesundheit erst wiederkehrt, wenn die giftigen und hässlichen Stoffe ausgeschieden sind. Daran gewinnen wir, die wir immer nach der großen Zahl auszuschauen und danach die Lage der Kirche zu beurteilen pflegen, einen sehr nützlichen Trost. Sollten wir doch viel lieber wünschen, eine kleine Zahl zu sein, wobei doch in allen Gottes Herrlichkeit wiederstrahlen sollte. Aber weil uns unsere Ruhmsucht irreleitet, blicken wir viel lieber auf die Masse der Menschen, als auf die Tüchtigkeit einer nur kleinen Zahl. Wir können hier auch ersehen, was den wahren Ruhm der Kirche ausmacht: sie ist in blühendem Stande, wenn die Heiligen in ihr eine Stätte haben; mögen diese auch gering und verachtet vor der Welt sein, so machen doch sie allein den Zustand der Kirche zu einem blühenden und wünschenswerten. Weil es aber in dieser Welt niemals geschehen wird, dass die Heiligen in der Kirche den Platz allein behaupten, muss man eine Vermischung geduldig tragen. Inzwischen soll man es als eine nicht geringe Wohltat ansehen, so oft ein weiterer Schritt zur rechten Reinigkeit gemacht wird. Dass unter denen, die ins Buch der Lebendigen geschrieben sind, die Auserwählten Gottes zu verstehen sind, sagten wir schon. Die Meinung des Propheten ist also, dass der unheilige Schwarm, der nur auf Erden den Namen von Gotteskindern trägt, abgeschnitten werden soll. Der Prophet bewegt sich damit in dem gewöhnlichen Sprachgebrauch der Schrift, nach welchem auch Mose (2. Mos. 32, 32) aus dem Buch des Lebens getilgt zu werden wünscht, damit nicht das ganze Volk zu Grunde gehe. Und Christus sagt seinen Jüngern (Lk. 10, 20): „Freuet euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ Ebenso heißt es bei Hesekiel (13, 9), dass die falschen Propheten in die Zahl des Hauses Israel nicht geschrieben werden sollen. Gibt es nun auch kein anderes Buch Gottes, als seinen ewigen Rat, kraft dessen er uns zu seinen Kindern annahm und zum Heil bestimmte, so bequemt sich diese bildliche Rede doch sehr passend unserm schwachen Verständnis an: sie ist ein treffliches Mittel, uns begreiflich zu machen, dass der Herr seine Herde kennt, sodass keiner seiner Auserwählten jemals aus dem Stande des Lebens fallen kann. Da also Gott die Seinen gleichsam in ein Verzeichnis aufgenommen hat, wird der Ratschluss der Annahme zur Kindschaft, der den Kindern Gottes ihre Seligkeit unverlierbar zuspricht, als das Buch des Lebens bezeichnet. Die Verworfenen mögen eine Zeit lang den Kindern Gottes gleich zu stehen scheinen, - so haben sie doch an diesem Verzeichnis keinen Anteil: sie werden ausgestoßen, wenn der Herr die Seinen sammelt und aussondert. Die Erfüllung wird erst am letzten Tage eintreten. Weil aber den Kindern Gottes, die da feste stehen, wenn die Verworfenen zu Fall kommen, eben dadurch ihre Erwählung bekräftigt wird, ist es ihnen ein großer Trost im Unglück, dass sie in allem Umtrieb der Versuchungen nicht aus ihrer Stelle fallen können.

V. 4. Dann wird der Herr den Unflat der Töchter Zions waschen. Noch immer setzt sich der gleiche Gedanke fort. Pflegt man zu glauben, dass für das Volk Gottes die Niederlagen, die seine Zahl vermindern, ein schwerer Schade seien, so behauptet der Prophet nachdrücklich immer wieder das Gegenteil: der Herr tilgt durch dieselben vielmehr den Schmutz und die Verderbnis seiner Kirche. Das Wort, welches wir als Blutschulden übersetzen, heißt buchstäblich „Blut,“ deutet also nicht grade bloß auf Menschenmord und ähnliche schreckliche Verbrechen, sondern auf Unreinigkeit und Befleckung aller Art. Es ist dem Sinne nach kaum etwas anderes als was vorher der Unflat der Töchter Zions hieß. Alles in allem beschreibt der Prophet die Frucht, die aus den Züchtigungen Gottes erwächst: unsere Flecken werden abgewaschen. Denn wenn ein unfrommes Wesen ungestraft um sich greifen darf, werden auch wir mit den anderen verderbt. Darum muss der Herr uns ernstlich mahnen und wie ein Arzt reinigen, schneiden, zuweilen auch brennen. Dass sein Geist richten wird, besagt, dass die zerfallenen Zustände wieder hergerichtet werden sollen. Dass er ein Feuer anzünden wird, erinnert daran, dass der Schmutz ausgebrannt und verzehrt werden muss. Das alles wirkt in der Gemeinde und in uns der Geist Gottes, der Anfang und Ende unseres Heils ist. Und was hier verzeichnet wird, beschreibt sein hauptsächlichstes Wirken. Der Herr läutert mit seinem Geist unsere Begierden, erneuert und gestaltet uns zum rechten Wesen. Dass der Geist richtet, beschreibt also das Ziel, zu welchem die Gemeinde aus ihrer Verwirrung geführt werden soll, dass er ein Feuer anzündet, die Art und Weise, in welcher der Herr ihren Glanz wieder herstellen will.

V. 5. Der Herr wird schaffen über alle Wohnung des Berges Zion usw. Der Prophet will sagen, es werde auf dem Berge Zion keinen Winkel geben, in welchem Gottes Gnade nicht leuchtet. In der Beschreibung dieses Segens spielt er an Moses Bericht über die Erlösung Israels aus Ägypten an, da der Herr des Tages eine Wolkensäule, des Nachts eine Feuersäule sendete. Überhaupt ist es den Propheten geläufig, bei Darbietung einer besonders hervorragenden Wohltat an jene Erlösung aus Ägypten, als an Gottes hervorragendstes Werk, zu erinnern. Denn damals, als Gott sich sein Volk schuf, hat er die reichsten Schätze seiner Gnade ausgeschüttet und hat nichts an seinen Wohltaten fehlen lassen. Dadurch bezeugte er, wie glücklich sein Volk daran war. Zu bemerken ist nun, dass die Wolkensäule des Tags über eine Deckung gegen die Hitze war, während die Feuersäule des Nachts den Weg wies, damit sich das Volk nicht in unwegsame Orte verirre. Alles in allem will der Prophet sagen, dass die Erlösung aus dem babylonischen Gefängnis, die Gott seiner Gemeinde schenken wird, nicht weniger herrlich und groß sein soll, als da Israel aus Ägypten zog. Gewiss ist die Meinung nicht, dass das Volk, wie einst in der Wüste, auch auf dem Wege zwischen Babylon und Judäa durch eine Wolken- und Feuersäule geleitet werden solle, sondern nur dass Gott auf irgendeine andere Weise herrliche Zeichen seiner Gunst und Gnade geben werde. So könnte man heute etwa sagen: Gott wird uns mit seinem feurigen Geist erleuchten und wird geteilte Zungen geben, mit denen das Evangelium über den ganzen Erdkreis verkündigt werden soll. Solche Rede müsste man nicht wörtlich verstehen, als solle der heilige Geist unter jenem sichtbaren Zeichen vom Himmel kommen: sie ruft uns nur dieses Wunder ins Gedächtnis, damit die Gläubigen für die Wiederherstellung der Kirche auf dieselbe Macht Gottes hoffen lernen, welche einst die Apostel erfahren haben. Dazu will die Redeweise des Propheten den ununterbrochenen Fortgang des göttlichen Segens beschreiben und etwa sagen: Gott wird nicht nur einmal seine Hand ausstrecken, euch zu befreien, sondern wie er euren Vätern in der Wüste immer gegenwärtig war, wird er auch euch, nachdem er euch erlöst hat, bis zu Ende schützen. Dass ein Schirm sein wird über alles, was herrlich ist, schließt sich eng an die früheren Aussagen an, dass der Spross des Herrn wieder herrlich aufwachsen werde. Der Prophet will also sagen, dass Gottes Schutz über denen walten wird, welche die Zeichen ihrer Erlösung an sich tragen. Vielleicht liegt eine Anspielung an den Bericht Moses vor (2. Mos. 12, 23), nach welchem der rächende Engel an den ihm kenntlich gemachten Häusern ohne Schaden vorüber ging. Wie damals die Bestreichung mit Blut als ein rettender Schirm wirkte, so verheißt Jesaja, dass die Gläubigen unter dem Zeichen Gottes sicher sein dürfen. Dies wollen wir uns wohl einprägen: es ist uns eine Erinnerung, dass wir an der Gnade Gottes nur Teil haben können, wenn wir sein Bild an uns tragen und seine Herrlichkeit in uns wiederstrahlt.

V. 6. Und wird eine Hütte sein zum Schattenusw. Obgleich der Prophet bekräftigt, was wir schon andeuteten, dass Gott den Seinen ein ständiger Führer bis zum letzten Ziel sein wird, so empfangen wir doch eine Erinnerung, dass die Gläubigen allezeit mancherlei Plagen ausgesetzt sind. Hitze, Frost und Kälte und auch härtere Leiden drücken sie heftig; wenn sie aus einer Gefahr befreit werden, fallen sie in eine andere. Es ist aber ihr bester Trost, dass sie gegen jegliche Beschwerde an Gottes Beschattung allein einen völlig ausreichenden Schutz haben. Er deckt sie so, dass nichts ihnen schaden und irgendwelchen Nachteil bringen kann. Umgeben uns auch von allen Seiten mannigfache Angriffe und Bedrängnisse, so verheißt doch der Herr, dass er gegenwärtig sein will, wie es im Psalm heißt (121, 6): „Dass dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts.“ So bleibt uns nichts zu tun, als dass wir unserer Berufung Folge leisten und treulich unsere Pflicht tun. Gerechte wie Ungerechte sind in der gleichen Lage, dass sie mancherlei Bedrängnissen ertragen müssen: aber die Ungerechten haben keine Zuflucht, keine Schlupfwinkel, in welchem sie sich bergen können, sodass sie gänzlich erdrückt werden müssen. Die Frommen aber sind in der glückseligen Lage, dass sie trotz Kälte und Frost eine sichere Zuflucht bei Gott haben. Doch muss Gottes Herrlichkeit in uns wiederstrahlen, von der wir zuvor sprachen, wenn anders dies wirklich für uns gelten soll. Tragen wir aber das Zeichen Gottes an uns, so dürfen wir vertrauen, dass er in jedem Unwetter unser Schutz sein wird.

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