Calvin, Jean - Der Prophet Jesaja - Kapitel 10.

Calvin, Jean - Der Prophet Jesaja - Kapitel 10.

V. 1. Weh denen, die unrechte Gesetze machen. Jetzt greift der Prophet, wie er es im ersten und zweiten Kapitel getan hat, das Volk wiederum härter an, damit es die empfangenen Schläge als gerecht anerkennen lerne. Denn nur, wenn sie offen überführt und überwunden sind, geben die Menschen zu, dass sie mit Recht gezüchtigt werden. Reichten nun auch die früheren Zeugnisse zur Überführung hin, so werden doch jetzt noch einzelne Stücke herausgegriffen um die Heuchelei aufzudecken. Denn die Menschen haben eine so freche Stirn, dass sie sich durch jegliche Entschuldigung gedeckt glauben und dem Herrn noch obendrein Vorwürfe machen. Dieser Übermut kann gar nicht hart genug angegriffen und getadelt werden: solchen Leuten muss man auch wider ihren Willen den Mund stopfen. Wie nun der Prophet bereits darauf hinwies, dass das Übel bei den obrigkeitlichen Personen seinen Anfang nahm, so rückt er diese jetzt an die erste Stelle: sie sollen die Strafen für die Missetaten tragen, die die mit verschuldet haben. Dies ist besonders bemerkenswert. Denn hoch stehende Leute wähnen sich über das gemeine Schicksal erhaben, als brauchten sie dem Herrn nicht Rechenschaft zu geben: darum kündigt ihnen der Prophet den Vorrang an, dass sie zuerst gestraft werden sollen. Manche Ausleger finden hier zwei Gruppen, diejenigen welche die Gesetze machen, und die anderen, die sie niederschreiben. Ich glaube dagegen, dass ganz im Allgemeinen und ohne Unterschied die Obrigkeit getadelt wird, die mit ungerechten tyrannischen Gesetzen das Volk drückt und ausraubt.

V. 2. Auf dass sie die Sache der Armen beugen usw. Man bringt die Armen um ihr Recht und betrügt sie zum Vorteil der Reichen. So müssen sie enttäuscht aus dem Gericht fortgehen, da alles zur Beute ausgesetzt ist. Die Armen werden vornehmlich genannt, weil sie am meisten des Beistands und der Hilfe beraubt sind: während die Obrigkeiten und Richter ihnen vornehmlich helfen müssten, nehmen sie sich eine besondere Freiheit wider sie heraus und unterdrücken sie schmachvoll. Denn wer Geld, Freunde und Ansehen hat, kann weniger leicht vergewaltigt werden: er hat Waffen in der Hand, sich zu verteidigen oder gar zu rächen. Der Herr aber erklärt, dass ihm die Armen, die man allgemein verachtet, besonders befohlen sind. Sie liegen ihm am Herzen, sodass er ihnen angetanes Unrecht nicht ungestraft wird hingehen lassen. Nicht umsonst bezeichnet er sich als ihren Helfer und Schützer. Daraus sollen arme und geringe Leute Trost schöpfen, sodass sie mit ruhigerem Gemüt Elend und Anfechtungen leiden: dürfen sie doch wissen, dass Gott für sie sorgt, der das ihnen zugefügte Unrecht nicht übersieht. Zugleich empfangen die Reichen und Mächtigen einen Wink, dass die Erwartung, ungestraft zu bleiben, sie nicht zur Sünde verleite. Denn wenn auch kein irdischer Richter auftritt, wird der Herr doch Rache üben und deren Sache führen, die man von jeglicher Hilfe verlassen glaubte.

V. 3. Was wollt ihr tun usw. Jetzt schleudert der Prophet heftige Drohungen gegen die Vornehmen, die sich behaglich in ihren Sünden gehen ließen, wie denn von Glück trunkene Menschen jede Gefahr hochmütig zu verachten pflegen. Wenn der Herr auch zögert, so ist doch die Zeit seines Gerichts festgesetzt und steht in kurzem bevor. Und da die nächsten Feinde besiegt waren, und man sich durch ein Bündnis mit einem sehr mächtigen Volk gesichert glaubte, sodass man nichts mehr fürchtete, verkündet der Prophet ausdrücklich, dass das Unglück von ferne kommen werde. Unter der Heimsuchung ist hier das Gericht zu verstehen. Denn sonst kann uns der Herr in doppelter Weise heimsuchen, in Erbarmen und im Gericht. In jedem Falle offenbart er uns sich und seine Macht. Mag er uns erbarmend aus einer Gefahr befreien, oder die Gottlosen und Verächter seines Wortes strafen. In jedem Falle hat also die Bezeichnung als Heimsuchung den gleichen Grund: denn Gott erscheint uns nicht anders, als durch seine Werke; wir halten ihn für fern, wenn er uns nicht irgendein Zeichen seiner Gegenwart gibt. So bequemt sich die Schrift unserem Verständnis an, wenn sie von einer Heimsuchung spricht: denn wenn Unglück uns drückt und die Gottlosen sich ungezügelt gehen lassen, meinen wir, Gott sei fern und kümmere sich nicht um unsere Anliegen. Darum muss man hier unter der Heimsuchung das Gericht verstehen, durch welches Gott sich der Frechheit und dem Übermut der Gottlosen entgegenstellt und somit Leute, die ihm schon gleichsam entfliehen wollten, wieder zu sich zieht. Wenn nun schon in dieser Welt Gottes Gerichte so schrecklich sind, wie schrecklich wird er erst erscheinen, wenn er endlich kommt, den Erdkreis zu richten! Denn alle Strafexempel an den Gottlosen, die jetzt Furcht und Zittern erregen, sind nur Vorspiele jener letzten Rache, in welcher Gott seine Blitze gegen die Verworfenen schleudern wird. Er verwahrt und verschiebt auch absichtlich vieles, was er jetzt zu übersehen scheint, auf jenen letzten Tag. Wenn nun die Gottlosen schon die gegenwärtigen Züchtigungen nicht tragen können, wie vollends unerträglich wird ihnen die herrliche und unvergleichliche Majestät sein, wenn es gilt, vor den erhabenen Gerichtsstuhl zu treten, vor dem selbst Engel erzittern! Wenn es heißt, dass Gottes Gericht „von ferne“ kommen werde, so wollen wir uns merken, dass man nicht durch einen augenblicklichen ruhigen Zustand sich einschläfern lassen darf: denn wer sicher in seinen Sünden fortfährt, drückt mit seiner sträflichen Gleichgültigkeit dem Herrn die Waffen in die Hand und wird bald erfahren, dass er in einem Augenblick, so oft er will, Himmel und Erde vom Aufgang bis zum Niedergang erschüttern kann.

Zu wem wollt ihr fliehen? Der Satz deutet darauf hin, dass man sich vergeblich auf seine Hilfsmittel verlassen wird: denn gegen Gottes Hand werden sie nichts ausrichten und in nichts verschwinden. Zugleich wird uns eingeprägt, dass dies nur die gerechte Strafe ist. Denn wer gegen andere unmenschlich verfuhr, muss erfahren, dass ihm weder Gott noch Menschen helfen. Es wird ein unbarmherziges Gericht über die Unbarmherzigen ergehen. Dies trifft besonders auf die Richter zu, bei denen das ganze Volk eine Zuflucht hätte finden müssen: sind sie doch dazu eingesetzt, die Elenden und Armen zu schützen. Wenn sie dieselben vernachlässigen, verraten und sogar berauben, ist es nur billig, dass sie durch eigene Verlassenheit erfahren, welches Missfallen Gott an ihrer unmenschlichen Grausamkeit hat. Darum fragt auch der Prophet, in welchem Schlupfwinkel solche Richter ihre Ehre bergen wollen: Wo wollt ihr eure Ehre lassen? Sie werden keine Zuflucht finden, um sie zu retten. Wenn nun Gott in dieser Weise die Obersten im Volk von ihrer Höhe herabzieht und der Plünderung aussetzt, was wird dann erst geringen Leuten geschehen? Niemand möge sich schmeicheln: denn wir alle werden wie Stoppeln sein, wenn der Zorn Gottes wider uns entbrennt.

V. 4. Dass sie nicht unter die Gefangenen gebeuget werde usw. Obgleich die Anknüpfung dieses Satzes sprachlich schwierig ist und darum von den Auslegern sehr verschieden vollzogen wird, steht der Sinn fest. In jedem Falle soll gezeigt werden, welcher Ausgang aller derer wartet, welche auf die Mahnung des göttlichen Wortes hin nicht umkehren. Aus dem Zusammenhange ersehen wir auch, dass ihnen ein schwerer und harter Untergang angedroht wird. Denn der Prophet wiederholt noch einmal das Wort: In dem allen lässet sein Zorn nicht ab. Gott wird also noch grausamere Strafen finden, mit denen er sich rächt. Daraus lernen wir, dass es nichts Besseres gibt, als sich vom Gefühl wahrer Buße durchdringen zu lassen und seine Schuld anzuerkennen, damit man Vergebung vom Herrn empfange.

V. 5. O weh Assur! Was jetzt folgt, zielt zwar auf die anzudrohenden Strafen ab, mischt aber etwas von Trost hinein, um den Schmerz der Frommen zu lindern, ja der größere Teil der Rede befasst sich mit diesem Gedanken. Alle Übel, die von den Assyrern kommen, werden nur eine vorübergehende Geißel sein; endlich sollen die Ungläubigen, nachdem sie mehr als billig ihren Übermut ausließen, gebeugt werden. Der Ruf ist vielleicht einfach ein Aufruf der Assyrer zum Krieg, sodass am besten zu übersetzen wäre: „O Assur!“ Denn wäre die Meinung, dass Gott die Feinde herbeiruft, um durch ihre Hand seine Rache an dem nur zu sicheren Volk zu üben, - wie der Richter den Diener ruft, den Übeltäter zu binden, oder den Henker, ihn hinzurichten. Hält man es aber für richtig, dass Klagewort „weh“ hinzuzufügen, so würde Gott zugleich darüber seufzen, dass er gezwungen ist, sein Volk mit den Assyrern zu strafen.

Der meines Zorns Rute usw. Die Assyrer werden zuerst als die Rute des göttlichen Zorns bezeichnet, und sodann hinzugefügt, dass die Schwerter und Waffen, die sie in Händen tragen, ebenfalls nichts anderes sind, als Gottes Zorn. Gott in seinem allmächtigen Regiment bedient sich der Assyrer zur Durchsetzung seines Zorns nicht anders als wie man ein Schwert in die Hand nimmt. Weiter aber: wenn sie auch Schwerter tragen, so darf man doch nichts über die Grenze hinaus fürchten, innerhalb welcher sich Gottes Zorn gegen die Juden beweisen will. Alles in allem: was die Feinde vermögen, ist ausnahmslos ein Ausfluss des göttlichen Zorns; Leute, die sonst keinen Finger rühren würden, werden durch des Herrn geheimen Antrieb gereizt, sein Volk zu verderben. Gott verkündet, dass der Stecken, den ihre Hand schwingt, sein Zorn ist. So sollen die Juden wissen, dass der blinde Ansturm der Feinde durch die himmlische Vorsehung regiert wird. Diese Belehrung hat ein doppeltes Ziel im Auge: erstlich sollen die gottlosen geschreckt werden und erfahren, dass ihnen nicht vergebens der Untergang angedroht wird; zum andern wird auch die Weise gezeigt, in welcher Gott sie straft. Denn nur so können die Gottlosen, die aller Predigten und Drohungen des Propheten spotteten, aus ihrer Gleichgültigkeit aufgerüttelt werden. Dies sollte durch solche Belehrung gewirkt werden, wenn nun das Volk anfing, von den Assyrern Bedrückung zu erleiden. Jetzt konnte man sich durch die Tatsachen überzeugen, dass, was die Propheten vorausgesagt hatten, keine Täuschung war, dass es auch nicht durch bloßen Zufall eintraf. Als Gottes Zorn werden Waffen in Menschenhand bezeichnet, weil sie nicht nach Willkür gebraucht werden können, sondern wirklich Zeugnisse des Zornes Gottes sind. Damit gebraucht der Prophet einen überaus passenden Ausdruck, damit wir nicht wähnen, dass die Gottlosen nach ihrer Willkür und Laune einher stürmen: sie werden vielmehr durch einen Zügel gehalten und gefesselt, sodass sie nichts außer Gottes Willen tun können. Daraus ergibt sich der Schluss, dass Gott auch durch die Hand der Gottlosen wirkt. Aber darüber soll man nüchtern denken und reden: denn es gilt, klüglich zwischen dem Wirken Gottes und der Menschen zu unterscheiden. Gott hat eine dreifache Weise, durch die Menschen zu wirken. Erstlich leben und weben wir alle in ihm, woraus folgt, dass alle unsere Bewegungen aus seiner Kraft fließen. Zum andern neigt und treibt er in besonderer Weise die Gottlosen, wohin er will: obgleich sie selbst durchaus nicht daran denken, bedient er sich ihres Wirkens, damit sie sich gegenseitig aufreiben und verderben, oder damit er sein Volk durch ihre Hand züchtige. Von dieser Weise redet der Prophet hier. Drittens lenkt Gott die Menschen durch seinen Geist der Heiligung, was aber nur die Auserwählten betrifft. Mögen uns also Tyrannen oder Räuber oder sonst jemand lästig fallen, mögen fremde Völker gegen uns aufstehen, so soll uns in allen stürmischen und verworrenen Umtrieben immer Gottes Hand entgegen leuchten, damit wir nicht meinen, dass irgendetwas durch Zufall geschehe.

V. 6. Ich will ihn senden wider ein Heuchelvolk. Der Prophet verfolgt noch den Gedanken, dass Assur die Rute des Zornes Gottes ist. Denn wie ein Vater nicht aufs Geratewohl die Rute nimmt, sondern seinen Sohn damit züchtigen will, so will der Prophet sagen, dass Gottes Rute kein unbestimmtes Ziel hat, sondern dazu bestimmt ist, sein undankbares und verbrecherisches Volk zu züchtigen. Ein Heuchelvolk oder ein verkehrtes Volk heißt Israel in dem Sinne, dass in ihm nichts mehr unversehrt und rein ist. Denn der Gegensatz zur Heuchelei ist ein aufrichtiges und klares Wesen, aus welchem alle Tugenden erwachsen, wie auf der anderen Seite ein unlauteres Gebaren der Quell aller Laster ist. Also erhebt der Prophet hier nicht eine leichte Anklage wider die Kinder Israel, sondern wirft ihnen das Allerschlimmste vor. Darum nennt sie Gott auch sofort: Volk meines Zorns, wie später einmal die Edomiter das Volk seines Banns heißen (34, 5). Gewiss ist der einfache Sinn, dass der Herr den Juden feindlich ist: aber in der hebräischen Ausdrucksweise liegt ein besonderer Nachdruck. Sie besagt, dass dies Volk dem Verderben geweiht ist, weil es nur Stoff für den Zorn Gottes in sich trägt. Denn Gott zürnt nur, wenn wir ihn mit unsern Untaten reizen; und nur wenn die Gottlosigkeit auf den Gipfel gestiegen, entbrennt sein unversöhnlicher Grimm. So wird heuchlerischen und treulosen Menschen, die unablässig Sünde auf Sünde häufen, die Aussicht auf Aussöhnung abgeschnitten. Darnach wird gesagt, dass der feindlichen Grausamkeit die Zügel gelockert wurden und die Assyrer nun in allen Räubereien und Schändlichkeiten sich schrankenlos ergehen können. Das ist nicht so gemeint, als hätten sie einen Auftrag von Gott, mit dem sie sich entschuldigen könnten. Denn Gottes Verordnungen ergehen in einer doppelten Weise: einmal durch seinen verborgenen Rat, dessen die Menschen sich nicht bewusst sind, das andere Mal durch sein Gesetz, welches freiwilligen Gehorsam fordert. Diesen Unterschied gilt es festzuhalten, damit man den Schwärmern, die zur Entschuldigung ihres gottlosen Wesens über Gottes Rat frivole Reden führen, in rechter Weise entgegentreten könne. Wenn der Herr im Gesetz seinen Willen kundtut, habe ich nichts nach seinem verborgenen Rat, der mir unbekannt bleiben soll, zu fragen, sondern einfach in Gehorsam zu beharren. Wenn jemand vorgibt, dem Herrn zu gehorchen, während er doch seiner bösen Lust folgt, der lügt: denn er fühlt sich im Gewissen schuldig und wird vergeblich die Schuld seiner Sünde auf Gott schieben. Man braucht hier keinen anderen Zeugen und Richter, als das eigene Gewissen. Gewiss benützt Gott auch den Dienst des Frevlers: dieser selbst hat aber dabei eine ganz andere Absicht. In Rücksicht auf die Menschen ist es also nur eine Nebenerscheinung, dass Gott durch Frevler und Verworfene sein Werk tut: denn sie wissen weder, dass sie dem Herrn dienen, noch liegt dies in ihrer Absicht. Wenn sie also diesen Vorwand gebrauchen, können sie leicht überführt werden, dass sie im Grunde nicht dem Befehl des Herrn, sondern nur der eigenen Lust folgen wollen. Sie haben Gottes ausdrücklichen Willen im Gesetz vor sich und haben ihn nirgends anderswo zu suchen. Sieht man auf ihre Absicht, so tun sie nicht Gottes, sondern des Teufels Werk, indem sie der eigenen Leidenschaft dienen. Die Assyrer waren sicherlich durchaus nicht gewillt, dem Herrn ihre Dienste zu leihen, sondern ließen sich durch böse Lust, Hoffart und Habgier treiben. Dabei lenkte der Herr ihre Unternehmungen und Pläne zu einem ganz anderen, ihnen selbst unbekannten Ziel. Unsere Stelle will hauptsächlich besagen, es werde ein seltenes und ungewöhnliches Beispiel der Rache Gottes sein, dass die Assyrer mit ungezügelter Freiheit einbrechen werden: sie sind von Gott geschickt, nicht um Israel menschlich und mit Maßen zu behandeln, sondern um es in feindlicher Weise auszurauben. So heißt es endlich, dass Israel wie Kot auf der Gasse zertreten werden soll. Die Besiegten sollen also nicht geschont, sondern in der schmählichsten Weise misshandelt werden.

V. 7. Wiewohl er's nicht so meinet. Da die Gottlosen, wenn sie ihren Übermut ausschäumen, schwache Gemüter erschrecken, als könne Gott ihren Stolz und Grimm nicht zähmen, so tritt der Prophet bei Zeiten diesem Irrtum entgegen und mahnt die Gläubigen, dass sie auch bei ungezügeltem Erguss der gottlosen Frechheit doch fühlen sollen, wie Gottes verborgenes Gericht sie mit Recht züchtigt. Er zeigt, was wir schon sagten, dass die Assyrer auf etwas ganz anderes bedacht sind, als dem Herrn ihre Dienste zu leihen und die Vollstrecker seines Zorns zu werden. Der Prophet lässt uns die wunderbare Kunst Gottes sehen, sie wider Wissen und Willen sich dienstbar zu machen: mochten ihre Unternehmungen und Pläne auf etwas ganz anderes zielen, so soll dies doch Gott nicht hindern, durch sie auszuführen und zu erfüllen, was er beschlossen hat. Man konnte auch darüber murren, dass Gott das auserwählte Volk von gottlosen Heiden untertreten ließ; dies sei eine verkehrte Ordnung, und trotz aller Sünden der Juden sei es doch nicht recht, dass sie schlechter gestellt würden als jene Räuber, die wegen ihrer Gottlosigkeit und ihrer Verbrechen die härteste Strafe verdienten. Darum verkündet der Prophet, dass auch die Assyrer an die Reihe kommen und zur rechten Zeit der gerechten Strafe verfallen sollen. Inzwischen aber sei es durchaus nicht ungereimt, dass sie andere bedrücken, ausrauben, verschlingen und töten, da ja auch ihnen ihr Lohn bereitliege. Der Prophet lindert auch den Schmerz der Frommen und erleichtert ihre Angst und Beschwerde, indem er darauf hinweist, dass Gott den Übermut der Frevler zügelt, damit sie nicht alles Beliebige ausführen können. Mögen die Gottlosen noch so wüst lärmen, - so wird Gott vom Himmel her sein Gericht üben und für die Rettung seiner Gemeinde sorgen. Mögen die Assyrer wie wilde Tiere in Raubbegier brennen, so soll man die Augen zu Gott erheben, dessen Rat über jenen blinden Ansturm weit hinausgreift.

V. 8. Denn er spricht usw. Jetzt wird der Grund angegeben, weshalb der Assyrer sich nicht als die Rute in Gottes Hand ansieht: in seinem verblendeten Stolz erkennt er keine Herrschaft über sich an. Leute, die im Vertrauen auf ihre Größe mit ihren Kräften alles glauben ausrichten zu können, sind ja außerstande sich der göttlichen Vorsehung zu unterwerfen. Erst dann lässt man dem Herrn in Wahrheit seine Herrschaft, wenn man ohne seinen Wink nicht einmal glaubt den kleinen Finger rühren zu können. Wer dagegen sich selbst auch nur das geringste Vermögen zuschreibt, begeht einen übermütigen Raub am Heiligtum und nimmt Gottes Macht für sich in Anspruch. So malt der Prophet hier anschaulich aus, wie der Übermut des heidnischen Königs sich rühmt, alles ausrichten zu können. Pflegen doch große Fürsten sich durch ihre Mittel, Reichtümer und Kräfte so verblenden zu lassen, dass sie sich kaum mehr als Menschen einschätzen. Ihr Geist wird trunken und toll, sodass sie glauben, alles, was sie unternehmen, sofort durchsetzen und alle Hindernisse überspringen zu können.

V. 9. Ist Kalno nicht wie Karchemis? Hier werden einige Städte genannt; denn dies halte ich für richtiger, als mit anderen Auslegern an Länder zu denken. Der Assyrer will sagen: Sollte es nicht den Städten, die ich noch nicht unterworfen habe, ganz ebenso gehen, wie den anderen, die mir Widerstand zu leisten wagten? Er vergleicht also Kalno, Arpad und Samaria, die er später besiegt, mit Karchemis, Hamath und Damaskus, die er früher besiegt hatte, und erklärt, dass diese nicht stärker sein werden, als jene. So pflegen die Gottlosen aus ihren Taten Stoff zu Selbstruhm und Übermut zu nehmen: sie wähnen, dass sie alle Hindernisse durchbrechen können, und dass nichts ihren Plänen und Anläufen zu widerstehen vermöge. Sie glauben sogar alles gegen Gottes Willen und Wissen durchzusetzen. Wenn wir dies lesen, wollen wir lernen, dass wir nicht stolz werden dürfen, weil wir stark waren oder uns etwas nach Wunsch gelungen ist. Denn die Hand dessen, der uns emporhob, kann uns auch stürzen. Wenn nun dem Assyrer schon jene äußere Selbstüberhebung zum Vorwurf gemacht wird, wie viel strafwürdiger sind dann die Leute, die das Lob der Gerechtigkeit und Heiligkeit sich selbst zusprechen, als könnten sie durch eigene Kraft wiedergeboren werden! Sie berauben ohne Zweifel den Herrn seiner Ehre und maßen sein eigenstes Werk sich an.

V. 10. Wie meine Hand gefunden hat usw. Jetzt folgt ein noch maßloserer Ausbruch: der Assyrer überhebt sich nicht bloß über Menschen, sondern über Gott, insbesondere über die Götter, die er verehrte. Er rühmt sich, dass die Götter, unter deren Schutz die anderen Völker standen, ihm nicht zu widerstehen vermochten, sodass er diese Völker unterwarf. Darum werde auch der Gott Israels, auf den Jerusalem und Samaria trauten, ihm nicht besser widerstehen. Die Gottlosen in ihrem Übermut schreiben die Siege, die sie gewinnen, ihren Kräften zu und erheben sich damit unbedenklich wider den Herrn und alles, was Gott heißt. Sie geben zwar vor, ihre Gottheiten, das ist die Götzen, die sie sich erdacht haben, zu verehren; sie grüßen dieselben und bringen ihnen Opfer, womit sie den Schein erwecken, dass sie ihre Siege auf die Rechnung der Götter setzen. Aber im tiefstem Grunde ist es, wie Habakuk (1, 16) sagt, dass sie ihrem Netze opfern und ihrem Garn räuchern, indem sie sich nämlich ihrer Taten, Ratschlüsse, Schliche und Bemühungen rühmen. So enthüllen sie ihre Heuchelei und lassen ihre geheimen Gedanken sehen, die sich unter der Hülle des Heuchelwerks verbargen: denn was sie der Gottheit zuzuschreiben schienen, nehmen sie alsbald für sich selbst in Anspruch. So wundert es uns nicht, dass Sanherib sich über jegliche Gottheit erhob: das ist die Frucht der Gottlosigkeit. Es liegt aber darin eine doppelte Lästerung: erstlich stellt er sich selbst über Gott und wähnt, stärker zu sein als er. Zum andern rückt er den Herrn in die Reihe der falschen Götter. Ein hinreichender Beweis seiner Gottlosigkeit war es schon, dass er sich allein über alle Götzen erhob. Denn wenn die Götzen auch nichts sind, so schreiben ihnen ihre Anbeter doch etwas von Kraft und Gottheit zu. Und wenn sie nun hochmütig ihrer spotten, zeigen sie sich als Verächter jeglicher Gottheit. Denn sie beleidigen ihre Götzen ganz ebenso, als wenn sie es mit Gott selbst zu tun hätten. Ihr Gewissen bezeugt ihnen, dass sie wider Gott Krieg führen, und keine Unwissenheit dient ihnen zur Entschuldigung, da sie ja in den Götzenbildern Gott zu sehen glauben. Denn wenn ein solcher Tyrann über Apollo oder Jupiter wegwerfend sprach, so verachtete er dieselben nicht als Götzen, sondern als Gottheiten. Die zweite Lästerung des Tyrannen aber bestand darin, dass er den lebendigen Gott mit den erdachten Götzen der Heiden auf eine Linie stellte und ihn zugleich mit den andern zu beleidigen wagte: denn er spottete über Israels Glaubenszuversicht, als ob des Herrn Macht auch nicht größere wäre, als der Götzen.

V. 12. Wenn aber der Herr usw. Bis dahin hat der Prophet beschrieben, wie hochmütig sich der Assyrer gebärdet, nachdem er den Sieg über Israel gewonnen hat. Jetzt aber zeigt er an, was dem Assyrer selbst zustoßen soll und was Gottes Rat über ihn ist. Denn die Gottlosen tun in allen Stücken so, als wäre kein Gott im Himmel, der allem ihrem Planen ein Ziel setzen könnte. Denn was anders besagen jene stolzen Worte (V. 10): Meine Hand hat gefunden die Königreiche der Götzen, als dass er sich allen Göttern überlegen hielt? Gott aber stellt sich wider seine Unternehmungen, und nachdem er sich dieses Werkzeugs bedient hat, straft er auch ihn. Unsere Aussage hat zwei Hauptstücke. Erstlich verkündet der Prophet, dass der Herr den gottlosen König strafen müsse. Sodann erinnert er, um die Gläubigen zur Geduld zu stärken, dass jetzt die Zeit dafür noch nicht ist. Erst dann wird Gott die Zeit zum Handeln für gekommen achten, wenn er die Sünden seiner Gemeinde gebessert hat, - gleichwie ein Hausvater verwirrte Verhältnisse in seiner Familie zurechtbringt. Darauf zielt der Rat, die Gläubigen möchten den Mut nicht verlieren, wenn sie den gottlosen Tyrannen so übermütig sehen, noch die Hoffnung auf Rettung wegwerfen, als könnte er durch keinen Zügel gebändigt werden. Alles in allem verspricht Gott, dass er dem Assyrer zwar gestatten wird, sich maßlos übermütig zu gebärden, dass er dann aber als Rächer auftreten werde. Denn es ist sein Amt, den Hochmut des Fleisches zu dämpfen, namentlich wenn er sich mit Lästerung verbindet. So hoch der Assyrer sich erhebt, so werden doch Gottes Strafen auch über diese Höhen gehen. Bildlich ist von einer Frucht des Hochmuts die Rede: denn die Gottlosen halten es für Glück und Genuss, sich stolz aufzublähen, als hätten sie davon irgendwelche Frucht. Zuerst deutet der Prophet auf diese Gesinnung des Herzens, welches der Sitz des Hochmuts ist und welches in Selbstüberhebung trotzige Schmähungen ausschäumt. Darnach spricht er von den hoffärtigen Augen, in welchen sich die innere Gesinnung des Herzens verrät, und die durch ihre stolze Erhebung auf den verborgenen Fehler schließen lassen. Wie hoch aber der Assyrer seine Augenbrauen hebt, so hat Gott doch Mittel in der Hand, seine Herrlichkeit plötzlich in Schande und Schmach zu wandeln. Mit alledem werden verächtliche, hochfahrende und stolze Gebärden und Mienen beschrieben, als Zeichen übergroßen Selbstvertrauens, wie man sie an hochfahrenden Menschen zu beobachten pflegt. Dabei führt der Prophet den Herrn selbst redend ein: denn was Gottes Mund verkündet, wirkt viel nachdrücklicher, als was der Mund des Propheten reden könnte. Daraus entnehmen wir eine allgemeine Lehre: der Herr kann das hochfahrende Wesen stolzer Leute nicht tragen, sondern stößt es zu Boden. Er führt einen beständigen Krieg wider hochfahrende Verächter. Zu beachten ist aber, dass der Prophet eine Beschränkung hinzufügt, um dem Gedanken an gar zu große Eile zu begegnen: der Herr muss erst all sein Werk ausgerichtet haben. Denn sobald wir einen übermütigen Menschen sehen, wundern wir uns, dass der Herr ihn trägt. Hier aber zeigt Jesaja, dass der Herr jenen stolzen Tyrannen, der sich freilich frech überhebt und brüstet, noch duldet, weil er ihn als Werkzeug gebrauchen will. Nicht jede Zeit ist dem Herrn gelegen, die Gottlosen zu zerbrechen, sondern man hat geduldig zu warten. Wenn er das Reich Juda gezüchtigt, also seine Hausgenossen zur Ordnung gebracht hat, wird er nicht säumen noch verweilen, auch den äußeren Feind zu strafen. So pflegt ein Vater die Rute, mit welcher er seinen Sohn geschlagen hat, wegzuwerfen oder zu zerbrechen. Der Berg Zion wird bildlich als Bezeichnung der Gottesgemeinde genannt. In dem gleichen Sinne ist von Jerusalem die Rede: der Tempel und die königliche Stadt, die gleichsam das Haupt des ganzen Leibes sind, werden genannt, wobei doch das ganze Königreich gemeint ist. Dass der Herr „all“ sein Werk erst vollenden will, wird ausdrücklich gesagt, weil unsere unzeitige Eile nur zu gern den Herrn von seinem Werk abrufen möchte, auch wenn er es erst eben begonnen hat. Besonders gegen die Gottlosen poltern wir ein derartiges Begehren heraus: kaum lässt sich unsere Ungeduld zügeln; Gott soll sofort unsere Sehnsucht stillen und sie strafen. Diesen Eifer will der Prophet mäßigen: wir sollen den väterlichen Züchtigungen Gottes freie und volle Zeit lassen. Denn dass Gott all sein Werk vollendet, will besagen, dass er dafür ein gebührendes Maß beansprucht. Das ist eine nützliche und sehr tröstliche Lehre. Denn wir sehen, wie die Gottlosen wunderbar hoch herfahren und sich dem Herrn gegenüber als Sieger gebärden, wie sie seine Lehre mit Vorwürfen und Schmähungen verfolgen, sodass sich ihre Frechheit kaum mit Worten beschreiben lässt. Würde nun Gott uns willfahren, so müsste er sofort herbei fliegen, sie zu zerbrechen und zu vernichten. Aber er will zuvor durch sie seine Gemeinde demütigen. Denn nicht von Syrern oder Ägyptern ist hier die Rede, sondern von Juden, von Zion und dem Tempel, von der Wohnstätte, die der Herr sich geheiligt hatte. So leidet die Kirche auch heute an verschiedenen Krankheiten, die der Herr heilen und reinigen will. Er hat damit angefangen: aber es wäre eine Täuschung zu glauben, dass er all sein Werk schon getan hätte. Er wird also nicht aufhören, bis er uns derartig gebändigt hat, dass wir in wahrer Gottesfurcht und mit rechter Bescheidenheit und Gelehrigkeit sein Joch auf uns nehmen. Darum dürfen wir uns nicht wundern, dass er den Tyrannen die Zügel schießen und sie noch immer gegen seine Gemeinde wüten lässt. Aber der Trost liegt bereit: nachdem er sie als Werkzeuge gebraucht, seine Gemeinde zu züchtigen, wird er ihren Stolz und ihre Anmaßung heimsuchen. Auch darüber dürfen wir uns nicht wundern, dass Gott seine Auserwählten zuerst schlägt: er beweist damit, dass er ganz besonders für ihr Heil sorgt. Es muss also das Gericht am Hause Gottes anfangen und erst darnach zu den Fremden fortschreiten, die auch härtere Plagen erdulden werden.

V. 13. Ich habe es durch meiner Hände Kraft ausgerichtet. Noch einmal wiederholt der Prophet die lästerlichen Worte, die der Assyrer herauspoltert. Alle Siege, die er gewonnen, schreibt er seiner Macht und Weisheit zu. Unter seiner Hände Kraft versteht er die ungeheuren Heere, die aus verschiedenen Völkern gesammelt waren. Zugleich aber rühmt er sich selbst als einen kriegerischen König, wie denn derartige Prahlhänse das Lob für alles, was unter ihrer Oberherrschaft geschehen ist, für sich zu beanspruchen pflegen, auch wenn sie selbst müßig im Schatten saßen. Des Weiteren rühmt sich der König seiner Weisheit und klugen Umsicht. Ohne Zweifel denkt er bei diesem ehrenvollen Titel an die betrügerischen und pfiffigen Künste, mit denen er die Nachbarvölker umgarnt hatte. Das pflegt ja die Kriegsweise der Könige und Fürsten zu sein, mit zweifelhaften Schlichen den Frieden zu stören, Vorwände zum Streit auszudenken, Samen der Zwietracht zu säen, kurz mit ihren Praktiken alles durcheinander zu bringen. Dass der Assyrer die Länder anders geteilet, will besagen, dass er die Grenzen seiner Herrschaft erweitert und neue Landschaften seinem Gebiet einverleibt hat, sodass nun deren besondere Grenzen dahin fielen. Er fügt auch hinzu, dass nichts verborgen und versteckt genug war, dass es ihm nicht zur Beute fiel. Denn der Satz, dass er ihr Einkommen geraubt habe, wäre buchstäblich zu übersetzen, dass er ihr Verborgenes sich angeeignet. Seine Schlauheit hat es zustande gebracht, dass er die Nachbarn in seine Netze zog, ihre Schätze fischte und alles, was versteckt war, an sich lockte.

V. 14. Meine Hand hat gefunden die Völker usw. Der Assyrer fügt hinzu, dass es ihm keine Mühe machte, die Könige zu überwinden und ihre Schätze zusammenzubringen. Er macht dies mit einem Gleichnis klar: es ging, wie wenn jemand ein Vogelnest findet, das von den Vögeln verlassen ist, sodass er die Eier ohne Schwierigkeit nehmen kann. Denn wenn die Vögel darauf sitzen, werden sie in ihrem angeborenen Eifer für ihre Brut gegen den Räuber fliegen, ihn mit dem Schnabel angreifen oder mit Zischen und Schreien zu vertreiben suchen. Hier aber rühmt der Tyrann, dass niemand da war, der gegen ihn auch nur zu murren wagte, sodass er ohne Mühe alle Königreiche zusammenraffen konnte. Darum schreibt er dies alles sich und seiner Weisheit zu: Gottes Vorsehung erkennt er nicht an. Diese Prahlereien führt der Prophet mit Absicht wörtlich an, um zu zeigen, dass es lauter Fackeln sind, die den Zorn Gottes anzünden müssen. Denn wenn solch hochfahrendes Wesen schon unter Menschen unerträglich ist, wie sollte Gott es nicht dämpfen!

V. 15. Mag sich auch eine Axt rühmen? usw. Jetzt ergeht ein noch offenerer Spott über den tollen Übermut des Assyrers, der sich aus nichts goldene Berge machte. Es ist dies ebenso, als wollte eine Axt oder eine Säge die hand verachten, die sie in Bewegung setzt, und sich ihrer Geschicklichkeit rühmen, während doch offenbar ist, dass sie eine eigene Bewegung gar nicht haben. Der Sinn ist klar, wenn auch die schwierigen Worte im Einzelnen sehr verschieden übersetzt werden. Der zweite Satzteil wird besagen wollen, dass die Rute sich groß macht gegen die Hand, die sie erhebt, und nicht daran gedenkt, dass sie Holz ist. Welch wunderliches Schauspiel! Hatte also der Prophet zuvor dem Assyrer vorgeworfen, dass er die erworbenen Siege auf Rechnung seiner Pläne und Waffen setzte, so sagt er jetzt, dass er sich damit gegen Gott rühmend erhebt, gleichwie ein Beil die Hand des arbeitenden Künstlers für nichts achten und die Anerkennung für sich beanspruchen möchte. Daraus ersehen wir, dass die Menschen sich wider Gott erheben, wenn sie sich selbst mehr zuschreiben, als recht ist: so führen sie nicht nur mit Menschen, sondern mit dem Herrn Krieg. Weg also mit jenen stolzen und lästerlichen Reden: Das habe ich mit meiner Kraft, Weisheit und Mühe erreicht, geplant und durchgeführt! Denn der Herr ist ein eifriger Gott und lässt seine Ehre keinem andern. Sehr bemerkenswert sind jene Vergleiche, welche die Menschen mit Werkzeugen auf eine Stufe stellen. Wir haben dabei nicht an die allgemeine Vorsehung zu denken, welche die Bewegung aller Kreaturen trägt: das ist der Gedanke von Leuten, die, weil sie es durchaus nicht leugnen können, zugeben, dass alles vom Herrn in Bewegung gesetzt wird, dann aber hinzufügen, dass ein jegliches Ding sich nach seiner Natur bewege, wie die Sonne, der Mond und der ganze Himmel. Dabei bildet man sich ein, dass der Mensch durch eignen Rat und freien Willen hierhin oder dorthin sich neigen könne: Gott soll dabei nichts anderes leisten, als dass er die von Anfang gegebene Kraft erhält. Dies ganze Gedicht läuft aber darauf hinaus, dass Gottes Hand zwar das ganze Weltgebäude hält, dass aber seine Vorsehung mit der Regierung der einzelnen Bewegungen nichts zu tun habe. So führt man Regen oder heiteres Wetter schließlich auf Gott zurück, sofern er der Schöpfer der Natur ist. Im eigentlichen Sinne soll aber Gott darüber nichts verfügen, sondern der Regen soll aus den feuchten Dünsten kommen und heiteres Wetter sich durch andere natürliche Ursachen einstellen. Der ganz unfassbare Einfluss, den man dabei dem Herrn noch belässt, ist aber kaum der tausendste Teil des kraftvollen Regiments, welches er selbst für sich in Anspruch nimmt. Mit Recht betrachtet hier also Jesaja den Herrn als den, der jede einzelne Bewegung hervorruft, der die Menschen wie hölzerne Werkzeuge zu ihm beliebigen Zwecken bestimmt, der ihre Ratschlüsse lenkt, ihre Unternehmungen leitet und ihre Bewegungen im Zaum hält. So dürfen wir wissen, dass alles an seiner Vorsehung, nicht an der Laune der Gottlosen hängt. Man erklärt es freilich für abgeschmackt, die Menschen mit Beilen und Schwertern zu vergleichen und ihnen damit Wille und Urteil, also die eigenartigen Merkmale abzusprechen, die sie von leblosen Wesen unterscheiden: auf diese Weise mache man aus Menschen Stöcke und Steine. Aber die Antwort liegt bereit: wenn auch Gott die Menschen mit Steinen vergleicht, so folgt doch nicht, dass die Übereinstimmung sich auf alles und jedes erstreckt. Es gilt aus solchem Gleichnis den wesentlichen übereinstimmenden Punkt herauszuheben. Wie ein Stecken sich nicht hierhin oder dorthin bewegen kann, aber doch seiner Natur nach geeignet ist, Schläge auszuteilen, so haben auch die Gottlosen eine bestimmte Naturanlage, können sich aber nicht hierhin oder dorthin wenden, wenn sie nicht durch Gottes Vorsehung und verborgenen Rat geleitet werden. Es hindert also die Naturanlage nicht, dass nicht die Tat selbst ganz und gar des einigen Gottes Werk sein könnte. Die Erinnerung an den menschlichen Willen ist hier durchaus nicht am Platze. Denn wenn Gott die Willensentschlüsse der Menschen sich unterwirft und ihre Absichten und Strebungen zu seinem beliebigen Ziel leitet, so hören die Menschen doch nicht auf, Pläne zu erwägen und zu betreiben. Es ist hier nicht von einer Zwangsgewalt die Rede, als triebe Gott die Menschen wider ihren Willen: vielmehr leitet er in wunderbarer und unbegreiflicher Weise alle Regungen der Menschen, wobei ihnen doch der eigne Wille bleibt. An unsrer Stelle prägt Jesaja insbesondere ein, dass alle Versuche von Menschen vergeblich sind, wenn ihnen der Herr nicht Erfolg verleiht. So würde auch der Assyrer trotz aller seiner Anstrengungen nichts erreicht haben, wenn ihm Gott nicht seine Siege gegeben hätte. Er hat darum keinen Grund, das Lob für das sich anzumaßen, was er doch nur unter Gottes Leitung erreicht hat. Dies wird auch durch das Gleichnis bestätigt, welches uns zeigt, dass die Erhebung des Stocks durch den Willen des Bewegenden, nicht durch die Natur des Holzes zustande kommt.

V. 16. Darum wird der Herr usw. Der Prophet verfolgt noch immer den gleichen Gedanken: der Herr wird dem Assyrer zeigen, dass er sich zu Unrecht erhebt, und wird seinen Hochmut, in dem er sich töricht gefällt, zu Boden stoßen. Während er auf seine Hilfsmittel und Reichtümer vertraut, wird der Herr sie ihm nehmen. Dies wird so ausgedrückt, dass der Herr unter die Fetten Assurs die Darre senden wird. „Fette“ Leute sind solche, die Reichtümer und kriegerische Gewalt besitzen. Unter der „Darre“ ist dann der Mangel und die Entblößung von allen den Dingen zu verstehen, auf welche sie nur zu sehr vertrauten. Was also an Assur fett und reif war, wird der Herr gänzlich auszehren. Es ist übrigens ein geläufiges Bild, dass ein glücklicher Zustand unter dem Bilde fetten Gedeihens dargestellt wird. Denn wie gar zu wohlgenährte Pferde widerspenstig werden, sodass sie ihren Reiter abwerfen und ausschlagen, sobald man sich ihnen nähert, so werden auch Menschen durch Übersättigung übermütig und können nur durch „Darre“ gebändigt werden. Sehr passend ist auch das folgende Gleichnis: seine Herrlichkeit wird er anzünden. Je glänzender also der Zustand ist, desto reicheren Stoff soll er der Feuersbrunst bieten. Zugleich wird angedeutet, dass die Herrlichkeit gänzlich zunichte werden soll, gleichwie man einen Baum an der Wurzel abhackt, oder ein Haus von Grund aus zerstört. Werden nur die Zweige eines Baumes abgeschnitten, so schlägt er ja leicht wieder aus; wird das Dach eines Hauses angezündet, so können die übrigen Teile unversehrt bleiben. Es soll also für Assur nichts übrig gelassen werden, sondern es soll der äußersten Vernichtung anheim fallen.

V. 17. Und das Licht Israels usw. Dieser Ausdruck spielt in feiner Weise auf das Feuer an, das die Assyrer, wie der Prophet soeben gedroht hatte, verzehren sollte. Denn das Feuer besitzt Licht und Glut zugleich. Wie der Herr mit seiner Glut die Feinde verzehrt, so erleuchtet er die Frommen mit seinem Licht. Darum ist es geläufig, dass der Herr bald ein verzehrendes Feuer, bald unter anderem Gesichtspunkt ein Licht genannt wird, weil seine Kraft sich gegen die Frommen in entgegen gesetzter Weise äußert, wie gegen die Unfrommen. Indem er den Frommen leuchtet, erhält und erquickt er sie: die Gottlosen dagegen verzehrt er und richtet sie zugrunde. Alles in allem: den Assyrern wird ein solches Verderben angedroht, welches den Frommen zugleich Trost bringen soll. Dies geschieht in doppelter Weise: sie werden sehen, dass Gott das Unrecht straft, welches sie tragen mussten; sodann werden sie durch sein Licht erheitert und empfangen neues Leben. Wie dieses Licht beschaffen ist, erläutert der Prophet klar und ohne Bild, indem er auf den Heiligen Israels hinweist. Nun bedürfen wir keiner längeren Erklärung. Weil Gott sein Volk sich erwählt und aus allen Geschlechtern zu seinem Eigentum genommen hat, will er es auch schützen. Aber die Gnade Gottes, die in Israel leuchtet, soll für die Feinde ein verzehrendes Feuer werden: auf Einen Tag, das ist plötzlich, wird es sie in unerwartetem Aufflammen vernichten. Ganz überraschend wird es wie eine Feuersbrunst über die Gottlosen kommen, wenn sie wähnen, fern von aller Gefahr ein Wohlleben führen zu können. Alles, womit sie sich schützen wollen, wird wie Werg sein, welches die Flammen im Augenblick vernichtet, sobald sie es ergriffen hat.

V. 18. Und die Herrlichkeit seines Waldes usw. Der Prophet verweilt noch immer bei dem Bilde einer Feuersbrunst: der Brand soll das Höchste wie das Niederste verzehren und nichts übrig lassen. Es kann ja sein, dass ein Feuer in der Höhe wütet, aber tiefer gelegene Partien verschont. So will der Prophet sagen, dass nicht bloß dem Hochwald der Untergang droht, sondern dass auch der Baumgarten und die auf seinem fruchtbaren Boden angelegten Saaten verzehrt werden sollen. Denn das Feuer wird nicht bloß oben einherfahren, sondern auch in die Gründe dringen. Ein weiteres Bild muss die Beschaffenheit des Menschen liefern: von den Seelen bis aufs Fleisch. Wie der Mensch aus Leib und Seele besteht, so können Krankheiten jeden dieser Teile gesondert befallen. Denn oft ist bei gesunder Seele der Leib krank und umgekehrt; wenn sich aber eine Krankheit beider Teile verbindet, so ist dies überaus gefährlich. Es kündigt also dies Gleichnis an, dass bei den Assyrern nichts unversehrt und heil bleiben wird: sie sind dem äußersten Verderben geweiht und werden nach Fleisch und Seele den Untergang erleiden, - nicht als wären die Seelen sterblich: aber die Rache Gottes wird auch auf sie fallen. Das ist gewiss schrecklich. Denn sonst ist es das Ziel einer Züchtigung, dass das Fleisch zugrunde geht, damit der Geist gerettet werde. Was lässt sich aber Jämmerlicheres sagen oder denken, als dass auch der Geist verderbt werden soll! Denn die Flamme beleckt die Frommen nur, verzehrt sie aber nicht, wie die Gottlosen, in welchen sie nur brennbare Stoffe vorfindet.

Es wird sein, wie wenn der Fahnenträger fällt. Dies Gleichnis beschreibt, wie die bisherigen, die allerschlimmste Niederlage: denn wenn die Fahne genommen ist, wird das Heer gänzlich geschlagen, und es pflegt ein schlimmes Morden zu folgen, - wie denn die Geschichtsschreiber, wenn sie von der grausamsten Niedermetzelung berichten wollen, zu sagen pflegen, dass die Feldzeichen genommen seien. Diese Drohung spricht aber der Prophet nicht zum Besten der Assyrer aus, damit sie etwa aus der Mahnung Nutzen ziehen oder sich zur Buße wenden. Sie soll vielmehr den Frommen Trost bringen. Sie sollen nicht glauben, dass die Assyrer ungestraft davon kommen werden, da sie so grausam gegen Gottes Volk wüten. Der Herr hat seine Verheißung nicht vergessen, noch ist er unfähig, ihre Anschläge zu zerbrechen. Solche Zweifelsgedanken hätten sich in die Seelen eingeschlichen, wäre dem der Prophet nicht rechtzeitig entgegen getreten. Dass (V. 19) die übrigen Bäume des assyrischen Waldes mögen gezählet werden, will nach hebräischer Sprechweise besagen, dass es nur eine geringe Zahl sein wird. Selbst ein Knabe, der sonst kaum bis drei oder vier zählen kann, wird sie zählen und aufschreiben können. Es war also das assyrische Reich vormals wie ein ungeheurer Wald, - aber dessen Bäume werden abgerissen und niedergeworfen, sodass nur hier und dort noch einer zu sehen ist.

V. 20. In der Zeit werden die Überbliebenen in Israel usw. Jetzt wendet sich der Prophet wieder zum auserwählten Volk und beschreibt die Frucht, welche die bevorstehende Züchtigung bringen soll. Denn da es uns hart und herbe dünkt, Plagen und Beschwerden zu leiden, sodass wir sie, soviel an uns ist, fliehen, so zeigt uns der Herr ihre Frucht: wir sollen lernen, auf das Ziel zu schauen, damit wir Züchtigungen mit größerem Gleichmut tragen. Der Gedanke ist etwa der: Ihr hättet gewünscht, dass der Assyrer weit weg bliebe und ihr eure Bequemlichkeit in Frieden genießen könntet. Aber bedenket doch, dass diese Züchtigung als Arznei zur Heilung eurer Krankheiten notwendig ist: denn ihr erkennt nicht die Macht Gottes und lenkt euer Vertrauen von ihm hinweg auf gottlose Menschen. Es ist aber ein jämmerlicher Zustand, sich für seine Rettung auf einen Feind zu verlassen, der uns nur schlägt und lediglich ins Verderben führt, - wie sich Israel bald auf die Assyrer, bald auf die Ägypter stützte. Darum war es für die Verminderung des Volks ein nicht zu verachtender Ersatz, dass der übrig bleibende geringe Rest lernte, seine Hoffnung auf den Herrn zu setzen. Daraus sehen wir vollends deutlich, wie nötig den Israeliten die Züchtigung vom Herrn war. Die Mäßigung, die sich Gott dabei auflegte, dass trotz allem ein Rest blieb, in welchem seine wahre Verehrung aufgerichtet werden sollte, diente zu besonderem Trost. Nicht überflüssig ist auch der Zusatz: in der Wahrheit. Denn ehe sie vom Herrn geschlagen wurden, wollten sie alle als Kinder Abrahams gelten; alle bekannten sich zum Glauben und riefen unterschiedslos Gott an: das war aber reine Heuchelei, welche Jesaja tadelt. Nachdem sie aber von ihrer Unlauterkeit gereinigt sind, soll ihre Hoffnung wahrhaftig und echt werden. Jetzt freilich rühmten sie noch hochmütig ihre Zuversicht auf Gott: tatsächlich hatten sie dieselbe auf die Hilfe der Assyrer gesetzt. Wenn sie aber durch deren Hand gezüchtigt sind, werden sie lernen, auf Gott allein vertrauen und werden ihre Seele von allen menschlichen Hilfsmitteln zurückziehen. Wir entnehmen daraus, dass man seine Zuversicht auf Gott nur setzen kann, wenn man sie gänzlich von den Kreaturen abzieht. So soll man sich allein auf Gott stützen und es nicht beschwerlich finden, auf alles andere zu verzichten. Wo diese echte Zuversicht fehlt, hat auch die Wahrheit keinen Raum; das Herz ist doppelt und geteilt.

V. 21. Die Überbliebenen werden zurückkehren. Das ist eine Bestätigung des vorigen Satzes, zugleich aber wohl eine Anspielung darauf, dass (7, 3) Jesajas Sohn Sear-Jasub genannt wurde, d. h. der Rest wird wiederkehren. Denn dieser Name wurde ihm als eine Hindeutung auf den letzten Ausgang gegeben; er sollte ein Unterpfand der künftigen Befreiung sein, von welcher sein Vater geweissagt hatte. Denn die Juden bedurften mancherlei Bekräftigungen, um die feste Überzeugung zu fassen, dass der Herr sie endlich zurückbringen werde. Darauf deutet auch der Zusatz, dass sie umkehren werden zu Gott, dem Starken: wenn also das Volk von seinem früheren Abfall wiederkehrt, wird es Gott als den Hüter seines Heils anerkennen. Gott heißt ausdrücklich „der Starke“, obgleich dies eigentlich schon in seinem Namen liegt: es soll dadurch das Volk zur Zuversicht ermutigt werden. Denn aus welchem anderen Grunde nahm es seine Zuflucht zu den Assyrern und Ägyptern, als weil es seinen Gott nicht für ausreichend hielt? Es ist der Quell alles Übels, wenn wir nicht fest davon überzeugt sind, dass wir in Gott alles finden, was wir zu unserem Heil nur wünschen können.

V. 22. Denn ob dein Volk usw. Jetzt wird den Heuchlern ihr törichtes Vertrauen genommen; denn ihnen war es genug, ihre Herkunft dem Fleisch nach auf den heiligen Abraham zurückzuführen; allein auf diese Abstammung gründeten sie den Aberglauben an ihre Unverletzlichkeit. Dabei werden die Frommen zur Geduld ermahnt: sie sollen lernen, mit Sanftmut jene Niederlage und die Verminderung der großen Zahl zu erwarten und sich dadurch nicht erschrecken lassen, als geschähe etwas Unerhörtes. Sie tröstet der Prophet, damit sie die gewaltige Verstörung nicht gar zu bitter empfinden: wird doch der Herr daraus wenigstens einige Reste retten.

O Israel! Das ist eine nachdrückliche Anrede an den Erzvater, die unter seinem Namen auch allen Frommen gilt. Unter einer Anrede an den Toten verkündigt der Herr den Lebenden, dass um ihrer Unfrömmigkeit willen nicht ohne weiteres von der großen Masse gilt, was er einst versprochen hatte, dass nämlich Abrahams Nachkommen wie der Sand am Meer sein sollten. In diesem verderbten Volk soll es vielmehr eine Unterbrechung geben, und dann erst soll es erneuert werden. Auch ein anderer Trost wird hinzugefügt, dass auf die übrig bleibende kleine Schar die Gerechtigkeit überschwänglich kommen soll. Denn es besteht die Gefahr, dass wir den Mut verlieren und an Gottes Erbarmen irrewerden, wenn wir seine Gemeinde von harten Niederlagen erdrückt und dem Verderben nahe sehen. Dies empfinden diejenigen als die schwerste Anfechtung, die eine tiefe und wahre Empfindung von Gottes Gericht haben. So mussten die frommen Herzen gegen diese Anfechtung gewappnet werden: Durch Betrachtung der Frucht, die aus dieser Niederlage erwachsen sollte, konnten sie ihre Bitternis lindern: denn nun sollte die Gerechtigkeit wie ein Strom den ganzen Erdkreis überfluten. Darauf wies ja soeben schon das Wort, dass die Überbliebenen sich auf den Herrn verlassen würden. Die Aussage von der Gerechtigkeit wird verschieden verstanden. Manche beziehen sie auf die Predigt des Evangeliums, in welchem, wie Paulus sagt, die Gerechtigkeit aus Glauben in Glauben geoffenbart wird, und die sich durch den Dienst der Apostel, welche die wenigen Überbliebenen unter den Juden waren, über den ganzen Erdkreis ausbreitete. Andere verstehen den Satz dahin, dass jene Vernichtung ein Beispiel über sein Volk verhängte. Ich ziehe eine allgemeinere Deutung vor: diese Vertilgung wird hinreichen, den ganzen Erdkreis mit Gerechtigkeit zu erfüllen. Die aus derselben bleibenden, wenn auch noch so geringen, Überreste werden ausreichen, dass von ihnen aus jene Bäche der Gerechtigkeit fließen, die schließlich den ganzen Erdkreis bedecken.

V. 23. Denn der Herr wird ein Verderben gehen lassen. Diese Wiederholung soll es noch einmal den stolzen Verächtern Gottes verleiden, sich selbst schmeichelnd zu betrügen. Denn es war fast unglaublich, dass die Juden, denen so viele Verheißungen gegeben und mit denen ein ewiger Bund geschlossen war, fast in einem Moment untergehen sollten. Das schien auch mit Gottes Treue nicht zu stimmen. Darum verkündet der Prophet, dass allerdings Gott der Urheber jener Vernichtung sein werde. Er will damit den Stolz der Gottlosen niederstoßen, die im Vertrauen auf das gegenwärtige Glück sich über jede Gefahr erhaben wähnten und in dieser stolzen Zuversicht aller Mahnungen und Drohungen spotteten. Er sagt ihnen: Gott wird euer Land zur Einöde machen, sodass man inmitten, d. h. im Herzen desselben, an seinen verborgensten und wohl befestigtsten Orten, eine verlassene Wüste finden wird. – Paulus (Röm. 9, 27 f.) zitiert unsere Stelle (V. 22 f.). Da er dies aber nicht wörtlich, sondern im Anschluss an die damals geläufige griechische Übersetzung nur dem Sinne nach tut, haben sich manche Ausleger dadurch irreführen lassen. Denn wo der hebräische Text hat: „Verderben ist beschlossen“, schreibt Paulus: „Der Herr hat sein Wort gekürzt.“ Das deuten manche Ausleger auf Gesetz und Evangelium: es werden den Zeremonien und Figuren des Gesetzes ein Ende gemacht, also Gottes Wort von der Last des Gesetzes, unter welcher das Volk seufzte, befreit und dadurch in eine kurze Summe gefasst. Das hat aber mit dem Sinn des Propheten nichts zu tun. Der Satz des Paulus hat etwa den Sinn: Gott wird einen kurz angebundene Rede führen, indem er das Gericht und Verderben kommen lässt. Und der Apostel weist darauf hin, dass diese Weissagung in seiner Zeit erfüllt wurde, da die Juden mit Ausnahme eines geringen Restes wegen ihrer Undankbarkeit vom Reich Gottes abgeschnitten wurden.

V. 24. Darum spricht der Herr usw. Der Prophet verfolgt den Trost, der nur die Frommen angeht, noch weiter. Diese waren damals gewiss eine geringe Zahl. Denn sehr viele rühmten sich des Namens Gottes und wollten zu seinem Volk gezählt sein: aber wenige leisteten mit der Tat, was sie mit Worten versprachen. Also redet der Prophet jetzt nicht alle an, sondern allein diejenigen, welche des Trostes bedurften. Denn da sie nach der Zerstörung des Reiches an sich und ihrer Sache verzweifeln und von dem Geschick der andern auf das ihre einen Schluss ziehen konnten, mussten sie in der Tat getröstet werden. Auf diese Unterscheidung gilt es wohl zu achten: denn es wäre ja ungereimt, dass so verschiedene Sätze an die gleichen Leute gerichtet sein sollten. Es wird der Grund des Trostes angefügt: die bevorstehende Niederlage bedeutet nichts anderes, als dass Gott seinen Stab aufheben wird, um zu bessern, nicht um zu verderben. Dies wird geschehen, wie es in Ägypten geschah. Damit will der Prophet etwa sagen: Mag der Assyrer noch so grausam sein und auf alle Weise auf dein Verderben ausgehen, so wird er dich doch nur verwunden, nicht töten. Als Beispiel dafür dient die Knechtschaft in Ägypten, die zwar sehr hart, aber nicht tödlich war. Es ist dem Propheten geläufig, in verzweifelten und verwirrten Zuständen dem Volk jene Erlösung zur Betrachtung vorzustellen, da Gott sie wunderbar aus den Händen eines so grausamen Tyrannen wie Pharao riss. Wie also damals der Herr die Oberhand behielt und die Ägypter vertilgte, die sich zu Israels Verderben verschworen hatten, so wird er jetzt die Assyrer mit leichter Mühe überwinden. Der Herr ruft seinem Volk zu: Du hast meine Macht und Gewalt an Pharao erfahren; du wirst sie auch an Sanherib erfahren.

V. 25. Es ist noch um ein Kleines usw. Dabei denkt der Prophet nicht allein an die Belagerung, da Sanherib Jerusalem mit einem großen Heer umschloss, sondern auch an die späteren Niederlagen, durch welche Jerusalem zerstört, der Tempel zerbrochen und die Juden in die Gefangenschaft geführt wurden. Denn gegen alle die schweren Bedrängnisse musste die Frommen durch diese Verheißungen gewappnet werden. Dies gilt es wohl zu beachten. Denn wenn wir, wie andere Ausleger tun, daran nicht denken, gewinnen wir keine passende Zusammenfügung der Gedanken. Erst die Gefangenschaft war gleichsam eine Verzehrung des Volks: Babylon war wie sein Grab, das Exil wie der Tod. Als aber die gegenwärtige Not drängte, als Sanherib mit seinen Truppen den Juden hart zusetzte und die mannigfachen Ängste der Belagerung sie drückten, war der gleiche Trost nötig. Denn es schien um Juda geschehen und alle Hoffnung auf Rettung verloren. Der Trost lautet demgemäß so: Der Herr wird dein verschonen; dann wird er freilich seine Hilfe wieder auf einige Zeit verbergen und verschieben, - aber endlich wird er dich herausreißen und sich an deinen Feinden rächten, die er von Grund aus zu vernichten beschlossen hat.

V. 26. Alsdann wird der Herr Zebaoth eine Geißel über ihn erwecken. Indem Jesaja von einer Geißel, nicht aber von Rute oder Stecken redet, zeigt er an, dass der Herr die Feinde noch viel härter und herber behandeln will, als sie die Juden behandelt hatten. Denn er kündigt ihnen völlige Vertilgung an und macht dies durch zwei Beispiele deutlich: zuerst erinnert er an die Midianiter, die an dem nach ihrem Führer benannten Fels Oreb in schrecklicher Niederlage vertilgt wurden (Richt. 7, 25), sodann an die Ägypter, die er ins rote Meer versenkte, als sie sein Volk verfolgten. Wir ziehen daraus den Schluss, dass der Herr in der Rettung der Gemeinde seine Macht bewies, damit wir auch in verzweifeltstem Zustande fest im Glauben stehen und im Vertrauen auf seine Gnade trotz allem gute Hoffnung haben. Denn er pflegt sein Volk durch unverhoffte Mittel und Weisen zu befreien, wie er es unter Gideon und Mose tat. Diese Wohltaten wollen wir uns also immer ins Gedächtnis rufen, um uns mehr und mehr in der Zuversicht und Standhaftigkeit zu stärken. Wir ziehen daraus auch den Schluss, dass alle Widrigkeit, die wir leiden, eine Rute ist, mit welcher der Herr uns schlägt. Bei alledem lässt er nicht zu, dass der Satan oder seine Diener uns tödliche Streiche versetzen. Ganz im Gegenteil wartet unserer Feinde ein schreckliches Verderben, wie wir dies an den Midianitern und Ägyptern sehen. Ein Vergleich zwischen unserm und ihrem Geschick gewährt also großen Trost: wir sehen die Feinde zwar geraume Zeit frohlocken und sich frech und übermütig wider Gottes Kinder erheben; zugleich aber hören wir, welch schreckliches Urteil über sie schon gefällt ist. Sie sind vernichtendem und ewigem Verderben geweiht.

V. 27. In der Zeit usw. Es ist ungewiss, ob der Prophet hier von der Befreiung redet, die unter Serubabel stattfand, oder von jener wunderbaren Vertreibung Sanheribs, der Jerusalem mit einem ungeheuren Heer belagerte. Der letzteren Ansicht neigen sich fast alle Ausleger zu, wie denn auch der Zusammenhang darauf zu führen scheint. Denn in den nächsten Versen verzeichnet der Prophet die hauptsächlichsten Orte, durch welche Sanherib kam, bis er nach Jerusalem gelangte. Und nun schien ihn nichts mehr zu hindern, sich der Stadt zu bemächtigen. So stimme auch ich dieser Ansicht zu, gebe aber der Weissagung noch eine weitere Ausdehnung. Denn allerdings wollte Jesaja einen Trost für die Frommen bieten, welche die gegenwärtige Not drückte. Denn eine bloß auf spätere Zeit zielende Verheißung, der im nächsten Augenblick lauter Niederlagen folgten, hätte als trügerisch erscheinen müssen. Ein Beispiel: wenn der Herr mir Nahrung für das nächste Jahr verspräche, mich aber inzwischen gänzlich hungern ließe, wie könnte ich einer so weit ausschauenden Verheißung glauben, wenn mich Gott nicht aus der gegenwärtigen Not befreite? So hätte man auch die Verheißung des Herrn, er wolle das Volk aus Babel befreien und ihm in aller Zukunft gegenwärtig sein, für hinfällig halten müssen, wenn es vor den Schlund jener wilden Bestie geworfen worden wäre. Um solchem Zweifel zu begegnen, begreift der Prophet beides zusammen: Gott wird jetzt sein Volk behüten und es endlich vom Tode erretten. Andere Ausleger beschränken seine Aussage auf den Unfall des Heeres Sanherbis. Weil aber Jesaja verheißt, es werde das Joch gelöst und zerbrochen werden, ist ohne Zweifel auch an die Befreiung aus der Gefangenschaft zu denken. Dabei bekräftigt aber der Prophet, dass Gott das Volk nicht bloß aus Babel retten, sondern dass er ihm auch gegen die Belagerung durch den Tyrannen helfen und denselben nicht weiter vordringen lassen wird.

Seine Last von deiner Schulter weichen. Als Last und Joch wird die Gewaltherrschaft mit doppeltem Ausdruck bezeichnet, damit die Wohltat der Erlösung in desto hellerem Licht erscheine. Den Auslegern, die allein an Sanherib denken, gebe ich zu erwägen, dass ein so schweres Joch den Juden damals noch nicht auferlegt war. Wir wissen aus der heiligen Geschichte lediglich, dass das Volk etwas Zoll entrichtete (2. Kön. 16, 8; 18, 7). Sollte dies ausreichen, die doppelte Bezeichnung solcher Oberherrschaft zu rechtfertigen? Man könnte höchstens sagen, dass der Prophet im Blick auf die bevorstehende Gefahr so redete: denn jener Tyrann hatte wie in wildes Tier ganz Juda in seiner Gier verschlungen und derartig unterdrückt, dass es schien, sein Joch könne niemals wieder abgeschüttelt werden. Aber ich habe schon dargelegt, dass ich lieber an die fortwährende Offenbarung der Gnade Gottes bis zur Zeit der Erlösung denke.

V. 28. Er kommt gen Ajath. Da eine Belagerung der heiligen Stadt nahe bevorstand, stellt der Prophet den Zug Sanheribs den Frommen anschaulich vor Augen: so sollen sie die Sache gründlich und lange überdenken und dabei Mut sammeln. Denn diese genaue im Voraus gegebene Darstellung war sehr geeignet, die Furcht zu bannen: nun mussten die Frommen sehen, dass die Assyrer ohne Gottes Befehl keinen Fuß regen konnten. Eine genaue Erläuterung der einzelnen Ortschaften erübrigt sich. Genug, dass wir wissen, dass der Feind durch eben jene Orte seinen Weg nehmen musste, an welche die Juden schon erinnert waren.

Er lässt sein Geräte zu Michmas. Andere übersetzen, dass er es daselbst zählt oder mustert.

Ich erkläre dies nicht für unmöglich, bevorzuge aber die gegebene Übersetzung. Der Prophet will nach meiner Meinung sagen, dass der Assyrer seine Waffen, Nahrungsmittel und Kriegsgeräte zu Michmas niederlegen werde. Denn ein Führer im Kriege pflegt darauf zu achten, dass er sein Heer von solchen Hilfsmitteln nicht entferne. Man legt dieselben an einem passenden Orte nieder, von welchem dem Heer zugebracht werden kann, was es bedarf.

V. 29. Sie ziehen durch den engen Weg. Jetzt wird die Mehrzahl gebraucht, weil bisher vom Könige, jetzt vom ganzen Heer die Rede ist. Es wird nun beschrieben, wie großen Schrecken die Assyrer durch ihre Ankunft verbreiten. Die ganze Gegend war bestürzt und entsetzt, sodass sie ohne viel Mühe dem Assyrer sich unterwarf. Denn wo solche Angst die Herzen ergriffen hat, ergibt man sich freiwillig beim ersten Ansturm, sodass die Sieger nach Belieben wüten können. Rama wird namentlich genannt, weil es ein besonders nahe gelegenes Städtchen war. Auch wird hinzugefügt, dass manche schon fliehen: sie haben sich durch das bloße Gerücht schrecken lassen und haben ohne weiteres das Vaterland den Feinden eingeräumt. An den Bericht über solche Bestürzung schließt sich (V. 30) der Hinweis darauf, dass man laut schreit und heult, sodass es auch an andern Orten gehört wird. Laisa soll auf das Geschrei merken, das man in Anathoth ausstößt. Dass eine Stadt als Tochter bezeichnet wird, ist ein geläufiger hebräischer Sprachgebrauch.

V. 31. Madmena weicht. In geflissentlich übertreibendem Ausdruck wird gesagt, dass jene Stadt derartig erschüttert ward, als wolle sie auf einen anderen Ort weichen. Es ist dabei an die unruhig stürmischen Bewegungen der fliehenden Volksmasse zu denken: die Bewohner jener Stadt gebärden sich, als wenn sie diese selbst von ihrem Sitze rücken wollten.

V. 32. Man bleibet vielleicht einen Tag zu Nob. Buchstäblich wäre zu übersetzen: „Noch ist (ein) Tag, dass er zu Nob bleibt.“ Dies deutet man dahin, dass der Assyrer jetzt nur noch einen Tag in dem nahe bei Jerusalem gelegenen Städtchen verweilen werde. Ich bevorzuge aber die Ansicht, dass es noch hoher Tag ist, wenn er dort Station machen wird. So hat er Muße sich zu rüsten, am nächsten Tage die Belagerung Jerusalems zu beginnen. Der Prophet will also die Schnelligkeit des Assyrers beschreiben und zeigen, wie nahe Jerusalem am äußersten Rande des Verderbens war. Der Feind hat nur noch einen kurzen Weg zurückzulegen und wird, noch ehe der Tag zu Ende ist, in jener Stadt sich niederlassen. Dass er seine Hand regen oder schwingen wird, soll die Furcht noch steigern: der bereits die ganze Gegend besiegte, droht der Stadt Jerusalem, als könne er sie mit einem bloßen Wink erobern. Unter dem Berg der Tochter Zion ist die ganze Stadt zu verstehen: es wird aber nur der hervorragendste und am meisten in die Augen fallende Teil genannt. Aus diesem zuversichtlichen Gebaren des Tyrannen sieht man, dass Jerusalem in der äußersten Gefahr schwebte: die ganze Umgegend und die Stadt selbst war derartig verschüchtert, dass niemand mehr Widerstand zu leisten wagte. Der Hinweis auf diese Sachlage soll die göttliche Wohltat in ein besonders helles Licht rücken: denn dass Jerusalem gerettet ward, konnte man nicht menschlicher Hilfe, die eben fehlte, zuschreiben, sondern allein Gottes unvergleichlicher Gnade und Gütigkeit. Es war, als wäre ein Vogel aus dem Schlunde des Löwen gerissen.

V. 33. Siehe, der Herr wird die Äste mit Macht verhauen. Das deuten fast alle Ausleger auf die Assyrer. Sie nehmen an, dass der Prophet ihnen jene Niederlage androhe, mit welcher der Herr sie vertilgte, nachdem sie Jerusalem belagert hatten. Dann wäre der Sinn: Der Assyrer wird sich zwar in seinem Stolz erheben und Jerusalem in Händen zu haben glauben, sobald er es nur erblickt hat. Denn da bei seiner Ankunft alles bestürzt floh oder sich freiwillig ergab, wähnte er schon Sieger zu sein. Aber bald wird der Herr die Sache umkehren und jene hohen Zweige abhauen. Wenn ich aber alles genauer erwäge und namentlich auf den Satz achte: (V. 34) Der Libanon wird fallen durch den Mächtigen, - wenn ich auch den alsbald folgenden Trost in Betracht ziehe, so glaube ich vielmehr, dass unsere Stelle auf die Juden zu beziehen ist. Nach meiner Ansicht fährt Jesaja noch fort, dem Volk das bevorstehende Unglück anzukündigen. Er will etwa sagen: Der Assyrer wird nicht nur nach Nob gelangen, sondern wird die ganze Umgegend in die Länge und Breite durchwüten; was darin hoch und hervorragend ist, wird er verwüsten und umstürzen, wie wenn man die Zweige vom Baum, oder den Baum selbst von seiner Wurzel abhaut. Für dieses Verständnis finde ich auch im nächsten Kapitel eine Bestätigung, wo der Prophet für das jetzt beschriebene Unglück Trost darbietet. Denn der Zusammenhang mit unseren letzten Versen ist sehr enge: es wird für den Schmerz das passende Heilmittel bereitet. Die Kapiteleinteilung spricht dagegen nicht: denn dieselbe ist sehr oft verkehrt und wirkt verwirrend auf das ganze Verständnis. Die Auslegung des Bildes ist nun leicht. Unter den hoch aufgewachsenen Bäumen ist alles zu verstehen, was stark, vornehm und erhaben ist. Die Niederwerfung Judas wird mit dem Aushauen eines Waldes verglichen. Die Feinde werden alles vernichten, was herrlich ist, bis sie das ganze Land seines Schmuckes beraubt haben. An den Libanon wird erinnert, weil bekanntlich dieses Gebirge wegen seiner furchtbaren und kostbaren Bäume berühmt war. Wäre nun von den Assyrern die Rede, so würde es keinen Sinn geben, dass der Libanon vernichtet werden solle. So folgt, dass wir es noch immer mit einer Drohung an die Juden zu tun haben. Dazu passt auch der nachdrückliche Anfang dieser Sätze: „Siehe.“

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