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Calvin, Jean – Hiob 38, 1 – 4.

Calvin, Jean – Hiob 38, 1 – 4.

1) Da nahm Gott das Wort aus einem Wetter und sprach: 2) Wer ist es, der den Rat verdunkelt mit Worten voller Unverstand? 3) Gürte deine Lenden wie ein Held! Gib mir Bescheid auf das, was ich dich frage! 4) Wo warest du, als ich die Erde gründete? Sag an, wenn du Verstand hast!

Elihu hat feierlich betont, er sei auch nur ein sterblicher Mensch, wie Hiob: er will ihm keinen Grund zu der Klage geben, er sei von einer gar zu großen Höhe herab behandelt worden. Damit gibt er ihm also zu erkennen, dass Gott ihn durch Vernunft und Güte gewinnen wollte. Geradeso hält er´s mit uns, denn er will uns schonen; darum lässt er uns sein Wort predigen durch Menschen wie wir, damit wir mit größerer Unbekümmertheit zu ihm kommen können, um zu hören, was er uns vortragen lässt: die Lehre wird uns geradezu vorgekaut. Es ist lauter Barmherzigkeit gegen uns, wenn Gott Menschen zu Dienern seines Wortes verordnet, die uns in seinem Namen und mit seiner Autorität belehren sollen; denn er weiß, wo unsere Grenzen liegen: je schwächer wir sind, desto mehr würde uns seine Majestät verschlingen, und wir würden ganz in den Abgrund versinken vor seiner Herrlichkeit. Deshalb lässt Gott sich zu unserer Kleinheit und Beschränktheit herab, indem er uns durch Menschen belehren lässt. Dabei aber müssen wir innerlich angepackt werden, wenn wir ihm mit der Ehrerbietung begegnen sollen, die ihm gebührt; denn sonst würden wir seine Güte missbrauchen, und wenn er sich so nahe zu uns hält, möchten wir uns schließlich wohl gar zu seinen Genossen machen.

Als Gott sieht, dass Hiob durch die Reden Elihus noch nicht gedemütigt ist, lässt er ihn seine Majestät spüren in einem Wettersturm. Hiob soll erschrecken und sich dazu bequemen, seine Fehler einzusehen. So passt Gott sich auf alle Weise uns an, um uns zu gewinnen. Auf der einen Seite steigt er zu uns herab. Warum das? Weil er sieht: wir sind viel zu grob und stumpf, um uns zu ihm erheben zu können. Weil wir aber eine maßlose Hoffart in unserm Kopf haben, muss er sich uns auf der anderen Seite auch zu fühlen geben, wie er ist; sonst lernen wir es nicht, ihn zu fürchten und sein Wort mit aller Demut und Sorgfalt zu hören. Das müssen wir wohl beachten; denn darin sehen wir die Liebe, die er zu uns hegt, und die Sorge, die er um unser Heil trägt. Denn es kann ja nur aus Sorge um uns geschehen, dass er sich dergestalt sozusagen verwandelt, dass er sich nicht damit zufrieden gibt, immer auf gleiche Weise mit uns zu reden, sondern eben völlig verschiedenartig: wenn er sieht, dass es uns gut und heilsam ist, so stammelt er mit uns; sieht er aber, dass diese Güte uns dahin bringen könnte, dass wir sie verachten, so erhebt er sich und verherrlicht sich so, wie es ihm gebührt, sonst lernen wir uns selbst nicht kennen und unterwerfen uns ihm nicht von ganzer Seele. Umso mehr muss es uns ein Anliegen sein, uns durch sein Wort unterweisen zu lassen, weil es ja unserm Verständnis angepasst ist und Gott nichts vergessen hat, was zu unserm Heil erforderlich und nützlich war. Wir dürfen dann auch nicht mehr die armselige Entschuldigung vorbringen wollen, das Wort Gottes sei zu hoch oder zu dunkel für uns, oder es sei zu abschreckend oder zu schlicht und einfältig. Denn wenn wir alles wohl berechnen und überschlagen, so ist die Sache so: Unser Herr stellt uns in seinem Wort eine Majestät vor Augen, die alle Kreaturen in zitternde Angst versetzt, daneben aber auch eine Einfalt, die selbst den Ungebildetsten und Unwissendsten fasslich ist; dabei ist sein Wort so klar und durchsichtig, dass wir es in uns aufnehmen können, ohne auf der hohen Schule studiert zu haben, wenn wir nur gelehrig sind; denn nicht ohne Grund nennt sich Gott einen Lehrmeister der Geringen und Kleinen: „Das Zeugnis des Herrn ist gewiss und macht die Unverständigen weise“ (Ps 19, 8); „Du hast es den Unmündigen offenbart“ (Matth 11, 25). Wenn also Gott durch den Mund der Menschen zu uns redet, so geschieht das, damit wir umso freimütiger zu ihm nahen und seine Gedanken umso ruhiger aufnehmen, ohne uns gar zu sehr darüber zu entsetzen. Aber wir machen uns hart gegen den Sporn und geben ihm die Ehre nicht, die ihm gebührt, darum gibt er sich uns dann auch so zu spüren, wie er ist, und erhebt sich in seiner Majestät, damit das uns dazu bringt, ihm Huldigung zu erweisen.

Der Text sagt ausdrücklich: Gott nahm das Wort aus einem Wetter. Es ist ihm also nicht genug, ihm irgendein anderes Zeichen seiner Gegenwart zu geben, sondern er kommt im Wettersturm. Wir finden öfter in der Schrift, dass Gott sich eines Unwetters bedient, wenn er mit seinen Gläubigen sprechen will. Hier aber tut er es, weil Hiob noch nicht genug zerschlagen war, so dass er eben mit furchtbarer Gewalt auftreten musste. Deshalb lässt er es donnern und entfesselt den Wettersturm, damit Hiob lernt, mit was für einem Herrn er es zu tun hat. Es wird wohl im Allgemeinen gesagt, Gott wohne gleichsam in einer dunklen Wolke; auch heißt es, er sei mit Klarheit umgeben; und doch können wir nicht zu ihm kommen, sondern wenn wir Gott anschauen wollen, so werden unsere Sinne geblendet, und wir haben nur dichte Finsternis vor uns. So wird also von Gottes Herrlichkeit im Allgemeinen gesprochen, damit wir uns nicht vermessen, seine unbegreiflichen Ratschlüsse so ungebührlicher Weise zu durchforschen. Aber noch aus einem andern Grunde muss sich uns Gott als den schrecklichen zeigen, nämlich um unserer Widerspenstigkeit willen. Gewiss, er wollte nichts lieber, als uns mit Freundlichkeit zu sich ziehen, und das tut er auch; wenn die Menschen bereit sind, sich ihm zu unterwerfen, so lockt er sie mit einer einzigartigen Güte. Merkt er aber irgendwelche Hartnäckigkeit, so muss er uns zuerst einmal demütigen; denn was hätte er sonst mit allen seinen Worten für einen Erfolg? Sein Wort würden wir verachten, oder es würde uns doch nicht zu Herzen gehen!

Deshalb lässt er auch bei der Verkündigung seines Gesetzes den Donner rollen und die Trompeten erschallen, so dass alles erzittert und alles Volk dermaßen erschrickt, dass es zu Mose sagt: „Lass Gott nicht mit uns reden, wir möchten sonst sterben!“ (Ex 20, 19). Weshalb hat Gott die Erde so erschüttert und mit so furchtbarer Stimme gesprochen? Wollte er das Volk weit von sich wegtreiben, damit es ihn nicht mehr hören konnte? Nein, das sollte nur Vorbereitung sein, er wollte das hochmütige Volk erst klein machen; denn ohne diese göttlichen Zeichen hätte es Gott oder seinem Wort nie gehorcht und nie die Autorität des Redenden anerkannt. Es ist also auch nicht überflüssig, dass Gott mit Hiob aus dem Wetter redet. Aber haben wir es dann nicht erst recht nötig, dass unser Herr uns seine Majestät fühlen lässt und wir davon recht im Tiefsten ergriffen werden? Gewiss, Gott lässt keinen Wettersturm kommen, wenn wir merken sollen, dass er es ist, der mit uns redet; aber er muss uns auf andere Weise zubereiten, dass wir zu ihm kommen. Der eine hat allerlei Unruhe und Anfechtungen in seinem Gewissen, der andere wird mit Krankheit heimgesucht, der dritte hat anderes Ungemach – wenn wir nur merken, dass Gott es ist, der uns zu sich ruft; denn freiwillig kommen wir ja doch nicht! Sieht Gott in uns solch eine Widerspenstigkeit, so muss er mit uns aus dem Wetter reden, sonst hören wir ihn nicht. Es ist eine sonderliche Wohltat, wenn Gott uns also aufweckt und mit seiner Donnerstimme zu uns redet, dass sie in unsere Herzen eingehe und uns verwunde. Das ist ein besonderes Vorrecht, das nicht allen zuteil wird. Wenn er über die Ungläubigen blitzt und donnert, so ist es zu spät; denn da besteht keine Hoffnung mehr, dass sie zu ihm zurückkehren; er fordert sie vor seinen Richterstuhl, damit sie ihr Todesurteil hören. Umso mehr müssen wir es mit Sanftmut als eine Hilfe annehmen, die Gott uns gibt, wenn er mit einem Wetter über uns kommt, um die Widerspenstigkeit unseres Fleisches zu brechen, also wenn er uns seine Majestät zu fühlen gibt.

Weiter heißt es: Wer ist es, der den Rat verdunkelt mit Worten voller Unverstand? Gürte deine Lenden wie ein Held! Gib mir Bescheid auf das, was ich dich frage! Gott greift zum Spott, weil Hiob so trotzig aufgetreten ist und meint, seine Sache durch Rede und Gegenrede gewinnen zu können. Darum spricht er: Wer bist du? Wenn die Schrift uns zeigt, wer wir sind, so will sie uns ganz und gar zunichte machen. Gewiss, die Menschen pflegen sich immer hoch einzuschätzen und reden sich selber vor, sie seien wer weiß was wert. Ja, sich selber rühmen, das können sie, Gott aber sieht an ihnen nichts als Schmutz und Unflat; er verwirft sie so völlig, dass er nur noch Abscheu vor ihnen hat. Sind wir so töricht und vermessen, dass wir uns selber preisen und uns allerlei Tugend und Weisheit einbilden? Dann bedarf es, um uns zu Schanden zu machen, nur des einen Wortes: Wer bist du denn, Mensch? Gürte deine Lenden wie ein Held! Sei so tüchtig wie du willst, lüge dir vor, du seiest wie ein Riese, wohl gewappnet und gerüstet vom Scheitel bis zu den Fußsohlen – was gewinnst du damit? Du elende Kreatur, wenn ich dir entgegentrete, meinst du, du würdest bestehen? Große und Kleine werden zu Schanden; Gott fasst sie alle wie in ein Bündel zusammen, indem er spricht: „Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen“ (1. Kor 1, 19); ihre Kraft ist nichts als Schwachheit, ihre Gerechtigkeit nichts als Schmutz und Unflat. Auch Paulus weist uns ab und sagt: „Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst?“ (Röm 9, 20). Zuerst lässt er all die Einwürfe zu Worte kommen, mit denen die Menschen sich einen schönen Anstrich geben und gegen Gott streiten wollen: Wie kann Gott die verderben, die er selbst geschaffen hat? Wie kann er ohne Grund den einen vom andern unterscheiden und den einen zur Seligkeit berufen und den andern verwerfen? Wie kann er das tun? In solchen Gegenreden gefallen sich die Menschen wohl; Paulus aber spricht: Lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Wird also jemand mit Hoffart angefochten, so denke er bei sich: Ach, wer bist du? Ja, wenn wir wenigstens nur gegen unseresgleichen stritten! Aber wir sind so kühn, dass wir in die Geheimnisse Gottes eindringen, wir lassen unsern Einbildungen den Zügel locker und träumen von unnützen Dingen und reden wider Gott und seine Ehre! Wenn wir das tun, so sollen wir daran denken: Ach, wer bin ich denn? Wenn jeder an seine Brust schlägt und seine Schwachheit ansieht und zu dem Ergebnis kommt, dass er ganz und gar nichts ist, dann werden wir von selber klein, dann hört all das Geschwätz von selber auf.

Weiter: Hiob verdunkelt den Rat mit Worten voller Unverstand. Haben wir also mit den verborgenen Geheimnissen Gottes zu tun, so mögen wir wohl darauf achten, dass wir dabei die gebührende Bescheidenheit und Ehrerbietung walten lassen; denn mit dem Ausdruck Rat meint Gott die hohen Dinge, von denen Hiob geredet hat. Über allerlei gleichgültigen Plunder mögen wir ruhig disputieren und noch so törichtes Zeug reden; dann sind zwar unsere Reden eitel und unnütz, aber es ist doch wenigstens keine Gotteslästerung dabei, und der Name Gottes wird nicht entheiligt. Aber wenn wir es mit der Lehre des Heils zu tun haben und mit den Werken Gottes und wenn wir von seiner Vorsehung und seinem Willen sprechen, dann ziemt es sich nicht, so töricht davon zu reden; denn wir verwickeln und verwirren dann Gottes klaren Rat in unser unverständiges Geschwätz.

Das macht Gott auch dem Hiob zum Vorwurf: er hat gar zu übereilt von den Dingen geredet, die über seine Fassungskraft hinausgehen. Gewiss, er hatte treffliche Gaben, aber er hätte sich im Gefühl seiner Schwachheit demütigen müssen, und als er mit seiner Weisheit am Ende war und nicht mehr wusste, was er von den Gerichten Gottes denken sollte, da hätte er stillstehen, hätte die Stumpfheit seines Verstandes einsehen und als sterblicher Mensch sagen müssen: Ach, in mir ist lauter Unwissenheit und Torheit! Dabei hätte er auch an die unermessliche Majestät Gottes denken müssen und an seinen unbegreiflichen Rat, dann wäre er schon klein geworden. Aber er hat weder das eine noch das andere getan; so ist er denn zwar nicht vom rechten Wege abgeirrt, sondern hat immer das richtige Ziel im Auge gehabt, aber er wird doch durch den Mund Gottes gestraft. An Gottes große, hohe Geheimnisse und sein himmlisches Königreich darf man nicht anders als mit Ehrerbietung denken.

Gott hat uns seinen Rat in der Schrift geoffenbart, und groß und klein müssen ihn in Demut anbeten. Sooft wir von Gott und seinen Werken reden, haben wir es mit einer Lehre von seinem Rat zu tun, und zwar einer hohen Lehre. Was jedoch wir vorbringen und mit unserm Verstande fassen können, was ist das? Das sind Worte ohne Sinn! Wenn die Menschen sich auf die Waage legen, so bewahrheitet sich das Psalmwort (62, 10): „Sie wiegen weniger denn nichts, soviel ihrer ist.“ Finden wir aber im Worte Gottes nicht das, was wir gern wissen wollten, so müssen wir uns sagen: Wir sollen eben unwissend bleiben; ja, wir sollen den Mund geschlossen halten; denn sobald wir nur ein Wort sagen möchten, würde keine Weisheit darin sein, es wäre alles lauter Lüge. Das ist die Anklage, die Gott gegen Hiob vorbringt. Dazu fügt er noch das Wort: Gib mir Bescheid auf das, was ich dich frage! Das ist ein neuer Spott über die kindische Vermessenheit der Menschen, die sich für so scharfsinnig halten, dass sie mit Gott meinen disputieren und rechten zu können. Gewiss, es ist wahr: ihr seid – wenigstens wie ihr meint – sehr klug, wenn ihr redet und ich euch reden lasse; aber nun muss ich auch einmal an die Reihe kommen und ein wenig mit euch reden – und nun antwortet ihr mir einmal, dann werdet ihr wohl sehen, woran es euch mangelt! Woher kommt es denn, dass die Menschen so leichtfertig und so töricht gegen Gott auftreten? Sie nehmen sich die Freiheit zu reden und wollen von ihrem Platz nicht herunter; es dünkt sie, Gott habe, ihnen nichts zu erwidern. Hier gibt uns Gott eine Arznei, um diese törichte Leichtfertigkeit in uns zu dämpfen: wir müssen nur an die Fragen denken, die er uns stellen kann. Wenn Gott erst anfängt, uns zu fragen, ach, was sollen wir antworten? Wenn wir daran dächten, so würden wir uns schon stillhalten. Wie kommt es aber, dass wir unsern Mund immer offen haben und immer über unbekannte Dinge schwätzen? Wir bedenken nicht, dass es viel mehr unsere Pflicht ist, Gott Antwort zu geben, als immer zuerst das Wort zu nehmen. Denn heißt das nicht die Ordnung der Natur umkehren, wenn der sterbliche Mensch, der doch nichts ist, seinem Schöpfer vorgreift und ihn zuhören lässt und zum Stillschweigen verurteilt? Wohin soll das führen? Und doch tun wir das, wenn wir gegen Gott murren, wenn wir sein Wort in Stücke reißen und so leichtfertig mit unsern Worten herausplatzen und sagen: Ich meine es so, ich sehe die Sache so an! Wir denken, Gott solle schweigen und auf uns hören – ist das nicht der reine Wahnsinn? Lasst uns nur nicht meinen, wir dürften es uns herausnehmen, Gott zu antworten! Wenn er uns den Mund verschlossen hat und selbst anfängt zu reden, dann werden wir ganz zu Schanden. Wir müssen uns von ihm unterweisen lassen; hat er uns in die Lehre genommen, dann lässt er uns seine Klarheit schauen mitten in der Finsternis dieser Welt.

Wo warest du, als ich die Erde gründete? Sag an, wenn du Verstand hast! Du arme Kreatur, woran wagst du dich? Da müsstest du ja meinesgleichen sein, müsstest ebensoviel Verstand haben wie ich! Aber wie weit bist du davon entfernt! Haben wir aber in diesen sichtbaren Dingen nicht Verstand genug, ums sie zu begreifen, wie wird es dann erst mit den heimlichen und verborgenen Ratschlüssen Gottes sein, da er doch in seinem Himmel verordnet und beschließt, was ihm gefällt? Wenn wir denn nun den Sinn dieser Dinge nicht verstehen, dürfen wir dann so vermessen sein, mit unserer Phantasie darüber ein Urteil zu bilden, weil der Verstand nicht ausreicht? Wo warst du, als ich die Erde gründete? Es ist, als wollte Gott sagen: Wenn ich eine sterbliche und vergängliche Kreatur wäre, so täte man mir doch die Ehre an, mein Werk zu betrachten und zu sagen: Was ist das für ein trefflicher und wohlunterrichteter Meister! Er ist sehr erfahren, sein Werk redet für ihn. Ja, wenn ein Handwerker auch nur ein mittelmäßiges Werk hergestellt hat, so wird man nicht wagen, etwas daran zu tadeln, zum mindesten werden es die nicht tun, die in diesem Handwerk nicht erfahren sind. Und ich, spricht Gott, habe solche treffliches Werk gemacht, habe Himmel, Erde und Meer geschaffen und in eine schöne Ordnung gebracht, die jedermann mit Augen sehen kann – und gleichwohl kommt man und will mich tadeln? Wo soll das hinaus? Was bleibt von allen Werken der Menschen, wenn man sie mit meinen Gotteswerken vergleicht? Lassen sie sich überhaupt vergleichen? Mit unbegreiflicher Kraft und Weisheit habe ich gearbeitet, und ich sollte nicht hoch über dem Urteil der Menschen stehen? Jedermann untersteht sich zu fragen: „Warum dies? Warum das? Es wäre viel besser gewesen, dies so zu machen!“ Was für eine Anmaßung! Sterbliche Kreaturen zieht man mir vor, dem lebendigen Gott, dem Allmächtigen und Allweisen! Ist das nicht ein ganz unerträglicher Undank? Hat ein sterblicher Mensch ein Werk gemacht, so tut man ihm doch so viel Ehre an, dass man nur mit großer Bescheidenheit sein Urteil darüber abgibt – und ich, der ich die Welt gebaut habe, habe ich nicht hundertmal mehr Ehre verdient?

Warum stellt uns Gott die Erde als einen Spiegel vor Augen? Wir sollen seine Herrlichkeit und Weisheit, seine Kraft und unbegrenzte Macht darin anschauen; an seiner Hand will er uns leiten zur Betrachtung seiner vielen großen und herrlichen Werke, damit wir in Entzückung und Bewunderung geraten, ja uns demütigen unter seine unbegreifliche Größe und sie anbeten. Gott schmückt sich mit solcher Pracht, dass es keinem Menschen mehr in den Sinn kommen kann, ihm dreinreden oder ihn verbessern zu wollen, als hätte er einen Fehler gemacht. Wer kann seine unermessliche Hoheit begreifen? Wir brauchen nur die Augen aufzutun, so werden wir ganz beschämt. Betrachten wir die Erde, so ist sie uns wie eine Mutter, die uns nährt und erhält, und dabei begreifen wir noch nicht einmal, wie das zugeht. Wir sehen wohl, wie sie gepflügt wird, und können auch davon reden, aber gleichwohl muss uns das mit dem höchsten Entzücken erfüllen.

Haben wir aber schon an der Erde, die wir mit unsern Füßen treten, einen Spiegel von Gottes Kraft und unbegreiflicher Weisheit, wie wird es erst sein, wenn wir den Himmel betrachten, der so unendlich hoch über uns hinausreicht und zu dem wir doch nie gelangen können! Dürfen wir da wohl gegen Gott unsern Mund auftun und sprechen: Warum handelst du so, warum lässest du so etwas zu? Ach, wer sind denn wir? Nein, die rechte Betrachtung der Erde muss uns den Dienst tun, dass wir unserm Geist einen Zügel anlegen, damit wir ja nicht daran denken, uns über alle Himmel zu erheben, sondern unserm Gott in allem, was er zu tun geruht, die Ehre geben und wissen, dass er der souveräne Gott ist, ein Gott vollkommener und unbegrenzter Herrlichkeit, und dass seine Kraft und wunderbare Macht verbunden ist mit einer grenzenlosen Gerechtigkeit und Weisheit, so dass wir nicht in Versuchung kommen, etwas an ihm tadeln zu wollen.

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autoren/c/calvin/calvin-hiob/52.txt · Zuletzt geändert: von aj