Calvin, Jean - Apostelgeschichte - Kapitel 17.

Calvin, Jean - Apostelgeschichte - Kapitel 17.

1 Nachdem sie aber durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie gen Thessalonich; da war eine Judenschule. 2 Wie nun Paulus gewohnt war, ging er zu ihnen hinein und redete mit ihnen auf drei Sabbate aus der Schrift, 3 tat sie ihnen auf und legte es ihnen vor, dass Christus musste leiden und auferstehen von den Toten, und dass dieser Jesus, den ich (sprach er) euch verkündige, ist der Christ. 4 Und etliche unter ihnen fielen ihm zu und geselleten sich zu Paulus und Silas, auch der gottesfürchtigen Griechen eine große Menge, dazu der vornehmsten Weiber nicht wenig.

V. 1. Kamen sie gen Thessalonich. Warum Paulus in Amphipolis und Apollonia, welches doch ebenfalls nicht unbedeutende Städte waren, nichts unternahm, wissen wir nicht. Nur dies können wir sagen, dass er der Leitung des göttlichen Geistes folgte und auch nach der jeweiligen Sachlage, wie die Gelegenheit sich bot, sich entschied, ob er reden oder schweigen solle. Möglicherweise hat er auch an diesen Orten versucht, etwas zu schaffen; weil er aber nichts erreichte, schweigt Lukas davon. Wenn er nun, nachdem er zu Philippi geschlagen und nur gerade einer großen Gefahr entronnen war, zu Thessalonich Christus verkündet, beweist er, wie ungebrochenen Mut für den Fortschritt auf dem Wege seiner Berufung und eine wie furchtlose Bereitschaft er besaß, neuen Gefahren entgegenzugehen. Diese unbesiegliche Tapferkeit und unermüdliche Geduld unter dem Kreuz beweist hinlänglich, dass Paulus nicht mit menschlichen Kräften arbeitete, sondern mit der himmlischen Kraft des Geistes ausgerüstet war. Auch dies war ein Zeichen wunderbarer Geduld, dass er zu den Juden ging und fortfuhr, für ihr Heil zu arbeiten, obwohl er so oft ihre unbezähmbare Widerspenstigkeit erfahren hatte. Weil er aber wusste, dass Christus den Juden zum Heil gegeben war und er zum Apostel bestimmt ward, um zuerst den Juden, dann auch den Heiden Buße und Glauben zu predigen (13, 46), befiehlt er den Erfolg seiner Arbeit dem Herrn und gehorcht seinem Auftrag, obwohl er auf einen großen Gewinn nicht hoffen kann. Nach diesem Vorbilde sollen wir Gottes Ruf über alles werten und uns durch keine Undankbarkeit der Menschen hindern lassen, für ihr Heil zu sorgen, solange uns Gott ihnen zum Dienst bestimmt. Wahrscheinlich gab es nun Leute, die schon sofort am ersten Sabbat die gesunde Lehre von sich stießen; aber Paulus ließ sich durch ihre Verkehrtheit nicht abhalten, an den nächsten Sabbaten wiederzukommen.

V. 2. Redeten mit ihnen aus der Schrift. Lukas gibt den Hauptinhalt der Rede an, nämlich, dass Jesus, der Sohn der Maria, der seit alter Zeit in Gesetz und Propheten verheißene Messias sei, der durch das Opfer seines Todes die Sünden der Welt gesühnt und durch seine Auferstehung Gerechtigkeit und Leben gebracht hat. Von diesem zweiten Stück wollen wir zuerst handeln. Der Apostel hat seine Rede auf die Schrift gegründet; also haben wir Beweise für den Glauben allein aus dem Munde Gottes zu nehmen. Betrifft unsere Erwägung menschliche Dinge, so mögen menschliche Gründe Platz greifen; in der Lehre des Glaubens aber muss allein Gottes Autorität herrschen, und wir müssen uns von ihr abhängig machen. Jedermann gibt freilich zu, dass wir uns bei Gott allein beruhigen müssen; dabei sind doch wenige, die ihn hören, wie er in der Schrift redet. Wenn aber unter uns der Grundsatz feststeht, dass die Schrift ihren Ursprung in Gott hat, so dürfen wir nirgend andersher eine Regel für Lehren und Lernen entnehmen. So sehen wir auch, dass ein teuflischer Wahn die Papisten treibt, wenn sie behaupten, man könne aus der Schrift nichts Gewisses entnehmen, und darum darauf bestehen, man solle sich menschlichen Beschlüssen unterwerfen. Die Juden ertragen es und lassen es zu, dass Paulus mit ihnen „aus der Schrift“ redet. Und wie viel mehr Licht haben wir doch heute in der Schrift! Uns strahlt dort Gottes Wahrheit viel gewisser an als in Gesetz und Propheten; denn im Evangelium ist uns Christus, die Sonne der Gerechtigkeit, mit vollem Schein aufgegangen. Umso unerträglicher ist die Lästerung, wenn die Papisten noch immer dem Worte Gottes seine Gewissheit absprechen. Wir aber sollen wissen, dass der Glaube allein in Gottes Wort Grund hat, dass man darum in allen Streitfragen sich allein auf seine Zeugnisse stellen muss.

V. 3. Legte ihnen vor, dass Christus usw. Die Predigt, deren Hauptinhalt hier angegeben wird, umfasst zwei Stücke; erstlich, dass der Messias sterben und auferstehen musste; zum andern, dass der Sohn der Maria jener gekreuzigte Messias war. Allerdings mussten, wenn vom Messias oder Erlöser die Rede ist, drei Fragen zur Sprache kommen: ob es einen gibt, wer er ist, und wie er ist. Hätte Paulus mit Heiden zu tun gehabt, so hätte er weiter ausholen müssen, weil sie von einem Messias nichts gehört haben; auch fassen es ja unheilige Menschen nicht, dass sie irgendeines Mittlers bedürfen sollen. Bei den Juden aber, welchen der Mittler verheißen war, stand dieses Stück über allem Zweifel. Darum übergeht Paulus als überflüssig, was in allgemeiner Zustimmung angenommen war. Weil es im Übrigen für die Juden äußerst schwierig war, den gekreuzigten Jesus als Erlöser anzuerkennen, hebt Paulus mit dem Stück an, dass der Messias sterben musste. Damit will er den Anstoß des Kreuzes heben. Indessen dürfen wir nicht glauben, dass er die bloße Geschichte erzählt habe; vielmehr ist grundsätzlich festzuhalten, dass er die Notwendigkeit aufzeigte, warum der Messias leiden und auferstehen musste. Paulus wird also über den Fall des Menschengeschlechts, über die Sünde und über die Strafe, über Gottes Gericht und über den ewigen Fluch gepredigt haben, in welchen wir alle verstrickt sind. Denn auch darauf weist uns die Schrift, wenn sie den Tod Christi zuvor verkündet. Jesaja sagt nicht einfach, dass der Messias sterben werde, sondern fügt ausdrücklich hinzu (53, 5 f.): „Wir gingen alle in der Irre, ein jeglicher sah auf seinen Weg.“ Eben dies bezeichnet er als Ursache des Sterbens Christi, indem Gott unser aller Missetaten auf ihn legte: „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten; und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Denn er hat uns Gerechtigkeit erworben, indem er unsere Sünden sühnte. Auch Daniel deutet auf die Kraft und Frucht des Sterbens Christi, wenn er sagt (9, 24), dass die Sünden abgetan und die ewige Gerechtigkeit gebracht werden soll. Und sicher gibt es keine bessere und wirksamere Weise, das Amt Christi darzutun, als wenn die Menschen durch die Empfindung ihrer Übel gedemütigt werden und nun keine andere Hoffnung mehr offen sehen, als dass sie durch Christi Opfer wieder versöhnt werden. Dann legen sie den Stolz ab und umfassen fußfällig sein Kreuz, dessen sie sich zuvor schämten und an dem sie sich ärgerten. Darum müssen wir heute zu denselben Quellen kommen, aus welchen Paulus den Beweis für den Tod und die Auferstehung des Messias ableitete. Diese Erörterung ward dann auch helles Licht auf das zweite Stück. Paulus hätte nicht so leicht beweisen und mit Sicherheit darauf schließen können, dass der Sohn der Maria der Messias sei, wenn er nicht zuvor die Juden darüber unterwiesen hätte, auf was für einen Erlöser sie hoffen mussten. Sobald aber dies feststeht, bleibt nur noch übrig, auf Jesus anzuwenden, was die Schrift dem Mittler an Charakterzügen beilegt. So ist denn dies der Hauptinhalt unseres Glaubens, dass wir den Sohn der Maria als den Christus und Mittler erkennen, den Gott seit Anbeginn verheißen hat. Sodann sollen wir auch festhalten, wozu er gestorben und auferstanden ist, damit wir nicht von einem irdischen König träumen, sondern in ihm die Gerechtigkeit des Geistes und unser ganzes Heil suchen.

V. 4. Und etliche unter ihnen fielen ihm zu. Hier sehen wir, welche Frucht die Rede des Paulus schaffte. Er hat offen vor jedermann bewiesen, dass Jesus der Christus sei, der uns den Vater durch seinen Tod gnädig gestimmt hat und dessen Auferstehung das Leben der Welt ist. Doch werden nur etliche von den Juden gläubig; die übrigen bleiben blind im hellen Licht und schütteln mit tauben Ohren die gewisse und wohl bezeugte Wahrheit ab. Auch dies ist bemerkenswert, dass, während nur wenige Juden gläubig werden, von den Griechen, die doch viel ferner standen, eine große Menge zum Glauben sich bereit findet. Sollte man nun nicht sagen, dass die Unterweisung im Gesetz, welche die Juden von Jugend auf genossen, nur dazu dienen musste, sie dem Herrn mehr und mehr zu entfremden? Schon also zeigten sich Erweise jener Blindheit, mit der sie Gott, wie die Propheten öfters ankündigen, angefangen hatte zu schlagen. Dass aber sein Bund nicht völlig dahin gefallen ist, dafür gibt er ein Zeichen, indem er wenigstens einige aus jenem Volke zu sich sammelt, damit in diesen durch die freie Gnade erhaltenen Resten Funken der Erwählung leuchten möchten. Lukas lässt auch ersehen, dass die Betreffenden die Worte des Paulus nicht nur in kalter Zustimmung gelten ließen, sondern sich ernstlich ergriffen zeigten; sie geselleten sich zu Paulus und Silas und reizten durch ein freies Bekenntnis zum Evangelium den Hass ihres Volkes gegen sich. Denn was anders will dieser Zusatz besagen, als dass sie durch ihr Bekenntnis die ihnen vorgetragene Lehre billigten und sich auf ihre Seite stellten? Denn es verträgt sich durchaus nicht mit dem Glauben, dass wir die göttliche Wahrheit zwar anerkennen, dabei aber schwankend in der Mitte stehen bleiben.

Der gottesfürchtigen Griechen eine große Menge. Diese Leute, welche die ersten Anfänge der Gottesfurcht in sich aufgenommen hatten, standen dem Reiche Gottes näher als die andern, die immer nur in dem Unflat des Aberglaubens gelegen hatten. Doch fragt sich, wie Griechen, die in gottlosen Irrtümern und Wahngedanken gefangen waren und Gott gänzlich fern gestanden (vgl. Eph. 2, 12), zur Gottesfurcht kamen. Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass durch die Vertreibung der Juden an allerlei Orte ein Same der Frömmigkeit ausgestreut und ein Geruch reinerer Lehre verbreitet wurde. So wandelte sich durch Gottes wunderbaren Rat ihr jämmerliche Zerstreuung in ein ganz anderes Ziel; Gott lockte auf den Umwegen des Irrtums herumschweifende Menschen dadurch zum rechten Glauben. Gottesfürchtige Griechen sind also solche, die einen gewissen Geschmack von wahrer und echter Gottesverehrung besaßen und sich nicht mehr dem rohen Götzendienst hingaben. Mochten ihre Gedanken noch verworren und dunkel sein und an sich nicht als wahrhaft gottesfürchtig gelten dürfen, so stehen sie doch auf einer Stufe, die sie schon näher an Gott heranführte, und als Gottesfurcht wird anerkannt, was sich immerhin von jedem beliebigen Götzendienst oder von der groben Gottesverachtung der Epikureer()(Anhänger des Philosophen Epikur (um 300 v. Chr.), welchem die Lust als höchstes Gut galt, das durch Religion nur gestört werden könne.)) abhebt.

5Aber die halsstarrigen Juden neideten und nahmen zu sich etliche boshaftige Männer Pöbelvolks, machten eine Rotte und richteten einen Aufruhr in der Stadt an und traten vor das Haus Jasons und suchten sie zu führen vor das Volk. 6Da sie aber sie nicht fanden, schleifeten sie den Jason und etliche Brüder vor die Obersten der Stadt und schrien: Diese, die den ganzen Weltkreis erregen, sind auch hergekommen; 7die herberget Jason; und diese alle handeln wider des Kaisers Gebote, sagen, ein andrer sei der König, nämlich Jesus. 8Sie bewegeten aber das Volk und die Obersten der Stadt, die solches höreten. 9Und da ihnen Genüge von Jason und den andern geleistet war, ließen sie sie los. 10Die Brüder aber fertigten alsobald ab bei der Nacht Paulus und Silas gen Beröa. Da sie dahin kamen, gingen sie in die Judenschule.

V. 5. Aber die halsstarrigen Juden usw. Wir sehen, wie Paulus nirgends ohne Kampf das Reich Christi aufgerichtet hat. Sobald irgendeine Frucht seiner Lehre erwächst, erheben sich Verfolgungen. Weil er aber wusste, dass ihm der Streit wider den Satan und die Schlechtigkeit der Welt verordnet war, bleibt er nicht bloß unempfindlich gegen alle Anstürme, sondern rüstet sich noch schärfer zu mutigem Fortschritt. Nach seinem Beispiel sollen darum Christi Diener, wenn sie ihre Arbeit als nicht völlig unfruchtbar erkennen, mit dem einen sich zufrieden geben, dass sie diesen Lohn als Ausgleich gegen jegliche Verfolgung werten. Im Übrigen lehrt diese Stelle, dass der Eifer, der ungläubige Leute treibt und entbrennen lässt, lediglich ein wütender Drang ist. Die Feinde des Paulus gaben prahlerisch vor, dass sie für das göttliche Gesetz eintreten wollten und nur um seiner Verteidigung willen zu Hass und Streit gegen Paulus gelangten. Warum aber geben sie allen ruchlosen Leuten Waffen in die Hand und machen mit ihnen gemeinsame Sache, einen Aufstand zu erregen? Warum wecken sie bei der heidnischen Obrigkeit eine Missgunst gegen das Evangelium, die auch auf das Gesetz fallen musste? Diese Machenschaften lassen deutlich ersehen, dass nichts weniger als Eifer um Gott sie zur Entrüstung gegen Paulus trieb. Denn wozu anders umlagern sie das Haus Jasons und fordern lärmend, dass man den Paulus herausgebe, als um ihn dem Volk zur Steinigung darzubieten? Es steht uns fest, dass der böse Eifer, von dessen Glut abergläubische Menschen besessen sind, immer mit Heuchelei und Bosheit durchsetzt ist. Daher kommt es auch, dass sie zu maßloser Grausamkeit fortschreiten.

Als Männer des Pöbelvolks, buchstäblich: als Leute, die auf dem Markt umherstehen, werden faule und nichtsnutzige Menschen bezeichnet, die zu Hause nichts zu tun oder zu besorgen haben und also müßig herumlungern. Solche Leute sind frech und hungrig, bereit, ihre Beihilfe zu Meineid, Aufruhr und jeglicher Schandtat gegen Geld zu liefern. Wer sich mit solch verworfenen Menschen verbündet, verrät, dass er ein böses Gewissen hat.

V. 6. Diese, die den ganzen Weltkreis erregen. Das Evangelium muss es leiden, dass man die Unruhen auf seine Rechnung setzt, welche der Satan erregt, um es zu bekämpfen. Sicherlich wird das Evangelium nicht gepredigt, um die Menschen zu gegenseitigem Streit zu entzünden, sondern um sie mit Gott zu versöhnen und mit Frieden zu umgeben. Während uns aber Christus gütig zu sich einlädt, erregen Satan und gottlose Leute Lärm. So hätten Paulus und Silas sich wohl verteidigen können; aber sie mussten eine Zeitlang die schmachvolle Nachrede tragen und, solange man nicht auf sie hörte, schweigend hinunterschlucken. Der Herr wollte uns durch ihr Beispiel mahnen, dass Verleumdungen und böse Gerüchte uns nicht abhalten sollen, tapfer für die Wahrheit weiterzukämpfen, bereit, über unsere guten Taten böse Reden ergehen zu lassen. Fern bleibe uns also die verkehrte Weisheit gewisser Leute, die unbedenklich Christus und das Evangelium mit ihrer treulosen Mäßigung verraten, nur um falscher Nachrede zu entgehen. Als ob ihr guter Ruf wertvoller wäre als der eines Paulus und seiner Genossen, ja als Gottes heiliger Name, der von Lästerung nicht unverschont bleibt!

V. 7. Diese alle handeln wider des Kaisers Gebote. Ein zweites Stück der Anklage: sie verletzen angeblich die Majestät des römischen Reiches. Das wäre ein schweres und hassenswertes Verbrechen, aber man hat es schamlos erdichtet. Paulus und Silas wollten Christi geistliches Königreich aufrichten. Die Juden wussten, dass dies ohne Beleidigung des römischen Reiches geschah. Sie wussten, dass sie nichts weniger beabsichtigten, als die öffentlichen Zustände umzustürzen oder dem Kaiser sein Recht zu entreißen; sie bedienten sich aber böswillig dieses Vorwandes, um Missgunst zu erregen. Bei den Mazedoniern galt die Religion, und namentlich die jüdische, nicht so viel, dass sie um ihretwillen unbekannte Leute sofort zur Hinrichtung geschleppt hätten. So müssen die Juden ein Majestätsverbrechen konstruieren: sie behaupten nicht nur, dass Paulus und Silas wider des Kaisers Gebote handeln, indem sie sich erdreisten, Neuerungen in der Religion aufzubringen; sie schieben ihnen auch unter, dass sie sagen, ein anderer sei der König, nämlich Jesus. Dieses Verbrechen war vollends erdichtet. Wenn wir heute uns um der Religion willen gezwungen sehen, tyrannischen Gesetzen zu widerstehen, welche verbieten, dass man Christus die schuldige Ehre und Gott seinen Dienst leiste, so dürfen wir mit Recht auch bezeugen, dass wir die Gewalt der Könige nicht antasten; denn sie stehen nicht auf einer solchen Höhe, dass sie wie die Giganten Gott von seinem Thron zu stoßen strebten. Daniel (6, 11) hätte mit Recht sagen dürfen, dass er nichts gegen den König sündige, obgleich er doch dem nichtswürdigen Befehl nicht gehorcht hatte; denn er tat einem sterblichen Menschen kein Unrecht, wenn er Gott höher einschätzte als ihn. So wollen wir treulich den Fürsten geben, was ihnen gebührt, und zum Gehorsam in allen irdischen Dingen bereit sein. Wenn sie sich aber ungebührlich erheben und uns verbieten wollen, Gott zu fürchten und zu verehren, möge niemand sagen, dass wir sie verachten, weil Gottes Herrschaft und Majestät uns noch höher steht.

V. 8. Sie bewegeten aber das Volk. Wir sehen, wie unbillig man die heiligen Männer behandelte: weil man ihnen keine Gelegenheit zur Verteidigung gab, war es leicht, sie trotz ihrer Unschuld zu vergewaltigen. Wir sehen auch, dass es nichts Neues ist, wenn ein Volksauflauf wie ein Sturmwind sogar die Obrigkeiten mitreißt. Namentlich wo fremden und unbekannten Leuten unrecht geschieht, von denen sie keinen Lohn erhoffen, wollen sich obrigkeitliche Personen nicht für nichts in Gefahr begeben. Übrigens geschah es durch Gottes sonderliches und gnädiges Wirken, dass der hitzige Auflauf bald gestillt wurde. Sobald die Obersten erklären, dass sie die Sache in die Hand nehmen wollen, gibt das Volk Ruhe; man nimmt eine Bürgschaft an, und die Sache verläuft sich in nichts.

V. 10. Die Brüder aber fertigten ab usw. Hier sehen wir, dass in der kurzen Zeit die Arbeit des Paulus doch Frucht gebracht hatte; obwohl die Brüder ihn und Silas ziehen lassen, schließen sie sich durch freundlichen Liebesdienst mit ihrer Gefahr und ihrem Kreuz freiwillig zusammen. Unglaublich aber ist die Standhaftigkeit des Paulus, der so oft die Widerspenstigkeit und Bosheit seines Volks erfahren hat und doch unaufhörlich versucht, ob er nicht etliche zu Christus führen dürfe. Da er sich Juden und Heiden verpflichtet wusste, konnte kein verkehrtes Verhalten der Menschen ihn von seinem Beruf ablenken. So müssen alle Knechte Christi wider die Bosheit der Welt ringen und dürfen das Joch nicht abschütteln, durch wie viel Unrecht man sie auch reizt.

11Diese aber waren die Edelsten der Bewohner von Thessalonich; die hatten das Wort ganz williglich aufgenommen und forscheten täglich in der Schrift, ob sich´s also hielte. 12So glaubten nun viel aus ihnen, auch der griechischen ehrbaren Weiber und Männer nicht wenig. 13Als aber die Juden von Thessalonich erfuhren, dass auch zu Beröa das Wort Gottes von Paulus verkündiget würde, kamen sie und bewegeten auch allda das Volk. 14Aber da fertigten die Brüder Paulus alsobald ab, dass er ginge bis an das Meer; Silas aber und Timotheus blieben da. 15Die aber Paulus geleiteten, führeten ihn bis gen Athen. Und nachdem sie Befehl empfangen an den Silas und Timotheus, dass sie aufs schierste zu ihm kämen, zogen sie hin.

V. 11. Diese aber waren die Edelsten der Bewohner von Thessalonich. Lukas kehrt zu den Thessalonichern zurück. Es hätte scheinen können, dass durch den Weggang des Paulus jeder Gedanke an Christus begraben sei; und sicherlich ist es ein Wunder, dass jenes erst seit kurzem aufleuchtende Fünkchen Licht nicht völlig erlosch und der Same der gesunden Lehre, der zu seinem Aufwachsen beständiger Bewässerung bedurfte, nicht verdorrte. Und doch zeigte sich nach dem Weggang des Paulus, wie wirksam und fruchtbar seine Predigt war. Die Leute, die nur gerade die ersten Anfänge der Frömmigkeit geschmeckt hatten, machen dennoch in seiner Abwesenheit Fortschritte und üben sich in regelmäßiger Lesung der Schrift. Was Lukas von ihnen zuerst sagt, dass sie die Edelsten unter den Thessalonichern gewesen seien, bezieht sich nicht auf ihre Seele, sondern nur auf ihre Zugehörigkeit zu den ersten Familien. Allerdings beziehen manche unsere Aussage auf die Bewohner von Beröa und übersetzen, dass sie edler waren als die zu Thessalonich1). Indessen hat Paulus soeben erst (V. 4) daran erinnert, dass viele der vornehmsten Frauen in Thessalonich gläubig wurden, und es ist unwahrscheinlich, dass die Bewohner dieser Stadt gegen die Beröenser herabgesetzt werden sollen. Lukas hat aber einen dreifachen Grund, die vornehme Abkunft jener Leute zu erwähnen. Wir wissen, wie schwer es den Menschen wird, von einer Höhe herabzusteigen, wie selten die Großen dieser Welt ihre hochfahrenden Gedanken ablegen, sich der Schmach des Kreuzes unterwerfen und nach der Vorschrift des Jakobus (1, 10) sich ihrer Niedrigkeit rühmen. Lukas preist es also als ein seltenes Wirken des Geistes Gottes, wenn jenen vornehmen Leuten ihre fleischliche Ehrenstellung nicht zum Hindernis wurde, das Evangelium zu ergreifen und die Kreuzesbereitschaft auf sich zu nehmen, und wenn sie die Schmach Christi höher achten als die Herrlichkeit der Welt. Zum andern wollte Lukas uns wissen lassen, dass die Gnade Christi sich auf jeglichen Stand erstreckt, in welchem Sinne ja Paulus sagt, Gott wolle, dass allerlei Menschen geholfen werde (1. Tim. 2, 4); die armen und geringen Leute, zu denen freilich Christus sich in erster Linie herabgelassen hat, sollen den Reichen nicht die Tür verschließen. Wir sehen also, wie vornehme und geringe Leute sich zusammenfinden, hochgestellte und verachtete Menschen zu dem einen Leib der Gemeinde zusammenwachsen, damit sie alle ohne Ausnahme sich demütigen und Gottes Gnade erheben. Dritten scheint Lukas den Grund angeben zu wollen, warum so viele sich der Gemeinde anschlossen und so in kurzer Zeit zu Thessalonich Christi Reich ausgebreitet ward: weil das Volk gewöhnlich durch Autoritäten sich bestimmen lässt, war es eine ganz bedeutende Hilfe, dass hochstehende und vornehme Leute den andern den Weg zeigten. Gewiss ist dies keine hinreichende Stütze des Glaubens und der Frömmigkeit; aber es kommt nicht selten vor, dass Gott Ungläubige von ihren Irrgängen auf verschlungenen Wegen zu sich führt.

Die hatten das Wort ganz williglich angenommen. Zuerst empfangen die Thessalonicher das Lob, dass sie das Evangelium mit frischem und schnellem Eifer aufnahmen. Sicherlich erschließt es uns den Eingang zum Glauben, wenn wir zur Folgsamkeit bereit sind, den Eigensinn des Fleisches ablegen und uns dem Herrn Christus gelehrig und fügsam zur Verfügung stellen. Paulus bestätigt den Bericht des Lukas, wenn er den Thessalonichern ein gleiches Lob erteilt (1. Thess. 2, 13). Zum andern forscheten sie täglich in der Schrift, ob sich´s also hielte. Damit bewiesen sie einen löblichen Eifer, ihren Glauben zu befestigen. Denn viele Leute, die zuerst gute Triebe zeigen, geben sich alsbald der Trägheit hin, kümmern sich um keinen Fortschritt mehr und verderben damit den besten Samen des Glaubens. Allerdings könnte man einwenden, dass es anmaßend von den Thessalonichern war und durchaus nicht ein Zeichen von Glaubensbereitschaft, wenn sie die Lehre des Paulus kritisieren. Sie maßen sich aber damit keineswegs ein Urteil über Gottes Wahrheit an, sondern prüfen die Lehre des Paulus an der Schrift, wie man das Gold im Feuer bewährt. Die Schrift ist ja der Prüfstein, an welchem alle Lehren zu erproben sind. Sollte jemand einwenden, dass solche Prüfung nicht über den Zweifel hinausführe, weil die Schrift oft dunkel sei und sich nach mancherlei Sinn drehen lasse, so sage ich, dass man zugleich das Urteil des Geistes anwenden muss, der mit gutem Grund ein Geist der Unterscheidung heißt. Unter Anleitung und Führung dieses Geistes sollen aber die Gläubigen ihr Urteil über jegliche Lehre allein nach der Schrift bilden. So fällt der lästerliche Anspruch der Papisten, dass der Glaube allein an den Entscheidungen der Kirche hängen müsse, weil sich aus der Schrift nichts Sicheres entnehmen lasse. Denn wenn der Geist Gottes die Thessalonicher lobt, macht er uns ihr Beispiel zur Regel. Man würde aber vergeblich in der Schrift forschen, wenn sie nicht ein zu unserer Belehrung hinreichendes Licht besäße. Es muss also der Grundsatz feststehen, dass keine Lehre glaubwürdig ist, bei der wir uns nicht überzeugt haben, dass sie sich auf die Schrift gründet. Eine entsprechende Prüfung ist auch nicht etwa ein Ausfluss des Zweifels und der Glaubenslosigkeit. Denn auch ein seiner selbst gewisser Glaube bedarf weiterer Bekräftigung. Gottes Wahrheit, an der wir auch zuvor nicht zweifelten, wird mehr und mehr unseren Herzen versiegelt. Lukas schreibt ja den Thessalonichern nicht einen in jeder Hinsicht vollkommenen Glauben zu, sondern erzählt nur, wie sie in Christi Gemeinschaft gelangten und dann im Glauben weitere Fortschritte machten, bis ein gesicherter Bau der Frömmigkeit sich unter ihnen erhob.

V. 12. So glaubten nun viel aus ihnen, natürlich nicht aus den eben genannten Edelsten, als ob zwischen ihnen noch einmal ein Unterschied gemacht werden sollte, sondern aus den Bewohnern der Stadt. Lukas will sagen, dass die Gemeinde daselbst sich mehrte, weil das Beispiel der ersten Gläubigen viele herbeizog. Diese Anfänge der Gemeinde in Thessalonich hat Lukas bis daher erzählt, damit niemand glaube, die Arbeit des Paulus sei durch seinen plötzlichen und erzwungenen Weggang zugrunde gerichtet worden. Wie mich dünkt, hat er eben darum vor dem Bericht über die Erlebnisse in Beröa eine Notiz über den Ertrag seiner Predigt in der Stadt eingeschoben, aus welcher er zuvor vertrieben war.

V. 13. Als aber die Juden von Thessalonich erfuhren usw. Wir sehen, welch unversöhnlicher Hass gegen das Evangelium die Juden hierhin und dorthin umtrieb. Sie begnügen sich nicht, den Herrn Christus, der ihnen in ihrer Heimatstadt angeboten wird, wütend hinauszuwerfen, sondern eilen auch, wie von Furien getrieben, herbei, wenn sie hören, dass man anderwärts von ihm predigt. Indessen sollen wir unseren Blick weniger der Wut dieses einen Volkes zuwenden als der verzweifelten Bosheit Satans, welcher die Seinen aufstachelt, Christi Reich zu verwirren und die Menschen um ihr Heil zu bringen, der seine Leute wie Blasebälge gebraucht, um Aufruhr anzufachen. Wenn also heute den treuen Dienern Christi so viele wütende Feinde sich entgegenstellen, sollen wir wissen, dass nicht Menschen diesen Krieg erregen, sondern dass Satan, der Vater der Lüge, das alles in Bewegung setzt, um Christi Reich umzustürzen. Mag die Weise des Kampfes wechseln, so steht Satan doch niemals ab, Männer, die er als treue Diener Christi kennt, durch offenen Kampf, durch Hinterlist oder auch durch häuslichen Streit zu ermüden.

16Da aber Paulus ihrer zu Athen wartete, entbrannte sein Geist in ihm, da er sah die Stadt so gar abgöttisch. 17Und er redete zu den Juden und Gottesfürchtigen in der Schule, auch auf dem Markte alle Tage zu denen, die sich herzufanden. 18Etliche aber der Epikurer und Stoiker Philosophen stritten mit ihm. Und etliche sprachen: Was will dieser Lotterbube sagen? Etliche aber: Es siehet, als wollte er neue Götter verkündigen. Das machte, er hatte das Evangelium von Jesu und von der Auferstehung ihnen verkündigt. 19Sie nahmen ihn aber und führeten ihn auf den Gerichtsplatz und sprachen: Können wir auch erfahren, was das für eine neue Lehre sei, die du lehrest? 20Denn du bringest etwas Neues vor unsere Ohren; so wollen wir gerne wissen, was das sei. 21Die Athener aber alle, auch die Ausländer und Gäste, waren gerichtet auf nichts anderes, denn etwas Neues zu sagen oder zu hören.

V. 16. Entbrannte sein Geist. Wenn auch Paulus, wohin er kam, das Lehramt, das er sich anbefohlen wusste, wacher ausrichtete, so berichtet doch Lukas, dass er zu Athen noch eifriger dafür entbrannte, weil er dort den Götzendienst noch schlimmer herrschen sah als sonst an andern Orten. Allerdings war damals die ganze Welt mit Götzen angefüllt; nirgend fand sich reine Gottesverehrung, allenthalben massenhafter und erstaunlicher Aberglaube; aber die Stadt Athen hatte der Satan vor andern der Vernunft beraubt, so dass die Menschen mit ganz besonderem Wahnsinn sich auf ihre unfrommen und sündhaften Gebräuche stürzten. Und es ist ein bemerkenswertes Beispiel, dass die Stadt, welche der Sitz und die Heimat der Weisheit, der Quell aller Künste, die Mutter der Bildung war, an Blindheit und Wahnsinn alle andern übertraf. Daraus können wir abnehmen, was in göttlichen Dingen menschlicher Scharfsinn vermag. Ohne Zweifel ließ Gott diesen Absturz der Athener in den äußersten Wahnsinn zu, um für alle Zeiten einen Beweis zu schaffen, dass aller menschliche Geist samt aller Bildung und Gelehrsamkeit nichts als Torheit hervorbringt, wo es sich um Gottes Reich handelt. Dass im Blick auf den Götzendienst, welchem die Stadt ergeben war, der Geist des Paulus „entbrannte“, deutet nicht einfach auf eine Entrüstung, sondern beschreibt die ganz besondere, aus heiligem Zorn entspringende Glut des Eifers, welcher den Paulus zu desto nachdrücklicherem Wirken trieb. Dabei ist zweierlei bemerkenswert. Dass Paulus in Glut geriet, als er sah, dass man Gottes Namen unfromm entweihte und seine reine Verehrung verderbte, war ein Zeugnis dafür, dass ihm nichts kostbarer war als Gottes Ehre. Solcher Eifer sollte unter uns noch mehr in Blüte stehen, wie es im Psalm heißt (69, 10): „Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt.“ Denn es ist eine allen Frommen gemeinsame Regel, dass es sie heftig brennt, wenn sie sehen, dass man ihrem himmlischen Vater Schande antut. So sagt Petrus (2. Petr. 2, 8) von dem frommen Lot, der äußerst schmutzige Untaten nicht beseitigen konnte, er habe seine Seele damit gequält. Die Lehrer aber müssen vor andern in Glut stehen, wie Paulus nach seiner eigenen Aussage (2. Kor. 11, 2) dafür eifert, die Gemeinde in wahrer Reinheit zu erhalten. Leute aber, die sich von schmachvollen Zuständen nicht rühren lassen und sie leichthin übersehen, dürfen nicht als Kinder Gottes gelten, dem sie ja nicht einmal soviel Ehre geben wie einem irdischen Vater. Das zweite, worauf wir achten, ist dies: Paulus entbrannte, stürzte aber nicht, von Verzweiflung gebrochen, zusammen. Der Abscheu knickt ihn nicht, die Schwierigkeit hält ihn nicht vom Lehren ab, sondern treibt ihn nur als schärferer Stachel, für die wahre Frömmigkeit einzutreten.

V. 17. Er redete zu den Juden und Gottesfürchtigen. Überall, wo die Juden Synagogen hatten, hielt sich Paulus an die Ordnung, dass er dort den Anfang machte und seinem Volk den Herrn Christus anbot. Von da führte ihn der nächste Schritt zu Heiden, welche von der Lehre des Gesetzes einen Eindruck bekommen hatten und den Gott Israels verehrten, wenn sie auch noch nicht völlig von der wahren Frömmigkeit durchdrungen waren: in ihrer Lernbegier verschmähten sie nicht, was ihnen als aus Mose und den Propheten entnommen dargeboten wurde. Weil solche Empfänglichkeit eine Vorbereitung auf den Glauben, ja ein Anfang desselben war, würdigt der heilige Geist solche Leute, die durch Berührung mit den ersten Anfängen dem wahren Gott näher gekommen waren, eines ehrenvollen Titels und nennt sie „Gottesfürchtige“. Haben aber allein diese unter den Heiden Gottesfurcht, so werden die andern mit dem Schandmal der Gottlosigkeit gebrandmarkt, wie ängstlich sie sich auch mit ihrem abergläubischen Kultus abquälen. Mit Recht: denn die innerste Gesinnung, die sich hinter allem äußeren götzendienerischen Glanz und Schein verbirgt, ist lediglich eine schreckliche Verachtung Gottes.

V. 18. Etliche der Philosophen stritten mit ihm. Paulus hat diese Philosophen, von denen er wohl wusste, dass sie nur zu Streitereien und Wortspaltereien geboren waren, nicht mit Absicht angegriffen, sondern ist wider seinen Vorsatz in die Disputation mit ihnen hineingezogen worden. So sagt er selbst (Tit. 1, 9), dass fromme Lehrer mit geistlichen Waffen gerüstet sein sollen, um die Wahrheit tapfer zu verteidigen, wenn Feinde sich entgegenstellen. Dabei zeigt der Fortgang, dass er nicht in sophistischer Weise stritt, sondern die Bescheidenheit bewahrte, die er selbst an einer andern Stelle fordert (2. Tim. 2, 24 f.). In der Tat müssen wir immer so verfahren, dass wir spitzfindige Reden schonend und gewichtig widerlegen und unserseits etwas Gediegenes vorbringen; stets müssen wir die Gefahr meiden, dass nicht Ehrgeiz und die Lust, unseren Geist zu zeigen, uns in überflüssige und unheilige Streitereien verwickle. Die beiden philosophischen Sekten, welche Lukas nennt, standen in scharfem Gegensatz und litten demgemäß an entgegengesetzten Fehlern. Die Epikurer verachteten die schönen und freien Künste nicht nur, sondern hassten sie geradezu. Ihre Philosophie bestand darin, an eine zwei Fuß breite Sonne2) zu glauben und die Welt aus Atomen zusammengesetzt zu denken; mit solchem Spott zerstörten sie das wunderbare Kunstwerk, das in dem Weltgebäude sich unserem Blick darbietet. Wurden sie hundertmal widerlegt, so kannten sie doch nicht mehr fromme Scheu als Hunde. Auf der einen Seite gaben sie das Dasein von Göttern zu, behaupteten dann aber, dass dieselben müßig und behaglich genießend im Himmel säßen in seligem Nichtstun. So leugneten sie eine göttliche Schöpfung der Welt, unterstellten die menschlichen Schicksale dem Zufall und glaubten nicht, dass dieselben durch eine himmlische Vorsehung gelenkt werden. Die Lust war für sie das höchste Gut, gewiss nicht eine schmutzige und zügellose, aber doch eine solche Lust, die mit ihren Lockungen die zur Nachgiebigkeit gegen das Fleisch ohnedies nur zu geneigten Menschen mehr und mehr verderben musste. Die Unsterblichkeit der Seele hielten sie für eine Fabel. So kam es, dass sie dem Leibe frei die Zügel schießen ließen. Die Stoiker 3) erklärten allerdings die Welt der göttlichen Vorsehung unterworfen, verderbten dann aber dies Hauptstück ihrer Lehre durch eine törichte, ja wahnsinnige Einbildung: sie gaben nicht zu, dass Gott die Welt durch seinen Rat, seine Gerechtigkeit und bewusste Macht leite, sondern träumten von einer unübersehbaren Verkettung von Ursachen und Wirkungen, so dass Gott selbst an ein zwingendes Schicksal gebunden und durch den Umtrieb des Himmels bestimmt und gelenkt schien, - so wie die Dichter ihren Jupiter als mit goldenen Fesseln gebunden darstellen, weil das Schicksal regiert, während er selbst etwas anderes treibt. Des weiteren erklärten die Stoiker zwar die Tugend als das höchste Gut, hatten aber keine Ahnung davon, was wahre Tugend ist, und leiteten die Menschen zu stolzem Selbstvertrauen an, um sich mit einem Schmuck zu behängen, den man Gott geraubt hatte. Wenn auch keinem Philosophen die Gnadenwirkung des heiligen Geistes etwas galt, so war diese Sekte doch die hochfahrendste. Ihre Tapferkeit war nichts anderes als eiserne Gefühllosigkeit. Umso bewundernswerter zeigt sich die Kraft des Geistes in Paulus, der mitten zwischen diesen wilden Tieren, die ihn hierhin und dorthin zu ziehen trachteten, fest, gediegen und schlicht für das Evangelium eintritt und seinen Platz sowohl gegen die hündische Gier der einen wie gegen die hochfahrenden und listigen Kniffe der andern Sekte behauptet. Hier wird kund, was Paulus von der Weisheit des Fleisches sagt (1. Kor. 1, 21), dass sie eine Feindin des Kreuzes Christi ist. Nur wer sie gänzlich fahren lässt, ist fähig, die Anfangsgründe des Evangeliums zu lernen.

Und etliche sprachen usw. Zwei Gruppen von Menschen führt uns Lukas vor, die beide von Frömmigkeit nichts wussten, deren eine aber doch weit schlechter war als die andere. Diejenigen, die hören wollen, was sie für neu halten, werden gewiss nicht von rechter Lernbegier, sondern von hohler Neugier getrieben. Auch denken sie wenig ehrenvoll von Gottes Wort, indem sie es wie eine gemeine Neuigkeit ansehen. Weil sie aber Gehör schenken und ihr Urteil aufschieben, bis sie mehr von der Sache gehört haben, steht es bei ihnen nicht ganz verzweifelt. Die andern dagegen verschließen sich den Zugang zum Heil, indem sie hochmütig verachten, ja schmähend verdammen, was ihnen angeboten wird. Denn es ist ein Ausdruck ungeheurer Überhebung, wenn sie wegwerfend schelten: Was will dieser Lotterbube sagen? Sie lassen sich nicht herab, auf Paulus zu hören, sondern stoßen ihn in beleidigender Weise von sich, als wenn er irgendein Possenreißer oder Schwätzer wäre. Dazu kommt, dass ihnen nicht unüberlegter Eifer einen Abscheu gegen seine Lehre eingibt, sondern sie absichtlich mit Füßen treten, was man ihnen von religiöser Belehrung anbietet, auch wenn sie den Inhalt noch gar nicht kennen. Die sich bisher gerühmt hatten, die Lehrer der ganzen Welt zu sein, sind zu stolz, von einem unberühmten Menschen irgendetwas zu lernen.

Es siehet, als wollte er neue Götter verkündigen. Es scheint, dass sie an einen neuen Halbgott dachten, als Paulus von Christus und der Auferstehung predigte. Wir erkennen daraus den gewaltigen Unterschied zwischen unseren Glauben und den abergläubischen Fabeln der Heiden. Denn Paulus stellt den Herrn Christus als den einzigen Mittler dar, von dem allein alles Heil kommt, in dessen Tode, der uns mit Gott aussöhnt, wir die Entsündigung suchen sollen; er lehrt, dass bis dahin unheilige und von der Sünde geknechtete Menschen durch seinen Geist erneuert und umgeschaffen werden, so dass sie nun anfangen, gerecht und heilig zu leben; sodann leitet er unsere Gedanken von solchen Anfängen, die Gottes Reich als ein geistliches erscheinen lassen, endlich zur Hoffnung auf eine künftige Auferstehung empor. Von den andern Stücken rühren die Philosophen immerhin einiges an, wenn sie auch nicht rein davon reden; sogar vom ewigen Leben und der Unsterblichkeit der Seele wird viel bei ihnen gesprochen. Über den Glauben aber, der uns in Christus die Versöhnung durch freie Gnade zeigt, über die Wiedergeburt, durch welche der heilige Geist das Bild Gottes in uns wiederherstellt, über die Anrufung Gottes und die letzte Auferstehung herrscht beständiges Schweigen.

V. 19. Sie führeten ihn auf den Gerichtsplatz, den Areopag. Die Meinung ist nicht, dass Paulus vor Gericht gezogen wurde, um sich vor den Areopagiten, den Richtern, zu verantworten. Vielmehr führte man ihn dorthin, wo eine größere Menge zusammenzuströmen pflegte, um öffentlich und in großer Versammlung mit ihm einen ernstlichen Disput zu halten. Was bald nachher von der Eigenart und den Sitten der Athener berichtet wird, lässt hinreichend ersehen, dass Neugier der Grund war, wenn Paulus eine so große Zuhörerschaft bekam und ihm eine so berühmte Stätte unter starkem Zulauf zur Predigt von Christus zur Verfügung stand. Anderwärts wäre es ein schweres Verbrechen gewesen, einen Volkshaufen zusammenzubringen und ihm auf dem Markte oder sonst einem öffentlichen Platze Reden zu halten. In Athen aber, wo die übermäßige Neugier allen Neuigkeitskrämern die Gelegenheit zum Schwätzen öffnete, besaß auch Paulus die Freiheit, auf Wunsch der Leute über die Geheimnisse des Glaubens zu reden.

V. 21. Etwas Neues zu sagen oder zu hören. Die beiden Fehler, die Lukas hier nennt, hängen fast immer zusammen. Denn wer nach Neuigkeiten lüstern ist, ist in der Regel auch geschwätzig. Völlig wahr ist, was Horaz4) sagt: „Fliehe den, der dich ausfragt, denn er ist auch ein Schwätzer.“ Man kann deutlich sehen, dass neugierige Menschen wie löcherige Fässer sind. Diese beiden Fehler entspringen aus dem Müßiggang: auf der einen Seite brachten die Philosophen mit Disputieren ganze Tage hin, auf der andern neigte das Volk selbst nur zu sehr nach immer neuen Dingen; der geringste Handwerker mischte sich in die Geschäfte des griechischen Staates. Was Lukas hier sagt, bestätigen einstimmig fast alle griechischen und lateinischen Schriftsteller, dass nämlich die Bevölkerung dort die denkbar gierigste, leichtfertigste und frechste war. Darum konnte auch in dieser Stadt, die doch die Lehrerin aller Wissenschaften war, niemals eine feste Regierung bestehen. Auf dem Gipfel ihrer Macht konnte sie doch nicht lange die Freiheit bewahren. Die Athener trieben es mit ihrer endlosen und unruhigen Vielgeschäftigkeit so weit, dass sie sich und ganz Griechenland zugrunde richteten. Selbst als schon alles zusammengebrochen war, gaben sie ihr anmaßendes Verhalten nicht auf. Darum spottete Cicero über ihre Torheit, in der sie damals nicht weniger hochfahrende Befehle erließen als zu den Zeiten, da sie Griechenland beherrschten. War nun auch bei solch neugierigen Leuten auf großen Erfolg nicht zu hoffen, so ließ sich doch Paulus die Gelegenheit nicht entgehen, aus der großen Schar vielleicht einige für Christus zu gewinnen. Auch war es für das Evangelium kein geringer Ruhm, dass er auf dem vornehmsten Platze der Stadt wie auf öffentlicher Schaubühne allen selbstgemachten Gottesdienst, der bis dahin dort im Schwange ging, angreifen und widerlegen durfte.

22Paulus aber stand mitten auf dem Gerichtsplatz, und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe euch, dass ihr in allen Stücken gar zu sehr die Götter fürchtet. 23Ich bin herdurchgegangen und habe gesehen eure Gottesdienste und fand einen Altar, darauf stand geschrieben: Einem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch denselbigen, dem ihr unwissend Gottesdienst tut. 24Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was drinnen ist, er, der ein Herr ist Himmels und der Erde, wohnet nicht in Tempeln mit Händen gemacht; 25sein wird auch nicht von Menschenhänden gepfleget, als der jemands bedürfe, so er selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.

V. 22. Ihr Männer von Athen usw. Diese Rede des Paulus lässt sich in fünf Teile zerlegen. Denn wenn auch Lukas nicht wörtlich, sondern nur in großen Grundzügen berichtet, hat er doch ohne Zweifel die Hauptstücke vollständig festgehalten. Zuerst wirft Paulus den Athenern Aberglauben vor, weil sie ihre Götter aufs Geratewohl verehren. Sodann zeigt er mit natürlichen Beweisen, wer und wie Gott ist und wie man ihn richtig verehrt. Drittens fährt er gegen den Stumpfsinn der Menschen los, die zu dem Zweck geschaffen wurden, ihren Bildner und Schöpfer zu erkennen, und doch wie blind in der Finsternis umhertappen. Viertens erinnert er, dass es nichts Ungereimteres gibt, als Gott in Statuen und Bildern zur Darstellung zu bringen, während doch der Geist des Menschen sein wahres Abbild ist. Endlich fünftens wendet sich die Aussprache zu Christus und der Totenauferstehung. Denn jene vier ersten allgemeinen Stücke musste Paulus behandeln, ehe er zum Glauben an das Evangelium übergehen konnte.

Dass ihr gar zu sehr die Götter fürchtet. Gottesfurcht kann eine sehr gute Sache sein. Man kann von ihr aber auch als von einer maßlosen Furcht sprechen, in der sich abergläubische Menschen ängstlich quälen, indem sie sich hohle Bedenken machen. In diesem Sinne will Paulus den Athenern vorwerfen, dass sie unüberlegt handeln, indem sie sich auf viel verschlungenen Irrwegen müde machen. Alle diese Formen der Gottesverehrung waren schon darum fehlerhaft, weil man nicht wusste, welche Götter man verehren solle, und nun zufällig und aufs Geratewohl ohne Maß allerlei Riten einführte. Dass die Athener unbekannten Göttern einen Altar errichteten, war ein Zeichen, dass sie selbst keine Gewissheit hatten; sie besaßen zwar einen ungeheuren Schwarm von Göttern, von denen sie viele Fabeln erzählten; indem sie aber unbekannte Götter dazu fügten, legten sie eben damit das Geständnis ab, dass sie von dem wahren göttlichen Wesen keine Erfahrung hatten. Ohne diese wahrhaftige Erkenntnis aber kann keine Religion Gott gefallen oder als heilig und rechtmäßig gelten. Ein selbst gemachter Aberglaube bewegt sich auch immer in zitternder Unruhe und denkt dabei fortwährend etwas Neues aus. So sehen wir, in welch elender Lage sich Leute befinden, die das gewisse Licht der Wahrheit nicht besitzen: in ihrem eigenen Gewissen fühlen sie sich fortwährend umgetrieben, und vor Gott mühen sie sich vergeblich. Dabei ist doch zu bemerken, dass der Teufel die Ungläubigen mit Schwärmerei betrügt, so dass sie glauben, es gebe nichts Besseres, als was ihnen gefällt. Wenn aber irgendeine neue religiöse Peinlichkeit aufkommt, wenn ein Betrüger aufsteht und ein unerhörter Wahn sich anbietet, schwanken sie nicht bloß, sondern lassen sich willig hierhin und dorthin fortreißen. So wird deutlich, dass sie nicht mit klarem Urteil und ruhigem Sinn bei der einmal angenommenen Gottesverehrung aushalten, sondern dumpf und trunken dahingehen. Immerhin noch erträglicher als diese Stumpfheit ist die ängstliche Unruhe, welche die Ungläubigen nicht zum Wohlgefallen an ihrem eigenen Treiben kommen lässt. Sie brachte es zustande, dass die Athener ihren angestammten Göttern, die sie zu kennen glaubten, weil sie dieselben in leerer Einbildung selbst geschaffen hatten, unbekannte Götter zugesellen. Darin offenbart sich eine innere Unruhe: sie glaubten noch nicht genug geleistet zu haben, wenn sie den volkstümlichen Göttern opferten, die sie von den Vorfahren überkommen hatten. Um ihre eingewurzelten falschen Meinungen zu erschüttern, geht darum Paulus von dem Grundsatz aus, dass sie nicht wissen, was sie anbeten, und überhaupt keine gewisse Gottheit besitzen. Denn wenn sie einen Gott wirklich gekannt hätten, hätten sie sich mit ihm begnügt und nicht nach unbekannten Göttern gegriffen: genügt doch die bloße Erkenntnis des wahren Gottes, alle Götzen abzuschaffen.

V. 23. Einem unbekannten Gott. Der Altar wird jeglichem fremden Gott gewidmet gewesen sein. Paulus redet aber in der Einzahl, weil er den Athenern sagen will, dass er ihnen Belehrung über einen bestimmten unbekannten Gott bringe. Er führt sich damit ein, dass er sie auf ihren Irrtum aufmerksam macht, weil sie nicht wissen, welchen Gott man verehren soll, und weil sie in dem großen Schwarm der Götter überhaupt keine gewisse Gottheit greifen. Damit will er seiner Lehre Gehör verschaffen, weil es doch unbillig gewesen wäre, das Angebot eines neuen Gottes, dem sie sich ja schon übergeben hatten, zu verwerfen und zu verachten, und weil es doch viel besser war, denselben erst einmal kennen zu lernen, als ihn aufs Geratewohl zu verehren. So kehrt Paulus zu dem Grundsatz zurück, dass man Gott in rechter und frommer Weise erst verehren kann, nachdem er sich geoffenbart hat.

V. 24. Gott, der die Welt gemacht hat. Paulus will darlegen, wie Gott beschaffen ist. Weil er aber heidnischen Leuten gegenübersteht, entnimmt er seinen Beweis der Natur; mit Schriftzeugnis hätte er ja vergeblich gefochten. Es war nun die Aufgabe des heiligen Apostels, die Athener zum wahren Gott zu führen. Davon, dass es irgendein göttliches Wesen gebe, waren sie überzeugt; nur die Irrtümer in ihrer Religion mussten verbessert werden. Die Welt bewegt sich immer auf Irrwegen, ja in einem Labyrinth, solange sie sich noch von einer undeutlichen Meinung über Gottes Wesen leiten lässt. Die wahre Regel der Frömmigkeit besteht darin, dass man deutlich erkenne, wer der Gott ist, den wir verehren. Denn woher kommt so mannigfaltiger verkehrter Gottesdienst und die große Kühnheit, ihn immer weiter zu vermehren, als eben daher, dass jedermann sich einen Gott nach eigenem Gutdünken zurechtmacht? Wo aber die Menschen nach eigenem Sinn und Geist sich Vorstellungen von Gott bilden, liegt nichts näher als eine Verfälschung des reinen Gottesdienstes. Will man allen verderbten Gottesdienst beseitigen, so muss der Anfang mit der Frage gemacht werden: Wie ist Gottes Wesen beschaffen? In dieser Richtung bewegen sich auch Christi Gedanken (Joh. 4, 24): Gott ist Geist; also will er nur solche Anbeter haben, die ihn in geistlicher Weise verehren. Dabei will Paulus nicht einen überfeinen Disput über Gottes Wesenheit anheben, sondern aus seinen Werken zeigen, welche Gotteserkenntnis nützlich ist. Was schließt er aber daraus, dass Gott der Bildner, Schöpfer und der Herr der Welt ist? Dass er nicht in Tempeln wohnt, die mit Händen gemacht sind. Wenn sich aus der Schöpfung der Welt ergibt, dass Gottes Gerechtigkeit, Weisheit, Güte und Macht sich über die Grenzen von Himmel und Erde hinaus erstrecken, so folgt, dass kein örtlich beschränkter Raum ihn umspannen kann. Doch scheint es überflüssig, dies zu beweisen. Denn der Einwand lag bereit, dass man Statuen und Bilder in die Tempel stellt, um Gottes Gegenwart zu bezeugen, dass aber niemand so roh sei, nicht zu wissen, dass Gott alles erfülle. Indessen ist es die Art des Götzendienstes, wider sich selbst zu streiten. Die Ungläubigen gaben vor, die Götter bei ihren Bildsäulen anzubeten. Hätten sie aber nicht Gottes Wesen und Kraft an diese Bildsäulen gebunden gedacht, würden sie dann von ihnen Hilfe erhofft haben? Hätten sie an dieselben ihre Bitten und Wünsche gerichtet? So kam es auch, dass der eine Tempel heiliger war als der andere. Man lief nach Delphi, von dort die Orakelsprüche des Apollo zu holen; Minerva hatte zu Athen Stätte und Wohnsitz. Nunmehr erkennen wir, dass die Worte des Paulus sich gegen die falsche Meinung richten, durch welche die Menschen sich immer haben täuschen lassen, indem sie sich fleischliche Vorstellungen von Gott machten. Der erste Schritt zur wahren Gotteserkenntnis ist, dass wir über unsere eigene Schranke hinausgehen, Gott nicht mit dem Begriffsvermögen unseres Geistes messen, sondern ihn jenseits der Welt finden wollen und von den Kreaturen unterscheiden. Von dieser Nüchternheit ist die ganze Welt immer weit entfernt gewesen, weil den Menschen die verkehrte Art angeboren ist, Gottes Herrlichkeit mit ihren Einbildungen zu entstellen. Weil sie fleischlich und irdisch sind, wollen sie etwas haben, was ihrer Natur entspricht; in ihrer Frechheit bilden sie sich einen Gott, den sie fassen können. Aber mit solchen Gebilden wir die echte und klare Erkenntnis Gottes verderbt, ja, seine Wahrheit wird, wie Paulus sagt (Röm. 1, 25), in Lügen verkehrt. Dass die Heiden solchen groben Täuschungen erlagen und Gott, den sie von seinem himmlischen Thron herabzogen, in die Elemente dieser Welt einschlossen, darf uns nicht wundernehmen, wenn dies sogar bei den Juden geschah, denen doch Gott seine geistliche Herrlichkeit offenbart hatte. Denn nicht umsonst wirft ihnen Jesaja (66, 1) vor, dass sie Gott in den Wänden des Tempels einschlössen. Allerdings würden sie einen so groben Irrtum entschieden abgeleugnet haben. Aber weil sie mit ihren Gedanken sich nicht über den sichtbaren Anblick des Tempels erhoben und im Vertrauen auf diesen Tempel rühmten, dass Gott gleichsam an sie gebunden sei, straft sie der heilige Geist mit Recht darüber, dass sie Gott wie einen sterblichen Menschen an diesen Tempel fesselten. Es ist ja überhaupt die Art des Aberglaubens, sich mit vielgestaltigen Einbildungen in Widerspruch mit sich selbst zu setzen. Noch heutzutage steht den Papisten keine andere Verteidigung zu Gebote als die, mit welcher einst Heiden und Juden ihre Irrtümer einigermaßen zu schminken und zu decken versuchten. Wenn aber Gott nicht in Tempeln wohnt, die mit Händen gemacht sind, warum bezeugt er denn an so vielen Stellen der Schrift, dass er zwischen den Cherubim sitze, und dass der Tempel seine ewige Ruhe sei? (2. Kön. 19, 15; Ps. 80, 2; 132, 14). Ich antworte: Der Gott, der nicht an einen bestimmten Ort gebunden war, wollte nichts weniger als sein Volk an irdische Symbole binden. Er stieg vielmehr zu demselben herab, um es zu sich emporzuheben. Es war also ein Missbrauch des Tempels und der Bundeslade, wenn viele Juden sich von dem Anblick dieser Dinge derartig gefangen nehmen ließen, dass sie an der Erde hafteten und sich von der Anbetung Gottes im Geist entfernten. Wir erkennen daraus den großen Unterschied zwischen den Zeichen der göttlichen Gegenwart, welche die Menschen vorwitzig sich selbst machten, und den andern, die Gott verordnet hatte; die Neigung der Menschen geht immer nach unten, und sie wollen Gott in fleischlicher Weise fassen, Gott aber will sie durch die Leitung seines Wortes zur Höhe erheben. Er bedient sich dazu der Symbole nur als Zwischenstufen, durch welche er den blöden Menschen freundlich nahe kommt, bis sie stufenweise zum Himmel emporsteigen.

V. 25. Sein wird auch nicht von Menschenhänden gepflegt. Dieselbe Frage, die wir soeben bezüglich des Tempels lösten, kann jetzt bezüglich der Gebräuche erhoben werden; scheint sich doch das Verwerfungsurteil, das Paulus über die Kultgebräuche der Heiden spricht, auch auf den Dienst des mosaischen Gesetzes übertragen zu lassen. Doch ist die Antwort leicht: die Gläubigen haben niemals den Gottesdienst eigentlich in diesen Gebräuchen gesehen, sondern haben dieselben nur als Hilfsmittel betrachtet, in denen sie sich entsprechend ihrer Schwachheit üben sollten. Das eigentliche Ziel aller dieser Ordnungen war immer die Anbetung Gottes im Geist. Und Gott verkündet laut an mehreren Stellen, dass ihm an keinem äußerlichen und sichtbaren Dinge liegt, dass die Gebräuche an sich keinen Wert haben, und dass sein wahrer Dienst allein im Glauben, reinem Gewissen, Gebet und Danksagung besteht. Wenn dagegen die Heiden Bildsäulen aufrichteten, Weihrauch anzündeten, Spiele veranstalteten und für ihre Götzen Polster hinstellten, glaubten sie, die Pflichten der Frömmigkeit aufs beste erledigt zu haben. Allerdings spotten zuweilen nicht bloß die Philosophen, sondern auch die Dichter über die Torheit des Volks, welches pomphafte und glanzvolle Gebräuche fälschlich als Gottesdienst betrachtet. Von zahlreichen Zeugnissen führe ich nur die bekannten Worte des Persius5) an:

Was hilft denn wohl das Gold, das in den Tempeln blitzet?
Das, was ein Puppenbild der Göttin Venus nützet,
Das ihr ein Mädchen schenkt! Ach, bringet doch vielmehr
Dem großen Götterchor ein solches Opfer her:
Recht und Gerechtigkeit, den heilig-stillen Geist,
Ein rein und redlich Herz, das stets die Tugend preist. Ohne Zweifel hat Gott solche Worte, vor denen jeder Vorwand der Unwissenheit schwinden muss, den heidnischen Dichtern eingegeben. Doch lässt sich leicht zeigen, dass, die so redeten, alsbald wieder in die allgemeine Torheit zurückfielen. Paulus wendet sich also dagegen, dass alle Sterblichen, vom obersten bis zum letzten, Gott durch Gebräuche und andere äußere Dinge versöhnen wollen und meinen, sie könnten sich mit eigenen Werken ihrer Pflicht gegen ihn entledigen. Er gibt auch den Grund an: der Gott Himmels und der Erde bedarf keines Dinges; der selbst jedermann Leben und Odem und alles gibt, kann von den Menschen seinerseits nichts empfangen. Denn was könnten sie ihm aus ihrem Eigenen bringen, die selbst aller Güter bedürfen und nichts haben, das ihnen nicht aus seiner unverdienten Guttätigkeit zuflösse? Sind sie doch alles durch seine freie Gnade und müssten alsbald zunichte werden, wenn er ihnen seinen Lebensodem entzöge. So folgt, dass es nicht bloß ein gedankenloses, sondern ein hochmütiges Tun ist, wenn man mit den Werken seiner Hände einen Gottesdienst leisten will. Am Schluss des Satzes ist nach der besseren Überlieferung nicht zu lesen „allenthalben“, sondern „und alles“. So wird noch eindrücklicher gesagt, dass die Menschen durchaus nichts Eigenes besitzen.

26Und er hat aus einem Blut aller Menschen Geschlechter gemacht, dass sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und hat Ziel gesetzt und vorgesehen, wie lang und wie weit sie wohnen sollen; 27dass sie den Herrn suchen sollten, ob sie doch ihn fühlen und finden möchten; und zwar er ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns. 28Denn in ihm leben, weben und sind wir; als auch etliche Poeten bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. 29So wir denn göttliches Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den güldenen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht.

V. 26. Und er hat aus einem Blut aller Menschen Geschlechter gemacht. Jetzt erinnert Paulus die Athener daran, wofür das Menschengeschlecht geschaffen ward. Er will sie damit einladen und ermahnen, den Zweck ihres Lebens zu erwägen. Sicherlich ist es schmähliche Undankbarkeit, wenn die Menschen das allen geschenkte Leben genießen und doch nicht bedenken, wofür ihnen Gott das Leben gab. Die meisten leiden an einer tierischen Stumpfheit, so dass sie überhaupt nicht darnach fragen, warum sie in die Welt gestellt wurden, und der Schöpfer Himmels und der Erde, dessen Güter sie verschlingen, überhaupt nicht in ihre Gedanken kommt. Nachdem also Paulus sich über Gottes Wesen geäußert, ist es am Platze, die Erinnerung beizufügen, dass die Menschen ernstlich nach der Erkenntnis Gottes streben müssen, weil sie eben für diesen Zweck geschaffen und geboren sind. Paulus sagt in aller Kürze, dass sie leben, um Gott zu suchen. Weil aber in der Welt nicht einerlei Religion im Schwange ging, sondern die Völker in verschiedene Sekten gespalten waren, so deutet der Apostel an, dass diese Verschiedenheit aus einer Verderbnis entspringt. Darauf deutet nämlich nach meinem Urteil die Aussage, dass alle Menschen aus einem Blut geschaffen wurden. Die Blutsverwandtschaft und der gemeinsame Ursprung des Geschlechts hätte ja ein Band der Zusammenstimmung untereinander sein müssen; es ist aber die Religion, welche die Menschen am engsten verbindet oder am weitesten trennt. So folgt, dass die Menschen, die in der Religion und Gottesverehrung zu solchem Zwiespalt gelangten, aus dem ihrer Natur angemessenen Zustand gefallen sind; denn aus welchem Orte sie auch stammen und welche Gegend der Welt sie auch bewohnen, so haben sie doch alle einen Schöpfer und Vater, den sie alle in einmütiger Zusammenstimmung suchen sollten. Alles in allem wollte Paulus lehren, dass die naturgemäße Ordnung verletzt ward, als man die gemeinsame Religion zerriss, und dass die Zerfahrenheit, die sich jetzt unter den Menschen sehen lässt, ein Zeugnis von zerstörter Frömmigkeit ist; denn sie fielen von Gott als dem gemeinsamen Vater ab, in welchem alle Verwandtschaft begründet ist.

Dass sie auf dem ganzen Erdboden wohnen usw. Wenn wir auf dieser Erde mannigfache Umwälzungen sehen, wenn Königreiche untergehen, Länder ihre Besitzer wechseln, Städte umgestürzt und Völker ausgerottet werden, meinen wir törichterweise, dass in diesen Dingen das Schicksal oder der Zufall regiere. Gott aber bezeugt hier durch den Mund des Paulus, dass längst durch seinen Rat festgesetzt und vorgesehen ward, wie lang der Bestand jedes einzelnen Volkes währen und in welchen Grenzen es wohnen solle. Hat aber Gott ihnen eine bestimmte Zeitdauer und die Grenzen ihres Gebietes verordnet, so ist kein Zweifel, dass er über ihren ganzen Lebenslauf Verfügung traf. Und wir bemerken, dass Paulus Gott dem Herrn nicht ein bloßes Vorauswissen zuschreibt, wie viele in ihrem Unverstand tun, sondern den Grund aller Geschehnisse in seinem Plan und Wink erkennt. Denn er sagt nicht, dass Gott die Zeiten zuvor gesehen, sondern vorgesehen und gesetzt habe. Er führt also mit seiner wirksamen Kraft aus, was er in seinem Rat beschloss, nach dem Psalmwort (115, 3): „Unser Gott ist im Himmel, er kann schaffen, was er will.“ Wie also im Kriegslager einer jeden Kompanie und Abteilung ihr besonderer Posten angewiesen ist, so sind auch die Menschen über die Erde verteilt, so dass jedes Volk mit seinen Grenzen sich begnügen muss und innerhalb der Völker ein jeglicher seinen Wohnsitz einnimmt. Hat nun auch immer wieder die Ehrsucht überhand genommen, so dass viele sich von böser Begierde entzünden ließen und ihre Grenzen übersprangen, so hat menschliche Laune Gott den Herrn doch nie hindern können, aus seinem verborgenen Heiligtum alle Dinge zu seinem Ziel zu lenken. Scheinen die Menschen mit Lärm, den sie auf Erden machen, den Himmel zu stürmen, um Gottes Vorsehung umzustürzen, so müssen sie doch dieselbe nur bekräftigen, sie mögen wollen oder nicht.

V. 27. Dass sie den Herrn suchen sollten usw. Dieser Satz birgt zwei Gedanken, einmal, dass der Mensch verpflichtet ist, Gott zu suchen, zum andern, dass Gott selbst sich ihm entgegenbewegt und sich durch offenbare Zeichen derartig sichtbar macht, dass sie sich mit Unwissenheit nicht entschuldigen können. Wer also nicht allen Eifer anwendet, Gott zu suchen, missbraucht aufs schlimmste dieses Leben und ist nicht wert, auf der Erde zu wohnen. Es ist mit ihm, wie wenn eine Art von Lebewesen von dem ihr durch die Natur eingeprägten Instinkt abfallen wollte, was doch ein schauderhaftes Wunder wäre. Und sicherlich ist nichts ungereimter, als dass Menschen ihren Schöpfer nicht kennen, zu dessen Erkenntnis ihnen doch vornehmlich die Vernunft gegeben ward. Insbesondere aber wollen wir auf Gottes Güte achten, in welcher er so freundlich sich herablässt, dass auch Blinde ihn greifen können. Umso schändlicher und unerträglicher ist der Menschen Blindheit, die bei so deutlicher und kenntlicher Offenbarung sich durch Gottes Gegenwart nicht berührt fühlen. Wohin sie nach oben oder unten die Augen richten, müssen sie auf zahllose lebensvolle Bilder der göttlichen Macht, Weisheit und Güte stoßen; denn Gott hat seine Herrlichkeit im Weltgebäude nicht in nur schattenhaften Spuren, sondern in ganz klaren Kennzeichen überall ausgeprägt. Wer daraus keinen Nutzen zieht, ist nicht bloß blind, sondern stumpfsinnig. Doch erhebt sich die Frage, ob wirklich die Menschen auf natürlichem Wege zur wahren und klaren Gotteserkenntnis gelangen können. Paulus gibt ja zu verstehen, dass es nur an ihrer Trägheit liegt, wenn sie Gottes Gegenwart nicht spüren (Röm. 1, 19 ff.); denn er bleibt gleichsam greifbar, wenn sie auch die Augen schließen. Ich antworte: ihrer Stumpfheit und Unwissenheit ist Bosheit beigemischt, so dass sie ohne rechtes Urteil und wahre Empfindung an allen Zeichen der Herrlichkeit Gottes vorübergehen, die im Himmel und auf der Erde helle leuchten. Da aber die wahre Erkenntnis Gottes sein besonderes Geschenk ist und der Glaube, durch welchen allein man ihn recht erkennt, nur aus der Erleuchtung durch den Geist erwächst, so folgt, dass die bloße Natur unseren Geist bis dahin nicht zu führen vermag. Paulus erörtert hier auch nicht, was in der Fähigkeit des Menschen liegt, sondern erklärt sie lediglich für unentschuldbar, wenn sie mitten in so hellem Lichte blind bleiben. Obwohl also die Sinne der Menschen versagen, wenn sie Gott erforschen wollen, haben sie doch keinen Vorwand, mit dem sie ihre Schuld decken könnten; denn obwohl Gott sich zum Greifen anbietet, bleiben sie starr und stumpf (vgl. zu 14, 16 ff.).

Er ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns. Um die Menschen in ihrer Verkehrtheit noch schwerer verantwortlich zu machen, erklärt Paulus, dass man Gott nicht erst auf langen Umwegen und in mühseliger Wanderung suchen müsse: wird ihn doch jeder in sich selbst finden, wenn er nur darauf merken will. Diese Erfahrung überführt uns, dass unsere Stumpfheit nicht von Schuld frei ist, obwohl sie uns durch den Fall Adams angetan wurde. Denn wenn auch kein Winkel in der Welt ohne irgendein Zeugnis der Herrlichkeit Gottes ist, so brauchen wir doch nicht über uns selbst hinauszugehen, um ihn zu greifen. Denn mit seinem kräftigen Wirken macht er sich in einem jeden von uns derartig spürbar, dass unsere Unempfänglichkeit ein fast unbegreifliches Wunder ist, wenn wir ihn spüren und doch nicht spüren. Unter diesem Gesichtspunkt haben manche Philosophen den Menschen einen Mikrokosmos, d. h. eine Welt im Kleinen, genannt, weil er vor allen andern Kreaturen ein mit zahl losen Wundern angefülltes besonderes Beispiel für Gottes Herrlichkeit ist.

V. 28. Denn in ihm leben, weben und sind wir. Das will nicht nur besagen, dass wir durch Gott sind, sondern dass er uns gleichsam umschließt, und dass sein kräftiges Wirken uns durchdringt. Darum unterscheidet sich ja Gott selbst von allen Kreaturen durch den Namen Jehova, d. h. der da ist, damit wir wissen, dass im eigentlichen Sinne er allein wirklich ist, während wir nur in ihm Bestand haben, soweit er uns durch seinen Geist belebt und erhält. Denn durch die Welt in allen ihren Teilen ist die Kraft des Geistes ergossen, welche sie in ihrem Bestand schützt, welche dem Himmel und der Erde die lebendige Bewegung, die wir an ihnen sehen, mitteilt und den Lebewesen, dass sie sich regen. Gewiss ist es nicht so, wie gewisse Schwärmer fantasieren, dass das All der Götter voll sei, und dass auch die Steine Gottheit in sich bergen; aber Gott erhält durch die Lebenskraft und den Antrieb seines Geistes, was er aus nichts geschaffen hat. Übrigens ist hier insbesondere von den Menschen die Rede, weil Paulus gesagt hatte, dass sie den Gott, den sie in sich finden, nicht in der Ferne zu suchen haben. Des Weiteren ist die Aussage stufenförmig aufgebaut: dass die Menschen leben, ist wertvoller, als dass sie nur weben oder sich bewegen; dass sie sich bewegen, wertvoller, als dass sie sind oder existieren. Paulus will also sagen: außer in Gott haben wir nicht nur kein Leben, ja nicht einmal Bewegung, ja selbst nicht das bloße Dasein. Dass bei den Menschen das „Leben“ das Wertvollste ist, sage ich, weil sie nicht nur Empfindung und Bewegung besitzen, wie die unvernünftigen Tiere, sondern mit Vernunft und Selbstbewusstsein begabt sind. Darum preist die Schrift das einzigartige Geschenk, mit welchem Gott uns schmückte, mit einem besonderen Ruhmestitel. So heißt es bei Johannes (1, 4), wo von der gesamten Schöpfung die Rede ist, mit gutem Grunde noch besonders: „Das Leben war das Licht der Menschen.“ Nun sehen wir, dass alle Menschen, die von Gott nichts wissen, auch sich selbst nicht kennen; denn sie haben Gott nicht nur in den auszeichnenden Gaben ihres Geistes gegenwärtig, sondern schon in ihrem bloßen Dasein, da ja ein wahres Sein nur von Gott ausgesagt werden darf, während alles andere sein Dasein von ihm entlehnt. Diese Stelle lehrt auch, dass Gott die Welt nicht nur einmal geschaffen hat, um sich dann von seinem Werk zurückzuziehen, sondern dass dieselbe nur durch sein kräftiges Wirken besteht, und dass derselbe Gott, der einmal der Schöpfer war, fortwährend auch der Regierer bleibt. Diese Tatsache, dass Gott alles mit seinem Leben durchdringt, müssen wir uns richtig vor Augen halten, damit wir in jedem Augenblick an Gott gedenken.

Als auch etliche Poeten usw. Paulus zitiert einen halben Vers aus Aratus6), nicht als ob dieser ihm eine Autorität wäre, sondern um den Athenern Scham einzuflößen. Denn solche Dichtersprüche entspringen doch keiner andern Quelle als der Natur und allgemeinen Vernunft. Es ist ja nicht wunderbar, dass Paulus in einer Rede, die für Ungläubige und mit wahrer Frömmigkeit noch unbekannte Leute bestimmt ist, sich eines Dichterzeugnisses bedient, welches ein Bekenntnis dessen ist, was dem menschlichen Geist von Natur eingeboren und eingeprägt war. Freilich sprach Aratus ohne Zweifel von Jupiter, und doch ist es keine Verdrehung, wenn Paulus auf den wahren Gott anwendet, was jener in seiner Unwissenheit von Jupiter sagte. Auch bei Virgil7) lesen wir, dass alles Jupiters voll sei; und doch wird kein Vernünftiger sich bedenken, auf den wahren Gott zu übertragen, was dort von Götzen steht. Auch sagt Virgil von der Welt, dass sie von innen ein Geist nähre:

„und ganz die Glieder durchströmend,
Reget Seele das All, dem großen Leibe vereinigt.“

Dies meint er mehr im Sinne der platonischen Philosophie, als dass er eine rechte Vorstellung davon hätte, wie die Welt durch den verborgenen Einfluss des göttlichen Geistes erhalten wird. Doch hinderte die schiefe Vorstellung den Paulus nicht, den wahren, wenn auch durch menschliche Fabeln verderbten Grundsatz aufzunehmen, dass die Menschen göttlichen Geschlechts seien, weil sie in ihrer besonders vortrefflichen Naturausrüstung etwas Göttliches verraten. Das ist es, was die Schrift lehrt, dass wir nach dem Bilde und Gleichnis Gottes geschaffen wurden. Ohne alles Weitere heißt es nun von allen Sterblichen, dass sie göttlichen Geschlechts oder Gottes Kinder sind, weil sie durch Vernunft und Selbstbewusstsein Gott nahe stehen; weil aber Gottes Bild in ihnen beinahe ausgetilgt ist und man davon nur noch schwache Linien sieht, wird dieser Name mit Recht auf die Gläubigen beschränkt, die mit dem Geist der Kindschaft beschenkt wurden und nun in ihrer erleuchteten Vernunft, in Gerechtigkeit und Heiligkeit die Züge des Vaters an sich tragen.

V. 29. So wir denn göttliches Geschlechts sind. Paulus zieht den Schluss, dass man Gott nicht durch Bilder und Statuen darstellen könne, da er ja sein Bild in unserer Persönlichkeit ausprägen wollte. Denn die Seele, in welche recht eigentlich Gottes Bild eingedrückt ward, kann man nicht malen; umso ungereimter ist es also, Gott malen zu wollen. Nun sehen wir, welches Unrecht man Gott dem Herrn antut, wenn man ihm ein körperliches Angesicht andichtet. Denn die Seele des Menschen, an welcher man doch kaum ein winziges Fünkchen der unermesslichen Herrlichkeit Gottes spürt, lässt schon nichts Derartiges zu. Es heißt also Gottes Wahrheit in Lüge verkehren (Röm. 1, 23), wenn man seine Majestät unter irgendeiner sichtbaren Gestalt darstellt. Mochten auch zu allen Zeiten die Götzendiener ihre Entschuldigen vorbringen, so haben ihnen doch die Propheten mit gutem Grunde immer vorgeworfen, was ihnen Paulus jetzt vorwirft, dass die Gottheit den güldenen, silbernen und steinernen Bildern gleich werde, wenn man ihr aus vergänglichem Stoff ein Bild mache. Die Heiden bedienten sich der Abbilder, um nach ihrem rohen Verständnis besser die Nähe ihres Gottes zu spüren. Da aber Gott unendlich weit über dem Begriffsvermögen unseres Geistes steht, verunstaltet jeder, der ihn mit seinem eigenen Geist zu begreifen strebt, sein erhabenes Wesen durch eine verkehrte und trügerische Einbildung; es ist also unrecht, aus dem eigenen Geist etwas über ihn zu erdichten. Was aber noch schlimmer ist, steht doch auch fest, dass die Menschen nur darum Gottesbilder errichten, weil sie von ihm irgendetwas Fleischliches gedenken, womit sie ihm eine Schmach antun. Heutzutage sind die Papisten um nichts weniger entschuldbar; denn trotz aller Vorwände für ihre Bilderverehrung können sie den verderbten Wahnglauben nicht verleugnen, dass man Gott vor den Bildern einen rechten Dienst darbringe.

30Und zwar hat Gott die Zeit der Unwissenheit übersehen; nun aber gebeut er allen Menschen an allen Enden, Buße zu tun, 31darum, dass er einen Tag gesetzt hat, auf welchen er richten will den Kreis des Erdbodens mit Gerechtigkeit durch einen Mann, in welchem er´s beschlossen hat, und jedermann vorhält den Glauben, nachdem er ihn hat von den Toten auferweckt. 32Da sie hörten die Auferstehung der Toten, da hatten´s etliche ihre Spott; etliche aber sprachen: Wir wollen dich davon weiter hören. 33Also ging Paulus von ihnen. 34Etliche Männer aber hingen ihm an und wurden gläubig, unter welchen war Dionysius, einer aus dem Rat, und ein Weib mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

V. 30. Und zwar hat Gott die Zeit der Unwissenheit übersehen, d. h. er hat sich um diese Zeit der Unwissenheit nicht gekümmert. Es scheint ungereimt, dass die mit Vernunft und Urteil begabten Menschen in der allerwichtigsten Sache so groben und schmählichen Täuschungen erlagen; aber Paulus will eben zu verstehen geben, dass die Menschen sich in endlosem Irrtum bewegen, bis ihnen Gott zu Hilfe kommt. Auch dafür, dass Gott ihnen nicht früher ein Heilmittel schenkte, gibt er keinen andern Grund an als Gottes Wohlgefallen. In der Tat können wir den Grund dafür nicht fassen, weshalb Gott das Licht seiner Lehre so plötzlich erst anzündete, nachdem er die Menschen viertausend Jahre lang in der Finsternis hatte gehen lassen. Und wenn die Schrift ihn uns verschweigt, soll uns ein nüchternes Nichtwissen mehr gelten als eine unzeitige Weisheit. Andere allerdings deuten den Satz des Paulus dahin, dass Gott die Unwissenheit schonend übersehen habe und sie in seiner Nachsicht nicht strafen wollte. Aber dieser Gedanke liegt dem Sinne und der Absicht des Paulus ganz fern, der nichts weniger vorhatte, als die Schuld der Menschen zu verringern, der vielmehr Gottes Gnade rühmen wollte, die plötzlich leuchtend aufging. Wie falsch jener Gedanke ist, geht auch aus andern Stellen hervor (Röm. 2, 12): „Denn die ohne Gesetz gesündigt haben, werden trotzdem ohne Gesetz umkommen.“ Alles in allem: die Worte des Paulus wollen nichts anderes besagen, als dass die Menschen in Blindheit befangen waren, bis sich ihnen Gott offenbarte. Sollte uns dabei die eitle und verkehrte Lust anwandeln, mehr wissen zu wollen, als sich gebührt, so möge uns alsbald in den Sinn kommen, was Paulus an mehr als einer Stelle lehrt (Röm. 16, 25; Eph. 3, 9), dass der plötzliche Aufgang des Evangeliums für die Heiden ein von der Welt her verborgenes Geheimnis war. Wir haben hier ein Beispiel der vielgestaltigen Weisheit Gottes, die über alle menschliche Begreifen geht. Weiter wollen wir bedenken: dass Gott die Irrtümer der Menschen lange Zeit nicht heilen wollte, erleichtert keineswegs ihre Schuld. Denn ihr Gewissen überführt sie fortwährend, so dass sie der gerechten Verdammnis nicht entgehen können. Und Paulus will nicht die Schuld auf Gott schieben, sondern vorwitzige und schädliche Fragen abschneiden, wenn er sagt, dass Gott sich um die Irrwege der Welt nicht gekümmert habe. Wir lernen daraus, mit welcher Ehrfurcht und Bescheidenheit wir unsere Gedanken über Gottes Vorsehungswalten bilden müssen; niemand soll sich von seiner stolzen Menschennatur verleiten lassen, von Gott Rechenschaft für sein Tun zu fordern. Kann nun schon für die Väter Unwissenheit keine Entschuldigung sein noch sie vor Gott schuldlos machen, so würde bei uns, die wir Gottes Ansprache erleben, Gleichgültigkeit noch viel unerträglicher sein, wollten wir am hellen Mittag blind bleiben und unter der klingenden Posaune des Evangeliums taub und schläfrig daliegen.

Nun aber gebeut er, Buße zu tun. Mit diesen Worten erinnert Paulus, dass man Gott dem Herrn das Ohr leihen muss, sobald er redet, wie geschrieben steht (Ps. 95, 7 f.; Ebr. 3, 7 f.): „Heute, so ihr hören werdet seine Stimme, so verstockt eure Herzen nicht!“ Die Widerspenstigkeit von Menschen, die Gott gütig zu sich einlädt und die solche Gelegenheit sich entgehen lassen, ist unentschuldbar. Des Weiteren erschließen wir aus dieser Stelle, zu welchem Zweck das Evangelium gepredigt werden soll; Gott will uns damit von den Irrwegen unseres früheren Lebens zu seiner Gemeinschaft herumholen. So oft also die Stimme des Evangeliums uns in die Ohren klingt, sollen wir wissen, dass Gott uns zur Buße mahnt. Bemerkenswert ist auch, dass der Apostel Gott selbst als redend einführt, obwohl er doch durch Menschen redet. Die volle Autorität, welche der himmlischen Wahrheit gebührt, wird ja das Evangelium erst gewinnen, wenn unser Glaube auf den Herrn schaut, der hinter dem irdischen Prediger steht und an seinem Munde hängt.

V. 31. Darum, dass er einen Tag gesetzt hat usw. Die Erinnerung an das letzte Gericht soll alle Gleichgültigkeit verscheuchen. Wir wissen ja, wie schwer es den Menschen fällt, sich selbst zu verleugnen; darum muss man sie mit Gewalt zur Buße treiben, was nicht besser geschehen kann, als indem man sie vor Gottes Richterstuhl ruft und ihnen jenes schreckliche Gericht vor Augen stellt, dass sie nicht verachten und dem sie nicht entfliehen können. Wir wollen uns also einprägen, dass die Predigt der Buße erst dann recht im Schwange geht, wenn die Menschen, die von Natur sich gar zu gern schmeicheln möchten, durch die Furcht vor dem göttlichen Gericht aufgeweckt werden. Ein geeigneter der Lehrer des Evangeliums ist nur, wer als ein Herold des obersten Richters oder als Gerichtsdiener auftritt, der die Angeklagten zur Verantwortung heranschleppt und die drohende Strafe ankündigt, als hätte er sie selbst in der Hand. Mit gutem Grunde wird auch hinzugesetzt, dass Gott mit Gerechtigkeit richten wolle. Wenn auch mit Worten jedermann zugesteht, dass Gott ein gerechter Richter ist, so sehen wir doch, wie die meisten ganz behaglich dahingehen; sie erlauben auch Gott dem Herrn nicht, über das hinaus Rechenschaft zu fordern, was sie selbst wissen und fühlen. Paulus meint also, dass die Menschen mit eitlen Selbsttäuschungen nichts ausrichten werden; denn sie werden damit der Gerechtigkeit Gottes nicht vorgreifen, für deren Urteil ein Gräuel ist, was vor Menschen hoch und erhaben scheint. Gott hält sich nicht an die Meinungen der Menschen, sondern an die von ihm selbst gegebene Formel.

Durch einen Mann, in welchem er´s beschlossen hat. Ohne Zweifel hat Lukas nur kurz zusammengefasst, was Paulus von dem Gottessohn predigte, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ward. Wahrscheinlich hat der Apostel auch erst von der Gnade Christi und der durch ihn für die Menschen beschafften Erlösung gepredigt, ehe er auf ihn als Richter zu sprechen kam. Weil man aber Christus, der als Erlöser angeboten wird, nur zu leicht verachtet, verkündigt Paulus nun, dass er als Rächer wider solch unfromme Verachtung auftreten werde, weil er den Erdkreis richten soll. Dass Gott einen Tag „gesetzt“ hat, kann sich sowohl auf seinen verborgenen Rat als auf dessen äußere Offenbarung beziehen. Ich bevorzuge die erste Deutung: Gott hat in seinem ewigen Rat den Sohn zum Weltrichter verordnet. Die Verworfenen, welche der Herrschaft Christi sich nicht beugen wollen, sollen darum wissen, dass sie wider Gottes unumstößlichen Beschluss vergeblich kämpfen werden. Weil es aber der gemeinen menschlichen Empfindung sehr fern liegt, dass Gott durch einen Menschen sein Gericht vollziehen werde, fügt Paulus hinzu, dass Gott denselben von den Toten auferweckt und dadurch seine schwer glaubhafte Würde bestätigt habe. Gewiss müsste Gottes bloßer Wille bei uns derartig in Achtung stehen, dass ein jeglicher seinen Verfügungen sich ohne Zögern unterwürfe; weil man sich aber oft mit Unwissenheit zu entschuldigen pflegt, erinnert Paulus ausdrücklich, dass Christus durch seine Auferstehung öffentlich als Weltrichter aufgezeigt, und dass den Menschen dadurch vor Augen gestellt wurde, was Gott zuvor über ihn beschlossen hatte. Paulus wird ja nicht nur mit einem einzigen Wort an Christi Auferstehung erinnert, sondern mit der gebührenden Ausführlichkeit von der Kraft der Auferstehung gehandelt haben. Denn wozu anders ist Christus auferstanden, als dass er der Erstling aller derer würde, die auferstehen? (1. Kor. 15, 23.) Und wozu anders werden wir auferstehen als zum Leben oder zum Tode? Daraus folgt, dass Christus durch seine Auferstehung als Weltrichter dargetan und erwiesen ward (vgl. 26, 23).

V. 32. Da hatten´s etliche ihren Spott. Daraus sehen wir, wie hochmütig die Menschen in ihrer Sicherheit sind, indem weder Gottes Gericht noch die Majestät des obersten Richters selbst sie in irgendwelcher Furcht erzittern lässt. Freilich erklärten wir es für den schärfsten Stachel, der eine Menschenseele zur Gottesfurcht treiben kann, wenn man ihr das Gericht vorstellt; aber Verächter beweisen eine so eiserne Härte, dass sie kein Bedenken tragen, als eine Fabel zu verspotten, was man ihnen von der Rechenschaft sagt, die sie einmal über ihr Leben ablegen müssen. Darum dürfen aber die Diener des Evangeliums nicht von der Ankündigung des Gerichts abstehen, die ihnen übertragen ward. Mögen gottlose Leute darüber lachen; die Lehre, die sie verspotten möchten, wird sie innerlich binden, so dass sie endlich spüren müssen, wie vergeblich sie gegen ihre Fesseln ankämpften. Übrigens ist es nicht zu verwundern, dass man zu Athen über dieses Stück der Predigt des Paulus spottete; denn es ist ein dem Menschengeist verborgenes Geheimnis, welches nicht einmal den ersten Philosophen in den Sinn kam; es kann auch nicht anders von uns begriffen werden, als indem wir die Augen des Glaubens zu Gottes unermesslicher Macht erheben. Indessen blieb die Predigt des Paulus nicht ohne Frucht; unter den Zuhörern waren einige, die weiter fortzuschreiten begehrten. Denn ihre Rede: Wir wollen dich davon weiter hören – verrät zwar noch nicht eine völlige Überzeugung, aber immerhin einen gewissen Eindruck, der ihnen ein Streben nach Fortschritt eingibt. Solcher Wunsch war sicherlich das Gegenteil wegwerfender Ablehnung.

V. 34. Unter welchen war Dionysius. Dass Lukas nur einen Mann und ein Weib nennt, lässt ersehen, dass die Zahl der Gläubigen anfangs gering war. Denn die andern, von welchen wir hörten, blieben gleichsam in der Mitte stehen, indem sie die Lehre des Paulus weder gänzlich verachteten, noch sich so ernstlich ergriffen zeigten, dass sie sich ihm als Schüler angeschlossen hätten. Den Dionysius nennt Lukas vor andern, weil er als einer aus dem Rat unter seinen Mitbürgern ein besonderes Ansehen besaß; darum wird vermutlich auch Damaris eine vornehme Frau gewesen sein. Übrigens ist es lächerlich, dass die Papisten aus dem Ratsherrn einen Astrologen gemacht und ihm die sehr viel später8) entstandenen, mit vielen ungesalzenen Mönchsfabeln angefüllten Bücher über „die himmlische und kirchliche Hierarchie“ und über „die göttlichen Namen“ zugeschrieben haben.

1)
So auch Luther, und zwar ohne Zweifel mit Recht; nicht zwar die ganze Einwohnerschaft, wohl aber die Judenschaft in Beröa zeigte sich edler als die in Thessalonich
2)
Weil die sinnliche Wahrnehmung als Maßstab der Wahrheit galt, sollte auch die Sonne nicht größer sein, als sie dem naiven Beobachter zu sein scheint. Sonst vgl. Anm. zu 17, 4.
3)
So genannt nach einer Stoa, d. h. Säulenhalle, in welcher ihr Stifter, der Philosoph Zeno – um 300 vor Chr. – seine Schüler in Athen versammelte.
4)
Römischer Dichter zur Zeit des Augustus – Epistel I, 18, 69.
5)
Römischer Dichter im 1. Jahrhundert n. Chr., Satire 2, V. 69 ff.
6)
Dichter aus Cilicien, im 3. Jahrhundert v. Chr., in seiner 5. Hymne an Jupiter.
7)
Römischer Dichter des 1. Jahrhunderts v. Chr., Bucolica, Ekloge 3, 60 und Aeneis 6, 724 ff.
8)
Um 500.
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