Calvin, Jean - Apostelgeschichte - Kapitel 10.

Calvin, Jean - Apostelgeschichte - Kapitel 10.

1 Es war aber ein Mann zu Cäsarea, mit Namen Kornelius, ein Hauptmann von der Schar, die da heißt die welsche, 2 gottselig und gottesfürchtig samt seinem ganzen Hause, und gab dem Volk viel Almosen und betete immer zu Gott. 3 Der sah in einem Gesichte offenbarlich um die neunte Stunde am Tage einen Engel Gottes zu sich eingehen, der sprach zu ihm: Kornelius! 4 Er aber sah ihn an, erschrak und sprach: Herr, was ist´s? Er aber sprach zu ihm: Deine Gebete und deine Almosen sind hinaufgekommen ins Gedächtnis vor Gott. 5 Und sende Männer gen Joppe und lass fordern Simon, mit dem Zunamen Petrus, 6 welcher ist zur Herberge bei einem Gerber Simon, des Haus am Meer liegt; der wird dir sagen, was du tun sollst.

V. 1. Lukas geht zu einer denkwürdigen Erzählung über: Gott hat einen unbeschnittenen Fremdling vor den Juden besonderer Ehre gewürdigt, indem er ihm seinen Engel zuschickt und um seinetwillen den Petrus nach Cäsarea bringt, der ihn im Evangelium unterweisen soll. Dieser Kornelius war ein Hauptmann von der Schar, die da heißt die welsche, d. h. von der aus Italien stammenden Kohorte. Solche Kohorte bestand aus tausend Fußsoldaten und wurde von einem Tribunen befehligt. Sie zerfiel meistens in fünf Zenturien oder Hundertschaften, deren jede einen Hauptmann hatte. Die Römer brachten aus den Provinzen und von ihren Bundesgenossen Soldaten auf; ihre Kerntruppen aber hoben sie in Italien aus. So stammte auch Kornelius dorther. In Cäsarea bildete er mit seiner Zenturie die Besatzung der Stadt, wie die Römer eine solche in allen hervorragenden Städten hielten, um plötzliche Bewegungen zu unterdrücken. Die über die Provinzen verteilten Soldaten aus Italien glichen nun hungrigen und beutegierigen Wölfen; insgemein hatten sie nicht mehr Religion als wilde Tiere und nicht mehr sittliches Streben als Straßenräuber. Umso lobenswerter sind die Tugenden des Kornelius, der in dem damals äußerst verderbten Soldatenstande in heiligem Sinn Gott verehrte und unter den Menschen ohne Übeltat und Unrecht wandelte. Es hinderte ihn nicht die sonst gewöhnliche römische Selbstgefälligkeit, noch die allgemeine Verachtung, die man den Juden entgegenbrachte, seine Götzen zu verlassen und sich zu der im Gesetz geoffenbarten Verehrung des einen Gottes zu wenden. Das war ein Zeichen eines rechtschaffenen Sinnes, wie man ihn selten findet. Ohne Zweifel hatte ihn auch Gott besonders begnadigt, indem er ihn irgendwann einmal mit einem rechten Gottesverehrer in Berührung brachte, der ihm das Gesetz, unverfälscht durch die sonst verbreiteten jüdischen Lehren, treulich ausgelegt haben muss.

V. 2. Des Kornelius vorbildlicher Wandel bestand nun in den zwei Hauptstücken, die von den zwei Tafeln des Gesetzes umspannt werden. Lukas rühmt zuerst seine Frömmigkeit, wie denn der Glaube die Wurzel eines rechtschaffenen Lebens ist, sodann seine Liebesübung gegen die Menschen. Kornelius war gottselig und gottesfürchtig. Dass er sich dabei nicht bloß an äußere Gebräuche hielt, sondern Gott im Geist verehrte, ersehen wir aus dem Zusatz, dass er zu Gott betete. Bemerkenswert ist auch die Angabe, dass er immer betete; er erfüllte also nicht die allgemein geübte Gebetspflicht kalt und oberflächlich, sondern betete mit ernster Anspannung, wie denn Gott durch immer wiederholte Wohltaten uns dazu einlädt und treibt und die Kraft des Glaubens sich eben in ständigem Gebet beweisen muss.

Samt seinem ganzen Hause. Auch an dieser lobenden Bemerkung wollen wir nicht leichthin vorübergehen, dass Kornelius eine Gottesgemeinde in seinem Hause hatte. Freilich kommt es vor, dass ein frommer Mann nicht einmal seine Frau zu gleicher Gesinnung führen kann; doch soll ein Hausvater, der andere zu regieren hat, auf jede Weise dahin streben, dass dem Herrn seine Herrschaft zuteil werde. Nichts ist billiger, als dass wir uns und alles, was unser ist, ihm weihen. Schlagen also eines frommen Mannes Kinder aus der Art, oder geht sein Weib böse Wege, oder halten seine Knechte sich nichtsnutzig, so soll er es nicht gehen lassen, noch soll er in Trägheit die Befleckung seines Hauses dulden. Doch wird bei Kornelius nicht bloß sein Eifer, sondern Gottes Segen gerühmt, durch den es zustande kam, dass seine Familie ihm in der Frömmigkeit nachfolgte. Dabei wollen wir uns vergegenwärtigen, dass diese Erziehung seines Hauses in der Furcht Gottes keineswegs gefahrlos war. Hasste man doch die jüdische Religion heftig, und ein römischer Bürger konnte nicht ungestraft sich einer so genannten fremden Religion ergeben.

Und gab dem Volk Almosen. Dies ist das zweite Stück, der Erweis der Gottesfurcht in Gütigkeit und Gerechtigkeit gegenüber den Menschen. Die „Almosen“ werden nur beispielsweise genannt. Das griechische Wort könne buchstäblich übersetzt werden: „Barmherzigkeiten.“ Ein wahres und wohlgeordnetes Wohltun entspringt ja immer nur daraus, dass die Leiden der Brüder unser Erbarmen hervorrufen, so dass wir in Gedanken an die Einheit, zu der wir mit ihnen verbunden sind, sie hegen und pflegen wie unser eigenes Fleisch und ihnen zu helfen streben wie unseren eigenen Gliedern. Freilich können auch Heuchler unter Umständen viel ausstreuen; aber was sie den Armen geben, verdient nicht eine „Barmherzigkeit“ zu heißen. Denn es gilt das Wort des Paulus (1. Kor. 13, 3): „Wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.“ Wir sollen also lernen, aus geöffnetem Herzensgrunde von dem zu spenden, was Gottes Freigebigkeit uns darreicht. So stellte sich Kornelius übrigens zu den Juden, weil er mit ihnen religiöse Gemeinschaft fühlte. Unter diesem Gesichtspunkt sagt Lukas auch nachher (V. 22), dass er bei allen Juden ein gutes Gerücht hatte. Wie beschämt dieser doch nur in den ersten Anfängen des Glaubens unterwiesene Mann uns, die wir als allerchristlichste Lehrer gelten wollen und doch in den Übungen der Frömmigkeit so lässig sind! Wenn ein geringes Fünklein von Glauben bei ihm soviel vermochte, was müsste dann bei uns der volle Glanz der Erkenntnis wirken? Wie stumpf sind wir doch im Gebet, wie lässig und träge in den Pflichten der Barmherzigkeit! Dazu lassen sich viele durch schmutzigen Geiz nicht nur am Wohltun hindern, welches ihnen ziemte, sondern glühen sogar im Fieber der Habsucht und sind so grausam und herzlos geworden, dass sie ungescheut die Habe der Armen an sich reißen und gar ihr Fleisch verschlingen.

V. 3. Weil die Menschen sich oft durch Gaukelwerk täuschen lassen, merkt Lukas ausdrücklich an, dass dem Kornelius in einem Gesichte offenbarlich um die neunte Stunde eine Offenbarung zuteil ward. Dadurch will er jedem Verdacht begegnen. Man teilte im Altertum den Tag vom Aufgang bis zum Untergang der Sonne in zwölf Stunden. Daraus folgt, dass es noch heller Tag war, als der Engel erschien, und sich das Gesicht klar beurteilen ließe.

V. 4. Er aber sah ihn an. Ausdrücklich berichtet Lukas von diesem Aufmerken, damit wir wissen, dass es sich nicht um eine hohle Einbildung handelte, wie sie sich bei einem schlaftrunkenen oder unaufmerksamen Menschen wohl einschleichen kann. Dass er erschrak, geht auf die Empfindung der Majestät Gottes zurück. Denn sobald die Menschen Gottes Gegenwart spüren, ist es unvermeidlich, dass Furcht sie erschüttert. Selbst Fromme werden als Leute bezeichnet, die sich vor Gottes Wort fürchten (Jes. 66, 2. 5), in welchem er sich ihnen doch offenbart. Freilich schlägt Gottes schrecklicher Anblick sie nicht ganz darnieder, so dass die Furcht sie verzehrte, sondern stimmt sie nur zu Ehrfurcht und Demut.

Herr, was ist´s? Diese Antwort zeigt, dass eine heilige Scheu den Kornelius ergriff und er wusste, dass er mit Gott zu tun habe. So stellt er sich zum Gehorsam bereit, wie denn auch Gottes Antwort auf seine Frage nichts anderes ist als ein Befehl.

Deine Gebet und deine Almosen usw. Aus dieser Rede des Engels schließen wir, dass unsere Tugenden und guten Taten dem Herrn nicht nur wohl gefallen, sondern von ihm auch mit einem glänzenden Lohn geehrt werden; um ihretwillen überschüttet er uns mit reicheren Gaben. So sagt Jesus (Mt. 13, 12; 25, 23. 29): „Wer da hat, dem wird gegeben,“ und: „Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen; ich will dich über viel setzen.“ Gott führt die Seinen in ununterbrochener Steigerung seiner Gaben stufenweise bis zur Höhe. Indessen missbrauchen die Papisten diese Stelle in doppelter Richtung. Weil Gott den Kornelius in Ansehung seiner Gebete und Almosen mit dem Glauben an das Evangelium beschenkte, sagen sie, dass der Mensch mit seinen Bemühungen und Tugenden den Glauben erwerbe; zum anderen seien seine guten Werke verdienstlich und gewissermaßen ein Unterbau der Gnade in dem Sinne, dass für jedes gute Werk Gott den verdienten reicheren Gnadenzufluss gebe. Aber Kornelius hätte mit seinen Bitten nichts erreichen können, wenn nicht zuvor schon Glaube vorhanden gewesen wäre, der allein uns die Tür zum Gebet auftut. Und wenn er Gottesfurcht und Frömmigkeit besitzt, ist dies ein deutlicher Beweis, dass er wiedergeboren war. Denn Hesekiel (36, 26) spricht allein Gott das Lob zu, dass er die Herzen der Menschen zu seiner Furcht bilde. Auch der zweite Irrtum, dass der Zuwachs von Gnadengaben verdient werden könne, ist leicht zu widerlegen. Uns steht ja überhaupt nichts von guten Werken zur Verfügung, was uns nicht Gott in seiner Gnade geschenkt hätte. Gewiss verschaffen uns gute Werke ein Wachstum in der Gnade, aber das ist nicht ihr Verdienst, denn sie können dem Herrn angenehm sein nur im Zusammenhang mit der Vergebung, die man durch die Gnadengabe des Glaubens sich aneignet. Darum ist es allein der Glaube, der den Werken Wert verleiht. So gewann Kornelius durch seine Gebete und Almosen eine vollere Erkenntnis Christi; dass er aber einen Gott besaß, der seine Almosen und Gebete freundlich und wohlgefällig aufnahm, hing schon an seinem Glauben. Und wenn die Werke nach dem Glauben gewertet werden, so ist es eine Sache nicht des Verdienstes, sondern freundlichen Entgegenkommens, wenn sie dem Herrn annehmbar sind. Denn weil der Glaube in uns keine Würdigkeit findet, um derentwillen wir Gott gefielen, entlehnt er von Christus, was uns fehlt. Bei der Rede vom Verdienst, welche die Papisten immer im Munde führen, bleiben die Gewissen stets in der Schwebe. Man sagt ja, wir sollen zweifeln, ob unsere Werke Gott gefallen oder nicht. Wo aber ein solches Zittern die Seele erfüllt, ist es da nicht unvermeidlich, dass wir müßige und träge Leute und ganz zerfahren werden? Wir aber, die wir freilich den Werken kein Verdienst zuerkennen und doch lehren, dass ihnen ein Lohn bereit liegt, bieten den Menschen dadurch einen trefflichen und scharfen Stachel, der sie zu sittlichem Streben treibt. Denn erst dann rüsten wir uns, frisch und fröhlich Gott zu dienen, wenn es uns feststeht, dass unsere Mühe nicht vergeblich ist. Doch ließe sich hier noch fragen, ob man nicht nur da von Glauben sprechen dürfe, wo sich eine Erkenntnis Christi findet. Oder ist Glaube schon da, wo man einfach auf Gottes Erbarmen traut? Denn Kornelius schein doch von Christus überhaupt nichts gewusst zu haben. Wenn er aber etwas von Christi Geist besaß, kann er auch nicht völlig ohne Glauben an ihn gewesen sein. Da er nun die Verehrung des wahren Gottes, den allein die Juden anbeteten, angenommen hatte, musste er auch irgendetwas von dem verheißenen Messias gehört haben. Mag also seine Erkenntnis eine dunkle und unentwickelte gewesen sein, so war sie doch in irgendeinem Grade vorhanden.

V. 5. Und nun sende Männer gen Joppe usw. Wie Christus sich dem Paulus zeigte und ihn dann zur Belehrung dem Ananias überließ, so tritt jetzt der Engel hinter Petrus zurück, der das ihm anvertraute Amt ausrichten soll. Diese Beispiele wollen dem Predigtamt, welches Christus in seiner Gemeinde aufrichtete, Ansehen verschaffen. Wer also ein Jünger Christi sein will und die Erleuchtung mit dem Licht der himmlischen Weisheit begehrt, darf es sich nicht verdrießen lassen, gelehrig auf die äußere Stimme der Menschen zu merken, deren Christus sich als seines Werkzeugs bedient und an welche unser Glaube sich hängen soll. Wir sehen auch, wie schrecklich der Herr den schwärmerischen Stolz gestraft hat, der die Predigt verachtet und Offenbarungen vom Himmel sucht. Weil der Glaube aus der Predigt kommt (Röm. 10, 17), wird ihn niemand gewinnen, der das gepredigte Wort verschmäht und verachtet.

7Und da der Engel, der mit Kornelius redete, hinweggegangen war, rief er zwei seiner Hausknechte und einen gottesfürchtigen Kriegsknecht von denen, die ihm aufwarteten, 8und erzählte es ihnen alles und sandte sie gen Joppe. 9Des andern Tages, da diese auf dem Wege waren und nahe zur Stadt kamen, stieg Petrus hinauf auf den Söller, zu beten, um die sechste Stunde. 10Und als er hungrig ward, wollte er essen. Da sie ihm aber zubereiteten, ward er entzückt 11und sah den Himmel aufgetan und hernieder fahren zu ihm ein Gefäß wie ein groß leinen Tuch, an vier Zipfeln gebunden, und ward niedergelassen auf die Erde; 12darinnen waren allerlei vierfüßige Tiere der Erde und wilde Tiere und Gewürm und Vögel des Himmels. 13Und geschah eine Stimme zu ihm: Stehe auf, Petrus, schlachte und iss! 14Petrus aber sprach: O nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Gemeines oder Unreines gegessen. 15Und die Stimme sprach zum andern mal zu ihm: Was Gott gereiniget hat, das mache du nicht gemein. 16Und das geschah zu drei Malen; und das Gefäß ward wieder aufgenommen gen Himmel.

V. 7. Und da der Engel hinweggegangen war usw. Hier berichtet Lukas davon, wie eifrig Kornelius gehorchte. Er zögert keinen Augenblick, sondern tut sofort, was ihn geheißen wird. Das kommt daher, dass er der Verheißung glaubte, während die Ursache unserer Lässigkeit im Gehorsam gegen Gott der Unglaube ist. Gewiss fliegen zu uns nicht Engel vom Himmel, ums uns bestimmte Menschen zu bezeichnen; doch ist für jedes Ohr Christi Ruf vernehmbar (Mt. 7, 7): „Suchet, so werdet ihr finden: klopfet an, so wird euch aufgetan!“ Dass unter hundert kaum einer oder der andere einen Fuß rührt, andere so langsam schleichen und kaum vorwärts kommen, liegt doch nur daran, dass wir der Verheißung nicht ernstlich glauben. Wir wollen also lernen, dass man nicht zögern darf, sondern dass ein jeglicher, sobald er Gottes Stimme hört, wacker dahin eile, wohin er gerufen wird.

Rief er zwei seiner Hausknechte. Für die treue Belehrung, die Kornelius seinem Hause angedeihen ließ, empfing er den Lohn, dass er treue und rechtschaffene Diener hatte, die gerne für ihn arbeiteten, denen er auch ruhig etwas anvertrauen konnte. Wer dagegen es versäumt, seine Leute zur Frömmigkeit und Gottesfurcht anzuhalten, wird erfahren, dass sie sich unbotmäßig und untreu zeigen, ja dass er sich vor ihrer Falschheit fürchten muss.

Und einen gottesfürchtigen Kriegsknecht. Wenn hier einem Soldaten das Lob der Gottesfurcht gespendet wird, dürfen Leute, die alles rechtschaffene Verhalten von sich abschütteln möchten, den Soldatenstand nicht zum Vorwand nehmen, als ließe sich in demselben Gott nicht verehren. Außerdem spricht diese Stelle gegen die Schwärmer, die es als für Christenmenschen unrecht erklären, die Waffen zu führen. Dieser fromme Soldat hat bei seiner Hinwendung zu Christus seinen früheren Stand nicht verlassen, noch die Waffen als schädliche Werkzeuge weggeworfen.

V. 8. Indem Kornelius den Soldaten und den Knechten alles erzählte, wollte er sie anspornen, den Befehl, den sie nun auf Gott und nicht auf Menschen zurückführen mussten, gründlich auszuführen. Unbedenklich macht er die Leute, die er zuvor in so edler Weise unterwiesen hatte, zu Mitwissern des wichtigen Werkes.

V. 9. Des andern Tages, da diese auf dem Wege waren usw. Jetzt wird noch deutlicher, dass Gottes wunderbarer Rat die Sache lenkte: der den Kornelius empfänglich machte, ja in ihm Eifer und Sehnsucht zum Lernen anzündete, weckt anderseits auch dem Petrus den Mut und die Willigkeit, das Amt der Belehrung anzugreifen.

Stieg Petrus hinauf auf den Söller, zu beten. Dass man in die Stille geht, ist für das Gebet eine große Hilfe, macht den Geist von allen Ablenkungen frei und stimmt ihn besser auf Gott. Darum hat auch Christus dies nicht versäumt. Die jüdischen Häuser waren anderes gebaut als die unsrigen; man konnte sich auf den Dächern ergehen. Die sechste Stunde war die Mittagszeit und ohne Zweifel die gewöhnliche Gebetsstunde. Weil während des ganzen Tages uns mancherlei Geschäfte umtreiben und die Unruhe kein Ende nimmt, wenn wir uns nicht zurückhalten und gleichsam einen Zügel anlegen, so ist es nützlich, bestimmte Stunden zu haben, die man dem Gebet weiht. Gewiss sind wir weder an Zeit noch Ort gebunden, aber dieselben sind Hilfsmittel, mit denen wir unserer Schwachheit zu Hilfe kommen und uns zu dem über alles wichtigen Gebet sammeln.

V. 10. Ward er entzückt. Weil unser Geist gleichsam an der Erde klebt, musste der Geist des Petrus für die Offenbarung empfänglich gemacht und darum gleichsam von seinem Orte bewegt und aufwärts gerissen werden. Dass er den Himmel aufgetan sieht, ist etwas anders zu verstehen als in der Geschichte des Stephanus (7, 56). Damals öffnete sich der Himmel, um dem Stephanus Christi Herrlichkeit zu enthüllen. Für Petrus scheint hier der sichtbare Himmel zerrissen zu werden, damit das leinene Tuch herauskomme.

V. 12. Dieses Gesicht, das allerlei Tiere in bunter Mischung vorführt, will ganz allgemein zeigen, dass der Unterschied zwischen rein und unrein, den Gott einst gesetzt hatte, nunmehr aufgehoben ist. Gilt er nicht mehr zwischen den Tieren, so ergibt sich auch für die Menschen der Schluss, dass kein Unterschied mehr zwischen Juden und Griechen besteht. Ohne Zweifel wollte Gott dem Petrus Mut machen, ungescheut zu Kornelius zu gehen. Er hatte ja das eine Volk von den anderen für sich abgesondert, wie es im Liede Mose heißt (5. Mos. 32, 8 f.): Da der Allerhöchste die Völker zerteilte, setzte er die Schnur seines Erbes in Jakob. Darum hieß Israel sein Eigentumsvolk. Nach dieser Ordnung hätte Petrus den Bund des Heils nicht zu Heiden bringen dürfen; damit hätte er ja das Brot den Kindern genommen und vor die Hunde geworfen (Mt. 15, 26). Nur Proselyten, die durch Annahme der Beschneidung zu Juden wurden, durfte man zulassen. Darum wurde auch den Aposteln bei ihrer ersten Aussendung zur Predigt verboten, sich zu den Heiden zu wenden (Mt. 10, 5). Da nun die Predigt des Evangeliums eine sehr heilige und wichtige Sache ist, durfte Petrus darin mit noch zweifelndem und schwankendem Gemüte nichts unternehmen. Erst das Gesicht muss ihm zeigen, dass der Zaun, der bis dahin Juden und Heiden trennte, abgebrochen ward. Erklärt es doch auch Paulus für ein seit Urzeiten verborgenes Geheimnis, dass die Heiden dasselbe Heil wie Gottes Volk gewinnen und mit demselben zu einem Leibe zusammengefasst werden sollen (Eph. 3, 9). Erst jetzt hat Gott den Bund des Lebens, den er wie einen verborgenen Schatz bei einem einzigen Volk niedergelegt hatte, der ganzen Welt zugänglich gemacht. Freilich könnte man sagen, dass Petrus schon früher belehrt wurde; denn ihm und den anderen Aposteln war aufgetragen, das Evangelium in aller Welt zu verbreiten (Mt. 28, 19). Also hätte er entweder von seiner Berufung nichts gewusst, oder dieses Gesicht war überflüssig. Es wird ihm aber gerade diese unerhörte Neuerung soviel Schwierigkeiten gemacht haben, dass er sich nicht sofort daran gewöhnen konnte. Die Apostel besaßen zwar die Weissagungen der Propheten und Christi neuerliche Vorschrift, dass auch die Heiden durch das Evangelium berufen werden sollten; als sie aber nur vor der Sache selbst standen, stießen sie sich trotz allem an dem ungewohnten Ding und blieben hängen. So dürfen wir uns nicht wundern, dass erst ein neues Zeichen vom Herrn dem Petrus Gewissheit gibt.

V. 13. Und geschah eine Stimme. Diese Stimme kam ebenso vom Himmel wie das leinene Tuch. Petrus musste innewerden, dass beides von Gott kam. Es hätte ihm auch die Schauung nichts genützt, hätte nicht Gott durch diese Stimme für ein erklärt, was zuvor unrein war.

V. 14. Ich habe noch nie etwas Gemeines gegessen. Diese Antwort will weniger den Gehorsam verweigern, als dem Herrn sein Gebot vorhalten. Petrus schreckt mit Recht davor zurück, das anzurühren, was ihm, wie er wusste, durch Gottes Gesetz verboten war. Es schien ein Widerspruch zwischen dem Gesicht und dem Gesetz zu bestehen. Petrus überstürzt sich also nicht, sondern wünscht erst den Gewissensanstoß behoben, ehe er sich von der Beobachtung des Gesetzes freispricht. Doch könnte es verwunderlich scheinen, dass Petrus bei diesen Speisen größeren Widerstand leistet als Abraham bei der Opferung seines Sohnes; hätte doch dieser dem Herrn viel mehr Gegengründe bringen können. Ich will nun nicht geradezu sagen, dass Petrus hier dem Fehler erlag, an dem die Menschen gewöhnlich leiden, dass sie nämlich an äußerliche und geringfügige Dinge sich strenger halten als an die Hauptstücke des Gesetzes. Ich sage vielmehr, was über jeden Zweifel erhaben ist, dass dem Geist Abrahams sofort die volle Überzeugung und die Kraft des göttlichen Geistes geschenkt ward; so vermochte er alles, was seinen Lauf hätte aufhalten können, mit erhabener und heldenhafter Tapferkeit zu überwinden. Bei Petrus aber wirkte Gottes Geist langsamer. Übrigens handelt er darin fromm und gewissenhaft, dass er bei den widerstrebenden Erwägungen nichts zu unternehmen wagt, bis ihm noch klarer wird, was er tun soll.

V. 15. Was Gott gereinigt hat usw. Das ist von den Speisen gesagt, muss jedoch grundsätzlich auf die ganze Lebenshaltung ausgedehnt werden. Was nun die Speisen angeht, so hat Gott sie nach Abschaffung des Gesetzes alle für rein erklärt. Nachmals hat der Papst seine Gesetze vom Unterschied der Speisen gegeben. So wütet er mit tyrannischem Stolz auf allen Gebieten des Lebens und legt überall den armen Gewissen Fesseln an. Wir aber wollen im Vertrauen auf die himmlische Offenbarung ungescheut alle seine Gebote verachten. Wir sollen immer den Mund des Herrn befragen und darnach entscheiden, was uns erlaubt ist und freisteht. Denn nicht einmal Petrus durfte als unheilig erklären, was infolge des Wortes Gottes erlaubt war. Außerdem ist diese Stelle geeignet, die Selbstgewissheit der Menschen in Schranken zu halten, die nur zu gern verkehrte Urteile fällt und sich erlaubt, die Taten anderer zu richten. Zur Niederschlagung dieser Frechheit genügt das eine Wort, dass es uns nicht erlaubt ist, sondern allein in Gottes Macht steht, dieses oder jenes für unrein zu erklären. Übrigens geben diese Worte auch zu verstehen, dass die Juden nicht darum Gottes heiliges Volk waren, weil sie durch eigene Würdigkeit hervorragten, sondern allein darum, weil Gottes unverdiente Gnade sie zur Kindschaft angenommen. Nachdem jetzt Gott auch den Heiden die Gemeinschaft des Bundes erschlossen, gilt gleiches Recht für alle.

V. 16. Das geschah zu drei Malen. Diese Wiederholung will dem Petrus, in dessen Geist die peinliche Beobachtung des Gesetzes offenbar tiefe Wurzeln geschlagen hatte, jeden Zweifel und ängstlichen Skrupel nehmen. Gott ließ ihn aber in der Schwebe, bis er aus dem, was alsbald geschah, die Ursache des Gesichtes verstand. Vorher hatte er in seinem Entsetzen zu bitten vergessen, es möge ihm die Bedeutung offenbart werden.

17 Als aber Petrus sich in ihm selbst bekümmerte, was das Gesicht wäre, das er gesehen hatte, siehe, da fragten die Männer, von Kornelius gesandt, nach dem Hause Simons und standen vor der Tür, 18 riefen und forscheten, ob Simon, mit dem Zunamen Petrus, allda zur Herberge wäre. 19 Indem aber Petrus sich besann über dem Gesichte, sprach der Geist zu ihm: Siehe, drei Männer suchen dich; 20 aber stehe auf, steig hinab und zeuch mit ihnen und zweifle nicht; denn Ich habe sie gesandt. 21 Da stieg Petrus hinab zu den Männern, die von Kornelius zu ihm gesandt waren, und sprach: Siehe, ich bin´s, den ihr suchet; was ist die Sache, darum ihr hie seid? 22 Sie aber sprachen: Kornelius, der Hauptmann, ein frommer und gottesfürchtiger Mann und gutes Gerüchts bei dem ganzen Volk der Juden, hat Befehl empfangen von einem heiligen Engel, dass er dich sollte fordern lassen in sein Haus und Worte von dir hören. 23 Da rief er sie hinein und herbergte sie.

V. 17. Petrus war nicht bloß durch das Gesicht, sondern auch durch Gottes Wort belehrt worden. Und doch sieht er mit sehenden Augen nicht, bis Gottes Geist sein Ausleger wird. Das ist ein deutliches Spiegelbild unserer Stumpfheit. Doch wollen wir zugleich bemerken, was Lukas hinzufügt, dass Petrus, nachdem er sich von dem ersten starren Schrecken erholt, mit aller Anspannung über das Gesicht nachdenkt. Dass er es nicht gleichgültig vorübergehen lässt, ist ein Zeichen frommer Ehrfurcht. Wir aber empfangen die gerechte Strafe für unsere Trägheit darin, dass wir im Worte Gottes nicht besser vorwärts kommen, weil wir zu kalt sind, eifrig zu forschen.

V. 20. Zeuch mit ihnen und zweifle nicht! Dieses Wortes bedient sich die Schrift häufig, wenn sie ausdrücken will, wie der Gehorsam des Glaubens beschaffen sein muss. Indem Paulus den Glauben Abrahams rühmt, sagt er (Röm. 4, 19), er habe nicht gezweifelt, als Gott ihm, dem schon entkräfteten und hinfälligen Mann, Nachkommenschaft verhieß. Und wenn er vom Unterschied der Speisen spricht, sagt er (Röm. 14, 23), man solle im Gewissen nicht zweifeln. Man zweifelt aber, wenn man von entgegen gesetzten Gründen nach zwei Seiten umgetrieben wird. Dem gegenüber verlangt der Herr die Unterwerfung, dass wir, wenn wir sein Wort vernommen haben, nicht weiter streiten, was zu tun sei, sondern ohne Widerspruch zugeben, dass man eben das tun müsse, was er befiehlt. Und sicherlich ist sein Wille es wert, dass vor ihm aller Nebel sich teile und er uns auf dem Wege vorleuchte, dass wir alles Streiten abschneiden und alle unsere Sinne zu pünktlichem Gehorsam beugen lassen. Es wird auch der Grund hinzugefügt, weshalb Petrus sein Urteil nicht in der Schwebe lassen darf, als handle es sich um eine noch ungewisse Sache: denn Ich habe sie gesandt. Gott ist der Urheber der Sache. Darin liegt auf der anderen Seite auch der Hinweis, dass die Gewissen nur ruhig werden und die Menschen völlige Sicherheit bei ihrem Tun nur haben können, wo sie aus Gottes Wort Belehrung empfingen und nun völlig überzeugt sind, dass sie nichts ohne seine Leitung und seinen Willen angreifen.

V. 21. Siehe, ich bin´s usw. Jetzt erzählt Lukas, wie schnell Petrus gehorchte, und wie er dann erst von den Boten erfuhr, zu welchem Zweck ihm das Gesicht zuteil ward. Er hört, dass Kornelius ihn ruft, ein heidnischer Mann, den er für unrein und persönlichen Verkehrs unwert achten würde, wenn sein Urteil nicht durch das göttliche Wort umgestimmt wäre: „Was Gott gereinigt hat, das mache du nicht gemein!“ Das ist wahre Klugheit, dass wir alles Selbstvertrauen und jede Hartnäckigkeit fahren lassen, so dass nun Gottes Autorität uns fesselt und unsere Gedanken derartig in Beschlag nimmt, dass uns nichts anderes recht scheint, als was sie vorschreibt.

V. 22. Ein frommer und gottesfürchtiger Mann. Das sagen die Leute nicht hochfahrend und um ihrem Herrn zu schmeicheln, sondern um den Petrus zum Verkehr mit ihm geneigter zu machen. Darum erinnern sie auch, dass Kornelius gutes Gerüchts bei dem ganzen Volk der Juden, also nicht fern von wahrer und echter Frömmigkeit war. Dies musste dem Petrus einen Eindruck machen. Der durchschlagendste Beweis aber, auf den sie sich stützen, ist die Erinnerung daran, dass ihr Unternehmen ganz durch Gottes Befehl getragen wird. Es ist, als sagten sie dem Petrus, dass nicht ein sterblicher Mensch ihn ruft, sondern Gott, der es durch einen Engel so angeordnet hatte.

V. 23. Petrus lässt sich durch Gottes Autorität bestimmen, überlegt nicht weiter, sondern nimmt die Männer gastfreundlich auf, um sich alsbald mit ihnen auf den Weg zu machen. So müssen wir dem Herrn in Sanftmut nachgeben; wenn wir seinen Willen erkannt haben, bleibt nichts anderes übrig, als dass wir schnell dahin laufen, wohin er ruft.

Des andern Tages zog Petrus aus mit ihnen, und etliche Brüder von Joppe gingen mit ihm. 24 Und des andern Tages kamen sie ein gen Cäsarea. Kornelius aber wartete auf sie und hatte zusammengerufen seine Verwandten und Freunde. 25 Und als Petrus hineinkam, ging ihm Kornelius entgegen und fiel zu seinen Füßen und betete ihn an. 26 Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Stehe auf, ich bin auch ein Mensch. 27 Und als er sich mit ihm besprochen hatte, ging er hinein und fand ihrer viel, die zusammengekommen waren. 28 Und er sprach zu ihnen: Ihr wisset, wie es ein unerlaubt Ding ist einem jüdischen Mann, sich zu tun oder zu kommen zu einem Fremdlinge; aber Gott hat mir gezeiget, keinen Menschen gemein oder unrein zu heißen. 29 Darum habe ich mich nicht geweigert zu kommen, als ich ward hergefordert. So frage ich euch nun, warum ihr mich habt lassen fordern?

Des andern Tages usw. Wahrscheinlich waren die Leute gegen Abend eingetroffen. Nun rüsten sie sich, nachdem die Nachtruhe sie erquickt, zur Rückkehr. Es war eine Pflicht der Freundlichkeit, dass dem Petrus sich einige Gläubige, wohl als Vertreter der ganzen Gemeinde, anschlossen und ihn nach Cäsarea geleiteten. Diesen Anlass benutzte de Herr, sich Zeugen seines gnädigen Wirkens zu schaffen. Als Lohn für ihr dankbares Verhalten gegen Petrus wird es diesen Leuten zuteil, dass sie zur Bekräftigung ihres Glaubens sehen dürfen, wie Christi Reich sich zu den Heiden ausbreitet.

V. 24. Kornelius wartete auf sie. Dieser Umstand, sowie dass er Freunde und Verwandte zu Genossen seines Glaubens haben wollte, zeigt uns den löblichen Eifer des Kornelius. Sicherlich war es nicht ohne Gefahr, einen Schwarm von Menschen zur Aufnahme einer neuen Religion zusammenzurufen. Er hätte es aber für eine hässliche Gleichgültigkeit gehalten, den Schatz des Evangeliums in der Erde zu vergraben. So lehrt uns Kornelius durch sein Beispiel, dass wir das Licht der Erkenntnis des Gottes, der sich uns geoffenbart hat, nicht aus Trägheit oder Furcht ersticken dürfen, sondern uns vielmehr bemühen müssen, dass unser Glaube anderen voranleuchte, ihnen den Weg zu zeigen. Mit dem Erbe des Himmelreichs hat es ja nicht die Bewandtnis, dass uns auch nur das geringste Stück davon verloren ginge, wenn viele zur Teilnahme zugelassen werden; vielmehr muss der Zutritt von Miterben unsere Herrlichkeit noch erhöhen. Dies eine sollte jedermann sich vorsetzen, sich und die ganze Welt dem Herrn zu unterwerfen, dass die Menschen zu wahrer Demut gebeugt werden und er allein groß sei. Wer die Fähigkeit und Gabe der Lehre besitzt, soll sich nicht weigern, den Brüdern als Lehrer zu dienen, wobei nur Prahlerei und windige Ruhmsucht fernbleiben müssen. Wem es nicht gegeben ist, als Lehrer wirken, soll in seiner Schranke sich halten, wie auch Jakobus (3, 1) erinnert. Es soll aber einer den anderen wechselweise erbauen, so dass weder Gelehrte noch Ungelehrte sich der Beugung weigern. Man fragt aber, wieso Kornelius in Judäa Verwandte haben konnte, da er dorthin als ein Fremdling und nur für zeitweiligen Kriegsdienst gekommen war. Vielleicht hatte er einige Verwandte in seiner Truppe, die gern unter ihm als ihrem Hauptmann dienen wollten.

V. 25. Fiel zu seinen Füßen und betete an. Dass dem Petrus dies Betragen des Kornelius missfiel, zeigt seine Gegenrede (V. 26): Stehe auf, ich bin auch ein Mensch! Denn aus diesen Worten kann man schließen, dass die beabsichtigte Verehrung etwas wie Anbetung eines göttlichen Wesens in sich barg, welche die Gott allein schuldige Ehre auf einen sterblichen Menschen übertrug. Und doch ist es ganz unglaublich, dass Kornelius den Petrus geradezu für Gott gehalten hätte. Wie könnte ihm sonst das Lob der Frömmigkeit und Gottesfurcht erteilt worden sein? Er grüßt ihn aber auch nicht in der Weise, wie etwa ein untergeordneter Beamter seinen Statthalter oder den Kaiser demütig hätte grüßen können, sondern lässt durch den Anblick des Petrus sich zur Bewunderung hinreißen und bringt ihm eine Ehrerbietung dar wie dem gegenwärtigen Gott. So vergisst er sich gleichsam und gewährt einem Menschen mehr, als recht ist. Er hatte nichts weniger vor, als dem Herrn irgendein Stück seiner Ehre zu entreißen und mit dem Raub einen Menschen zu schmücken. Aber wo die Bewunderung eines Menschen sich mit irgendetwas vermischt und verknüpft, was Verehrung Gottes ist, schleicht sich auch wider Willen sofort der Fehler ein, dass ein Mensch, den man zu Gottes Ehre religiös erhebt, über Menschenmaß hinaufgeschraubt wird. Mögen die Papisten in ihrem Sprachgebrauch von der Anbetung Gottes die Verehrung der Heiligen unterscheiden wollen, so lässt doch keine religiöse Verehrung dieser Art Gottes Ehre unangetastet. Petrus schiebt sie mit dem einen Grund beiseite, dass auch er ein Mensch ist. Will man dem Herrn geben, was sein ist, so muss jede religiöse Verehrung unbedingt auf ihn beschränkt bleiben (vgl. auch Offenb. 19, 10; 22, 8 f.).

V. 28. Ihr wisset, wie es ein unerlaubt Ding ist usw. Diese Einleitung scheint wenig freundlich und mehr geeignet, die Gemüter zu erbittern, als zu gewinnen. Müssen sich doch die Zuhörer schmählicher weise sagen lassen, dass sie unrein sind und mit ihrem Verkehr die Heiligen beflecken. Und doch musste Petrus durch solche Vorrede sich von dem Verdacht befreien, als habe er ein böses Gewissen, indem er wider die von den Vätern überlieferte Sitte als ein Verächter des Gesetzes gekommen wäre. Indem er aber sagen kann, dass Gott ihn gesandt hat, ist jeder derartige Verdacht gehoben. Auch die Beleidigung schwindet, indem er ja erklären kann, dass jetzt solchen Leuten, die man bis dahin für unrein hielt, Reinigkeit geschenkt ward, so dass die Heiligen mit ihnen verkehren können. Dass es übrigens einem jüdischen Mann verwehrt war, zu kommen zu einem Fremdlinge, floss nicht aus dem Gesetz, sondern aus der väterlichen Überlieferung. Im Gesetz hatte Gott nur verboten, dass man sich durch Heirat oder Bündnisse mit den Heiden verknüpfe (5. Mos. 7, 3); mit ihnen zu essen oder alltägliche Geschäfte zu treiben, war nirgend verwehrt. Damit aber nicht ein engerer Verkehr die Brücke zu den verbotenen Dingen schlage, vermied man ihn nach väterlicher Sitte. Jetzt aber gibt Petrus den eigentlichen Zweck des Gesichtes an, indem er auf die Menschen deutet, was ihm von den Speisen gesagt war: Gott hat mir gezeiget, keinen Menschen unrein zu heißen. Das gilt freilich nicht ohne weiteres von jedem Individuum. Denn ohne Zweifel sind alle Ungläubigen durch ihr unreines Gewissen befleckt und verunreinigen sogar durch bloße Berührung das, was sonst rein ist. Sagt doch Paulus, dass auch ihre Kinder unrein bleiben, bis sie durch den Glauben gereinigt werden (1. Kor. 7, 14). Kurz, wenn es allein der Glaube ist, der die Menschenherzen reinigt, so macht sie der Unglaube gemein. Aber Petrus vergleicht hier nur im Allgemeinen Juden und Heiden: da jetzt die Zwischenwand abgebrochen ist und der Bund des Lebens und Heils beiden Teilen gleicher weise gilt, soll man Leute nicht mehr für Fremdlinge halten, denen ein Anteil an der Gotteskindschaft geboten wird.

V. 29. Bemerkenswert ist der ausdrückliche Hinweis, dass Petrus sich nicht geweigert hat, zu kommen. Das ist das heilige Schweigen des Glaubens, wenn wir ohne Widerspruch und in Sanftmut annehmen, was Gott befiehlt, und alle Gegengründe abweisen, die sich eindrängen möchten.

30 Kornelius sprach: Ich habe vier Tage gefastet bis an diese Stunde, und um die neunte Stunde betete ich in meinem Hause. Und siehe, da stand ein Mann vor mir in einem hellen Kleid 31 und sprach: Kornelius, dein Gebet ist erhöret, und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott. 32 So sende nun gen Joppe und lass herrufen einen Simon mit dem Zunamen Petrus, welcher ist zur Herberge in dem Hause des Gerbers Simon an dem Meer; der wird, wenn er kommt, mit dir reden. 33 Da sandte ich von Stund an zu dir; und du hast wohlgetan, dass du gekommen bist. Nun sind wir alle hie gegenwärtig vor Gott, zu hören alles, was dir von Gott befohlen ist.

V. 30. Ich habe vier Tage gefastet. Diese ausdrückliche Erinnerung lässt ersehen, dass Kornelius nicht kalt und obenhin gebetet hat. Weiter beseitigt sie einen Zweifel an seinem Gesicht. Denn das Gehirn eines nüchternen Menschen wird nicht leicht einer Täuschung erliegen. Darauf deutet auch die Zeitangabe; der Engel erschien um die neunte Stunde, also bei hellem Tage, drei Stunden vor Sonnenuntergang.

Da stand ein Mann vor mir. Er spricht von einem Mann, obgleich er doch wusste, dass es ein Engel Gottes war. Doch ist es geläufig, auf Gott oder Engel den Namen der sichtbaren Gestalt zu übertragen, unter der sie erscheinen. So nennt Mose die Gestalten, welche dem Abraham in menschlichen Körpern erschienen, abwechselnd bald Engel, bald Menschen (1. Mos. 18, 16; 19, 1). Das helle oder glänzende Kleid war ein Zeichen der göttlichen Majestät, die man an dem Engel sehen musste (vgl. Lk. 9, 29; 24, 4). Gott kommt unserer Schwachheit entgegen, indem er seine Engel in der Gestalt unseres Fleisches herabsteigen lässt und sie dabei mit einigen Strahlen seiner Herrlichkeit bekleidet, um den Aufträgen, die sie überbringen, Ehrfurcht und Glauben zu verschaffen. Dabei lässt sich die freilich nebensächliche und kaum sicher zu beantwortende Frage aufwerfen, ob ein wahrer Körper und ein wirkliches Kleid vorhanden waren, oder ob dem Kornelius nur ein entsprechender Schein gezeigt ward. Ich möchte vermuten, dass der Gott, der alles schaffen kann, dem Engel einen wahren Leib gegeben und ihn zugleich mit einem prächtigen Gewand geziert habe. Sobald er aber seine Sendung vollbracht, werden Leib und Kleid sich in nichts aufgelöst haben, und der Engel wird in den seiner Natur entsprechenden Zustand zurückgekehrt sein.

V. 33. Nun sind wir alle hie gegenwärtig. Um dem Petrus noch größere Lust und Freudigkeit zum Lehren zu schaffen, erklärt Kornelius, dass er samt den Übrigen empfänglich und in Bereitschaft des Gehorsams gegen Gott zuhören werde. Wird doch ein Lehrer umso lieber den Hörern seine Mühe weihen, wo er eine gewisse Frucht erhoffen darf. Man ist nun vor Gott versammelt; man weiß sich unter seinen Augen, bereit, die Stimme eines Menschen anzunehmen, als käme sie aus Gottes eigenem Munde. So empfängt Gottes Wort durch die Ehrfurcht vor Gott selbst seine Majestät, und es entsteht gewissenhafte Aufmerksamkeit. Doch scheint es leichtfertig, wenn Kornelius in einer so wichtigen Sache etwas für die anderen verspricht. Denn wer kann für einen fremden Glauben stehen? Indessen werden die anderen, als man ihnen von der Sache sagte, schon vorher Gehorsam versprochen haben. So darf Kornelius gute Zuversicht über ihre Gesinnung haben.

Zu hören alles usw. Das ist rechter Glaube, der Gottes Wort nicht zur Hälfte annimmt, sondern sich ihm ganz anschließt. Freilich paktieren die Meisten mit Gott und unterwerfen sich seiner Lehre nur insoweit, als sie ihnen gefällt; das Missliebige lassen sie unbedenklich beiseite liegen oder verwerfen es. Übrigens unterscheidet Kornelius klüglich zwischen Gott und dem Menschen. Er erklärt dem Petrus, dass er alles hören will, „was dir von Gott befohlen ist.“ So bleibt Gott allein der Herr, Petrus der Diener. Gott redet, aber durch des Petrus Mund. Dies schreibt Gott in Hesekiels (33, 7) Person allen seinen Dienern vor, dass sie verkündigen sollen, was sie aus seinem Munde hören.

34Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich mit der Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansiehet; 35sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm. 36Ihr wisset wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Israel gesandt hat und verkündigen lassen den Frieden durch Jesum Christum (welcher ist ein Herr über alles), 37die durchs ganze jüdische Land geschehen ist und angegangen in Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte: 38wie Gott denselbigen Jesum von Nazareth gesalbet hat mit dem heiligen Geiste und Kraft; der umhergezogen ist und hat wohlgetan und gesund gemacht alle, die vom Teufel überwältigt waren; denn Gott war mit ihm.

V. 34. Petrus aber tat seinen Mund auf. Wir haben schon erinnert, dass die Schrift sich dieser Redewendung bedient, wenn es sich um eine wichtige und nachdrückliche Rede handelt (vgl. Mt. 5, 1).

Nun erfahre ich mit der Wahrheit. Der griechische Ausdruck ließe sich noch genauer wiedergeben: nun begreife oder erschließe ich usw. Kornelius war heidnischer Herkunft. Dennoch erhört Gott sein Bitten, würdigt ihn des Lichtes des Evangeliums, sendet ihm insbesondere einen Engel zu. Daraus nimmt Petrus ab, dass Gott ohne Rücksicht auf sonstige persönliche Stellung an allen Menschen Wohlgefallen hat, die ein frommes und unschuldiges Leben führen. Ehedem war er in dem Vorurteil gefangen, dass Gott allein die Juden liebe; da sie allein von allen Völkern erwählt waren, glaubte er, dass Gottes Gnade zu niemand anders gelangen könne. Dies Beispiel warnt uns, dass wir nicht Vorurteile hegen sollen, die uns den Weg zu rechtem Urteil verbauen. Weiter gilt es, darauf zu achten, was es eigentlich bedeutet, dass Gott die Person nicht ansiehet; denn viele täuschen sich, indem sie ganz allgemein auslegen, dass niemand dem anderen vorgezogen werde. Es ist aber unter der „Person“ hier der äußere Stand oder Schein zu verstehen, alles das, was den eigentlichen Menschen umgibt, und was ihm Gunst entweder gewinnt oder verschließt. So machen Reichtum, edle Geburt, Fürsprache oder Ehrenstellung einen Menschen angenehm; Armut, niedere Herkunft und dergleichen machen ihn verächtlich. Darum verbietet der Herr immer wieder, dass man die Person ansehe, weil ja unmöglich ein richtiges Urteil zustande kommt, wenn der Seitenblick auf Äußerlichkeiten den Richter von der Sache selbst ablenkt. An unserer Stelle kommt die heidnische Herkunft des Kornelius in Betracht, und der Sinn ist: Gott lässt sich durch die Vorhaut nicht hindern, die Gerechtigkeit eines heidnischen Mannes wohlgefällig und billigend anzusehen. Dabei scheint es doch, als hätte wenigstens eine Zeitlang bei Gott Ansehen der Person gegolten, indem er die Heiden überging und die Juden zu seinem Volk erwählte. Aber der Grund dieser Unterscheidung lag durchaus nicht in den menschlichen Personen, sondern hing ganz und gar an Gottes verborgenem Rat. Dass er den Abraham sich aneignete und bei ihm, nicht etwa bei den Ägyptern, seinen Bund niederlegte, dazu bestimmte ihn nicht im Geringsten irgendein Seitenblick auf eine Äußerlichkeit, sondern die ganze Sache entsprang seinem wunderbaren Rat. Darum hat sich Gott niemals an Personen verkauft.

V. 35. Wer ihn fürchtet und recht tut. Diese zwei Stücke umspannen Gottes Gesetz und den gesamten Inhalt eines unbescholtenen Lebens. Denn die Furcht Gottes ist nichts anderes als ernste Frömmigkeit. Das Rechttun aber ist die Billigkeit, die Menschen untereinander pflegen, indem sie sich hüten, jemand zu schaden, und darnach streben, jedermann zu nützen. Doch scheint es, als gründe diese Aussage die Seligkeit auf das Verdienst der Werke. Denn wenn unsere Werke uns vor Gott angenehm machen, verschaffen sie uns auch das Leben, welches ja in der Liebe Gottes gegen uns besteht. Zur Lösung dieser Schwierigkeit wollen wir uns merken, dass man in einer doppelten Stufe sagen kann, dass Gottes Liebe die Menschen ansehe und annehme. Da wir alle als Kinder des Zorns geboren werden, findet Gott in uns durchaus nichts, was seiner Liebe wert wäre; vielmehr wird ihn unsere ganze Natur zum Hass gegen uns reizen (Eph. 2, 3). Unter diesem Gesichtspunkt sagt Paulus, dass alle Menschen Gottes Feinde sind, solange sie nicht durch Christus versöhnt wurden (Röm. 5, 6. 8). Die erste Stufe also, auf der uns Gott in seine Gnade aufnimmt, ruht auf völlig unverdienter Gnade. Es kann auch nicht die geringste Rücksicht auf die Werke obwalten, die ja alle sündhaft und verkehrt sind und ihren Ursprung deutlich verraten. Diejenigen aber, die Gott bereits zu seinen Kindern annahm, gebiert er auch durch seinen Geist zu einem neuen Leben und stellt in ihnen sein Bild her; so ergibt sich die zweite Stufe der Annahme. Gott findet nun nicht mehr einen entblößten, von aller Gnade verlassenen Menschen, sondern erkennt in ihm auch sein Werk, ja sich selbst an. Darum sind ihm die Gläubigen, die ein frommes und gerechtes Leben führen, angenehm. Wir leugnen auch gar nicht, dass Gott an den guten Werken der Heiligen Wohlgefallen hat. Zur Verhandlung steht hier die ganz andere Frage, ob der Mensch mit seinen Verdiensten der Gnade Gottes zuvorkomme und zu seiner Liebe den Eingang gewinne, oder ob er nicht allein Hass verdient und darum im Anfang ohne alles Verdienst und ohne jede Rücksicht auf Werke geliebt wird. Man muss durchaus das Letztere annehmen, weil der seinem eignen Geist überlassene Mensch nur Anlass zum Hass bieten kann. So folgt, dass der Grund in Gott selbst liegt, wenn er uns liebt, dass er sich durch sein Erbarmen, nicht durch unsere Verdienste bestimmen lässt. Zum anderen wollen wir merken: auch wenn die Gläubigen nach ihrer Wiedergeburt mit ihren guten Werken und in Rücksicht auf Werke dem Herrn wohl gefallen, so geschieht dies doch nicht durch Verdienst der Werke. Denn die Werke sind niemals so vollkommen rein, dass sie dem Herrn ohne Vergebung gefallen könnten; da ihnen immer etwas Sündhaftes beigemischt ist, wären sie sogar wert, dass Gott sie verschmähte. Also ruht der Wert der Werke nicht auf ihrer eigenen Würdigkeit, sondern auf dem Glauben, der von Christus entlehnt, was den Werken fehlt.

V. 36. Ihr wisset wohl von der Predigt usw. Der griechische Wortlaut dieser Sätze ist etwas abgebrochen. Genauer wäre vielleicht zu übersetzen und zu umschreiben: „In Betreff dessen, was Gott den Kindern Israel gesandt hat, indem er verkündigen ließ den Frieden durch Jesus Christus (welcher ist ein Herr über alles) – wäre zu sagen: Ihr wisset von der Predigt, die durchs ganze jüdische Land geschehen ist“ usw. So würde deutlich werden, dass der erste Satz (V. 36) eine Art Vorrede ist, die auf Gottes denkwürdiges Werk unter den Kindern Israel zurückblickt, denen ja der Herr den Frieden durch den Messias bringen wollte. Daran erst schließt sich (V. 37) der Bericht über die vollendete Tatsache. Die Kunde von dem ewigen Bündnis, welches Gott mit jenem Volk geschlossen hatte, war ja verbreitet. Bei den Juden war es die allgemeine Überzeugung, dass ein Erlöser schon vor Zeiten den Vätern verheißen worden sei, der die herabgekommenen Zustände zu blühendem Glück wieder empor führen werde. Eben dasselbe wusste jeder, der mit den Juden in genauerem Verkehr stand. Um also desto glaubwürdiger zu reden, schickt Petrus voran, dass er nicht von etwas Unbekanntem und Unerwartetem reden werde, sondern von der Erneuerung der Gottesgemeinde, welche aus Gottes ewigem Bunde sich ergab, und von deren offensichtlichem Eintritt jetzt allenthalben rühmend die Rede war.

Und verkündigen lassen den Frieden. Darunter ist hier die Wiedervereinigung Gottes und der Menschen zu verstehen, welche indessen gewisses und vollkommenes Heil der Gemeinde in sich birgt. Denn sobald Gottes väterliche Gunst nach der Trennung und Entzweiung wieder leuchtet, sammelt er seine Gemeinde aus der Zerstreuung wieder, und es geht ihr ein neues und wahres Glück auf. Die Worte des Petrus weisen nun darauf hin, dass Gott der Urheber dieses Friedens ist, dass derselbe aber durch Christum vollzogen wird, der für die Gültigkeit desselben bürgt. Ausdrücklich heißt es, dass dieser Friede „verkündigt“ wird; denn die Predigt ist der einzige Weg, auf welchem die Frucht der von Christus beschafften Aussöhnung zu uns gelangt. In derselben Weise bezeichnet Paulus den Herrn Christus als unseren Frieden und fügt dann hinzu, dass er gekommen sei, den Frieden denen zu verkündigen, die nahe waren, und denen, die ferne waren (Eph. 2, 14. 17). V. 37. Ihr wisset wohl von der Predigt, die durchs ganze jüdische Land geschehen ist. Jetzt folgt das Zeugnis der vollzogenen Erlösung. Und zwar berichtet Petrus zuerst von der geschichtlichen Tatsache und wendet sich darnach zu ihrer Frucht. Da die Ankunft Christi in der Welt, sein Sterben und Auferstehen die Grundlage unseres Heils sind, so kann ja Christus nicht anders als Erlöser gezeigt werden, als indem wir zuerst erfahren, dass er unser Fleisch anzog, bei seinem Wandel unter den Menschen sich durch gewisse Zeugnisse als Sohn Gottes erwies, endlich ans Kreuz geschlagen und durch Gottes Kraft von den Toten erweckt ward. Soll aber dieses Wissen um die Geschichte nicht kalt und unnütz bleiben, so muss zugleich Auskunft über den Zweck gegeben werden, warum Christus aus der himmlischen Herrlichkeit in die Welt herabstieg, warum er den vor Menschen so schmählichen und durch Gottes Mund verfluchten Kreuzestod erleiden musste. Auskunft muss gegeben werden über den Zweck der Auferstehung, so dass wir die Wirkung und Frucht aller dieser Tatsachen verstehen, nämlich dass Christus erniedrigt wurde, um uns verlorene Menschen zu wahrem Glück zurückzuführen; dass er zugleich mit unserem Fleisch die brüderliche Liebe zu uns anzog; dass er mit unseren Schwachheiten unsere Last auf sich nahm; dass er unsere Sünden durch das Opfer seines Todes sühnte, um uns die Gunst des Vaters zu verschaffen; dass er als Sieger aus dem Tode hervorging, um uns ewiges Leben zu erwerben, dass er durch seinen Eingang uns den Himmel öffnete; dass die ganze Kraft des Geistes auf ihn ausgegossen ward, damit er uns durch seinen Überfluss reich mache. Indem nun Petrus in rechter Ordnung der Lehre zunächst von der Geschichte, dann von ihrer Wirkung handelt, erzählt er zuerst, dass Jesus auftrat nach der Taufe, die Johannes predigte. Denn weil Johannes durch Gottes Rat dazu bestimmt war, die Gedanken des Volks auf die Erwartung des Messias zu lenken, so durfte dieses Stück nicht übergangen werden. Weil man den Täufer für einen hervorragenden Propheten Gottes hielt, so trug sein Ansehen zu den noch ungelehrten Anfängern nicht wenig dazu bei, Christus Glauben zu schaffen. Bemerkenswert ist die Ausdrucksweise, dass Johannes die Taufe „predigte“. Daraus sieht man, dass dieselbe nicht ein stummes Zeichen war, über welches keine Belehrung gegeben wurde. Ist es doch das Hauptstück in allen Sakramenten, dass Gottes Wort, welches ihnen eingeprägt ist, uns daraus entgegenstrahle und seine helle Stimme darin erschalle. Im Papsttum begeht man eine gottlose und abscheuliche Entweihung, indem man die Predigt begräbt und die Sakramente mit zauberhaftem Singsang anmurmelt.

V. 38. Nazareth nennt Petrus nicht, als wäre Jesus dort geboren, sondern weil er von dort ausging, sein Amt zu übernehmen, und weil die Bezeichnung „Jesus von Nazareth“ allgemein geläufig war. Dass Jesus gesalbt war mit dem heiligen Geiste, und zwar mit Kraft, will besagen, dass der Vater seinen Sohn durch die Geistessalbung mit Kraft ausrüstete. Als das hervorragendste Zeichen dieser Kraft werden die Wunder genannt, durch welche Christus der Welt wohl tat. Denn es sollte sich in ihm Gottes Kraft nicht schreckhaft offenbaren, sondern sie sollte durch den süßen Geschmack der Gütigkeit und Gnade die Welt locken, Gott zu lieben und zu suchen. Dass ein Mensch, dem Gaben des heiligen Geistes verliehen werden, gesalbet wird, ist eine geläufige Redeweise. Sie wird hier auf Christus angewendet, weil er auf diese Weise vom Vater zum König und Priester geweiht wurde. Wir wissen ja, dass unter dem Gesetz das Öl ein feierliches Zeichen der Weihung war.

Die vom Teufel überwältiget waren. Dass Christus nicht bloß gewöhnliche Krankheiten heilte, sondern für verzweifelte Übel Hilfe brachte, war ein besonders leuchtender Beweis der göttlichen Kraft in ihm. Wenn Gott in seiner väterlichen Freundlichkeit uns ein gelinderes Übel schickt, sagt man wohl, dass er uns mit seiner Hand schlage. Bei schwereren Geißeln aber stellt er den Satan wie einen Henker in den Dienst seines Zornes. Zu sagen, dass der Satan einen Menschen quält, der an einem kleinen Fieber leidet, wäre ungereimt; aber Geisteszerrüttung, Tobsucht und andere gleichsam wunderbare Krankheiten werden passend und recht eigentlich auf den Satan zurückgeführt. Von ganz zerrütteten Menschen, die in ihrer Geistesohnmacht fast in Tiere verwandelt scheinen, sagt die Schrift, dass sie von Dämonen besessen seien.

Denn Gott war mit ihm. Damit gibt Petrus kurz an, was die durch Christi Hand geschehenen Krafttaten bezweckten; sie sollten ihm Glauben bei den Menschen verschaffen, so dass man gleichsam den in ihm gegenwärtigen Gott schaute. So mussten die Krafttaten Christi himmlische Herkunft und übermenschliche Würde dartun.

39Und wir sind Zeugen alles des, das er getan hat im jüdischen Lande und zu Jerusalem. Den haben sie getötet und an ein Holz gehangen. 40Denselbigen hat Gott auferwecket am dritten Tage und ihn lassen offenbar werden, 41nicht allem Volk, sondern uns, den vorerwähleten Zeugen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von den Toten. 42Und er hat uns geboten zu predigen dem Volk und zu zeugen, dass Er ist verordnet von Gott ein Richter der Lebendigen und der Toten. 43Von diesem zeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen.

V. 39. Und wir sind Zeugen. Das Wort hat hier einfach den Sinn von Augenzeugen, die über Selbsterlebtes berichten können. Etwas später (V. 41) wird es n viel nachdrücklicherem Sinne gebraucht: den Aposteln, als den von Gott vorerwählten Zeugen, ward ein öffentliches Ansehen verliehen, damit sie durch ihre Predigt die Menschen zum Glauben an Christus führen sollten. So sagt auch Paulus (1. Kor. 15, 15): „Wir würden erfunden falsche Zeugen Gottes,“ wenn Christus nicht von den Toten erstanden wäre. Und schon früher vernahmen wir aus dem Munde Christi (1, 8): „Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem, Judäa und Samarien.“ Übrigens rührt Petrus Christi Tod hier nur mit einem Worte an, weil er allgemein bekannt war; mit der Auferstehung, der man mehr Zweifel entgegenbrachte und deren Kenntnis für die Begründung des Glaubens viel gewichtiger war, beschäftigt er sich ausführlicher.

V. 41. Die Beschränkung, dass der Sohn Gottes nach seiner Auferstehung nicht öffentlich allem Volk, sondern nur den vorerwählten Zeugen erschien, hat in Gottes Rat guten Grund. Denn die Gewissheit der Auferstehung war durch viele und sichere Zeugnisse hinreichend erwiesen. Zur Übung des Glaubens der Frommen aber war es nützlich, dass sie mehr dem Evangelium als ihren Augen trauen mussten. Die gottlosen und erklärten Feinde Christi, die so oft überwiesen waren und Gott dem Herrn doch nicht nachgaben, waren nicht wert, von Christus zum Schauen seiner Auferstehungsherrlichkeit zugelassen zu werden. Wir aber, die wir wünschen, dass Gott der sichere Grund unseres Glaubens sei, sollen uns mit den Zeugen begnügen lernen, die Er vor Grundlegung der Welt bestimmt und zu seiner Zeit wie durch seine Hand ins Mittel gestellt hat.

Die wir mit ihm gegessen haben. Wie fürsorglich ließ sich doch Christus zu unserem rohen Verständnis herab! Da er schon mit himmlischer Herrlichkeit beschenkt war, aß und trank er noch wie ein sterblicher Mensch. So wird seine Auferstehung ganz klar und unzweifelhaft. Er ließ es zu, dass seine Jünger ungelenk und schwerfällig zum Glauben waren, damit sie ein umso kräftigeres Zeugnis empfangen und uns dadurch allen Zweifel und Anstoß nehmen könnten. Neugierige Menschen fragen, was mit der Speise, die Christus aß, geworden sei. Die Antwort ist leicht. Wie sie aus Nichts geschaffen war, so wird Christi göttliche Kraft sie auch leicht ins Nichts zurückgeführt haben. Eine Speise, die man zur Ernährung des Körpers nimmt, wird verdaut und darnach ausgeschieden; von dieser Speise aber wissen wir, dass Christus sie zur Ernährung unseres Glaubens nahm, und dass sie in diesem Gebrauch verzehrt ward. V. 42. Und er hat uns geboten usw. Hier hebt Petrus an, von Christi Königsherrschaft zu sprechen. Als Zweck seiner Auferstehung gibt er an, dass er die Welt einmal richten soll. Denn mit dem gleichen Recht wird ihm die Herrschaft über Himmel und Erde wie die bleibende Leitung seiner Gemeinde zugesprochen. Er ist ein Richter der Lebendigen und der Toten; denn wenn die Toten auferstehen, werden auch die anderen, die dann noch am Leben sind, in einem Augenblick verwandelt werden (1. Kor. 15, 51 f.; 1. Thess. 4, 17). Dass die Jünger von Christus zeugen sollen, ist ein gewichtiger Ausdruck. Bei der natürlichen Neigung der Menschen zum Unglauben würde eine einfache Predigt des Evangeliums wenig Wirkung und Kraft haben, wenn sie der Herr nicht durch starke Zeugnisse bekräftigte. Jeder von uns fühlt mehr als hinreichend bei sich selbst, wie schwer es ist, die in die irdischen Fesseln verstrickten Gemüter zur Hoffnung auf Christi Wiederkunft zum Himmel zu erheben und sie in ständiger Betrachtung dort festzuhalten, da sie ja in ihrem Leichtsinn sich hin und her treiben lassen.

V. 43. Von dem zeugen alle Propheten. Da Lukas nur den Hauptinhalt der Rede angibt, wird die Frucht der geschichtlichen Erlösung nur kurz und knapp beschrieben. Drei Stücke sind hier zu erwägen: es ist Christi eigentliches Amt, durch Tilgung der Sünden die Menschen mit Gott zu versöhnen; die Vergebung der Sünden erlangen wir durch den Glauben; diese Lehre ist nicht neu oder kürzlich erfunden, sondern hat seit ältesten Zeiten alle Propheten Gottes zu Zeugen. Dass wir Vergebung der Sünden empfangen sollen, deutet auf eine Gegeneinanderstellung der Gläubigen und Gottes; sie muss von Gott aus freien Stücken angeboten werden, damit die Gläubigen sie dann empfangen. Wird sie uns durch Christi Namen angeboten, so ist klar, dass wir sie allein durch Vermittlung Christi, nicht durch irgendwelche anderen Mittel gewinnen. Niemals hat der Satan aus den Herzen der Menschen das Gefühl ihrer Schuld tilgen können, sie mussten sich immer bemühen, von Gott Vergebung zu gewinnen. Während es dafür aber nur eine Weise und einen Weg gibt, hat der Satan die armen Menschen mit seinem Gaukelwerk in ein wunderliches Labyrinth gelockt, in dem sie sich mit Umwegen vergeblich müde machen müssen. Dieser Irrtum, dass sie die Vergebung zu verdienen suchten, hat sie vom rechten Wege abgeführt; denn dieselbe wird aus freier Gnade angeboten und allein durch den Glauben ergriffen. Welche Verkehrtheit der Papisten, dass sie sich nicht mit dem einen Christus zufrieden geben und sich tausend Weisen der Versöhnung von allen Seiten zusammenkratzen! Wer aber der Sündenvergebung sich bemächtigen will, soll sich von Christus nicht einen Fuß breit entfernen. Da alle, die an ihn glauben, Vergebung empfangen, müssen wir auf die Kraft und Natur des Glaubens besonders achten, wie denn Petrus sich ohne Zweifel ausführlicher darüber geäußert hat, in welcher Weise man an Christus glauben muss. Es geschieht sicher nur so, dass man mit aufrichtigem Herzen ihn ergreift, wie er im Evangelium dargeboten wird. So hängt der Glaube an den Verheißungen. Indessen scheint Petrus mit Unrecht von den beiden Hauptstücken, die Christus uns brachte, nur das eine anzurühren. Er gedenkt nicht der Buße und des neuen Lebens, welches in einem Gesamtaufriss des Evangeliums durchaus nicht übergangen werden durfte. Indessen wird die Wiedergeburt durch den Geist unter dem Glauben mit zu begreifen sein, dessen Frucht sie ja ist. Petrus durfte sich also begnügen, den Weg zu zeigen, auf welchem die von Natur Gott entfremdeten Menschen in den Verkehr mit seiner Gnade zurückkommen. Endlich ist auch die Erkenntnis unentbehrlich, für welche Petrus freilich nicht alle einzelnen Prophetenstellen aufzuzählen brauchte, dass die Gnade, die endlich in Christus geoffenbart und geschenkt ward, dieselbe ist, auf welche Gesetz und Propheten einst die Hoffnung der Väter richteten. Besonders bei Kornelius und ähnlichen Leuten, welche mit Gesetz und Propheten sich ehrfürchtig beschäftigten, kam viel darauf an, sie zu überzeugen, dass in Christus tatsächlich geleistet und erfüllt sei, was die Weissagungen der Propheten bezeugt hatten.

44 Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhöreten. 45 Und die Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petrus gekommen waren, entsetzten sich, dass auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen ward; 46 denn sie höreten, dass sie mit Zungen redeten und Gott hoch priesen. Da antwortete Petrus: 47 Mag auch jemand das Wasser wehren, dass diese nicht getauft werden, die den heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir? 48 Und befahl, sie zu taufen im Namen des Herrn. Da baten sie ihn, dass er etliche Tage dabliebe.

V. 44. Da Petrus noch redete usw. Jetzt bekräftigt Gott durch ein neues Wunder, dass die Lehre des Evangeliums den Heiden ganz ebenso zugehören sollte wie den Juden. Die Verleihung des Geistes ist ein deutliches Siegel für die Berufung der Heiden. Freilich unterscheiden sich die Gaben, von denen Lukas hier redet, von der Gnadengabe der Wiedergeburt; doch wollte Gott damit ohne Zweifel sowohl die Lehre des Petrus als auch den Glauben und die Frömmigkeit der Zuhörer besiegeln. Der Geist fiel auf alle, die dem Wort zuhöreten, wie wir denn schon vernahmen, dass alle auf eifriges Lernen und Gehorchen gestimmt waren. Die sichtbaren Zeichen stellt uns in anschaulichem Bilde dar, ein wie kräftiges Werkzeug der göttlichen Macht die Predigt des Evangeliums ist. Denn Gott sendet seinen Geist, während Petrus redet. Er will damit zeigen, dass er Lehrer nicht schickt, damit sie durch hohlen Klang der Stimme die Luft schlagen, sondern damit er durch ihre Stimme mächtig wirke und dieselbe durch die Kraft seines Geistes zum Heil der Frommen mit Leben ausstatte. Demgemäß erinnert auch Paulus die Galater (3, 2) daran, dass sie den heiligen Geist aus der Predigt vom Glauben empfangen haben, und nennt sich anderwärts (2. Kor. 3, 6) einen Diener nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Nun haben ja in der Gemeinde Gaben, wie das Zungenreden, längst aufgehört; kräftig aber ist und wird immer sein der Geist der Erkenntnis und Wiedergeburt, welchen der Herr mit der äußeren Predigt des Evangeliums verbindet, um uns in der Ehrfurcht gegen sein Wort zu erhalten und den verderblichen Schwärmereien zu begegnen, die das Wort beiseite lassen und von irgendeinem schwebenden und herumschwirrenden Geist träumen. Übrigens wird nicht jeder, der die Stimme eines Menschen mit den Ohren auffasst, immer zugleich den Geist empfangen; auch treffen die Diener des Wortes selten auf solche Hörer, wie sie Petrus hatte, die des einmütigen Willens sind, dem Herrn zu folgen. Gott schafft es aber, dass alle Auserwählten den Zusammenklang des äußeren Wortes und der verborgenen Geisteswirkung in sich empfinden.

V. 45. Die Gläubigen aus der Beschneidung entsetzten sich. Gläubige werden diese Leute genannt, obwohl sie noch in einen bösen Irrtum verstrickt waren. Dieser Ehrentitel bleibt ihnen, weil Gott zwar nicht allen Nebel der Unwissenheit tilgt, aber den Irrtum verzeiht und den Glauben seiner Gunst würdigt, als wäre er rein und klar. Freilich müssen wir uns über das Entsetzen dieser Leute wundern, die doch wussten, dass Petrus von Gott gesandt war. Aber die plötzliche Erhebung der Heiden zur Ehrenstufe des Gottesvolkes war ihnen gar zu überraschend. Ihr Beispiel erinnert uns, wie schwer es ist, sich aus einmal gefassten, eingewurzelten Irrtümern herauszuwickeln.

V. 46. Denn sie höreten, dass sie mit Zungen redeten. Diese Stelle zeigt, dass die Gabe des Zungenredens nicht nur verliehen ward, wo das Evangelium fremden Leuten mit verschiedenen Sprachen gepredigt werden musste, sondern auch zum Schmuck und zur Zierde des Evangeliums selbst. Dieser zweite Gebrauch aber wurde alsbald durch den Ehrgeiz verderbt, gegen welches Laster Paulus (1. Kor. 14) scharf auftritt. So dürfen wir uns nicht wundern, dass Gott seine ursprüngliche Gabe wegnahm, weil er sie nicht länger missbraucht sehen wollte.

V. 47. Mag auch jemand das Wasser wehren usw. Petrus folgert aus dem Vorhandensein der Sache die Berechtigung des Zeichens. In der Tat ist es die richtige Ordnung, dass der Diener diejenigen zum Empfang des äußeren Zeichens zulasse, die Gott durch das Zeichen und Unterpfand seines Geistes als seine Kinder bezeichnete. So behaupten Lehre und Glaube die erste Stelle. Dass ungelehrte Leute daraus mit Unrecht die Folgerung ziehen, man müsse Kindern die Taufe versagen, darüber haben wir uns früher schon (zu 8, 37) geäußert. Unsere Stelle dient auch zur starken Widerlegung des papistischen Irrtums, als wäre der Geist gleichsam in die Taufe eingekapselt, denn nach der Erzählung des Lukas wurden Leute mit dem heiligen Geist beschenkt, welche die Weihe der Taufe noch nicht empfangen hatten.

V. 48. Und befahl, sie zu taufen. Es war nicht erforderlich, dass Petrus die Taufe eigenhändig verwaltete, wie auch Paulus bezeugt, dass er in Korinth nur wenige Leute getauft habe (1. Kor. 1, 14 ff.); andere Diener konnten dieses Amt übernehmen. Dass in dem Namen des Herrn getauft wurde, muss man nicht etwa auf die Anwendung einer solchen Taufformel beschränken, vielmehr beschreibt der Ausdruck den Zweck der Taufe, uns in Verbindung mit Christus zu bringen. Dass Kornelius und seine Verwandten den Petrus baten, dass er etliche Tage dabliebe, ist ein Beweis ihres Fortschrittseifers. Sie waren zwar mit dem heiligen Geist beschenkt, aber doch noch nicht zu solcher Höhe gekommen, dass sie nicht noch einer Stärkung bedurft hätten. Diesem Beispiel müssen wir mit allem Ernst folgen, so oft Gelegenheit des Fortschritts sich bietet; wir dürfen nicht selbstzufrieden werden und dadurch weiterer Belehrung den Zugang verschließen.

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