Calvin, Jean - An Francois Daniel in Orleans.

Nr. 8 (C. R. – 20)

Calvin, Jean - An Francois Daniel in Orleans.

Calvin hatte für den Rektor Cop eine Rede evangelischen Inhalts geschrieben, die dieser bei einem Universitätsanlass ablas. Infolge davon musste Calvin aus Paris fliehen, um einer Verhaftung als Ketzer zu entgehen. Er fand in Claix bei Angouleme ein Asyl im Haus des Chorherrn du Tillet, in dessen reicher Bibliothek er arbeitete.

Im Asyl bei du Tillet in Angouleme.

Mit dir kann ich ja schwatzen, wie ich will, und auch ohne bestimmten Stoff eine Seite füllen. Doch was soll ich dich mit meinen Kleinigkeiten aufhalten? Es genügt, dir jetzt das anzudeuten, worüber du dir vielleicht Sorge machtest, nämlich dass es mir gut geht und ich im Studium vorwärts komme, obwohl ich, wie du weißt, eigentlich müßig sitze. Selbst der trägste, faulste Mensch müsste zum Fleiß aufgestachelt werden durch die Freundlichkeit meines Gönners, die so groß ist, dass ich wohl merke, eigentlich gelte sie mehr meiner Wissenschaft als meiner Person. Umso mehr muss ich versuchen, ja eigentlich danach ringen, dass ich nicht mit zuviel Güte, die mir drückend, ja fast beschwerlich wäre, überschüttet werde. Obschon ich, freilich nur wenn ich allen Eifer aufwende, Entsprechendes oder fas Entsprechendes leisten kann, so ist mir doch in dieser Güte eine sehr scharfe Konkurrenz entgegengetreten. Deshalb zupft mich der Gedanke am Ohr, dafür gerade die Studien zu pflegen, um deretwillen mir so viel gewährt wird. Wenn ich die Zeit, die eigentlich der Verbannung oder Auswanderung bestimmt war, in solcher Ruhe zubringen darf, so glaube ich, geschieht mir etwas Außerordentliches. Doch dafür wird der Herr sorgen, dessen Vorsehung alles aufs Beste versehen wird. Ich habs erfahren, dass wir nicht ins Weite schauen dürfen. Als ich mir Ruhe in Allem versprach, stand vor der Tür, was ich am wenigsten erwartet hatte. Dann wieder, als ich auf einen unangenehmen Wohnsitz denken musste, wurde mir ein Nest im Stillen hergerichtet wider alles Erwarten. Das Alles ist die Hand des Herrn. Wenn wir uns ihm anvertrauen, wird er für uns sorgen. Doch nun ist schon fast die Seite voll, mit Sinn und Unsinn. Lebwohl. Grüße, wen du willst. Aus der Akropolis geschrieben.

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