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Bugenhagen, Johannes - Aus Jesaja

Bugenhagen, Johannes - Aus Jesaja

Jesaja 55

Wolan / Alle die ir dürstig seid / kompt her zum Wasser / Und die ir nicht gelt habt / kompt her / keuffet und esset / kompt her / keuffet on gelt und umb sonst / beide Milch und Wein. Warumb zelet ir gelt / da kein brod ist? etc.

DAs lasse eine tewre köstliche Wahr sein / welche dazu so wolfeil / ja on gelt und umb sonst / zu bekomen ist / und solche krafft hat und gibt / denen die ir gebrauchen und geniessen / das sie nicht allein sat und fett davon werden / sondern auch starck / frölich und getrost / in allerley anfechtungen und trübsaln.

Noch sind die Werckheiligen und Heuchler so toll und rasend / das sie nach solcher seliger Labsal nicht allein nicht fragen / und mutwilliglich verseumen / sondern auch feindlich verfolgen und für gifft halten. Und dagegen alle ir vermögen und sawer erbeit / an Menschen lere und Teufels lügen wenden.

Gleichwol predigt und ruffet der heilig Geist nicht vergebens / Die durstigen und hungerigen / das ist / die betrübten / erschrocken gewissen / die ir sünde und Gottes zorn fülen / die finden sich erzu / und nemen mit freuden solche Trostpredigt an. Dadurch sie one gelt und umb sonst / das ist / one ir verdienst und erbeit / getröstet und gesterckt werden / in allerley not und tod.

Da finden sie das Brot / davon Christus Joh. vi. saget / das vom Himel kompt (welchs er selbs ist) und gibt denen / so davon essen (an in gleuben) das Leben / etc. und wie der Prophet hernach saget / die gewisse gnade / David zugesaget / unsern HErrn Jhesum Christum / Welcher ist unser Gerechtigkeit / Leben und ewiger Bund / zwischen Gott und den Menschen.

Und hie ist uns Christen / die Schrifft vom heiligen Geist / auffs höchste gepreiset / und befolhen zu lesen / hören / lernen und gleuben. Dagegen Menschenlere und gebot / welche S. Paulus nennet Teufels lere / auffs hertest verboten. Wer nu ohren hat zu hören / der höre.

Alle die ir dürstig seid etc.

DAs ist so viel gesagt / Es ist mit menschenleren / falschen Gottesdiensten / und Religion / alle mühe / erbeit und kost verloren. Kompt zur heiligen Schrifft / da jr Gottes wort möget hören und lernen. Da werdet ir gewis innen finden / Christum den ewigen Gnadenbund Gottes mit euch. Da esset und trincket / das ist / gleubet / So werdet jr sat / fett und frölich zum guten.

Suchet den HERRN / weil er zu finden ist / Ruffet in an / weil er nahe ist.

DEnn ist der HERR zu finden / wenn er uns sein gnade durchs Wort anbeut. Denn ist er nahe / wenn uns Christus durch seine tewre Diener / sein Euangelium furtregt / und ermanet / das wir in mit glauben sollen annemen.

Da ists denn hohe zeit / das wir uns nicht seumen / Sondern in mit rechtem ernst und vleis / durch rechtschaffene Busse suchen / und in ungeerbtem glauben anruffen.

Rechtschaffene Busse aber ist / wie sich der Prophet selbs deutet / Das der Gottlose / das ist / der Ungleubige und Gottslesterer / von seinem Wege / das ist / von seinem Gottlosen wesen und heuchley / lasse / und sich zum HERRN bekere / die verheissene und geschenckte gnade / in Christo mit glauben anneme / So wird der HERR sich seiner erbarmen / Denn bey jm ist viel vergebung.

Also auch der Ubeltheter / das ist / der seinen Nehesten / mit wort / rat oder that / zu nahen ist / lasse seine gedancken / das ist / sein richten und trachten / wie er schaden möge thun / Und halte sich auch mit glauben an Gottes verheissung etc.

Denn des HERRN gedancken (spricht der Prophet weiter) sind nicht ewer gedancken. Wil so viel sagen / Ir wisset von keiner andern gerechtigkeit / wenn ir hoch komet / denn von der gerechtigkeit der werck des Gesetzes. Sie helt aber fur Mir den stich nicht / Meine gerechtigkeit mus es thun / welche ist / das ich aus lauter gnade sünde vergebe / umb Christus willen / im Gesetz und Propheten verheissen.

Jesaja 57

Ich war zornig uber die untugent ires Geitzes / und schlug sie / verbarge Mich / und zürnete etc.

ALler falscher Gottesdienst / gleisset schön / nimpt die Leute ein / das sie gefallen dran haben / und grosse andacht dazu gewinnen / Ist doch lauter betrug und Abgötterey / da durch Gott auffs höchst erzürnet / und Menschlich ehr und der Bauch gesucht wird. Wie S. Paulus von den Götzendienern sagt Phil. iii. Das der Bauch jr Gott ist / Ir ehr zu schanden wird / und ir ende das Verdamms ist.

Dergleichen Gottesdienst richten an die falschen Propheten / und er nach die Phariseer und Schrifftgelerten unter irem Volck / auch ehre und gut dadurch zu erlangen. Daher Gott durch den Propheten ire Abgötterey und Geitz hart strafft / und spricht / Ich war zornig uber die untugent ires Geitzes / Und endlich da kein besserung folgte / verwarff er sie gar / sampt irem Priesterthum und Königreich.

Eben solche Abgötterey / und falsche Gottesdienst / sind auch unter dem Bapstum in vollem schwang gangen / die man herrlich und heilig hielt / und jederman sie zu erhalten / zieren und mehren / willig und reichlich dazu gabe.

Dafur wir auch unsern rechten lohn haben empfangen / Nemlich / das wir an stat Gottes worts / und der warheit / des Antichrists lesterliche Grewel / und des Teufels lügen / haben müssen hören / gleuben und anbeten.

Da war niemand / der ein einigen Trost aus der Schrifft / eim betrübten Gewissen / hette können geben. Sondern / unter dem namen Christi / verfürten die Blindenleiter und Seelmörder das arme volck / und sagten / Sihe / Hie im Kloster / dort zu S. Jacob etc. findestu Christum. Item / wer ein Christ sein wil / der sol zweiveln / ob er fur Gott in gnaden und seligem Stand sey. Weh dem Römischen stuel / der solcher finsternis und Teuflischer lügen / Stiffter ist.

Wiltu aber aus solcher finsternis / stricken und gefengnis des Teufels los und ledig werden / So höre was der Geist Christi im Propheten hernach saget. Ich wil frucht der Lippen schaffen / die da predigen / Friede friede / beide denen in der ferne / und denen in der nahe / ICH wil sie heilen. Ja freilich mustus thun / lieber HERR (durch die predigt des Euangelii / die da Friede verkündiget / beide Heiden und Jüden / die da an Christum gleuben) sonst sind und bleiben wir ewig verloren.

Jesaja 58

Das ist aber ein Fasten / das Ich erwele. Las los / welche du mit unrecht verbunden hast. Las ledig / welche du beschwerest. Gib frey / welche du drengest. Reis weg / allerley last. Brich dem Hungerigen dein brod. Und die so im Elende sind / führ ins haus. So du einen Nacket sihest / so kleide in / Und entzeuch dich nicht von deinem Fleisch etc.

WEr Gottes worts feilet (wie aller Heuchler art ist) der kan nicht anders / denn er was sonderlichs wehlen / dadurch er sich vermisst / Gottes zorn versünen / und das ewige Leben erlangen. Wie dir des ein starck zeugnis gibt / die Antichristische lere der Papisten / und vor Christus zeit der Phariseer und Schrifftgelerten.

Denn dieser falschen wahn / steckt allen Menschen zu jeder zeit / von Natur im hertzen / Sonderlich den Werckheiligen. Darumb ists inen unmüglich / das sie ein einig gut werck / das Gott gebeut / thun solten / Undeacht / das sie mit dem Phariser / alleer Heuchler Vater / rhümen und sagen / Ich dancke dir Gott / das ich nicht bin / wie ander Leute / Reuber etc Ursach / sie gleuchben und vertrawen Gott nicht / das ist / sie halten sich nicht an Christum / (welchen Gott zum Heiland aller Welt geordnet) der dürr und klar eraus saget / On mich künd ir nichts thun. Sondern vermessen sich selbs / das sie from sind / und fur Gott gerecht / umb irer werck / und erdichten heiligkeit willen / und verachten die andern / Luce. xviii.

Darumb halten sie nicht ein einiges Tüttel vom Gesetz / weder in der ersten noch andern Tafel / wie es Gott foddert / Sondern sündigen an unterlas grewlich dawider / sind und bleiben verdampte Heuchler / weil sie sich auff ire werck verlassen.

WIder solchen falschen wahn der Werckheiligen / prediget Esaias vom rechten Gottesdienst und guten wercken / die Gott gebeut / und im gefallen / Welche niemand thut / denn allein Gottes kinder / das ist / die an Christum gleuben / nicht auff ire gute werck bawen. Und sehet an / erstlich an der andern Tafel / welche zum theil die Vernunfft verstehet. Denn mit Heuchlern reden und handeln / von der ersten Tafel / ist vergeblich / denn sie verstehen nichts davon / Wie am Phariseer Luce xviii. zu sehen ist.

So sagt nu der Prophet / Das ist ein Fasten / das ich erwelet habe. Wil sagen / wenn du lessest / welche du mit unrecht verbunden und beschwerest hast etc. so thustu ein Werck oder Gottesdienst / der Mir gefelliger und angenemer ist / denn all dein fasten und casteien. Das meinet auch Christus / da er spricht / Richtet nicht / verdampt nicht / vergebet / gebet etc. Und henget der Prophet / schöne herrliche Verheissungen hin an / und spricht / Als denn wird dein Liecht erfür brechen etc.

Darnach gedenckt er auch der ersten Tafel / zeigt an der frucht den guten Baum / und spricht / So du deinen fus von dem Sabbath kerest / das du nicht thust was dir gefellet / an meinem heiligen Tag / So wirds ein lustiger Sabbath etc. Hengt abermal dran Verheissungen dieses und des zukünfftigen Lebens / und spricht / Als denn wirstu lust haben am HERRN etc.

In dem er aber das dritte Gebot vom Sabbath handelt und auslegt / schleusst er mit ein / das erste und ander Gebot. Denn darumb wird der Feiertag geheiliget / das man Gottes wort höre / und aus der predigt lerne / welchs one Frucht nicht abgehet / Denn die das Wort mit glauben annemen / empfahen den heiligen Geist / fürchten / lieben und vertrawen Gott / predigen und bekennen sein Wort / ruffen in an in aller not / loben und dancken im fur alle wolthat.

Quelle: Vieler schönen Sprüche aus Göttlicher Schrifftauslegung

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