Zuletzt angesehen: Binde, Fritz - Unentrinnbar!

Binde, Fritz - Unentrinnbar!

Binde, Fritz - Unentrinnbar!

„.. . wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Errettung vernachlässigen (mißachten)?“
Hebr. 2,3

Der Unglaube stellt gern Gott und seinem Worte Fragen, um sich durch solche Fragen Gott und sein Wort vom Leibe zu halten. Indes sind seine Fragen durch das Wort Gottes beantwortbar, und die letzte Antwort wird Gott selbst geben. Mittlerweile stellt Gott in seinem Wort aber auch dem Ungläubigen Fragen, Fragen, von denen du unter Tausenden nicht eine beantworten kannst. Hier ist eine von den Tausenden, eine unbeantwortbare Frage.

Sie lautet:

Wie willst du entfliehen, wenn du eine so große Errettung, nämlich deine Errettung vom Fluche der Sünde durch das Liebesopfer Jesu Christi, vernachlässigst, mißachtest?

Bitte, sei mit mir bereit, den Inhalt, die Tragweite dieser Frage zu untersuchen, um ihre Unbeantwortbarkeit zu ermessen. Dazu aber ist’s nötig, daß wir vorerst den Ausdruck „eine so große Errettung“ zu ermessen suchen.

I.

Was will das also heißen: „Eine so große Errettung“?

Es ist zunächst deine Errettung aus der Schuld und Macht der Sünde durch das Blut Jesu Christi.

Warum wird diese Errettung „eine so große“ genannt?

Nun, erstens, weil Gott selbst sie geplant, ermöglicht, geoffenbart und ausgeführt hat und sie – wie wir sehen werden – so groß ist wie Gott selbst.

Denn, was dem Moralgesetz unmöglich war und ist und sein wird, und was auch unser „Fleisch“, das ist unsere menschliche Natur, nicht vermochte, nämlich uns aus der Schuld und Macht der Sünde zu befreien, das tat Gott (Röm. 8,3), indem er Jesus Christus, den Einzigartigen, den Einen, der Sünde nicht kannte, für uns zur Sünde machte, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm (2. Kor. 5,21).

Also Gott selbst, nicht du, erfüllte als der Geber des moralischen Gesetzes das Gesetz. Du hast es noch nie erfüllt, sondern in allen Fällen nur übertreten. Aber Gott selbst, nicht du, rettete dich heraus aus der steten, geheimen Anklage des Gesetzes, aus der Qual des bösen Gewissens. Gott selbst, nicht du, tilgte die Mengen deiner Übertretungen und Sünden. Gott selbst, nicht du, rettete dich von Fluch, Schuld, Strafe und dem Zorn des kommenden Gerichts. Gott selbst, nicht du, brachte eine Versöhnung zustande zwischen dir und sich. Gott selbst, nicht du, schuf dir einen Weg zu sich zurück, auf dem man Frieden und Gemeinschaft mit ihm, seinen Geist, seine Kraft, sein Leben, sein ewiges Leben empfängt.

Also handelt es sich durchaus um eine Errettung durch Gott und nicht durch Menschen, nicht durch dich. Alle Hilfe durch Menschen und alle Selbsthilfe ist begrenzt und klein wie die Menschen selbst. Jämmerliches Flickwerk, das nicht vorhält! Kein Bruder kann den anderen erretten und erlösen. Es ist nichts Gründliches; denn jeder ist selbst errettungsbedürftig. So spricht Jahwe: „Verflucht ist der Mann, der auf den Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arme macht, und dessen Herz von Jahwe weicht“ (Jer. 17,5). Aber Gotteshilfe ist unbegrenzt und groß wie er selbst.

Eine Errettung für dich so groß wie Gott selbst, das ist der Mühe wert, angeschaut zu werden.

Wie groß ist denn Gott? Ehe ich die große Errettung als mein Teil erlebte, hielt ich Gott für sehr klein, ja für so klein, daß er für mich gar nicht in Betracht kam. Da machte es mir zum Beispiel eine satanische Freude, die Gläubigen zu fragen: „Ist denn Ihr Gott allwissend?“ „Natürlich!“ antworteten sie. „Wußte er denn, daß jene vermeintlichen ersten Menschen in Sünde fallen würden?“ „Er muß es wohl gewußt haben“, meinten sie. „Ist denn Ihr Gott auch gerecht?“ inquirierte ich weiter. „Durchaus gerecht“, hieß es. „So,“ holte ich dann aus, „ist das gerecht, erst Wesen zu schwach erschaffen und wissen, daß sie zu schwach sind, dann die armen schwachen Wesen in Versuchung bringen, wo sie in die Sünde fallen müssen, dann nicht nur sie, sondern auch alle ihre Nachkommen, ja alle Geschöpfe der Erde, ja die Erde selbst und sogar den Himmel, ja die ganze Welt mit der Qual, Pein, Strafe und allem Fluch der Sünde belegen! Ist das gerecht? Was kann ich dafür, daß ich ein Nachkomme jenes heruntergekommenen Adams bin?! Habe ich mich in diese Welt kommen lassen? Kann ich dafür, daß der Satan, von dem alle Verführung herkommen soll, stärker ist, als ich bin? Und nun soll ich verdammt und verloren sein, wenn ich nicht an diesen ungerechten Gott und seine blutig-rachsüchtige Sühngeschichte von Golgatha glaube? Gehen Sie mir doch weg mit solch einem Gott!“ –

Sieht so Gott aus? O nein, so armselig sah nur mein eigener Geist aus, der Geist des gefallenen, natürlichen Menschen, der nicht faßt, was des Geistes Gottes ist, und kann es nicht erkennen, sondern es ist ihm eine Torheit und ein Ärgernis (1. Kor. 2,14).

Also wie groß ist Gott, wenn die durch ihn bewirkte „so große Errettung“ so groß als er selbst ist?

Zunächst so groß wie seine Allmacht. O, wie groß muß doch Gottes Allmacht sein, daß sie den Menschen nicht als willenlose Puppe, die genau so hüpft und springt, wie er am Schnürchen zieht, erschaffen hat! Wäre Gott ein um seine Macht besorgter Despot, so hätte er sich solche Puppen geschaffen; sie wären nie in Sünde gefallen. O, wie groß muß Gottes Allmacht sein, daß er dem Menschen einen so großen Bereich freier Willensentschließung schenkte, daß der Mensch innerhalb dieses Bereiches sich sogar gegen Gott entscheiden konnte, ohne daß Gott ihn sofort endgültig vernichtete.

Sodann ist die „so große Errettung“ so groß wie Gottes Herrlichkeit. O, wie groß muß doch Gottes Herrlichkeit sein, daß sie keine willenlosen Sklaven als Anbeter in ihrer Nähe erträgt, sondern nur erprobte Wesen, die sich freiwillig vor der Lebensfülle seiner Gottheit beugen und lieber mit einem mißratenen Menschengeschlecht als mit einem Volk von Puppen rechnet!

Sodann ist die „so große Errettung“ so groß wie Gottes Heiligkeit. O, wie groß muß doch Gottes Heiligkeit sein, daß sie die Übertretung des zur Erprobung gegebenen Gebotes unerbittlich als Sünde behandelte, sich sofort den Sündern entzog und dem abgefallenen Geschöpf die bittere Frucht seiner verkehrten Wahl als Gottesferne und Lebensbeschränkung, als Gesetz der Sünde und des Todes zum Zwecke seiner Erziehung und Umkehr zu schmecken gab! Ja, wie hehr und groß muß Gottes Heiligkeit sein, daß hinfort das ganze Menschengeschlecht, als erzeugt von einem gefallenen Erzeuger, den Stempel der Unreinheit und Unheiligkeit trägt und alles befleckt, womit es umgeht: Erde und Kreatur, ja selbst den Himmel!

Ferner ist die „so große Errettung“ so groß wie Gottes Weisheit. O, wie groß muß doch Gottes Weisheit sein, daß sie für das verführte, verirrte, verkehrte, verlorene Menschengeschlecht eine Erlösung, eine Errettung erfunden hat, und zwar, o wunderbar weise Vorsicht und Vorsehung! –: Sie erfand diese Errettung schon vor Grundlegung der Welt! Ja, wie unser Denken himmelhoch übersteigend groß muß Gottes Weisheit sein, daß sie im ewigen Heute der Ewigkeit Christus ersah, den gesalbten Sohn, den Erstling aller Kreatur, daß er als Bürge, als stellvertretendes Haupt des zu erschaffenden Menschengeschlechts, als zuvor ersehenes Gotteslamm die zuvor gesehene Sünde der Welt sollte hinwegtragen am Kreuz auf Golgatha! Ja, wie erhaben reich, sicher und groß muß Gottes Weisheit sein, daß sie in beruhigtem Hinblick auf den, der mit ihr ewig eins ist, Christus, durch ihn, zu ihm und für ihn alles schaffen konnte, das geworden ist, und alles in ihm trägt und erträgt. „O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unausforschlich sind seine Gerichte und unaufspürbar seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen? Oder wer hat ihm zuvorgegeben, und es wird ihm vergolten werden? Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit“ (Römer 11,33-36).

Und nun gar Gottes Liebe! Ja, die „so große Errettung“ ist genau so groß wie Gottes Liebe! O, wie groß muß doch Gottes Liebe sein, daß sie den Menschen erschuf, obgleich sie wußte, er wird ein halsstarriges Wesen sein, er wird die Bande der Liebe Gottes zerreißen und von sich werfen, um eigene Wege zu gehen, wo er nichts nach Gottes Liebe fragt! Ja, wie unfaßbar groß muß Gottes Liebe sein, daß sie beschloß, um der Errettung dieses mißratenen Menschengeschlechtes willen, des eigenen Sohnes nicht zu verschonen, sondern ihn hinabgibt in die Hände der Übeltäter, damit er ihnen Gottes Liebe wieder neu offenbare und sein teures Blut fließe als Lösegeld für ihre Sünden und das Verirrte und Verlorene den Weg zum Vaterherzen zurückfinde! Ja, also unausdenkbar groß hat Gott die Welt geliebt. .. ! (Joh. 3,16).

Und die „so große Errettung“ ist auch so groß wie Gottes Gerechtigkeit. O, wie unerbittlich groß muß doch Gottes Gerechtigkeit sein, daß sie bedingungslos die Sünde als Sünde richten mußte! Und da es die Liebe verbot, die Sünde an dem verführten Menschengeschlechte durchzurichten, so gebot es die Gerechtigkeit, die Sünde im Fleische des Sohnes der Liebe zu verurteilen, abzuurteilen und sie hinwegzutun. Der ewige Bürge, das stellvertretende Haupt der Menschheit und Welt, das fleckenlose Lamm Gottes empfängt in freiwilligem Liebesgehorsam der Sünde Lohn, den Tod an unserer Statt. Gesetz und Gerechtigkeit sind seitdem erfüllt, die Schuld ist bezahlt, der Fluch hinweggetan, der Weg zum heiligen Throne Gottes frei: die Errettung aus der Obrigkeit der Finsternis und Gewalt Satans, aus Schuld und Macht der Sünde ist vollbracht! – Und, o wie treulich groß ist Gottes Gerechtigkeit, daß sie nun ebenso bedingungslos, wie sie am Kreuze richten mußte, jetzt bedingungslos vergibt und versöhnt ist um des Blutes des Kreuzes willen mit allen Dingen, es seien die Dinge auf der Erde oder die Dinge in den Himmeln! (Kol. 1,20). Und wie heilig groß ist nun die vom Kreuz ausströmende Gerechtigkeit Gottes, daß sie als unsere Gerechtigkeit oder Rechtfertigung und Errettung nicht anders in Besitz genommen werden kann als durch lebendigen Glauben! Denn ebenso wie damals vor dem Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen, so will Gott auch jetzt vor dem Kreuze von Golgatha keine Puppen, keine mechanischen Wirkungen seiner Gerechtigkeit, sondern angesichts dessen, der um unserer Übertretungen willen verwundet und um unserer Missetat willen zerschlagen wurde (Jes. 53,5), erwartet Gott von dir die persönliche freiwillige Erkenntnis und Verurteilung deiner eigenen Ungerechtigkeit und Selbstgerechtigkeit, damit du als ein Gerichteter und zugleich Geretteter fortan keine andere Gerechtigkeit mehr habest als Gottes große Gerechtigkeit, die dir durch die große Errettung auf Golgatha in Christus Jesus geschenkt ist. – Nun erkenne und juble: Gottes Gerechtigkeit – meine Gerechtigkeit! Gott ist es, welcher rechtfertigt; wer ist es, der verdamme? Wenn Gott für uns ist, wer wider uns? (2. Kor. 5,21; Röm. 8,33. 31).

Verstehst du jetzt, wie groß die Errettung aus der Schuld und Macht der Sünde ist? Verstehst du jetzt, warum ich vorhin sagte, die „so große Errettung“ ist so groß als Gott selbst?

Ja, so groß als Gottes große Allmacht, Herrlichkeit, Heiligkeit, Weisheit, Liebe und Gerechtigkeit zusammen genommen sind, so groß ist auch die „so große Errettung“. Denn alle diese sogenannten Eigenschaften Gottes mischen sich gleichmäßig und sind in ihrer ganzen Größe erst offenbar geworden in der vollbrachten Gesamtgröße der „so großen Errettung“!

Laß dir aber noch mehr sagen von dieser „so großen Errettung“. Sie ist eine „so große Errettung“, weil sie, zweitens, auch so groß ist, wie Christus selbst ist.

Wie groß ist denn Christus?

Das zu ermessen, reichen die armseligen Ellenlängen menschlicher Meinungsmacherei über ihn nicht aus. Nur das Wort Gottes offenbart seine Maße und Größe. Und, o wie groß ist er da! Ich will nur drei Maße anführen.

Christus ist der Urheber und Zweck alles Lebens. Denn durch ihn hat Gott die Welten gemacht. Und er ist der Abglanz der Herrlichkeit und der Abdruck des Wesens Gottes. Durch ihn sind alle Dinge erschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren; alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen. Und er ist vor allen, und alle Dinge bestehen zusammen durch ihn; denn er trägt alle Dinge durch die Macht seines Wortes (Hebr. 1,3; Kol. 1,16; Röm. 11,36; 2. Kor. 4,5; Joh. 1,1-8; 8,58).

Christus ist aber auch der Erretter und Erlöser alles Lebens.

Siehe, deshalb ist die auf Golgatha vollbrachte Errettung so groß, weil der Urheber des Lebens selbst auch der Erretter alles Lebens ist. Durch den die Welt erschaffen ist, durch den ist sie auch errettet. Durch den alle Dinge erschaffen sind, durch den sind auch alle Dinge versöhnt. Der Urheber alles Lebens selbst gab sein Leben zum Loskauf der Welt aus Sünde und Tod für die Welt dahin. Das reicht aus! Wer an ihn, das heißt an die durch ihn geschehene Errettung glaubt, der hat das Leben; denn Christus Jesus ist das Leben (Apg. 3,15; Kol. 1,20; Matth. 20,28; Joh. 6,51; 10,28; 11,25; 14,6; 20,31; 1. Joh. 5,12).

Christus ist aber auch der Herr des Lebens.

Ihm ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Denn nachdem er die Reinigung der Sünden gemacht, hat er sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe als der Erbe aller Dinge, dem Gott einen Namen gegeben hat, der über jeden Namen ist, auf daß in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen, der Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, daß Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters (Matth. 28,18; Hebr. 1,2 und 3; Phil. 2,9). Und als Herr des Lebens ist er jetzt der gute Hirte der durch den Glauben an ihn Geretteten. Er ist ihr Heiland, Haupt und barmherziger Hoherpriester, der versucht wurde allenthalben gleichwie sie, und deshalb ihre Schwachheiten kennt, Geduld mit ihnen hat, sie fürbittend vertritt, sie durch den Heiligen Geist, den Sachwalter und Tröster, leitet und regiert und sie durch die ihnen feindliche Welt hindurchführt bis vor sein Angesicht. Das genügt.

Also ist die „so große Errettung“ so groß, wie Jesus Christus selber ist, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung unserer Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade (Eph. 1,7).

Aber noch mehr! Sie ist, drittens, eine „so große Errettung“, weil sie so groß ist wie die ganze Menschheit.

Das heißt, sie erstreckt sich auf das ganze Menschengeschlecht ohne Ausnahme.

Sie umfaßt zunächst jede menschliche Sünde. Die Sünde der Menschen ist groß, so groß, daß Jesus Christus um ihretwillen sterben mußte; aber die „so große Errettung“ ist nicht nur gerade so groß, sondern noch viel größer. Ihre Tragweite reicht viel weiter als das Verderben der Sünde durch den Fall. Sie hebt den Menschen in eine viel höhere Höhe hinauf, als er sie vor dem Fall eingenommen hatte. Sie teilt Gottes eigene Gerechtigkeit im zweiten Adam mit und erhebt den Geretteten an die Seite des Sohnes Gottes, in dessen Reich, auf dessen Thron. So hoch stand jener erste Adam nie (Röm. 5,11-21; Eph. 2,4–10; Kol. 1,12-14). Solche Erhöhung ist nur möglich, weil die „so große Errettung“ viel mächtiger und größer als jede Sünde ist. – Hier hört jetzt niemand von dieser „so großen Errettung“, dessen Sünde zu groß wäre, als daß sie ihm nicht in solcher Errettung vergeben wäre. Du brauchst diese Vergebung jetzt nur noch im Glauben zu empfangen. Da braucht kein Sünder zweifelnd zu zagen. Die „so große Errettung“ reicht aus für die blutroteste Sünde. Höre es jetzt jeder: Sünde ist kein Hindernis mehr, zu Gott zu gelangen. Gott hat seit bald zweitausend Jahren mit allen deinen Sünden abgerechnet. Nur der Unglaube bleibt das Hindernis! – Hier hört auch niemand von dieser „so großen Errettung“, dessen Sünde zu klein wäre, so daß er diese Errettung gar nicht brauchte. Denn die Errettung gilt jeder Sünde, ob grob oder fein, ob groß oder klein. Da liegt niemand zu tief in der grausamen Grube und sitzt niemand zu hoch auf dem Throne seiner eigenen Gerechtigkeit, die „so große Errettung“ verurteilt alle gleicherweise und errettet alle gleicherweise.

Die „so große Errettung“ umfaßt sodann jeden menschlichen Rassenunterschied. Es bleibt das Kennzeichen aller Hilfe durch Menschen, daß sie keine Hilfe für alles und alle ist. Was da des einen Nutzen ist, ist des anderen Schaden. Oder worin dem einen alles Heil zu liegen scheint, das kann der andere gar nicht verstehen noch gebrauchen.

Wie lächerlich wäre es, wenn wir die Papuaneger für die Segnungen unserer Sozialschutzgesetzgebung zu begeistern suchten! Oder, wenn ich mich mit einem philosophischen System voll allerneuester Ethik oder mit einer ästhetischen Abhandlung über allerneueste Kunst an die Eskimos wenden würde! So ist alle Menschenhilfe und das Interesse an ihr begrenzt durch die Rassen- und Volksunterschiede und deren Geschichte. – Nun aber gib acht! Siehe, mit derselben Bibel in der Hand gehen die Boten Christi zu den Papuas und zu den Eskimos, zu den Negerstämmen Zentralafrikas und zu den Chinesen, zu den Slawen, Romanen und Germanen und – werden verstanden! Überall finden sie für die „so große Errettung“, die sie als Evangelium verkünden, ein innerstes Interesse, Bedürfnis und Verständnis. Ob sich ein Neger bekehrt oder ein Chinese oder ein Bürger Londons, sie erleben alle dasselbe, sie werden alle teilhaftig derselben großen Errettung. Torrey, der amerikanische Evangelist, erzählt, daß er auf allen fünf Erdteilen evangelisiert und überall die gewaltigsten Massenversammlungen erlebt und das gleiche Interesse für das Evangelium von der „so großen Errettung“ gefunden habe. Von welcher anderen menschlichen Geistes- und Interessenbewegung wäre das auch zu sagen? Von keiner. – Siehst du jetzt die Tragweite dieser „so großen Errettung“, die die Erde umflutet und alle Völker, ja die ganze Menschheit umfaßt? Hier ist wahrer Kosmopolitismus und mehr als Weltbürgertum, sondern Himmelsbürgertum (Phil. 3,20) nach dem Worte Christi: „Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis allen Nationen zu einem Zeugnis. “ Und das andere Wort: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Nationen“ (Matth. 24,14 und 28,19). Schon ist das Evangelium in nahezu alle Sprachen übersetzt, schon gibt es mehr Gläubige auf Erden als je zuvor, und schon ist für diese in Christus und seinem Evangelium wirklich lebendig geeinte Schar wahr geworden, was Paulus von Tarsus sagte: „Da ist nicht Grieche und Jude, Beschneidung und Vorhaut, Barbar, Scythe, Sklave, sondern Christus alles und in allen“ (Kol. 3,11).

Denn die „so große Errettung“ umschließt auch alle menschlichen Klassenunterschiede. Eigentümlich, heute, wo die Verfechtung der Rassen- und Klassengegensätze wieder einmal allerneueste Weisheit und allerneuester Rettungsversuch für eine durch sich selbst bedrängte Kultur geworden ist, heute, wie vor zweitausend Jahren betont allein das Evangelium von der „so großen Errettung“: „Da ist nicht Barbar noch Scythe, da ist nicht Sklave, nicht Freier. “ Ja, die „so große“, von Gott in Christus bewirkte Errettung aus der Schuld und Macht der Sünde ist auch die einzige Errettung aus allem Rassen- und Klassenhaß, und wenn einmal alle anderen Rettungsversuche schmählich Bankrott gemacht haben werden, dann wird die eine „so große Errettung“ über alle triumphieren und dennoch jenes unter der Alleinherrschaft Christi stehende Reich bringen, wo die Schwerter zu Pflugmessern und die Speere zu Winzermessern umgeschmiedet werden und sich nicht mehr Nation gegen Nation (noch Klasse gegen Klasse) erheben wird, und man den Krieg nicht mehr lernt (Jes. 2,4). Mehr kann ich im Rahmen dieses Vortrages darüber nicht sagen, obgleich ich viel mehr sagen möchte und weiß, daß das Gesagte allen denen, die die „so große Errettung“ nur in der Karikatur eines sogenannten geschichtlich gewordenen Christentums kennen, recht fraglich, ja lächerlich erscheinen muß. – Indes erfaßt die große Errettung alle Tage vorläufig die einzelnen aller Klassen. Fürsten und Reiche, Niedrige und Arme bekehren sich. Die „so große Errettung“ macht weder halt vor dem Palais noch vor der Proletariermansarde. Sie macht den Fürsten geradeso zum armen, verlorenen Sünder wie den Bettler. Sie müssen beide dasselbe Evangelium hören, dasselbe Gericht und dieselbe Errettung durch das Kreuz Christi erleben. Da wird mit keinem eine Ausnahme gemacht. Vor Gott und seiner „so großen Errettung“ gilt kein Ansehen der Person. Alle verlorene Sünder vor der Errettung, alle durch dasselbe Blut gerettete Brüder des erstgeborenen aller Brüder nach der Errettung. Hier ist auch allein wahrer Sozialismus und mehr als Sozialismus nach dem Worte Christi: „Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe (durch die Wiedergeburt in der „so großen Errettung“ erlangte Liebe) untereinander habt und nach Pauli Wort: „.. . einer für alle gestorben, alle für einen lebend“ (Joh. 13,35; 2. Kor. 5,15 und 16). Welch eine unüberbietbare große Errettung! Jeder andere Sozialismus ist nur ein enttäuschungsreiches, fluchbeladenes Mißverständnis, ein zukunftsloses Zerrbild dieser einen großen Errettung in der Solidarität Christi für alle und alle für Christus.

Denn die „so große Errettung“ umfaßt auch alle menschlichen Bildungsunterschiede. Vor der alles Denken übersteigenden Errettung im Kreuze Christi muß sowohl der Weiseste Bankrott machen wie der Beschränkteste. Die „so große Errettung“ erniedrigt alle zu Toren und Irrenden in sich selbst und erhebt alle zu Erleuchteten und Wissenden in Christus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit (1. Kor. 1,30). Denn die „so große Errettung“ ist so groß, daß sie der Weiseste nicht zu erschöpfen noch auszudenken vermag, und sie ist zugleich so groß, daß sie ein Kind zu begreifen imstande ist und der Einfältigste auf ihrem Wege nicht mehr zu irren braucht (Matth. 11,25; Jes. 35,8). Hier ist wahrer Universalismus des Wissens und wahre Bildung, und mehr als Wissen und Bildung, hier ist Einheit im Geiste Christi und Bildung nach dem Bilde Christi (Eph. 4,3; Röm. 8,29; 1. Joh. 3,2). Alles übrige Wissen und alle sonstige Bildung ist gegenüber dem Wissen und der Bildung dieser „so großen Errettung“ aus allen Zweifeln und Lebensfragen heraus nur eine armselige, eingebildete Beschränktheit!

Noch eins. Diese „so große Errettung“ umfaßt auch den Unterschied der Geschlechter. Wie viele Hilfs- und Rettungsversuche gelten nur dem einen oder anderen Geschlechte. Und wie viele Hilfsversuche wollen den Unterschied der Geschlechter in bezug auf Schulung, Erwerb, Politik usw. ganz ausgleichen. Welche Utopien herrschen gerade auch auf diesem Gebiete! Das Evangelium von der „so großen Errettung“ aber ist niemals utopisch. Es eint alle Rassen und hebt doch die Rassenunterschiede nicht auf, sondern unterscheidet bis zum Siege Christi hinaus zwischen Völkern und Völkern, aber in Christus ist nicht Barbar, nicht Scythe. Ebensowenig will es Arme und Reiche gleichmachen, aber in Christus gibt es weder Knechte noch Freie! Und ebensowenig will es Bildungsunterschiede aufheben, aber in Christus ist nicht Weiser noch Unweiser! Und ebensowenig will es Mann und Weib gleichsetzen, sondern betont immer wieder, daß der Mann der Herr und das Haupt des Weibes ist, gleichwie Christus das Haupt des Mannes ist und das Weib des Mannes Herrlichkeit (1. Kor. 11,1-16; Eph. 5,22-33), aber in Christus ist nicht Mann noch Weib; denn sie alle sind einer in Christus, bestimmt zu dem erwachsenen Manne, zu dem Maße des vollen Wuchses der Fülle des Christus hinzugelangen (Gal. 3,28; 4,13). Welch herrliche Errettung aus allen Grenzen aller Unterschiede! Welche Freiheit bei aller Unterschiedlichkeit! Und welch sicherer, unüberbietbarer Triumph über alle Zerrbilder dieser „so großen Errettung“, die alle nur bestimmt sind, an ihren eigenen Grenzen zugrunde zu gehen! Die „so große Errettung“ selbst aber kennt keine Schranken, an denen sie scheitern müßte.

Wie groß die Tragweite dieser „so großen Errettung“ im jetzigen Zeitalter für die Menschheit ist, fassen die zusammen, die nach Offenbarung 5,9 einst das neue Lied zu Ehren des Lammes singen. Es lautet:

„Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast für Gott erkauft durch dein Blut, aus jedem Geschlecht und Sprache und Volk und Nation und hast sie unserem Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen!“ –

Und doch ist der Inhalt der Worte eine „so große Errettung“ mit all dem Gesagten noch lange nicht erschöpft. Noch einmal muß ich ausholen und sagen: Die „so große Errettung“ ist so groß als das Weltall selber!

Denn Christi Wort lautet sogar: „Denn das sehnliche Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes“ (Röm. 8, 19). Das bezieht sich zunächst auf die Tier- und Pflanzenwelt und auf die Erde selber. Denn die Schöpfung ist der Eitelkeit unterworfen worden (nicht mit Willen, sondern um deswillen, der sie unterworfen hat) auf Hoffnung, daß auch selbst die Schöpfung freigemacht werden wird von der Knechtschaft des Verderbnisses zu der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt (Röm. 8,20-22).

Gott führte mich eines Tages wieder mit einem früheren Freunde, einem Haeckelianer und Monisten, zusammen. Der Freund erforschte den haeckelisch gefärbten Darwinismus und meinte, das nächste Ziel der Höherentwicklung der Menschheit sei, den „grausamen Kampf ums Dasein“ unter den Menschen bewußt menschlicher zu gestalten. „Abgesehen von dem Widerspruchsvollen und Aussichtslosen deines Ideals“, entgegnete ich ihm, „möchte ich dich jetzt nur fragen: Wie wird es denn mit dem ,grausamen Kampf ums Dasein‘ in der Natur, in der Tier- und Pflanzenwelt? Werden die Monisten auch diesen Kampf weniger grausam zu gestalten vermögen?“ „Das geht nicht!“ rief er da aus, „Tier bleibt Tier, Pflanze bleibt Pflanze!“ „Gewiß!“ antwortete ich, „und ich könnte weiter schließen: Mensch bleibt Mensch; aber als Christ weiß ich, daß nicht nur eine neue Menschheit Tatsache der Erlösung in Christus sein wird, sondern auch eine neue, vom jetzigen ,grausamen Kampf ums Dasein‘ befreite Natur und Kreatur; denn es steht in meiner Bibel. “ „Das ist unmöglich!“ rief er aus. „Höre zu!“ bat ich und las ihm die eben angeführte Stelle, Römer 8,20-22, vor und dann das Folgende: „Und der Wolf wird bei dem Lamme weilen, und der Leopard bei dem Böcklein lagern, und das Kalb und der junge Löwe und das Mastvieh werden zusammen sein, und ein kleiner Knabe wird sie treiben. Und Kuh und Bärin werden miteinander weiden, ihre Jungen zusammen lagern, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. Und der Säugling wird spielen an dem Loche der Natter und das entwöhnte Kind seine Hand ausstrecken nach der Höhle des Basilisken“ (Jes. 11,6-8). „Na, das wäre ja der Gipfel!“ rief da mein Monist aus, „ich hätte nicht gedacht, daß das in der Bibel steht!“ „Nein, durchaus nicht der Gipfel“, entgegnete ich, „sondern nur eine ganz sekundäre Wirkung der großen Errettung aller Schöpfung im gekreuzigten Christus“, und erklärte es ihm.

Ja, die „so große Errettung“ in Christus ist unüberbietbar, und es ist nichts als eine Bestätigung der gerechten Gnade Gottes, daß die Schöpfung, die durch den Sündenfall mit hineingezogen wurde in die Knechtschaft des Verderbnisses, durch die „so große Errettung“ in Christus auch wieder befreit wird aus diesem Verderbnis; und das kommende Zeitalter wird diese Befreiung der Menschheit und Kreatur offenbaren.

Aber noch mehr. Auch die Erde und der Himmel wurden ja befleckt durch der Menschen Sünde, und so muß die „so große Errettung“ von jedem Fluch auch ihnen gelten. Und es wird geschehen. „Die jetzigen Himmel aber“, muß Petrus sagen, „und die Erde sind durch sein Wort aufbewahrt, für das Feuer behalten auf den Tag des Gerichts. .. , an welchem die Himmel vergehen werden mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brande werden aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr verbrannt werden. .. Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt“ (2. Petr. 3,7. 10. 12 und 13). Und Johannes, der Jünger, der das Herz Jesu schlagen hörte, durfte bereits die Wirkungen der „so großen Errettung“ bis in jene Ferne hinaus erschauen, wo er sah „einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen“ (Offb. 21,1). Ja, eine neue Menschheit auf einer neuen Erde, unter einem neuen Himmel, der gereinigt ist von jeder Spur der satanischen Geisterwelt, das sind die äußersten Wirkungen der „so großen Errettung“. Denn Christus ist mit seinem Blute auch durch die Himmel gegangen und hat auch mit den Dingen versöhnt, die in den Himmeln sind (Hebr. 9,23 und Kol. 1,20). Und er ist mit seinem Blute sogar auch in den Hades, in die Totenwelt gegangen, den Geistern im Gefängnis zu predigen, die einst ungehorsam waren (Eph. 4,9; 1. Petr. 3,19).

Und nun, wo wir am Ende unserer Untersuchung über die Bedeutung der Worte „eine so große Errettung“ angelangt sind, laßt uns noch einmal zusammenfassen, „welches die Breite und Länge und Tiefe und Höhe“ dieser großen Errettung sei, „um zu erkennen die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus“ (Eph. 3,18).

Ihre Breite und Länge: von Ewigkeit zu Ewigkeit, so groß wie Gott, wie Christus, wie die Menschheit, wie das Weltall selber!

Ihre Tiefe und Höhe: von der tiefsten Tiefe des Falles, ja von der Tiefe des Gefängnisses des Totenreiches, bis empor zum Throne Gottes in der Himmel Himmel, zur Rechten der Majestät, wo der sitzt, durch den dies alles geschehen ist, und der spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb. 21,5).

Eine wiedergeborene Menschheit, eine wiedergeborene Schöpfung, eine wiedergeborene Erde, ein wiedergeborener Himmel! Sag, was willst du dieser so unüberbietbar großen Errettung an die Seite stellen? Nichts! Denn nichts ist mit ihr zu vergleichen.

Und nun höre das Allergrößte: Diese „so große Errettung“ ist für dich!

Ich nenne dies das Allergrößte. Denn was würde dir die Erneuerung der ganzen Welt nützen, wenn du ausgeschlossen wärest! Nein, nein, die „so große Errettung“ gilt in diesem Augenblick zuallererst dir!

Und das führt uns nun zum zweiten, zu unserer unbeantwortbaren Frage:

II.

„Wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Errettung vernachlässigen, mißachten, ablehnen?“

Da möchte man zunächst versucht sein, zu fragen: Ist die Vernachlässigung, Mißachtung und Ablehnung einer „so großen Errettung“ überhaupt möglich? Ja, die Ablehnung dieser „so großen Errettung“ ist ebenso möglich, wie der Sündenfall im Paradies möglich war. Gott rückt keinem etwas auf. Gott zwingt niemanden. Gott erwartet nur freiwilligen Gehorsam, und Gott wird mit endgültigem Gericht bestrafen nur den freiwilligen, bewußten Ungehorsam. Und diesen gibt es heute wie zu Zeiten Adams, Noahs, Lots, Christi und Pauli.

Ach, der eitle, selbstsichere Mensch! Er hört ein-, zwei-, dreimal die Botschaft von der „so großen Errettung“, mißt einiges aus ihr mit der Ellenlänge seines kurzen, verfinsterten Verstandes, findet es „unannehmbar“, steht auf und geht hin mit den Worten: „Das ist nichts für mich!“ Fertig. Mit diesem überlegenen Schluß glaubt er die ganze Geschichte losgeworden zu sein und weit hinter sich gelassen zu haben. Aber da eilt Gottes Wort ihm nach und ruft ihm ins Ohr: „Freund, wie willst du entfliehen, wenn du eine so große Errettung mißachtest?“

Deshalb stehe still, du Enteilender, und prüfe jetzt unverzüglich diese entscheidungsschwangere, unbeantwortbare Frage! Ich will dir dabei helfen.

Siehe, du müßtest gewissermaßen nach zwei Seiten zu entfliehen vermögen, um dir diese unannehmbare große Errettung vom Halse zu schaffen. Du müßtest entfliehen, erstens der Liebe Gottes, zweitens der Gerechtigkeit Gottes. Oder, um es noch plastischer auszudrücken: du müßtest erstens dem suchenden Liebesarme und zweitens dem richtenden Gerechtigkeitsarme Gottes (ich rede bildlich) zu entlaufen vermögen. Kannst du das? Was meinst du wohl? Nun, wir wollen sehen.

Zunächst entfliehen dem suchenden Liebesarme.

Siehe, die Liebe Gottes ist hinter dir her; sie allein hat dich jetzt unter dieses Wort geführt. Und wenn du ihr entlaufen willst, so sieh dich zuvor erst ein wenig um, wie weit der Arm dieser suchenden Liebe reicht. Laß uns dazu einen Maßstab suchen, diese Liebe auszumessen. Natürlich muß es ein Wort Gottes sein; denn alle anderen Maße und Gewichte sind unzulänglich. Wir wollen es aber diesmal nicht dem Neuen, sondern dem Alten Testamente entnehmen; denn etliche kluge Leute meinen, das Neue Testament sei ja überhaupt nichts weiter als lauter bedingungslose Liebe und Gnade Gottes, so wie das Alte Testament nichts weiter als lauter Rach- und Blutsucht Gottes sei. Es steht aber auch im Neuen Testament geschrieben von dem Ort, wo der Wurm nicht stirbt und die Flamme nicht verlischt, und wo Heulen und das Knirschen der Zähne sein wird; Jesus selbst hat’s gesagt. Ebenso steht im Neuen Testament: „Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!“ denn: „Auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer“ (Mark. 9,44; Luk. 13,28; Hebr. 10,31; 12,29). Und ebenso steht im Alten Testament eine Schar von Aussprüchen, die von der Güte Gottes redet, die ewiglich währt. Denn bei ihm sind alle „Eigenschaften“ in vollkommener Harmonie; niemals ist Gott gerecht auf Kosten der Liebe, niemals liebt er auf Kosten der Gerechtigkeit. So höre denn das Wort, das uns seine Liebe ausmessen helfen soll. Es steht in Jer. 31,3. O, ich wollte, ich könnte es so groß aussprechen, wie es ist, so groß, daß es wie ein Glockenklang der Ewigkeit an dich schlüge und dein Innerstes in Beben brächte! Es lautet: „Ich habe dich je und je geliebt. .. “

oder wörtlicher übersetzt: „Ja, mit ewiger Liebe habe ich dich geliebet. “ Das Wort gilt ja zunächst dem Volke Israel; aber in Israel liebt Gott die ganze Menschheit; denn durch Israel sollen gesegnet werden alle Völker. Geliebt mit ewiger Liebe Gottes, welche Weiten umfaßt dieses Wort? Nun, es ist so groß wie die große Errettung! Es reicht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Liebe ist der Impuls der ganzen Schöpfung, Liebe, von der Dante am Schluß seines göttlichen Gesanges sagt: „Liebe, die beweget Sonn’ und alle Sterne. “

Aber noch mehr! Diese Liebe ist erschienen. Jesus Christus ist die verkörpert erschienene Liebe Gottes (1. Joh. 4,9 und 15-17). Er legte sein Leben dar, das Verlorene zu suchen und es zu bergen am Busen seiner ewigen Liebe.

Und nun gib acht! Willst du dem suchenden Liebesarme Gottes entfliehen, so müßtest du der Liebe Jesu entfliehen; denn Jesus ist der suchende Liebesarm Gottes. Kannst du das? Kannst du das?!

Wir wollen sehen.

Siehe, es gibt drei Orte auf Erden, wo man den äußersten Versuch wagte, der Liebe Jesu zu entfliehen, und der Versuch mißlang an allen drei Orten.

Vor einem hohen Synedrium im Palaste jenes jüdischen Hohenpriesters Kaiphas, auf dem Steinpflaster des römischen Prätoriums des Pilatus und auf der Schädelstätte außerhalb Jerusalems, wo die Liebe Gottes am Kreuze hing. Da saßen und standen sie, jüdische Gesetzesvertreter, römische Rechtsvertreter und die Menge des Volkes. Ha, wie ärgerte sie das Bild der verkörperten Liebe Gottes! „Ich beschwöre dich“, wütete der Hohepriester unterm Deckmantel amtlich gesalbter Feierlichkeit, „sage es uns, bist du es?“ Und da er, der die Liebe Gottes in Person war, wieder geredet, was sie schon längst wußten, da fielen sie über ihn her, die frommen Herren, da spien sie ihm ins Angesicht: Pfui, du widerliche Liebe Gottes! Ein Ekel bist du uns! Wir wollen nicht, daß du über uns herrschest! Wir schlagen dich tot! Da, da flogen die Fäuste in sein Angesicht, und etliche gaben ihm Backenstreiche. „Weissage, du kluge Liebe Gottes, wer ist’s, der dich schlug?“ – Und als die Fäuste der jüdischen Gottesknechte ermattet waren, setzten die Fäuste der römischen Kriegsknechte ein. Ah, wie ärgerte sie das Lammesbild der Liebe Gottes, das verstummte vor seinen Scherern! Komm her, verlumpter König, da hast du eins! Wieder flog der Speichel in sein Gesicht, wieder flogen die Schläge auf sein Haupt. Hinweg mit dem Unerträglichen! Hinweg mit diesem Angesicht! Es empört uns! Wir können es nicht mehr ansehen! Speichel hinein! Fäuste hinein! Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz! – Da hing er. Unten standen sie und rümpften die Nase vor dem lächerlichen Bilde der Liebe Gottes! Schöner Gottessohn! Angenagelte Jammergestalt! Pfui, du Vermessener! Ein Mörder und Aufrührer ist eine Erquickung gegenüber deinem Bilde, du Verworfener! – Wie? Hat’s geholfen? Konnten sie seiner Liebe entfliehen? Konnten sie sie ausspeien? Konnte ihr Speichelwurf seiner Liebe Gluten löschen? Konnten sie diese Liebe totschlagen? Konnten sie sie austreten wie einen erstickten Brand? Hat die Kälte ihres Hasses die Temperatur seiner Liebe um das Tausendstel eines Grades vermindert? Haben die Nägel, die man ihm durch Hände und Füße trieb, den Nerv seiner Liebe tödlich getroffen? Wie?. .. O, du weißt es! Jeder Speichelwurf war nur Öl ins Feuer dieser Liebe, jeder Schlag in sein Angesicht, jeder Schlag auf die Nägel entlockte diesem Feuer nur neues Sprühen, jedes Hohnwort wurde eine Aufforderung zu noch hellerer Entfachung des Brandes, bis die Lohe aufschlug im Lichte des Wortes: „Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun“, daß doch auch des Vaters Gerechtigkeit solchen Greuel vergeben möchte, denn des Vaters Liebe im Sohne hatte ja längst vergeben, war ja die Vergebung!

Und nun du!

Du willst seiner Liebe entfliehen?

Gut, dann stelle dich jetzt hin vor sein Kreuzesbild und sage ihm: Ich will dich nicht, du unerträgliche Liebe! Ich brauche deine Vergebung durch dein Blut nicht! Du bist ein Schimpf für mich! Du bist mir lästig! Ich hasse dich! Du sollst nicht über mich herrschen! Ich werde mich wehren gegen dich! Ich speie dich an! Ich schlage dich tot! Ich kreuzige dich noch einmal! Ich trete dich mit Füßen! Du Stein des Anstoßes und Ärgernisses, ich stoße dich aus dem Wege! Hinweg von mir! Hinweg von dir! Nie, nie, nie werde ich mich vor dir beugen, du Unerträglicher! Ich werde dir entfliehen! Nie sollst du mich erreichen, nie erreichen, nie überwältigen, nie besitzen! Hinweg! –

So lauf! Lauf schnell! Lauf weit! Aber sieh dich nicht um; denn die gekreuzigte Liebe eilt hinter dir her, hehr und unermüdlich. Tag und Nacht ist ihr Auge auf dich gerichtet, ihre Hand nach dir ausgestreckt, ihr Mund an deinem Ohr. Siehe, sie läßt dich nicht, sie kann dich nicht lassen; denn es ist die große Liebe der „so großen Errettung“, die so groß ist wie Gott, so groß wie Christus, die verkörperte Liebe Gottes, so groß wie die Menschheit, so groß wie das Weltall!

Nie wirst du ihr entfliehen! Nie wirst du sie los, niemals! Selbst in der Hölle nicht! Denn da wird sie noch als verschmähte Liebe wie ein Wurm an dir nagen, der nimmermehr stirbt, und wie eine Flamme in dir aufzüngeln, die nimmermehr verlischt –:

Unentrinnbar!

Unentrinnbar dem suchenden Liebesarme Gottes und ebenso unentrinnbar dem strafenden Gerechtigkeitsarme Gottes.

Denn wisse: niemand kann ungestraft der Liebe Gottes entlaufen wollen! Jeder, der es versucht, wird entweder von der Liebe Gottes, weil sie so groß ist, dennoch überwältigt und an ihr Herz zurückgeholt, oder aber, er läuft nur unrettbar hinein in den Arm der strafenden Gerechtigkeit Gottes.

Oder hoffst du auch hier entfliehen zu können?

Laß uns zusehen. Ich will dir wieder ein wenig dabei helfen. Wir nehmen das Kursbuch.

Höre! Nimm Flügel der Morgenröte und laß dich nieder am äußersten Ende des Meeres. Weißt du, wen du dort treffen wirst? Deine Sünde und Gottes strafende Gerechtigkeit!

Oder fliehe mit den Schatten des Abends hinein in die tiefste Nacht und sprich: Finsternis möge mich umhüllen, und jede Spur von Licht werde Nacht um mich her! Weißt du, wer da im Dunkel bei dir sein wird? Gottes Gerechtigkeit und deine Sünde. Und die Blitze der strafenden göttlichen Gerechtigkeit werden deine Nacht leuchtend machen, wie der Tag leuchtet.

Oder kaufe dir Strick, Gift, Revolver und bette dich ins Totenreich! Du Narr! Wenn deine Seele dort die Augen öffnet, wen wird sie schauen? Siehe, deine Sünde ist da, siehe, Gottes strafende Gerechtigkeit ist da, und deine Pein wird schon brennen wie zukünftiges Feuer.

Oder fahre auf zum Himmel! Wie ein Adler fliege auf in heroischem Trotz und mache dir dein Nest zwischen den Sternen! Was hülfe dein verzweifelt hoher Flug? Siehe, deine Sünde flöge mit, und Gottes strafende Gerechtigkeit würde dich empfangen aus der Höhe und dich dennoch herunterstürzen an deinen Ort!

An deinen Ort! Denn sie werden alle ihren Ort finden, wie Judas ihn fand (Apg. 1,25), die da vermeinten, erst der Liebe und dann der Gerechtigkeit Gottes entfliehen zu können. Da werden sie eingefangen liegen, bis Gott sie heraufholen und versammeln wird vor dem großen weißen Throne, dem Stuhle Christi, nicht mehr dem Gnadenstuhl ihres Retters, sondern dem Richterstuhl ihres Richters.

Da werden sie stehen. Eine unübersehbare Schar. Hoch und gering –: die Schar der zum Gericht erstandenen Toten! Keiner fehlt; keiner! Auch das Meer gab seine Toten wieder. Sie sind alle da, alle eingeholt; keiner ist entronnen; keiner! Der Arm der strafenden Gerechtigkeit hat sie alle gefunden, alle gesammelt, alle! Leute, die die Liebe Gottes im rettenden Christus flohen und dabei nur hineinliefen in die Arme der strafenden Gerechtigkeit Gottes im richtenden Christus. Da stehen sie in finsteren Leibern der Schande, und vor ihnen Er, vor dessen Ansicht die Erde entfloh und der Himmel. Doch sie stehen unbeweglich und müssen den anschauen, vor dem sie einst über die Erde hin und in die Erde hinab und zum Himmel hinauf entfliehen wollten. Kein Berg fiel über sie, kein Hügel deckte sie, sie stehen ungedeckt da in der ganzen Schande ihrer Blöße und Unentrinnbarkeit. Und nun werden die Bücher aufgetan, die ihre Flucht beschreiben. Und sie werden gerichtet nach ihren Werken. Und ein anderes Buch wird aufgetan. Das Buch des Lebens. Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wird in dem Buche des Lebens, so wird er geworfen in den Feuersee (Offb. 20,11-15). –

Was weiß ich, vielleicht ist dieser „Feuersee“ nur die abgrundtiefe, brennend wogende Qual deiner Einsicht in die furchtbare Enge des vielleicht einmal auch dir geltenden Wortes

„Unentrinnbar!“

Gerade genug zum Heulen und zum Knirschen der Zähne. Es wird ein schmerzliches Wutgeheul und ein ohnmächtiges Zähneknirschen sein über deine Unentrinnbarkeit. Eingefangen, gerichtet und hinaus verbannt in die äußerste Finsternis der ewigen Gottesferne, wirst du dann ernten, was du in deinem Erdenleben gesät hast. Denn nicht Gott, sondern du selbst hast dir dann dein ewig Los geschaffen. Du verschmähtest die „so große Errettung“, gut, so erntest du das so große Verlorensein. Du verwarfst deine Befreiung, gut, so erntest du Gefangenschaft. Du säetest Flucht vor Gott und deinem Mittler, gut, so erntest du äußerste Gottes- und Jesusferne –:

Unentrinnbar!

III.

Ich bin am Ende meines Vortrages. Bist auch du am Ende deines törichten Irrlaufes? Denn das ist jetzt deine Sache. Mache du jetzt mit dem Gehörten, was du willst. Törichte Zeiten frommer Greuel, wo man Scheiterhaufen für böse Ketzer aufrichtete, nur weil man das „Unentrinnbar“ nicht verstand! O nein, du hast volle Freiheit zum Stillestehen und zum Weiterfliehen, ganz wie du willst!

Auch ich floh ja einst vor dem Ärgernis und der Torheit des Kreuzes und mißachtete die „so große Errettung“. Und schon glaubte ich ihr entflohen zu sein und fühlte mich bereits so sicher, so geborgen, daß ich ein Jahr vor meiner Bekehrung zu einem Freunde sagte: „O, wie gründlich sind wir doch die alten Dogmen losgeworden!“ (Ja, wenn’s weiter nichts wäre als papierne Menschensatzungen!) Und lief und lief so ungebunden, so selbstgewiß! – Und lief ihm, dem unentrinnbaren Arm der suchenden, rettenden Gottesliebe, gerade in die Hand, ja gerade so vorne in die Finger hinein! Siehst du, da hatte er mich, der mir zu mächtig geworden war, dennoch eingeholt.

Gefangen, Überwunden, Unentrinnbar!

Ja, gerade, als ich glaubte, ihm entronnen zu sein, schloß sich seine seit Ewigkeit nach mir ausgestreckte, durchbohrte Hand um mich und barg mich am Herzen der so großen Liebe seiner „so großen Errettung“!

Und du? O, gib auch du auf den tollen Lauf ins Unentrinnbare hinein! Mißachte nicht länger die „so große Errettung“! Stelle dich deinem Erretter! Siehe, seine Hand legt sich bereits auf dich! Jetzt schau ihm ins Angesicht! Jetzt gib seiner suchenden Liebe, die schon so lange hinter dir her ist, das ewige Jawort! Jetzt sage ihr:

Hier bin ich! Es geht nicht mehr länger so! Du hast mit mir geredet und hast mich überredet! Du hast mich ergriffen und überwältigt! Ich gebe es auf, wider dich, du für mich gekreuzigte Gottesliebe, zu streiten. Ich kapituliere. Ich fühl’s und weiß es: unentrinnbar! Ich fühl’s, du bist’s, dich muß ich haben! Hier bin ich! Nimm mich hin!

–: Ich bin fortan dein, und du bist mein!

Glückselig, die in solcher Ohnmacht ihr Leben verlieren an ihn –: Sie finden sein Leben, ewiges Leben, und damit die Kraft und Macht ihres Erretters, durch den sie nun alles vermögen!

Glückselig, die sich so gefangennehmen lassen von ihm und die Herrschaft legen auf seine Schultern –: Ihnen wird die königliche Freiheit von aller Sünden-, Gesetzes-, Menschen- und Todesknechtschaft geschenkt, zu der Christus sie befreit hat!

Glückselig, ja glückselig, die aus aller Irre heraus so landen in Jesu Händen –: Sie erfahren es, sie wissen es: Nichts wird mich fortan von seiner Liebe scheiden, nichts aus seiner Hand reißen; alle Tage meines Lebens und ewiglich bin ich nun geborgen in seinen besten Händen, errettet in der „so großen Errettung“!

Willst du sie?

Cookies helfen bei der Bereitstellung von Inhalten. Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung der Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies auf Ihrem Computer gespeichert werden. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzerklärung gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
autoren/b/binde/binde_-_unentrinnbar.txt · Zuletzt geändert: von aj