Beck, Johann Tobias - Das falsche Prophetenthum.

Beck, Johann Tobias - Das falsche Prophetenthum.

(Zur Eröffnung der Vorträge in der Spitalkirche,)

Matth. 7, 15 ff. Sehet euch vor, vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen; inwendig aber sind sie reißende Wölfe u. s. w.

Der Gegenstand, der uns zunächst in diesen Abendstunden beschäftigen wird, ist ein namentlich unter den gegenwärtigen Zeit-Erscheinungen höchst wichtiger, ein Gegenstand, der viele Köpfe und Herzen, Zungen und Federn, Vereine und Einzelne heutzutage in Anspruch nimmt, einerseits Zweifel, Einwendungen und Angriffe aller Art hervorruft, andererseits Behauptungen, Vertheidigungen, Ansprüche und Versuche, die oft eben so schlimm sind, als jene, ja noch schlimmer, indem dabei nur zu oft in unverständigem und eifersüchtigem Eifer das Geistliche und Himmlische heruntergezogen wird in's Fleischliche und Weltliche, eigenes Gemachte und Menschenwerk als Sache des HErrn will anempfohlen und befohlen werden. Unsere Vorträge wenden sich nämlich nun zu der vielfach verkannten und entstellten Lehre vom Worte Gottes und von der Kirche Christi. Wir gehen auch hier zur Quelle, das heißt zur heiligen Schrift: denn außerhalb der heiligen Schrift weiß und hört man wohl seit alten Zeiten von Götter-Erscheinungen und Göttersprüchen, von göttlichen Erinnerungen und Gedanken in der Seele des Menschen, aber von keinem Wort Gottes, das bei aller Mannigfaltigkeit seiner Rede, bei allem Reichthum seiner Sprüche Eine zusammenhängende Lehre von göttlichen Dingen und gottseligem Leben bildet; nur von der heiligen Schrift ging und geht in die Welt aus Ein lehr- und geschichtsreiches Zeugniß von einem Reich Gottes und Seiner Gnade, und eben so auch nur von ihr aus ist eine Kirche in der Welt entstanden, welche die verschiedensten Nationen ohne Ausschluß eines Geschlechtes und Standes vereinigt in der Anrufung Eines Gottes und HErrn, der die Welt erschaffen und die Menschen erlöst hat; außerhalb der Schrift gibt es nur verschiedene Staats-Religionen, Schulen und Partheien, aber keine allgemeine Kirche. Was denn nach dem augenscheinlichen Zeugniß der Geschichte allein ans der heiligen Schrift und durch sie in die Welt gekommen ist und noch kommt, kann auch aus ihr nur richtig erkannt, geschätzt und in's Leben eingeführt werden; was sie zur Mutter hat, muß auf ihre Stimme hören, oder wird und ist ein entartetes Kind. Um die biblische Lehre vom Wort Gottes und von der Kirche Christi ist es uns denn zu thun; und was sonst davon gelehrt wird, mag sich selbst und Andern gefallen, denen aber nicht, die sich kein unächtes Kind für das ächte wollen unterschieben lassen. Besonnene werden die Bürgschaften aus dem Munde eines Mannes, der ein Werk hinstellte, wie Christus, nie vertauschen wollen mit den Versprechen der neuen Geister und Propheten; und was gleich in seinem Anfang und überall, wo es Fuß faßte, allein die Welt überwunden hat, wie die Worte der Schrift, das wird kein Verständiger hingeben an Vernünfteleien und Projecte, welche es von schönen Worten noch zu keiner That gebracht haben, oder wo es zur That kommt, mit all ihrem geistlichen oder geistreichen Schimmer den Weg alles Fleisches gehen; denn nach kurzer Blüthe wurden und werden noch all' die glänzenden Erfindungen und Werke menschlicher Weisheit und Macht von Fäulniß angesteckt, werden verweltlicht und verdorben und so überwunden von der Welt, statt daß sie die Welt mit dem Guten überwunden und gebessert hätten.

Dem Wort Gottes und der Kirche Christi, wie sie in der heiligen Schrift verfaßt sind, aus ihr und mit ihr in's Leben dringen, ihnen gehört die Ewigkeit an: Himmel und Erde, das Wesen dieser Welt wird vergehen, Gottes Wort bestehen, wie es indeß unter allen Zerstörungen bestanden ist; ja eben in dem Weltuntergang wird es seine volle Erfüllung finden, seine Vollendung feiern. Die Pforten der Hölle bieten ihre Streitmacht auf gegen die wahre Kirche, nicht bloß die hohen Räche und Priester, die Schriftgelehrten und Meister in Israel, die Obersten der Welt und die verführte Menge, die unverständigen Eiferer um Gott und die leichtfertigen Spötter - aber der Bau und nur der Bau, welcher Apostel- und Prophetenwort zum Grunde und Christum zum Eckstein hat, wird auch von der Höllen Pforten nicht überwältigt, vielmehr aus ihm der Ruf erschallen: „Hölle, wo ist dein Sieg?“ -

Zu diesem Sieg der Kirche Christi, zu dieser Erfüllung des Wortes Gottes bedarf's keiner fleischlichen Waffen, keiner vernünftelnden Anschläge, keiner Schmeicheleien und Schreckmittel, keiner Ueberredungskünste und Machtworte, keiner Staatsstreiche und keiner Concordate, keiner weltlichen Formen und keiner weltlichen Güter; danach mögen die haschen und greifen, die noch auf den Rohrstab Aegyptens sich verlassen (Jes. 36, 6.), weil sie nicht erkennen, wie das Scepter des göttlichen Reiches ein richtiges Scepter ist, das weder sich biegt, wie ein Rohr, noch zerbricht, sondern gerade aus die Welt in allen ihren Krümmungen regiert: die göttliche Kraft des ächten Glaubens ist der Sieg, der die Welt überwindet. Alle, die nur für ihre Worte und Gedanken und für ihre Kirchlein eifern, haben bei allem äußerlichen Pochen den Geist der Furcht, der Schwäche, der Eigenliebe und der Schwärmerei in sich; die aber ungefärbten Glauben und die Gabe Gottes in sich tragen aus der Kraft Seines Wortes, und lebendige Glieder Seiner Reichsgemeinde sind, denen ist gegeben der Geist der Kraft und der ächten Liebe und der nüchternen Zucht. Solche Christen, die noch gefangen sind im Sichtbaren, in den Satzungen der Welt und Menschen, rennen und laufen mit allen möglichen Mitteln Menschen an sich zu ziehen, Halt und Unterstützung zu gewinnen in der Welt für ihr eingebildetes Christenthum und ihre eingebildete Kirche; die aber des HErrn Sinn und Weise haben, welcher die Welt bereits überwunden hat, wissen: wen der Vater zieht, wen Liebe zur Wahrheit und zu Gott zieht, der kommt zum Sohne, und wen etwas Anderes zieht, der taugt nicht für Ihn; wer von Gott und aus der Wahrheit ist, der höret Gottes Wort, und wer dieß nicht hört, wird nicht gerettet mit allen noch so angenehmen und klugen Worten, mit allem seinem christlichen und kirchlichen Wesen und Treiben; der Berufenen sehen noch so Viele, der Auserwählten sind Wenige; aber diesen Wenigen ist doch die Herrschaft beschieden, sie werden noch das Erdreich besitzen, und die Andern theils gewinnen, theils überwinden; nimmer aber, in welchen Formen es auch versucht werde, erhalten die ächten Christen Frieden, Sieg und Herrschaft in der Welt, bevor der HErr kommt in der Majestät des großen Gottes (Kol. 3, 3 f. 1 Joh. 3, 2 f. Tit. 2, 11-13. 2 Thess. 1, 7. 2, 1 ff,),

Da erst wird auswendig erscheinen das ächte christliche Gemeinde- und Kirchenleben, das jetzt noch verborgen ist in Gott; und von keinem menschlichen Kopf wird das zur Erscheinung gebracht werden, bevor die Zeit erfüllet ist. Dem Wort Gottes und Seiner Kirche allein gehört Welt und Ewigkeit an, allem übrigen Wortwesen und Kirchenwesen nur ein kleiner Raum und kurze Zeit dieser Welt; es vergeht mit dieser Welt; die aber Gottes Willen in's Werk setzen, nicht ihre Träume und menschliche Einfälle, die bleiben in Ewigkeit. Darum können die wahren Diener und Jünger des HErrn, die sich durch keinen Schein vom Willen Gottes lassen abführen, wohl es ertragen, hier noch keine bleibende Stätte zu haben, weil ihnen ihre heimatliche Stätte schon bereitet ist; sie suchen ihr Heimwesen nicht in der Zeit, sondern in der Zukunft, die ihnen verheißen ist; der vertrösten sie sich und lassen sich wohl begnügen, und bekennen, daß sie mit dem Wort und der wahren Gemeinde des HErrn Gäste und Fremdlinge auf Erden sind und bleiben wollen, bis eine große Stimme vom Stuhl des Himmels, nicht eine menschliche Kanzel- und Kathederstimme, sprechen wird: „siehe nun die Hütte Gottes bei den Menschen, und Er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein, Er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein“ (Offenb. 21, 3.). Erst wenn der allmächtige Gott das Reich einnimmt, wird die Hochzeit des Lammes sein; jetzt muß die Kirche, das Weib des HErrn noch in der Wüste sein und sich bereiten für das gelobte Land und Leben der Herrlichkeit, wenn sie nicht zur Hure will werden, die mit der Macht dieser Welt buhlt; erst wenn das Haupt der Kirche selbst kommt, wird diese als Braut des Lammes erscheinen in der Herrlichkeit Gottes (Offenb. 12, 5 f.; 19, 6-8.; 21, 9-11.).

Zuvor aber kommen noch Zeiten schwerer Noth, Kampfes-Zeiten und Gedulds-Zeiten, und diese haben schon angefangen, sind aber eben dadurch am gefährlichsten, daß in ihnen kräftige Irrthümer aufkommen, die für Alle verderblich werden, welche die Liebe zur Wahrheit nicht jeder andern Liebe vorziehen, auf sie ihren Glauben und ihre Hoffnung der Seligkeit bauen (2. Thess. 1, 10 f.); Irrthümer, die nicht sowohl dadurch verstricken, daß sie Christus und das Christenthum geradehin verwerfen und verdammen, sondern dadurch eben, daß sie einen falschen Christus, ein falsches Christenthum den Leuten lieb und werth machen, indem sie das Wort und die Kirche Christi verfälschen in so seiner Weise, daß, wo es möglich wäre, auch die wenigen Auserwählten, welche die Salbung des Geistes der Wahrheit haben, könnten verführt werden (Matth. 24, 24.). Jetzt also ist noch nicht die Blüthezeit des wahren Christenthums, des ächten Kirchenlebens; vielmehr je näher es dem Ende zugeht, je mehr bilden das falsche Christenthum, falsches Wort und falsche Kirche, falsche Lehrer und falsche Gläubige das Uebergewicht, haben ihre Blüthezeit. Die Schrift spricht hierüber oft und deutlich genug sich aus; aber ihre deutlichsten Aussprüche über die Gefahren, welche dem wahren Glauben drohen, schlagen nicht an, weil die Meisten nicht aus der Schrift selbst die rechte Vorstellung und Erkenntniß sich schaffen von dem, was falsche Lehrer u. s. w. sind; darum steht auch geschrieben, daß die letzteren Viele werden verführen. Unter den Christen heutiger Zeit nämlich werden die Weissagungen und Warnungen, welche die heilige Schrift in Bezug auf falsche Lehre und Verführung ertheilt, - sie werden flugs nur auf die Ungläubigen gedeutet, oder auf die Welt, die Christo, Seinem Wort und dem Glauben an Ihn nichts nachfragt und sich dazu nicht bekennt; so richten denn die Christen heutiger Zeit meist nur die draußen sind, statt daß ihnen geboten ist, sich selber zu richten. Den Gläubigen, eben denen, die Christum als ihren HErrn bekennen, ist's gesagt: thut von euch selbst, aus eurer eigenen Gemeinschaft hinaus, was böse ist, und sehet zu, daß bei euch selbst nicht ein wenig Sauerteig den ganzen Teig verspüre: was gehen euch die draußen, die Weltkinder an, daß ihr sie mit ihren Lehren und Meynungen, ihren Sitten und Handlungen wollet richten? Was richtet ihr nicht, die da hinnen sind und zu euerm Glauben sich bekennen? Gott wird, die da draußen sind, schon richten, wird ihre Lästerungen und Verhöhnungen und Verfolgungen des allerheiligsten Glaubens schon ihnen vergelten (1 Kor. 5, 6. 12 f. Gal. 5, 7-9.).

Nicht also den Unglauben, welcher den Heiland der Welt und die Bibel verachtend, leichtfertige Lehren zu Markt bringt, nicht ihn haben wir für den gefährlichsten Feind zu achten - wie mögen z. B. so plumpe und grelle Mißhandlungen von Bibel und Christenthum, wie ein Strauß sie zu Schulden sich kommen ließ, mit allen ihren Künsten auch nur Einen, der irgend christliches Gefühl im Herzen hat, verführen, viel weniger einen Auserwählten an sich ziehen! Nicht der nur weltlich und fleischlich geschmückte Unglaube ist der gefährlichste Feind, sondern der gefärbte Glaube, der geistlich sich schmückt und biblisch fromm redet und christlich thut - unter denen, die als Gläubige einhergehen, haben wir, um durch falschen Glaubens - Schein nicht irre geführt zu werden, am schärfsten uns umzusehen und zu prüfen. So findet denn auch der HErr schon Matth. 7. es nöthig, den Seinigen Behutsamkeit und Vorsicht einzuschärfen - nicht zunächst gegen Solche, die in ihrem eigenen Namen oder in irgend einem Menschennamen, mit dem Ansehen ihrer eigenen Vernunft oder menschlicher Weisheit würden lehren; solche Lehrer verwirren wohl die, die noch draußen sind im Unglauben, aber nicht die Gläubigen, die nur lassen gelten, was als Gottes Wort im Namen des HErrn ihnen gesagt wird, vielmehr vor denen hütet euch, sagt der HErr den Gläubigen, die als Propheten zu euch kommen, mithin im Namen Gottes mit euch reden. Sein Wort euch bringen und auslegen, und mit diesem göttlichen Ansehen des Glaubens unvermerkt Irrthümer und Lügen in die Seele bringen; solche falsche Wege deckt Er dann weiter dort auf, die mit Seinem eigenen Namen, mit dem Namen des Heilands, des HErrn geschmückt werden, wo also die Leute uns nicht überreden wollen, Jesum Christum nicht als den HErrn zu bekennen und anzurufen, wie die Ungläubigen lehren; wo sie vielmehr damit uns auf ihre Seite wollen ziehen, zur Annahme ihrer Lehre und zur Theilnahme an ihren Werken locken, daß sie Jesum als den HErrn HErrn preisen, in Seinem Namen, als Seine Jünger und Diener reden und für Sein Reich arbeiten. Ebenso klagt auch der Apostel Paulus schon zu seiner Zeit und warnt am meisten, wieder nicht vor den ungläubigen Feinden Christi und Seiner Gemeinden, sondern vor trüglichen Arbeitern Christi, die sich darstellen als Prediger der christlichen Gerechtigkeit (2 Kor. 11, 13.), vor falschen Brüdern, welche die Andern irre machen in ihrer Freiheit von äußerlichem Gesetzeswesen; sie abhalten, der vollen Wahrheit des Evangeliums zu gehorchen; sie überreden, daß sie in ihr selbstgemachtes Menschenwesen wieder sich gefangen geben und darum eifern (Gal. 2, 4 ff.; 4, 9, 16 f.; 5, 1. 7 f.); und den Vorstehern der Gemeinde zu Ephesus schärft er namentlich deßhalb die genauste Achtsamkeit und Wachsamkeit ein, weil, sagt er, ans euch selbst (aus euch Gläubigen unter dem Schein, in der Farbe des Glaubens, nicht aus der ungläubigen Welt) werden aufstehen Männer, die da verkehrte Lehren reden, Lehrer also, welche das Evangelium nicht geradezu läugnen und umstoßen, sondern es verdrehen, falsch deuten und anwenden, damit sie die Jünger (nicht die Ungläubigen, sondern die Gläubigen, eben durch ihren gefärbten Glauben) an sich ziehen (Apostg. 20, 30.). Eben so weist auch der Apostel Petrus darauf hin (2 Petr. 2, 1 ff.), daß schon im alten Bunde unter dem Volk, d. h. in Israel selbst, nicht von den Heiden her, falsche Propheten gewesen sehen, Menschen, die im Namen des HErrn, als Seine Diener und für Sein Volk, nicht gegen den HErrn und Sein Volk redeten und zeugten, und doch falsch waren; und so, sagt er, werden auch unter euch, in eurer eigenen Mitte, nicht draußen in der Welt unter den Ungläubigen, falsche Lehrer sein, die neben einführen werden verderbliche Secten, d. h. die von der Wahrheit werden abtrünnig machen nicht durch offenen Widerspruch gegen die Wahrheit des Evangeliums, sondern dadurch, daß sie ihre eigenen Meynungen in das Evangelium einkleiden und einnisten, so daß der HErr von ihnen verläugnet wird, ohne daß sie sagen: Christus ist nicht der HErr - da flöhe sie jeder ehrliche Christ - sondern dadurch, daß sie bei aller äußern Ehrerbietung gegen den HErrn die Seelen von Seinem schmalen Wege ab auf ihre eigenen Wege führen; und so ist es begreiflich, daß er hinzusetzt: Viele (aus denen nämlich, mit denen der Apostel redet, aus den Gläubigen) werden nachfolgen ihrem Verderben.

Was wollen wir nun sagen auf solche Worte der Schrift? Darf ein rechtschaffener Lehrer, der nach dem Vorbild Christi und der Apostel sein Amt redlich will ausrichten, darf ein Solcher in unsrer Zeit es lassen, mit Christus und Seinen ersten Zeugen der Wahrheit den Christen gerade dieser Zeit es einzuschärfen: sehet euch vor, hütet euch - nicht nur vor den Feinden und Läugnern des Christenthums, sondern vor Allem vor den falschen Propheten, Arbeiten! und Brüdern, die nicht als Ungläubige, sondern als Gläubige, als Bekenner, Jünger und Diener Jesu Christi, in Seinem, als des HErrn Namen unter euch sein werden, wie solche unter dem Volke Israel waren und in der Schrift es auf's Bestimmteste prophezeit ist? Müssen rechtschaffene Lehrer nicht gegen das Böse, Falsche und Irrthümliche, wie es eben unter Gläubigen in christlicher Form und in der Farbe des Glaubens sich eingenistet hat und einnistet, müssen sie gegen Solches nicht ernster wachen und streiten, als gegen das Böse, das draußen in der Welt im Schwang geht, und gegen das unfruchtbare Wesen des Unglaubens? Ist's recht, im Namen einer falschen Liebe zu verlangen und zu erwarten, daß die Kinder der Wahrheit ja nichts Böses und Falsches dürfen vermuthen da, wo man HErr HErr sagt und in Seinem Namen Alles geredet und gethan wird? daß sie nicht prüfen, untersuchen und richten sollen, ob es da auch lauter und acht zugehe, oder nicht? oder daß sie das Böse und Saure, das Falsche und Unlautere, welches sich vorfindet auch bei frommem Wesen und unter Gläubigen, daß sie das nicht sollen aufdecken und strafen, sondern zudecken und schmücken, entschuldigen und rechtfertigen, als stände geschrieben: „schmücket und schmeichelt euch unter einander selbst, und richtet nur, die draußen sind, die Weltkinder und Ungläubigen;“ nicht vielmehr: „richtet die hinnen sind; die draußen wird Gott richten; thut aber von euch selbst hinaus, was böse ist.“

Und die nun handeln nach diesen Geboten der Schrift, ohne dabei das Ihrige zu suchen - ist's nicht Sünde, wenn solche deßhalb als lieblose Richter, als Unzufriedene, Eigensinnige u. dgl. angesehen, gerichtet und verdammt werden? Ob aber auch Einer im Eifer für die Wahrheit des Wortes Gottes und für ihre Reinerhaltung zu viel thäte, laß er nämlich Menschen mit der Schärfe seines Worts zu nahe tritt: ist es nicht jedenfalls besser, er eiferte für Gott zu viel, als er eifere für Menschen und Menschenwerk zu viel?1) Heutzutage freilich werden Fehler gegen die Wahrheit leichter verziehen, als Fehler gegen jene sogenannte Liebe, mit der man sich selber will wohlgethan haben: zehnmal darf man der Wahrheit und dem göttlichen Worte zu nahe treten, wenn nur nicht das Ansehen der Personen, die menschliche Eigenliebe und der Eigennutz darunter Noth leiden; was die Menschen betrifft, gilt heiliger, als Gott mit Seinem Wort und Seiner Ehre - gilt es so aber auch vor dem, der, nicht Ehre von Menschen nehmend, zu ehrsüchtigen Menschen spricht: ich kenne euch, daß ihr nicht Gottes Liebe in euch habt; wie könnet ihr glauben, die ihr Ehre von einander nehmet? (Joh. 5, 41 ff. vergl. 7, 18. 8, 45-49.) Es ließe sich Vieles sagen von den Künsten, von den vielen vorgeblichen Worten und scheinbaren Redensarten, womit arglose Gemüther heutzutage eingeschläfert werden, daß sie menschliche Worte und Werke, die mit dem Namen des HErrn sich schmücken, auch für des HErrn eigene Sache sollen hinnehmen, und daß sie, weil man Jesum Christum als den Grund preist, auf den man baue, nun auch das ganze Bauwesen sollen gut finden, auch das Holz, Heu- und Stoppelwerk, das man auf jenen Grund selbstgefällig baut, für Gold und Edelsteine sollen halten. Kein Christ jedoch, der von christlichem Schein und gläubiger Färbung sich läßt irre leiten, wird der Verantwortung und den Schmerzen seines Irregehens entgehen; kein Christ wird sich deßhalb rechtfertigen können, denn er hat die Schrift, das Wort der Wahrheit selbst; im Namen des HErrn ruft sie Allen zu: „erkennet die Wahrheit; die Wahrheit wird euch frei machen;“ im Namen des HErrn hat sie es vorausgesagt: es werden eben in diesem Namen viele falsche Propheten kommen und Viele verführen - sehet euch vor, hütet euch vor ihnen! Glaubet nicht einem jeglichen Geist und Wort! Danach hat sich zu richten, wer seine Seele will bewahren, daß er nicht den HErrn selbst mit Seinem Himmelreich glaube zu umarmen, und umarme eine Wolke ohne Wasser, menschlichen Dunst statt göttlicher Lebenswahrheit!

Wo nun aber das Falsche und Unlautere auch noch nicht zu einer förmlichen falschen Lehre sich hat ausgebildet, noch nicht in groben Sünden und Lügen hervorbricht und als ein System des Trugs sich läßt nachweisen: ist's deßhalb recht und am Platz, vor den einzelnen Falschheiten, Irrthümern und Unlauterkeiten nicht sich vorzusehen, nicht sie zu richten? steht nicht vielmehr zur Warnung für die Sichern und zur Widerlegung derer, die es zugedeckt und ungerichtet wollen haben, das apostolische Wort da: wisset ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versauert? Darum feget den alten Sauerteig aus, auf daß ihr ein neuer Teig seyd! Ich versehe mich zu euch (Gläubigen in dem HErrn), ihr werdet nicht anders gesinnet sein: wer euch aber irre macht, der wird sein Urtheil tragen, er sey, wer er wolle (1 Kor. 5, 7 f. Gal. 5, 9 f.). Also Ernst, meine Freunde! Vorsicht, Behutsamkeit, Wachsamkeit, unbestechlichen Ernst der Wahrheit in dieser an falschem Christenwesen verführungsreichen Zeit, wenn es uns wirklich um unsre und unsrer Brüder wahre Seelenwohlfahrt und um Gottes und unsres HErrn wahre Ehre und Sache zu thun ist!

Nicht die trübsichtige oder böswillige Vorstellung eines Menschen, sondern unsres untrüglichen und liebreichen HErrn eigene Stimme ist es, die uns versichert: Viele werden HErr HErr zu mir sagen, und doch nicht in's Himmelreich kommen; und das sind nicht solche ruchlose Leute, daß ihre Sünden zum Voraus sie selbst und Andere überführen: „ihr habt keinen Theil am HErrn;“ nicht Solche, die den Namen Christi grob mißbrauchen, daß sie und Andere ihre gewisse Verdammung an den Fingern mögen herrechnen; vielmehr sind es Leute, die sich selbst und Andere so leicht täuschen durch ihre christliche Glaubensfarbe, daß sie sogar an jenem Tag noch für ihr eingebildetes Christenthum mit dem HErrn selbst werden streiten und auf ihre christliche Gemeinschaft, ihre christlichen Geisteszeichen und Thaten sich berufen. Denn so verblendet werden sie selbst bis an jenen Tag hingehen, daß sie zum HErrn nach seinem eigenen Zeugniß werden sprechen (Luk. 13, 26 f. Matth. 7, 21 ff.): HErr, HErr, haben wir nicht vor dir gegessen und getrunken - als fleißige Gäste deines Sakraments!? Hast du uns nicht gelehret auf den Gassen - indem wir überall hingingen, wo von dir Etwas zu hören war? Haben wir nicht selbst in deinem Namen geweissagt? indem wir als Ausleger deines Wortes Andere lehrten, Reden hielten, Bücher schrieben, in welchen wir deines Reiches Geheimnisse offenbarten, ja, was noch kommen sollte über den Erdkreis, eröffneten! Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? indem wir so manche Kinder des Teufels und der Welt bekehrten! Haben wir nicht überhaupt in deinem Namen viel Thaten gethan, also in deinem augenscheinlichen Segen gearbeitet und Großes ausgerichtet für das Reich Gottes?

Wie nun, wo es so lautet, und der Name HErr zwei Mal für ein Mal in den Mund genommen wird - müssen wir da uns bücken ob solcher Frömmigkeit und als eine Sünde es uns anrechnen lassen, wenn wir nicht mit blindem Glauben und gefälliger Liebe des HErrn Werk darin erkennen und anrühmen können? Nicht also; der HErr, der treue und wahrhafte Zeuge, will gerade da, wo sein Name hinten und vornen steht, am schärfsten geprüft haben; da gebietet Er (Matth. 7, 15 ff. Luk. 8, 13.): wachet, hütet euch, sehet euch vor, sehet zu, was ihr höret, wie ihr höret, sehet auf die Früchte! An den Früchten müßt ihr die wahren oder falschen Propheten und Christen erkennen! - Welches sind nun aber diese Früchte? Doch nicht ihre Reden und Bücher, die im Namen des HErrn einhergehen - denn darauf, sagt der HErr, werden sie einmal vergeblich vor Ihm sich berufen! Ebenso ist's mit ihren Bekehrungen Andrer und ihren großen Thaten, die sie im Namen des HErrn ausrichten und als seinen Segen rühmen! Eben so damit, daß sie all' ihr Thun mit HErr HErr anfangen und mit HErr HErr schließen! Man kann - dieß ist die wichtige Lehre, die der größte Menschenkenner, der HErr selbst gibt - man kann überfließen vom Ruhme Seines Namens, und Sein Tischgenosse sein, kann nicht nur in die Kirche, sondern auch über die Gasse Seinem Wort nachgehen und alle frommen Blätter in sein Haus beziehen; mau kann selbst mit dem Eifer und Ansehen eines Propheten Andern in Seinem Namen predigen, kann gegen den Teufel losziehen und zur Zerstörung seiner Werke ausziehen, kann Bekehrungswerke in Christi Namen und andre staunenswerthe Thaten verrichten, kann der thätigste Mann für Ausbreitung des Reiches Gottes sein und darüber immer dem HErrn und Seinem Namen die Ehre geben, und doch bei dem Allen nicht in Wahrheit ein Christ und ein Lehrer der Wahrheit sein; es werde Viele geben - sagt der HErr ausdrücklich - die Alles das für sich haben, und doch von Ihm selbst, den sie als HErrn preisen, das Zeugniß bekommen: ich habe euch noch nie erkannt!

Worauf denn kommt es an? an was für Früchten erkennen wir die, die der HErr selbst als die Seinen erkannt und anerkannt hat? Nicht an dem Eifer um Seinen Namen, um Seine Sakramente, Seine Lehre, nicht an der eifrigen Theilnahme für Ausbreitung Seines Reiches und Bekehrung der Welt noch an dem Erfolg derselben, sondern allein an dem Eifer um das, was Er und sein Vater von jedem Menschen und Christen will gethan haben, an dem Eifer, welcher das eigene Thun und Leben nach den göttlichen Geboten einrichtet. Denn so spricht Christus: was beißet ihr mich HErr HErr, und thut nicht, was ich euch sage (Luk. 6, 46.)? wandelt mit all' euern frommen Reden und Werken, euern Predigten, Bekehrungen und Thaten für's Reich Gottes nicht in meinen Geboten? Nicht die zu mir sagen HErr HErr, und jene Werke in meinem Namen aufzuweisen haben, kommen in das Himmelreich, sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel (Matth. 7, 21.); nicht wer meine Rede hört, mein Wort liest, ist ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels gebauet hat, sondern wer meine Rede hört und thut sie, daß er darnach lebt (Matth. 7, 24 ff.).

Unwidersprechlich klar ist's nach diesen eigenen Worten des HErrn: vom Willen Gottes hängt Alles ab, und zwar vom Willen Gottes, wie Er uns Etwas zu thun gibt, also in Gebote sich stellt. Wie ein Mensch zu diesem Willen Gottes und des HErrn, zu seinen Geboten sich stellt, daß er sie thue, ausübe, befolge oder nicht, davon hängt's ab, ob Einer vom HErrn anerkannt wird als der Seine oder nicht, ob er in's Himmelreich kommt oder nicht; und davon wird auch bei denen, die wie der HErr geistlich wollen richten und nicht fleischlich, ihr Gericht über ihr eigenes und Anderer Christenthum abhängen. Wer da sagt, ich keime Ihn, und hält Seine Gebote nicht: der ist ein Lügner, und in solchem ist keine Wahrheit (1 Joh. 2, 4.); wer nicht aus dem, was Gott von uns will und uns gebietet, Ernst macht und That macht, der ist kein Kind des Reiches Gottes, ob er auch sonst mit dem HErrn und Seinem Reich in Reden und Werken noch so viel sich zu schaffen mache.

Mit dem Ernst um das Thun des Willens Gottes, um das Halten Seiner Gebote fängt das Christenthum an in einem Menschen; denn „so Jemand will den Willen meines Vaters thun, der wird inne werden, ob meine Lehre von Gott sey.“ Schon bevor Christus mit seinen Evangelium zu dem Menschen kommt, ist der Wille Gottes Allen, den Juden im alten Testament, den Andern in ihrem Gewissen geoffenbart, mit gebietender Kraft bezeugend, was gut ist, und was der HErr fordert. Ehe Kenn Einer die göttliche Kraft der Lehre Jesu Christi, den Segen des Evangeliums kann inne werden, muß er zuvor den Willen des Vaters, die göttlichen Lebensgebote, zwar nicht bereits gethan haben, aber den Willen wenigstens, also das ernste Streben muß der Mensch haben, das, was ihm als Wille und Gebot Gottes in sein Herz dringt, zu thun und in's Werk zu fetzen; dieser Wille muß zuerst im Menschen feststehen, ehe Gott das Weitere gibt, die göttliche Kraft der Lehre Seines Sohnes, Seine Gnade und Wahrheit in Christo, ehe der Mensch wahrhaft Christ wird. Wer demnach nicht einmal sein Gewissen zu Rath hält, daß er ernstlich sich befleißt, gewissenhaft zu handeln; wer nicht redlich sein Herz darauf stellt, jene uralten Gebote zu heiligen, von denen der HErr sagt: thue das, so wirst du leben - der ist noch nicht einmal auf dem Wege zum Christenthum, ist vom Vater noch nicht gezogen zum Sohne, vielweniger Ihm schon gegeben.

Will aber Einer wirklich bereits für einen Jünger des HErrn gelten, den Ruhm haben, daß ihm Gnade vom HErrn widerfahren sey, und daß er den HErrn liebe - wie weist sich das wieder als Wahrheit aus? Da gilt das andere Wort des HErrn: „liebet ihr mich, so haltet meine Gebote; wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's, der mich liebet; wer mich liebet, der wird mein Wort halten; wer aber mich nicht liebet, der hält auch meine Worte nicht“ (Joh. 14, 15. 21. 23. 24.). Wer den HErrn wahrhaft liebt, der ist schon inne geworden, daß Er und seine Lehre von Gott sey, hat schon von seiner göttlichen Kraft innere Erfahrungen, hat die Wahrheit erkannt, die eine frei machende Kraft hat; darum wie dem Menschen, wenn er wahrhaft Christ, Liebhaber und Freund Gottes geworden ist, Mehr gegeben ist, so wird nun auch Mehr von ihm gefordert; es gilt jetzt nicht mehr bloß den göttlichen Willen und seine Gebote, wie sie der Vater allen Menschen in's Herz geschrieben hat; es gilt jetzt die göttlichen Gebote, die der Vater im Sohne denen kund thut, welche den Sohn lieben, wie sie z. B. in der Bergpredigt und sonst ausgesprochen sind; darum sagt der HErr nun: ein Solcher habe seine Gebote; und wenn schon der ernste Vorsatz oder Wille, die Gebote des Vaters zu halten, zum Anfang im Christenthum genug ist, so müssen nun dagegen, die bereits in der Liebe Christi stehen oder stehen wollen, ein höheres Kennzeichen haben, das wirkliche Halten, wie auch der Apostel Johannes (1 Joh. 5, 3.) sagt: das ist die Liebe, die christliche Liebe zu Gott, daß wir Seine Gebote (die Er in Christo uns gegeben) halten, und Seine Gebote sind den Liebenden nicht schwer. Daß sie in keinem einzelnen Fall von denen, die einmal lieben, übertreten werden, ist damit nicht gesagt; denn derselbe Apostel schreibt (1 Joh. 1, 8.): so wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns; aber das Halten der Gebote ist bei denen, die in der Liebe Christi stehen, die herrschende Regel, der Charakter ihres Lebens im Ganzen, das Nichthalten eine vereinzelte Ausnahme, ein einzelner Fall aus Schwäche und Uebereilung, den sie selber als Sünde anerkennen und wieder gut machen: sie treten wieder neu hinein in des HErrn Gebote, indem sie nicht nur Buße thun und Vergebung suchen durch Christum bei dem Vater, sondern auch neue Wachsamkeit und Glaubensstärkung, Besserungs-Ernst und Besserungs-Kraft sich erbitten und schöpfen aus dem göttlichen Wort. Wer denn noch nicht so weit ist, daß es bei ihm nicht nur Wille, sondern herrschende Regel, Lebens-Charakter ist, in den Geboten des HErrn einherzugehen, sie zur genauen Richtschnur seines Redens und Handelns zu machen, und jede einzelne Abweichung davon bei sich selber zu richten; wer die Gebote des HErrn unhaltbar schwer findet, durch Deuteleien ihnen ausweicht und sie sich selbst und Andern leicht zu machen, aufzulösen sucht: der lügt, wenn er bereits der Liebe und Gnade des HErrn, als sein Jünger und Diener sich rühmt; und er ist ein falscher Prophet, wo er solche leichte Weise, in der man das Joch der Gebote des HErrn sich abladet, Andern beizubringen sucht, sey es auch mit den frömmsten Redensarten und Ausflüchten, z. B. unter dem Vorgeben, die Gnade entbinde uns von dem Halten der Gebote, das Gesetz Gottes gehe den Christen Nichts mehr an, da doch die Gnade nach dem ausdrücklichen Wort der Schrift das Gesetz gerade aufrichtet, und statt zu entbinden vom Halten der Gebote, nur stärker mit ihrer Liebe bindet zum Halten höherer Gebote, als sie das bloße Gesetz gibt, der Gebote des HErrn (Röm. 3, 31. Matth. 5, 17-20. vergl. 21 f. 27 f. 31 f. u. s. w.).

Ist nun aber die Liebe zum HErrn wirklich einmal lebendig in einem Menschen, daß er seine Gebote hat und hält, da kommt denn allerdings neue, noch größere Gnade hinzu, als er schon vorher in und vom HErrn empfangen hatte; denn den Worten: „wer mich liebt, der wird meine Worte, meine Gebote hatten!“ fügt der HErr unmittelbar bei: „und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden kommen und Wohnung bei ihm machen.“ Wie wird's dann mit dem Willen Gottes im Menschen bestellt? Immer mehr wie bei Christus selbst; es geht nun mit dem Thun des Willens Gottes nicht nur nach den Geboten des HErrn, sondern auch dem Bilde des HErrn nach, in der Aehnlichkeit und Gleichartigkeit mit Christus; denn macht Er einmal Wohnung bei'm Menschen, daß Er selbst inwendig ist, da ist sein Geist und Wesen inwendig, nicht nur seine Lehre; in seines Geistes Licht und Kraft werden die Sinne immer mehr geübt zur Unterscheidung des Guten und Bösen (Ebr. 5, 14.); die bereits vorhandene Liebe wird immer reicher an Erkenntnis? und Erfahrung, zu prüfen, was das Beste sey, was nicht nur der gute, sondern auch der wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes sey, um voll zu werden an Früchten der Gerechtigkeit (Phil. 1, 9-12. Röm. 12, 2.). Wie es nun bei dem HErrn war, so wird auch dem von Ihm bewohnten Menschen nicht schwer, sondern Speise, Lebenselement, den Willen des Vaters zu thun; und zwar nicht nur den göttlichen Willen, wie er in ausdrücklichen Geboten des Alten und Neuen Testamentes sich ausgesprochen hat, findet der geistliche Mensch nun heraus, sondern wie er, nur für geistliche Angern erkennbar, durch die ganze göttliche Haushaltung als geheimer oder vollkommener Gotteswille sich ausbreitet. So hat der HErr selbst den sonst allen Uebrigen verborgenen Gotteswillen, daß Er z. B. leiden und auferstehen müsse, aus dem Wort Gottes herausgefunden und zu seiner Speise gemacht; und so ist's und wird's mehr und mehr bei denen, in denen Er wirklich Wohnung hat (Phil. 3, 10-12.).

Nach diesem Allen ist's denn klar aus der heiligen Schrift selbst, daß und warum der HErr nur die als ächte Christen und Erben des Himmelreichs anerkennt und anerkannt will haben, die den Willen seines Vaters thun, je länger je mehr ihn thun, und ohne das keinen Einzigen, ob er auch sonst seinem Namen und Reich, seinem Wort und seinen Sacramenten noch so viel Ehre gebe und Ehre zu machen scheine oder glaube. Und so ist's eben gut und recht; so kann auch der Geringste in der Welt, wenn er nur mit seinem kleinen Maß und in seinem täglichen Geschäft an des Vaters Willen, an die Liebe des HErrn, aber in Seiner Liebe an Seine Gebote sich hält, so gut und weit im Himmelreich kommen, als der Größte in seinem großen Werk; und so ist's auch begreiflich, warum so oft in der Schrift steht, es werde Jedem, auch dem Gläubigen einst vergolten nach seinen Werken, in denen er Gottes Willen that, weil der wahre Glaube nicht werklos macht, sondern erst die wahren Werke schafft, nämlich das Wirken der Liebe und des Gehorsams nach dem Willen und den Geboten des HErrn.

Es wird nun freilich gerade dieser feste Grund des wahren und seligmachenden Christenthums, wie ihn der HErr selbst gelegt hat, diese Grundregel, daß der Mensch den Willen Gottes müsse thun und in Seinen Geboten wandeln, wenn er in Wahrheit wolle Christ sein und Himmelsbürger werden - es wird dieser feste Grund Gottes in den Herzen aufgelöst und geschwächt durch mancherlei Meynungen, Lehren und Maximen, die unter uns im Schwang gehen; aber eben daß diese anstoßen gegen jenen festen Gottes-Grund, darin weisen sie sich gerade als Falschheit und Verführung aus, so fromm sie sich mögen einkleiden. Unumstößliche Wahrheit von Gott ist es, daß der Mensch, sey er Christ oder Nichtchrist, nur zwei Wege vor sich habe, den schmalen Weg der Gebote Gottes als sichern Seligkeitsweg, den aber nur Wenige sich erwählen, und den breiten Weg der Abweichung von den Geboten Gottes als gewissen Verderbensweg, den aber die Meisten, nicht weil sie verderben wollen, sondern unter allerlei Schein und Selbstbetrug sich erwählen. Aber diese Wahrheit gerade will, so schwer ein den Menschen aller Farbe und Religionsweife, und der tiefblickende, erfahrungsreiche K. H. Rieger sagt schon seiner Zeit hiervon: „Es ist wahr, es will Einem in der heutigen Zeit oft schwer werden, der Menschen Gewissen bei diesem ernsthaften Anblick festzuhalten; es muß Einer unter so vielen in weichen Kleidern und mit gefälliger Sprache Einhergehenden sich zuletzt auszeichnen, wie Elias mit seiner rauhen Haut und ledernem Gürtel. Aber wir sind ja nicht bevollmächtigt, und es würde ja auch keinem Menschen Etwas helfen, es stellte ihn nicht gegen den zukünftigen Zorn sicher, wenn wir Etwas von diesen ernsthaften Worten des wahrhaften Lehrers auflösen wollten. Wir können auch nichts davon auflösen, denn sie beruhen eigentlich auf den unumstößlichen Gewissenswahrheiten: Gott sieht das Herz an, Er ist der Vater, der in's Verborgene sieht, nach selbigem gehet sein wahrhaftiges Gerichte, es ist Nichts verborgen, das nicht offenbar werde. Wo also der Same des Wortes Jesu nicht aufgeht (in Gehorsam) und zur reifen und reichen Frucht des Lebens kommt, da hat es nicht nur einen geringen, unbedeutenden Fehler zum Grunde, sondern da wird es durch Ungerechtigkeit aufgehalten, da ist Lust zur Ungerechtigkeit um den Weg, die dem Worte der Wahrheit den Eingang in die Liebe des Herzens versperrt; das mag nun so heimlich gehalten werden, das mag vor Menschenaugen unter noch so viel angenommenem Schein bedeckt sein, so wird es doch einmal offenbar werden, und das, was der HErr Jesus immer von den zwei Wegen, die der Mensch vor sich hat, behauptete, wird die Richtschnur zum endlichen Gericht abgeben. Das steht in keines Menschen Macht, Etwas daran zu verrücken; es ist lauter leidiges Geschäft falscher Propheten, was von diesem ernsthaften Anblick verrückt; es ist die größte Liebe und Treue, welche Einen dabei festhält und je und je so bewegt auf eine endliche Erwählung und Entscheidung andringt, wie der liebe Heiland thut: gehet ein durch die enge Pforte - die Pforte ist eng, der Weg ist schmal, der zum Leben führt, und Wenig sind ihrer, die ihn finden. Und mit dem gleich darauf folgenden Machtwort („sehet euch vor, vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen“ u. s. w.) bestätigt Er es vollends, daß aller, mit solchem entscheidenden Entschlusse zwischen den zwei Wegen bisher und weiterhin genommene Aufschub gefährlich sey, daß man nur länger den verführerischen Kräften falscher Propheten ausgesetzt sey, denen man aber durch einen wackern Entschluß (nur den Willen Gottes zu thun) und durch gewisse Tritte auf dem Wege der Wahrheit immer weiter entgehe.“

Darum gebe doch Jedermann der Liebe zur Wahrheit Raum, und wo diese ihn trifft, daß sie ihn überführt, er habe bisher nicht recht gewandelt und sich verführen lassen, oder wohl gar selbst verführt: da lecke doch Niemand wider ihren Stachel und knicke ihn nicht ab durch allerlei Vorspiegelungen; sondern ohne mit Fleisch und Blut sich zu besprechen, fahre er zu, werde der Wahrheit nun gehorsam und mache sich's zum Gesetz, in der Wahrheit zu bleiben, was auch daraus werde: seiner Zeit wird Alles gut auf diesem Weg, seiner Zeit geht Alles verloren, was auf andern Wegen scheint gewonnen zu sein. Auch was sich denn um und um so sanft und zart, so fromm und unschuldig wie Schaf und Schafskleid anzufühlen und anzusehen gibt, soll dich nicht verführen, daß du dir die Pforte des Christenthums weit und seinen Weg breit machen lässest: Und was in dir den ernsten festen Willen, That und Wahrheit zu machen ans dem Willen und Gesetz Gottes, schwächt und einschläfert, das fliehe als falsches Christenthum, als falsche Frömmigkeit; was dich zum wirklichen Thun des göttlichen Willens, zum Halten der Gebote des HErrn ungeschickt macht, daran hindert, davon ablockt, darin verwirrt, das fliehe und meide, dagegen streite und zeuge als gegen falsches Christenthum und falsche Frömmigkeit, ob auch dabei HErr HErr gesagt und viel Thaten im Namen des HErrn ausgerichtet werden. Wer den schmalen Weg der Seligkeit nicht will verfehlen, lasse darin nicht sich irre machen und bethören durch Scheingründe, die man aus abgerissenen Stellen der Schrift hernimmt; mit solchen abgerissenen Bibelsprüchen trat schon der Versucher in der Wüste gegen den HErrn auf, dieser aber sah in seiner Weisheit nicht auf solche herausgerissene Sätze, sondern auf das: „wiederum stehet auch geschrieben“; den göttlichen Verheißungen, mit welchen der Versucher Ihn wollte sicher machen und vom Gehorsam gegen den Willen Gottes ablocken, setzte der HErr jedesmal ein göttliches Gebot entgegen zum deutlichen Zeichen: der Mensch habe nicht Gott herauszufordern, daß Er seine Verheißungen halte, sondern sich selber habe der Mensch anzuhalten, daß er bleibe und wandle in Gottes Gebot; das müsse der Mensch halten in allen Stücken, dann treffe er den Weg, wo Gott werde Seine Verheißungen halten.

So mag man denn gegen das Halten der Gebote oft hören sagen, wir sehen versühnt, erlöst in Christo, Er habe unsre Sünden geopfert an seinem Leibe, daß wir Vergebung und Seligkeit hätten. Das ist unwidersprechlich wahr, aber nicht die ganze Wahrheit; denn es gehört noch dazu eben nach der Schrift: Er bat unsre Sünden geopfert, auf daß wir, abgestorben der Sünde, der Gerechtigkeit leben (1 Petr. 2, 24.); Gott hat Ihn für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in Ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt (2 Kor. 5, 21.); Er hat sich selbst für uns gegeben, auf daß Er Ihm selbst ein Volk zum Eigenthum reinigte, das fleißig wäre zu guten Werken (Tit. 2,14.); Gott sandte Seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches und verdammete die Sünde im Fleische, ans daß die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllet würde (Röm. 8, 3 f.); Gott hat uns erwählet in Christo, daß wir sollten sein heilig und unsträflich vor Ihm in der Liebe (Eph. 1, 4.). So haben wir die unverstümmelte, ächte Wahrheit aus dem Wort der Wahrheit. Wo nun die Versöhnung, Erlösung, Vergebung in Christo so gebraucht und gelehrt wird, daß dadurch das Leben der Gerechtigkeit, der Fleiß zu guten Werken vor Gott, die Erfüllung dessen, was Gottes Gesetz fordert, das Heilig- und Unsträflichseyn vor Gott nicht als notwendige Frucht und Folge der Versöhnung gesetzt wird, wo das sogar ganz oder theilweise aufgelöst wird: da ist falsches Christenthum und Prophetenwesen, gefärbter Glaube. Eben so in andern Stücken, mit denen man vom Thun des Willens Gottes, vom Halten seiner und des HErrn Gebote sich und Andere in einzelnen Fällen oder im Allgemeinen dispensiren will, z. B. „Gott gebe uns ja eitel Gnade in Christo, also müsse man nicht mit den Geboten Gottes Begnadigten noch Furcht einjagen“ - allerdings gibt Gott Gnade; aber warum haben wir Gnade? Wir haben eine Gnade, sagt die Schrift (Hebr. 12, 28 f.), durch welche wir sollen Gott dienen, Ihm zu gefallen mit Zucht und Furcht, denn unser Gott ist ein verzehrend Feuer! Aber „ist denn nicht Gott unser Vater, der Vater der Barmherzigkeit in Christo?“ Allerdings, aber nicht ein Vater, wie Eli, der zu seiner Kinder Sünden nicht sauer sieht, sondern ein Vater, der da spricht: ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig; als gehorsame Kinder seyd denn auch ihr heilig in allem eurem Wandel, und sintemal ihr den zum Vater anrufet, der ohne Ansehen der Person richtet nach eines Jeglichen Werk, so führet euren Wandel, so lange ihr hier wallet, mit Furcht - so zeugt die Schrift (1 Petr. 1, 14 ff.), und mit ihr jeder wahre Prophet und Christ in Wort und That. Und da haben wir denn auch in einem kurzen und vielsagenden Wort die ganze Summe dessen, was Gott in allen seinen mannigfaltigen Geboten immer und überall will; das nämlich ist der Wille Gottes, eure Heiligung; Gott hat uns nicht berufen und bevollmächtigt in Christo zu irgend etwas Unreinem und Ungerechtem, sondern zur Heiligung; wer nun das verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott - so schreibt Paulus (1 Thess. 4, 3. 7 f.) mit der ausdrücklichen Bemerkung (V. 2.), daß er damit seine Gläubigen kurz wolle erinnern an die Gebote, welche er ihnen gegeben habe durch den HErrn Jesum; so redet das wahre, ächte Evangelium, nicht das bloße Gesetz, Ist denn aber Christus nicht des Gesetzes Ende und so kommt ja wieder Gesetz mit Ihm? Wohl ist Christus des Gesetzes Ende, aber nicht so, daß Er das Gesetz auflöst und die Seinen auflösen heißt; nicht so, daß, was das Gesetz gebietet, die von ihm erforderte Gerechtigkeit nicht mehr gilt; sondern nur, wie das Gesetz gebietet, die Art und Weise, wie es die Gerechtigkeit fordert (nicht diese selbst) ist aufgehoben, dieweil es ersetzt wird von Christus in andrer, und zwar bessrer, ja vollkommener Weise; daher der HErr selbst sagt, Er sey gekommen, daß das Gesetz erfüllt, nicht daß es auch nur in seinem kleinsten Gebot auf seinen Namen hin dürfte aufgelöst werden (Matth, 5, 1? ff.). Während nämlich das alte Gesetz die Gebote der Gerechtigkeit nur äußerlich im Buchstaben vor die Augen stellt, setzt Christus die Gebote der Gerechtigkeit mit der Kraft des Geistes in das Herz hinein (Ebr. 8, 8-10. Röm. 8, 1-4.); dort wird das Gebot nur in befehlender Weise ausgedrückt, durch das Gesetz des Geistes Christi aber eingedrückt in der Weise eines inneren Triebes (Röm. 8, 14.), daß Lust und Kraft zum Gebotenen im Menschen lebendig gemacht wird; so wird an die Stelle des bloß buchstäblichen Ausdrucks der Gebote im Alten Testament der Kraft-Eindruck des Geistes im Neuen Testament gesetzt, an die Stelle des bloß äußerlichen Befehls der inwendige, lebendige Trieb. Darum zu erfüllen alle Gerechtigkeit, hat Christus nicht nur sich selbst zum Gesetz gemacht, sondern auch, daß sie in den Seinen eben als geistlichen Menschen erfüllt werde, ist Zweck und Frucht seiner Versöhnung (Röm. 8, 3 f.); der Geist, der in seinen Worten und Geboten wirkt, macht sie auch lebendig in denen, die Ihn aufnehmen, macht sie durch seinen inwendigen Kraft-Trieb zu Leben und That, daß mit dem wahren Glauben auch der Gehorsam des Glaubens aufgerichtet wird, und die Gläubigen immer mehr erfüllt werden mit Früchten der Gerechtigkeit. Das ist in Kurzem die evangelische Gesetzeslehre, nach der sich zu richten hat, wer auf den festen Grund Gottes sein Christenthum bauen will. Den Geist Jesu Christi muß daher Einer in sich haben, wenn er Jesum in Wahrheit HErr will nennen, eben weil Er nicht HErr will von uns genannt sein, ohne daß wir thun, was Er uns sagt; und das können wir nicht, wir haben denn den Geist mit seinem Leben und seiner Kraft in uns. Und darum ist das leichtsinnige und Prahlerische HErr HErr sagen und das Rühmen in Seinem Namen, das Pochen auf Seine Verheißungen, wobei man über die Gebote des HErrn sich wegsetzt, darum ist's Sünde und Verderben, weil man dadurch sich selbst und Andern heuchelt, man habe den Geist, der in alle Wahrheit und Gerechtigkeit leitet, und hat ihn doch noch nicht; man sey lebendig, und ist doch noch todt.

Und nun noch einige Worte, wie wir das bisher Erlernte im Leben sollen anwenden, um der Verführung eines falschen Christenthums nicht anheim zu fallen oder davon frei zu werden. Hauptregel ist: ehe du glaubst an die Christlichkeit einer Person, oder an die christliche Reinheit einer Sache, eines Werks, einer einzelnen Handlung, untersuche erst genau, ob es nach den Geboten des HErrn dabei zugehe, und ein rechter Ernst für diese in der That und Wahrheit sich zeige; ob man, was Er fordert, zuerst und zuletzt in den Augen hat, ob man der Heiligung nachjagt, für sie erweckt und gestärkt wird und in ihr immer völliger wird - und diese Untersuchung stelle Jeder genau an mit vorsichtigen, hellen Augen nach dem Spiegel des göttlichen Wortes, ohne darin sich irre machen zu lassen durch eine falsche Liebe zu Menschen, durch fromme Reden und Thaten. „Prüfet Alles, nur das Gute behaltet; Alles, was böse aussieht, meidet“ - gebietet der Apostel gerade da, wo er vorher von Geist und Weissagung redet, die man vor sich habe, und mit dem Wunsche schließt: der Gott des Friedens heilige euch durch und durch. Durch und durch, an Geist, Seele und Leib, im Sinn, Reden und Thun geheiligt zu werden - ist wie das Gebet des ächten Christen, so auch sein ernstestes, durch Sonn- und Werktag fortlaufendes Tagewerk; das erfüllt seinen Sinn, spannt alle seine Kräfte, beseelt sein ganzes Wesen. So gewiß nun die Schrift in keinen Uebertreibungen redet, wenn sie uns sagt, wie das wahre Christenthum am Gehorsam gegen den Willen Gottes zu erkennen sey, und wie Sein Wille unsre Heiligung sey: so gewiß ist es nicht richtig bestellt, wo in der Lebensweise und Geschäftsbehandlung nicht der ernste Geist der Heiligung zum Vorschein kommt, dem es um Erfüllung der Gerechtigkeit zu thun ist, der lebendige, kräftige Trieb, sich selbst zu verläugnen und zu reinigen, seine Lüste und Begierden zu kreuzigen und abzutödten, seine Zunge und sein Herz zu beschneiden und seine eigene Seele zu reinigen im Gehorsam der Wahrheit; es ist gewiß nicht richtig bestellt, wo nicht Wahrheit und Aufrichtigkeit, Lauterkeit und Geradheit des Wesens ist, bei dem Ja als Ja und Nein als Nein gilt, Alles, was darüber ist, für Uebel; wo nicht Rechtschaffenheit und Redlichkeit ist, die Jedem das Seine zu geben und zu lassen gewissenhaft sich beeifert; wo nicht Barmherzigkeit und Gütigkeit ohne Parteilichkeit in That und Wahrheit sich erzeigt, statt dessen nur eine wortreiche, partheiische Liebelei, die es mit Recht und Unrecht, mir Falschheit und Wahrheit nimmer so genau nimmt, die, um Einzelne zu ehren und liebzukosen, Andere wieder läßt Unrecht leiden, um den eigenen und der Freunde Ansichten und Absichten gewonnenes Spiel zu machen, die Andern in ihrem Recht und guten Namen kränkt; wo man mehr scheinen will als man ist, Ehre von Menschen, in welcher Form es ist, sucht und nimmt, und gegenseitig sich schmeichelt und rühmt; wo man schmückt und rechtfertigt, was nicht recht gethan ist vor Gott; wo man krumme Wege, kluge Künste, listige Worte, Uebertreibungen, Entstellungen u. dgl. sich erlaubt und nachsieht. Kurz, wo nicht ernstes Ringen um das rechtschaffene Wesen, das in Jesu Christo ist, klar und kräftig hervortritt, und nicht ein heiliger Krieg geführt wird gegen Alles, was dem Gesetz des HErrn und Seiner Gerechtigkeit zuwiderlauft, daß man sich selbst darnach richtet und aufrichtet, bessert und bildet, daß ein Zunehmen in der Erkenntniß der Wahrheit, im Reden der Wahrheit, im Thun der Wahrheit offenbar wird - da ist noch nicht der Geist des HErrn mit Seinem Leben, ob auch der Name des HErrn überall obenan steht; da ist falsches, gefärbtes Wesen, ob es such in lauter Christlichkeit einhergehe; da ist nicht zu glauben und mitzumachen, ob auch Weissagungen und Lehrwunder, Bekehrungen und ungewöhnliche Erfolge sollen beweisen, daß der Segen des HErrn dabei sey; da ist Trug und falsche Hoffnung, wenn man auf solchem Wege wähnt, in den Himmel zu kommen, ob man seinen Wahn auch behielte bis auf jenen Tag. Der HErr wird Allen ihr Urtheil spreche, nicht wie es ihnen selbst eben um's Herz ist und sie es sich ausgedacht haben, sondern wie es nach Seinem Wort ist und gehen muß.

So ist es auch gewiß nicht aus dem Geist des HErrn, der seines Vaters Gebot und Willen zu seiner Speise machte und die Liebe der Seinigen eben am Halten Seiner Gebote erkennen will; es kommt nicht aus Seinem Geiste der Wahrheit, sondern aus dem Irrgeist, wenn Viele sogar schon gegen das Wort: „Gesetz und Gebot“ Widerwillen haben, und in verächtlichem Sinne können sagen: es werde Gesetz gepredigt, wenn nach dem ausdrücklichen Wort des HErrn darauf bestanden wird, daß Seine Rede müsse gethan, Seme Gebote müssen befolgt, was Er befohlen müsse gehalten werden, daß das Gesetz durch's Evangelium nicht müsse aufgehoben, sondern aufgerichtet, nicht aufgelöst, sondern erfüllt, immer vollkommener zur That und Wahrheit des Lebens werden. ES gibt allerdings ein Gesetzpredigen und Gesetztreiben, das zu verachten, ja zu verdammen ist, wenn man nämlich überhaupt im Geistlichen Etwas zum Gesetz will machen, was der Eine Gesetzgeber, Gott, nicht dazu gemacht, sondern freigelassen hat: so, wenn man den Buchstaben des alttestamentlichen Gesetzes, äußerliche Regeln und Satzungen Solchen, die bereits im Glauben an Christum stehen, wieder will aufladen; denn unter Gläubigen gilt nicht das Amt des Buchstabens, sondern des Geistes. Aber diesen Fehler lassen eben Solche sich zu Schulden kommen, die falsch lehren von der Gnade; während sie nämlich die Gnade Gottes so deuten, daß es unter ihr auch kein Gebot mehr gebe, und auch das, was das Gesetz als Recht verlangt und als Unrecht verbietet, für den Christen nicht mehr in vollem Ernst gelte, danach zu thun und zu leben, vielmehr nur zum Schrecken für den Ungläubigen stehe es da; während sie für die Gläubigen auch den Kern und Geist des Gesetzes auflösen, den der HErr eben in der Kraft des Geistes von Seinen Gläubigen will erfüllt haben: richten sie dagegen in eigener Macht und Deutung das Außenwesen des Gesetzes, seine äußerliche Satzungsform wieder auf, indem sie z. B. Gottesdienst. Sonntags- und Festfeier, Essen und Trinken, Gebetsübungen und dergleichen äußerliche Dinge auch nach äußerlichen Satzungen wie im Alten Testament wieder in Form und Regel wollen gebracht haben, so daß es jedem Christen eine Gewissenssache soll sein, an solche äußere Form und Regel sich zu halten. Gerade gegen solches Gesetztreiben sagt das Evangelium (Kol. 2, 16. 20.) denen, die eben unter der Gnade stehen: lasset euch Niemand Gewissen machen über Speise oder Trank oder bestimmte Feiertage und dergleichen; ihr seyd abgestorben mit Christus solchen Satzungen, was lasset ihr euch denn fangen mit Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt2).

So ist denn weiter ein falsches Gesetz-Predigen und Treiben, wenn man aus eigener Vernunft oder aus dem eigenen Herzen eine Moral sich bildet, ein eigenes Bild von Tugend, Recht und Unrecht, eine eigene Gottesdienstlichkeit und Gottseligkeit sich macht oder von Andern läßt machen - all' das verwirft die Schrift als selbstgemachte, menschliche Aufsätze. Aber dagegen fehlen wieder nicht nur die, die z. B. eine philosophische Moral predigen und annehmen, oder wie die Katholiken einer kirchlichen Werkheiligkeit dienen, oder wie die Kinder der Welt einer weltförmigen Tugend und Weisheit huldigen; dagegen fehlen eben so, nur noch verführerischer und verderblicher, Solche, die, weil die Vernunft bei ihnen verschrieen ist, dafür ihr Herz zu ihrem Götzen machen, und wie es ihnen um's Herz ist, wie dieses sie zieht oder abzieht, daraus eine Stimme Gottes, Willen Gottes, Zug des Geistes machen, nach ihrem Gutmeynen so oder so die Frömmigkeit sich abbilden, allerlei Satzungen, wie ein Christ im Aeußern, im Reden, in Manieren, im Beten sich müsse geben und stellen, selbst erdenken und von Andern annehmen, danach nun wieder richtend über Andere, ob sie rechte Christen sehen oder keine. Gerade Solche, welche am meisten protestiren, daß man im Evangelium noch Gesetz und Gebote wolle suchen und finden, daß man Christen, die unter der Gnade stehen, noch verpflichte, selbst der Gerechtigkeit nachzujagen, um ihre Erfüllung zu ringen, im Stande guter Werke sich finden zu lassen und den Glauben zu erzeigen durch Gehorsam gegen Gottes Wort, geschickt zu werden zu Allem, was dem HErrn wohlgefalle: gerade die das ernstliche Bestehen auf solcher Lehre schelten, als mache man dadurch Christum zu einem Gesetzgeber, die werfen sich gar zu gerne wiederum selbst auf zu Gesetzgebern, gebieten und verbieten Dinge im Namen des HErrn, von welchen kein Wort in der Bibel steht, oder wofür dunkle Worte erst müssen verdreht werden, klare Worte verwirrt. Dagegen forschen in der Schrift, was der Wille Gottes an uns sey, und mit Furcht Seinen Geboten nachzugehen, sich und Andern zur Gewissenssache machen, damit wir heilig sehen, wie Er heilig ist, nicht wie wir es uns möchten einbilden - das heißt dann wieder Grübelei, Splitterrichterei, Knechtsgeist, man sey noch nicht durchgedrungen zum freien Gnadenstand und dergleichen; und dieselben wieder, die so reden, und den Willen des HErrn nicht in seinem eigenen Worte gründlich wollen kennen lernen, machen sich ihre willkührlichen Zeichen und Merkmale, an denen sie im Aeußerlichen oder Innerlichen schnell mögen abnehmen, was der HErr wolle oder nicht, malen sich eine Heiligkeit in ihrer eigenen Phantasie, und wollen nach ihrem eigenen Sinn den Wandel einer Seele formen; sie wollen ausmachen, was der Andere für sogenannte geistliche Erfahrungen müsse haben oder vielmehr auf der Zunge tragen, um für bekehrt und wiedergeboren zu gelten, und nehmen sich heraus, die Freiheit des Andern nach ihren Satzungen auf herrschsüchtige Weise einzuschränken, ihn so in ihrer Gewalt zu haben, daß er nicht weiter dürfe sehen und gehen, als sie wollen haben, und daß, was sie beschließen, demüthig als Wille des HErrn sey in Ehren zu halten. So geht es immer; wo die Menschen Gottes Gebot auflösen, in welcher Form es sey, richten sie ihren eigenen Willen und eigenes Gutdünken als Gebot auf; wo sie nicht solche Knechte des HErrn wollen sein, die Ihm auf Sein Wort gehen, statt auf einen selbst ausgeklügelten Willen des HErrn, da werden sie Menschenknechte.

Wem es nun Ernst ist, sich und Andere zu bewahren vor Seelenschaden, der halte sich fest an folgende Regeln:

  1. das Lesen im Wort Gottes und in solchen Büchern, die gründlich aus dem göttlichen Wort geschöpft sind und darein gründlich einführen, gehe allem Andern vor, namentlich auch den vielen christlichen Zeitblättern, die schon so viel von der freien Zeit wegnehmen, daß sie, will man seinen Beruf nicht verwahrlosen, nimmer die ruhige zusammenhängende Zeit lassen, welche der Bibel vor allem gebührt; dieß um so mehr, da nur zu viele solcher Blätter mehr durch Erzählung und Redeschmuck unterhalten, als durch gründliche zusammenhängende Lehre der Wahrheit erbauen. Denn abgerissene, eingestreute Bibelstellen erbauen noch nicht, einzelne Rührungen und Erregungen erbauen noch nicht: Erbauen ist ein Ganzes, wie man ein Gebäude baut, wo ein Stein sich muß zum andern fügen; erbaut wird man nur, wo man von einer Wahrheit des heiligen Geistes in die andere geleitet wird, und wo man allen Fleiß daran wendet, auf den Glauben die Tugend mit allen jenen Eigenschaften zu erbauen, wie dieß 2 Petr. 1, 5 ff. geschrieben steht. Von solchem ernsten Geschäft hält eben die Viel-leserei und Schnellleserei, auch die christlich genannte, ab; man gewöhnt sich an eine Sprache, bei welcher die ernste und tiefe, einfache und schmucklose Bibelsprache entleidet und immer weniger verständlich wird; man lernt unter lauter christlichem Wortgetöne süßlich der geistlichen Faulheit pflegen, vergißt, wie Petrus am angeführten Orte sagt, der Reinigung seiner alten Sünden, läßt den Fleiß, Beruf und Erwählung fest zu machen, und während man sich überredet, schon im Himmelreich zu sitzen, kann man von dem schmalen Eingang zu dem ewigen Reich unsers HErrn und Heilandes immer mehr abkommen. Dafür lasse man das Wort Jesu Christi, wie es die Apostel lauter und rein aus seinem Mund und Geist uns bringen, desto reichlicher bei sich wohnen; denn einwohnen muß es in unserm Herzen als eine tiefwurzelnde Saat; darum muß man es lesen, daß es ein Forschen sey, und aus dem Forschen ein Bewegen im Herzen werde, ein Einüben; so kommt's dann zum Ausüben, zum Leben und Wandel darin. Das macht immer mehr abwendig von der lockern, ungesunden Speise menschlicher Kochkunst, immer mehr begierig nach der vernünftigen, lautern Milch des göttlichen Wortes, und an der Milch erstarken die Menschen und werden Männer in Christo, die nicht mehr sich wägen und wiegen lassen von jedem Wind der Lehre, die nicht auf das und jenes schöne Buch, auf das und jenes Menschenansehen mit ihrem Glauben fußen, sondern unabhängig auf Gottes Kraft in seinem Worte; die denn auch ein festes Herz haben, und feste und gewisse Tritte thun auf dem Weg des Lebens, den sie von allen Nachäffereien wohl und schnell unterscheiden.
  2. Die Wahrheit, wie sie Gotteswort immer höher und tiefer, weiter und fester dir eröffnen wird, die Wahrheit liebe über Alles, und darum traue nicht dir selber, noch deinen eigenen Gedanken, behaupte nicht das, was dem Fleisch oder dem eigenen Geiste anständig ist, und laß dich auch von Andern durch keinen Schein und Ansehen bereden, Etwas gelten zu lassen, was nicht aus der Schrift und an deinem Gewissen als Wahrheit sich beweist. Irrthum wird nicht anders als durch Wahrheit vertrieben und verhütet; Irrthum ist kein bloßer Rechnungsfehler im Denken, sondern eine Sünde des Herzens; wer nun seinen eigenen Einfällen schmeichelt, und meynt, es müsse schon so recht sein, weil er so denke und es schön finde, oder weil der und der auch es so sage und mache; wer seine Meynung und Gewohnheit nicht der Wahrheit will zum Opfer bringen, weil ihm so manches schöne Bild der Vergangenheit oder Zukunft dadurch zerstört würde, oder weil ja dann Solche, die ihm lieb und werth geworden, müßten Unrecht haben - wer so nach eigenen Gedanken und Empfindungen und nach fremdem Ansehen richtet, statt nach dem, was sein Gewissen, wenn auch leise, sagt, und was das Wort der Wahrheit vernehmlich und verständlich sagt denen, die Geduld haben, von demselben zu lernen: der wird es niemals zur lautern und fruchtbaren Erkenntniß der Wahrheit bringen. Wer aber den festen Willen hat und täglich vor Gott erneuert, sein Herz und Sinn der Wahrheit zu unterwerfen: der wird bald, und je länger je schärfer Licht und Finsterniß, wahres und falsches Wesen unterscheiden lernen. Es kommt hierbei vor Allem auf die innerste Aufrichtigkeit des Herzens an, das ist schon die Wurzel von einem guten Baum; wer denn nicht immer zuerst und ernstlich bedenkt: ist das, was ich sehe oder höre, was ich selbst rede oder thue, auch Wahrheit? sondern nur Etwas nimmt wie es einen ihn gutdünkenden Eindruck auf ihn oder Andere macht, der wird allmählich Lüge und Unwahrheit immer weniger von Wahrheit unterscheiden lernen, wird auch das Unwahre zuerst so lieb, am Ende noch lieber als die Wahrheit haben, wenn es nur seinem Sinn wohlschmeckt und sein Wesen liebkost; da ist dann die Wurzel faul und grundverdorben. Endlich
  3. lerne mit David und Allen, die im Wort der Wahrheit je geheiligt worden sind, in wahrer Demuth und Beugung des Herzens anhaltend beten um den Geist der Weisheit und der Offenbarung, um Erkenntniß der Wahrheit und erleuchtete Augen: sende dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich leiten (Psalm 11, 3.); zeige mir den Weg deiner Rechte, daß ich sie bewahre bis an's Ende (Ps. 119, 33.). Dieser letztere Psalm mag Allen, die wahrhaft den HErrn lieben, als Muster dienen, wie man in getreuer Gebetsübung alle Falschheit bei sich selbst und Andern zu besiegen, und sein Herz in der Wahrheit zu befestigen hat; ein Muster, wie man mit ernstem und unermüdetem Fleiß dem Wort Gottes und seiner Wahrheit anzuhangen und seine Gebote köstlicher zu halten hat als Gold und Menschengunst. Wem es so ernstlich wie David um Wahrheit zu thun ist, daß er mit ihm von Grund des Herzens Gott im Gebet anliegt: erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz, prüfe und erfahre, wie ich's meine, und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Weg - wer das thut, und das Andere dazu nimmt, daß es bei ihm auch heißt: mein Herz bleibe rechtschaffen in deinen Satzungen, daß ich nicht zu Schanden werde; ich merke auf deine Zeugnisse, ich habe alles Dings ein Ende gesehen, aber dein Gebot währet; wie Hab' ich dein Gesetz so lieb! deine Zeugnisse sind mein Nachdenken, ich weiche nicht von deinen Rechten, denn du belehrest mich; von deinen Befehlen werde ich klug, darum hasse ich alle falschen Wege; dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege; ich hasse die Flattergeister und liebe dein Gesetz; mein Herz fürchtet sich vor deinen Worten und ich freue mich ob deinem Wort, wie Einer der große Beute findet; Lügen bin ich gram und habe Gräuel daran, aber dein Gesetz liebe ich, HErr, mich verlangt nach deinem Heil, und dein Gesetz ist mein Ergötzen - wo der Sinn und Trieb herrscht, daß man das Heil Gottes und das Gesetz Gottes mit einander verbindet, die Furcht vor dem Wort Gottes und die Freude darüber, das Halten der Gebote und das unermüdliche Streben, sie immer mehr zu halten, das Gebet um die Hülfe des HErrn und das Ringen, einzugehen durch die enge Pforte, zu finden und zu bewahren den schmalen Weg, wo das beisammen wohnt: da wird man gewisse Tritte thun ans dem Lebensweg und Nichts zu fürchten haben von dem, was den Heuchlern gedroht ist. Und so wollen wir denn auch unser neues Forschen im Wort des HErrn mit dem kurzen, aber Alles befassenden Gebet beginnen: Vater des Lichts und des Lebens, unser Vater, im Namen deines Sohnes Jesu Christi, unsers HErrn, bitten wir dich: heilige uns, heilige uns durch und durch in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Amen.
1)
Anm. „Soll ich je einen Fehl haben, so ist mir's lieber, daß ich zu hart rede und die Wahrheit zu vernünftig herausstoße, denn daß ich irgend einmal heuchelte und die Wahrheit innen behielte.“ Luther,
2)
Antw. Luther: „was Gott nicht geboten hat, das soll man meiden auf's allerfleißigste, wenn gleich ein Engel oder alle Heiligen dasselbe thäten und hießen, - Es gehet also, wo man Gottes Wort nicht hat oder nicht achtet, daß menschliche Weisheit ihr selbsteigenen Gottesdienst wählet und machet, und daran ihren Wohlgefallen hat, und für köstlich Ding hält, so doch Solches durch Gottes Wort zum Höchsten verboten und vor ihm ein Gräuel heißet. Denn menschliche Vernunft meynet, sie möge mit göttlichen Sachen spielen, wie sie es gutdünket; und wie es ihr gefallt, also soll es Gott auch gefallen; darnach solche Abgötterei zu erhalten und zu vertheidigen, schmücket sie sich auch mit Gottes Wort, das muß sich dazu reimen und lenken lassen, daß man ihm eine seine, schöne Gestalt und Farbe mache, als sey es demselben nicht zuwider. Wenn man schon sonst grobe Sünde thut, stehet doch Jedermann, daß es nicht recht ist; hier will man sich noch davon rühmen; darum ist Gott keinem Dinge so feind, als der eigenen Andacht; sie ist auch die schändlichste Plage auf Erden.“
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autoren/b/beck_jt/beck_falsches_prophetentum.txt · Zuletzt geändert: von aj