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Baumgarten, Michael - Vorwort

Baumgarten, Michael - Vorwort

Daß die Predigt die Hauptmacht des Wortes Gottes ist in der jedesmaligen Gegenwart unserer Kirche und darum die diese Gegenwart wirksam erfassende und zum Ziele bewegende Macht des heiligen Geistes, das ist eine Ueberzeugung, die ich schon viele Jahre in mir trage und die sich mir immer mehr befestigt und geläutert hat. Und zwar hält das Wachsthum dieser meiner Ueberzeugung ganz gleichen Schritt mit der Wahrnehmung, daß sich die kirchlichen Dinge, sobald man über dem Schein nicht das Wesen aus den Augen verliert, immer mehr verwirren, daß die Predigt, wie sie dermalen aufzutreten pflegt, immer nur ohnmächtiger wird und wirkungsloser verhallt, und daß man eben um deswillen immer eifriger und emsiger darauf aus ist, anderweitige Ersatzmittel dieser Grundmacht des Geistes zu erfinden und in Bewegung zu setzen. Denn je schwieriger und verwickelter die Aufgaben der kirchlichen Gegenwart werden, desto nöthiger ist es, sich zu besinnen auf diejenige Kraft, welche die denkbar höchste Schwierigkeit überwunden, nämlich die Stiftung der Kirche mitten in der Welt ermöglicht hat. Diese Kraft ist aber die freie, öffentliche Verkündigung des göttlichen Wortes, und wenn die gegenwärtige Predigt so wenig von dieser ursprünglichen göttlichen Schöpferkraft spüren läßt, so kann dies schlechterdings keinen andern Grund haben, als weil sie zu wenig aus ihrem eigenen Princip arbeitet, als weil sie ihre eigene Lebensquelle thörichterweise verunreinigt oder verstopft, und wenn nun andere Mittel und Wege der Ohnmacht der Predigt aufhelfen sollen, so ist es nur um so gewisser, daß dir Predigt eiligst in ihren ewigen und göttlichen Urgrund hinabsteigen muß, um, angethan und ausgerüstet mit ihrer Gotteskraft, einer heillosen Verstrickung vorzubeugen. Denn nur in dem Maße, als der frische, freie Hauch des Geistes, welcher eben die Verkündigung des göttlichen Wortes ist, durch die Räume des Hauses Gottes mit seiner belebenden und heiligenden Kraft hindurchgeht, können alle die anderen Mittel zur Besserung und Förderung der Kirche eine gesunde und heilsame Wirkung haben. Ermattet aber der Flügelschlag des freien Wortes, so gereichen jene anderweitigen kirchlichen Mittel und Zwecke, welche immer mit den Elementen dieser Welt versetzt sind, so heilig sie an sich sein mögen und mit so guter Meinung sie auch gebraucht werden mögen, allen Selen zur Versuchung und etlichen zum tödtlichen Verderben.

Darum ist es zu allen Zeiten von höchster Wichtigkeit, in unseren Tagen aber die dringendste Notwendigkeit, daß dieser himmlische Beruf der Predigt jedem Theologen klar und fest vor Augen stehe. Diese heilige und göttliche Idee der Predigt muß den angehenden Theologen ergreifen und die innerste Seele seines Lebens und Forschens werden; sie allein ist geeignet, wie nichts Anderes, ihn immerdar eben so sehr zu demüthigen, wie zu erheben, ihn eben so sehr zu heiligen wie zu begeistern. Was läßt uns mehr unsere Unwürdigkeit, Untüchtigkeit und Nichtigkeit inne werden, als der Gedanke, daß nicht wir die Redenden sein sollen, sondern unseres Vaters Geist, der durch uns redete? Was aber ist Angesichts der unermeßlichen Schwierigkeiten und Hemmnisse ermunternder und stärkender, als das Bewußtsein, daß wir keinem geringeren Worte als Werkzeug dienen sollen, als welches die Welt erschaffen, die Menschheit erlöset und die Kirche Christi gereiniget hat? Was kann uns kräftiger antreiben, unsere Seele keusch zu machen zur Liebe gegen die Wahrheit und uns zu bewahren vor aller Befleckung des Geistes und des Leibes, als die Erwägung, daß wir nach Geist, Seele und Leib berufen sind, das Wort der Züchtigung und Strafe zu führen und zu erheben wider alle Sünden und Ungerechtigkeiten der Welt? Und andrerseits kann nichts alle unsere Kräfte Gaben und Fähigkeiten in ihrem innersten Grunde so mächtig aufregen und in die ihnen gemäße Bewegung und Thätigkeit versetzen, als die Vorstellung, daß wir dazu gesetzt sind, mit dem Worte unseres Mundes die Berufenen Gottes aus der Zerstreuung der Welt zu sammeln und die Erwählten auf der ebenen Bahn der Wege unseres Gottes zu leiten. Und wer durch den unverwandten Hinblick auf dieses hohe und heilige Ziel der Predigt so gestimmt und gesinnt ist, der ist auch aufgelegt und geschickt für das theologische Studium: er wird dasselbe nicht wie ein Tagelöhner sein Werk abthun und hinter sich lassen, sondern er wird darin beharren und sich ergehen wie in einem Stande und Leben des Geistes, und von einer Klarheit zur andern fortschreiten. Die heilige Schrift ist einem Solchen das Buch des heiligen Geistes, in welchem ihm das, was der Geist ihm persönlich bezeugt hat und fortwährend bezeugt, mit dem Stempel der höchsten Autorität besiegelt wird, so daß er nun nicht mehr bloß für sich gewiß ist, sondern auch Andere göttlich lehren und weisen kann; sie ist ferner das Buch des Geistes, in welchem er den ganzen Zusammenhang des göttlichen Rathes überschaut, so daß er alles Einzelne, was er sagt und setzt, jedesmal richtig zu begränzen und in das Ganze des göttlichen Reiches einzufügen vermag. Wie kann er anders als dieses Buch immerdar vor Augen haben, daran seine Freude und Lust finden, darinnen weilen und wohnen wie in einer Heimath des Geistes, wie in einem Garten Gottes und darüber sinnen und forschen mit allen Mitteln, die ihm zu Gebote stehen, Tag und Nacht? Und wer von dem bezeichneten Standpunkt der Predigt aus die Kirchengeschichte anschauen lernt, für den gewinnt auch dieser Theil der theologischen Wissenschaft Licht und Leben. Ihm ist es zu thun um eine genaue und gründliche Orientirung in der Gesammtgegenwart der Kirche, und innerhalb dieser Gesammtgegenwart will er die Einzelgemeinde, an welcher zu wirken er berufen ist, als ein organisches Glied erkennen. Er weiß nämlich, daß er nur in dem Maße das ihm anvertraute Wort wirksam und fruchtbar machen kann, als er sich genau über den Punct der Entwickelung, auf welchem seine Gemeinde sich befindet, Rechenschaft zu geben vermag. Dieser Punkt ist aber nur auf dem geschichtlichen Wege zu finden, nämlich so, daß die Gegenwart als das Resultat der gesammten Vergangenheit der Kirche angeschaut wird. Wer aber auf diesem Wege den Punkt der Gegenwart findet, der ist auch im Stande, vermittelst der Aussicht auf das letzte Ziel der Entwickelung denjenigen Punkt anzugeben, der als das nächste Stadium auf der graden Linie zwischen Gegenwart und Ende zu betrachten ist. Somit gewährt die Rücksicht auf die Predigt der kirchengeschichtlichen Forschung denjenigen Einheitspunct, der alle kirchengeschichtliche Mannigfaltigkeit und Fülle einschließt und andererseits ermöglicht eine solche kirchengeschichtliche Erkenntniß der Predigt, für ihr Wort den richtigen Ausgang, so wie die gewiesene Richtung zu finden, und eben damit auf ihrem Wege gewisse Schritte zu thun und in ihren Kämpfen nicht in die Luft zu streichen, sondern den Feind ins Angesicht zu schlagen. Auch zwischen den systematischen Wissenschaften der Theologie und dem Worte der Predigt findet sich dieselbe innere und nothwendige Beziehung. Die Dogmatik und die Ethik haben den Glaubens- und Lebensgehalt der Kirche mit den höchsten Denkformen der jedesmaligen Gegenwart auseinanderzusetzen und es feiert die Kirche in diesen Zweigen ihrer Wissenschaft den Triumpf, daß sie sich des wissenschaftlichen Gesammtbewußtseins jeder Zeit vermöge ihres Geistes zu bemächtigen wie berufen so befähigt ist. Das Wort der Predigt aber, welches, wo es auch immer auftritt, jedesmal die höchste Höhe der Welt beschreitet, kann nicht eher seiner Stäte gewiß und sicher sein, als bis es weiß, daß es in dem Gedankengehalt der Gegenwart Nichts giebt, was nicht von dem Geiste überwunden ist, sei es nun so, daß es nach seiner Unwahrheit aufgewiesen und gerichtet oder nach seiner Empfänglichkeit für die Wahrheit angeeignet und aufgenommen worden ist. Es bilden somit Dogmatik und Ethik die letzte Stufe, auf welcher die Predigt zu ihrer Welthöhe hinansteigt. Nachdem also der Blick auf die Predigt als das höchste Ziel aller theologischen Erkenntniß und Thätigkeit in dem Grund der Seele die göttliche Tiefe und heilige Einfalt aufgeschlossen hat, soll die theologische Wissenschaft diejenige Fülle und Weite, diejenige Klarheit und Bestimmtheit gewähren, welche dem Worte der Predigt seine Kraft und Wirksamkeit unfehlbar sichern muß. Wenn unsere theologische Wissenschaft daher ihr Ziel besser ins Auge faßte, als sie dermalen thut, und die Predigt ihrerseits sich diesen Rückblick auf die Theologie immerdar offen erhielte, woran sie es so sehr fehlen läßt, die Predigt würde nicht in eine solche Enge und Unsicherheit, in eine solche Weitschweifigkeit und formalistische Geistlosigkeit gerathen sein, welche Verkommenheit unserer heiligen Rede sich nach ihrem Gruude wie nach ihrer Erscheinung nahe zu vergleicht mit dem Verfall der römischen Beredsamkeit zur Zeit der imperatorischen Weltherrschaft, wie Messala denselben beschrieben hat (s. Dialogus de oratoribus c. 32).

Da diese Gedanken über eine solche wesentliche und eingreifende Beziehung zwischen den theologischen Wissenschaften und der Predigt des göttlichen Wortes mich fortwährend beschäftigen, so ergiebt es sich von selber, daß ich dieselben in immer anderen und neuen Wendungen den jungen Theologen, welche meiner Bildung anvertraut sind, mitzutheilen suche, zwar nicht in den Vorlesungen, da meine Fächer von diesem höchsten Punkte aller theologischen Bildung ziemlich weit abliegen, sondern in dem persönlichen Verkehr und vertraulichen Umgang mit ihnen. Solche Gespräche haben denn meine jungen Freunde zu dem Wunsche veranlaßt, ich möchte selber Hand ans Werk legen und ihnen durch eigenen Vorgang die Bahn zeigen, welche die Predigt inne zu halten habe, um ihrem hohen Ziele entgegen zu kommen. Da ich diesem Ansinnen mich nicht wohl entziehen durfte, so sind diese Predigten entstanden, und da meine lieben Studenten mir wiederholentlich erklärten, daß sie durch meine Weise zu predigen in ihrem inneren Leben und in ihrem heiligen Berufe gefördert und befestigt würden und deshalb den dringenden Wunsch aussprachen, ich möchte das gesprochene Wort zu einem bleibenden Gedächtniß in Buchstaben befestigen, so habe ich der weiteren Veröffentlichung dieser Predigten nicht widerstreben mögen. Ich möchte dies aber nicht so verstanden wissen, als hätte ich nur für Theologen gepredigt und wünschte mir nur als Leser ausschließlich oder auch nur vorzugsweise Theologen. Nein, es ist mein ganzer Ernst gewesen, den lieben Gemeinden, in deren Mitte ich wohne und lebe, an meinem Theil mit meinem Worte zu dienen, und dem weiteren Kreise der Gemeinde Christi biete ich hiemit dieses Zeugniß meines Glaubens an, ob, da so manche Predigten in dieser Zeit gelesen werden, der Eine oder der Andere es einmal mit mir versuchen wolle. Manche werden mir freilich entgegensetzen, meine Predigt sei für die Gemeinde unverständlich; ich aber bin der Meinung, daß nur Jeder dafür zu sorgen habe, daß sein Predigtwort etwas wirklich Geschautes, etwas wahrhaft Empfundenes und klar Gedachtes enthalte und bringe, dann hat er nicht nöthig, in das Platte und Gemeine hinab zu steigen, sondern kann darauf hoffen, daß er die Hörer und Leser aus ihrem gewöhnlichen Gedankenkreise zu seinem Standpunkt erheben werde. Und dahin müssen wir nothwendig kommen, wenn anders unsere Predigt in dieser unserer Zeit wiederum diejenige Stelle einnehmen soll, die ihr nach Gottes Ordnung in der Welt gebührt. Auch habe ich diese meine Ueberzeugung durch mehrfache Zeugnisse aus der Gemeinde über meine Predigt bestätigt gefunden.

Noch weniger aber will ich durch Herausgabe dieser Predigten das Mißverständniß veranlassen, als wollte ich hier Musterstücke liefern, in denen die Aufgabe, wie gepredigt werden müsse, gelöst worden sei. Das kann und will ich nicht wehren, daß man den von mir aufgestellten Maßstab an meine Predigten anlege, aber den Wahn werde ich nicht aufkommen lassen, als bildete ich mir ein, ich sei der Mann für die Predigt der Zukunft, So gewiß es mir ist, daß unsere jetzige Predigt nicht in der gottgewiesenen Bahn einhergeht, und so fest ich überzeugt bin, daß die Predigt aus ihrer gegenwärtigen Ohnmacht sich wiederum zu ihrer göttlichen Kraft und Gesundheit erheben muß und wird; eben so ausgemacht ist es mir, daß dieser große und nöthigste Fortschritt unserer Kirche ein gemeinsames Werk sein wird. Ich habe hier weiter Nichts im Sinn, als für dieses heilige Werk einer wills Gott baldigen Zukunft an meinem geringen Theile einen kleinen Beitrag zu liefern, und die schönste Frucht meiner Arbeit würde mir die sein, daß Einer durch meinen Versuch angeregt, in Kraft des heiligen Geistes in seiner eigenen von der meinigen ganz verschiedenen und viel wirksameren Weise das Wort der Predigt zu führen unternehmen wollte.

Die hier vorliegenden Predigten sind in Zwischenräumen während des laufenden Kirchenjahrs gehalten worden; nur die erste stammt aus einer früheren Zeit und ist durch eine feierliche Gelegenheit veranlaßt. Daß ich diese in die gegenwärtige Sammlung aufgenommen, hat den Grund, weil ich von dieser Predigt erfahren habe, daß sie einem frühverstorbenen Schüler auf seinem Wege durch das finstere Todesthal ein tröstender Stab geworden ist. Dieser Umstand hat mir die Hoffnung gegeben, daß dieselbe durch eine weitere Veröffentlichung vielleicht auch Anderen einen Dienst leisten könnte. Es ist dies übrigens Hie einzige Predigt, welcher ein freier Text zu Grunde liegt, alle übrigen schließen sich an die gegebenen Perikopen an. Die Leser meiner Schrift über die Nachtgesichte Sacharins wissen, daß ich am liebsten ohne Text predigen würde und warum ich die Textgebundenheit für ein Hemmniß der Predigt halte. Ich habe nun auch diesen Uebelstand bei gegenwärtigen Predigten jedesmal lebhaft empfunden. Indessen würde ich einer Gemeinde nur dann textfrei predigen, wenn ich Schriftauslegung daneben hergehen lassen könnte. Außerdem sind wir hier ordnungsmäßig an die Perikopen gewiesen. Aus diesem zwiefachen Grunde habe ich darauf verzichten müssen, meine Eigenthümlichkeit nach dieser Seite hin frei und ungezwungen, wie ich es gewünscht hätte, walten zu lassen. Die Perikopen werden es auch verantworten müssen, daß meine Themata nicht in dem Verbande eines einheitlichen Gedankenkreises stehen; denn man wird finden, daß sie getreulich der gewiesenen Spur der gegebenen Texte gefolgt sind. Vielleicht aber gewährt mir der Umstand, daß bei dieser Notwendigkeit der Strom der Rede nach gar verschiedenen Richtungen sich wenden mußte, einen anderen Vortheil, Da ich nämlich nicht anders zu predigen vermag, als aus dem innersten Geheimniß meines Wesens und Lebens heraus, so ist es mir vielleicht gelungen, an der Mannigfaltigkeit der Gegenstände, welche ich hier zu behandeln versucht, meine Eigenthümlichkeit allseitiger und damit auch faßlicher darzulegen, als ich es bis dahin habe erreichen können. Gar seltsame und wunderliche Urtheile sind nämlich in den letzten Jahren über meinen christlichen und theologischen Stand gefällt worden: die Lehre der Kirche von der Versöhnung und Rechtfertigung soll ich verlassen haben und zwar weil mir die rechte Sündenerkenntniß verdunkelt worden sei; ein spiritualistischer Schwarmgeist soll ich sein und zwar noch ein wenig schlimmer, als die Irwingianer; ein antinomistischer Zug gehe durch meine Lehre hindurch, haben Andere gesagt; mit großer Zuversicht hat man mich auf die Bank der Schleiermacherianer gesetzt; ein politischer und kirchlicher Agitator muß ich sein, der sich mit der hochmüthigen Idee eines prophetischen Berufes herumträgt. Diesen und ähnlichen Anklagen und Verdächtigungen gegenüber stehe ich mit dem ruhigen Bewußtsein, daß diejenigen, die so über mich urtheilen, sich offenbar nicht die Mühe geben, in mein Inneres, welches ich doch freier und häufiger aufschließe, als es sonst in unserer Zeit von Seiten der Theologen zu geschehen pflegt, und aus dem allein ich immerdar rede und handle, einen festen und klaren Blick zu thun, sondern bequem machen sie sichs, indem sie Einzelnes in meinen Schriften aus dem wohldurchdachten und festgefügten Zusammenhang herausbrechen und unter die ihnen geläufigen Rubriken unterbringen und mit dieser Kunst aus solchem Stückwerk sich ein Urtheil über meine Persönlichkeit und meine Lehre zusammenflicken. Ob ich nun im Stande sein werde, durch irgend Etwas, was ich rede und thue. diejenigen, welche auf diesem Wege mit mir bereits fertig geworden, zu einem milderen Spruche über mich umzustimmen, weiß ich nicht, indessen denke ich doch, daß noch eine gute Zahl von Unbefangenen übrig ist, welche, wenn ich mein Inneres vor ihnen darlege, nicht von hieher und daher einen Maßstab herbeiholen, sondern nach der Stimme ihres Gewissens und nach der untrüglichen Schrift meines Gottes mich beurtheilen werden. Und gern gebe ich mich der Hoffnung hin, daß es mir gelingen möchte, mit diesem meinem Zeugniß an dem Gewissen manches aufrichtig Suchenden offenbar zu werden.

Nicht aber um Anerkennung meiner Persönlichkeit und meines Glaubens ist es mir zu thun, sondern so wie ich bin, was ich bin, lediglich und allein durch meines Gottes Gnade, so soll Alles, was ich bin, lediglich und allein der Verherrlichung dieser Gnade meines Gottes dienen. Darum wer in meinem Worte Gottes Stimme an sein Herz zu vernehmen glaubt, der halte sich nicht länger bei mir auf, sondern gehe auf dem gradesten Wege zu dem, von welchem alle gute und vollkommene Gabe kommt, welcher daher auch allein uns wiedergebären kann zu dem neuen Leben und zum Wandel im Geiste, der ihm wohlgefällig ist. Er, der Vater unsers Herrn Jesu Christi, zu dem ich aus dem Grunde meiner Seele geflehet habe, so oft ich den Mund aufgethan vor seiner Gemeinde, er wolle nun das Geschriebene setzen zu einem reichen und bleibenden Segen an den Selen der Leser. Amen.

Rostock, den 10. Julius 1856.

Baumgarten.

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