Augustinus, Aurelius - Soliloquien - IV. Von der Sterblichkeit der menschlichen Natur.

Augustinus, Aurelius - Soliloquien - IV. Von der Sterblichkeit der menschlichen Natur.

Siehe, HErr, weil kein Licht da ist, so ist der Tod da, ja, dass ichs recht sage, der Tod ist nicht; denn der Tod ist nichts; durch ihn sterben wir nach der Nichtigkeit, indem wir uns nicht scheuen, uns selbst durch die Sünde zu nichts zu machen. So geschieht uns denn, o HErr, eben recht und wir empfangen nur, was unsre Taten wert sind, weil wir zu dem kommen, was nichtig ist, wie ein hinfließend Wasser. Denn ohne Dich ist das Nichts gemacht und so wir dasselbe Nichts tun, so werden wir zu Nichts; denn ohne Dich sind wir Nichts; denn durch Dich sind alle Dinge gemacht, ohne welchen Nichts gemacht ist.

O HErr, Du Wort, o Gott, Du Wort, durch welches alle Dinge gemacht sind, ohne welches nichts gemacht ist: wehe mir Elenden, der ich so oft verblendet bin, weil Du das Licht bist und ich ohne Dich bin! Wehe mir Elenden, der ich so oft verwundet werde, weil Du das Heil bist und ich ohne Dich bin! Wehe mir Elenden, der ich so oft betört werde. Dieweil Du bist die Wahrheit und ich ohne Dich bin! Wehe mir Elenden, der ich so oft verwirrt bin, weil Du der Weg und ich ohne Dich bin! Wehe mir Elenden, der ich so oft gestorben, weil Du das Leben und ich ohne Dich bin! Wehe mir Elenden, der ich so oft zu nichts werde, weil Du das Wort bist, durch welches alle Dinge gemacht sind und ich ohne Dich bin, ohn' welchen nichts gemacht ist! O HErr, Du Wort, o GOtt, Du Wort, der Du bist das Licht, durch welches das Licht geworden ist, der Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben, in welchem keine Finsternis, kein Irrtum, keine Eitelkeit, kein Tod gefunden wird. Ohne Dich, das Licht, ist eitel Finsternis, ohne Dich, den Weg, ist eitel Irrtum; ohne Dich, die Wahrheit, ist eitel Lügen; ohn' Dich, dies Leben, ist eitel Tod. Sprich, o HErr, das Wort: Es werde Licht! auf dass ich das Licht sehen möge und die Finsternis meiden; den Weg sehen und den Irrweg meiden; die Wahrheit erkennen und die Lüge meiden; das Leben anschauen und den Tod meiden. Erscheine, o HErr, mein Licht, meine Leuchte und mein Heil, Dich will ich fürchten; mein HErr, Dich will ich loben; mein GOtt, Dich will ich ehren; mein Vater, Dich will ich lieben; mein Seelenbräutigam, Dir will ich treu verbleiben! Ja, erscheine, erscheine, Du Licht, diesem Deinem Blinden, der da sitzt in der Finsternis und im Schatten des Todes, und richte seine Füße auf den Weg des Friedens, damit ich wandeln möge zu der Stätte Deines wunderbaren Heiligtums, bis in das Haus Gottes mit frohlockender Stimme und mit Bekenntnis; denn Bekenntnis ist der rechte Weg, dadurch ich eingehe zu Dir, dem Leben, dadurch ich abtrete vom Irrweg und wiederum kehre zu Dir dem Weg, denn Du bist der wahre Lebensweg! - Amen.

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autoren/a/augustinus/augustinus-soliloquien/augustinus-soliloquien_iv.txt · Zuletzt geändert: von aj