Ahlfeld, Johann Friedrich - Das Leben im Lichte des Wortes Gottes - Der Tauftag.

Ahlfeld, Johann Friedrich - Das Leben im Lichte des Wortes Gottes - Der Tauftag.

Galater Cap. 3, v. 26 u. 27:
Denn ihr seit Alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christo Jesu. Denn wie Viele euer getauft sind, die haben Christum angezogen.

Herr, mein Heiland, ich danke dir für die große Gnade, dass du gleich am Anfange des Lebensweges, am Anfange der Wüste einen lieblichen Brunnen mit frischem Wasser und Palmen rings um gegraben hast. Da bist du mir entgegengekommen, da hast du dich meiner gnädig angenommen; ehe ich rief, hast du schon geantwortet. Da hast du von mir abgewaschen den Unflath des natürlichen Wesens und mir dich, deine Gerechtigkeit und deine göttliche Art angezogen. Du hast mich erquicket und gerüstet für die ganze Pilgerschaft, mich tüchtig gemacht zu dem Erbteil der Heiligen im Licht. Ohne all mein Verdienst und Würdigkeit hast du mich an das Herz meines himmlischen Vaters gelegt und mich zu seinem Kinde und deinem Bruder gemacht. Ich kann es, wenn ich mich ansehe, selbst nicht glauben; aber deine Majestät und Liebe ist größer als mein Verstand. O lass mich dieser deiner ersten Barmherzigkeit fleißig gedenken und ein Leben führen im Angesicht und Gedächtnis meiner Taufe. Laß mich bleiben im Loben und Danken und in dem Ernst, in welchem ich durch die Kraft deiner heiligen Gnadenmittel immer treuer als ein Kind Gottes und als dein Bruder wandeln will. Amen.

Einst zog Abraham's Magd, die Ägypterin Hagar, mit ihrem Sohne Ismael an der Hand fort aus ihres Herrn Hause in die Wüste, Auf der Schulter trug sie Brot und eine Flasche mit Wasser, um sich und ihr Kind in der Wüste zu laben. Aber das Brot war bald verzehrt, und das Wasser noch eher getrunken. Der Knabe war am Verschmachten. Die Mutter wollte sein Sterben nicht sehen. Sie warf ihn unter einen Baum und setzte sich eines Bogenschusses weit gegenüber und hob ihre Stimme auf und weinete. Da erschien ihr der Engel Gottes und tröstete sie zuerst mit den Worten: „Fürchte dich nicht.“ Dann zeigte er ihr einen Wasserbrunnen; und sie, wie du dir denken kannst, ließ sich nicht lange einladen. Sie ging hin und tränkte den Knaben, und die Wüste sammt ihrer Dürre und Glut konnte ihn nicht tödten. Und ob auch dieser Knabe, der Ismael, ein wilder Mensch geworden ist, den Wasserbrunnen hat er doch nicht vergessen. Durch denselben hatte ihm die Barmherzigkeit Gottes das Leben erhalten. Ja selbst seine Nachkommen, das wilde Volk der Muhamedaner, verehren noch heute nach 3000 Jahren jenen Brunnen als eine heilige Stätte. - Du merkest, lieber Leser, wo wir mit diesem Stück biblischer Geschichte hinwollen. Mit der Geburt ist das Kind hereingetreten in die Wüste. Alle Kraft, alle Liebe, aller gute Wille und alle Mittel von Vater und Mutter sind auch nicht mehr denn das Brot und die Wasserflasche auf Hagars Schulter. Sorgend und bangend blickt der Vater, blickt die Mutter von ihrem Lager, wo sie das Kind mit Schmerzen geboren, auf die Wiege. „Was wird aus demselben werden auf dem weiten Wüstenwege? Wie weit werden wir mit ihm gehen? Und wenn wir recht lange mit ihm gehen, wie weit reicht unsere Hilfe und Erquickung hinunter in sein Leben?“ Ach da fließt manche Träne! Da sagt manche Mutter: „Schlafend liegt es neben wir. Jetzt hat es Ruhe, noch wird sein Herz nicht durchtobet vom wilden Sturm der Sünde, noch weiß es Nichts vom Elend dieser Welt. Aber es wird genug davon erfahren, wenn es der Herr nicht frühe wegnimmt.“ Und indem sie so sorget, kommt der Engel des Herrn und spricht: „Fürchte dich nicht.“ Und dabei zeigt er ihr einen Wasserbrunnen, welcher viel lieblicher ist als jener in der Wüste bei Bersaba. Das ist der Brunnen der heiligen Taufe. Wie Hagar nicht zögerte, zögern rechte Ältern auch nicht, sie bringen das Kind hin zu dem Lebensbrunnen. In demselben gereinigt und erneuert empfängt es eine Gnade und Kraft, mit der es getrost durch die lange, dürre Wüste wandern kann.

Wir bleiben noch einen Augenblick bei den Brunnen des Morgenlandes. An einem Brunnen im Lande Mesopotamien begegnete Jakob zuerst seiner Braut Rahel und küssete sie. An diese erste Begegnung, an diesen ersten Kuß knüpfte sich ein treuer Ehestand, der, als der Herr nach der Geburt Benjamins über Rahel befahl, mit viel Schmerz und Tränen getrennt ward. Am Taufbrunnen begegnete der Herr, der Bräutigam aller Seelen, auch deiner Seele, ja jedem Kinde zuerst. Die Taufe ist der erste Kuß seiner Liebe. Da wird ein Bund geschlossen, welchen auch kein Tod trennen soll. - O welche Gnaden hat doch der Herr durch seine Ordnung in das schlichte Wasser gelegt! Der Herr selbst preiset die Taufe als das Bad der Wiedergeburt und als die Tür zum Reiche Gottes. Er spricht zu Nicodemus: „Es sei denn, dass der Mensch von Neuem geboren werde aus dem Wasser und Geist, kann er nicht in das Reich Gottes kommen,“ St. Paulus nennt sie im Briefe an Titus ein Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im heiligen Geist. Und wiederum schreibet er in unserm Texte an die galatischen Christen: „Ihr seid Alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christo Jesu; denn wie Viele euer getauft sind, die haben Christum angezogen.“ Die alten Väter der Kirche haben von ihr nicht herrlich genug reden können. Sie nennen sie: das Heiligtum der Wiedergeburt, die Mutter der Kindschaft Gottes, das Kleid des Lichtes, das unzerbrechliche Siegel, den Wagen des Himmels, und die Freiwerberin des Reiches Gottes. Luther sagt von ihr: „Sie ist ein Wasser der göttlichen Majestät selbst, Gott hat seinen Namen“ - und mit seinem Namen sein Wesen - „darein gesteckt und geflochten, dass sie mit demselben durchmenget ist, und mag wohl ein durchläutert Wasser heißen. Das Blut Christi“ - denn er hat sie erst eingesetzt nach der Vergießung seines Blutes - „wird kräftiglich in die Wassertaufe gemenget, dass man sie nun also nicht soll ansehen noch halten für schlicht lauter Wasser, sondern als schön gefärbet und durchrötet mit dem teuern rosenfarbenen Blute des lieben Heilandes Christi, dass sie nicht heiße ein gemein Wasserbad, sondern eine heilsame Taufe oder Blutbad, welches allein Christus, Gottes Sohn selbst, durch seinen Tod zugerichtet hat.“ Das ist denn auch in unserm Texte recht klar ausgesprochen. Durch die Taufe und den Glauben wird das Kindlein Gottes Kind. Glaubet es auch selbst noch nicht, oder ist sein Glaube nur die erste unklarste Regung zu seinem Herrn und Heilande, so glauben und bitten doch die Ältern und Paten für dasselbe, wie einst für den Gichtbrüchigen, der kein Wort redete, die Freunde glaubten und baten, die ihn auf dem Bette vor den Herrn getragen brachten. - In der Taufe errettet nun Gott das Kind von der Obrigkeit der Finsternis und versetzt es in das Reich feines lieben Sohnes. In der Taufe geht das Kind aus Kraft des heiligen Geistes in das Sterben und Auferstehen seines Heilandes ein. Es wird mit Christo begraben in den Tod, es steht mit ihm auf zu einem neuen Leben. Der alte Mensch wird ersäufet mit allen Sünden und bösen Lüsten, und es kommt wiederum heraus der neue Mensch Gottes. Das Kind zieht den ganzen Christus an, der für uns gestorben und auch auferstanden ist. Es ziehet den eingebornen wesentlichen Sohn Gottes an und wird dadurch Gottes Kind. Gott lässt es taufen auf seinen Namen und bekennt sich zu ihm als Vater. Jesus Christus, der eingeborne und erstgeborne Sohn Gottes bekennt sich zu ihm als seinem Bruder. Ein armes Menschenkind wird fortgetragen, ein Kind Gottes wird wiedergebracht. - O welche Gnade! Das ist des Kindes wahrer Geburtstag. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Und Geist, heiliger Geist ist Leben. - So hast du denn von dem Tage an erst wahrhaftig gelebt. Weißt du deinen Tauftag? Hast du ihn schon gefeiert? Es gibt manchen lieben Christen, der ihn neben den hohen Festtagen in seinem Kalender rot angestrichen hat und ihn in jedem Jahreslauf als einen hohen Festtag feiert. Lies das nicht mit Lächeln oder Kopfschütteln. Erst durch deine Taufe sind die hohen Christenfeste deine Feste geworden. Erst in der Taufe hast du deinen rechten Vater bekommen. Gott hat auch zu dir gesprochen: „Dies ist mein liebes Kind, an welchem ich Wohlgefallen habe. Ich bin dein Vater, und du bist mein Kind.“ Gott dein Vater! Ein größeres Wort kann es nicht geben. Du hast einen Vater, der nicht stirbt, der mit Recht heißt: Ewig - Vater. Gott dein Vater! Du hast einen Pater, dem alles Gut der Welt gehört, der über Leben und Tod nach seinem Wohlgefallen waltet. Wie Sonne und Mond und Sterne lenkt er auch den ganzen Lauf deines Lebens nach seiner Weisheit und Güte. Du hast einen Vater, dem sein Herz bricht gegen seine Kinder, der in der Welt Nichts lieber will, denn dass sie selig werden. Liebe deinen Vater hienieden, der dich, als du geboren warest, zuerst auf seine Arme nahm. Aber mehr als Vater und Mutter sollst du den lieben, der dich von Ewigkeit her auf seinen Armen trug, der dich mit Mutterliebe trug und dich bis in den Tod und durch den Tod und bis in Ewigkeit tragen wird. - Du hast nun einen Heiland, in dem die ewige Liebe für dich Menschennatur und Menschengestalt angenommen hat. Du hast einen Herrn, der deine Sünde getragen, der für dich gelebt, gebetet, gearbeitet, geweint und geblutet hat, der für dich gestorben und auferstanden ist. Er hat dir in der heiligen Taufe ein Siegel seiner Liebe gegeben, wie es kein anderes gibt. Er hat Wege in deinen inwendigen Menschen, er lenket der Menschen Herzen wie Wasserbäche. Er kann bauen, segnen, heilen und trösten, wo keine Menschenhand und Menschenliebe hinreicht. Er spricht zum Tode: „Trotz deines finstern Angesichtes sollst du kein Tod mehr, sondern eine enge Tür zum Leben sein.“ Er hat die Schlüssel des Himmels und des Abgrundes in der Hand. Wo er aufschließet, kann Niemand zuschließen; und wo er zuschließet, kann Niemand aufschließen. - Das ist der Herr, er hat dich in deiner Taufe in seine Arme genommen, sein Kind und Eigentum bist du geworden. Hoch und herrlich steht dein Tauftag an der Pforte des Lebens. - Und von dieser Pforte aus gehet die heilige Taufe als eine Gotteskraft mit durch das Leben. Jesus Christus will in dir Gestalt gewinnen, er will, wie du wächsest, durch dein ganzes Leben hindurchwachsen und dich in sein Bild verklären. Er wird es tun, wenn du solcher Verklärung nicht widerstrebest. Jeder Christ ist ein Baum, gepflanzt an dem Wasserbache. Jesus Christus ist der rechte Wasserbach, von der heiligen Himmelshöhe herniedergeflossen in unser Jammerthal. Bleibest du im lebendigen Glauben an ihn, so gehen damit die Lebenswurzeln hinunter in die heilige Tiefe und ziehen Kraft und Leben in dein Herz. Wirst du matt und träge im Glauben, so werden diese Wurzeln stumpf, und der Baum wird gelb und siech. Stirbt der Glaube, so sind die Wurzeln verstockt; der Baum wird dürre, und Wind und Wetter spielen mit ihm, bis sie ihn abbrechen. O bleibe frisch! Bleibe im Gedenken deiner Taufe! Begieße die Wurzeln mit dem heilsamen Wasser des göttlichen Wortes, rufe in starkem Gebet den Tau und Regen von oben auf sie herab! Bitte täglich, dass Christus in dir bleibe, und du stark werdest am inwendigen Menschen. Dann erfährst du auch täglich die überschwängliche Gnade der Kindschaft Gottes. Du fühlst, dass du mit ihm im innigsten Bunde stehst. Du hast die Kindesstellung zu ihm, und es gibt kein innigeres Verhältnis als das zwischen dem Vater und dem Kinde. Die Ruhe Gottes quillt in deine Seele, die Seligkeit und der Himmel drängt sich in ein armes enges Herz. Liesest du Gottes Wort, so liesest du einen Brief des Vaters an sein Kind. Des Vaters Herz wallt herüber in deines. Nur Kinder verstehen die Briefe ihres Vaters. Nur die Kinder Gottes verstehen die Schrift. Den Feinden ist sie eine Torheit oder ein Ärgernis, den gleichgültigen klugen Leuten ist sie ein interessantes geistreiches Buch, dem Kinde Gottes ist sie Liebe und Leben aus dem Herzen seines Vaters. Es hat ein Recht an dies Himmelsbrot, an diesen Wein der Erquickung, denn er kommt von seinem Vater. Welche Seligkeit liegt in dem Worte: „Der König der Herrlichkeit und Gnade hat mich in der Taufe gewiss zu seinem Kinde angenommen!“ - Hat dich aber der Herr selig gemacht, so will er dich auch stark machen, stark zuerst im Thun. In der heiligen Taufe hat er die Macht des Teufels gebrochen, und seine Kraft ist in dem Schwachen mächtig geworden. Aus ihm, und nur aus ihm kannst du Gutes tun. Denke nur fleißig an deine Kindschaft. Ein Kind muss wandeln die Wege seines Vaters und wirken die Werke seines Vaters. In dem Kinde muss sich die Art seines Vaters immer deutlicher darstellen. Es will hinan zu seinem Bruder, dem erstgebornen Sohne vom Vater. Da wächst denn in dem seligen Bewusstsein der Einheit mit dem Vater der Glaube, der aus ihm und auf ihn hin Alles wagen kann. Da brennt die ungefärbte Bruderliebe immer heller, und das Ich, der alte Dornbusch, wird täglich in diese Flammen gelegt. Geduld und Langmut, Güte und Freundlichkeit, Wahrheit, Keuschheit, Lauterkeit und Treue nehmen das Herz immer bestimmter ein. Die Züge aus dem Angesichte des Vaters prägen sich in dem Kinde aus. - Im Kampfe gegen Fleisch und Welt und Teufel wirst du immer tapferer. Du gehörst zu den Kindern, die den Bösewicht überwunden haben. - In Kraft deiner heiligen Taufe lernst du auch leiden. Ach leiden ist viel schwerer als tun! Du bist ein Kind Gottes. Du trägst nicht, sondern dein Vater trägt in dir. Er ist dein Leben und deine Stärke. Er ist der unerschöpfte Born der Kraft in dir. Auch im Feuer, am Marterpfahl, unter dem Schwert und aller andern Qual sind die Gläubigen dabei geblieben: „Ich bin ein getaufter Christ. Wer will mich scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Angst, oder Verfolgung, oder Hunger, oder Blöße, oder Fährlichkeit, oder Schwert? In dem Allem überwinde ich weit um des willen, der mich geliebet hat. Er hat mich je und je geliebet, darum hat er mich zu sich gezogen aus lauter Güte. Er zieht mich auch in meiner Trübsal zu sich.“ - Deine Taufe hält dich auch aufrecht und bewahrt dich vor Missglauben und Verzweiflung, wenn du gefallen bist. Auch als Gefallener bist du ein Kind Gottes, auch der verlorne Sohn war noch ein Sohn seines Vaters. Auch dem abgefallenen Israel ruft Gott noch nach: „Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein trautes Kind? denn ich denke noch wohl daran, was ich ihm geredet habe.“ Auch das abgefallene Israel ist ihm eine verlockte Taube, ja eine verlockte, aber doch noch eine Taube. Und du bist in deiner Sünde, ob du gleich tief gefallen, auch noch eine Taube. Auch du hast deine Stätte noch in der Arche und am Herzen Gottes. Darum mache dich nur auf aus deiner Sünde, fliege empor wie die Tauben zu ihren Löchern. Sage deinem Gotte: „Vater, ich bin gefallen, aber ich bin doch noch dein Kind. Du hast deinen Bund nicht aufgelöset; du hast dein Siegel, womit du mich dir zum Eigentum versiegelt hattest, nicht von meiner Seele gerissen. Wohl kann ich mein Angesicht nicht zu dir aufheben; aber auch in meiner Scham und in meinen Tränen spreche ich: “„Vater. Vater, nimm mich wieder an, zeige mir dein Herz, breite deine Arme wieder um mich, lass die Gebeine, die du zerschlagen hast, wieder fröhlich werden, tröste mich wieder mit deiner Hilfe, und der freudige Geist enthalte mich.“„ Und wie die Mutter das Schreien ihres Kindes höret, so höret dein Vater solches Rufen. Singe du nur getrost mit dem alten Erdmann Neumeister:

„Keine Sunde macht mir bange,
Ich bin ein getaufter Christ!
Denn ich weiß gewiss, so lange
Dieser Trost im Herzen ist,
Kann ich mich von Angst der Sünden,
Jesu, durch dein Wort entbinden,
Weil das teure Wasserbad
Mich damit besprenget hat.

Das Alles ist dein Christenerbe, das Alles hat dir dem Vater schon beigelegt, da er dich zu seinem Kinde angenommen. Dies Gut ist mit keinem irdischem Besitze zu vergleichen. An diesem Erbteile können sich auch schon die Kinder freuen. Sie haben es ja. Unser und unserer Kinder ist diese Verheißung. Was sind die Kinder oft in ihrem Kinderglauben selig! Sie gehen mit ihrem Vater und Hei. lande um, wie wenn er vor ihnen stände. Er steht auch wirklich vor ihnen. Keine Klugheit, keine Kritik, kein Zweifel stört sie. Der Himmel ist ihnen so gewiss, so nahe, so offen. Er spielt und blühet herein in das Leben wie frische Rosen. In der Kindheit steht Alles in wahrer frischer Blüte; später ist der Glaube mit allen seinen Schätzen oft nur wie gefrorene Blumen an den Fenstern. Wenn du im Alter nur eine Stunde in solches Kinderherz hineinsiehest, möchtest du rufen: „Herr, lass mich wieder jung werden, lass mich werden wie ein Kindlein, auf dass das Himmelreich mein sei; lass die Jugend noch einmal auferstehen.“ Und er will dich hören, er hat dich ja noch nicht enterbt. Nimm nur deine Taufe als einen gewissen Eintritt in die Kindschaft Gottes. Laß nur deine Gnadenurkunde nicht mehr vergessen und bestäubt bei Seite liegen. Behandle sie nur nicht mehr als Kritiker und Zweifler. Halte dich an das Wort: „Ich habe Christum angezogen.“ Lässt dich aber Gott den reichen Inhalt seiner Gnadentat nicht immer fühlen, kommen dürre Zeiten an dein Leben, so vergiß nicht, dass auch Israel in der Wüste nicht alle Tage an Wasserbrunnen und unter Palmen lagern konnte. Es sollte die Sehnsucht nach seinem Kanaan nicht verlieren. Erst in dem himmlischen Kanaan hast du alle Tage Palmen und Wasserbrunnen. Wenn dich Gott seine Freundlichkeit und deinen Kindesstand nicht täglich schmecken lässt, so will er dich durch solches Fasten zum Manne in Christo heranziehen. Du sollst stark werden und dich üben in dem Worte: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ - Dein ganzes volles Kindeserbe findest du erst droben. Hier gehest du mit deinem Gotte und Heilande um im Glauben, dort im Schauen. Hier schmeckest du seine Gnade in Unterbrechungen, dort hast du sie ununterbrochen und ewig. Dort gibt er dir die unverwelkliche Krone, dort sollst du als Kind mit dem Vater herrschen und regieren. Dort lernst du auch die ganze große Familie, alle deine Brüder und Schwestern kennen, die mit dir denselben Christus angezogen, dasselbe Heil ergriffen haben. Darum fahre du nur fort mit dem alten Neumeister:

Freudig sag' ich, wenn ich sterbe:
Ich bin ein getaufter Christ!
Denn das bringet mich zum Erbe,
Das im Himmel droben ist.
Lieg ich gleich im Todesstaube,
Doch versichert mich der Glaube,
Dass mir Meiner Taufe Kraft Leib und Leben wiederschafft.

Der lebendige Gott und der auferstandene Heiland kann sein Kind nicht im Tode lassen. - Mein Christ, vergiß deines Tauftages nicht. Hat jener wilde Mensch, der Ismael, zeitlebens an den Brunnen gedacht, wo ihn Gott zum Leben tränkte, haben seine wilden Nachkommen den Ort nicht vergessen, wie willst du die Stunde, die Stätte, den Brunnen vergessen, wo dich Gott zum ewigen Leben erneuert hat. Denke in Anfechtung, in Trübsal und Angst und endlich im Sterben an das Bad der Wiedergeburt. In der Anfechtung sei es dir eine Stärke, in der Trübsal eine Erquickung und im Sterben der Born des ewigen Lebens. Verkaufe das Erbe jener großen Stunde nicht um die Lust der Welt. Hilf, Herr Jesu, dass wir in dich gekleidet bleiben bis in Ewigkeit. Amen.

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