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Markus - Kapitel 12

Markus - Kapitel 12

(Leander van Eß)

Vom Weinberge, von der Steuer, von dem vorzüglichsten Gebote. Warnung vor Heuchlern. Das Opfer der armen Witwe.

1 Und Er fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Es pflanzte Jemand einen Weinberg, umgab ihn mit einem Zaun; ließ eine Kelter graben, einen Wachtthurm bauen; vermiethete ihn dann den Weingärtnern, und reisete außer Landes.
2 Zu seiner Zeit schickte er einen Knecht zu den Weingärtnern, um von den Weingärtnern die Frucht des Weinberges in Empfang zu nehmen.
3 Sie fielen aber über ihn her, schlugen ihn und schickten ihn leer zurück.
4 Abermals sandte er zu ihnen einen anderen Knecht; auch diesen verwundeten sie am Kopfe, und behandelten ihn mit Schmach.
5 Er sandte noch einen andern; auch diesen brachten sie um; so noch viele andere, die sie theils schlugen, theils tödteten.
6 Noch hatte er einen einzigen geliebten Sohn, auch diesen sandte er zuletzt an sie und sprach: sie werden doch für meinen Sohn Achtung haben!
7 Allein die Weingärtner sprachen unter einander: Dieser ist der Erbe; kommet, lasset uns ihn umbringen; dann sind wir die Besitzer des Gutes.
8 Sie fielen über ihn her, brachten ihn um's Leben, und warfen ihn zum Weinberge hinaus.
9 Was wird nun wohl der Herr des Weinberges thun? Er wird kommen, die Weingärtner tödten, und den Weinberg Andern übergeben.
10 Habet ihr nicht die Schriftstelle gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen, gerade der ist zum Grundstein geworden;
11 durch den Herrn ist es geschehen, und wunderbar ist es in unseren Augen.
12 Da hätten sie ihn gerne gegriffen, nur fürchteten sie das Volk; denn sie hatten wohl gemerkt, daß er dieses Gleichniß in Beziehung auf sie gesagt hatte. So ließen sie ihn, und gingen weg.
13 Darauf schickten sie zu ihm Einige von den Pharisäern und Herodianern, um ihn in Reden zu fangen.
14 Sie kamen und sprachen zu ihm: Lehrer! wir wissen, daß du wahrhaftig bist, du kümmerst dich um Niemand; und siehest nicht auf das Ansehen der Person, sondern du lehrest den Weg Gottes nach der Wahrheit. Ist es recht, dem Kaiser Abgaben zu geben, oder sollen wir sie nicht geben?
15 Er merkte aber ihre Arglist, und sprach zu ihnen: Warum fraget ihr mich so verfänglich? Gebet mir einen Denar her, und lasset mich ihn sehen!
16 Sie brachten ihm denselben. Da fragte er sie: Wessen ist dieses Bild und die Umschrift? Sie sagten ihm: des Kaisers.
17 Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Nun denn, so gebet dem Kaiser, was des Kaisers, aber auch Gott, was Gottes ist.
18 Es kamen auch Sadducäer zu ihm, welche die Auferstehung leugnen. Sie fragten ihn und sprachen:
19 Lehrer! Moses hat uns die Vorschrift gegeben: Wenn Jemandes Bruder stirbt, und sein Weib ohne Kinder hinterläßt; so soll sein Bruder die Witwe heirathen, und seinem Bruder Nachkommen erzeugen.
20 Nun waren sieben Brüder; der erste nahm ein Weib, und starb ohne Kinder.
21 Da heirathete sie der zweite; starb aber auch ohne Kinder; deßgleichen auch der dritte.
22 Alle sieben hatten sie zur Frau; aber mit ihr keine Kinder. Zuletzt, nach allen, starb auch die Frau.
23 Wann nun bei der Auferstehung jene auferstehen, wem unter ihnen wird die Frau gehören, denn alle sieben hatten sie zur Frau gehabt?
24 Und Jesus antwortete, und sprach zu ihnen: Seyd ihr nicht deßwegen so in Irrthum, weil ihr weder die Schrift, noch die Macht Gottes kennet?
25 Wann sie von den Todten auferstehen, dann werden sie weder zur Ehe nehmen, noch genommen werden; sondern sie sind wie die Engel im Himmel.
26 Was aber die Auferstehung der Todten betrifft, habt ihr im Buche Moses nicht gelesen bei dem brennenden Busche, wie Gott zu ihm geredet, da er sprach: Ich bin Abrahams Gott, Isaaks Gott, Jakobs Gott.
27 Nun aber ist Gott kein Gott der Todten, sondern der Lebendigen. Ihr irret euch also gar sehr.
28 Einer von den Schriftlehrern kam, der diese Unterredung mit anhörte, und fand, daß Jesus ihnen trefflich geantwortet hatte, und fragte ihn, welches das allererste Gebot sey?
29 Jesus antwortete ihm: Das allererste Gebot ist: Höre Israel! der Herr, dein Gott, ist ein einiger Gott:
30 du sollst also den Herrn, deinen Gott, von deinem ganzen Herzen, von deiner ganzen Seele, mit deinem ganzen Gemüthe und aus aller deiner Kraft lieben. Dieses ist das erste Gebot.
31 Das zweite ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ein anderes Gebot gibt es nicht, das wichtiger ist, als diese sind.
32 Der Schriftlehrer sprach zu ihm: Vortrefflich, Lehrer! ganz recht sagst du: Es ist nur ein Gott und kein Anderer außer ihm;
33 und ihn lieben von ganzem Herzen, mit ganzem Gemüthe, von ganzer Seele, und aus aller Kraft, und den Nächsten lieben, wie sich selbst, ist wichtiger als alle Brand- und Schlachtopfer.
34 Da Jesus sah, daß er weise geantwortet hatte, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reiche Gottes. Von jetzt an getraute sich Keiner mehr, ihm Fragen vorzulegen.
35 Ferner redete Jesus und sprach, lehrend im Tempel: Wie sagen die Schriftlehrer: Christus sey Davids Sohn?
36 Da doch David selbst im heiligen Geiste spricht: Der Herr sprach zu meinem Herrn, setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel dir zu Füßen lege.
37 David selbst nennt ihn also Herr, wie kann er denn sein Sohn seyn? Das zahlreiche Volk hörte ihm mit Lust zu.
38 In seinem Lehrvortrage sagte er ihnen auch: Hütet euch vor den Schriftlehrern, die gerne in langen Feierkleidern einhergehen, und an öffentlichen Plätzen gegrüßet seyn wollen.
39 in den Synagogen gerne den Vorsitz, und bei Mahlzeiten die ersten Plätze haben;
40 welche die Häuser der Witwen verschlingen, unter dem Vorwande langer Gebete. Diese werden desto strenger verurtheilt werden.
41 Nun setzte sich Jesus dem Opferkasten gegenüber, und sah zu, wie die Leute Geld warfen in den Opferkasten. Manche Reiche gaben ein Ansehnliches.
42 Da kam auch eine arme Witwe, die zwei kleine Stücke, ungefähr einen Heller betragend, hineinlegte.
43 Hier rief er seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich! ich sage euch, diese arme Witwe hat mehr gegeben, als alle Andere, die opferten;
44 denn Alle gaben aus ihrem Ueberfluß; diese hingegen gab bei ihrer Nothdurft Alles, was sie hatte, ihren ganzen Vorrath.

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