Zwingli, Huldrych - Aussage über die Widertäuffer vor den Nachgängern.

Meister Ulrich Zwinglin hat ausgesagt: Zum ersten seye Simon von Höng und Meister Löw gekommen, und habe sie beyde angefochten, daß sie eine besondere Kirche aufrichten sollten, darinnen ein Christliches Volck wäre, das auf das allerunschuldigste lebte, dem Evangelio vest anhieng, weder mit Zinsen noch anderm Wucher beladen wäre, und dergleichen. Diesen hätten sie in allweg freundlich und gütig abgewiesen.

Hernach seye auch Grebel zu ihnen gekommen, und habe sie auf gleiche Weise wie Simon von Häng angefochten; Sie haben aber auch denselbigen mit Freundlichkeit abgewiesen. Hierauf wären dieselbigen für sich fortgefahren, und hätten in der Neuen Stadt nächtliche Zusammenkünfften gehalten, in der Meinung eine besondere Kirche aufzurichten.

Neben diesem hätte Simon von Höng auf eine andere Zeit zu ihm gesagt: Es wäre nichts, wenn man nicht die Pfaffen zu tod schlüge, worauf er demselbigen die behörige Antwort gegeben. Nachdem er aber gehört, daß er (Zwinglin) dieses an einigen Orten wieder gesagt, hätte er es wiederum geläugnet; derowegen hätte er zu einer andern Zeit Herren Löw und Herren Caspar in dem Spital zu sich genommen, und in der selbigen Gegenwart Simon vorgehalten, wie er dieses geredt, und hernach wieder zurück gegangen, und solches geläugnet hätte; hierauf hätte er es neuerdings vor diesen zweyen gesaget.

Nach diesem wäre Simon abermal in dem Creutzgange zum Grossen Münster zu ihm gekommen, hätte mit ihm von den Zinsen und Zehenden geredt, und sich darbey vernehmen lassen: Er hätte den zwölffen zu Höng heiter heraus gesaget, sie wären weder Zinse noch Zehenden schuldig; und als er ihm deßwegen hart zugeredt und gesagt: Er hätte Unrecht gethan, und aus solchen Reden könnte viel Böses entstehen, hätte Simon das gesagte gern wiederum in sich geschluckt, und da er dieses nicht gekönnt, vorgewandt: Er hätte es nur den Zwölffen in geheim gesagt, und ihnen geboten, solches nicht weiter auszukündigen; jedoch hätte es einer schon weiter gesagt.

Item Simon und Grebel hätten mehrmalen mit ihm geredt, und gesaget, es müßten alle Dinge gemein seyn.

Ferner seye Felix Mantz zu einer Zeit zu ihm gekommen, und abermal der Kirche wegen einen Anzug gethan, und gesagt: Es müßte und sollte niemand in derselbigen seyn, als solche, welche wüßten, daß sie ohne Sünd wären, und als er ihn hierauf gefraget, ob er deren einer seyn wollte, hätte ihm Mantz keine rechte Antwort gegeben. Hätte auch in Löwen Hause, da sie ein besonder Gespräch mit einandern gehabt, ihm und seinen Amts-Genossen zugemutet, daß sie gar nichts predigen sollten, sie hätten sich dann zuvor mit ihnen darüber unterredt.

Item, es wäre ihm von einem glaubwürdigen Mann von Bern geschrieben worden, daß einer Nahmens Herr Martin (der sich eine Zeitlang hier bey den Widertäuffern aufgehalten) zu Bern geredt und gerühmt habe: Es beduncke ihn, die Täuffer hätten Recht, daß keine Obrigkeit seyn sollte. Gleicher Gestalt gefielen sie ihm wol in dem Artickel, von der Verharrung der Frommen, und der Gemeinschaft aller Dinge.

Wiederum hätte er von Herrn Probst Brennwald gehört, daß Georg Blaurock in dem Gefängnisse zu den Predigern zu einem Täuffer von Zollickon solle gesagt haben: Ob ihrer nicht so viel wären, daß sie sich meinen Herren widersetzen könnten, wenn man sie gleich mit einem Fähnlein überzöge?

Endlich wisse man auch wol, wie Conrad Grebel in dem öffentlichen Gespräche am letsten Montag solcher Gestalt geredt habe, als ob der Messias vorhanden wäre, da er nicht wissen könne, was und wen er darmit gemeint habe. Aus allem aber wäre leicht zu ermessen, daß der Täuffer Meinung seye, ihren Hauffen zu mehren, damit sie sich der Obrigkeit entschütten könnten.

Herr Anton Walder bestätiget gemeldte Aussage von Blaurock, und füget annoch bey: ER wisse wol, daß der Mann, zu welchem er solches gesagt, seines Nahmens ein Hottinger wäre, er wisse aber seinen Vornahmen nicht, sonst kennte er ihn wol von Angesicht; Man sollte aber nur Balthasar Rosenstock und Peter Helbling darum fragen. Dieselbigen würden es schon sagen können.

Quelle: Füßlin, Johann Conrad - Beyträge zur Erläuterung der Kirchen-Reformations-Geschichten des Schweitzerlandes, Band 3

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