Tholuck, August - Glaubens-, Gewissens- und Gelegenheitspredigten - Hebr. 10, 19-22

Tholuck, August - Glaubens-, Gewissens- und Gelegenheitspredigten - Hebr. 10, 19-22

Gnade von Gott dem Vater, Gnade von Gott dem Sohne, Gnade von Gott dem heiligen Geist sei mit uns allen. Amen!

Laßt mich, Geliebte in Gott, nun zum Schlusse unserer akademischen Gottesdienste noch eine freudige Gewissenspredigt hinzufügen zu denen, die ich gehalten habe! Wir haben gehandelt von dem anklagenden Gewissen, von dem verletzten Gewissen, von dem irrenden Gewissen. Laßt mich heute noch sprechen von dem durch Christum Jesum gestillten Gewissen; und dazu soll uns als Grundlage dienen das Wort des Briefes an die Hebräer, was wir im 10. Kapitel lesen vom 19. Verse an:

Ebr. 10, 19-22.

So wir denn nun haben, lieben Brüder, die Freudigkeit zum Eingang in das Heilige durch das Blut Jesu, welchen er uns zubereitet hat zum neuen und lebendigen Wege, durch den Vorhang, das ist, durch sein Fleisch; und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes: so lasset uns hinzugehen, mit wahrhaftigem Herzen, in völligem Glauben, besprenget in unsern Herzen, und los von dem bösen Gewissen, und gewaschen am Leibe mit reinem Wasser.“ -

Laßt uns hinzugehen, ruft uns der Apostel zu, los von dem bösen Gewissen!“ Wenn nun das die Leute hören, dürft das nicht gleich ein gar großes Bedenken machen? Los vom bösen Gewissen?“ kann da nicht einer kommen und sagen: Da sieht man denn, was Christen für Leute sind - leichtsinnige Leute, die nur ein Opfer haben wollen für ihre Sünden, um dann tapfer wieder darauf los zu sündigen. oder ein Anderer: „Da sieht man, was für Scheinheilige, Selbstgerechte sie sind, die schon meinen, hier auf Erden eitel Engel zu seyn, los von dem bösen Gewissen?“ So seht ihr also, müssen wir uns wahren und fragen - einmal: worin dieses Losseyn von dem bösen Gewissen besteht, sodann: wodurch dieses Losseyn von dem bösen Gewissen uns erworben ist, weiter: was dieses Losseyn von dem bösen Gewissen ausschließt, und endlich: wozu es uns auffordert!

So fragen wir uns denn, worin dieses Losseyn von dem bösen Gewissen, von dem der Apostel spricht, besteht! Worin besteht es? Das besteht nicht in dem Privilegium, weil wir ein Opfer für die Sünden haben, nun tapfer darauf los zu sündigen; auch nicht in dem Privilegium der Selbsttäuschung, daß wir schon Engel wären und unsre Gewissen uns Nichts mehr vorzuwerfen hätten. Son dern vernehmen wir nicht gleich aus dem Anfange unseres Textes, worin dieses Losseyn von dem bösen Gewissen besteht? In der Gewißheit, daß wir nunmehr, trotz eines anklagenden Gewissens, dennoch einen freien Zugang haben zum Heiligthum Gottes - wie es heißt: So wir denn nun die Freudigkeit haben zum Eingang in das Heilige!“ Wenn unser Apostel in dem Briefe an die Hebräer von dem Heiligen im Tempel spricht, da meint er immer das Allerheiligste, das Innerste des Tempels Gottes. Und wenn er nun an dieser Stelle gleichnißweise spricht: daß uns durch Jesum nunmehr der Zugang und Eingang eröffnet sei in das Allerheiligste, da meint er das geistliche Allerheiligste. Und welches ist dieses? Das ist die herzliche, vertraute, kindliche Gemeinschaft eines Sünders mit dem heiligen Gotte. Wo die ist, da schauen wir in das Allerheiligste der Religion hinein. Und wo uns in diesem Briefe davon geschrieben ist, daß der Eingang in das Allerheiligste uns eröffnet sei durch Jesu Blut, da ist unter diesem Allerheiligsten der Menschheit gemeint der innerliche Herzensverkehr, die freie vertrauliche Gemeinschaft eines verdammungswerthen Sünders mit dem heiligen Gott. Das ist der wunderbare, der neue Weg, der in Jesu Christo für die gottentfremdete Menschheit ist aufgethan worden. Nun sehen wir auch sogleich, wenn der Apostel hier spricht: So wir denn nun haben, lieben Brüder, eine Freudigkeit zum Eingang in das Allerheiligste der Menschheit durch das Blut Jesu- - da spricht er nicht zu den leichtsinnigen Sündern, da spricht er auch nicht zu den selbstgefälligen, selbstgerechten Sündern. Wenn er sagt: die Freudigkeit. da spricht er zu verzagten Gewissen, da spricht er zu verzagten Menschen, die es nicht wagen - weil sie nämlich die Anklagen, die gegen sie sprechen, vernehmen - in dieses Allerheiligste des Umganges mit dem heiligen Gott einzugehen. Von Engeln, von seligen Heiligen spricht er hier nicht; die haben keine verzagten Gewissen: wenn die im Chore singen: ,Heilig, heilig, heilig ist Gott' können sie mit Jubelruf in dieses Heilig ausbrechen. Aber wenn ihr, ihr Sünder, wenn ihr sollt bekennen: „Heilig, heilig ist Gott. ob da nicht der Jubel auf den Lippen verstummt? Wenn da sich nicht das Angesicht vor dem heiligen Gott erschrocken verbirgt, so kennt ihr euch selbst nicht! Nicht also von heiligen Engeln rühmt der Apostel: So wir denn die Freudigkeit haben;“ nein, er spricht zu solchen kleinmüthigen verzagten Gewissen, wie sie hier auf Erden gesucht werden müssen unter den Sündern und wie sie gefunden werden auch noch unter den Besten von uns allen. Denn was haben wir denn von dem Apostel Paulus in unseren früheren Predigten vernommen? Haben wir nicht vernommen: ob er sich wohl Nichts bewußt ist, daß er sich doch nicht für gerechtfertigt hält?- Und was haben wir von Jo. Hannes vernommen: So uns unser Herz anklagt, so ist Gott doch noch größer, als unser Herz, und weiß alle Dinge. während unser Gewissen nur wenig von uns selbst weiß! (1 Joh. 3, 20. ) Und was haben wir von dem Psalmisten vernommen: Herr vergieb uns unsere verborgenen Sünden'. Zu solchen Verzagten, solchen Kleinmüthigen spricht der Apostel: Nun freuet euch!“ - So wir nun haben die Freudigkeit zum Eingang in das Allerheiligste der Menschheit, in dem Verkehr mit dem heiligen Gott durch Jesu Blut, so ist damit ein Großes geworden, denn ist uns nicht damit gegeben der Muth zum Beten? Als man noch ein böses Gewissen mitbringen mutzte, als man noch hinzugehen mußte zum Throne des heiligen Gottes mit unvergebener Sünde, ach, da wurde der Gang so schwer, da brachte man die Worte nicht heraus, die man vor dem Heiligen auszusprechen hatte, da wendete man, sobald als man irgend konnte, den Rücken und wagte sich nicht vor sein Angesicht. O, wären wir lauter solche Gläubige, die, im Glauben stark, los geworden sind von dem bösen Gewissen durch Jesu Blut, müßte dann nicht auch mehr Zuversicht unter uns gefunden werden zum Beten, mehr Trieb zum Umgang mit Gott?

Laßt uns aber weiter gehen, damit wir noch deutlicher erkennen, wie mit diesem Losseyn von dem bösen Gewissen kein Privilegium gegeben ist weder den Leichtfertigen, noch den Scheinheiligen! - Laßt uns nämlich weiter sehen, wodurch dieses Losseyn von dem bösen Gewissen bewürkt worden ist! Wir lesen, daß durch diesen Jesum in seinem Blute uns ein neuer und lebendiger Weg bereitet ist durch den Vorhang feines Fleisches!- Das ist im Gleichniß gesprochen; es heißt also: - in jenes Allerheiligste, in das die ganze Menschheit hineinzudringen trachtet, ist uns durch Jesu Todesopfer hindurch der Weg bereitet worden. Denn wonach trachten denn alle Gebete und Opfer auf Erden? Sie trachten nach der Gemeinschaft des Sünders mit dem Herzen des lebendigen Gottes. - Das Allerheiligste, wie ihr wißt, das deckte ein schwerer Vorhang, den keine Menschenhand lüften durfte, keine Laien-, keine Priesterhand; sondern allein der Hohepriester einmal alljährlich, wenn er hineinging mit dem Opfer für die Gesammtschuld seines Volkes. Ein solcher schwerer Vorhang hat nun gelegen auf jenem geistlichen Allerheiligsten der Menschheit, auf dem Verkehr des Sünders mit dem heiligen Gott; und den Vorhang hat keine Menschenhand lüften können. Weise der Menschheit haben daran gerüttelt, Priester und Gesetzgeber haben daran gezogen - keine Menschenhand hat ihn lüften können! Die Versöhnung hat allein der stiften können zwischen Gott und Menschen, der Gottheit und Menschheit in einer Person vereinigte. Und auch der hat es nicht gekonnt, laut unseres Textes, so lange noch der Vorhang des Fleisches um ihn war, so lange dieser Vorhang noch nicht im Tode zerrissen war; denn so lange das Liebesopfer Jesu noch nicht gebracht war auf Golgatha, da konnte die Menschheit noch nicht hinter den Vorhang sehen in Jesu liebendes Herz; und so lange dieser Vorhang noch nicht gefallen war, so lange trennte er auch die sündige Menschheit von dem heiligen Gott. Als aber Christus sein Liebesopfer gebracht hatte auf Golgatha, da ist dieser Vorhang gefallen. Wir lesen, daß in derselben Stunde, wo das Liebesopfer des Sohnes Gottes auf Golgatha gebracht wurde, der Vorhang des Allerheiligsten im Tempel zerrissen ist von oben bis unten. Das war eine sinnbildliche Predigt für die Welt, daß nun das Allerheiligste für die Menschheit eröffnet sei, daß der neue Weg nun gefunden sei des Sünders zu der Gemeinschaft mit dem heiligen Gott. Das predigte der zerrissene Vorhang des Allerheiligsten in dem Augenblicke, wo der Vorhang des Fleisches von Jesu siel. - Einen neuen und lebendigen Weg zum Allerheiligsten nennt unser Text diesen Weg. Nun, neu genug war er; denn wer hätte sich diesen Weg, die Menschheit in das Allerheiligste Gottes einzuführen, je träumen lassen! Und wie ist dieser neue Weg noch jetzt dem alten Herzen des Menschen ein beständiger Anstoß! - Es ist aber auch ein lebendiger Weg gewesen; denn wir sehen, wie die Menschen, die auf diesem Wege gegangen, lebendig geworden sind in der Zeit und lebendig werden werden in der Ewigkeit - ein lebendiger Weg aber auch darum, weil er das Gefühl lebendig macht für Gottes Liebe und für Gottes Heiligkeit. Wo im Alten Testament und im Neuen Testament Sünden vergeben werden aus Gnade, da geschieht es nicht, ohne ein Gedächtniß dessen zu stiften, was die Sünde werth sei. Was die Sünde werth sei - die Bibel schließt es ein in das eine, im mannichfachsten Echo wiederklingende Wort: Tod. Ihr sollt des Todes sterben. so klingt es in dem Paradiese, der Tod ist der Sünde Sold. so klingt es durch die Menschheit und alle ihre Sünden hindurch. Fragt euch, ob es einen Ausdruck giebt, der passender bezeichnet, was die Folge der Sünde ist! Zeitliche Trennung im letzten Todeskampf, wo der Geist von dem Leibe sich trennen muß - geistlicher Tod, wo in Folge der Sünde die innere Verwesung eintritt, wo ein Glied des Geistes nach dem andern sich losreißt und der Modergeruch aus sündiger Seele dringt - ewiger Tod, das ist der tödtlichste aller Tode, das ist der Tod, an dem einer immer fort stirbt und doch nicht zu Ende sterben kann, das ist der Tod, wo der Mensch stirbt an der Trennung von Gott. - Von diesem Tode in allen seinen Arten, - denn auch noch andere ließen sich nennen - trägt jeder von uns einen Theil, und doch trägt keiner von uns den ganzen Tod, der der Sünde Sold ist - weil den nur der trägt, der den ewigen Tod stirbt, und weil hier auf Erden, in dieser Zeit, die sündige Menschheit noch unter der Langmuth Gottes steht. Darum mußte denn auch der, der von keiner Sünde wußte, und über den der Tod keine Macht hat, als er die ganze Gesammtschuld seines Volkes auf sich nahm und in das Allerheiligste seines Gottes ging, darum mußte auch der diesen Tod mit tragen - äußerlich: den Tod des Missethäters, innerlich: das Mitgefühl mit dem ewigen Solde der Sünder, auf daß mit der Vergebung der Sünde auch das Gedächtniß dessen auf Golgatha gestiftet würde, was die Sünde werth ist! Auf dem neuen und lebendigen Wege ist Jesus vorangegangen in das Allerheiligste Gottes; auf diesem neuen und lebendigen Wege wandeln seine Gläubigen.

So oft wir nämlich mit Freudigkeit dessen gewiß werden: „ich habe nun den Eingang in das Allerheiligste Gottes. da geschieht es nicht ohne das Gedächtniß der Bangigkeit, des Jagens, des Blutschweißes, welcher uns diesen Eingang erworben hat, des blutigen Pfades, auf welchem der vorangegangen, der diese Bahn gebrochen hat.

Ist nun das der Preis gewesen, um den das Gewissen ist los geworden, dann wissen wir auch, was solches Loswerden jedenfalls ausschließt - daß es nämlich ausschließt den Wahn des sittlichen Leichtsinnes, als gebe es ein Opfer für die, welche es nur verlangen, um tapfer darauf los zu sündigen. Das sind diejenigen, - und deren giebt's gar nicht wenige - die freilich von der Predigt sich angezogen fühlen, daß der Mensch von seiner Schuld los werden kann durch Christum; die aber - von der Schuld los werden möchten, und doch zugleich - o wie so gern! - in ihren Sünden beharren. O, das vernehme die Christenheit, soweit Ohren sind zu hören: wer von seiner Schuld los werden will durch Christum, der kann davon nur los werden, wenn auch der ernstliche Wille hinzukommt, von seiner Sünde los zu werden! Und was lesen wir nun in unserem Texte? für wen ist nach unserem Texte dieses Versöhnungsblut geflossen und wem ist dann der neue Weg bereitet worden? Denen ist er bereitet worden, die eine tiefe Sehnsucht haben, in das Allerheiligste einzudringen, einen Weg zu finden zu dem Herzen Gottes; und - die ihn nicht finden können, weil bei dem Versuche, ihn zu finden, der Cherub des anklagenden Gewissens mit seinem Flammenschwerte zwischen sie und ihren Gott tritt. Für solche Leute ist dieser Weg eröffnet, nicht aber für den leichtsinnigen Sünder. Und ebensowenig kann er eröffnet seyn für die Selbstgerechten, die Scheinheiligen, welche, nachdem sie durch den Glauben sind gerecht worden aus Gnaden, nun auch schon eitel Engel geworden zu seyn meinen auf Erden. Denn wie viele sind denn, die, nachdem nun dieser neue und lebendige Weg bereitet ist, ihn auch wandeln im völligen Glauben und beschreiten mit voller Zuversicht? Wie viele sind denn, die, nachdem dieser neue Weg eröffnet ist, nun auch darauf wandeln als neue Menschen, und nachdem die Gnade über sie so groß geworden, nun auch ihren Dank in Worten und Werken so groß werden lassen wie diese Gnade?

Endlich aber, damit wir es noch vollkommener erkennen, wie mit diesem Loswerden vom bösen Gewissen weder dem Leichtsinne, noch auch der Scheinheiligkeit ein Privilegium gegeben werde, laßt uns sehen, was der Apostel damit aufs innigste verbunden betrachtet, und wozu er hiemit auffordert.

So laßt uns hinzugehen mit wahrhaftigem Herzen, in völligem Glauben, besprengt in unserem Herzen, und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leibe mit reinem Wasser. Wie ein in Christo Jesu gestilltes Gewissen beschaffen ist, das wird uns hier näher beschrieben. Hier ist ein Hinzugang zum Heiligthum, eine Gemeinschaft mit Gott nicht mit jener Selbsttäuschung verbunden, wie sie bei denen gefunden wird, die wohl das Verlangen haben nach Vergebung ihrer vergangenen Schuld, aber ohne den Willen die zukünftige Sünde zu lassen: hier ist ein Zugang mit wahrhaftigem Herzen, das von der Schuld frei zu seyn verlangt - nicht um der Vergeltung willen, die auf die Sünde folgt, sondern um der Verdammlichkeit willen, die an ihr selber haftet, nicht um des bittern Nachgeschmacks willen der süßen Frucht, sondern weil die Frucht in sich selber so bitter schmeckt, denn die Sünde ist Feindschaft gegen Gott. Hier nun erst kann auch der Glaube völlig werden. Wie manchem bleibt der Weg zum Herzen Gottes auch noch nach der Vergebung verschlossen. Mancher, der die Predigt von der Vergebung der vergangenen Schuld ergriffen zu haben meint und es will doch dabei das Gewissen nicht zu nagen aufhören: gewöhnlich werden es nur die seyn, die Vergebung ihrer Schuld heischen und doch ihre Sünde nicht lassen wollen. Nur mit dem aufrichtigen Haß gegen die Sünde, weil sie eben Feindschaft gegen Gott ist, kann der Glaube an Vergebung der Sünde völlig werden. Und wo dieser Glaube völlig geworden, da ist auch das Gewissen gestillt. Da ist es, wie der Apostel es nennt: besprengt mit dem Blute Christi. d. i. theilhaftig dieses theuern Blutes der Versöhnung, das kräftiger zu Gott schreit als Abels des Gerechten Blut“ und die Stimme des innern Anklägers zum Schweigen bringt, mag seine Anklage lauten, worauf sie will. Mord, Meineid, Ehebruch, Gotteslästerung, in tausendfachem Grade verübt - wer mag verdammen, wenn Christus uns vertritt? wer mag uns beschuldigen, wenn Gott hier ist, der uns gerecht macht? Ist Einer gestorben, so wissen wir, daß sie alle gestorben. „ Und da wir, wie der Apostel spricht, so viel wir getauft sind, getauft sind auf seinen Tod, so sind wir auch dieses seines Todes theilhaftig geworden und haben Christum angezogen. So sind wir denn nun auch, wie unser Text spricht, rein gewaschen durch diese todeskräftige Taufe an unserm Leibe in unserer Taufe - zum Zeichen, daß unser inwendiger Mensch losgeworden vom bösen Gewissen, also daß wir nunmehr Gott dienen sollen im neuen Wesen des Geistes. Denn da Gott . dies alles Mir hat gethan, seine große Lieb' zu zeigen an. da er diesen neuen Weg Mir aufgethan, damit ich, auch trotz eines anklagenden Gewissens, doch als ein freies Kind der Gnade, das kein Richter verdammen kann, zum Throne meines Gottes hinzutrete: wie sollte ich diesem Gotte nun Nicht auch in einem neuen Wesen des Geistes zu dienen trachten?

So steht's mit dem in Jesu Christo gestillten Gewissen, so steht's mit Christen, die in Christo Jesu vom bösen Gewissen losgeworden. Sie sind keine Selbstgerechte, Scheinheilige, denn sie gestehen es, daß, wenn ihr Gewissen sie hart anklagt, es nicht Unrecht hat. Sie sind aber auch keine leichtfertigen Sündendiener, denn sie erkennen, was die Sünde an sich verdient und was der Herr Christus es sich hat kosten lassen, der Sünde Sold für sie zu tilgen und sie vom bösen Gewissen loszumachen. Sie sind aber endlich auch nicht trübselige Heilige, denn sie wissen, daß trotz ihres anklagenden Gewissens sie doch den freien Zugang zum Vater und die Kindesrechte haben.

O unbegriffner Gnadenwillen,
Des Sünders seligste Erhebung,
Das heißt Gewissen göttlich stillen,
Wo ihre Stillung auch Belebung.

O Gnadenwunder ohne Gleichen:
Der Schuld entladene Gewissen,
Die mit dem armen Sünderzeichen
Zugleich das Kindesrecht genießen.

Die, ob auch undurchdringliche Gehege
Sich zwischen Kind und Vater breiten,
Doch auf ganz neu gebrochnem Wege
Getrost zum Gnadenthrone schreiten!

Amen!

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