Tauler, Johannes - Neunzehnter Brief.

Mit Inbrunst sollen wir den Weg Gottes wandeln.

In Christo Jesu, seine unermeßlichsten, unaussprechlichen und liebevollen Gaben! O ihr allerliebste Schwestern! lernet in aller Keuschheit und Demuth stets allerreinst und allerfeurigst in dem Wege gehen, der da leitet zu dem höchsten Gut, das weit alles übertrifft, was diese Welt und alle Creaturen geben können, und kehret all euer Gemüth und Begehren mit allen euren Kräften zu dem himmlischen Leben. Dieser Weg wird angefangen in Abbrechung aller Lust, mit der allerlautersten, unvermengten Meinung, und wird durchlaufen mit wallenden Begehrungen, und wird vollendet mit der allerbrennendsten Liebe, in wallender Gunst und in einem unaussprechlichen Kosten der unermeßlichsten Güte Gottes. In diesem überwonniglichen Wege stirbt unser alter Mensch mit allen seinen Weisen und verkehrter Ueppigkeit, und unser neuer Mensch wird lebendig gemacht und umgewandelt in dasselbe und in die Gleichheit der allerübergänglichsten Dreifaltigkeit Gottes. Mit aller Liebe, mit der ich kann, bitte ich euch, daß ihr durch denselben, denselben bittet, daß er uns alle zusammen einleite, mitleite und durchleite in den vorher genannten allerübergänglichsten Weg, der Jesus Christus selbst ist.

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