Tauler, Johannes - Siebenzehnter Brief.

Der rechte Weg, um Gott mit Inbrunst zu suchen.

In Christo Jesu! Ich wünsche euch, meine liebe Schwestern, innerliche Liebe, reichlich reizende Wirksamkeit und ein kurzes Durchgehen in rechter Gelassenheit, dann ein Bleiben in der göttlichen Finsterniß sonder Weise, und daß alle andern, innerlichen und äußerlichen Hebungen nicht aus Gewohnheit oder aus eigenem Gutdünken gewirkt werden, sondern aus rechter Bescheidenheit und aus göttlicher Meinung, in sanftmüthiger, lediger Gelassenheit.

Darum bitte ich euch durch die Liebe Gottes, daß ihr euch beibleibend und abgeschieden haltet, und euch demüthig und sanftmüthig unter Gort und unter alle Creaturen beuget in rechtem Gehorsam und in Gelassenheit, und daß ihr eurer selbst und eures Herzens ernstlich wahrnehmet, und der Werke Gottes in euch, und euch ihm gänzlich lasset in allen Auffallen von innen und von außen, und auf ihn ganz und gar vertrauet, wie furchtbar und wie finster es euch in der Natur ansteht; immer allein nehmet eurer Meinung wahr, daß ihr nichts anderes suchet oder meinet, denn die Ehre Gottes und seinen allerliebsten Willen. So wird der göttliche Stern in euch aufgehen, der Wegweiser, das wahre Licht, das Gott selbst ist, und wird euch weisen, wo, wie und was er von euch haben will. Der leite euch durch euch selbst und durch alle Dinge in sich.

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