Spurgeon, Charles Haddon - Zitate

Alle eure Sorgen werfet auf ihn

Wirf deine und Sorgen dahin, wohin du deine Sünden geworfen hast: in die Tiefe des Meeres. Lass nie eine Not oder eine Sorge eine Stunde auf deinem Herzen liegen, ohne daß du sie deinem himmlischen Vater klagst. Das erste, was du tun musst, wenn die Not kommt, ist, daß du es ihm sagst. Je länger du damit zögerst, um so mehr wird dein Friede gestört.

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Arbeit

Jede rechtmäßige Arbeit kann durch das Evangelium auf das schönste geziert werden.

Beten ohne Inbrunst

Beten ohne Inbrunst ist so gut wie jagen mit einem toten Hund; beten ohne innere Vorbereitung ist so gut wie mit einem blinden Falken auf die Beize gehen.

Christi Verherrlichung beim Abendmahl

Und nun möchte ich, daß wir so zum Tisch des Herrn kommen, daß Christus selbst hier in uns verherrlicht werde. Du kannst am Tisch des Herrn sitzen und ein feines Kleid oder einen Diamantring tragen und magst dir einbilden, daß du eine sehr wichtige Persönlichkeit bist; aber du bist es nicht! Du magst zum Tisch des Herrn kommen und sagen: „Hier kommt ein erfahrener Christ, der etwas zu erzählen weiß!“ Auf diese Weise verherrlichst du Christus nicht, denn du bist nur ein armseliges Nichts. Aber wenn du kommst und sagst: „Herr, ich habe kein Verdienst und keine Würde; ich komme, weil Du für mich gestorben bist; ich vertraue Dir“ - dann verherrlichst du Ihn. Der am meisten von Ihm nimmt und Ihm dann am meisten zurückgibt - der ist's, der Jesus am meisten verherrlicht. Komm, leeres Gefäß, lass dich füllen, und wenn du gefüllt worden bist, dann schütte alles aus zu den Füßen Dessen, der dich gefüllt hat.

Christus, der einzige Gesetzgeber seiner Gemeinde

Wir sprechen jedem König und jedem Parlament das Recht ab, der Gemeinde Christi Gesetze vorzuschreiben. Das mag bei irgendeiner Volks- oder Landeskirche geschehen, bei Christi Gemeinde darf es nicht sein. In den christlichen Gemeinden, wo Christi Autorität anerkannt wird, ist die Bibel das einzige Gesetzbuch und der lebendige Christus der einzige Gesetzgeber, und Er ist es allein, der diesen Gesetzen Autorität gibt. Wenn Er uns gebietet, zu taufen, so taufen wir nicht, weil wir von einem Konsistorium dazu autorisiert oder von einem Bischof oder Presbyter bevollmächtigt sind, sondern wir taufen, weil Christus gesagt hat: „Darum geht hin und lehrt alle Völker und tauft sie in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Wenn wir zusammenkommen, das Brot zu brechen, so geschieht das nicht im Namen einer Gemeinschaft oder eines Gerichtshofs, sondern in dem Namen Jesu Christi. Wenn wir unsere Gemeindepraxis auf die Autorität eines Augustin oder Chrysostomus oder Calvin oder Luther gründen oder auch unseren Glauben gründen auf einen lebenden Prediger oder auf die Macht seiner Beredsamkeit oder auf das Zwingende seiner Beweisgründe, so setzen wir Christus von seinem Platz ab. Der Grund, aus dem wir die geoffenbarte Wahrheit glauben sollten, ist, weil Christus sie bezeugt hat.

Das Abendmahl, ein Fest der Ruhe

Die Ruhe, die Jesus gibt, wird durch diese Vorschrift veranschaulicht. Der Abendmahlstisch scheint euch zuzurufen: „Ich will euch erquicken!“ Ich fordere euch nicht auf, hier auf die Plattform zu kommen und niederzuknien und das Brot aus meiner Hand zu empfangen, und dann wieder zurückzugehen; sondern ich fordere euch auf, ganz ruhig, so ruhig ihr nur könnt, zu sitzen, weil das bei dem Mahl des Herrn die rechte Haltung ist. Als Christus mit den Jüngern das Brot brach, saßen die Jünger nicht einmal, sondern sie lagerten sich gleichsam um den Tisch. Der rechte Sinn des Abendmahls würde auch verlorengehen, wenn ihr vortreten und hier niederknien müsstet Es ist ein Fest der Ruhe, und wenn ihr zu diesem Fest kommt, habt ihr nichts zu tun, als zu essen und zu trinken.

Das Abendmahl, eine Stätte des Gesanges

Während die Hirten zwischen ihren Schafen dasaßen, stimmten sie ihre Pfeifen und trillerten ihre lieblichen Weisen, und das war völlig in Harmonie mit der ländlichen Ruhe und Stille, die sie umgab. Alles war still; die Sonne leuchtete hell, und zwischen den blätterreichen Zweigen sangen die Vögel ihre lieblichen Melodien. Tue ich Unrecht, wenn ich euch auffordere, euch im Geist mit jenen ruhenden Hirten zu vereinigen? Warum sollten wir, während wir um seinen Tisch sitzen, nicht singen: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zu frischem Wasser“? Wenn es unter den Sternen einen Platz gibt, wo man sich vollkommen ruhig und leicht fühlen kann, dann ist es sicher der Tisch des Herrn am Tage des Herrn. Hier lasst uns denn unserem großen Hirten ein wonniges Hirtenlied singen. Und lasst gern das Blöken der Schafe in unsere Ohren dringen, während wir des guten Hirten gedenken, der sein Leben für seine Schafe gelassen hat.

Das Bedürfnis beständiger Reformation

Eine einmalige Reformation kann der Kirche nicht genügen; sie bedarf der beständigen Reinigung, gleich einer großen Uhr, die beständig aufgezogen und von neuem reguliert und gereinigt werden muß. Die kühne Lehre, welche Luther ans Licht brachte, wurde nach einiger Zeit schon ein wenig modifiziert, bis eine Lage auf die andere folgte und schließlich die alte Felsenwahrheit wieder bedeckt wurde und auf der Oberfläche allerlei grüne und blumige Irrtümer aufwuchsen, welche zwar ganz schön aussahen, aber mit der ursprünglichen Wahrheit gar keine Ähnlichkeit mehr hatten. Da kamen kühne Männer, welche die Wahrheit wieder hervorholten und sagten: „Hinweg mit dem Schutt; diese trügerischen Schönheiten müssen weggeräumt werden; wir bedürfen ihrer nicht, aber wir müssen die alte Wahrheit wieder haben.“ Und das Evangelium wurde wieder ans Tageslicht gebracht und von seinen Banden befreit. Aber die Neigung der Kirche geht beständig dahin, diese nackte Einfachheit zu verhüllen; sie vergisst, daß die Wahrheit nie so schön ist, als wenn sie in ihrer eigenen, ungeschminkten, von Gott ihr gegebenen Herrlichkeit dasteht. Und in dieser unserer Zeit bedürfen wir es aufs neue wieder, daß die alte Wahrheit hoch auf den Leuchter gestellt werde, daß sie von Männern gepredigt werde, deren Lippen mit der Kohle von dem Altar berührt worden sind. Das wird dann die Zeit sein, da große und gründliche Erweckungen im Lande offenbar werden.

Das Bedürfnis des Heiligen Geistes in der Gemeinde

Ohne den Geist Gottes sind wir gleich einem Schiff, das an die Küste geworfen ist, und nachdem sich die Flut zurückgezogen hat, nicht zu bewegen ist, bis die Flut wiederkommt und es aus dem Sand aufhebt. Wir sind gleich jenem Schiffe, von dem wir kürzlich gelesen haben, das im fernen Eismeer festgefroren war. Ehe der Geist Gottes nicht die frostige Kälte unseres natürlichen Zustandes auftaut und eine neue Lebensflut über uns bringt, können wir uns nicht bewegen, sondern liegen kalt, leblos und kraftlos da. Der Christ ist gleich dem Seemann von dem Hauch des Himmels abhängig, wenn sich die Barke weiter bewegen soll. Wir sind gleich den Pflanzen auf dem Felde, und diese Frühlingszeit legt uns dieses Bild nahe: den ganzen Winter hindurch schläft die in ihre frostigen Gewänder eingehüllte Vegetation, sobald aber der geheimnisvolle Einfluss des Frühlings sich geltend macht, tut sich ihr Kleid auf und auf ihrem Busen zeigen sich die vielen Farben in den sich öffnenden Blumen. So liegt auch wohl eine Gemeinde zuweilen in einem langen, schrecklichen Winterschlaf, bis Gott der Heilige Geist die Bande der Untätigkeit löst, und die Herzen anfangen, zu knospen und zu blühen.

Das besondere Volk des Herrn

In einem gewissen Sinn gehört Gott alles Fleisch. Alle Menschen sind sein Eigentum durch das Recht der Schöpfung, und Er allein ist aller Herrscher. Aber Er blickt auf die Menschenkinder herab, erwählt einige von ihnen und spricht: „Diese sollen mir ein besonderes Volk sein. Dieses Volk habe ich mir zugerichtet; es soll meinen Ruhm erzählen.“

Als der König von Navarra um seinen Thron kämpfen musste, hieß es von ihm, daß er mit einem sehr ernsten Blick die Feinde überschaute, und daß, als er auf sein Volk blickte, ihm die Tränen in seine Augen traten, und als er sah, daß auch die Franzosen in Waffen gegen ihn dastanden, sprach der milde Heinrich: „Kein Franzose ist mein Feind, schlagt die Feinde, aber lasst die Brüder gehen.“ Der König blickte auf sein Volk, selbst als es sich gegen ihn auflehnte, und über sie hatte er andere Gedanken als über seine Feinde. „Lasst sie gehen,“ schien er zu sagen, „sie sind mein Volk.“

So ist es in den großen Kämpfen dieser Welt, wenn Gott die schwere Artillerie des Himmels loslässt Er blickt ernst auf seine Feinde, aber wegen seines Volkes hat Er Tränen in seinen Augen. Er ist stets zärtlich gegen die Seinen. „Schont mein Volk,“ spricht Er, und die Engel treten ein, damit seine Auserwählten ihren Fuß nicht an einen Stein stoßen.

Das Geheimnis des Abendmahls

Siehe hier das ganze Geheimnis des heiligen Abendmahls: Brot und Wein, die lebendigen Embleme des Leibes und des Blutes Jesu. Die Kraft, das Gedächtnis aufzufrischen, liegt darin, daß sich beides an die Sinne wendet. Hier findet das Auge, die Hand und der Mund erfreuliche Arbeit. Das Brot wird genossen und wirkt auf den Geschmackssinn, den kräftigsten der Sinne, ein. Der Wein wird getrunken; wir wissen, daß wir trinken, und so werden die Sinne, die der Seele gewöhnlich nur eine Beschwerde sind, Schwingen, die den Geist zu höheren Betrachtungen erheben. Auch liegt der Einfluss dieser Vorschrift zum großen Teil in ihrer Einfachheit. Wie wundervoll einfach ist die Zeremonie: gebrochenes Brot und ausgegossener Wein. Hier wird das eine nicht Kelch, und das andere nicht Hostie genannt. Hier ist nichts, was das Gedächtnis beschwert; hier ist einfach Brot und Wein. Wer sich nicht erinnern kann, daß er Brot gegessen und Wein getrunken hat, der hat überhaupt kaum noch ein Gedächtnis.

Beachte die große Fruchtbarkeit, die Fülle in diesen Zeichen; sieh, wie inhaltsreich und sinnreich sie sind. Gebrochenes Brot - so wurde unser Heiland gebrochen; Brot, das gegessen wird - so ist sein Fleisch die rechte Speise. Ausgegossener Wein, der ausgepresste Traubensaft - so wurde unser Heiland unter dem Fuß der göttlichen Gerechtigkeit gepresst: sein Blut ist euer süßester Wein. Wie Wein das Herz erfreut, so erfreut uns das Blut Jesu; Wein, der euch stärkt und belebt - und so belebt euch das Blut des mächtigen Opfers. O nehmt dieses Brot und diesen Wein zu süßen und seligen Hilfsmitteln der Erinnerung an den lieben Mann, der einst auf Golgatha starb. Gleich jenem einzigen Schaf jenes armen Mannes darfst du deines Herrn Brot essen und aus seinem Becher trinken. O gedenke sein, der dich nährt!

Das heilige Abendmahl

Wir haben manche Schatten, die sehr köstlich sind. Da sind die Schatten der Verordnungen Christi, die Taufe und das Abendmahl. Ich rede von ihnen mit der größten Ehrerbietung; aber an und für sich sind sie nur Schatten, die wir benötigen, weil wir uns im Schattenland befinden. Wer im Wasser untergetaucht ist, ist darum noch nicht mit Christus begraben. Das Begräbnis mit Christus ist die Wirklichkeit; das Untertauchen im Wasser ist nur der Schatten. Wer am Tisch Christi isst und trinkt, isst darum noch nicht sein Fleisch und trinkt darum noch nicht sein Blut. Das Brot und der Wein - obgleich beides wesenhaft aussieht - sind nur Schatten. Das wahre Fleisch und Blut Jesu - das ist das Wesentliche, und dem Glauben ist es gegeben, von diesen himmlischen Dingen zu zehren. Diese Schatten sollen nur dauern, bis der Tag anbricht und die Schatten endgültig weichen, denn beachte: „So oft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch des Herrn trinkt, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß Er kommt!“ Wenn Er kommt, bricht der Tag an und die Schatten - selbst die seligen Schatten - weichen.

Das Kolosseum zu Rom und die Gemeinde Gottes

Als ich einst in Rom im Kolosseum stand und mich in diesem ungeheuerlichen Bau der Sünde umblickte und bemerkte, daß die Mauern hier und da morsch geworden und abgebröckelt waren, konnte ich nicht umhin, Gott von ganzem Herzen dafür zu preisen, daß die Gemeinde noch existiert, während das Kolosseum zur Ruine geworden ist. Jedermann, der seiner Zeit hätte beobachten können, wie die Augen von Tausenden und Abertausenden auf die Leiden und den Märtyrertod der Christen gerichtet waren, würde bei sich gesagt haben: „Das Christentum wird ausgerottet werden, aber dieses fest und stark gebaute Kolosseum wird bestehen bis an das Ende der Zeit.“ Doch siehe da, das Kolosseum ist eine Ruine geworden, und die Gemeinde Gottes ist stärker und fester und herrlicher denn je.

Das Streben nach Reinheit

Wenn ein Mensch einen Splitter oder sonstigen fremden Gegenstand in seinem Finger oder Körper hat, so kann er nicht ruhen, bis er diesen toten Gegenstand entfernt hat, und ob es auch unter vielen Schmerzen geschehen muß. So ist es mit der christlichen Gemeinde. Sie mag viele tote Glieder in sich haben, sobald sie aber anfängt, recht lebendig zu werden, sobald sie kräftig wird durch den Geist Christi, ist ihre erste Bemühung darauf gerichtet, das tote Wesen und die fremden Substanzen auszuscheiden, ob es auch viele Schmerzen machen sollte und obgleich sie an äußerlich er Schönheit verlieren müsste Und wo dieser Prozess sich vollzieht - wenngleich wir diejenigen herzlich bemitleiden, die da ausgeschieden werden - können wir doch an innerer Gesundheit nur gewinnen und können Gott für das kräftig gewordene Leben danken.

- Livingstone war als Missionar stets besorgt und bemüht, eine große Gemeinde zu vermeiden, die aus bloßen Namenchristen bestand. „Nichts,“ so schrieb er, „nichts kann mich dazu bewegen, eine unreine Gemeinde zu gründen. Es klingt ja ganz schön, im Missionsbericht lesen zu können: „Da und dort sind fünfzig Seelen der Gemeinde hinzugetan worden;“ aber welchen Wert hat an jenem Tage die große Zunahme, wenn von den fünfzig nur fünf echt waren?“

Whitefield pflegte öfter zu sagen, daß er lieber eine kleine Gemeinde von zehn Männern, die vor Gott richtig ständen, haben möchte, als eine große Gemeinde von mehr als fünfhundert Gliedern, über welche sich der Teufel und die Welt ins Fäustchen lache.

Das untrügliche Denkmal

Ich denke, daß Geschichtsschreiber es stets als einen der besten Beweise für eine Tatsache angenommen haben, wenn sie irgendwo einem Ritus begegnet sind, welcher vielfach beobachtet worden ist. Nun ist zwar nicht immer ein Denkmal mit einer Inschrift ein sicherer Beweis für die verzeichnete Wahrheit, denn es mag vorkommen, daß Säulen errichtet werden, die durch ihre Inschriften Ereignisse berichten, welche sich nie zugetragen haben. Aber als allgemeine Regel kann man schon annehmen, daß verschiedene große Körperschaften sich nicht darauf einlassen werden, wieder und wieder Ereignisse zu feiern, die nie geschehen sind. Nun hat uns unser Herr diese einfache Methode gelehrt, Brot zu brechen und Wein zu trinken - unsere Art und Weise, eine Säule zu errichten, eine große historische Tatsache zu verzeichnen und weiterzugeben: daß in Judäa ein Mann gelebt hat, der bekannte, der Sohn Gottes zu sein, ein Mann, der der König der Juden war, der ein sehr bescheidenes Leben führte und eines wunderbaren Todes starb. Keine Tatsache in der Geschichte ist so gut bezeugt, so daß selbst die, die die Inspiration der Schrift aufgegeben haben, doch das Leben und den Tod Jesu als Tatsache anerkennen. Und heute wird in unserem Land vielleicht an fünfzigtausend Orten diese Gedächtnisfeier des Brotessens und Weintrinkens beobachtet. Durch diese einfache Tat helfen wir, die Tatsache, daß Jesus starb, auf die nachfolgenden Geschlechter übertragen; wir verkündigen des Herrn Tod, bis daß Er kommt.

Das Wort unseres Herrn

Der Herr Jesus verleiht öfter seinen leidenden Heiligen einen ungewöhnlichen Einblick in die tiefen Dinge seines Wortes und eine außergewöhnliche Freude beim Nachdenken über dieselben. Krankheit und Schmerz sind oft die Finger Jesu gewesen, womit er die Salbe der erleuchtenden Gnade auflegt.

Wir lernen mehr wahre Theologie durch unsere Leiden, als durch unsere Bücher. Der große Reformator sagte: „Das Gebet ist das beste Buch in meiner Bibliothek.“ Er hätte die Trübsal als das nächstbeste nennen können. Krankheit ist der beste Doktor der Theologie in der ganzen Welt und Leiden die beste Auslegung der Schrift. Dies ist eins, daß unser Herr weise ist in seinem härtesten Verfahren mit uns. Ja, er ist freundlich gegen uns mitten im Leiden, denn ist es nicht Freundlichkeit, die uns ein wenig Schmerz bereitet um eines unendlichen Vorteils willen. Er nimmt uns das Geld aus der Kiste, um es uns mit hohen Zinsen wieder zufließen zu lassen.

Der alte Mensch ist noch nicht tot!

Ein respektabler Mann, den ich sehr gut kenne, erzählte mir kürzlich ein Erlebnis aus seinem Leben. Er hatte an einem sehr nebligen Tag mit seinem Pferd und Wagen irgendwohin zu fahren. Auf dem Weg kam ihm ein anderes Gefährt entgegen, und die Pferde stießen zusammen; „Doch,“ sagte er, „wir kamen noch gut auseinander.“ - Aber dann kam einer angefahren, der wie ein Gentleman aussah; er fuhr sehr schnell und gerade auf den Wagen meines Freundes los. Anstatt sich aber zu entschuldigen, wurde er ärgerlich und schlug ihn mit seiner Peitsche ins Gesicht. Mein Freund ist ein entschiedener Christ; doch er sagte: „Ich fühlte, daß der alte Mensch noch in mir lebte; ich hätte ihm wohl mit meiner Peitsche eins wiedergeben mögen, aber ich tat es doch nicht. Als ich nach Hause kam, sagte ich: 'Der alte Mensch ist noch nicht tot. Wenn er tot gewesen wäre, würde ich auch keinen Augenblick eine Erregung empfunden haben. Ich hielt ihn zwar nieder, aber ich fühlte doch, daß ich zornig wurde, und das tat mir weh, und ich sagte zu mir: Nun bist du schon seit so vielen Jahren ein Christ, und der alte Mensch ist doch noch am Leben.'“

So ist er auch wohl noch in einem jeden unter uns. Er liegt auf der Lauer in der Ecke; aber der Tag wird kommen, da auch kein Überrest vom Bösen, keine Spur von der Sünde mehr vorhanden sein wird, und im Himmel werden wir singen: „Er hat uns erlöst von unseren Sünden mit seinem Blut. Er hat auch den letzten Rest, jede Neigung zur Sünde, jede Möglichkeit des Sündigens, hinweggenommen;“ denn es steht geschrieben: „Sie sind unsträflich vor dem Stuhl Gottes.“

Der bewahrende Hirte

Folgendes Zwiegespräch illustriert die Sicherheit der Gemeinde Christi durch die Gegenwart des Herrn. Als die Juden aus der Gefangenschaft zurückgekehrt waren und alle Heiden um sie her sich sehr feindlich gegen sie zeigten, traf eines Tags ein Heide mit einem Juden zusammen und fragte ihn, wie er und seine Glaubensgenossen sich nur einbilden könnten, daß sie in Sicherheit wohnen könnten. „Da ist ja doch,“ sagte er, „jeder einzelne von euch wie ein einfältiges, wehrloses Schaf, das gleichsam von fünfzig Wölfen umgeben ist.“ „Das ist ja wahr,“ antwortete der Jude; „aber du musst wissen, daß wir von einem Hirten beschützt werden, welcher, wenn es Ihm gefällt, alle diese Wölfe töten kann und seine wehrlosen Schafe zu bewahren weiß.

Der Christ - eine neue Schöpfung

An gewissen Stellen wird eine Meinung aufgebracht, daß die Kinder frommer Eltern, wenn nicht die ganze Menschheit, Kinder Gottes sind durch ihre erste Geburt, und daß es nur der Erziehung und der Einwirkung gewisser Einflüsse bedarf, so werden sie sich zu Christen entwickeln, wenn sie zu Männern und Frauen erwachsen. Ein Theologe sagt, daß unsere Kinder keine Erziehung nötig haben sollten. Diese Lehre ist grundfalsch, denn die besten der Kinder sind von Natur Erben des Zorns wie die anderen. Die Gnade Gottes in der Seele ist eine neue Schöpfung, nicht die natürliche Entwicklung frommer Erziehung und Bildung, die auf das angeborene Gute des Menschen wirken; in der Tat, es gibt gar kein solches Gutes; das ist durchaus eine Träumerei. Der neue Mensch in Christo ist nicht die alte Kreatur, gewaschen und in die Schule geschickt und veredelt durch den „Fortschritt des Gedankens und der Bildung.“ Nein, der Mohr kann nicht seine Haut wandeln, und der Panther nicht seine Flecken; tut was ihr wollt, er bleibt ein Mohr oder ein Panther; aber der neue Mensch ist ganz und gar eine andre Kreatur

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Der Garten der Gläubigen

Das Bild von einem Garten ist ein sehr liebliches und anziehendes. Ich brauche euch nicht zu sagen, wie viel Geschmack sich da entfalten läßt und wie viel Vergnügen die Kultivierung eines solchen Stückchen Landes gewährt. Allerdings bedarf ein Garten der beständigen Sorgfalt, und wenn er auch zu einer Zeit schöner sein mag als zu anderen Zeiten, so ist er doch nie aller seiner Reize beraubt und gleicht nie einer wilden Heide. So ist es etwas Schönes um eine christliche Gemeinde, in der die lieblichen Blumen der Gnade blühen und die Früchte des Geistes reifen, in der alles wohlgeordnet ist und nur auf Reinigung acht gegeben wird. Es ist köstlich, so von einem Fenster aus einen wohlgepflegten Garten überblicken zu können. Ich habe auch manche Gärten gesehen, die zu Häusern gehören, bei denen der Eigentümer für jedes Glied seiner Familie ein Stückchen abgeteilt hat. So ist es stets gut, wenn jedes Gemeindeglied ein Fleckchen hat, das sein Herz und seine Hände beschäftigt, um den ganzen Garten schöner zu gestalten, und ich wünsche, daß jeder mit Lust und Freude auf die zarten Blüten und wohlduftenden Blumen schauen kann, auf die er seine Mühe und Sorgfalt verwendet hat.

Der Herr, eine feurige Mauer

Eine gläubige Dame träumte vor nicht langer Zeit einen Traum, der nicht ein Traum, sondern eine Tatsache ist. Sie sah sich selbst von Gott umgeben; unter ihr und ringsumher war ein heller Lichtglanz, und während sie sich inmitten der Herrlichkeit stehen sah, bemerkte sie, wie alle ihre Schmerzen und Sorgen und Trübsale und Bekümmernisse, ihre Sünden und Versuchungen außerhalb der feurigen Mauer umherirrten und sie nicht erreichen konnten. So lange sich der Lichtglanz nicht öffnete und den Feinden einen Weg bahnte, war sie vollständig sicher, obgleich sie die Gefahren wohl sehen konnte, welche sie sonst leicht vernichtet haben würden. Ist nicht der Herr eine feurige Mauer um sein Volk her und seine Herrlichkeit darin?

Der Wert des Abendmahls

Oft ist mir das Abendmahl viel mehr zum Segen geworden als eine Predigt. Es hat dieselbe belehrende Kraft; aber diese ist lebendiger. Oft wird der Herr von uns erkannt im Brotbrechen, während unsere Augen während seiner Rede verschlossen sein mögen. Ich kann einen guten Sinn in dem Ausspruch Heinrichs III. von Frankreich finden, in dem er sagt, daß er die Abendmahlsfeier einer Predigt vorzieht: „Ich will meinen Freund doch lieber sehen als von Ihm hören.“ Ich liebe es, wenn von meinem Herrn gesprochen wird, denn so sehe ich Ihn oft, und ich sehe Ihn im Abendmahl nicht anders als in einer Predigt; aber wenn mein Auge manchmal vom Weinen schwach oder vom Staub getrübt ist, passt mir die Doppelbrille von Brot und Wein am besten.

Die Elemente, Brot und Wein, werden gleichsam zu Linsen eines weitreichenden Fernrohrs, durch das wir den Heiland sehen, und ich sage es abermals: Wenn es einen Ort auf dieser Erde gibt, der frei ist von dem Rauch der Sorgen, dann ist es der Tisch, an dem die Heiligen Gemeinschaft mit ihrem Herrn haben. Oft wird uns bei diesem Festmahl eine Tür im Himmel geöffnet, und dann ist die Liebe sein Panier über uns. Aber wenn es schon so köstlich ist, das Emblem zu genießen, wie wird es erst sein, bei Christus selbst zu wohnen und mit Ihm zu trinken von dem neuen Wein im Reich unseres Vaters!

Die Abendmahlsfeier, eine Gelegenheit zur Beilegung von Streit

Was würdest du deinem Sohn antworten, wenn der sagte: „Vater, ich werde an deinem Geburtstag nicht zu dir kommen. Ich kann doch mit dem und dem Mitglied der Familie zusammen nicht feiern!“ „Warum nicht?“ „Nun, weil mein Bruder nicht ist, was er sein sollte, kann ich doch, solange er sein Verhältnis zu mir nicht ändert, deinen Geburtstag nicht mitfeiern!“ Der Vater würde sagen: „Mein lieber Sohn, ist das der Grund, aus dem du dich nicht mit mir freuen kannst? Du kannst mich doch dafür nicht tadeln, weil dein Verhältnis zum Bruder nicht das rechte ist. Komm zum Fest und feiere es mit mir!“ So sage ich zu euch, die ihr persönliche Differenzen habt: macht damit ein Ende und lasst die Festfreude dadurch nicht gestört werden!

Die Abendmahlsfeier, die zur Entscheidung führte

Die Verbindung zwischen Mann und Frau, zwischen Mutter und Sohn kann durch den Tod völlig aufgehoben werden, ohne daß sie jemals wieder angeknüpft wird; wenn keine Gnade in dem einen Teil der Ehegatten oder in dem Kind ist, bleibt alles Sehnen nach Wiedervereinigung nutzlos. Sie sind durch den Tod geschieden, um einander nie wieder zu begegnen. Denkt daran, ihr, die ihr noch nicht gerettet seid. Aber wenn wir hier in Christi Liebe eins sind, mögen wir wohl durch den Tod eine Zeitlang voneinander getrennt werden; es geschieht nur auf kurze Zeit. Die Bande, welche Christi Liebe um Menschen schlingt, sind ewige Bande. Ich habe liebe Leute kennengelernt, welche zu mir gekommen sind, um ihre Aufnahme in die Gemeinde zu erbitten, und die gesagt haben: „Nichts konnte mich zur Entscheidung für Christus bringen, bis ich bei der Feier des Abendmahls meine Frau verlassen und auf die Galerie hinaufgehen und dann auf sie sehen und fühlen musste, daß ich doch nicht eins mit ihr bin. Da war es mir, als ob ich es nicht länger aushalten konnte!“

Die beste Gesellschaft

Ich kannte eine taube Frau, die keinen Laut hören konnte und doch immer im Hause Gottes war, und als sie gefragt ward, warum? gab sie zur Antwort, daß ihr eine Freundin den Text aufschlüge und daß dann Gott ihr manchen lieblichen Gedanken gäbe, während sie bei seinem Volke säße; außerdem fühlte sie, daß sie als eine Gläubige Gott zu ehren hätte durch ihre Gegenwart in seinen Vorhöfen und durch das Bekenntnis ihrer Verbindung mit seinem Volke; und noch besser, sie möchte immer gern in der besten Gesellschaft sein, und da die Gegenwart Gottes da sei, und die heiligen Engel, und die Heiligen des Höchsten, wollte sie hingehen, ob sie hören könne oder nicht. Wenn solche Personen Vergnügen am Kommen finden, so sollten wir, die hören können, niemals wegbleiben. Obwohl wir fühlen, dass wir dessen nicht würdig sind, sollten wir wünschen, in das Haus Gottes gelegt zu werden, wie die Kranken an dem Teich Bethesda, in der Hoffnung, daß das Wasser bewegt werde, und daß wir hinein steigen und geheilt werden möchten. Zitternde Seele, lass nie die Versuchungen des Teufels dich von der gottesdienstlichen Versammlung abhalten!

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Die durch die Abendmahlsfeier herbeigeführte Freundschaft

Als ich mich eben der Gemeinde in Cambridge angeschlossen hatte - ich war damals noch sehr jung - saß ich bei der Feier des Abendmahls mit einem Herrn und noch einigen anderen in einer Bank, aber keiner von ihnen sprach zu mir. Das nächste Mal war es wieder so. Ich war eben keine Persönlichkeit, mit der man sprechen mochte; aber als ich bald darauf dem Herrn, neben dem ich gesessen hatte, auf der Straße begegnete, trat ich zu ihm heran und sagte: „Nun, lieber Herr, wie geht es Ihnen?“ „Ich danke Ihnen,“ sagte er, „mir geht es recht wohl; aber ich habe nicht das Vergnügen, Sie zu kennen!“ „Es geht mir ebenso; ich kenne Sie ebensowenig, wie Sie mich; aber ich kam zum Tisch des Herrn, um zu bekennen, daß ich ein Bruder derer sei, die da waren, und ich meinte es so; Sie nicht auch?“ Er legte seine beiden Hände auf mich - denn er war bedeutend älter als ich - und sagte: „Welche liebliche Einfalt! Sie haben wohl daran getan, und ich freue mich über das Vertrauen, das Sie mir schenken.“ Das nächste, was er sagte, war: „Wollen Sie mit mir gehen, um eine Tasse Tee bei mir zu trinken?“ Ich sagte: „Ich danke Ihnen; ich kann heute leider nicht, weil ich in meiner Wohnung erwartet werde.“ „Möchten Sie dann am nächsten Sonntag kommen?“ „Ja.“ So kam ich am folgenden Sonntag und von da ab jeden Sonntag zu ihm, solange ich dort war, und wir wurden Freunde und sind es bis zum heutigen Tage geblieben. Die Freundschaft ist nie unterbrochen worden und wird es auch in Zeit und Ewigkeit nicht werden.

Die Einsiedlerklause

Georg Shadford schreibt irgendwo: „Eines Tages nahm mich ein Freund mit sich, um mich zu einem Einsiedler im abgelegenen Wald zu führen. Nach einigen Schwierigkeiten fanden wir seine Klause, die nicht besser war als eine gewöhnliche Hundehütte. Sie war aus verschiedenen Stücken Holz zusammengesetzt und mit Baumrinde und Reisig bedeckt. Das Lager darin bestand aus trockenen Blättern. Ein schmaler, viel betretener Pfad von etwa dreißig bis vierzig Fuß Länge ging von der Hütte aus in den Wald hinein. Auf diesen schmalen Steigen ging der Einsiedler hin und her und stellte hier seine Betrachtungen und Übungen an. Wenn ihm jemand Nahrung bot, so nahm er sie, aber sobald ihm Geld angeboten wurde, wurde er sehr zornig. Wenn etwas gesprochen wurde, was ihm nicht gefiel, so wurde er leidenschaftlich heftig. Schon sieben kalte Winter hatte er in dieser Klause zugebracht, aber trotz all seiner Gebete und der Zahl der herunter geleierten Rosenkränze und trotz seiner Absonderung von der menschlichen Gesellschaft war noch immer die verdorbene Natur in ihm lebendig.

Was nützt es uns, ob wir in Europa oder in Amerika sind, ob wir zwischen anderen Menschen leben oder uns in die Einsiedelei zurückziehen, wenn wir doch unsere eigne Hölle, unser verdorbenes Temperamente überall mit hinnehmen? Weder die Öffentlichkeit noch die Zurückgezogenheit macht uns frei. Es ist die Gnade, die in uns den Sieg davontragen muß. Der Teufel kann uns sowohl in der Wüste wie mitten im Volkshaufen versuchen und zu Fall bringen. Wir brauchen keine Einsiedlerhütten; aber was wir nötig haben, das ist die himmlische, göttliche Gesinnung.

Die alten Mönche pflegten zu erzählen, daß seiner Zeit in Ägypten ein Mann lebte, der von einem leicht erregbaren, heftigen Temperament sehr zu leiden hatte. Bei seinen Bemühungen, sich davon zu befreien, suchte er Zuflucht in einem Kloster; allein hier wurde er durch seine Brüder ebenso oft zum Zorn gereizt, wie das früher durch seinen Verkehr mit der Welt geschehen war. Da verließ er auch die Gesellschaft dieser Männer und zog sich ganz in die Einsamkeit zurück. Alles, was er im Besitz hatte, war ein irdener Krug, mit welchem er sich sein Trinkwasser aus einer Quelle schöpfte. Eines Tags stolperte er dreimal, während er den Krug mit Wasser nach seiner Hütte trug, und jedes mal verschüttete er das Wasser. Da übermannte ihn plötzlich sein alter Feind, und er zerschlug den Krug in lauter kleine Scherben. Als sich sein Zorn etwas abgekühlt hatte, blickte er voll Verdruss auf die am Boden liegenden Scherben und sagte: „O, ich törichter Mensch! Wie kann ich der Versuchung entrinnen, die in mir ist? Wenn nun keine Menschen da sind, über die ich mich ärgere, gerate ich über einen irdenen Krug in Wut!“ „Wie kann ich der Versuchung entgehen, die in meiner Natur liegt?“ Der Christ kennt das Geheimnis.

Die Gefahr der Vergnügungen

Man sagt uns, daß da, wo die schönsten Kakteen wachsen, an der Wurzel jeder Pflanze die giftigste Schlange zu finden ist. So ist es mit der Sünde. Eure schönsten Vergnügungen beherbergen eure größten Gefahren. Gebt acht auf eure Vergnügungen, gebt acht! In Kleopatras Blumenkorb lag die todbringende Natter verborgen, und so schlummern in den Blumen weltlicher Freuden eure Sünden.

Franz von Sales hat sehr schön gesagt, daß wie die Muschel im Meer lebt, ohne auch nur einen Tropfen Salzwasser in sich aufzunehmen, und wie die Feuerfliege in die Flammen fliegt, ohne ihre Schwingen zu verbrennen, auch ein gottseliger Mensch sehr wohl in der Welt leben kann, ohne sich mit der Welt zu verbinden, und durch die Flammen irdischer Begierden und Lüste hindurch eilen kann, ohne daß er sich die Schwingen der glühenden himmlischen Wünsche und eines gottseligen Lebens versengt.

Die Gemeinde darf nicht nach den Heuchlern beurteilt werden

Hat es jemals einen Verein oder eine Gemeinschaft in der Welt gegeben, die kein unwürdiges Glied von schlechtem Ruf in ihrer Mitte gehabt hätte? Und muß denn der Weizen wegen der ihm anhaftenden Spreu verworfen werden? Wenn wir aus aller Macht bemüht sind, uns von den Betrügern zu reinigen, sobald wir sie entdecken, was können wir mehr tun? Ich möchte jeden Menschen fragen, wie sehr derselbe auch das Christentum hassen mag, was eine Gemeinde mehr tun kann, wenn sie ihre Glieder sorgfältig bewacht und die Gottlosen ausschließt, sobald solche in ihren Reihen entdeckt werden? Es ist niedrig von der Welt gehandelt, wenn sie die Fehler einiger falscher Bekenner der ganzen Gemeinde zur Last legen will - so niedrig, daß sie sich solcher niedrigen Handlungsweise schämen sollte. Und dennoch tut sie es. „Da, da; das wollten wir gern!“ Ja, die Töchter der Philister freuen sich und die Unbeschnittenen triumphieren, wenn Jesus durch seinen Freund verraten und von seinem verräterischen Jünger verkauft wird. O, heuchlerischer Bekenner, wird sich der Herr an dir nicht rächen? O zittere, denn du wirst sicher nicht unbestraft bleiben.

Die Heiligen haben großen Wert in Gottes Augen

Ich habe es versucht, darüber eine Berechnung anzustellen. Wenn die Haare auf ihrem Haupt so viel wert sind, daß Gott sie zählt, wer kann mir dann wohl sagen, was ihre Häupter selber wert sein mögen? Wenn ihre Häupter so viel wert sind, daß der Herr Jesus Christus starb, um sie zu erlösen, wer kann da sagen, was ihre Seelen wert sind, oder besser, was sie nicht wert sind? Sie haben größeren Wert als alle Welten zusammengenommen. Frage eine Mutter, was ihr Kind wert ist. „Was fordern Sie für Ihren Knaben, Madame?“ Wenn sie ihn für einen Preis verkauft, der nach ihrem Erachten ein angemessener Betrag ist - wenn wir all unser Geld zusammenwerfen wollten, so würden wir doch die Summe nicht aufbringen. Der Herr legt seinen Kindern einen solchen Wert bei, daß Er lieber seinen Sohn in den Tod gab, als daß Er eins von ihnen verliere, und Jesus selbst erwählte es, am Kreuz zu sterben, damit keines von diesen Kleinen verloren gehe. O, wie köstlich ist Gottes Volk in seinen Augen!

Wenn Napoleon seine Gedanken über die Leben der Menschen am Tage nach der Schlacht ausgesprochen hätte, so würde er sie etwa mit dem Wasser verglichen haben, das man auf die Erde schüttet. Um einen Sieg erobern oder eine Provinz unterwerfen zu können, war es ihm gleich, ob er die Erde mit Leichen wie mit Herbstblättern bedecken musste; auch kümmerte er sich nicht darum, ob sich in jedem Dorf Waisen befanden oder ob Witwen über den Verlust ihrer Männer weinten. Was war das Leben der angeworbenen Söldner gegen den Ruhm des Kaisers? Wenn es galt, Österreich zu demütigen oder Russland zu überfallen, so fragte der Korse nichts danach, ob die Hälfte des Menschengeschlechts unterging. So ist es aber nicht bei dem König aller Könige. Er verschont die Armen und Elenden und rettet die Seelen der Bedürftigen, und ihr Blut ist teuer geachtet vor Ihm. Unser herrlicher Anführer verschwendet nie das Leben seiner Soldaten; Er schätzt seine streitende Gemeinde über alles, und wenn Er es auch seinen Heiligen gestattet, ihr Leben für Ihn hinzugeben, so ist doch kein einziges dieser Leben verloren oder unnötig dahingegeben worden.

Die Lebenskraft der Gemeinde Christi

Sieh', wie groß sie ist. Tauche die Gemeinde unter die Wogen der Verfolgung, und sie kommt aus der Waschung nur um so reiner hervor; wirf sie ins Feuer, und sie wird durch das Brennen nur glänzender und fester werden; zerteile sie, und jeder Teil wird zu einer anderen Gemeinde werden; enthaupte sie, wenn das möglich ist, und gleich der alten Hydra wird sie anstatt des einen Hauptes, das ihr genommen werden soll, deren hundert haben. Sie kann nicht untergehen und sterben; sie muß leben, weil sie Gottes Kraft in sich wohnen hat.

Unsichtbare Geister sind die Diener der Geliebten Gottes. Alle Scharen des Himmels sind zu ihrem Schutz bereit. Wenn es nötig wäre, würde das neue Jerusalem seine Myriaden hergeben, wie Theben seine Scharen aus seinen hundert Toren, und jeder Engel würde mit gezücktem Schwert unsere Feinde angreifen und sie vertilgen; denn der Herr wird nicht dulden, daß eines seiner Kleinen verloren gehe.

Die Religion in der Wohnstube

Die beste Religion ist die, die am Tische lächelt, an der Nähmaschine fleißig arbeitet, in der Kaminecke freundlich und in der Wohnstube liebenswürdig ist. Eine solche Religion möchte ich, die die Stiefel putzt und sie recht glänzend macht, die ein gesundes, wohlschmeckendes Essen zubereitet, die einen Meter Kattun misst und nicht einen Meter zu wenig gibt. Das ist das wahre Christentum, das unsere ganze Berufsarbeit durchdringt. Das ist das wahre Christentum, daß unseren ganzen Menschen beherrscht, nicht nur das Erkennen, sondern auch das Wollen und Fühlen.

4)

Die Seelenspeise

Von Prediger Erskine, der bei irgendeiner Veranlassung vor der Feier des Abendmahles eine Predigt gehalten hatte, und von einer lieben Frau, einem Kind Gottes, das ihm zugehört hatte, wird folgende Geschichte erzählt. Sie hatte mit solcher Wonne zugehört und war so geweidet worden, daß sie am nächsten Sonntag den Prediger, in dessen Predigt sie zu gehen pflegte, umging und eine weite Strecke zu Fuß pilgerte, um Erskine wieder hören zu können. An jenem Tage aber war dieser schrecklich trocken und unfruchtbar - wenigstens kam es ihr so vor. In der ganzen Predigt hatte sie keine Nahrung gefunden, und da sie keine sehr weise Frau war, so ging sie zu ihm, um ihm das zu sagen. „O Herr Prediger,“ sagte sie zu ihm, „am vorigen Sonntag hörte ich Ihnen mit wahrer Wonne zu; es war mir, als ob Sie die Pforten des Himmels vor uns öffneten, und ich wurde mit dem besten Weizen gespeist. Ich bin deshalb heute den weiten Weg hierher gegangen, um Sie wieder zu hören, und nun muß ich Ihnen bekennen, daß ich keinen Segen aus Ihrer Predigt erhalten habe.“ Er fragte: „Liebe Frau, zu welchem Zweck gingen Sie am vorigen Sonntag in meine Predigt?“ „Nun, ich ging, um das Abendmahl des Herrn zu genießen!“ „Jawohl, Sie gingen zum Abendmahl, um Gemeinschaft mit dem Herrn zu genießen, nicht wahr?“ „Ja, so ist es,“ sagte sie. „Nun sehen Sie,“ antwortete Erskine; „da haben Sie erhalten, was Sie suchten. Der Herr segnete meine Worte an Ihnen und Sie haben mit Ihm Gemeinschaft gehabt. Wozu sind Sie nun heute hierher gekommen?“ „Nun, ich bin gekommen, um Sie zu hören!“ „Und da haben Sie genau das erhalten, um was Sie gekommen sind. Sie haben mich gehört und gefunden, daß ich ein armes, trockenes, saftloses Wesen bin, und daß in mir nichts ist, das eine Seele speisen kann.“

Denkt an diese Geschichte, die ihr nur die Knechte seht und deren Meister vergesst O, daß jeder sagen möchte: „Es ist kein anderer als Christus, den ich zu sehen wünsche. Ich will nur an Ihn denken! Möchte es Ihm gefallen, sich mir zu offenbaren!“

Die Sicherheit der Gemeinde Christi

In dieser Woche stand ich neben einer Kirche, welche einst in beträchtlicher Entfernung vom Meer stand, jetzt aber ihren Platz dicht am Ufer hat. Fast in jedem Jahre wird von dem Meer etwas von dem Lande weggespült, und in einem oder in zwei Jahren muß diese Kirche fallen. Noch steht sie ruhig und sicher da, aber eines Tags wird sie von der See verschlungen sein, wenn sich die Elemente nach ihrem üblichen Gesetz wirksam erweisen werden. Ich konnte nicht umhin, mir zu sagen, daß dies Gebäude nur ein Bild von gewissen kirchlichen Gemeinschaften ist, die auf den Sandklippen der Staatshilfe und des Aberglaubens stehen. Die Fluten der Erleuchtung gehen weiter, und vor allem schreitet die ozeanische Flut des Geistes Gottes voran und unterspült ihre Grundlage, bis endlich das ganze Gebäude zusammenbrechen wird. Und was dann? Werdet ihr eure Hände aufheben und ausrufen: „Herr, die Kirche Gottes ist dahin!“? Haltet solche Worte zurück. Gottes Kirche ist völlig sicher. Seht, dort auf jenem Vorgebirge steht Gottes Gemeinde. Der Sturm tobt von allen Seiten, und doch fürchtet sie nicht, unterspült zu werden, denn sie steht nicht auf Triebsand, sondern ist auf festem Felsen erbaut, so daß die Wogen der Hölle vergeblich dagegen ankämpfen. Lasst die erdgeborene vom Staat gestützte Kirche fallen. Verschlinge sie, du Meer der Zeit, und lass auch nicht einmal ein Wrack zurück! Aber die Gemeinde des lebendigen Gottes wird um so herrlicher erscheinen, weil der Sturm, der ihren Rivalen ereilt hat, nur ihre göttliche Kraft zeigen konnte.

Die Taufe ist nicht das Schiboleth

Wenn irgend ein junger Mensch zu mir kommt und sagt: „Können Sie mir ein Werk empfehlen, das Ihre Ansichten über die Taufe darlegt?“ so sage ich immer: „Ja, es gibt ein kleines Buch, das Sie für zwei Groschen kaufen können - das Neue Testament - ein wundervolles baptistisches Buch.“ in Wahrheit, ich gebe den Leuten nie ein anderes. Wenn sie es da nicht sehen können, nun wohl, ich muß sie darum doch lieben, weil sie den Herrn Jesus Christus lieben.

Die Verantwortlichkeit des "Engels der Gemeinde"

Viele Knechte Gottes müssen ihre Schwachheit fühlen durch ein niederdrückendes Bewusstsein der Verantwortlichkeit. Brüder, ich rede zu euch als zu weisen Männern, die mich nicht missverstehen werden. Ich hoffe, daß ihr euch eurer Verantwortlichkeit vor Gott jederzeit bewusst sein werdet; aber lasst euch von diesem Gefühl nicht gar zu sehr hinnehmen. Wir können unsere Verantwortlichkeit so tief fühlen, daß wir sie nicht ertragen können; sie kann uns unsere Freude verkümmern und uns zu Sklaven machen. Hütet euch vor einer übertriebenen Auffassung von dem, was der Herr von euch erwartet. Er wird euch nicht strafbar machen, wenn ihr nicht getan habt, was außer eurem geistigen Vermögen und außer eurer körperlichen Kraft stand. Es wird an euch gesucht, daß ihr treu erfunden werdet; aber ihr seid nicht verpflichtet, Erfolge zu haben. Ihr habt die Aufgabe, zu lehren; aber ihr könnt die Leute nicht zwingen, zu lernen. Ihr habt das Wort klarzumachen, aber ihr könnt fleischlichen Menschen kein Verständnis für göttliche Dinge beibringen. Wir sind weder der Vater, noch der Heiland, noch der Tröster der Gemeinde. Die Verantwortlichkeit des Weltalls können wir nicht auf unsere Schultern nehmen. Während wir uns mit eingebildeten Verpflichtungen abplagen, kann es sein, daß wir unsere wirklichen Lasten ganz übersehen. Ich könnte dasitzen und nachdenken, bis ich die Verantwortlichkeit für den ganzen Süden Londons auf meinem Rücken liegen habe, und das würde mich völlig unfähig machen, auf meine eigene Gemeinde zu achten. Welches praktische Ergebnis erzielst du, wenn du dich als einzelner Mensch für das Werk von zwanzig Menschen verantwortlich machst? Wirst du dann auch nur das Geringste mehr tun? Wirst du es nur im geringsten besser machen? Heute morgen sah ich ein Pferd, das die Last für Pferde zu schleppen hatte. Wie es sich quälte und abmühte! Ich dachte bei mir: „Hier wird ein gutes Pferd zugrunde gerichtet! Der Eigentümer desselben sollte entweder einen Teil der Ladung abladen oder mehr Pferde vorspannen.“ Behandelt uns unser Herr und Meister in der Weise? Nein, wir überladen uns selber. Wir quälen uns ab, als ob die Rettung der Welt von unserer Anstrengung bis zum Tode abhänge. Nun, ich wünsche keineswegs, daß ihr das euch gebührende Maß der Verantwortung von euch abschüttelt; aber vergesst nicht, daß ihr nicht Gott seid und daß ihr nicht an Gottes Stelle steht. Ihr seid nicht die Lenker der Vorsehung und sein nicht dazu auserkoren, den Gnadenbund allein auszuführen.

Aber, teure Brüder, nachdem ich dies vorausgeschickt habe, weil ich niemand von euch zur Verzweiflung treiben möchte, lasst mich euch nun fragen: Hat jemand unter uns daß Maß seiner Verantwortlichkeit voll und ganz gefühlt? Wenn hier ein solcher sein sollte, so möge er sprechen; aber ich werde ihm nicht glauben. Wir haben nicht getan, was wir hätten tun sollen; nicht, was wir hätten tun können; nicht, was wir hätten tun müssen; auch nicht, was wir noch in Gottes Kraft tun wollen. Vielleicht haben wir zu Genüge getan, was hinsichtlich des Arbeitsmaßes von uns erwartet werden konnte; wie aber steht es hinsichtlich des Wertes? Es mag sein, daß wir Versammlungen und Predigten genug gehalten haben; ist dies aber in einem apostolischen Geist geschehen und haben wir Tag und Nacht die Menschen unter Tränen ermahnt und als vor den Augen Gottes mit ihnen gehandelt? Wenn wir unsere Verantwortlichkeit gründlich fühlten, dann würden wir wirklich schwach werden, aber diese Schwachheit ist der Weg zur Stärke. „Wenn ich schwach bin, bin ich stark!“

Die Verbindung mit dem Staat ist die Schwäche der Kirche

Die Bundeslade geriet erst in dem Augenblick in Gefangenschaft, als man versuchte, sie mit fleischlichen Waffen zu verteidigen, und sie befreite sich selbst, sobald man sie sich selbst überließ. Als kein Soldat da war, der sie bewachen konnte, als sie im Tempel Dagons gefangen gehalten wurde, da fiel Dagon vor ihr und Philistrien wurde gedemütigt.

So bringt die Verbindung zwischen Staat und Kirche das Evangelium nur in Gefahr; aber wenn diese Verbindung, die das schlimmste aller Übel ist, einmal gelöst wird, dann wird das Evangelium in seiner Erhabenheit alle seine Widersacher in Verwirrung bringen. Fürchte nie um Gottes Sache; es steht einem Christen nicht an, zu fürchten; es ist unmännlich, so zu sprechen, als ob Christi Sache gleich einem Feinde besiegt werden könnte. Das kann nie geschehen.

Die vergiftete Atmosphäre

Ich erinnere mich, einst die Grotto del Cane in der Nähe von Neapel besucht zu haben. Es ist eine ganz natürliche Höhle, welche aber zum Teil mit einer sehr giftigen Atmosphäre gefüllt ist. Da das Kohlenstoffgas schwerer ist als die gewöhnliche Luft, so lagert sich diese nach unten bis zu einer Höhe von drei bis vier Fuß. Wenngleich nun ein Mann in aufrechter Stellung ohne Nachteil für sich hindurchgehen kann, so können ihm doch wenige Sekunden ungemein verhängnisvoll werden, sobald es ihm einfallen sollte, sich ein wenig niederzusetzen, oder gar hinzulegen.

Wenn wir unser Haupt dem Himmel zugewandt und oberhalb der giftigen Ausdünstung, die uns überall hier unten umgibt, behalten, so können wir ungefährdet durch diese Welt hindurchkommen. Sobald es uns aber einfallen sollte, hier unsere Ruhe zu suchen und die vergiftete Atmosphäre einzuatmen, ist unser Leben in der größten Gefahr.

Die Vorbereitung auf das Abendmahl

Ich glaube, es sollte eine Vorbereitung auf das Abendmahl stattfinden. Ich halte nichts von Frau Toogoods Vorbereitung, die eine ganze Woche zu der Vorbereitung gebrauchte, und die dann, als an dem darauf folgenden Sonntag das Abendmahl nicht gefeiert wurde, sagte, daß sie die ganze Woche verloren habe. An eine solche Art der Vorbereitung glaube ich nicht, und dennoch glaube ich, daß es eine heilige Vorbereitung auf das Abendmahl gibt: wenn wir am Sonnabend eine Stunde in ruhiger Betrachtung Christi und seiner Leiden zubringen können; wenn wir besonders am Sonntag anbetend dasitzen und Ihn anschauen können - dann wird die ganze Szene zu einer Wirklichkeit und kein Spott, wie das bei so vielen der Fall ist. Ich fürchte sehr, daß so manche teilnehmen am Abendmahl und nicht einmal an Christus denken. Ihr seid nichtige Heuchler, wenn ihr esst und trinkt und dabei nicht an Ihn denkt. Hütet euch! „Wer unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich selber“ - was? - „das Gericht!“

Die wünschenswerte Einigkeit

Unser Heiland ist aufgefahren in die Höhe und hat Gaben für die Menschen empfangen, damit der Leib Christi erbaut werde. Manche der alten römischen Mauern sind mit so vortrefflichem Mörtel verbunden, daß es fast unmöglich ist, einen Stein von dem anderen zu trennen; ja, die ganze Steinmasse ist so in Zement gebettet und zu einem Felsen verdichtet, daß man oft einen Stein nicht von dem anderen unterscheiden kann. Wohl der Gemeinde, die so lebt, wo jedes Glied nicht nur für die eigene Wohlfahrt, sondern für das Wohlergehen aller sorgt, wo, wenn ein Glied sich freut, sich alle mitfreuen, wo, wenn ein Glied Schmerz empfindet, alle anderen mittrauern, wo man der Gebundenen als der Mitgebundenen gedenkt und derer, die Trübsal leiden. Aber ach, was sind etliche Gemeinden noch viel anderes als halbreligiöse Clubs und rein äußerliche Zusammenkünfte? Sie haben die heilige Seele nicht in sich, die das Wesen der Einigkeit ist; da ist kein Leben, das sie zusammenhält. Unser Leib würde bald auseinanderfallen und eine faule Masse werden, wenn die Seele nicht in ihm wäre, und wenn Christi Geist von einer Gemeinde fern ist, dann muß der äußere Bau einer Gemeinde bald in Stücke zerfallen, denn wo kein Leben ist, da kann auch keine wahre Einigkeit sein.

Diene treu!

Vielleicht ist es einigen von euch, als ob ihr umsonst arbeitet und keine Frucht von eurer Tätigkeit seht. Die Lampe in eurem Heiligtum brennt sehr matt; der arbeitenden Glieder sind sehr wenige, und auch ihr Eifer läßt sehr nach. Aber gib du deine Arbeit nicht auf in dieser Zeit der Not. Bleib' auf deinem Posten, komme auch, was da wolle. Sei du der letzte, der das untergehende Fahrzeug verlässt, wenn es denn untergehen muß. Sei du entschlossen, als Gottes Freund Ihm allezeit zu leben, und als ein Bruder, der in die Gemeinde hineingeboren ist, zu fühlen, daß du ihr bis zum letzten Atemzug anhangen und dienen musst

Das Schiff der Gemeinde Christi kann nie zum Wrack werden; es mag im Sturm hin- und hergeworfen werden, aber es ist fest und stark, und sein Lotse steuert es mit allmächtiger und allweiser Hand. Sein Bug mag einen Augenblick im Wasser sein, aber siehe, er zerteilt das Meer und schüttelt die Wellenberge ab, wie ein Löwe den Tau von seiner Mähne abschüttelt. Es sind schon heftigere Stürme denn jetzt gegen dasselbe losgelassen, aber es hat seine Spitze stets dem Wind entgegengehalten und hat sich trotz der schrecklichsten Stürme der Hölle noch immer seinen Weg gebahnt, und so wird es fort und fort geschehen, bis es seinen ihm bestimmten Hafen erreicht hat

Du kannst etwas für mich tun

Ich habe von einem Prediger gelesen, der in Amerika gearbeitet hatte, bis er fast zusammengebrochen ist. Er musste aus Gesundheitsgründen eine Reise machen. Er war aber erst einige Tage fort, als er schon in sein Tagebuch schrieb: „Es mag einige Prediger geben, die es ein Vergnügen nennen, von der Pflicht des Predigens befreit zu sein, aber ich nenne es Elend. Ich möchte lieber predigen, als alle Reiche der Welt sehen.“ Und wirklich gibt es kein größeres Vergnügen in der Welt, als Gott zu dienen.

Was wirst du denken, wenn dein Herr zu dir gesagt hätte: „Liege zehn Jahre auf deinem Bett. Schmachte in der Auszehrung dahin. Ich habe nichts für dich zu tun. Du musst meinem Willen gehorchen.“ Bist du nicht erfreut, dass du voller Kraft oder wenigstens nicht kraftlos bist und dass dir dein himmlischer Vater sagt: „Kind, arbeite! Ich habe dir Kraft gegeben.“?

Außerdem ist auch viel Ehre in diesem Werk. Du weißt, wie ein kleiner Knabe ein Mann zu sein wünscht. Alle Jungen sind so. Wenn er zum ersten Mal einen Kragen trägt, freut er sich, dass er in etwa wie ein Mann aussieht. Wie stolz ist er darauf! Wenn du als Vater zu ihm sagst: „Mein Sohn, du bist jetzt in dem Alter, dass ich dir etwas Arbeit für mich anvertrauen kann“, so wirst du sehen, wie sich der kleine Mann aufrichtet und sich freut.

Ich bin gewiss, wenn wir, Gottes Kinder, es im rechten Licht betrachten, so werden wir uns geehrt fühlen, wenn der himmlische Vater zu uns sagt: „Du kannst etwas für mich tun.“ Wir müssen sehr demütig bleiben, denn wir können in Wirklichkeit nichts für ihn tun, wenn er nicht das Wollen und Vollbringen in uns wirkt. Aber es ist wirklich sehr befriedigend, für Gott etwas tun zu dürfen.

Kein Engel kann das kleine Kind in die Sonntagschulklasse mitnehmen und ihm vom Heiland erzählen und das kleine Lamm zum guten Hirten bringen. Der Herr sendet dich, es zu tun. Und es sollte für uns alle eine Ursache zur Dankbarkeit sein, dass er uns würdig achtet, uns in seinen Dienst zu stellen.

Eine tote Gemeinde ist eine Brutstätte des Bösen, ein Heim für Teufel

Die Gräber mögen erst kürzlich weißgewaschen worden sein; aber sie sind nichtsdestoweniger offene Gräber und Höhlen für unreine Geister. Eine Gemeinde, die ganz lebendig ist, ist ein kleiner Himmel, eine Heimstätte für Engel, der Tempel des Heiligen Geistes. In mancher unsrer Gemeinden scheint der eine noch kälter zu sein als der andere. Die Mitglieder sind heilige Eiszapfen. Ein allgemeiner Frost hat alle gelähmt, und wenngleich die einen noch kälter sind als die anderen, so sind sie doch alle unter dem Gefrierpunkt. Da sind keine fließenden, erfrischenden Bäche, sondern alles ist durch den Frost der Gleichgültigkeit erstarrt. O, daß der Herr seinen Wind wehen lassen möchte, damit die Gletscher zerschmelzen. O, daß der Geist Gottes den Winter aus jedem Herzen und aus jeder Gemeinde verbannen möchte! Keine menschliche Kraft ist imstande, eine Gemeinde vor dem Frost zu schützen, welcher sie gefühllos und leblos macht. Wenn da der Herr mit seiner Kraft nicht wirksam ist, dann ist Leben, Wärme und Wachstum, alles unmöglich.

5)

Erfüllung der Verheißungen

Zuweilen gibt der Herr den Seinen neue Verheißungen „durch den Glauben“, unmittelbar vor dem Eintritt irgend einer schweren Heimsuchung. So erging es dem Propheten Elia. Gott sprach zu ihm: „Wende dich gegen Morgen und verbirg dich am Bach Krith, ich habe den Raben geboten, dass sie dich sollen daselbst versorgen.“ Das war am Anfang der teuren Zeit. Dort blieb er, und Gott erfüllte die Verheißung, denn Elia empfing Speise nach des Herrn Wort. Er handelt im Glauben, verlässt sich auf Gottes Zusage, bleibt am Bach Krith, und zur Belohnung seines Glaubens schenkt ihm Gott eine neue Verheißung: „Mache dich auf und gehe gen Zarpath, und bleibe daselbst, denn ich habe daselbst einer Witwe geboten, dass sie dich versorge.“ Der Glaube, der die erste Verheißung empfing, ward mit einer zweiten Verheißung belohnt. So geht es auch uns. Haben wir zuerst eine kleine Verheißung empfangen, und ist sie an uns in Erfüllung gegangen, haben wir uns nach ihr gerichtet und sie zur Stütze und zum Trost unserer Seelen gemacht, so schenkt uns Gott gewiss eine andere und größere Verheißung. Und wenn wir so von Verheißung zu Verheißung weitereilen, dürfen wir auch erfahren, dass diese Verheißungen lauter Stufen in der Himmelsleiter sind, die Jakob sah, und die mit ihrer Spitze bis in den Himmel reicht. Zweifle und entkräftige damit die Verheißung, die dir gegeben ist, so darfst du auch nicht erwarten, dass Gott sich deiner Seele je mehr und mehr offenbare. Scheue vor der Verheißung, die gestern deinem Herzen gewährt wurde, zurück und entziehe ihr dein Vertrauen, so wird dir morgen keine Verheißung zuteil werden. Handle aber im einfältigen Glauben an das, was dir Gott schon gegeben hat, so wirst du vorwärtsdringen von einer Kraft zur anderen und du wirst empfangen Gnade um Gnade und Verheißung um Verheißung. Der Geist Gottes haucht deiner Seele irgend eine Verheißung zu, dann ergreift sie dich mit solcher Macht, wie wenn ein Engel vom Himmel sie dir zugerufen hätte, und „durch den Glauben“ wirst du fortan Verheißungen empfangen, die dir bis dahin unerreichbar waren.

Etliche der besten und etliche der schlechtesten!

Da sind etliche unter euch, welche dem Meister sehr ähnlich geworden sind, und ihr seid die Freude der Gemeinde. Aber es gibt in allen Gemeinden auch solche, welche Christi Namen tragen, Ihm aber nicht ähnlich sind. Mein ehrwürdiger Vorgänger, Dr. Rippon, pflegte von seiner Gemeinde zu sagen, daß er etliche der besten Menschen darin habe, die es in ganz England gebe, und dann pflegte er hinzuzufügen, indem er den Ton stark sinken ließ: „und etliche der schlechtesten.“ Ich fürchte, daß ich dasselbe sagen muß; aber es betrübt mich, es sagen zu müssen. Die schlechtesten Menschen in der Welt sind die, welche am meisten bekennen und am wenigsten tun. Gehöre du nicht zu dieser unglücklichen Klasse, sondern sei du bestrebt, durch den Segen Gottes und die Hilfe seines Geistes zu denen gezählt zu werden, welche sich mindestens bemühen, dem Lamm zu folgen „wo es hingeht“.

Erziehung

An gewissen Stellen wird eine Meinung aufgebracht, daß die Kinder frommer Eltern, wenn nicht die ganze Menschheit, Kinder Gottes sind durch ihre erste Geburt, und daß es nur der Erziehung und der Einwirkung gewisser Einflüsse bedarf, so werden sie sich zu Christen entwickeln, wenn sie zu Männern und Frauen erwachsen. Ein Theologe sagt, daß unsere Kinder keine Erziehung nötig haben sollten. Diese Lehre ist grundfalsch, denn die besten der Kinder Kinder sind von Natur Erben des Zorns wie die andern. Die Gnade Gottes in der Seele ist eine neue Schöpfung, nicht die natürliche Entwicklung frommer Erziehung und Bildung, die auf das angeborene Gute des Menschen wirken; in der Tat, es gibt gar kein solches Gute; das ist durchaus eine Träumerei. Der neue Mensch in Christo ist nicht die alte Kreatur, gewaschen und in die Schule geschickt und veredelt durch den „Fortschritt des Gedankens und der Bildung.“ Nein, der Mohr kann nicht seine Haut wandeln, und der Panther nicht seine Flecken; tut, was ihr wollt, er bleibt ein Mohr oder ein Panther; aber der neue Mensch ist ganz und gar eine andere Kreatur.

Felsmuscheln

Wenn ihr am Meeresufer seid, seht ihr Muscheln an Felsen kleben. Ihr geht mit leisen Schritten zum Felsen hin und schlagt mit einem Stock an die Muschel. Sie fällt ab. Versucht es mit der nächsten auf dieselbe Weise! Ihr habt sie gewarnt, sie hörte den Schlag, den ihr der Nachbarin gabt, und sie hängt nun mit all ihrer Kraft am Felsen. Ihr werdet sie nie abschlagen können! Schlagt und schlagt wieder; ihr könntet ebenso leicht den Felsen zerbrechen. Die kleine Felsmuschel weiß nicht viel, aber sie hängt sich an. Sie weiß nichts von geologischer Bildung des Felsens, aber sie hängt an ihm. Sie kann hängen und sie hat etwas gefunden, woran sie hängen kann. Das ist ihr ganzer Vorrat an Kenntnis, und sie gebraucht ihn zu ihrer Sicherheit und Errettung. Es ist das Leben der Felsmuschel, am Felsen zu hängen; es ist das Leben des Menschen, an Jesu zu hängen. Jesus ist ihm ein starker Heiland, ein unbeweglicher, unerschütterlicher Fels. Er hängt an ihm – und dieses Hängen errettet seine Seele.

Fleiß

Wie ist es mit deinem Fleiß! In der guten alten Zeit kam der Hans vielleicht mit seiner Dummheit fort, allein heute ist das für den Hans ziemlich schwierig. Es nützt nichts, wenn man sich kommod hinlegt und sagt: Gott helfe uns. Meiner Ansicht nach klopft das Glück wohl an der Tür an; wenn aber der Fleiß die Türe nicht auftut, geht es wieder fort. Wer den Zug versäumt, schielt über allerlei Hindernisse im Wege, und einem schlechten Schiff ist jeder Wind gefährlich.

6)

Flieht die Welt!

Sophronius hatte eine schöne Tochter namens Eulalia. Diese bat ihn eines Tags um die Erlaubnis, einem Schauspiel beiwohnen zu dürfen. „Das kann ich dir nicht gestatten, mein Kind,“ sagte der griechische Vater. „Du musst mich doch für außerordentlich schwach halten,“ sagte das Mädchen sehr gereizt. Sophronius nahm eine kalt gewordene Kohle vom Herd und reichte sie der Tochter dar. Sie weigerte sich, dieselbe in die Hand zu nehmen. „Nimm sie, mein Kind, sie brennt nicht und wird dir nicht schaden.“ Eulalia gehorchte, und sofort wurden ihre Finger schmutzig, und es fiel auch ein wenig von der Kohle auf ihr Kleid. „Vater,“ sagte die betrübte Tochter, „wenn man Kohlen in die Hand nimmt, kann man sich gar nicht genug vorsehen.“ „Das ist so,“ antwortete Sophronius feierlich; „denn selbst, wenn sie nicht brennen, schwärzen und beflecken sie.“

O ihr, die ihr zuweilen lüstern nach den Freuden der Welt hinüberschaut, es mag sein, daß die Weltlust euch nicht brennt; aber selbst, wenn sie das nicht tut, so verunreinigt sie euch doch, und darum flieht sie!

Fluchen

Wenn wir hören, dass ein Mensch einen schrecklichen Fluch ausstößt, sind wir oft sehr erschrocken; aber meist wagen wir nicht, ihn zur Rede zu stellen. Ich wünschte, dass wir wenigstens jenem alten Mann ähnlich handelten, der am Kai in London beim Umladen der Güter half. Er war ein schwächliches, kränkliches Männchen. Man gab ihm weniger Lohn als den andern, und er war zufrieden damit. Eines Tages arbeitete er mit einem Stauer zusammen, einem wahren Trumm von Mensch, der den ganzen Morgen gotteslästerlich fluchte. Bei jedem Fluch verneigte sich der alte Mann, ohne etwas zu sagen. Endlich wurde es dem andern zuviel. „Sie alter Narr“, schrie er ihn erbost an, „warum verneigen Sie sich denn vor mir?“ Der Alte antwortete: „Vor Ihnen verneige ich mich nicht. Aber Sie nannten den Namen Gottes; und ich dachte, ihm müsse ich meine Ehrerbietung erweisen, da Sie es doch nicht tun.“ Sollte nicht jeder Christ, der seinen Gott liebt, das gleiche in irgendeiner Weise zu verstehen geben?

Gewissen

Es ist schrecklich, wenn das Gewissen eines Menschen anfängt sich zu verhärten. Es ist genau so wie mit einem Teich, der zufriert. Die erste Eisschicht ist kaum bemerkbar, und wenn man das Wasser dauernd in Bewegung halten würde, dann würde es niemals hart zufrieren können. Aber wenn das Wasser stillsteht, dann wird die Eisschicht immer dicker, und zuletzt ist es so fest, dass sogar ein Wagen darüberfahren kann. – Genau so ist es mit dem Gewissen! Zuerst kommt eine dünne, fast unsichtbare Schicht darüber, und dann wird es immer härter, und schließlich ist es so hart, dass es nichts mehr fühlt. Auch dann, wenn eine Last der Sünde auf ihm liegt, wird es nicht mehr beunruhigt.

Glaube

Der Glaube erkennt die süße Hoffnung, auch in den bittersten Schmerzen. Der Glaube weiß, daß jeder Trauerbrief, den der himmlische Postmeister ihm zugestellt, einen wertvollen Schatz in sich schließt. Wenn die schwarzen Rosse unsres Königs vor unsrer Tür halten, bringen sie eine volle Ladung himmlischer Segnungen. Als Knecht des Herrn darf ich das Zeugnis ablegen, daß mir jede Zuchtrute des Herrn zum reichen Segen gedient hat. Was mein inneres Leben betrifft, so muß ich bekennen, daß ich am meisten gewachsen bin unter der Last der Prüfungen und im Feuer der Versuchung. Ich bin bereit, meine Tür zu öffnen und zu Schmerz, Krankheit und Kummer zu sagen: Kommt herein, wenn ihr dürft, denn ich weiß, daß ihr mir Segnungen zurücklassen werdet. „Komm, Kreuz, wenn du willst, denn du wirst zur Krone.“ So verwandelt der Glaube die Traurigkeit in Freude und findet in dem Löwen des Widerstandes den süßesten Honig.

7)

Glauben

Siehe, wie die gläubige Seele sich zu ihrem Gott aufschwingt, wie eine Taube zu ihrem Schlag. Wenn draußen die Sturmwinde toben, so wandelt sich das Schiff des Glaubens und steuert seinem ihm wohlbekannten Zufluchtshafen zu. Welche Gnade, daß der Herr auf unser Schreien in der Stunde der Trübsal hören will, ob wir ihn auch in den Zeiten eingebildeten Glücks fast vergessen haben.

Gottes Freude und Wohlgefallen an seinem Volk

Wenn ein kleiner Säugling Verstand hätte und sich selber sehen könnte, würde er sagen: „Wie unbedeutend bin ich doch gegen meinen Vater! Welche schwachen Hände! Welche zitternden Füße! Ich bin doch ein recht überflüssiges, armes, dürftiges, abhängiges Geschöpf!“ Aber so denkt die Mutter nicht von ihm. Sie findet in der Schwäche eine Liebenswürdigkeit und in dem kleinen Säugling große Schönheit. Sie sorgt mit Tränen in den Augen dafür, daß niemand diesem Kind Schaden zufüge. Sie hält es für das schönste, das es je auf Erden gegeben hat, und für sie ist es das auch ohne allen Zweifel. Nun, in unserem Gott sind alle Instinkte einer Mutter und eines Vaters miteinander verschmolzen, und wenn Er auf seine Gemeinde blickt, nennt Er sie „meine Lust an ihr“. Ich lese nicht, daß Er an den Werken der Natur seine Lust hat, wohl aber, daß seine Lust ist bei den Menschenkindern. Er freut sich nicht so sehr der Werke seiner Hände als der Werke seines Herzens, und der dreieinige Gott ist bemüht, die zu segnen, die die ewige Liebe zum ewigen Leben verordnet hat.

Man kann Gottes Wohlgefallen an seinen Kindern in etwa beurteilen nach dem Wohlgefallen, das wir an unseren eigenen Kindern haben. Wenn z. B. eine Mutter Gefallen an ihrem Kind hat, so gefällt es ihr, an ihr Kind zu denken, ihr Kind anzusehen, zu ihrem Kind zu sprechen; es gefällt ihr, ihrem Kind zu dienen; sie hört gern ihres Kindes Geplauder; die kleinen, abgebrochenen Silben sind liebliche Musik in ihren Ohren. Sie hat Gefallen an dem, was ihr Kind ist, und an dem, was es sein wird; es ist ihre Wonne. Nun, ohne mich über diesen Punkt weiter zu ergehen, will ich sagen, daß, wenn ihr den Herrn fürchtet und auf seine Güte hofft, Gott Gefallen an euch hat, wie ihr nur Gefallen an euren Kindern haben könnt.

Christus sieht Schönheiten in seinem Volk, weil Er sich für dafür interessiert. Er hat ein Interesse daran, wie ein Künstler Interesse hat an seinen Erzeugnissen. Als der griechische Botschafter zu Cyrus kam, führte ihn der persische Herrscher in seinem Garten umher und zeigte ihm die verschiedensten Bäume und Pflanzen, und Lysander drückte ihm unverhohlen seine Freude aus; aber Cyrus sagte: „Du kannst unmöglich solchen Genuss an diesem Garten haben, wie ich; denn,“ fügte er hinzu, „nachdem ich den Garten selbst ganz nach meinem Plan angelegt, habe ich auch alle diese Bäume mit eigener Hand gepflanzt und beschnitten und begossen.“ So hat der Herr Jesus außerordentliche Freude an seinem Volk, weil er jedes einzelne selber pflanzt und reinigt. „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken,“ und daher kommt es, daß Er seine Freude an euch hat.

Gottes Gegenwart

Wie die Sonne alles verschönt, so tut Gottes Gegenwart es. Wenn wir wissen, daß Jesus bei uns ist; wenn wir fühlen, daß er unser Helfer ist; wenn wir in seiner Liebe uns sonnen; wenn er mit seiner Kraft bei uns bleibt; dies ist die Schönheit der Heiligen. Wenn wir Christum in uns haben, Christum mit uns, so können wir jedes Maß von Leiden ertragen. „Ich bin in dein Blut gehüllt, führe mich, Herr, wie du willst!“ Diese Schönheit gibt den Gläubigen eine Anziehungskraft in den Augen der Menschen; sie nehmen wahr, daß wir mit Jesus gewesen sind, und sie sehen unser Antlitz leuchten, wie das Antlitz der Engel. Es ist ein großes, wenn ein Christ so fröhlich, so heilig und so himmlisch ist, daß er andere zu Christo hinzieht, und die Menschen seine Gesellschaft suchen, weil sie wahrnehmen, daß er in der Gesellschaft des Heilands gewesen. Gott gebe dir dies, und wenn du es hast, lieber Freund, magst du deine Leiden vergessen: sie sind verklärt zu Freuden.

8)

Gottes Segen für unsere Kinder

Sorge für unsere Familie ist natürlich; aber wir werden weise sein, wenn wir sie in Sorge um unser eigenes Verhalten verwandeln. Wenn wir vor dem Herrn in Lauterkeit wandeln, so werden wir mehr zum Segen unserer Nachkommen tun, als wenn wir ihnen große Besitztümer hinterlassen. Eines Vaters heiliges und gerechtes Leben ist ein reiches Vermächtnis für seine Söhne! Der Gottesfürchtige hinterlässt seinem Erben sein Beispiel, und dies wird an sich schon ein Schatz und ein Reichtum sein. Wie viele tüchtige und gesegnete Männer können ihren Erfolg im Leben auf das Beispiel und die Treue ihrer Eltern zurückführen. Vor allem hinterlassen gläubige Eltern ihren Kindern die Wirkung ihrer Fürbitte, ihres treuen Gebetes und den Segen dessen, der sich den Erhörer des Gebetes nennt, und dies macht unsere Nachkommen zu Bevorzugten unter den Menschenkindern. Wenn etliche von unseren Kindern noch nicht bekehrt sind, so wird Gott sie erretten, selbst wenn wir vorher aus diesem Leben abscheiden sollten. Wenn unsere Kinder die Wahrheit unseres Glaubens an unserer Gesinnung und in unserem ganzen Verhalten erkennen können, so wird über kurz oder lang der Augenblick kommen, daß sie selbst von Herzen gläubig werden.

Gottes Volk

Als Gott sich einen Palast von lebendigen Steinen erbauen wollte, wo holte Er diese Steine her? Ging Er etwa zu dem Steinbruch von Paros, um den reinsten und schönsten Marmor aus dem Steinbruch der Vollkommenheit zu holen? Nein. Ihr Heiligen, „schaut auf den Fels, daraus ihr gehauen seid, auf des Brunnen Gruft, daraus ihr gegraben seid.“ Ihr wart voller Sünde, weit davon entfernt, reine, weiße Steine zu sein; ihr wart aufgrund eurer Befleckung schwarz und gänzlich untauglich zu Steinen in seinem Tempel, der der Wohnplatz des Allerhöchsten sein sollte. Und dennoch erwählte Er euch, damit ihr Trophäen seiner Gnade und Macht würdet.

Als Salomo sich einen Palast erbaute, wählte er die köstlichsten Zedern aus; aber als sich Gott ein Haus bauen wollte, in welchem Er ewig wohnen könne, hieb Er nicht die schönsten Zedern nieder, sondern wohnte in einem Dornbusch und erwählte ihn zu einem ewigen Denkmal: „Der Gott, der im Busch wohnte.“

Goldschmiede machen aus köstlichem Material ausgezeichnete Figuren: blinkende Armbänder und goldene Ringe; Gott macht seinen köstlichen Schmuck aus schlechtem Material. Er hat schwarze Kieselsteine aus dem schmutzigen Bach aufgenommen und in den goldenen Ring seiner unveränderlichen Liebe gesetzt, damit sie ewig an seinem Finger funkeln. Er hat nicht die besten, sondern die schlechtesten Menschen erwählt, damit sie Denkmäler seiner Gnade würden.

Wenn Er im Himmel einen Chor haben wollte, der mit lieblichen Stimmen sein Lob besingen und das ewige Halleluja anstimmen sollte, lauter als das Rauschen vieler Wasser, sandte Er da seine Barmherzigkeit herab, daß sie die besten Sänger der Erde mit den süßesten Stimmen auswähle? Nein; Er sagte: Gehe hin, Barmherzigkeit, und suche die Stummen auf, berühre ihre Lippen und mache sie singen! Die jungfräulichen Zungen, die vorher nie mein Lob gesungen haben, die bisher still gewesen sind - sie werden die erhabensten Rhapsodien auswählen, so daß selbst die Engel staunen werden. „Der Stummen Zunge wird Lob sagen.“

Gottes Wort

Hier liegt meine Bibel - wer hat sie geschrieben? Ich öffne sie und finde, dass sie aus einer Anzahl von Büchern besteht. Die ersten fünf Bücher sind von einem Manne geschrieben worden, der Moses hieß; ich blättere weiter und finde andere. Zuweilen sehe ich, dass David der Verfasser ist, ein anderes Mal Salomo. Hier lese ich Micha, dann Amos, dann Hosea. Wenn ich weiter gehe, in die helleren Schriften des neuen Testamentes hinein, sehe ich Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, Paulus, Petrus, Jakobus und andere; doch wenn ich das Buch zumache, frage ich mich, wer der Urheber desselben ist. Machen diese Menschen miteinander Anspruch auf die Autorenschaft? Sind sie die Verfasser dieses dicken Buches? Teilen sie unter sich diese Ehre? Unsere heilige Religion antwortet: Nein. Dieses Buch wurde vom lebendigen Gott verfasst; jeder Buchstabe wurde mit einem allmächtigen Finger geschrieben; jedes Wort in demselben floss von den ewigen Lippen; jeder Satz wurde vom heiligen Geist eingegeben. Obgleich Moses gebraucht wurde, seine Geschichten mit seinem feurigen Griffel zu schreiben, führte Gott diesen Griffel. Wohl spielte David seine Harfe und ließ süße, melodische Psalmen seinen Fingern entgleiten; doch Gott bewegte seine Hände über den lebendigen Saiten seiner goldenen Harfe. Wohl hat Salomo Liebeslieder gesungen, oder Worte vollkommener Weisheit gesprochen, doch Gott machte seine Zunge feurig und den Prediger beredt. Wenn ich dem donnernden Nahum folge, der seine Pferde die Wasser durchschneiden lässt, oder dem Habakuk, der der Mohren Hütten in Mühe sieht; wenn ich den Maleachi lese, wo die Erde wie ein Ofen brennt; wenn ich mich dann zu den anziehenden Schriften des Johannes wende, der von Liebe spricht, oder zu den scharfen und drohenden Kapiteln des Petrus, der vom Feuer redet, das Gottes Feinde verzehrt; wenn ich in Judas lese, der Flüche auf die Widerwärtigen des Herrn schleudert, überall höre ich Gott sprechen: es ist Gottes Stimme, nicht eines Menschen Stimme; die Worte sind Gottes Worte, die Worte des Ewigen, des Unsichtbaren, des Allmächtigen, des Jahwe dieser Erde.

Diese Bibel ist Gottes Bibel; und wenn ich sie sehe, scheint es mir, als höre ich eine Stimme aus ihr hervorgehen, die sagt: „Ich bin Gottes Buch; Mensch lies mich. Ich bin Gottes Handschrift; öffne mich, denn ich bin von Gott geschrieben worden; lies mich, denn Er ist mein Verfasser, und du wirst Ihn Überall sichtbar und deutlich erkennen.“

Hindernisse für eine lebendige Gemeinde

Es ist schrecklich, von der Bestrafung zu lesen, die die alten Tyrannen zuweilen verhängten, indem sie einen lebendigen Menschen an einen Leichnam banden, mit dem er umhergehen musste, so daß der Verwesungsgeruch beständig seine Nase erfüllte. Und doch befinden sich die rechten lebendigen Glieder in unseren Gemeinden oft in ähnlicher Lage. Ein Teil der Gemeinde ist geistlich tot, hält sich jedoch so, daß er nicht von dem ganzen losgetrennt werden kann, und die Lebendigen fühlen sich an ihn gebunden. Das Unkraut, das wir nicht auszurotten wagen, hindert den Weizen und hält ihn auf. O, daß Gott die Gemeinden ganz lebendig machen möchte, und daß alle wie aus einem Munde riefen: „Der Herr sei gepriesen!“

- Was die Waffen Roms bei Hannibal nicht auszurichten vermochten, das gelang den Festgelagen. Die Soldaten, die durch die Gegenmacht nicht bezwungen werden konnten, wurden durch den Luxus und durch die festlichen Ruhetage überwunden. - Wenn eine christliche Gemeinde sich der trägen Ruhe überlässt und ihre Aufgabe vergisst, wird sie ihren Platz nicht lange behaupten können.

Höflichkeit

„Hofleute sind höflicher in ihren Manieren als gewöhnliche Untertanen, weil sie mehr vor den Augen und in der Gesellschaft ihres Fürsten sind. Je öfter wir an Gottes Hofe sind, desto heiliger werden wir werden.“

Wenn wir gute Sitten von Menschen lernen, was mögen wir erwarten, wenn wir mit dem Meister sind! Von Jesu werden wir Sanftmut und Liebe, Reinheit und Selbstaufopferung lernen, und so die Sitten am Hofe des Friedensfürsten annehmen und die plumpen Manieren ablegen, die uns ankleben“ weil wir in Mesech gewohnt und in den Hütten Kedars geweilt haben. Es gleicht keine Vorbereitung auf den Himmel derjenigen des Bleibens bei dem Herrn des Himmels.

Komm, mein Herz, wandelst du jetzt mit Gott? Wie lange ist es her, seit du mit deinem Herrscher gesprochen hast? Stehe auf und begib dich an seinen königlichen Hof, und, bist du einmal da, gehe nie mehr aus. Dein Himmel und deine Vorbereitung auf den Himmel liegen beide in deinem Herrn.

9)

Keile

Wenn ein Mann einen Block spaltet, so bohrt er erst kleine Keile hinein und dann größere; so bohrt sich der Teufel stufenweise Eingang in die Seele. Judas maust und stiehlt zuerst aus dem Beutel; dann tadelt er Christus als sehr verschwenderisch: „Was soll diese Vergeudung?“. Das war nicht nur ein Verweis für das Weib, sondern für Christum selber. Zuletzt, nach Christi Rüge, hasst er ihn und verrät ihn dann seinen Feinden.

Man kann mit dem Teufel nur fertig werden, wenn man ihn sich ganz vom Leibe hält. Diese seine kleinen Keile wissen sich entsetzlich leicht einzuschieben, weil sie so klein sind. Haltet sie fern, sonst wird Schlimmeres folgen. Ein gelegentliches Glas führt zu trunkenen Gelagen, ein Besuch des Tanzbodens wächst bis zu üppigem und wüstem Leben; kleine Unehrlichkeit bringt es zu völligem Diebstahl; geheime Diebstähle enden in öffentlichen Gräueln Das Ei allen Unheils ist so klein wie ein Senfkorn. Es ist mit dem Übertreter wie mit dem fallenden Stein, je tiefer er fällt, desto schneller fällt er. Hütet euch vor kleinen Keilen! Selbst eiserne Kisten sind erbrochen worden, wenn kleine Keile für des Einbrechers Hebel Raum gemacht haben.

10)

Kleinigkeiten

Wir gestehen nicht gern, daß uns Kleinigkeiten stören können, aber es ist doch der Fall und ist auch nicht zu verwundern. Bei einem großen Unglück raffen wir uns auf, werfen uns auf Gott und empfangen Kraft von ihm; aber von kleinen Widerwärtigkeiten lassen wir uns drücken und quälen; die kleine Verletzung entzündet sich, eitert und wird am Ende gefährlich. Soll das so bleiben?

Lass dich nicht um deinen Glauben bringen

Lass dich nicht um deinen Glauben und deine Seligkeit bringen! Viele Löwen drohen auf dem Weg, auf dem die Seele zu Jesu kommen will. Allein wir dürfen sagen: „Ich fürchte mich vor der keinem, Herr, hilf mir! Ich vertraue dir! Ich dränge mich durch alle Hindernisse zu dir! Ich werfe mich nieder vor dir! Und du hast versprochen, du willst den nicht ausstoßen, der zu dir kommt.

11)

Manche Leute

Manchen Leuten darf man trauen, soweit man sie sehen kann, aber auch nicht weiter, denn andere Gesellschaft macht sie zu anderen Leuten. Wie das Wasser sind sie heiß oder kalt, je nach der Temperatur. Sie sind wie eine Wetterfahne und richten sich nach dem Winde.

12)

Mission

Es ist das Werk des Heiligen Geistes, das Netz des Evangeliums zu füllen; unsere Sache ist es, es auszuwerfen und auf dem Grund entlang zu ziehen. Ob wir gute oder schlechte Fische fangen, das ist nicht so sehr unsere Sache als die unseres Meisters.

13)

Nachfolge

Jesus wird nie in einem geteilten Herzen wohnen. Er will alles für uns sein oder gar nichts. Darum erforsche dein Herz, entthrone alle Götzen, wirf alle Eindringlinge hinaus, züchtige alle Übertreter, ja, schlage die Teufel, die an deiner Schwelle lauern, in die Flucht. Wen wir dauernde Gemeinschaft mit dem Sohne Gottes haben wollen, so müssen wir strenge Nachforschung nach allen Sünden halten. Ein kleines Übel wird zu Zeiten unseren Frieden stören, gerade wie ein kleiner Stein im Schuh unseren Gang verdirbt. „Der Herr, dein Gott, ist ein eifersüchtiger Gott!“ und Jesus, dein Bräutigam, ist auch eifersüchtig. Schwer schlug er Jerusalem, weil e Gemeinschaft mit anderen Göttern suchte und sich viele Liebhaber wählte. Darum halte dein Haus und dein Herz ihm offen und allem anderen verschlossen. Mit Sünde kann er nicht zusammenwohnen. Kannst du erwarten, daß der Engel des Bundes mit dem Fürsten der Finsternis zusammenwohnt? Kann Eintracht zwischen Christus und Belial sein? Erwache also und rufe: „Hinweg, ihr Unheiligen“, mein Herz ist der Tempel Jesu, und ihr müsst nicht seine heiligen hallen verunreinigen. Wenn sie nicht zurückweichen, o nimm die Geißel der Buße und Selbstverleugnung zur Hand, und wenn du sie gut gebrauchst, werden die Störenfriede nicht lange Widerstand leisten.

O Gotteskind, ist kein fremder Gott bei dir? Stelle eine gründliche Nachforschung an. Heiße selbst deine geliebte Rahel aufstehen, denn der Götze ist oft verborgen unter dem Platz, wo sie sitzt. Sage nicht rasch: „Ich bin kein Götzendiener!“ Die Sünde nähert sich in äußerst hinterlistiger Weise, und ehe du es merkst, bist du in die Maschen ihres Netzes verstrickt. Die Liebe zum Geschöpf hat eine bezaubernde Macht über die Menschen, und sie kennen selten die Verräterei Belials, bis ihre Locken geschoren sind. O Töchter Zions, lasst den himmlischen König Salomo allein eure Liebe haben, besingt seinen Namen in euren Liedern und schreibt seine Taten auf die Tafeln der Erinnerung, so wird er in der Stadt Davids wohnen und in Liebe über euch regieren; aber wenn ihr einem anderen huldigt, so wird er an seinen Ort zurückkehren und eure schöne Stadt zu einem Sprichwort unter den Feinden machen. Habt keine Gemeinschaft mit Fremden, wenn ihr die Kundgebungen der Liebe von eurem anbetungswürdigen Freunde wollt.

Nutzen der Weisheit

Weisheit ist der rechte Pfad. Auf diesem Pfad gelangt der Mensch am besten zum Zweck seines Daseins, und darum gewährt sie ihm den reichsten Genuss und den weitesten Spielraum für alle seine Kräfte. Weisheit ist der Kompass, der den Menschen durch die unwegsame Wüste des Lebens leitet. Ohne Weisheit ist der Mensch wie ein wildes Füllen; er läuft hierher, dorthin, verschwendet nutzlos seine Kräfte, die er so gut verwenden könnte. Ohne Weisheit gleicht der Mensch einem unbebauten Boden, der einige schöne Blumen tragen mag, aber nie eine Ernte gewährt, welche die Mühe des Schnitters, oder auch nur den Schweiß des Ährenlesens lohnte.

Nutzlose Abendmahlsfeier

Kürzlich hörte ich, daß die Socinianer an einem Ort schon dahin gekommen seien, das Abendmahl dadurch zu feiern, daß sie Brot und Wein auf den Tisch stellen, damit es die Leute ansehen könnten; aber sie betonen, daß das tatsächliche Essen und Trinken ganz unnötig sei. Nun, das stimmt mit ihrem Glaubensbekenntnis ganz überein, denn sie haben keinen Christus, an dem sie sich nähren. In ihrem Glauben ist nichts, daß auch nur eine Maus nähren könnte - vorausgesetzt, daß eine Maus eine Seele hätte. Warum sollten sie auch nur den Versuch machen, ihre Zuhörer durch Symbole zu weiden, da sie ja keinen Mensch gewordenen Gott und keinen versöhnenden Heiland haben! Wenn es wirklich wahr sein sollte, daß sie in ihren Kapellen Brot und Wein ausstellen, aber nicht davon genießen lassen, so ist das recht bezeichnend für ihr blutleeres, lebloses Evangelium - für ihren Christus, der nicht Gott - für ihren Jesus, der kein Opfer für die Sünde ist. Wie kann die Seele da Nahrung finden? Aber geben wir acht darauf, daß wir uns nicht damit zufrieden geben, aus der Ferne auf Christus zu blicken, ohne teil an Ihm zu haben. Was soll mit Nahrung, mit Fleisch und Blut geschehen? Es soll genommen und genossen werden.

Prüft euch, ob ihr im Glauben steht!

„Hast du den Glauben?“ Du sagst: ja, ich habe ihn. Ich will dich noch etwas fragen: Macht dieser Glaube dich auch gehorsam? Der Besessene, den Jesus geheilt hatte (Luk. 8), wäre gern bei Jesus geblieben und hätte seinen Worten gelauscht, aber als Jesus ihn heimgehen hieß, ging er ohne Widerrede. Macht dein Glaube dich gehorsam?

Es gibt in unserer Zeit recht traurige Arten von Christenmenschen, die nicht einmal die ganz gewöhnliche Ehrlichkeit haben. Es gibt Menschen, die, ohne gottesfürchtig zu sein, doch im geschäftlichen Verkehr streng nach dem Recht handeln und ehrlich sind, während hingegen manche, die sich als Christen bekennen, vielleicht nicht gerade unehrlich sind, aber es doch nicht so genau nehmen, hier und da ein klein wenig von der geraden Linie abzuweichen. Sie bezahlen ihre Rechnungen nicht zu rechter Zeit, sie sind nicht pünktlich und gewissenhaft; ja manchmal - was hilft es, die Wahrheit zu verbergen? - findet man Christen, die geradezu unehrlich handeln und die Dinge tun, über die sich ganz weltliche Menschen schämen würden.

Aber glaube mir, wenn du in deinen geschäftlichen Beziehungen etwas tun kannst, was eines ehrlichen Mannes unwürdig ist, so bist du überhaupt kein Christ. Sei überzeugt, daß, wenn du im Ungehorsam gegen die Gebote Gottes dahinlebst, wenn du deinem Christennamen Schande machst, wenn du Gespräche führst, an denen sich ein Weltmensch schämen würde, dann ist die Liebe Gottes nicht in dir. Ich verlange keine Vollkommenheit, aber ich verlange Redlichkeit. Wenn dein Christentum nicht fertig bringt, daß du in den Dingen dieses Lebens gewissenhaft bist und darüber betest, wenn du nicht in Jesus Christus eine neue Kreatur bist, so ist dein Glaube nichts als ein tönendes Erz und eine klingende Schelle.

Solches tut zu meinem Gedächtnis!

Die Christen haben viele Schätze in das Kabinett ihres Gedächtnisses zu verschließen. Sie haben Ursache, an ihre Erwählung zu denken, die geschehen ist „vor Grundlegung der Welt.“ Sie sollten nie ihr Herausziehen „aus der grausamen Grube und aus dem Schlamm“ vergessen. Sie sollten sich ihrer kräftigen Berufung oft erinnern, denn sie sind von Gott berufen und durch die Kraft des Heiligen Geistes befreit worden. Sie sollten ihrer besonderen Errettungen gedenken, alles dessen, was für sie geschehen ist und all der Gnade, die ihnen zuteil geworden ist. Aber da ist Einer, den sie mit den köstlichsten Spezereien in ihren Seelen einbalsamieren sollten; Einer, der mehr wert ist, als alle andern Gaben Gottes, verdient es, beständig im Gedächtnis behalten zu bleiben - Einer, sage ich, eine Persönlichkeit, deren Porträt ich in Gold fassen und im Staatsraum meiner Seele haben muß. Ich möchte, daß ihr ernste Forscher nach allen Taten des überwindenden Messias seid. Ich wünschte, daß ihr gründliche Kenner des Lebens unseres Geliebten seid. Aber o, vergesst nicht seine Person! „Solches tut zu meinem Gedächtnis.“ Es ist Christi herrliche Person, die der Gegenstand unserer Erinnerung sein muß; es ist sein Bild, das in jedem Tempel des Heiligen Geistes bemerkbar sein sollte.

Überaus kostbar ist das eigene Heim

Überaus kostbar ist das eigne Heim! Meine Kartoffeln daheim schmecken mir besser als der Braten beim Nachbar. Nirgends riecht das Geißblatt so gut als das an meiner eignen Türe. Mein Garten ist ein Paradies, und bloß deswegen, weil er zu meinen lieben alten Haus gehört. Von der Gesetzgebung verstehe ich nicht viel; wenn sie aber bedeutet, daß man jeden in seinem Heim in Ruhe lassen soll, dann soll sie hoch leben!

14)

Versäumt die Gelegenheit nicht!

Versäumt die Gelegenheit nicht! Manche Leute bummeln hin zum Bahnhof, und wenn der Zug schon fort ist, sagen sie: Meine Uhr ist heute Nacht stehen geblieben. Sie machen ihre Warenkisten auf, wenn der Markt vorüber ist, und taugen so wenig wie ein alter Kalender. Willst du dein Testament machen, wenn du keine Feder mehr halten kannst, und Buße tun, wenn du nicht mehr klar im Kopfe bist?

15)

Versuchung

In einer bösen Stunde ließ ich meinen Glaubensanker gleiten. Ich zerschnitt das Kabeltau meines Glaubens; ich ankerte nicht mehr dicht an der Küste der Offenbarung. Ich ließ mein Schiff vom Winde treiben und trat so die Reise des Unglaubens an. Ich sagte zur Vernunft: Sei du mein Kapitän! - und zu meinem eigenen Gehirn: Sei du mein Ruder! - und trat damit meine tolle Fahrt an. Gott sei Dank, sie ist jetzt ganz vorbei! Aber ich will euch ihre kurze Geschichte erzählen. Es war ein eiliges Segeln über das stürmische Meer der Freigeisterei. Satan schießt oft über sein Ziel hinaus. Die schreckliche Bosheit seiner entsetzlichen Lästerungen bringt, einer zu starken Ladung Pulver ähnlich, die Kanone zum Platzen, und er schadet sich und seiner Sache, während das Ziel, auf welches er seine verderbenbringenden Geschosse gerichtet hat, entflieht, um von Gnade und erlösender Liebe zu singen.

Vom Unkraut im Weizen

Wir alle haben von dem Unkraut gehört, das den Weizen erstickt. Wären wir weise, so würden wir versuchen, Unkraut durch den Weizen zu ersticken. Wenn die Seele mit Gutem ausgefüllt ist, ist das ein kräftiges Schutzmittel gegen die Versuchung. Habt das Herz voll heiliger Dinge, und die Eitelkeiten der Welt werden nicht so schnell eine Stätte finden.

Von Unentschiedenheit, Schwäche und Glaubenseifer.

Früher waren die Menschen viel eher zu starr und einseitig in ihren Überzeugungen. Wenn einer einmal einen Weg eingeschlagen hatte, so verlangte er, daß alle anderen denselben Weg gingen. Wenn einer etwas glaubte, so glaubte er recht und entschieden - das war gut; aber er verachtete und verabscheute alle, die nicht ganz in derselben Weise glaubten wie er - das war unrecht. Er hatte die gute Absicht, andere zu bekehren, aber sein Eifer und seine vermeintliche Unfehlbarkeit verleiteten ihn dazu, solche, die sich nicht gewinnen ließen, zu verfolgen, oder doch zu verlästern und zu hassen. Die besten Christen trennten sich voneinander und schlossen sich zu besonderen Gemeinschaften zusammen, weil sie in ganz unwesentlichen Dingen verschiedener Ansicht waren. Die Menschen kämpften mit Eifer für den Glauben - aber in der Hitze des Kampfes wurde gar oft die Liebe vergessen. Dieser Fanatismus, ein Auswuchs an dem Baum des echten Glaubenseifers, ist abgeschnitten worden.

Wie kann unserem mattherzigen, schwachen, unentschiedenen Geschlecht aufgeholfen werden? Strenge äußere Kirchlichkeit, allerlei Regeln und Gesetze helfen dagegen nicht. Die Erneuerung muß von innen anfangen. Gottes Gnade muß den Schwachen einen neuen, gewissen Geist geben. Ein tiefes Sündenbewusstsein, ein Erleben des Gesetzes im Gewissen, ein Einblick in die Torheit und Schwäche der menschlichen Natur - das sind die Grundlagen für einen tüchtigen Charakter. Wenn unsre Buße gründlicher, unser Glaube einfältiger wäre, dann wären wir auch klarer und sicherer in unsern Ansichten. Ein demütiges Gefühl unsrer Sündhaftigkeit und der Allmacht der göttlichen Gnade, ein Anteil an dem erneuernden Werk des heiligen Geistes, ein reichliches Erleben der geistlichen und ewigen Wahrheiten - wer diese Dinge besitzt, der hat das Zeug, um ein gläubiger, ein recht entschieden gläubiger Christ zu sein. Er sitzt zu Jesu Füßen und lernt von ihm. Dann zeugt er auch mutig vor den Menschen, und sie merken, bei wem er gelernt hat. Sein Herr ist ihm dann so wichtig, daß er nicht mehr um das Lob der Menschen buhlt; er hält die Wahrheit so fest, daß sie ihm nicht zum Spielball der Tagesmeinungen werden kann. Er ist nicht schwach und mattherzig, sondern fest und unbeweglich und nimmt immer zu in dem Werk des Herrn.

Das macht ihn aber nicht lieblos und hart gegen die Irrenden. Er weiß ja, daß es nur unverdiente Gnade ist, die ihn erleuchtet hat; wie sollte er denen zürnen, die noch in der Finsternis sitzen? Festhalten an der Wahrheit braucht uns nicht engherzig und lieblos zu machen; im Gegenteil: Wahrheit und Liebe, Wahrheit und Barmherzigkeit gehören zusammen. Es ist vielleicht schwer, den Irrtum von Herzen zu hassen und den Irrenden von Herzen zu lieben, aber der heilige Geist kann es uns lehren. Es wird dann bei uns nicht mehr heißen: schwach und unentschieden, sondern: entschieden aber weitherzig.

Wahrheit

Welche Wahrheit gibt es, die nicht von Theologen in Zweifel gezogen, von Doktoren der Theologie in Frage gestellt und zuletzt von den Priestern des „neueren Denkens“ angeklagt worden ist? Nichts bleibt übrig, auf das eine gewisse Schule von Predigern nicht ihre Zweifelsucht gespien hat. Unter denen, die verordnet sind, Prediger des Evangeliums Christi zu sein, sind viele, die nicht Glauben, sondern Zweifel predigen und deshalb eher Diener des Teufels genannt werden können als Diener des Herrn.

Werke

Nimm eine große Kiste und lege so viele Kanonenkugeln, wie sie fassen kann, dahinein; sie ist in einer Weise voll, aber sie kann noch mehr fassen, wenn sich kleinere Dinge finden. Bringe eine Anzahl Marmelsteine, sehr viele von diesen können in die leeren Räume zwischen den größeren gebracht werden; die Kiste ist jetzt voll, aber nur in einem Sinne voll, sie kann noch mehr fassen. Es sind noch viele kleine Zwischenräume, wohinein du eine beträchtliche Menge Schrot schütten kannst, und nun ist die Kiste ohne alle Frage voll, aber es ist doch noch Raum da. Du kannst kein Hagelkorn und keinen Marmel mehr hinein tun, viel weniger noch eine Kanonenkugel, aber du wirst finden, daß mehrere Pfund Sand noch zwischen die größeren Sachen hinunter gleiten, und selbst zwischen diesen Sandkörnern wird, wenn du jenen Wasserkrug ausleerst, noch Raum für all das Wasser sein und für noch mehr Krüge voll. Wenn kein Raum da ist für das Große, so mag noch Raum für das Kleine sein; wo dies Kleine nicht hinein kann, mag das noch Kleinere sich einen Weg bahnen; und wo dies ausgeschlossen ist, mag das Allerkleinste noch reichlich Raum finden.

Nun, der fleißige Prediger mag nicht fähig sein, mehr Predigten zu halten, das Buch, worin seine übernommenen Verpflichtungen stehen, mag ganz voll sein. Er mag nicht imstande sein, mehr öffentliche Gebete darzubringen oder das Wort Gottes noch beständiger zu studieren; es ist soviel Zeit auf dies alles verwandt, wie dafür nur gegeben werden konnte. Doch müssen immer noch freie Augenblicke da sein, gelegentliche Zwischenzeiten und erhaschte Momente, die im Laufe von Monaten und Jahren sehr viele, kleine, nützliche Dinge noch enthalten können. Was für ein Reichtum an kleinerem Gut, wofür wir es vielleicht halten, kann in diese Zwischenräume einer Arbeit von zehn Jahren noch hinabgeschüttet werden, der durch Gottes Gnade ebenso köstlich in seinen Ergebnissen sein kann, wie die größeren Werke derselben Periode. Kleine Fische sind schmackhaft, und diese kleinen Werke mögen an Segen besitzen, was ihnen an Umfang fehlt.

16)

Wie Gott seinen niedergeworfenen Knecht wieder aufrichtete

Nach jenem schrecklichen Ereignis in der Surrey Gardens Music Hall schien aller Mut von mir gewichen zu sein, und mein Verstand selbst schien mich im Stich gelassen zu haben. Ich war niedergeworfen; ich musste weg; ich musste allein sein, und so ging ich eines Tages in dem Garten eines Freundes einher. Irgend jemand beobachtete mich, denn man wusste nicht, was mit mir geschehen könne. Ich war so herunter, daß es schien, als sei ich nicht imstande zu beten oder die Schrift zu lesen; aber als ich so im Garten schlenderte, kam mir diese Stelle in den Sinn: „Darum hat Ihn auch Gott erhöht und Ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist,“ und ich sagte zu mir: „Ich bin ein armer Soldat, der in der Schlacht verwundet ist und nun im Graben liegt; aber da fährt mein König in seinem Siegeswagen einher und bei Ihm ist alles in bester Ordnung; denn Er ist König aller Könige und Herr aller Herren.“ Es war mir, als ob mich das in den Stand setzte, mich im Graben aufrichten zu können, und ich rief aus: „Gelobt sei sein herrlicher Name!“ Und in jenem Augenblick kehrten meine Kräfte wieder zurück; ich ging ins Haus und sagte: „Ich fühle mich vollkommen wohl und kann am nächsten Sonntag wieder predigen.“ Ich predigte am darauffolgenden Sabbat über den Text, der so reichlich an meinem Herzen gesegnet worden war. Was lag daran, was auch aus mir werden mochte! Es ist gleich, ob ich lebe, oder ob ich sterbe; kein Mensch kann mir die Freude nehmen, daß Jesus Christus lebt und regiert und triumphiert, und daß Er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten nach meinem Evangelium.

Wolken

Am Himmel hängen schwarze Wolken; sie verdecken die Sonne, sie verdüstern die Gegend, und der ängstliche Mensch fürchtet sich vor dem drohenden Unwetter. Aber was macht denn die Wolken so schwarz? Sie sind voll von Regen, und bald werden sie sich über das durstige Land ergießen und die heiße Erde erfrischen.

Du bist vielleicht ein zaghafter Christ und deine Verhältnisse sind nicht immer so, wie du sie gern ordnen möchtest. Du hast viele Vermögensverluste; ein Freund nach dem andern verlässt Dich, du bist kaum von einer Krankheit genesen, so befällt dich schon wieder eine neue. Das sind schwarze Wolken, aber wenn sie nicht schwarz wären, so dürftest du auch keinen Regen erwarten. Wenn deine Trübsal nicht schmerzlich wäre, so wäre sie auch nicht nützlich; wenn das Leiden dich nicht schmerzte, so hättest du auch keinen Segen davon. Mancher sagt wohl: „Wenn es nur nicht gerade dieses Leiden wäre! Wenn die Trübsal in irgend einer andern Gestalt käme, würde ich mir nicht so viel draus machen.“ Aber Gott will ja eben, daß du dir etw2as daraus machst, denn nur dann hasst du einen Segen davon. Wir müssen nicht nur Trübsal haben, sondern die Trübsal soll uns demütigen. Wenn das Kind die Rute gern hätte, so wäre es keine Züchtigung, und wenn den Christen die Trübsal, während er sie erleidet, angenehm dünkte, so wäre es keine Trübsal. Die bittere Arznei bringt Heilung, und die schwarze Wolke bringt Regen.

Ich weiß nicht, was deine besondere Trübsal ist, aber der sie geschickt und angemessen und ihre Grenzen gesteckt hat, wird dich auch ans Ende führen und seine gnädigen Absichten darin erweisen. Glaube doch nicht, daß Gott seine Kinder hart behandelt und ihnen unnötige Schmerzen macht. Es tut ihm weh, wenn er dir weh tun muß, „denn er nicht von Herzen die Menschen plagt und betrübt.“ (Klagelieder 3,33)

Du musst nicht nur für die Vergangenheit glauben, sondern du musst von deiner augenblicklichen Notlage aus vorwärts glauben. Wenn dir Gott aus einer und der anderen Not geholfen hat, ist dann anzunehmen, daß er dich in der gegenwärtigen im Stich lassen wird? Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten und in der siebenten wird dich kein Übel rühren. Es mag wohl manchmal schwer sein, sich die Verheißungen Gottes für den bestimmten Fall anzueignen, denn der Unglaube kämpft gewaltig dagegen; aber wenn du die Verheißung nicht für den einzelnen, bestimmten Fall gebrauchst, so ist sie eine Salbe, die nicht auf die Wunde gelegt wird, oder eine Arznei, die der Kranke nicht einnimmt. Die Arznei mag noch so kräftig sein - wenn der Kranke sie nicht nimmt, erfährt er ihre Kraft nicht, und die Verheißung mag noch so süß und köstlich sein - wenn du sie dir nicht aneignest, kann sie dich auch nicht trösten. Bete also um Gnade zu glauben, daß die finstere Wolke, unter der du bist, sich in wohltätigen Regen auflösen wird.?

Wünschenswerte Stimmung

Als jener Walliser Häuptling die Entdeckung machte, daß er in seiner heißblütigen Hast den Hund erschlagen hat, der seinem Kind das Leben gerettet hatte, weinte er bitterlich. Das geschah um einen Hund. Wenn ihr heute Abend heimkehrt und fändet, daß ihr durch irgendein Missgeschick einen Freund getötet habt, der einmal euer Leben rettete - ich weiß, ihr würdet ihm ein treues Andenken bewahren. Eine alte Tradition berichtet, daß Petrus, so oft er den Hahn krähen hörte, gewöhnlich anfing, bitterlich zu weinen, und so oft wir zum Abendmahl kommen, sollten auch wir wohl daran gewöhnt sein, zu weinen, wenn wir bedenken, daß wegen unserer Sünden der Heiland bluten musste

Zufriedenheit

O ihr armen Sklaven eurer täglichen Sorgen, wie glücklich wäret ihr, wenn ihr sie alle zu Jesus brächtet! Ob auch euer Käfig nicht weiter und euer Einkommen nicht reicher würde, ob ihr auch immer zu den Armen und mit harter Arbeit Beladenen gehörtet - ihr würdet eine und Zufriedenheit erlangen, durch die eure Verhältnisse besser würden, ohne daß sie sich änderten. Denn es kommt auf das gleiche heraus, ob die Verhältnisse sich nach unserem Sinn gestalten oder ob wir unseren Sinn nach den Verhältnissen richten. Es kommt alles darauf an, daß wir zufrieden sind. Wenn der Friede Gottes unsere Seele erfüllt, dann ist das Zufriedensein keine Kunst.

17)

Das Kreuz

Es ist von alters her verordnet, daß das Kreuz der Trübsal muß eingegraben werden auf jedes Gefäß der Gnade als das känigliche Wappen, womit des Königreichs Gefäße der Herrlichkeit geschmückt werden.

18)

Anmerkung: Die Texte auf dieser Seite wurden von mir sprachlich bearbeitet. AJ

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