Spurgeon, Charles Haddon - Das wahre Essen des Fleisches Jesu.

Gehalten am Sonntag, den 9.April 1876

„Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohns und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise und mein Blut ist der rechte Trank. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der bleibet in mir und ich in ihm.“
Johannes 6, 53-56

Unser Herr Jesus deutet in dieser Stelle nicht auf das Abendmahl hin, wie Einige zu behaupten gewagt haben, die wünschten, ihren sakramentalen Aberglauben zu stützen. Ich will nicht bei dem Beweis verweilen, daß zu der Zeit noch kein Abendmahl war, auf das er hindeuten konnte, obgleich sicherlich darin einige Beweiskraft liegt; sonder ich will euch lieber daran erinnern, daß bei solcher Deutung die Stelle nicht wahr sein würde. Selbst der hitzigste Verfechter der sakramentalen Deutung muß bekennen, daß die von unserm Herrn gebrauchten Ausdrücke nicht allgemein und ausnahmslos wahr sind, wenn sie in diesem Sinne gebraucht wären. Denn es ist nicht wahr, daß die, welche nie das Abendmahl genossen, kein Leben in sich haben, da es von allen Seiten zugestanden wird, daß Hunderte und Tausende von Kindern die in der Kindheit sterben, unzweifelhaft errettet sind, und doch haben sie nie das Fleisch Christi gegessen, noch sein Blut getrunken, wenn das Abendmahl des Herrn darunter verstanden wird. Es hat auch in vergangenen Zeiten viele Andere gegeben, die durch ihren Wandel bewiesen haben, daß das Leben Gottes in ihrer Seele war, und doch waren sie nicht fähig, das Brod am Tisch des Herrn zu essen, wegen Krankheit, Verbannung, Gefangenschaft und anderen Ursachen. Gewiß giebt es auch einige Andere, obgleich ich sie nicht entschuldigen will, die es versäumt haben, zu dieser gesegneten Gedächtnißfeier zu kommen, und trotz dessen sind sie wahrhaft Kinder Gottes. Will der Höchste der Hochkirchlichen jeden Quäker, wie fromm und heilig er auch sei, hinunter in den Abgrund der Hölle senden? Wenn dieses sich auf das Abendmahl bezieht, so ist es gewiß, daß der sterbende Schächer nicht in den Himmel hätte eingehen können, denn er saß nie am Kommuniontisch nieder, sondern ward am Kreuz bekehrt und ging ohne Taufe oder Abendmahl gerade Wegs mit seinem Herrn ins Paradies. Es kann niemals bewiesen werden, in der That, es ist gänzlich falsch, daß Niemand ewiges Leben hat, der nicht Brod und Wein am Kommunontische empfangen hat, und auf der andern Seite ist es ebenso unwahr, daß Jeder, der Christi Fleisch isset, ewiges Leben hat, wenn damit Jeder gemeint wird, der an der Eucharistie theilnimmt, denn es giebt unwürdige Empfänger nicht hie und da, sondern zu Hunderten. Ach es giebt Abtrünnige, die des Herrn Tisch für den Tisch der Teufel verlassen, welche den heiligen Namen entweihen, den sie einst zu lieben behaupteten; es giebt auch Viele, die Brod und Wein des Sakramentes empfangen haben und doch in Sünden leben, die ihre Sünde vergrößern, indem sie zu diesem Tische zu kommen wagen und welche, wie wir leider fürchten, in ihren Sünden sterben werden, wie viele Andere es gethan haben. Unwiedergeborne Personen sind sehr geneigt, viel aus dem Sakrament zu machen und nichts aus Christo. Sie halten sehr viel von dem Brod und Wein des (sogenannten) Altars, aber sie haben nie gewußt, was es ist, das Fleisch Christi zu essen und sein Blut zu trinken; diese essen und trinken unwürdig – indem sie fleischlich Brod essen, aber nicht geistlich des Erlösers Fleisch; für sie ist diese Feier eher ein Fluch, als ein Segen. Unser Herr bezog sich nicht auf das Fest seines Abendmahles, denn die Worte ertragen eine solche Auslegung nicht.

Es ist klar, daß die Juden den Heiland mißverstanden und meinten, daß er von dem buchstäblichen Essen seines Fleisches spräche. Es ist kein Wunder, daß sie untereinander zankten über solche Rede, denn, buchstäblich verstanden, ist es schrecklich und auf´s Äußerste empörend; ein viel größeres Wunder ist es, daß es Millionen giebt, die einen so ungeheuren Irrthum als wirkliche Wahrheit annehmen und an das buchstäbliche Genießen des Leibes Jesu glauben. Dies ist wahrscheinlich der höchste Punkt profaner Abgeschmacktheit, den der Aberglaube noch erreicht hat, zu glauben, daß eine solche kannibalische Handlung, wie sie das wirkliche Essen des Fleisches Christi einschließen würde, demjenigen der eines solchen Greuels schuldig wäre, Gnade mittheilen könnte. Während wir uns wundern, daß die Juden den Heiland so mißverstanden, sollten wir uns tausendmal mehr wundern, daß es auf der Erde noch Menschen, im Besitz ihrer Sinne, noch nicht dem Irrenhaus übergeben, giebt, die es versuchen, einen solchen schrecklichen Irrthum aus der heiligen Schrift zu vertheidigen, und, anstatt sich an einer so furchtbaren Behauptung zu stoßen, wie die Juden es thaten, es wirklich als eine Hauptlehre ihres Glaubens betrachten – daß sie buchstäblich das Fleisch Christi essen und sein Blut trinken sollen. Brüder, wenn es möglich wäre, daß unser Herr von uns verlangte, ein solches Dogma zu glauben, so würde es sicher die erstaunlichste Anstrengung der Leichtgläubigkeit von Seiten jedes vernünftigen Menschen erfordern und das Beiseitesetzen alles Schicklichkeitsgefühles; in der That, es würde nöthig scheinen, sich der Vernunft und Menschlichkeit zu entledigen, ehe man Christ werden könnte. Es würde ein Evangelium sein, daß sicher sich mehr für Wilde und Wahnsinnige eignete, als für Personen, die ihre Sinne haben und nur im geringsten Maße von absoluter Barbarei entfernt sind. Ich zweifle sehr, ob das Glaubensbekenntniß des Königs von Dahomen eine unnatürlichere Lehre enthält. Es wird uns indeß nicht zugemuthet, etwas so Unmögliches, so Entwürdigendes, so Gotteslästerliches, so Schaudererregendes für jedes Gefühl von Schicklichkeit zu glauben. Niemand aß je das Fleisch Christi oder trank sein Blut in einem Buchstäblichen oder körperlichen Sinne; eine so viehische, nein, so teuflische That ward noch nie begangen, noch könnte sie es werden. Nein, Brüder, die Juden waren im Irrthum; sie machten das Versehen, buchstäblich zu nehmen, was Christus geistlich meinte. Mit Blindheit gestraft, in Folge des Unglaubens, strauchelten sie um Mittag wie in der Nacht, und wollten nicht sehen, wo alles deutlich dargestellt war. Die Decke war über ihren Herzen. Ach, wie bereit ist der Mensch, die Worte des Herrn zu verkehren! Ich glaube, wenn Christus dies Wort buchstäblich gemeint, so hätten sie es hinweg vergeistigt; aber so ist die Verkehrtheit des menschlichen Geistes, daß, da er es geistlich meinte, sie es sofort in grob fleischlicher Art deuteten. Laßt uns nicht in ihren Irrthum fallen, sondern möge die göttliche Gnade uns leiten daß wir sehen, daß unsers Herrn Worte Geist und Leben sind. Laßt uns nicht in Knechtschaft gehalten werden durch den Buchstaben, welcher tödtet, sondern dem Geist folgen, der lebendig macht. Die geistliche Bedeutung ist klar genug für geistliche Menschen, denn sie haben geistliches Urtheil; aber zu den Unwiedergebornen werden diese Dinge in Gleichnissen gesprochen, „daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören.“

Unser erster Theil soll sein, was wird gemeint mit dem Essen des Fleisches und Trinken, des Blutes Christi? Und unser zweiter Punkt der Nachfrage soll sein: Was sind die heilsamen Wirkungen dieses Thuns?

ERSTENS: Zuerst denn, was wird gemeint mit dem Essen des Fleisches und Trinken der Blutes Christi? Es ist ein sehr schönes und einfaches Bild, wenn man es geistlich auf die Person unsers Herrn bezieht. Die Handlung des Essens und Trinkens wird vom Körper auf die Seele übertragen, und die Seele wird als essend dargestellt, - essend von Jesu als dem Brod des Lebens. Essen ist das In-euch-aufnehmen von etwas, was äußerlich existirt, was ihr in euch aufnehmt, was ein Theil eurer selbst wird und dazu hilft, euch zu stärken und zu erhalten. Dieses Etwas entspricht einem großen Bedürfniß eurer Natur, und wenn ihr es aufnehmt, so nährt es euer Leben. Dies ist das Wesentliche des Bildes und es beschreibt gut den Akt und die Folgen des Glaubens.

Um das Fleisch Christi zu essen und sein Blut zu trinken, müssen wir zuerst an die Wirklichkeit Christi glauben, - wir müssen ihn nicht als eine Mnthe, ein Geschöpf unserer Einbildungskraft, eine Erfindung des Genius oder eine Vorstellung des orientalischen Geistes ansehen, sondern wir müssen glauben, daß eine solche Person wirklich und in der That gelebt hat und noch lebt. Wir müssen glauben, daß er Gott war und doch sich herabließ, auf Erden Mensch zu werden, und hier lebte, starb, begraben ward und wieder auferstand. „Wer nicht mein Fleisch isset und trinket mein Blut.“ Es ist eine Ausdrucksweise, die wirkliche Existenz und wahrhafte Körperlichkeit des Leibes unsers Herrn meint, und die Gewißheit und Wahrheit seines Daseins in menschlicher Natur. Ihr könnt nicht errettet werden, wenn ihr nicht an einen geschichtlichen Christus, eine wirkliche Person glaubt.

„Ein Mensch war er wahrhafter Mensch,
Der starb auf Golgatha,
Und Blut und Wasser war´s das floß
Aus seiner Seite da.“

Diese selbe wirkliche Person ist in ihrer eignen Persönlichkeit in die Himmel aufgestiegen, sitzt nun zur Rechten des Vaters und ist verordnet, in Kurzem der Richter der Lebendigen und Todten zu sein. Weir sollten nicht die ausdrücke Fleisch und Blut brauchen, wenn wir nicht eine wirkliche Person bezeichnen wollten; solche Worte könnten nicht die Schöpfung eines Traumes, ein Phantom, ein Symbol beschreiben. Vor allen Dingen, wenn ihr selig werden wollt, müßt ihr an Jesum Christum, den Sohn Gottes glauben, als wirklich in der menschlichen Natur unter den Menschenkindern erschienen. „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns,“ und die Apostel erklären, daß sie „seine Herrlichkeit sahen, eine Herrlichkeit als die des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Wir müssen nicht nur an die Wirklichkeit des Heilands glauben, sondern an die Wirklichkeit seiner Menschwerdung, indem wir anerkennen, daß er, obwohl göttlich, zugleich menschlich war, daß er nicht die menschliche Natur zum Scheine annahm, wie gewisse Häretiker gesagt haben, sondern daß Jesus im Fleisch erschien und als solcher gehört und gesehen ward, berührt und betastet. Er ward in einem wirklichen Körper wahrhaft ans Kreuz geschlagen und wirklich ins Grab gelegt, und Thomas legte in Wirklichkeit seine Finger in die Nägelmaale und seine Hand in die Seite. Wir müssen also glauben, daß er gewiß und wahrhaftig von den Todten auferstanden ist und in seinem eignen, wirklichen Körper gen Himmel fuhr. Es müssen keine Zweifel über diese Grundwahrheiten obwalten: wenn wir von Christo essen wollen, so muß er wirklich für uns sein, denn man ißt und trinkt nicht Schatten und Einbildungen.

Wir müssen auch wahrhaft glauben an den Tod des menschgewordenen Sohnes Gottes. Die Erwähung seines Fleisches als gegessen, gesondert von seinem Blut, das getrunken wird, zeigt Tod an; denn das Blut ist im Fleische, so lange Leben da ist. Sein Tod ist mehr denn angedeutet in dem 51. Verse, wo unser Herr sagt: „und das Brod, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt.“ Brüder, wir müssen an unsers Herrn Tod glauben, wie er die Sühne für die Sünde ist, denn so genißt der Glaube seinen Leib als gegeben für das Leben der Welt. Es giebt Einige, die bekennen, an das Leben Christi zu glauben und sie stellen ihn als ein großes Beispiel auf, das uns von Gelbstsucht und andern Übeln erretten wird, wenn wir ihm folgen. Das ist nicht die Lehre des Textes; der Segen des ewigen Lebens ist nicht dem Folgen des Beispiels Christi verheißen, sondern dem Essen und Trinken seines Fleisches und Blutes, oder mit andern Worten, der Aufnahme Christi in uns selber: und die Verheißung gilt nicht dem Empfangen seines Beispiels oder seiner Lehre, sondern seiner Person, seines Fleisches, seines Blutes, - seines Fleisches und Blutes als gefondert und deshalb seiner selbst, als gestorben für uns und zum Opfer für uns gemacht. Gerade wie bei den Friedensopfern der Opfernde niedersaß und mit dem Priester von dem dargebrachten Opfer ein Festmahl hielt, so ist Jesus Christus, unser Passahlamm, für uns geopfert, und wir sollen von ihm, als dem Lamme Gottes essen, indem wir ihn in seiner Eigenschaft als Opfer und Sühne in unsre Seelen aufnehmen. Es ist vergeblich für uns, wenn wir dies nicht thun, auf Seligkeit zu hoffen. Der Vater hat ihn vorgestellt zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blut, und wenn wir uns weigern, ihn in dieser Gestalt anzunehmen, so ist Christus für uns ohne Nutzen. Christus, der Beispielgeber kann euch nicht erretten, wenn ihr ihn verwerft, als den Christus, der sein Haupt im Tode neigt, ja, im Tode am Kreuze, den er an seines Volkes Statt erlitt. Christus als König kann euch nicht retten, wenn ihr nicht an Christus als ein Opfer glaubt. Dies ist druchaus nothwendig zu einem seligmachenden Glauben: wenn ihr nicht sein Fleisch esset und trinket sein Blut, das heißt, ihn in seiner wirklichen Persönlichkeit annehmt, als ein Opfer für die Sünde dargestellt, so habt ihr kein Leben in euch. Dies ist, was geglaubt werden muß.

Aber um zu essen, glaubt ein Mensch nicht blos, daß Brod vor ihm steht und nimmt das Brod als geeignete Nahrung für seinen Körper an, sondern das nächste, was er thut, ist es sich anzueignen. Dies ist ein großer Theil von dem Akt des Genießens Christi. Wie ein Mensch, der ißt, sich die Stücke nimmt und sagt: „Dies ist Brod, von dem ich glaube, daß es den Körper nährt, und es soll nun mich nähren, ich nehme es, daß es mein Brod sei, so müssen wir mit Christo thun. Lieben Brüdern und Schwestern, wir müssen sagen: „Jesus Christus ist uns vorgestellt als die Sühne für Sünde, ich nehme ihn als die Sühne für meine Sünde an. Gott giebt ihn als den Grund, auf dem die Hoffnungen der Sünder gebaut werden sollen; ich nehme ihn als den Grund meiner Hoffnung an. Er hat einen Duell für Sünde und Unreinheit geöffnet; ich komme zu ihm und wünsche meine Sünde und Unreinheit in dem Duell seines Blutes hinweg zu waschen.“ Ihr könnt, wie ihr wißt, nicht essen, wenn ihr euch nicht die Nahrung zu eigen macht; in der That, nicht ist mehr des Menschen Eigen, als das, was er gegessen hat; sein Besitz desselben kann nicht geleugnet werden, noch kann es von ihm genommen werden so müßt ihr Christum annehmen, daß er so sehr euer eigen wird, wie das Brod, was ihr eßt, oder das Wasser, was ihr trinkt, - er muß über allen Zweifel hinaus euer sein, persönlich und innerlich. Zu ihm am Kreuze aufblickend, müßt ihr sagen: „Heiland der Sünder, die, welche auf dich trauen, sind erlöst. Ich traue dir auch als meinem Heilande und ich bin deshalb sicherlich durch dein kostbares Blut erlöset.“ Das Essen besteht zum Theil in dem Aneignen der Nahrung, so, wenn ihr euch nicht Fleisch und Blut Christi als eure eigne persönliche Hoffnung und Zuversicht aneignet, könnt ihr nicht selig werden. Ich habe Nachdruck auf persönliche Aneignung gelegt, denn Jeder ißt für euch selber essen; und so, wenn ihr Chrsitum nehmt, nehmt ihr ihn für euch selber; der Glaube ist eure eigne That und Handlung; Niemand kann für euch glauben, noch könnt ihr auf seligmachende Weise für einen Andern glauben. Ich sage es mit Ehrfurcht, der heilige Geist selber kann nicht für uns glauben, obgleich er uns zum Glauben führen kann und es auch thut; und in der That, wenn der göttliche Geist für uns glaubte, so würden wir die Verheißung nicht erlangen, da sie nicht einem stellvertretenden Glauben gegeben ist, sondern einzig und allein dem persönlichen Glauben. Wir verhalten uns nicht passiv beim Glauben, wir müssen Thätig sein und die persönliche That vollbringen, uns den Herrn Jesus anzueignen als unsrer Seele Speise und Trank. Dieser Glaube an Jesum und dies Aneignen seiner erklären viel von dem, was mit dem Essen seines Fleisches und Trinken seines Blutes gemeint ist.

Essen und Trinken besteht hauptsächlich im Empfangen. Was ein Mann ißt und trinkt, eignet er sich an, und das nicht, indem er es bei Seite legt in eine Truhe oder ein Kästchen, sondern indem er es in sich selber aufnimmt. Ihr eignet euch Geld an und steckt es in eure Tasche – ihr könnt es verlieren; ihr erwerbt ein Stück Land und zieht eine Hecke darum, aber diese Hecke kann niedergerissen werden; doch wenn ihr durch Essen und Trinken etwas empfanget, so habt ihr die guten Sachen dahin gebracht, wo sie euch nie geraubt werden, ihr habt sie in dem wahrhaften und gewissesten Sinne empfangen, denn ihr habt wahren Besitz und Genuß davon in eurer eignen Person. Nun, zu sagen, „Christus ist mein,“ ist etwas Seliges; aber wirklich Christum in sich aufzunehmen durch ein Akt des Glaubens, das ist zu gleicher Zeit die Lebendigkeit und die Freude des Glaubens. Beim Essen und Trinken bringt der Mensch nichts hervor, sondern er verzehrt; er ist nicht ein Thuer oder ein Gebender; er nimmt einfach auf. Wenn eine Königin ißt, wenn eine Kaiserin ißt, wird sie eben so völlig ein Empfänger, als der Arme im Werkhause. Essen ist ein Akt des Empfangens in allen Fällen. So ist es mit dem Glauben; ihr habt nichts zu thun, zu sein oder zu fühlen, sondern nur zu empfangen; der seligmachende Punkt ist nicht etwas, was aus euch herauskommt, sondern die Aufnahme eines Etwas, das euch mitgetheilt wird. Der Glaube ist ein Werk, welches der ärmste Sünder, der schändlichste Sünder, der schwächste Sünder, der am meisten verurtheilte Sünder vollbringen kann, weil es kein Werk ist, das irgend eine Kraft von seiner Seite erfordert, oder etwas, das von ihm ausginge, sondern es ist einfach ein Aufnehmen in sein Inneres. Ein leeres Gefäß kann empfangen und um so besser empfangen, weil es leer ist. O Seele, bist du willig, Jesum Christum als die freie Gabe göttlicher Barmherzigkeit zu empfangen? Sagst du heute: „Ich habe ihn so empfangen?“ Gut dann, du hast sein Fleisch gegessen und sein Blut getrunken. Wenn du den menschgewordenen Gott aufgenommen hast als leidend an deiner Stelle und Statt, so daß du nun auf ihn traust und auf ihn allein, dann hast du sein Fleisch gegessen und sein Blut getrunken.

Der Vorgang des Essens schließt noch etwas Anderes ein, das ich kaum einen Theil desselben nennen kann, das aber doch unauflöslich damit verbunden ist, nämlich Assimilation. Was bei Essen empfangen wird, geht in die innern Tehile, wird da verarbeitet und in den Körper aufgenommen; eben so nimmt der Glaube das himmlichse Brod, den Gekreuzigten Christus, auf und saugt es ein. „Das Wort der Predigt,“ lesen wir an einer Stelle, (Hebräer 4,2 engl. Ued.) „nützte ihnen nichts, da es nicht mit Glauben sich mischte in denen, die es hörten.“ Nun, im original ist der Gedanke an Speise, die in den Körper aufgenommen wird, aber sich nicht mit dem Magensaft vermischt, und deshalb unverdaut bleibt, unassimilirt, unnütz und selbst schädlich. Der Glaube ist für die Seele, was der Magensaft für den Körper; sobald der Mensch Christum aufnimmt, beginnt der Glaube auf denselben zu wirken, aus seiner Person, seinem Werk und Amt Nahrung zu ziehen; so wird Christus in Verstand und Herz aufgenommen, kräftigt die ganze Natur und wird ein Theil und Stück des erneuerten Menschen. Gerade wie Brod, wenn es gegessen ist, aufgelöst und eingesogen wird und nachher in Blut verwandelt, und durch allen Adern fließt und den Körper erhält, eben das ist Christus für die Seele; er wird unser Leben, und tritt geheimnißvoll in eine Lebenseinheit mit uns. Wie das Stück Brod, welches wir gestern aßen, nicht von uns hinweg genommen werden kann, weil es ein Theil unserer selbst ist, so wird Jesus Eins mit uns. Ihr aßet gestern Brod, und wo es heute ist, kann kein Philosoph sagen; ein Theil desselben mag gegeangen sein, um das Gehirn zu bilden und andere Theile, um Knochen, Sehnen und Muskeln zu formen, aber seine Bestandtheile sind nun in eure Bestandtheile aufgenommen, so daß das Brod nun in euch wohnt und ihr in ihm, da es euer leibes Haus ausmacht. Dies heißt, Jesum Christum genießen, ihn so aufnehmen, daß euer Leben mit ihm verborgen ist, bis ihr ihm gleich werdet, bis euer Leben Christus wird, und die große Thatsache, daß Jesus lebte und starb, für euer Gemüth die mächtigste Wahrheit unter dem Himmel wird, eure ganze Seele beherrscht, sie sich unterwirft und sie dann im höchsten Maße erhebt. „Denn die Liebe Christi bringet uns also; sintemal wir halten, daß so Einer für Alle gestorben ist, so sind sie Alle gestorben; und er ist darum für Alle gestorben, auf daß die, so da leben, hinfort nicht ihnen selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist.“ Wie Blumen das Sonnenlicht einfangen, bis sie in Regenbogenfarben gekleidet sind, so nehmen wir den Herrn Jesum auf, bis wir lieblich werden mit seiner Lieblichkeit und er, in uns wiederum lebt. Dies ist: sein Fleisch essen und sein Blut trinken.

Aber nun will ich eine Reihe Bemerkungen machen, etwas ungeordnet, in der Absicht, dieses geheimnißvolle Essen und Trinken in einer klaren Weise darzustellen.

Bemerkt, daß Christus der Seele nöthig ist, wie das Brod dem Leibe. Speise und Trank sind durchaus erforderlich; so müßt ihr Christum haben, sonst könnt ihr nicht leben in dem wahren Sinne des Wortes. Nehmt einem Körper die Nahrung, so muß er sterben; versagt einem Menschen Christum, und er ist todt, während er lebt. Es ist in uns ein natürliches Verlangen nach Speise und Trank, ein Hunger, der aus unserm Bedürfniß entspringt, und uns daran erinnert; strebt darnach, gerade solchen Hunger nach Christo zu fühlen. Eure Weisheit besteht darin, zu wissen, daß ihr Christum als euren eignen Heiland haben müßt, und anzuerkennen, daß ihr verderben werdet, wenn ihr ihn nicht empfangt, und es steht gut mit euch, wenn diese Erkenntniß euch nach ihm verlangen, schmachten und euch sehnen läßt. Hungert nach ihm, dürstet nach ihm; selig sind die, die nach ihm hungern und dürsten, denn er wird sie sättigen.

Speise und Trank sättigen wirklich. Wenn ein Mensch Brod und Wasser bekommt und genug genossen hat, so hat er, was seine Natur erfordert. Das Bedürfniß ist wirklich und die Abhülfe auch. Wenn ihr Christum bekommt, so wird euer Herz genau das erhalten, was es bedarf. Ihr wißt selber nicht völlig, was eurer Seele noth thut, aber seid versichert, daß, bekannt oder unbekannt, eure Bedürfnisse alle in der Person Jesu Christi befriedigt werden; und wenn ihr ihn annehmt, so wird er eben so gewiß das Verlangen eurer Seele befriedigen, als Speise und Trank den Hunger und Durst stillen. Träumt nicht länger von einer Befriedigung ohne ihn und verlangt nichts über oder neben ihm. Christus ist Alles und mehr als Alles; er ist auch Speise und Trank. Seid zufrieden mit ihm, und mit nichts, das weniger als er ist; hungert mehr und mehr nach ihm, aber verlaßt ihn nie, um euer Geld für das zu geben, was nicht Brod ist, und eure Arbeit für das, was nicht sättiget.

Geliebte, ein Hungriger wird nie von seinem Hunger befreit dadurch, daß er vom Speisen spricht, sondern dadurch, daß er wirklich ißt. Deshalb sprecht nicht sowohl von Christo, sondern nehmt ihn wirklich auf. Blickt nicht auf die Speisen und sagt: „Ja, diese werden mich sättigen, o, hätte ich sie!“ sondern eßt sogleich. Der Herr winkt euch zu dem Mahl, nicht um es anzusehen, sondern um nieder zu sitzen und ein Fest zu halten. Setzt euch gleich nieder. Bittet nicht um eine zweite Einladung, sondern sitzt nieder und genießt, was euch frei dargeboten wird in der Person Jesu Christi. Ihr müßt ihn in euch Gestalt gewinnen lassen, die Hoffnung der Herrlichkeit, aber dies kann nimmer sein, wenn ihr ihn nicht in eure innerste Seele aufnehmt.

In gesundem Essen ist ein Vergnügen. Kein Gesunder braucht gepeitscht zu werden, um zu essen, denn die Zunge empfindet den Wohlgeschmack, während wir genießen, und wahrlich, indem wir Jesum genießen, durchdringt eine köstliche Süßigkeit die ganze Seele. Recht königlich sind seine Speisen. Kein Ambrosia und kein Necktar kann unsterbliche Säfte mehr entzücken, als Jesus die Gläubigen entzückt. Er sättigt die Seele. Tausend Himmel genießen wir in des Heilandes Leib und Blut. Wenn ihr je den Geschmack an Christo verliert, seid versichert, ihr seid nicht gesund dann. Es kann kein gewisseres Zeichen von einem traurigen Herzenszustande geben, als Mangel an Freude in dem Herrn Jesu Christo; aber wenn er unserm Geschmack sehr süß ist, wenn selbst ein Wort über ihn, wie ein Tropfen Honigseim, süß auf unsre Zunge fällt, dann fehlt euch nicht viel, euer Herz ist im Kerne gesund. Selbst wenn ihr euch schwach fühlen solltet, so ist es eine Schwachheit der Natur und nicht ein Mangel an Gnade; und wenn ihr euch krank fühlt, wenn es Krankheit ist vor Liebe zu ihm, den eure Seele liebt, so ist das ein Leiden, an dem man wohl sterben möchte.

Essenszeiten kommen für unsern Körper mehrmals am Tage; so tragt Sorge, daß ihr öfter an dem Fleisch und Blut Jesu theilnehmt. Seid nicht zufrieden mit dem, was ihr gestern von Jesu empfangen habt, sondern empfangt ihn heute wieder. Lebt nicht von alter Gemeinschaft und Erfahrung, sondern geht stündlich zu Jesu und seid nicht zufrieden, bis er euch wieder und wieder mit seiner Liebe erfüllt. Ich wünschte, wir würden im Geistlichen gleich gewissen Thieren, die ich kenne, die im Stalle stehen und den ganzen Tag lang essen und die halbe Nacht durch auch. Hier möchte ich gern den Hunger des Roßigels bestitzten und niemals fühlen, daß ich pausieren müßte. Glücklich ist der Christ, der reichlich von himmlischer Speise genießen kann, niemals aufhört mit Essen, so lange Christus nahe ist, sondern fortwährend genießt bis tief in die Nacht und dann mit Tagesanbruch erwacht, um vom Himmelsbrod zu essen.

Es ist gut, bestimmte Zeiten zum Essen zu haben. Die Leute sind selten sehr gesund, die ihre Nahrung aufpicken gerade wie sie können und keine regelmäßigen Mahlzeiten haben. Es ist gut, bestimmte Stunden zu haben, um sich an den Tisch zu setzten und in gehöriger Weise Nahrung zu sich zu nehmen. Sicherlich ist es weise, feste Zeiten zu haben für die Gemeinschaft mit Christo, für das Nachdenken über ihn, die Betrachtung seines Werks und das Empfangen seiner Gnade, Ihr wißt, bei Kindern heißt es: „wenig und oft,“ und so bei uns, laßt es Zeile nach Zeile sein, und Vorschrift nach Vorschrift, hier ein wenig und da ein wenig. Ein Bissen zwischen den regelmäßigen Mahlzeiten ist oft einem arbeitenden Manne sehr angenehm, und so, obgleich ihr besondere Zeiten habt, um allein mit Christo zu sein, versagt euch nicht einen Bissen im Vorübergehn. Nehmt eine Schnitte mit Honig in den Zwischenzeiten, und legt sie auf eure Zunge, um euren Mund voll Süßigkeit zu machen: - einen auserlesenen Gedanken, einen Schriftspruch oder eine köstliche Verheißung von Jesus.

Ich bin sicher, es ist Eins, was ich von diesem Essen Christi sagen kann, daß niemals ein Mensch sich des Zuviel oder der Überladung schuldig machte, indem er Christo Fleisch und Blut genoß. Je mehr ihr von Christo esset, desto mehr werdet ihr fähig sein, von ihm zu essen. Wir werden jeder andern Nahrung schnell überdrüssig, aber niemals dieses himmlischen Brodes. Wir befinden uns oft im kranken Zustand in Bezug auf unsern Herrn, weil wir nicht genug von ihm gehabt haben, aber wir können nie zu viel von ihm haben. Wenn wir ihn völlig aufnehmen, so finden wir, daß er unsre Fähigkeiten erweitert und daß wir um so mehr im Stande sind, seine Lieblichkeit zu genießen.

Bemerkt, der Text sagt uns, daß der Gläubige sein Fleisch essen und sein Blut trinken soll, denn bemerkt, daß Christus Speise und auch Trank ist, er ist alles in Allem und Alles in Einem. Ein Mensch muß Christum nicht nur essen, sondern er muß Christum trinken: das heißt, er muß Christum nicht blos auf Eine Weise, sondern auf alles Weisen empfangen, und nicht blos einen Theil Christi, sondern den ganzen Christus; nicht blos Christi Gleisch als des Menschgewordenen, sondern Christi Blut als des geschlachteten Opfers und blutenden Lammes. Ihr müßt einen ganzen Christus haben und nicht einen getheilten Christus. Ihr habt Christum nicht wahrhaftig empfangen, wenn ihr nur gesagt habt, ich wähle diese oder jene Tugend in ihm aus; ihr müßt die Thüre aufthun und einen vollen Christum hineinlassen, um von eurer Seele Bestitz zu nehmen. Ihr müßt nicht blos sein Werk empfangen, seine Ämter, seine Gnaden, sondern ihn selbst, sein ganzes Selbst. Die empfangen gar keine Gnade, die das Blut Christi verwerfen, denn dies wird besonders erwähnt. O, was für harte Dinge habe ich sagen hören, selbst vor Kurzem noch, über die, welche das Blut Christi predigen. Laßt sie fortreden, wenn sie wollen, es ist auf ihre Gefahr; aber was mich betrifft, meine Brüder, ich hoffe, ich werde ihren Tadel immer mehr und mehr verdienen und das Blut Christi in noch größerem Maße predigen, denn es ist nicht, das der Seele Befriedigung gewärhren kann und jenen brennenden, gewaltigen Durst stillen der in unserer Natur liegt, als das Blut Jesu, des Lammes, das da erwürget ward vor Anbeginn der Welt.

Geliebte, es ist Ein süßer Gedanke da, daß das Fleisch und Blut Christi eine Nahrung ist, die für alle Zustände paßt. Es paßt für die Kinderlein in der Gnade und ist ebenso passend für die Alten. Es paßt für kranke Christen, sie können keinen süßern Bissen bekommen und es paßt für Christen in der vollen Kraft ihrer Gesundheit. Es ist Speise für den Morgen und Speise für die Nacht und den Mittag; es ist Speise für´s Leben und für´s Sterben, - ja, wer sie isset, soll nimmer den Tod sehen. Dies ist Speise für Festtage und dies ist Speise, wenn wir trauen und leiden; Speise für die Wüste und Speise für die königlichen Gärten, - Speise, hätte ich beinahe gesagt, für den Himmel selber, denn welche bessere Nahrung werden unsere Seelen selbst dort finden, als sein Fleisch und Blut?

Und gedenkt daran, alle, die zu des Herrn Volk gehören, können frei davon essen, - ja, und jede Seele, die darnach hungert, ist willkommen. Niemand braucht zu fragen, ob er es haben darf. Es wird allen gläubigen Seelen als Nahrung geboten, was sie auch früher gewesen sein mögen. Kommt und seid willkommen, kommt und seid willkommen hungernde, dürstende Seelen, kommt und eßt sein Fleisch und trinkt sein Blut.

So habe ich versucht, in gebrochenen Worten euch darzustellen, was es ist, sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken. Es ist, einen ganzen Christus in euch aufnehmen, indem ihr euch ihm ganz vertraut wie ein Mensch sein Leben dem Brode vertraut, das er ißt und dem Wasser, das er trinkt. Wie wißt ihr, daß das Brod euch nähren wird; Wie wißt ihr, daß das Wasser auch erhalten wird? Wohl, ihr wißt es aus Erfahrung, ihr habt es versucht, ihr habt gefunden, daß Brod gut für euch ist. Warum trinkt ihr nicht Vitriol? O nein, ihr kennt die Sache, ihr wißt, ihr könnt dem Brod vertrauen, daß es stärkt und dem Wasser, daß es euch erfrischt, und ebenso nehmt ihr Pfaffenthum und falsche Lehre nicht in euch auf, sondern die hochgelobte Person und das Werk Jesu Chrsiti in seinem Leben und seinem Opfertode, dieses nehmt ihr in euch auf, denn ihr fühlt, daß dies euch Nahrung giebt dieses ist die köstliche Speise, die eure Seele liebt.

ZWEITENS: Nun laßt uns in der Kürze betrachten, was sind die heilsamen Wirkungen dieses Essens und Trinkens Christi? Schlagt eure Bibeln auf und im 53. Verse findet ihr, daß dieses Thun nothwendig ist. „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohnes und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch.“ Es ist nothwendig, denn wenn ihr kein Leben in euch habt, so habt ihr nichts, das gut ist. „Kein Leben in euch.“ Ihr kennt die neue Lehre, daß es Keime des Lebens in allen Menschen giebt, die nur entwickelt zu werden brauchen. Die allgemeine Vaterschaft erspäht etwas Gutes in Jedem von uns und was er zu thun hat, ist, es auszubilden und zum Vorschein zu bringen. Dies ist die philosophische Idee, aber es ist nicht die Art, wie Christus es darstellt. Er sagt: „Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohnes und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch.“ Nein kein Fünklein wahren Lebens. Es kann kein Leben durch Bildung entstehen, der Sünder ist todt und in ihm ist nichts Gutes. Wenn irgend etwas Gutes da sein soll, so muß es in ihn hinein kommen, es muß hineingebracht werden; und es kann niemals in ihn hinein kommen, als nur in Verbindung mit seinem Essen des Fleisches und Trinken des Blutes Christi. Aber gesetzt, ein Mensch fühlt seine Sünden sehr; er beginnt das Böse der Sünde zu sehen und er fürchtet den zukünftigen Zorn. Dies ist hoffnungsvoll; aber ich erkläre euch feierlich, die ihr in diesem Zustande seid, daß ihr kein Leben habt, wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes esset, kein Leben, bis ihr an Chrsitum glaubt: bis ihr in seinem kostbaren Blute gewaschen seid, seid ihr noch todt in Sünden. O, seid nicht zufrieden, weil das Gesetz euch von eurer Schuld überzeugt, sitzt nicht in Dankbarkeit nieder, weil ihr etwas unruhig im Gemüthe seid. Ihr müßt niemals befriedigt sein, bis ihr Christum erhalten habt; denn ihr habt kein Leben in euch, bis ihr Christum erhalten habt. Aber vielleicht habt ihr Zeremonien erfüllt, ihr mögt getauft sein und das Sakrament genommen haben. Ja; aber wenn ihr niemals Christum gegessen habt, ihn in euch aufgenommen, so habt ihr kein Leben in euch; ihr seid todt, während ihr lebt. Nun, hier ist ein Beweis in unserm Text, daß „Leben“ nicht „Dasein“ bedeutet, wie die Leute jetzt schwatzen, die wenn sie lesen, daß „der Sünder stirbt,“ sagen, dies bedeute, daß sein Dasein aufhöre. Ungöttliche Menschen haben ein Dasein in sich, aber das ist wahrlich ein sehr verschiedenes Ding vom ewigen Leben, und ihr müßt nie Dasein mit Leben verwechseln, oder Todt mit Nicht-Sein, denn diese sind viele Meilen weit auseinander. Der Unbekehrte, da er Christum nicht hat, hat überhaupt kein Leben in sich. Ihr Glieder der Kirche, habt ihr Leben in euch, - wirkliches Leben? Ihr habt es nicht, wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes gegessen habt. Ihr mögt viele Jahre lang Bekenner Christi gewesen sein, aber habt ihr jemals Christum gegessen und Christum getrunken? Wenn nicht, so habt ihr kein Leben in euch. Ihr mögt vortreffliche sittliche Leute sein, euer Charakter mag ein Muster für Andere sein, es mag alles, was schön ist, an euch sein, aber wenn Christus nicht im Herzen ist, so bist du das Kind der Natur, schön gekleidet, aber todt; du bist nicht das lebendige Kind der Gnade; du bist eine schön gemeißelte Statue, aber wie beim kalten Marmor, es ist kein leben in dir. Nichts als Christus kann das Leben für die Seele sein und die höchste Vortrefflichkeit, welche die menschliche Natur ohne ihn erreichen kann, genügt nicht zur Seligkeit. Ihr müßt Jesum haben, sonst bleibt der Tod in euch und ihr bleibt im Tode. Das ist die erste Eigenschaft des Genießens Christi, es ist durchaus nothwendig.

Nun zweitens, es ist lebendigmachend. Leset den nächsten Vers: „Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken;“ das will sagen, er ist lebendig gemacht, indem er einen ganzen Chrsitus in sich aufnahm; er hat daher Leben. Obgleich er manchmal dahin kommen mag, es zu bezweifeln bei dem Zustand seines Herzens, doch wenn er wirklich Christum aufgenommen hat, ist er von den Todten erweckt und ist lebendig; und was mehr ist, er wird immer lebendig bleiben, denn er hat „das ewige Leben.“ Nun, ein Leben, das möglicherweise sterben kann, ist nicht ewiges Leben, weil es ein Ende nehmen kann. Gute Seele, ich weiß, wenn er wirklich an Jesum geglaubt hat, so wird er in lieblicher Weise seines Irrthums gewahr werden, und sein Leben wird fortdauern unter Versuchung und Anfechtung, denn es wird in ihm „ein Brunnen des Wassers sein, das ins ewige Leben quillet,“ es wird „ein lebendiger und unvergänglicher Same sein, der da lebet und bleibet für immer.“ O, laßt uns die köstliche Lehre von der Bewahrung der Heiligen bis ans Ende glauben. „Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben.“ Er hat es jetzt. Es ist ein Leben, das währen soll so lange wie Gott selbst, ewig wie Jehova´s Thron.

Und dann, was den Körper anlangt, der wird sterben, nicht wahr? Ja, aber so groß ist die Kraft des Lebens, das Christus uns giebt, daß der Körper selber auferstehen soll. Wir haben unsers Herrn Bürgschaft dafür: „Ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage.“ Noch ist der Leib todt um der Sünde willen, obgleich der Geist lebendig ist um der Gerechtigkeit willen; aber es wird eine Erlösung kommen für diese gebrechliche Form und für diese körperliche Welt, in der wir leben. Wenn Christus kommen wird, dann wird die Schöpfung von der Gebundenheit befreit werden, unter der sie jetzt ist und unsere materiellen Körper mit der ganzen übrigen Schöpfung werden frei werden. Die Leiber der Heiligen, frei von aller Unvollkommenheit, Verwesung und Befleckung, sollen wiederum leben in dem herrlichen Bilde Christi, und der Herr wird sein gnädiges Wort erfüllen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe.“ Dies Essen und Trinken Christi ist also lebendigmachend.

Drittens, es ist wirklich, „denn mein Fleisch ist die rechte Speise und mein Blut ist der rechte Trank.“ Dies ist das Gegentheil von dem nicht wirklichen Charakter der Sinnbilder. Die Feste der Juden waren ein bloßer Schatten; „aber,“ sagt Jesus, „mein Fleisch ist die rechte Speise.“ Habt ihr je Predigten gehört, wo der Prediger Alles und Jedes predigt, ausgenommen Christus, findet ihr da Nahrung? Wohl, wenn ihr von einer windigen Art seid, so mögt ihr von dem Ostwind aufgeblasen werden, wie die wilden Esel, wenn sie ihn aufschnappen (Jeremia 14, 6 engl. Übersetzung); aber ich weiß, wenn du ein Kind Gottes bist, so macht es nicht aus, wer predigt oder wie schwach seine Rede, wenn er Christum predigt, so fühlst du immer, als wenn du Nahrung erhieltest, deine Seele ist mit Fett und Mark gesättigt, wenn Christus das Thema ist. Es giebt keine solche Speise für die Seele, wie Christus ist, und die süßeste Erquikung kommt von den schwächsten Theilen Christi, denn Gottes Kraft ist vollkommen in seiner Schwacheit. Ihr fragt mich: „Was meinst du damit?“ Wohl unser Herr sagt in dem Texte: „mein Fleisch ist die rechte Speise,“ nicht „meine Gottheit,“ „mein Blut ist der rechte Trank,“ nicht meine Auferstehung und Himmelfahrt. Nicht „meine zweite Zukunft,“ sondern meine Schwacheit als Mensch , mein Tod als ein Mensch, meine Leiden, meine Schmerzen, meine Seufzer, dies sind die beste Nahrung für Gläubige. Findet ihr es nicht so? O, ich freue mich, von Christi zweitem Kommen zu hören, aber es giebt Zeiten, wo diese Lehre mir kein Fünkchen Trost verleiht. Die hellsten Sterne, welche den Himmel schmücken, sind für einen armen von Dunkel umgebenen Pilger die, welche um das Kreuz herum glänzen. Seltsam, daß wir zu der Stelle uns wenden, wo der Schmerz seinen Gipfelpunkt erreichte, um unsere reinsten Tröstungen zu finden, aber es ist so: „mein Fleisch ist die recht Speise,“ - Christus in seiner Schwachheit: „mein Blut ist der rechte Trank“ - Christus, der seine Seele in den Tod giebt, das ist die wahrste und beste Nahrung des Herzens. Nun, Brüder, wenn ihr in der Gnade wachsen wollt, nährt euch von Christo. Wenn ihr stark im Herrn werden wollt, nährt euch von Christo. Wenn ihr ein Etwas wollt, das euch in allen Theilen dauernd und wohl kräftigen wird, nährt euch von Christo, denn andere Dinge sind Speis und Trank, aber sein Fleisch ist die rechte Speise und sein Blut der rechte Trank. Eine wirkliche Nahrung dies.

Und zuletzt, eine andere Wirkung dieses Essens ist, daß es Vereinigung hervorbringt. Beachtet den nächsten Vers: - „Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der wohnet in mir und ich in ihm.“ Wie wunderbar ist dies Wort - „wohnet in mir.“ (engl. Übersetzung) Wenn ihr Christum als einen ganzen Christum in euch aufnehmt, so kommt ihr dahin, in Christo zu leben und Christus in euch. Es ist dieser Unterschied zwischen den zwei Vorrechten: in Christo leben, das ist der Friede der Rechtfertigung. Ihr glaubt an ihn, ihr vertrauht euch ihm an, ihr fühlt, daß ihr mit ihm gestorben und mit ihm auferstanden seid, daß ihr mit ihm zum Himmel gegangen seid und daß ihr deshalb in ihm angenommen seid und so lebt ihr in ihm. Sein In-euch-leben ist ein Anderes, nämlich der Friede der Heiligung, denn wenn ihr von Jesu gegessen habt, geht er in euch ein und bleibt in euch, lebt wiederum in euch. Er spricht durch eure Lippen, liebt mit eurem Herzen, blickt aus euren Augen, wirkt durch eure Hände und zeugt unter den Menschenkindern mit eurem Munde; er lebt in euch. O, wunderbare Vereinigung! Selige Vereinigung! Der nächste Vers macht sie noch wunderbarer, denn er sagt: „Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen; also, wer mich isset, der wird auch leben um meinetwillen.“ Drei Lebendige: Der lebendige Vater, der lebendige Sohn und dann der lebendige Gläubige. Da ist der Vater, der das Leben in sich selber hat als Gott; dann ist da der Sohn als Mittler, Gottmensch, das Leben vom Vater hernehmen; und dann der Gläubige, der das Leben empfängt, das von Gott durch Jesum Chrsitum kommt. O, selige Vereinigung dies, nicht nur mit Jesu, sondern durch Jesum mit dem Vater! So daß Christus sagt: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Er lebt durch den Vater und wir leben durch ihn und all´Dieses, weil wir ihn aufnehmen und von ihm essen. O, meine Seele, ich beschwöre dich, thue deinen Mund weit auf nach Christo und nimm ihn in dein Innerstes auf. Gieb ihm eine Wohnung in deinem Herzen, ja, laß ihn für immer in dem besten Kämmerlein deiner Natur, in dem auserwähltesten Platze deiner Seele wohnen. Hungere nach ihm, esse von ihm alle Tage, und wenn du das gethan hast, und er in dir wohnt und du in ihm, dann sage Andern von ihm, breite seinen Theuern Namen aus, damit hungrige, sterbende Sünder lernen mögen, daß Korn in Ägypten ist und Brod in Jesu zu haben und kommen mögen und von ihm essen und trinken, wie du es gethan hast. Ich beschwöre euch, Brüder und Schwestern, gedenket daran und der Herr segne euch um seines Namens willen. Amen.

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