Spurgeon, Charles Haddon - Ein Wort an offenbare Verleugner und Namenchristen

«Was dünkt euch aber? Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach. Mein Sohn, gehe hin und arbeite heute in meinem Weinberge. Er antwortete und sprach: Ich will es nicht tun. Danach reute es ihn und ging hin. Und er ging zum anderen und sprach gleich also. Er antwortete aber und sprach: Herr, ja, und ging nicht hin. Welcher unter den zweien hat des Vaters Willen getan»? Sie sprachen zu ihm: Der erste. Jesus sprach zu ihnen: «Wahrlich ich sage euch: die Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Himmelreich kommen denn ihr. Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und ob ihr es wohl sahet, tatet ihr dennoch nicht Buße, daß ihr ihm danach auch geglaubt hättet.»
Mat. 21,28-32

Der Anblick dieses weiten Raumes und dieser gedrängten Versammlung erinnert mich an eine andere Ansicht aus glücklicherweise längst vergangenen Tagen in den Amphitheatern des alten römischen Reiches. Rund umher, Reihe an Reihe saß die versammelte Menge mit ihren grausamen Augen und eisernen Herzen. Im Mittelpunkt stand ein verlassener, freundloser Mann, der wartete, bis der Löwenkäfig geöffnet wurde, um sich als Zeuge Jesus Christi und als Opfer der Volkswut dem Tode hinzugeben. Es war damals nicht schwer, die Gläubigen von den Ungläubigen zu unterscheiden. Der gedankenloseste Fremdling würde sogleich bei seinem Eintritt erkannt haben, wer der Jünger Jesus war und wer die Feinde des Gekreuzigten. Da stand der mutige, ruhige Jünger Jesus zum Sterben bereit und rund umher in den mächtigen Räumen des Kolosseums oder des Amphitheaters einer Provinzialstadt saßen Matronen und Edle, Fürsten und Bauern, Plebejer und Patrizier, Senatoren und Soldaten und alle gafften mit demselben grimmigen, mitleidlosen Blick hinunter, alle begeistert für ihre heidnischen Götter und vor Freude jauchzend beim Anschauen des Todeskampfes des verhaßten Jüngers des Gekreuzigten, der geschlachtet wurde, um den Römern einen Feiertag zu bereiten. Ein ganz anderer Anblick bietet sich mir heute unter viel glücklicheren Umständen. Aber ach, es ist heute eine viel schwieriger Aufgabe, die Spreu vom Weizen, das Edle vom Niedrigen zu unterscheiden als damals, als die Apostel zu Ephesus mit den wilden Tieren kämpften. Hier in diesem Raum sind, wie ich hoffe, Hunderte, wenn nicht Tausende, die bereit wären, für den Herrn Jesus zu sterben. In den vollen Sitzen können wir Hunderte zählen, die den Namen und das Evangelium des Nazareners annehmen. Doch fürchte ich, daß unter den Tausenden, die hier versammelt sind, viele Feinde des Sohnes Gottes sind, die Seine gerechten Forderungen vergessen, die die Seile der Liebe, die sie an Seinen Thron binden sollten, zerreißen, und die sich nie der mächtigen Liebe unterworfen haben, die sich an Seinem Kreuze und in Seinen Wunden zeigt. (Ich kann es nicht versuchen), diese zu trennen. Ihr müßt miteinander wachsen bis zur Zeit der Ernte. Euch zu teilen, wäre eine Aufgabe, die in dieser Stunde keine Engel ausführen könnte, die sie aber eines Tages leicht vollbringen werden, wenn sie auf ihres Herrn Befehl zur Erntezeit erst das Unkraut in Bündel binden und verbrennen und dann den Weizen in des Herrn Scheune sammeln werden. Ich werde es nicht versuchen, diese Trennung vorzunehmen, aber ich fordere jeden auf, es für sich selbst zu versuchen. Ich sage euch Jünglingen und Jungfrauen, Männern und Frauen, prüft euch heute, ob ihr im Glauben steht. Nehme niemand als selbstverständlich an, daß er ein Christ sei, weil er dem Namen nach einer christlichen Gemeinschaft angehört. Richte niemand seinen Nächsten sondern sich selbst. Zu einem jeden von euch sage ich mit tiefem Ernst: lasset euer Gewissen eine Teilung machen und laßt den Verstand zwischen dem, der Gott fürchtet und dem, der ihn nicht fürchtet, unterscheiden. Obwohl kein Mann in Leinwand mit dem Schreibzeug umhergeht und allen ein Zeichen an die Stirne macht, die über die Greuel, die in der Stadt geschehen, seufzen und jammern, so laßt das Gewissen das Schreibzeug nehmen und ehrlich das Zeichen machen oder das günstige Zeichen fortlassen. Frage sich jeder diesen Morgen: «Bin ich auf der Seite des Herrn? Bin ich für Jesus oder für seine Feinde? Sammle ich mit Ihm oder zerstreue ich?» Teilt euch, wie ihr an jenem Tage zur Linken oder zur Rechten stehen werdet, wenn entweder das Reich des Vaters oder die Verdammnis euer ewiges Los sein wird.

Wenn diese Versammlung in zwei Lager geteilt wäre und wir von dem einen Teil sagen könnten, daß sie einen Bund mit Gott gemacht haben und der andere Teil aus Feinden Gottes durch Werke der Ungerechtigkeit besteht, so sehen wir die Notwendigkeit, durch eine persönliche Sicht noch eine Teilung unter ihnen vorzunehmen, denn obwohl sie alle gleich ungläubig, ohne Vergebung und nicht errettet sind, so sind sie doch nicht gleich in den Lebensverhältnissen und der äußeren Erscheinung ihrer Sünden. Obwohl sie darin gleich sind, daß sie ohne Christus sind, so sind sie doch sehr verschieden in ihrer geistlichen und sittlichen Stellung. Ich habe das Vertrauen, daß ich zu meinem Text für diese heutige Versammlung durch den Geist Gottes geleitet worden bin, da dieser einen solchen Charakter hat, daß er, während er mich befähigt, die ganze Masse der Unbekehrten anzureden, mir die Gelegenheit gibt, eines jeden Gewissen zu treffen durch das Teilen der Unbekehrten in zwei Klassen. Möchte doch für jeden Teil der Unbekehrten heute ein Segen bereit sein.

Nun wollen wir zuerst zu denen reden, die offen Gott ungehorsam sind, und dann zu denen, die ihm scheinbar untertänig sind.

I.

Zuerst also ein Wort an diejenigen, die im offenen Ungehorsam gegen Gott sind. Gott hat zu euch gesagt, wie zu allen, die das Evangelium hören: «Sohn, arbeite in meinem Weinberge,» und ihr habt erwidert, vielleicht ehrlich, gewiß aber sehr kühn, unfreundlich und ungerecht: «Ich will nicht.» Du hast kein Geheimnis daraus gemacht, sondern auf die Aufforderung deines Schöpfers rundweg eine abschlägige Antwort gegeben. Du hast deine Meinung deutlich ausgesprochen, nicht nur in Worten, sondern in einer stärkeren und nicht mißzuverstehenden Weise, denn Taten reden lauter als Worte. Du hast immer wieder durch deine Taten gesagt: «Ich will Gott nicht dienen oder an Seinen Sohn Jesus glauben.» Mein lieber Freund, ich freue mich, dich heute morgen hier zu sehen, und hoffe, daß die Sache mit dir sich ändern werde, ehe du diese Halle verläßt, aber bis jetzt hast du dich noch nicht einmal einem äußeren Gehorsam gegen Gott unterworfen, sondern in jeder Weise gesagt: «Ich will nicht!» Durch die Tat hast du gesagt: «Ich will Gott nicht verehren. Ich will sonntags nicht in den Gottesdienst gehen; es ist mir unerträglich langweilig. Ich will meinem Schöpfer keinen Dank singen. Ich will nicht vorgeben, meinen Schöpfer zu ehren, den ich nicht liebe. Ich will nicht am öffentlichen Gebet teilnehmen; ich habe kein Herz dafür. Ich werde nicht vorgeben, morgens und abends Gebete herzusagen. Was nützt es? Ich will überhaupt nicht beten. Ich glaube nicht an die Wirksamkeit des Gebets und will kein Heuchler sein, der eine Gewohnheit angenommen hat, was er doch nicht glaubt. Das, was man Sünde nennt, liebe ich und ich will nicht davon lassen».

Du bist stolz darauf, ein ehrlicher Mensch genannt zu werden, denn du erkennst die Forderungen deiner Mitmenschen an, aber du verschmähst es, für religiös gehalten zu werden, denn du gibst die Rechte deines Schöpfers nicht zu. Den gerechten Forderungen anderer leistest du freudig Gehorsam, aber den gerechten und sanften Forderungen Gottes bist du entschieden ungehorsam. Daß Taten deutlich reden können zeigst du durch die Vernachlässigung des Sonntags, durch Deine Geringschätzung des Gebets, dadurch, daß du die Bibel nicht liest, durch dein Verharren in den erkannten Sünden und durch deinen ganzen Lebenswandel: «Ich will nicht!» Wie Pharao fragst du: «Wer ist der Herr, des Stimme ich gehorchen müsse?» Du bist von gleicher Art wie jene in den vergangenen Tagen, die sagten: « Es ist umsonst, daß man Gott dient. und was nützt es, daß wir sein Gebot halten?»

Weiter, mein Freund, hast du deine Zustimmung noch nicht zu den Lehren des Wortes Gottes gegeben; im Gegenteil, in deinen Gedanken und in deinen Werken handelst du nicht nach den Befehlen Gottes. Du hast dich entschlossen, nur das zu glauben, was du verstehst. Eine Idee, laß mich es dir sagen, die du nicht imstande bist, in Ausführung zu bringen, denn du kannst deine eigene Existenz nicht begreifen, und es gibt tausend andere Dinge um dich her, die du nicht begreifen kannst, die du aber glauben mußt, wenn du nicht ein riesiger Narr sein willst. Auch sprichst du spitzfindig über diese oder jene Lehre und verspottest das Evangelium im allgemeinen, und wenn du in einer Arbeiterversammlung gefragt werden würdest, warum du nicht in den Gottesdienst gehst, so würdest du vielleicht sagen, daß dir diese oder jene Lehre nicht gefällt. Erlaube mir, dir zu sagen, daß es mir, so weit ich persönlich in Betracht komme, von geringer Bedeutung ist, ob meine Lehren dir gefallen oder nicht; deinethalben aber bin ich aufs höchste besorgt, weil du die Wahrheit in Christus Jesus nicht glaubst. Aber da du in Sünden lebst, so wird dein Widerwille mich nur bestärken in der Wahrheit, und ich werde diese mit größerem Vertrauen und mehr Entschiedenheit predigen. Denkt ihr, daß wir die Wahrheit Gottes lernen sollen von dem Gefallen oder Mißfallen solcher, die Gott nicht anbeten wollen und nur eine Entschuldigung für ihre Sünden suchen? O, ihr unbekehrten Männer und Frauen, es würde nicht lange währen, ehe wir euch nach eurem Wunsche fragen werden, was wir predigen sollen. Und wenn wir je so tief fallen würden, so würdet selbst ihr uns verachten. Was? Soll der Arzt den Kranken fragen, die Arznei er verschrieben haben will? Dann bedarf er ja keines Arztes und kann sich selbst etwas verschreiben. Zeige dem Arzt dann nur gleich die Tür; was nützt ein solcher Arzt? Von welchem Nutzen ist ein Prediger, der sich nach dem verdorbenen Geschmack und dem sündigen Appetit richtet und fragt: «Wie wünscht ihr, daß ich euch predige? Welche sanften Dinge soll ich euch anbieten?» Ach, ihr Seelen, wir haben einem höheren Zweck zu dienen, als euch nur zu gefallen. Wir wollen euch erretten durch bittere Wahrheiten, denn süße Lügen würden euch verderben. Die Lehren, an denen das fleischliche Herz am meisten Genuß findet, enthalten das betrügerischste Gift. Bei vielen von euch muß Glaube und Geschmack verändert werden, oder ihr werdet nie in den Himmel kommen. Ich gebe zu, daß ich in gewissem Sinne eure Ehrlichkeit liebe, wenn ihr gerade heraus sagt: «Ich will Gott nicht dienen,» aber es ist eine Ehrlichkeit, die mich schaudern macht, denn sie verrät ein Herz härter als der unterste Mühlstein.

Wieder habt ihr gesagt: «Ich will Gott nicht dienen,» und bis zu dieser Zeit ist es möglich, daß ihr noch nie eine Anwandlung gehabt habt, dieses zu bereuten, denn die Sünde ist euch süß und euer Herz steht fest in der Empörung. Ihr habt nie eine solche Überzeugung von der Sünde gehabt, wie sie der Heilige Geist bei einigen unter euch gewirkt hat, denn wenn ihr sie gehabt hättet, würde es bald mit eurem «ich will nicht» vorbei gewesen sein. Wenn die Macht der Gnade Gottes, von welcher Tausende unter uns bezeugen, daß sie eine wirkliche Macht ist, wie die, die die Sterne führt und den Wind beflügelt, - wenn Gottes allmächtige Gnade dich einmal ergriffen hat, dann wirst du nicht mehr sagen: «Ich will dieses oder jenes nicht,» dann wirst du zitternd ebenso fragen, wie viele, die du jetzt verachtest: «Was muß ich tun, daß ich selig werde?» Bis jetzt hast du diese Macht noch nicht gefühlt, und darum wundere ich mich nicht, daß du sie nicht anerkennst, obwohl das Zeugnis ehrlicher Zeugen etwas Gewicht bei dir haben sollte. Du bist innerlich und äußerlich offensichtlich kein Christ. Du hast weder dich selbst noch jemand anders je getäuscht mit einem Bekenntnis, das du nicht ehrst, sondern du bist auf deinem eigenen Wege geblieben und hast mit mehr oder weniger Entschiedenheit jeden Ruf des Evangeliums mit «ich will nicht» abgewiesen.

Wir haben bisher gesagt, daß die Antwort, die der Sohn seinem Vater gab, wie es in unserem Text heißt, sehr deutlich ist. Sie war jedoch nicht sehr echt, oder so, wie der Vater sie hätte erwarten können. Sein Vater sagte: «Mein Sohn, arbeite heute in meinem Weinberge,» und der Sohn sagt grob: «Ich will nicht. Das ist mein Entschluß,» und geht ohne ein Wort der Entschuldigung oder Begründung davon. So sollte es doch nicht sein, nicht wahr? So magst auch du, mein Freund, zu hastig gewesen sein und dadurch ungerecht. Ist es nicht sehr wahrscheinlich, daß du gegen Gott und sein Evangelium die Achtung, die beide verdienen, verleugnet hast? Du hast sehr deutlich gesprochen, aber auch zugleich sehr gedankenlos und scharf zu dem Gott, der etwas anderes verdient hätte. Hast du jemals über die Forderungen des Herrn Jesus ernstlich nachgedacht? Hast du das Evangelium nicht abgewiesen mit einem Hohn, der deiner sehr unwürdig ist? Hast du dich nicht gefürchtet, der Sache zwischen Gott und dir gerade ins Gesicht zu sehen? Ich glaube, so steht es mit Hunderten der hier Anwesenden. Ich weiß, daß es in London so mit Tausenden steht. (Sie haben den Fuß niedergesetzt und gesagt:) «Eure Religion ist nichts für mich. Ich habe meine Meinung gefaßt und will sie nicht ändern. Ich hasse eure Religion und will nichts davon hören.» Sagt je eine Stimme in ihrem Innern, daß dieses weder ehrlich für sie selbst noch gegen Gott ist? Ist diese Sache so leicht zu entscheiden? Angenommen, es würde sich zeigen, daß die Religion Jesus wahr ist, was dann? Was wird das Los derjenigen sein, die Ihn verworfen haben? Meine Zuhörer, die Religion Jesus ist wahr und ich habe ihre Wahrheit an meinem Herzen erfahren. Ich bitte euch, denkt darüber nach und verscherzt eure ewige Seligkeit nicht. «So spricht der Herr: Tretet auf die Wege, und schauet, und fragt nach den vorigen Wegen, das der Gute Weg sei, und wandelt darinnen.»

Es ist nun Zeit, daß ich dem entschieden Ungläubigen sage, was sein wahrer Zustand ist. Du bis ziemlich stolz auf deine Ehrlichkeit gewesen, und wenn du auf gewisse Bekenner Christi herabblickst, sagst du: «Ach, ich nehme das nicht zum Vorwand, ich bin ehrlich.» Freund, du kannst die Heuchelei nicht mehr verabscheuen, als ich es tue. Hast du eine gute Gelegenheit entdeckt, darüber zu lachen, so tue es. Wenn es dir irgend möglich ist, Nadeln in ihre Windsäcke zu stecken, so tue es und laß den Wind ihres Bekenntnisses entweichen. Ich versuche dieses in meiner Weise, tue du es auch. Ich hoffe, daß wir uns in dem Haß gegen alle Täuschung und Falschheit von Herzen einig sind, aber wenn du nun anfängst, dein Haupt zu erheben und dich für viel besser hältst, weil du kein Bekenntnis abgelegt hast, so muß ich dich doch ein wenig herabdrücken, indem ich dich daran erinnere, daß es für einen Dieb nicht als Entschuldigung angesehen wird, wenn er nicht gesagt hat, er sei ehrlich, und daß es nicht als sehr ehrenhaft angesehen wird, wenn ein Mensch nicht versprochen hat, die Wahrheit zu sagen. Die Tatsache ist, daß ein Mensch, der nicht bekennt, ehrlich zu sein, ein Dieb ist; und wer nicht den Anspruch macht, die Wahrheit zu sagen, ein anerkannter Lügner ist. Indem du so dem einen entgehst, fällst du in das andere hinein. Du entkommst der Klippe, aber gerätst auf den Triebsand. Du bist ein (abgesagter) rückhaltloser Vernachlässiger Gottes, ein (abgesagter) Verächter der großen Erlösung, ein anerkannter Ungläubiger. Wenn der Engel des Herrn die Feinde des Herrn arretiert, wird er keine Schwierigkeit haben, dich anzuklagen, denn indem er seine Hand auf deine Schulter legt, wird er sagen: «Du trägst die Uniform eines Feindes Gottes, denn du erkennst ohne Erröten an, daß du Gott nicht fürchtest, noch auf seine Erlösung baust.» Kein Zeuge wird, was dich angeht, an jenem Tage nötig sein. Du wirst dich erheben, wenn auch nicht so kühn wie heute, denn wenn die Himmel in Flammen stehen und die Erde bebt, wenn die große, weiße Wolke das Feld der Erscheinung füllt und das Auge des großen Richters wie eine Feuerflamme auf dich blickt, wirst du eine andere Miene und ein anderes Benehmen zeigen, als du es vor einem armen Prediger des Evangeliums zeigst. Ach, mein gottloser Zuhörer, in einem Falle, wie dem deinigen, wird kein Gericht nötig sein, denn aus deinem eigenen Munde wirst du verdammt werden.

Aber ich bin nicht hergekommen, dir nur von deiner Sünde zu sagen, sondern dir zu helfen, ihr zu entfliehen. Es ist nötig, auf die Sünde aufmerksam zu machen, aber wir wenden uns jetzt etwas viel Angenehmerem zu. Ich hoffe, daß heute viele von euch das kleine Wort «danach» im Texte hören werden. Der Sohn sagte: «Ich will nicht», aber danach reute es ihn und er ging. Es ist eine lange Straße, die keine Krümmung hat, laßt uns hoffen, daß wir jetzt zu der Wendung gekommen sind. Es ist euch Raum zur Buße gelassen. Obwohl du ein Trunkenbold, ein Flucher, ein Lüstling gewesen sein magst, so ist der Würfel noch nicht gefallen und eine Änderung ist noch möglich. Möge Gott Gnade geben, daß du den Zeitpunkt erreicht hast, wo es von dir heißt: «Aber danach reute es ihn. Er änderte seine Gesinnung, glaubte an Jesus, gehorchte dem Worte des Herrn und ging.» Vielleicht dachte der Sohn im Gleichnis etwas ruhiger drüber nach und sagte sich: «Ich will über die Sache nachdenken, denn die zweiten Gedanken sind oft die besten. Ich brummte gegen meinen guten Vater und gab ihm eine harte Antwort, und ich sah eine Träne in dem Auge des guten Mannes. Es tut mir leid, daß ich ihn betrübt habe. Der Gedanke daran ändert meine Gesinnung. Ich sagte nein zu ihm, aber ich hatte es nicht überlegt. Ich vergaß, daß, wenn ich im Weinberge meines Vaters arbeite, ich für mich selbst arbeite, denn ich bin sein ältester Sohn, und alles, was er hat, wird mir gehören, so daß ich sehr töricht wäre, wenn ich abschlage, zu meinem eigenen Vorteil zu arbeiten.»

Sieh´, er nimmt sein Werkzeug auf die Schulter und geht an die Arbeit mit aller Kraft. Er hatte gesagt: «Ich will es nicht», aber er bereute es und ging, und es wird von jedem zugegeben, daß er des Vaters Willen getan hat. Ich hoffe, daß mancher Mann und manche Frau in dieser Versammlung heute ausrufen werde: «Ich nehme zurück, was ich gesagt habe. Ich will zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Ich will deinen Befehl erfüllen und deine Liebe nicht betrüben. Ich will die Gelegenheit nicht versäumen, das Beste meiner eigenen Seele zu fördern. Ich gehorche dem Befehl des Evangeliums.» Ich nehme an, daß ich einen solchen vor mir sehe und ich will ihn anreden. Vielleicht hat er «ich will nicht» gesagt, weil er in Wirklichkeit nicht verstand, was Glaube ist. Wie wenige wissen überhaupt, wie der Weg der Erlösung ist. Obwohl sie in Kirchen und Kapellen gehen, so kennen sie doch nicht den Plan Gottes, daß er Sünde vergibt. Kennst du den Plan der Erlösung? Höre ihn und lebe dadurch. Du hast Gott beleidigt und Gott muß die Sünde strafen, denn es ist ein Gesetz, daß Sünde bestraft werden muß. Wie kann Gott dir denn gnädig sein? Nur in folgender Weise. Jesus Christus kam vom Himmel und litt anstatt aller, die ihm vertrauen. Er litt, was sie hätten leiden müssen, so daß Gott gerecht und doch dabei imstande ist, selbst dem größten Sünder die Sünden zu vergeben durch den Verdienst seines lieben Sohnes. Deine Schulden hat Jesus für dich bezahlt, wenn du an ihn glaubst. Wenn du nun kommst und dich auf Jesus Christus, und zwar auf Ihn allein verläßt, kann Gott dich nicht für deine Sünden bestrafen, denn er strafte Jesus dafür, und es würde nicht gerecht von Ihm sein, erst Jesus zu bestrafen und dich dann auch noch; zuerst vom Bürgen die Bezahlung zu nehmen und nachher noch vom Schuldner. Mein lieber Zuhörer, wer du auch sein magst, wie dein bisheriges Leben auch gewesen ist, wenn du Christus vertrauen willst, so wirst du in einem Augenblick von all deinen Sünden erlöst und dein ganzes vergangenes Leben wird ausgelöscht sein. Es wird in Gottes Buch auch nicht das Geringste gegen dich stehen bleiben, denn Christus, der für dich gestorben ist, nimmt die Schuld hinweg und läßt dich ohne Flecken vor dem Angesichte Gottes erscheinen. Lies den letzten Vers meines Textes und du wirst sehen, daß in den vergangenen Tagen die Menschen durch den Glauben eingegangen sind in das Reich Gottes, und es geschieht auch jetzt noch, daß Menschen durch den Glauben, errettet werden. «Siehe, das ist Gottes Lamm,» sagt Johannes der Täufer, und wenn du auf dieses blutende Lamm blickst, so wirst du leben. Verstehst du dieses? Ist es nicht einfach? Ist es nicht passend für dich? Willst du noch ungehorsam dagegen bleiben? Dringt der Heilige Geist dich nicht zum Nachgeben? Sagst du nicht jetzt: «Es ist so einfach. Ich will mich auf Jesus verlassen. Ich will mit Gottes Hilfe diesen Morgen zu Jesus kommen, da mich der Tod vielleicht treffen kann, ehe die Sonne untergeht. Ich will Jesus vertrauen.

«Arm und schuldig, wie ich bin,
Werf´ ich vor dem Kreuz mich hin.»

Köstlicher Rettungsweg! Warum sollte ich nicht errettet werden?

Es ist auch möglich, daß du gesagt hast: «ich will nicht», weil du wirklich dachtest, für dich sei keine Hoffnung. Ach, mein Freund, laß mich dir die Versicherung geben - und wie freut es mich, daß ich es kann - daß durch das köstliche Blut Jesus Hoffnung für den größten Sünder ist. Kein Mensch kann zu weit entfernt sein, um von den Armen Jesus erreicht zu werden. Jesus freut sich, die größten Sünder zu erretten. Er sagte zu den Aposteln: «Predigt das Evangelium aller Kreatur und fangt an» - wo? - «fangt an in Jerusalem. Dort sind die Nichtswürdigen, die mich anspieen. Dort leben die Grausamen, die die Nägel durch meine Hände trieben. Gehet hin und predigt ihnen das Evangelium zuerst. Sagt ihnen, daß ich nicht nur kleine, sondern auch große Sünder erretten kann. Sagt ihnen, daß sie auf mich vertrauen und leben sollen». Wo bist du, Verzweifelter? Ich weiß, daß der Teufel es versuchen wird, deinem Ohr den Schall des Evangeliums fern zu halten, wenn er es kann, und darum möchte ich laut rufen und nicht schonen. O, ihr verzweifelten Sünder, es ist kein Grund zur Verzweiflung diesseits des Höllentores. Wenn du auch die schlimmsten Übertretungen begangen hast, so kann doch kein Flecken der Kraft des reinigenden Blutes widerstehen.

«Ein heil´ger Born, gefüllt mit Blut,
Aus Jesus Wunden floß;
Und wer sich taucht in diese Flut,
Ist aller Flecken los.»

O, ich hoffe, daß ihr nun, da ihr wißt, daß noch Hoffnung für euch da ist, sagen werdet: «Ich will sogleich kommen und auf Jesus vertrauen.»

Während ich euch so ermutigen möchte, eure Vernachlässigung Gottes zu bereuen, lade ich euch ein, zu Jesus zu kommen und fordere euch dringend dazu auf. Ach, mein Freund, du wirst bald sterben, und obwohl manche gottlose Menschen in ihrer gänzlichen Unempfindlichkeit sehr ruhig sterben, und, wie David sagt, nicht im Unglück sind wie andere Leute und nicht wie andere Leute geplagt werden, so ist es doch eine schreckliche Sache, mit unvergebenen Sünden zu sterben, ob man es merkt oder nicht. Was wird deine schuldige Seele tun, wenn sie den Körper verläßt? Denke eine Minute daran, denn es ist eine Sache, die des Nachdenkens wert ist. Manche von euch werden wahrscheinlich noch in dieser Woche sterben. Es ist nicht wahrscheinlich, daß so viele Tausende, wie wir hier sind, eine Woche anfangen und am Ende derselben noch alle leben. Viele von uns mögen vielleicht bald sterben und alle müssen früher oder später sterben. Laßt uns vorwärts blicken und nachdenken. Stelle dir die Seele vom Körper entkleidet vor. Du hast deinen Körper zurückgelassen und dein entkörperter Geist findet sich in einer neuen Welt. O, es wird etwas Herrliches sein, wenn der geschiedene Geist Jesus sieht, den er geliebt hat, an Seinen Busen fliegt und stets von dem kristallenen Wasser überfließender Seligkeit trinkt. Aber es wird etwas Schreckliches sein, wenn statt dessen dein nackter, zitternder Geist sich freundlos, heimatlos, hilflos findet, gepeinigt von Gewissensbissen und der Verzweiflung. Wenn er nur immer ausrufen muß: «Ich habe meine Pflicht gekannt. Ich wußte den Weg der Erlösung, aber ich wollte ihn nicht gehen. Ich Hörte das Evangelium, aber ich schloß meine Ohren. Ich lebte ohne Christus und ohne Ihn habe ich die Welt verlassen und hier bin ich ohne Hoffnung, (ohne Reue), ohne Glauben, ohne Rettung, denn Gnade und Liebe regieren die Stunden nicht mehr.» Habe Mitleid mit dir selbst, mein Zuhörer. Ich habe Mitleid mit dir. Wenn meine Hand dich jenem Feuer entreißen könnte, wie gerne würde ich es tun! Soll ich Mitleid mit dir haben und du selbst willst es nicht? Wenn mein Bitten dich durch Gottes Gnade überreden würde, Christus diesen Morgen zu vertrauen, so würde ich bitten, so lange es Lunge und Zunge, Leib und Leben aushalten könnten. Habe Mitleid mit dir selbst. Bemitleide deinen armen, nackten Geist, der so bald in der äußersten Pein zittern wird, in der selbstverschuldeten Pein, in der Pein, der er nicht entfliehen wollte, in der Pein, vor der er gewarnt worden war, die er aber lieber zu ertragen wählte, als die Sünde aufzugeben und sich dem Zepter der unumschränkten Gnade zu ergeben.

Ich wage zu hoffen, daß du sagst: «Ich bereue es jetzt und durch Gottes Gnade will ich gehen.» Wenn das der Fall ist, so will ich dir sagen, daß viele im Himmel sind, die auch einmal wie du geredet haben: «ich will nicht», es aber danach bereuten und nun selig sind. Ich will eurem Geiste ein Ereignis vor Augen malen: Dort ist eine Anzahl Menschen zu Pferde, und einer davon, der stolzeste, scheint der Vornehmste und die anderen scheinen seine bewaffneten Begleiter zu sein. Sie reiten nach Damaskus, damit sie Christen fangen und sie zu lästern zwingen können. Saulus von Tarsus ist der Name dieses grausamen, mörderischen Verfolgers. Als Stephanus gesteinigt wurde, sagte Gott zu diesem Saul: «Arbeite in meinem Weinberge.» Saul aber sagte einfach: «Ich will nicht», und um seine Feindschaft zu zeigen, war er behilflich, Stephanus zu Tode zu bringen. Dort reitet er nun in großer Eile auf dem bösen Wege, keiner ist mehr und entschiedener gegen den Herrn, als er. Aber der Herr Jesus kann den Löwen bändigen und selbst ein Lamm aus ihm machen. Indem er so reitet, umleuchtet ihn ein Licht heller als die Mittagssonne. Er fällt vom Pferde, liegt zitternd auf dem Boden und hört eine Stimme aus dem Himmel, die ihm zuruft: «Saul, Saul, was verfolgst du mich?» Indem er sich erstaunt aufrichtet, gewahrt sein Geist, daß er unwissend den Sohn Gottes verfolgt hat. Welche Veränderung bewirkte diese eine Entdeckung in ihm! Die Stimme: «Ich bin Jesus, den du verfolgst», brach sein hartes Herz und gewann ihn für die Sache Jesus. Ihr wißt, wie drei Tage darauf dieser einst stolze und scheinheilige Mann auf das Bekenntnis seines Glaubens an Jesus, den er verfolgt hatte, getauft wurde. Und wenn ihr einen ernsten Prediger sehen wollt, könnt ihr keinen besseren finden als den Apostel Paulus, der mit feurigem Herzen immer wieder schreibt: «Jedes Rühmen sei ferne von mir, als alleine das Kreuz unseres Herrn Jesus Christi». Ich hoffe, es ist ein Saulus hier, der diesen Morgen niedergeworfen werden muß. Herr, wirf ihn nieder! Ewiger Geist, wirf ihn jetzt nieder! Du hast bisher vielleicht nicht gewußt, daß du gegen Gott kämpfst, sondern hast gedacht, das Evangelium Jesus sei ein närrischer Traum. Du hast nicht gewußt, daß du den sterbenden Heiland beleidigt hast. Nun weißt du es; möchte dein Gewissen erwachen und du von diesem Tage an dem Herrn Jesus dienen!

Ich muß diesen zweiten Punkt verlassen, nachdem ich noch folgendes gesagt habe. Wenn hier jemand ist, der lange widerstanden hat, aber endlich nachgibt und bereit ist, ein Diener Gottes durch den Glauben an Jesus zu werden, so will ich ihm zu seiner Ermutigung sagen, daß er hinter denen nicht im geringsten zurückstehen wird, die schon lange ein Bekenntnis abgelegt, aber sich nicht treu daran gehalten haben, denn der Text sagt: «Die Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Himmelreich kommen denn ihr.» Ihr großen Sünder werdet keine Hintersitze im Himmel bekommen. Es wird auch kein Vorhof sein. Ihr großen Sünder werdet ebenso viel Liebe genießen als die anderen, ebenso viele Freuden wie die «größten» Heiligen. Ihr werdet Christus nahe sein; ihr sollt mit ihm auf seinem Throne sitzen; ihr werdet eine Krone tragen; eure Finger werden die goldenen Harfen berühren; ihr werdet euch freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude. Wollt ihr nicht kommen? Jesus vergißt eure früheren bösen Wege und befiehlt euch, heute zu kommen. «Kommet her zu mir», sagt er, «alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.» Dreißig Jahre der Sünde werden vergeben und es wird keine dreißig Minuten dauern, es zu tun. Fünfzig, sechzig, siebzig Jahre der Übertretung werden gänzlich verschwinden wie der Morgenreif vor der Sonne. Komm, vertraue meinem Herrn und berge dich in Seinen blutenden Wunden.

II.

Habt noch ein wenig Geduld mit mir, wenn ich nun zu den trügerisch Untertänigen rede. Solche gibt es am zahlreichsten im ganzen Lande und wahrscheinlich auch in dieser Versammlung. O, ihr meine regelmäßigen Zuhörer, die ihr meine Stimme schon dreizehn Jahre lang gehört habt, viele von euch gehören zu diesen. Ihr habt zu dem großen Vater gesagt: «Ich gehe,» aber ihr gingt nicht. Laßt mich mit Betrübnis euer Bild malen. Ihr habt regelmäßig den Gottesdienst besucht, und ihr würdet schaudern (einen Sonntag zu einer Ausflucht zu benutzen), oder in irgend einer Weise den Sonntag zu entheiligen. Äußerlich habt ihr gesagt: «Ja, ich gehe.» Wenn das Lied angegeben wird, steht ihr auf und singt und doch singt ihr nicht von Herzen. Wenn ich sage: «Laßt uns beten», so neigt ihr euer Haupt, aber ihr betet nicht wahrhaft. Ihr sprecht höflich und achtungsvoll: «ja, ich gehe», aber ihr geht nicht. Ihr gebt eine oberflächliche Zustimmung zum Evangelium. Wenn ich irgend eine Lehre erwähnte, so würdet ihr sagen: «Ja, das ist wahr; ich glaube es»; aber euer Herz glaubt nicht. Euer Glaube an das Evangelium ist nicht in eurem inneren Wesen, denn wenn es so wäre, würde es eine Wirkung auf euch haben. Jemand mag sagen: «Ich glaube, mein Haus steht in Flammen,» aber wenn er sich zu Bett legt und einschläft, sieht es nicht danach aus, daß er es glaubt, denn wenn das Haus in Flammen steht, eilt man schnell hinaus. Wenn einige von euch wirklich glaubten, daß es eine Hölle gibt und auch einen Himmel, wie ihr andere Dinge glaubt, so würdet ihr ganz anders handeln als jetzt. Ich muß hinzufügen, daß viele von euch sagen: «ich gehe» in einer sehr ernsten Weise, denn wenn wir sehr ernst predigen, rinnen euch die Tränen von den Wangen und ihr geht daheim in euer Kämmerlein und betet und jeder glaubt, daß es mit euch zur Bekehrung kommen werde, aber eure Rührung ist wie die Morgenwolke und der Morgentau. Ihr seid wie mit Schnee bedeckte Komposthaufen; so lange der Schnee darauf liegt, scheinen sie rein und weiß, aber wenn der Schnee geschmolzen ist, sind sie wieder Komposthaufen. Ach, mit wie vielen steht es so! Ihr sündigt und doch kommt ihr in den Gottesdienst und zittert unter dem Wort. Ihr übertretet, ihr weint und ihr übertretet wieder. Ihr fühlt die Kraft des Evangeliums in einem gewissen Grade und doch empört ihr euch mehr und mehr dagegen. O, meine Freunde, ich kann einigen von euch ins Gesicht sehen und ich weiß, daß ich euch auf ein Haar beschreibe. Ihr habt Gott jahrelang eine Lüge vorgebracht mit eurem «ja, ich gehe», während ihr doch nicht gegangen seid. Ihr wißt, wenn ihr selig werden wollt, müßt ihr an Jesus glauben, aber ihr habt nicht geglaubt. Ihr wißt, daß ihr von neuem geboren werden müßt, aber ihr seid noch Fremdlinge der Neugeburt. Ihr seid so religiös wie die Sitze, auf denen ihr sitzt, und nichts mehr, und ihr habt ebenso viel Aussicht in den Himmel zu kommen wie diese und nicht mehr, denn ihr seid tot in Sünden, und das Tote kann nicht in den Himmel eingehen. O, meine lieben Zuhörer, ich bedaure, daß ich berufen bin, so zu euch zu sprechen und nicht mehr von der Tatsache ergriffen bin, (und Wunder über Wunder), daß ihr oder einige unter euch, die wissen, daß es wahr ist, sich doch nicht dabei beunruhigt fühlen. Es ist das Leichteste in der Welt, einige von euch durch eine Predigt zu rühren, aber ich fürchte, ihr werdet es nie weiter bringen als zu einer Rührung. (Wenn das Wasser gepeitscht wird, heilt die Wunde bald). Ihr wißt und wißt und wißt; ihr fühlt und fühlt und fühlt, und doch verursachen eure Sünden, eure Selbstgerechtigkeit, eure Sorglosigkeit oder eure vorsätzliche Gottlosigkeit, nachdem ihr «ja, ich gehe» gesagt habt, daß ihr die Zusage vergeßt und Gott belügt.

Ich habe sehr ernst zu den anderen gesprochen und muß gegen euch ebenso deutlich sein. Ihr verurteilt euch selbst; es bedarf keines Zeugen wider euch. Ihr habt zugegeben, daß das Evangelium Wahrheit ist. Ihr habt die zukünftige Bestrafung oder Verherrlichung nicht bestritten. Ihr habt den Gottesdienst besucht und gesagt, daß Gott gut sei und würdig, Ihm zu dienen. Ihr habt bekannt, daß ihr Ihm Treue schuldig seid und ihr Ihm huldigen solltet. Ihr seid niedergekniet zum Gebet und habt bekannt: «Herr, ich verdiene deinen Zorn.» Der große Gott hat sich nur an einige eurer Formgebete zu wenden, um genügend Beweise zu finden, eure Verdammung zu sichern. Diese eure Morgengebete und Abendgebete, von denen jedes heuchlerisch ist, sind mehr als genügend, euch aus eurem eigenen Munde zu verdammen. Nehmt euch in acht, ich bitte euch, so lange ihr noch im Lande der Hoffnung seid.

Die ganze Zeit über, der dreiundzwanzigste Vers erinnert mich daran, habt ihr, die ihr unerrettet geblieben seid, gesehen, daß Zöllner und Huren durch dasselbe Evangelium errettet worden sind, das über euch keine Kraft gehabt hat. Weißt du es nicht, junger Mann? Ich meine dich, du Sohn einer frommen Mutter. Du weißt, daß du nicht errettet bist und doch ist in deines Vaters Geschäft ein Trunkenbold gewesen, der seit einigen Jahren ein nüchterner, christlicher Mann geworden ist. Er ist errettet und du hast vielleicht die bösen Angewohnheiten angenommen, die er hinter sich gelassen hat. Ihr wißt, daß arme, gefallene Mädchen von der Straße geholt worden sind, die Jesus erkannt haben und jetzt zu den schönsten und lieblichsten Blumen im Garten Christi gehören, obwohl sie früher Ausgestoßene waren. Und doch sind einige von euch achtbaren Leuten, die ihr nie ein Laster begangen habt, noch unbekehrt, und noch sagt ihr zu Jesus: «ich gehe» und tut es nicht. Ihr seid noch ohne Gott! Ohne Christus! Verloren, verloren! Äußerlich bessere Charaktere sind kaum zu finden. Ich könnte über euch weinen. Hütet euch, daß ihr nicht seid wie die Äpfel Sodoms, die grün aussehen, aber wenn man sie drückt, in Asche zerfallen. Hütet euch, daß ihr nicht seid wie Bunyans Bäume, die äußerlich schön grün waren, aber inwendig verfault und nur gut als Zunder für des Teufels Feuerzeug. Hütet euch zu sagen, wie einige tun: «ich gehe», während ihr nicht geht. Ich komme zuweilen zu kranken Leuten, die mich ganz in Verwirrung bringen. Ich sage zu ihnen: «Lieber Freund, Sie werden sterben. Haben Sie eine Hoffnung?» Keine Antwort. «Kennen Sie Ihren verlorenen Zustand?» «Ja.» «Jesus starb für Sünder.» «Ja». «Durch den Glauben erlangen wir seine Gnade.» «Ja.» Sie sagen «ja, ja, ja, ja!» Ich wünsche manchmal vor Gott, sie würden mir widersprechen, denn wenn sie ehrlich genug wären, zu sagen: «davon glaube ich kein Wort», so wüßte ich, wie ich sie zu behandeln hätte. Zähe Eichen werden vom Sturm niedergestreckt, aber welcher Wind sollte diejenigen, die sich vor jedem Winde wie eine Weide biegen, niederlegen? Liebe Brüder, bewahrt euch davor, verhärtet gegen das Evangelium zu sein, oder was dasselbe ist, nur eine Zeitlang offen dafür. Hütet euch davor, ein hoffnungsvoller Hörer des Wortes zu sein und nichts mehr!

Ich beabsichtige nicht, meine Rede damit zu schließen, euch in so scharfer Weise anzureden. Scharf wie meine Rede zu sein scheint, ist sie doch voller Liebe gegen euch. Ich habe auch ein gutes Wort für euch. Ich hoffe, daß der Herr in euch, die ihr hier versammelt seid, eine Änderung schaffen werde, denn obwohl ihr so viele Jahre ein falsches Bekenntnis vor Gott abgelegt habt, so ist doch Raum an seiner Gnadentafel für euch.

Beachtet ihr im Text das Wort: «Die Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Himmelreich kommen denn ihr?» Es ist also klar, daß ihr nach ihnen kommen könnt. Wenn der Herr euch das Herz bricht, werdet ihr willig sein, den Herrn Jesus als euer Ein und Alles anzunehmen, gerade so, wie es ein Trunkenbold tun muß, obwohl ihr nie Trunkenbolde gewesen seid. Ihr werdet bereit sein, im Verdienste Jesus zu ruhen genauso wie eine Hure, obwohl ihr nie eine solche gewesen seid. Es ist Raum für euch, ihr jungen Leute, obwohl ihr euer Versprechen gebrochen und eure Überzeugung unterdrückt habt. Und auch ihr Grauhaarigen könnt noch hereingebracht werden, obwohl ihr so lange im Scheinchristentum gelebt und eure Herzen Jesus nie gegeben habt. O kommt! Möge der Herr euch an dem heutigen Tage heimbringen. Möge der Herr euch an diesem Ort dahin bringen, daß ihr leise sagt: «Durch die Gnade Gottes will ich nicht länger ein Namenchrist sein. Ich will mich den teuren Händen übergeben, die für mich geblutet haben, und dem treuen Herzen, das für mich durchbohrt wurde, und ich will ab heute auf Jesus Weg gehen.»

Die Tatsache, meine lieben Freunde, um mit diesem Punkt zu schließen, ist, daß der einen wie der anderen Klasse dasselbe Evangelium zu predigen ist. Ich bitte Gott, daß nie der Tag komme, daß wir in unseren Predigten von der arbeitenden Klasse, vom Mittelstand und von der höheren Gesellschaft sprechen. Ich kenne keinen Unterschied zwischen euch; ihr seid mir gleich, wenn ich euch das Evangelium predige, ob ihr Fürsten oder Fürstinnen seid oder Straßenreiniger. Samt und Seide, Leinwand und Kattun sind dem Evangelium gleich. Wenn ihr Grafen und Barone seid, so schmücken wir unser Evangelium nicht, um es euch passend zu machen, und wenn ihr die ärgsten Diebe seid, so schließen wir euch nicht von der Stimme der Gnade aus. Das Evangelium kommt zu den Menschen, die als Sünder in Adam alle gefallen sind, alle gleich verloren und verderbt durch die Sünde. Ich habe nicht ein besonderes Evangelium für die auf dem Throne und ein anderes für den , der an der Türe steht und bettelt. Nein; es gibt nur einen Weg zur Seligkeit, nur einen Grund und nur eine Sühne, nur ein Evangelium. Blicke auf das Kreuz Jesus und lebe! Eine erhöhte eherne Schlange für das ganze Lager, und alles, was Mose sagte, war: «Sehet sie an!» War ein Fürst im Hause Juda gebissen, so hieß es; «Sieh auf die Schlange!» Wenn er nicht aufblickte, konnte sein hoher Stand und sein Wappen ihn nicht retten. War ein armer Schlucker im Lager gebissen worden, so mußte er auf die Schlange sehen und die Wirkung war für ihn dieselbe wie für den Größten im Lager. Blicke auf Jesus, auf Jesus, auf Jesus! Glaube an den Sohn Gottes und lebe. Eine eherne Schlage für das ganze Lager; ein Jesus für alle Lagen des Lebens. Welcher Segen würde es sein, wenn wir alle in dieser Stunde befähigt würden, auf Jesus zu trauen! Und, meine Brüder, warum nicht? Er ist des Vertrauens aller würdig. Der heilige Geist ist mächtig, in uns allen den Glauben zu wirken. O, du armer Sünder, blicke auf Ihn. Liebe Zuhörer, vielleicht werde ich zu einigen von euch nie wieder reden und ich meine es sehr ernst. Um der Todesstunde willen, um der Feierlichkeit der Ewigkeit willen bitte ich euch dringend, nehmt das einzige Mittel gegen die Sünde an, das Gott selbst den sterbenden Menschenkindern anbietet, das Mittel eines blutenden Stellvertreters, der an eurer Statt gelitten hat und an den ihr dann glaubt und ihn von Herzen aufnehmt. Der Weg der Seligkeit besteht darin, daß man sich gänzlich auf Jesus verläßt. Verlaßt euch ganz auf Ihn. Ein Neger wurde gefragt, was er getan habe, und er sagte: «Ich fiel gerade auf den Fels, und wer auf den Fels gefallen ist, kann nicht tiefer fallen.» Herunter auf den Fels, ihr Sünder! Heute auf den Fels des Heils! Du kannst nicht tiefer fallen. Ich will mit einer bekannten Geschichte schließen. Eure Lage ist wie die eines Kindes in einem brennenden Hause. Dieses war aus dem Fenster geflohen und hing dort in der gefährlichsten Lage. Die Flammen schlugen aus dem Fenster unter ihm und das arme Kind mußte entweder bald verbrennen oder auf der Straße zerschmettern. Es hielt sich in Todesangst fest. Es durfte nicht los lassen, bis ein starker Mann unten stand und rief: «Laß dich los, mein Kind, ich will dich auffangen!» Doch war es kein rettender Glaube für den Knaben, daß er glaubte, der Mann sei stark. Das war eine gute Hilfe zum Glauben, aber bei diesem Glauben wäre er verloren gewesen. Rettender Glaube war es, als der Knabe sich los ließ und in die Arme seines starken Retters fiel. So ist es, wenn ihr Sünder euch an eure Sünden oder eure guten Werke klammert. Der Heiland ruft: «Laßt los und fallt in meine Arme.» Es ist nichts zu tun, sondern das Tun aufzugeben. Es ist kein Wirken, sondern ein Vertrauen auf das Werk, das Jesus schon getan hat. Vertrauen, das ist das Wort; einfaches, festes, herzliches, ernstes Vertrauen. Vertraue und es wird keine Stunde währen, dich zu erretten. In dem Augenblick, in welchem du vertraust, bist du errettet. Du magst hierher gekommen sein so schwarz wie die Hölle, aber wenn du auf Jesus vertraust, so wird dir alles vergeben. In einem Augenblick, schneller als der Blitz, ist das Gnadenwerk getan. Möge der Heilige Geist es jetzt tun und euch zum Vertrauen bringen, damit ihr errettet werdet. Amen.

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