Spurgeon, Charles Haddon - Die Wiedergeburt und das neue Leben

„Als die da wiederum geboren sind, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da ewiglich bleibt. Denn alles Fleisch ist wie Gras, und alle Herrlichkeit der Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt, und die Blume abgefallen; aber des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit. Das ist aber das Wort, welches unter euch verkündigt ist.“
1.Petrus 1, 23-25.

Petrus hatte die zerstreuten Gläubigen ernstlich ermahnt, einander „brünstig lieb zu haben aus reinem Herzen“, und wohlweislich holt er seine Beweggründe her nicht aus dem Gesetz, noch aus der Natur, noch aus der Philosophie, sondern aus der höheren und göttlichen Natur, die Gott Seinem Volk eingepflanzt hat. „Ihr seid wiedergeboren, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen;“ darum habt euch brünstig lieb. Er ist bemüht, in Königskindern die königliche Gesinnung zu fördern. Es wäre gut, wenn wir im Geist der Demut die wahre Würde unserer neuen Natur erkennen würden und danach lebten. Was ist ein Christ? Wenn ihr ihn mit einem König vergleicht, so fügt er seiner königlichen Würde noch seine priesterliche Heiligkeit hinzu. Er ist von einem anderen Geschlecht als die, welche nur vom Weibe geboren sind. Er ist durch seine neue Geburt so sehr über seine Mitmenschen erhaben, wie diese über die Tiere erhaben sind. Gewiß, er sollte sich betragen und handeln wie einer, der nicht von der Welt ist, wie einer, der von der Welt erwählt und durch souveräne Gnade ausgezeichnet worden ist, der dem Volk des Eigentums zugezählt ist. Gläubige an Christus, laßt euch durch die Würde eurer Natur und durch eure herrlichen Aussichten anspornen, der Heiligung nachzujagen und auch den bösen Schein zu meiden.

Im Text sind drei Punkte, die unserer ernsten Beachtung wert sind. Der Apostel spricht augenscheinlich von einem zweifachen Leben, dem natürlichen, das nur vom Fleisch geboren ist, und dem geistlichen Leben, das aus dem Geist geboren ist, das in Gegnerschaft zu dem aus dem Fleisch steht, das es überlebt und sich endlich triumphierend zur himmlischen Herrlichkeit erhebt. Von diesem zweifachen Leben handelnd, hebt der Apostel zuerst einen Vergleich und einen Gegensatz zwischen den beiden Geburten hervor; denn jedes Leben hat seine eigene Geburt. Dann zeigt er einen Gegensatz zwischen der offenbaren Existenz dieser zweierlei Leben und zuletzt zwischen der Herrlichkeit dieses zweifachen Lebens; denn jedes Leben hat seine Herrlichkeit, aber die Herrlichkeit des geistlichen Lebens übertrifft die Herrlichkeit des natürlichen Lebens weit.

I.

Erstens stellt der Apostel Petrus einen Vergleich und einen Kontrast zwischen den beiden Geburten auf, welche den Eintritt in das zweifache Leben bilden.

Zuerst wird uns gesagt, daß jedem Leben eine Geburt vorangeht. Es ist so bei dem natürlichen Leben: wir sind geboren; es ist so bei dem geistlichen Leben: wir sind wiederum geboren. Es sei denn, daß ein Mensch geboren werde, sonst kann er nicht in das Reich der Natur eingehen; es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, sonst kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Die Geburt ist das bescheidene Tor, durch welche wir ins Leben eintreten, und das erhabene Portal, durch welches wir ins Himmelreich eingelassen werden.

Hier ist ein Vergleich zwischen den beiden Geburten; in beiden Fällen waltet ein ernstes Geheimnis ob. Wie es etwas überaus Ernstes ist, zu sterben, so ist es auch etwas sehr Ernstes, geboren zu werden. Geburtstage und Sterbetage sind Tage tiefen Ernstes. Die Geburt ist in der Schrift oft als ein höchst ausdrucksvolles Bild von einem ernsten Geheimnis gebraucht worden. Größer noch als die natürliche Geburt ist das Geheimnis der neuen Geburt. Daß wir wiedergeboren sind, wissen wir, aber wie, das können wir nicht sagen. Wie der Geist Gottes auf das Innere einwirkt, wie es kommt, daß Er die Fähigkeiten erneuert und neue Wünsche mitteilt, durch welche diese Fähigkeiten angeleitet werden, wie es zugeht, daß Er den Verstand erleuchtet, den Willen unterwirft, die Hoffnung aufrichtet und die Furcht in den rechten Kanal einleitet, das können wir nicht sagen; das gehört zu den verborgenen Dingen, die Gott zugehören. Der Heilige Geist wirkt, aber die Art und Weise Seiner Einwirkung ist nicht zu erfassen. „Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, von woher er kommt und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.“ Meine Zuhörer, habt ihr dieses Geheimnis gefühlt? Erklären könnt ihr es sowenig wie ich; es hat auch keinen Zweck, eine Erklärung zu versuchen; denn wo Gott still ist, da wäre es Vermessenheit, wenn wir reden wollten. Die beiden Geburten sind hinsichtlich des ernsten Geheimnisses einander gleich.

Dann aber wissen wir von der natürlichen Geburt so viel, daß sich darin ein Leben kundgibt. Jenes Kindlein beginnt sein Dasein, ein anderes Wesen erhebt seinen Schrei und beginnt zu atmen, zu leben und zu sterben. Und so zeigt sich in der neuen Geburt eine absolute Schöpfung; wir werden neue Kreaturen in Christo Jesu; es ist ein anderer Geist geboren, um zu beten, um an Christum zu glauben, Ihn hier zu lieben und sich nachher in Ihm zu freuen. Wie kein Zweifel daran ist, daß die Geburt die Offenbarung einer Schöpfung ist, so darf auch niemand daran zweifeln, daß die Wiedergeburt, eine Schöpfung Gottes, so göttlich ist, daß sie Menschenmacht ebenso übersteigt wie die Schöpfung eines menschlichen Geistes selbst.

Aber wir wissen auch, daß in der Geburt nicht nur ein erschaffenes Leben, sondern auch ein mitgeteiltes Leben in die Erscheinung tritt. Jedes Kind hat seine Eltern. Wir sind nicht selbsterschaffene Wesen; unser Leben ist ein uns mitgeteiltes. Wir haben Verbindungsglieder zwischen dem Sohn und dem Vater und so weiter zurück, bis wir zu Vater Adam kommen. So ist auch in der Wiedergeburt ein nicht nur erschaffenes, sondern mitgeteiltes Leben, nämlich das Leben Gottes, der uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung. So gewiß, wie der Vater in dem Kinde lebt, so gewiß lebt das Leben und die Natur Gottes in jedem zweimal geborenen Himmelserben. Wir sind durch die neue Geburt der göttlichen Natur ebenso gewiß teilhaftig geworden, wie wir durch die erste Geburt der menschlichen Natur teilhaftig geworden sind; so weit paßt der Vergleich.

Ebenso gewiß ist es, daß sowohl in der natürlichen wie in der geistlichen Geburt ein unveräußerliches Leben übertragen wird. Es gibt gewisse Eigenheiten, die wir erben, von denen wir diesseits des Grabes nicht frei werden. Unser Temperament, ob es ernst oder heiter ist; unsere Gemütsbewegungen, ob sie langsam oder hastig sein mögen; unsere Neigungen, ob sie sinnlicher oder hochtrabender Art sind; unsere Fähigkeiten, ob sie beschränkt oder ausgedehnt sind, sind zu einem großen Maße ein unveräußerliches Erbe und ebenso mit unserem zukünftigen Teil verbunden wie die Schwingen mit dem Adler oder die Schale mit der Schnecke. Ohne Zweifel wird vieles von unserer Geschichte mit uns geboren, und der Säugling trägt den Keim zu seinen zukünftigen Handlungen in sich. So ist es mit uns, wenn wir wiedergeboren sind; unsere himmlische Natur ist uns unveräußerlich übertragen. Wir können nicht anders als heilig sein; die neue Natur kann nicht anders, als Gott dienen; sie muß, sie wird sich sehnen, näher zu Christus zu kommen, Ihm ähnlicher zu werden. Sie hat ein Sehnen, das die Zeit nicht befriedigen kann, Wünsche, die die Erde nicht stillen kann, und ein Streben, das nur mit dem Himmel enden kann. In dem Augenblick, da wir in dem ernsten Geheimnis der Wiedergeburt vom Tod zum Leben durchdringen, wird ein unveräußerliches Leben auf uns übertragen.

In der ersten und auch in der neuen Geburt offenbart sich ein Leben, das in allen seinen Teilen vollständig ist und nur der Entwicklung bedarf. Jener Säugling in der Wiege wird nie andere Glieder oder ein anderes Auge haben. Seine Glieder verdichten und verhärten sich und wachsen und werden kräftiger; sein Gehirn dehnt sich aus; aber die Fähigkeiten sind bereits da und werden nicht erst später eingepflanzt. Wahrlich, so ist es mit dem neugeborenen Kind Gottes. Glaube, Liebe, Hoffnung und jede Gnade ist in dem Augenblick da, in welchem es an Christus glaubt. Es ist wahr, diese Gnaden wachsen, aber sie sind mit dem Augenblick der Wiedergeburt alle vorhanden. Der Säugling in der Gnade, der eben erst geboren ist, hat jeden Teil des geistlichen Mannes; er hat nur nötig zu wachsen, bis er ein vollkommener Mann wird in Christo Jesu.

Ihr seht, soweit haben beide Geburten eine große Ähnlichkeit miteinander. Ich bitte euch nur, euch von dem angeregten Gegenstand nicht abzuwenden, bis ihr euch die Wirklichkeit der neuen Geburt so klargemacht habt, wie euch die erste klar ist. Ihr wäret nicht hier, wenn ihr nicht geboren wäret, und ihr werdet nie im Himmel sein, wenn ihr nicht wiedergeboren seid. Ihr seid heute nicht imstande zu beten oder an Christus zu glauben, wenn ihr nicht wiedergeboren seid. Ihr kenntet die Genüsse dieser Welt nicht, wenn ihr nicht geboren wärt, und ihr kennt die heiligen, göttlichen Genüsse heute nicht, und ihr werdet sie nie kennen lernen, wenn ihr nicht wiedergeboren werdet. Blickt nicht auf die Wiedergeburt, als ob sie etwas Erdichtetes oder Eingebildetes wäre. Ich versichere euch, meine Zuhörer, daß sie ebenso wirklich ist wie die natürliche Geburt. Wiedergeboren sein ist etwas so Tatsächliches, daß man es entdecken und erkennen und sich ebenso klar darüber werden kann wie über das erste Geborensein in dieses Erdental.

Aber nun kommt der Gegensatz. „Wiederum geboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen.“ Hierin liegt der Kontrast zwischen beiden. Das Kind, das soeben die erste Geburt erfahren hat, ist dadurch eines vergänglichen und verderbten Samens teilhaftig geworden. Die Verderbtheit seiner Eltern liegt schlummernd in ihm. Wenn es reden könnte, würde es uns das sagen. David tat es, als er sagte: „Siehe, ich bin aus sündlichem Samen gezeugt, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen.“ Er erhielt das böse Gift, welches uns durch den Fall eingeflößt worden ist. Nicht so ist es jedoch, wenn wir wiedergeboren werden. Damit wird keine Sünde in uns gesät. Die Sünde des alten Fleisches bleibt zwar, aber in der neugeborenen Natur ist keine Sünde; sie kann nicht sündigen, weil sie von Gott selber geboren ist, es ist der neuen Natur so unmöglich zu sündigen, wie es für die Gottheit unmöglich ist, befleckt zu werden. Sie ist ein Teil der göttlichen Natur, ein Funke von dem Zentralkörper des Lichtes und Lebens; es wäre ihrer Natur entgegen, dunkel zu werden oder zu sterben. Welch ein Unterschied! In der ersten Geburt zur Sünde geboren, in der zweiten zur Heiligkeit; in der ersten der Verderbtheit teilhaftig geworden und in der anderen der Vollkommenheit. Kann es einen größeren Kontrast geben? Was anderes könnte uns veranlassen, uns gründlicher nach dieser neuen Geburt zu sehnen als der herrliche Umstand, daß wir durch sie bewußt aus den Ruinen des Falles emporgehoben und in Christo Jesu vollkommen gemacht werden!

Welche schrecklichen Ungewißheiten begleiten auch die Geburt aus dem Fleisch? Was wird aus jenem Kindlein werden? Es mag leben, um eines Tages den Tag seiner Geburt zu verfluchen, wie es der arme, leidende Patriarch einst tat. Welche Schmerzen mögen auf der noch glatten Stirn tiefe Furchen ziehen? Kind, du wirst eines Tages grau sein, und ehe es dahin kommt, wirst du tausend Stürme erfahren, die dein Herz und Haupt umtosen. Du weißt nichts von deiner Bestimmung; aber sicher ist, daß du kurze Zeit lebst und voll Unruhe bist. In der Wiedergeburt dagegen werden wir den Tag nie beklagen, an welchem wir wiedergeboren wurden, sondern werden uns dessen stets mit Wonne und Entzücken erinnern, denn wir werden dadurch nicht in die Höhle der Menschheit, sondern in den Palast der Gottheit eingeführt. Wir werden dadurch nicht in ein Tränental hineingeboren, sondern in das Erbe in dem Kanaan unseres Gottes. Es ist auch möglich, daß das Kind, das heute der Gegenstand der zärtlichsten Liebe seiner Mutter ist, eines Tages den Eltern das Herz bricht. Sind Kinder nicht zweifelhafte Gnaden? Schade um den allerliebsten Plauderer, der da aufwächst, um als Verbrecher in seiner Zelle zu sitzen! Aber gelobt sei Gott, die da Kinder Gottes sind, werden ihrem Vater nie das Herz brechen. Ihre neue Natur wird Dessen würdig sein, der ihr das Dasein gab. Sie werden leben, um Ihn zu ehren; sie werden sterben, um Ihm vollkommen gleich zu sein, und werden auferstehen, um Ihn ewiglich zu verherrlichen. Man hat zuweilen gesagt, daß Gott eine recht schlechte Familie habe; aber die Schlechtigkeit liegt in der alten Adamsnatur und nicht in Jehovahs glorreichem Werk. In der neuen Natur ist keine Schlechtigkeit. In der neuen Kreatur ist kein Fleck von Sünde. Die neue Natur, die Gott gegeben hat, sündigt nie; sie wäre nicht die neue Natur, wenn sie es täte; denn was von Gott kommt, ist gleich Ihm heilig, rein, unbefleckt, von der Sünde abgesondert. Hierin ist wirklich ein großer Unterschied. Wir wissen nicht, wohin die erste Natur neigt; wer kann sagen, welche Bitterkeiten sie erzeugen mag? Aber wir wissen, wohin die neue Natur neigt; denn sie reift dem vollkommenen Bilde Dessen entgegen, der uns geschaffen hat in Christo Jesu.

Es verbleibt mir noch, mit allem Ernst mich dem Punkt zuzuwenden, in welchem, wie ich fürchte, die größte Schwierigkeit liegt: die klare Vergegenwärtigung dieser Geburt; denn wir wiederholen es, wir sprechen von einer Tatsache und nicht von einem Traum, von einer Wirklichkeit und nicht von einem Bild.

Manche sagen euch, daß das Kind wiedergeboren sei, wenn die Tropfen von Priesterhand seine Stirn berührt haben. Meine Brüder, ein närrischerer und verderblicherer Betrug ist auf der Erde noch nie erfunden worden. Rom selbst könnte keinen schlimmeren Irrtum erzeugen. Laßt euch das nicht träumen. „Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Der Herr richtete diese Worte nicht an einen Säugling, sondern an einen ausgewachsenen Mann. Nikodemus, ein Mann, der nach dem jüdischen Gesetz beschnitten worden war, bedurfte es, als ein Mann wiedergeboren zu werden, obgleich er das Bundessiegel empfangen hatte. Wir alle ohne Ausnahme müssen diese Veränderung kennen lernen. Euer Leben mag ein moralisches gewesen sein, aber das genügt nicht, denn auch die moralisierteste menschliche Natur kann nie zur göttlichen Natur heranreichen. Und wenn ihr von Jugend auf so erzogen worden seid, daß ihr die Laster der Leute kaum kennengelernt habt; ihr mögt so bewacht und umzäunt und vor der Ansteckung der Sünde geschützt worden sein, daß ihr die Versuchung nicht kennt, und müßt doch wiedergeboren werden, und diese Geburt, ich wiederhole es, muß ebenso eine Tatsache, ebenso wahr und wirklich und gewiß sein wie die erste Geburt, durch welche ihr in diese Welt eingeführt worden seid. Was weißt du davon, mein Zuhörer? Was weißt du hiervon? Es ist etwas, das du nicht selber zustande bringen kannst. Es ist etwas, das außer dem Bereich menschlicher Macht liegt; die neue Geburt ist übernatürlich, göttlich. Hast du teil daran? Blicke nicht nur zurück auf irgendwelche Stunde, in welcher du einmal etwas Besonderes gefühlt hast, sondern beurteile dich nach den Früchten. Haben deine Besorgnisse und Hoffnungen einen Wechsel erfahren? Liebst du, was du einst haßtest, und haßt du, was du einst liebtest? Ist das Alte vergangen? Ist alles neu geworden? Ihr Christenbrüder, ich richte die Frage ebenso an euch wie an alle anderen. Es ist so leicht, sich hier zu täuschen. Wir werden finden, daß es keine Kleinigkeit ist, wiedergeboren zu werden. Es ist eine ernste, eine überaus wichtige Sache. Laßt uns nicht annehmen, daß sie eine erwiesene Sache ist, weil wir die Trunksucht aufgegeben haben, und darum bekehrt sind, weil wir nicht fluchen und weil wir die Gottesdienste besuchen. Es ist mehr nötig als das. Denkt nicht, daß ihr gerettet seid, weil ihr einige gute Gefühle und gute Gedanken gehabt habt. Es ist mehr nötig; ihr müßt wiedergeboren werden. Christliche Eltern, erzieht eure Kinder in der Furcht Gottes; aber gebt euch mit eurer Erziehung nicht zufrieden; sie müssen wiedergeboren werden. Und ihr christlichen Männer und christlichen Frauen, gebt euch nicht damit zufrieden, daß ihr für die Ehehälfte betet, daß sie moralisch und rechtschaffen werde; bittet, daß etwas geschehe an ihnen, das sie selber nicht tun können. Und ihr Philanthropen, die ihr allerlei Verbesserungen trefft, um die Welt umzugestalten, ich bitte euch, geht weiter. Ihr müßt auf die Änderung des Herzens hinwirken. Es hat wenig Zweck, das Äußere zu ändern, solange das Innere nicht erneuert ist. Es ist nicht die Rinde des Baumes, die verdorben ist; es ist der Saft. Der Mensch muß so neu werden, als ob er noch gar keine Existenz gehabt hätte. Nein, noch ein größeres Wunder als dies - es müssen zwei Wunder vereinigt werden: das Alte muß vergehen, und es muß durch den Heiligen Geist Neues geschaffen werden. Ich zittere, während ich über dieses Thema spreche, daß ich nicht nur die Theorie eines so erhabenen Geheimnisses kenne, sondern es aus Erfahrung wisse. Was können wir anderes tun, als das Gebet hinaufsenden: „O Gott, wenn wir nicht wiedergeboren sind, so laß uns unseren Zustand erkennen, auch wenn es der traurigste ist, und wenn wir es sind, so laß uns nie aufhören, für andere zu beten, bis auch sie durch den Heiligen Geist erneuert worden sind.“ Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; auch dessen beste Bestrebungen gehen nicht über das Fleisch hinaus, und das Fleisch kann das Reich Gottes nicht ererben. Was vom Geist geboren wird, das allein ist Geist, und nur der Geist kann in geistliche Dinge eingehen und den geistlichen Teil ererben, den Gott für Sein Volk bereitet hat. So habe ich versucht, der etwas delikaten und äußerst schwierigen Aufgabe zu genügen, den Vergleich zwischen den beiden Geburten anzugeben, die die Eingangstüren zu den zweierlei Leben sind.

II.

Ich komme nun zu dem zweiten Punkt: Der offenbare Unterschied in den zweierlei Leben, die aus den zwei Geburten hervorgehen.

Brüder, blickt um euch! Womit wollen wir diese immense Versammlung vergleichen? Indem ich auf die vielen Farben und auf die sehr verschiedenen Gesichter sehe, breitet sich vor meiner Einbildungskraft eine mit allerlei Blumen dicht bewachsene Wiese aus. Blickt auf die hier versammelte Menschenmenge, und erinnert sie euch nicht an das Feld in seiner vollen Sommerherrlichkeit mit den vielen Blumen und Grasblüten, die sich in zahlloser Mannigfaltigkeit und Schönheit sonnen? Aber die Ähnlichkeit zeigt sich nicht nur dem Blick des Poeten, sondern auch in Gottes Sinn und in der Erfahrung der Menschen. „Alles Fleisch ist wie Gras;“ alles, was mit der ersten Geburt ins Dasein getreten ist, kann wegen seiner Hinfälligkeit und wegen seiner kurzen Existenz tatsächlich damit verglichen werden. Wir gingen erst vor einem Monat an einer Wiese vorüber, und bei dem Windstoß wogte das frische, saftige Grün wie die Wellen des Ozeans. Wir hatten einen überaus schönen Anblick. Wir gingen gestern wieder daran vorüber, und des Schnitters Sense hatte die Schönheit bis an die Wurzel umgemäht, und da lag das einst saftige Grün welk in Haufen und wartete auf völlige Trockenheit, um eingefahren werden zu können. Das Gras ist bald abgemäht; aber wenn es stehen bliebe, würde es doch verwelken, und einige Handvoll Staub nehmen den Platz der grünen und farbigen Blätter ein; denn verwelkt nicht das Gras, und fallen die Blumen nicht ab? Das ist das sterbliche Leben. Wir leben nicht, Brüder, sondern wir sind am Sterben. Wir fangen an zu atmen und machen die Zahl unserer Atemzüge beständig weniger. Der Tod steht auf jeder Stirn geschrieben. Mensch, wisse, daß du sterblich bist, denn du bist vom Weibe geboren. Die erste Geburt gab dir das Leben und auch zugleich den Tod. Du atmest nur kurze Zeit, um dich vom Rachen des Grabes fernzuhalten; wenn dein Atem verbraucht ist, fällst du in des Todes Staub.

Alles um uns her lehrt uns die Hinfälligkeit des menschlichen Lebens. Der Richter, der viele verurteilt hat, empfängt schließlich sein eigenes Urteil. Seitdem wir das letzte Mal hier zusammentrafen, sind große Helden dahingesunken, und selbst ein Monarch auf seinem Thron hat die Monarchie des Todes anerkennen müssen. Wie viele sind aus den großen Volksmassen niedergemäht und zu ihrer Ruhestätte gebracht worden! Es hat Leichenbegängnisse gegeben, deren etliche ehrenvoll waren, weil Männer in der Ausführung des Willens ihres Meisters in der Errettung von Menschenseelen zusammenbrachen, und es sind andere begraben worden, die den Willen des Satans taten und demzufolge die Flammen geerbt haben. Zur Rechten und zur Linken hat es Todesfälle gegeben, und Petri Worte haben sich als wahr erwiesen: „Alles Fleisch ist wie Gras, und alle Herrlichkeit der Menschen wie des Grases Blume; das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen.“

Und nun, Brüder, laßt uns die andere Seite der Frage betrachten. Die zweite Geburt gab uns auch eine Natur; wird auch sie sterben? Gleicht sie dem Grase, und ist ihre Herrlichkeit wie die Blume auf dem Feld? Nein, wahrlich nicht. Die erste Natur stirbt, weil der Same vergänglich war; aber die zweite Natur ging nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen hervor, nämlich aus dem Wort Gottes, dem Gott Sein eigenes Leben eingehaucht hatte, so daß es uns durch den Geist beleben konnte. Dies unvergängliche Wort bewirkt ein unvergängliches Leben. Das Kind Gottes in seiner neuen Natur stirbt niemals. Es kann den Tod nicht sehen. Christus, der in ihm ist, ist die Unsterblichkeit und das Leben. „Wer da lebt und glaubt an Christum, wird nimmermehr sterben.“ Und wieder: „Er wird leben, ob er gleich stürbe.“ Wenn wir wiedergeboren werden, empfangen wir eine Natur, welche unzerstörbar ist, welche nicht vom Feuer verzehrt, nicht vom Wasser ertränkt, nicht durch Alter geschwächt und nicht von der Pest hingerafft werden kann, eine Natur, die nicht vergiftet, die nicht vom Schwert zerstört werden kann, eine Natur, die nie sterben kann, es sei denn, daß Gott, der sie gegeben hat, auch sterben könnte. Denkt daran, meine Brüder, und gewiß, ihr habt Grund, euch zu freuen. Aber vielleicht fragt ihr, wie es zugehe, daß diese neue Natur nie sterben kann. Der Text lehrt uns, daß sie es nicht kann. „Wiederum geboren, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da ewiglich bleibt.“ Wenn das nicht lehrt, daß die uns in der neuen Geburt gegebene Natur niemals stirbt, dann lehrt uns überhaupt nichts etwas, und wenn es uns das lehrt, wo bleibt dann die armianische Lehre von dem Abfall von der Gnade? Aber laßt mich euch zeigen, wie es zugeht, daß diese Natur nie stirbt. Erstens liegt das in der Natur selbst. Sie selbst ist unvergänglich. Gleiches erzeugt Gleiches. Der sterbliche Mensch erzeugt sterbliche Menschen; wenn Gott, der ewige Gott, uns durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeboren werden läßt, so erzeugt Er eine ewige Natur. „Welcherlei die Irdischen sind, solcherlei sind auch die Irdischen;“ das Irdische stirbt, und wir, die wir irdisch sind, sterben auch. „Welcherlei die Himmlischen sind, solcherlei sind auch die Himmlischen;“ das Himmlische stirbt nie. Aber mehr als das; die neue Natur kann nicht sterben, weil der Heilige Geist sie beständig mit Leben versieht. „Er gibt reichlich Gnade,“ Gnade auf Gnade. Ihr wißt, der Apostel gibt es so: „Denn so wir Gott versöhnt sind durch den Tod Seines Sohnes, da wir noch Feinde waren; wieviel mehr werden wir selig werden durch Sein Leben, so wir nun versöhnt sind!“ Ist es nicht der Heilige Geist, durch welchen uns das Leben Christi eingeflößt worden ist? Nun, die Lebensfluten, die der Heilige Geist in uns gesandt hat, wirken mit der Unsterblichkeit des neugeborenen Geistes zusammen, und so wird uns die Ewigkeit der Seligkeit doppelt gesichert. Aber dann stehen wir ferner in lebendiger Verbindung mit Christus, und anzunehmen, daß die neue Natur aussterben könnte, hieße anzunehmen, daß ein Glied Christi, etwa ein Finger, eine Hand, ein Arm, von der Person Christi sterben und abfallen könnte, daß Er verstümmelt und zerteilt werden könnte. Sagt der Apostel nicht: „Ist nun Christus zerteilt?“ Und stand es nicht geschrieben: „Ihr sollt Ihm kein Bein zerbrechen“? Und wie würde das wahr, wenn wir von Ihm abgebrochen und von Seinem Leibe getrennt werden könnten? Meine Brüder, wir empfangen den göttlichen Saft durch Christum, den Stamm; dieser göttliche Saft erhält uns lebendig, aber mehr, die Tatsache, daß wir mit Christus vereint sind, bewahrt unser Leben. „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Das neue Leben kann nicht sterben, weil Gott verpflichtet ist, es am Leben zu erhalten. „Ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand soll sie aus Meiner Hand reißen.“ „Mein Vater, der sie Mir gegeben hat, ist größer denn alle, und niemand wird sie aus Meines Vaters Hand reißen.“ Und ferner: „Das Wasser, das Ich ihm geben werde, wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ Und noch einmal: „Wer an Mich glaubt, den wird ewiglich nicht dürsten.“ Und so könnten wir eine Menge Stellen anführen, in denen die göttliche Verheißung die Allmacht und göttliche Weisheit verpflichtet, das neue Leben zu bewahren.

So laßt uns denn alles zusammenfassen. Als Mensch vom Fleisch geboren werde ich sterben; als neuer Mensch vom Geist geboren werde ich nie sterben. Du Fleisch, du Erzeugnis des Fleisches, wirst verwesen. Du neuerschaffener Geist, du Same vom Herrn, wirst die Verwesung nie sehen. Ich werde sterben und doch niemals sterben. Ich werde aufhören und dennoch bleiben; ich werde ins Grab gelegt werden, und dennoch wird das Grab nie den aufschwebenden, lebendigen Geist in sich aufnehmen. Kinder Gottes, ich weiß keinen Gegenstand, der euch so gründlich aus euch selbst herausheben könnte als diesen. Laßt die göttliche Natur in euch leben; laßt den lebendigen Funken auflodern; kommt, laßt das göttliche Element, die neugeborene Natur, die Gott euch gegeben hat, laßt sie neu werden und laßt deren Sprache Lob und Dank sein; laßt sie aufwärts blicken und ihre eigene Luft, den Himmel Gottes, einatmen, in welcher ihr euch bald völlig freuen werdet. O Gott, unser Vater, hilf uns, daß wir nicht wandeln nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist, da wir nun wissen, daß wir durch Dein eigenes Selbst zu einem unsterblichen Leben lebendig gemacht worden sind.

III.

Ich komme nun zu dem letzten und vielleicht interessantesten Punkt: Die Herrlichkeit der beiden Naturen im Gegensatz zueinander. Jede Natur hat ihre Herrlichkeit. Blickt noch einmal auf das Feld. Da ist nicht nur das Gras, sondern da ist die Blume, die die Herrlichkeit des Feldes ist. Zuweilen bekleiden viele Farben die Weideplätze mit größter Schönheit. Die gefärbte Blume ist die Herrlichkeit des grünen Feldes. Sie kommt später als das Gras und welkt früher; denn das Gras ist aufgeschossen, ehe die Blume blüht, und wenn die Blume bereits verwelkt ist, behält der Grashalm seine Lebensfähigkeit noch. Genau so ist es mit uns. Unsere Natur hat ihre Herrlichkeit, aber diese Herrlichkeit zeigt sich erst nach Jahren. Der Säugling hat die Herrlichkeit des Mannesalters nicht, und wenn diese Herrlichkeit kommt, so welkt sie, ehe unsere Natur stirbt, denn „die Gesichter durch die Fenster werden finster, und die Müller stehen müßig, daß ihrer so wenige geworden sind“. Der Mann verliert seine Herrlichkeit und wird gebrechlich, ehe das Leben ausgelöscht wird. Die Blume kommt zuletzt und verwelkt zuerst; auch unsere Herrlichkeit kommt zuletzt und verfällt zuerst. O Fleisch, deine Existenz ist schwach und gebrechlich; aber deine Herrlichkeit ist noch schwächer und gebrechlicher. Sie zeigt sich erst spät und ist dann so bald dahin. Aber welches ist die Herrlichkeit des Fleisches? Schenkt mir einen Augenblick eure Aufmerksamkeit, damit ich es sagen kann. In manchen ist die Herrlichkeit des Fleisches die Schönheit. Ihr Angesicht ist schön anzusehen, und als das Werk des großen Werkmeisters sollte es bewundert werden. Wenn eine Person deswegen eitel wird, so wird die Schönheit unschön; aber gut proportionierte Züge zu haben, ist zweifellos keine unbedeutende Ausstattung. Hier ist in der Schönheit des Fleisches eine Herrlichkeit; aber wie spät hat sie sich entwickelt, und wie bald verwelkt sie! Wie bald werden die Wangen hohl, wie bald werden leuchtende Augen verdunkelt und das schöne Angesicht verunziert! Ein Teil der Herrlichkeit des Fleisches ist auch physische Stärke. Es ist nichts Geringes, ein starker Mann zu sein und kräftige Knochen und stählerne Muskeln zu haben. So mancher hat Gefallen an dem Gebein des Mannes und an der Kraft seines Armes. Gewiß, wie Gott ihn gemacht hat, ist er ein wundervolles Geschöpf, und es wäre unrecht, wenn wir das Meisterstück Gottes nicht bewundern wollten. Aber wie spät erst tritt die Muskelkraft hervor! In den Tagen der Kindheit, in seinem Jünglingsalter ist der Mensch noch schwach, und wenn er nun seine volle Kraft entwickelt hat, wie bald fängt er dann wieder an, seine Stärke zu verlieren! Und der faulende Zahn und das grau werdende Haar zeigt an, daß der Tod angefangen hat, seinen Raub zu beanspruchen, und daß er bald ganz von ihm Besitz ergreifen wird. „Die Herrlichkeit fällt ab.“ Für andere liegt die Herrlichkeit des Fleisches mehr in den geistigen Fähigkeiten. Sie haben Beredsamkeit; sie können so sprechen, daß sie die Ohren der Menge bezaubern. Ja, aber wie spät treten diese Dinge hervor! Wie viele Jahre vergehen, ehe das Kind verständlich sprechen lernt, und ehe der junge Mann imstande ist, mutig eine Rede zu halten! Und dann, wie bald ist alles dahin! Wenn der arme Mann weise Worte sprechen möchte, verwehrt ihm der zahnlose Mund, sich mitzuteilen. Oder die Herrlichkeit sei Weisheit. Hier ist ein Mann, dessen Herrlichkeit seine meisterhafte Macht über andere ist. Er kann weiter sehen als andere; er kann einer Klugheit mit der anderen begegnen; er ist so weise, daß seine Mitmenschen ihr Vertrauen auf ihn setzen. Dies ist die Herrlichkeit des Fleisches; aber wie spät zeigt sie sich! Welcher Zeitraum liegt zwischen dem geschwätzigen Kind und dem weisen Mann! Und wie bald ist diese Herrlichkeit dahin! Und wenn er auch körperlich noch kräftig ist, wie bald zeigt sein Geist Symptome des Verfalls! Betrachtet als die Herrlichkeit des Fleisches, was ihr wollt, ich will darüber schreiben: „Eitelkeit der Eitelkeiten; es ist alles ganz eitel.“ Wenn das Fleisch hinfällig ist, ist die Herrlichkeit des Fleisches noch hinfälliger; wenn das Gras verdorrt, so verdorrt des Grases Blume schon vorher.

Aber ist dies auch wahr von der neuen Natur? Gilt das auch von dem, was uns in der zweiten Geburt eingepflanzt ist? Ich denke, ich habe euch eben gezeigt, daß die Existenz der neuen Natur eine ewige ist, weil sie nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen gekommen ist. Ich habe versucht, zu zeigen, daß sie nie untergehen und nie sterben kann. Aber euer Unglaube flüstert euch zu: „Vielleicht hört ihre Herrlichkeit auf.“ Nein, das kann nicht sein. Und welches ist die Herrlichkeit der neugeborenen Natur? Nun, ihre Herrlichkeit ist zunächst die Schönheit. Aber was ist ihre Schönheit? Sie besteht darin, dem Herrn Jesu gleich zu sein. Wir werden Ihm gleich sein, denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist. Aber diese Herrlichkeit wird nie verwelken; selbst die Ewigkeit wird die Wangen dieser seraphischen Schöne nie aushöhlen noch den himmlischen Glanz des leuchtenden Auges verdunkeln. Wir werden Christo gleich sein; aber diese Gleichheit wird durch die Zeit nicht entstellt noch durch den Verfall vernichtet. Ich sagte soeben, daß die Herrlichkeit des Fleisches zuweilen in seiner Kraft bestehe; so besteht auch die Herrlichkeit des Geistes in seiner Kraft, aber es ist eine Kraft, die nie aufgezehrt wird. Die Kraft der neugeborenen Natur ist der Heilige Geist selbst, und solange die Gottheit allmächtig bleibt, wird unsere neugeborene Natur an Stärke zunehmen, bis wir zunächst zu dem vollkommenen Mannesalter in Christo heranwachsen und dann als verklärte Menschen vor Seinem Thron stehen werden. Die Blume der neuen Natur könnt ihr jetzt noch nicht recht sehen. Diese Blume der Herrlichkeit besteht vielleicht auch in Beredsamkeit. „Beredsamkeit,“ sagt ihr, „wie kann das sein?“ Ich sagte, die Herrlichkeit der alten Natur könnte Beredsamkeit sein - und so ist es bei der neuen; aber dies ist die Beredsamkeit des „Abba, lieber Vater“, eine Beredsamkeit, davon ihr jetzt Gebrauch machen könnt. Es ist eine, die, wenn ihr kein Wort sprechen könnt, um Menschen in Bewegung zu setzen, auf eurer Zunge bleibt, um den Himmel in Bewegung zu setzen. Ihr werdet unter den Ängsten des Todes imstande sein. „Abba, lieber Vater!“ zu sagen, und wenn ihr aus dem Bett des Staubes euch erhebt, noch viel beredter ausrufen: „Halleluja!“ und werdet euch mit dem ewigen Chor verbinden und die göttlichen Sinfonien der Cherubim und Seraphim verstärken, und durch alle Ewigkeit wird eure Herrlichkeit nie verschwinden. Und dann, wenn Weisheit Herrlichkeit ist, wird eure Weisheit, die ihr in der neuen Natur erbt - und es ist keine andere denn Christi, welcher uns von Gott gemacht ist zur Weisheit - eure Weisheit wird nie welken; tatsächlich wird sie zunehmen, denn ihr werdet erkennen, gleichwie ihr erkannt seid. Während ihr jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort seht, werdet ihr dann von Angesicht zu Angesicht sehen. Ihr nippt heute von dem Bach und werdet morgen im Ozean baden; ihr seht jetzt von fern, werdet aber bald in den Armen der Weisheit liegen, denn die Herrlichkeit des Geistes stirbt nie, sondern dehnt sich durch alle Ewigkeit beständig aus und erweitert sich beständig; ihr werdet nie, nie schwach werden. Brüder, was immer es auch sein mag, das ihr als die Herrlichkeit eurer neuen Natur erwartet, ihr habt noch keine Idee von dem, was sie sein wird. „Was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, und keines Menschen Herz und Sinn gekommen ist, das hat Gott bereitet denen, die Ihn liebhaben.“ Aber wenngleich Er es uns geoffenbart hat durch Seinen Geist, so fürchte ich doch, daß wir es noch nicht genügend gelernt haben. Welches aber auch diese Herrlichkeit sein mag - wir wollen davon sagen, daß es eine unvergängliche, unbefleckte und unverwelkliche ist. Die einzige Frage, die wir aufzuwerfen haben und mit der wir schließen wollen, ist: Sind wir wiedergeboren? Brüder, es ist unmöglich, das neue Leben ohne die neue Geburt zu haben, und die Herrlichkeit der neuen Geburt könnt ihr ohne ein neues Herz nicht kennen. Ich frage: Bist du wiedergeboren? Stehe nicht auf und sage, daß du zur Kirche gehörst und getauft und konfirmiert bist. Das magst du sein, ohne daß du wiedergeboren bist. Sage nicht: „Ich bin Baptist; ich habe ein Bekenntnis meines Glaubens abgelegt und bin getauft worden.“ Das magst du sein, ohne daß du wiedergeboren bist. Sage nicht: „Ich stamme von christlichen Eltern ab.“ Das mag so sein, und doch kannst du ein Kind des Zornes sein, gleichwie auch die anderen. Bist du wiedergeboren? O, möchte Gott, der Heilige Geist, euch Christum offenbaren, und wenn ihr dahin kommt, mit dem tränenden Auge eines bußfertigen Glaubens zu Christo aufzublicken, dann sei euch kund, daß ihr wiedergeboren seid.

Gott helfe euch, daß ihr glaubt! Amen.

autoren/s/spurgeon/w/spurgeon-die_wiedergeburt_und_das_neue_leben.txt · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)