Spurgeon, Charles Haddon - Die Wichtigkeit der kleinen Dinge in der Religion

„Der Herr, unser Gott, tat einen Riß unter uns, darum, daß wir Ihn nicht suchten, wie es sich gebührt.“
1. Chr. 15,13

Die Bundeslade war eine Art Kasten aus Föhrenholz gemacht und innen und außen vergoldet. In dieser Lade wurden die steinernen Tafeln aufbewahrt, die Mose auf dem Berg aus dem Himmel empfing. Auch der goldene Mannakrug und Aarons grünender Stab wurden darin aufbewahrt. Auf dem Deckel waren Cherubim dargestellt, und wenn die Lade ruhte, zeigte sich zwischen den Flügeln der Cherubim jenes wunderbare helle Licht, die Schechinah, die das Zeichen der Gegenwart des Allerhöchsten war. Wie ihr wißt, wurde der Deckel der Lade der Gnadenstuhl genannt. Die ganze Lade war in dem symbolischen Gottesdienst der Juden eines der heiligsten Dinge, weil sie ihnen, wenn sie es richtig verstanden, der Ausdruck des Wohnens Gottes unter ihnen war; denn wo diese Lade war, da weilte Gott. Der Deckel, Gnadenstuhl genannt, war die Darstellung Jesu Christi, der unsere Bundeslade ist, in welchem Gott unter Menschen wohnte, und Er ist unser Gnadenstuhl, durch welchen wir Zugang zu Gott, unserem Vater, haben. Ihr wißt, daß die Lade, nachdem sie gemacht worden war, sorgfältig im Allerheiligsten der Stiftshütte aufbewahrt wurde, in welches niemand eintrat als der Hohepriester einmal jedes Jahr, und auch dieser nie ohne Blut. Mit seinem Rauchfaß machte er eine dichte Wolke von Rauchwerk, und indem er den Gnadenstuhl mit Blut besprengte, wagte er es, sich demselben zu nähern, aber nicht ohne Blut. Wenn die Lade weiterbefördert wurde, wurde sie ganz bedeckt, so daß kein menschliches Auge sie sehen konnte, und sie wurde dann an vergoldeten Stäben von Leviten auf deren Schultern getragen. Angesichts der Lade trat der Jordan zurück, so daß die Kinder Israels, als sie in Kanaan einzogen, hindurchgehen konnten. In einer trüben Zeit wurde die Lade von den Philistern gefangen genommen; als sie sie aber in ihr Land brachten, schlug sie, wohin sie auch kam, die Philister mit Plagen, so daß diese genötigt waren sie wieder zurückzugeben. Sie stellten den gefürchteten Gefangenen auf einen neuen Wagen und ließen die Rinder damit ziehen, wohin sie wollten, und durch Gottes Vorsehung kam die Lade nach Beth-Semes. Die Leute von Beth-Semes ließen sich durch ihre böse Neugierde verleiten, den Deckel aufzuheben und hineinzusehen, und die Folge dieser gottlosen Vermessenheit war, daß viele Tausende getötet wurden. Die Lade wurde dann nach Kirjath-Jearim in das Haus eines Abinadab gebracht, wo sie bis zu den Tagen Davids blieb, welcher den Wunsch hatte, sie in die Stiftshütte zu bringen, die er auf dem Berge Zion errichtet hatte. Die Boten durcheilten das Land und luden die Stämme Israels und die Kinder Judas ein, die Bundeslade unter Freudenmusik heraufzubringen. Und sie kamen aus allen Städten. Aber das göttliche Gesetz vergessend, nahmen sie die Lade und stellten sie auf einen neuen Wagen, der zu diesem Zweck gemacht worden war. Ohne Zweifel dachten sie, daß sie zu schwer sei, um von den Priestern meilenweit getragen werden zu können, oder aber sie hatten das göttliche Gesetz ganz vergessen und ahmten dem Beispiel der Philister nach. Es ist eine schlimme Zeit für das Volk Gottes, wenn es sein eigenes Urteil aufstellt und es unterläßt, dem göttlichen Gesetz unbedingten Gehorsam zu leisten. Die Lade wurde von Rindern gezogen, und da es im Morgenland keine gebahnten Wege gibt, sondern nur hier und da eine Wagenspur, so ging der Wagen einmal schief, und die Lade schwankte, und als sie auf den Platz Chidon kamen, wo der Weg besonders uneben sein mochte, kippte der Wagen fast um, und die Lade kam in Gefahr, herunterzufallen. So dachte wohl Usa, und er streckte seine Hand aus, faßte die Lade an, um sie zu halten, und er wurde auf der Stelle geschlagen und starb daselbst vor Gott. Die Prozession hielt inne, und statt des Freudenjubels gab es Kummer und Tränen, und selbst der König schien seinem Gott zu zürnen, weil er dachte, daß Gott hart gegen sein Volk handelte.

Ihr habt das Bild vor euch. Ich möchte euch ersuchen, zuerst im einzelnen darauf einzugehen, um gewisse Wahrheiten hervorzuheben, die es nach meiner Ansicht lehrt, und dann das Bild als ein Ganzes zu überblicken, um dessen volle Bedeutung zu erfassen.

I. Zuerst wollen wir das Bild in seinen Einzelheiten betrachten.

1. Die erste Bemerkung, die ich darüber mache, ist, daß Gottes Urteil über die Sünde sich außerordentlich von dem unseren unterscheiden muß. Wer unter uns, der diese Geschichte gelesen, hat nicht gedacht, daß Usa hart behandelt wurde? Wurde er in seiner Handlungsweise nicht von einem guten Beweggrund geleitet? Er konnte den Gedanken nicht ertragen, daß die Lade vom Wagen auf die Erde fallen könnte, und darum streckte er seine Hand aus. Nach unserem Dafürhalten war die Sünde nur sehr klein und der Beweggrund so vortrefflich, daß die Tat fast gerechtfertigt erschien. Wir sind geneigt, Usa zu entschuldigen und anzunehmen, daß das Gericht, welches über ihn erging, ein unverdientes war. Laßt mich hier bemerken, daß ich mir nicht klar darüber bin, daß Usa als das Resultat seines Vergehens eine ewige Bestrafung erlitt. Wir haben es nur mit dem zu tun, was Gott mit ihm in dieser Welt tat. Wir können das Böse nicht so bald entdecken, aber es war Sünde in der Tat, sonst würde Gott sie nicht bestraft haben. Er ist zu gut und zu gerecht, um jemand härter zu bestrafen, als er es verdient. Gott übertreibt unsere Sünden nie. Er sieht sie an, wie sie sind. Und was meint ihr, meine Zuhörer, wenn die bloße Sünde der Berührung der Lade den Tod über den Menschen brachte, was wohl unsere Sünden über uns bringen müßten, wenn Gott „das Recht zur Richtschnur und die Gerechtigkeit zum Gewicht machen“ wollte? Wir alle haben tausendmal schlimmere Dinge verübt als Usa. Nein, manche unter uns leben heute in Begehung der Sünde. Ihr habt eure Sünden nie bereut, sondern liebt eure bösen Wege, und wenngleich ihr oftmals gewarnt worden seid, beharrt ihr dennoch in euren Missetaten. Muß nicht Gottes Geduld unter euren Sünden erdrückt werden? Es erscheint seltsam, daß der Umstand, daß Eva von der Frucht genoß, der Ruin der ganzen Welt werden und den Tod mit allem seinem Weh in die Welt bringen mußte. Aber das erscheint uns so, weil wir nicht wissen, ein wie böses Ding die Sünde ist. Die geringste Sünde ist ein so großes Übel, ein so außerordentlich schwarzer Greuel, daß Gott gerecht wäre, wenn Er uns in dem Augenblick, da wir einen schlechten Gedanken hegen oder ein einziges verkehrtes Wort aussprechen, in die Hölle verstieße. Die Sünde ist ein unermeßliches Übel. Sie ist ein bodenloser Abgrund. Sie ist ein verzweifelt böses Etwas, dessen Abscheulichkeit wir nie erkennen werden, wenn wir nicht, was Gott verhüten wolle, auf ewig seine Schrecken in der bodenlosen Hölle fühlen.

2. Aber wir lernen dann zweitens aus dieser Geschichte, daß alle Abweichungen von der geschriebenen Offenbarung Gottes unrecht sind. In der Gemeinde Christi ist die Idee aufgetaucht, daß viele Dinge, die in der Schrift gelehrt werden, nicht wesentlich sind und daß wir sie eben ein wenig dahin abändern können, daß sie uns passend werden, und daß, wenn wir nur in den Fundamentalwahrheiten richtig stehen, die anderen Dinge von keinem Belang und Wert für uns sind. Nun blickt auf unser Bild und laßt diesen Irrtum für alle Zeit fahren. Es erschien dem Volk Israel als etwas sehr Gleichgültiges, ob die Lade auf den Schultern von Männern getragen oder ob sie auf einem Wagen gefahren werde. „Es kommt nicht darauf an,“ sagten sie. „Es ist ja wahr, daß Gott uns gesagt hat, daß sie von Leviten getragen werden soll; aber was hat das zu bedeuten, solange sie überhaupt nur getragen wird? Es wird alles ganz richtig sein. Wir wollen das so machen und den Modus abändern; das macht ja nichts aus.“ Ja, aber es machte etwas aus! Denn gerade infolge dieser Abänderung, die sie an Gottes Gesetz vornahmen, geschah es, daß die Lade anfing, zu schwanken, und daß Usa versucht wurde, seine Hand danach auszustrecken und sie anzurühren, so daß der Tod Usas die Bestrafung des ganzen Volkes dafür wurde, daß sie es versäumt hatten, die präzisen Gesetze Gottes in ihren Einzelheiten zu beobachten. Meine Brüder, als Mose die Stiftshütte erbaute, wurde es ihm nicht überlassen, sie nach seiner Laune und nach seinem Geschmack herzustellen. Jeder Knauf und jede Schleife, jedes Brett und jede Leiste, alles war in dem göttlichen Plan vorgezeichnet, und Mose mußte alles machen nach dem Bild, das ihm auf dem Berg gezeigt worden war. Nun, dies ist das Vorbild für einen Christen - dieses Buch Gottes, das vor mir liegt. Das Neue Testament unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi ist unsere Regel für unsere Praxis. Und meint ihr, daß ihr einige wenige Dinge dahin abändern dürft, daß sie für das Klima passen oder sich mit euren eigenen Ideen oder eurem Geschmack vertragen? Ihr bildet euch ein, daß z. B. diese Lehre nicht von so großer Wichtigkeit ist, daß, wenn ein Mensch nur die Fundamentalwahrheiten predigt, er sonst alles andere predigen kann und daß dann alles gut ist und daß man dann die Verordnungen, wie zum Beispiel die Taufe und das Abendmahl, zerschneiden, zerhacken und umgestalten kann, daß sie modernen Anschauungen entsprechen und daß sie in ihrer Vollständigkeit und Unverfälschtheit nach der apostolischen Regel und nach apostolischem Vorgang nicht aufrecht erhalten werden müssen? Aber wisset dies, daß auch die geringste Umgehung des göttlichen Gesetzes Gerichte über die Kirche bringen wird und solche gebracht hat und bis zu diesem Tage Gottes Hand davon abhält, uns zu segnen. Denn innerhalb weniger Jahre könnten wir erleben, daß alle Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus werden, wenn wir Gottes Lade nur tragen möchten, wie Gott sie getragen haben will, anstatt das Evangelium durch menschliche Erfindungen zu verunstalten und die Einfachheit des Evangeliums Jesu Christi zu verlassen.

Ich habe nicht die Absicht, heute auf Besonderes einzugehen; aber ich muß die allgemeine Tatsache aufrecht erhalten, daß, was Gott auch verordnet haben mag, richtig ist und daß ich kein Recht habe, irgend etwas zu verändern, auch nicht das Geringste, sondern daß ich das Wort, so wie es dasteht, so wie Gott es mir geoffenbart hat, als die Regel meines Glaubens und meiner Praxis annehmen muß. Aber es sind etliche unter euch, die nie ihre Bibel lesen. Ihr habt eure Religion aus zweiter Hand und habt sie anderen Leuten entlehnt; ihr kommt nicht zu diesem Buch, um aus dem Quell zu schöpfen. Eure Großmutter hat euch so und so gelehrt, und ihr denkt ebenso; euer Urgroßvater ging zur Kirche oder zur Kapelle, und das ist der Grund, aus welchem ihr dorthin geht, aber ihr seid nicht zum Wort Gottes gekommen, um euer Urteil demselben zu unterwerfen. Das ist der Grund, warum heute so viele Sekten vorhanden sind. Wenn wir alle direkt zur Bibel kämen, würden wir einander viel näher kommen. Wenn wir alle unsere Gedanken dem einen geschriebenen Wort beugen und keine andere Autorität als die der Bibel anerkennen würden, dann könnte die Kirche nicht geteilt und so in Stücke zerschnitten sein, wie sie es jetzt ist. Wir kommen zusammen, wenn wir zum Wort Gottes kommen. Aber wenn ich über diese Dinge spreche, wird mir stets geantwortet: „Aber diese Punkte sind doch nicht wesentlich!“ Wer hat euch gesagt, daß sie es nicht sind? „Nun,“ sagt jemand, „wir wollen zugeben, daß die Kindertaufe nicht in der Bibel ist; aber das ist doch nichts Wesentliches; man kann sie üben, und das tut doch keinen Schaden.“ Nein, ihr Herren, ihr habt kein Recht, an Gottes Gebot ein Wort zu ändern; ihr habt kein Recht, euch in irgendeiner Beziehung oder in irgendeiner Weise davon abzuwenden. Gottes Lehren müssen gepredigt werden, wie Gott sie gelehrt hat, und seine Vorschriften müssen nach seinem Modus und nach seinem Gesetz beobachtet werden. Der Tag ist zu beklagen, an welchem Gottes Lade auf den Wagen gesetzt und von Rindern gezogen wird, anstatt auf den Schultern der Männer getragen zu werden, die Gottes Wort lesen und es so nehmen, wie es dasteht, und dann dem folgen, was Gott ihnen gebietet, und nicht von irgendeinem Menschen oder von einer Klasse von Menschen an der Nase herumgeführt werden. Vergeßt diese Lektion nicht, Brüder, denn sie ist für die Gemeinde von größter Wichtigkeit.

3. Hier ist ein Drittes, und das ist, daß, wenn die Praxis der Christen von der Schrift abweicht, dieses Abweichen sicherlich Nachteile zur Folge hat. Als die Lade auf den Schultern von Männern getragen wurde, kam es nicht darauf an, ob es bergauf oder bergab ging, ob der Weg rauh oder eben war - die Lade wurde wie die Sänfte eines Königs getragen. Aber setzt sie auf den Wagen - ob sie auch meinen mochten, daß das besser aussehe -, dann holpert es hier, und es holpert da, und sie droht beständig herunterzufallen. Wenn wir ein Wort der Schrift ändern, bringen wir uns selbst in Unruhe. Wir mögen das anfangs nicht einsehen, aber mit der Zeit finden wir es gewiß heraus. Ändere ein Wort, und du gerätst in eine Schlinge und in ein Labyrinth, und Gott helfe dir, den Weg wieder heraus zu finden, denn du selbst findest nicht wieder heraus. Stehe zu Gottes Wort, und du stehst sicher. Ändere einen Punkt auf einem i, und du befindest dich in Feindesland und kannst dich nicht schützen. Wenn wir uns auf die Schrift verlassen können, können wir der Welt trotzen; wenn wir aber nichts haben als das Werk eines großen Predigers oder den Beschluß eines Konzils oder die Tradition der Väter, so sind wir verloren; wir versuchen, aus Sand ein Seil zu winden, und wir bauen ein Kartenhaus, das einstürzen muß. Die Bibel, die ganze Bibel und nichts als die Bibel ist die Religion der Gemeinde Christi. Und solange wir nicht dahin zurückkehren, wird die Kirche zu leiden haben. Sie wird die Lade nicht auf den Berg Zion bringen; sie wird Christi Reich nicht kommen sehen, bis sie mit jenen Rindern und dem neuen Wagen gebrochen hat und zurückkehrt zu dem Plan des Neuen Testaments, sich beharrlich an die Wahrheit zu klammern, wie sie in Jesu ist, und ernstlich um den Glauben zu kämpfen.

4. Es liegt ferner noch ein anderes auf der Oberfläche dieser Stelle, nämlich daß eine Neuerung an der Heiligen Schrift zu einer weiteren Neuerung führt. Ein kleiner Irrtum führt zu einem großen. Niemand beabsichtigte, daß Usa die Lade anrühren sollte. Sie dachten nicht daran, als sie sie auf den Wagen setzten, daß das zu Usas Tod führen werde und daß er die Sünde begehen würde, die Lade anzurühren, sonst würden sie sich sicherlich nach dem biblischen Plan gerichtet haben. So befinden sich etliche unter euch, meine lieben Brüder in Christo, die in ihren Anschauungen von der Schrift nicht ganz richtig sind. Vielleicht denkt ihr dasselbe von mir. Wir wollen also von jemand anderem sprechen. Da ist in der Welt ein Mann, dessen Anschauungen nicht ganz mit der Schrift übereinstimmen. Er sagt: „Das tut nichts; das ist eine kleine, eine ganz kleine Sache.“ Ja, aber dies kleine unrechte Etwas führt zu einem großen unrechten Etwas. Des Sünders Weg geht bergab, und wenn ihr in der Übertretung der Vorschrift der Heiligen Schrift erst einen Schritt tut, ist euer nächster Schritt nicht nur leicht, sondern er scheint sich euch aufzudrängen. Woher kamen die Irrtümer der römischen Kirche? Wurden sie alle an einem Tage geboren? Nein, sie kamen nach und nach. Ich will nur einen Irrtum verfolgen, gegen den wir als eine Denomination beständig Protest erheben, und ich nehme das nur als ein Beispiel vom Ganzen. Bei den ersten Christen war es Praxis, die, welche an Jesum Christum glaubten, durch Untertauchung in Wasser in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen. Nun, die erste verkehrte Lehre, die da auftauchte, war die Idee, daß vielleicht in dem Wasser irgendwelche Wirksamkeit liege. Darauf folgte, daß, wenn jemand im Sterben lag, der noch nicht getauft war, er vielleicht den Glauben an Christum bekennen und darum bitten mochte, getauft zu werden; da er aber im Sterben lag, konnten sie ihn nicht aus dem Bett nehmen, und darum nahmen sie die Besprengung als eine leichtere Methode an, durch welche sie das Wasser anwenden und das Gewissen des Sterbenden beruhigen konnten. Nachdem das geschehen war, war es nur noch ein Schritt dazu, auch die kleinen Kinder in die Kirche aufzunehmen, Kinder, unbewußte Säuglinge, die zu Gliedern des Leibes Christi werden sollten, und so wurde die Säuglingsbesprengung angenommen. Der Irrtum war nicht mit einem Mal da, sondern kam nach und nach, bis er schließlich in der Kirche eingeführt wurde. Ich kenne gegenwärtig keinen Irrtum, der zur Verdammnis von mehr Seelen führt als dieser. Es gibt Tausende von Leuten, welche fest glauben, daß sie in den Himmel gehen werden, weil sie als kleine Kinder besprengt und nachher konfirmiert worden sind und dann das Abendmahl empfangen haben. Die Wirksamkeit der Sakramente und die Taufwiedergeburt - alles entspringt aus dem ersten Irrtum der Säuglingstaufe. Hätte man sich an die Schrift gehalten und hätte die Kirche stets den Glauben vor der Taufe gefordert, so wäre dieser Irrtum nicht entstanden. Er hätte vor dem Licht der Wahrheit nicht bestehen und in der christlichen Kirche nicht festen Fuß fassen können. Aber ein Irrtum führt zum anderen, daran besteht kein Zweifel. Es ist nicht zu sagen, wo ihr enden werdet, wenn ihr einmal falsch angefangen habt. Ich spreche heute sehr bestimmt und deutlich über einen Gegenstand, den ich nicht oft berühre. Wenn ich aber darüber spreche, muß ich in meiner Sprache deutlich sein, zumal ich selten Anspielungen auf diese Wahrheit mache. Beurteilt mich, wie ich andere beurteile. Ihr sagt mir, daß ihr, wenn ich einen irrtümlichen Schritt tue, nicht wißt, wie weit ich gehen kann. Ich glaube euch. Glaubt mir auch, wenn ich dasselbe sage. Laßt uns zur Heiligen Schrift gehen und dabei bleiben. Und soweit glaubt mir, aber nicht einen Zoll weiter. Brecht mit mir, wenn ich mit meinem Meister breche. Die Bibel, die Bibel allein ist die Musterlehre, die Musterpraxis, die Mustererfahrung eines Christen, und was darüber ist, das ist vom Bösen.

5. Nachdem ich nun diese Punkte hervorgehoben habe, will ich noch einen erwähnen. Es fällt mir auf, daß auch auf der Oberfläche dieser Stelle eine Widerlegung eines sehr allgemeinen Irrtums liegt, daß Gott etwas annimmt, und wäre es auch etwas Verkehrtes, wenn es nur aus einem richtigen Beweggrund geschieht. Der allgemeine Irrtum der Zeit ist dieser: „Ich zweifle nicht daran,“ sagt jemand, „daß, wenn ein Mensch ein guter Mohammedaner ist und sich nach dem hält, was er weiß“ er in den Himmel kommen wird.„ „Ja,“ sagt ein anderer, „und wenn er ein guter römischer Katholik ist, und wenn er sich nach dem hält, was er weiß, so ist er sicher.“ „Jawohl,“ sagt noch ein anderer, „wir dürfen einander nicht hart richten; ohne Zweifel sind auch die, die sich vor Juggernaut beugen, wenn sie nach dem leben, was sie wissen, auch selig.“ Wollt ihr die Teufelsanbeter und die Schlangenanbeter auch mit aufzählen? Ihr müßt sie alle einlassen. Ihr habt die Tür weit genug aufgetan, um alle einzulassen. Und die Thugs, die in Indien umhergehen und dem Menschen die Kehle durchschneiden - sie tun es aus Prinzip, es ist ein Teil ihrer Religion, und sie halten es für Recht - meint ihr, daß sie auch in den Himmel eingehen werden, weil sie getan haben, was sie für Recht hielten? „Nein,“ sagt der eine, „so weit will ich denn doch nicht gehen.“ Ja, aber wenn das Prinzip in dem einen Falle richtig ist, dann ist es das auch in einem anderen.

Aber das ist alles Betrug und Falschheit. Gott hat uns die eine wahre Religion gelehrt, und einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist. Wir sind Gott für unseren Glauben verantwortlich; wir sind verpflichtet zu glauben, was Er uns zu glauben befiehlt, und unser Urteilsvermögen ist ebenso verpflichtet, sich dem Gesetz Gottes zu unterwerfen, wie jede andere Kraft unseres Wesens. Wenn wir vor Gott treten, ist es keine Entschuldigung für uns, wenn wir sagen: „Mein Herr, ich habe unrecht getan; aber ich war der Meinung, daß ich recht täte.“ „Ja, aber ich habe dir mein Gesetz gegeben, und du hast es nicht gelesen, oder wenn du es gelesen hast, so hast du es so sorglos gelesen, daß du es nicht verstanden und so unrecht getan hast, und nun sagst du mir, daß du es aus einem richtigen Beweggrunde getan hast. Aber das hat gar keinen Zweck.“ Schien es in Usas Fall nicht das richtigste von der ganzen Welt zu sein, daß er seine Hand ausstreckte, um das Herabgleiten der Lade zu verhindern? Wer wollte den Mann tadeln? Aber Gott hatte geboten, daß keine nichtpriesterliche Hand sie jemals berühre, und da Usa sie dennoch berührte, und ob er es auch aus richtigem Beweggrund tat, mußte er sterben. Gott will, daß seine Gesetze gehalten werden. Überdies, meine lieben Brüder, bin ich mir nach allem hinsichtlich der Richtigkeit eurer Beweggründe nicht sicher. Der Staat hat eine Proklamation veröffentlicht, die nach der Weise der alten Römer in Erz eingegraben ist. Ein Mensch geht mit seiner Feile daran, an dem Erz herumzufeilen und hier etwas wegzunehmen und dort etwas hinzuzufügen. Er sagt: „Ich habe es aus einem rechten Beweggrund getan; ich hielt das Gesetz nicht für gut; ich dachte, es sei für diese Zeit zu altmodisch, und so dachte ich, ich wollte es ein wenig abändern und es für das Volk besser gestalten.“ Wer bist du, daß du es wagst, auch nur einen einzigen Buchstaben des Buches Gottes anzurühren, das Gott mit jenem furchtbaren Satz umzäunt hat, in welchem geschrieben steht: „So jemand dazusetzt, so wird Gott zusetzen auf ihn die Plagen die in diesem Buch geschrieben stehen. Und so jemand davontut von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott abtun sein Teil von dem Buch des Lebens und von der heiligen Stadt und von dem, das in diesem Buch geschrieben steht.“ Tatsache ist, daß es nur einen Weg und nicht fünfzig Wege zum Himmel gibt; daß es nicht zwei Tore, sondern nur ein Tor gibt, das in den Himmel einführt. Christus ist der Weg. Vertrauen auf Christum ist der Pfad zum Paradies. Wer nicht an Jesus glaubt, muß verdammt werden. Die Religion Christi ist intolerant; sie gestattet keine zweite Heilsmethode. Sie fordert euren völligen Gehorsam, euren kindlichen Glauben; im anderen Fall bedroht sie euch, wenn ihr euch weigert, mit der furchtbarsten Strafe. Die Idee von der Freidenkerei und dergleichen und von dem Recht des Menschen, zu denken, wie es ihm gefällt, hat keinen Boden in der Schrift. Wir sind verpflichtet zu glauben, was Gott uns sagt, wie Er es uns sagt; verpflichtet, kein einziges Wort zu ändern, sondern die Bibel zu nehmen, wie sie ist, oder sie zu verleugnen und die Folgen davon zu tragen.

Dies alles scheint mir in dem Bilde von dem Tod des Usa zu liegen, das wir vor uns haben.

II.

Ich verlasse diese Punkte, die ich zur Warnung für alle Christen für sehr notwendig hielt; denn bei aller Liebe können wir doch nicht glauben, daß die Irrtümer, die bei uns vorherrschen, der Aufmerksamkeit gegen das Wort entsprungen sein können; sie müssen aus der Idee entsprungen sein, daß die kleinen Dinge Christi von keiner Wichtigkeit sind. Ich komme zu dem zweiten Punkt; laßt uns auf das Bild als ein Ganzes blicken. Wir haben hier zwei Bilder, eines für das Volk Gottes und das andere für die Ungläubigen. Ich will mich bei beiden der Kürze befleißigen.

Brüder in Jesu, trotz unserer Mißgriffe - und wir irren in manchen Dingen, was uns Gott vergeben wolle - trotz unserer Irrungen sind wir eins in Jesu. Doch, wenngleich eins in Christo Jesu, sollten wir unsere Irrtümer doch nicht für unwichtig halten, sondern unser jeglicher sollte auf seinen Knien göttliche Belehrung suchen, damit wir von allem falschen Weg gereinigt und bis an unser Ende auf den Weg des göttlichen Gehorsams geführt werden. Ich bin gewiß, daß das eine Ziel eures Lebens, auch das meines Lebens ist: das Reich unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi herbeizuführen. Wir haben das Bedürfnis, die Lade aus ihrer Verborgenheit an den Platz der Herrlichkeit zu bringen. Jedesmal, wenn wir unsere Knie beugen, ist ein Gebet auf unseren Lippen, das wir nicht unterlassen können: „Dein Reich komme; Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.“ Seit langen Jahrhunderten hat die Gemeinde gesucht, das Reich Christi auf die Erde zu bringen. Ist es gekommen? Gelobt sei Gott, in einem gewissen Maße ja. Aber haben wir die volle Frucht der jahrhundertelangen Arbeit? Ich denke nicht. Ich glaube sagen zu können, daß zwei Jahrhunderte nach dem Tod Christi die Religion Jesu auf der Erde fast ebenso mächtig war, wie sie es jetzt ist. Und die ganze Zwischenzeit, Gott verhüte, daß ich sage, sie sei verschwendet, ist dessenungeachtet mehr eine Zeit des Rückgangs als des Fortschritts gewesen. Nun, wie läßt sich das erklären? War nicht in Jesu Religion das, was ihre Feinde bis ans Ende der Erde treiben konnte? Laßt Paulus nur in Rom auftreten, und wenngleich nach einiger Zeit sein Kopf von seinem Leibe getrennt wurde, so fing doch das Reich der sieben Hügel an zu zittern, als er sprach. Laßt die anderen Apostel ausziehen, und soviel Widerstand sie auch finden mögen, sie gehen von einem Land zum anderen, und die Länder unterwerfen sich. Es ist wahr, die Märtyrer bluten, und die Apostel sterben, und die Bekenner werden verbrannt; aber die Wahrheit lebt und überwindet und siegt. Innerhalb zweier oder dreier Jahrhunderte ist der Name Jesu besser bekannt als der irgend eines Menschen, und seine Religion hat größere Macht als jede andere in der Welt. Und hier sind wir nun und senden unsere Missionare überall hin, und was ist der Erfolg? Gott sei Dank für das, was da ist; es ist ein vortrefflicher Lohn aller unserer Arbeit und viel mehr, als wir verdienen. Aber in unseren Missionaren ist die Macht nicht, die in den Aposteln war. Unsere Siege gleichen den Siegen der alten Zeit nicht. Wie geht das zu? Meine Theorie, wie das zu erklären, ist diese: Erstens fehlt uns der Heilige Geist in einem großen Maße. Aber wenn ihr der Sache auf den Grund geht, so ist meine völligere andere Antwort diese: Die Kirche hat ihre ursprüngliche Reinheit aufgegeben, und darum hat sie ihre Kraft verloren. Wenn wir einmal mit allem Irrigen brechen möchten, wenn durch den einstimmigen Willen des ganzen Leibes Christi jede schlechte Zeremonie, jede nicht in der Schrift verordnete Zeremonie aufgegeben und abgeschafft würde, wenn jede Lehre verworfen würde, die sich durch die Heilige Schrift nicht decken läßt, wenn die Kirche rein und klar wäre, so würde ihr Pfad ein triumphierender und siegreicher sein. Sie würde ihren Fuß auf Brahma setzen und Wischnu unter ihren Füßen zertreten. Sie würde zum Halbmond Mohammeds sagen: „Geh unter auf ewig.“ Sie würde den Papst vom Thron reißen; sie würde falsche Religionen mit der Wurzel ausreißen; sie würde als die Königin auf Erden thronen, und Christus, ihr Bräutigam, würde mit ihr herrschen, und es würde eine Hütte Gottes bei den Menschen sein. Aber wir sind nicht rein; wir sind nicht rein; wir können die Lade Gottes nicht heraufbringen. Gelobt sei Gott, sie ruht noch im Hause Obe

Dies mag manchem sehr unbedeutend erscheinen, aber in Wirklichkeit handelt es sich um das Leben. Ich könnte jeden einzelnen Christen bitten: denke darüber nach, mein lieber Bruder. Wenn die einen ein Christentum vor aller Autorität schützen - mit Ausnahme der Autorität Christi! - und die anderen eine Staatskirche festhalten, so können nicht beide recht haben. Wir mögen in den großen Stücken richtig sein, aber wir können nicht in allem richtig sein; der eine muß im Unrecht sein. Wenn die einen die Säuglinge besprengen und die anderen die Gläubigen taufen, so können nicht beide richtig sein; es wäre töricht, das zu denken. Christus hat keine schwer zu beschreibende Religion gegründet, die alle Arten Leute in sich aufnimmt, und der doch alle gleich gehorsam sind. Die Wahrheit schwankt nicht wie ein Pendel, der sich rück- und vorwärts bewegt. Sie gleicht nicht einem Kometen, der hier und da und überall ist. Der eine muß recht, der andere muß unrecht haben. Es ist nicht meine Sache, zu erklären, wer recht und wer unrecht hat. Ich bin nicht unfehlbar. Es ist meine Aufgabe, die Schrift für mich selbst als vor Gottes Auge zu beurteilen. Ich bitte euch, dasselbe zu tun. Haltet keinen Irrtum für einen unwichtigen; sondern prüft die Geister; prüft, ob dies oder das recht sein kann. Ich bin der Überzeugung, daß der beste Weg, die Einheit zu fördern, der ist, die Wahrheit zu fördern. Wir müssen einander in Christo lieben; aber wir dürfen nicht derart eins sein, daß wir nicht imstande sind, die Fehler anderer und unsere eigenen Fehler zu sehen. Nein, reinigt das Haus Gottes, und dann werden große und selige Zeiten für uns anbrechen.

Und nun wende ich mich an die, welche unbekehrt sind, die sich aber sehnen, zu hören, daß ihnen das Evangelium von Jesu Christo gepredigt wird. Ich denke, daß das, was ich bereits gesagt habe, wichtig ist; aber dieser letzte Teil ist der allerwichtigste. Mein Zuhörer, ich will annehmen, daß in deinem Herzen das sehnliche Verlangen ist, gerettet zu werden, daß du aber den Heilsplan nicht verstehst. Es tut mir leid um dich; denn wenn du ihn nicht verstehst, wirst du, wenngleich du Christum suchst, Mißgriffe tun, und du wirst dir damit viel Unannehmlichkeit schaffen. Es war ganz recht, daß David die Lade heraufzubringen wünschte; aber vielleicht war er hinsichtlich der Art und Weise unwissend, und sieh, wie er darunter zu leiden hatte: die Lade schwankte, die Rinder traten beiderseits aus. Wenn du nun hinsichtlich des Heilsplanes nicht klar bist, wirst du auch schwanken und viele Zweifel und Befürchtungen haben. Laß mich dich denn bitten, in der Heiligen Schrift zu forschen, und dann sei bestrebt, mit Gottes Hilfe eine klare Anschauung von der Tatsache in dir zu bewahren, daß du, wenn du überhaupt gerettet wirst, du durch das Vertrauen auf Jesum Christum und allein durch Ihn gerettet wirst. Der Heilsplan ist: „Vertraue Jesu.“ Machst du hinsichtlich anderer Dinge Mißgriffe, so wirst du darunter zu leiden haben; ein Mißgriff aber hier ist verhängnisvoll für dich. Mich dünkt, ich höre jemand sagen: „Ich sehne mich, gerettet zu werden, aber ich bin doch unruhig; ich denke, wenn ich gute Werke tue und mich dadurch retten könnte, so könnte ich Jesum vertrauen.“ Tritt zurück, Usa, tritt zurück; du gehst damit um, die Lade Gottes anzurühren; hüte dich, daß du nicht stirbst; andere Mißgriffe werden dich beunruhigen; dieser Mißgriff ist verhängnisvoll für dich. Christus bedarf deiner Mithilfe nicht; laß Ihn alles tun; nimm Ihn, wie Er ist, und geh zu Ihm, wie du bist, und du wirst gerettet werden. Suche Christus zu helfen, und du kannst nicht gerettet werden. Solange du nicht mit dem Gedanken gebrochen hast, mußt du traurig und in deinem Tode bleiben. Christus muß alles sein, und du mußt überhaupt nichts sein. Wenn du es versuchst, sein vollkommenes Kleid zu flicken, so kann dieses Kleid nie deine Blöße decken. Du mußt einen ganzen Christus haben und nichts als Christum.

Nach allem aber, liebe Freunde, habt ihr gar keine Verdienste. Christus bietet sich euch umsonst an, wenn ihr Ihn für nichts nehmen wollt. Sünder, nimm Christum, wie Er ist; nimm Ihn jetzt, wie du bist. Dies ist das Evangelium: Vertraue Christum, und du bist gerettet. Verlaß dich auf das, was Er getan hat, und du bist selig. Wirf ab dein Vertrauen auf irgendwelche Zeremonien, auf irgendwelche Lehren, auf irgendwelche Formen, auf irgendwelche Werke, und verlaß dich auf Christus, und du bist gerettet. „Wie aber, wenn ich in meinen Sünden fortfahre?“ Nachdem du dich auf Christus geworfen hast, kannst du nicht in deinen Sünden weiterleben. „Nein,“ sagt ein anderer; „aber ich habe nichts in der Welt; keinen Grund, aus dem ich gerettet werden sollte; ich habe gar nichts Gutes.“ Genau so; ich weiß, daß du nichts hast; aber ob du etwas Gutes hast oder nicht, dir wird dennoch gesagt, daß du auf Jesum vertrauen sollst. Mir ist, als hörte ich jemand sagen: „Ich darf Jesum nicht vertrauen; ich habe kein Recht dazu.“ Aber, lieber Freund, dir wird befohlen, es zu tun. „Gott gebietet allen Menschen, Buße zu tun.“ Das ist sein Gebot, daß wir glauben an den Herrn Jesum Christum, den Er gesandt hat. Ist dies nicht wirklich das Evangelium: „Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du selig“? Nun, was Gott mir zu tun gebietet, das habe ich ein Recht zu tun; es kann nicht unrecht sein, wenn ich tue, was Gott mir zu tun gebietet. Der Prediger, der einem Menschen sagt, daß er sein Recht in seinem Hilfsbedürfnis findet, veranlaßt den Sünder, auf sich selbst zu blicken; wenn er aber sagt: „Ob du es fühlst oder nicht fühlst, Gott hat das befohlen zu glauben,“ dann veranlaßt das den Sünder, sich Christus und Christus allein zuzuwenden.

Zum Schluß will ich dir eine kleine Anekdote erzählen, die ich schon öfter erzählt habe; sie führt dir klarer als alle anderen Mittel dein Recht, an Christus zu glauben, vor Augen. Ich spreche zu denen, die da sagen: „Ich habe kein Recht, auf Christus zu vertrauen.“ Ich saß da eines Tages im Gericht und interessierte mich für einige Verhöre, die vorgenommen wurden, und da wurde ein Zeuge nötig. Ich bin mir hinsichtlich des Namens nicht ganz klar, aber ich denke, er hieß Braun. So wurde denn die Parole ausgegeben, daß nun Braun erscheinen solle. Der Diener ging hinaus und rief: „Braun!“ Jemand anders, der nahe der Tür stand, rief: „Braun!“ und ich konnte hören, wie noch einige Male gerufen wurde: „Braun! Braun! Braun!“ Der Gerichtssaal war dichtbesetzt. Mit der Zeit kam unter einigen Schwierigkeiten ein kleines, häßliches Geschöpf in die Tür getreten. Es kam und bahnte sich seinen Weg. Da stand ihm ein feiner, großer Herr im Saal im Wege, der nicht Platz machen wollte, und in einer peremptorischen Weise sagte: „Wer sind Sie?“ „Braun,“ sagte der Mann, „ich bin Braun.“ „Wer ist denn Braun?“ fragte der andere. „Nichts,“ sagte er, „mir wurde nur gesagt, daß ich kommen sollte.“ Es war wunderbar, wie jedermann Platz für Braun machte, weil ihm gesagt worden war, daß er kommen solle. Es war dicht voll; aber Braun mußte irgendwie hindurch, weil man ihn nötig hatte. Es kam nicht darauf an, wie ärmlich, wie zerrissen oder wie schmutzig er aussah; er war nötig, und er hatte ein Recht zu kommen. So gebietet dir Gott jetzt, Christus zu vertrauen. Aber du sagst: „Da steht ein großer Sünder vor mir auf.“ Und er sagt: „Wer bist du?“ Du sagst: „Ein armer Sünder.“ „Und was ist ein armer Sünder?“ fragt er. „Gar nichts,“ sagst du; „aber Christus hat mir gesagt, daß ich Ihm vertrauen soll.“ - Er sagt: „Spring in meine Arme.“ Ich befinde mich oben in einem brennenden Hause; Er ruft: „Spring, und ich will dich auffangen,“ und ich folge dem Ruf. Ob zerschmettert oder gerettet; ich habe keinen anderen Heilsweg, ich falle in seine Arme. - Ich versinke, die Fluten sind bereit, mich zu verschlingen. Christus sagt: „Ergreife dieses Seil.“ Es sieht schwach aus, aber ich ergreife es. Ich will mich auf nichts anderes verlassen, und ich bin gerettet.

Tue das, armer Sünder, wer du auch sein magst, vertraue Christus jetzt. Jetzt, ich bitte dich, jetzt, da es angenehme Zeit ist. Möchte der Heilige Geist dich befähigen, Christus zu vertrauen, und wenngleich du mit Sünden bedeckt hierhergekommen bist, kannst du reingewaschen weggehen mit Frieden und Freude in deinem Herzen, weil der Geist Gottes dich so liebreich geleitet hat, Jesu zu vertrauen, und du bist gerettet. Möchte Gott nun seinen Segen hinzufügen um Jesu willen. Amen.

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