Spurgeon, Charles Haddon - Das Wunder der Brote

„Sie waren nichts verständiger geworden über den Broten.“
Markus 6,52

Laßt uns mit ernster Aufmerksamkeit das Wunder der Brote betrachten, damit wir nicht in dieselbe Sünde fallen, wie die Jünger in unserm Texte. Als sie Jesum auf dem Meere wandeln sahen, „entsetzten sie sich und verwunderten sich über die Maßen, denn sie waren nichts verständiger geworden über den Broten und ihr Herz war verstarret.“ Haarte Herzen und elender Unglaube sprießen auf an den wüsten Stätten, wo wir unsre vergessenen Gnadenerweisungen begraben. Die wunder unsers Herrn sollten beachtet werden; sie sind keine Kleinigkeiten und man sollte nicht an ihnen vorübergehen, als wären sie bloße Gemeinplätze einer Tageszeitung. Alles, was mit dem Sohne Gottes in Verbindung steht, ist ein angemessener Gegenstand für das tiefste Studium, und alle seine Aussprüche und Taten sollten von denen ausgesucht werden, die Freude daran haben. Weder Erde noch Himmel, weder zeit noch Ewigkeit bieten uns auserlesenere Gedankenschätze als die Handlungen unsers Herrn. Bedenkt, da Jesus Christus derselbige ist gestern, heute und in Ewigkeit, so sollte dasjenige wohl beachtet werden, was er einmal getan, weil es uns zeigt, was er bereit ist, wiederum zu tun, wenn die Not es forderte. Er würde noch immer seine Schafe eher durch ein Wunder speisen, als zugeben, daß es ihnen an etwas Gutem mangelte. Seine vollendeten Wunder haben seine Kraft nicht erschöpft; der Tau der Jugend ist noch auf ihm. Unsers Simsons Locken sind nicht abgeschnitten, unser Salomo hat seine Weisheit nicht verloren, unser Immanuel hat nicht aufgehört, „Gott mit uns“ zu sein.

Wenn die Jünger das Wunder der Brote betrachtet hätten, würden sie gesehen haben, daß Christus groß ist in dringender Not. Als fünftausend Mann gespeist werden sollten und keine Städte und Dörfer nahe genug, sie mit Brot zu versorgen, so daß die Leute verschmachtet wären auf dem Wege, ehe sie die Märkte erreichen konnten, da war Christus bereit, mit vollen Händen in der Zeit des Mangels, geneigt, freigiebig auszuteilen und im Stande, der Not so vollkommen abzuhelfen, daß die Leute sehr dankbar gewesen sein müssen, daß solche Not entstanden und ohne Zweifel werden sie oft gewünscht haben, wieder in solcher Verlegenheit zu sein, wenn sie den Herrn nahe haben könnten, um sie heraus zu bringen. Wären die Jünger durch das Wunder der Brote verständiger geworden, so hätten sie gewußt, daß Christus nicht bloß groß in dringenden Notfällen ist, sondern daß er seine Macht aus freien Stücken entfaltet ohne es nötig zu haben, gedrängt oder auch nur angetrieben zu werden. Ehe noch ein Anderer um die Menge gesorgt hatte, begann er nach der Größe des Vorrats zu fragen, von dem die Hungernden gespeist werden mußten. Er war es, der an ihre Speisung dachte, es war ein Plan, der von ihm selber erdacht und in ihm seinen Ursprung hatte. Seine Begleiter hatten auf ihren kleinen Vorrat von Brot und Fischen geblickt und den Versuch als hoffnungslos aufgegeben; aber Jesus unverwirrt und nicht in Verlegenheit, hatte schon erwogen, wie er die Tausende speisen und die Verschmachteten vor Freuden singen lassen wollte. Der Herr der Heerscharen bedurfte keiner Bitte, um der Wirt der Heerscharen hungriger Menschen zu werden. Sich daran erinnernd, hätten die Jünger in ihrer neuen Not sich sagen sollen: „Nun wird er seine Macht entfalten. Wir haben kaum nötig, zu ihm zu schreien, denn ehe wir rufen, wird er antworten und während die Verlegenheit noch unsre Seelen niederdrückt, wird er hören.“ Aber sie vergaßen, was er bei jener Gelegenheit getan und fielen deshalb bei ihrer neuen Prüfung in Mißtrauen. Geliebte, ist dies nicht ein sehr gewöhnlicher Fehler an uns? Vergessen wir nicht zu oft, was der Herr für uns in vergangenen Zeiten getan hat? Wir singen:

„Seine Lieb´ in vergangener Zeit
mir zu sagen und zweifeln verbeut,
jedwedes Ebenezer, darauf ich blick´,
zeigt, daß er mich führet im Unglück und Glück.“

Aber vergessen wir nicht diese Ebenezer? Gestatten wir nicht häufig unserm Gedächtnis, seine Wohltaten zu verlieren? Wird nicht Niedergeschlagenheit des Gemüts dadurch verursacht, daß wir das Wunder der Brote nicht recht betrachten oder das Seitenstück dazu, welches in unsrer eignen Geschichte sich findet? Wie viele Male habe ich den Herrn in schweren Kümmernissen gesucht und er hat mich hindurch gebracht! Welche bürden habe ich zu ihm getragen und gefunden, daß sie dann schwanden! Welchem Mangel hat er nicht abgeholfen? Welche Wunder hat er nicht für mich gewirkt? Gewiß, wenn ich daran denke, was er für mich getan hat, so kann ich, wenn mein Herz nicht verhärtet ist, mir keine Furcht gestatten. Können nicht Viele von euch dasselbe sagen? Gibt es nicht Oasen in der Wüste eurer Pilgerschaft, welche, wenn ihr darauf zurückblickt, eurem dankbaren Gedächtnis als sehr grün und voll Sonnenlicht erscheinen, wo der Herr sich euch offenbarte und mächtig für euch wirkte? Erwägt denn das Wunder der Brote, wie es in eurer eignen Lebensgeschichte hindurchgeschienen hat, und fürchtet euch nicht, was immer eure gegenwärtige Not sein mag.

Diesmal werde ich das Wunder der Brote nicht in der Form einer Predigt betrachten, sondern unsrer Rede gestatten, die Gestalt eines kleinen, freundschaftlichen Gesprächs anzunehmen.

I.

Kommt, laßt uns zuerst ein wenig an die Gäste denken, die sich um unsern Herrn sammelten, als er das Wunder der Brote wirkte.

Uns fällt zuerst ihre große Zahl auf. Jesus hatte seine Festtage, wo er offnes Haus hielt und seine Gäste in ungewöhnlichen Mengen bewirtete. Zweimal hielt er besonders merkwürdige Feste und seine Mahle zeichneten sich durch die große Anzahl aus, die zu denselben kam. Hier waren fünftausend und bei einer andern Gelegenheit viertausend Mann, ausgenommen Weiber und Kinder und ich sollte denken, dies ist ein sehr bedeutendes „ausgenommen“, denn die Zahl der Weiber und Kinder mag die der Männer überwogen haben; wenigstens ist das in unsern Versammlungen heutzutage oft der Fall. Dies ist ein Mahl nach einem königlichen Maßstabe. In unsrer heutigen Erzählung waren fünftausend versammelt und für Alle ward so leicht gesorgt, als wären es nur fünf gewesen. Sollten wir diesen Punkt nicht erwägen und daraus entnehmen, daß der Herr unsre hungrigen Seelen speisen wird, wenn wir zu ihm kommen? Sollte nicht Jeder von uns sagen, dann kann er mich gewiß segnen, wenn ich eine Seele bin, die nach seiner Liebe und Gnade verlangt? Sind so Viele schon errettet worden? Drängen sich Hunderte gerade jetzt zu dem Heilande? Warum sollte ich dann ausgeschlossen sein? Er, der fünftausend zu speisen vermochte, konnte sicherlich fünftausend und Einen speisen. Einer mehr oder weniger konnte bei einem so großen Feste keinen Unterschied machen. Nein, ich bin ganz gewiß, Jesus kann mich versorgen, denn er hatte zwölf Körbe voll übrig, nachdem er diese ganze Menge gespeist hatte. Komm, meine Seele, wenn dich nach Christo hungert, stehe nicht zurück, als wenn du Eine zu viel wärest. Je mehr, je lieber. Je mehr zu dem Feste seines Evangeliums kommen, desto froher ist Jesus. Einige Frömmler finden ihre Freude in den Worten: „Die Pforte ist enge und der Weg ist schmal und Wenige sind ihrer, die ihn finden,“ sie weilen bei dem: „Wenige sind ihrer, die ihn finden“ mit ersichtlichem Wohlbehaben und Selbstschätzung, ungefähr wie der alte konservative Wähler, der gegen ein weiter ausgedehntes Stimmrecht sprach und sich seines eignen Monopols rühmte. Solche Gedanken sind nicht nach Christi Sinn. Er sagte nicht: „Ich will fünfhundert von diesen Leuten speisen und die Übrigen mögen Hungers sterben;“ sondern die Größe ihrer Zahl und das Schreckliche ihrer Not bewog ihn in der umfassenden Güte seines Herzens hervorzutreten und sie Alle zu versorgen. Wären fünfzig da gewesen, hätten sie wie bei andern Gelegenheiten, nach Hause gehen können, denn fünfzig hätten möglicherweise in den Dörfern Speise gefunden,; aber die Bedürfnisse der fünftausend erforderten eine göttliche Versorgung. Die Größe der Sünderzahl scheint sowohl unsern Herrn anzutreiben, in Barmherzigkeit zu handeln, als es auch göttlich angemessen zu machen, daß er so handelt, denn „durch sein Erkenntnis wird er Viele gerecht machen und viele Kinder zur Herrlichkeit führen.“ Laßt keinen Sünder sich je mit der Besorgnis quälen, daß er Einer zu viel bei dem Mahl der Gnaden sein würde, noch laßt ihn fürchten, ein Eindringling zu sein. Die Festhalle Christi war ein offenes Feld, da waren keine Mauern oder Türen, oder Personen, die den Eingang bewachten; ebenso frei für Jeden ist sein Fest der Liebe in diesem Augenblick. Wer da will, der komme.

Wir beachten dann zunächst den sonderbaren Charakter seiner Gäste. Wir wissen nicht, was für eine Art von Leuten sie waren, aber dies wissen wir: er schloß nicht einen Einzigen um irgend einer Eigentümlichkeit seines Charakters willen aus. Sie waren eine nicht weiter beschriebene Menge. Wenig Gutes konnte von ihnen gesagt werden, ausgenommen, das sie ein Ohr hatten, um Jesum predigen zu hören und besonders froh waren, wenn die Predigt der erste Gang war und Brot und Fische der zweite. Sie waren ein fleischliches Volk und es war nichts an ihnen, das unsers Herrn Beachtung verdiente. Aber wann wartete Jesus Christus mit seinen Segnungen, bis die Menschen sie verdienten? Wenn wir Almosen geben, halten wir es für richtig, Nachfragen anzustellen, ob die, welche sich um Hilfe an uns wenden, es verdienen, und ich glaube, wir müssen dies tun oder wir richten Unheil an; aber unser himmlischer Vater sendet seinen Regen über Gerechte sowohl als Ungerechte, und ebenso speiset unser Herr Jesus Christus diese Leute, obgleich Viele von ihnen nur Brotsüchtige und Nachtreter waren. Schlecht oder gut, der großmütige Heiland speiste sie. Es konnte ihnen keinen Schaden tun, ein wenig Brot und Fisch zu erhalten. Ein Essen, was die Leute vor unsern Augen verzehren, ist gewöhnlich eine Wohltat, bei der man sicher geht, und deshalb speiste der Meister sie. Laß mich denn zu mir selber sprechen: Ich mag sehr unwürdig sein und bin es, und in meinem Charakter mag nichts sein, was ihn dem Herrn Jesum Christum empfiehlt; aber warum sollte er mir nicht die Speise geben, die meiner Seele Not tut? Ist er nicht in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen? Besuchte er nicht diese Welt als ein Arzt, um Kranke zu heilen? Laß meine Unwürdigkeit mich nicht zurückhalten. Mangel an Verdienst schloß Niemanden von dem Wunder der Brote aus und es braucht mich nicht auszuschließen, denn er heißt mich kommen; unwürdig wie ich bin, ladet er mich freiwillig, wiederholt endlich, ernstlich ein, ja, er befiehlt mir zu kommen. Warum sollte ich denn zaudern? Wenn da Viele sind, will ich Einer von ihnen sein und wenn sie von jeder Art sind, so kann ich mich um so freier ihnen anschließen.

Diese Gäste hatten Eins mit einander gemein, was, wie ich nicht zweifle, auch unter uns gefunden wird - sie waren alle hungrig und sie waren alle arm. Sie konnten nicht ein einziges Gericht auf den Tisch bringen. Nicht Einer von ihnen hatte ein Brot beizutragen oder einen Fisch dem Herrn des Festes zu geben. Sie waren alle hungrig, aber Keiner konnte eine Brotrinde aufweisen; und der Herr bat sie nicht beizusteuern und ebenso wenig wies er sie um ihrer Armut willen zurück. Bin ich denn heute Abend ein armer Sünder, der nichts Gutes in sich selber hat? Fühle ich, daß ich nicht einmal einen vollkommenen Gedanken, viel weniger eine einzige vollkommene Tat zu des Erlösers Verdienst beifügen kann? Nichtsdestoweniger heißt er mich kommen und kommen will ich. Er ist ein großer Geber; ich kann nur ein Empfänger sein und mein gänzlicher Mangel an allem Guten befähigt mich, von ihm zu empfangen, denn je leerer ein Gefäß ist, desto mehr kann es aufnehmen. Wenn ich ihm helfen könnte, hätte er nicht nötig, ein Wunder zu meinen Gunsten zu wirken, aber da ich ganz und gar nichts bringen kann, so bedarf ich seiner Wundermacht. Da ich ihn hungrige Seelen speisen sehe, so will ich mich an die Übrigen anschließen und an der Gabe seines Mitleids teilnehmen. Sie waren Leute ohne Pfennig, ohne Speise und konnten sich nicht selber helfen; aber da war Einer, der ihnen allen helfen und diese Hilfe mit Leichtigkeit gewähren konnte; so ist Jesus heute Abend hier, um uns reich zu machen, was immer unsers Herzens Bedürfnisse sein mögen, und es auf eine Weise zu tun, welche die Schrankenlosigkeit seiner Liebe und Gnade offenbaren wird.

Bei einer dieser Gelegenheiten lesen wir, daß Weiber und Kinder unter ihnen waren. Nun, ich muß gestehen, daß ich keine Vorliebe für die Anwesenheit sehr kleiner Kinder in den Versammlungen habe. Ich freue mich, ihre Mütter zu sehen und wenn sie nicht kommen können, ohne ihre kleinen Kinder mitzubringen, so freut es mich, daß sie dieselben mitbringen; aber sicherlich sind sie in der Regel kein Gewinn für eine Versammlung. Doch hier waren sie; hier waren Weiber und Kinder und ich vermute, einige der Kinder sehr noch mit den Frauen verbunden, indem sie auf dem Arm getragen wurden, weil sie beschrieben werden als „Weiber und Kinder.“ Sie wurden alle gespeist und das tat ihrem Schreien Einhalt; sie wurden alle versorgt, wie klein sie auch sein mochten. Sollte dies nicht eine große Ermutigung für mich sein, wenn ich Christum suche, daß wenn ich nicht besser bin, als ein kleines schreiendes Kind, das als etwas Lästiges in Gottes Hause erscheinen mag oder wenn ich so arm, so schlecht gekleidet bin, daß es mir scheint, ich gehöre ebenso wenig in die Versammlung, wie ein schreiendes Kindlein, doch sind die Gnadengüter für mich ebenso wohl, wie für die Andern. Jesus wollte nicht, daß man sagen solle, er hätte keine Speise für die Kinder. Er wollte nicht, daß die Mütter nach Hause gingen und sagten: „Die starken Männer bekamen Essen, aber wir hatten nur ein paar Gräten und Brocken und die armen Kinder hatten gar nichts. Bei Christi Festen gibt es keine Klagen der Witwen, wie in den Tagen der Apostel. Es gibt kein „Übersehen in der Handreichung,“ wo Jesus der Vorsitzende ist; sondern wer will, der kann kommen und an den Gütern teilnehmen, welche der König des Himmel für jede hungrige und durstige Seele bereitet hat.

So viel von den Gästen. Möge der Geist diese hingeworfenen Gedanken segnen, daß sie einen hungrigen Sünder dazu bringen, sich an die Übrigen der Gesellschaft anzuschließen und an der freien Gnade sich zu laben.

II.

Das Nächste, was wir in dem Wunder der Brote betrachten wollen ist die Ordnung der Gäste. Es waren fünftausend da, aber sie saßen nieder in Schichten, je hundert oder fünfzig. Mich wundert, wer sie so gut ordnete. O, ich denke daran, der Herr der Heerscharen war da und er versteht es, Heere zu ordnen. Aber wie kam es, daß sie so willig waren, schichtenweise zu sitzen? Die Leute sind nicht immer willig, sich Anordnungen zu fügen und wenn sie hungrig sind, sind sie oft sehr ungehorsam; aber sie setzten sich, wie es ihnen geboten wurde und setzten sich in Schichten, so daß kleine Räume zwischen ihnen blieben. Das Wort im Original, welches Markus braucht, stellt sie dar, abgeteilt wie Blumenbeete mit Gängen dazwischen, so daß wie ein Gärtner auf und ab gehen und alle Pflanzen begießen kann, auch die Aufwartenden bei dem Feste bequem einem Jeden sein Teil Brot und sein Stück Fisch geben konnten, ohne Verwirrung. Sie saßen nieder in Schichten, je hundert und je fünfzig. Es sieht jetzt nicht so ordentlich aus, nicht wahr? wenn wir Christum durch seine Kirche die Mengen speisen sehen? Es geht ein gutes Werk vor sich im Norden von England, es ist eine Bewegung in Schottland, es ist eine Erweckung in Irland, es ist eine Erregung in den mittleren Grafschaften; aber sieht es nicht sehr einem Wirrwarr gleich? Scheinen wir nicht Einer über den Andern zu stolpern, anstatt unser Werk in militärischer Ordnung zu tun? Ein gutes Werk entspringt plötzlich an einem Ort, während an andern Stellen die Religion ausstirbt; die Leute werden dort gespeist, während sie nicht weit davon Hungers sterben. Wir erreichen nicht die Massen als ein Ganzes, wir sehen nicht die Kirche aller Orten Fortschritte machen. Laßt uns indes nicht vorschnell urteilen, denn Jesus bringt seine Ordnung in unsre Unordnung. Wir sehen ein Stück von dem Gewirre, aber wenn das Ganze zusammengestellt sein wird und wir das Ende des Anfanges schauen, dann, ich stehe euch dafür, werden wir sehen, daß Christi großes Fest der Barmherzigkeit mit seinen Myriaden Gästen mit einer Ordnung geleitet worden, die ebenso mathematisch genau ist, wie die, welche den Lauf der Sterne lenket. Gott hat in dem Buche seiner ewigen Ratschlüsse, das vor Alters von ihm geschrieben ist, Alles niedergelegt, was in seiner großen Gnadenanstalt geschehen soll und davon weicht er nie ab. Seine Anschläge reifen zu der geeigneten Zeit und seine Pläne werden nach der weisesten Methode ausgeführt. Die Weltregierung, die so oft wild und wüst aussieht, ist keineswegs so: sie wirkt im Einklange mit der Gnade für die Rettung so Vieler, wie Christus mit seinem kostbaren Blute erkauft hat, und für die Erfüllung der großen Absichten der erwählenden Liebe. Die Wirksamkeit dieses Predigers und jenes, das Bauen dieses Gotteshauses und jenes, selbst das Bringen einer gewissen Anzahl Leute zum Hören, und das Bringen gerade dieser Personen, nicht anderer, die Einwirkung auf das Herz des Predigers, in dieser Weise zu sprechen und nicht in jener, bei diesem Gegenstande zu verweilen, nicht bei einem andern - alle diese Dinge sind so angeordnet, daß wir, wenn die Geschichte von dem großen Gnadenmahl des Herrn einst erzählt wird, sagen werden: „Es hätte nicht besser sein können. Er hat Alles wohlgemacht.“ Während wir die Größe des Gnadenwerkes bewundern werden, wie sie in der Zahl der Seligen gesehen wird, werden wir auch die Ordnung desselben bewundern in der Art, wie diese Selig-Gewordenen für Jesum abgesondert wurden durch die rechten Mittel, zur rechten Zeit und am rechten Orte, in der Weise, wie es am meisten zu Gottes Verherrlichung diente. Ich denke gerne zuweilen hierüber nach; nicht, daß wir uns dabei beruhigen sollen, wenn wir nicht Viele errettet sehen, noch daß wir je gleichgültig werden sollen in Betreff der Massen, die unbekehrt bleiben, sondern daß wir uns versichert fühlen, unser Gott habe sich nicht getäuscht gesehen, seine Pläne sind nicht vereitelt und das Evangelium wird doch nicht vergeblich gepredigt. Du musst nicht denken, lieber Bruder, weil du eine kleine Weile das Evangelium scheinbar ohne Erfolg gepredigt hast, so werde sich am Ende irgendein Defizit in der Rechnung Gottes finden. Du musst nicht wähnen, Gott sei geschlagen und überwunden, weil in gewissen Ländern das Licht des Evangeliums trübe brennt. Wenn das Buch der Ratschlüsse Gottes in der wirklichen Geschichte ganz aufgerollt sein wird, dann werden sich keine Flecken, Fehler und Irrtümer darin finden. Er kennt das Ende des Anfanges und seine Ratschläge werden erfüllt werden in jedem Jota und Tittel, und in Nichts wird die Herrlichkeit Gottes getrübt werden. Obwohl Satan jetzt lachen mag und dann und wann die Weltmenschen gegen das Volk Gottes prahlen mögen, wird es doch am Schlusse der Sache nicht so sein; sondern es wird von dem Ganzen gesagt werden: es war ein großartiges Fest der Barmherzigkeit, es war wohl geordnet und Christus, das große Haupt des Hauses, entfaltete in göttlicher Weise seine freigebige Barmherzigkeit, indem er die große Menge seine Gnade schmecken ließ. Unsre Pflicht ist, wie ich glaube, die Leute zu bitten, niederzusitzen und das Wort anzunehmen und die Pflicht des Sünders, besonders, wenn er kommt, das Evangelium predigen zu hören, ist, in wartender Stellung zu sitzen, begierig, den Segen zu empfangen. Ich stelle mir gern alle diese Leute vor, wie sie niedersitzen, obgleich es mich wundert, daß nicht einige von ihnen sprachen: „Ich werde mich nicht setzen. Pah! mich mit zwei Fischen und fünf Broten zu speisen? ich könnte das Ganze aufessen. Diese ganze Menge auf solche Weise speisen? Ich werde mich nicht niedersetzen. Abgeschmackt! Lächerlich!“ Man ist überrascht, daß nicht Einer oder der Andre aufstand und sagte: „Nein, nein, nein, wir lassen uns nicht so zum Besten haben. Zeigt uns den Tisch und zeigt uns etwas auf demselben, wozu wir uns niedersetzen können, dann wollen wir es tun, aber sonst nicht.“ Laßt uns immer die Zuversicht haben, daß der Segen kommen wird, wenn Gott die Herzen seines Volkes geneigt macht, in der Erwartung eines Segens zu kommen und ihn darum anzuflehen. ich könnte mir nicht vorstellen, daß die fünftausend da säßen in der Erwartung, gespeist zu werden und Christus sie nicht speiste. Könntet ihr dies fassen? Ihr Niedersitzen und Warten legte der göttlichen Barmherzigkeit einen heiligen Zwang auf, welchem sie freudig wich. O Seele, wenn du niedersitzest in deinem Hunger vor Christi Angesicht und sprichst: „Herr, ich weiß, du kannst mich speisen; ich warte darauf, daß du mich speisest: durch den Glauben tue ich meinen Mund weit auf, daß ich möge von deinem Fleische essen und von deinem Blute trinken,“ - dann wirst du sicherlich gespeist werden. Nie ward eine solche Seele leer hinweg gesandt. Wenn du so an ihn glaubst, daß du ihn aufnimmst, so hast du ihn; freue dich in ihm!

Genug damit von der Ordnung des Festes.

III.

Und nun ein wenig über ihre Kost. Sie hatten Brot und Fische. Jesus scheint dies zu seiner stehenden Speisekarte gemacht zu haben, wo immer er ein Mahl bereitete - Brot und Fisch. Sie gaben ihm einst ein Stück Honigseim, aber er scheint ihnen immer Brot und Fisch gegeben zu haben. Brot war genug, nicht wahr? Ja, genug, aber nicht genug, für ihn zu geben, denn er liebt es, ein wenig mehr zu verleihen als genug. Er wollte ihnen einen Genuß verschaffen, nicht bloß Genüge. Da war Brot und Fische. Wenn Christus den Seelen ein Fest bereitet, gibt er ihnen genügend - Brot, alles, des sie bedürfen, alles, was zum Leben ihrer Seele nötig ist. Aber wenn er das Notwendige gibt, gibt er auch darüber hinaus; er gibt Fische: es soll Genuß und Freude und Friede mit Gott da sein. Ihr sollt nicht sagen: „Er hat mir Armenkost gegeben; er teilt mir lotweise genau das zu, was ich brauche, aber er gibt mir keine süßen Bissen, nichts vom Fett und Mark.“ Nein, ihr sollt mehr haben, als ihr wirklich braucht; ihr sollt in eurer Schüssel ein geheimes Etwas finden, das alles versüßen wird und manche andre köstliche Dinge, so daß ihr singen werdet: „er hat meinen Mund fröhlich gemacht.“

Jesus hätte Einige der Leute rufen können, die nahe bei ihm standen und ihnen Brot und Fische geben und dann die nächste Reihe alleine mit Brot speisen; aber er tat dies nicht. ER gab Brot und Fische Allen rund herum, und es ist ein lieblicher Gedanke, daß alle Seelen, die zu Christo kommen, diese geistliche Speise erhalten und wenn sie nicht Alle in gleichem Maße essen, so ist es ihr Fehler, nicht seiner; denn jede Verheißung, die sich im Worte Gottes findet, ist für jede Seele, die an ihn glaubt, ausgenommen nur da, wo einige Verheißungen für besondre geistliche Stufen aufbehalten sind und dann müssen wir suchen, auf diese Stufen zu gelangen, denn alle Angehörige des Hauses Gottes können sie erreichen. O, du vornehmster unter den Sündern, wenn du zu Jesu kommst, so ist dieselbe Liebe in seinem Herzen für dich, als für den vornehmsten der Heiligen. O du Kleinster, Schwächster und Geringster Aller, die an Jesum glauben, es ist der gleiche Gnadenbund und Segensbund für dich, wie für Petrus und Paulus. Brot und Fische gab er allen, die zu seinem Tische kamen; und ebenso gleichförmig ist die geistliche Speise für alle seine Brüder. Jesus ist derselbe teure Christus für Alle Glieder seines Volkes.

Welche angemessene Nahrung war es! Andre Arten Speisen hätten für eine beträchtliche Anzahl entweder unschmackhaft oder unverdaulich sein können, aber Brot und Fische sagten gewiß dem Geschmack und dem Zustand eines Jeden zu. Sie konnten Alle mit solcher leichten und doch nahrhaften Kost zufrieden sein und wahrscheinlich waren sie es. Und hier ist das Schönste darin: sie aßen und wurden Alle satt. Es war die rechte Kost und eine höchst angenehme Kost; und es war so viel da, daß obgleich sie, wie ich nicht bezweifle, viel aßen, denn sie waren sehr hungrig, da sie den ganzen Tag Predigten angehört hatten - und das ist hungrige Arbeit - dennoch war genug für sie da, ja genug und noch darüber. Die Gaben des Evangeliums entsprechen jedem Bedürfnis. Die Gaben des Evangeliums werden reichlich und freigebig an Alle ausgeteilt, die kommen. Die Gaben des Evangeliums sind lieblich und angenehm für Alle, die daran teilnehmen. Die Gaben des Evangeliums stillen den größten Hunger.

Komm hierher, du hungrige Seele, du, die du bei Moses gewesen bist und von ihm nichts erhalten hast, als das steinerne Gesetz, komme und esse das Brot des Himmels. Komm, du armer Sünder, der du bei den Freuden der Sünde gewesen bist und da nichts gefunden als die Treber, welche Schweine fressen, komme zu Jesu, er wird dich sättigen mit einer göttlicheren Speise.

Aber wir müssen weiter gehen und, nachdem wir die Gäste, ihre Ordnung und ihre Kost betrachtet haben, nun noch die Aufwartenden betrachten.

IV.

Die Aufwartenden bei diesem Feste waren die Jünger, nicht nur die Apostel, wie ich meine, sondern die Jünger, - sie Alle. Jeder von ihnen kam, empfing eine Portion und reichte sie herum bei den Hunderten und bei den Fünfzigen. Welch ein seliges Ding ist es, daß Jesus Christus es nicht auf sich genommen hat, all die Seinen zu berufen, durch seine Gnade ohne den Gebrauch von Werkzeugen. Er hätte dies tun können, wenn er gewollt. Der heilige Geist bedarf unserer nicht, es ist seine Herablassung, de ihn dazu bringt, uns zu gebrauchen. ER hätte die Bibel in die Welt senden können und das Einzige, was uns erlaubt wäre, hätte das Drucken derselben, das Weggeben ihrer, sein können und weiter nichts. Aber statt dessen braucht er die lebendige Stimme, das lebendige Beispiel und die frommen Ermahnungen seiner lebendig gemachten Jünger. Und welche Ehre ist dies! Welches Vorrecht ist dies! Ich bin gewiß, ich wäre an jenem Tage sehr froh gewesen, zu helfen beim Herumreichen des Brotes und der Fische; und wärt ihr das nicht auch? Es ist eine der größten Freuden, die ihr im Leben haben könnt, einen Hungrigen zu speisen. Wenn ihr es je getan habt, so wisst ihr, daß ein Blick in seinen Augen ist und eine Freude in der Art, wie er isst, die euch Andern zuflüstern lässt: „Ich möchte, ihr kämt und sähet ihn essen.“ Es macht euch Vergnügen, sein Vergnügen zu sehen. Wenn er sehr hungrig ist, so st jeder Mundvoll ihm lieblich und ihr fühlt Teilnahme an seiner Freude, wie sein Verlangen befriedigt wird. Was für eine köstliche Arbeit muß es gewesen sein, diese Brote und Fische zu verteilen; aber, o, das Evangelium zu predigen! Das Evangelium zu predigen, wenn Gott es an den Sündern segnet! Ich habe gerade jetzt ein und zwanzig Jahre lang dieser Gemeinde gepredigt und es sind ein und zwanzig Jahre harter Arbeit gewesen, besonders, da die Predigten jede Woche gedruckt worden sind, aber ich würde die Arbeit mit keiner erdenklichen andern Beschäftigung vertauschen oder die Glückseligkeit des Evangeliums zu predigen, mit irgend einer anderen, ausgenommen mit der, Jesum von Angesicht zu Angesicht zu sehen, und ich weiß wirklich nicht, daß ich dies wünsche, bis ich fertig mit dem Predigen des Evangeliums bin; denn wenn Seelen zu retten sind, möchte ich viel lieber hier bleiben, um dabei zu helfen, als zum Himmel selber gehen. O, die Freude, die es euch macht, Menschen errettet zu sehen! Habe ich sie nicht manchmal in der Sakristei gesehen, wenn ich mit ihnen gesprochen und mit ihnen gebetet habe und sie sind von ihren Knien aufgestanden und haben gesagt: „Ich seh es; ich verstehe es nun; ich verstand es nie zuvor; ich bin ein Erretteter, ich glaube an Jesum; ich weiß, er ist mein Heiland!“ Wenn ein Mann Freude daran findet, 10000 Taler im Geschäft gewonnen zu haben, so mag er seine Freude daran behalten; ich will lieber den Segen haben, Eine Seele für Christum zu gewinnen. Es ist eine hohe Freude in dem Gewinnen von Seelen. Dies ist es, würde Herbert gesagt haben, was Musik in unserm Busen macht, wenn wir nachts wach liegen. Dies ist es, was es süß macht, zu leben und selbst süß zu sterben, wenn wir arme hungrige Seelen mit dem Himmelsbrot speisen können. Nun, ich möchte, ihr alle, die ihr den Herrn liebet und geschmeckt habet, was er darreicht, legtet Hand an, Andre zu versorgen. Ich wollte, wir hätten mehr junge Männer, die ins Predigtamt einträten, mehr, die ihre Kraft und ihre Talente dem Predigen des Evangeliums widmeten; aber zu gleicher Zeit sollten wir mehr Personen haben, die in der Schule lehrten, mehr die von Christo in Familien sprächen, mehr Freunde, die ihre Zimmer für Betstunden öffneten, mehr, die in einer oder der andern Weise versuchten, der hungrigen Welt das Evangelium Jesu Christi zu bringen. „Wohl,“ sagt Einer, „aber wir müssen nicht zu sehr treiben oder aufdringlich werden.“ Wir finden nicht, daß irgend Einer der Jünger unter dieser Furcht litt. Niemand drängt sich einem Hungrigen auf, der ihm Brot zu essen bringt; und wenn der hungrige Mann so unfreundlich sein sollte, es Aufdringlichkeit zu nennen, so zweifle ich nicht, daß es ihm leid tun wird, so gesprochen zu haben, nachdem er gespeist ist und der, dem solchen Vorwurf gemacht, wird bereitwillig seine Entschuldigung annehmen. Gehet hin, meine Brüder, und drängt euch den Hungrigen auf mit dem Himmelsbrote; drängt euch zwischen die Lebenden und die Toten, wie Aaron es tat mit dem Räucherwerk; drängt euch in das Feld voller Totengebeine und ruft ihnen zu: „So spricht der Herr, ihr verdorrten Gebeine, lebet!“ drängt euch auf, wie Christus sich einer Welt aufdrängte, die ihn verachtete und verwarf, und für die er dennoch der einzige Heiland ist.

V.

Wir kommen weiter mit unsrer Betrachtung des Wunders, denn wir haben die Kost und die Aufwartenden gesehen; nun laßt uns einen Schritt weiter gehen, nämlich, zu dem Segen. Da sitzen sie Alle hungrig, und die Aufwartenden alle bereit; aber unser Herr will nicht weiter gehen, bis er gebetet und gedankt hat. Da ist etwas in seinem Blick und seiner Gebärde, - er sah auf den Himmel. Was meinte er? „O, Vater, diese Brote und Fische sind dein. Du hast sie uns gegeben. Wir danken dir dafür. Und nun, o Vater, die Kraft, diese hinreichend zu machen für das, was not tut, kommt vom Himmel, gewähre sie in Gnaden, wir bitten dich.“ Brüder, richtet immer den Blick aufwärts, ehe ihr euer Werk beginnt. Sprecht: „Herr, hier bin ich, ein armes Nichts, und versuche, Andre zu lehren und Seelen zu Christo zu bringen. Für das, was ich bin, danke ich dir, denn ich bin das durch deine Gnade, aber wenn ich nützlich sein soll, so musst du mich so machen. Herr, ich blicke auf mit Hoffnung, daß du niederblicken wirst.“

Nachdem unser Herr zum Himmel aufgeblickt, „segnete“ er (engl. übers.) und dann brach er die Brote. Jesus muß unsre Arbeit segnen oder sie wird fruchtlos sein. Er konnte selber das Brot segnen, aber wir müssen von uns hinwegsehen, wenn wir Segen haben wollen. Möge Jesus euch Alle segnen, und er wird es, wenn ihr hinauf blicken wollet und sagen: „Herr, segne uns.“ Tut dies an den Sabbattagen ganz insbesondre, denn dies sind große, bestimmte Feste des Herrn. Bittet den Herrn, zu segnen, was der Prediger reden wird, dann wird es euch Nutzen bringen. Nach dem Segen kommt die Verteilung, aber nicht eher. O, daß wir mehr zu Gott aufblickten, denn in ihm liegt unsre Stärke. O, daß wir mehr beteten, es kann niemals dessen zu viel sein. Wenn wir jeden evangelischen Gottesdienst für eine Weile aufhören ließen und mit allem lehren und Predigen innehielten, um eine Zeitlang mächtiglich zu Gott zu schreien, so möchte das vielleicht der schnellste Weg sein, des Herrn Werk zu tun. Beten säumt nicht. Gebetlose Eile fördert das Werk schlecht.

VI.

Nun kommt das Werk selbst - das Essen. Die Jünger teilten Brot und Fisch so rasch aus, wie sie konnten und die Leute fingen an, zu essen; sie aßen alle von dem Vorrat und wurden alle satt. Nun, was sollte jede Seele hieraus schließen, als dies: wenn Jesus für geistliche Speise gesorgt hat, so hat er es nicht getan, damit sie nur angeschaut werde; er hat sie nicht vor uns hingestellt, damit wir nur davon hören sollten; er hat sie bereitet, damit sie gegessen werde. Was ist für mich da? Herr, ich bin hungrig, gewähre mir ein Mahl. O, Seelen, wenn ihr Predigten hörtet in der Absicht, zu wissen, was für euch darin ist, damit ihr euch daran sättigen könntet, welch seliges Werk würde es sein, euch zu predigen! Aber wir halten das Himmelsbrot in die Höhe, rühmen seine Trefflichkeit, erzählen euch von seiner Süßigkeit, und überreden euch zu schmecken und zu sehen, wie gut es ist, und dann haben wir den Schmerz, daß ihr ihm sowohl wie dem großen Herrn des Festes den Rücken wendet und eures Weges geht als wenn euch weder an ihm, noch an seinen Gaben etwas läge. die Jünger hatten nicht diesen schweren Kummer! Keiner aus der Menge weigerte sich der Gaben des Herrn. Das Wunder der Brote und Fische würde ein armseliges, lahmes Ding gewesen sein, wenn die Menge nicht von der Speise gegessen hätte, die auf so wunderbare Weise herbeigeschafft war. Wie, Jesus Christus, ein Heiland und kein Sünder selig gemacht! Christus ein Arzt und kein Kranker geheilt! Das wäre eine traurige Sache. Wir müssen die Sünder errettet sehen und die Kranken geheilt oder Christo wird keine Ehre gegeben. Sollt dieses nicht euch Alle ermutigen, Christum zu ergreifen, weil er uns vorgestellt ist zu dem Zwecke, daß wir ihn erfassen sollen? Sollte euch dies nicht ermutigen, seiner zu genießen, weil es die Absicht war, daß ihr dies solltet? Wenn ihr zwei kleine Kanarienvögel heute Abend in einen Käfig setzt und sie am Morgen, wenn sie aufwachen, eine Menge Samen darin sehen, was werden die Vögel tun? Werden sie stillstehen und fragen, warum der Same da ist? Nein, sondern jeder von ihnen wird denken: „Hier ist ein kleiner, hungriger Vogel und da ist Samen; beides passt gut zusammen.“ Und alsobald essen sie. Eben so würdest du sagen, wenn du recht bei Sinnen wärest und nicht durch die Sünde verkehret: „Hier ist ein Heiland und hier ist ein Sünder. Diese zwei passen gut zusammen, lieber Heiland, rette mich Sünder! Hier ist ein Fest der Barmherzigkeit und hier ist ein hungriger Sünder; für wen kann dies Fest sein, als für die Hungrigen und ich bin ein Solcher. Herr, ich will zugreifen bei diesem seligen Feste; und wenn du nicht kommst und mir sagst: 'Geh hinweg,' „so will ich essen, bis ich satt bin.“ Hast du je gehört, daß Jesus zu einem Sünder sprach: „Du hast kein Recht hier.“ Nein, sondern es stehet geschrieben: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ Niemandem ward es an jenem Tage vorgehalten, daß er äße oder daß er zu viel äße, und kein Sünder wird je getadelt werden dafür, daß er Christum ergriffen oder ihn zu fest erfaßt hat. Komm und nimm ihn, du Geängsteter und je völliger du ihn ergreifen kannst, desto lieber wird es Jesu sein. Warum fließt der Bach, als um eure Felder zu erfreuen? Warum funkelt die Quelle, als um euren Durst zu löschen? Warum scheint die Sonne, als damit eure Augen mit ihrem Lichte gesegnet werden? Wir ihr die Luft um euch einatmet, weil ihr fühlt, sie muß für euch zum Einatmen gemacht sein, so empfangt das volle freie Heil von Jesu Christo, weil es bereitet ist und weil ihr es nötig habt. Kein Erlaß des Himmels existiert, der euch ausschließt, sondern jede heilige Lehre ist ein Grund dafür, warum ihr kommen solltet und willkommen sein und Jesum umsonst nehmen. Die ganze Menge aß; Niemand war so hartnäckig, diese Gratis-Versorgung abzulehnen. Empfingen sie das Brot, das vergänglich ist? So bitte ich euch denn, nehmt froh das Brot, das ewiges Leben gibt.

VII.

Nun, als Alle gegessen hatten, kam das Aufräumen. Ein Aufräumen muß sein nach jedem Feste. Sie gingen umher und sammelten die Brocken, die übrig geblieben und fanden zwölf Körbe voll. Dies lehrt uns, wie oft bemerkt worden ist, Sparsamkeit in allem, was wir für Gott tun; nicht Sparsamkeit in dem, was wir ihm geben, aber in dem Gebrauch, den wir von dem Gelde des Herrn machen. Zerbrecht eure Gläser mit köstlichem Wasser und gießt die ungefälschte Narde aus mit heiliger Verschwendung, denn gerade diese Verschwendung ist die Süßigkeit der Gabe; aber wenn Gott euch Mittel gibt, die ihr für euch brauchen soll, braucht sie mit Umsicht. Wenn uns Geld gegeben wird, um es in Gottes Sache zu verwenden, sollten wir damit sorgfältiger sein, als wenn es unser eigenes wäre; und dieselbe Regel gilt für andre Dinge. Die Prediger sollten, wenn Gott ihnen Zeit in ihrem Studierzimmer gibt, wenn sie sein Wort lesen und er es ihnen eröffnet, sich Notizen machen von dem, was ihnen zugeht. Der wind bläst nicht immer gleichmäßig und es ist gut, euren Weizen zu mahlen, wenn die Mühle im Gange ist. Ihr solltet eure Segel aufspannen und eure Barke entlang treiben lassen, wenn ihr eine frische, günstige Brise habt, das wir ein Ersatz sein für die toten Windstillen. Legt sparsam die Brocken zurück, die übrig bleiben, wenn ihr am nächsten Sonntag die Gemeinde gespeist habt, damit ihr etwas habt für dürre Zeiten, wenn euer Kopf schmerzt und ihr dumpf und schwerfällig in der Vorbereitung auf die Kanzel seid.

Doch meine ich, das Schönste von Allem war dies, daß nachdem Alle gespeist waren, doch noch etwas übrig war. Höre ich ein bekümmertes Herz klagen - „Ich höre von einer großen Erweckung und einem großen Segen, aber ich war nicht da; ich war gerade nicht in der Stadt, als der Segen kam. Wehe mir, ich kam zu spät.“ Ach, da ist genug übrig geblieben. Kein reuiger Sünder kommt zu spät. Mitunter kommen Freunde am Ende einer Mahlzeit und es ist nichts, als bloße Knochen übrig, aber hier ist genug für euch. Hier sind zwölf Körbe bis an den Rand gefüllt. Du kommst nicht zu spät. Komm und sei willkommen. Petrus, bringe etwas von dem Brot und Fisch. Du hast einen ganzen Korb voll, reiche davon her. Laß diesen armen Verspäteten sein Teil haben. Was tut´s, wenn die Erweckung dich nicht erreichte und die Sonntagspredigt dir keinen Segen brachte, obgleich sie Vielen zum Segen ward! Nichtsdestoweniger komme nur her, da ist noch etwas übrig.

Und dies muß auch noch bemerkt werden, da war etwas übrig für die Aufwartenden. Die fünf Tausend aßen alle. aber da waren die zwölf Apostel, welche die Verteilung besorgten und sie hatten Jeder einen Korb voll für sich selber. Das war mehr, als sie hatten, da sie begannen. Sie hatten Jeder einen Korb voll. Manches Mal erhalten wir, die wir euch bedienen bei dem Fest des Evangeliums, nicht so viel als ihr. Ich habe mich mitunter an einem Sabbat mit einem Schlachter verglichen, der sein Fleisch verkauft, Dieser verlangt eine Keule und Jener trägt einen Braten hinweg, während ein Dritter ein andres Stück nimmt; so habe ich die Speise des Evangeliums ausgeteilt, während ich selber sehr hungrig war. Es schien für mich nichts da zu sein, als Block und Hackmesser. Ist es nicht manchmal so mit euch Lehrern in eurer Klasse? Habt ihr es nicht so gefunden, ihr Straßenprediger? Ihr dreschet das Korn aus, aber ihr seid so verhungert, wie ein Ochse, dem das Maul verbunden ist. Es soll nicht immer so sein. Fahrt fort, das Volk zu speisen; ihr sollt nachher niedersitzen; ein großer Korb voll wird für euch am Ende übrig sein. Ich erinnere mich einer guten Erzählung eines unsrer jungen Brüder aus dem Kollegium. Er predigte eines Sonntags Nachmittags eine Predigt, die ihm selber trocken und kraftlos erschien. ER ging sehr entmutigt fort, als ein alter Prediger ihm sagte: „Mein lieber Bruder, es gibt zwei Zeichen für dein Berufen-Sein, die Gott dir geben kann, es sind die, welche er Gideon gab. Er kann den Tau auf das Fell fallen lassen, während die Tenne trocken ist; oder er kann das Zeichen umkehren und auf die ganze Erde Tau fallen lassen, während das Fell trocken ist. Nun, welches Zeichen möchtest du haben?“ „O,“ sagte der junge Mann, „ich sehe worauf Sie zielen. Wenn ich nur hoffen könnte, daß auf alle Leute heute Nachmittag Tau gefallen ist, wollte ich gerne selber trocken sein.“ Wir können wohl erwählen, lieben Brüder, trockene Felle zu sein, wenn alle unsre Hörer feucht vom Tau des Himmels sind. Ich mag am liebsten, wenn das Zeichen als betautes Fell und auch als betaute Tenne kommt und wenn der Herr dies gibt, so ist das in der Tat eine Gnade. so war in diesem Falle die göttliche Freigebigkeit. Er gab die Speise für die Fünftausend und die zwölf Körbe voll für die, welche sie bedienten, so da kein Murrender hinwegging, kein Spät-Kommender zusagen hatte: „Da war nichts für mich,“ und kein Aufwartender seinen Anteil verlor. Nun, Brüder, könnt ihr nicht glauben, daß wenn fünfzig tausend Mann den Hügel hinauf gekommen wären, - wenn jeder Grashalm auf jenem Berge plötzlich in einen Menschen verwandelt wäre und wenn aus dem Farrenkraut und der Heide und den Büschen und den Steinen plötzlich eine große Menge, so wie die, welche am jüngsten Tage versammelt werden wird, hervorgekommen wäre, und Alle wären gekommen hätten sich um den Heiland herum gesetzt, - daß er dann immer noch gestanden und hätte die Brote und Fische vervielfältigt und fortgefahren, sie den Jüngern zu geben, bis Jeder satt gewesen. Ich bin gewiß, wenn ganz London zu Jesu käme, würde es in ihm zur Genüge finden. Wenn alle meine Landsleute, ja, und das ganze menschliche Geschlecht, das auf dem Rund der Erde lebt, bewogen würde, sich um den Heiland zu drängen, man brauchte nicht zu fürchten, daß seine Kraft, selig zu machen, erschöpft würde. Wir brauchten keinen Augenblick zu zaudern, sondern hätten nur still zu stehen und das Evangelium jeder Kreatur zu predigen, und immer in der Kraft des heiligen Geistes denselben Ruf zu wiederholen: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden.“ Komm denn, müder, hungriger Sünder; du hast nichts zu tun, als Christum zu nehmen. Du hast nicht das Brot zu backen oder die Fische zu rösten. Brot und Fische sind gebrochen, gesegnet und bereit. Öffne deinen Mund und genieße die Speise. Der Glaube, der da annimmt, was Christus bereitet, ist alles, was nötig st. Der Herr gebe es. Nehmt das Heil umsonst. Umsonst gibt Jesus es euch. Nehmt es und möge Gott euch segnen; und wenn ihr nie vorher Christum gehabt habt und ihr ihn diesen Abend erhaltet, so werdet ihr eine glückliche Zukunft haben in der Art, wie wir in der Bibel lesen: „Und fingen an fröhlich zu sein.“ Kommet, denn es ist Alles bereit. Wendet euch nicht weg. Gott segne euch, um Christi willen. Amen.

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