Spurgeon, Charles Haddon - Die Verkündigung des Trostes

„Tröstet, tröstet mein Volk!“ spricht euer Gott.
Jesaja 40, l

Was für ein lieblicher Name: Mein Volk! Welch eine erfreuliche Offenbarung: Euer Gott! Was für ein tiefer Sinn liegt in den beiden Ausdrücken verborgen: Mein Volk! Hier haben wir etwas ganz Besonderes. Die ganze Welt gehört Gott. Der Himmel, ja aller Himmel Himmel ist des HERRN, und Er regiert die Menschen. Aber eine bestimmte Zahl nennt er Mein Volk. Von denen, die Er erwählt, die Er zu Seinem Eigentum erkauft hat, sagt Er etwas, was Er von anderen nicht sagt. Während Nationen und Geschlechter als bloße Nationen übergangen werden, nennt Er sie Mein Volk. In diesem Wort liegt der Gedanke an ein Eigentumsrecht, um uns zu zeigen, daß wir Gottes Eigentum sind. In einer besonderen Weise ist sein Volk des Herrn Teil, ist Jakob sein Erbe (5. Mose. 32, 9). Dies gilt zwar auch für alle Nationen. Es ist ihm ein Geringes, die Inseln mit seiner Hand zu erfassen. Die ganze Welt ist in seiner Gewalt. Dennoch sind die Seinen, seine-Auserwählten, seine Begnadigten, ganz besonders sein Eigentum. Denn Er hat mehr für sie getan als für andere: Er hat sie erkauft mit seinem Blut. Er hat sie zu sich gezogen. Er hängt mit ganzem Herzen an ihnen. Er hat sie geliebt mit einer ewigen Liebe, mit einer Liebe, die selbst große Wasser nicht verwischen und die die dahinrollende Zeit nicht im mindesten abschwächen wird. Mein Volk!

0, liebe Zuhörer! Könnet ihr euch im Glauben zur Zahl derer zahlen, die sich sicher sind, daß Gott zu ihnen spricht: Mein Volk! Könnet ihr heute noch zum Himmel aufblicken und sagen: „Mein Herr und mein Gott! Ja, mein durch jene Liebe, durch welche ich dich Vater nennen darf, mein durch jene geheiligte Freundschaft, die mich selig macht, weil es dir gefallen hat, dich mir zu offenbaren, wie du dich der Welt nicht offenbarst.“ Kannst du, Geliebter, in dein Herz greifen und dort die Gewißheit deiner Erlösung finden? Kannst du deinen Namen unter denen lesen, die mit dem kostbaren Blut des Lammes geschrieben sind? Kannst du dir in demütigem Glauben das Kleid der Gerechtigkeit Jesu beilegen und sprechen: Mein Gesalbter? Wenn du das kannst, dann spricht Gott zu dir: Mein Volk. Denn wenn Gott euer Gott ist, und Christus euer Christus, so wendet euch der Herr seine besondere Gunst und Gnade zu. Ihr seid der Gegenstand seiner Erwählung, und ihr werdet schließlich angenommen werden in seinem geliebten Sohn.

Wie ist doch Gott so besorgt um die Seinen, um die, welche Er mein Volk heißt. Seht, wie sehr er sich nicht nur ihres Lebens, sondern auch ihres Wohlergehens annimmt. Er spricht nicht: „Stärket, Stärket, mein Volk!“ Er spricht zum Engel nicht: „Schütze mein Volk!“ Er spricht zum Himmel nicht: „Regne Manna hernieder, damit mein Volk Nahrung hat.“ All das und noch mehr gibt Er ihnen durch seine liebevolle Fürsorge. Hier aber, wo Er uns zeigen will, daß Er nicht nur unsere Bedürfnisse berücksichtigt, sondern auch dafür sorgt, daß wir im Überfluß leben, spricht Er: Tröstet, tröstet mein Volk. Er wünscht nicht nur, daß wir sein lebendiges, sein bewahrtes Volk sind, sondern wir sollen auch sein glückliches Volk sein. Er hat gerne, wenn die Seinen satt werden. Größer und herrlicher ist aber, daß Er ihnen gerne reinen Wein, darin keine Hefe ist (Jes. 25, 6) gibt, um ihre Herzen fröhlich zu machen. Er will ihnen nicht nur Brot, sondern auch Honig geben. Er will ihnen nicht einfach nur Milch geben, sondern Er erquickt sie mit Wein und Milch, und mit allem Köstlichen, was ihr Herz nur wünschen kann. Tröstet, tröstet mein Volk! Es ist das besorgte und selbst um die geringsten Anliegen seines Volkes bekümmerte Herz des Vaters. „Tröstet, tröstet“ - jenen Weinenden. Tröstet, tröstet mein Kind dort, dessen Herz er seufzt. Tröstet - jene wehklagende Seele. Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott.

Wir wollen nun betrachten, erstens an wen der Befehl gerichtet ist, zweitens den Grund für diesen Befehl, und drittens die Mittel zu seiner Ausführung.

I.

An wen ist dieser Befehl gerichtet? Ihr wißt. Geliebte, daß der Heilige Geist der große Tröster ist, und daß er es ist, der allein die Heiligen zu trösten vermag, wenn ihre Herzen schwer angefochten sind. Er bedarf aber der Werkzeuge, um seine Kinder in ihrer Traurigkeit zu trösten, und ihre Herzen vom Druck der Schwermut zu befreien. An wen denn ist dieser Befehl gerichtet? Ich glaube, er gilt Engeln und Menschen.

In erster Linie ist Engeln, wie ich glaube, dieser Befehl gegeben worden: Tröstet, tröstet mein Volk. Ihr sprecht oft von den Einflüsterungen des Teufels. - Ich höre euch oft darüber klagen, daß ihr vom Apollyon angefochten worden seit, daß ihr schwere Kämpfe mit Beelzebub durchzukämpfen hattet. Ihr habt erfahren, wie schwer euch der Widerstand gegen seine verzweifelten Anläufe fällt, und ihr redet oft und viel von ihm. Laßt mich euch daran erinnern, daß die Sache auch eine Kehrseite hat. Denn wenn uns böse Geister anfechten können, so sind ohne Zweifel auch gute Geister zu unserer Bewahrung da. Und wenn uns der Satan zu Fall bringen kann, so gibt der treue Gott seinen Engeln sicher Befehl über uns, daß sie uns auf allen unseren Wegen bewahren, und sie werden uns auf den Händen tragen, auf daß wir nicht etwa den Fuß an einen Stein stoßen (Luk. 4, 10 u. 11). Es ist meine feste Überzeugung, daß Engel auf Gottes Geheiß oft Trostgedanken in die Herzen der Seinen geben. Wie manche liebliche Gedanken haben wir unterwegs, oder wenn wir aufstehen, oder wenn wir uns niederlegen, die wir kaum unmittelbar dem Heiligen Geist zuschreiben dürfen, die aber dennoch prächtig und feierlich, lieblich und schön und tröstlich sind, und wir verdanken sie dem Dienst der Engel.

Engel kamen und dienten Jesu, und ich zweifle nicht daran, daß sie auch uns dienen. Wenige von uns haben genug Glauben, um an das Dasein von Engeln zu glauben. Mir gefällt Miltons Ausspruch: „Millionen geistiger Wesen wandeln durch diese Erde, wenn wir schlafen, wie wenn wir wachen.“ Und wenn unsere Sinne geöffnet wären, wenn unsere Ohren es vernähmen, so könnten wir freundschaftlich mit Engeln verkehren, die jeden Augenblick die Luft durcheilen. Um die Sterbebette der Heiligen schweben Engel. Bei jedem ernstlich kämpfenden Streiter Christi stehen die Engel. Am Tage der Schlacht hören wir über uns das Schnauben ihrer Rosse. Horch! Wie sie leise reiten, dem Erwählten Gottes zu Hilfe, während im furchtbaren Kampfe für Recht und Wahrheit ein Engel dem fast Unterliegenden zuruft: „Mut, Bruder! Mut! Ich wollte, ich könnte neben dir stehen, Schulter an Schulter, Fuß an Fuß, um am Kampf teilzunehmen, aber ich darf nicht es bleibt dem Menschen überlassen. Darum Mut, Bruder, denn Engel wachen über dir!“

Es ist ein schöner Wunsch, wenn wir uns zur Abendzeit mit den Worten grüßen: „Friede sei mit dir! Ein guter Engel bewahre dich! Er breite seine Flügel über dir und wache und schütze dich an deinem Bett!“ Aber das ist mehr als bloßer Wunsch, es ist Wahrheit. Wißt ihr nicht, daß geschrieben steht: Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten (PS. 34, 8). Sind sie nicht allesamt dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen? (Hebr. l, 14). Darum ergeht dieser Befehl an die Engel: Tröstet, tröstet mein Volk. Immer und immer wieder schwingt sich der glänzend beflügelte Seraph zur Erde nieder, hier oder dort ein verzagendes Herz zu trösten. Oft und öfter steigt der Cherub, der sofort sein gewaltiges Loblied abbricht, um Bote der göttlichen Liebe zu sein, herab, wie einst Gabriel, um das Herz manches ringenden Menschen zu erfreuen und um denen beizustehen, die für Gott und seine Wahrheit kämpfen. Ihr Engel, ihr herrlichen Wesen: Tröstet, tröstet mein Volk!

Auf Erden aber ist dies Wort ganz besonders an die Diener des HERRN gerichtet. Er nennt seine Diener Engel der Gemeinden (Off. 2 und 3), obwohl sie zum großen Teil den Engeln noch lange nicht so gleichen, wie sie sollten. Die Prediger sind berufen, Gottes Volk zu trösten. Ich weiß aber gewiß, daß sie das nicht tun können, wenn sie nicht die guten alten Lehren der Wahrheit verkündigen. Wenn sie nicht Gnade und Heil predigen, so kann ich nicht begreifen, wie sie die Seelen der Familie des HERRN zu trösten vermögen.

Sollte ich mich einer schwankenden mich hingeben, die behauptet, daß wahre Kinder Gottes wieder abfallen, daß, obwohl versöhnt, sie wieder verloren gehen können, daß sie wirklich berufen sind, und dennoch verdammt werden könnte dann wüßte ich nicht, wie ich diesem Befehl nachkommen könnte? Ich müßte sagen: „Brüder, Gott hat zu nur gesagt, ich solle euch trösten. Das ist es, was ich euch zu predigen habe. Schöpft nun, so viel ihr könnt, Trost daraus, denn ich kann wahrlich nichts Besseres finden.“ Es hat mich oft verwundert, wie sich der Arminianer trösten kann. Womit er ein Feuer anzünden kann, um daran sein Herz zu erwärmen! Was hat er für eine Lehre? Er glaubt, daß er heute ein Kind Gottes ist, und man lehrt ihn zu glauben, daß er morgen ein Kind des Teufels sein kann. Momentan steht er, wie er sagt, im Bunde der Gnade, aber dann ist dieser Bund ein so unsichere Sache, so daß dieser Bund jederzeit gebrochen werden kann, und er unter seinen Trümmern sterben kann. Er weiß, daß er durch das Blut Christi versöhnt ist, aber er ist gelehrt worden, daß dies nicht genügt, wenn nicht gute Gedanken, gute Werke, oder wenigstens etwas eigener Glaube dazu kommen. Er ist zu dem Glauben angeleitet worden, daß sein Gnadenstand davon abhänge, wie er sich selbst zu Gott halte, anstatt daran zu denken, daß, wenn er nahe bei Gott ist, dies nur die Wirkung der Liebe ist, die von Gott selbst ausgeht. Woher er also Trost schöpft, weiß ich nicht.

Wie glücklich bin ich, daß ich nicht ein solches Evangelium zu predigen habe. Ich will predigen das alte Evangelium des Chrysostomus, das alte Evangelium Augustins, das alte Evangelium des Athanasius, und vor allem das alte Evangelium Jesu Christi. Denn darin finde ich etwas zum Trost für ein Kind Gottes: Tröstet, tröstet mein Volk. Es ist unsere Pflicht zu bezeugen, zu ermahnen, einzuladen, aber es ist auch unsere Pflicht zu trösten. Der Prediger sollte von Gott den Heiligen Geist erbeten, auf daß er, von seinem Einfluß erfüllt, ein rechter Tröster werde, auf daß, wenn er am Sonntag die Kanzel betritt, sein armes, von schwerer Arbeit müdes Volk, das die ganze lange Woche sich fleißig und eifrig abgemüht und abgeplagt hat, sagen könne: „Hier kommt unser Prediger, gewiß ist sein Mund voll guter Dinge. Sobald er seine Lippen öffnet, kommt eine große und herrliche Verheißung aus Gottes Wort heraus. Er braucht nicht viel zu reden, so trägt er uns dennoch etliche gute alte Wahrheiten mit neuer Salbung vor, und wir gehen wieder erquickt fort.“ Oh! Ihr Kinder, die ihr euch abmüht, ihr begreift gewiß, was ich meine. Mit müden Füßen kommt ihr zum Hause Gottes, aber siehe, wie singt ihr hier und wie lieblich harmonisiert euer Gesang mit euerem Herzen! Und wenn ihr das Wort vernommen habt, geht ihr hin und sprecht: „Wollte Gott, daß alle Tage Sonntag wäre! Ach, wie möchte ich sitzen und immer aufmerken auf die Worte Gottes! Ja, wenn ich dort bleiben und ohne Aufhören in solch einer Ruhe mich erquicken dürfte, das ist meines Herzens Freude und Wonne!“ (PS. 63, 6). Aber manchmal kommt ihr her und werdet geschlagen und gezüchtigt, wenn ihr gerade Trost nötig hättet, oder ihr vernehmt eine trockene, schwer verständliche Abhandlung, die euren Seelen gar keine Nahrung zu geben vermag, und ihr geht wieder halb verhungert nach Hause. Oder ihr hört eine zierliche Rede mit feinen Redensarten und die Leute sagen: „Das war einmal eine wirkliche Rede! Noch nie ist in unsrer Sprache so herrlich gesprochen worden. Es war wahrhaft wundervoll und bezaubernd!“ Aber ach! Ach! Was hilft mir denn die Tafel, das Porzellan, das Messer, die Platte, die herrliche Damastdecke, die Blumenvase wo ist denn die Speise? Sie fehlt. Ihr habt Geschirr bekommen und sollt dafür dankbar sein, und eure Prediger in Ehren halten, auch wenn sie euch das unentbehrliche Brot vorenthalten! Aber ein Kind Gottes liebt das nicht. Es spricht: „Ich bin solcher Dinge müde, fort mit diesem Geschirr, bietet mir es meinetwegen in rauher schlichter Bauernsprache, aber gebt mir das Evangelium! Schneidet es mir zu, wie es euch wohlgefällt, aber gebt mir etwas, wovon ich mich nähren kann.“ Die Sprache mag rauh klingen und die Redensart bekannt, aber der Erbe des Himmels spricht: Da hieß es einmal Tröstet mein Volk und das war es, was ich wünschte. Seine Sprache mag, menschlich gesprochen, nicht ganz nach meinem Geschmack gewesen sein, aber sie hat meiner Seele Nahrung geboten und das ist mir genug.

Aber, liebe Freunde, beruft euch nicht auf eure Lehrer zur Entschuldigung für die Vernachlässigung eurer eigenen Pflichten, wie es bei etlichen ist. Sie meinen, wenn sie ihre Kirchensteuer bezahlt haben, sei alles getan, und bilden sich mit unseren römisch-katholischen Freunden ein, daß der Priester für alles verantwortlich ist und die Gemeinde für nichts. Aber das ist vollkommen falsch. Wenn Gott sprach: Tröstet, tröstet mein Volk, so sagte Er es zu all den Seinen, damit sie sich unter einander trösten sollten. Und wer unter euch, der den Herrn kennt und Seine Gnade geschmeckt hat, ist nicht im Stande, seine Brüder zu trösten?

Dort lebt mein Bruder einsam auf dem Berge und feiert die sterbende Liebe am Kreuz. Er lebt mit Gott und genießt Freude die Fülle. Ach! Lieber Bruder, gehe hin und verteile es unter sieben oder unter acht, denn du weißt nicht, was für Unglück auf Erden kommen wird (Pred. 11, 2). Wenn du glücklich bist, so denke daran, daß mit Sicherheit jemand anders betrübt ist. Wenn dein Becher überfließt, so suche ein leeres Gefäß, wo du die Tropfen deines Überflusses fallen lassen kannst. Wenn deine Seele guter Dinge ist, so gehe hin, und wenn es möglich ist, besuche einen Traurigen, und laß ihn deinen Gesang hören, oder setze dich zu ihm und erzähle ihm, wie fröhlich du bist, so wird vielleicht sein armes Herz erwärmt von deinen lieblichen freundlichen Worten. Wenn du aber matt bist? Wenn du selbst traurig bist? Dann gehe hin zu dem großen Tröster und bitte ihn. Er möge deine Traurigkeit in Freude verwandeln, und dann gehe und tröste du andere.

Niemand ist zum Trösten so geeignet, als wer selbst einmal trostlos war. Wenn ich jetzt ein Waise wäre, und einen Helfer nötig hätte, so würde ich einen suchen, der in seiner Jugend selbst Waise gewesen ist, auf daß er Mitleid mit mir hätte. Wäre ich ohne Heimat und arm, so ginge ich nicht zu einem Menschen, der von Jugend auf im Reichtum und Überfluß sich geweidet hat, sondern ich würde den Mann aufsuchen, der sich, wie ich selbst, noch um Mitternacht barfuß über das kalte Pflaster der Straßen geschleppt hätte. Ich würde mir den Mann auserlesen, der arm und ohne einen Pfennig in der Tasche sich von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf durchgebettelt hat, und sich dann durch Gottes Vorsehung emporschwang. Denn ich könnte gewiß sein, daß sein Herz Mitleid mit mir haben wird.

Geh, du armer, schwer Geprüfter, geh, du sturmerschütterte Seele, wenn es dir möglich ist, und rufe deinen Gesellen, der mit dir auf dem Meere fährt, und sage ihm, er soll guten Muts sein, du, der du im Tal der Todesschatten gehst, singe: Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, so fürchte ich doch kein Unglück (PS. 23,4). Und vielleicht hört irgend ein Bruder weit hinter dir den Gesang und faßt sich ein Herz.

Das Leben großer Männer ermahnt uns,
Daß wir edel leben können.
Und beim Abschied hinterlassen
Spuren in dem Sand der Zeit.
Spuren, die vielleicht ein andrer
Armer, hilfverlass'ner Bruder,
Steuernd durch des Lebens Brandung,
Sieht, und neuen Mut sich faßt.

Gehe, und wenn du etwas Gutes gefunden hast, so strebe danach, es der Nachwelt zu hinterlassen und so der Vergänglichkeit zu entreißen. Wenn dein Fuß auf dem Felsen steht, so zeige anderen, wie auch sie sich darauf stellen können. Wenn du fröhlich bist, so verkündige anderen, wie du fröhlich geworden bist, und das gleiche, was dich erquickt hat, kann auch sie erquicken und stärken.

Tröstet, tröstet mein Volk. Nun, warum erfreuen wir uns dessen nicht mehr und öfter? Ich glaube, ein Grund ist der, daß die meisten von uns beinahe zu stolz sind, in des Meisters Fußstapfen zu treten. Wir mögen nicht gerne mit ihm sprechen: Ich bin nicht gekommen, daß ich mir dienen lasse, sondern daß ich diene (Mt. 20, 28). Tröstet, tröstet mein Volk, ist eine erhabene Aufforderung, aber gewiß kann damit nie Dame gemeint sein, die in ihrer Staatskarosse ausfährt, um sich nach dem Befinden eines kranken Freundes zu erkundigen, und ihm ihre Karte zustellen läßt. Wenn ich sie aber an ihre Pflicht zu erinnern hätte und ihr sagen könnte, daß mein Volk die Ärmsten aus Gottes Herde mit bezeichnet, die Schwächsten und Geringsten, so würde sie denken, ich sei ein rauher und ungebildeter junger Mann, und gänzlich unbekannt mit den Formen und Sitten der gebildeten Gesellschaft. Die Armen trösten! Warum sollte sie das? „Die niederen Stände verlangen viel zu viel von den höheren, ich bin nicht Willens, mich so sehr herabzulassen.“ So fühlen viele, die sich Christen nennen. Sie reden mit süßem Lispeln, sie dämpfen ihre Stimme, wenn sie sagen: „Armes Geschöpf, ich bemitleide dich sehr!“ Aber der Erbe des Himmels liest: Tröstet, tröstet mein Volk.

Dort steht ein armer Mann auf der Straße, der so eben an eurer Tür um ein Stück Brot gebettelt hat, und an dem, was er spricht, könnt ihr sehen, daß etwas von der Gnade Gottes in seinem Herzen wohnt, dann tröstet ihn. Dort wohnt ein anderer in dunkler, enger Gasse in einer armseligen Hütte. Ihr habt noch nie die finstere, ausgetretene Treppe betreten. Ihr könntet euch fürchten, es zu tun, aber wenn ihr hört, daß ein Kind Gottes dort wohnt, so schrecket nicht zurück. Gottes Diamanten finden sich oft mitten in einem Haufen von Lumpen und Lappen, unter dem wahren Abschaum der Städte, in den Höhlen der bittersten Armut, dort suchet sie auf.

Wo immer ihr von einem Kinde Gottes hört, geht und macht es ausfindig. Denn die Weisung Tröstet, tröstet mein Volk sollte nie von eurem Stolz beseitigt werden. Wie, ihr geht in eure Kirchen und Betsäle, und sitzt in euren Stühlen und denkt nie daran, ein Wort mit eurem Nachbarn zu reden? Manche gehen 7 Jahre lang in die Kirche, und wissen kaum, wem der Sitz nebenan gehört. Ist das recht? Viele haben die Gewohnheit das heilige Abendmahl zu genießen, und doch sprechen sie nie ein Wort mit einander. Das ist aber nicht die Gemeinschaft am Tisch des HERRN, wie ich sie verstehe, noch ist das die rechte Art, das Evangelium zu vernehmen.

Als ich noch jung war, fast der jüngste Junge, der je einer Kirche angehörte, da dachte ich (ich erinnere mich dessen ganz deutlich), jeder glaube, was er sage, und wenn ich den Geistlichen „Bruder“ sagen hörte, da meinte ich, ich müsse sein Bruder sein, denn ich war ja Mitglied der Kirche. Einmal saß ich neben einem Herrn, und wir empfingen zusammen das Brot und den Wein des heiligen Abendmahls. Er nannte mich „Bruder“, und weil ich dachte, er meine es ernst, handelte ich später danach. Ich hatte nämlich keinen Freund in Cambridge, und als ich eines Tages ausging, sah ich diesen Herrn, und ich sagte zu mir: „Nun, er nannte mich Bruder, ich weiß, er ist viel besser dran als ich, aber das kümmert mich nicht. Ich will zu ihm gehen und mit ihm sprechen.“ So ging ich denn und sagte: „Wie geht es Ihnen, Bruder?“ „Ich habe nicht die Ehre, Sie zu kennen“, war seine Antwort. Ich sagte: „Ich saß am letzten Sonntag bei der Feier des heiligen Abendmahls neben Ihnen, und als Sie mir den Kelch reichten, nannten Sie mich ,Bruder', und ich war überzeugt, daß Sie es ernst meinten.“ „Das freut mich innig“, sagte er, „daß ich Einen sehe, der in dieser Zeit ein wenig ernsthaften Glauben hat. Kommen Sie mit mir.“ Und wir wurden von da an die besten und innigsten Freunde, gerade weil er sah, daß ich ihn beim Wort nahm und davon ausging, er meine es ernst mit dem, was er sagt.

Aber das Bekenntnis von heutzutage ist zur Täuschung und Lüge geworden. Die Leute sitzen in der Kirche nebeneinander wie Brüder, der Prediger nennt euch Brüder, aber er möchte euch nicht als solche behandeln, noch sich mit euch unterhalten. Seine Zuhörer sind seine Brüder, ohne Zweifel, aber in einem so geheimnisvollen Sinne, daß ihr eine gründliche Abhandlung darüber lesen müßt, ehe ihr es begreifen könnt. Jene Person nennt euch ihren „sehr teuren Bruder“ oder ihre „sehr teure Schwester“, aber wenn ihr in Not kommt, so geht zu ihnen und seht, ob sie euch helfen werden. Ich habe keinen Glauben an solch eine Religion. Ich möchte aber, daß die, die sich Brüder nennen, glauben, daß das Wort Tröstet, tröstet mein Volk einem jeden Glied der Gemeinde Christi gilt, und daß sie sich alle nach Kraft und Vermögen bemühen, es umzusetzen.

II.

Was ist der Grund dieses Befehls? Warum spricht Gott: Tröstet, tröstet mein Volk! Es sind mehrere Gründe. Der erste Grund ist der, daß Gott an den Seinen ein fröhliches Aussehen liebt. Der Katholik setzt voraus, daß Gott Gefallen an einem Menschen hat, der sich geißelt, barfuß große Entfernungen zurücklegt und seinen Körper kasteit. Wenn ich jemand so tun sähe, so würde ich gewiß bei mir selber sagen: „Arme Seele, gib ihm ein Paar Schuhe. Nimm ihm jene Geißel. Ich kann es nicht ertragen, ihn so zu sehen.“ Und da ich glaube, daß Gott unendlich liebevoller ist als ich, so kann ich mir nicht denken, daß Er Gefallen daran haben kann, zu sehen, wie das Blut einem Menschen über den Rücken herunterrinnt oder an seinen Füßen brennende Schwielen entstehen. Möchte ein Mensch Gott gefallen, so sollte er lieber versuchen, so glücklich als möglich zu werden. Wenn ich am Meeresufer stehe, und die Flut kommt, so sehe ich etwas wie einen kleinen Saum, fast wie ein Nebel, und ich frage einen Fischer, was es ist. Da erzählt er mir, daß das dort kein Nebel ist, und daß das, was ich sehe, kleine Seekrebse sind, die vor Entzücken tanzen, wobei sie sich in krampfhafter Freude bewegen und hin- und herwerfen. Da denke ich bei mir selber: „Macht Gott diese Geschöpfe glücklich, sollte Er mich dann erschaffen haben, mich elend zu fühlen? Kann es etwas religiöses sein, wenn man unglücklich ist?“ Nein, die wahre Religion ist in schöner Übereinstimmung mit der ganzen Welt. Sie ist in Harmonie mit Sonne, Mond und Sterne, und die Sonne strahlt, und die Sterne blinken. Sie steht im Einklang mit der ganzen Welt und die Welt trägt Blumen und lustige Hügel und zwitschernde Vögel. Freude herrscht auf ihr. So glaube ich, daß der Glaube gegeben ist, um uns Freude zu schenken. Und ich glaube, es ist ein ungöttliches Ding, mit erbärmlichem Kopfhängen durch Gottes schöne Schöpfung zu wandeln. Manchmal könnt ihr freilich nichts dafür, wenn die Sünden euch gerade schwer drücken. Aber Glückseligkeit ist wahrhaftig eine Tugend. So gehe hin und iß dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut. Denn dein Werk gefällt Gott (Pred. 9, 7), worunter nicht so sehr Essen und Trinken verstanden wird, als vielmehr eine freudige Stimmung und ein Wandeln vor Gott, ein Glauben an seine Liebe und ein Sich-Freuen seiner Gnade.

Wiederum: Tröstet, tröstet mein Volk. Denn hilf- und trostlose Christen verunehren gar oft den christlichen Glauben. Seht dort meinen Freund, der heute mit einem so sorgenverdunkelten Antlitz hierher kam. Gestern fing eine neue Dienerin in seinem Hause an, und als sie in die Küche kam, sagte sie zu ihrer Kollegin: „Ist unser Herr ein frommer Mann?“ „Ja, gewiß!“ „Ich dachte es mir doch gleich, denn er sieht so betrübt aus.“ Nun, das ist doch eine Schande, die unserem Glauben angetan wird. Wenn ein Christ je von Anfechtungen heimgesucht wird, und er nicht bei Gott um Gnade sucht, männlich gegen die Wogen der Trübsal anzukämpfen, und wenn er seinen himmlischen Vater nicht bittet, ihm ein großes Maß des Trostes zu schenken, wodurch er zur bösen Zeit auszuharren vermag, so dürfen wir sagen, er verunehrt die hohen und gewaltigen und edlen Grundsätze des Christentums, die dazu angetan sind, einen Menschen in den Tagen der tiefsten Trübsal aufzurichten. Es ist der Stolz des Evangeliums, daß es die Menschen über das Leiden erhebt. Es ist eine der herrlichsten Seiten unseres Christentums, daß es uns den Ausruf abringt: Da wird der Feigenbaum nicht grünen, und es wird kein Gewächs sein an den Weinstöcken. Der Ertrag des Ölbaums bleibt aus, und die Äcker bringen keine Nahrung, Schafe werden aus ihren Hürden gerissen, und in den Ställen werden keine Rinder sein. Aber ich will mich freuen des Herrn fröhlich sein in Gott, meinem Heil (Hab. 3, 17-18). Wenn aber der Christ betrübt und elend wird, dann eile zu ihm, mein Bruder. Trockne jene Träne von seiner Wange, muntre ihn auf, daß er nicht mehr traure, oder wenigstens seine Traurigkeit nicht vor der Welt sehen lasse. Wenn er fastet, so salbe er sein Haupt und wasche sein Angesicht, auf daß er nicht vor den Leuten mit seinem Fasten glänze (Mt. 6, 17-18). Er lasse seine Kleider immer weiß sein und lasse seinem Haupt Salbe nicht mangeln (Pred. 9, 8). Er sei fröhlich. Denn so bringt er den Glauben zu Ehren.

Und abermals: Tröstet, tröstet mein Volk. Denn ein trostloser Christ kann nicht viel für das Reich Gottes wirken. Macht einem Manne das Herz schwer, und laßt ihn dann hier auf die Kanzel treten mit einem zerschlagenen und geängsteten Geist, und ach! Welcher Mangel an Kraft wird sich an ihm fühlbar machen! All seine Zeit verwendet er für seine eigenen Seufzer und Klagen, und er wird keine Zeit haben, das Volk Gottes zu erbauen. Wir haben Geistliche mit tiefbekümmertem Gemüt gekannt, die sich zum Erbarmen beklagten, daß sie in trüben Stunden sich gänzlich unfähig gefühlt haben, die Wahrheit Gottes so zu verkündigen, wie sie es gerne getan hätten. Nur wenn die Seele heiter und glücklich ist, ist sie auch tätig. Nichts schlägt den Menschen nieder, solange er alles aus Gottes Hand annimmt, weil es zu seinem Besten dienen muß. Solange er sagen kann, daß Gott sein Gott ist, kann er Tag und Nacht arbeiten, und fühlt sich kaum ermüdet. Nimm ihm aber seinen Trost und seine Freude, so wird e i n Tag Arbeit seine Nerven entkräften und seine ganze Seele erschüttern. Darum tröstet Gottes Volk, denn zerrissene Saiten tönen nicht und rauchender Flachs gibt ein schwaches Feuer. „Tröstet, tröstet“ die Heiligen, denn sie werden zehnmal so viel wirken, wenn ihre Seelen getrost und voller Zuversicht sind. Und nochmals „tröstet“ Gottes Volk, denn ihr bezeugt eure Liebe zu ihm.

Ihr nennt jene arme gebrechliche Alte, die sich heute Abend, auf ihre Krücke gelehnt, nach Hause schleppte, eure Schwester, wißt ihr auch, daß sie sich schlafen legen muß, ohne etwas Warmes genossen zu haben? Sie hat heute nur eine einzige Speise genossen, und zwar trockenes Brot, wußtet ihr dies? Und sie ist eure Schwester? Euer Herz mag reden: könnt ihr zugeben, daß eure Schwester nur ein einziges Mal täglich trockenes Brot ißt, und sonst nichts? Nein, aus Liebe zu ihr als eurer Verwandten werdet ihr hingehen und sie trösten.

Dort begegnet euch ein anderer armer Bruder auf dem Heim weg. Er ist nicht arm an Geld, aber dennoch arm, denn seine Seele ist betrübt. Macht es nicht wie jener, der seinen Schritt beflügelt, indem er sagt, der Anblick des alten Mannes dort greife ihn an, und er könne es nicht ertragen, seinem Gespräch zuzuhören. Nein, geht gerade zu ihm und sprecht: „Lieber Bruder, ich höre, ihr irrt im Jammertale umher. Nun wohl, es steht geschrieben: Wenn solche durch das Jammertal gehen, machen sie es zu lauter Brunnen, und der Frühregen bedeckt es mit Segen. “ (PS. 84, 7 Schlachter). Geht auf ihn zu, denn es steht geschrieben: Tröstet, tröstet mein Volk. „Nein, Herr“, sagt ihr dann, „ich möchte mich heute Abend mit einem oder zwei recht lieben Freunden treffen, um mit ihnen fröhlich und vergnügt zu sein.“ Ja, aber wenn sie schon vergnügt sind, bedürfen sie des Trostes nicht. Geh also hin und suche einen Betrübten auf, wenn du kannst, einen armen, traurigen Elenden, und sprich zu ihm: „Der Herr ist dir erschienen von ferne und hat zu dir gesagt: Ich habe dich je und je geliebt (Jer. 31, 3). An Gottes Gnade hat es noch nie gemangelt, darum werden wir nicht verzehrt.“

Geh und heitere dich auf. Wie! Gibt es in eurer Umgebung keine Familien, deren Familienoberhaupt unlängst vom Tod hinweggerissen wurde? Habt ihr keine vereinsamten Freunde? Habt ihr keine Armen auf euren Gassen, keine Traurigen, keine Verzweifelten? Wenn ihr keine findet, dann kann jenes Schriftwort aus der Bibel getilgt werden, denn es wäre überflüssig. Weil ich aber überzeugt bin, daß ihr Trostbedürftige bei euch habt, so bitte ich euch in Gottes, des Allmächtigen, Namen, geht und sucht die Bedürftigen, die Nackten, die Armen, und schickt ihnen Speise. Tröstet, tröstet mein Volk.

III.

Und nun zum Schluß: Gott lädt seinen Kindern nie eine Pflicht auf, ohne ihnen die Mittel, sie zu erfüllen, an die Hand zu geben.

Er befiehlt ihnen nicht, Ziegel herzustellen ohne Stroh, und wenn Er uns gebietet, daß wir sein Volk trösten, so dürfen wir gewiß sein, daß es nicht an mancherlei Mitteln zum Trösten fehlt. Wir wollen unsre Aufmerksamkeit gerade auf solche Gegenstände im ewigen Evangelium richten, welche darauf hinzielen, die Heiligen zu trösten. Wie denn, Kind Gottes, fehlt es dir etwa an einem Vorbild, womit du ein seufzendes Herz trösten könntest? So höre denn: Geh, rede von den alten Dingen voriger Zeiten. Flüstere in das trauernde Ohr von der erwählenden Gnade und versöhnenden Barmherzigkeit und sterbenden Liebe Gottes. Wenn du einen Betrübten findest, so erzähle ihm vom Testament der Gnade, von dem Bund, der ewig und wohl geordnet und gehalten wird. (2. Sam. 23,5) Erzähle ihm, was der HERR in vorigen Zeiten getan hat, wie Er Rahab rettete und die Schlange überwand. Erzähle ihm die wunderbare Geschichte von dem Umgange Gottes mit seinem Volk. Erzähle ihm, daß Gott, der das rote Meer zerteilte, seinem Volke einen Weg bereiten kann durch die tiefen Sümpfe der Anfechtung, daß Er, der im feurigen Busch erschien, der nicht verzehrt wurde, ihn im Ofen der Trübsal unversehrt und unversengt erhalten wird. Erzähle ihm die Wunder, die Gott um seines erwählten Volks willen gewirkt hat. Gewiß ist viel Tröstliches für ihn darin. Sage ihm, daß Gott über dem Ofen der Trübsal wacht, wie ein Goldschmied über dem Schmelztiegel.

Die Tage deiner Trübsal sind
Vom Himmel all„ zuvor bestimmt.

Wenn das nicht genügt, so erzähle ihm von seiner gegenwärtigen Langmut. Sage ihm, daß Er viel erlassen hat, obgleich viel gesündigt ward. Sage ihm, daß es keine Verdammnis gibt für die, die in Christus Jesus sind (Rom. 8, l). Sage ihm, daß er nun in dem Geliebten angenehm gemacht ist. Sage ihm, daß er angenommen ist. Sage ihm, daß er im Stand der Gnade steht. Sage ihm, daß Jesus in der Höhe ist, geschmückt mit dem hohenpriesterlichen Brustschild, und daß Er seine Sache vertritt. Sage ihm, daß, ob auch die Grundpfeiler der Erde beben, Gott unsre Zuflucht bleibt. Sage ihm, daß der ewige Gott nie enttäuscht, noch müde wird. Diese Tatsachen genügen, ihn zu trösten.

Wenn dies aber nicht genug ist, dann zeige ihm das Zukünftige. Flüstere ihm zu, daß es einen Himmel gibt, dessen Tore Perlen sind und seine Gassen von lauterem Gold. Sage ihm, daß Christus kommt, und daß sein Zeichen im Himmel ist. Seine Zukunft ist nahe, und Er wird erscheinen, zu richten den Erdboden mit Gerechtigkeit, und die Völker mit Recht (PS. 98, 9). Und wenn das nicht genügt, so erzähle ihm Alles von dem Gott, der lebte und starb. Führe ihn auf die Schädelstätte. Male ihm die blutigen Hände vor Augen, die durchbohrte Seite, die durchgrabenen Füße. Erzähle ihm von dem domengekrönten König der Schmerzen. Erzähle ihm von dem mächtigen Fürsten voller Striemen und Blut, der den Purpur des Spottes trug. Sage ihm, daß Er selbst unsre Sünden trug an seinem eigenen Leib am Fluchholz. Und wenn ich nicht genug gesagt habe, so tritt an deine Bibel und lies ihre Seiten, beuge deine Kniee und bitte um Licht, und halte ihm eine große, köstliche Verheißung vor, auf daß du dein Werk vollbringen und Einen aus Gottes Volk trösten mögest.

Ich habe nur wenige Worte beizufügen für die, welche denken, sie bedürfen des Trostes nicht. Sie haben etwas anderes nötig, ehe ihnen der Trost zum Bedürfnis wird. Einige von euch sind nicht Gottes Volk. Sie haben nie an Christum geglaubt, noch zu Ihm ihre Zuflucht im Gebet genommen. Nun will ich euch kurz und gut den Weg des Heils verkünden. Sünder! Wisse, daß du in Gottes Augen schuldig bist, daß Gott gerecht ist, und daß er dich strafen wird um deiner Sünden willen. So höre denn: es gibt nur einen Weg der Rettung, und der ist: Christus muß dein Bürge sein. Entweder mußt du sterben, oder Christus muß für dich sterben. Deine einzige Rettung ist: Glaube an Jesus Christus, der dich gewiß und fest machen muß, daß Christus wahrhaft und wirklich sein Blut für dich vergoß. Und wenn du glauben kannst, daß Christus für dich starb, so weiß ich, du wirst die Sünde hassen, du wirst Christus suchen, und wirst Ihn lieben und Ihm dienen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Möge Gott uns alle segnen, und uns unsre Sünden vergeben und unsre Seelen um Jesu willen annehmen! Amen!

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