Spurgeon, Charles Haddon - Der verlorene Groschen

«oder welches Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie deren einen verliert, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde. Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freuet euch mit mir, denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.»
Luk. 15,8-10

Dieses Kapitel ist voller Gnade und Wahrheit. Seine drei aufeinander folgenden Gleichnisse sind angesehen worden als eine einfache Wiederholung derselben Lehre mit Hilfe verschiedener Bilder, und wenn es so wäre, so ist die Wahrheit, die hier gelehrt wird, so wichtig, daß sie nicht oft genug vor unsere Ohren gebracht werden kann. Dabei ist es eine Wahrheit, die wir so leicht vergessen, und es ist deshalb gut, wenn sie uns wieder und wieder vorgehalten wird. Die Wahrheit, die hier gelehrt wird, ist diese, daß die Barmherzigkeit ihre Hand ausstreckt nach den Elenden, daß die Gnade die Menschen als Sünder annimmt, daß sie mit Verdienstlosigkeit und Unwürdigkeit zu tun hat., daß diejenigen, die sich selbst für gerecht halten, nicht die Adressaten des göttlichen Mitleids und der unergründlichen Gnade Gottes sind, sondern die Ungerechten, die Schuldigen und die es nicht verdient haben. Mit einem Wort, die Erlösung geschieht nicht aus Verdienst, sondern aus Gnaden. Diese Wahrheit, sage ich, ist sehr wichtig, denn sie ermutigt die Bußfertigen, zurück zu kehren zu ihrem Vater, aber sie wird sehr leicht vergessen, denn selbst diejenigen, die aus Gnaden errettet worden sind, fallen oft in den Geist (des älteren Bruders) und sprechen so, als hinge die Erlösung schließlich doch von den Werken des Gesetzes ab.

Aber, meine lieben Freunde, die drei Gleichnisse in diesem Kapitel sind keine Wiederholung; sie erklären alle dieselbe Hauptwahrheit, doch ein jedes hat einen besonderen Schwerpunkt. Die drei Gleichnisse zeigen drei Seiten einer erhabenen Pyramide von Lehren des Evangeliums, aber auf jeder steht eine andere Inschrift. Nicht nur in der Ähnlichkeit, sondern auch in den Lehren, die von der Ähnlichkeit verdeckt sind, findet sich Verschiedenheit, Fortschritt, Erweiterung, Unterschied. Wenn wir sie nur mit Aufmerksamkeit lesen, so entdecken wir, daß wir in dieser Dreiheit der Gleichnisse sowohl eine Einheit wesentlicher Wahrheit wie eine Deutlichkeit der Beschreibung haben. Jedes dieser Gleichnisse gehört notwendig zu den anderen, und wenn sie verbunden werden, stellen sie uns eine viel vollständigere Erklärung ihrer Lehren dar, als es durch ein einziges von ihnen hätte geschehen können. Blickt einen Augenblick auf das erste der drei, das uns einen Hirten zeigt, der ein verlorenes Schaft sucht. Auf wen hat das Bezug? Wer ist der Hirte Israels? Wer bringt das irre gegangene Schaf zurück? Sehen wir nicht deutlich den herrlichen und gepriesenen Haupthirten der Schafe, der sein Leben hingibt, sie zu erretten? Ohne Frage sehen wir im ersten Gleichnis das Werk unseres Herrn Jesus Christi, das zweite Gleichnis steht in der richtigen Reihenfolge. Ich zweifle nicht, daß es das Werk des Heiligen Geistes darstellt, der durch die Gemeinde an den verlorenen, aber köstlichen Menschenseelen wirkt. Die Gemeinde ist das Weib, die ihr Haus fegt, um den verlorenen Groschen zu finden, und in ihr wirkt der Heilige Geist sein Liebeswerk. Das Werk des Heiligen Geistes folgt dem Werke Christi. Wie wir hier zuerst sehen, daß der Hirte das verlorene Schaf sucht und dann von dem Weibe lesen, die den verlorenen Groschen sucht, so erlöst der große Hirte die Seele und der Heilige Geist bringt sie dann zurück. Ihr werdet bemerken, daß jedes Gleichnis in allen seinen Einzelheiten klar wird, wenn wir es so auslegen. Der Hirte sucht ein Schaf, das eigenwillig irre gegangen ist, insofern wird die Sünde gezeigt. Der verlorene Groschen bringt diesen Gedanken nicht; es ist auch nicht nötig, denn das Gleichnis hat es nicht mit der Sündenvergebung zu tun, wie das erste. Das Schaf andererseits, obwohl unwissend, ist nicht gänzlich besinnungslos und tot, aber der Groschen ist gänzlich bewußtlos und machtlos, und darum ein um so passenderes Bild des Menschen, wie der Heilige Geist mit ihm beginnt, tot in Übertretung und Sünden. Das dritte Gleichnis zeigt augenscheinlich den göttlichen Vater in Seiner unendlichen Liebe, der das verlorene Kind, das zu Ihm kommt, wieder aufnimmt. Dieses könnte ohne das erste und zweite leicht verkehrt verstanden werden. Wir haben schon sagen hören, daß der verlorene Sohn angenommen wird, sobald er zurückkehrt, und kein Heiland, der ihn sucht und selig macht, erwähnt wird. Ist es möglich, alle Wahrheiten durch ein einziges Gleichnis zu lehren? Spricht nicht das erste davon, daß der Hirte das verlorene Schaf sucht? Warum wiederholen, was schon gesagt worden ist? Es ist auch gesagt worden, daß der verlorene Sohn aus eigenem Willen zurückkehrte, denn es wird keine Andeutung gemacht von der Wirkung einer höheren Macht, die auf sein Herz wirkte. Es scheint, als ob er willkürlich sagte: «Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.» Die Antwort ist, daß das Werk des Heiligen Geistes klar im zweiten Gleichnis beschrieben worden ist, und es deshalb nicht nötig war, es wieder anzuführen. Wenn wir die drei Bilder zusammenstellen, können wir den ganzen Kreis der Erlösung erkennen, aber jedes für sich zeigt das Werk in Bezug auf eine der göttlichen Personen der gelobten Dreieinigkeit. Der Hirte sucht mit viel Schmerzen und Selbstaufopferung das sorglos irrende Schaf; das Weib sucht fleißig nach dem «sich selbst nicht bewußten», aber verlorenen Groschen; Der Vater nimmt den zurückkehrenden verlorenen Sohn wieder auf. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Die drei Lebensbilder sind eins, aber jedes ist von den anderen unterschieden und an sich lehrreich.

Mögen wir von Gott gelehrt werden, wenn wir versuchen, den Sinn des Geistes in diesem Gleichnis, das, wie wir glauben, das Werk des Heiligen Geistes in der und durch die Gemeinde darstellt, zu entdecken. Die Gemeinde wird fortwährend als ein Weib dargestellt, entweder als die keusche Braut Christi oder als die schamlose Buhlerin Babylons. Im guten Sinne fegt das Weib das Haus; im bösen Sinne nimmt ein Weib den Sauerteig und verbirgt ihn in dem Mehl, bis alles durchsäuert wird. Für Christus eine Braut, für die Menschen eine Mutter wird die Gemeinde passend als ein Weib dargestellt. Ein Weib, das ein Haus unter ihrer Aufsicht hat, ist der volle Gedanke des Gleichnisses; ihr ist abwesend und sie verantwortlich für den Schatz. Gerade das ist die Stellung der Gemeinde, seitdem der Herr Jesus zum Vater zurückgekehrt ist.

Um jeden Teil des Textes zu betrachten, werden wir auf den Menschen achten in drei Zuständen, als verloren, gesucht, gefunden.

I.

Zuerst stellt das Gleichnis den Menschen, den Adressaten der göttlichen Gnade, als verloren dar.

Bemerkt zuerst, daß der Schatz im Staube verloren war. Die Frau hatte ihren Groschen verloren, und um ihn zu finden, hatte sie zu fegen, das anzeigt, daß er an einer staubigen Stelle auf die Erde gefallen war, wo er zwischen Staub und Schmutz verborgen sein mochte. Jeder Nachkomme Adams ist ein verlorener Groschen, gefallen und entehrt und einige sind unter Schmutz und Staub vergraben. Wenn wir mehrere Geldstücke fallen lassen, so werden sie an verschiedene Stellen fallen. Einer mag in den Schlamm fallen und dort verloren sein; ein anderer fällt auf einen Teppich oder auf einen reinen, polierten Fußboden und ist dort verloren. Wenn du ein Geldstück verloren hast, so ist es verloren, an welchen Platz es auch gefallen ist. So sind alle Menschen verloren, aber sie sind nicht in die gleiche Lage der sichtbaren Befleckung gefallen. Einer hat sich wegen der Umgebung in seiner Kindheit und des Einflusses der Erziehung nie den gröberen, gemeinen Lastern ergeben; er ist nie ein Lästerer, vielleicht nicht einmal ein offensichtlicher Sabbatschänder gewesen, aber er kann trotzdem verloren sein.

Ein anderer hingegen ist in die äußerste Schwelgerei gefallen. Er ist vertraut mit Kammern und Unzucht und mit allen Arten des Übels. Dieser ist verloren, verloren mit Nachdruck, aber der anständige Sünder ist auch verloren. Es mögen einige diesen Morgen hier sein, die in der schlimmsten Bedeutung verloren sind. Ich wünsche vor Gott, daß sie Hoffnung faßten und von dem vorliegenden Gleichnis lernen, daß die Gemeinde Gottes und der Heilige Geist sie suchen, und sie mögen vielleicht schon unter den Gefundenen sein. Andererseits sind hier viele, die sich nicht zu solch unreinen Plätzen begeben haben. Diese möchte ich in aller Liebe daran erinnern, daß sie nichtsdestoweniger verloren sind und es ebenso nötig ist, daß der Heilige Geist sie sucht, als wenn sie die Lasterhaftesten unter den Lasterhaften wären. Zur Rettung der Moralischen gehört genauso gewiß göttliche Gnade wie zur Rettung der Unmoralischen. Wenn du verloren bist, mein lieber Zuhörer, so wird es dir wenig nützen, daß du in einer geachteten und anständigen Gesellschaft verdammt bist. Wenn es dir nur an Einem fehlt, dein Mangel jedoch verhängnisvoll ist, so wird es nur ein geringer Trost sein, daß dir nur das Eine fehlt. Wenn ein Leck das Schiff zum Untergang brachte, so ist es kein Trost für die Mannschaft, daß ihr Schiff nur an einer Stelle ein Leck hatte. Eine Krankheit kann einen Menschen töten. Er mag sonst ganz gesund sein, aber es ist ein trauriger Trost für ihn, zu wissen, daß er noch lange hätte leben können, wenn nur dieses eine Organ auch gesund gewesen wäre. Wenn du, lieber Zuhörer, keine andere Sünde hättest, als nur ein arges, ungläubiges Herz, und dein äußeres Leben sonst lieblich und liebenswürdig wäre, so kannst du doch aus allem, was gut in dir ist, wenig Trost schöpfen, wenn diese verhängnisvolle Sünde in dir ist. Du bist von Natur aus verloren und mußt von der Gnade gefunden werden, wer du auch seist.

In diesem Gleichnis war das Verlorene gänzlich unwissend über sein Verlorensein. Der Groschen war kein lebendiges Geschöpf und hatte daher kein Bewußtsein davon, daß er verloren war oder gesucht wurde. Dem Groschen war es gleich, ob er auf dem Fußboden oder im Staube oder unter seinesgleichen in der Tasche der Besitzerin war. Er wußte nichts von seinem Verlorensein und konnte es auch nicht wissen. Und genau so ist es mit dem Sünder, der geistlich tot ist. Sein Zustand ist ihm unbewußt, und wir können ihm die Gefahr und den Schrecken seiner Lage nicht verständlich machen. Wenn er fühlt, daß er verloren ist, so ist schon etwas Gnadenwerk in ihm. Wenn der Sünder weiß, daß er verloren ist, so ist er mit seinem Zustande nicht mehr zufrieden, sondern fängt an, um Gnade zu rufen, das ein Beweis ist, daß das Werk des Findens schon begonnen hat. Der unbekehrte Sünder wird bekennen, daß er verloren ist, weil er weiß, daß die Schrift so lehrt und er es aus Höflichkeit gegen Gottes Wort als wahr zugibt. Aber er hat keine Idee, was eigentlich damit gemeint ist, sonst würde er es entweder mit trotzigem Unwillen leugnen oder sich angeregt fühlen, zu beten, daß er wieder in den Zustand zurückversetzt wird, von dem er gefallen ist und Christi teurem Eigentum zugezählt werde. O, mein Zuhörer, das ist es, was den Geist Gottes so notwendig macht in all unserem Predigen und jeder anderen Arbeit in der Seelenrettung, weil wir mit unempfindlichen Seelen zu tun haben. Der Mann, der die Rettungsleiter gegen das Fenster eines brennenden Hauses stellt, kann diejenigen leicht retten, die sich ihrer Gefahr bewußt sind und an das Fenster kommen und ihm helfen oder ihm wenigstens nicht hinderlich sind in dem Werk ihrer Rettung. Aber wenn jemand wahnsinnig ist und mit den Flammen spielt, oder in Idiot, der es für eine große Illumination hält und nichts von der Gefahr weiß, sondern sich über das Feuer freut, dann ist die Rettung eine schwere Arbeit. Gerade so ist es mit den Sündern. Sie wissen nicht, obwohl sie es zu wissen bekennen, daß die Sünde die Hölle bedeutet, daß Gott fern zu sein schon verdammt sein ist, daß in der Sünde zu leben, tot sein bedeutet, während man lebt.

Der Groschen war verloren, aber nicht vergessen. Die Frau wußte, daß sie ursprünglich zehn Groschen gehabt hatte. Sie zählte diese sorgfältig, denn sie waren ihr ganzer kleiner Vorrat, doch sie fand nur neun, aber sie wußte recht gut, daß noch einer ihr Eigentum sei und in ihrer Hand sein sollte. Dies ist unsere Hoffnung für des Herrn Verlorene; sie sind verloren, aber nicht vergessen. Das Herz des Erlösers denkt an sie und bittet für sie. O Seele, ich habe das Vertrauen, daß du jemand bist, den Jesus sein eigen nennt. Wenn das so ist, dann erinnert Er sich an die Angst, die Er erduldete, als er dich erlöste, und Er erinnert sich an des Vaters Liebe, die auf dich gerichtet war von Ewigkeit her, als der Vater dich in die Hände des geliebten Sohnes gab. Du bist nicht vergessen von dem Heiligen Geiste, der dich für den Heiland sucht. Das ist des Predigers Hoffnung, daß ein Volk da ist, dessen der Herr sich erinnert und welche Er nie vergessen wird, obwohl sie Ihn vergessen. Fremde gegen Ihn, weit entfernt, unwissend, verhärtet, sorglos, tot, und doch schlägt das ewige Herz im Himmel in Liebe für sie, und die Gedanken des Geistes, der auf Erden arbeitet, sind auf sie gerichtet. Diese, die vor Grundlegung der Welt aufgezählt worden sind, sind noch in dem göttlichen Gedächtnis. Obwohl verloren, wird ihrer doch gedacht. In gewissem Sinne ist dieses von einem jeden hier anwesenden Sünder wahr. Ihr seid verloren, aber daß an euch gedacht wird, ist klar, denn ich bin gesandt, euch heute das Evangelium zu predigen. Gott hat Gedanken der Liebe mit euch und fordert euch auf, euch zu Ihm zu wenden und selig zu werden.

Weiter, der Groschen war verloren, aber er wurde beansprucht. Beachtet, daß die Frau sagte: «meinen» Groschen. Als sie den Besitz desselben verlor, verlor sie das Recht darauf nicht. Er wurde dadurch, daß er ihr aus der Hand glitt und auf die Erde fiel, nicht das Eigentum eines anderen. Diejenigen, für welche Jesus gestorben ist, die Er persönlich erlöst hat, sind nicht des Satans, wenn sie auch tot in Sünden sind. Sie mögen unter des Teufels angemaßte Herrschaft geraten, aber das Ungeheuer wird vom Thron gestoßen werden. Christus hat sie von Ewigkeit her vom Vater erhalten; Er hat sie mit Seinem teuren Blut erkauft, Er will sie haben. Er wird den Eindringling verjagen und Sein Eigentum beanspruchen. So sagt der Herr: «Ich will, daß euer Bund mit dem Tode gelöst werde und euer Vertrag mit der Hölle nicht bestehe.» Ihr habt euch umsonst verkauft, ihr sollt auch ohne Geld erlöst werden. Jesus wird Sein Eigentum erhalten und niemand wird es Ihm wieder entreißen. Er wird seine Ansprüche gegen jeden verteidigen.

Weiter beachtet, daß der Groschen nicht nur vermißt und beansprucht, sondern auch geschätzt wurde. In diesen drei Gleichnissen steigt der Wert fortwährend. Man sieht dieses nicht auf den ersten Blick, denn es könnte gesagt werden, daß ein Schaf mehr Wert hat als ein Groschen, beachtet jedoch, daß der Hirte nur ein Schaf von hunderten verlor, die Frau aber einen Groschen von zehn und der Vater einen Sohn von zwei. Es ist nicht der Wert des «Gegenstandes» an sich, der hier in Betracht kommt, denn die Menschenseele, geschätzt im Vergleich mit dem unendlichen Gott, ist von geringem Werte, jedoch wegen Seiner Liebe ist sie Ihm von großem Wert. Der eine Groschen war der zehnte Teil von allem, was die Frau besaß und war sehr wertvoll in ihren Augen. Dem Herrn der Liebe ist eine verlorene Seele sehr köstlich, nicht wegen ihres inneren Wertes, aber weil Gott die Beziehung zu den Menschen sehr hoch schätzt. Der Heilige Geist hält die Seele wert und darum tut es auch die Gemeinde. Sie sagt sich zuweilen: «Wir haben nur wenig Bekehrungen, wenig Mitglieder. Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.» Sie zählt ihre wenigen Bekehrungen und Mitglieder und eine einzige Seele ist ihr um so köstlicher wegen der wenigen, die in dieser Zeit zum Schatz Christi gehören, gestempelt mit dem Bilde des großen Königs und hergestellt von dem köstlichen Silber der Gnade Gottes. O, lieber Freund, du hältst dich für geringwertig, der du überzeugt bist, daß du gesündigt hast, aber die Gemeinde hält dich nicht dafür, und der Heilige Geist verachtet dich nicht. Er setzt einen hohen Preis auf dich, und das tut auch sein Volk.

Der Groschen war verloren, aber er war nicht hoffnungslos verloren. Die Frau hatte Hoffnung, ihn wieder zu erhalten, und darum verzweifelte sie nicht, sondern ging sogleich an die Arbeit. Es ist schrecklich, an die verlorenen Seelen zu denken, die ohne Hoffnung verloren sind. Millionen unseres Geschlechtes sind jetzt in dieser Lage. Über sie ist der andere Tod gekommen, und wir sind alle machtlos, sie zu retten. Das Evangelium ist für sie keine Aussicht mehr auf Hoffnung. Unsere Freude ist, daß wir es heute mit verlorenen Seelen zu tun haben, die noch nicht hoffnungslos verloren sind. Sie sind tot in Sünden, aber es gibt eine belebende Kraft, die sie lebendig machen kann. O, Seemann auf dem Meere des Lebens, Menschenfischer auf diesem stürmischen Meere, diese Verworfenen, mit denen du zusammentriffst, sind durch das Wirken des Mitleids erreichbar; sie können errettet werden aus der bodenlosen Tiefe. Deine Mission ist keine hoffnungslose. Ich freue mich über den gottlosen Menschen hier, daß er noch nicht in der Qual ist, in der Hölle, noch nicht dort , wo ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht verlöscht. Ich wünsche der Gemeinde Glück, daß ihr Groschen nicht dahin gefallen ist, wo sie ihn nicht finden kann. Ich freue mich, daß die Gefallenen um uns her nicht außerhalb der Hoffnung sind. Obwohl sie in den schlechtesten Lasterhöhlen wohnen, obwohl sie Diebe und Huren sind, so sind sie nicht außerhalb des Wirkungsbereiches der Gemeinde. Auf, Gemeinde Gottes, so lange noch eine Möglichkeit der Gnade da ist! Nutzt jede Stunde der Hoffnung gut aus.

Ein anderer Punkt ist der Beachtung wert. Der Groschen war verloren, aber er war in dem Hause verloren, und die Frau wußte, daß es so ist. Wenn sie ihn auf der Straße verloren hätte, so würde sie ihn wahrscheinlich gar nicht gesucht haben, denn eine andere Hand hätte sich schon darüber geschlossen haben können. Wenn er in einen Fluß oder ins Meer gefallen wäre, so hätte sie ruhig zu dem Schluß kommen können, daß er für immer fort sei, aber augenscheinlich war sie gewiß, daß sie ihn im Hause verloren hatte. Ist es nicht ein Trost, zu wissen, daß diejenigen, die verloren sind, noch hier im Hause sind? Sie stehen noch unter dem Einfluß der Gnade in dem Bereich der Arbeit der Gemeinde, noch in der Behausung, worin die Gemeinde die «Herrin» ist und wo der Heilige Geist wirkt. Wie dankbar solltet ihr euch fühlen, daß ihr nicht verloren seid als Heiden, nicht verloren in dem römischen oder mohammedanischen Aberglauben, sondern wo euch das Evangelium treu und einfach gepredigt und euch liebend gesagt wird, daß, wer an Jesus Christus glaubt, nicht verdammt wird. Verloren, aber verloren, wo es die Arbeit der Gemeinde ist, euch zu suchen; wo es des Geistes Werk ist, euch zu suchen und zu finden. Dieses ist die Lage einer verlorenen Seele, dargestellt mit Hilfe des Bildes eines verlorenen Groschen.

II.

Zweitens wollen wir die Seele in einer anderen Lage betrachten. Wir werden sie ansehen als gesucht.

Von wem wurde der Groschen gesucht? Er wurde von der Eigentümerin persönlich gesucht. Beachtet, die Frau, die den Groschen verloren hatte, zündete ein Licht an und fegte das Haus und suchte fleißig, bis sie ihn fand. Ich habe gesagt, daß die Frau den Heiligen Geist darstellt oder vielmehr die Gemeinde, in welcher der Heilige Geist wirkt. Es wird nie eine Seele gefunden werden, bis der Heilige Geist sie sucht. Er ist der große Seelenfinder. Das Herz wird im Dunkeln bleiben, bis Er mit seiner erleuchtenden Macht kommt. Er ist der Besitzer, Sein Eigentum ist es und Er kann es mit Erfolg suchen. Gott, dem die Seele gehört, muß sie suchen. Aber Er tut es durch die Gemeinde, denn die Seelen gehören auch der Gemeinde. sie sind Söhne und Töchter der erwählten Mutter, sie sind ihre Bürger und Schätze. Aus diesem Grunde muß die Gemeinde die Seelen persönlich suchen. Sie kann ihr Werk niemand anders übertragen. Die Frau bezahlte keine Dienerin und ließ sie das Haus fegen, sondern sie tat es selbst. Ihre Augen waren besser als die Augen einer Dienerin, denn die Augen einer Dienerin hätten nur nach dem Groschen einer anderen geblickt und würden ihn vielleicht nicht finden. Aber die Frau blickte nach ihrem eigenen Groschen und sie war sicher, darauf zu leuchten, wenn er irgendwie in Sicht war. Wenn die Gemeinde Gottes feierlich fühlt: «Es ist unser Werk, Sünder zu suchen, wir dürfen es nicht dem Prediger oder den Stadtmissionaren oder der Bibelfrau überlassen, sondern die Gemeinde als solche muß die Sünder suchen», dann, glaube ich, werden die Seelen gefunden und errettet werden. Wenn die Gemeinde erkennt, daß diese verlorenen Seelen ihr gehören, dann wird sie dieselben auch finden. Es wird ein glücklicher Tag sein, wenn jede Gemeinde Gottes tätig ist in dem Werke zur Rettung der Sünder.

Beachte, daß dieses Suchen eine Hauptsache für die Frau wurde. Ich weiß nicht, was sie sonst zu tun hatte, aber ich weiß, sie stellte alles zurück, um den Groschen zu finden. Es war das Korn zu mahlen für das Morgenmahl, vielleicht war das aber schon geschehen; jedenfalls unterließ sie es, wenn es noch nicht geschehen war. Es war ein Anzug auszubessern oder Wasser zu schöpfen, oder das Feuer anzuzünden, oder mit Freunden und Nachbarn zu sprechen - einerlei, die Frau vergaß alles. Sie hat ihren Groschen verloren und muß ihn sogleich wieder finden. So ist es mit der Gemeinde des Herrn; ihre Hauptaufgabe sollte sein, verlorene Menschenseelen zu suchen. Seelen dahin zu bringen, daß sie Jesus erkennen und gerettet werden durch eine große Erlösung, das sollte der Gemeinde größter Wunsch und vorrangige Aufgabe sein. Sie hat andere Sachen zu tun. Sie hat an ihre eigene Erbauung zu denken, an ihrem Orte hat sie ihre Aufmerksamkeit auch auf andere Sachen zu lenken, aber dieses zuerst. Die Frau sagte offensichtlich: «Der Groschen ist verloren und ihn muß ich zuerst wieder haben.» Der Verlust des Groschens war eine sehr ernste Sache. Wenn sie sich zum Ausbessern eines Kleides hingesetzt hätte, würde ihren Händen die Schnelligkeit gefehlt haben, oder wenn irgend eine andere Hausarbeit ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätte, so war es ihr eine widrige Aufgabe, denn sie dachte an den verlorenen Groschen. Wenn eine Freundin kam und mit ihr sprach, dachte sie im Innern: «Ich wollte, sie ginge fort, denn ich muß meinen Groschen suchen.» Ich wünschte, die Gemeinde Gottes hätte eine solch starke Liebe für arme Sünder, daß sie alles als eine Zudringlichkeit ansehen würde, was sie am Seelenretten hindert. Wir haben dann und wann als Gemeinde ein wenig mit der Politik zu tun, auch ein wenig mit den Finanzen, denn wir sind noch in der Welt, aber ich liebe es, wenn ich in allen Gemeinden sehe, daß dieses alles in den Hintergrund gestellt wird, verglichen mit dem Werk der Seelenrettung. Wir interessieren uns für alles, was unseren Mitbürgern wohltut, denn wir sind sowohl Menschen als Christen, aber unser erstes und wichtigstes Ziel ist, Seelen zu gewinnen, Menschen zu Jesus zu bringen, diejenigen aufzusuchen, die das Bild des Himmels tragen, obwohl sie verloren und gefallen sind. Das ist es, wofür wir uns hingeben müssen, denn dieses ist die Hauptwirksamkeit der Gläubigen, die eigentliche Ursache des Daseins der Gemeinde, und wenn sie dies nicht beachtet, so vergißt sie ihren höchsten Zweck..

Beachtet nun, daß die Frau, als ihr Herz darauf gerichtet war, ihren Groschen zu finden, sie die passenden Mittel in Anwendung brachte, ihren Zweck zu erreichen. Zuerst zündete sie ein Licht an. So macht es der Heilige Geist in der Gemeinde. In den morgenländischen Wohnungen war es nötig, wenn ein Geldstück verloren gegangen war und man es suchen wollte, ein Licht anzuzünden zu jeder Tageszeit, denn in den Zeiten des Herrn wurde kein Fensterglas verwendet, und die Fenster der Häuser bestanden nur aus schmalen Spalten in der Mauer, und die Zimmer waren daher sehr dunkel. Fast alle morgenländischen Häuser sind noch heute sehr dunkel, und wenn irgend ein kleiner Gegenstand hinfällt, so muß man mit einem Lichte danach suchen, selbst am hellen Mittag. Nun, der Kreis, in welchem die Gemeinde hier auf Erden sich bewegt, hat ein sehr trübes Zwielicht geistlicher Unwissenheit und moralischer Dunkelheit, und um eine verlorene Seele zu finden, wird Licht gebraucht, um diese zu erleuchten. Der Heilige Geist benutzt das Licht des Evangeliums; Er überzeugt den Menschen von der Sünde, von der Gerechtigkeit und vom kommenden Gericht. Die Frau zündete ein Licht an, und so erleuchtet der Heilige Geist irgend einen erwählten Menschen, den Er zu einem Lichte in der Welt macht. Er ruft zu sich, wen Er will und macht ihn zu einem Lichte, um auf das Volk zu leuchten. Ein solcher Mensch wird in seinem Berufe verbraucht werden, wie ein Licht wird er beim Lichtspenden verbrennen. Ernster Eifer und tätige Selbstaufopferung wird ihn verzehren. So mag diese Gemeinde und jede Gemeinde Gottes fortwährend ihre gesalbten Männer und Frauen gebrauchen, um verlorene Seelen zu finden.

Aber diese Frau war nicht zufrieden mit ihrem Licht allein; sie holte ihren Besen und fegte das Haus. Weil sie ihren Groschen nicht finden konnte, so, wie die Sachen im Hause standen, gebrauchte sie ihren Besen, um den aufgehäuften Staub zu entfernen. O, wie reinigt sich die christliche Gemeinde und säubert ihre Arbeit, wenn sie vom Heiligen Geist bewegt wird! «Vielleicht», sagt sie, «leben einige von unseren Gliedern nicht dem Worte Gottes gemäß, und dadurch werden die Menschen in der Sünde verhärtet; diese Übeltäter müssen hinaus getan werden. Wenn wir nicht glaubwürdig leben, ist das hinderlich für die Bekehrung von Menschen. Vielleicht sind unsere Zeugnisse von der Wahrheit und die Weise, wie wir sie verkündigen, nicht geeignet, Aufmerksamkeit zu erregen und wir müssen sie verbessern. Wir müssen die möglichst beste Methode in Anwendung bringen; wir müssen tatsächlich das ganze Haus fegen.» Ich freue mich, ein ernstes Fegen des Hauses zu bemerken in dem Sündenbekenntnis, in den Gebetsstunden oder durch eine ernste Anrede und wenn jedes Glied ernstlich bemüht ist, durch eine Belebung seiner persönlichen Frömmigkeit näher zu Gott zu kommen. Dieses ist eins der Mittel, wodurch die Gemeinde befähigt wird, die Verlorenen zu finden. Außerdem muß die ganze Nachbarschaft (denn das bedeutet den Kreis, in welchem sich die Gemeinde bewegt) durchsucht, erregt, umgekehrt, mit einem Wort, gefegt werden. Eine Gemeinde, der es wirklich ernst ist mit dem Suchen der Seelen, wird bestrebt sein, die Dunkelheit der geistlichen Armut zu durchdringen und die Menschen auf ihre Ruchlosigkeit aufmerksam zu machen.

Beachtet sorgfältig, daß dieses Suchen nach dem verlorenen Groschen mit den passenden Werkzeugen, Besen und Licht, und nicht mit geringem Aufwand geschah. Sie fegte das Haus - es gab Staub für die Augen; war eine Nachbarin zugegen, so war auch sie in diesem Staub. Man kann kein Haus fegen, ohne zeitweilig Unbequemlichkeit und Verwirrung zu erregen. Wir hören zuweilen Leute über gewisse Christen klagen, daß sie zu viel Wesen von der Religion machen. Das Klagen zeigt, daß etwas getan und aller Wahrscheinlichkeit nach auch Erfolg erzielt wird. Diejenigen, die kein Interesse an dem verlorenen Groschen haben, werden durch den Staub belästigt, er greift ihnen in den Hals, und sie müssen husten. Kümmere dich nicht darum, gute Frau, fege nur weiter und laß sie noch mehr murren. Ein anderer wird sagen: «Mir gefällt keine religiöse Aufregung; ich bin für eine ruhige und gewohnheitsmäßige Wirksamkeit.» Ich darf wohl sagen, daß eine gute Nachbarin dieser Frau, als sie vorsprach, unzufrieden ausrief: «Da ist ja kein Stuhl, um sich gemütlich zu setzen, und du bist so hinter dem verlorenen Groschen her, daß du mir kaum eine Antwort gibst. Du verbrennst das Licht unnütz und bist in einem fieberhaften Zustande.» «Ja», sagte die Frau vielleicht, «aber ich muß meinen Groschen finden und um ihn zu suchen, kann ich ein wenig Staub vertragen, und das mußt du auch, wenn du hier bleiben willst, während ich suche.» Eine ernste Gemeinde wird einen gewissen Grad an Aufregung erfahren, wenn sie Seelen sucht, und sehr vorsichtige, sehr eigensinnige, sehr tadelsüchtige Leute werden sie zu tadeln wissen. Kümmert euch nicht darum, meine Brüder, fegt weiter und laßt sie sprechen. Kümmere dich nicht darum, Staub zu machen, wenn du nur den Groschen findest. Wenn Seelen errettet werden, sind Unregelmäßigkeiten und Besonderheiten wie Staub zu achten. Wenn Menschen zu Jesus geführt werden, kümmere dich nicht darum, was «Wortklauber» sagen. Fege weiter, fege weiter, wenn die Menschen auch sagen: «Diese, die den ganzen Weltkreis erregen, sind auch zu uns gekommen.»

Es ist auch zu bemerken, daß der Groschen in einer sehr großartigen Weise gesucht wurde. Eine Zeitlang wurde an nichts anderes gedacht, als an den verlorenen Groschen. Hier ist ein Licht. Die gute Frau las nicht dabei oder besserte Zeug dabei aus, nein, das Licht wurde nur benutzt zum Suchen des verlorenen Groschen. Alles Licht ist für das Suchen bestimmt. Hier ist ein Besen. Es gibt andere Arbeit für den Besen, aber jetzt wird nur damit gefegt, den Groschen zu suchen. Die Frau hat zwei klare Augen im Kopf, aber sie sehen nach nichts anderem, als nach dem verlorenen Groschen. Sie kümmert sich um nichts, was sonst im Hause oder außerhalb desselben geschieht; sie denkt nur an den Groschen und muß ihn finden. Und nun wendet sie alles an, Licht, Besen, Augen, Geist und Körper, um den verlorenen Groschen zu suchen. Gerade so ist es, wenn der Heilige Geist in einer Gemeinde wirkt. Der Prediger läßt sein Licht leuchten, aber er gebraucht es, die Sünder zu finden und sie dahin zu bringen, ihren verlorenen Zustand zu erkennen. Ob es der Besen des Gesetzes oder das Licht des Evangeliums ist, alles dient dem verlorenen Sünder. Die ganze Weisheit des Heiligen Geistes ist darauf gerichtet, den Sünder zu finden, und alle Fähigkeiten, Mittel und Kräfte der lebendigen Gemeinde werden angewandt, damit der Sünder durch irgend ein Mittel errettet werde. Es ist ein schönes Bild; möchte ich es täglich sehen! Wie ernst werden die Seelen gesucht, wenn der Geist Gottes in seiner Gemeinde ist.

Nur noch einen Gedanken. die Frau suchte nach ihrem Groschen ohne Aufhören, «bis sie ihn fand.» Mögen wir als Teile der Gemeinde Gottes nach den irrenden Seelen suchen, bis wir sie finden. Wir sagen, sie entmutigen uns. Ohne Zweifel entmutigte der Groschen die Frau, die ihn suchte, auch. Wir beklagen, daß die Leute keine Neigung zur Religion zu haben scheinen. War der verlorene Groschen in irgend einer Weise behilflich? Sie suchte und sie suchte alleine. Und der Heilige Geist sucht durch dich, mein Bruder, die Errettung der Sünder und erwartet nicht, daß die Sünder Ihm helfen, denn der Sünder ist dagegen, gefunden zu werden. Wie? Wurdest du kürzlich von jemand, dem du geistlich etwas Gutes tun wolltest, zurückgewiesen? Versuche es noch einmal. Wurde über deine Einladung gelacht? Lade wieder ein. Wurdest du ein Gegenstand des Gelächters wegen deiner ernsten Aufforderung? Fordere wieder auf. Diejenigen, die zuerst unseren Bemühungen widerstehen, sind nicht immer diejenigen, die wahrscheinlich nicht errettet werden. Eine unwillige Aufnahme ist oft nur eine Andeutung, daß das Herz die Macht der Wahrheit anerkennt, obwohl es den Wunsch nicht hat, sich jetzt derselben zu ergeben. Harre aus, Bruder, bis du die Seele, die du suchst, findest. Du, der du so viele Mühe in deiner Sonntagsschulklasse angewandt hast, gebrauche dein Licht ferner und erleuchte den Geist der Kinder. Fege das Haus, bis du gefunden hast, was du suchst. Gib das Kind nicht eher auf, als bis es zu Christus geführt worden ist. Du, in deiner Bibelklasse, der du einen jungen Mann oder ein junges Mädchen zu Jesus führen möchtest, höre nicht auf mit deiner Fürbitte und deinem Ermahnen, bis das Herz Jesus gehört. Ihr, die ihr auf der Straße predigt, oder die Logierhäuser besucht, oder von Haus zu Haus mit Traktaten geht, ich verpflichte euch alle, denn ihr könnt alle etwas tun, gebt nie auf, den Sündern nachzugehen, bis sie sicher in Jesus Armen sind. Wir müssen sie erretten.

III.

Die Zeit ist jedoch zu schnell verflogen, und so muß ich schließen mit dem dritten Punkt, der gefundene Groschen.

Gefunden! Zuerst war dieses und nichts anderes der Zweck des Suchens. Die Frau hielt nicht inne, bis der Groschen gefunden wurde. So ist auch das Vorhaben des Heiligen Geistes, nicht, daß der Sünder in einen hoffnungsvollen Zustand versetzt, sondern daß er wirklich errettet werde. Auch die große Angelegenheit der Gemeinde besteht nicht darin, daß die Leute Hörer oder orthodoxe Bekenner werden, sondern daß sie wirklich verändert, erneuert und wiedergeboren werden.

Die Frau fand ihren Groschen selbst. Er kam nicht zufällig zum Vorschein, auch war es keine Nachbarin, die ihn fand. Der Geist Gottes selbst findet die Sünder und die Gemeinde Gottes ist in der Regel das Werkzeug ihrer Entdeckung. Liebe Brüder, vor einigen Jahren wurde dadurch ein Art Schandfleck auf die sichtbare Gemeinde geworfen, daß viele begeisterte, aber irrende Personen träumten, daß die Zeit gekommen sie, alle organisierte Arbeit aufzugeben, da außerhalb der sichtbaren Gemeinde stehende Brüder das ganze Werk tun könnten, ohne Hirten und Lehrer. Gewisse merkwürdige Männer traten auf, deren massiver Tadel sich beinahe zu Angriffen auf die geordneten Gemeinden steigerte. Ihre Bestrebungen waren getrennt von dem geordneten Predigtamt, und in einigen Fällen standen sie im Widerspruch mit demselben. Es war eben sowohl ihr Ziel, die Gemeinden nieder zu reißen, wie Bekehrungen zu erwirken. Ich frage irgend jemand, der diese Bestrebungen beobachtet hat, wohin sind sie gekommen? Ich habe sie nie verurteilt, will es auch jetzt nicht tun, aber ich wage es heute im Lauf ihrer Geschichte zu sagen, daß sie das geordnete Gemeindewerk nicht verdrängt haben und es nie verdrängen werden. Die Massen wurden aufgeweckt, aber wo sind die prahlerisch erwarteten «Erfolge?» Was ist aus vielen dieser «großartigen» Werke geworden? Diejenigen, die in Verbindung mit einer Gemeinde Gutes gewirkt haben, haben bleibenden «Erfolg» erlangt, aber diejenigen, die abgesondert gewirkt haben, obwohl sie das Auge des Volkes eine Zeitlang geblendet und die Zeitungen mit geistlichen Marktschreiereien gefüllt haben, sind jetzt nahezu verschwunden. Wo sind die Siege, die durch diese «Freischützen» erfochten werden sollten? Das Echo antwortet: «wo?» Wir müssen wieder auf die bewährten in «Reih und Glied geübten Truppen» zurückkommen. Gott will die Gemeinde noch segnen, und durch die Gemeinde will Er fortfahren, Segnungen über die Menschenkinder kommen zu lassen. Ich freue mich, von irgend jemand zu hören, daß er das Evangelium predigt; wenn nur Christus gepredigt wird, so freue ich mich dessen. Ich denke an das Wort des Meisters: «Ihr sollt es ihm nicht verbieten. Wer nicht wider euch ist, ist für euch.» Aber die Masse der Bekehrungen wird durch die Gemeinde und ihre regelmäßige, geordnete Wirksamkeit erfolgen.

Nun beachtet, was sie tat, als sie ihn gefunden hatte. Sie freute sich. Je größer ihre Mühe im Suchen, desto größer ihre Freude beim Finden. Welche Freude ist in der Gemeinde Gottes, wenn Sünder sich bekehren! Wir haben unsere hohen Festtage, unsere Freudentage, wenn wir von Seelen hören, die sich vom Wege des Irrtums gewandt haben. Eure Prediger und Vorsteher haben oft eine Freude, wie sie im Himmel sein wird, wenn sie hören, wie die Seelen von der Sklaverei der Sünde befreit und zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes gekommen sind. Die ganze Gemeinde freut sich. Dann ruft die Frau ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen, um an ihrer Freude teilzunehmen. Ich fürchte, daß wir unsere Freunde und Nachbarn nicht mit genügend Achtung behandeln, oder vergessen, sie zu unserer Freude einzuladen. Wer ist es? Ich denke, daß hier die Engel gemeint sind, nicht nur die Engel im Himmel, sondern solche, die hier unten dienen. Achtet darauf, als der Hirte sein Schaf heimbrachte, heißt es: «Es wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut.» Hier aber wird der Himmel nicht genannt, denn es heißt: «Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.» Nun, die Gemeinde ist auf Erden und der Heilige Geist wirkt auf Erden. Wenn eine Seele errettet ist, so freuen sich die Engel, die hier die Gläubigen bewahren und bewachen, als unsere Nachbarn mit uns. Wißt ihr nicht, daß Engel in unseren Versammlungen gegenwärtig sind? Aus diesem Grunde sagt der Apostel, daß die Frauen ihr Haupt in der Versammlung bedecken sollen. Er sagt: «um der Engel willen», denn sie lieben Ordnung und Anstand. Die Engel sind, wo die Heiligen sind; sie sehen unsere Ordnung und nehmen teil an unserer Freude. Wenn wir Bekehrungen erleben, können wir sie bitten, sich auch zu freuen, und sie werden Gott mit uns preisen. Ich glaube nicht, daß die Freude hier endet, denn da die Engel zu den Menschen herab kommen und hinauf steigen in den Himmel, so werden sie die Botschaft bald den Scharen oben mitteilen, und im Himmel freut man sich über einen Sünder, der Buße tut.

Die Freude ist eine gegenwärtige Freude; es ist eine Freude im Hause, in der Gemeinde; es ist die Freude ihrer Nachbarn hier unten um sie her. Alle andere Freude scheint von dieser Freude verschlungen zu sein. Wie alle anderen Beschäftigungen aufgegeben wurden, um den Groschen zu finden, so ist jede andere Freude unterdrückt, wenn der köstliche Gegenstand gefunden worden ist. Die Gemeinde Gottes hat tausend Freuden, Freude über ihre Heiligen, die in den Himmel gehen, Freude über die Heiligen, die für die Herrlichkeit heranreifen, Freude über solche, die mit der Sünde streiten und sie überwinden, die in der Gnade wachsen und die Verheißung erlangen. Aber die Hauptfreude in der Gemeinde, die alle anderen Freuden verschlingt, wie Aarons Stab die anderen Stäbe verschlang, ist die Freude über die verlorenen Seelen, die nach vielem Fegen und Suchen endlich gefunden worden sind.

Die praktische Lehre für die Unbekehrten ist diese; Lieber Freund, siehe, der Wert dir beigelegt wird. Du denkst, daß sich niemand um dich kümmert! Himmel und Erde kümmern sich um dich! Du sprichst: «Ich bin nichts, ein Auswurf und gänzlich wertlos.» Nein, du bist dem Heiligen Geiste nicht wertlos und bist der Gemeinde nicht wertlos; sie verlangt nach dir.

Siehe ferner, wie falsch dein Verdacht ist, daß du nicht willkommen bist, wenn du zu Jesus kommst. Willkommen! Willkommen! Die Gemeinde sucht dich, der Geist Gottes sucht dich. sprich nicht nur von willkommen, du wirst mehr als willkommen sein. Wie wird sich Jesus freuen und der Heilige Geist, und mit welcher Freude wird die Gemeinde dich aufnehmen! Ach, du klagst, daß du nichts getan hast, dich für die Gnade bereit zu machen. Sprich nicht so. Was hat der verlorene Groschen getan? Was konnte er tun? Er war verloren und hilflos. Wer ihn suchte, tat alles, und wer dich sucht, wird alles für dich tun. O arme Seele, da Jesus dir befiehlt, zu kommen, so komme. Wenn der Geist dich zieht, laß dich retten. Da die Verheißung lautet «So kommt denn, und laßt uns miteinander rechten, spricht der Herr. Wenn eure Sünde gleich blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie gleich ist wie Scharlach, soll sie doch Wolle werden», so nimm die Verheißung an. Glaube an Jesus. Gott segne dich und errette dich um Jesus willen. Amen.

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