Spurgeon, Charles Haddon - Unbedingte Übergabe

Gehalten am 30. Januar 1876

So seid nun Gott untertänig.
Jak. 4,7

Unterwerft euch Gott.
(engl. Übersetzung)

Dieser Rat sollte es nicht nötig haben, besonders eingeprägt zu werden. „Unterwerft euch Gott!“ - ist das nicht auf den ersten Blick richtig? Ist das nicht weise? Sagt das Gewissen uns nicht, daß wir uns unterwerfen sollten? Bezeugt nicht die Vernunft, daß es das Beste sei, dies zu tun? „Unterwerft euch Gott!“ Sollte nicht das Geschöpf dem Schöpfer untertänig sein, dem es sein Leben verdankt, ohne den es niemals dagewesen wäre und ohne dessen fortdauernden Willen es sofort aufhören würde, zu sein? Unser Schöpfer ist unendlich gut und sein Wille ist Liebe; sich jemandem zu unterwerfen, der „zu weise ist, um zu irren, und zu gut, um unfreundlich zu sein“ sollte nicht hart sein. Wenn er ein Tyrann wäre, so möchte es mutig sein, Widerstand zu leisten, aber da er ein Vater ist, so ist es undankbar, sich zu empören. Er kann nichts tun, was nicht vollkommen gerecht ist, und er wird auch nichts tun, was sich mit den besten Interessen unseres Geschlechtes nicht vertrüge; ihm widerstehen heißt deshalb, gegen unseren eigenen Vorteil streiten und, gleich dem ungezähmten Stier, zu unserem eigenen Schaden wider den Stachel löcken. „Unterwerft euch Gott“ - das ist es, was Engel tun, was Könige und Propheten getan haben, was die besten der Menschen mit Freuden tun - es ist deshalb weder Unehre noch Schmerz darin. Die ganze Natur ist seinen Gesetzen untertänig; Sonnen und Sterne gehorchen seinem Befehl, wir werden nur im Einklang mit dem ganzen Weltall sein, wenn wir uns williger seiner Herrschaft beugen. „Unterwerft euch Gott“ - ihr müßt dies tun, ob ihr dazu bereit seid oder nicht. Wer kann gegen den Allmächtigen Stand halten? Wenn sich der kleine Mensch dem Herrn entgegensetzt, so ist das, als wenn die Spreu sich in Schlachtordnung gegen den Wind aufstellte oder Werg Krieg führen wollte mit der Flamme. Der Mensch mag genausogut versuchen, die Flut des Ozeans zurück zu wenden oder den Gang der himmlischen Heere aufzuhalten, wie wähnen, den Allmächtigen überwinden zu können. Dem ewigen Gott kann kein Widerstand geleistet werden, und jede Empörung gegen seine Herrschaft muß in gänzlicher Niederlage enden. 'Durch den Mund seines Knechtes Jesaja fordert der Herr seine Feinde heraus, indem er spricht: „Wer wird die Dornen und Disteln gegen mich in die Schlacht führen? Ich wollte durch sie hindurch gehen und wollte sie zusammen verbrennen.“ (Jes. 27,4 engl. Übersetzung). Gott wird sicher seine Gegner stürzen; er mag in seiner unendlichen Geduld dem Aufrührer gestatten, eine Weile in seiner Empörung zu verharren, aber so wahr der Herr lebt, wird er jedes Knie zwingen, vor ihm sich zu beugen, und jede Zunge, zu bekennen, daß er der lebendige Gott ist. „Unterwerft euch Gott.“ Wer wollte es nicht tun, da sich nicht zu unterwerfen jetzt Schaden und am Ende Tod bringt? Wenn wir uns dem Höchsten entgegenstellen, so muß unser Widerstreben zur Niederlage und zum Verderben führen, denn die Gegner des Herrn werden sein wie das Fette vom Widder, in Rauch sollen sie verzehrt werden. Für den, der seinem Schöpfer widerstrebt, bleibt nur ein schreckliches Warten des Gerichtes und die furchtbare Vergeltung der ewigen Strafe. Wer will so tollkühn sein, dies herauszufordern?

„Seid nun Gott untertänig“ ist eine Vorschrift, die für nachdenkende Menschen eine einfache Forderung der Vernunft ist, und es braucht wenig Beweisgründe, um sie zu unterstützen. Doch um unserer Torheit willen verstärkt sie der Text durch ein „Nun“, das wir in dem vorhergehenden Verse finden - „Gott widerstehet dem Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So seid nun Gott untertänig.“ Sein Zorn und seine Barmherzigkeit - beide fordern zur Unterwerfung auf. Wir werden sowohl dahin getrieben als auch gezogen. Die Römer pflegten von ihrem Reich zu sagen, sein Wahlspruch sei, die Besiegten zu schonen, aber gegen die Stolzen beständig Krieg zu führen. Dieses Wort veranschaulicht das Verfahren des Höchsten. Er richtet alle seine Pfeile auf die Hohen und wendet die Spitze seines Schwertes gegen die Widerspenstigen; aber sowie er Zeichen der Unterwerfung sieht, bricht sein Erbarmen hervor, und um der Verdienste seines Sohnes willen, vergibt seine reichliche Barmherzigkeit den Fehler. Ist dies nicht ein vortrefflicher Grund zur Unterwerfung? Wer kann sich weigern, durch Liebe überwunden zu werden? Wer will nicht mit unserem Gesange sagen:

Du hast gesiegt! Nimm, Herr, mich hin,
Die Gnade beugte meinen Sinn.
Ich will mich gänzlich dir ergeben;
Den Schrecken widerstand ich lang,
Doch Liebe ist's, die mich bezwang,
Wer kann der Liebe widerstehen!

Wenn Widerstand nur den allmächtigen Zorn Gottes hervorruft, aber wahre Unterwerfung dahin führt, daß wir seine reiche Gnade erlangen, wer will dann noch unter Waffen bleiben? Ich werde mich nicht dabei aufhalten, den Beweis noch weiter zu führen, sondern sofort danach streben, euch diese Vorschrift einzuprägen, so viel Gott der Heilige Geist mich dazu in den Stand setzen wird. Ich glaube, sie ist sowohl an den Heiligen als auch an den Sünder gerichtet, und deshalb werde ich sie erst dem Kind Gottes einschärfen und euch allen, die ihr den Herrn liebt, sagen: „Unterwerft euch Gott!“; und dann wollen wir uns etwas längere Zeit nehmen, um in tiefem Ernst denen, die nicht mit Gott durch den Tod seines Sohnes versöhnt sind, zu sagen: „Unterwerft euch Gott“, wenn ihr selig werden wollt.

I.

Zum Volke Gottes „Unterwerft euch Gott.“ Er ist euer Gott, euer Vater, euer Freund, ergebt euch ihm. Was bedeutet dieser Ratschlag? Er bedeutet zuerst: Bemüht euch um echte Demut. Wir tun wohl daran, einen Text nach seinem Zusammenhang zu erklären; nun ist hier der Zusammenhang: „Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade“, und deshalb muß die hier gemeinte Unterwerfung Demut einbeziehen, selbst wenn sie hier nicht die Hauptsache sein sollte. Brüder und Schwestern, laßt uns unseren rechten Platz vor Gott einnehmen. Und welcher Platz ist das? Ist es der höchste Sitz in der Synagoge? Ist es der Platz derjenigen, die Gott danken, daß sie nicht sind wie andere Menschen? Ich brauche kaum darauf zu antworten, denn ihr, die ihr Kinder Gottes seid, werdet nicht im Traum daran denken, eine solche Stellung einzunehmen. Wenn ihr aus zeitweiliger Torheit jemals prahlt, so bin ich gewiß, meine lieben Freunde, wenn ihr es in wachen, nächtlichen Stunden überdenkt, so schämt ihr euch eurer selbst und würdet froh sein, eure Worte wieder verschlucken zu können.

Ein Sünder, dem vergeben ist, und prahlen! Ein Schuldner der freien Gnade sich erheben! Es ist entsetzlich. Nichts kann mehr am unrechten Ort sein, als das Rühmen auf den Lippen eines Gotteskindes. Wenn ich Bileams Esel reden hörte, so würde ich es einem Wunder zuschreiben, daß er die Sprache des Menschen redete, aber wenn ein Mann Gottes das Eselsgeschrei der Eitelkeit hören läßt, so ist es ein Wunder anderer Art, nicht Gottes, sondern Satans. Ist es nicht eine der Grundwahrheiten unseres Glaubens, daß wir aus Gnaden selig werden? Und was sagt der Apostel? „Wo bleibt nun der Ruhm? Er ist aus.“ Das Wort „aus“ bedeutet hier ausgeschlossen. Der Ruhm kommt an die Tür, er klopft, er bittet um Einlaß, aber er ist ausgeschlossen. Möglicherweise gewinnt er durch unseren Mangel an Wachsamkeit auf einen Augenblick Eingang, aber sobald nur die Gnade Gottes, die in uns ist, uns bezeugt, daß der Eindringling in unseren Toren ist, so stößt sie ihn aus, schließt die Tür gerade vor ihm zu und sperrt ihn aus, und in Antwort auf die Frage: „Wo bleibt nun der Ruhm?“ erwidert die freie Gnade: „Er ist ausgeschlossen durch das Gesetz der Gnade!“ Wenn alles Gute, das wir haben, uns umsonst durch göttliche Gunst gegeben ist, weshalb könnten wir uns dann rühmen? Wenn wir den höchsten Grad der Geistlichkeit besitzen, wenn unser Leben vollkommen rein von allen offenbaren Fehlern ist, und wenn unser Herz ganz dem Herrn geweiht ist, so sind wir doch unnütze Knechte; wir haben nicht mehr als unsere Schuldigkeit getan, und in vielen Dingen fehlen wir und mangeln des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollten. Die richtige Herzensstellung für eine Christen ist, mit tiefer Demut vor Gott zu wandeln und mit Sanftmut gegen seine Mitchristen. Der niedrigste Ort ziemt uns am besten und der niedrigste Sitz an diesem Ort. Sehr auf Paulus, der viel mehr von Christus wußte als wir und ihm viel besser diente. Es ist erbaulich, seine Ausdrücke zu beachten. Er ist ein Apostel, und er will auf keine Weise irgend jemand erlauben, seine Berufung in Frage zu stellen, denn er hat sie von dem Herrn empfangen; aber was sagt er? „Nicht wert, daß ich ein Apostel heiße“. Was kann niedriger sein als dies? Aber wir sehen ihn noch viel tiefer hinabsteigen. Er nimmt seinen Platz unter den gewöhnlichen Heiligen ein, und er will nicht sein Recht aufgeben, zu ihnen gezählt zu werden, denn er hat seine Berufung und Erwählung fest gemacht; aber wo sitzt er unter dem Volke Gottes? Er nennt sich „den Allergeringsten unter den Heiligen.“ Es ist kein geringes Herabsteigen von „nicht wert ein Apostel zu heißen“ zu „dem Allergeringsten unter den Heiligen“, aber er geht noch tiefer herunter, denn ein anderes Mal bekennt er, daß er noch stets ein Sünder ist und wenn er in die Gesellschaft von Sündern kommt, wohin stellt er sich? Er schreibt sich nieder als „den vornehmsten unter den Sündern“. Das ist Unterwerfung unter Gott, wahre Übergabe jeder stolzen Anmaßung, jedes eingebildeten Anspruches. Wenn der Herr, meine Brüder, uns berufen hat, Prediger zu sein, laßt uns immer fühlen, daß wir so großer Gnade nicht würdig sind; wenn er uns zu Heiligen gemacht hat, so laßt uns bekennen, daß der geringste unserer Brüder mehr von uns geachtet wird, als wir uns uns selber achten dürfen; und da wir wissen, daß wir Sünder sind, laßt uns unsere Sünden von der Seite ansehen, die am meisten ihre Schändlichkeit enthält, denn in einiger Hinsicht und in einem gewissen Licht ist in unserem Charakter etwas Böses, das uns schuldiger macht als die übrigen unserer Mitsünder. Die Blutbank und der Fuß des Kreuzes sind die Lieblingsplätze der unterrichteten Christen.

Solche Demut ist durchaus nicht unverträglich mit dem Glauben, daß wir errettet sind, auch nicht mit der vollsten Glaubenszuversicht, nein, durchaus nicht unverträglich mit dem vertrautesten Verkehr mit Gott. Hört auf Abraham: „Ich habe mich unterwunden, zu reden mit dem Herrn, wiewohl ich Erde und Asche bin.“ Er ist dem Herrn sehr nahe getreten und redet mit ihm, wie ein Mann mit seinem Freund redet - und doch sagt er:. „wiewohl ich Erde und Asche bin.“ Seine Kühnheit vernichtet nicht seine Demut, ebensowenig hinderte ihn das Gefühl seines nichts, sich dem Herrn zu nahen. Meine lieben Brüder, wir wissen, daß wir in Christus angenommen sind, wir wissen, daß wir Gott teuer sind und daß er uns von je her geliebt hat, wir wissen, daß er beständig unsere Gebete hört und erhört, wir wissen, daß wir in dem Licht seines Angesichtes wandeln; aber doch sollte unser Nahen vor dem Herrn immer in tiefer Demütigung sein und in der Stellung völliger Unterwerfung sollten wir zu des Meisters Füßen sitzen und sprechen: „Von Gottes Gnaden bin ich, was ich bin.“ Möge der Heilige Geist diese demütige Unterwerfung in jeder wiedergeborenen Seele bewirken.

Laßt uns nun betrachten, daß unser Text eine zweite Bedeutung hat, nämlich die der Unterwerfung unter den göttlichen Willen; das wird euch natürlich in den Worten des Verses gleich entgegentreten: „So seid nun Gott untertänig.“ Geliebte christliche Freunde, seid willig, alles anzunehmen, was Gott bestimmt. Laßt uns also sprechen:

„Wie gut ist's, aller Sorgen los,
Sanft wie ein Kind in seinem Schoß
Ausruh'n von eignen Werken!“

Ist es in der Tat so mit uns? Sind nicht einige von euch sehr weit davon entfernt? Seid ihr ganz gewiß, daß ihr dem göttlichen Willen untertänig seid, was euren Rang in der Gesellschaft angeht? Habt ihr eure Stellung im Stufengang des weltlichen Reichtums eingenommen? Seid ihr damit zufrieden, kränklich, unbeachtet oder von geringer Fähigkeit zu sein? Ist Gottes Bestimmung eure Befriedigung? Zu viele Bekenner Christi hadern mit Gott, weil sie nicht anders sind als sie sind. Dies ist übel und zeigt, daß noch Stolz in ihrem Herzen ist, denn wären sie sich bewußt, was sie verdienen, so würden sie wissen, daß Alles, was weniger ist als die Hölle, mehr ist, als was wir verdienen; und so lange wir nicht in dem Abgrund der Qual sind, gebührt uns Dankbarkeit. Es ist ein gutes Ding, wenn unser Gemüt dahin gebracht ist, sich allen Züchtigungen Gottes zu unterwerfen und gelassen zu sein bei allen Prüfungen, die er sendet. Da wir ja wissen, daß uns alle Dinge zum Besten dienen und daß wir niemals einen Schlag mehr erdulden als unser himmlischer Vater für notwendig anerkennt, so sind wir verpflichtet, uns freudig allem, was er verhängt, zu unterwerfen. Obwohl das Leiden, so lange es da ist, nicht Freude, sondern Schmerz bringt, sollten wir uns doch darin ergeben, um der Folgen willen. Selbst die Tiere des Feldes können uns dies lehren. Ich las neulich von einem Elefanten, der erblindet war; er wurde zum Arzt gebracht, und dieser legte eine kräftige Arznei auf das Auge, die großen Schmerz verursachte, und natürlich war das große Tier sehr unruhig während der Operation. Nach einer Weile begann er ein wenig zu sehen, und als er am nächsten Tag zum Chirurgen gebracht wurde, war er so sanft wie ein Lamm, denn er hatte offenbar wahrgenommen, daß das schmerzende Mittel Gutes bewirkt hatte. Wenn ein solches Geschöpf Verstand genug hat, das Wohltätige zu bemerken und den Schmerz anzunehmen, wie viel mehr sollten wir das! Da wir wissen, daß wir unendlichen Segen der Rute des Bundes zu danken haben, so sollten wir willig sein, unsere Rücken der Geißel zu entblößen und den Herrn mit uns tun zu lassen, wie er will. Ja, ich gehe darüber hinaus, selbst wenn wir nicht wüßten, daß Gutes daraus entspränge, sollten wir uns unterwerfen, weil es des Herrn Wille ist, denn er hat ein Recht, mit uns zu tun, was er will. Könntest du dies unterschreiben? Kannst du dich als ein wahres Kind ganz dem Wohlgefallen deines Vaters übergeben? Wenn nicht, so hast du noch nicht völlig Christi Sinn gelernt. Es ist etwas Großes, wenn unsere Seele sich Gott in Allem unterwirft so daß wir nie wünschen, irgend etwas in Gottes Verordnungen anders zu haben, als Gott es will, noch irgend etwas in seinem Wort verändert wünschen; nicht eine verordnete Handlung der Kirche Gottes, nicht eine Lehre der Offenbarung, nicht eine Vorschrift oder Warnung anders , als sie ist. Wir werden nie Ruhe genießen, bis wir dahin kommen. Es ist zu unserem Glück notwendig, immer zu sagen: „Doch nicht, wie ich will, sondern wie du es willst.“ Brüder und Schwestern, sollte es nicht so sein? Wer anders sollte in dem Haus regieren als der Vater? Wer anders sollte über den Körper herrschen, wenn nicht das Haupt? Wer sollte die Herde führen als der Hirte? Wir verdanken Jesus so viel und gehören ihm so gänzlich an, daß wir alle, selbst wenn es zur Wahl stünde, unsere Stimmen dafür abgeben würden, daß der Herr Jesus König, Haupt und Herrscher unter uns sein sollte; denn ist er nicht der Erstgeborene unter vielen Brüdern? Unterwerft euch also, meine Brüder. Bittet den Heiligen Geist, euren Willen zu beugen bis zur völligen Unterwerfung. Ihr werdet nie glücklich sein, bis das „Ich“ entthront ist. Ich kenne einige Kinder Gottes, die in großer Not sind, nur weil sie sich dem göttlichen Willen nicht ergeben wollen. Ich sah eine, ich glaube, eine gute Schwester, die sagte, sie könne Gott nicht vergeben, daß er ihre Mutter hinweggenommen hat; und ein anderer Freund sagte, er könne Gott nicht für einen guten Gott ansehen, da er ihn solch schreckliche Leiden habe erdulden lassen. Ihr feuriger Ofen wurde siebenmal heißer gemacht durch das Brennmaterial der Empörung, das sie hineinwarfen. So lange wir den Herrn tadeln und ihm sein Recht streitig machen, wird unsere selbstquälerische Seele hin und hergeworfen werden. Kein Vater kann seinem Knaben die kleine Hand im Trotz halten sehen und doch das Kind mit derselben Liebe und Zärtlichkeit behandeln wie seine anderen Kinder, die sich ihm unterwerfen. Du kannst dich des Lächelns deines himmlischen Vaters nicht erfreuen, mein lieber Bruder, bis du aufhörst, dich ihm entgegenzusetzen und in dem strittigen Punkt nachgibst; denn er hat gesagt, wenn wir ihm entgegen wandelten, wollte er auch uns entgegen wandeln. Es wird weise sein, wenn du ausrufst: „Mein Vater, mein leichtfertiger Geist hat sich gegen dich empört, mein gottloses Herz hat gewagt, an dir zu zweifeln; aber ich höre damit jetzt auf; laß es sein, wie du es willst, denn ich weiß, daß du das Rechte tust.“ So meint der Text zuerst Demut und dann Unterwerfung unter den Willen des Herrn. Herr, lehre uns beides.

Auch Gehorsam ist gemeint. Liege nicht bloß untätig da und unterwirf dich der Notwendigkeit deiner Lage, sondern gürte die Lenden deines Gemütes, und zeige eine freiwillige und tätige Unterwerfung unter deinen großen Herrn. Die Stellung eines Christen sollte die eines Kriegers sein, zu dem der Hauptmann spricht: „Geh!“ und er geht, und „Tue dies!“ und er tut es. Es ist nicht unsere Sache, zu fragen, denn dies hieße Herren werden; sondern an uns ist es, ohne Fragen zu gehorchen, wie die Soldaten es tun. Unterwerfung unter unseren Herrn und Heiland wird durch raschen Gehorsam gezeigt; Aufschieben ist dem Wesen nach Insubordination, und Vernachlässigung eine Art der Empörung. Ich fürchte, es sind einige Christen hier, deren Ungehorsam gegen Christus ein Beweis ihres Stolzes ist. Man mag sagen, sie wissen nicht, daß die und die Pflicht ihnen obliegt. Ah, aber es gibt eine hochmütige Unwissenheit, die sich nicht darum kümmert, zu wissen, einen Stolz, der das Gebot des Herrn verachtet und es für nicht wesentlich und unwichtig hält. Läßt eine solche Geringschätzung sich rechtfertigen? Ist dies die rechte Gemütsstimmung, in der ein Diener des Herrn zu verharren hat? Kann uns irgend ein Punkt im Willen unseres Herrn unwichtig sein? Kann der Wunsch eines teuren Freundes unbedeutend sein für die, die ihn lieben? Hat Jesus gesprochen: „Wenn ihr mich liebet, so haltet meine Gebote!“; und soll ich sie wie Dinge von keinem Belang behandeln? Nein, mein Herr, wenn es das Aufheben eines Steines von der Straße wäre, wenn es das Entfernen eines verdorrten Blattes oder das Wegbürsten eines Spinnennetzes wäre, wenn du es befiehlst, so wird es sofort wichtig - wichtig für meine liebevolle Anhänglichkeit, damit ich durch meinen raschen Gehorsam zeige, wie völlig ich mich dir unterwerfe. Die Liebe wird oft mehr in kleinen als in großen Dingen gesehen. Ihr mögt in eurem Haus eine Magd haben, die keine Anhänglichkeit für euch hat und doch alle notwendigen Arbeiten in der Haushaltung verrichtet, aber das liebende Kind achtet auf jene Kleinigkeiten, die die Unannehmlichkeiten des Lebens ausmachen und der Prüfstein der Zuneigung sind. Laßt eure Liebe sich in kindlichem Gehorsam zeigen, der seines Meisters Willen in allen Dingen zu tun strebt.

Ich fürchte, es gibt einige, die ihrem Meister nicht gehorchen, weil sie stolz genug sind, zu glauben, daß sie es besser wissen als er; sie richten den Willen des Herrn, anstatt ihm zu gehorchen. Bist du ein Richter des Gesetzes, mein Bruder? Solltest du auf dem Richterstuhl sitzen und von dieser oder von jener Verordnung des Gesetzes sagen: „Auf diese kommt es nicht an“ oder „Dies kann ohne Schaden für mich bei Seite gesetzt werden“? Dies ist nicht nach dem Sinn Christi, der seines Vaters Willen vollführte und keine Fragen stellte. Wenn ihr das nächste Mal betet: „Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden“, dann denkt daran, wie jene vor dem Thron Gottes diesen Willen tun, ohne Zögern, Aufschub oder Erörterung, da sie jedem Wunsch des Höchsten ganz untertan sind. So, liebe Brüder, „Unterwerft euch Gott!“

Der Ausdruck ist jedoch nicht gut ausgelegt, wenn ich nicht noch eine andere Erklärung hinzufüge, und vielleicht habe ich selbst dann seine Bedeutung nicht vollständig gedeutet. „Unterwerft euch Gott“, indem ihr eure Herzen den Regungen des Heiligen Geistes hingebt, indem ihr empfänglich, den Eindrücken offen und leicht bewegt seid. Der Geist Gottes hat schwere Arbeit mit manchen Christen, um sie auf den rechten Weg zu leiten; sie sind wie Rosse und Maultiere, die keinen Verstand haben, denen man Zaum und Gebiß anlegen muß. Da steht die starke Eiche in dem Wald, und der Orkan heult über sie dahin, aber sie wird nicht bewegt, doch das Schilf am Fluß gibt dem leisesten Windhauch nach. Nun, obwohl ihr in manchen Dingen gleich der Eiche und nicht gleich dem Schilf sein sollt, so seid doch in diesem Stück gleich dem Binsenrohr und werdet von dem leisesten Hauch des Geistes Gottes bewegt. Die Platten des Fotografen werden durch ein besonderes Verfahren sensitiv gemacht; ihr könnt eine andere Glasplatte nehmen und euer Freund mag davor stehen, so lange es ihm gefällt, und kein Eindruck wird hervorgebracht werden, wenigstens keiner, der dem Auge sichtbar wird; aber die Sensitivplatte zeigt jede kleine Falte des Gesichtes und gibt jedes Haar des Hauptes wieder. O, daß wir durch den Geist Gottes so sensitiv gemacht würden und wir können es, indem wir uns ganz seinem Willen unterwerfen. Ist nicht eine Verheißung dafür da? „Ich will das steinerne Herz wegnehmen aus eurem Leibe und ein fleischernes Herz geben.“

Zuweilen flüstert der Geist Gottes euch zu: „Zieh dich zurück, um zu beten.“ Zu solchen Zeiten geht sofort in euer Betkämmerlein. Denkt daran, wie David spricht: „Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz suchen. Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.“ Der Geist Gottes wird euch mitunter zu einer Pflicht antreiben, die Selbstverleugnung fordert, die viel von eurer Muße hinwegnimmt und euch keine große Ehre zum Lohn bringt. Seid seinem Ruf nicht ungehorsam, sondern geht rasch ans Werk. Sprecht mit dem Psalmisten: „Ich eile und schäme mich nicht, zu halten deine Gebote.“ Der Geist drängt uns zu Zeiten zu tiefer Reue über Fehler, in denen wir gelebt haben, er straft uns wegen einer üblen Stimmung, der wir Raum gegeben oder wegen eines harten Wortes, das wir gegen einen Bruder gesprochen, oder wegen der Weltlichkeit unseres Sinnes, in die wir hineingeraten sind. O Bruder, mache dich auf zu solcher Zeit und prüfe und reinige deine Seele. Laß dir einen Wink des Heiligen Geistes genug sein. Wie das Auge der Magd auf ihre Herrin gerichtet ist, so laßt euer Auge auf euren Herrn gerichtet sein. Die Herrin braucht nicht immer zu ihrer Magd zu sprechen; es geschieht oft, wenn diese bei Tisch bedient und Freunde da sind, daß sie nur ein Zeichen mit dem Kopf oder Finger macht, und dies ist genug. Sie ruft nicht: „Marie, tue dies oder das!“, und spricht nicht ein Dutzend Mal laut mit ihr, wie der Herr es mit uns tun muß, sondern ein Wink genügt. So sollte es mit uns sein; ein halbes Wort von dem göttlichen Geist, die leiseste Regung von ihm sollte genug zur Leitung sein und sofort sollten wir nach seinem Befehl handeln. In dieser Sache ist es nicht so sehr eure Tätigkeit wie eure Unterwerfung unter den Heiligen Geist, die nötig ist; es ist nicht so sehr euer Laufen, als eure Bereitschaft, euch von ihm ziehen zu lassen. Es soll eine Tätigkeit in der Religion sein; wir sollen ringen und kämpfen, aber daneben sollen wir uns dem Antrieb des Geistes hingeben, denn er ist es, der in uns das Wollen und Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen; er arbeitet mächtig in uns, und wenn wir uns nur ergeben wollen und nicht länger Hindernisse auf seinem göttlichen Weg sind, so will er uns zu größeren Gnadenhöhen emportragen und das Bild Christi völliger in uns herstellen. „Unterwerft euch Gott!“ Lernt, wie süß es ist, gelassen in seiner Hand zu liegen und keinen Willen zu kennen als den seinigen; lernt, wie selig es ist, euch ganz seiner göttlichen Regierung zu überlassen, denn wenn ihr das tut, so werdet ihr in einen Himmel auf Erden eingehen.

II.

Nun kommen wir zu dem Teil unserer Rede, bei dem wir Gott den Heiligen Geist endlich bitten müssen, uns doppelt zu helfen. Ich wünsche nun, mit denen zu reden, die nicht errettet sind, aber einiges Verlangen tragen, es zu werden. Ich danke Gott, wenn nur der leiseste Wunsch dieser Art da ist. Möchte er sofort zu einer ungestümen Sehnsucht erwachsen; ja, möchte dieses Sehnen noch heute Morgen erfüllt werdet und möchtet ihr dieses Haus als Errettete verlassen. Ihr sagt mir, daß ihr seit einiger Zeit um eure Seele in Sorgen gewesen seid, aber keinen Fortschritt gemacht habt. Ihr habt große Anstrengungen gemacht, ihr habt fleißig die Gnadenmittel benutzt, in der Schrift geforscht und gebetet, aber ihr könnt nicht vorwärts kommen. Es ist sehr gut möglich, mein lieber Freund, daß der Grund der ist, daß du dich nicht Gott unterworfen hast; du versuchst, etwas zu tun, während das Beste sein würde, von dir selber abzusehen und dich in die Hand des Heilandes fallen zu lassen, der dich selig machen kann, obwohl du selber nicht imstande bist, dich selig zu machen. Für ein stolzes Herz ist es das schwerste, sich zu unterwerfen. Findest du es so? „Keine Übergabe“ ist der Wahlspruch des eigensinnigen Sünders.

Ich habe Menschen gekannt, die ihre Leiber eher hätten verbrennen lassen, als sich Gott zu ergeben. Ihr Hochmut hat lange Zeit dem Höchsten widerstanden, und sie sind kleine Pharao gewesen, bis der Herr sie zur Besinnung gebracht hat. „Muß ich nachgeben, muß ich mich zu seinen Füßen beugen?“ Sie konnten solche Demütigung nicht ertragen. Wenn das Evangelium ihren Stolz geduldet hätte und ihnen ein wenig Verdienst gelassen, hätten sie es mit Freuden angenommen; aber in den Staub geworfen zu werden und ihr eigenes Nichts bekennen zu müssen, das konnten sie nicht tragen. „Unterwerft euch!“ ist Wermut und Galle für hochmütige Sünder, dennoch müssen sie den Kelch trinken oder sterben. Hört also, ihr Trotzigen, ihr könnt niemals selig werden, es sei denn, daß ihr euch unterwerft - und wenn ihr selig werdet, so wird einer der Hauptpunkte in eurem Heil der sein, daß ihr euch unterworfen habt. Ich möchte euch eine kleine Wahrheit ins Ohr flüstern, und ich bete, daß sie euch aufschrecken möchte: Ihr unterwerft euch eben jetzt! Du sagst: „Ich nicht, ich bin mein eigener Herr!“ Ich weiß, daß du das glaubst, aber die ganze Zeit über unterwirfst du dich dem Teufel. Der Vers, den wir vor uns haben, deutet dies an: „So seid nun Gott untertänig; widerstehet dem Teufel, so fliehet er von euch.“ Wenn ihr euch nicht Gott unterwerft, so werdet ihr niemals dem Teufel widerstehen, sondern beständig unter seiner tyrannischen Gewalt bleiben. Wer soll euer Herr sein, Gott oder der Teufel, denn einer von beiden muß es sein. Kein Mensch ist ohne einen Herrn: die eine oder die andere Macht ist vorherrschend in uns, entweder das Gute oder das Böse ist das Höchste in unserem Herzen; und wenn wir uns nicht von dem Guten regieren lassen wollen, so hat das Böse schon die Überhand gewonnen.

„Wie soll ich mich den unterwerfen,“ sagt jemand: Wem soll ich mich unterwerfen und in welcher Hinsicht? Nun wohl, zuerst unterwirf dich, wenn du selig werden willst, dem Wort Gottes. Glaube, daß es wahr ist. Wenn du es für wahr hältst, so unterwirf dich seiner Macht. Klagt es dich an? Bekenne die Anklage. Verdammt es dich? Erkenne dich als schuldig. Hält es dir eine Hoffnung vor? Ergreife sie. Befiehlt es dir? Gehorche. Führt es dich? Folge. Ermuntert es dich? Glaube. Unterwirf dich ihm, der sich in diesem heiligen Buch als der Heiland aller derer darstellt, die die Waffen ihrer Empörung niederwerfen wollen und ihren fruchtlosen Krieg beenden, indem sie sich auf seine Macht, sie zu erretten, verlassen.

Unterwirf dich danach deinem Gewissen. Du hast mit deinem Gewissen gezankt und dieses mit dir. Es besteht darauf, zu reden und du wünschtest, es möchte schweigen. Nach den Zerstreuungen, in der Stille, die nach einem Sturm schlechter Vergnügungen kommt, wird eine Stimme gehört, die spricht: „Ist dies recht? Ist dies gefahrlos? Wird dies dauern? Was wird das Ende hiervon sein? Würde es nicht besser sein, etwas Besseres und Edleres als dieses zu suchen?“ Gott spricht oft zu dem Menschen durch die leise, sanfte Stimme des Gewissens. Öffne dann dein Ohr und horche. Dein Gewissen kann dich nicht verletzen; es mag dich beunruhigen, aber es ist gut, beunruhigt zu werden, wenn der Friede zum Tod führt. Der war ein Narr, der den wachsamen Hund tötete, weil er ihn störte, als die Diebe in sein Haus einbrachen. Wenn dein Gewissen dir etwas vorwirft, fühle den Vorwurf und beachte den Tadel. Es ist dein bester Freund; treu gemeint sind seine freundschaftlichen Verwundungen, aber die Küsse eines schmeichelnden Feindes sind trügerisch.

Gott sendet auch viele Boten. Einigen von euch hat er die liebevollsten Warner zugesandt, hört auf ihr Mahnungen und beachtet ihre freundlichen Warnungen, denn sie meinen es gut mit eurer Seele. Ist es schwer, Sohn, ist es schwer, dich zu unterwerfen, wenn die Botschaft aus dem liebenden Mund der Mutter kommt, wenn ihre Tränen jedes Wort benetzen, das sie spricht? Es muß für einige von euch schwierig gewesen sein in euren jungen Tagen, gegen einer Mutter Flehen Stand zu halten, wenn sie euch nicht nur zum Himmel wies, sondern auf dem Weg selbst voranging; nicht nur von Jesus sprach, sondern auch seine Liebe in ihrem täglichen Wandeln und Handeln widerspiegelte. Du hast eine Schwester, junger Mann, die du liebst und achtest; du kannst kaum sagen, welch ein Gegenstand der Bewunderung sie für dich ist. Nun, jenen Brief von ihr, über den du scherztest; du fühltest ihn dennoch. Gib seinen rührenden Bitten nach, gib seinem liebevollen Flehen nach. Bedenke, Gott hat andere Boten, die er senden wird, wenn diese freundlichen nicht genügen. Er wird dir bald eine ernstere Vorladung senden. Wenn du auf das sanfte Wort nicht hörst, auf die leise, freundliche Stimme, so kann er die strengeren Boten, die Boten der Krankheit und des Todes schicken. Sei nicht so töricht, ihn dazu anzureizen.

Noch mehr, unterwerft euch Gott, da er euch vielleicht seine Boten in ernsterer Gestalt schon gesandt hat. Vor ein paar Tagen erst verlorst du deinen alten Freund. Manchen vergnügten Tag hattet ihr zusammen verbracht, und manche lustige Nacht dazu; er war anscheinend eben so gesund wie du, aber er wurde niedergestreckt, und du folgtest ihm zum Grab. Spricht keine Stimme aus der frischen Gruft zu dir? Mir scheint, dein Freund in seinem plötzlichen Ende war eine Warnung für dich, zu einem gleichen Hinscheiden bereit zu sein. Du hast selbst auch an warnenden Krankheitssymptomen gelitten; vielleicht bist du wirklich krank gewesen und hast da liegen müssen, wo deine einzige Aussicht die Ewigkeit war; eine furchtbare Ewigkeit, die auf dich wartete. Du zitterst, in sie hinein zu blicken, aber sogar der Ton in der Stimme deines Arztes zwang dich, es zu tun. Du fürchtetest, diesen Körper verlassen zu müssen, und du konntest nicht umhin, dir zu sagen: Wohin soll ich fliehen? Mein nackter Geist, wohin muß er gehen, wenn er einmal die warme Umhüllung dieses Hauses von Erde verläßt? Es ist nicht den zehnten Teil so sehr meine Sache, als es die deinige ist, - aber ich beschwöre dich, höre die Stimme dieser Schickungen; achte auf diesen ernsten Ruf. Der Engel des Todes hat an der Seite deines Bettes gestanden und dich bezeichnet und gesprochen: „Junger Mann, es ist dieses Mal das Fieber, und du magst genesen, aber das nächste Mal wirst du nicht wieder von dem Bette aufstehen, auf dem du liegst; oder, du bist diesmal vor einem schrecklichen Unglücksfall behütet worden, aber das nächste Mal wird kein Entrinnen für dich sein. Weil ich dies tun will, bereite dich, deinem Gott zu begegnen.“

Über alles, bitte ich euch, unterwerft euch den Einflüsterungen von Gottes Heiligem Geist, wenn ihr so etwas vernehmt. Gottes Heiliger Geist zieht nicht jeden Menschen auf gleiche Weise. Einige haben ihn so betrübt, daß er aufgehört hat, sie zu ziehen oder dies nur sehr selten tut, und dann widerstehen sie so seinem Zug, daß dieser niemals lange andauert. Der schlechteste Mensch, der lebt, hat seine besseren Augenblicke, der Sorgloseste hat einige ernste Gedanken; sie sind lichte Zwischenräume in dem Wahnsinn des fleischlichen Vergnügens. Zu solchen Zeiten hören die Menschen, was sie „ihr besseres Selbst“ nennen. Es ist aber nichts weniger als das. Ich nenne es lieber die allgemeinen Mahnungen des Geistes Gottes in ihren Seelen. Er spricht zu ihnen: „Ist das richtig? Ist das weise? Dieses Tändeln, dieses Zeittotschlagen, dieses Erniedrigen der Seele, wo du den sinnlichen Begierden erlaubst, zu herrschen, dieses Herabsinken des Menschen auf die Stufe des Viehs, kann das recht sein? Gibt es keine Ewigkeit? Gibt es keine Unsterblichkeit, keinen Gott, kein zukünftiges Gericht?“ Der Heilige Geist öffnet manchmal die Augen des Menschen, wie der die Augen Bileams auftat, und läßt ihn die Gewißheit des Gerichtstages und die Nähe seines Kommens erblicken. Er läßt den Menschen schon im Voraus den Posaunenton hören, der dieses Gericht ankündigt, das Kommen des Richters auf seinem großen, weißen Thron, das Versammeln der Lebendigen und der Toten, das Auftun der Bücher, das Teilen der Menge, das Wegtreiben der Böcke zu ihrer ewigen Strafe, und den Eingang der Gerechten in die ewige Freude. O, wenn er euch alles dieses fühlen läßt, ich bitte euch, unterwerft euch dem. Es kostet einzelne Menschen sehr viel, verdammt zu werden. Mancher, der lästert und ungläubig redet, tut dies nur, um seinen inneren Kampf zu verbergen. Wie der Knabe, der pfeift, wenn er über den Friedhof geht, um seinen Mut aufrecht zu halten, reden sie Lästerungen, um ihre Seele von ihrer inneren Furcht abzuziehen. Der, der am trotzigsten in der Äußerung seines Unglaubens ist, ist nicht der größte Ungläubige. Wenn die Heiden ihre Kinder dem Moloch opferten, so schlugen sie ihre Trommeln, um das Geschrei der Opfer zu übertönen, und eben so machen diese Menschen einen großen Lärm, um die Stimmen des Gewissens zu übertönen. Der Mann weiß es besser, und ich bitte ihn dringend, dieses bessere Wissen in den Vordergrund treten und sich dadurch zu seinem Gott und Vater führen zu lassen. Es wird eine selige Sache für ihn sein, wenn das noch heute geschieht. „Unterwerft euch Gott.“

Wenn ihr euch wieder fragt: „In welcher Hinsicht soll ich mich unterwerfen?“ antworte ich, so kurz ich kann, zuerst: Unterwirf dich, indem du deine Sünde bekennst. Rufe Peccari. Beharre nicht in deinem Trotz und sprich nicht: „Ich habe nicht gesündigt.“ Dir wird nie vergeben, so lange dies der Fall ist. „Wer seine Missetat bekennt und läßt, der wird Barmherzigkeit erlangen.“ Sünder, wähle eines von diesen zwei Dingen: Richte dich selbst oder werde von Gott gerichtet. Wenn du dich selbst richten und dich schuldig bekennen willst, dann will der große Richter dir Vergebung gewähren, aber nicht anders. Verdamme dich selbst und du wirst nicht verdammt werden. Bekenne, daß die Klage gegen dich wahr ist, denn wahr ist sie - und sie leugnen, heißt deine Verurteilung besiegeln.

Danach, ehre das Gesetz, das dich verurteilt. Beharre nicht dabei, Fehler daran zu finden und zu sagen, es sei zu streng und verlange zu viel von einem armen, fehlbaren Geschöpf. Das Gesetz ist heilig und gerecht und gut. Beuge deine Lippen nieder und küsse es, wenn es dich auch verdammt, und sprich: „Obwohl es mich der Schuld anklagt und mich tödlicher Sünde überführt, so ist es doch ein gutes Gesetz und darf nicht geändert werden, nicht einmal, um mich zu retten.“

Danach erkenne die Gerechtigkeit der Strafe an. Deine Sünde verdammt dich zur Hölle; sage nicht: „Gott ist zu streng, das ist eine Strafe, die nicht im Verhältnis zur Beleidigung steht.“ Dir wird niemals vergeben, wenn du so denkst. Gott wird jedoch in deiner Verdammung gerechtfertigt werden: der Stolz deines Herzens wird ein schneller Zeuge gegen dich sein. Bekenne mit deinem Herzen: „Wenn meine Seele in die Hölle geworfen würde, so wäre es nicht mehr , als ich verdiente.“ Wenn du die Schuld bekannt und das Gesetz geehrt und die Gerechtigkeit der Strafe zugestanden hast, dann näherst du dich dem Zustand, in dem Gott barmherzig gegen dich sein kann.

Unterwirf dich, Sünder - ich bitte dich, tu es jetzt - unterwirf dich Gott als deinem König. Wirf deine Waffen nieder; nimm den Helmbusch ab und tue diese Gewänder des Stolzes von dir. Übergib dich auf Gnade und Ungnade und sprich: „Herr Gott, ich erkenne dich jetzt als König an; ich will nicht länger wie der trotzige Pharao fragen: „Wer ist der Herr, dessen Stimme ich hören muß?“, sondern wie jemand, der zur Besinnung gebracht ist, unterwerfe ich mich, wie Vernunft und Gnade es raten.“ Es wird dir gut gehen, wenn du eine völlige Kapitulation machst, eine unbedingte Übergabe. Öffne weit die Tore der Stadt Menschenseele, und laß den Fürsten Immanuel ein, um als alleiniger Herrscher in jeder Straße der Stadt zu regieren. Bestreite nicht länger sein Herrscherrecht, sondern bete, daß er dich zu einem legalen, in allen Dingen gehorsamen Untertanen macht. Du wirst Gnade vor den Augen des Herrn finden, wenn du das tust.

Weiter, unterwirf dich Gottes Weise, dich selig zu machen. Gottes Weise ist, dich durch Gnade, nicht durch dein Verdienst, selig zu machen; durch das Blut Jesu, nicht durch deine Tränen und Leiden. Er will dich gerecht machen, wenn du jetzt einfach auf Jesus vertraust. Dein stolzes Herz bewundert nicht den Heilsweg des Herrn; du stehst auf und sagst: „Wie verträgt sich dies mit Sittlichkeit?“ Als wenn du der Hüter der Sittlichkeit wärst, als wenn der König des Himmels und der Erde nicht für die Sittlichkeit sorgen könnte ohne deinen Beistand. Wer bist du, daß du mit einem Mal der Vorkämpfer der Sittlichkeit wirst? Wie darfst du meinen, der dreimal heilige Gott werde dafür nicht Sorge tragen? Wenn du es nicht willst, so ist keine Hoffnung für dich; wenn du es willst, so bist du gerettet in dem Augenblick, wo du glaubst, von der Schuld der Sünde dadurch errettet zu sein, daß du auf Jesus vertraust.

Du mußt dich auch auf Gnade und Ungnade seiner Verfahrensweise mit dir unterwerfen. Einer sagt: „Ich würde an Jesus glauben, wenn ich das Grauen und Entsetzen fühlte, das einige um der Sünde willen empfunden haben.“ Was verlangst du, daß Gott dich durch Grauen und Entsetzen schleppen soll, ehe du glauben willst? Unterwirf dich dem, auf einem sanfteren Weg errettet zu werden. „Aber ich lese von einem,“ sagt ein anderer, „der einen Traum hatte; ich würde glauben, wenn ich auch eine Vision sähe.“ Muß Gott dir Träume geben? Muß er deinen Bedienten spielen und dich auf deine Weise erretten? Er sagt dir deutlich: „Wenn du an den Herrn Jesus Christus glaubst, so wirst du selig werden.“ Willst du glauben oder nicht? Denn wenn du es nicht tust, können weder Träume noch Visionen noch Entsetzen noch irgend etwas Anderes dich erretten. Da ist Gottes Weg, Sünder, ich frage dich, und vielleicht wird deine Antwort auf ewig dein Schicksal entscheiden, willst du diesem Weg folgen oder nicht? Wenn du es nicht willst, so hast du dein eigenes Verderben erwählt; aber wenn du es willst und dich darin ergeben willst, durch Glauben an Jesus Christus selig zu werden, so steht es gut um dich. Ich weiß, es sind einige hier, deren Herzen nahe daran sind, zu zerspringen, denn ihr zerbrochener Geist sagt: „Ich ergebe mich sogleich. O, wenn er mich nur retten wollte!“ Wie froh bin ich, euch so sprechen zu hören, denn „dem Demütigen gibt er Gnade.“ Ich erinnere mich der Zeit, wo ich stand und zu Gott schrie: „O Gott, wenn ich auf einem Krankenbett liegen muß, bis ich sterbe, es ist mir einerlei, wenn du nur Erbarmen mit mir haben willst; wenn du nur meinen stolzen Willen besiegen willst und einen neuen Menschen aus mir machen, so magst du mit mir tun, was dir gefällt; nur errette mich von der Schuld und Macht der Sünde.“ Als der Herr mich so weit heruntergebracht hatte, da war es, wo er mich fähig machte, Leben und Seligkeit in Jesus Christus zu sehen; und wenn er dich zu diesem Punkt hinuntergebracht hat, Sünder, dann hast du nichts zu tun als dem Herrn Jesus Christus zu vertrauen, und du bist sicher errettet. Wenn er dich dahin bringt, dich zu unterwerfen, so hat er dir seine Gnade gegeben. Unterwerfung unter seinen göttlichen Willen ist das Wesen des Heils. Nun, wer will sich ergeben? Wer will sich sofort ergeben? Der Meister ist unter uns getreten, der König selber ist hier, euer Schöpfer, euer Erlöser; seht die Zeichen seiner Wunden, seht die Male in seinen Händen, Füßen und seiner Seite! Er fragt dich: „Willst du dich mir unterwerfen? Willst du deine Waffen niederlegen? Willst du den Kampf beenden? Willst du dich auf Gnade und Ungnade ergeben?“ Wenn das so ist, so gibt er dir seine Hand und spricht: „Gehe hin in Frieden; es ist Frieden zwischen mir und dir!“ „Küsset den Sohn, daß er nicht zürne, und ihr umkommt auf dem Wege, denn sein Zorn wird bald anbrennen.“ Ich bat den Herrn, mir viele Seelen zu geben, und ich glaube, ich werde sie heute Morgen haben; ich fühle dies ganz sicher. Gewährt mir diese Gunst; wenn ihr euch Christus unterwerft, laßt mich davon hören, und zögert nicht, euch mit denen zu verbinden, die sich freuen, als Gefangene seiner Gnade im Triumph einher geführt zu werden. Amen.

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