Spurgeon, Charles Haddon - Die Ursache und die Heilung der Ermüdung bei den Sonntagsschullehrern

„Lasset uns aber Gutes tun, und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören.“
Gal. 6,9

„Lasset uns nicht müde werden im Gutes tun: denn zu geeigneter Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht matt werden.“ (N. d. engl. Übers.)

Dieser Vers steht in der Epistel an die Galater, die so deutlich die große Lehre der Rechtfertigung durch den Glauben uns vor Augen stellt und sehr klar lehrt, daß die Seligkeit nicht durch Werke, sondern auf dem Wege der Gnade erlangt wird. Als wenn er auf immer diejenigen zu schanden machen wollte, die sagen, daß die Lehre von der freien Gnade unpraktisch ist, ermahnt der Apostel, ehe er seine Epistel schließt, die Gläubigen zur Arbeit, und gibt uns in dem vorliegenden Verse einen Ausspruch, der es wert ist, in goldenen Buchstaben gedruckt und auf immer vor den Augen aller christlichen Arbeiter aufgehängt zu werden: „Lasset uns aber Gutes tun, und nicht müde werden.“ Es ist wahr, meine Brüder, daß ihr euch selbst nicht durch Gutes tun erretten sollt. Euer Beweggrund ist nicht selbstsüchtig, aber weil ihr schon errettet seid, wünscht ihr die Macht der Dankbarkeit zu zeigen und vor der ganzen Welt zu beweisen, daß die, welche ein freies Heil empfangen, gerade die sind, welche am freudigsten arbeiten, Gott zu gefallen und seinem Namen Ehre zu bringen. O ihr, die ihr Schuldner der unendlichen Barmherzigkeit seid: werdet nicht müde im Gutes tun.

Der Apostel hatte zu der Zeit, wo er diese Zeilen schrieb, vor seinem geistigen Auge das Gutes tun, was durch Almosen allen Menschen wohl tut und auch die Freundlichkeit, welche die Hörer des Evangeliums dahin leitet, allerlei Gutes dem mitzuteilen, der da unterrichtet. Wahrlich, es ist leicht, in diesen Dingen zu ermüden. Almosengeben ist sicherlich eine entmutigende Arbeit. Man wird fortwährend so getäuscht, daß es ein ermüdendes Geschäft wird, den Armen zu geben. Betrüger sind überall sehr zahlreich vorhanden: diese Stadt London ist voll von Betrügern, die selbst Salomo täuschen würden. Ich wundere mich nicht, daß die Menschen dahin getrieben werden, ihre Wohltätigkeit zu organisieren, was häufig bedeutet, ihr ein Ende zu machen. Das Streben geht dahin, sich zu entschuldigen, weil sie zu der einen oder andern Zeit das Opfer eines Betrugs geworden sind. Es gibt eine grausame Härte, die philosophisch redet und dem Almosengeben abschwört aus Furcht, unsre treffliche gesellschaftliche Einrichtung zu stören. Das Almosengeben ist, wenn wir einigen glauben sollen, ein Verbrechen geworden, und der wahrhaft gute Mann ist der, welcher sich niemals in das Werk der Armengesetze einmischt. Diesen Leuten scheint es seltsam, daß unser Herr etwas befohlen hat, was mit der politischen Staatswirtschaft so unverträglich ist, wie das Geben an die Armen. Nach der neueren Schule dürften wir erwarten, daß diejenigen selig geheißen werden, welche die Leute hungrig sehen und sie nicht speisen, durstig und sie nicht tränken, krank und gefangen und sie nie besuchen; weil hungrige Leute zu den Armenpflegern gehen sollten und durstige an die Pumpe. Ich hoffe indes, daß der christliche Sinn, der Mitleid mit den Armen hat, nie unter uns aussterben wird, und daß ungeachtet aller Schwierigkeiten, unter denen wir arbeiten, wir doch nicht ermüden werden Gutes zu tun, denn trotz aller Täuschungen und Betrügereien werden wir seiner Zeit ernten ohne Aufhören.

Ich bin gewiß, daß ich nicht unrecht habe, wenn ich den Text aus seiner unmittelbaren Verbindung herausnehme und ihn auf die Arbeit in der Sonntagsschule anwende: denn zuerst bin ich sicher, Brüder und Schwestern, daß eure Arbeit in dem Text gut beschrieben ist - sie besteht im Gutes tun. Zweitens ist es mir ebenso klar, daß ihr den hier genannten Übeln unterworfen seid, die allem christlichen Dienst gemeinsam sind - Müdigkeit und Ermattung; und drittens ist es ebenso klar, daß der Trost und die Ermutigung des Textes von euch empfunden werden kann. „Denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht matt werden.“

I.

Zuerst also weiß ich, daß ihr alle mit mir darin übereinstimmen werdet, daß eure Arbeit in dem Text gut beschrieben ist.

Sie kann dargestellt werden als Gutes tun. Ihr finget sie an, weil ihr fühltet, daß sie das sei, und ihr fahrt aus demselben Grunde damit fort. Eine andre Beschreibung der christlichen Arbeit liegt in der Verheißung des Erntens einbegriffen: eure Arbeit ist Säen. Nehmt die zwei Ideen des Gutestun und des Säens, sie finden sich beide sehr wohl verkörpert in der heiligen Arbeit an der Jugend.

Sonntagsschularbeit ist Gutes tun. Wie kann sie andres sein, denn sie ist eine Tat des Gehorsams? Ich hoffe, ihr habt sie begonnen, weil ihr Jesum euren Herrn und Meister nennt und das große Gebot zu erfüllen wünscht: „Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.“

Ihr findet, daß Kinder Geschöpfe sind, gefallene Geschöpfe, aber doch liebenswürdige kleine Dinger, voll Kraft, Leben und Munterkeit. Ihr seht, daß sie einen Teil des Menschengeschlechts ausmachen, und ihr schließt sofort, daß eures Meisters Gebot sich auch auf sie bezieht. Ihr seid nicht wie die Jünger, die sie zurückweisen wollten, denn ihr habt von deren Irrtum etwas gelernt, und ihr gedenkt der Worte ihres und eures Meisters: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht.“ Ihr wißt auch, daß Er „aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge eine Macht zugerichtet hat um der Widersacher willen;“ so daß ihr gewiß seid, daß Er die Kleinen in den allgemeinen Auftrag einschloß, als Er sprach: „Prediget das Evangelium aller Kreatur.“ Ihr seid doppelt überzeugt, daß ihr seinem Willen gehorcht, weil ihr gewisse besondere Vorschriften habt, die sich auf die Kleinen beziehen, wie: „Weide meine Lämmer,“ und „Wie man einen Knaben zu seinem Wege gewöhnt, so läßt er nicht davon, wenn er alt wird.“ Ihr wißt, daß es unsre Pflicht ist, ein Zeugnis lebendig in der Welt zu erhalten, und deshalb wollt ihr gern eure Kinder das Wort Gottes lehren, damit sie es ihre Kinder lehren, und so von Generation zu Generation das Wort des Herrn bekannt gemacht werde. Sei die Aufgabe angenehm oder lästig für euch, eure Sache ist nicht, zu zaudern, sondern zu gehorchen. Die Liebe, welche euch erlöst hat, dringt euch auch.

Ihr fühlt die Berührung der heiligen Hand auf eurer Schulter, der Hand, die einst durchbohrt war, und ihr hört euren Erlöser sagen: „Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch;“ und wegen dieser Sendung geht ihr im Gehorsam gegen seinen Willen zu den Kleinen. Wer gehorcht, der tut Gutes, und in diesem Sinne ist euer Dienst unter den Kleinen ein Gutes tun. Gutes tun ist es wiederum, weil es Gott Ehre bringt. Wir müssen stets fortfahren, von Gott zu empfangen, der die große Quelle des Guten und des Segens ist, aber in unendlicher Herablassung gestattet Er uns, Ihm etwas wieder zu vergelten. Wie der Tautropfen den Strahl zurückwirft, womit die Sonne ihn schmückt, so können wir in unserm Maße das Licht des großen Vaters vor den Augen der Menschen funkeln lassen. Unser Leben kann dem Fluß gleichen, der in das Meer läuft, von dem er ursprünglich kam. Wenn wir das versuchen, was ganz klar die göttliche Herrlichkeit fördern wird, so tun wir Gutes. Wenn wir Jehovahs Gnade bekannt machen, wenn wir in Übereinstimmung mit seinen Ratschlüssen der Liebe arbeiten, wenn wir die Wahrheit verkünden, welche seinen geliebten Sohn ehrt; wo immer in der Tat der Heilige Geist durch uns Zeugnis ablegt von den ewigen Wahrheiten des Evangeliums, da ist ein Gutes tun vor Gott. Wir können seine wesentliche Herrlichkeit nicht vermehren, aber durch seinen Geist können wir dahin wirken, daß seine Herrlichkeit noch mehr gesehen wird: und unter den besten Arten dies zu tun, nimmt diese einen hohen Platz ein: die Kinder die Furcht des Herrn zu lehren, damit sie ein Same werden, der Ihm dient und sich seines Heiles freut.

Und wer wird zweifeln, daß das Sonntagsschulwerk auch den Menschen Gutes tut? Die höchste Form der christlichen Liebe ist die, unsre Mitmenschen das Evangelium Jesu Christi zu lehren. Du magst deinem Nächsten Brot geben, aber wenn er es gegessen hat, so ist es dahin; wenn du ihm das Brot des Lebens gibst, so bleibt es auf ewig bei ihm. Du magst ihm Brot in Fülle geben, jedoch seiner Zeit wird er sterben, wie seine Väter vor ihm es getan haben; aber wenn du ihm das Brot des Himmels gibst und er davon ißt, so wird er ewiglich leben. Gott hat dich fähig gemacht, ihm unsterbliche Speise auszuteilen, nämlich Jesum, der „das Brot vom Himmel“ ist. Was für ein Segen ist es für einen Menschen, wenn du das Werkzeug bist, sein Herz zu ändern und ihn so von dem Laster zu erlösen und ihn frei für die Heiligkeit zu machen? Eine Seele zu Christo führen heißt, sie zum Himmel führen. Es ist sicherlich ein edler Teil der Wohltätigkeit, das Evangelium den Menschen zu verkünden; und wenn möglich, ist diese Wohltätigkeit von noch höherer Art, wenn ihr die Wahrheit Gottes Kindern verkündet, denn wie Vorbeugen besser ist als Heilen, so ist es besser, einem Leben des Lasters vorzubeugen, als aus demselben zu erretten; je früher die Seele Licht hat, desto kürzer ist ihre Nacht der Finsternis, und ebenso: je früher im Leben der Seele Heil zu teil wird, desto besser und größer ist der Segen. Den Tau der Gnade empfangen, während wir noch im Tau der Jugend sind, ist ein doppeltes Gut.

Brüder, eure Arbeit ist eine des Gutestuns der gründlichsten und vollständigsten Art, denn ihr greift gerade die Wurzel der Sünde in dem Kinde an, indem ihr seine Wiedergeburt sucht. Ihr wünscht, durch Gottes Gnade das Herz für Christum am Beginn des Lebens zu gewinnen, und dies ist die beste der Segnungen. Ich hoffe, ihr seid nicht unter denen, die nur hoffen, ihre Kinder bekehrt zu sehen, wenn sie erwachsen sind, und zufrieden sind, sie in ihren Sünden bleiben zu lassen, so lange sie Kinder sind. Ich hoffe, ihr betet für die Bekehrung der Kinder als Kinder, und arbeitet mit des Geistes gnädigem Beistand darauf hin. Wenn ihr das tut, so kenne ich keinen Dienst, der für die Engel im Himmel geeigneter wäre, falls es ihnen gestattet werden könnte ihn zu unternehmen. Gewiß, wenn sie die Menschheit das Evangelium lehren und ihre Schüler sich auswählen könnten, so möchten sie wohl an denen vorübergehen, die schon in Sünden verhärtet sind und nur das schlotternde Alter Christo geben können, und die Jugend für Ihn einsammeln, deren Tag erst anbricht. Wir dürfen nicht die eine Arbeit der andern entgegenstellen, aber wir können uns in jedem Falle glücklich schätzen, wenn unser Wirkungskreis unter der Jugend ist. Laßt uns die Rosenknospen für Jesum sammeln. Laßt uns Ihm die Jungfrau in ihrer ersten Schönheit bringen und den Jüngling in seiner ersten Kraft, ehe Sünde und Alter sie ganz ihrer Reize beraubt haben. Laßt uns für Ihn diejenigen auffinden, die Ihm ein ganzes Leben widmen und Ihn von Tagesanbruch bis zum Abend ehren können. O, es ist glorreich, solche Arbeit für Jesum zu haben. Geht hin zu euren jugendlichen Pflegebefohlenen und freut euch an eurem Werk, denn es ist Gutes tun.

Es ist keineswegs schwer, zu sehen, daß Sonntagsschularbeit Säen ist. Hiervon will ich nicht viel reden, denn das Sinnbild ist leicht zu verstehen; eure Schulen sind das Feld, das Evangelium ist der Same und ihr seid die Säer. Gestattet mir nur, dies zu sagen, daß euer Werk eins ist, bei dem große Auslagen und scheinbare Verlüste sind: eben wie der Sämann seinen Samen in die Erde wirft, ihn begräbt, und derselbe für ihn verloren ist, so wendet ihr eure Kraft, eure Gedanken, eure Liebe, euer Talent, eure Zeit an, und zuerst seht ihr keinen Ersatz dafür. Ihr opfert eure Muße und viel von den religiösen Vorrechten eurer Mitchristen auf. Ihr begrabt euch, wie einige sagen, in der. Schule - und gebt Bequemlichkeit und Ruhe für unbezahlte Arbeit hin. Ich spreche nach menschlicher Weise. Ihr übt diese Selbstverleugnung, weil ihr glaubt, daß die Wahrheit gleich einem Samen gesät werden soll, und daß es eure Pflicht ist, sie zu säen. Es wird häufig gesagt, daß die Wahrheit mächtig ist und den Sieg behalten wird; aber dies muß durch den Gedanken beschränkt werden, daß die Wahrheit gar keinen Sieg erringt, bis sie von Männern, die es ernst meinen, ausgesprochen wird. Ich zweifle nicht, daß es hunderte von großen Wahrheiten in Gestalt von sozialen Reformen gibt, die müßig liegen und wenig oder keine Macht haben, weil sich noch keine mutige und ernste Zunge gefunden hat, die sie verkündet. Wenn der Mann kommt, der verordnet ist, ihr Sprecher zu sein, so werden sie hell wie eine Klarinette ertönen und. große Scharen werden sich um ihre Fahne sammeln, aber mittlerweile liegen sie gleich schlafenden Riesen, deren Kraft mit ihnen schläft. Es ist Macht in der Wahrheit, wie Leben im Samen ist, aber sie wird verborgen sein, bis sie gleich dem Samen in günstigem Boden gesät ist. Ein Sämann ist nötig, und in dem Gefühl, daß die Wahrheit gesät werden muß, weiht ihr euch diesem Werke.

Ihr habt überdies auf die Kinder geblickt, und habt gefühlt, daß der Boden ihres Gemütes besäet werden muß. Ihr hofft, wenigstens in einigen Fällen, guten Boden zu finden, und fühlt, daß das Aufschieben des Säens eine strafbare Vernachlässigung sein würde. Ihr seid gewiß, daß, wenn ihr nicht sät, der Teufel es tun wird, und daß Unkraut aufsprießen wird, wenn kein Weizen gesät wird; und ihr wünscht, wenn ihr es könnt, wenigstens einigen der Diener des Teufels zuvor zu kommen und die Samenkörner göttlicher Wahrheit hineinzustreuen, ehe die gröberen Laster zur Entwicklung gekommen sind. Ihr wißt, daß reichlicher Same schädlicher Pflanzen in diesem Stück Land von Natur verborgen liegt als Folge des Falles, aber ehe diese in geiler Üppigkeit aufgewachsen sind, wünscht ihr das Unkraut durch das schnelle Wachstum des himmlischen Korns zu ersticken. Euer gegenwärtiges Geschäft ist, die Gemüter der Kinder zu besäen. Ihr seid froh, wenn ihr den Samen sogleich aufsprießen seht, aber wo eure Geduld auf die Probe gestellt wird, fahrt ihr dennoch fort zu säen. Als ich meinen eignen kleinen Garten hatte, und Senf und Kresse säte, ging ich in den nächsten Morgen hin, um zu sehen, ob der Same aufgesprossen sei, und war nicht zufrieden, die rechte Zeit zu erwarten. Ich kratzte die Erde auf und hinderte wahrscheinlich das Wachstum des Samens durch meine zu große Eile. Es ist sehr möglich, daß Lehrer dieselbe Torheit begehen, wenn sie erwarten, morgen zu ernten, was sie heute gesät haben. Sofortige Frucht mag kommen, denn Gott wirkt wunderbar, aber, ob es geschieht oder nicht, eure klare Pflicht ist, zu säen. Ernten werdet ihr, aber mittlerweile müßt ihr zufrieden sein, zu säen, säen, säen bis zum Ende. Ernten ist euer Lohn, aber Säen ist. eure Arbeit.

II.

Nun zweitens scheint es nach dem Text, daß ihr in eurem Dienst mit Übeln zu kämpfen haben werdet, die christlichen Arbeitern aller Art gemeinsam sind: besonders werdet ihr der Müdigkeit und Ermattung ausgesetzt sein.

Nehmt das erste Wort, wie es in unsrer Übersetzung steht; ihr werdet in Versuchung kommen, müde zu werden. Harte Arbeit, dies Lehren der Kinder. Einige gute Seelen scheinen dazu geboren, tun es trefflich und haben Freude daran; für andre ist es schwere Arbeit. Einige sind von Natur sehr wenig dazu geschickt, aber ich meine, nicht, daß sie das als Entschuldigung brauchen, sondern sich dazu erziehen sollten, die Arbeit zu lieben; viele Leute um uns her sind ungeschickt zu irgend etwas, was ihnen Schweiß kosten würde, aber wir nennen sie faul und treiben sie vorwärts. Es ist nichts Neues, daß Menschen versuchen, sich dem Militärdienst zu entziehen durch das Vorgeben, daß ihre Gesundheit schlecht sei, aber wir dürfen nichts von diesem feigen Sichkrankstellen in Christi Heer haben; wir müssen zu allem und jedem bereit sein. Wir müssen uns zur Pflicht zwingen, wenn's gegen unsre Neigung geht. Wenn's eine klare Pflicht ist, muß der Gehorsam unsern Abscheu bemeistern. Ich hege durchaus keinen Zweifel, daß das Lehren für einige eine sehr anstrengende Arbeit ist, aber darum muß es doch getan werden. Ich freue mich, wenn ich euch, liebe Brüder, mit heiligem Enthusiasmus von dem Vorrecht, Kinder zu unterrichten, sprechen höre, aber ich weiß auch, daß es keinen geringen Grad Selbstverleugnung von euch erfordert, eine Selbstverleugnung, welche die Gemeinde nicht immer gebührend anerkennt. Von Sonntag zu Sonntag fortfahren, etwas biblische Kenntnis in jene lärmenden Knaben hinein zu bringen und versuchen, jene leichtsinnigen Mädchen ernster zu machen, ist kein leichtes Vergnügen, kein hübscher Zeitvertreib. Es muß schwere Arbeit sein, und deshalb ist es leicht, müde zu werden. Lehrer können um so eher ermüden, weil die Arbeit Jahr für Jahr fortgeht. Wenn ihr alle Sonntagsschullehrer seid, bin ich sehr froh, so manche graue und kahle Köpfe unter euch zu erblicken. Das nimmt sich gut aus. Ich bewundere die Veteranen eurer Armee. Es sollte eine „alte Garde“ geben sowohl wie neue Regimenter. Warum diese Arbeit jungen Anfängern überlassen? Sagte nicht David: „Kommt her, Kinder, hört mir zu; ich will euch die Furcht des Herrn lehren,“ als er im besten Mannesalter stand? Warum hören denn so viele auf zu lehren, wenn sie am besten dazu befähigt sind? Haben nicht viele ältere Personen etwas Mildes und Eindrucksvolles an sich, was sie besonders befähigt, die Aufmerksamkeit der Jugend zu fesseln? Da sie aus Erfahrung mehr wissen, als die meisten von uns, sollten sie da nicht um so bereitwilliger sein, Unterricht zu erteilen? Es war stets meine Freude, zu meines Großvaters Füßen zu sitzen, wenn er etwas aus seiner Erfahrung von der Gnade Gottes erzählte. Als er achtzig Jahr oder mehr war, da war sein Zeugnis von der Treue Gottes wert, daß man mehrere Meilen weit ging, um es. zu hören. Es gibt viele greise Männer und Frauen, deren Lebensgeschichte oft unter Kindern erzählt werden sollte; mit ihrer liebevollen Art und ihrer heiteren Weise würden sie ein Gewinn für jede Schule sein, um der Kinder willen, während für die Lehrer das Gewicht ihrer Meinung und ihre Weisheit eine unberechenbare Wohltat wäre. Sterbt im Harnisch, meine Brüder, wenn eure geistige und leibliche Kraft es erlauben will. Indes, die lange Reihe von Jahren der Arbeit muß leicht den Arbeiter müde machen; um so mehr, wenn die Arbeit einförmig wird, wie sie es in einigen Schulen gewiß ist. Ihr geht in dasselbe düstere Zimmer und sitzt auf demselben Stuhl vor derselben Klasse von Knaben. Es ist wahr, die Knaben sind nicht dieselben Knaben, aber ein Knabe gleicht so sehr dem andern, daß die Klasse immer dieselbe ist. Die Lektionen sind verschieden, aber die Wahrheit ist dieselbe und die Arbeit des Lehrers ist gleich dem Säen des Samens - ziemlich dieselbe Sache immer wieder. Liebhaber der Veränderung werden schwerlich in regelmäßiger Sonntagsschularbeit ein Feld für ihre Unbeständigkeit finden. Der Text sagt: „Werdet nicht müde.“ Komm, Bruder, bist du ermattet? Wie lange hast du unterrichtet? Tausend Jahre? Du lächelst und ich lächle auch und sage: Werde nicht müde in irgend einer kürzeren Periode des Dienstes. Unser Herr verdient, daß wir eine ganze Ewigkeit mit seinem Lobe zubringen, und wir hoffen, sie so zuzubringen; und deshalb laßt uns nicht müde werden in den wenigen Jahren, welche das gewöhnliche Menschenleben ausmachen.

Ich finde, daß das griechische Wort die Idee von „entmutigt“ enthält. „Laßt uns nicht das Herz verlieren.“ Dies ist eine Seelenmüdigkeit, gegen die wir entschlossen kämpfen müssen. Sie naht sich manchen guten Arbeitern und zeigt sich auf verschiedene Art. Einige halten das Werk für weniger wichtig, als sie es zuerst taten; andre fürchten, daß ihr Teil desselben sich als ganz verfehlt erweisen wird. Dies ist Herzensmüdigkeit. Wenn eine Sonntagsschule abnimmt, wenn nicht so viele Kinder da sind, wie in früheren Jahren, oder, was ebenso schlimm ist, wenn nicht genug Lehrer da sind, so gerät der arme Vorsteher in große Angst, und die Lehrer sind bei der Lehrerversammlung nicht in der besten Stimmung. Beiläufig, ich bin nicht sicher, daß ihr Lehrer euch stets einander erbaut bei diesen Versammlungen, oder daß ihr immer den Geist Gottes unter euch habt. Ich habe zuweilen andres gehört; und doch kann ich euch nicht tadeln, denn ich habe von Gemeindeversammlungen gehört, welche nicht wie „ein kleiner Himmel hienieden“ gewesen sind, und von denen ich auch nicht sagen würde: „Ich bin da gewesen und möchte immer noch hingehen.“ Wenn die Schule in Unordnung und Verfall ist, so werden die besten Lehrer entmutigt und müde. Zu solchen Zeiten wissen gute Lehrer kaum, wie sie überhaupt an ihr Werk gehen sollen, denn es nicht der liebevolle Geist in der Schule, welcher sie zu einer glücklichen Familie macht, und auch nicht jene. Macht im Gebet, welche des großen Vaters Gegenwart sichert, und deshalb werden viele traurig und müde im Dienst. Nun kommt mein Text: „Werdet nicht müde im Gutes tun.“ Faßt Mut. Seid keine Feiglinge. Hofft weiter, hofft immer. Wirkt weiter, selbst wenn die Aufgabe auch immer beschwerlicher für euch wird. Verachtet nicht euren Beruf, zieht eure Hand nicht ab, werdet nicht müde im Gutes tun.

Unser Text spricht darauf von unserm Mattwerden. Dem griechischen Wort liegt die Idee von Loswerden zu Grunde. Ihr wißt, es gibt ein Umgürten der Lenden, das Arbeit bedeutet, und es gibt ein Lösen, nicht bloß der Kleider, sondern der Sehnen, welches bedeutet, daß der Mensch nicht mehr arbeiten will. Einige Sonntagsschullehrer werden, wie es heißt, schlaff. Sie zeigen einen vollständigen Mangel an Energie: sie sind abgespannt. Sie lehren nicht ihre Klassen von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen Kräften, sondern sie betreiben die Sache in nachlässiger Weise, wie ein Mann, der in losgegangenen Sandalen einherschlarrt. Sie lehren, aber sie wenden keine ehrliche Arbeit daran: ihr Herz ist nicht länger an den Altar gebunden. Die Arbeit in der Schule wird nach der Schablone betrieben und könnte fast ebensogut unterbleiben. Ich habe einen Mann in so schläfriger Weise arbeiten sehen, daß ich hätte ausrufen mögen: „Nein, ich kann solches Kriechen und Schleichen nicht ansehen! Steh' beiseite, gib mir dein Werkzeug und laß mich's versuchen;“ und ähnlich möchte man bei manchen Lehrern fühlen. Ein Kapitel wird gelesen und Bemerkungen dazu gemacht, die weder Nachdenken noch Nachlesen gekostet haben; Lieder werden gesungen ohne das geringste Zeichen von Leben, und das Gebet gesprochen ohne Herz. Ein lebendiger Sonntagsschullehrer, der dabei stand, hat fast geweint, zu sehen, wie die Kinder gleichgültig wurden, weil der Lehrer es leicht nahm. Es muß Leben, Kraft, Feuer, Herz, Energie, Wärme in euren Dienst hineingelegt werden, sonst wird er wertlos sein. Liebe Freunde, geratet nicht in einen lockeren Zustand. Ihr werdet bald eure Garben binden, wenn ihr nicht in eurem eignen Gemüte locker werdet. Ihr sollt ernten, wenn ihr nicht lässig und schläfrig werdet.

Wie kommt es, daß wir je in diesen Zustand geraten? Was für Entschuldigungen sind es, die wir machen, wenn wir ermatten? Zuzeiten sind wir in Versuchung, alles aufzugeben. Wir fühlen, daß nichts Gutes getan wird und deshalb können wir nicht länger ausharren. Was macht uns so reden? Ist es nicht der alte Adam - unsre fleischliche Natur? Sollten wir ihn nicht abtöten und sprechen: „Nun, alter Adam, du willst, ich soll die Sonntagsschule aufgeben, und ich werde gerade aus diesem Grunde mich weigern, es zu tun!“? Mein träges Fleisch sagt zu mir: „Nimm die Dinge ein wenig leichter. Lade dir nicht noch Extra-Arbeit auf.“ Ach, Fleisch, stolzes Fleisch, wenn ich auf dich säe, so werde ich die Verwesung ernten. Was für eine schreckliche Sache. ist es, dieses Ernten der Verwesung. Das bloße Wort scheint voll lebendiger und sich regender Scheusale; seine Bedeutung ist dem reinen Gemüt ein Greuel. Wir müssen sogleich antworten: „Nein, Fleisch, ich kann nicht auf dich säen und Verwesung ernten, und deshalb mußt du verleugnet werden. Ich will dich abtöten und mit meiner Klasse in der Schule fortfahren. Ich hatte daran gedacht, sie aufzugeben, aber ich will nicht so nachgiebig gegen dich sein, sondern. durch Gottes Gnade aushalten.“

Meint ihr nicht, daß wir zuzeiten lässig in christlicher Arbeit. werden, weil wir einen sehr niedrigen Standpunkt in der Gnade einnehmen? In der Regel könnt ihr das nicht aus einem Menschen herausbringen, was nicht in ihm ist. Ihr könnt nicht zu eurer Klasse gehen und kräftig euer Werk tun, wenn ihr eure innerliche Kraft verloren habt. Ihr könnt nicht vor dem Herrn dienen mit der Salbung des Heiligen, wenn diese Salbung nicht auf euch ist. Wenn ihr nicht in Gottes Nähe und in der Kraft Gottes lebt, so wird die Kraft Gottes nicht durch euch auf die eurer Obhut anvertrauten Kinder übergehen; so daß ich denke, wenn wir unzufrieden und niedergeschlagen werden, sollten wir annehmen, daß es mit uns im Geistlichen nicht so steht, wie es sollte. Laßt uns zu uns selber sagen: „Komm, meine Seele! Was fehlt dir? Dies ermattete Herz ist ein Zeichen, daß du nicht gesund bist. Gehe zu dem großen Arzt und hole von Ihm ein Stärkungsmittel, das dich kräftigen wird. Komm, sei ein Mann. Habe keine solche Launen! Hinweg mit deiner Trägheit! Die Erntezeit wird kommen, darum setze den Pflug an.“ Ist nicht noch ein andrer Grund, entmutigt zu werden, in der Kälte und Gleichgültigkeit unsrer Mitchristen zu finden? Wir sehen andre des Herrn Werk nachlässig tun: und wenn wir selbst ganz in Feuer sind, finden wir sie kalt wie Eis; wir kommen unter Leute in der Gemeinde, die sich nicht darum zu kümmern scheinen, ob die Seelen der Kinder errettet sind oder nicht, und so sind wir geneigt, entmutigt zu werden. Die Trägheit andrer sollte ein Grund sein, selber desto fleißiger zu arbeiten. Wenn unsres Herrn Werk von der Hand unsrer Mitknechte leidet, sollten wir da nicht versuchen, zweimal soviel selbst zu tun, um ihre Mängel gut zu machen? Sollten die Lässigen uns nicht eine Warnung sein, damit wir nicht in denselben lauwarmen Zustand hinein geraten? Zu schließen, daß ich ein Faulenzer sein soll, weil andre herum schlendern, ist armselige Logik.

Zuweilen habe ich auch - ich schäme mich, es zu sagen - von Lehrern gehört, die müde waren, weil sie nicht genug gewürdigt wurden. Ihre Arbeit wurde nicht hinreichend beachtet von dem Prediger und gelobt von dem Oberlehrer, und ihre Mitlehrer beachteten sie und ihre Klasse nicht genug. Ich will nicht viel über diesen Grund der Ermattung sagen, weil er eine so geringfügige Sache ist, daß er eines Christen ganz unwürdig ist. Wertschätzung! Erwarten wir die in dieser Welt? Das jüdische Volk verachtete und verwarf seinen König, und selbst wenn wir so heilig wie der Herr Jesus wären, möchte es uns immer noch mißlingen, richtig beurteilt und gebührend geachtet zu werden. Was macht es aus? Wenn Gott uns annimmt, brauchen wir nicht traurig zu sein, ob alle auch an uns vorbei gingen.

Vielleicht mag die Arbeit selber uns ein wenig mehr Entschuldigung für Müdigkeit gewähren. Es ist schwere Arbeit, auf der Landstraße und unter den Dornen zu säen - schwere Arbeit, guten Samen Jahr für Jahr auf den Felsen zu werfen. Nun, wenn ich das viele Jahre getan hätte und durch den Heiligen Geist dazu befähigt würde, so würde ich sagen: „Ich will mein Werk nicht aufgeben, weil ich noch keine Belohnung dafür empfangen habe, denn ich bemerke, daß in dem Gleichnis des Herrn dreimal das Säen nicht gelang, und doch belohnte das gute Stück Land für alles. Vielleicht habe ich dreimal ohne Erfolg gesät, und nun ist die Zeit, wo ich Freude an dem vierten Mal haben werde, bei dem der Same auf guten Boden fallen wird.“ Es ist schade, lieber Bruder, jetzt alles aufzugeben, weil du einige Jahre harter Arbeit gehabt hast. Wie? jetzt sollst du die Süßigkeit deiner früheren Arbeit genießen. Es würde schade sein, meine liebe Schwester, gerade nun, da du deine Klasse bemeistern kannst und den Weg für einen Segen bereitet hast, davon zu laufen. Es gibt um so viel weniger Schwierigkeit für dich zu überwinden, als du schon überwunden hast. Wer so und so viele Meilen einer rauhen Seefahrt schon gemacht hat, wird sie nicht wiederum zurückzulegen haben: laßt ihn nicht daran denken, zurück zu gehen. Zurück gehen in dieser Pilgerschaft wäre überhaupt schmachvoll, und da wir keine Rüstung für unsern Rücken haben, würde es gefährlich sein. Unsre Hand an diesen Pflug legen und dann zurück sehen, wird beweisen, daß wir des Himmelreiches unwürdig gewesen sind. Wenn hundert Gründe da sind, eure Glaubensarbeit aufzugeben, so sind fünfzigtausend da, mit ihr fortzufahren. Obgleich viele Ursachen zur Ermattung da sind, gibt es doch viel mehrere zum Ausharren. Obwohl wir müde sein mögen und uns zuweilen so fühlen, laßt uns auf den Herrn harren und unsre Stärke erneuern, so werden wir uns empor schwingen wie mit Adlersflügeln, unsre Müdigkeit vergessen und stark in dem Herrn und in der Kraft seiner Macht sein.

III.

Diese Bemerkung bringt mich zum letzten Teil meines Gegenstandes, welcher der ist, daß wir reichliche Ermutigung haben in der Aussicht auf Belohnung, die unser Text uns gewährt: „Zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht matt werden.“

Meine erste Bemerkung über diese Verheißung soll sein, daß die Erntezeit kommen wird. Unser Hauptgeschäft ist, Gott zu verherrlichen dadurch, daß wir die Wahrheit lehren, ob Seelen errettet werden oder nicht; aber doch beanstande ich die Behauptung, daß wir fortfahren mögen, das Evangelium jahrelang und selbst unsre ganze Lebenszeit zu predigen, ohne daß ein Resultat folgt. Sie sagen: „Paulus mag predigen und Apollos mag begießen, aber Gott gibt das Gedeihen.“ Ich möchte, daß sie diese Stelle in der Bibel auffänden. In meiner Bibel heißt es: „Ich habe gepflanzt; Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben.“ Es ist nicht die geringste Absicht da, uns zu lehren, daß, wenn Paulus pflanzte und Apollos begösse, Gott willkürlich das Gedeihen versagen würde. Alle Ehre wird für den Herrn beansprucht, aber ehrliche Arbeit wird nicht verachtet. Ich sage nicht, daß zwischen dem Lehren der Wahrheit und der Bekehrung dieselbe Verbindung ist wie zwischen Ursache und Wirkung, so daß sie unwandelbar verbunden sind; aber ich behaupte, daß es die Regel des Reiches Gottes ist, daß sie verbunden sind durch die Kraft des Heiligen Geistes. Einige Ursachen bringen keine Wirkungen hervor, weil gewisse Hindernisse dazwischen treten. Jemand mag das Evangelium in einem schlechten Geiste lehren: das muß es verderben. Jemand mag nur einen Teil des Evangeliums lehren, und diesen noch dazu in verkehrter Ordnung. Gott mag einigen Segen darauf legen'. aber dennoch hält der gute Mann vielleicht sehr viel Segen zurück durch die irrige Weise, in welcher er die Wahrheit lehrt.

Nehmt es als Regel an, daß die Wahrheit Gottes, wenn betreffs ihrer gebetet und sie in der Furcht des Herrn verkündet wird, und der Heilige Geist in demjenigen wohnt, der sie spricht, die Wirkung hervorbringen wird, die ihr natürlich ist. Wie der Regen nicht zum Himmel hinaufklimmt und die Schneeflocken sich. nicht Flügel nehmen, um empor zu schweben, so soll auch das Wort Gottes nicht wieder leer zu Ihm zurückkommen, sondern ausrichten, das, was Ihm gefällt. Wir. haben nicht unsre Kraft vergeblich angewandt. Nicht ein Spruch, den wir ein kleines Mädchen lehren oder ein Vers, den wir in das Ohr eines sorglosen Knaben fallen lassen, noch eine ernste Warnung, die einem verhärteten jungen Sünder gegeben wird, noch ein liebevolles Abschiedswort an eins der älteren Mädchen wird ohne das eine oder andre Resultat zur Ehre Gottes sein. Und wenn wir alles in eins zusammenfassen, so wird der Same, ob auch diese Handvoll von den Vögeln gefressen werden und jene auf dem harten Felsen ersterben mag, doch in genügender Fülle aufsprießen, um den Sämann und den Geber des Samens reichlich zu belohnen. Wir wissen, daß unsre Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.

Ich selbst trete nicht auf diese Kanzel mit irgend einer Furcht, daß ich vergeblich predigen werde. Es kommt mir nicht in den Sinn, daß so etwas geschehen könne. Ich dachte früher so, da ich mehr von mir selbst hielt, als ich jetzt tue; aber jetzt bin ich versichert, daß, wenn ich Gottes Botschaft in der besten Weise, die mir möglich ist, und unter vielem Gebet verkündige und es Ihm alles überlasse, Er dafür sorgen wird. Ich erwarte, Menschen bekehrt zu sehen, nicht weil irgend etwas Gutes in ihnen ist, sondern weil der Herr wirkt, wie es Ihm gefällt, und beruft, wen Er will, und seiner eignen Wahrheit Sieg und Ehre geben wird. Geht zu eurer Klasse mit dieser Überzeugung: „Ich werde nicht vergeblich arbeiten und meine Kraft nicht umsonst zubringen.“ „Es geschehe euch nach eurem Glauben.“ Nehmt ein kleines Maß, und ihr sollt es mit dem Manna des Erfolges gefüllt haben, aber nehmt ein großes Omer, und in seiner Fülle sollt ihr reichlich haben. Glaubt an die Macht der Wahrheit, die ihr predigt. Glaubt an die Macht Christi, von dem ihr sprecht. Glaubt an die Allmacht des Heiligen Geistes, dessen Hilfe ihr in ernstem Gebet angerufen habt. Geht an euer Säen und rechnet auf das Ernten.

Ich möchte eure besondere Aufmerksamkeit auf ein Wort in dem Text hinlenken, das voll Ermutigung ist. „Lasset uns nicht müde werden, denn wir werden ernten.“ Wir werden ernten. Liebe Brüder und Schwestern, wir werden ernten. Es heißt nicht: „Wir werden das Werk tun und unsre Nachfolger werden ernten, nachdem wir gegangen sind.“ Wir sollten schon darüber sehr froh sein, und ohne Zweifel ist das oft der Fall. Aber wir werden auch ernten. Ja, ich werde meine Garben haben und ihr werdet eure haben. Das Feld, das ich bearbeitet und über das ich geweint habe, wird mir meine Erntegarben liefern und ich werde sie persönlich einheimsen. Ich werde ernten. „Ich dachte nie groß von mir selbst als Lehrer,“ sagt jemand „,ich fürchte immer, daß ich kaum kompetent bin, und ich bemerke, daß der Oberlehrer mir nur die kleinen Kinder anvertraut hat; aber ich bin so froh, zu hören, daß ich ernten soll. Ich solle ernten. Ich soll als meinen Teil eins dieser lieben Kleinen, das in dem Herrn errettet ist, haben.“ Ich bitte euch, liebe Freunde, wenn ihr noch nie geerntet habt, so beginnt zu hoffen. Euch Lehrer, die ihr immer pünktlich seid, meine ich; natürlich, wenn ihr nicht rechtzeitig kommt, so ist's euch einerlei, ob ihr erntet oder nicht; aber ich rede zu pünktlichen Lehrern, ich rede auch zu Lehrern, die es ernst nehmen - denn wenn ihr es nicht ernstlich nehmt, werdet ihr niemals ernten: ihr pünktlichen, ernsten, betenden Lehrer sollt ernten. Einige Lehrer streben nicht nach dem Ernten, und sie werden sich dessen nicht erfreuen. Aber ich rede jetzt zu wirklichen, sich Mühe gebenden, ernsten Sonntagsschullehrern, deren Herz bei der Sache ist, und die doch keine Resultate gesehen haben. Nach dem Text sollt ihr ernten. Kommt, meine beharrlichen Kameraden, laßt uns nicht entmutigt werden: „Zu seiner Zeit werden wir ernten,“ wir sogar. Ihr werdet euren Teil mit andern haben. Obwohl ihr das Gefühl habt, als müßtet ihr es aufgeben, sollt ihr doch ernten. Nachdem ihr diese ganze Zeit über gesät habt, hört nicht mit der Arbeit auf, wenn die Erntezeit so nahe ist. Wenn ich ein Pächter wäre, so würde ich, falls ich meine Pachtung aufgäbe, es tun, ehe ich meinen Weizen säte, aber wenn ich all das Pflügen und Säen getan hätte, würde ich nicht zu dem Gutsherrn sagen: „Es sind noch sechs Wochen, dann kommt die Ernte, und ich wünsche, einen andern Pächter jetzt eintreten zu lassen.“ Nein, nie. Ich würde wünschen zu bleiben und die Ernte eingeheimst und den Weizen zu Markt gebracht zu sehen. Ich würde wünschen, meine Belohnung zu haben. So wartet ihr, liebe Brüder, auf eure Belohnung, besonders ihr, die ihr entmutigt gewesen seid: „Zu seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht matt werden.“ Wir, die wir am wenigsten von unserm Dienst gehalten und vielleicht am wenigsten Glauben geübt haben und die meisten Herzensprüfungen vorgenommen und am meisten vor dem Herrn geseufzt und geweint haben, wir werden auch „zu rechter Zeit ernten, wenn wir nicht matt werden.“

Diese Ernte wird „zur rechten Zeit“ kommen. Sogar unter Menschen gibt es eine rechte Zeit für eine Belohnung. Man sagt: „Es ist ein schlechter Zahlmeister, der im voraus bezahlt.“ Das ist er. Ihr müßt immer ein wenig für den Samstagabend in der Hand behalten, sonst mögt ihr den Arbeiter vermissen, ehe die Woche zu Ende ist. Zuweilen hält der Herr den Lohn seines Volkes zurück, damit sie etwas Erfreuliches vor sich haben, zuweilen, um ihr Metall zu prüfen und all ihre Kräfte in Tätigkeit zu bringen. Ich sehe gern einen tapferen Mann in einen Winkel getrieben, in seinen Erwartungen getäuscht und geschlagen und doch entschlossen zu überwinden: dann kommt sein wahrer Heldenmut zum Vorschein. Hört ihn sagen: „Ich habe in dieser Lumpenschule seit Monaten gearbeitet, aber ich mache keinen Eindruck auf diese rohe Jugend. Störung und Unordnung ist fast jeden Abend da. Ich weiß nicht, was zu tun. Mein Verstand steht still; aber eins weiß ich - wenn es zu tun ist, so soll es getan werden. Im Namen Gottes will ich meine Arbeit fortsetzen, bis ein Wechsel stattfindet.“ Da seht ihr den Mann durch den Heiligen Geist zur Arbeit gekräftigt. Das ist der Mann, der ausfindig machen wird, wie diese wilden Buben zu zähmen sind. Er ist der Mann, der Lehrer an sich ziehen und eine treffliche Schule bilden wird. Unser wahrer Mensch liegt oft tief und muß bis in seine Höhle verfolgt und zur Tätigkeit angetrieben werden. Wenn er einmal vollständig aufgeweckt ist, so ist es großartig, ihn in leidenschaftlichem Ernst aufspringen zu sehen, um seinen Zweck auszuführen. Ich höre gern einen Mann sagen: „Dies ist für Menschen unmöglich, aber Gott wird mich fähig machen.“ Dies ist der Triumph des Glaubens, und selig ist, der da glaubt, denn die rechte Zeit für das Ernten ist ihm nahe.

Die rechte Zeit ist oft, wenn du im rechten Zustande bist; wenn dein Glaube geprüft worden, wenn dein Entschluß fest geworden ist, wenn du im Gebet vor Gottes Angesicht liegst, wenn du ausgeleert bist und keine eigne Kraft hast, wenn du zu Gott gehst und zu Ihm allein um Hilfe schreist, dann wird deine rechte Zeit kommen. Die rechte Zeit für die Ernte ist nicht der Tag nach dem Säen des Samens, sondern wir müssen eine Weile warten und nicht müde werden. Die Ernte wird kommen, wie der Herr sie bestimmt hat. Wie alle Früchte um so süßer sind, wenn sie zur rechten Zeit kommen, so auch die Belohnung für christlichen Dienst, wenn sie in Gottes Zeit kommt. Nun zuletzt, wenn dieser Lohn kommt, so wird er eine reiche Vergeltung für uns sein.

Was ist der Lohn der Sonntagsschullehrer? Wenn ich euch, geliebte Brüder, im allgemeinen nehme, so möchte ich sagen, euer Lohn liegt hauptsächlich darin, daß ihr die Bekehrung der Kinder seht. Es gibt sehr viele ganz vortreffliche Handbücher über die Leitung von Sonntagsschulen, und ich hoffe, ihr werdet sie alle lesen und mit besonderer Aufmerksamkeit bei den Preisschriften verweilen, bis eure Schule die Ordnung selber ist. Doch habe ich von sehr vorzüglich geleiteten Schulen gehört, in denen sehr wenige Bekehrungen stattfanden. Die Ordnung mag des Himmels erstes Gesetz sein, aber sie ist nicht des Himmels erster Zweck. Ordnung ist sehr wünschenswert in einem Garten, aber Frucht ist der Hauptzweck. Ich kenne eine Schule, die gewöhnlich in Unordnung ist, aber es werden beständig Kinder darin errettet. Ich wünschte, es wäre mehr Ordnung darin, aber doch bekümmert es mich nicht sehr, so lange das große Resultat gewonnen wird. Ihr könnt so viele Regeln und Verordnungen machen, daß ihr euer Herz aus der Arbeit herausregelt: hütet euch, daß ihr nicht in diesen Irrtum geratet. Euer großes Geschäft ist, dahin zu arbeiten, daß diese Kinder errettet werden, systematisch, wenn ihr's könnt, aber auf irgend welchem Wege errettet. Ihr müßt diese Kinder durch den Heiligen Geist von der Sünde überführt und zu Christo geleitet haben. Ihr müßt nicht zufrieden sein, eure Sonntagsschule in dem hübschesten Stil aufzustutzen, wenn nicht wirkliche Frucht für den Herrn da ist. Und was soll ich sagen? Welcher Lohn kann der Bekehrung dieser jungen Unsterblichen gleichkommen? Ist es nicht nächst der Gemeinschaft mit unserm Herrn das höchste Glück, das wir auf Erden genießen können, diese Kleinen errettet zu sehen?

Wenn wir indes die Sonntagsschule ganz im allgemeinen nehmen, so denke ich, euer Lohn liegt teils darin, daß ihr ein Volk erzieht, das die Gottesverehrung liebt. Wir können die großen Massen in London nicht erreichen, wir mögen tun, was wir wollen. Wir werden dies Haus nächsten Sonntagabend allen Kommenden öffnen, aber wer wird kommen? Die große Menge derselben werden Personen sein, die immer zu einem Gotteshause gegangen sind, und nur wenige von denen, die sonst draußen bleiben, werden eintreten. Geht in eine evangelistische Versammlung, wo und wann ihr wollt, und ihr werdet an der Art des Singens bald die Beobachtung machen, daß die große Mehrzahl der Leute am heiligen Gesang gewöhnt ist. Wir wissen nicht, wie wir die großen Zehntausende erreichen sollen, aber ihr wißt es. Ihr erreicht sie, während sie klein sind, und ihr sendet sie heim, ihre Gesänge ihren Vätern vorzusingen, die nicht hierher kommen und sie singen. Sie gehen hin und erzählen ihren Müttern von Jesu, so. daß die Kinder Londons die Missionare unsrer Stadt sind. Ihr zieht sie auf, und wenn ihr diese Arbeit gut tut (und ich bitte euch, achtet wohl auf das Verbindungsglied zwischen euren älteren Klassen und der Gemeinde) - wenn ihr diese Arbeit gut tut, so werden wir mehr Orte der Gottesverehrung nötig haben und mehr eifrige Prediger, denn die Einwohner von London werden die Gewohnheit annehmen, zum Gotteshause zu gehen. Wenn dieser Tag kommt, so wird es eine große Zeit für die Prediger des Wortes werden. In einigen Dörfern in England und besonders in Schottland findet man kaum eine einzige Person abwesend, wenn das Gotteshaus offen ist! Sie gehen alle zur Kirche oder zum Versammlungshaus. Ach, es ist nicht so in London, wir haben Hunderttausende, die den Sonntag vergessen. Wir haben, fürchte ich, mehr als eine Million Mitbürger, die so selten in ein Gotteshaus gehen, daß man sagen kann, sie sind gewöhnlich abwesend. Es wird ein Großes sein, wenn ihr all dieses ändern und uns Kirchenbesuchende Millionen geben könnt. Und dann glaube ich, Brüder und Schwestern, daß für euch ein andrer Lohn da ist, nämlich der, daß ihr die ganze Bevölkerung mit religiöser Wahrheit durchtränkt. Alle Kinder lernen jetzt lesen. Sollen sie lesen so, daß sie zu Straßenräubern und Dieben aufwachsen, oder sollen sie lesen, so daß sie Diener des lebendigen Gottes werden? Sehr viel hängt dies von euch ab.

Ihr werdet, mit der gehörigen Unterordnung unter andre Gegenstände, Sorge tragen, eure Kinder zu interessanter, aber gesunder Lektüre zu leiten. Eure Knaben müssen lesen, und wenn ihr die Lehrer von Knaben seid, die schlechte Bücher lesen, so seid ihr sehr zu tadeln, wenn sie fortfahren, an solchen Greueln Vergnügen zu finden. Ich hoffe, euer Sauerteig wird das ganze Land durchsäuern, ihr werdet das Mittel sein, den moralischen Ton der Gesellschaft zu bessern, und wie Generation auf Generation folgt, so hoffe ich, werden wir ein Volk sehen, das von religiöser Kenntnis erhellt ist, in religiösem Denken und in allen Dingen durch Gerechtigkeit und Wahrheit erhöht. Was für ein Heer seid ihr heute abend! Möge unser Führer in eure Mitte treten, und wenn Er euch mustert, möge Er einen Blick der Liebe in das Herz eines. jeden von euch werfen, euch aufmuntern und euch gestärkt hinwegsenden.

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