Spurgeon, Charles Haddon - Die Unveränderlichkeit Gottes

„Ich bin der Herr, der nicht lügt. Und es soll mit euch Kindern Jakobs nicht gar aus sein.“
Mal. 3,6

„Ich bin der Herr, ich ändere mich nicht; darum werdet ihr Söhne Jakobs nicht verzehrt.“ (N. d. engl. Übers.)

Es hat jemand den Ausspruch getan: „Das eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch.“ Ich will dieser Vorstellung nicht entgegentreten, aber ich glaube, es ist ebenso wahr, daß das eigentliche Studium der Erwählten Gottes Gott ist; das eigentliche Studium eines Christen ist die Gottheit. Die höchste Wissenschaft, die erhabenste Spekulation, die mächtigste Philosophie, die je die Aufmerksamkeit eines Kindes Gottes in Anspruch nehmen kann, ist der Name, das Wesen, die Person, das Werk, die Taten und das Dasein des großen Gottes, den es seinen Vater nennt. In der Betrachtung der Gottheit ist etwas, was die Seele sehr veredelt. Es ist ein so großer Gegenstand, daß alle unsere Gedanken sich in seiner Unermeßlichkeit verlieren; ein so tiefer, daß unser Stolz in seiner Unendlichkeit untergeht. Andere Gegenstände können wir erfassen und ergreifen; wir fühlen eine Art Selbstzufriedenheit darin und gehen unseres Weges mit dem Gedanken: „Siehe, ich bin weise.“ Aber wenn wir zu dieser Hauptwissenschaft kommen und finden, daß unser Senkblei ihre Tiefe nicht ergründen und unser Adlerauge ihre Höhe nicht erreichen kann, so wenden wir uns ab mit dem Gedanken, daß der eitle Mensch weise sein möchte, aber hier wie das „Füllen des wilden Esels“ (Hiob 11, 12) ist und in den ernsten Ausruf einstimmt: „Ich bin nur von gestern und weiß nichts.“ Kein Gegenstand der Betrachtung wird mehr dazu dienen, den Geist zu demütigen, als der Gedanke an Gott.

Aber während der Gegenstand unseren Geist demütigt, erweitert er ihn zugleich. Wer oft an Gott denkt, hat einen umfassenderen Verstand als der, der sich nur auf dieser kleinen Erdkugel bewegt. Er mag ein Naturforscher sein, der sich seiner Fähigkeit rühmt, einen Käfer zu sezieren, eine Fliege zu zergliedern oder Insekten und Tiere in Klassen mit nahezu unaussprechlichen Namen zu ordnen; er mag ein Geologe sein und fähig sein, von dem Megatherium und von dem Plesiosaurus und allen Arten vorsintflutlicher Tiere zu reden; er mag sich vorstellen, daß seine Wissenschaft, welcher Art sie immer ist, seinen Geist veredelt und erweitert. Ich glaube wohl, daß sie dies tut; aber im Grunde ist das beste Studium, um die Seele zu erweitern, die Wissenschaft von Christus, dem Gekreuzigten, und die Kenntnis von der Gottheit in der glorreichen Dreieinigkeit. Nichts erweitert den Verstand so sehr, nichts erhebt die ganze Seele des Menschen so, wie eine andächtige, ernste, fortgesetzte Erforschung des großen Gegenstandes der Gottheit. Und dieser Gegenstand ist, während er demütigend und erweiternd wirkt, auch zugleich außerordentlich tröstlich. Oh, in der Betrachtung Christi ist ein Balsam für jede Wunde; im Nachdenken über den Vater ist eine Beruhigung für jeden Kummer; und in dem Einfluß des Heiligen Geistes ist Heilung für jeden Schmerz. Wollt ihr von euren Leiden befreit werden? Wollt ihr eure Sorgen ertränken? Dann geht und taucht euch in der Gottheit tiefstes Meer; verliert euch in seiner Unendlichkeit; und ihr werdet aufstehen wie von einem Ruhelager, erfrischt und gekräftigt. Ich weiß nichts, was so die Seele trösten kann; so die anschwellenden Wogen des Leides und des Schmerzes beruhigen; so die Wunde der Trübsal stillen, wie ein andächtiges Nachsinnen über die Gottheit. Dies ist der Gegenstand, zu dessen Betrachtung ich euch heute auffordere. Ich will euch eine Seite desselben darstellen, - das ist die Unveränderlichkeit des glorreichen Jahwe. „Ich bin,“ sagt mein Text, ,Jahwe„ (denn so sollte es wiedergegeben werden). „Ich bin Jahwe, ich ändere mich nicht; darum werdet ihr Söhne Jakobs nicht verzehrt.“

Es ist dreierlei, das wir heute betrachten wollen. Zuerst: einen unveränderlichen Gott; zweitens, diejenigen, die von dieser glorreichen Eigenschaft Gewinn haben, „die Söhne Jakobs“; und drittens, den Gewinn, den sie davon haben, sie „werden nicht verzehrt.“

1.

Zuerst wird uns die Lehre von der Unveränderlichkeit Gottes vor Augen gestellt. „Ich bin Gott, ich ändere mich nicht.“ Erst will ich versuchen, den Gedanken zu erklären oder vielmehr zu erweitern, und nachher ein paar Gründe vorbringen, um seine Wahrheit zu beweisen.

1.

Ich werde einige erklärende Andeutungen hinsichtlich meines Textes geben, indem ich zuerst bemerke, daß Gott Jahwe ist, und daß Er in seinem Wesen unveränderlich ist.

Wir können euch nicht sagen, was Gottheit ist. Wir wissen nicht, was für eine Substanz es ist, die wir Gott nennen. Es ist ein Sein, es ist ein Wesen, aber was das ist, das wissen wir nicht. Jedoch, was immer es ist, wir nennen es sein Wesen, und dieses Wesen ändert sich nie. Die Substanz vergänglicher Dinge wechselt beständig. Die Berge mit ihren schneeweißen Kronen legen ihr Diadem im Sommer ab, es tröpfelt in Strömen an ihren Seiten hinunter, während die Sturmwolken sie in anderer Weise krönen; der Ozean mit seinen mächtigen Fluten verliert Wasser, wenn die Sonnenstrahlen die Wellen küssen und sie als Nebel hinauf zum Himmel ziehen; die Sonne selber bedarf frischer Nahrung von der Hand der unendlichen Allmacht, ihren immer brennenden Feuerofen zu füllen.

Alle Geschöpfe ändern sich. Der Mensch, besonders in seinem Körper, ist einer beständigen Umwälzung unterworfen. Sehr wahrscheinlich ist, daß kein einziges Teilchen in meinem Körper ist, das vor einigen Jahren in ihm war. Diese Form ist durch beständige Tätigkeit abgenutzt, seine Teilchen sind durch Reibungen entfernt worden, während frische sie ersetzten, so daß trotz aller Veränderungen die Substanz meines Körpers keine andere geworden ist. Die Teile, aus denen diese Welt zusammengesetzt ist, sind in steter Bewegung begriffen, wie in einem Strom, in dem ein Tropfen dem anderen folgt und der doch stets voll Wassers ist, obwohl sich sein Inhalt beständig verändert.

Doch Gott ist stets derselbe. Er ist nicht aus irgendeiner Substanz oder einem Stoff zusammengesetzt, sondern ist Geist und deshalb unveränderlich. Er bleibt immer der Gleiche. Keine Furchen sind auf seiner ewigen Stirn. Kein Alter hat Ihn gelähmt; keine Jahre haben Ihn mit den Erinnerungen an ihr Dahineilen gezeichnet; Er sieht die Zeitalter vergehen, aber bei Ihm ist es immer jetzt. Er ist der große Ich bin - der große Unwandelbare. Merkt euch, sein Wesen erlitt keine Veränderung, als es mit der Menschheit vereint wurde. Als sich Christus in vergangenen Jahren mit sterblicher Erde umgürtete, wurde das Wesen seiner Gottheit nicht verändert; das Fleisch wurde nicht Gott, und Gott wurde nicht Fleisch durch eine wirkliche, tatsächliche Veränderung seiner Natur; die zwei waren in einer hyostatischen Weise vereinigt, aber die Gottheit war immer dieselbe. Sie war dieselbe, als Er als Kindlein in der Krippe lag, wie sie war, als Er die Vorhänge des Himmels ausbreitete; es war derselbe. Derselbe, der am Kreuze hing, und dessen Blut in einem Purpurstrom herabfloß, eben derselbe Gott, der die Welt auf seinen ewigen Schultern hält und in seiner Hand die Schlüssel der Hölle und des Todes trägt. Er hat sich nie in seinem Wesen verändert; nicht einmal durch seine Menschwerdung; Er bleibt ewig, allezeit der eine, unveränderliche Gott, der „Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung, noch Wechsel des Lichts und der Finsternis.“

2.

Er ändert sich nicht in seinen Eigenschaften. Was immer die Eigenschaften Gottes vor alters waren, das sind sie auch jetzt; und von jeder können wir singen:

„Wie es anfänglich war,
und ist, und bleiben wird
jetzund und immerdar.“

War Er mächtig? War Er der starke Gott, als Er die Welt aus dem Schoß des Nichtseins hervorrief? War Er der Allmächtige, als Er die Berge auftürmte und die Höhlungen für die wogende Tiefe ausgrub? Ja, Er war damals mächtig, und sein Arm ist auch jetzt nicht gelähmt; Er ist derselbe Riese in seiner Macht; sein Lebenssaft ist nicht vertrocknet, und die Stärke seiner Seele ist auf ewig die gleiche. War Er weise, als Er diese gewaltige Erdkugel bereitete, als Er die Gründe des Weltalls legte? Besaß Er die Weisheit, als Er den Weg zu unserer Seligkeit plante und seine guten Ratschläge entwarf? Ja, und Er ist jetzt weise; Er ist nicht weniger erfahren; Er hat nicht weniger Kenntnis; sein Auge, das alle Dinge sieht, ist ungetrübt; sein Ohr das alles Schreien, Seufzen, Schluchzen und Ächzen der Seinen vernimmt, ist nicht taub geworden durch all die Jahre, in denen Er schon ihre Gebete gehört hat. Er ist unverändert in seiner Weisheit; Er weiß so viel wie je, weder mehr noch weniger; Er hat dieselbe vollendete Kunstfertigkeit und dieselben unendlichen Entwürfe. Er ist unverändert, gelobt sei sein Name, in seiner Gerechtigkeit. Gerecht und heilig war Er in der Vergangenheit; gerecht und heilig ist Er jetzt. Er ist unverändert in seiner Wahrhaftigkeit; Er hat es verheißen und es geschieht; Er hat es gesagt und es wird getan. Er ändert sich nicht in seiner Güte, seiner Großmut und seinem Wohlwollen. Er ist nicht ein allmächtiger Tyrann geworden, während Er früher ein allmächtiger Vater war; seine starke Liebe steht wie ein Granitfelsen, unbewegt durch die Orkane unserer Missetaten. Und gelobt sei sein teurer Name, Er ist unverändert in seiner Liebe. Als Er den Bund zuerst schrieb, wie voll war da sein Herz von Liebe zu seinem Volk. Er wußte, daß sein Sohn sterben mußte, um die Artikel dieses Vertrags zu bekräftigen. Er wußte gut genug, daß Er seinen Eingeborenen von seinem Herzen reißen und Ihn auf die Erde senden mußte, um zu bluten und zu sterben. Er zauderte nicht, diesen gewaltigen Bund zu unterschreiben; und er scheute auch nicht seine Erfüllung. Er liebt ebensosehr jetzt, wie Er es damals tat, und wenn die Sonnen aufhören werden zu scheinen und die Monde ihr mattes Licht nicht mehr geben, so wird Er immer noch lieben von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Nehmt irgendeine Eigenschaft Gottes, und ich will darauf schreiben: semper idem (immer derselbe). Nehmt irgend etwas, was ihr jetzt von Gott sagen könnt, und es kann nicht nur von der dunklen Vergangenheit gesagt werden, sondern auch in der hellen Zukunft wird es immer das Gleiche bleiben: „Ich bin Jahwe, ich ändere mich nicht.“

3.

Gott ändert sich nicht in seinen Plänen. Jener Mann begann zu bauen, aber er konnte es nicht ausführen, und deshalb änderte er seinen Plan, wie jeder weise Mann in einem solchem Fall tun würde; er baute auf einer weniger umfangreichen Grundlage und fing von neuem an. Ist aber gesagt worden, daß Gott zu bauen begonnen habe, es aber nicht ausführen konnte? Nein. Wenn Ihm grenzenlose Vorräte zu Gebot stehen, und wenn seine Rechte Welten schaffen konnte, so zahlreich wie die Tropfen des Morgentaues, wird Er je innehalten, weil Ihm die Macht fehlt, es auszuführen? Oder wird er seinen Plan umstoßen, ändern oder auch außer Ordnung bringen, weil Er ihn nicht ausführen kann?

„Aber,“ sagen einige, „vielleicht hatte Gott niemals einen Plan.“ Denkst du, Mann, daß Gott törichter ist als du? Gehst du je zu Werk ohne einen Plan? „Nein,“ sagst du, „ich habe immer einen Entwurf.“ Das hat Gott auch. Jeder Mensch hat einen Plan, und Gott hat auch einen Plan. Gottes Geist ist ein erhabener; Er ordnete alles in seinem allumfassenden Verstand, lange bevor Er es tat; und nachdem Er es einmal bestimmt hat, merkt euch, da ändert Er es nie. „Dies soll geschehen,“ spricht Er, und die eiserne Hand des Schicksals schreibt es nieder, und es geschieht. „Dies ist mein Ratschluß,“ und er steht, und weder Erde noch Hölle können ihn ändern. „Dies ist mein Beschluß,“ verkündet ihn, Engel; reißt ihn herab von der Pforte des Himmels, ihr Teufel; aber ihr könnt den Beschluß nicht ändern; er soll ausgeführt werden.

Gott ändert nicht seine Pläne; warum sollte Er? Er ist allmächtig und kann deshalb nach seinem Wohlgefallen tun. Warum sollte Er? Er ist allweise, und kann deshalb nicht falsch geplant haben. Warum sollte Er? Er ist der ewige Gott, und kann deshalb nicht sterben, ehe sein Plan ausgeführt ist. Warum sollte Er sich ändern? Ihr wertlosen Atome des Daseins, Ephemera des Tages! ihr kriechenden Insekten auf diesem Blatt des Daseins! ihr mögt eure Pläne ändern, aber Er wird nie, niemals seine ändern. Hat Er mir denn gesagt, daß es sein Plan ist, mich zu erretten? Wenn ja, so bin ich sicher.

4.

Weiter noch, Gott ist unwandelbar in seinen Verheißungen. Ach! wir sprechen so gern von den lieblichen Verheißungen Gottes; aber wenn wir je anzunehmen vermöchten, daß eine von ihnen verändert werden könnte, so würden wir nichts mehr darüber sagen. Wenn ich dächte, die Noten der Bank von England würden nächste Woche nicht mehr gültig sein, so würde ich mich weigern, sie anzunehmen; und wenn ich dächte, daß Gottes Verheißungen nie erfüllt würden - wenn ich dächte, Gott würde es für recht halten, irgendein Wort in seinen Verheißungen zu ändern, - Lebewohl, Bibel! Ich bedarf unveränderlicher Dinge! Und ich finde, daß ich unveränderliche Verheißungen habe, wenn ich mich zur Schrift wende: denn „durch zwei Stücke, die nicht wanken, denn es ist unmöglich, daß Gott lüge,“ hat Er jede seiner Verheißungen unterschrieben, bestätigt und versiegelt. Das Evangelium ist nicht „Ja und Nein,“ es verheißt nicht heute und verweigert morgen; sondern das Evangelium ist „Ja, Ja,“ zur Ehre Gottes. Gläubiger! es war eine köstliche Verheißung, die du gestern hattest; und diesen Morgen, als du deine Bibel aufschlugst, war sie dir nicht angenehm. Weißt du, warum? Meinst du, die Verheißung habe sich geändert? Ach nein! Du hast dich verändert; das ist es, woran es liegt. Du hattest einige der Trauben Sodoms gegessen, und davon einen bitteren Geschmack im Mund behalten, deshalb konntest du die Süßigkeit nicht schmecken. Aber es war derselbe Honig darin, verlaß dich darauf, und dieselbe Kostbarkeit. „Oh,“ sagt ein Kind Gottes,“ ich hatte einst mein Haus fest auf einige zuverlässige Verheißungen gebaut; da kam ein Wind, und ich sagte: oh Herr, ich bin niedergeworfen und werde verloren gehen.„ Oh, die Verheißungen waren nicht umgestoßen. Der Grund war nicht bewegt; es war deine kleine „Holz-, Heu- und Stoppel“-Hütte, die du gebaut hattest. Die war es, die niederfiel. Du bist auf dem Felsen erschüttert worden, nicht der Fels unter dir.

Aber laß mich dir sagen, was die beste Lebensweise in der Welt ist. Ich habe gehört, daß ein Herr zu einem Neger sagte: „Ich weiß nicht, wie es kommt, daß du immer so fröhlich in dem Herrn bist und ich so oft niedergedrückt bin.“ „Nun, Massa,“ sagte er,“ ich werfe mich platt nieder auf die Verheißung - da liege ich; Sie stehen auf der Verheißung, Sie haben nur wenig damit zu tun, daher fallen Sie um, wenn der Wind daherbraust und rufen dann: oh, ich bin gefallen; während ich mich sofort platt auf die Verheißung hinlege und darum keinen Fall fürchte.„ Deshalb laßt uns immer sagen: „Herr, da ist die Verheißung; es ist deine Sache, sie zu erfüllen.“ Platt auf die Verheißung lege ich mich nieder; für mich gibt es kein Stehen. Das ist es, wohin ihr gehen solltet, - nieder auf die Verheißung: und denkt daran, jede Verheißung ist ein Felsen, etwas Unveränderliches. Deshalb werft euch zu Gottes Füßen nieder und bleibt da für immer.

5.

Aber nun kommt ein Mißton, der das Thema verdirbt. Für einige von euch ist Gott unveränderlich in seinen Drohungen. Wenn jede Verheißung feststeht und jeder Eid des Bundes erfüllt wird, höre, Sünder! - merke das Wort - höre die Totenglocke deiner fleischlichen Hoffnungen; siehe das Begräbnis deines fleischlichen Vertrauens. Jede Drohung Gottes wird, genau wie jede Verheißung, erfüllt werden. Redet von Beschlüssen! Ich will euch einen Beschluß sagen: ,Wer nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ Moralist, was sagst du dazu? O, du wünschst, du könntest ihn ändern und sagen: „Wer nicht ein heiliges Leben führt, der wird verdammt werden.“ Das wird wahr sein, aber es heißt nicht so. Es heißt: „Wer nicht glaubt.“ Hier ist der Stein des Anstoßes und der Fels des Ärgernisses; aber du kannst ihn nicht ändern. Du mußt glauben oder verdammt werden, sagt die Bibel; und merke dir, diese Drohung Gottes ist ebenso unveränderlich wie Gott selber. Und wenn tausend Jahre der Höllenqualen vergangen sind, wirst du emporblicken und in brennenden, feurigen Buchstaben geschrieben sehen: „Wer nicht glaubt, wird verdammt werden.“ „Aber, Herr, ich bin verdammt.“ Dennoch heißt es, wird werden„ immer noch. Und wenn eine Million von Zeitaltern verflossen sein werden und du erschöpft bist von Schmerzen und Qualen, wirst du dein Auge aufheben und immer noch lesen: „wird verdammt werden, unverändert, unwandelbar. Und wenn du gedacht haben wirst, daß die Ewigkeit ihren letzten Faden ausgesponnen haben müsse - daß jedes Teilchen von dem, was wir Ewigkeit nennen, abgelaufen sein müsse, wirst du es immer noch dort geschrieben sehen: „Wird verdammt werden.“

Oh, schrecklicher Gedanke! Wie darf ich ihn aussprechen? Aber ich muß. Ihr müßt gewarnt werden, Menschen, „auf daß ihr nicht auch an diesen Ort der Qual kommt.“ Man muß euch harte Dinge sagen; denn wenn Gottes Evangelium nicht ein hartes Ding ist, so ist das Gesetz zweifellos ein solches. Der Berg Sinai ist ein harter Gegenstand. Wehe dem Wächter, der die Ungöttlichen nicht warnt! Gott ist unwandelbar in seinen Drohungen. Hüte dich, oh Sünder, denn „schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“

6.

Ich muß noch einen Gedanken andeuten, ehe ich weiter gehe, und der ist - Gott ist unveränderlich in den Gegenständen seiner Liebe - nicht nur in seiner Liebe, sondern in den Gegenständen seiner Liebe. Wenn ein Heiliger Gottes umgekommen wäre, so könnten alle umkommen; wenn einer von denen, die in dem Bund sind, verloren ginge, so könnten es alle, und dann ist keine Verheißung des Evangeliums wahr, sondern die Bibel ist eine Lüge und nichts darin meiner Annahme würdig: Ich würde sofort ein Ungläubiger sein, wenn ich zu glauben vermag, daß ein Heiliger endgültig fallen kann. Wenn Gott mich einmal geliebt hat, so wird Er mich auf ewig lieben. Die Gegenstände der ewigen Liebe ändern sich niemals. Die Menschen, die Gott berufen hat, die hat Er auch gerecht gemacht; wen Er aber gerecht gemacht, den hat Er auch herrlich gemacht.

Nachdem ich so vielleicht zu viel Zeit daran gewandt, dir einfach den Gedanken eines unveränderlichen Gottes vor Augen zu stellen, will ich nun zu beweisen versuchen, daß Er unveränderlich ist. Ich bin zwar kein Prediger, der sich viel mit logischen Argumenten beschäftigt, aber ein Argument möchte ich doch anführen, nämlich:

1. Das Wesen eines Gottes an sich scheint mir Unveränderlichkeit einzuschließen. Laßt uns einen Augenblick nachdenken. Es ist ein Gott; dieser Gott regiert und alle Dinge beherrscht; dieser Gott machte die Welt; Er erhält sie. Was für eine Art von Wesen muß Er sein? Mir scheint, man kann sich einen veränderlichen Gott gar nicht denken; ein solcher Gedanke ist dem gesunden Menschenverstand zuwider. Wenn ihr euch nur einen Augenblick einen veränderlichen Gott vorstellt, so werdet ihr schon in den Worten einen ungeheuren Widerspruch entdecken und genötigt sein zu sagen: „Dann muß Er eine Art Mensch sein,“ und werdet eine mormonische Idee von Gott erhalten. Mir scheint, es ist unmöglich, einen veränderlichen Gott zu begreifen; mir wenigstens ist es nicht möglich. Andere mögen einer solchen Vorstellung fähig sein, aber ich vermag sie nicht zu hegen. Ich könnte ebensowenig mir einen veränderlichen Gott denken, wie ein rundes Viereck oder irgendeine andere Abgeschmacktheit. Die Sache scheint so widersinnig, daß ich gezwungen bin, die Vorstellung eines unveränderlichen Wesens darin einzuschließen, wenn ich einmal Gott sage,.

2. Nun, ich denke, dieses eine Argument genügte, aber es läßt sich ein anderes finden in der Tatsache, daß Gott vollkommen ist. Ich glaube, daß Gott ein vollkommenes Wesen ist. Nun, wenn Er ein vollkommenes Wesen ist, so kann Er sich nicht ändern. Seht ihr dies nicht? Angenommen, ich wäre heute vollkommen; wenn es für mich möglich wäre, mich zu ändern, würde ich morgen nach der Änderung auch noch vollkommen sein? Wenn ich mich veränderte, müßte ich entweder aus einem guten Zustand in einen besseren übergehen, und wenn ich besser werden könnte, dann könnte ich jetzt nicht vollkommen sein - oder sonst von einem besseren Zustand in einen schlechteren - und wenn ich schlechter würde, dann würde ich nicht vollkommen sein. Wenn ich vollkommen bin, kann ich mich nicht ändern, ohne unvollkommen zu werden. Wenn ich heute vollkommen bin, so muß ich morgen derselbe sein, wenn ich morgen vollkommen sein soll. So, wenn Gott vollkommen ist, muß Er stets derselbe sein; denn Veränderung würde Unvollkommenheit, entweder jetzt oder nachher, einschließen.

3. Es ist die Unendlichkeit Gottes, die keine Veränderung aufkommen lassen kann. Gott ist ein unendliches Wesen. Was versteht ihr darunter? Es gibt keinen Menschen, der euch sagen könnte, was er unter einem unendlichen Wesen versteht. Aber es kann nicht zwei Unendlichkeiten geben. Wenn etwas unendlich ist, so ist kein Raum da für irgend etwas anderes, denn unendlich bedeutet alles. Es bedeutet: nicht begrenzt, nicht endlich, kein Ende haben. Nun, es kann nicht zwei Unendlichkeiten geben. Wenn Gott heute unendlich wäre und dann sich änderte und morgen unendlich wäre, so gäbe es zwei Unendlichkeiten. Aber das kann nicht sein. Angenommen, Er wäre unendlich und änderte sich dann, so müßte Er endlich werden und könnte nicht Gott sein; entweder ist Er heute endlich und morgen endlich, oder heute unendlich und morgen endlich - oder heute endlich und morgen unendlich - und alle diese Annahmen sind gleicherweise abgeschmackt. Die Tatsache, daß Er ein unendliches Wesen ist, vernichtet sofort den Gedanken, daß Er ein veränderliches Wesen sei Die Unendlichkeit trägt an ihrer Stirn das Wort „Unveränderlichkeit“ geschrieben.

4. Aber dann, liebe Freunde, laßt uns auf die Vergangenheit blicken, und da werden wir einige Beweise von der unveränderlichen Natur Gottes finden. „Hat Er gesprochen, und hat Er es nicht getan? Hat Er geschworen, und ist es nicht geschehen?“ Kann nicht von Jahwe gesagt werden: „Er hat alles getan, was Er wollte, und seinen ganzen Ratschluß vollendet?“ Wendet euch nach Philistäa, und fragt, wo es ist. Gott sprach: „Heule, Asdod und ihr Tore zu Gasa, denn ihr sollt fallen;“ und wo sind sie? Wo ist Edom? Fragt Petra und seine zerstörten Mauern. Werden sie nicht die Wahrheit widerhallen, daß Gott gesagt hat: „Edom soll ein Raub sein und soll zerstört werden?“ Wo ist Babel und wo ist Ninive? Wo Moab und wo Ammon? Wo sind die Völker, von denen Gott sagte, daß Er sie zerstören wolle? Hat Er sie nicht ausgerottet und ihr Andenken von der Erde vertilgt?

Und hat Gott sein Volk verstoßen? Hat Er ein einziges Mal seine Verheißung vergessen? Hat Er auch nur einmal seinen Eid und Bund gebrochen, oder ist Er ein einziges Mal von seinem Plan abgewichen? Ah, nein. Zeige auf ein Beispiel in der Geschichte, wo Gott sich geändert hat! Du kannst es nicht. Denn in der ganzen Weltgeschichte steht die Tatsache fest, daß Gott unveränderlich in seinen Ratschlüssen gewesen ist. Mir scheint, ich höre jemanden sagen: „Ich erinnere mich einer Stelle in der Heiligen Schrift, wo Gott sich geändert hat!“ Und ich dachte das auch einmal. Der Fall, den ich meine, ist der Tod des Hiskia. Jesaja kam herein und sagte zu Hiskia: „So spricht der Herr: Bestelle dein Haus, du wirst sterben und nicht lebendig bleiben“ (Jes. 58, 1). Er wandte sein Angesicht nach der Wand und begann zu beten, und ehe Jesaja noch „in dem äußeren Hofe“ (n. d. engl. Ü.) war, wurde ihm befohlen, zurückzugehen und zu sagen: „Ich will deinen Tagen noch fünfzehn Jahre zulegen“ (Jes. 38, 4). Ihr mögt denken, dies beweise, daß Gott sich ändert: aber, ich kann in der Tat darin nicht den allergeringsten Beweis sehen. Wie weißt du, daß Gott dies nicht wußte? Oh! aber Gott wußte es, Er wußte, daß Hiskia leben würde. Dann hat Er sich nicht geändert, denn wenn Er es wußte, wie konnte Er sich ändern? Das ist es, was ich wissen möchte. Aber wißt ihr einen kleinen Umstand? Hiskias Sohn Manasse war zu der Zeit noch nicht geboren, und wenn Hiskia gestorben wäre, wäre kein Manasse und kein Josia und kein Christus da gewesen, denn Christus stammte von eben dieser Linie ab. Ihr werdet finden, daß Manasse zwölf Jahre alt war, als sein Vater starb; so daß er erst drei Jahre nach dem Gespräch mit Jesaja geboren sein muß. Und glaubt ihr nicht, daß Gott die Geburt des Manasse vorher beschlossen und vorher gesehen hat? Gewiß. Dann beschloß Er, daß Jesaja hingehen und dem Hiskia sagen sollte, daß seine Krankheit unheilbar sei und dann in demselben Atemzug sagen: „Siehe, ich will dich gesund machen, und du sollst leben.“ Er sagte das, um Hiskia zum Gebet anzuspornen. Er sprach zuerst wie ein Mensch. „Aller menschlichen Wahrscheinlichkeit nach ist deine Krankheit unheilbar, und du mußt sterben.“ Dann wartete Er, bis Hiskia betete; darauf kam ein kleines „aber“ am Ende des Satzes. Jesaja hatte diesen nicht beendet. Er hatte gesagt: „Bestelle dein Haus, denn es ist keine menschliche Hilfe da, aber“ (und dann ging er hinaus. Hiskia betete, und dann kam Jesaia wieder herein und sagte:) „Aber ich will dich gesund machen.“ Wo ist hier irgendein Widerspruch, ausgenommen in dem Gehirn derer, die gegen den Herrn kämpfen und wünschen, Ihn zu einem veränderlichen Wesen zu machen.

II.

Nun zweitens laßt mich ein Wort über die Personen sagen, für die diese Unveränderlichkeit Gottes ein Gewinn ist „Ich bin Gott, ich ändere mich nicht; darum werdet ihr Söhne Jakobs nicht verzehrt.“ Nun, wer sind die „Söhne Jakobs“, die sich freuen können über einen unveränderlichen Gott?

1. Zuerst, diejenigen sind die Söhne, die Gott erwählt hat; denn es steht geschrieben: „Jakob habe ich geliebet, aber Esau habe ich gehaßt,“ ehe die Kinder geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten. Es steht geschrieben: „Der Größere soll dem Kleineren dienstbar werden.“ Gottes Erwählte werden hier unter den „Söhnen Jakobs“ verstanden - die, die Er vorher versah und verordnete zur ewigen Seligkeit.

2. Unter den „Söhnen Jakobs“ werden zweitens Personen verstanden, die besondere Rechte genießen. Jakob hatte, wie ihr wißt, keine Rechte durch Geburt; aber erwarb sie bald. Er tauschte ein Linsengericht mit seinem Bruder Esau und gewann so das Erstgeburtsrecht. Ich rechtfertige die Mittel nicht; aber er erhielt auch den Segen und erwarb so besondere Rechte. Mit den „Söhnen Jakobs“ werden hier Personen gemeint, die besondere Rechte haben. Denen, die an Ihn glauben, hat Er Recht und Macht gegeben, Gottes Kinder zu werden. Sie haben einen Anteil an dem Blute Christi; sie haben ein Recht, durch „die Tore in die Stadt einzugehen;“ sie haben ein Anrecht auf ewige Ehren; sie haben eine Verheißung der ewigen Herrlichkeit; sie haben ein Recht, sich Kinder Gottes zu nennen. Oh! es sind besondere Rechte und Vorrechte, die den „Söhnen Jakobs“ gehören.

3. Aber ferner waren diese „Söhne Jakobs“ Menschen, denen besondere Offenbarungen zuteil geworden sind. Jakob hatte besondere Offenbarungen von Gott gehabt und war damit hoch geehrt. Einmal lag er nachts und schlief; die Hecken dienten ihm als Vorhänge, der Himmel war sein Baldachin; einen Stein hatte er als Kopfkissen, und die Erde war sein Bett. Oh! da hatte er eine besondere Offenbarung. Da war eine Leiter, und er sah die Engel auf- und absteigen. Er hatte so eine Offenbarung von Christus Jesus als der Leiter, die von der Erde bis zum Himmel reicht, auf der Engel hinauf- und herabkommen, uns Gnadenbeweise zu bringen. Dann, was für eine Offenbarung war dort zu Mahanaim, wo die Heere Gottes ihm begegneten; und wiederum zu Pniel, wo er mit Gott kämpfte und Ihn von Angesicht zu Angesicht sah. Dies waren besondere Offenbarungen, und diese Stelle bezieht sich auf die, die wie Jakob besondere Offenbarungen gehabt haben.

Nun denn, wie viele von euch haben persönliche Offenbarungen gehabt? „Oh!“ sagt ihr, „das ist Enthusiasmus, das ist Fanatismus.“ Nun, es ist ein gesegneter Enthusiasmus, denn die „Söhne Jakobs“ haben besondere Offenbarungen gehabt. Sie haben mit Gott geredet, wie ein Mann mit seinem Freunde redet; sie haben in das Ohr Jahwes geflüstert; Christus hat mit ihnen das Abendmahl gehalten und sie mit Christus; und der Heilige Geist hat mit so mächtigem Glanz in ihre Seele hinein geschienen, daß sie keinen Zweifel an besonderen Offenbarungen hatten. Die „Söhne Jakobs“ sind diejenigen, die sich solcher Offenbarungen erfreuen.

4. Wieder sind sie Menschen, die besondere Prüfungen haben. Ah! armer Jakob! Ich würde nicht Jakobs Los wählen, wenn ich nicht die Aussicht auf Jakobs Segen hätte. Denn sein Los war ein hartes. Er mußte aus seines Vaters Haus zu Laban fliehen, und dann betrog ihn dieser grämliche, alte Laban all die Jahre, die er bei ihm zubrachte - betrog ihn um sein Weib, betrog ihn um seinem Lohn, betrog ihn um seine Herden, kurz, er betrog ihn überall. Später hatte er vor Laban zu fliehen, der ihn verfolgte und einholte. Darauf kam Esau mit vierhundert Mann, um ihn mit Stumpf und Stiel auszurotten. Dann kam eine Zeit des Gebets, darauf kämpfte er und hatte sein ganzes Leben lang mit einer verrenkten Hüfte zu gehen. Ein wenig später starb Rahel, sein geliebtes Weib. Darauf wird seine Tochter Dina verführt, und seine Söhne ermorden die Sichemiten. Nachher wird sein teurer Josef nach Ägypten verkauft und eine Teuerung kommt. Darauf steigt Ruben auf seines Vaters Lager und verunreinigt es; Juda begeht Blutschande mit seiner eigenen Schwiegertochter; und alle seine Söhne werden ihm eine Plage. Zuletzt wird ihm Benjamin genommen; und der alte Mann ruft mit gebrochenem Herzen: „Josef ist nicht mehr vorhanden, Simeon ist nicht mehr vorhanden, Benjamin wollt ihr hinwegnehmen“ 1 Mose 42, 36. Niemals ist ein Mensch mehr geprüft worden als Jakob, alles durch die eine Sünde, daß er seinen Bruder betrog. Sein ganzes Leben hindurch züchtigte ihn sein Gott.

Aber ich glaube, es gibt viele, die mit dem lieben, alten Jakob fühlen können. Sie haben ganz ähnliche Prüfungen zu bestehen gehabt. Nun, ihr Kreuzträger! Gott sagt: „Ich ändere mich nicht, darum werdet ihr Söhne Jakobs nicht verzehrt.“ Arme geprüfte Seelen! ihr werdet nicht verzehrt, weil das Wesen eures Gottes ein unveränderliches ist. Nun geht nicht sorgenvoll umher und sagt mit dem Dünkel des Elends: „Ich bin der Mann, der Trübsal gesehen hat.“ Der „Schmerzensmann“ litt mehr als ihr; Jesus war in der Tat ein Leidtragender. Ihr seht nur die Säume der Trübsalsgewänder. Ihr hattet niemals Leiden wie die seinen. Ihr versteht nicht, was Nöte sind; ihr habt kaum den Schmerzensbecher an die Lippen gesetzt; ihr habt kaum ein paar Tropfen gehabt, aber Jesus hat ihn bis auf die Hefen getrunken. „Fürchtet euch nicht,“ spricht Gott, „ich bin der Herr, ich ändere mich nicht; darum, ihr Söhne Jakobs,“ Männer der besonderen Leiden, „werdet ihr nicht verzehrt.“

5. Dann noch einen Gedanken über die, die „Söhne Jakobs“ sind, denn ich möchte, daß ihr herausfindet, ob ihr selber „Söhne Jakobs“ seid. Es sind Männer von einem besonderen Charakter; obwohl manches in dem Charakter Jakobs ist, was wir nicht loben können, so ist doch einiges darin, was Gott lobt. Da war Jakobs Glaube, durch den Jakobs Name unter die Großen geschrieben ist, die die Verheißungen nicht auf Erden erlangten, sie aber im Himmel erlangen werden. Seid ihr Glaubensmänner, Geliebte? Wißt ihr, was es ist, im Glauben zu wandeln, im Glauben zu leben, eure irdische Nahrung durch den Glauben zu erhalten, vom geistlichen Manna zu leben - alles durch den Glauben? Ist Glaube die Regel eures Lebens? Wenn das so ist, so seid ihr „Söhne Jakobs.“

Ferner war Jakob ein Mann des Gebets - ein Mann, der rang und seufzte und betete. Dort drüben ist ein Mann, der heute morgen nicht betete, ehe er ins Gotteshaus kam. Ach, du armer Heide, betest du nicht? „Nein!“ sagt er, „ich habe nie daran gedacht; seit Jahren bete ich nicht.“ Nun, ich hoffe, du wirst es, ehe du stirbst. Lebe und stirb ohne Gebet, so wirst du lange genug beten, wenn du in die Hölle kommst. Da ist eine Frau: sie betete heute morgen nicht, sie hatte soviel zu tun, ihre Kinder zur Sonntagsschule zu senden, sie hatte keine Zeit zu beten. Keine Zeit zu beten? Hattest du Zeit zum Ankleiden? Es ist eine Zeit für alles Vorhaben unter dem Himmel, und wenn du dir vorgenommen hättest, zu beten, so würdest du es getan haben. Gottes Kinder können nicht ohne Gebet leben. Sie ringen wie Jakob. Sie sind Männer, in denen der Heilige Geist so wirkt, daß sie ebensowenig ohne Gebet leben können, wie ich leben kann ohne zu atmen. Sie müssen beten. Merkt euch, wenn ihr ohne Gebet lebt, so lebt ihr ohne Christus; und wenn ihr so sterbt, wird euer Teil in dem feurigen Pfuhl sein. Gott erlöse euch, Gott rette euch von einem solchen Los! Aber ihr, die ihr „Söhne Jakobs“ seid, tröstet euch, denn Gott ist unveränderlich.

III.

Ich kann drittens nur ein Wort über den Gewinn, den diese „Söhne Jakobs “ von einem unveränderlichen Gott haben, sagen. „Darum werdet ihr Söhne Jakobs nicht verzehrt.“ „Verzehrt?“ Wie? Wie kann ein Mensch verzehrt werden? Nun, es gibt zwei Arten. Wir hätten in der Hölle verzehrt werden können. Wenn Gott ein veränderlicher Gott wäre, so hätten die „Söhne Jakobs“, die heute hier sind, in der Hölle verzehrt werden können; wäre nicht Gottes unveränderliche Liebe, so wäre ich ein Bündel in dem Feuer gewesen.

Aber es gibt auch eine Art, in dieser Welt verzehrt zu werden; man kann gerichtet sein, ehe man stirbt - „schon gerichtet;“ man kann leben und doch gänzlich tot sein. Wir hätten unseren eigenen Anschlägen überlassen bleiben können; und wo wären wir dann jetzt gewesen? Schwelgend mit dem Trunkenbold, den allmächtigen Gott lästernd. Oh, hätte Er euch verlassen, meine Teuren, wäre Er ein veränderlicher Gott gewesen, so wäret ihr unter den Unreinsten der Unreinen und den Schändlichsten der Schändlichen. Könnt ihr euch nicht in eurem Leben ähnlicher Zeiten erinnern, wie ich sie gefühlt habe? Ich bin ganz bis an den Rand der Sünde gegangen; irgendeine starke Versuchung hatte mich bei beiden Armen ergriffen, so daß ich nicht damit ringen konnte. Ich wurde fortgestoßen, fortgeschleppt von einer furchtbaren satanischen Macht bis an den Rand eines schrecklichen Abgrundes. Ich habe hinab, hinab, hinabgeblickt und meinen Teil gesehen; ich zitterte am Rand des Verderbens. Ich bin entsetzt gewesen, die Haare sträubten sich mir, als ich an die Sünde dachte, die ich im Begriff war, zu begehen, den furchtbaren Abgrund, in den ich beinahe gefallen wäre. Ein starker Arm hat mich errettet. Ich bin zurückgefahren und habe ausgerufen: O Gott! konnte ich der Sünde so nahe kommen und dennoch zurückkehren? Konnte ich ganz an den Feuerofen hintreten und nicht niederfallen, wie Nebukadnezars starke Männer, verzehrt von der Hitze?

Oh! Ist es möglich, daß ich heute hier bin, wenn ich an die Sünden denke, die ich getan habe, und an die Verbrechen, die durch meine verderbte Einbildungskraft gezogen sind? Ja, ich bin hier, unverzehrt, weil der Herr sich nicht ändert. Oh, wenn Er sich änderte, würden wir in den verschiedensten Arten verzehrt sein; wenn der Herr sich veränderte, würdet ihr und ich durch uns selber verzehrt sein; denn im Grunde ist das Ich der schlimmste Feind, den ein Christ hat. Wir würden Selbstmörder unserer eigenen Seele geworden sein; wir hätten den Giftbecher für unseren eigenen Geist gemischt, wenn der Herr nicht ein unveränderlicher Gott gewesen wäre und den Becher aus unserer Hand gestoßen hätte, als wir im Begriff standen, ihn zu trinken. Dann würden wir auch von Gott selber verzehrt worden sein, wäre Er nicht ein wandelloser Gott. Wir nennen Gott einen Vater; aber es ist kein Vater in der Welt, der nicht alle seine Kinder längst vor Erbitterung getötet haben würde, hätte er halb so viel Not mit ihnen gehabt, wie Gott mit den Seinigen. Gott hat die lästigsten Kinder in der Welt - ungläubig, undankbar, ungehorsam, vergeßlich, rebellisch, irrend, murrend und hartnäckig. Gut ist es, daß Er langmütig ist, sonst hätte Er bei einigen von uns längst nicht nur die Rute, sondern das Schwert gebraucht. Aber es war nichts in uns zu lieben am Anfang, so kann jetzt nicht weniger da sein. John Newton pflegte eine komische Geschichte zu erzählen und auch darüber zu lachen, von einer guten Frau, die, um die Lehre von der Erwählung zu beweisen, sagte: „Ach, der Herr muß mich geliebt haben, ehe ich geboren war, sonst hätte Er nachher nichts in mir zu lieben gefunden.“ Ich bin gewiß, daß dies von mir wahr ist, und wahr in bezug auf die meisten Gotteskinder; denn es ist so wenig in ihnen zu lieben, nachdem sie geboren sind, daß Er, wenn Er sie nicht vorher geliebt hätte, nachher keine Ursache gesehen hätte, sie zu erwählen; aber da Er sie ohne Werke liebte, so liebt Er sie noch immer ohne Werke; da ihre guten Werke nicht seine Liebe gewannen, so können schlechte Werke diese Liebe nicht vernichten; da ihre Gerechtigkeit nicht seine Liebe an sie band, so kann ihre Schlechtigkeit die goldenen Ketten nicht brechen. Er liebte sie aus reiner, unumschränkter Gnade, und Er wird sie noch immer lieben. Aber wir wären vom Teufel verzehrt worden, und von unseren Feinden - verzehrt von der Welt, verzehrt von unseren Sünden, von unseren Leiden und in hundert anderen Weisen, wenn Gott sich je änderte.

Nun, die Zeit fehlt uns, und ich kann nur wenig sagen. Ich habe nur flüchtig den Text berührt. Ich übergebe ihn jetzt euch. Möge der Herr euch „Söhnen Jakobs“ helfen, diese Portion Speise mitzunehmen; eßt sie; nährt euch davon. Möge der Heilige Geist euch die herrlichen Dinge ins Herz drücken; die geschrieben stehen! Und mögt ihr „ein fettes Mahl, von Wein, darinnen keine Hefen sind!“ haben. Denkt daran, Gott ist derselbe, was immer auch sich ändert. Eure Freunde mögen sich abwenden, eure Prediger hinweggenommen werden, alles mag sich ändern, aber Gott nicht. Eure Brüder mögen sich ändern und euren Namen als schändlich verwerfen: aber Gott wird euch noch lieben. Eure Stellung. in der Welt mag sich ändern und euer Vermögen schwinden; euer ganzes Leben arg erschüttert werden, ihr mögt schwach und kränklich werden; laßt alles fliehen - es gibt einen Platz, auf den der Wechsel nicht seinen Finger legen kann; es gibt einen Namen, auf den nie Veränderlichkeit geschrieben werden kann; es gibt ein Herz, das nie sich wandeln kann; das Herz ist Gottes -

„Gott, wie Du bist, so warst Du schon,
Noch ehe Du von Deinem Thron
Sprachst Dein allmächtig: Werde!
Und riefest aus dem Nichts hervor
Den Himmel und die Erde.

Du wirst auch bleiben, wie Du bist,
Wenn längst die Erde nicht mehr ist,
Wenn längst schon Ewigkeiten
Uns Kämpfer krönen, die wir hier
Um Deinen Himmel streiten.

Gott, mit Dir unveränderlich
Wird auch das Wort der Wahrheit sich
Beschützen und erhalten,
Wenn alle Welten, die Du schufst,
Wie ein Gewand veralten.

Ob Felsen weichen, Berg' ins Tal
Sich stürzen, daß von ihrem Fall
Die Erde weit erzittert,
Bleibt Deiner Liebe Bund mit mir
Doch ewig unerschüttert.

Was zagt denn meine Seel' in mir?
Was klag' ich ängstlich, daß ich hier
Kein dauernd Gut genieße,
Und daß in Unbeständigkeit
Dies Leben mir verfließe?

Was klag' ich? Liebest Du mich doch
Mit aller Deiner Liebe noch
Und wirst mich ewig lieben;
Hast selber meinen Namen Dir
In Deine Hand geschrieben.

Ja, ich bin Gottes, Gott ist mein,
Und ewig, ewig wird es sein;
Nichts kann von Ihm mich scheiden.
Die Welt vergeht mir ihrer Lust,
Nicht Gott und seine Freuden!“

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