Spurgeon, Charles Haddon - Die Taufe - ein Begräbnis

„Wißt ihr nicht, daß wir alle, die wir in Jesus Christus getauft sind, in seinen Tod getauft sind? So sind wir jetzt mit Ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit wir, so wie Christus auferweckt wurde von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch in einem neuen Leben wandeln.“
Röm. 6,3.4

Ich werde mich nicht in einen Streit über den Text einlassen, obwohl viele dabei die Frage, ob Kindertaufe oder die Taufe der Gläubigen, Untertauchen oder Besprengen, aufgeworfen haben. Wenn irgendwelche Personen eine konsequente und lehrreiche Auslegung des Textes anders geben können, als dadurch, daß sie annehmen, das Untertauchen der Gläubigen sei die christliche Taufe, so möchte ich sie dies tun sehen. Ich selbst bin ganz unfähig, eine solche Tat zu vollbringen oder mir auch nur vorzustellen, wie sie ausgeführt werden könnte. Ich bin zufrieden, bei der Ansicht zu bleiben, daß die Taufe das Begräbnis der Gläubigen im Wasser in den Namen des Herrn bedeutet, und in diesem Sinne werde ich den Text auslegen. Wenn andere nicht so denken, so mag es sie wenigstens interessieren, zu wissen, was wir als die Bedeutung der Taufe betrachten, und ich hoffe, daß sie den geistlichen Sinn darum nicht geringer schätzen werden, weil sie von dem äußeren Zeichen anders denken als wir. Im Grunde ist das sichtbare Sinnbild nicht die Hauptsache in dem Text. Möge Gott, der Heilige Geist, uns helfen, seinen inneren Sinn zu erfassen.

Ich verstehe Paulus nicht so, daß er sagt, wenn ungeeignete Personen, wie Ungläubige, Heuchler und Betrüger, getauft werden, werden sie in unseres Herrn Jesu Tod getauft. Er sagt: ,alle, die wir,„ und stellt sich selbst mit den übrigen Kindern Gottes zusammen. Er meint die, die ein Recht auf die Taufe haben und in dem richtigen Zustand ihres Herzens dazu kommen. Von ihnen sagt er: ,Wißt ihr nicht, daß wir alle, die wir in Jesus Christus getauft sind, in seinen Tod getauft sind? , Er will nicht einmal sagen, daß alle, die rechtmäßig getauft sind, den vollen geistlichen Sinn erfaßt haben; denn wenn sie das hätten, wäre die Frage: ,Wißt ihr nicht?“ unnötig. Es scheint, als wenn einige, die getauft waren, die Bedeutung ihrer eigenen Taufe nicht deutlich erkannt hätten. Sie hatten Glauben und einen Schimmer von Kenntnis, der genügend war, sie zu rechten Empfängern der Taufe zu machen, aber sie waren über das, was die Taufe sie lehren sollte, nicht gut unterrichtet; vielleicht sahen sie darin ein Waschen, aber nicht ein Begräbnis. Ich will weitergehen und sagen, daß ich bezweifle, daß einer von uns völlig die Bedeutung der von Christus eingesetzten Handlungen versteht. Wir sind bis jetzt noch in unserem Wissen über die geistlichen Dinge wie Kinder, die am Ufer spielen, während sich der Ozean vor uns ausbreitet. Einige wenige von uns lernen zu schwimmen, aber dann schwimmen wir nur, wo der Grund beinahe zu erreichen ist. Wer von uns ist schon dahin gekommen, das Ufer aus dem Gesicht zu verlieren und in dem Atlantischen Ozean der göttlichen Liebe zu schwimmen, wo unergründliche Wahrheit unter uns rollt und die Unendlichkeit uns umgibt? O, möge Gott uns täglich mehr lehren von dem, was wir schon teilweise kennen, und möge die Wahrheit, von der wir bis jetzt nur einen schwachen Schimmer wahrgenommen haben, uns heller und klarer werden, bis wir alle Dinge im klaren Sonnenlicht sehen. Dies kann nur in dem Maße sein, in dem unser eigener Charakter klarer und reiner wird; denn wir sehen dem gemäß, was wir sind, und wie das Auge ist, so ist das, was es sieht. Nur die, die reinen Herzens sind, können einen reinen und heiligen Gott schauen. Wir werden Jesus gleich sein, wenn wir Ihn sehen werden, wie Er ist, und sicher werden wir Ihn nie sehen, wie Er ist, bis wir Ihm gleich sind. Der, der auf geistliche Weise Christi Fleisch und Blut genossen hat, ist der, der das in dem heiligen Abendmahl sehen kann, und wer in Christus getauft ist, der sieht Christus in der Taufe. Wer da hat, dem wird gegeben, und er wird die Fülle haben. Die Taufe stellt den Tod, das Begräbnis und die Auferstehung Christi und unser Teilhaben daran dar. Ihre Lehre ist zweifach.

I

Zuerst denkt an unsere Verbindung mit Christus als unserem Stellvertreter, so daß, als Er starb und begraben wurde, es für uns war, und deshalb waren wir mit Ihm begraben. Dies wird auch die in der Taufe liegende Lehre zeigen, soweit sie ein Glaubensbekenntnis darstellt. Wir erklären in der Taufe, daß wir an den Tod Jesu glauben und wünschen, an seinem Verdienst teilzuhaben. Aber es ist eine zweite, ebenso wichtige Sache da, und das ist unsere vollzogene Verbindung mit Christus, die in der Taufe dargestellt wird, nicht so sehr als eine Lehre unseres Bekenntnisses als eine Sache unserer Erfahrung. Es gibt eine Art von Sterben, begraben werden, Auferstehen und Leben in Christus, die sich in jedem von uns zeigen muß, wenn wir in der Tat Glieder des Leibes Christi sind.

Zuerst also möchte ich, daß ihr an unsere Verbindung mit Christus als unserem Stellvertreter denkt, wie sie in der Taufe dargestellt wird als eine Wahrheit, die geglaubt werden muß. Unser Herr Jesus ist der Stellvertreter für die Seinen, und als Er starb, geschah es für sie und an ihrer Stelle. Die große Lehre von unserer Rechtfertigung liegt darin, daß Christus unsere Sünden auf sich nahm, sich an unsere Stelle stellte und als unser Bürge litt, blutete und starb und so für uns ein Opfer für die Sünde darbrachte. Wir sollen Ihn nicht als eine Privatperson, sondern als unseren Vertreter ansehen. Wir sind mit Ihm durch die Taufe in den Tod begraben, um zu zeigen, daß wir Ihn als für uns gestorben und begraben annehmen. Die Taufe als ein Begräbnis mit Christus bedeutet zuerst das Annehmen des Todes und Begräbnisses Christi als etwas, das für uns geschehen ist. Laßt uns das in diesem Augenblick mit unserem ganzen Herzen tun. Was für eine andere Hoffnung haben wir? Als unser göttlicher Herr von den Höhen der Herrlichkeit herabkam und unsere Menschheit an sich nahm, wurde Er eins mit euch und mit mir; und da Er an Gestalt als ein Mensch erfunden wurde, gefiel es dem Vater, die Sünde auf Ihn zu legen - eure und meine Sünden. Nehmt ihr diese Wahrheit nicht an und willigt ihr nicht ein, daß der Herr Jesus der Träger eurer Schuld sein und für euch vor Gottes Antlitz stehen solle? ,Amen! Amen!„ sagt ihr alle. Er ging hinauf ans Kreuz, beladen mit all dieser Schuld, und da litt Er an unserer Stelle, für uns, wie wir hätten leiden sollen. Es gefiel dem Vater, Ihn an unserer Stelle zu schlagen. Er ließ Ihn martern und machte seine Seele zum Sündopfer. Nehmen wir nicht gern Jesus als unseren Stellvertreter an? O Geliebte, ob ihr in Wasser getauft seid oder nicht, ich lege euch diese Frage vor: ,Nehmt ihr den Herrn Jesus als euren Bürgen und Stellvertreter an?“ Denn wenn ihr das nicht tut, werdet ihr eure eigene Schuld tragen und euren eigenen Schmerz. Viele von uns sagen in diesem Augenblick in unserem innersten Herzen:

„Nun, was Du, Herr, erduldet,
Ist alles meine Last;
Ich habe das verschuldet,
Was Du getragen hast.“

Nun, dadurch, daß wir mit Christus in der Taufe begraben werden, setzen wir unser Siegel auf die Tatsache, daß der Tod Christi für uns war und daß wir in Ihm waren und in Ihm starben, und als Zeichen unseres Glaubens lassen wir uns das Wassergrab gefallen und uns darin begraben nach seinem Gebot. Dies ist eine Sache, die zur Grundlage unseres Glaubens gehört - Christus tot und begraben für uns; mit anderen Worten Stellvertretung, Bürgschaft, stellvertretendes Opfer. Sein Tod ist die Angel, um die sich unsere Zuversicht dreht: wir sind nicht in sein Beispiel getauft oder in sein Leben, sondern in seinen Tod. Wir bekennen dadurch, daß unser ganzes Heil in dem Tode Jesu liegt, den wir als für uns erlitten annehmen.

Aber dies ist nicht alles; denn wenn ich begraben werde, bin ich es nicht nur, weil ich den stellvertretenden Tod eines anderen für mich annehme, sondern auch, weil ich selbst tot bin. Die Taufe ist eine Anerkennung unseres eigenen Todes in Christus. Warum sollte ein lebendiger Mensch begraben werden? Warum sollte er auch nur deshalb begraben werden, weil ein anderer für ihn starb? Mein Begräbnis mit Christus bedeutet nicht nur, daß Er für mich gestorben ist, sondern daß ich in Ihm gestorben bin, so daß mein Tod mit Ihm ein Begräbnis mit Ihm nötig hat. Jesus starb für uns, weil Er eins mit uns ist. Der Herr Jesus Christus nahm nicht nach einer willkürlichen Wahl die Sünden seines Volkes auf sich; sondern es war sehr natürlich, passend und. angemessen, daß Er es tat, weil es sein Volk ist und Er dessen Bundeshaupt. Er ist das Haupt des Leibes, der Gemeinde; und wenn die Glieder sündigten, so war es geziemend, daß das Haupt, obwohl es nicht gesündigt hatte, die Folgen der Handlungen des Leibes trug. Wie eine natürliche Verwandtschaft zwischen Adam und denen, die in Adam sind, stattfindet, so auch zwischen dem zweiten Adam und denen, die in Ihm sind. Ich nehme, was der erste Adam tat, als meine Sünde an. Einige unter euch mögen sich dagegen wehren, und, wenn ihr daran Gefallen findet, gegen die ganze alttestamentliche Bundesidee, aber ich empfinde schlechthin keine Lust, ihn zu bestreiten. Wie ich die Sünde des Vaters Adam annehme und fühle, daß ich in ihm gesündigt habe, ebenso nehme ich mit inniger Freude den Tod und das Versöhnungsopfer meines zweiten Adams an und freue mich, daß ich in Ihm gestorben und wieder auferstanden bin. Ich lebte, ich starb, ich hielt das Gesetz, ich genügte der Gerechtigkeit in meinem Bundeshaupt Jesus. Laßt mich in der Taufe begraben werden, damit ich allen zeigen kann, daß ich glaube, ich war eins mit meinem Herrn in seinem Tode und in seinem Begräbnis für die Sünde. Schaue dies an, o Kind Gottes, und fürchte dich nicht davor. Dies sind große Wahrheiten, aber sie sind sicher und voller Trost. Du kommst jetzt in die atlantischen Wogen, aber fürchte dich nicht. Empfinde die heiligende Wirkung dieser Wahrheit. Nehmen wir an, ein Mann wäre zum Tode wegen irgendeines großen Verbrechens verurteilt; nehmen wir weiter an, daß er wirklich für dieses Verbrechen gestorben und nun durch eine wundervolle Tat Gottes, nachdem er gestorben, wieder lebendig gemacht worden wäre; mit welchen Augen würde er, als einer, der von den Toten zu den Lebendigen zurückgekehrt ist, sein Vergehen ansehen? Wird er das Verbrechen erneut begehen? Ein Verbrechen, für das er gestorben ist? Ich sage nachdrücklich: Gott behüte. Eher würde er sagen: ,Ich habe die Bitterkeit dieser Sünde geschmeckt und bin durch ein Wunder aus dem Tode herausgehoben, den sie über mich gebracht hat, und wieder lebendig geworden! Nun will ich das hassen, was mich erschlug und es von ganzer Seele verabscheuen.„ Wer den Lohn der Sünde empfangen hat, sollte lernen, sie für die Zukunft zu vermeiden. Aber ihr erwidert: ,Wir starben nie so, wir haben nie den gebührenden Lohn für unsere Sünden empfangen.“

Zugegeben. Aber das, was Christus für dich tat, kommt auf dasselbe hinaus, und der Herr betrachtet es als dasselbe. Ihr seid so sehr eins mit Jesu, daß ihr seinen Tod als euren. Tod betrachten müßt, seine Leiden als die Strafe, die auf Ihm lag, damit wir Frieden hätten. Ihr seid in dem Tod Jesu gestorben und nun durch wunderbare, geheimnisvolle Gnade aus dem Abgrund des Verderbens heraufgebracht worden zu einem neuen Leben. Könnt ihr, wollt ihr wieder in die Sünde hineingehen? Ihr habt gesehen, wie Gott über die Sünde denkt: ihr bemerkt, daß Er sie aufs äußerste verabscheut; denn als sie auf seinen lieben Sohn gelegt war, schonte Er diesen nicht, sondern ,zerschlug Ihn mit Krankheit„ und ließ Ihn sterben. Könnt ihr danach noch zurückkehren zu der verfluchten Sache, die Gott haßt? Wie sollen wir, die wir unter ihrem Fluch gestanden und ihre furchtbare Strafe ertragen haben, ihre Macht dulden? Sollen wir zu diesem mörderischen, giftigen, schändlichen, abscheulichen Übel zurückgehen? Es kann nicht sein. Die Gnade verbietet es.

Diese Lehre ist nicht der Schluß der ganzen Sache. Der Text beschreibt uns als begraben mit der Aussicht auf die Auferstehung. So sind wir jetzt mit Ihm begraben durch die Taufe in den Tod,“ - zu welchem Zweck? - ,damit wir, so wie Christus auferweckt wurde von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch in einem neuen Leben wandeln.„ Werdet in Christus begraben! Wozu? Damit ihr für immer tot sein würdet? Nein, sondern damit ihr dahin gelangt, wo Christus ist, und dann geht, wo Christus geht. Schaut auf Ihn: Er geht zuerst in das Grab, aber dann aus dem Grab; denn als der dritte Morgen kam, ist Er auferstanden. Wenn ihr überhaupt eins mit Christus seid, so müßt ihr überall eins mit Ihm sein; ihr müßt eins mit Ihm sein in seinem Tod und eins mit Ihm in seinem Begräbnis, dann werdet ihr auch eins mit Ihm in seiner Auferstehung sein. Bin ich jetzt ein Toter? Nein, gelobt sei sein Name, es steht geschrieben: ,Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Wahr ist es, in einem Sinne bin ich tot, ,denn ihr seid gestorben„; aber in einem anderen Sinne bin ich es nicht; denn: ,Euer Leben ist verborgen in Gott“; und wie kann der tot sein, der ein verborgenes Leben hat? Nein, da ich eins mit Christus bin, so bin ich, was Christus ist: wie Er ein lebendiger Christus ist, so bin ich ein lebendiger Geist. Was für eine glorreiche Sache ist es, von den Toten erstanden zu sein, weil Christus uns Leben gegeben hat. Unser altes, gesetzliches Leben wurde uns durch den Spruch des Gesetzes genommen, und das Gesetz betrachtet uns als tot; aber jetzt haben wir ein neues Leben empfangen, ein Leben aus dem Tode, Auferstehungsleben in Christus Jesus.

Das Leben des Christen ist das Leben Christi: Unser Leben ist nicht das Leben der ersten Schöpfung, sondern das der Neuschöpfung aus dem Tode. Nun leben wir in einem neuen Leben, lebendig gemacht zur Heiligkeit und Gerechtigkeit und Freude durch den Geist Gottes. Das Leben des Fleisches ist ein Hindernis für uns. Im höchsten und besten Sinne ist unser Leben geistlich und himmlisch. Auch das ist eine Lehre, die sehr festzuhalten ist. Ich möchte, daß ihr seht, von welchem Gewicht dies ist; denn ich habe es heute morgen auf praktische Resultate abgesehen. Wenn Gott euch und mir ein ganz neues Leben in Christus gegeben hat, wie kann dieses neue Leben nach Art des alten geführt werden? Sollen die geistlich Gesinnten leben wie die fleischlich Gesinnten? Wie könnt ihr, die ihr Knechte der Sünde wart, aber durch das teure Blut frei gemacht seid, in eure alte Sklaverei zurückkehren?

Als ihr in dem Leben des alten Adam waret, da lebtet ihr in der Sünde und liebtet sie; aber nun seid ihr tot und begraben gewesen und zu einem neuen Leben hervorgekommen: Kann es sein, daß ihr euch wieder zu den schwachen und dürftigen Satzungen wenden könnet, aus denen der Herr euch herausgeführt hat? Wenn ihr in der Sünde lebt, seid ihr eurem Bekenntnis untreu, denn ihr bekennt, ,Gott zu leben„. Wenn ihr in Lüsten wandelt, so tretet ihr die gesegneten Lehren des Wortes Gottes unter die Füße, denn diese führen zu Heiligkeit und Reinheit. Ihr würdet das Christentum zu einem Beiwort und Sprichwort machen (2 Chr. 7, 20), wenn ihr, die ihr von eurem geistlichen Tode erweckt seid, einen Lebenswandel führt, der nicht besser wäre als das Leben gewöhnlicher Menschen und nicht viel besser, als euer früheres Leben zu sein pflegte. Alle, die getauft sind, haben der Welt gesagt: Wir sind tot für die Welt und wir sind zu einem neuen Leben auferweckt. Unsere fleischlichen Wünsche sind hinfort als tot anzusehen, denn jetzt leben wir nach einer neuen Ordnung der Dinge. Der Heilige Geist hat in uns eine neue Kreatur geschaffen, und obwohl wir in der Welt sind, sind wir nicht von ihr; wir sind neu gemachte Menschen, ,von neuem geschaffen in Christus Jesus.“ Dies ist die Lehre, die wir vor der ganzen Menschheit bekennen, daß Christus starb und wieder auferstand, und daß sein Volk mit Ihm gestorben und auferstanden ist. Aus dieser Lehre erwächst der Tod für die Sünde und las Leben für Gott, und wir wünschen, durch jede Handlung und Bewegung unseres Lebens dies alle zu lehren, die uns sehen.

Soweit die Lehre. Ist es nicht in der Tat eine köstliche? O, wenn ihr in Wahrheit eins mit Christus seid, soll die Welt dann finden, daß ihr euch verunreinigt? Sollen die Gliedes eines freigebigen und gnädigen Hauptes geizig und gierig sein? Sollen die Glieder eines herrlichen, reinen und vollkommenen Hauptes mit den Lüsten des Fleisches und den Torheiten eines eitlen Lebens befleckt sein? Wenn Gläubige wirklich so eins mit Christus sind, daß sie seine ,Fülle„ sind, sollten sie da nicht die Heiligkeit selber sein? Wenn wir kraft unserer Verbindung mit seinem Leibe leben, wie können wir leben, wie andere Heiden es tun? Wie kommt es, daß so viele Namenchristen uns ein bloß weltliches Leben zeigen? Sie leben fürs Geschäft und für Vergnügungen, aber. nicht für Gott, in Gott oder mit Gott. Sie sprengen ein wenig Religion über ein weltliches Leben und hoffen so, es zu christianisieren. Aber das geht nicht. Ich bin verpflichtet, zu leben, wie Christus unter meinen Umständen gelebt haben würde; in meinem Privatzimmer oder auf meiner öffentlichen Kanzel bin ich verpflichtet, zu sein, was Christus in solchem Falle gewesen wäre. Demnach ist die Taufe ein verkörpertes Glaubensbekenntnis, und ihr könnt es in diesen Worten lesen: ,Mit Ihm begraben durch die Taufe, in dem ihr auch auferstanden seid durch den Glauben, den Gott wirkt, der Ihn auferweckt von den Toten hat.“

II.

Aber zweitens, eine vollzogene Verbindung mit Christus wird auch in der Taufe dargestellt, und dies ist mehr eine Sache der Erfahrung als der Lehre.

1. Erstens ist der Tod in dem wahren Gläubigen eine Sache tatsächlicher Erfahrung. ,Wißt ihr nicht, daß wir alle, die wir in Jesus Christus getauft sind, in seinen Tod getauft sind? , Es muß gegen alles Gesetz sein, diejenigen zu begraben, die noch am Leben sind. Bis sie tot sind, können die Menschen kein Recht haben, begraben zu werden. Nun wohl, also der Christ ist tot - tot zuerst für die Herrschaft der Sünde . Wenn in früheren Zeiten die Sünde ihn rief, so antwortete er stets: ,Hier bin ich, denn du hast mich gerufen.„ Die Sünde herrschte in seinen Gliedern, und wenn sie sprach: ,Tue dies“, so tat er es, gehorsam wie die Soldaten ihren Vorgesetzten, denn die Sünde herrschte über alle Teile seiner Natur, und übte die höchste Tyrannei über ihn aus. Die Gnade hat all dieses geändert. Wenn wir bekehrt sind, sind wir tot für die Herrschaft der Sünde. Wenn die Sünde uns jetzt ruft, so weigern wir uns zu kommen, denn wir sind tot. Wenn die Sünde uns befiehlt, wollen wir ihr nicht gehorchen, denn wir sind tot für ihre Autorität. Die Sünde kommt jetzt zu uns - o, daß sie es nicht täte - und sie findet in uns das alte Verderben, das gekreuzigt ist, aber noch nicht tot; aber sie hat keine Herrschaft über unser wahres Leben. Gelobt sei Gott, die Sünde kann nicht über uns herrschen, obwohl sie uns angreifen und uns Schaden tun mag. ,Die Sünde wird nicht herrschen können über euch; weil ihr nicht unter dem Gesetze seid, sondern unter der Gnade.„ Wir sündigen, aber nicht mit Willen. Mit welchem Schmerz sehen wir auf unsere Übertretungen zurück! Wie ernstlich bemühen wir uns, sie zu vermeiden!

Die Sünde versucht, ihre angemaßte Gewalt über uns zu behaupten; aber wir erkennen sie nicht als unsere Herrscherin an. Das Böse kommt nur in uns hinein, wie ein Schmuggler und ein Fremder und richtet traurige Zerstörung an, aber es bleibt nicht in uns auf dem Throne sitzen; es ist etwas Fremdes, Verachtetes, und nicht mehr etwas Geehrtes und Erwünschtes. Wir sind für die herrschende Macht der Sünde tot.

Der Gläubige ist, wenn er geistlich mit Christus begraben wurde, tot für jedes Verlangen einer derartigen Macht. ,Was!“ sagt ihr, ,haben gottselige Menschen keine sündigen Wünsche?„ Ach, leider! Die alte Natur, die in ihnen ist, hat Lust an nach der Sünde; aber der wahre Mensch, das wirkliche Ego (Ich), wünscht von jedem Flecken, jeder Spur des Bösen gereinigt zu werden. Das Gesetz in den Gliedern möchte gern zur Sünde antreiben, aber das Leben im Herzen zwingt zur Heiligkeit. Was mich anbetrifft, kann ich aufrichtig sagen: der tiefste Wunsch meiner Seele ist, ein vollkommenes Leben zu führen. Wenn mein eigener, bester Wunsch erfüllt werden könnte, so würde ich nie wieder sündigen; und obwohl ich leider in die Sünde einwillige, so daß ich verantwortlich werde, wenn ich das Gebot übertrete, so hat mein innerstes Selbst doch Ekel vor ihr. Sünde ist meine Knechtschaft, nicht mein Vergnügen; mein Elend, nicht meine Freude; bei dem Gedanken an sie rufe ich aus: ,Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen?“ In unserem Herzen der Herzen hängt unser Geist fest an dem, was gut und wahr und himmlisch ist, so daß der wirkliche Mensch Freude an dem Gesetze Gottes hat und ernstlich dem Guten nachstrebt. Die Hauptströmung und die wahre Neigung des Wünschens und Wollens unserer Seele ist nicht auf die. Sünde gerichtet, und der Apostel lehrte uns keine bloße Einbildung, wenn er sprach: ,Wer gestorben ist, der ist befreit von der Sünde.„ Überdies sind wir auch tot für das Streben und die Ziele des sündigen und ungöttlichen Lebens. Brüder, leben einige von euch für sich selber, die doch bekennen, Gottes Diener zu sein? Dann seid ihr nicht Gottes Diener; denn der, der wirklich wiedergeboren ist, lebt für Gott: der Zweck seines Lebens ist die Ehre Gottes und das Wohl seiner Mitmenschen. Dies ist das Ziel, das dem erweckten Menschen gestellt ist und nach dem er strebt. ,Ich laufe nicht diesen Weg,“ sagt einer. Sehr wohl, dann wirst du nicht das gewünschte Ziel erreichen. Wenn du nach den Vergnügungen der Welt oder deren Reichtümern läufst, so wirst du vielleicht das Kleinod gewinnen, das du erhalten willst; aber du kannst nicht das ,Kleinod unserer hohen Berufung in Christus Jesus„ gewinnen.

Ich hoffe, viele von uns können ehrlich sagen, daß sie jetzt tot sind für jeden Zweck im Leben, ausgenommen die Ehre Gottes in Christus Jesus. Wir sind in der Welt und haben zu leben, wie andere Menschen es tun, und unser gewöhnliches Geschäft zu betreiben; aber all dieses ist untergeordnet und wie in Zügel und Zaum gehalten; unsere Ziele sind höher als jener wechselnde. Mond. Der Flug unserer Seele ist wie der des Adlers über diesen Wolken: obwohl jener Vogel der Sonne sich auf den Felsen niederläßt, ja, selbst in die Ebene niedersteigt, so ist es doch seine Freude, droben zu wohnen, jenseits des Blitzes zu schweben, über das schwarze Haupt des tobenden Sturmes sich zu erheben und auf alle irdischen Dinge herabzuschauen. Von nun an eilt unser von der Gnade gegebenes Leben vorwärts und aufwärts; wir sind nicht von der Welt, und die Geschäfte der Welt sind nicht die, für die wir unsere edelsten Kräfte verwenden. Noch einmal: wir sind tot in dem Sinne, daß wir tot sind für die Führung der Sünde. Die Lust des Fleisches treibt den Menschen hierhin und dorthin. Er steuert seinen Kurs mit der Frage: ,Was ist am angenehmsten? Was wird mir am meisten Befriedigung gewähren?“ Der Weg der Ungöttlichen wird von der Hand selbstsüchtigen Verlangens vorgezeichnet: aber ihr, die ihr wahre Christen seid, ihr habt einen anderen Führer, ihr werdet von dem Geist Gottes auf den rechten Weg geleitet. Ihr fragt: ,Was ist gut und was ist angenehm vor den Augen des Höchsten?„ Euer tägliches Gebet ist: ,Herr, zeige mir, was Du willst, das ich tun soll.“ Ihr seid lebendig für die Unterweisung des Geistes, der euch in alle Wahrheit leiten will; aber ihr seid taub, ja, tot für die Lehren der fleischlichen Weisheit, die Opposition der Philosophie, die Irrtümer der stolzen, menschlichen Weisheit. Blinde Leiter, die mit ihren Opfern in den Graben fallen, scheut ihr, denn ihr habt den Weg des Herrn gewählt. Was für ein gesegneter Zustand des Herzens ist dies! Ich hoffe, meine Brüder, daß wir ihn völlig empfunden haben! Einer ist unser Lehrer, seiner unfehlbaren Unterweisung unterwerfen wir unseren Verstand.

Unser Text muß einen sehr eindringlichen Sinn für die Römer zu den Zeiten des Paulus gehabt haben, denn sie waren in abscheuliche Laster aller Art gesunken. Nehmt einen Durchschnittsrömer jener Periode, und ihr findet in ihm einen Mann, der gewohnt war, einen großen Teil seiner Zeit im Amphitheater zuzubringen, verhärtet durch den Anblick brutaler und blutiger Schauspiele, in denen Gladiatoren einander töteten, um eine Volksmenge am Feiertag zu belustigen. In einer solchen Schule gelehrt, war der Römer grausam bis zum Äußersten und daneben wild in der Befriedigung seiner Leidenschaften. Ein lasterhafter Mann wurde durchaus nicht als herabgewürdigt betrachtet; nicht nur die Vornehmen und die Kaiser waren Ungeheuer von Lasterhaftigkeit, sondern auch die öffentlichen Lehrer waren unkeusch. Wenn die, welche als sittlich betrachtet wurden, verderbt waren, so mögt ihr euch vorstellen, welcher Art die Unsittlichen waren. ,Freue dich des Lebens und laß dein Herz guter Dinge sein.„ ,Folge den Vergnügungen, die das Fleisch begehrt.“ Das war die allgemeine Regel jener Zeit. Durch das Christentum wurde eine ganz neue Regel in die römische Welt eingeführt. Seht einen durch Gottes Gnade bekehrten Römer. Welch eine Veränderung ist mit ihm vorgegangen! Seine Nachbarn sagen zu ihm: ,Du warst heute morgen nicht im Zirkus. Wie konntest du es unterlassen, das Schauspiel heute nicht zu besuchen, da doch hundert Deutsche einander die Eingeweide aus dem Leibe rissen.„ ,Nein,“ sagt er, ,ich war nicht da; ich könnte es nicht ertragen, da zu sein. Ich bin vollständig tot dafür.„ Der Christ besuchte nicht die Orte der Ausschweifung; er war so gut wie tot für solchen Schmutz. Die Sitten und Gewohnheiten der Zeit waren so, daß Christen sie nicht mitmachen konnten, und deshalb waren sie tot für die Gesellschaft. Nicht nur nahmen sie nicht an öffentlichen Sünden teil, sondern sie sprachen mit Abscheu davon, und ihr Leben legte ein strafendes Zeugnis gegen sie ab. Dinge, die die Menge für eine Freude hielt und hoch erhob, gewährten dem Nachfolger Jesu keine Annehmlichkeit, denn er war tot für solche Übel. Dies ist unser feierliches Bekenntnis, wenn wir vortreten, um getauft zu werden. Wir sagen durch Handlungen, die lauter sprechen als Worte, daß wir tot für die Dinge sind, an denen Sünder ihre Freude haben, und daß wir wünschen, so betrachtet zu werden.

2. Der nächste Gedanke bei der Taufe ist Begräbnis. Der Tod kommt zuerst, und das Begräbnis folgt. Nun, was ist das Begräbnis, Brüder? Das Begräbnis ist zuerst das Siegel des Todes; es ist die Beglaubigung des Ablebens. ,Ist der Mann tot?“ fragst du. Ein anderer antwortet: ,Ja, mein Lieber, er ist vor einem Jahr begraben.„ Du fragst nicht mehr, ob er tot sei, wenn du weißt, daß er begraben ist. Es hat Beispiele von Personen gegeben, die lebendig begraben wurden, und ich fürchte, daß dies, traurig genug, oft in der Taufe geschieht, aber es ist unnatürlich und keineswegs die Regel. Ich fürchte, das viele in der Taufe lebendig begraben worden und deshalb auferstanden und aus dem Grabe gekommen sind, gerade so, wie sie vorher waren. Aber wenn das Begräbnis ein wahres ist, so ist es eine Beglaubigung des Todes. Wenn ich fähig bin, mit Wahrheit zu sagen: ,Ich wurde vor dreißig Jahren mit Christus begraben,“ so muß ich sicherlich tot sein. Sicher dachte die Welt so, denn nicht lange nach meinem Begräbnis mit Jesu begann ich seinen Namen zu predigen, und da hielt die Welt dafür, daß es schon weit mit mir gekommen ist und sagte: ,Er stinkt schon.„ Sie begannen Böses aller Art gegen den Prediger zu sagen; aber je mehr ich vor ihnen stank, desto lieber war es mir, denn desto gewisser war ich, daß ich wirklich für die Welt tot sei. Es ist gut für einen Christen, den Gottlosen anstößig zu sein. Seht, wie unser Meister nach dem Urteil der Gottlosen stank, als sie schrien: ,Hinweg mit Ihm, hinweg mit Ihm!“ Obwohl keine Verwesung seinem reinen Leib nahen durfte, so war dies verkehrte Geschlecht doch für den Wohlgeruch seines vollkommenen Charakters unempfänglich. Es müssen also in uns der Tod für die Welt und einige der Wirkungen dieses Todes sein, sonst ist unsere Taufe nichtig. Wie das Begräbnis die Beglaubigung des Todes ist, so ist das Begräbnis mit Christus das Siegel unseres Absterbens für die Welt.

Aber das Begräbnis ist ferner die Kundmachung des Todes. Solange der Mann im Haus ist, wissen die Vorübergehenden nicht, daß er gestorben ist; aber wenn das Begräbnis stattfindet, und er durch die Straßen getragen wird, dann wird es jedermann sehen, daß er tot ist. Dies ist das, was die Taufe sein sollte. Des Gläubigen Tod für die Sünde ist zuerst ein Geheimnis, aber durch ein offenes Bekenntnis läßt er alle Menschen wissen, daß er mit Christus gestorben ist. Die Taufe ist das Leichenbegängnis, durch welches der Tod für die Sünde öffentlich allen Menschen dargestellt wird.

Weiter ist das Begräbnis die Absonderung des Todes. Der Tote bleibt nicht länger in dem Haus, sondern wird für sich besonders hingelegt, als einer, der aufhört, zu den Lebendigen gezählt zu werden. Eine Leiche ist keine willkommene Gesellschaft. Selbst der geliebteste Gegenstand kann nach einer Weile nicht mehr ertragen werden, wenn der Tod sein Werk daran getan hat. Sogar Abraham, der solange mit seiner geliebten Sara vereinigt gewesen war, sagte: ,Gebt mir ein Erbbegräbnis, daß ich meinen Toten begrabe, der vor mir liegt.„ So ist der Gläubige, wenn sein Tod für die Welt völlig bekannt ist: er ist armselige Gesellschaft für die Weltlinge, und sie scheuen ihn als einen Dämpfer ihrer Lustbarkeiten. Der wahre Heilige wird in die abgesonderte Klasse mit Christus getan, nach seinem Worte: ,Haben sie mich verfolgt, sie werden euch auch verfolgen.“ Der Heilige wird in dasselbe Grab wie sein Herr gelegt; denn wie Er war, so sind auch wir in dieser Welt. Er wird von der Welt in dem einen Kirchhof der Gläubigen, wenn ich ihn so nennen darf, verschlossen, mit der Grabschrift für sie alle: ,Und ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.„

Und das Grab ist der Platz - ich weiß nicht, wo ich ein Wort hernehmen soll - der Stetigkeit des Todes; denn wenn ein Mensch tot und begraben ist, so erwartet ihr nicht, ihn je wieder heimkehren zu sehen. Soweit es diese Welt betrifft, sind Tod und Begräbnis unwiderruflich. Man sagt mir, daß Geister auf dieser Erde wandeln, und wir haben alle in der Zeitung ,Die Wahrheit über Geister“ gelesen, aber ich habe nichtsdestoweniger meine Zweifel über diesen Gegenstand. Im Geistlichen bin ich allerdings ängstlich,. daß manche nicht wirklich mit Christus begraben sind, sondern ziemlich viele zwischen den Gräbern umhergehen. Es tut mir weh im Herzen, daß es so ist. Der Mann in Christus kann nicht als Geist umgehen, denn er ist anderswo lebendig; er hat ein neues Wesen empfangen, und kann deshalb unter den toten Heuchlern um ihn her nicht murmeln und zum Vorschein kommen. Seht, was unser Kapitel von dem Herrn sagt: ,Und wir wissen, daß Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod wird von nun an nicht über ihn herrschen. Denn das er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einem Mal, das er aber lebt, das lebt er Gott.„ Wenn wir einmal von den toten Werken auferweckt sind, so werden wir nie wieder zu ihnen zurückgehen. Ich mag sündigen; aber die Sünde kann keine Herrschaft über mich haben; ich mag ein Übertreter sein und mich weit von meinem Gott verirren, aber ich kann nie wieder zu dem Tod zurückkehren. Als meines Herrn Gnade mich ergriff und mich begrub, da wirkte Er in meiner Seele die Überzeugung, daß ich von nun an und auf immer für die Welt ein Toter wäre. Ich zog das Schwert und warf die Scheide weg. Sagt der Welt, sie brauche nicht zu versuchen, uns zurückzuholen, denn wir sind für sie so wenig nütze, als wenn wir tot wären. Alles. was sie haben könnte, würde nur unser Leichnam sein. Sagt der Welt, sie könne uns nicht länger zu versuchen, denn unsere Herzen sind umgewandelt. Die Sünde mag den alten Menschen bezaubern, der dort am Kreuze hängt, und sie mag Seitenblicke auf ihn werfen, aber er kann dem Blick nicht folgen, denn er kann nicht vom Kreuz herab: Der Herr hat den Hammer gut gebraucht und hat seine Hände und Füße so befestigt, daß das gekreuzigte Fleisch an dem Platz der Verurteilung und des Todes bleiben muß. Doch kann das wahre und echte Leben in uns nicht sterben, denn es ist von Gott geboren; ebensowenig kann es in den Gräbern bleiben, denn es ist zur Reinheit, Freude und Freiheit berufen; und dieser Berufung widmet es sich.

3. Wir sind zum Tode und Begräbnis gekommen; aber die Taufe stellt nach dem Texte auch die Auferstehung dar: „damit wir, so wie Christus auferweckt wurde von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch in einem neuen Leben wandeln.“ Nun beachtet, daß der, der in Christus tot und begraben ist, auch in Christus auferweckt ist, und dies ist ein besonderes Werk an ihm. Alle Toten sind nicht auferweckt, aber unser Herr selber ist ,der Erstling geworden unter denen, die da schlafen.“ Er ist der Erstgeborene von den Toten. Die Auferstehung war ein besonderes Werk an dem Leibe Christi, und dieses an dem Haupte begonnene Werk wird fortgesetzt, bis alle Glieder daran teilnehmen.

,Ich hang' und bleib' auch hangen
An Christus, als ein Glied!
Wo mein Haupt durch ist 'gangen,
Da nimmt es mich auch mit.„

Die Auferstehung hat, sofern unsere Seele und unser Geist in Betracht kommen, bereits ihren Anfang bei uns gemacht; bis an den Leib ist sie noch nicht gekommen, aber auch zu ihm wird sie zu der für ihn bestimmten Zeit gelangen. Für jetzt ist ein besonderes Werk an uns geschehen, durch das wir von den Toten auferweckt sind. Bruder, wenn du tot und begraben gewesen und eine Nacht im Kirchhof gelegen und wenn eine göttliche Stimme dich von den Toten aus dem Grabe heraufgerufen hätte, während die stillen Sterne auf die Heide draußen schienen, wenn, sage ich, du aus dem grünen Grabhügel heraufgestiegen wärest, was für ein einsames Wesen würdest du auf dem großen Kirchhof in der stillen Nacht sein! Dies ist in großem Maße deine Lage in der gegenwärtigen bösen Welt. Du warst einst, wie die übrigen Sünder um dich her, tot in Sünden und schlafend im Grabe böser Gewohnheiten. Der Herr hat dich durch seine Macht aus dem Grabe hervorgerufen und nun bist du lebendig inmitten des Todes. Es kann hier keine Gemeinschaft für dich sein; denn was für Gemeinschaft haben die Lebendigen mit den Toten? Der eben erweckte Mann draußen auf dem Kirchhof würde unter den Toten um ihn her keinen finden, mit dem er sprechen könnte, und du kannst keine Gefährten in dieser Welt finden. Dort liegt ein Schädel, aber er sieht nicht aus seinen Augenhöhlen; und es ist auch keine Rede in seinem grimmigen Munde. Ich sehe eine Masse Knochen in jenem Winkel liegen: der Lebende blickt auf sie, aber sie können weder hören noch reden. Versetze dich in Gedanken dahin. Alles, was du zu den Knochen sagen würdest, wäre die Frage: ,Können diese verdorrten Gebeine lebendig werden?“ Du würdest ein Fremder in diesem Haus der Verwesung sein und hinwegeilen. Nun bitte ich dich, gehe nicht hin und scharre in der Erde, um die Gräber aufzureißen und dort einen Freund zu finden. Wer würde einen Sarg aufsprengen und rufen: ,Komm, du mußt mit mir trinken! Du mußt mit mir ins Theater gehen?„ Nein, wir scheuen den Gedanken an Verbindung mit den Toten, und ich zittere, wenn ich einen Christen sehe, der da versucht Gemeinschaft mit weltlichen Menschen zu haben. ,Geht aus von ihnen und sondert euch ab; rührt kein Unreines an.“ Du weißt, was geschehen würde, wenn du so auferweckt und gezwungen wärest, nahe bei einem toten, eben aus dem Grabe genommenen Körper zu sitzen. Du würdest rufen: ,Ich kann es nicht ertragen; ich kann es nicht aushalten.„ So ist's mit einem Mann, der wirklich für Gott lebt: Taten der Ungerechtigkeit, der Unterdrückung oder der Unkeuschheit kann er nicht ertragen; denn das Leben hat Ekel vor der Verwesung. Beachtet, wir werden durch ein besonderes Werk von den Toten auferweckt, und diese Auferweckung geschieht durch göttliche Macht. Christus ist auferweckt „von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters.“ Was bedeutet dies? Warum heißt es nicht ,durch die Macht des Vaters?“ Ah, Geliebte, Herrlichkeit ist ein großartigeres Wort; denn alle Eigenschaften Gottes sind in ihrem feierlichen Glanze vor uns entfaltet in der Auferweckung Christi von den Toten. Hier war des Herrn Treue, denn hatte Er nicht erklärt, daß seine Seele nicht in der Hölle bleiben, und sein Heiliger nicht die Verwesung sehen solle? War nicht die Liebe des Vaters hier zu sehen? Ich bin gewiß, es war eine Wonne für das Herz Gottes, den Leib seines lieben Sohnes wieder zum Leben zu bringen. Und, wenn ihr und ich aus unserem Sündentod erweckt werden, so ist es nicht bloß Gottes Macht, nicht bloß Gottes Weisheit, die wir sehen, es ist ,die Herrlichkeit des Vaters.„ O, ein erhabener Gedanke, daß jedes Kind Gottes, das erweckt worden ist, durch ,die Herrlichkeit des Vaters“ erweckt worden ist. Es hat nicht nur den Heiligen Geist und das Werk Jesu und das Werk des Vaters erfordert, sondern auch ,die Herrlichkeit des Vaters.„ Wenn der kleinste Funke geistlichen Lebens durch die Herrlichkeit des Vaters erschaffen werden muß, was wird dann die Herrlichkeit dieses Lebens sein, wenn es ganz zur Vollendung kommt, und wir Christus gleich sein werden und Ihn sehen, wie Er ist! O, Geliebte, schätzt das neue Leben, das Gott euch gegeben, hoch. Denkt, daß es euch reicher macht, als wenn ihr ein Meer von Perlen hättet, größer, als wenn ihr von dem erhabensten Fürsten abstammtet. Es ist das in euch, zu dessen Erschaffung alle Eigenschaften Gottes erforderlich waren. Er konnte eine Welt allein durch die Macht schaffen, aber ihr müßt von den Toten auferweckt werden durch die Herrlichkeit des Vaters.

Beachtet auch, daß dies Leben ganz neu ist. Wir sollen ,in einem neuen Leben wandeln.“ Das Leben eines Christen ist etwas ganz Verschiedenes von dem Leben anderer Menschen; ganz verschieden von seinem eigenen Leben vor seiner Bekehrung; und wenn die Menschen versuchen, es nachzumachen, so können sie die Aufgabe nicht zustande bringen. Jemand schreibt euch einen Brief und will euch glauben machen, er sei ein Gläubiger, aber in ein halb Dutzend Sätzen kommt schon eine Zeile vor, die den Betrug verrät. Der Heuchler hat beinahe unsere Ausdrücke nachgeahmt, aber nicht ganz. Die draußen beobachten uns ein wenig und allmählich lernen sie einige unserer Zeichen; aber es gibt ein geheimes Zeichen, das sie nie nachahmen können; und deshalb bleiben sie an einem gewissen Punkte stecken. Ein ungöttlicher Mann mag ebensoviel beten wie ein Christ, so viel in der Bibel lesen wie ein Christ und in äußerlichen Dingen selbst über uns hinausgehen; aber es ist etwas Geheimes da, was er nicht kennt und deshalb nicht nachahmen kann. Das göttliche Leben ist so völlig neu, daß die Unbekehrten kein Vorbild haben, wonach sie arbeiten könnten. In jedem Christen ist es so neu, als wenn er der erste Christ wäre. Obwohl jedes das Bild und die Unterschrift Christi trägt, so findet sich doch ein geprägter Rand oder etwas anderes bei dem echten Silber, das diesen falschen Münzen fehlt. Es ist etwas Neues, Frisches, Göttliches.

Und zuletzt, dies Leben ist ein tätiges Leben. Ich habe oft gewünscht, daß Paulus nicht so rasch wäre, wenn ich ihn gelesen habe. Sein Stil geht in Siebenmeilenstiefeln daher. Er schreibt nicht wie ein gewöhnlicher Mensch. Ich möchte ihm sagen, daß dieser Spruch, wenn er ihn nach der gewöhnlichen Weise geschrieben, lauten würde: ,So, wie Christus von den Toten auferweckt wurde durch die Herrlichkeit des Vaters, so sollen auch wir von den Toten auferweckt werden.„ Aber seht, Paulus ist, während wir reden, schon viel weiter gekommen: er hat schon das ,Wandeln“ erreicht. Das Wandeln schließt das Leben ein, dessen Zeichen es ist, und Paulus denkt so rasch, wenn der Geist Gottes auf ihm ist, daß er über die Ursache hinaus zu der Wirkung geht. Wir haben kaum das neue Leben erlangt, und schon fangen wir an, tätig zu sein; wir sitzen nicht nieder und sagen: ,Ich habe ein neues Leben angefangen: wie dankbar sollte ich sein! Ich will es nun ruhig genießen.„ O, nein. Wir haben etwas zu tun, sobald wir lebendig sind, und wir beginnen zu wandeln, und so hält der Herr uns unser ganzes Leben lang in seinem Werk; Er erlaubt uns nicht niederzusitzen, zufrieden mit der bloßen Tatsache, daß wir leben; auch gestattet Er uns nicht, all unsere Zeit damit zuzubringen, daß wir prüfen, ob wir lebendig sind oder nicht; sondern Er gibt uns erst einen Kampf zu kämpfen, und dann einen anderen; Er gibt uns sein Haus zu bauen, sein Land zu bearbeiten, seine Kinder zu pflegen und seine Schafe zu weiden. Manchmal haben wir heiße Kämpfe mit unserem eigenen Geiste und Befürchtungen, daß Satan und die Sünde siegen werden, bis unser Leben an sich kaum wahrzunehmen ist, aber es ist immer durch seine Handlungen wahrzunehmen. Das Leben, das denen gegeben wird, die mit Christus gestorben waren, ist ein energisches, kräftiges Leben, das stets geschäftig ist für Christus.

Dies Leben, sagt Paulus uns, ist endlos. Wenn ihr es einmal habt, wird es euch nie verlassen. ,Und wissen, daß Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt.“.

Weiter ist es ein Leben, das nicht unter dem Gesetz oder unter der Sünde ist. Christus kam unter das Gesetz, als Er hier war, und unsere Sünde wurde auf Ihn gelegt, deshalb starb Er; aber nachdem Er auferstanden ist, wurde keine Sünde auf Ihn gelegt. In seiner Auferstehung sind beide, der Sünder und der Bürge, frei. Was hatte Christus zu tun nach seiner Auferstehung? Noch mehr Sünde zu tragen? Nein, sondern nur für Gott zu leben. Das ist auch bei uns der Fall. Wir haben jetzt keine Sünde zu tragen; sie wurde alle auf Christus gelegt. Was haben wir zu tun? Jedesmal, wenn wir Kopfweh haben oder uns krank fühlen, sollen wir da ausrufen: ,Dies ist eine Strafe für meine Sünde?„ Nichts dergleichen. Unsere Strafe ist vorüber, denn wir haben das Todesurteil getragen und sind tot: unser neues Leben muß für Gott sein.

,Was uns zu tun noch bleibet,
Ist lieben nur und singen,
Und warten, bis die Engel kommen
Und mich zum König bringen.“

Ich habe Ihm nun zu dienen und mich in Ihm zu freuen und die Kraft zu gebrauchen, die Er mir gibt, andere von den Toten zu rufen und zu sprechen: ,Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.„ Ich gehe nicht zurück zu dem Grabe geistlichen Todes oder zu meinen Grabgewändern der Sünde; sondern durch die göttliche Gnade will ich stets an Jesus glauben und von Kraft zu Kraft gehen, nicht unter dem Gesetz, nicht die Hölle fürchtend, oder hoffend, den Himmel zu verdienen, sondern als eine neue Kreatur, liebend, weil ich geliebt werde, für Christus lebend, weil Christus in mir lebt, und mich freuend in der herrlichen Hoffnung dessen, was noch offenbar soll werden, durch meine Einheit mit Christus. Arme Sünder, ihr wißt nichts von diesem Tode und Begräbnis, und ihr werdet es nie, bis ihr die Macht habt, Gottes Kinder zu werden, und die gibt Er denen, die an seinen Namen glauben. Glaubt an seinen Namen, und es ist alles euer. Amen und Amen. 

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