Spurgeon, Charles Haddon - Schmach und Speichel

Ich bot meinen Rücken den Schlagenden und meine Wangen den Raufenden, mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.
Jes. 50,6

Von wem redet der Prophet? Von ihm selbst oder von jemand anders? Wir können nicht daran zweifeln, daß Jesaja von dem Herrn Jesus Christus schrieb. Ist das nicht eine von den Prophezeiungen, auf die sich der Herr bezog, als er in Lukas 18,31 sagte: „Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was durch die Propheten auf den Sohn des Menschen hin geschrieben ist; denn er wird den Nationen überliefert werden und wird verspottet und geschmäht und angespieen werden; und wenn sie ihn gegeißelt haben, werden sie ihn töten, und am dritten Tag wird er auferstehen.“

Eine solch merkwürdige Prophezeiung wie diese, die wir hier vor uns haben, muß sich auf den Herrn Jesus beziehen. Ihre höchste Erfüllung ist allein in ihm zu finden.

Von wem anders konnte der Prophet sprechen, wenn ihr das ganze Kapitel lest? Von wem anders konnte er in einem Atemzug sagen: „Ich kleide den Himmel in Trauerschwärze und lege ihnen Sacktuch als Kleidung an.“ „Ich bot meinen Rücken den Schlagenden und meine Wangen den Raufenden“ (Vers 3 und 6)?

Welch eine Herablassung von der Allmacht, die den Himmel mit Wolken bedeckt, zu dem, der sein Angesicht nicht bedeckt, sondern gestattet, daß es angespieen wird. Kein anderer konnte so von sich sprechen, als der, welcher Gott und Mensch ist. Er mußte Gott sein, denn wie hätte er sonst sagen können: „Siehe, durch mein Drohen trockne ich das Meer aus, mache Ströme zu einer Wüste“ (Vers 2) und doch mußte er zugleich ein „Mann der Schmerzen“ sein, „vertraut mit Qual,“ denn es liegt ein seltsam tiefer Nachdruck in den Worten: „Ich bot meinen Rücken den Schlagenden und meine Wangen den Raufenden, mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.“

Was andere auch sagen mögen, wir glauben, daß es Jesus von Nazareth, der König der Juden, der Sohn Gottes und des Menschen Sohn, unser Erlöser ist, der hier redet. Wir haben vor uns die Sprache der Prophezeiung, aber es scheint, als wären sie zur Zeit des Ereignisses geschrieben worden. Jesaja hätte einer der Evangelisten sein können, so genau beschreibt er, was unser Heiland erduldete.

Wir kennen die Stellen im Neuen Testament, in denen die Geißelung und die Schmach des Herrn beschrieben wird. Wir sehen ihn zuerst vor dem Tribunal der Juden, seiner Landsleute und wir lesen in Matthäus 26: „Dann spieen sie ihm ins Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten; einige aber schlugen ihn ins Gesicht.“ Das geschah ihm in der Halle des Hohenpriesters, unter seinem Volk. „Er kam in das Seine, aber die Seinen nahmen ihn nicht an.“ Seine größten Feinde waren seine Hausgenossen. Die Weingärtner seines Vaters sprachen zueinander: „Dieser ist der Erbe; laßt uns ihn töten, daß das Erbe unser werde.“

Fast die gleiche Behandlung erlebte er im Palast des Herodes, wo noch der Schatten des jüdischen Königtums weilte. Dort saß eine Mustermischung von jüdischer und heidnischer Macht über ihn zu Gericht, aber es erging dem Herrn in dieser vereinten Gesellschaft nicht besser. Er wurde mit gleichem Spott behandelt. „Als aber Herodes mit seinen Kriegsleuten ihn geringschätzend behandelt und verspottet hatte, warf er ihm ein glänzendes Kleid um.“

Bald darauf kam das dritte Verhör, und er war nun ganz den Heiden preisgegeben. Pilatus, der Landpfleger, übergab ihn der grausamen Geißelung. Die Geißelung, die in der englischen Armee geübt wurde, war nichts im Vergleich zu der unter den Römern. Ich habe gehört, daß die Geißel aus Ochsensehnen bestand in welche Knochensplitter eingeflochten waren, so daß sich jeder Hieb um so wirksamer seinen Weg in das Fleisch bahnen konnte, das von den schrecklichen Schlägen zerrissen wurde. Die Geißelung war eine solche Bestrafung, daß sie allgemein noch schlimmer als der Tod selbst angesehen wurde. Tatsächlich starben viele während dieses Prozesses oder bald nachher.

Unser gelobter Erlöser bot seinen Rücken denen, die ihn schlugen und tiefe Furchen zogen. O elendes Schauspiel Wie können wir ertragen, es anzusehen? Doch das war noch nicht alles, denn die Soldaten des Pilatus, welche die ganze Schar zusammenriefen, trieben ihren Spott mit ihm, indem sie eine Krönung nachahmten. Nachdem sie das getan hatten, schlugen sie ihn wieder und spieen ihm ins Angesicht.

Es gab keine Art Grausamkeit, welche ihre Herzlosigkeit erfinden konnte, welche sie seiner heiligen Person nicht zugefügt hätten und dieses brutale Vergnügen konnten sie ungestört genießen, weil ihr unschuldiges Opfer keinen Widerstand leistete. Dies ist sein eigener Bericht von seinem geduldigen Ertragen: „Ich bot meinen Rücken den Schlagenden und meine Wangen den Raufenden, mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.“

Seht, das ist euer König! Ich führe euch ihn im Geist vor und rufe: „Seht, welch ein Mensch!“ Wendet alle eure Augen und Herzen hierher und blickt auf den von Menschen Verachteten und Verworfenen! Blickt ehrerbietig und voll Liebe, denn dieser Anblick erfordert Anbetung. Ich möchte euch erinnern an das, was Mose tat, als er sah, wie der Busch mit Feuer brannte und nicht verzehrt wurde-ein passendes Bild von unserem Herrn im Feuer der Leiden, der doch nicht verzehrt wurde. Ich fordere euch auf, das große Gesicht zu sehen, vorher aber den Befehl zu beachten: „Ziehe deine Sandalen von deinen Füßen, denn die Stätte, auf der du stehst, ist heiliger Boden.“ Unser leidender Herr hat jeden Ort, auf dem er stand, geheiligt und darum müssen unsere Herzen voll Ehrerbietung sein, während wir uns unter dem Schatten seiner Leiden aufhalten.

Möge der Heilige Geist euch helfen, Jesus in einem vierfachen Licht zu sehen. Laßt uns ihn anschauen als den Repräsentanten Gottes, zweitens als den Stellvertreter seines Volkes, drittens als den Knecht des Herrn und viertens als den Tröster seiner Erlösten.

Der Repräsentant Gottes

Zuerst lade ich euch ein, euren verachteten und verworfenen Herrn als den Repräsentanten Gottes zu betrachten. In der Person Jesu Christi kam Gott selbst in die Welt, machte Jerusalem und dem jüdischen Volke einen besonderen Besuch, kam aber zugleich der ganzen Menschheit nahe. Der Herr besuchte das Volk, das er solange begünstigt hatte und noch weiter begünstigen wollte. Er sagt im zweiten Vers „Ich kam“ und „Ich rief“. Gott trat tatsächlich in die Menschheit ein.

Als unser Herr als der Repräsentant Gottes in diese Welt kam, kam er in all seiner göttlichen Macht. Das vor uns liegende Kapitel sagt: „Ist meine Hand etwa zu kurz zur Erlösung? Oder ist in mir keine Kraft, um zu erretten? Siehe, durch mein Drohen trockne ich das Meer aus, mache Ströme zu einer Wüste.“ Als der Sohn Gottes auf der Erde war, tat er nicht genau diese Wunder, weil er es mehr auf Wohltaten als auf Gerichte abgesehen hatte. Er wiederholte die Plagen Ägyptens nicht, aber er wirkte größere Wunder, welche kräftiger waren, ihm das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Er speiste die Hungrigen, heilte die Kranken, weckte Tote auf und trieb Dämonen aus.

Es ist wahr, er verwandelte nicht Wasser in Blut, wohl aber Wasser in Wein. Er tötete nicht Ägyptens Erstgeburt, aber er weckte Tote auf. Ich gebe zu, daß die Herrlichkeit der Gottheit in der Person Jesu von Nazareth etwas verborgen war; aber sie war doch da, ebenso wie die Herrlichkeit auf Moses Angesicht lag, als er dasselbe unter einer Decke verbarg. Jede Eigenschaft Gottes hätte in dem Herrn Jesus gesehen werden können, wenn das Volk nicht blind gewesen wäre. Er tat die Werke seines Vaters, und diese zeugten davon, daß er in dem Namen seines Vaters gekommen war. Ja, Gott selbst war auf dieser Erde, als Christus im heiligen Land wandelte, das nun wegen seiner Verwerfung unter dem Fluch liegt.

Aber als Gott zu den Menschen kann, wurde er nicht anerkannt. Was sagt der Prophet: „Warum bin ich gekommen, und kein Mensch war da, habe gerufen und niemand antwortete?“ Einige wenige, die vom Geist Gottes gelehrt waren, erkannten ihn und freuten sich. Aber es waren so wenige, daß man von dem ganzen Geschlecht sagen kann, daß sie ihn nicht kannten. Die, welche eine dunkle Ahnung von seiner Vortrefflichkeit und Majestät hatten, verwarfen ihn dennoch. Weil Herodes fürchtete, daß er ein König sei, suchte er ihn zu töten. Die Könige der Erde ratschlagten miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten.

Obwohl die Gottheit, wie ich bemerkte, nur dürftig verhüllt war und die Strahlen ihrer Herrlichkeit hier und da hervorbrachen, wollte das Volk doch nichts davon wissen und der Ruf: „Hinweg mit ihm; laß ihn kreuzigen!“ war das Urteil seiner Zeit. Er rief und niemand antwortete. Er breitete den ganzen Tag seine Hände nach einem Volk aus, das ihm widersprach und ihn verwarf.

Und doch eignete sich der Herr, als er in die Welt kam, so wunderbar zu dem Repräsentanten Gottes. Nicht nur, weil er selber Gott war, sondern weil seine ganze menschliche Natur dem Werk geweiht und weder Fleck noch Fehler an ihm war. Er hatte keinen anderen Wunsch, als den Vater zu offenbaren und die Menschen zu segnen. Geliebte, es gab niemand, der sein Ohr dem Mund Gottes so nahe hatte, wie Jesus. Er saß als Schüler zu den Füßen des Vaters, der ihn alle Morgen weckte, damit er erst lerne und dann lehre. Was er vom Vater hörte, tat er den Menschen kund. Er sagte, daß er nicht seine eigenen Worte rede, sondern die Worte dessen, der ihn gesandt habe und daß er nicht seine eigenen Werke tue, sondern „mein Vater,“ sagte er, „der in mir wohnt, der tut die Werke“.

Nun, ein Mann, der so völlig mit dem Sinn und Willen des großen Gottes übereinstimmte, war geeignet, der Repräsentant Gottes zu sein. Ja, liebe Freunde, unser Heiland kam in einer Weise, die ihn sofort der ehrerbietigen Huldigung aller Menschen hätte empfehlen sollen. Selbst sein Vater sagte: „Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.“ Mit einer Seele voll zartester Empfindung und einem Leib gleich dem unseren war er durchaus geeignet, uns den Vater zu offenbaren. Er kam, um zur rechten Zeit mit den Müden zu reden und die zu trösten, die niedergeschlagen waren, und das hätte ihm ein freudiges Willkommen sichern sollen. Sein Verhalten war versöhnlich, denn er ging unter das Volk und aß mit Zöllnern und Sündern. Er war so zart, daß er kleine Kinder in seine Arme nahm und sie segnete. Schon aus diesem Grund hätten sie sich bei seinem Anblick freuen sollen.

Aber unser Text sagt uns, wie entgegengesetzt ihr Verhalten gegen ihn war. Anstatt ihn willkommen zu heißen, geißelten sie ihn. Anstatt ihn zu ehren, verspotteten sie ihn. Die Grausamkeit schlug seinen Rücken und raufte ihm das Haar, und der Spott machte sich lustig über ihn. Speichel, Schmach und Verachtung wurde über ihn ausgeschüttet, obwohl er selbst Gott war.

Dieses Schauspiel von dem angespieenen und gegeißelten Christus zeigt, was der Mensch dem Allerhöchsten tun würde, wenn er könnte. Als unsere Eltern das Gebot ihres Schöpfers brachen und lieber dem Rat des Teufels, als dem Wort Gottes gehorchten und die verbotene Frucht der göttlichen Gunst vorzogen, spieen sie Gott gleichsam ins Angesicht und jede seitdem begangene Sünde ist die Wiederholung derselben Verachtung des Ewigen.

Wenn ein Mensch sein Vergnügen haben will, obwohl es Gott mißfällt, ist es ebensogut, als ob er erklärt, daß er Gott verachtet, sich selbst vorzieht und dem Zorn des Allerhöchsten trotzt. Wenn ein Mensch dem Befehl Gottes entgegenhandelt, ist es ebensogut, als ob er zu Gott sagen würde: „Ich tue dies lieber als das, was du mir zu tun gebietest. Entweder irrst du in deinen Verboten, oder du versagst mir absichtlich das größte Vergnügen und da ich meine eigenen Interessen besser beurteilen kann, als du, so genieße ich das Vergnügen, das du mir verweigerst. Ich halte dich entweder für unweise oder für unfreundlich.“ Jede Tat der Sünde erweist der Liebe und Weisheit Gottes Unehre, denn sie scheint zu sagen, daß es größere Liebe gewesen wäre, das Böse zu erlauben, als es zu verbieten. Jede Sünde ist in vielfacher Weise eine Beleidigung der Majestät des dreimal heiligen Gottes und so sieht er sie auch.

Das ist besonders die Sünde derer, welche das Evangelium gehört haben und doch den Heiland verwerfen, denn in ihrem Fall kam der Herr in der gnadenvollsten Form zu ihnen und dennoch haben sie ihn nicht angenommen. Wohl könnte der Herr sagen: „Ich bin gekommen, euch zu retten und ihr beachtet mich nicht. Ich bin gekommen und habe gesagt: ´Kommt denn und laßt uns miteinander rechten! sprich der Herr. Wenn eure Sünden rot wie Karmesin sind, wie Schnee sollen sie weiß werden. Wenn sie rot sind wie Purpur, wie Wolle sollen sie werden.´ Aber von eurer Sünde wollt ihr euch nicht reinigen lassen. Welche Antwort gebt ihr mir?“

In vielen Fällen ist die Antwort: „Wir ziehen unsere Gerechtigkeit der Gerechtigkeit Gottes vor.“ Wenn das nicht heißt, Gott ins Angesicht zu spucken, dann weiß ich nicht, was es ist, denn unsere Gerechtigkeit wird richtig als „ein unflätiges Kleid“ bezeichnet und wir sind unverschämt genug, zu sagen, daß dieses besser sei, als die Gerechtigkeit Gottes in Christus Jesus. Selbst wenn wir dies nicht sagen, so geben wir mit der Verwerfung des Heilandes zu verstehen, daß wir eines Heilandes nicht bedürfen und das ist ebensoviel, als ob wir sagten, daß Gott mit dem Leben und Tode seines Sohnes Unsinn getrieben hat. Welch größere Verhöhnung kann Gott erwiesen werden, als wenn man das Blut des Sündopfers für überflüssig hält?

Wer lieber die Sünde als die Buße erwählt, zieht es vor, lieber den Zorn Gottes zu ertragen, als heilig zu sein und ewig im Himmel zu wohnen. Dies alles ist in Wirklichkeit eine Verhöhnung und Verspottung Gottes, des Herrn und wird deutlich durch die schmähliche Behandlung, welche dem Herrn Jesus zuteil ward.

Mein Gott! Mein Gott! Welch einem sündigen Geschlecht gehöre ich an! Ach, daß es deine unendliche Güte so verächtlich behandeln kann. Daß du überhaupt abgewiesen werden kannst und daß du verworfen werden kannst, wo du in Sanftmut und Liebe und Mitleid kommst, ist ein schrecklicher Gedanke!

Mensch, ist das denn wirklich dein Ernst? Kannst du den Herrn Jesus verspotten, der für Menschen gestorben ist? Um welches Werkes willen steinigst du ihn, obwohl er doch nur Gutes tat? Warum hast du ihn abgewiesen, obwohl er doch nur starb, um retten zu können?

Ich kann verstehen, wenn du dich dem Donner der Macht Gottes widersetzest, denn ich kenne deinen Wahnsinn. Aber kannst du auch der Zärtlichkeit seiner Liebe widerstehen? Wenn du es tust, müßte ich dich der Brutalität beschuldigen, aber damit täte ich den Tieren unrecht, denen solche Verbrechen unmöglich sind. Ich kann diesen grausamen Hohn nicht einmal diabolisch nennen, denn es ist eine Sünde, welche die Teufel nie begangen haben und vielleicht nicht begangen haben würden, wenn es ihnen möglich gewesen wäre. Sie haben nie mit einem Erlöser gespielt, noch das Blut des Sündopfers verworfen, denn der Herr erbarmte sich nicht über die gefallenen Engel, sondern über uns Menschen und soll das begünstigte Geschlecht seinen Freund anspucken? Gott gebe, daß wir eines besseren Sinnes werden.

Aber hier habt ihr ein Bild vor euch: Gott selbst in der Person seines lieben Sohnes wurde verachtet, verworfen, verhöhnt und beständig entehrt. Dieser Anblick sollte uns zur Buße leiten. Wir sollten auf ihn blicken, den wir gegeißelt haben, und trauern.

Der Stellvertreter seines Volkes

Und nun möchte ich euch zweitens den Herrn Jesus in einem anderen Licht zeigen, oder vielmehr ihn bitten, sich in seinem eigenen Licht euch zu offenbaren als der Stellvertreter seines Volkes. Erinnert euch, daß, als der Herr Jesus so litt, es nicht um seinetwillen, noch lediglich um des Vaters willen geschah, sondern „um unserer Übertretungen willen war er verwundet, und um unserer Missetaten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden“.

Es ist eine neuere Idee aufgetaucht, die ich nicht entschieden genug verwerfen kann, nach welcher Christus lediglich am Kreuz die Versöhnung herbeigeführt habe, während doch in dieser Stelle so deutlich als möglich gelehrt wird, daß wir sowohl durch sein Geschlagensein und seine Striemen, wie durch seinen Tod geheilt worden sind. Trennt nie das Leben vom Tod Christi. Wie konnte er sterben, wenn er nicht gelebt hätte? Wie konnte er anders, als während seines Lebens leiden? Schützt euch auch gegen die böse Idee, daß die Reinheit und Gerechtigkeit Jesu keine Bedeutung habe. Er hätte niemals die Versöhnung durch sein Blut herbeiführen können, wenn er nicht in seinem Leben vollkommen gewesen wäre. Er wäre nicht annehmbar gewesen, wenn er sich nicht zuvor als heilig und unbefleckt erwiesen hätte. Das Opfer mußte ohne Fehler sein, sonst durfte es nicht dargebracht werden.

Versteht, meine lieben Brüder und Schwestern, daß Jesus unsere Sünden auf sich nahm und daß er, als er unsere Sünde trug, auch behandelt wurde, wie Sünde behandelt werden muß.

Von allen Dingen, die je existierten, ist die Sünde das schmachvollste und schändlichste, das es gibt. Sie verdient, gegeißelt, angespieen und gekreuzigt zu werden und da unser Herr unser Stellvertreter sein wollte, mußte er mit Schmach bedeckt werden, darum mußte er gegeißelt werden.

Wenn ihr erkennen wollt, wie Gott über Sünde denkt und urteilt, so seht seinen Sohn, wie er von den Kriegsknechten bespieen wurde. In Gottes Augen ist die Sünde etwas Schmachvolles, Schreckliches, Ekelhaftes, Abscheuliches, und als Jesus sie auf sich nahm, mußte er von Gott verlassen und der Verspottung preisgegeben werden. Dieser Anblick wird euch um so erstaunlicher werden, wenn ihr bedenkt, wer es war, der so angespieen wurde. Wenn wir gegeißelt, geschlagen und verhöhnt worden wären, so wäre das nichts Sonderbares, aber der, welcher unsere Sünde auf sich nahm, war Gott, vor dem sich Engel in Ehrerbietung beugen. Trotzdem wurde er, weil die Sünde auf ihm lag, der größten nur denkbaren Schmach ausgesetzt. Weil Jesus an unserer Stelle war, wird uns gesagt, daß Gott „seinen eigenen Sohn nicht verschont“ hat. „Doch dem Herrn gefiel es, ihn zu zerschlagen.“

Ja, die Sünde wurde verurteilt im Fleisch und mußte so überaus schimpflich erscheinen. Sie warf ihn in die tiefsten Tiefen der Schmach und der Schmerzen, ehe sie weggenommen werden konnte.

Bedenkt auch, daß er freiwillig Leiden und Schmach erduldete. Er bot seinen Rücken den Schlagenden. Sie zwangen ihn nicht dazu, denn sie hätten es ohne seine Zustimmung nicht tun können. Er bot seine Wangen den Raufenden. Er verbarg sein Angesicht nicht vor Schmach und Speichel. Er suchte den Angriffen nicht zu entgehen. In der Freiwilligkeit seiner Leiden lag ein großes Maß seines Verdienstes und seiner Gnade.

Ich weiß nicht, wie ihr fühlt, wenn ihr mir zuhört, aber während ich spreche, ist es mir, als ob meine Sprache zu schwach für ein solches Thema ist. Ich wünsche, daß ihr über meine Worte hinaus selber über den Umstand nachdenkt, daß er, der den Himmel mit Wolken bedeckt, doch sein Angesicht nicht bedeckte. Das er, welcher das Universum zusammenhält, sich selbst von Menschen binden ließ, die er geschaffen hatte. Und daß er, dessen Angesicht leuchtete wie die helle Sonne, angespieen wurden.

Ich habe oft gehört, daß im Himmel kein Glaube mehr nötig sein wird, aber ich urteile, daß wir noch ebensoviel Glauben nötig haben werden, um das anzunehmen, was damals geschehen ist, wie die Patriarchen ihn nötig hatten, um das zu glauben, was geschehen sollte. Wie werden wir dasitzen und ihn anblicken und darüber nachdenken, daß sein liebevolles Angesicht einst durch Speichel entstellt sein konnte. Wenn alle Himmel in ehrfurchtsvoller Anbetung zu seinen Füßen liegen werden, wird es uns dann als möglich erscheinen, daß er einst verspottet wurde? Wird es uns nicht unglaublich vorkommen, daß jene heiligen Hände einst an den Galgen genagelt wurden, und daß man jene Wangen damals geschlagen und geschunden hat?

Wir werden dessen ganz gewiß sein und doch werden wir nicht aufhören, uns darüber zu verwundern, daß seine Seite durchstochen und sein Angesicht bespieen werden konnte. Die Sünde der Menschen wird uns stets in Erstaunen setzen. Wie konnten sie ein solches Verbrechen begehen? Ihr Menschenkinder, wie konntet ihr den Sohn Gottes mit solch grausamem Spott behandeln? Gab es für die Sünde keine andere Zielscheibe als das Angesicht des Vielgeliebten? Gab es für den Speichel keine andere Stelle als sein Angesicht?

Doch hier gibt es etwas, worauf sich unser Glaube stützen kann. Geliebte, vertraut euch den Händen eures großen Stellvertreters an. Ertrug er alle diese Schmach? Dann muß mehr als Genugtuung in dem allen sein, um alle Übertretungen, Missetaten und Sünden hinwegzunehmen. Unsere Schmach hat ein Ende, denn er hat sie getragen. Unsere Strafe ist beseitigt, denn er hat sie erduldet. Unser Erlöser hat für alle unsere Sünden bezahlt. Sei zufrieden, meine Seele und laß den Frieden vollen Besitz von deinem weinenden Herzen nehmen.

Der Knecht Gottes

Doch unsere Zeit vergeht und darum wollen wir nun das dritte Licht erwähnen, in welchem wir den Heiland sehen möchten. Wir wünschen den Herrn Jesus als den Knecht Gottes zu sehen. Als Er den Menschen gleich wurde, nahm er Knechtsgestalt an. Beachtet, wie er diesen Dienst gründlich verrichtete und daß wir ihn in dieser dritten Eigenschaft als unser Vorbild anzusehen haben, als Führer unseres Lebens. Ich weiß, daß viele von euch sich freuen, sich Gottes Knechte nennen zu dürfen. Nehmt diesen Namen nicht vergeblich an. So wie er war, so seid auch ihr in dieser Welt und ihr müßt danach trachten, ihm gleich zu sein.

Als ein Knecht war Jesus zunächst zum Dienst bestimmt. Er war dreißig Jahre in seinem Elternhaus und lernte Gehorsam und während der weiteren Jahre lernte er Gehorsam in dem, das er litt. Welch ein Knecht war er! Er folgte nie seinem eigenen Willen, sondern blickte stets zu seinem Vater auf. Er stand Tag und Nacht in beständiger Verbindung mit dem Himmel. Er sagt: „Morgen für Morgen weckt er mir das Ohr, damit ich höre, wie ein Jünger hört.“ Um auf die Stimme seines Vaters zu hören, erhob er sich vor Sonnenaufgang und die Dämmerung fand ihn bereits auf dem Berg im Gebet zu Gott, von dem er seine Aufträge erhielt, um sie unter den Menschenkindern zu erledigen.

Er liebte die Menschen sehr, aber mehr noch liebte er den Vater und nie kam er, um von der Liebe Gottes zu erzählen, ohne daß er sie als Mensch zuvor in der Stille frisch aus dem Herzen Gottes geschöpft hätte. Habt ihr beachtet, daß einige Stellen mit den Worten beginnen: „Zu jener Zeit antwortete Jesus und sprach,“ obwohl vorher nichts darüber mitgeteilt wird, daß jemand zu ihm gesprochen oder ihn etwas gefragt hätte? Was er sagte, war eine Antwort auf die Stimme, die nur er hörte, der stets der Stimme Gottes lauschte. Solchen Dienst leistete Jesus, und ihr müßt ihn ebenso leisten.

Ihr könnt eures Herrn Willen nicht tun, wenn ihr nicht in enger Gemeinschaft mit ihm lebt. Es ist zwecklos, zu versuchen, mit Kraft zu predigen, wenn wir unsere Botschaft nicht von unserem himmlischen Vater erhalten. Ich bin gewiß, daß ihr als Zuhörer den Unterschied kennt zwischen einem toten Wort, das dem Gehirn eines Menschen entspringt und einem lebendigen Wort, welches von dem Prediger kommt so frisch wie das Manna, das vom Himmel fiel. Das machte unseren Herrn zu einem solch guten Knecht, weil er auf die Stimme seines Vaters lauschte und sich vollkommen dem Willen des Vaters überließ.

Unser Text versichert uns, daß dieser Dienst nie zurückgezogen wurde. Wir ziehen uns zuweilen zurück. Ich schäme mich es zu sagen, aber ich trauere darüber, daß ich es getan habe. Manche von uns könnten Christus alle unsere Gesundheit und Kraft und Geld von Herzen und freudig geben, aber wenn unser Ruf angegriffen wird, fühlen wir den Stich. Verleumdet werden und zu hören, daß etwas Häßliches von dir gesagt wird, das ist zu viel für Fleisch und Blut. Du sagst: „Ich kann es nicht ertragen, als ein Betrüger angesehen zu werden“; aber ein wahrer Knecht Christi darf nicht auf seinen guten Ruf achten, wenn er das Werk seines Herrn tut.

Unser gelobter Herr war bereit, sich von den elendesten und niedrigsten Menschen verspotten zu lassen. Die Schmach derer, die Gott schmähten, fiel auf ihn, und als die rohen Kriegsknechte ihn in ihrer Gewalt hatten, überhäuften sie ihn mit ihrem Hohn, als ob er des Namens eines Menschen nicht würdig wäre. Herodes und Pilatus waren wahre Schlacken von Menschen, und doch erlaubte er ihnen, ihn zu richten. Ihre Knechte waren elende Geschöpfe, und doch ergab er sich ihnen. Wenn er sie mit einem zornigen Hauch angeblasen hätte, wäre verzehrendes Feuer über sie gekommen, und sie wären verbrannt wie Stoppeln. Aber seine allmächtige Geduld hielt seinen Unwillen zurück, und er blieb wie ein Schaf vor seinem Scherer. Er gestattete es seinen eigenen Geschöpfen, sein Haar zu raufen und ihm ins Angesicht zu spucken. Solche Geduld solltet ihr als Knechte Gottes haben. Wir müssen willig sein, verspottet und als der Auswurf der Menschen betrachtet zu werden.

Es ist schade, wenn Christen sich weigern zu leiden und wenn sie sich zu verteidigen suchen und Sagen:„wir müssen für unsere Rechte einstehen.“ Hast du das Jesus je tun sehen? Wenn ihn ein Maler so darstellen wollte, so wäre es ein anderer, aber nicht Christus. Nein, sagte er, „Ich bot meinen Rücken den Schlagenden und meine Wangen den Raufenden, mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.“

Hier war etwas mehr als vollkommene Ergebung, denn sein innerstes Wesen offenbarte sich in einer gehorsamen Freude an den Willen des Vaters. Die Worte scheinen mir Freudigkeit auszudrücken. Es wird nicht gesagt, daß er es zögernd seinen Feinden gestattete, sein Haar zu raufen oder seinen Rücken zu schlagen, denn es heißt: „Ich bot meinen Rücken den Schlagenden.“ Er konnte kein Vergnügen daran haben, denn wie konnte er sich an den Leiden und an der Schande vergnügen? Diese Dinge waren seiner feinfühligen Natur mehr entgegen, als sie uns sein können. Und dennoch lesen wir, daß er „für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete“.

Er war für diese schreckliche Behandlung bereit, denn er sagte: „Ich habe aber eine Taufe, womit ich getauft werden muß, und wie bin ich bedrängt, bis sie vollbracht ist!“ Er war bereit, den bitteren Kelch mit Galle zu nehmen und war willig, ihn bis auf den Grund zu leeren. Er bot seinen Rücken denen dar, die ihn schlugen.

Und währenddessen-folgt mir in diesem nächsten Punkt-gab es kein Zurückschrecken bei ihm. Sie spieen ihm ins Angesicht; aber was sagt er im siebenten Vers? „Ich habe mein Gesicht hart wie Kieselstein gemacht.“ Wenn sie dabei sind, sein Angesicht zu besudeln, so ist er entschlossen, es zu ertragen. Er umgürtet sich und macht sich nur um so entschlossener. Die Grausamkeit und die Schmach konnten ihn nicht zum Sprechen bewegen.

Haben unsere Lippen nicht manchmal ein Wort der Verteidigung gesprochen? Habt ihr nicht gefühlt, daß es weise ist, still zu sein? Aber dann ist die Behandlung so grausam gewesen, daß sie euch schließlich gereizt hat, euch dagegen aufzulehnen. Böse Lügen erregten euren Unwillen, und ihr fühltet, daß ihr sprechen mußtet, und wahrscheinlich spracht ihr, obwohl ihr versuchtet, euch einen Zaum anzulegen. Aber unser Herr wollte in der Allmacht seiner Geduld und Liebe auch nicht ein Wort äußern. Er tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird. Durch sein unvergleichliches Schweigen legte er ein gutes Bekenntnis ab. Wir müssen ihm nachfolgen, wenn wir seine Jünger sein wollen. Auch wir müssen unsere Angesichter wie Kieselsteine machen und nach dem Willen des Vaters handeln, hier schweigen und dort sprechen, je nachdem wir ihn am meisten ehren können.

Beachtet das Vertrauen und die Ruhe seines Geistes. Es scheint fast, als ob er sagen würde: „Ihr mögt mich anspucken, aber ihr könnt keinen Fehler an mir finden. Ihr könnt mich raufen, aber meine Reinheit könnt ihr nicht anfechten. Ihr mögt mich geißeln, aber ihr sollt mir keinen Fehler nachweisen können. Eure falschen Zeugen wagen es nicht, mir ins Auge zu schauen.“

Sei daher ruhig, du Knecht Gottes. Fasse deine Seele in Geduld. Diene Gott unentwegt und treu, auch wenn Menschen dich verleumden. Gehe dem Dienst bis auf den Grund, tauche selbst in die Tiefe hinein und sei zufrieden, in Christi Grab zu liegen, denn du wirst an Christi Auferstehung teilhaben. Träume nicht davon, daß der Pfad zum Himmel ein Weg der Ehre ist; er windet sich unten im Tal der Demütigung dahin. Du mußt weniger, kleiner und geringer werden, denn das ist der Weg zur ewigen Herrlichkeit.

Ich habe keine Zeit, die letzten beiden Verse des Kapitels zu erklären, aber sie geben euch eine schöne Lektion. „Ich bot meinen Rücken den Schlagenden.“ Wenn daher jemand von euch in Finsternis wandelt und kein Licht sieht, so ist das für einen Knecht Gottes nichts Neues. Der Höchste aller Knechte hielt aus, obwohl die Menschen ihn verachteten. Folge ihm nach. Verlaß dich auf Gott, wie er es tat, und sieh auf das Ende deiner Trübsale. Er kam schließlich doch ans Licht, und dort sitzt er nun zur Rechten seines Vaters in unbeschreiblichem Glanz, und so werden alle Gläubigen aus der Wolke heraustreten und „leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich“. Halte nur entschlossen und geduldig aus, und Herrlichkeit wird dein Lohn sein.

Der Tröster seines Volkes

Beachtet zunächst, daß der Herr wohl dazu geeignet ist, „den Müden durch ein Wort aufzurichten,“ weil er sanftmütig, demütig und zugänglich ist. Wenn Menschen in gedrückter Stimmung sind, ist es ihnen, als ob sie von Personen, die barsch und stolz sind, keinen Trost erhalten können. Der Tröster muß als ein Dulder, als ein Gebrochener kommen, wenn er die Leidenden aufrichten will. Ihr dürft eure besten Kleider nicht anlegen, wenn ihr die Kinder der Armut besuchen wollt und dürft eure Juwelen nicht tragen, als ob ihr zeigen wolltet, daß ihr besser daran seid als sie. Setzt euch zu den Niedergeschlagenen hin und laßt sie es merken, daß ihr sanftmütig und von Herzen demütig seid. Euer Meister hielt seinen Rücken und seine Wange dar und darum ist er der Tröster, dessen ihr bedürft.

Beachtet nicht nur seine Demut, sondern auch seine Sympathie. Bist du heute voller Schmerzen? Jesus kennt das, denn er „bot seinen Rücken den Schlagenden“. Leidest du unter Verdächtigungen und Verleumdungen, was noch schlimmer ist, als Schmerz? Bist du kürzlich verhöhnt worden? Haben die Gottlosen mit deiner Gottseligkeit Scherz getrieben? Jesus kann mit dir fühlen, denn du weißt, wie lustig sie sich über ihn gemacht haben. An jedem Weh, das dein Herz zerreißt, hat der Herr seinen Anteil gehabt. Geh und sage ihm alles. Viele werden dich nicht verstehen. Du bist ein bunter Vogel, der sich von den anderen unterscheidet, und sie werden nach dir picken. Aber Jesus kennt das, denn auch er war gekennzeichnet. Er war „heilig, unschuldig, unbefleckt und abgesondert von den Sündern,“ aber nicht von solchen, wie du einer bist. Gehe zu ihm, und er wird mit dir fühlen.

Außer seinem sanften Wesen und seiner Fähigkeit, mit dir zu fühlen, kann auch sein Beispiel mithelfen, dich zu trösten. Er kann zu dir sagen: „Ich bot meinen Rücken den Schlagenden.“ Kannst du nicht das gleiche tun? Ist der Jünger über seinen Meister? Wenn ich nur bis zur Türschwelle des Himmels gelangen und dort den niedrigsten Platz einnehmen kann, so nehme ich doch einen unendlich besseren Platz ein, als ich ihn verdiene und wenn ich meinen geliebten Herrn und Meister sehe, wie er sein Angesicht bespucken läßt, soll ich dann sagen: „Ich kann diesen Spott, diese Pein nicht ertragen“?

Ging der König über den Bach Kidron und darf es für dich keinen Bach Kidron geben? Trägt der Meister sein Kreuz und dürfen deine Schultern nicht wund gerieben werden? Haben sie den Hausvater Beelzebub genannt und sollen sie dich mit „ehrwürdiger Herr“ anreden? Ist er von ihnen verlacht und verspottet worden und willst du geehrt werden? Bei seiner Geburt gab es einen gemieteten Stall für ihn und zu seinem Begräbnis ein geliehenes Grab. Freunde, laßt den Hochmut fahren und laßt es uns zur größten Ehre gereichen wenn es uns gestattet ist, so tief hinunterzusteigen, wie wir nur können.

Und dann tröstet uns sein Beispiel durch den Umstand, daß er bei dem allen ruhig war. O, die tiefe Ruhe, die der Heiland im Herzen hatte! Sie verspotteten ihn als König, aber er antwortete mit keinem zornigen Wort. Sie gaben ihm ein Rohr in die Hand, aber er verwandelte es nicht in ein eisernes Zepter, um sie wie Töpfe zu zerschlagen, obwohl er das wohl hätte tun können. Er flehte nicht um Barmherzigkeit. Er sagte: „Mich dürstet“ denn er war kein Stoiker, aber Menschenfurcht hatte er nicht, und sein Herz schrak nicht ängstlich zurück.

Der König der Märtyrer verdient es, der Märtyrer Krone zu tragen, denn er duldete wahrhaft königlich. Keiner hatte je eine Geduld wie er. Das ist dein großes Vorbild, das du nachahmen sollst. Du hast es nötig, daß dein Meister dir dabei hilft. Gewiß, wenn jemals Kinder in der Schule Christi nach seiner Vorschrift abschreiben, so geschieht es stets, weil er durch seinen Geist ihre Hände führt.

Schließlich hat der Triumph unseres Heilandes den Zweck, uns als Anregung und zur Ermutigung zu dienen. Er steht heute als der Tröster seines Volkes vor uns. Gedenkt an den, der einen solchen Widerspruch von den Sündern wider sich erduldet hat, damit ihr nicht mutlos werdet. Wenn er auch einst mißhandelt und verachtet wurde, so sitzt er doch nun zur Rechten Gottes und herrscht über alles, und der Tag kommt, an dem sich alle Knie vor ihm beugen und alle Zungen bekennen werden, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters. Die ihn angespuckt haben, werden den Tag bereuen.

Kommt her, die ihr ihn verspottet habt! Er ist von den Toten auferstanden, kommt und spuckt ihn wieder an. Ihr, die ihr ihn gegeißelt habt, bringt eure Ruten und Geißeln herbei und seht zu, was ihr an diesem Tag seiner Herrlichkeit tun könnt! Seht, sie fliehen vor ihm; sie rufen die Berge an, sie zu beschützen; sie fordern die Felsen auf, sich zu öffnen und sie zu verbergen. Doch es ist nichts als sein Angesicht, dasselbe Angesicht, das sie angespieen haben, welches veranlaßt, daß Himmel und Erde fliehen. Ja, alle Dinge fliehen vor der Majestät dessen, der einst seinen Rücken denen bot, die ihn schlugen und seine Wange denen, die ihn rauften.

Seid ihm gleich, die ihr seinen Namen tragt. Vertraut ihm, und ihr werdet in der Herrlichkeit mit ihm leben immer und ewiglich. Amen.

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