Spurgeon, Charles Haddon - Die Schöpfung - ein Beweis für den Glauben

„Ach, Herr, Herr, siehe, Du hast Himmel und Erde gemacht durch Deine große Kraft und durch Deinen ausgestreckten Arm, und ist kein Ding vor Dir unmöglich“
Jer. 32,17

Zu der Zeit, als die Chaldäer Wälle um Jerusalem her aufgeworfen und Schwert, Hunger und Pest das ganze Land verödet hatten, erhielt Jeremia, während er im Gefängnis lag, den Befehl von Gott, einen Acker zu Anathoth von seinem Cousin zu kaufen, die Kaufurkunde durch die gewöhnlichen Zeugen unterschreiben zu lassen, den Kaufbrief, dem Gesetz und der Sitte gemäß, zu versiegeln, und dies öffentlich in Gegenwart aller Juden, die im Gefängnishof saßen. Dies war aber für einen intelligenten Mann ein seltsamer Kauf. Die Klugheit konnte ihn nicht rechtfertigen. Es war der Erwerb eines Besitzes, der völlig wertlos war. Die Vernunft verwarf den Gedanken daran; es bedeutete ja, zu kaufen, obwohl sich der Käufer aller Wahrscheinlichkeit nach nie über seinen Kauf freuen konnte. Aber für Jeremia war es genug, daß sein Gott es ihm befohlen hatte, denn er wußte wohl, daß Gott gerechtfertigt werden würde vor allen seinen Kindern, die im Glauben handeln. Er kaufte das Land, und es war ihm zugesichert; er tat, was ihm befohlen wurde, und kehrte in seinen Kerker zurück.

Es ist möglich, daß er, als er allein in seiner Kammer war, anfing, sich über das Gedanken zu machen, was er getan hatte: „Ich habe einen nutzlosen Besitz gekauft,“ sagte er. Seht, wie er sich bemüht, den Gedanken daran fern zu halten. Er kommt soweit, daß er sagt: „Ach, Herr, Herr,“ als ob er ungläubige oder rebellische Worte äußern wollte, aber er besinnt sich eines Besseren: „Du kannst mir diesen Acker nützlich machen; Du kannst dieses Land von seinen Bedrückern befreien; Du kannst noch machen, daß ich unter meinem Weinstock und Feigenbaum sitze in dem Erbteil, das ich gekauft habe, denn Du hast Himmel und Erde gemacht und nichts ist für Dich zu schwer.“

Geliebte, was den alten Heiligen eine Majestät verlieh, war, daß sie es wagten, auf Gottes Befehl Dinge zu tun, die mit dem Verstand unerklärlich waren und von der Vernunft verdammt wurden. Sie berieten sich nicht mit Fleisch und Blut; sondern, sie alle handeln auf Gottes Befehl; sie handeln gegen alle Vorschriften der Vernunft, und Gott, ja, der Herr Gott, gibt ihnen reichen Lohn als Frucht ihres gehorsamen Glaubens. Sehen wir einen Noah ist, der auf dem trockenen Lande ein Schiff baut, einen Abraham, der seinen einzigen Sohn opfern soll, einen Moses, der die Schätze Ägyptens verachtet, oder einen Josua, der Jericho sieben Tage lang belagert und dabei keine anderen Waffen als das Blasen von Posaunen gebraucht.

Ich wünsche mir von Gott, wir hätten in der Religion unserer Tage eine stärkere Beimischung jenes heroischen Glaubens an Gott. Aber nein; ich sehe die christliche Gemeinde immer mehr und mehr in eine Gesellschaft ausarten, die nach denselben Grundsätzen verfährt wie Handelsgesellschaften. Die Gemeinde, fürchte ich, kann jetzt nicht sagen: „Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.“ Als Edward Irwing seine denkwürdige Predigt hielt über den Missionar, der, wie er meinte, verpflichtet sei, ohne Geld im Gürtel und ohne Tasche loszugehen, allein auf seinen Gott vertrauend, um das Wort zu predigen, da stieg ein Geheul zum Himmel auf gegen diesen Mann: Man sagte, er sei ein Fanatiker, schwärmerisch, unpraktisch, wahnsinnig, und das alles, weil er es wagte, eine Predigt voll von Glauben an Gott zu halten.

Ich bekenne, daß ich völlig übereinstimme mit den Ansichten, die er damals aussprach; und ich denke, wenn die Kraft Gottes die Gemeinde wieder einmal durchdringen würde, so würden wir Männer haben, die es wagen würden, auf Gott zu vertrauen, statt ihre Zuversicht auf Menschen zu setzen; die wieder einmal handeln würden, als wenn Gottes Arm allein genügte, um sich darauf zu stützen, als wenn Glaube nicht Fanatismus wäre, als wenn Zuversicht auf ein unsichtbares Wesen nicht ein ungerechtfertigter Enthusiasmus wäre. Ich wollte zu Gott, die Gemeinde hätte wieder eine reiche Salbung von dem Übernatürlichen, und ich glaube, sie würde sie haben, wenn sie wieder im Glauben handeln würde; und wenn ihr und ich, meine Brüder, mehr auf die bloße Verheißung Gottes wagen wollten, so würden wir in eine Wunderwelt eintreten, die uns noch ganz fremd ist.

Wenn wir nur auf den Wassern der Trübsal mit einem lebendigen Glauben gehen wollten, so würden wir finden, daß sie fest wie Marmor unter unseren Füßen wären. Wenn wir einmal wieder, wie die Erde, uns an nichts klammerten als einfach an die Macht und Vorsehung Gottes, so würden wir sicher erkennen, daß es eine gesegnete und sichere Weise zu leben ist, die Gott verherrlicht und uns selber Ehre bringt. Ich wollte, der Herr erweckte wieder ein Geschlecht von Helden, die von der Welt verspottet und von bloßen Namenchristen verachtet würden, Menschen, die im Glauben an den Gott, der ewig lebt und bleibt, handelten, und die kühne Taten wagten, wo die Schwachheit des menschlichen Armes offenbar sein würde und die Kraft Gottes sich offenbart. Dann würden wir das tausendjährige Reich für uns anbrechen sehen, und Gott, unser Gott, würde uns segnen und alle Enden der Erde würden Ihn fürchten. Liebe Freunde, es ist heute morgen meine Aufgabe, euch an den Ort zu führen, wo Jeremia sein Gottvertrauen bekundete. Weil er sieht, daß seine Sache hoffnungslos ist, und weiß, daß Menschen nichts für ihn tun können, nimmt er seine Zuflucht sofort zu dem Gott, der den Himmel und die Erde erschuf, und er ruft aus: „Es ist kein Ding vor Dir unmöglich.“ Ich werde meinen Text auf dreierlei Weise benutzen: um

  1. den Evangelisten anzuspornen;
  2. den Suchenden zu ermutigen; und
  3. um den Gläubigen zu trösten.

I. Um den Evangelisten anzuspornen.

Und wer ist der Evangelist?

Jeder Mann und jede Frau, die geschmeckt haben, daß der Herr gnädig ist, sollten Evangelisten sein. Alle, ohne Ausnahme, sollten, wenn sie durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeboren sind, jedem sagen, was er tun muß, um selig zu werden. Es sollte keine stumme Zunge in unserem ganzen Heer sein; wir sollten keinen faulen Arbeiter auf dem Erntefeld haben, sondern jeder, ob Mann oder Frau, sollte tun, was er kann, um die Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus auszubreiten. Und hier, lieber Bruder in Christus, mein Freund und Mitarbeiter, hier ist deine Ermutigung: Du tust das Werk Gottes, und dein Erfolg ist in der Hand Dessen, der den Himmel und die Erde machte.

Laßt mich euer Gedächtnis auffrischen mit der alten Geschichte der Schöpfung, und ich denke, ihr werdet Lichtblitze auf euer Werk fallen sehen, die euch sehr ermutigen werden.

1. Denkt zuerst daran, daß die Welt aus nichts geschaffen wurde. Du hast oft gesagt: „Meine Aufgabe ist sehr schwer, denn ich habe mit Menschen zu tun, in denen ich nichts Hoffnungsvolles sehe. Ich laufe Sturm gegen ein Gewissen von Granit, und es wird nicht bewegt; ich donnere das Gesetz aus, aber das tote und unempfindliche Herz rührt sich nicht; ich spreche von der Liebe Christi, aber das Auge wird nicht feucht; ich weise auf die Hölle hin, aber keine Spur von Schrecken zeigt sich; und auf den Himmel, aber kein heiliges Verlangen wird entzündet! Es ist nichts in den Menschen, das mich in meinem Werk ermutigt, und ich bin bereit, es aufzugeben.“ Bruder, komm mit mir zurück zu der Schöpfung der Welt. Woraus machte Gott die Welt? War Ihm irgendein Material zur Hand, aus dem Er diese Erdkugel machte? Was sagt die Schrift? Schuf Er sie nicht aus nichts? Du hast noch niemals den Gedanken des Nichts erfaßt. Das Auge kann es nicht sehen; es mag in den Raum hineinblicken, aber der Raum selbst ist etwas. Wir schauen hinauf, und über uns ist der blaue Äther, wenn wir auch nicht wissen, was er ist; aber das Auge kann nicht auf nichts blicken; es würde erblinden. Das Nichts ist ein Ding, das die Sinne nicht erfassen können, und dennoch ist es dieses furchtbare Nichts, aus dem Gott die Sonne, den Mond, die Sterne und alles, was ist, machte. Hätte Er vor der Schöpfung gesprochen, so wäre keine Stimme da gewesen, ihm zu antworten; hätte Er gerufen, so wäre kein Echo da gewesen, seine Stimme zu wiederholen. Das Nichts war überall, und dennoch sprach Er, und es geschah; Er gebot, und es stand fest! Der Sünder ist in einem ähnlichen Fall. Du sagst, es ist nichts in dem Sünder. Ja, dann ist Raum da für eine Neuschöpfung. Weil das Herz jetzt wüst und leer ist, ist Raum da für den ewigen Gott, damit Er kommen und mit seinem ausgestreckten Arm ein neues Herz und einen neuen Geist schaffen kann, und um seine Gnade da einströmen zu lassen, wo vorher keine war. Wenn du den Sünder zu bekehren hättest, dann wäre deine Aufgabe in der Tat genauso hoffnungslos, als wenn du neue Welten aus dem Nichts zu schaffen hättest; aber da nicht du, sondern dein Gott es ist, der alle Dinge wirkt, so darfst du dich mit dem Gedanken trösten, daß Er, der diese ganze wunderbare Erde geschaffen hat und der nichts hatte, womit Er beginnen konnte, Leben, Furcht, Hoffnung, Glauben und Liebe geben kann, selbst wenn da nichts Himmlisches ist, das Ihm als Grundlage dienen kann. Freue Dich darüber.

2. Aber du sagst mir, du hast niemanden, der dir hilft oder dir in deinem Werk beisteht, und Dir fehlt jede Unterstützung. „Ach, mein Herr,“ sagt der eine, „wenn ich einen Verein hinter mir hätte; wenn ich wenigstens ein paar warmherzige Freunde hätte, die sich mit mir zusammentun und mich ermutigten; aber ich bin alleine, es ist niemand mit mir. Ich stehe auf und predige in einem Dorf, wo alle kalt und unempfindlich sind, wo sogar mein Prediger mir sagt, daß ich ein vorschneller, tollkühner, junger Mensch sei, der besser täte, seinen Mund zu halten. Ich blicke auf die Welt, und sie haßt mich; ich wende mich zur Gemeinde, und sie verachtet mich. Ich bin zu enthusiastisch für die Gemeinde; ich bin zu fanatisch für die Welt. Was kann ich tun? Ich bin ein einzelner Mann und habe keinen Helfer!“ Bruder, als Gott die Welt schuf - und dieser Gott ist mit dir - war Er allein. Mit wem hat Er sich beraten und wer hat Ihn unterwiesen? Als Er die Wolken abwog und den Grund der Erde legte, wer lehrte Ihn das Gesetz der Schwerkraft? Wer wog die Berge mit einem Gewicht und die Hügel mit einer Waage? War Er es nicht allein? Kein Parlament von Engeln neigte sich zu seiner Rechten, denn Er erschuf sogar sie. Kein Erzengel beugte sein Haupt und bot dem Höchsten seinen Rat an, denn der Erzengel selbst ist nur ein Geschöpf. Als die Schöpfung vollendet war, mögen die Cherubim und Seraphim gesungen haben, aber helfen konnten sie dabei nicht. Sieh her, welchen Stern haben die Engel gemacht? Welcher Fleck der Erde ist die Schöpfung eines Erzengels? Sieh auf zum Himmel oder hinab in die Tiefe, wo siehst du den Stempel irgend einer anderen Hand als der Gottes? Er in seinem einsamen Wirken schafft Fülle aus der Leere; aus dem Nichtsein ruft Er alle Dinge, und aus sich selber nimmt Er beides, den Stoff und die Art, die Weise und das Wie. Sein Hof braucht kein Einkommen aus der Ferne zu seinem Unterhalt, denn aus sich allein schöpft Er die Kraft, die nötig ist. Wirf deine Last auf dein en Gott, wenn du allein bist, denn allein mit Ihm hast du die beste Gesellschaft. Wenn du die Heerscharen des Himmels bei dir hättest, was wärest du ohne deinen Gott? Wenn die ganze Gemeinde hinter dir stünde „schrecklich wie die Heeresspitzen,“ so wäre deine Niederlage sicher, wenn Gott der Heilige Geist nicht in dir wohnte. Ich sage dir, Mensch, wenn alle Heiligen und Engel auf Erden und im Himmel sich vereinen sollten, dir in deinem Streben Beistand zu leisten, so würdest du doch, wenn dein Gott sich fern von dir hielte, umsonst arbeiten und deine Kraft nutzlos vergeuden. Aber mit Ihm sollst du siegen, auch wenn alle Menschen dich verlassen.

„Im Himmel und auf Erden
Kann Ihm nichts widerstehen,
Was Er beschließt, muß werden,
Was Er gebeut, gescheh'n.“

Laß dich also nicht dadurch beunruhigen, daß du allein bist. „Ach, Herr, Herr, siehe, Du hast Himmel und Erde gemacht, durch Deine große Kraft und durch Deinen ausgestreckten Arm, und ist kein Ding vor Dir unmöglich.“

3. Aber du antwortest mir: „Mein Kummer liegt nicht so sehr darin, daß ich allein bin, als in der traurigen Tatsache, daß ich mir meiner eigenen Schwachheit und meines Mangels an Tüchtigkeit für meine besondere Aufgabe sehr bewußt bin. Ich komme von meiner Sonntagsarbeit zurück und sage: Wer glaubt meiner Predigt? Und wem wird der Arm des Herrn geoffenbart? Es scheint mir, als wenn ich einen Felsen pflügte, einen Felsen, der so hart ist, daß er die Pflugschar abstumpft. Ich kann keinen Eindruck auf ihn machen. Ich habe in die Luft gefochten; es ist mir, als hätte ich Wasser gepeitscht; ich fürchte, daß ich nicht die nötigen Gaben besitze und auch nicht die Gnade, die ich haben sollte. Es tut mir weh, denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen! Ich bin nicht geeignet für diese Dinge, sondern ich möchte wie Jona nach Tarsis fliehen, um der Klage des Herrn gegen dieses Ninive zu entgehen.“ Ja; aber Bruder, komm, lenke deine Gedanken wieder zurück zur Schöpfung. Der Ewige brauchte keine Werkzeuge bei der Schöpfung. Was für Werkzeuge gebrauchte Gott, als Er den Himmel und die Erde machte? Wenn der Schmied sein Arbeit tut, so benutzt er Hammer und Amboß: auf welchem Amboß schlug Gott die glühendrote Materie dieser Erde, als Er sie formte und zu dem machte, was sie ist? Ich weiß, daß der Graveur ein scharfes Werkzeug braucht, das er mit all seiner Kraft handhabt, wenn er die Linien der Schönheit eingräbt; aber als Gott dieses schöne Bild zeichnete - diese wundervolle Landschaft der Himmel und der Erde - was für ein Werkzeug hatte Er da? Wo lest ihr, daß Er irgend ein Instrument in seiner mächtigen Hand hatte? Der Zimmermann hat seinen Hobel, seinen Hammer und seine Krummaxt; welchen Hobel, welchen Hammer und welche Krummaxt gebrauchte der Ewige? Hatte Er irgend etwas außer seiner eigenen Hand? Sind nicht die Himmel das Werk seiner Finger und Sonne und Mond das Werk seiner Hände? Sieh also, wenn Gott ohne Werkzeuge bei der Schöpfung einer Welt arbeiten konnte, so kann Er sicherlich mit einem armseligen und geringen Werkzeug die Bekehrung eines Sünders vollbringen. Wenn ich an mich selber denke, so scheint es mir, als wenn der Allmächtige einen Strohhalm in seine Hand nahm, um damit einen Granitfelsen zu durchbohren; dennoch weiß ich, daß, auch wenn es nur ein Strohhalm ist, dieser doch in seiner Hand fähig ist, die Erdkugel zu durchbohren und die Sphären wie an eine Schnur zu hängen. Ich weiß, wenn der Herr nur einen glatten Stein aus dem Bach in seine Hand nimmt, so wird dieser, wenn Er ihn aus seiner Schleuder wirft, selbst die Stirn eines Riesen durchbohren. Er errettet nicht durch die Kraft eines Mannes, auch nicht durch menschliches Wissen, Überredungskunst oder Talent. Es ist seine Stärke und nicht die Stärke und Schwäche der Instrumente, auf die wir blicken müssen. Ich bitte dich, sieh nicht auf dich selbst. Was bist du? Ein Menschenkind, in dem keine Stärke ist! Ein Mann, der vom Weib geboren ist; unrein nach deinem Ursprung und ungeheiligt nach deinen Handlungen. Es ist nichts in dir, weshalb Gott dich zu einem Seelengewinner machen sollte; aber weil du nichts bist, bist du um so besser geeignet, von Ihm gebraucht zu werden. Er wird durch deine Schwachheit viel mehr Ehre haben. Ich bitte dich deshalb, sprich mit Paulus: „Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi bei mir wohne;“ und laß dies dein Lied sein: „Wir haben aber solchen Schatz in irdenen Gefäßen, auf daß die überschwengliche Kraft sei Gottes, und nicht von uns.“ „Ach, Herr, Herr, siehe; Du hast Himmel und Erde gemacht durch Deine große Kraft und durch Deinen ausgestreckten Arm, und ist kein Ding vor Dir unmöglich;“ Du kannst Wunder tun, auch durch das geringste Werkzeug.

4. Höre ich dich noch immer klagen und sprechen: „Ach, ach! es ist so wenig, was ich zu sagen vermag; wenn ich rede, so kann ich nur den Text vorlesen und ein paar einfache Worte darüber sagen - wahr und ernst, aber nicht mächtig. Ich kann nicht die abgerundeten Perioden eines Robert Hall ertönen lassen oder meinen Flug zu den majestätischen Höhen eines Chambers erheben. Ich habe nicht die Macht, die Seelen mit den Tränen und dem seraphischen Eifer eines Whitfield zu rühren. Ich kann nur einfach die Geschichte von der Barmherzigkeit Gottes erzählen und es dabei bewenden lassen.“ Nun, und schuf nicht Gott alle Dinge durch sein bloßes Wort? War irgendwelche Beredsamkeit da, als Gott sprach und es geschah? „Es werde Licht“, und es war Licht. Kannst du hier irgendwelche rednerische Verzierungen bemerken? Ist nicht heute noch das Evangelium in sich selbst der Stab der Kraft des Herrn? Ist es nicht die Macht Gottes zur Seligkeit für jeden, der glaubt? Und betont der Apostel es nicht immer wieder, daß es nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit ist, wodurch solches geschieht, weil sonst der Ruhm nicht der Kraft Gottes, sondern der Menschen zufällt? Gott hat es anders bestimmt, damit nicht der Glaube des Menschen auf menschlicher Weisheit ruhen sollte, sondern auf der Macht des Allerhöchsten. Fahre fort, mein Bruder Evangelist, ja, fahre fort, das Wort Gottes zu reden, denn es ist das Wort, das durch Gott mächtig ist „zu zerstören die Befestigungen.“ Es war sein bloßes Wort, ungeschmückt, schlicht und einfach, das am Anfang Himmel und Erde schuf. Was kann von erhabenerer Einfachheit sein, als „Es werde Licht“? Gehe hin und sprich in ebenso einfach: „Sünder, glaube an den Herrn Jesus Christus“, und deine Botschaft wird die Stimme Gottes vom Himmel sein, die nicht wieder leer zu Ihm zurückkommen, sondern tun soll, was Ihm gefällt, und es soll ihr gelingen, wozu sie gesandt ist.

5. „Ach!“ höre ich einen Bruder aus einer Ecke des Hauses rufen, „du kennst nicht die Dunkelheit des Distriktes, in dem ich arbeite. Ich wirke unter umnachteten, unverständigen, unwissenden Leuten. Ich darf nicht erwarten, Frucht zu sehen, wenn ich auch noch so viel arbeite.“ Ach, Bruder, so lange du so sprichst, wirst du niemals Frucht sehen, denn Gott gibt große Dinge nicht den ungläubigen Menschen. Aber zur Ermutigung deines Glaubens laß mich dich daran erinnern, daß es der Gott ist, der Himmel und Erde schuf, auf den du dich zu stützen hast, und wie lautet das, was vorzeiten geschrieben wurde? „Die Erde war wüste und leer, und es war finster auf der Tiefe.“ Wie dicht diese Finsternis war, kann ich nicht sagen; jene uranfängliche Finsternis, die nie von einem einzigen Lichtstrahl erhellt war; jene dichte, dicke siebenfältige, ägyptische Finsternis, die nie eine Sonne oder einen Mond gekannt hatte und nie vom Sternenlicht durchbrochen war; und doch uranfänglich, wie sie war - ich war im Begriff, sie ewige Finsternis zu nennen, aber nichts kann ewig sein als der Höchste - es war nur ein Wort gesprochen -„Es werde Licht,“ - und es war Licht. Und meinst du, die Finsternis deiner Hörer sei dicker als diese Finsternis immerwährender Nacht? Selbst wenn es so wäre, so ist Gott doch allmächtig, Er braucht nur durch dich zu sprechen, braucht nur dein Wort zu seinem Wort zu machen, dann fallen die Schuppen der Blindheit vom Auge und der von Mitternacht Umhüllte wird in das wunderbare Tageslicht geführt werden. Ich möchte wissen, wo der dunkelste Ort der Erde ist, denn dahin sollten die Missionare zuerst gesandt werden. Oh, daß wir Glauben hätten, etwas für Gott zu tun und zu wagen und die schwersten Aufgaben zuerst zu unternehmen! Aber ach! wir sind solche Feiglinge; wir lieben gute Arbeitsfelder; wir wollen vielverheißende Aussichten. Wir wollen da eine Kapelle bauen, wo die Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, daß die Leute sie schätzen werden; wir senden einen Missionar dahin, wo wir denken, daß man sein Wort aufnehmen wird. Aber sollen wir den Mann dahin senden, wo man ihn unserem Urteil nach nicht aufnehmen wird, wo man seinen Namen als boshaft verwerfen wird? Das heißt im Glauben handeln, und dies ist es, was der Heldenmut des Evangeliums verlangt. Gürtet eure Lenden, ihr Nachfolger Christi, sucht nach Schwierigkeiten und überwindet sie. Wenn ihr nicht größer als andere Menschen seid, wie seid ihr denn die Nachfolger des göttlichen Jesus? Wenn ihr nicht handeln könnt, wo andere verzweifeln, wie wohnt dann der Heilige Geist in euch? Wenn ihr nicht Mut zeigen wollt, wo andere fliehen, wo ist dann die herrliche Majestät eures Glaubens?

6. Um diesen segensreichen Beweis noch weiter zu führen. „Ja“, sagt einer, „aber die Menschen, unter denen ich lebe, sind so verwirrt in ihren Vorstellungen; sie setzen Finsternis für Licht und Licht für Finsternis; ihr sittliches Gefühl ist stumpf; wenn ich versuche, sie zu lehren, so sind ihre Ohren taub und ihre Herzen scheinen zu schlafen. Außerdem sind sie voll sinnlosen Streits und widersetzen sich der Wahrheit; ich erdulde viel Widerspruch von den Sündern, und sie wollen nicht die Wahrheit mit Liebe aufnehmen.“ Ah, dann bitte ich dich, zu der alten Schöpfung zurückgehen, damit du dich über die neue trösten mögest. Brütete nicht der Heilige Geist mit überschattenden Flügeln über der Erde, als sie ein Chaos war? Brachte Er nicht Ordnung aus der Verwirrung? Denkst du nicht daran, wie Gott an einem Tag die Wasser, die über dem Firmament waren, von denen trennte, die unter ihm waren? Weißt du nicht, wie Er die Wasser zusammenrollte an ihren Ort und das Trockene Erde nannte und die Sammlung der Wasser Meer? Was für größere Verwirrung konnte es geben? Jene weißglühende Masse, die einst vielleicht Gas gewesen und sich nachher zu einer Kugel von flüssigem Feuer verdichtet hatte, wurde von dem Atem Gottes gekühlt. Und als ihre Rinde hart geworden und die empörten Wasser ihre Wellen über Alpenhöhen warfen; als der Wind dahergebraust kam und in einem Karneval von Orkanen den Himmel und die Erde durcheinander mengte; als Wolken und Berge und Meer und Luft alle eine siedende Masse waren, da erschien der blaue Himmel, und die Wolken stiegen hinauf an ihren Ort, und die Meere kamen herab in ihr Bett. Er sprach, und siehe die gehorsamen Wasser, die ihre weißen Schaumwellen empor geworfen hatten wie die vom Winde bewegten Mähnen der wilden Rosse, eilten in den ihnen angewiesenen Ort in der Tiefe; und dort bleiben sie, von keinem mächtigeren Zügel als einem Gürtel von Sand in Zaum gehalten. Dann stand die Erde schön und glänzend da, denn Gott hatte es getan; Unordnung wich dem Gesetz; Finsternis machte dem Licht Platz; das Chaos wandelte sich vor seinen Augen in herrliche Ordnung. Nun wohl, dieselben Wunder können in deiner Sache geschehen; sorge du dafür, daß du für Gott und in Gottes Kraft handelst, denn sonst mag ebensowohl ein Mensch dem stürmischen Meer gebieten, still zu sein, wie du den verwirrten Vorstellungen der Menschen befehlen kannst, Ruhe und Frieden in Christus zu finden. Er, der Himmel und Erde machte, der ewige Gott, kann deine Schwierigkeiten ausräumen; vertraue Ihm nur, und Er wird es tun.

7. „Ach“, sagst du, „sie sind alle so tot, so tot!“ Ja, und denkst du nicht daran, wie die Wasser reichliches Leben hervorbrachten - Fische und Vögel, die unter der Feste des Himmels fliegen; und wie die Erde - ja, diese träge, dunkle Erde - Gewürm und Tiere, jedes nach seiner Art, hervorbrachte; und wie zuletzt der Mensch aus dem Staub der Erde gemacht wurde? O Mensch, Gott kann mit Leichtigkeit der toten Natur böser Menschen Leben geben; du brauchst dich nur auf Ihn zu verlassen, so wird der belebende Einfluß herabkommen, und du wirst leben.

8. Seht, wie schön und herrlich diese Erde jetzt ist! Wohl mochten die Morgensterne miteinander loben und alle Kinder Gottes vor Freude jauchzen! Und denkst du, Gott könnte nicht ein ebenso schönes Herz in dem Menschen erschaffen und es knospen und blühen und voll geheiligten Lebens werden lassen? Meinst du, Christus könnte die Engel nicht veranlassen, ein noch höheres Freudenlied zu singen über eine Seele, die im Blut gewaschen, und einen Geist, der in Weiß gekleidet ist und der Gott und das Lamm auf ewig preisen soll? Und all dieses kann Er durch dich und mich, mein Bruder, tun! Laßt uns also arbeiten, laßt uns wirken und uns abmühen; laßt uns Schwierigkeiten für Freude halten und Leiden für Kleinigkeiten; wir wollen uns auf den stützen, der Himmel und Erde machte, denn Ihm ist nichts zu schwer. Der Unglaube wird dich unglücklich, wird deinen Dienst zu einem Greuel vor dem Höchsten machen. Der Unglaube wird Gott hindern, dich zu segnen. „Und Er konnte dort nicht viele Zeichen tun um ihres Unglaubens willen.“ „Wenn du glauben könntest, alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ Und wenn du handeln willst wie einer, der Den sieht, der unsichtbar ist, so sollst du größere Dinge als diese sehen, und Gott wird deinen Pfad wie ein scheinendes Licht machen, das immer heller scheint bis zum vollkommenen Tag.

II.

In dieser großen Versammlung befinden sich ohne Zweifel viele, die wirklich wünschen, errettet zu werden, aber voller Zweifel, Schwierigkeiten und Fragen sind; ich spreche deshalb zu den ängstlich Suchenden. Ich möchte eine Bemerkung machen, die vielleicht einen Knoten in einem Schlag durchtrennt. Erinnere dich, mein beunruhigter Freund, daß die Frage nach deiner Errettung nicht die ist, ob du dich selbst erretten kannst, denn die ist schon mit einem donnernden Nein vom Thron Gottes beantwortet worden: Du kannst es nicht! „Durch des Gesetzes Werke wird kein Fleisch gerecht.“ Die Frage ist: Kann Gott dich erretten? und wenn du sie so stellen willst, so meine ich, ist deine Antwort nicht sehr schwer. Kann Gott dich erretten? Das ist die Frage. Nun weiß ich, dein Unglaube wird dir zuerst die Schwierigkeit zuflüstern, daß dein Verstand verfinstert ist. „Ich kann Christus nicht sehen,“ sagt der eine, „ich bin in solcher Unruhe, ich kann nicht verstehen, wie ich möchte; ich fühle mich umnachtet; ich bin wie die Einwohner von Sebulon und Naphthali, ein Volk, das im Finsteren saß und im Schatten des Todes; ich kann nicht sehen; alles ist Dunkelheit um mich, dicht wie die Nacht.“ Ja, aber dann ist diese Frage da: Kann Gott diese Nacht hinwegwälzen? Und die Antwort kommt. Er, der sagte: „Es werde Licht“, und es war Licht, kann dieses Wunder zweifelsfrei wiederholen. Ein anderer Zweifel wird davon herrühren, daß du dich so schwach fühlst. „Ich kann nicht tun, was ich wollte. Ich wollte die Sünde aufgeben, aber ich falle immer wieder hinein. Ich wollte Christus ergreifen, aber ich kann es nicht.“ Dann kommt die Frage: Kann Gott es tun? Und wir antworten: Der, der Himmel und Erde ohne einen Helfer erschaffen hat, kann dich sicher erretten, wenn du dir selbst nicht zu helfen vermagst. Laß mich dich daran erinnern, daß kein Teil der Welt an seiner eigenen Schöpfung mitarbeitete. Es ist eindeutig, daß kein Berg sein eigenes Haupt erhob; es ist ganz klar, daß kein Stern sich seinen eigenen Pfad vorschrieb. Keine Blume kann ihr Haupt erheben und sprechen: „Ich erschuf meine eigene Lieblichkeit;“ kein Adler, der die Luft durchschneidet, kann sagen: „Ich gab mir selbst die kräftigen Flügel und das durchbohrende Auge.“ Gott hat alles gemacht; und ebenso, du Sünder, der du beunruhigt bist wegen deiner Ohnmacht, Er braucht keine Kraft in dir. „Er gibt den Müden Kraft, und Stärke genug den Unvermögenden.“ Vertraue auf Gott in Christus und wirf dich auf Ihn, Er wird alles tun. „Ja“, sagst du wieder, „aber ich befinde mich in einem so furchtbaren Seelenzustand; es ist solch eine Verwirrung in mir; die Hölle hat sich vor mir aufgetan, und die Schleusen des Kummers meiner Seele sind aufgezogen; der Schmerz fließt in Strömen von meinen Augen; ich kann nicht sagen, was mit mir ist. Mein Herz ist wie ein Schlachtfeld, das von dem Stampfen der Roßhufe aufgewühlt ist; ich weiß nicht, was ich bin; ich kann mich nicht selbst verstehen.“ Ich bitte Dich: Hör auf und antworte mir. War nicht die Welt im Anfang genauso, und erstand nicht alle Schönheit aller Länder aus dieser schrecklichen Verwirrung? Kann nicht Gott dasselbe auch für dich tun und dir einen Frieden geben, der höher ist als alle Vernunft? Ich bitte dich, mein lieber, trauriger Freund, vertraue du, trotz allem, auf Christus, denn Er kann den Orkan in Schlummer wiegen und den Sturm in Schlaf. Laß mich dich, Suchender, daran erinnern, daß bei dir mehr Hoffnung da ist, als bei der Schöpfung der Welt war, denn bei der Schöpfung war nichts vorbereitet. Der Plan war zweifelsfrei entworfen, aber kein Material war herbeigeschafft, keine Vorräte gesammelt, um den Zweck auszuführen. Wir lesen nicht, daß Gott eine Masse Nebel aufgehäuft hatte, aus der Er die Welten bildete. Nein, Er begann das Werk und beendete es ohne Vorbereitungen; aber in deiner Sache ist das Werk schon vorher getan. Auf das blutige Kreuz hat Christus die Sünden getragen; im Grab hat Er den Tod besiegt; in der Auferstehung hat Er auf ewig die Fesseln des Grabes zerrissen; in der Himmelfahrt hat Er allen Gläubigen den Himmel geöffnet; und in seiner Fürsprache bittet Er immer noch für die, die Ihm vertrauen. Es ist vollbracht; denke daran, so daß es leichter ist, dich zu erretten, als eine Welt zu machen, denn für die Welt war nichts vorbereitet; dort war nichts bereit, aber hier ist alles bereit, und alles, was dir befohlen wird zu tun, ist, daß du kommst und dich niedersetzt zu einem Festmahl, das schon aufgetragen ist, ein Kleid trägst, das schon gewebt ist, und dich in einer Wanne wäschst, die schon mit Blut gefüllt ist. Sünder, was sagst du? Willst du an den Gesalbten Gottes glauben oder nicht?

Erinnere dich, daß Gott mehr in dir getan hat, als getan war, ehe Er die Welt machte. Die Leere rief nicht: „Gott! erschaffe mich.“ Die Finsternis konnte nicht beten: „Herr, gib mir Licht.“ Die Verwirrung konnte nicht schreien: „Gott, bringe Ordnung in mich.“ Aber sieh, was Er für dich getan hat! Er hat dich gelehrt, zu rufen: „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen gewissen Geist.“ Er hat dich zum Flehen gebracht: „Erleuchte meine Finsternis, Herr, damit ich nicht den Schlaf des Todes schlafe.“ Er hat dich gelehrt, zu sprechen: „Ich bin wie ein verirrtes und verlorenes Schaf, suche Deinen Knecht.“ Sieh, Freund, das Gras kann nicht um Tau bitten, und doch fällt er - solltest du danach schreien und Gott ihn dir vorenthalten? Die durstige Erde hat keine Stimme, um Regen zu bitten, und doch kommt er herab - sollte Gott dich schreien lassen und dir nicht antworten? Sieh die Wälder im Winter, sie können nicht um Blätter bitten, und doch kommt das Laub zu seiner Zeit ; auch das Korn kann nicht um Sonnenschein flehen, und doch gibt Gott jedem Gutes zu seiner Zeit; und dich, nach seinem eigenen Bild gemacht, sollte Er dich schreien lassen und nicht hören? Er selber hat gesprochen: „So wahr ich lebe, spricht der Herr Herr, ich habe keinen Gefallen an dem Tod des Gottlosen, sondern daß sich der Gottlose bekehre von seinem Wesen und lebe.“

Noch eins, und hier ist ein trostvoller Gedanke. Es stand in Gottes Macht, die Welt zu schaffen oder nicht, wie es Ihm gefiel. Keine Verheißung band Ihn; kein Bund machte es notwendig, daß Er seinen Arm ausstreckte. Sünder, der Herr ist nicht verpflichtet dich zu retten, es sei denn durch seine eigene Verheißung, und diese Verheißung ist: „Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll errettet werden.“ Er kann dir nicht die Errettung vorenthalten, wenn du Ihn anrufst.

Sein Bund hat Ihm die Verpflichtung auferlegt, barmherzig gegen die zu sein, die ihre Sünden bekennen. Er ist barmherzig und gerecht, daß Er uns unsere Sünde vergibt und uns von aller Ungerechtigkeit reinigt. Dies ist also eine Sache, die in einem helleren Licht strahlt als die Sache der unerschaffenen Welt; und da Er aus freiem Willen, ohne Verheißung oder Bund, die Erde zu dem machte, was sie ist, so wird Er dich sicher erretten, da Er es verheißen hat, wenn du Jesus vertraust. Und noch eins. Es ist gewiß, daß Gott s ich an dir noch mehr verherrlichen kann als in der Erschaffung der Welt. Beim Schaffen der Welt verherrlichte Er seine Weisheit und tat seine Macht kund, aber Er konnte seine Barmherzigkeit nicht zeigen. Er konnte keine Barmherzigkeit mit Fluten und Bergen, mit Vieh und Vögeln zeigen. Es war Freundlichkeit, aber keine Barmherzigkeit da, denn sie hatten nicht gesündigt. Doch hier, in deiner Sache, ist Raum da für jede Eigenschaft Gottes, für seine Güte, seine Treue, seine Wahrheit, seine Macht, seine Gnade. Deine Sache ist hoffnungsvoll, weil sie für dich hoffnungslos ist; es ist Raum für Gott da, weil kein Raum für dich da ist. Du kannst nichts tun; für dich ist die Not am größten, und deshalb ist Gott am nächsten.

Was würde ich heute morgen darum geben, wenn ich ein tränenvolles Auge von sich selber weg zu Christus wenden könnte! Ich weiß, wie töricht wir alle sind, daß wir immer auf Fleisch und Blut sehen wollen. Sünder, wende dein Auge auf das Kreuz, wo der Heiland blutet. Verlasse dich auf Ihn. Er, ohne den nichts gemacht ist, was gemacht ist, stirbt für dich. Er, der am Anfang bei Gott war, und Gott war, bringt deine Erlösung zustande. Vertraue Ihm, und das Werk ist getan. Stütze dich auf Ihn, so wird deine Seele heute in das Reich der Sicherheit gebracht, und du bist vom Tod zum Leben durchgedrungen. Ich will euch eine kleine Geschichte erzählen, die euch zeigen wird, wie töricht wir sind, wenn wir auf uns selber vertrauen. Ich habe gehört, daß vor kurzem ein Schiff auf seinem Weg nach Australien in einem schrecklichen Sturm einen Leck erhielt und daß es bald darauf von einem Orkan ereilt wurde. Zufällig befand sich ein Herr an Bord, der ein sehr nervöses Temperament hatte und dessen schwatzhafte Zunge und wichtige Miene geeignet waren, alle Passagiere in Furcht zu setzen. Als der Sturm herankam, näherte sich ihm der Kapitän, der wußte, welcher Schaden angerichtet war; und der Herr sagte zu ihm: „Welch ein entsetzlicher Sturm, ich fürchte, wir gehen zu Grunde, denn ich höre, der Leck ist sehr schlimm.“ „Nun,“ sagte der Kapitän, „da Sie es zu wissen scheinen und die andern vielleicht nicht, so täten Sie besser, es ihnen nicht zu sagen, damit Sie meine Leute nicht entmutigen. Vielleicht würden Sie, da es ein sehr schlimmer Fall ist, uns Ihre wertvolle Hilfe leihen, dann können wir möglicherweise durchkommen. Wollten Sie die Güte haben, hier zu stehen und dieses Tau festhalten; bitte, lassen Sie es nicht los, sondern ziehen Sie, so sehr Sie können, bis ich Ihnen befehle, es loszulassen.“ So biß unser Freund die Zähne zusammen, trat fest auf die Füße und hielt das Tau mehrere Stunden lang. Der Sturm ließ nach; das Schiff war gerettet, und unser Freund ließ das Tau los. Er erwartete, eine Abordnung würde ihm den Dank aller Passagiere bringen, aber diese wußten nichts von seinen Verdiensten. Er dachte, wenigstens eine Sammlung werde man veranstalten, um ihm ein Stück Silberzeug kaufen und schenken zu können in Anerkennung dessen, was er getan hat; aber kein Stück Silberzeug kam. Sogar der Kapitän schien nicht sehr dankbar zu sein, deshalb wagte er es, von fern und auf Umwegen darauf hinzudeuten, daß so wertvolle Dienste wie die seinigen, die das Schiff gerettet hatten, jedenfalls mit einigen Worten der Dankbarkeit belohnt werden müßten, und da hörte er zu seinem Ärger den Kapitän sagen: „Was, Sie meinen, daß Sie das Schiff gerettet haben? Ich gab Ihnen das Tau nur, damit Sie aus dem Weg sind, denn Sie richteten viel Unheil an, ehe ich Sie auf diese Weise zur Ruhe gebracht hatte.“ So merkt euch, es gibt auch jetzt einige Leute, die so viel tun wollen; sie meinen, sie könnten sich sicher selbst erretten, und da stehen sie mit zusammengebissenen Zähnen, die Füße fest auf dem Boden und halten das Tau, während sie in Wirklichkeit nicht mehr tun als unser armer Freund, der so zum Narren gehalten wurde. Wenn du je in den Himmel kommst, so wirst du finden, daß alles, was du für deine Seligkeit getan hast, ungefähr so nützlich war wie das, was dieser Mann tat, als er das Tau hielt; daß in der Tat die Sicherheit des Schiffes anderswo liegt als in dir, und daß es für dich nur nötig war, aus dem Weg geschafft zu werden; und wenn du aus dem Weg und zum Narren gemacht worden bist, dann kommt Christus und zeigt seine Weisheit. Du magst dich vielleicht die ganze Zeit über bedauern, daß du so schlecht behandelt worden bist, doch wäre es nicht möglich gewesen, dich zu erretten, bis du aus dem Weg geschafft warst, damit der allmächtige Gott das Werk von Anfang bis zu Ende tun könnte.

III.

Und nun habe ich zu schließen mit ein paar Worten der Ermutigung an die Gläubigen. Mein Bruder in Christus, bist du jetzt sehr beunruhigt? Es ist unser aller Los. Und du hast jetzt nichts auf Erden, worauf du dich verlassen kannst, und du wirst allein auf deinen Gott geworfen? Dein Schiff neigt sich ganz auf eine Seite, und für dich ist nichts übrig, als dich auf die Vorsehung und Fürsorge Gottes wälzen zu lassen. Was für ein gesegneter Platz, wenn man darauf gewälzt wird! Glücklicher Sturm, der einen Menschen an einem solchen Felsen scheitern läßt! Seliger Orkan, der die Seele zu Gott treibt, und zu Gott allein! Bei vielen Gelegenheiten habe ich Leiden gehabt, die ich niemandem als meinem Gott sagen konnte, und ich danke Gott dafür, denn ich lernte dabei meinen Herrn besser kennen, als zu irgendeiner anderen Zeit.

Manchmal können wir vor der Menge unserer Freunde gar nicht zu unserem Gott kommen. Aber wenn ein Mensch so arm, so freudlos, so hilflos ist, daß er nichts hat, dann flieht er in seines Vaters Arme, und wie selig wird er da umschlungen! So ist das, ich sage es erneut, ein glückliches Leiden, das dich zu deinem Vater treibt! Gesegneter Sturm, der dich scheitern läßt an dem Fels des Heils! Herrliche Woge, die dich an dieses himmlische Ufer spült! Und nun, da du nichts als deinen Gott hast, auf den du vertrauen kannst, was willst du nun tun? Sorgen? Wimmern? Ich bitte dich, mache deinem Herrn und Meister nicht solche Unehre! Sei ein Mann, ein Mann Gottes. Zeige der Welt, daß dein Gott dir zehntausend Welten wert ist. Zeige den Reichen, wie reich du bist in deiner Armut, wenn der Herr dein Helfer ist. Zeige den Starken, wie stark du in deiner Schwachheit bist, wenn unter dir die ewigen Arme sind. Jetzt Mensch, jetzt ist die Zeit für dich, Gott zu verherrlichen. Du weißt, es war vorher kein Raum für deinen Mut da, aber jetzt ist Raum für Glaubenstaten und kühne Handlungen. Es scheint, als ob unsere jetzige Art der Kriegführung den Mannesmut ganz und gar vernichten sollte, denn die Menschen kämpfen nun in solcher Entfernung, daß der Kampf Mann gegen Mann unmöglich ist. Aber in jenen tapferen Tagen der alten Zeit, wo die Truppen von Rupert und Cromwell Mann gegen Mann kämpften, wenn die Legionen der Puritaner ihre Rosse bergauf antrieben gegen die Heere des „Blut-Menschen“, da war Raum für Tapferkeit. Da konnten die Krieger nicht in einer halben Stunde Entfernung fechten, sondern Mann gegen Mann. Da war Raum für den einzelnen Helden, den Weg gegen eine Menge zu bahnen; da legte die Sturmleiter an der Spitze der Mauer an, und der Tapferste von der verlorenen Truppe stieg sie Sprosse um Sprosse hinauf, den Stutzsäbel zwischen den Zähnen, bis er die Spitze erreichte; da konnten Männer sich berühmt machen; aber jetzt, mit eisernen Schiffen und großen Kruppschen Kanonen, da ist kaum Raum da, mutig zu sein. Aber, Gläubiger, du, in deiner einsamen Not, bist zu jenen „tapferen Tagen der alten Zeit“ zurückgekehrt. Als du dein regelmäßiges Einkommen von den Staatspapieren hattest, als dein Geschäft blühte, als du deine Kinder und Freunde um dich sahst, da war kein Raum für dich, Heldentaten der Vertrauens zu verrichten; aber jetzt, da dir alles geraubt ist, nun „drauf“, denn deine Feinde sind vor dir. Als der Herzog von Wellington einen Soldaten fragte, welche Kleidung er am liebsten tragen würde, wenn er bei einem anderen Waterloo zu kämpfen hätte, antwortete der Mann: „Durchlaucht, ich möchte gern in Hemdsärmeln fechten.“ Nun, du bist jetzt dahin gekommen; du hast nichts, was dich behindert; du kannst in Hemdsärmeln kämpfen, und nun ist die Zeit da, den Sieg zu gewinnen. Sei stark und unverzagt, und der Herr, dein Gott, wird, so gewiß Er den Himmel und die Erde schuf, sich in deiner Schwachheit verherrlichen und seine Macht mitten in deinem Unglück erhöhen. Der Herr helfe uns, uns ganz auf Ihn zu lehnen und nie auf uns selber, und laßt seines Namens gedacht werden, solange die Erde steht. Amen und Amen.

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