Spurgeon, Charles Haddon - Die rote Kuh - ein Bild der täglichen Reinigung

„Diese Weise soll ein Gesetz sein. das der Herr geboten hat und gesagt: Sage den Kindern Israel, daß sie zu dir führen eine rötliche Kuh, ohne Wandel, an der kein Fehler sei. und auf die noch nie ein Joch gekommen ist. Und gebet sie dem Priester Eleasar; der soll sie hinaus vor das Lagers führen und daselbst vor ihm schlachten lassen.“
4. Mose 19,2-3

Die wahre Überschrift aller Bücher Mose findet sich in den Worten Jesu: „Mose hat von mir geschrieben.“ Nehmt den Herrn Jesum Christum mit euch als den Schlüssel, und wie schwierig auch die Rätsel des 3. oder 4. Buch Mose euch auf den ersten Blick erscheinen mögen, so ist doch kein Rätsel in der ganzen Sammlung, was sich nicht rasch öffnen und Unterweisung gewähren wird. Für die Israeliten selber müssen diese Gebräuche und Zeremonien mehr eine Übung des Glaubens gewesen sein, als ein Mittel zur Belehrung. „Ich kann nicht vollkommen verstehen, warum diese Kuh geschlachtet oder jenes Lamm geopfert wird,“ sagte der fromme Israelit, „aber obwohl ich es nicht verstehen kann, so glaube ich doch, daß ein Wert in allem ist, und ich ehrfurchtsvoll bis auf die kleinste Einzelheit, das, was Gott mir durch seinen Knecht Mose geboten hat.“ Für uns sind die Vorbilder nicht ein dunkles Geheimnis, das unsern Glauben verwirrt, sondern eine offene Vision, die unsre Augen entzückt. Nachdem wir an Christum Jesum geglaubt, nachdem wir Ihn als den vom Vater Gesandten angenommen haben und mit Gott durch seinen Tod versöhnt sind, blicken wir zurück auf die Zeremonien des alten Gesetzes als Vorbilder himmlischer Dinge. und versuchen, ein neues Licht zu entdecken, in das die Schönheit des Heilandes gestellt werden könnte und Ihn aus einem andern Gesichtspunkte zu betrachten, so daß wir Ihn um so mehr lieben und Ihm um so besser vertrauen möchten.

Das besondere Ziel, auf welches die rote Kuh hinzeigte, sofern sie Christus und sein Werk vorbildete, ist gerade dies - die Anstalt, welche in Christo Jesu getroffen ist, wegen der täglichen Sünde und Fehltritte der Gläubigen. Um dieses klar zu machen, werden wir zuerst bemerken, daß selbst wahre Israeliten in täglicher Gefahr der Befleckung sind; zweitens, daß in dem Gnadenbunde Vorkehrung für die Wegnahme der täglichen Befleckung durch die Sünde getroffen ist; und drittens, daß die rote Kuh sehr schön Christum als die beständige Reinigung seines Volk es darstellt, daß sie, nach dem ihr Gewissen von den toten Werken gereinigt ist, Kraft haben mögen, den lebendigen und wahren Gott zu verehren.

I.

Es ist unzweifelhaft wahr, daß selbst der wahre Israelit, der wahrhaft an Christum glaubt, täglich befleckt wird.

Meine Brüder, wir, die wir an Christum glauben, sind frei von Sünde vor dem göttlichen Richterstuhl. In dem Augenblick, wo wir an Christum glauben, ist unsre Sünde nicht länger die unsre; sie ward auf Christum gelegt und kann nicht an zwei Stellen zu gleicher Zeit sein; deshalb sind wir vollkommen rein von Sünde vor den Augen eines heiligen Gottes. Dies ist volle, gänzliche, ewigwährende Rechtfertigung. Aber wir alle wissen, daß wir, was die Heiligung anlangt, noch nicht von allem Bösen befreit sind. Die Sünde wohnt in unserm sterblichen Leibe, obwohl sie nicht darin herrscht; und weil Sünde im Innern ist, so ist die Fähigkeit da, durch Sünde von außen befleckt zu werden. Wer hat auch nur einen Tag in dieser schlechten Welt gelebt ohne zu entdecken, daß er in all seinen Handlungen Sünde begeht, in allem, woran er die Hand legt, ein gewisses Maß von Befleckung sowohl empfängt, als mitteilt? Wie kommt es, meine Brüder, daß dies der Fall ist? Die Antwort ist leicht und ist in dem vorliegenden Kapitel zu finden.

Ein Teil unsrer Befleckung entsteht daraus, daß wir tatsächlich mit der Sünde in Berührung kommen, die hier in der Verwesung abgebildet wird. Lest den elften Vers: „Wer nun irgend einen toten Menschen anrühret, der wird sieben Tage unrein sein.“ Wir berühren tatsächlich diesen toten Gegenstand, die Sünde, durch offene Übertretungen. Der beste Mensch unter den Lebenden verunreinigt sich noch immer durch Böses. Wir sind einigen eitlen und unwissenden Personen begegnet, die geprahlt haben, daß sie vollkommen seien, aber wir haben nie an ihre Vollkommenheit geglaubt, ausgenommen so weit, daß wir einräumten, sie seien vollkommen im Dünkel, in prahlerischer Vermessenheit und schmählicher Unverschämtheit. „So wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ Die besten Menschen sind im besten Falle Menschen, und so lange sie nur Menschen sind, werden sie immer noch sündigen. Wir finden den Apostel Paulus seine Verderbtheit beklagen und so starke Worte gebrauchen, wie diese: „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?“ Wir sind in enger Verbindung mit der Sünde, weil die Sünde i n uns ist. Sie hat uns durch und durch gefärbt, Einschlag und Scherung unsrer Natur befleckt, und bis wir diesen Leib beiseite legen und in die Gemeinde der Erstgeborenen droben aufgenommen werden, wird die sehr enge und vertraute Verbindung mit der Sünde nie aufhören. Daher, meine Brüder, müssen wir beständig gereinigt werden, weil wir uns immer verunreinigen; in der Tat, wir sind immer befleckt, weil wir beständig den Leib dieses Todes berühren.

Überdies werden wir befleckt nicht nur durch unsre eignen tatsächlichen Sünden, sondern auch durch Gemeinschaft mit Sündern. Ihr werdet etwas weiterhin in diesem Kapitel lesen: „Wenn ein Mensch in der Hütte stirbt: wer in die Hütte gehet und alles, was in der Hütte ist, soll unrein sein sieben Tage.“ Das bloße Zusammensein mit Sündern verunreinigt uns. Christus konnte mit Sündern und Zöllnern gehen und lief keine Gefahr; der große Arzt konnte im Lazarett dieser Welt umherwandeln, ohne der Gefahr ausgesetzt zu sein, angesteckt zu werden; aber das ist für uns nicht möglich. Sogar, wenn die rechtlichsten und lobenswertesten Beweggründe uns in die Gesellschaft der Ungöttlichen führen, wenn unser einziges Ziel wäre, sie zu Jesu zu leiten, so wird doch ihr unheiliger Wandel uns nicht nur ärgern, sondern beflecken. Es ist nicht möglich, auf die Sünde eines andern zu blicken, selbst mit Abscheu auf sie zu blicken, ohne ein gewisses Maß von Befleckung, weil der Gedanke an Böses schon Sünde ist. Unserm Haß des Bösen fehlt es stets an Stärke wir verabscheuen es nicht, wie wir sollten und dieser Mangel ist eine Unterlassungssünde, welche befleckt. Du magst sagen, daß du in böse Gesellschaft gehen kannst ohne Verunreinigung - mein Bruder, ich bezweifle das. Es mag schlechthin notwendig für dich in deinem Beruf sein und besonders in deinem Wunsche, andern zum Segen zu werden, daß du mit den Ungöttlichen verkehrst, aber du magst ebensowohl versuchen, Feuer in deinem Busen zu tragen und nicht verbrannt zu werden, oder Pech anzugreifen und nicht besudelt zu werden, als in den Zelten Kedars zu wohnen ohne verunreinigt zu werden. Diese staubige Welt muß Merkmale auf unsern weißen Kleidern zurücklassen, wenn wir auch noch so vorsichtig wandeln. „Ich bin schwarz, denn die Sonne hat auf mich geblickt, “ muß immer das Bekenntnis der Braut Christi sein. Diese Welt ist voll geistlich Toter, und weil wir leben, müssen wir oft unter den Sündern unrein werden, und deshalb haben wir eine tägliche Reinigung nötig, um uns zur täglichen Gemeinschaft mit einem heiligen Gott tauglich zu machen.

Bedenkt ferner, liebe Brüder, daß eine der Ursachen, weshalb wir so beständig befleckt werden, unser Mangel an Wachsamkeit ist. Ihr werdet bemerken, daß alles in der Hütte eines Toten unrein ward bis auf die zugedeckten Gefäße. Jedes offene Gefäß war sofort unrein. Ihr und ich sollten unsre Herzen zudecken vor der Befleckung der Sünde. Es wäre gut für uns, wenn wir unser Herz mit allem Fleiß bewahrten, denn „daraus gehet das Leben.“ Der gute Dyer sagte: „Der Christ sollte am Morgen sein Herz verschließen und. Gott den Schlüssel geben, damit nichts Böses hinein komme; und wenn Er es dann am Abend wieder aufschließt, wird ein lieblicher Duft des Gebetes aufsteigen.“ Aber ach! wir vergessen, unsre Herzen zu verschließen, wir halten unsre Gnaden nicht zugedeckt. Ich glaube, ein Mensch könnte durch die sündigsten Plätze unter dem Himmel gehen, wenn er einen genügenden Grad von Wachsamkeit hätte; aber weil wir nicht wachen, so verwunden die vergifteten Pfeile uns. Ich sah neulich eine Allegorie, ein Licht in einer Laterne mit dem Motto: „Ein schwacher Punkt ist zu viel.“ Ein Feind versuchte das Licht auszublasen. Er blies rund herum, aber es war wohl verwahrt, bis er zuletzt einen einzigen Riß fand, durch welchen er den zerstörenden Odem sandte, und bald war die Flamme des Lichtes ausgelöscht. So machte es der Teufel mit uns. Wir mögen in neun aus zehn Punkten wohl verwahrt sein, aber unsre Stärke wird gemessen - merkt euch das - nach der Stärke unseres schwächsten Punktes, und der Teufel wird früher oder später einen Riß finden, durch den er uns. zum Schaden unsrer Seele angreifen wird. Wachet, meine Brüder, wachet sorgfältig. Weil ihr und ich hierin fehlen, werden wir täglich befleckt und bedürfen täglicher Reinigung.

Einen noch schlagenderen Gedanken gibt dies Kapitel ein: Die Sünde ist so verzweifelt böse, daß die allergeringste Sünde uns befleckt. Wer ein Gebein anrührte, war unrein. Es war nicht nötig, die Hand auf die kalte Leiche zu legen, um befleckt zu werden; die zufällige Berührung des Fußes mit einem Knochen, der nachlässig vom Totengräber aufgeworfen wurde; sogar die Berührung eines solchen, wenn der Pflüger seine Furche zog, war hinreichend, ihn unrein zu machen. Die Sünde ist etwas so unermeßlich Schlechtes und Pestartiges, daß die kleinste Missetat den Christen faul macht - ein Gedanke, eine Vorstellung, der Blick des Auges. Wir mögen die ganze Welt aus unsrer Kammer ausgeschlossen haben, und doch finden, daß wir die Sünde nicht ausgeschlossen haben. Wir mögen einen Bund mit unsern Augen und mit unsern Händen und mit unsern Füßen und mit unsern Lippen machen, aber doch wird unser verderbtes Herz der Sünde nachgehen. Wir haben von einigen wohlriechenden Spezereien gehört, daß der tausendste Teil eines Grans jahrhundertelang den Geruch an dem Ort, wo er gelegen, zurücklassen würde. Und gewiß ist es so mit der Sünde; an ihren bloßen Knochen ist eine ewige Pest; eine Gedankensünde würde genug sein, um für immer alle Gemeinschaft mit Gott zu zerstören. Deshalb, Brüder, sind wir befleckt und bedürfen täglicher Reinigung.

Ich darf nicht verfehlen, euch auch daran zu erinnern, daß die Sünde, selbst wenn sie nicht gesehen wird, befleckt, denn ihr werdet in diesem Kapitel bemerken, daß ein Mann unrein ward, wenn er ein Grab berührte. Die Gebeine mochten tief unten begraben sein, so daß er sie nicht wahrnehmen konnte, und über diesen Gebeinen mochte das Gras in grünen Hügeln gewachsen sein, mit ein paar lieblichen Blumen geschmückt, und da, wenn der Israelit dies Grab nur mit seinem Fuße oder seiner Hand berührte, war er unrein. O, wie viele Sündengräber gibt es - Dinge, die schön anzusehen sind, äußerlich bewundernswert und innerlich verabscheuenswert! Eine Sitte wird geduldet, nein, sie hat feste Geltung in der Gesellschaft, und wer wird sie tadeln? Doch sind viele unsrer Sitten nur Sündengräber, und viele unsrer Handlungen, die wir für so bewundernswert halten, sind voll widriger Fäulnis im Innern. Zu viel selbst von unserm Dienst im Heiligtum, ist einem weißgetünchten Grab vergleichbar. Jene lieblichen Lieder, der einmütige und herzliche Lobgesang, das ernste Gebet, das ehrfurchtsvolle Betragen, all dieses, sage ich, mag bloß ein weißgetünchtes Grab sein; denn unsre Gedanken wandern vielleicht zu allem möglichen Bösen, und so können selbst die Dienste im Heiligtum dem grünen Grase gleichen, das die Ekelhaftigkeit der Sünde verbirgt. O lieben Freunde, dies ist genug, um uns zu erschrecken. Wir sündigen genug mit unserm Wissen, aber wieviel wir sündigen, ohne des gewahr zu werden, sind wir nicht imstande, zu sagen. Unbekannte Sünden! Ich habe euch oft an den Ausdruck in der griechischen Liturgie erinnert: „deine unbekannten Leiden.“ Es ist ein solcher Segen, daß es unbekannte Leiden gibt für unbekannte Sünden. Wir kennen nicht die Höhen und Tiefen der Liebe Jesu. Dankt Gott, daß es ein gewaltiges Sühnopfer gibt, dessen gewaltige Wirksamkeit wir nicht zu erkennen vermögen, eben wie es unerkannte Sünden gibt, die wir nicht wahrzunehmen imstande sind.

Nur noch einen Gedanken. Ich möchte euch darauf aufmerksam machen, daß der Jude nicht nur in seiner Hütte und auf den Straßen in Gefahr war, befleckt zu werden, sondern auch auf dem freien Felde; denn ihr werdet bemerken, daß es heißt, wenn er einen Erschlagenen auf dem Felde oder ein Gebein anrührte, so sollte er unrein sein. Er konnte nicht wissen, ob dort nicht am Ende eine Schlacht geschlagen worden ist. Vielleicht dachte er: „Dies ist abgelegen von den Wegen der Menschen, ich sehe keine Fußstapfen, keine Spur hier, “ und er geht sorglos über die grünen Felder, aber obwohl er es nicht weiß, es liegt in seinem Wege die Leiche eines Verunglückten, oder eines im Streit von einem Mitmenschen Erschlagenen; er gerät an den Leichnam, und siehe, er ist unrein. Ihr mögt gehen, wohin ihr wollt, aber ihr könnt der Sünde nicht entfliehen. Wenn ihr die Flügel der Morgenröte nähmet und am äußersten Meere bliebet, so ist die Sünde da. Bettetet ihr euch in der Hölle, so seid ihr da, wo sie herrscht. Wenn ihr die Hülle der Mitternacht sucht, ist nicht die Mitternacht der wahre Mittag und der Karneval des Bösen? Wenn ihr in das Haus Gottes kommt, so werdet ihr sie da finden; hoch und niedrig, reich und arm, gebildet und ungebildet - ihr könnt jeden Stand und Rang der Menschen durchforschen, aber die Sünde ist allenthalben; und bis wir uns mit Adlersflügeln ausschwingen, um vor dem ewigen Throne zu weilen, werden wir zu klagen haben, daß wir täglich in Gefahr der Befleckung sind.

II.

Dies bringt uns nun zu etwas anderem, indem wir bemerken, daß für eine Reinigung gesorgt ist. Eine beständige Sühnung ist bereitet. Die erlöste Gemeinde Gottes muß täglich in dem Born gewaschen werden, und gut ist es, daß das teure Blut niemals seine Kraft verlieren soll, sondern daß seine beständige Wirksamkeit dauern wird, bis alle, jeder einzelne, „gerettet sind, um nicht mehr zu sündigen.“ Geliebte, es ist eine Sühne bereitet für tägliche Befleckung, denn zu allererst, wenn es nicht so wäre, wie traurig wäre dann eure und meine Lage! Gesetzt, wir wären Israeliten, wahrhaft Gläubige, und hätten gesündigt, wie wir es gewiß tun würden, dann wären wir, Geliebte, sofort von allen Vorrechten ausgeschlossen. Der Unreine hatte kein Recht, hinauf zu gehen zum Hause des Herrn; er durfte nicht teilnehmen am feierlichen Gottesdienst; für ihn gab es keine Herrlichkeit des heiligen Lobgesanges und keine Macht des ernsten Gebetes. Ihr und ich würden kein Anrecht an Christus haben, keine Kindschaft, keine Rechtfertigung, keine Heiligung; denn der Unreine hatte kein Recht auf eins von diesen. Und wie wir keine Vorrechte hätten, so könnten wir auch keine Gemeinschaft mit Gott haben. Gott kann unmittelbar nur mit vollkommen heiligen Wesen verkehren. Er verkehrt jetzt mit den Unvollkommenen, aber Er tut es durch einen vollkommenen Heiland; und Er kann nicht direkt mit euch und mir verkehren, solange die Sünde in uns bleibt. Er muß uns als in Christo Gereinigte und deshalb vollkommen Reine ansehen, sonst wäre es nicht möglich für Ihn, mit uns zu wandeln und sich uns kund zu tun. Das schließliche Ergebnis würde bei den Israeliten der Tod gewesen sein. Ihr bemerkt, daß der, der sich nicht reinigen wollte, aus Israel ausgerottet wurde; zuerst ausgerottet durch Exkommunikation, so daß er nicht länger ein Bürger Israels war, und dann wahrscheinlich ausgerottet, entweder durch den Scharfrichter oder sonst durch ein plötzliches Gericht Gottes, durch Pest oder feurige Schlangen oder ein andres schreckliches Mittel. Und gewiß, wenn ihr und ich, obwohl Gläubige, eine Zeitlang leben könnten, ohne gereinigt zu werden, und die tägliche Befleckung durch Sünde mit uns herumtrügen, so müßte es binnen kurzem mit geistlichem Tode und gänzlichem Verderben enden; aber Gott sei Dank, Er hat Vorsorge getroffen gegen solche schreckliche Folgen.

Aber denkt wieder, Geliebte, der Herr muß für eine tägliche Reinigung von unsrer täglichen Befleckung gesorgt haben, denn wenn nicht, wo wäre seine Weisheit, wo seine Liebe? Er hat für alles andre gesorgt. Es gibt keinen Mangel, den ein Heiliger fühlen kann, für den Gott nicht Vorsorge getroffen. Aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit in Christo Jesu wird uns alles Nötige geben. Aber wenn für diesen grellen, diesen seelenzerstörenden Mangel nicht Vorsorge getroffen wäre, wie könnten wir Ihn Vater nennen und Ihm vertrauen? Wie könnten wir Ihn als den allein weisen Gott, unsern Heiland, erkennen? Ein Fehler wäre in einem der wichtigsten Punkte gemacht worden. Geliebte, die Liebe, die Weisheit, die völlige Weisheit Gottes fordert, daß für eine solche Reinigung gesorgt sei. Das Werk unseres Herrn Jesu Christi versichert uns dessen.

Was ist geöffnet für das Haus Davids wider die Sünde, die Unreinigkeit? Eine Zisterne? Eine Zisterne die austrocknen kann, ein Wasserkrug, der geleert werden kann? Nein, es ist ein Born offen wider Sünde und Unreinigkeit. Wir waschen uns, der Born fließt; wir waschen uns wiederum, der Born fließt immer noch. Ans den großen Tiefen der Gottheit Christi quillt das ewige Verdienst seiner Leiden immerwährend hervor. Wasche! Wasche! Es ist unerschöpflich, denn es ist die Fülle eines Borns. Heißt es nicht in der Schrift: „Ob jemand sündiget, so haben wir einen Anwalt?“ Warum ist Christus heute ein Anwalt? Nur, weil wir jeden Tag einen Anwalt brauchen. Vertritt Er uns nicht beständig droben vor dem ewigen Thron? Warum tut Er das? Weil wir täglicher Fürsprache bedürfen. Und weil wir täglich sündigen, darum ist Er täglich ein Anwalt, ein Fürsprecher. Er selbst hat uns dies in dem Falle Petri sehr schön gezeigt, indem Er nach dem Abendessen einen Schurz nahm, sich umgürtete, Wasser in ein Becken goß, zu Petrus ging, um ihm die Füße zu waschen, und wie Petrus sprach: „Nimmermehr sollst Du mir die Füße waschen.“ Aber Jesus sagte ihm: „Werde ich dich nicht waschen, so hast du keinen Teil mit mir.“ Er war einmal gewaschen; Petrus war frei von Sünde in dem hohen Sinne der Rechtfertigung, aber er bedurfte des Waschens, der Reinigung. Als Petrus sprach: „Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt, “ da antwortete Jesus: „Wer gewaschen ist (das ist: welchem vergeben ist), der darf nicht denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein.“ Die Füße bedürfen beständig des Waschens. Die tägliche Befleckung unseres täglichen Wandels durch eine ungöttliche Welt macht es uns zur täglichen Notwendigkeit, von frischer Sünde gereinigt zu. werden, und dies gewährt der mächtige Herr uns. Mich dünkt, ich sehe Ihn heute noch, umgürtet mit jenem Schurz, mit jenem Becken und Wasser bei allen seinen Heiligen umhergehen und zu uns kommen, Brüder und Schwestern, und sprechen: „Ich habe eure Füße gewaschen, ich, euer Meister und Herr, und ihr seid ganz rein.“ Hier ist also Vorkehrung getroffen, das Werk Jesu Christi entspricht gerade dem Bedürfnis.

Außerdem, Geliebte, entspricht auch das Werk des Heiligen Geist es diesem Bedürfnis. Denn was ist sein Geschäft anders, als beständig von dem zu nehmen, was Christi ist und es uns zu offenbaren, beständig uns zu beleben, zu erleuchten und zu trösten? Warum all dieses, als weil wir beständig dessen bedürfen, beständig befleckt werden und deshalb immerwährend die Reinigung nötig haben?

Das beste von allem aber ist, daß die Tatsachen zeigen, daß es eine Reinigung für gegenwärtige Schuld gibt. Die alten Heiligen fielen in Sünde, aber sie blieben nicht in derselben. David ruft: „Entsündige mich mit Ysop, daß ich werde rein; wasche mich, daß ich schneeweiß werde.“ Petrus verleugnet seinen Meister, aber er bleibt nicht immer ein lästernder, undankbarer Feigling. Nein, er kommt wiederum zurück zu seinem Herrn und Meister, und legt das Geständnis ab: „Du weißt alle Dinge, Du weißt, daß ich Dich lieb habe.“ Ihr und ich, hoffe ich, können noch einen bessern Beweis geben, nämlich den, daß wir es selbst erprobt haben. Wir gedenken jener teuren Stunde, da wir zuerst zu Christo kamen. O, es war keine Einbildung, kein Traum. Wir waren von tausend Sünden darnieder gebeugt, aber ein Blick auf Christum nahm sie alle hinweg; und seit der Zeit sind wir oft niedergeschlagen gewesen. Es mag einige unter euch geben, die den Zweifeln und Befürchtungen entgehen; wenn ihr es tut, so beneide ich euch sehr, aber ich denke, die meisten von uns geraten zuzeiten in einen solchen Zustand, daß sie mit David rufen: „Meine Seele liegt im Staube.“ Ihr fühlt, als ob ihr nicht vor den Herrn kommen dürftet; ihr könnt nicht hoffen, daß Er euer Gebet hören wird; ihr könnt die Verheißungen nicht ergreifen, sie scheinen zu gut für solche, wie ihr seid; ihr könnt nicht zu Christo aufblicken und Ihn Bruder nennen; „Abba, lieber Vater, “ stockt auf eurer Zunge; aber habt ihr nicht gewußt, was es ist, euren Erlöser wieder zu sehen, gerade, wie ihr Ihn zuerst gegeben? Und dann ist eure Liebe und Freude zu euch zurück gekommen, als wenn es eine neue Bekehrung gewesen wäre, und ihr seid eure Straße fröhlich gezogen; ihr, die ihr gestern eure Harfen an die Weiden hinget und das Lob des Herrn nicht singen wolltet..

Meine lieben Freunde, wenn dies nicht eine große Wahrheit wäre, so würden einige von uns in Verzweiflung sterben. Ich bin gewiß, wenn ich nicht noch immer als ein Sünder zu Jesu kommen könnte, auf Ihn bauen, und erwarten, von aller Befleckung gereinigt zu werden, so wüßte ich nichts in der Bibel, was mir Trost gewähren könnte. Ich muß ein Heilmittel haben, was so groß ist, wie die Krankheit. Ich muß eine Hilfe haben, so tief, so weit, so beständig, wie mein Bedürfnis, und Gott sei Dank, es gibt gerade eine solche Hilfe, denn die faulste Sünde nimmt Jesus hinweg, und wenn unsre Herzen von Gott abgewichen sind, so bringt Er uns zurück. Einigen von uns hat es geschienen, in unserm eignen Gewissen, als gingen wir bis in den Schlund der Hölle hinunter, und doch hat der Herr uns wieder herauf gebracht zu den Pforten des Himmels. Ah, es. gehören nicht viele Minuten dazu, um diese Veränderung zu bewirken. Zuweilen ist es mir gewesen, als wenn alle Wellen und Wasserwogen Gottes über mich dahin gingen, bis ich der Verzweiflung nahe war unter dem Gefühl meiner eignen Unwürdigkeit, und doch war ich im nächsten Augenblick imstande, mein Anrecht an „die himmlischen Wohnungen“ klar zu lesen; und im Glauben an Christum hatte ich volle Gemeinschaft mit Ihm. Dies ist die Macht der Reinigung; so wirkt das teure Blut der Besprengung stets, wenn der Glaube durch den Heiligen Geist es dem Gewissen nahe bringt. Mögen ihr und ich aus unsrer täglichen beständigen Erfahrung wissen, daß es eine tägliche Reinigung für tägliche Befleckung gibt.

III.

Aber jetzt, Geliebte, bringe ich euch zu dem Kapitel selber. Die rote Kuh stellt in bewundernswerter Weise die tägliche Reinigung von täglicher Befleckung dar. Es war eine „rote Kuh, ohne Wandel, an der kein Fehl sei, und auf die noch kein Joch gekommen ist“ - etwas Ungewöhnliches, daß das Opfer ein weibliches Tier war; und wir wissen kaum, warum es so sein sollte, wenn nicht, um die Stellvertretung augenscheinlicher zu machen. Die rote Kuh stand für das ganze Haus Israel - für die ganze Gemeinde Gottes; und die Gemeinde wird in der Schrift stets als das Weib - die Braut - betrachtet, stets als weiblich. Vielleicht ward diese Kuh anstatt des gewöhnlichen Stieres gewählt, um die Stellvertretung augenfällig und vollständig zu machen, um zu zeigen, daß sie an Stelle und Statt des ganzen Samens Israels stand. Es war eine rote Kuh. Einige meinen, um ihrer Seltenheit willen, denn es war sehr schwer eine zu finden, die rot war ohne einen einzigen Flecken - wenn ein weißes oder schwarzes Haar an ihr war, so wurde sie immer verworfen: sie mußte völlig und ganz rot sein -; einige meinen, es sei gewesen, um anzudeuten, wie einzig und unvergleichlich die Person Christi sei; wie außerordentlich; der Eingeborene seines Vaters; der einzige Erlöser der Seelen; von solcher unvergleichlichen Tugend und solcher glorreichen Abstammung, daß kein Engel sich mit Ihm messen und keines der Menschenkinder auch nur einen Augenblick mit Ihm verglichen werden kann.

Wahrscheinlich indes war das Rot nur deshalb gewählt, weil es bei den Israeliten die Vorstellung von Blut erweckte, das immer mit der Versöhnung und der Hinwegnahme der Sünden verbunden war. Gewiß, meine Brüder, wenn wir an Christum denken, so verbinden wir damit immer den Gedanken an das strömende Blut, falls wir unter einem Gefühl der Sünde sind. Zu andern Zeiten denken wir an Ihn als weiß und rot, als die Vollkommenheit selber; aber es ist nichts an Jesu, worauf das zitternde Gewissen so gern vertraut, als dies sein rotes Blut. Wir haben manchmal die Klage gegen unsre Theologie gehört, daß zu viel Blut darin sei. „Im Blute ist des Leibes Leben.“ Wenn kein Blut in unsrer Predigt wäre, so wäre kein Leben darin, keine Freude, keine wahre Kraft; aber gerade, weil wir es lieben, jenes teure Blut zu preisen, darum gefällt es Gott, das Wort zu ehren und es für die Heiligen tröstlich und für die Sünder Leben weckend zu machen. Ich bin gewiß, liebe Brüder, daß, wenn wir den Vers zuweilen gesungen haben:

„Seh' ich Dein Blut, das purpurn fällt
Und wie ein Kleid umhüllet Dich,“

dann haben wir vor diesem blutroten Mantel gefühlt, daß die nächsten Zeilen keine Dichtung, sondern nüchterne Tatsache seien:

„Dann bin ich tot für diese Welt
Und diese Welt ist tot für mich.“

Meines Meisters Angesicht war mit blutigem Schweiß bedeckt, Rubinentropfen von Blut umhüllten sein Haupt; auf dem Rücken meines Herrn, wo die verfluchte Geißel Ihn geschlagen hat, floß ein Strom roten Blutes; aus seinen Händen fließen purpurne Quellen; aus seinen Füßen scharlachfarbene Quellen; aus seiner Seite eine reiche Fülle von seinem Herzblut - Er scheint nie so lieblich, als wenn angetan „mit einem Kleide, das mit Blut besprenget ist.“ „Wer ist der, so von Edom kommt, mit rötlichen Kleidern von Bazra? Der so geschmückt ist in seinen Kleidern, und einher tritt in seiner großen Kraft? Ich bin es, der Gerechtigkeit lehrt und ein Meister bin, zu helfen (mächtig zu erretten). Warum ist denn Dein Gewand so rot und Dein Kleid wie eines Keltertreters?“ Dies ist der glorreiche Heiland, mächtig zu erretten, als wenn Er in Blutrot gekleidet ist. Laßt es die rote Kuh sein; sie soll stets den frommen Gläubigen an Den erinnern, der die Kelter allein trat. Es war eine Kuh ohne Flecken. Dies deutet die Vollkommenheit Christi an - „ohne Flecken, Runzel und dergleichen.“ Geboren ohne menschliche Unreinheit; unbefleckt empfangen durch den Heiligen Geist -„das Heilige, das von dir geboren wird, “ sprach der Engel zu der Jungfrau. Ohne natürliche Unreinheit, so wie wir sie an uns haben, fühlte Er nicht den Makel der Erbsünde. Ferner mußte die Kuh auch ohne Fehler sein. Unser Christus, wie Er nicht den Makel der Erbsünde hat, hat auch keinen Fehler tatsächlicher Sünde. „Es kommt der Fürst dieser Welt und hat nichts an mir.“ Er wurde uns gleich in allen Stücken, aber immer mit dieser Ausnahme -„doch ohne Sünde.“

Beachtet, daß diese rote Kuh eine war, auf die nie ein Joch gekommen. Vielleicht stellt dies dar, wie willig Christus kam, für uns zu sterben; nicht vom Himmel gezwungen, sondern freiwillig gab Er sich für uns alle dahin. „Siehe, ich komme, im Buch ist von mir geschrieben; Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern.“ Nicht zum Tode geschleppt. „Ich lasse mein Leben von mir selber. Ich habe. es Macht zu lassen, und habe es Macht wieder zu nehmen. Niemand nimmt es von mir.“ Der freie Sohn Gottes trägt kein Joch, ausgenommen das Joch, das Ihm sanft war, und die Last, die Ihm leicht war, das Joch der Liebe, die Ihn zwang, sein Leben für sein Volk zu lassen.

Ein interessanter Umstand bei dieser Kuh, ist der, daß sie nicht durch die Priester besorgt wurde; sie ward nicht aus den gewöhnlichen dem Heiligtum gehörenden Mitteln, noch von den Fürsten oder irgend einem einzelnen angeschafft. Die Kinder Israel lieferten sie. Weshalb? Nun, wenn sie aus ihren Zelten in der Wüste oder aus ihren Häusern in Jerusalem traten, und sahen, wie die Priester die rote Kuh führten, so konnte jeder Mann, jedes Weib, jedes Kind sprechen: „Ich habe einen Anteil an dieser Kuh, ich habe einen Anteil an dem Opfer, das aus der Stadt geführt wird, um verbrannt zu werden.“ Brüder, ich wünsche - o, ich wollte zu Gott, daß ich hoffen dürfte, jeder Mann und jedes Weib hier könnte sprechen: „Ich habe einen Anteil an Jesu Christo, “ denn das ist die Bedeutung dieser Lieferung durch das Volk: uns sehen zu lassen, wie Christus sein Blut für sein ganzes Volk vergoß, und es einen Teil und Anteil an Ihm hat. Wenn du an Ihn glaubst, so hast du, ob du auch das schwächste seiner Kinder bist, doch einen ebenso guten Anteil als das stärkste. Er ist ebensosehr dein Christus, wie Er der Christus eines Apostels oder Märtyrers ist, der in einem feurigen Wagen gen Himmel fuhr. Ich hoffe, Bruder, daß du dies einsiehst, und versichert bist, daß du einen Anteil an Ihm hast.

Nachdem wir beachtet, was dieses Opfer war, ist noch zu bemerken, was damit getan ward. Wieder laßt mich euch bitten, in eure Bibel zu blicken, um zu sehen, was aus dieser roten Kuh wurde.

Zuerst: sie ward hinaus vor das Lager geführt. Hierin war sie ein Bild von Christo. „Auf daß Er heiligte das Volk durch sein eignes Blut, hat Er gelitten außen vor dem Tor.“ Außen vor dem Lager ist der Ort der Unreinheit. Dort wohnten die Aussätzigen; dort wurde jede verunreinigte Person in Quarantäne gehalten. Jesus Christus wurde unter die Übeltäter gerechnet und mußte auf dem Hügel Golgatha leiden, außen vor den Toren der Stadt, auf der „Schädelstätte“. Das Volk Gottes soll ein von der übrigen Welt abgesondertes Volk sein; sie sollen nicht unter die Einwohner der Stadt dieser Welt gerechnet werden; sie sollen Fremde, Pilger und Gäste sein, wie ihre Väter es waren. Deshalb litt Christus, um ein Beispiel der Absonderung zu geben, selbst außen vor dem Lager.

Wenn die rote Kuh außer vor das Lager geführt war, so wurde sie geschlachtet. Ein sterbender Heiland ist es, der unsre Sünde hinweg nimmt. Brüder, wir lieben Christum, den Auferstandenen, wir segnen Christum, den lebendigen, unsre Sache führenden Fürsprecher, aber im Grunde kommt doch die Reinigung unseres Gewissens von dem blutenden Opfer. Seht Ihn vor unsern Augen geschlachtet. Lasset uns mit dem alten Dichter singen:

„O Lamm Gottes, unschuldig
Am Stamm des Kreuzes geschlachtet,
Allzeit erfunden geduldig,
Wiewohl Du warest verachtet!
All Sünd' hast Du getragen,
Sonst müßten wir verzagen.“

Wenn die Kuh geschlachtet war, tauchte Eleasar seinen Fing er in das Blut, wie es strömend herausquoll. Er tauchte den Finger in das warme Blut und sprengte es stracks siebenmal gegen die Stiftshütte. Sieben ist die Zahl der Vollkommenheit - um zu zeigen, daß ein vollkommenes Opfer dargebracht war durch das Sprengen des Blutes; ebenso hat Jesus sein blutiges Opfer vollkommen dargebracht.

Nun merkt euch, all dieses reinigt nicht. Ich bin noch nicht zu diesem Punkt gekommen. Versöhnung geht der Reinigung vorher: Christus muß sterben und sich zum Opfer bringen, sonst kann Er nicht der Reiniger sein. All dieses ist notwendig, aber der wesentliche Teil der Reinigung kommt dann erst. Darauf nahmen sie die geschlachtete Kuh, die etwas Unreines war, und jeden unrein machte, der sie berührte, und legten sie auf einen Scheiterhaufen, der zu ihrer Verbrennung bereitet war. Sie verbrannten sie ganz, ihr Fell, ihr Fleisch, ihr Blut, sogar ihren Dung, nichts durfte übrig bleiben. Dies bildet die Leiden des Heilandes ab, seine große und furchtbare Qual am Kreuze, seinen wirklichen Tod, sein wirkliches Verlassensein von Gott. Es stellt dar, wie Gott Ihn als unrein betrachtete, nie Er gezwungen war zu rufen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Die Kuh brannte nicht auf dem Altar, ihr Rauch stieg nie am heiligen Orte auf, wie der des Farren, der Gottes Opfer war. Sie war etwas Faules und Schuldiges; der Mann, der sie tötete, wurde unrein; der, welcher die Asche sammelte, wurde unrein, und der Priester selber hatte seine Kleider zu waschen. Dies stellt dar'. wie Christus unter die Übeltäter gerechnet ward, wie die Missetat seines Volkes auf Ihn gelegt ward und wie der Herr den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in Ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.„ Ihr werdet sagen: „Sonderbar, daß die, welche das Opfer berührten, unrein wurden!“ Ja, aber Vorbilder hinken. Deshalb müßt ihr es in dem richtigen Lichte sehen, nur daß ich hier fragen darf: Wer waren die, die Christum töteten? Waren sie nicht unrein? Waren nicht die römischen Soldaten unrein, jener Pöbelhaufen, der schrie: „Kreuzige Ihn! Kreuzige Ihn!“ - jene Augen, die sich an der Pein seines gequälten Körpers weideten? Und sind nicht ihr und ich, die Ihn töten halfen - sind wir nicht selbst unrein? Nein, ich gehe weiter. Wenn ich heute die Asche sammle und sie vor euch bringe - wenn ich heute suche dem Manne gleich zu sein, der das reinigende Wasser sprengte, bin ich nicht dennoch unrein? Fühle ich nicht, daß ich sündige, sogar wenn ich am besten von meinem Meister spreche, denn ich kann nicht von Ihm reden, wie ich es möchte? Und, meine Brüder, was läßt euch eure Unreinigkeit so fühlen, als eine Berührung Christi? Ist es nicht wahr, daß derselbe Christus, der eure Sünden hinweg nimmt, sie euch erst fühlen läßt. „Sie sollen Ihn ansehen, den sie zerstochen haben, und sie sollen weinen und klagen über ihre Sünden.“ Derselbe Heiland, der die Tränen hinweg nimmt, wenn wir Ihn im Glauben ansehen, bringt zuerst diese Tränen in unsre Augen, wenn wir auf Ihn blicken und Ihn sterben sehen. Es war deshalb recht, daß Er erst diejenigen unrein machte, die Ihn anrührten, und dann nachher sie rein machte durch eine zweite Berührung seiner reinigenden Macht..

Wenn das Ganze völlig verbrannt war, oder während es brannte, finden wir, daß der Priester Zedernholz, Ysop und rubinrote Wolle darauf warf. Was war dies? Nach Maimonides wurde das Zedernholz in großen Stücken genommen, mit Ysop umwunden, und dann das Ganze in rubinrote Wolle eingehüllt, so daß das, was vom Volke gesehen ward, rubinrot war, das Sinnbild der Sünde und der Strafe. -„Wenn eure Sünde gleich blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden; wenn sie gleich ist wie Rubinfarbe, soll sie doch wie Wolle werden.“ Alles, wie ihr seht, ist immer nach roter Farbe, um die Versöhnung der Sünde darzustellen. Inwendig in diesem Rot ist der Ysop des Glaubens, der dem Opfer in jedem einzelnen Wirksamkeit gibt, und innerhalb dieses ist das Zedernholz, das einen lieblichen Wohlgeruch ausströmt, eine vollkommene Gerechtigkeit, die das Ganze annehmbar macht. Man freut sich, hieran zu denken in bezug auf Christum, daß, wie ein tägliches Zeugnis unsrer Befleckung da ist, so auch eine tägliche Zurechnung seiner vollkommenen Gerechtigkeit, so daß wir jeden Tag „in dem Geliebten angenommen“ stehen durch eine tägliche Zurechnung, durch die nicht nur die tägliche Sünde bedeckt, sondern auch tägliche Gerechtigkeit uns gegeben wird. Wir sind deshalb jeden Tag ebensosehr angenommen, wie wir es an jenem letzten großen Tage sein werden, wo Er uns in die ewige Herrlichkeit aufnehmen wird.

Der Kern der Sache liegt in der letzten Handlung mit den Überbleibseln der roten Kuh. Die Asche von dem Holz, den Knochen, dem Dung, dem Fleisch der Kuh ward aufgesammelt und außen vor dem Lager an eine reine Stätte geschüttet. Nach der Behauptung der Juden. wurde erst nach tausend Jahren eine andre Kuh zu diesem Zwecke getötet. Sie sagen, aber wir haben keinen Grund, ihnen zu glauben, daß nicht mehr als neun rote Kühe überhaupt geschlachtet sind; eine in den Tagen des Mose, die zweite zu Esras Zeit, und die andern sieben später, und daß, wenn der Messias kommt, Er die zehnte opfern wird, wobei sie das Geheimnis verraten, daß sie vom Messias erwarten, Er werde zu seiner Zeit das Vorbild erfüllen. Unsre eigne Ansicht ist, daß eine rote Kuh stets gefunden ward, wenn man Asche brauchte, und da Hunderte und Tausende von Personen sich verunreinigten, so wurde der Ort, wo die Asche aufbewahrt wurde, häufig besucht und viel von dem reinigenden Stoffe gebraucht. Die Asche sollte in ein Gefäß mit fließendem Wasser getan werden, und das Wasser ward über den Unreinen gesprengt, der einen Leichnam oder einen Knochen angerührt hatte. Auf diese Weise hätte die Asche häufiger erneuert werden müssen, als einmal in tausend Jahren, damit jeder seinen Teil bekäme. Aber gibt dieses Aufbewahren nicht den Gedanken ein an den Schatz vom Verdienst in Christo Jesu? Es war nicht nur genug da, um uns frei von Sünde durch Rechtfertigung zu machen, sondern es ist auch ein Schatz von Verdienst zurück gelegt, damit tägliche Befleckung hinweggenommen werden kann, so oft sie kommt. Für alle Sünden, die ich je begehen werde, ist eine Reinigung hier vorhanden. Das siebenmal gesprengte Blut hat diese Sünden vor dem Richterstuhl Gottes hinweggenommen, und die aufbewahrte Asche soll meine Sünde von meinem Gewissen hinwegnehmen und es von den toten Werken reinigen.

Die Asche sollte in fließend es Wasser getan werden. Fließendes Wasser ist stets das liebliche Bild des Heiligen Geistes: „Er führet mich zum frischen Wasser.“ - Der Heilige muß von dem nehmen, was Christi ist, und es uns offenbaren. Die Reinigung wird im Himmel durch den Finger Christi vollzogen - siebenmal sprengte Er sein eignes Blut, auf der Erde aber, in unserm Gewissen wird sie durch den Heiligen Geist vollzogen. Der Heilige Geist muß uns Christum teuer und wirksam machen. Was ist Christus am Kreuze? Was ist Christus im Grabe? Nichts für irgend jemanden, bis der Heilige Geist Ihn zum Christus im Herzen macht. Ihr hört manche klagen, es sei keine Schönheit in Christo, so daß sie nach Ihm verlangen könnten; es ist langweilig für sie, von Jesu zu hören. Ah! Geliebte, es mag wohl so sein; aber wenn das fließende Wasser kommt, wenn der Geist Gottes das Herz lebendig und rein macht, und uns Liebe zu göttlichen Dingen gibt, dann ist nichts so teuer, so unaussprechlich wünschenswert als die Asche eines geschlachteten Heilandes.

Beachtet ferner, daß es mit Ysop gesprengt ward. Der Ysop wurde ins Wasser getunkt und dann wurde der Unreine besprengt. Der Ysop ist immer ein Bild des Glaubens. „Entsündige mich mit Ysop, daß ich rein werde.“ Unser Glaube wird wie ein kleiner Zweig Ysop ins Blut getaucht oder in das reinigende Wasser, das aus Jesu Seite floß, und so wird das Heilmittel angewandt. Bruder, glaube an Jesum völliger als du getan hast, so wirst du die Kraft seines Sühnopfers fühlen. Er ist Gott; Er wurde Mensch; Er litt: Diese Leiden sind imstande, die Sünde wegzunehmen. Du brauchst keine Schuld auf dem Gewissen zu haben, sondern kannst rein sein, dich in Ihm freuen und angenommen sein in dem Geliebten. Möge der Herr uns geben, völliger die Geheimnisse dieser roten Kuh und die Freude der Sündenvergebung zu kennen. Ich will schließen, indem ich bemerke, daß, wenn hier ein Gläubiger anwesend ist, der in Sünde gefallen ist, wenn einer da ist, der die Gegenwart des Herrn verloren hat, wenn du kalt und tot geworden bist, wenn du dir des Rückfalles bewußt bist, wenn du begonnen hast zu zweifeln, ob du überhaupt ein Kind Gottes seiest, hier in Christo ist gerade das, dessen du bedarfst. Ah! sagst du, du seist so oft gefallen, habest beständig gesündigt. Ja, aber hier ist Asche für jeden Tag, Reinigung für jede Stunde, für jeden Augenblick. Blicke auf deinen Herrn und Heiland. Gott beabsichtigt, dir nicht nur einmal zu vergeben, sondern dich jeden Tag zu reinigen. Er hat dich gelehrt, deinem Bruder nicht nur siebenmal zu vergeben, sondern siebzigmal sieben, und meinst du, Er würde selbst nicht tun, was Er dir zu tun befiehlt? Ah, Er will dir unzählige Male vergeben, ja, jeden Tag. Wenn du tägliche Reinigung in Christo suchst, so wirst du Gemeinschaft mit Ihm haben, wirst in seiner Gegenwart leben, und dich freuen mit unaussprechlicher Freude, voller Herrlichkeit. Dies ist kein Vorrecht, das nur wenigen vorbehalten, denn wir alle haben - jedes Kind Gottes hat - einen Anteil hieran. Laßt uns darum kühn kommen und den Herrn wieder um diese Reinigung bitten, damit wir wieder in Gottes Nähe leben und uns seiner Gemeinschaft freuen mögen.

Und euch, die ihr nie an Jesum geglaubt habt, laßt mich euch daran erinnern, daß dies nicht für euch ist. Ihr müßt zum erstenmal in dem Blut gewaschen werden. O Seele! was für ein widerwärtiges Ding bist du, wenn du außer Christo bist! Du bist ganz schwarz von Kopf zu Fuß, und schwarz von innen sowohl, wie von außen. Was dir zuerst nötig ist, das ist das Waschen in dem Blut, du sollst das Waschen in dem Wasser, wovon wir sprechen, später haben. Das Blut Jesu kann dich von aller Sünde reinigen. Vertraue Ihm, so wird Er dich erretten. Vertraue Ihm jetzt. Komme jetzt. Möge der Heilige Geist dir helfen zu kommen, damit du errettet werdest, sowohl jetzt, wie auf ewig. Amen.

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