Spurgeon, Charles Haddon - Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen

„Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen.“
Heb. 11,6

Der große puritanische Katechismus beginnt mit der Frage: „Welches ist die höchste und vornehmste Bestimmung des Menschen?“ und antwortet darauf: „Gott zu verherrlichen und sich seiner vollkommen in Ewigkeit zu erfreuen.“

Die Antwort ist durchaus richtig, aber sie hätte von ihrer Wahrheit nichts verloren, wenn sie kürzer gewesen wäre: Die vornehmste Bestimmung des Menschen ist: „Gott zu gefallen;“ denn indem er das tut - wir brauchen es nicht zu sagen, denn es ist eine unzweifelhafte Tatsache - indem er das tut, wird er sich selber gefallen. Die vornehmste Bestimmung des Menschen in diesem und im zukünftigen Leben, glauben wir, ist Gott, seinem Schöpfer, zu gefallen. Wenn jemand Gott gefällt, so tut er das, was am meisten zu seiner zeitlichen und ewigen Wohlfahrt beiträgt. Der Mensch kann nicht Gott gefallen, ohne daß ihm sehr viel Glückseligkeit zu teil wird, denn wenn ein Mensch Gott gefällt, so ist es, weil Gott ihn als sein Kind annimmt, ihm die Segnungen der Kindschaft gibt, die Güter seiner Gnade über ihn ausgießt, ihn zu einem gesegneten Mann in diesem Leben macht, und ihm eine Krone des ewigen Lebens zusichert, die er tragen und die in unverwelklichem Glanze leuchten soll, wenn die Kränze der Erdenherrlichkeit alle dahin geschwunden sind; während auf der andern Seite, wenn ein Mensch Gott nicht gefällt, er sich unvermeidlich Leiden und Schmerzen in diesem Leben zuzieht; er bringt einen Wurm und eine Fäulnis in den Kern aller seiner Freuden; er füllt sein Sterbekissen mit Dornen, und er versorgt das ewige Feuer mit Reisbündeln, das ihn auf ewig verzehren wird. Wer Gott gefällt, der pilgert durch die göttliche Gnade vorwärts zu dem herrlichen Lohn aller derer, die Gott lieben und fürchten; aber der, welcher Gott mißfällt, muß, denn die Schrift sagt es, von dem Angesicht Gottes und folglich von dem Genuß der Glückseligkeit verbannt werden. Wenn wir also mit Recht sagen können: Gott gefallen, heißt glücklich sein, so ist die eine wichtige Frage die: Wie kann ich Gott gefallen? Und es ist etwas sehr Ernstes in den Worten unseres Textes: „Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott gefallen.“ Das heißt: tut, was ihr wollt, strebt so ernstlich, wie ihr könnt, bringt so viele Opfer, wie es euch gefällt, zeichnet euch in allem, was lieblich ist und wohl lautet, so sehr aus, wie ihr es vermögt, doch kann nichts von solchen Dingen Gott gefallen, wenn es nicht mit Glauben verbunden ist. Wie der Herr zu den Juden sprach: „In allen deinem Opfer sollst du Salz opfern“, so spricht Er zu uns: „Mit allem euren Tun müßt ihr Glauben bringen“ oder „Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott gefallen.“

Dies ist ein altes Gesetz; es ist so alt wie der erste Mensch. Sobald Kain und Abel in diese Welt hinein geboren und zu Männern herangewachsen waren, gab Gott eine tatsächliche Verkündigung dieses Gesetzes, daß es „ohne Glauben unmöglich ist, Ihm zu gefallen.“ Kain und Abel errichteten eines Tages jeder einen Altar. Kain holte von den Früchten der Bäume und dem Reichtum des Bodens und legte sie auf seinen Altar; Abel brachte die Erstlinge der Herde und legte sie auf den seinen. Es sollte entschieden werden, welches Opfer Gott annehmen würde. Kain hatte sein Bestes gebracht, aber er brachte es ohne Glauben; Abel brachte sein Opfer, aber er brachte es mit Glauben an Christum. Nun denn, welchem wird es am besten gelingen? Die Gaben sind gleich an Wert; soweit sie an sich in Betracht kommen, ist die eine so gut wie die andere. 'Auf welche wird das himmlische Feuer herabfallen? Welche wird Gott, der Herr, mit der Flamme seines Wohlgefallens verzehren? O! ich sehe Abels Opfer brennen, und Kain ist erzürnt „,denn Gott sah gnädiglich an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah Er nicht gnädiglich an.“ Es wird stets dasselbe sein, bis der letzte Mensch in den Himmel eingebracht ist. Es wird nie ein annehmbares Opfer geben, das nicht mit Glauben gewürzt ist. Obwohl es gut sein mag, scheinbar ebensogut wie das, welches Glauben hat, so kann und will Gott es doch nie annehmen, wenn nicht Glaube dabei ist, denn Er erklärt hier: „Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott gefallen.“

Ich werde mich bemühen, meine Gedanken so sehr zusammenzudrängen, wie ich nur kann, und so kurz zu sein, wie es sich mit einer völligen Auslegung des Themas nur verträgt. Ich werde zuerst eine Erklärung von dem geben, was Glaube ist; zweitens werde ich einen Beweis vorführen, daß es ohne Glauben unmöglich ist, errettet zu werden; und drittens werde ich eine Frage. tun: „Habt ihr den Glauben, der Gott gefällt?“ Wir werden also eine Erklärung, einen Beweis und eine Frage haben. Erstens, die Erklärung. Was ist Glaube? Die alten Schriftsteller, die bei weitem die verständigsten sind, - denn ihr werdet bemerken, daß die Bücher, die vor ungefähr zweihundert Jahren von den alten Puritanern geschrieben sind, mehr Gedanken in einer Zeile haben, als auf einer Seite unsrer neuen Bücher sind, und mehr auf einer Seite, als sich in einem ganzen Bande unsrer neueren Theologie befinden - die alten Schriftsteller sagen uns, daß der Glaube aus drei Dingen besteht: zuerst Kenntnis, dann Zustimmung und dem, was sie Vertrauen nennen, oder das Ergreifen der Erkenntnis, der wir unsre Zustimmung geben, und die Aneignung derselben dadurch, daß wir ihr vertrauen.

I.

1. Laßt uns denn beim Anfang beginnen. Das erste beim Glauben ist Kenntnis. Ein Mensch kann nicht glauben, was er nicht kennt. Das ist ein klarer, von selbst einleuchtender Grundsatz. Wenn ich nie in meinem Leben von einer Sache gehört habe, und sie nicht kenne, so kann ich sie nicht glauben. Und doch gibt es einige Personen, die einen Glauben haben, wie der jenes Färbers es war, der, als er gefragt wurde, was er glaube, sagte: „Ich glaube, was die Kirche glaubt. „Was glaubt die Kirche?“ „Die Kirche glaubt, was ich glaube.“ „Und bitte, was glauben Sie und die Kirche?“ „Nun, wir glauben beide dasselbe.“ Dieser Mann glaubte nichts, ausgenommen, daß die Kirche recht hätte, aber worin, das konnte er nicht sagen. Es ist nicht richtig, wenn ein Mann sagt: „Ich bin ein Gläubiger,“ aber nicht weiß, was er glaubt; und dennoch habe ich einige Leute in dieser Lage gesehen. Eine gewaltige Predigt war gehalten, die ihr Blut in Wallung gebracht hat; der Prediger hatte gerufen: „Glaubt! glaubte! glaubt!“ und die Leute hatten sich plötzlich in den Kopf gesetzt, daß sie Gläubige seien, und waren aus ihrem Gotteshause herausgegangen und hatten gesagt: „Ich bin ein Gläubiger.“ Und wenn sie gefragt wurden: „Was glaubt ihr denn?“ so konnten sie keinen Grund geben für die Hoffnung, die in ihnen war. Sie glaubten, daß sie nächsten Sonntag zur Kapelle gehen wollen; sie wollen sich mit dieser Klasse von Leuten verbinden; sie wollen sehr laut singen und sehr wundervolle Rede halten; deshalb glauben sie, sie würden errettet werden; aber was sie glauben, das können sie nicht sagen. Nun, ich halte keines Menschen Glauben für einen sichern, wenn er nicht weiß, was er glaubt. Sagt er: „Ich glaube,“ und weiß nicht, was er glaubt, wie kann das wahrer Glaube sein? Der Apostel hat gesprochen: „Wie sollen sie aber glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wo sie nicht gesandt werden?“. Es ist also zum wahren Glauben notwendig, daß ein Mensch etwas von der Bibel kennt. Glaubt mir, dies ist ein Zeitalter, wo man nicht so hoch von der Bibel hält, wie man es sonst pflegte. Vor einigen hundert Jahren war die Welt bedeckt mit Bigotterie, Grausamkeit und Aberglauben. Wir gehen von einem Extrem zum andern, und sind jetzt in das andre Extrem geraten. Damals hieß es: „Ein Glaube ist der richtige, nieder mit allen andern durch Folter und Schwert.“ Nun heißt es: „Wie widersprechend auch unsre Glaubensbekenntnisse sein mögen, sie sind alle richtig.“ Wenn wir nur unsern gesunden Verstand brauchten, so würden wir sehen, daß dem nicht so ist. Aber manche erwidern: „Die und die Lehre braucht nicht gepredigt und nicht geglaubt zu werden.“ Dann, mein Herr, wenn sie nicht gepredigt zu werden braucht, so brauchte sie nicht geoffenbart zu werden. Du greifst die Weisheit Gottes an, wenn du sagst, eine Lehre sei unnötig; denn das ist so gut als sagtest du, daß Gott etwas geoffenbart hat, was nicht notwendig war, und Er würde ebenso unweise sein, wenn Er mehr getan als notwendig, als wenn Er weniger getan hätte. Wir glauben, daß jede Lehre des Wortes Gottes von den Menschen erforscht und erwogen werden muß, und daß ihr Glaube alles in der Heiligen Schrift Enthaltene erfassen sollte, und besonders alles dasjenige, was die Person unseres hochgelobten Erlösers betrifft. Es muß ein Grad von Kenntnis vorhanden sein, ehe Glaube da sein kann. „Sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben in ihr, und sie ist's, die von mir zeugt;“ durch Suchen und Lesen kommt Kenntnis, und durch Kenntnis kommt Glauben, und durch Glauben kommt das Heil.

2. Aber ein Mensch kann eine Sache kennen und dennoch keinen Glauben haben. Deshalb muß Zustimmung mit dem Glauben gehen: das heißt, mit dem, was wir kennen, müssen wir übereinstimmen, weil wir es für die gewisse Wahrheit Gottes halten. Nun, zum Glauben ist es notwendig, daß ich nicht bloß die Schrift lese und verstehe, sondern daß ich sie in mein Herz als die Wahrheit des lebendigen Gottes aufnehme, und die ganze Schrift als von dem Höchsten eingegeben annehme, sowie die ganze Lehre, von der Er fordert, daß ich sie zu meinem Heil glaube. Es ist euch nicht erlaubt, die Schrift zu halbieren und zu glauben, was euch gefällt; es ist euch nicht erlaubt, die Schrift mit halbem Herzen zu glauben, denn wenn ihr dies eigenwillig tut, so habt ihr nicht den Glauben, welcher auf Christum blickt. Wahrer Glaube gibt der Schrift seine volle Zustimmung; er nimmt ein Blatt, und spricht: „Einerlei, was auf dem Blatt steht, ich glaube es;“ er wendet sich zum nächsten Kapitel, und sagt: „Hierin sind etliche Dinge schwer zu verstehen, welche die Ungelehrigen und Leichtfertigen verwirren, wie auch die andern Schriften, zu ihrer eignen Verdammnis;“ aber “,schwer, wie es sein mag, ich glaube es.„ Er sieht die Dreieinigkeit; er kann nicht die Dreieinigkeit in der Einheit verstehen. Er sieht ein Versöhnungsopfer; es ist etwas Schwieriges in dem Gedanken, aber er glaubt daran; und was immer er in der Offenbarung sieht, er drückt andächtig die Lippen auf das Buch, und sagt: „Ich liebe das Ganze; ich gebe meine volle, freie und herzliche Zustimmung zu jedem Wort darin, sei es Drohung oder Verheißung, Sprichwort, Vorschrift oder Segensspruch. Ich glaube, daß alles, weil alles das Wort Gottes ist, ganz zuverlässig und wahr ist.“ Wer selig werden will, der muß die Schrift kennen, und ihr seine volle Zustimmung geben.

3. Aber ein Mensch mag all dieses tun und doch keinen wahren Glauben besitzen; denn der hauptsächlichste Teil des Glaubens liegt in dem letzten, nämlich in dem Vertrauen zu der Wahrheit; nicht in dem bloßen Fürwahrhalten, sondern in dem Ergreifen derselben als etwas uns Gehörendes und in der Zuversicht darauf. „Sich-lehnen“ auf die Wahrheit war der Ausdruck, den die alten Prediger brauchten. Ihr werdet dies Wort verstehen. Sich darauf lehnen und sagen: „Dies ist die Wahrheit, ich setze mein Vertrauen in betreff meines Heils darauf.“ Nun, der wahre Glaube ist seinem Wesen nach ein Sich-lehnen auf Christum. Es wird mich nicht erretten, zu wissen, daß Christus ein Heiland ist; aber es wird mich erretten, wenn ich auf Ihn als meinen Heiland vertraue. Ich werde nicht von dem zukünftigen Zorn befreit werden dadurch, daß ich glaube, seine Versöhnung sei genügend, aber ich werde selig werden, wenn ich diese Versöhnung zu meiner Zuversicht, meiner Zuflucht, meinem All mache. Der Kern, das Wesen des Glaubens ist: sich auf die Verheißung werfen. Es ist nicht der Rettungsgürtel an Bord des Schiffes, der den Mann rettet, wenn er am Ertrinken ist, noch sein Glaube, daß derselbe eine vortreffliche und gelungene Erfindung sei. Nein! er muß ihn um seine Lenden haben und seine Hand darauf, sonst wird er sinken. Um eine alte und abgedroschene Illustration zu gebrauchen: Denkt euch ein Feuer im oberen Stockwerk eines Hauses, und die Leute in der Straße versammelt. Ein Kind ist im oberen Zimmer: wie soll es entrinnen? Es kann nicht hinunter springen - es würde zerschmettert werden. Ein starker Mann tritt vor, und ruft: „Laß dich in meine Arme fallen.“ Es ist ein Teil des Glaubens, zu wissen, daß der Mann da ist; es ist ein zweiter Teil, zu glauben, daß der Mann stark ist; aber das Wesen des Glaubens liegt in dem Fallen in des Mannes Arme. Das ist die Probe des Glaubens, und der wirkliche Kern und das Wesen desselben. So, Sünder, mußt du wissen, daß Christus für die Sünde starb; du mußt auch verstehen, daß Christus fähig ist zu erretten, und du mußt das glauben; aber du bist nicht errettet, wenn du nicht auch das Vertrauen auf Ihn setzt, daß Er dein Heiland ist, und dein auf ewig.

„Wag' es auf Ihn, wag's nur ganz,
Trau' auf nichts, als Ihn allein,
Jesus einzig, Jesus nur
Kann der Sünder Heiland sein.“

Dies ist der Glaube, der errettet; und wie unheilig dein Leben bis zu dieser Stunde gewesen sein mag, so wird dieser Glaube, wenn er dir in diesem Augenblick gegeben wird, doch all deine Sünde austilgen, deine Natur ändern, dich zu einem neuen Menschen in Christo Jesu machen, dich dahin leiten, ein heiliges Leben zu führen und deine ewige Seligkeit so sicher machen, als wenn ein Engel dich heut' auf seine glänzenden Flügel nähme und sofort in den Himmel trüge. Hast du diesen Glauben? Dies ist die eine, überaus wichtige Frage; denn während die Menschen mit Glauben selig werden, so werden sie ohne ihn verdammt. Wie Brooks in einem seiner trefflichen Bücher sagt: „Wer an den Herrn Jesum Christum glaubt, der wird selig werden, seien seiner Sünden auch noch so viele; aber wer nicht an den Herrn Jesum glaubt, der muß verdammt werden, seien seiner Sünden auch noch so wenige.“ Hast du Glauben? Denn der Text erklärt: „Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen.“

II.

Und nun kommen wir zu dem Beweise, warum wir ohne Glauben nicht errettet werden können.

Es sind hier einige Herren anwesend, die sagen: „Jetzt werden wir sehen, ob Herr Spurgeon irgend welche Logik in sich hat.“ Nein, ihr werdet das nicht sehen, denn ich habe nie vorgegeben, sie anzuwenden. Ich hoffe, ich bin im Besitz der Logik, die zu dem Herzen spricht. Bin daher nicht sehr geneigt, die weniger mächtige Logik des Verstandes zu gebrauchen, wenn ich das Herz auf andre Weise gewinnen kann. Indes, wenn es nötig wäre, so würde mir nicht bange sein, zu beweisen, daß ich mehr von Logik und vielen andren Dingen verstehe, als die kleinen Männer, die es unternehmen, mich zu tadeln. Es wäre gut, wenn sie es verständen, den Mund zu halten, was wenigstens ein schöner Teil der Rhetorik ist. Mein Beweis wird einer sein, der sich, wie ich hoffe, an das Herz und Gewissen wenden wird, obwohl er nicht gerade denen gefallen mag, die die syllogistischen Demonstrationen besonders lieben.

„Die ein Haar zu spalten sind bereit
Zwischen Nord- und Nordwest-Seit'.“

1. „Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott gefallen.“ Und das entnehme ich daraus, daß die Schrift niemals von irgend einem Mann berichtet, der Gott ohne Glauben gefiel. Das 11. Kapitel des Hebräerbriefes ist das Kapitel der Männer, die Gott gefielen. Hört ihre Namen: „Durch den Glauben hat Abel Gott ein größeres Opfer getan;“ „durch den Glauben wurde Henoch weggenommen;“ „durch den Glauben hat Noah die Arche zubereitet;“ ,durch den Glauben ging Abraham in das Land, das er ererben sollte;“ „durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande; „durch den Glauben gebar Sara den Isaak;“ „durch den Glauben opferte Abraham den Isaak;“ „durch den Glauben segnete Isaak den Jakob;“ „durch den Glauben segnete Jakob beide Söhne Josephs;“ durch den Glauben redete Joseph vom Auszug der Kinder Israel, da er starb;“ „durch den Glauben gab Moses die Schätze Ägyptens auf;“ „durch den Glauben gingen sie durchs Rote Meer;“ „durch den Glauben fielen die Mauern zu Jericho;“ „durch den Glauben wurde die Hure Rahab errettet;“ „und was soll ich mehr sagen? Die Zeit würde mir zu kurz, wenn ich sollte erzählen von Gideon und Barak und Simson und Jephtha und David und Samuel und den Propheten.“ Aber alle diese waren Männer des Glaubens. Andre, die in der Schrift genannt werden, haben etwas getan; aber Gott nahm sie nicht an. Menschen haben sich gedemütigt, und doch hat Gott sie nicht errettet. Ahab tat es, und doch wurden seine Sünden niemals vergeben. Menschen haben bereut, und sind doch nicht errettet, weil ihre Reue nicht die rechte war. Judas bereute, und ging hin und erhängte sich, und wurde nicht errettet. Menschen haben ihre Sünden bekannt und sind nicht errettet worden. Saul tat es. Er sprach zu David: „Ich habe wider dich gesündigt, mein Sohn David;“ und doch fuhr er fort mit dem, was er vorher getan. Sehr viele haben den Namen Christi bekannt und haben wunderbare Dinge getan, und doch haben sie Gott nie gefallen, aus dem einfachen Grunde, daß sie keinen Glauben hatten. Und da kein solcher in der Schrift genannt ist, welche die Geschichte mehrerer Jahrtausende enthält, so ist es nicht wahrscheinlich, daß in den andren zwei Jahrtausenden der Weltgeschichte ein solcher gewesen ist, wenn während der ersten vier keiner da war.

2. Aber der nächste Beweis ist: der Glaube ist die sich beugende Gnade, und nichts kann einen Menschen dahin bringen, daß er sich beugt, als der Glaube, und wenn ein Mensch sich nicht beugt, so kann sein Opfer nicht angenommen werden. Die Engel wissen dies. Wenn sie Gott loben, so verhüllen sie ihr Antlitz mit ihren Flügeln. Die Erlösten wissen dies. Wenn sie Gott loben, so werfen sie ihre Kronen zu seinen Füßen. Ein Mann, der keinen Glauben hat, beweist, daß er sich nicht beugen kann; denn er hat keinen Glauben, weil er zu stolz ist, um zu glauben. Er erklärt, daß er seinen Verstand nicht unterwerfen, nicht ein Kind werden und demütig glauben will, was Gott ihn glauben heißt. Er ist zu stolz und kann nicht in den Himmel eingehen, weil die Tür des Himmels so niedrig ist, daß niemand hindurch gehen kann, der nicht seinen Kopf beugen will. Es gab nie einen Menschen, der aufrecht in das Heil hineingehen konnte. Wir müssen zu Christo auf unsren Knien gehen; denn obwohl Er eine Tür ist, groß genug, den größten Sünder einzulassen, ist Er doch eine so niedrige Tür, daß die Menschen sich bücken müssen, wenn sie errettet werden wollen. Darum ist der Glaube notwendig, weil ein Mangel an Glauben ein sicheres Zeichen ist, daß die Demut fehlt.

3. Aber nun noch andre Gründe. Der Glaube ist zum Heil notwendig, weil die Schrift uns sagt, daß Werke nicht selig machen können. Um eine sehr bekannte Geschichte zu erzählen, bei der selbst die Ärmsten mich nicht mißverstehen können, in dem was ich sage: Ein Prediger ging eines Tages aus, um zu predigen. Er stieg auf seinem Wege einen Hügel hinan. Unter ihm lagen die Dörfer, wie schlummernd in ihrer Schönheit, und die Kornfelder regungslos im Sonnenschein; aber er blickte nicht auf sie, denn eine Frau zog seine Aufmerksamkeit auf sich, die vor der Tür stand, und als sie ihn sah, mit der größten Angst auf ihn zukam und fragte: „O Herr, haben Sie nicht einen Schlüssel bei sich? Ich habe den Schlüssel zu meiner Kommode zerbrochen und es sind einige Dinge darin, die ich sogleich haben muß.“ Er antwortete: „Ich habe keinen Schlüssel bei mir.“ Sie war enttäuscht, denn sie meinte, jeder würde einige Schlüssel bei sich tragen. „Aber gesetzt,“ sagte er „,ich hätte Schlüssel, so würden sie vielleicht nicht zu Ihrem Schloß passen, und deshalb könnten Sie nicht die Sachen bekommen, die Sie brauchen. Seien Sie indes nicht zu traurig, warten Sie, bis jemand anders herauf kommt. Aber,“ fügte er hinzu, um die Gelegenheit zu benutzen „,haben Sie jemals von dem Himmelsschlüssel gehört?“ „O ja,“ antwortete sie „,ich habe lange genug gelebt und bin lange genug zur Kirche gegangen, um zu wissen, daß wir selig werden, wenn wir schwer arbeiten und unser Brot im Schweiß unsres Angesichts verdienen und gegen unsre Nachbarn gut handeln und uns, wie der Katechismus sagt, demütig und ehrfurchtsvoll gegen die Bessersituierten benehmen, und wenn wir unsre Pflicht tun in der Lebensstellung, in die es Gott gefallen hat, uns zu bringen, und unsre Gebete regelmäßig sagen.“ „Ach,“ sagte er „,meine gute Frau, das ist ein zerbrochener Schlüssel, denn Sie haben die Gebote gebrochen, Sie haben nicht alle Ihre Pflichten erfüllt. Es ist ein guter Schlüssel, aber Sie haben ihn zerbrochen.“ „Bitte, mein Herr,“ sagte sie erschreckt und in dem Glauben. daß er die Sache verstände „,was habe ich ausgelassen?“ „Nun,“ erwiderte er „,das Allerwichtigste, das Blut Jesu Christi. Wissen Sie nicht, daß geschrieben steht, der Schlüssel des Himmels ist an seinem Gürtel; Er tut auf und niemand schließt zu; Er schließt zu und niemand tut auf?“ Und indem er ihr die Sache näher erklärte, sagte er: „Es ist Christus, und Christus allein der Ihnen den Himmel auftun kann, und nicht Ihre guten Werke.“ „Was,“ sagte sie „,sind denn unsre guten Werke nutzlos?“ „Nein,“ antwortete er „nicht nach dem Glauben. Wenn Sie zuerst glauben, so mögen Sie so viele gute Werke haben, wie Sie wollen; aber wenn Sie glauben, so werden Sie nie diesen vertrauen, denn wenn Sie dies tun, so verderben Sie dieselben und es sind nicht länger gute Werke. Haben Sie so viele gute Werke, wie Sie wollen, aber setzen Sie Ihr Vertrauen ganz auf den Herrn Jesum Christum, denn wenn Sie das nicht tun, so wird Ihr Schlüssel nie die Himmelspforte aufschließen.“ So, meine Hörer, müssen wir wahren Glauben haben, denn der alte Schlüssel der Werke ist von uns allen zerbrochen, so daß wir nie damit ins Paradies eingehen können. Wenn jemand von euch sagt, daß er keine Sünde hat, so - um recht deutlich mit euch zu sprechen - betrügt er sich selbst, und die Wahrheit ist nicht in ihm. Meint ihr, durch eure guten Werke in den Himmel zu kommen, so gab es nie eine grausamere Täuschung, und ihr werdet an dem letzten großen Tage finden, daß eure Hoffnungen wertlos waren, und daß eure edelsten Taten wie welke Blätter von den Herbstbäumen hinweg geweht oder zu einer Flamme angezündet werden, in der ihr selbst auf ewig leiden müßt. Achtet auf eure guten Werke; habt sie nach dem Glauben, aber gedenkt daran, der Weg, errettet zu werden, ist einfach der Glaube an Jesum Christum.

4. Ferner: ohne Glauben ist es unmöglich, errettet zu werden und Gott zu gefallen, weil ohne Glauben keine Vereinigung mit Christo da ist. Vereinigung mit Christo ist unerläßlich zu unserm Heile. Wenn ich vor Gottes Thron mit meinen Gebeten komme, werden sie nie erhört werden, wenn ich nicht Christum mit mir bringe. Die alten Molosser nahmen zu einem sonderbaren Mittel ihre Zuflucht, wenn sie von ihrem König eine Gunst nicht erlangen konnten; sie nahmen des Königs einzigen Sohn in ihre Arme, fielen auf ihre Knie und riefen: „O König, um deines Sohnes willen gewähre unsre Bitte.“ Er lächelte und sagte: „Ich versage denen nichts, die meines Sohnes Namen geltend machen.“ So ist es mit Gott. Er wird dem nichts versagen, der kommt und Christum mit sich bringt; aber wenn er allein kommt, muß er ausgestoßen werden. Vereinigung mit Christo ist die Hauptsache beim Heil. Laßt mich euch eine Geschichte erzählen, um dies zu illustrieren. Von den gewaltigen Niagarafällen spricht man in jedem Teil der Welt; es ist wunderbar, von ihnen zu hören und sie bieten einen erstaunlichen Anblick dar, aber es ist sehr gefährlich, wenn durch einen Zufall Menschen den Wasserfall hinunter gerissen werden. Vor einigen Jahren waren zwei Leute, ein Schiffer und ein Kohlengräber, in einem Boot und merkten, daß sie nicht imstande seien, es zu lenken, da es so schnell den Strom hinab trieb, daß sie unvermeidlich zerschmettert werden mußten. Leute am Ufer sahen sie, konnten aber nicht viel zu ihrer Rettung tun. Zuletzt wurde indes der eine Mann gerettet, indem man ihm ein Tau zuwarf, das er ergriff. In demselben Augenblick, wo dies geschah, schwamm ein Brett bei dem andren Mann vorüber. Der gedankenlose und verwirrte Schiffer ergriff das Brett, statt das Seil zu erfassen. Es war ein verhängnisvoller Irrtum; sie waren beide in äußerster Gefahr, aber der eine wurde ans Ufer gezogen, weil er eine Verbindung mit den Leuten am Lande hatte, während der andre, der sich ans Brett hing, unwiderstehlich fortgezogen und nie wieder gesehen wurde. Seht ihr nicht, daß dies eine praktische Illustration ist? Der Glaube ist eine Verbindung mit Christo, Christus ist, sozusagen, am Ufer und hält das Seil des Glaubens, und wenn wir es mit der Hand unsrer Zuversicht ergreifen, so zieht Er uns ans Ufer; aber unsre guten Werke, die keine Verbindung mit Christo haben, treiben in den Schlund grausamer Verzweiflung hinunter. Wenn wir sie auch noch so fest halten, selbst mit eisernen Haken, so können sie uns nicht im geringsten helfen. Ihr werdet gewiß sehen, was ich euch zu zeigen wünsche. Einige haben Einwendungen gegen Geschichten; ich werde sie gebrauchen, bis jene mit ihren Einwendungen verstummen. Die Wahrheit wird niemals den Menschen gewaltiger vor Augen gestellt, als wenn man ihnen, wie Christus es tat, eine Geschichte erzählt, von einem Mann mit zwei Söhnen, oder von einem Edlen, der über Land zog und dem einen Knechte zehn Pfund gab, dem andern eins.

Der Glaube ist also eine Vereinigung mit Christo. Tragt Sorge, daß ihr ihn habt; denn wenn nicht, so hängt ihr euch an eure Werke, und da schwimmt ihr den Strom hinab! Hängt euch an eure Werke, und ihr werdet hinabgerissen in den Schlund! Verloren, weil eure Werke keinen Halt an Christo haben, und keine Verbindung mit dem teuren Erlöser! Aber du, armer Sünder, mit all deinen Sünden, wenn das Seil um deine Lenden ist und Christus es erfaßt hat, fürchte dich nicht!

„Er gibt dich in keines andern Hand;
Er hat zu viel an dich gewandt.“

5. Noch ein Beweis mehr, und dann bin ich damit fertig: „Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott gefallen,“ weil es unmöglich, ist in der Heiligkeit zu beharren ohne Glauben. Was für eine Menge von Schön-Wetter-Christen haben wir in unsrer Zeit! Viele Christen gleichen dem Nautilus, der bei schönem, stillem Wetter auf der Oberfläche der See schwimmt, in einem prächtigen, kleinen Geschwader, wie die mächtigen Schiffe; aber in dem Augenblick, wo der erste Windhauch die Wellen bewegt, ziehen alle ihre Segel ein und sinken in die Tiefe. Viele Christen sind ebenso. In guter Gesellschaft, in evangelischen Salons, in frommen Wohnzimmern, in Kapellen und Sakristeien sind sie ungemein religiös; aber wenn sie dem Spott ein wenig ausgesetzt sind, wenn jemand über sie lächelt, sie Methodisten oder Pietisten nennt oder ihnen einen Schimpfnamen gibt, so ist alles vorüber mit ihrer Religion bis zum nächsten schönen Tage. Dann, wenn es schönes Wetter ist und die Religion gerade für ihre Sache taugt, gehen die Segel wieder auf, und sie sind so fromm wie zuvor. Glaubt mir, diese Art Religiosität ist schlimmer als Irreligiosität. Ich mag gern, wenn ein Mensch das, was er ist, gründlich ist - ein gerader Mensch; und wenn ein Mensch nicht Gott liebt, so laßt ihn nicht sagen, daß er es tut; aber wenn er ein wahrer Christ ist, ein Nachfolger Jesu, so laßt ihn das aussprechen und dabei bleiben; es ist nichts darin, dessen er sich zu schämen hätte; das einzige, des man sich schämen muß, ist Heuchelei. Laßt uns unserm Bekenntnis treu bleiben, so wird es unsre Ehre sein. Ach! was wolltet ihr ohne Glauben tun in Zeiten der Verfolgung? Ihr guten und frommen Leute, die ihr keinen Glauben habt? Was wolltet ihr tun, wenn die Scheiterhaufen wiederum in Smithfield errichtet würden, und die Flammen wiederum die Heiligen zu Asche brennen - wenn der Lollhardenturm wieder geöffnet würde, wenn die Folter wieder aufgerichtet, oder, wenn auch nur der Stock wieder eingeführt würde, den die protestantische Kirche gebraucht hat, wie die Verfolgung meines Vorgängers Benjamin Keach bezeugt, der einst zu Aylesbury in den Stock gelegt wurde, weil er ein Buch gegen die Kindertaufe geschrieben? Wenn auch nur die mildeste Form der Verfolgung wieder auflebte, wie würden die Leute sich zerstreuen! Und einige der Hirten würden ihre Herden verlassen.

Eine andre Geschichte jetzt, und ich hoffe, sie wird euch dahin führen, die Notwendigkeit des Glaubens zu sehen, während sie mich unbemerkt zu dem letzten Teil meiner Predigt hinüberleiten wird. Ein sklavenhaltender Amerikaner sagte einst zu einem, von dem er einen Sklaven kaufte: „Sagen Sie mir ehrlich, was seine Fehler sind.“ Der Verkäufer antwortete: „Er hat keine Fehler, so viel ich weiß, ausgenommen einen, und dieser ist, daß er betet.“ „Ah!“ erwiderte der Käufer „,das liebe ich nicht, aber ich weiß etwas, was ihn bald davon kurieren wird.“ Am nächsten Abend wurde Cuffey von seinem Herrn in der Plantage überrascht, während er in ernstem Gebet für den neuen Herrn, dessen Frau und Familie rang. Der Mann stand und horchte, sagte aber nichts; am nächsten Morgen jedoch rief er Cuffey und sagte: „Ich will nicht mit dir streiten, aber ich will kein Beten auf meinen Besitzungen haben, deshalb laß dies bleiben.“ „Massa,“ sagte er „,ich kann das Beten nicht lassen, ich muß beten.“ „Ich will dich beten lehren, wenn du damit fortfährst.“ „Massa, ich muß fortfahren.“ „Nun, dann werde ich dir 25 Streiche jeden Tag geben, bis du davon abläßt.“ „Massa, wenn Sie mir 50 geben, ich muß beten.“ „Wenn du so trotzig gegen deinen Herrn bist, so sollst du sie sogleich haben.“ Damit band er ihn, und gab ihm die 25 Streiche, und fragte ihn, ob er wieder beten wolle. „Ja, Massa, ich muß beten, ich kann nicht ablassen.“ Der Herr sah erstaunt aus; er konnte nicht verstehen, wie ein armer Heiliger mit Beten fortfahren könne, wenn es ihm nicht gut zu tun schiene, sondern nur Verfolgung brächte. Er erzählte es seiner Frau. Diese sagte: „Warum kannst du den armen Menschen nicht beten lassen? Er verrichtet ja seine Arbeit sehr gut; du und ich geben nichts um das Gebet, aber es ist kein Schade dabei, daß er betet, wenn er seine Arbeit tut.“ „Aber ich mag es nicht,“ sagte der Herr „,er erschreckte mich fast zu Tode. Du hättest sehen sollen, wie er mich anblickte.“ „War er böse?“ „Nein, darum hätte ich mich nicht gekümmert; aber nachdem ich ihn geschlagen, sah er mich mit Tränen in den Augen an, doch so, als wenn er mich mehr bemitleidete, als sich selber.“ - In dieser Nacht konnte der Herr nicht schlafen; er wälzte sich auf seinem Bette hin und her, seine Sünden wurden ihm in Erinnerung gebracht; er dachte daran, daß er einen Heiligen Gottes verfolgt hatte. Er richtete sich im Bett auf, und sagte: „Frau, willst du für mich beten?“ „Ich betete nie in meinem Leben,“ sagte sie „,ich kann nicht für dich beten.“ „Ich bin verloren,“ sagte er, „wenn nicht jemand für mich betet; ich kann nicht für mich selbst beten.“ „Ich weiß niemand auf der Plantage, der beten kann, außer Cuffey,“ sagte die Frau. Die Klingel wurde gezogen, und Cuffey herein gebracht. Der Herr ergriff die Hand seines schwarzen Dieners, und fragte: „Cuffey, kannst du für deinen Herrn beten?“ „Massa, ich habe immer für Sie gebetet, seit Sie mich peitschten, und ich denke, immer für Sie zu beten.“ Er fiel auf seine Knie und schüttete mit Tränen seine Seele aus, und beide, Mann und Frau, wurden bekehrt. Dieser Neger hätte dies nicht ohne Glauben tun können. Ohne Glauben würde er sofort weggegangen sein, und hätte gesagt: „Massa, ich will ablassen zu beten; ich liebe nicht die Peitsche des weißen Mannes.“ Aber weil er durch seinen Glauben beharrte, ehrte ihn Gott und gab ihm seines Herrn Seele zum Lohn.

III.

Und nun zum Schluß, die Frage, die Lebensfrage. Lieber Zuhörer, hast du Glauben? Glaubst du an den Herrn Jesum Christum von ganzem Herzen? Wenn das, so magst du hoffen, errettet zu werden. Ja, du kannst mit absoluter Gewißheit den Schluß ziehen, daß du nie verloren gehen sollst. Hast du Glauben? Soll ich dir helfen, diese Frage zu beantworten? Ich will dir drei Prüfsteine in möglichst kurzer Zeit geben, um dich nicht zu ermüden; dann lebe wohl für heute. Wer Glauben hat, der hat seiner eignen Gerechtigkeit entsagt. Wenn du ein Atom von Vertrauen auf dich selber setzt, so hast du keinen Glauben; wenn du nur ein kleines Teilchen von Zuversicht auf etwas andres setzt, als auf das, was Christus getan hat, so hast du keinen Glauben. Wenn du auf deine Werke vertraust, so sind deine Werke der Antichrist, und Christ und Antichrist können nie zusammen gehen. Christus will alles haben oder nichts; Er muß ein ganzer Heiland sein oder gar keiner. Wenn du also Glauben hast, so kannst du sprechen:

„Nichts in meiner Hand bring' ich,
Nur Dein Kreuz umklamm're ich.“

Ferner kann der wahre Glaube daran erkannt werden, daß er eine große Achtung für die Person Christi erzeugt. Liebst du Christum? Könntest du für Ihn sterben? Suchst du Ihm zu dienen? Liebst du die Seinen? Kannst du sprechen:

„Schon Deines Namens Süßigkeit
Gibt Freude, Trost und Seligkeit,
Nach süßer bist Du, Jesus Christ,
Dem Herzen, das Dich selbst genießt.“

O! wenn du Christum nicht liebst, so glaubst du nicht an Ihn; denn Glaube an Ihn erzeugt Liebe. Und noch mehr: wer wahren Glauben hat, wird wahren Gehorsam haben. Wenn ein Mensch sagt, daß er Glauben hat, und es fehlen die Werke, so lügt er; wenn jemand erklärt, daß er an Christum glaubt, und doch kein heiliges Leben führt, so irrt er sich; denn obwohl wir nicht auf gute Werke vertrauen, so wissen wir doch, daß der Glaube stets gute Werke erzeugt. Der Glaube ist der Vater der Heiligkeit, und der hat nicht den Vater, der das Kind nicht liebt. Gottes Segnungen sind Segnungen mit beiden Händen. Mit der einen Hand gibt Er Vergebung; aber mit der andern Hand gibt Er stets Heiligkeit; und kein Mensch kann die eine haben, wenn er nicht die andre hat.

Und nun, liebe Zuhörer, soll ich auf meine Knie fallen und euch um Christi willen bitten, diese Frage in eurem stillen Kämmerlein zu beantworten: Habt ihr Glauben? O, beantwortet sie: Ja oder nein. Hört auf zu sagen: „Ich weiß nicht“, oder „Ich kümmere mich nicht darum.“ Ach! eines Tages werdet ihr euch darum kümmern, wenn die Erde taumelt und das Weltall hin und her schwankt; ihr werdet euch darum kümmern, wenn Gott euch vor sein Gericht fordert, und wenn Er die Treulosen und Ungläubigen verdammt. O, daß ihr weise wäret - daß ihr euch jetzt darum kümmern wolltet, und wenn einige unter euch fühlen, daß sie Christum nötig haben, so laßt mich euch um Christi willen bitten, jetzt den Glauben an Ihn, der erhöht ist, zu suchen, daß Er euch gebe Buße und Vergebung der Sünden, und der, wenn Er euch Buße gegeben hat, euch auch Vergebung geben wird. O Sünder, die ihr eure Sünden erkennt! „Glaubt an den Herrn Jesum, so werdet ihr selig werden.“

Werft euch auf seine Liebe und sein Blut, sein Tun und sein Sterben, sein Leiden und sein Verdienst; und wenn ihr das tut, so werdet ihr niemals fallen, sondern werdet jetzt errettet werden, und errettet an jenem großen Tage; wo nicht errettet sein in der Tat entsetzlich sein wird. „Bekehrt euch, bekehrt euch; warum wollt ihr sterben, ihr vom Hause Israel?“ Ergreift Ihn, rührt den Saum seines Gewandes an, so werdet ihr geheilt werden. Möge Gott euch helfen, das zu tun, um Christi willen! Amen und Amen. Mißstände des Glaubens.

Der Glaube des Menschen ist drei Mißständen unterworfen. Auf diese möchte ich eure Aufmerksamkeit lenken und zeigen, wie sie sich auf verschiedenen Stufen kundgeben.

Der erste Mißstand hat Bezug auf den suchenden Glauben. Die Macht desselben liegt darin, daß er einen Menschen ins Gebet treibt. Und hier zeigt sich der Übelstand; denn wenn wir anfangen wollen, so setzen wir das Beten gar zu gern aus. Wie oft flüstert der Teufel einem Menschen ins Ohr: „Bete nicht, es nützt nichts. Du weißt ja doch, daß du nicht in den Himmel kommst!“ Oder wenn der Mensch glaubt, er sei erhört worden, so sagt der Satan: „Du brauchst nicht mehr zu beten, du hast jetzt, was du gewollt hast.“ Oder wenn er nach monatelangem Seufzen und Flehen keinen Segen empfangen hat, so flüstert der Satan: „Wie töricht bist du, daß du so lange vor der Gnadentür stehst! Mach dich hinweg! Mach' dich fort! Jene Tür ist vernagelt und verrammelt, und du wirst nie Erhörung finden.“ Ach, teure Freunde! Wenn ihr diesem Übelstand ausgesetzt seid, während ihr Christum sucht, so bitte ich euch, seufzt dagegen, kämpft dagegen, hört nicht auf mit Beten. Ein Mensch kann nie im Strom des göttlichen Zorns versinken, so lange er noch seufzen und flehen kann. So lange ihr noch zu Gott um Gnade schreien könnt, wird sich die Gnade euch nie entziehen.

Derjenige Mißstand, der am ehesten die Gläubigen der zweiten Stufe trifft, - nämlich die, welche völlig auf Christum vertrauen, ist das Verlangen nach Zeichen und Wundern, ohne die sie nicht glauben wollen. In der ersten Zeit meines Predigeramts mitten unter einer ländlichen Bevölkerung besuchte ich besonders solche Personen, welche sich für wahre Christen hielten, weil sie Zeichen und Wunder gesehen hätten; und damals wurden mir von ernsten und achtungswerten Leuten die lächerlichsten Geschichten erzählt, um damit zu bekräftigen, daß sie glaubten, sie werden selig. Man erzählte mir etwa folgendes: „Ich glaube, daß mir meine Sünden vergeben sind.“ Warum? „Sehen Sie, ich war unten im Hinterhofe und sah eine große Wolke und dachte, Gott kann machen, daß diese Wolke sich verzieht, wenn es Ihm wohlgefällt; und die Wolke verzog sich; und ich dachte, mit der Wolke seien auch meine Sünden hinweggenommen worden, und bin seitdem von jedem Zweifel befreit.“ Ich aber dachte:

Ja, da haben Sie erst recht Ursache zum Zweifeln, weil das so närrisch und unvernünftig ist. Gewiß jedoch ist's, daß viele Menschen eine grundlose Geschichte, irgend eine sonderbare Vorstellung begierig ergreifen, um dann daraus zu schließen, daß sie auf Christum trauen. Ach, meine lieben Freunde! Wenn ihr keinen bessern Grund habt eures Glaubens, Christo anzugehören, als einen Traum oder eine Erscheinung, dann ist's hohe Zeit, noch einmal von vorne anzufangen. Ich gebe euch zu, es hat Leute gegeben, die erweckt, erleuchtet, ja, vielleicht bekehrt worden sind durch merkwürdige Bilder ihrer Phantasie; wenn ihr euch aber auf dergleichen verlassen wollt, als auf Gnadenpfänder Gottes, wenn ihr sie als Beweise eurer Seligkeit betrachtet, dann, sage ich euch, verlasset ihr euch auf einen leeren Traum, auf eine Täuschung. Ebenso gut mögt ihr ein Schloß in die Luft, oder ein Haus auf den Sand bauen. Nein, wer an Christum glaubt, glaubt an Ihn, weil Er es sagt, und weil es hier im Worte Gottes geschrieben steht; er glaubt nicht, weil er so und so geträumt hat, oder weil er eine Stimme hörte (es war vielleicht der Gesang einer Amsel), oder weil er meinte, am Himmel einen Engel zu erblicken, während, was er sah, nur eine Staubwolke von besonderer Form sein mochte. Nein, wir müssen mit diesem Verlangen nach Wundern und Zeichen brechen. Wenn sie eintreffen, dann seien wir dafür dankbar, haben wir sie nicht, so traut einfach auf die Schrift, welche spricht: „Alle Sünde und Lästerung wird dem Menschen vergeben“ (Mt. 12, 31). Ich möchte damit nicht irgend ein zartes Gewissen verletzen, das vielleicht in solch besonderen Wundern einen kleinen Trost gefunden hat; aber ich warne euch ernstlich davor, euch nicht auf irgend etwas zu verlassen, was ihr geträumt, gesehen, oder gehört. Dies Buch ist das feste Wort des Zeugnisses „,darauf ihr wohl tut zu achten, als auf eine Leuchte, die da scheint in einem dunklen Ort“ (2 Pet. 1, 19).

Nachdem wir von diesen zwei Mißständen gesprochen haben, wollen wir den dritten nur andeuten. Es ist also ein dritter, welcher uns auf dem Wege nach der höchsten Stufe des Glaubens, der Zuversicht, aufstößt, und der ist Mangel an Achtsamkeit. Der Königische in unserm Text erkundigte sich genau nach dem Tag und der Stunde der Genesung seines Sohnes. Dadurch gewann er Zuversicht des Glaubens. Wir aber achten nicht so sehr, als wir sollten, auf das Walten Gottes. Unsre teuren puritanischen Voreltern pflegten bei regnerischer Witterung zu sagen, Gott habe die Schleusen des Himmels geöffnet. Wenn es heutzutage regnet, so denken wir, die Dünste der Wolken hätten sich verdichtet. Wenn sie das Heu ihrer Wiesen gemäht hatten, so pflegten sie den Herrn anzuflehen, Er wolle der Sonne gebieten zu scheinen. Wir denken uns vielleicht klüger, und wir achten es kaum der Mühe wert, um solche Dinge zu bitten, weil wir denken, sie kommen von selbst im Gang der Natur. Sie glaubten, Gott sei in jedem Sturm, ja, in jeder Staubwolke. Sie sprachen bei allen Dingen von Gottes Gegenwart, wir aber sprechen von ihnen als von Naturgesetzen, als ob Gesetze etwas wären, ohne das einer vorhanden ist, der sie vollzieht; als ob eine geheime Kraft die ganze Einrichtung der Natur in Bewegung setzte. Wir erlangen unsre Zuversicht darum nicht, weil wir nicht fleißig genug aufmerken. Wenn ihr die Macht der Vorsehung Tag für Tag wolltet beobachten, wenn ihr acht hättet auf die Erhörung eurer Gebete, wenn ihr irgend etwas davon in das Buch eurer Erinnerung niederlegen würdet, Gottes beständige Gnadenerweisungen gegen euch, so meine ich, ihr würdet werden wie jener Vater, der zur völligen Glaubenszuversicht geführt wurde, weil er darauf achtete, daß dieselbe Stunde, wo Jesus mit ihm sprach, auch die Stunde der Genesung war.

Darum hütet euch vor diesen drei Mißständen; vor dem Laschwerden im Gebet, vor dem Verlangen nach Zeichen und Wundern und vor der Gleichgültigkeit gegen die Offenbarung der Wege Gottes.

autoren/s/spurgeon/o/spurgeon-ohne_glauben_ist_es_unmoeglich_gott_zu_gefallen.txt · Zuletzt geändert: von aj