Spurgeon, Charles Haddon - Leben und Tod

Wie nah' sind Leben und Tod beisammen! Das Leben ist nur des todes Vorhof, und unsre Pilgrimschaft auf Erden ist nur eine Reise zum Grabe. Der Puls, der unser Dasein fristet, schlägt unsern Todesmarsch, und das Blut, das unser Leben erhält, schwemmt es den Tiefen des Todes zu. Ach, wie eng ist der Tod mit dem Leben verknüpft! Die Bäume wachsen nur, um endlich unter der Axt zu fallen. Weltreiche entstehen und blühen auf: sie blühen dem Verfall entgegen, sie erheben sich zum Sturz. Der Tod ist der schwarze Diener, der hinter dem Wagen des Lebens her reitet. Der Tod reicht so weit diese sichtbare Welt sich erstreckt, und hat alles Irdische mit der breiten Marke des Grabes gestempelt. Aber, Gott Lob, es giebt einen Ort, wo der Tod nicht des Lebens Leibdiener ist, der ihm dicht auf der Ferse folgt, wie der Abendschatten der Mittagssonne; noch sich dem Leben als inniger und unzertrennlicher Gefährte anschließt wie ein Zwillingsbruder. Dort herrscht das Leben allein; dort giebt's kein Todesröcheln mehr. O, seliges Land über den Wolken! Wenn wir dich erreichen wollen, so müssen wir sterben. Wenn wir aber nach dem Tod zur Herrlichkeit des ewigen Lebens eingehen, dann erfüllt sich das Wort: „Sterben ist mein Gewinn!“

Quelle: Balmer-Rinck, Dr - Ährenlese aus den Predigten von C.H. Spurgeon

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