Spurgeon, Charles Haddon - Leben, Leichenzug und Grabinschrift des Gottlosen

„Und da sah ich Gottlose, die begraben waren, die gegangen waren und gewandelt hatten in heiliger Stätte; und waren vergessen in der Stadt, daß sie so getan hatten. Das ist auch eitel.“
Pred. 8,10

(Und so sah ich die Gottlosen begraben, die gekommen waren und gezogen von der Stätte des Heiligen, und sie waren vergessen in der Stadt, wo sie so getan hatten. Das ist auch Eitelkeit. N. d. engl. Übers.)

Es ist sicher, daß unsere jetzige Art des Begrabens auf Kirchhöfen, die außerhalb der Stadtmauern liegen, sehr große Vorteile hat. Es war höchste Zeit, daß die Toten aus der Mitte der Lebenden entfernt wurden, daß wir nicht mehr umgeben von Totengrüften Gottesdienst hielten und am Sonntage im Gotteshause saßen, um die schädliche Ausdünstung verwesender Körper einzuatmen. Aber wenn wir das gesagt haben, so müssen wir daran denken, daß es einige Vorteile gibt, die wir durch das Entfernen der Toten verloren haben, und besonders durch die massenhafte Art des Begräbnisses, die jetzt allgemein zu werden scheint. Uns begegnet nicht so häufig mehr ein Leichenzug. In der Mitte unserer bevölkerten Städte sehen wir manchmal noch den schwarzen Leichenwagen, der die sterblichen Überreste der Menschen zu ihrer letzten Heimat bringt, aber die Begräbniszeremonien sind meistens auf die lieblichen Ruheplätze außerhalb der Mauern beschränkt, wo die Leiber derer ruhen, die uns teuer sind.

Nun, ich glaube, daß der Anblick eines Leichenzuges etwas sehr Gesundes für die Seele ist. Was für Schaden der Körper auch nehmen mag, wenn er durch Grabgewölbe und Katakomben geht, die Seele kann da viel Stoff zur Betrachtung und viele Anregungen zum Nachdenken finden. Wenn in den großen Dörfern, wo einige von uns wohnen, dann und wann eine Beerdigung stattfand, da erinnern wir uns, wie das Läuten der Glocken den Dorfbewohnern eine bessere Predigt hielt als sie in der Kirche seit lange gehört hatten; und wir denken daran, wie wir uns als Kinder um das Grab zu versammeln pflegten, um das anzublicken, was kein so häufiges Ereignis in der Mitte einer spärlichen Bevölkerung war; und wir erinnern uns der ernsten Gedanken, die selbst in unseren jungen Herzen aufzusteigen pflegten, wenn wir die Worte hörten: „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub.“ Das feierliche Fallen der paar Staubkörner auf den Sargdeckel war das Säen guten Samens in unsere Herzen. Und später, wenn wir in unseren kindischen Spielen über jene von Nesseln umgebenen Gräber kletterten und uns auf die mit Moos bewachsenen Grabsteine setzten, da wurde uns manche Lehre verkündigt durch die dumpfe, kalte Zunge des Todes, redegewandter als irgend etwas, was wir von den Lippen lebender Menschen gehört haben, und mehr geeignet, uns noch in späteren Jahren zu bleiben; aber jetzt sehen wir wenig vom Tode.

Abrahams Wunsch ist mehr als erfüllt: wir „begraben die Toten aus unseren Augen weg“; es ist selten, daß wir sie sehen, und ein Fremder, der durch unsere Straßen ginge, könnte wohl fragen: „Leben diese Menschen ewig? denn ich sehe keine Leichenzüge unter den Millionen dieser Stadt; ich sehe keine Zeichen des Todes.“ Wir wollen euch heute Morgen zuerst auffordern, mit einem lebendigen Menschen zu gehen; es wird von ihm gesagt, daß er „kam und ging von der heiligen Stätte;“ dann möchte ich, daß ihr seinen Leichenzug begleitet; und dann zum Schluß werde ich euch bitten, beim Schreibens einer Grabschrift zu helfen: „Und sie waren vergessen in der Stadt, wo sie so getan hatten. Das ist auch eitel.“

I.

Hier ist gute Gesellschaft für euch; solche Menschen, mit denen ihr zum Hause Gottes gehen könnt, denn es wird von ihnen gesagt, daß sie von der heiligen Stätte kamen und gingen. darunter können wir, denke ich„ den Ort verstehen, wo die Gerechten zusammenkommen, um Gott zu verehren. Gottes Haus kann „die heilige Stätte“ genannt werden. Aber wenn wir uns genau an das Hebräische und an den Zusammenhang halten, so scheint es, daß unter der „Stätte des Heiligen“ der Richterstuhl verstanden wird, der Ort, wo die Obrigkeit das Recht verwaltet; und ach! es gibt einige Gottlose, die sogar zu dem Richterstuhl kommen und gehen, um über ihre Mitsünder zu richten. Und mit gleicher Angemessenheit können wir den Ausdruck in einem dritten Sinn nehmen, nämlich: als die Kanzel, die die „Stätte des Heiligen“ sein sollte; aber wir haben die Gottlosen sogar von der Kanzel kommen und gehen sehen, obwohl Gott ihnen nie befohlen hatte, seine Rechte zu verkünden.

Zuerst wollen wir unter „heiliger Stätte“ das Gotteshaus verstehen. Was für ein Anblick ist es, die großen Mengen zum Heiligtum des Herrn hinaufziehen zu sehen. Ich bin gewiß, als wir die Scharen zum Hause Gottes kommen sahen, muß eine eigentümliche Freude unser Herz durchzuckt haben. Es mahnt uns an die Versammlung in Zions Tempel, wenn „die Stämme hinaufzogen, nämlich die Stämme des Herrn,“ um in dem Heiligtum des Herrn anzubeten. O! es ist ein schöner Anblick, wenn wir die Jungen und die Alten, die Grauhaarigen und die Kinder, sich alle mit Freude und Fröhlichkeit drängen sehen, den Herrn der Heerscharen anzubeten und auf die Worte seiner heiligen Offenbarung zu hören.

Aber eure Freude erleidet eine große Verminderung, wenn ihr einen Augenblick stillsteht und die Versammlung zergliedert. Zerrt diese Masse auseinander: in einem Haufen funkelt sie wie Gold; zieht die Fäden heraus, und ach! ihr werdet sehen, daß einige nicht aus dem kostbaren Metall gemacht sind, denn „wir haben die Gottlosen kommen und gehen sehen von der Stätte des Heiligen.“ In dieser Menschenmasse heute morgen haben wir Männer, die fast den Ort entweihen, an dem man sie findet. Das Gelage des letzten Abends hat seinen Stempel auf ihr Gesicht geprägt. Wir haben andere, die, ehe dieser Tag zu Ende ist, Gott in dem Hause Satans fluchen werden. Es mögen sich viele hier befinden, die während dieser Woche in ihrem Geschäft ihre Zeit mit Lügen, Betrügen und Schwindeln zugebracht haben. Auch zweifle ich nicht daran, daß hier einige sind, die jeden nur möglichen Vorteil von ihren Mitmenschen gezogen haben, und wenn sie nicht in die Klauen des Gesetzes geraten sind, so ist es sicher nicht ihr Fehler. Wir haben hier auch, wie ich nicht zweifle, in einer solchen Menge - ja, ich kann mit Zuversicht sprechen - wir haben Männer hier, die während der letzten Woche und zu anderen Zeiten sich mit Sünden befleckt haben, die wir nicht nennen wollen, denn was heimlich von ihnen geschieht, das wäre schändlich zu sagen. Wenig wissen wir, wenn wir von der Kanzel aus blicken - es sieht aus wie ein großes Blumenfeld, lieblich anzuschauen - wie manche Wurzel von tödlichem Bilsenkraut und schädlichem Nachtschatten hier wächst; und obwohl ihr alle gut und freundlich aussehen mögt, dennoch „habe ich die Gottlosen kommen und gehen sehen von der heiligen Stätte.“

Sollen wir einmal den Arm des Gottlosen nehmen und mit ihm zum Haus Gottes gehen? Wenn er zu gehen beginnt, falls er einer ist, der in seiner Kindheit versäumt hat zu gehen, was vielleicht nicht sehr wahrscheinlich ist, doch wenn er auch in seiner Kindheit zu gehen beginnt oder wann ihr sonst annehmen wollt, so werdet ihr bemerken, daß er nicht oft von dem Wort der Predigt berührt wird. Er geht zur Kapelle mit Leichtfertigkeit und Lustigkeit. Er geht hin, wie er zu einem Theater oder anderen Vergnügungsorten gehen würde, als einem Mittel, seinen Sonntag zu verbringen und die Zeit totzuschlagen. Lustig trippelt er herein; aber ich habe gemerkt, daß der Gottlose beim Weggehen ganz anders aussah als beim Hineingehen. Seine Federn sind in den Staub geschleift worden. Wenn er nach Hause geht, ist keine Leichtfertigkeit und Geschwätzigkeit mehr da, denn er sagt: „Gewiß, Gott, der Herr, ist an diesem Ort, und ich bin gezwungen worden, zu zittern. Ich ging hin, um zu spotten, aber ich bin genötigt, anzuerkennen, daß eine Macht in der Religion ist und die Gottesdienste doch im Grunde nicht lauter Langeweile sind.“ Vielleicht hofftet ihr Gutes von diesem Mann, aber ach! er vergaß es alles und schüttelte allen auf ihn gemachten Eindruck ab. Und er kam auch den nächsten Sonntag, und diesmal fühlte er wieder etwas. Wieder schien der Pfeil des Herrn in seinem Herzen zu stecken. Aber ach! es war wie das Aufprallen des Wassers. Eine Spur war für den Augenblick da, aber sein Herz war bald geheilt, er fühlte nicht den Schlag, und bei der Mahnung, sein Heil zu suchen, da war er wie die taube Otter, die, wenn wir sie auch noch so sehr beschwören, nicht auf uns achtet und sich nicht von ihrem Weg abkehrt.

Und ich habe ihn kommen und gehen sehen, bis Jahre über sein Haupt dahin gerollt waren, und er hat immer noch seinen Sitz eingenommen, und der Prediger predigt immer noch, aber für ihn vergeblich. Noch immer fließen die Tränen der Barmherzigkeit für ihn; noch immer werden die Donner der Gerechtigkeit gegen ihn geschleudert; aber er bleibt, wie er war. In ihm ist keine Veränderung außer der, daß er hart und gleichgültig wird. Ihr hört ihn jetzt nicht sagen, daß er unter dem Wort zittert - er nicht. Er ist wie ein Pferd, das in der Schlacht gewesen ist, er fürchtet nicht den Lärm der Trommel, noch den Rauch, der sich heranwälzt, er kümmert sich nicht um das Getöse der Kanonen. Er kommt hierher, er hört eine treue Warnung, und er sagt: „Was denn? Das ist für die Gottlosen.“ Er hört eine liebreiche Einladung und sagt: „Gehe hin für diesmal, wenn ich Zeit habe, will ich dich herrufen lassen.“ Und so kommt er und geht zum Hause des Herrn und wieder zurück. Wie die Tür in ihren Angeln, dreht er sich heute in das Heiligtum hinein und morgen hinaus. „Er kommt und geht von der heiligen Stätte.“

Es mag sein, daß er weiter geht. Durch eine Predigt von irgendeinem Paulus ist er beinahe überredet, ein Christ zu werden, und zittert auf seinen Füßen. Er glaubt sogar, daß er wirklich Buße getan hat, er verbindet sich mit einer christlichen Gemeinde: er legt ein Bekenntnis von seinem Glauben ab; aber ach! sein Herz ist nie verändert. Die Sau ist gewaschen, aber sie ist immer noch eine Sau. Der Hund ist von dem weggetrieben, was er ausspie, aber seine Hundenatur ist noch dieselbe. Der Mohr ist in ein weißes Gewand gekleidet, aber er hat seine Haut darum nicht gewandelt. Der Gepard ist ganz bedeckt worden, aber er hat seine Flecken darum nicht verloren. Er ist derselbe, der er immer war. Er geht zum Taufwasser als schwarzer Sünder, und er kommt ebenso heraus. Er geht zum Tisch des Herrn als Betrüger, er ißt das Brot und trinkt den Wein und kehrt unverändert zurück. Sakrament auf Sakrament geht vorüber. Das heilige Brot wird in seiner Gegenwart gebrochen, er empfängt es, aber er kommt und geht, denn er empfängt es nicht mit Liebe zu Jesus. Ihm ist die lebendige Gottseligkeit fremd, und als „ein Gottloser kommt und geht er von der heiligen Stätte.“

Aber ist es nicht eine wunderbare Sache, daß Menschen imstande sind, so zu handeln? Ich habe manchmal einen Prediger die Sache des Heils den Menschen so ernst vorstellen hören, daß ich gesagt habe: „Gewiß, das müssen sie einsehen.“ Ich habe ihn bitten hören, als wenn er für sein eigenes Leben bäte, und habe gesagt: „Gewiß, dies müssen sie fühlen.“ Und ich habe mich umgewandt und gesehen, daß das Taschentuch gebraucht wurde, um die Tränen wegzuwischen, und habe gesagt: „Jetzt muß Gutes kommen.“ Ihr habt eure eigenen Freunde unter den Schall des Wortes gebracht und habt die ganze Predigt hindurch gebetet, daß der Pfeil der Wahrheit das Schwarze treffen und in den Mittelpunkt des Zieles dringen möge, und ihr sagtet zu euch selber: „Was für eine passende Predigt!“ Ihr hieltet an mit Beten und freutet euch, einige Rührung zu sehen. Ihr sagtet: „O, es wird zuletzt sein Herz doch rühren.“ Aber ist es nicht seltsam, daß die Menschen nicht schmelzen wollen, obwohl die göttliche Liebe um sie wirbt; obwohl der Donner Sinais ihnen entgegenhallt, wollen sie doch nicht zittern; ja, wenn auch Christus, ins Fleisch gekommen, wieder predigte, würden sie Ihn nicht beachten, und Ihn vielleicht behandeln, wie ihre Eltern es erst gestern taten, als sie Ihn aus der Stadt schleppten und Ihn von dem Hügel hinabstürzen wollten, auf dem ihre Stadt gebaut war. Ich habe den Gottlosen kommen und gehen sehen von der heiligen Stätte, bis sein Gewissen versiegelt war wie mit einem glühenden Eisen. Ich habe ihn kommen und gehen sehen von der heiligen Stätte, bis er härter geworden war als der untere Mühlstein, bis er ganz fühllos war und „allerlei Unreinigkeit trieb samt dem Geiz.“

Aber wir wollen jetzt unseren Gang ändern. Anstatt zu dem Haus Gottes zu gehen, wollen wir einen anderen Weg nehmen. Ich habe den Gottlosen zu der Stätte des Heiligen gehen sehen, das ist zu dem Richtersitz. Wir haben grelle Beispiele im Kalender der Verbrechen von Männern gehabt, die den einen Tag auf dem Richterstuhl saßen und am darauffolgenden auf der Anklagebank. Ich hätte wissen mögen, was die Gefühle eines Mannes sein müssen, der das Richteramt verwaltet und weiß, daß der, der richtet, selbst das Gesetz gebrochen hat. Ein gottloser, ein geldgieriger, ein wollüstiger Mann, ein Trunkenbold - ihr wißt, daß solche unter den Magistratspersonen zu finden sind. Wir haben sie sitzen und den Trunkenbold verurteilen sehen, während die Welt, wenn sie gewußt hätte, wie sie am Abend vorher zu Bett gegangen wären, von ihnen gesagt haben würde: „Du richtest die, so etwas tun, und tust auch dasselbe.“ Man hat Beispiele von Männern gekannt, die einen armen Kerl verurteilt haben, weil er ein Kaninchen geschossen oder ein paar Fasaneneier gestohlen oder irgend ein ähnliches ungeheures Verbrechen begangen hat, und sie selber haben die Koffer der Bank beraubt, Gelder in großem Maßstab unterschlagen und jedermann betrogen. Was für ein sonderbares Gefühl müssen sie haben!

Man sollte denken, es müßte eine sehr seltsame Empfindung einen Mann überkommen, wenn er das Gesetz an einem Menschen vollzieht und weiß, daß es an ihm selber vollzogen werden sollte. Und doch habe ich den Gottlosen von der heiligen Stätte kommen und gehen sehen, bis er so weit kam, zu denken, daß seine Sünden keine Sünden seien, daß die Armen strenge Rüge für ihre Missetaten empfangen müßten, daß die, die er die niederen Klassen nannte, in Zaum gehalten werden müßten, ohne daran zu denken, daß niemand so niedrig ist, als der, der andere verurteilt, während er sich derselben Vergehen schuldig macht; von Zaum und Schranken redet, obwohl weder Zaum noch Schranken ihm genützt haben; davon spricht, daß andere gezügelt und ein gerechtes Gericht an ihnen geübt werde, während, wenn das gerechte Gericht dem Buchstaben gemäß ausgeführt worden, er selbst der Gefangene gewesen und von seiner Regierung nicht mit einem solchen Auftrag beehrt worden wäre. Ach! es ist kein angenehmer Anblick, wenn wir die Gerechtigkeit verkehrt und das Gesetz auf den Kopf gestellt sehen durch Männer, die „von der heiligen Stätte kommen und gehen.“

Aber der dritte Fall ist noch schlimmer. „Ich habe den Gottlosen. kommen und gehen sehen von der Stätte des Heiligen“ das ist die Kanzel. Wenn ein Ort unter dem hohen Himmel heiliger ist, als ein anderer, so ist es die Kanzel, von der das Evangelium gepredigt wird. Dies ist das Thermopylä der Christenheit; hier muß die große Schlacht geschlagen werden zwischen der Gemeinde Christi und den eindringenden Heeren der gottlosen Welt. Dies ist das letzte Überbleibsel von etwas Heiligem, das uns gelassen ist. Wir haben jetzt keine Altäre, Christus ist unser Altar; aber wir haben noch eine Kanzel, einen Ort, wo ein Mann wohl seine Schuhe ausziehen könnte, wenn er ihn betritt, denn der Ort, wo er steht, ist heilig. Die Kanzel ist geweiht durch die Gegenwart unseres Heilands, aufgerichtet durch die Klarheit und Kraft der Beredsamkeit eines Apostels, aufrecht erhalten durch die Treue und Wärme einer Aufeinanderfolge von Evangelisten, die wie Sterne die Zeit bezeichnet haben, in der sie lebten, und ihren Namen ihr aufgeprägt haben, zu uns, die wir jetzt auf ihr stehen, herabgekommen, verknüpft mit dem Gedanken an alles, was groß und heilig ist. Dennoch habe ich den Gottlosen von ihr kommen und gehen sehen. Ach, wenn es einen verhärteten Sünder gibt, so ist es der Mann, der sündigt und auf der Kanzel steht. Wir haben von einem Mann gehört, der in den abscheulichsten Sünden lebte und zuletzt entdeckt wurde; und dennoch ist die Unreinheit der Menschen so groß, daß sie sich um die Bestie drängten, als er wieder den Leuten zu predigen begann, bloß, um zu hören, was er zu ihnen sagen würde. Wir haben auch Fälle gekannt, in denen Männer, die ihrer Verbrechen völlig überführt waren, ohne Erröten fortfuhren, ein Evangelium zu verkünden, das ihr Leben verleugnete. Und vielleicht sind dies die härtesten Sünder, mit denen man verhandeln kann. Aber wenn das Kleid einmal verunreinigt ist, dann weg mit allen Gedanken an die Kanzel! Der muß rein sein, der am Altare dient. Jeder Christ muß heilig sein, aber der am heiligsten von allen, der sucht seinem Gott zu dienen.

Doch müssen wir mit Trauern sagen, die Gemeinde Gottes hat dann und wann eine Sonne gehabt, die schwarz war anstatt weiß, und einen Mond, der ein Blutklumpen war, anstatt voll Schönheit zu sein. Glücklich die Gemeinde, wenn Gott ihr heilige Prediger gibt; aber unglücklich die Gemeinde, wo gottlose Menschen den Vorsitz führen. Ich kenne noch heute Prediger, die mit der Kunst des Angelns besser bekannt sind als mit den Kapiteln der Bibel; mehr vom Fuchsjagen als vom Jagen nach Menschenseelen wissen, die sehr viel mehr von dem Bug und dem Netz verstehen als von dem Netz, in dem die Seelen gefangen werden oder von den ernsten Ermahnungen an die Menschen, dem zukünftigen Zorn zu entfliehen. Wir kennen solche sogar jetzt noch; lärmend bei der Tischgesellschaft des Gutsherrn, die Lautesten beim Toasten und Anstoßen der Gläser, die Mächtigsten der Mächtigen unter den Lustigen, den Wilden, den Liederlichen. Schade um die Gemeinde, die das noch erlaubt! Glücklich der Tag, wenn die Kanzel von allen solchen gereinigt wird; dann soll sie dastehen „schön wie der Mond, auserwählt wie die Sonne und schrecklich wie die Heeresspitzen.“ „Ich habe den Gottlosen kommen und gehen sehen von der heiligen Stätte.“

II.

Und nun gehen wir zu seinem Begräbnis. Ich wünsche, daß ihr demselben beiwohnt. Ihr braucht es nicht genau zu nehmen mit dem Flor um den Hut oder den Trauergewändern. Es macht dem Elenden, den wir begraben wollen, nichts aus. Äußere Zeichen der Trauer sind nicht so sehr nötig, denn er wird selbst in der Stadt vergessen werden, wo er gelebt hat, deshalb brauchen wir nicht eben sorgfältig um ihn zu trauern. Laßt uns zuerst zum Leichenbegängnis gehen und das äußere Zeremoniell betrachten. Wir wollen ein oder zwei Fälle annehmen. Dort ist ein Mann, der von der heiligen Stätte gekommen und gegangen ist. Er hat sein christliches Bekenntnis sehr ausposaunt. Er ist ein Kreisbeamter gewesen. Nun, seht ihr, was für ein Umstand mit seinen armen Gebeinen gemacht wird: Da ist der Leichenwagen mit Federbüschen verziert, und es folgt eine lange Reihe von Kutschen. Die Landleute starren diesen langen Zug von Wagen, der da kommt, an, um einem armen Wurm zu seiner Ruhestätte zu folgen. Was für eine Verschwendung! Was für eine Großartigkeit! Seht, wie das Gotteshaus schwarz verhangen ist. Es scheint tiefe Trauer um diesen Mann zu herrschen. Wollt ihr nur eben eine Minute darüber nachdenken und fragen: wen betrauern sie? Einen Heuchler! Für wen ist all dieser Pomp? Für einen, der ein Gottloser war; ein Mann, der Anspruch auf Religiosität machte; ein Mann, der andere richtete, der sich selber verurteilt haben sollte. Dieser ganze Aufwand gilt faulender Erde, und was ist es mehr oder besser als das? Wenn ein solcher Mann stirbt, sollte er da nicht wie ein Esel begraben werden? Laßt ihn aus den Toren der Stadt gezogen und geschleppt werden. Was hat er mit dem Pomp zu tun? An der Spitze des Trauerzuges ist Beelzebub, der die Prozession anführt und sich mit einem Blinzeln und einem Seitenblick boshafter Freude umsieht und sagt: „Hier ist ein schöner Aufzug, mit dem eine Seele zur Hölle geführt wird!“ Ah! Federbüsche und Leichenwagen für den Mann, der zu seiner letzten Stätte in Tophel geleitet wird! Eine Reihe von Kutschen, einem Manne Ehre anzutun, den Gott im Leben und im Tode verflucht hat; denn die Hoffnung des Heuchlers ist stets verflucht. Und eine Glocke läutet, und der Geistliche liest das Begräbnisformular und begräbt den Mann „in sicherer und gewisser Hoffnung.“ O, was für ein Gelächter tönt herauf von einem Ort, ein wenig tiefer als das Grab! „In sicherer und gewisser Hoffnung,“ sagt Satan, „Ha! Ha! Eure sichere und gewisse Hoffnung ist in der Tat Dummheit. Vertraue einer Seifenblase und hoffe zu den Sternen zu fliegen; vertraue den wilden Winden, daß sie dich sicher zum Himmel führen werden, aber traue einer solchen Hoffnung wie dieser, und du bist in der Tat ein Wahnsinniger.“ O, wenn wir recht richteten, wenn ein Heuchler stirbt, dann würden wir ihm keine Ehre antun. Wenn Menschen nur ein wenig tiefer als die Haut sehen könnten und die Gedanken des Herzens lesen, so würden sie nicht diese große, schwarze Lüge in Schutz nehmen und eine lange Reihe von Kutschen durch die Straße führen; sie würden sagen: „Nein, der Mann war zu nichts gut, er war die äußere Haut ohne das Leben; er behauptete zu sein, was er nicht war; er führte das verächtliche Leben eines Betrügers; laßt ihn gar kein Begräbnis haben, laßt ihn hingeworfen werden wie ein ekelhaftes Aas, denn das ist alles, was er ist.“

Ah, wenn ein gottseliger Mann stirbt, mögt ihr Wehklagen über ihn erheben. Ihn mögt ihr wohl mit feierlichem Aufzug zu seinem Grabe tragen, denn es ist ein Wohlgeruch in seinen Gebeinen, es ist ein süßer Duft an ihm, an dem selbst Gott Wohlgefallen hat, denn „der Tod seiner Heiligen ist wert gehalten vor dem Herrn.“ Aber der vergoldete Heuchler, der übertünchte Betrüger, der aufgeputzte Wolf in Schafsfell - hinweg mit dem Glanz! Warum sollten die Menschen ihn beweinen? Sie tun es doch nicht; warum sollten sie sich so stellen, als wenn sie es täten und den äußeren Schein des Kummers annehmen, wenn sie keinen fühlen?

Aber ich habe den Gottlosen auch in einer stilleren Weise begraben sehen. Er wird stille zu seinem Grabe geführt, mit so wenig Pomp wie möglich, und mit allem Anstand und aller Feierlichkeit in die Gruft gelegt. Und nun hört dem Prediger zu. Wenn er ein Mann Gottes ist, so hört ihr, wenn er einen solchen Mann begräbt, wie er begraben werden sollte, nicht ein einziges Wort über den Charakter des Verstorbenen; ihr hört durchaus nichts von der Hoffnung auf ein ewiges Leben. Er wird in sein Grab gelegt. Der Prediger erinnert sich wohl, wie er „kam und ging von der heiligen Stätte“; er denkt wohl daran, wie er in seinem Stuhl zu sitzen und die Predigt anzuhören pflegte. Und dort ist eine, die weint; und der Prediger steht da und weint auch bei dem Gedanken, wie seine ganze Arbeit verloren und einer seiner Hörer umgekommen ist, und das ohne jede Hoffnung. Aber beachtet, wie vorsichtig er spricht, selbst zu der Gattin. Er möchte ihr alle Hoffnung geben, die er könnte, - arme Witwe, die sie ist, - und er spricht sehr sanft. Sie sagt: „Ich hoffe, mein Mann ist im Himmel.“ Er schweigt; er ist sehr still; wenn er teilnehmender Natur ist, so wird er still sein. Und wenn er von dem Verstorbenen in der nächsten Sonntagspredigt spricht, falls er ihn überhaupt erwähnt, so redet er von ihm als von einem zweifelhaften Fall; er braucht ihn mehr als ein Warnungszeichen denn als ein Beispiel, und sagt anderen, sie sollten sich hüten, ihre Gelegenheiten unbenutzt vorübergehen und die goldenen Stunden ihrer Sonntage nicht unbeachtet verfließen zu lassen.

„Ich habe Gottlose begraben sehen, die kamen und gingen von heiliger Stätte.“ Jenes pomphafte Leichenbegängnis war lächerlich. Ein Mensch könnte wohl lachen über die Torheit, einen Mann zu ehren, der verdiente, daß man ihm Unehre erzeigte, aber jenes stille, schweigende, wahrhafte Begräbnis, wie traurig ist das! Aber Brüder, im Grunde sollten wir uns sehr in dem Licht unseres Begräbnisses beurteilen. Das ist die Weise, wie wir über andere Dinge urteilen. Blickt morgen auf eure Felder. Da ist der prunkende Mohn, und dort nahe bei der Hecke sind viele Blumen, die ihre Häupter zur Sonne erheben. Wenn ihr sie nach den Blättern beurteilt, mögt ihr sie dem unscheinbaren Weizen vorziehen. Aber wartet bis zum Begräbnis, wenn der Mohn gesammelt und das Unkraut in ein Bündel gebunden wird zum Verbrennen - zu einem Haufen auf dem Feld zusammengeworfen, um vom Feuer verzehrt und zum Dung für den Boden gemacht zu werden.

Aber seht das Begräbnis des Weizens. Was für ein prachtvolles Begräbnis hat die Weizengarbe! Ein Erntelied wird gesungen, wenn sie in die Scheune gebracht ist, denn sie ist etwas Köstliches. So möge jeder von uns leben in der Betrachtung, daß wir sterben müssen. O, ich möchte so leben, daß, wenn ich diese sterbliche Hülle verlasse, die Menschen sagen: „Es ist einer dahin gegangen, der die Welt besser zu machen suchte. Wie wenig verfeinert seine Bemühungen auch gewesen sein mögen, er war ein ehrlicher Mann; er suchte Gott zu dienen, und da liegt er, der das Antlitz der Menschen nicht fürchtete.“ Ich möchte, jeder Christ versuchte, ein Begräbnis zu gewinnen, wie dies, ein Begräbnis, wie das des Stephanus: „Es beschickten ihn aber gottesfürchtige Männer und hielten eine große Klage über ihn.“

Ich erinnere mich des Begräbnisses eines Predigers - ich war dabei. Viele Prediger des Evangeliums gingen hinter dem Sarge her, ihrem Bruder die letzte Ehre zu erweisen, und dann kam eine lange Reihe von Gemeindegliedern, alle weinend, als wenn sie ihren Vater verloren hätten. Und ich erinnere mich der ernsten Predigt, die in der ganz schwarz verhangenen Kapelle gehalten wurde, und wie wir alle weinten, weil ein Großer in Israel an dem Tage gefallen war. Wir fühlten, daß ein Fürst von uns genommen sei, und wir alle sprachen wie der Diener des Elia: „Mein Vater, mein Vater, Wagen Israels und seine Reiter.“

Aber ich habe die Gottlosen begraben sehen, die von der heiligen Stätte kamen und gingen, und ich sah nichts derartiges. Ich sah eine flackernde Art von Trauer gleich dem Ersterben eines Dochtes, der fast verzehrt ist. Ich sah, daß diejenigen, die der Leiche einen anständigen Respekt zollten, es um der Witwe und der Hinterlassenen willen taten; aber wenn sie mit der Leiche hätten tun können, wie ihre Natur ihnen zu gebieten schien, daß sie mit ihm hätten verfahren müssen, während er noch am Leben war, so würden sie gesagt haben: „Laßt ihn in der Nacht begraben werden, laßt ihn irgendeinen unheiligen Winkel auf dem Kirchhof haben, wo die Nesseln lange gewachsen sind; laßt den Frosch über seinem Grab quaken; laßt die Eule über seiner Gruft ihre Wohnung nehmen, sie die ganze Nacht hindurch kreischen, denn er verdient, daß ihm nachgeschrien werde; laßt keinen Lorbeer und keine Zypresse auf seinem Grab wachsen und laßt keine Rose sich als eine liebliche Laube um den Platz schlingen, wo er schläft, laßt keine Primel und keine Maililie das Grab schmücken, das ihn bedeckt; dort laßt ihn liegen; laßt nicht den grünen Rasen wachsen, sondern laßt den Platz verflucht sein, wo der Heuchler schläft, denn er verdient es, und so laßt es sein.“ „Ich habe die Gottlosen begraben sehen, die gekommen und gegangen sind von der heiligen Stätte.“

Aber hier folgt noch eine traurige Ruhe. Wenn wir ein wenig tiefer blicken als auf das bloße Zeremoniell des Begräbnisses, dann werden wir sehen, daß sehr viel mehr in den Särgen einiger Leute ist als ihre Leichname. Als der alte Robert Flockart vor ein paar Wochen in Edinburgh begraben wurde, wurde er begraben, wie ein christlicher Prediger es nach meiner Meinung werden sollte, denn seine alte Bibel und sein Gesangbuch wurden oben auf den Sarg gelegt. Wäre er ein Kriegsmann gewesen, so glaube ich, hätte man sein Schwert darauf gelegt; aber er war ein christlicher Kriegsmann, und deshalb begrub man ihn mit seiner Bibel und seinem Gesangbuch als seinen Trophäen. Es war gut, daß eine solche Trophäe auf dem Sarg war; aber es ist sehr viel, wie ich gesagt habe, in den Särgen einiger Leute. Wenn wir Augen hätten, um Unsichtbares zu sehen, und dann den Sargdeckel des Heuchlers aufbrechen könnten, so würden wir darin sehr viel sehen. Da liegen alle seine Hoffnungen Der Gottlose mag von der heiligen Stätte kommen und gehen, aber er hat keine Hoffnung, errettet zu werden. Er meinte, weil er die heilige Stätte regelmäßig besuchte, deshalb sei er gesichert für die andere Welt. Da liegen seine Hoffnungen, sie sind mit ihm begraben. Von allen schrecklichen Dingen, auf die ein Mensch blicken kann, ist das Antlitz einer toten Hoffnung das entsetzlichste.

Ein totes Kind ist ein tiefer Schmerz für das Herz der Mutter; eine tote Gattin oder ein toter Gatte muß für die Hinterbliebenen sehr schmerzhaft sein; aber ein Sarg voll von toten Hoffnungen - saht ihr je eine solche Last von Elend zu Grabe getragen wie diese? In dasselbe Leichentuch eingehüllt liegen da alle seine toten Ansprüche. Als er hier war, machte er den Anspruch, respektabel zu sein, hier liegt sein Respekt, er soll auf immer ausgezischt und eine Schmach sein. Er machte den Anspruch, geheiligt zu sein, aber die Maske ist jetzt entfernt, und er steht in all seiner angeborenen Schwärze da. Er machte Anspruch darauf, Gottes Erwählter zu sein, aber seine Erwählung erweist sich jetzt als seine Verwerfung. Er meinte, in des Heilandes Gerechtigkeit gekleidet zu sein, aber er findet, daß er sich selbst rechtfertigte: Christus hat ihm nie seine zugerechnete Gerechtigkeit gegeben. Und so schläft er. Die Zunge, die einst so gut von der Gottseligkeit schwatzte, ist nun still. Jenes heuchlerische Auge, das einst von dem vorgeblichen Feuer der Freude funkelte - es ist alles jetzt dunkel, dunkel. Jenes Gehirn, das an Erfindungen dachte, um zu täuschen - der Wurm soll sich davon nähren. Und jenes sein Herz, das einst unter Rippen schlug, die kaum dick genug waren, das Durchscheinen seiner Heuchelei zu hindern, soll jetzt von Dämonen verzehrt werden. Es sind tote Ansprüche in diesem verwesenden Gerippe und tote Hoffnungen. Aber es ist eins, das mit ihm in seinem Sarge schläft, auf das er seines Herzens Wunsch gerichtet hatte. Er wünschte bekannt zu sein, noch nachdem er dahingegangen ist. Er dachte, wenn er aus diesem Leben abgeschieden sei, so würde sein Name gewiß auf die Nachwelt kommen und in Erinnerung bleiben. Nun lest den Text: „Und sie waren vergessen in der Stadt, wo sie so getan hatten.“ Da ist seine Hoffnung auf Ruhm.

Jeder Mensch möchte gern ein wenig länger leben, als sein Leben dauert - Engländer besonders - denn es ist schwerlich ein Fels in ganz England zu finden, auf den kaum eine Ziege klettern kann, wo man nicht die Anfangsbuchstaben der Namen von Menschen findet, die niemals ein andere Weise hatten, Nachruhm zu erlangen, und deshalb dachten sie, sie wollten ihre Namen dort eingraben. Geht, wohin ihr wollt, ihr werdet finden, daß die Menschen den Versuch machen, bekannt zu werden; und dies ist der Grund, warum viele Leute in den Zeitungen schreiben, denn sonst würden sie nie bekannt werden. Hundert kleine Erfindungen haben wir alle, um unsere Namen noch zu erhalten, wenn wir tot sind. Aber für den Gottlosen ist es alles vergeblich; er soll vergessen werden. Er hat nichts getan, weshalb jemand sein Andenken bewahren sollte. Fragt die Armen: „Gedenkt ihr des N. N.?“ „Ein harter Herr, sehr hart. Er knapste uns stets so viel wie möglich ab: wir wollen nicht an ihn denken.“ Ihre Kinder werden seinen Namen nicht hören; sie werden ihn ganz vergessen. Fragt die Gemeinde: „Erinnert ihr euch an N. N.? Er war Mitglied.“ „Nun,“ sagt einer, „ich erinnere mich seiner wohl, sein Name stand in unseren Büchern, aber wir hatten nie sein Herz. Er pflegte zu kommen und zu gehen, aber ich konnte nie mit ihm reden. Es war nichts Geistliches in ihm. Es war sehr viel tönendes Glockenmetall und Erz, aber kein Gold. Ich konnte nie entdecken, daß er die Hauptsache hatte.“ Niemand denkt an ihn und er wird bald vergessen. Die Kapelle wird alt, eine andere Gemeinde versammelt sich in ihr, und sie sprechen von den alten Diakonen, die dazusein pflegten, die gute und heilige Männer waren, und von der alten Dame, die so ungemein hilfreich war im Besuchen der Kranken; von dem jungen Mann, der aus der Gemeinde kam und mit so vielem Eifer der Sache Gottes diente. Aber ihr hört nie seinen Namen nennen; er ist ganz vergessen. Als er starb, wurde sein Name aus den Büchern gestrichen; es wurde angezeigt, daß er tot sei und alle Erinnerung an ihn starb mit ihm.

Ich habe oft beobachtet, wie bald böse Dinge sterben, wenn der Mann stirbt, von dem sie herrührten. Seht auf Voltaires Philosophie; bei all dem Aufsehen, das sie zu ihrer Zeit machte - wo ist sie jetzt? Es ist noch gerade ein klein wenig davon übrig, aber es scheint mit ihr vorbei zu sein. Und da war Thomas Paine, der sein Bestes tat, um seinen Namen in Buchstaben der Verdammnis zu schreiben, und man sollte meinen, seiner würde noch gedacht werden. Aber wer kümmert sich jetzt um ihn? Ausgenommen von einigen wenigen, hier und da, ist sein Name vergessen. Und all die Namen von Irrtümern, Ketzereien und Spaltungen, wohin gehen sie? Ihr hört von Augustinus bis auf diesen Tag, aber ihr hört nichts von den Ketzereien, die er bekämpfte. Jedermann weiß von Athanasius und wie er die Gottheit des Herrn Jesu Christi verteidigte; aber das Leben des Arius haben wir fast vergessen und denken kaum an die Männer, die ihn in seiner Torheit unterstützten und sie unterstützten. Schlechte Menschen sterben rasch aus, denn die Welt fühlt, daß es etwas Gutes ist; sie los zu werden; sie sind nicht des Gedächtnisses wert. Aber der Tod eines guten Mannes, des Mannes, der aufrichtig Christ war - wie anders ist der! Und wenn ihr den Leichnam eines Heiligen seht, der Gott mit all seiner Kraft gedient hat, wie lieblich ist es, ihn anzublicken - ah, und auch auf seinen Sarg zu blicken, oder auf sein Grab in späteren Jahren! Geht nach Bunhillfields und stellt euch neben das Denkmal von John Bunyan, und ihr werdet sagen: „Ah! da liegt der Kopf, dessen Gehirn jenen wunderbaren Traum von des Pilgers Reise aus der Stadt des Verderbens zu dem besseren Land ersann. Da liegt der Finger, der jene wundervollen Zeilen schrieb, die die Geschichte dessen beschrieben, der endlich das Beulah-Land erreichte und durch die Flut watete und in die himmlische Stadt einging. Und hier sind die Augenlider, von denen er einst sprach, als er sagte: „Wenn ich im Gefängnis liege, bis das Moos auf meinen Augenlidern wächst, so will ich nie versprechen, daß ich vom Predigen ablassen will.“ Und da ist das kühne Auge, das den Richter durchdrang, als er sagte: „Wenn Sie mich heute aus dem Gefängnis lassen, so will ich mit Gottes Hilfe morgen wieder predigen.“ Und da liegt die liebevolle Hand, die stets bereit war, alle, die den Herrn Jesus Christus lieb hatten, in die Gemeinschaft aufzunehmen; ich liebe die Hand, die das Buch schrieb: „Die Wassertaufe keine Schranke für christliche Gemeinschaft.“ Ich liebe ihn schon allein deshalb, und wenn er nichts anderes geschrieben hätte, so würde ich sagen: „John Bunyan, sei geehrt auf immerdar.“ Und da liegt der Fuß, der ihn Snow Hill hinauftrug, um Friede zwischen einem Vater und seinem Sohn zu machen, an jenem kalten Tag, der ihm sein Leben kostete. Friede seiner Asche! Warte, o, John Bunyan, bis dein Herr seinen Engel sendet, die Posaune zu blasen, und mir scheint, wenn der Erzengel sie bläst, so wird er beinahe an dich denken, und es wird ein Teil seiner Freude sein, daß der ehrliche John Bunyan, der größte aller Engländer, aus seinem Grabe bei dem Schall jener großen Posaune auferstehen soll.“

Ihr könnt das nicht von den Gottlosen sagen. Was ist der Leichnam eines Gottlosen, als ein Stück widriger Verwesung? Legt es weg und dankt Gott, daß es Würmer gibt, so etwas zu verzehren, und dankt Gott noch mehr, daß es einen Wurm gibt, Zeit genannt, der den bösen Einfluß und das verfluchte Andenken verzehrt, das solch ein Mann zurück läßt. „Das alles habe ich gesehen, und gab mein Herz auf alle Werke, die unter der Sonne geschehen.“

III.

Wir sollen seine Grabschrift schreiben; und seine Grabschrift ist in kurzen Worten: „Das ist auch eitel.“ Und in ein paar Worten will ich mich bemühen, zu zeigen, daß es eitel für einen Mann ist, zu kommen und zu gehen von dem Haus Gottes und doch keine wahre Religion zu haben. Wenn ich mich entschlossen hätte, Gott zu hassen, gegen Ihn zu sündigen und zuletzt verloren zu gehen, so würde ich es gründlich tun. Wenn ich beschlossen hätte, verdammt zu werden, die möglichen Fälle erwogen und zu der Entscheidung gekommen, daß es besser sei, auf ewig verworfen zu werden, so weiß ich, daß es eins gibt, was ich nicht tun würde, ich würde nicht ins Gotteshaus gehen. Wenn ich entschlossen bin, verloren zu gehen, was nützt es dann, dahin zu gehen, um geplagt zu werden? Denn wenn der Prediger ein treuer Mann ist, so wird er mein Gewissen treffen und mich aufwecken. Wenn ich mich entschieden und bestimmt habe, verloren zu gehen, laßt mich so bequem wie möglich zur Hölle gehen; wozu ist es nötig, daß mein Gewissen getroffen und dieser Stein mir in den Weg gelegt wird, um mich abzuhalten, dahin zu gehen?

Außerdem meine ich, daß, wenn ein Mensch keine Liebe für das Gotteshaus hat und es regelmäßig besucht, weil er meint, es sei einmal so Sitte, dies eine der erbärmlichsten Plackereien ist, die es gibt. Wenn ich nicht das Haus Gottes lieb hätte, würde ich nicht dahin gehen. Wenn es nicht meine Freude wäre, in dem Heiligtum Gottes zu sein, sein Lob zu singen und sein Wort zu hören, so würde ich wegbleiben. Zweimal am Sonntage zur Kapelle gehen, sitzen, wie Gottes Kinder sitzen, aufstehen, wenn sie aufstehen und singen, was du nicht empfindest; hören, was dein Gewissen trifft, Verheißungen lesen hören, die nicht dein eigen sind, von einem Himmel hören, der nicht der deinige ist, mit einer Hölle erschreckt werden, die auf ewig dein sein soll - nun, der Mensch ist ein geborener Narr, der zu dem Haus Gottes geht, es sei denn, daß er einen Anteil daran erhalten hat. Wir mögen ihn loben, daß er hingeht; es ist vielleicht anständig und recht es zu tun; aber ich meine, es ist eine unerträgliche Plackerei, immer zum Gotteshaus zu gehen, wenn einer beschlossen hat, verloren zu sein.

Nun, auf dieses Mannes Grab muß zuletzt geschrieben werden: „Da liegt ein Mann, der Gott nicht dienen wollte, aber nicht Mut genug hatte, Gott zu widerstehen. Da liegt ein Mann, so albern, daß er vorgab, religiös zu sein und so gottlos war, daß er als Heuchler in seinem Vorgeben lebte. Wie? obwohl ihr die Gottlosigkeit eines Gottlosen als ein furchtbares Verbrechen beklagen müßt, so muß doch noch eine Art von Respekt dem Manne gezollt werden, der gerade und ehrlich darin ist; aber nicht ein Atom von Respekt verdient der Mann, der ein Frömmler und Heuchler sein will. Er wünscht, wenn er kann, gerade zuletzt noch seinen Hals zu retten; gerade genug zu tun, wie er meint, damit er frei davon kommt, wenn es mit ihm zum Sterben geht; genug, um sein Gewissen zu beruhigen, genug, um respektabel zu scheinen; genug, wie er meint, ihm, wenn er stirbt, eine Möglichkeit zu geben, in den Himmel zu kommen, wenn auch nur mit knapper Not.

Ach, armes Geschöpf! Wohl mögen wir über ihm schreiben: „Das ist auch eitel!“ Aber, Mensch, du wirst mehr ausgelacht werden wegen deiner Ansprüche, als wenn du keine gemacht hättest. Nachdem du behauptet hast, religiös zu sein und dich stelltest, als wenn du so lebtest, so wirst du mehr Hohn empfangen, als wenn du deine wahren Farben gezeigt und gesprochen hättest: „Wer ist der Herr, daß ich Ihn fürchten sollte? Wer ist Jahwe, daß ich seiner Stimme gehorchen sollte?“

Und nun, sind einige hier, die so gottlos sind, den ewigen Zorn zu wählen? Habe ich einige hier, die so betört sind, daß sie das Verderben wählen? Ja, ja, viele; denn wenn du, mein Hörer, heute die Sünde wählst, wenn du Selbstgerechtigkeit wählst, wenn du Stolz, sinnliche Genüsse oder die Vergnügungen der Welt wählst; gedenke daran, du wählst die Verdammnis, denn die zwei Dinge können nicht anders als zusammen gehen. Sünde ist die Schuld, und die Hölle ist das Brot darunter. Wenn du Sünde wählst, so hast du in Wirklichkeit Verderben gewählt. Denke daran, ich bitte dich.

„Wach' auf, o Mensch, vom Sündenschlaf!
Ermuntre dich, verlornes Schaf,
Und bess're bald dein Leben!
Wach' auf! es ist wohl hohe Zeit,
Es kommt heran die Ewigkeit,
Dir deinen Lohn zu geben.“

Möge der Herr euch zu Jesus Christus führen, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist! Und wenn ihr begraben werdet, mögt ihr mit dem Gerechten begraben werden, und möge euer letztes Ende wie das seinige sein!

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