Spurgeon, Charles Haddon - Der Löwenüberwinder, der Riesentöter

Sowohl den Löwen als auch den Bären hat dein Knecht erschlagen; und dieser Philister, dieser Unbeschnittene, soll sein wie einer von ihnen, weil er die Schlachtreihen des lebendigen Gottes verhöhnt hat! Und David sprach: Jahwe, der mich aus den Klauen des Löwen und aus den Klauen des Bären errettet hat, er wird mich aus der Hand dieses Philisters erretten. Und Saul sprach zu David: Gehe hin, und Jahwe sei mit dir!
1. Sam. 17,36-37

Wir Alle haben den Mut Davids bei seinem Zusammentreffen mit dem Philister sehr hoch gestellt, aber wahrscheinlich haben wir ihm sein Verhalten in einem Streit, der diesem vorherging, nicht so hoch angerechnet. Wir haben nicht genug beachtet, daß er unmittelbar vor dem Kampf mit dem Philister ein Gefecht hatte, das ihn viel mehr Nachdenken, Klugheit und Geduld kostete. Das Wortgefecht, das er mit seinen Brüdern und mit dem König Saul bestand, war eine viel härtere Probe für ihn, als in der Kraft des Herrn hinzugehen und den unbeschnittenen Prahler zu schlagen. Manchem Menschen machen seine Freunde mehr zu schaffen, als seine Feinde; und wenn er gelernt hat, den niederdrückenden Einfluß kluger Freunde zu überwinden, so wird er leicht mit dem Widerstand offenkundiger Gegner fertig.

Bemerkt, daß David zuerst mit seinen eignen Brüdern zu streiten hatte. Ich denke mir, Eliab schätzte seinen jüngeren Bruder zu gering, um ihn zu beneiden; er fand es lächerlich, daß ein Jüngling, welcher der Musik, der Frömmigkeit und stillen Beschäftigungen sich widmete, von einem Zweikampf mit dem Riesen träumte. Eliab verspottete die Idee, daß er solchen Aufgabe gewachsen sein sollte, und fürchtete nur, daß er in einem Augenblicke törichter Begeisterung sein Leben bei dem wahnsinnigen Unternehmen aufs Spiel setzen würde; und deshalb tadelte er ihn in einer etwas gebieterischen Weise, aber doch in einem Geiste, welcher einem älteren Bruder natürlich ist, der sich als eine Art Vormund für die jüngeren Glieder des Hauses fühlt, und sagte ihm, daß nur Vermessenheit und Neugier ihn hierher gebracht und daß er besser getan, bei seinen Schafen in der Wüste zu bleiben. Solch ein Jüngling, dachte er, wäre passender unter Lämmern als unter Kriegern, und wahrscheinlich unter einem Baume mit seiner Hirtenpfeife mehr am Platze, als in der Mitte einer Schlacht. David verhielt sich bei dieser Anklage sehr weise: er erwiderte einige sanfte Worte und wandte sich dann weg. Er fuhr nicht fort, mit ihm zu rechten, denn in solchem Streite mehr Worte machen, heißt das Übelwollen vermehren, und wer zuerst schweigt, ist der Sieger. Großartig war die Zurückhaltung, die der junge Mann sich auferlegte, obgleich er schwer gereizt ward und darin gewann er die Ehre des Mannes, der seines Mutes Herr ist und „besser ist, denn der Städte gewinnt.“ Ich bewundere David, wenn er seine fünf glatten Steine aus dem Bache erwählt, aber ich bewundere ihn ganz eben so sehr, wenn er so sanft antwortet, wo Andere hätten zornig werden können und dann so weise sich von einer Erörterung abwendet, die beiden Teilen keinen Nutzen bringen konnte.

Darauf wird David vor Saul gebracht und geht in einen Streit ein mit einem König, vor dem er loyale Ehrfurcht hatte, und mit einem Soldaten, der von Jugend auf ein Kriegsmann gewesen war und manche berühmte Taten vollbracht, einer zu dem David deshalb mit nicht geringer Ehrerbietung hinaufschaute. Als der König Saul zu ihm sprach: „Du kannst nicht hingehen wider diesen Philister, mit ihm zu streiten; denn du bist ein Knabe, dieser aber ist ein Kriegsmann von seiner Jugend auf,“ da muß es etwas schwierig für den jungen Helden gewesen sein, dem gewichtigen Urteil entgegenzutreten; und doch tat er es, und antwortete demütig, kräftig und in jeder Hinsicht gut. Achtetet ihr darauf, daß David sagte: „Es entfalle keinem Menschen das Herz um deswillen.“ Er sagte nicht: „Es entfalle dir nicht das Herz um deswillen;“ dazu war er zu sehr Hofmann, er hatte zu viel Zartheit des Gefühls um anzudeuten, daß ein königliches Herz sich fürchten könnte. Als er sich auf eine Erörterung mit dem König einließ, geschah es in der höflichsten und ehrerbietigsten Weise. Er beginnt: „Dein Knecht hütete die Schafe seines Vaters;“ er nennt ich einen Knecht des Königs und hat kein Bedenken, einzugestehen, daß er nur ein Hirte ist, der keine eigne Herde hat, sondern seinem Vater dient. Da war nichts, was wie Vermessenheit aussah, sondern das gerade Gegenteil. Doch, während er sanfte Worte brauchte, brachte er starke Beweise vor; er führte Tatsachen an, und diese sind immer die besten Waffen gegen fleischliche Vernunftgründe. Saul sprach: „Du kannst nicht hingehen, mit diesem Philister zu streiten;“ aber David erwiderte: „Dein Knecht hat geschlagen beide, den Löwen und den Bären.“ Er stellte Tatsachen den bloßen Meinungen gegenüber und behielt das Feld. Er zitierte keine Schriftstellen vor den König, denn ich denke, dazu kannte er den Saul zu gut und fühlte, daß nicht Gnade genug in ihm war, um sich von den Verheißungen und Beispielen der heiligen Schrift bewegen zu lassen, sondern er führte ihm Tatsachen vor, und verstand es gut, einen Grund zu geben für die „Hoffnung, die in ihm war, und das mit Sanftmütigkeit und Furcht.“ Seine Beweisgründe überwanden gänzlich den Widerstand Sauls, der die Begeisterung Vieler gedämpft haben würde, und Saul beauftragte ihn nicht nur damit, hinzugehen und mit dem Philister zu streiten, indem er sprach: „Gehe hin, der Herr sei mit dir,“ sondern er legte ihm sogar seine königliche Rüstung an, die von nicht geringem Werte war und natürlich den Ruhm des Philisters noch vergrößert hätte, wenn David von seiner Hand gefallen wäre. Ein klein wenig Glaube an David war in Sauls Busen erweckt und er war Willens, ihm seine Rüstung anzuvertrauen. So ist es klar, daß David den Streit mit Saul eben so bewundernswürdig führte, als er nachher den Zweikampf mit dem Riesen bestand, und er verdient dafür nicht wenig Ehre; nein, Ehre sei Gott, der, während er die Hand seines Knechtes kämpfen lehrte und seine Finger zu fechten, auch seine Zunge lehrte, richtige Worte zu sprechen, durch welche er diejenigen zum Schweigen brachte, die ihn in Verwirrung bringen wollten.

Was war der Nerv seines Beweises? Welches waren die fünf glatten Steine, die er an das Haupt der fleischlichen Vernunft warf? Dies soll der Gegenstand unsrer Predigt heut Morgen sein. Wir wollen die Art betrachten, wie David alle Zweifel und Befürchtungen widerlegte und von dem Geiste Gottes gestählt ward, so daß er hinging zu Taten heiliger Kühnheit im Namen des Allerhöchsten, denn dieselben sieghaften Beweisgründe mögen auch uns vielleicht zustatten kommen.

Drei Dinge liegen uns im Texte vor: Erinnerungen, Folgerungen und Folgen.

I.

Zuerst, Erinnerungen. „Dein Knecht hütete die Schafe seines Vaters und es kam ein Löwe und ein Bär, und trug ein Schaf weg von der Herde. Und ich lief ihm nach, und schlug ihn und errettete es aus seinem Maul. Und da er sich über mich machte, ergriff ich ihn bei seinem Bart und schlug ihn und tötete ihn. also hat dein Knecht geschlagen beide, den Bären und den Löwen.“ Dies waren bemerkenswerte Tatsachen, die David in seinem Gedächtnis aufbewahrt hatte, und er erzählt sie jetzt, denn sie entsprachen seinem Zweck genau. Wir sollen nicht den Weg vergessen, den Gott uns geführt hat, denn dadurch werden wir Vieles verlieren. Einige Heilige haben ein sehr schlechtes Gedächtnis. Man hat mit Recht gesagt, daß wir unsere Wohltaten in den Staub schreiben und unsre Bedingungen auf Marmor, und es ist ebenso wahr, das wir gewöhnlich unsre Leiden auf Erz verzeichnen, während wir die Berichte von Gottes Errettungen auf Wasser schreiben. Es solle so nicht sein. Wenn unser Gedächtnis die gnädigen Heimsuchungen unsres Gottes fester hielte, so würde unser Glaube in Zeiten der Prüfung oft gestärkt werden. Nun, wessen erinnerte sich David, denn ich möchte, daß ihr euch des Gleichen erinnertet?

Er gedachte zuerst daran, daß was immer auch seine gegenwärtige Prüfung sei, er schon früher geprüft wäre, geprüft, als er, noch Jüngling, friedlich mit dem Hüten seiner Herde beschäftigt war. Ein Löwe stürzt sich auf seinen Raub und er hatte seine Schafe zu verteidigen: - keine kleine Prüfung das, für einen Jüngling, mit einer wilden Bestie zu fechten, die stark, grimmig und wahrscheinlich wütend vor Hunger war. Doch, er war in dieser Probe nicht umgekommen, und er war gewiß, in einer zweiten ähnlicher Art würde er es auch nicht. Er hatte diese Gefahr bestanden auf dem Wege der Pflicht, an dem ihm zugewiesenen Platze, in der Erfüllung eines erlaubten Berufes und hatte dadurch gelernt, daß der Pfad der Pflicht nicht ohne Schwierigkeiten und Gefahr ist. Er hütete seine Herde, wie es seine Schuldigkeit war, und doch griff ein Löwe ihn an; so haben wir, ihr und ich, Prüfungen zu bestehen gehabt, die nicht durch Sünde verursacht waren, sondern im Gegenteil uns trafen, weil wir gewissenhaft das Rechte taten und der Versuchung nicht nachgeben wollten. Wir müssen nicht denken, daß wir uns nicht auf dem rechten Wege befinden, wenn uns Hindernisse in den Weg kommen, denn wir müssen erwarten, durch viel Trübsal ins Reich Gottes einzugehen. Schwere Leiden, und Leiden, die aus heiligem Wandel entstehen, sind uns nichts Neues, laßt uns nur unsrer alten Kämpfe gedenken.

Er erinnerte sich ferner daran, daß er oft geprüft worden sei. Er war nicht bloß von einem Löwen angegriffen worden, sondern auch von einem Bären. Er war auf verschiedene Art geprüft, denn Löwen und Bären kämpfen nicht genau auf dieselbe Weise, und können nicht mit ganz gleicher Taktik überwunden werden. David gedachte daran, daß seine Prüfungen verschiedenartig gewesen und der Kampf in beiden Fällen ein harter. Es war kein Geringes, mit einem Löwen ins Handgemenge zu kommen, und kein Kinderspiel, ganz alleine über einen Bären herzufallen. Auch wir erinnern uns, wenn wir zurückblicken, manches harten Streites mit Feinden mancherlei Art, bei dem wir schwer zu kämpfen hatten. Brüder, unsrer Einige, die Jahre lang auf dem Wege des Herrn gewandelt haben, wissen von listigen, unvermuteten Angriffen des Feindes zu erzählen, und wir können von Wunden und häßlichen Hieben sprechen, davon wir die Narben bis auf diesen Tag tragen. Viele sind unsrer Gegner gewesen, und grimmige, doch hat Jesus, der Herzog unsrer Seligkeit, uns bis jetzt aufrecht gehaltne. Weshalb sollten wir denn „die Hitze, so uns begegnet, uns befremden lassen, als widerführe uns etwas Seltsames?“ Ist es ein Philister diesmal? Wohl, es war früher ein Löwe, und ein Bär bei einer andern Gelegenheit? Es ist nur eine kleine Veränderung derselben fortwährender Prüfung unsers Glaubens, und deshalb laßt uns vor dem Kampf nicht zurückbeben.

Dann erinnerte sich David daran, daß er Alles aufs Spiel gesetzt hatte in der Erfüllung seiner Pflicht. Es war ihm aufgegeben, für die Schafe und Lämmer zu sorgen und er tat es. Ein Löwe hatte es gewagt, zwischen die Herde zu springen und ein Lamm zu ergreifen, und ohne einen einzigen Gedanken an etwas Andres als das Lamm und seine eigne Pflicht warf sich der junge Hirte auf das Ungeheuer mit allem Feuer der Jugend, und indem er ihn mit seinem Hirtenstab schlug, zwang er ihn, seine Beute fahren zu lassen. Er hatte sein eignes Leben gewagt für das arme, wehrlose Lamm. Könnt ihr euch nicht daran erinnern, meine christlichen Brüder, wenn auch ihr mit keinem Gedanken an das dachtet, was ihr verlieren würdet, wenn ihr Christo folgtet und euch nicht daran kehrtet, ob es euch auch das Leben kostete? Mit ernster Aufrichtigkeit suchtet ihr darüber klar zu werden, was ihr tun solltet und tatet es, unbekümmert um die Kosten. Schmach, Verleumdung, Mißdeutung und Unfreundlichkeit, allem trotztet ihr, wenn ihr nur euer Gewissen rein erhalten und euren Herrn ehren konntet. O selige Sorglosigkeit! Erinnert ihr euch jener früheren Tage, als ihr freudig um Christi willen ins Gefängnis und in den Tod hättet gehen können? Für das, was in der Schrift gelehrt und als Gottes Ordnung eingesetzt ist, hättet ihr willig das Märtyrertum auf euch genommen. Vielleicht haben Einige von euch bei mehr als einer Gelegenheit wirklich Alles aufs Spiel gesetzt um der Lauterkeit des Charakters willen und für die Ehre des Herrn Jesu Christi, wie Andre der äußersten macht des Satans und dem giftigsten Hasse der Menschen getrotzt haben für den Herrn, den Gott Zebaoth. Ihr habt gefühlt, daß ihr lieber sterben wolltet, als die Wahrheit verleugnen, und eher vom Angesicht der Erde vertilgt werden, als feige das im Stich lassen, was der Herr euch anvertraut hat. Seht auf eure mutigen Tage zurück, meine Brüder, nicht damit ihr stolz seiet auf das, was ihr getan, sondern damit ihr euch schämt, wenn ihr bange seid, das Gleiche wieder zu tun. Errötet, wenn das, was ihr als Jünglinge tun konntet, für eure reiferen Jahre zu hart erscheinen sollte. Die Erinnerungen haben einen köstlichen Nutzen; sie werden uns dahin führen, Gott zu preisen und uns in seiner Gegenwart zu demütigen.

Dann erinnerte er sich auch daran, daß er bei jener Gelegenheit allein in den Streit gegangen sei. Der Gegner war ein Löwe und ein Dutzend Männer hätten vielleicht gefunden, ihrer seien zu wenig für einen solchen Kampf; aber David gedachte daran, daß er in jenem Kampf ganz allein war; er hatte nicht die Unterhirten zu Hilfe gerufen, sondern, nur mit seinem Hirtenstab bewaffnet, hatte er den Löwen bearbeitet, bis das Ungeheuer es zweckmäßig fand, seinen Raub zu lassen und sich gegen den jungen Hirten zu wenden. David war bereit für ihn, ergriff ihn bei seinem Bart, zerschmetterte seinen Kopf an den Felsen und ließ ihn nicht los, bis der König der Tiere tot zu seinen Füßen lag. Es war ein großes Ereignis, selbst wenn es allein gestanden hätte, aber im Kampf mit einem Bären hatte er sich eine eben so denkwürdige Siegestrophäe errungen. Einige von uns mögen sich wohl Stunden in ihrem verflossenen Leben zurückrufen, wo wir ganz allein waren, und als wir hingingen dem Herrn Jesu zu dienen, ward unser Unternehmen als ein phantastisches betrachtet und es ward davon gesprochen als von einem, das sicherlich mißlingen müßte. Mancher fromme Mann ist um Christi willen hingegangen, noch schlimmer als allein, denn die, welche ihm hätten helfen sollen, haben ihr Bestes getan, zu bekritteln und Unglück zu prophezeien, aber Männer, die Gott zu Ehren bestimmt hat, haben ihre Ohren der Kritik verschlossen und vorwärts gestrebt, bis es ihnen gelungen ist und dann hat Jedermann gesagt: „Ich habe es immer gedacht,“ und nicht Wenige haben behauptet, die ganze Zeit über warme Bewunderer gewesen zu sein. Bruder, erinnerst du dich, wie Jeder sagte, du seiest tollkühn und selbstgefällig, und der Weg, den du einschlügest, sei abgeschmackt und es würde sicher bald ein Ende damit nehmen? In sechs Monaten würde man das Ende deiner Laufbahn sehen, die eine bloße Seifenblase sei und bald zerfließen würde. Ah, das waren tapfere Zeiten, wo der Herr mit dir war und der Menschen Meinung nur leicht wog. Es mag sein, daß um der Wahrheit willen deine Verwandte dir den Rücken kehrten und Niemand dir ein freundlich Wort sagte, und doch tatest du das Rechte im Namen des Herrn Zebaoth und trotztest allen Folgen, und du hast keine Ursache gehabt, es zu bedauern, sondern überfließende Ursache, Gott zu preisen, daß er dich stärkte, und du „wagest, en Daniel zu sein, wagtest, allein zustehen.“ Sieh zurück auf jene Stunde voll Mutes und nun, da du von einer Schar teurer Freunde umgeben bist, erwäge, ob du ein eben so einfaches Vertrauen auf Gott jetzt hast, als du damals zeigtest. Wenn du meinst, es zu haben, so beweise durch deine Handlungen, daß du noch immer wagen kannst, unter Schwierigkeiten vorwärts zu gehen, unbehindert durch das Vertrauen auf einen fleischlichen Arm. Die Zucht des Verlassenwordenseins sollte nicht an dir verloren gehen, du solltest um so stärker sein, weil du gezwungen gewesen bist, allein zu wandeln. Die Freundschaft deiner Mitbrüder ist eher ein Verlust, als ein Gewinn gewesen, wenn du nun nicht einen Kampf aufnehmen kannst, in dem du allein stehst, wie du es in früheren Tagen tatest. Bist du nun so sklavisch abhängig von einem fleischlichen Arm geworden? Wenn das, so schelte dich selber durch die Erinnerung an kühnere Zeiten.

David erinnerte sich auf, daß er, als er den Löwen und den Bären schlug, nichts Sichtbares hatte, worauf er sich verlassen konnte, sondern einfach nur seinem Gott traute. Er hatte keine scharfe Waffe in seiner Hand, welche er der wilden Bestie ins Herz stoßen konnte, aber unbekümmert um Waffen, dachte er nur an seinen Gott und warf sich auf den Feind. Er war noch ein sehr junger Mann, seine Muskeln waren noch nicht fest und stark, und er schien nicht geeignet für eine so gewagte Tat; aber sein Gott war allmächtig, und auf die Allmacht Gottes trauend, dachte er nicht an seine Jugend, sondern stürzte sich in den Kampf. Was für Hilfe hatte er noch nötig, da Gott mit ihm war? O Brüder, es gab für Einige von uns Zeiten, als wir unser Werk begannen, wo unsre einzige Stütze der unsichtbare Herr war. Wir hatten uns auf die unsichtbare Kraft Gottes geworfen, und wenn die uns im Stich ließ, so mußten wir sinken. Unsre Versuche waren der Art, daß die fleischliche Vernunft sie nicht rechtfertigen konnte, in Wahrheit, sie waren derartig, daß nur die göttliche Dazwischenkunft uns hindurch bringen konnte. Sie waren richtig genug, wenn wir auf die göttliche Macht rechnen konnten, aber ohne diese waren sie beinahe unsinnig. Gott sei gepriesen, er hat zu seinem Wort gestanden, unser Glaube ist durch die Erfolge gerechtfertigt worden, und der Unglaube ist zum Schweigen gebracht. Der Herr hat uns gelehrt, auf ihn zu trauen von Jugend an, und seine wunderbaren Werke zu verkünden, und nun, da wir seine Treue versucht und erprobt haben, dürfen wir diese Dinge nicht verbergen vor dem nachfolgenden Geschlecht. Unser Zeugnis muß abgelegt werden, selbst wenn man uns wegen dieses Rühmens anklagt. „Meine Seele rühme sich des Herrn.“ Aber kann es wahr sein, daß wir nun begonnen haben, kaltblütig die Mittel zu berechnen und uns auf Methoden und Pläne zu verlassen, während wir einst auf Gott allein blickten? Trauen wir nun auf diesen Freund und bauen auf jenen, und mißtrauen dem Herrn, wenn der Freunde wenige sind? Schande über uns, wenn wir das tun, denn das heißt den Weg zum Siege verlassen und den Pfad der Niederlage wählen, herunterzusteigen von der Bahn der Helden zur gemeinen Landstrasse des fleischlichen Vernünftelns, und so in Sorge, Ängste, Schwäche und Unehre zu fallen. Glücklich ist der, welcher auf den Herrn allein in unwandelbarem Glauben traut, er wird „aus Kraft in Kraft“ gehen, aber der, welcher schauen will statt zu glauben, wird ganz zu Schanden werden.

David erinnerte sich auch, daß die Taktik, deren er bei jener Gelegenheit sich bediente, natürlich, kunstlos und kräftig war. Alles, was er tat, war, den Löwen und Bären mit seinem Stab oder was ihm sonst zuerst in die Hand fiel, zu schlagen, und dann zu fechten, wie der Augenblick und die Umstände es ihm eingaben. Er tat, wozu sein Mut ihn trieb, ohne zu warten und erst einen Ausschuß von Löwenjägern und Löwenfängern um Rat zu fragen. Seine ganze Kunst war Glaube; dies war seine Wissenschaft und seine Geschicklichkeit. Er besprach sich nicht erst mit Fleisch und Blut, folgte keinem Herkommen, ahmte keine berühmten Jäger nach, befaßte sich nicht erst mit Regeln, sondern tat sein Bestes, wie sein Glaube an Gott ihn leitete. Er war mit ganzer Seele bei dem Kampf und stritt mit aller Kraft, denn sein Glaube bewirkte nicht, daß er still saß und erwartete, der Löwe werde in einem Krampfanfall sterben oder der Bär bewußtlos werden. Er schien zu sich selber zu sagen: „Nun, David, wenn irgend etwas getan werden soll, so mußt du Alles daran setzen und jede Muskel, die du hast, muß angespannt werden. Du hast mit einem Löwen zu fechten, daher nimm deine Kraft zusammen und während du auf Gott allein vertraust, zeige heute, daß du ein Mann bist, und schätze die Herde deines Vaters.“ Sein Mut machte ihn kühn, und die Energie, gestärkt durch Zuversicht, behielt das Feld. Erinnerst du dich, mein Bruder, als du auf deine Weise dasselbe tatest? Du bautest auf Gott, aber du warst nicht müßig, du legtest deine ganze Seelenstärke und Energie in den Dienst deines Meisters, als wenn alles von dir abhinge und doch verließest du dich ganz auf ihn; und es gelang! Wie ist es jetzt mit dir? Nimmst du jetzt die Sachen leicht? Wunderst du dich, daß du keinen Erfolg mehr siehst? Wenn du kalt und sorglos wirst, wenn du schläfrig und damisch zu werden beginnst, strafe deine Seele und brauche die Erfahrung vergangener Zeit als eine Peitsche, um dich damit zur Energie anzuspornen. laßt es nie gesagt werden, daß der, welcher sich aufraffte, um mit einem Löwen zu streiten, nun in der Gegenwart eines Philisters einschläft.

David erinnerte sich, daß durch Vertrauen auf Gott sein energisches Streiten den Sieg errang. Der Löwe ward getötet und der Bär ward auch getötet. Und könnt ihr daran gedenken, Brüder, welche Siege Gott euch gab? Als du klein warst in Israel und verachtet, war seine Hand dennoch mit dir und als Wenige dir ein Glück auf! zuriefen, ermutigte der Herr der Heerscharen dein herz, und als du schwach und nur noch ein Jüngling warst, da half der Herr Jesus dir, in deiner Weise Taten für ihn zu tun. Gedenke daran, und sei gutes Muts heut Morgen in dem Kampf, der vorliegt. David sprach von seinen früheren Taten mit etwas Widerstreben. Ich weiß nicht, ob er je früher davon gesprochen hatte, und er tat es bei dieser Gelegenheit zu dem einzigen Zweck, Gott die Ehre zu geben und die Erlaubnis zur Wiederholung solcher Taten zu erhalten. Er wünschte, daß Saul ihm gestattete, sich dem philistäischen Kämpfer gegenüber zu stellen, und Gott noch mehr zu verherrlichen. Brüder, wenn ihr von den Taten redet, wozu Gott euch befähigt hat, achtet wohl darauf, daß ihr alles Gewicht auf Gottes Kraft, nicht auf euer eignes Tun legt; und wenn ihr die Geschichte eurer früheren Tage wiederholt, laßt die keinen Grund abgeben, weshalb ihr jetzt vom Dienst befreit werden und die Erlaubnis haben solltet, auf euren Lorbeeren zu ruhen, sondern braucht sie als Beweis, warum euch jetzt der heißeste und gefährlichste Posten in der Schlacht gestattet werden sollte. Laßt die Vergangenheit nur eine Staffel zu etwas Höherem sein, ein Ansporn zu edlen Unternehmungen. Vorwärts, ihr Streiter des Kreuzes, verdunkelt euer früheres Selbst im Namen Gottes. Wie die Gnade euch in den Stand gesetzt hat, den Leichnam des Bären auf den toten Körper des Löwen zu legen, so faßt nun den Entschluß, daß der Philister den Haufen mehren und sein Haupt das Ganze krönen soll, dem Gott Israels zum Ruhm und zur Ehre. So viel von Erinnerungen. Ich bemitleide den Menschen, der keine hat und ich bemitleide noch mehr den, der sie hat, und jetzt sich doch fürchtet, Alles für seinen Herrn zu wagen.

II.

Nun zu den Folgerungen. David führte einen Beweis an, der nicht zu verwerfen war. Er sagte: „Dieser Fall mit dem Philister ist ganz ähnlich wie der mit dem Löwen. Wenn ich mit Glauben an Gott in derselben Weise mit dem Riesen verfahre, wie mit dem Löwen, - Gott ist derselbe, und deshalb wird das Resultat dasselbe sein.“ Das scheint mir eine sehr klare Folgerung, und ich bitte euch, macht die gleiche. so und so war meine frühere Lage und meine jetzige Not ist derselben Art: in jener vergangenen Trübsal verließ ich mich auf Gott, und handelte recht und er half mir aus; deshalb, wenn ich wieder auf Gott traue und handle, wie vorher, er ist derselbe wie immer und ich werde wiederum triumphieren.

Laßt uns nun den Fall betrachten und wir werden sehen, daß es wirklich ein ähnlicher war. Da war die Herde, wehrlos; hier war Israel, Gottes Herde, auch wehrlos, und Keiner da, der ihre Sache in die Hand nahm. In dem ganzen Lager war nicht ein einziger Mann, der es wagte, die Herausforderung des feindlichen Kriegers anzunehmen. David war ein Hirte, und deshalb als Hirte verpflichtet, seine Herde zu verteidigen; und im gegenwärtigen Augenblick gedachte er ohne Zweifel daran, daß Samuel ihn zum König über Israel gesalbt hatte, und fühlte, daß etwas von der Verantwortlichkeit der Salbung schon auf ihm ruhte, und daß, wenn kein Andrer als Hirte handeln wollte, der gesalbte Sohn Isais es tun müßte., und so sah er es als einen ähnlichen Fall an - Israel die Herde, und er der Hirte, der sie verteidigen mußte.

Er war allein an jenem Tage, da er den Löwen schlug, und er war es auch an diesem Tage, da er dem erschrecklichen Feinde gegenübertreten sollte. Natürlich war es eine der Bedingungen des Zweikampfes, daß der israelitische Vorkämpfer allein hingehen sollte, und außerdem war Keiner im ganzen Lager, der es wohl gewünscht hätte, ihn auf solchem Gange zu begleiten. So war jetzt, da er ganz alleine war, der Fall nur um so ähnlicher.

Was den Philister betrifft, so fühlte er, daß er in ihm einen Gegner der alten Art hatte. Es war rohe, tierische Kraft damals, es war rohe, tierische Kraft jetzt: sie mochte die Gestalt eines Löwen oder eines Bären oder eines Philisters annehmen, David erwog, daß es nur so und so viel Fleisch und Bein und Muskel war, so und so viel Prahlerei und Gebrüll, Zahn und Speer. Er betrachtete den Philister nur als ein wildes Tier in einer andern Gestalt, weil er nicht im Bunde mit Gott war, und es wagte dem Allerhöchsten zu trotzen. Meine Brüder, ein Mann, der Gott zum Freunde hat, ist höher als ein Engel, aber ein Mann, der Gottes Feind ist, ist nicht besser, als ein Tier: halte ihn dafür, und deine Furcht vor ihm wird verschwinden. Goliath war mächtig, aber der Löwe war das auch; er war schlau in der Verteidigung, aber der Bär war das auch; der Fall war nur eine Wiederholung des früheren Kampfes. Und wie Gott nicht mit dem Löwen war, noch mit dem Bären, so fühlte David, daß Gott nicht mit Goliath sei noch sein könne, denn er war der Feind des Israels Gottes; und wie Gott mit ihm gewesen war, da er mit den wilden Tieren focht, so fühlte er, daß Gott jetzt mit ihm sei. Es schien ihm, als wenn er dies alles schon zweimal durchgemacht hätte, als er allein in der Wüste war, und deshalb könnte er um so eher es jetzt wieder durchmachen. Vielleicht durchzuckte seine Seele die Erinnerung an Simson, der lernte, die Philister zu schlagen, indem er einen Löwen zerriß, als er allein im Weinberge war. So fühlte David, „ich habe wie Simson meinen Löwen getötet, und nun gehe ich wie Simson, um mit diesem Philister zu kämpfen oder mit tausend, die ihm gleich sind, wenn es sein muß, im Namen des Herrn Zebaoth.“

Die ganze Beweisführung ist diese: es ist uns in dem einen Fall durch dieses Verfahren und durch Vertrauen auf Gott gelungen, und deshalb haben wir in ähnlichem Falle nur dasselbe zu tun und wir werden denselben Sieg gewinnen. Brüder und Schwestern, hier machen die Meisten von uns einen Fehler, wenn wir auf vergangene Hilfe zurückblicken, so ziehen wir nicht diesen Vergleich, sondern im Gegenteil, uns plagt die Versuchung, zu denken, unsere jetzige Prüfung sei offenbar etwas ganz Neues. David, zum Beispiel, hätte sagen können: „Als ich jenen Löwen schlug, war ich jünger als jetzt, und ich hatte mehr Mut und Lebhaftigkeit, aber diese bösen Kämpfe haben mich etwas angestrengt und ich tue besser, vorsichtiger zu sein.“ Gerade so, wie ihr und ich zuweilen sagen: „Ach, was ich getan habe, tat ich als junger Mann, ich kann dergleichen jetzt nicht tun. Jenes leiden, das ich durch Gottes Gnade so geduldig trug, war in andern Zeiten, aber diese Trübsal ist über mich gekommen, nun ich weniger fähig bin, sie zu erdulden, denn ich habe nicht die Elastizität des Geistes, die ich einst hatte, noch die Stärke die ich früher besaß.“ Wenn wir irgend einem anstrengenden Werke entgehen wollen, so tun wir es, indem wir versuchen, zu zeigen, daß wir nicht dieselbe Verpflichtung dazu haben, wie in früheren Tagen. Unser Gewissen sagt uns, daß, wenn wir große Dinge taten als wir jung waren, wir größere Dinge tun sollten, nun wir älter, weiser, erfahrener und kriegskundiger sind, aber wir versuchen unser Gewissen zum Schweigen zu bringen. Wenn der Herr uns geholfen, mit Geduld zu tragen, oder mit Eifer zu arbeiten, so sollten jene Geduld und jener Eifer nach all der Erfahrung, die wir gehabt haben, uns jetzt leichter werden, als zuvor. Ach, wir schließen so nicht, sondern zu unserer Schande entschuldigen wir uns selber und leben ruhmlos.

Ich kenne einen Mann, der heute spricht: „Ja, was wir in vergangenen Jahren taten, das taten wir in unserem heroischen Alter, aber jetzt sind wir nicht so enthusiastisch.“ Und warum nicht? Wir sind so geneigt, unser früheres Ich zu verherrlichen und unsere vorigen Taten für etwas Wundervolles zu halten, die aber jetzt nicht mehr unternommen werden können. Toren, die wir sind! Sie waren klein genug, wenn wir ehrlich sprechen, und sollten übertroffen werden. O, liebe Brüder, dieses Ruhen auf unseren Rudern geht nicht an, wir werden von der Flut abwärts getrieben. David sagte nicht: „Ich schlug den Löwen und den Bären, ich habe das Meine an solchen Sträußen gehabt, laß Jemand anders hingehen und mit dem Philister streiten,“ doch haben wir Leute sagen hören: „als ich ein junger Mann war, lehrte ich in der Sonntagsschule, ich pflegte auf die Dörfer zu gehen und da zu predigen und dergleichen.“ O, Bruder, und warum nicht jetzt es tun? Mich dünkt, du solltest mehr tun statt weniger. Wenn Gott dir mehr Kenntnisse, mehr Erfahrung und mehr Gnade gibt, gewiß, so sollten deine Arbeiten für ihn reichlicher sein, als sie pflegten; aber, ach, du siehst es nicht als den gleichen Fall an und so entschuldigst du dich.

Zu oft richten wir in unserem geistlichen Werk unser Augenmerk mehr auf die Unterschiede, als auf die Ähnlichkeiten. David z.B. hätte sagen können, „Ich würde mir nichts aus einem zweiten Löwen machen, ich weiß mit den Löwen fertig zu werden; ich würde nicht bange sein vor einem halben Dutzend Bären mehr, ich bin an Bären gewöhnt, aber dieser Philister ist eine neue Art von Ungeheuer.“ Nein, David sah, daß es im Grunde dasselbe war, ein wenig verschieden in der Form, aber dieselbe rohe, tierische Stärke, und so ging er mit Mut darauf ein. Aber wir sagen, „Ach, da ist ein großer Unterschied; unsere jetzigen Trübsale sind von einer ungewohnten Bitterkeit.“ „Ich,“ ruft die Witwe aus, „ich verlor meinen Gatten, und Gott half mir, mein Sohn ist mir eine Stütze gewesen; aber nun ist er auch gegangen und ich habe keinen anderen Sohn, und Niemand, zu dem ich meine Zuflucht nehmen kann.“ Sie weist auf den Unterschied hin, obgleich das Leiden tatsächlich dasselbe ist; würde es nicht weit besser sein, wenn sie auf dieselbe Verheißung sich beriefe und an den Herrn glaubte, wie sie früher tat. Ein Anderer sagt: „ach ja, bei der Gelegenheit wagte ich alles um Gottes willen, aber ihr seht, hier ist ein Unterschied.“ Ich weiß, es ist, mein lieber Bruder, es ist ein kleiner Unterschied da, und wenn du dein Auge darauf heftest, so wirst du dich in den Unglauben hinein bohren; aber Unterschied oder kein Unterschied wo die Pflicht ruft oder die Gefahr, laß es da nie an dir fehlen; und wenn du berufen werden solltest, ein Leiden zu tragen, was nie vorher über einen sterblichen Menschen kam, bedenke dennoch, Gottes Arm ist nicht zu kurz geworden, daß er seine Knechte nicht erretten kann, du hast dich ihm nur zu übergeben und aus der siebenfachen Trübsal wirst du als siebenfacher Überwinder hervorgehen.

Wir sind auch sehr geneigt, auf die Vergangenheit zurückzublicken und zu sagen, „ich weiß, der Herr hat mitunter Großes an mir getan und das, was ich um seinetwillen wagte, lief sehr gut ab, aber ich weiß nicht, was ich angefangen hätte, wenn nicht gerade zur rechten Zeit ein glücklicher Umstand mir zu Hilfe gekommen wäre.“ wir erkühnen uns, unsere Befreiung einem sehr „glücklichen Zufall“ zuzuschreiben. Es ist sehr niederträchtig, wenn wir das tun, denn es war der Herr, der uns von Anfang bis zu Ende half, und das glückliche Ereignis war ein bloßes Mittel in seiner Hand; aber kann Gott uns nicht einen andern „glücklichen Zufall“ geben, wenn es dessen in der jetzigen Not bedarf? Ach, der Unglaube sagt: „Es war ein Umstand bei der Sache, der sie wirklich veränderte und ich kann nicht jetzt dergleichen erwarten.“ O, wie unrecht ist das von uns! wie verlieren wir die Kraft jener segensreichen Folgerungen aus der Vergangenheit, die uns mit Mut erfüllt haben könnten! Gott gebe, daß wir diese Netze durchbrechen möchten!

Möglicherweise gibt unser feiges Herz uns ein: „Vielleicht bin ich im Grunde gar nicht zu dieser Tat des Mutes berufen und ich tue besser, sie nicht zu unternehmen.“ David hätte sagen können, ich bin der Hirte, und ich kann mit Löwen kämpfen, aber ich ward niemals für den Krieg eingeübt und deshalb bleibe ich lieber von diesem Philister weg.„ Er hätte auch die Entdeckung machen können, daß er sich besser zum Beschützer der Schafe eigne, als zum Vorkämpfer einer Nation. Wir müssen auf der Hut sein vor solchen plausiblen Vorwänden, denn Vorwände sind es. Brüder, wenn wir in Gottes Kraft Erfolg errungen haben, laßt uns nicht von einem eingebildeten Geeignet sein faseln, sondern bereit stehen, von dem Herrn uns brauchen zu lassen auf jede Art, die er erwählen wird. Ob wir uns eignen oder nicht, wissen wir nicht, ehe die Tatsachen selbst es beweisen, und unser Herr kann das besser beurteilen als wir. Wenn du ein Werk vor dir siehst, durch welches du Gott verherrlichen und der Kirche Segen bringen kannst, schwanke nicht, sondern greife es an im Vertrauen auf Gott. Steh nicht da stotternd und stammelnd und schwatze nicht von Befähigung und dergleichen, sondern was dir zu tun vorhanden kommt, das tue im Namen des Herrn Jesu, der dich mit seinem Blut erkauft hat. Beweise deine Befähigung, indem du das Haupt Goliaths mit dir zurückbringst, und weder du, noch sonst Jemand wird weitere Fragen tun.

Zuweilen schneiden wir uns auch eine Entschuldigung zurecht aus den Meinungen Anderer. Wir sind geneigt, zu meinen, daß wir wirklich in Betracht ziehen müssen, was andre Leute sagen. Unser guter Bruder Eliab mag etwas bissiger Natur sein, aber er ist doch ein Mann, der viel Klugheit und Erfahrung besitzt, und er sagt uns, wir sollten ruhig sein und die Sache ihren Gang gehen lassen, und vielleicht täten wir daran auch besser. Und da ist Saul; nun, er ist ein Mann, der solche Sachen kennt und sein Urteil ist, wir täten besser, die Aufgabe abzulehnen, und deshalb würde es im Ganzen genommen, doch gut sein, jene Vorsicht zu beweisen, die den bessern Teil der Tapferkeit ausmacht, und uns nicht in sichre Gefahr und wahrscheinlichen Untergang zu stürzen. Dieses Ratsuchen und feigem „Rate“ folgen ist nur allzu häufig. Wir wissen, daß eine mannhafte Anstrengung erfordert wird und daß wir ihrer fähig sind, aber wir wünschen, es bequem zu haben, und darum brauchen wir andre Leute, um Entschuldigungen für uns zu weben. Es würde ehrlicher sein, offen zu sagen, daß wir keine Lust haben, mehr zu tun. Wäre unser Herz voller von der Liebe zu Jesu, so würden wir solche unwürdige Kunstgriffe verwerfen und in heiliger Mannhaftigkeit der Gesinnung würden wir den Rat verachten, der auf Feigheit hinausläuft. Andre können unsre Verantwortlichkeit nicht tragen, wir müssen ein jeder für sich selber Rechenschaft vor Gott ablegen; warum denn dem Menschenurteil folgen? O Brüder, entschlagt euch dieser Torheit. Gehorcht den Eingebungen des heiligen Geistes und verschließt euer Ohr vor dem Unglauben.

Männer und Frauen, die ihr euch Gott geweiht habt, wenn der Herr euch treibt, etwas für ihn zu tun, fragt nicht mich, fragt nicht meine Mitbeamten in der Kirche, sondern geht hin und tut es. Wenn Gott euch früher geholfen hat, zieht eine Parallele und schließt daraus, daß er euch auch jetzt helfen wird. Geht, und der Herr gehe mit euch, aber fallt nicht jenem gottlosen Unglauben anheim, der euch eurer Kraft beraubt.

III.

Das letzte sind die Folgen.

Die Folge war zuerst, daß David fühlte, er wolle, wie er früher getan, auf Gott allein vertrauen. Kommt zu demselben Entschluß, Brüder und Schwestern. Gott allein ist die Quelle der Macht, er allein kann wahre Hilfe verleihen; laßt uns also auf ihn bauen, selbst, wenn keine andre Hilfe erschiene. Ist der Herr allein nicht genug? Jener Arm, den du nicht sehen kannst, wird nie erlahmen, seine Sehnen werden nie reißen, aber alle Arme der Sterblichen, auf die du dich so gerne lehnst, müssen eines Tages Staub werden; und während ihrer Lebenszeit sind sie die Schwachheit selber. Trauet auf den Herrn für immer, denn in Jehova ist ewige Stärke. David hatte den Kern aller Weisheit gefunden, da er sprach: „Meine Seele harret nur auf Gott, denn er ist meine Hoffnung.“

David entschloß sich wieder, noch einmal Alles daran zu setzen, wie er es früher getan. Wie er es mit dem Löwen aufgenommen hatte, so wollte er nun „sein Leben in seine Hand setzen“ und mit dem Philister streiten. Komme Verwunderung und Verstümmelung, kommen der durchbohrende Speer oder das schneidende Schwert, komme der Tod selber unter den Schmähungen und Prahlereien seines riesigen Feindes, er wollte dennoch Allem trotzen um Israels willen und um Gottes willen. Streiter des Kreuzes, wenn ihr fühlt, daß ihr dies tun könnt, zögert nicht, es auszuführen, übergebt euch ganz dem Dienste des Herrn, weihet euch selber, euer Vermögen und Alles dem großen Zwecke, Christum zu verherrlichen, gegen den Irrtum zu kämpfen und Seelen dem Verderben zu entreißen.

Der nächste Schritt, den David tat, war der, sich in dieselbe Bereitschaft zu setzen, wie bei früheren Gelegenheiten, indem er sich von allem befreite, was ihn hinderte. Er hatte den Löwen mit den Waffen der Natur bekämpft und wollte dem Philister auch mit diesen entgegengehen. Fort mußte. jener glänzende goldne Helm, unter dessen Gewicht der Kopf ihm ohne Zweifel wehe tat. Fort mußte. die beschwerliche Rüstung, in welcher er es schwierig fand, zu gehen. In einem solchen Metallgefängnis fühlte er sich gar nicht, als wenn er selbst es wäre, und deshalb legte er alles beiseite und trug nur seinen Hirtenrock. Und das prächtige Schwert, das er eben um seine Seite gegürtet hatte, das würde ihm, fühlte er, mehr zum Gepränge als zum Gebrauch dienen und so legte er es ab mit dem übrigen Schmuck, tat seine Hirtentasche um und nahm nichts mit sich als seine Schleuder und Steine. Dies war seine alte Weise und er tat wohl daran, sie beizubehalten, denn der Herr errettet nicht mit Schwert und Speer. Wir sind nur zu geneigt, eine schöne Rüstung anzulegen und uns in Regeln und Methoden einzuschnüren. Die Kunst, sich von allen Hindernissen zu befreien ist eine edle, aber Wenige haben sie gelernt. Blickt auf unsre Kirchen, blickt auf die Kirche im Großen, ist nicht überall rotes Band (bezieht sich auf das rote Band, womit in England die Aktenbündel der Regierungsbeamten zugebunden und in den Archiven verwahrt werden. A. d. V.) genug, um eine Nation zu erdrosseln? Haben wir nicht genug Komitees, um ein Schiff unter ihrer Last untersinken zu lassen? Und nun gar die Patrone, Präsidenten, Vizepräsidenten und Sekretäre - wäre das Christentum nicht göttlich gewesen, so hätte es nicht leben können unter dem Gewicht all dieser Standespersonen, die auf seinem Schoße sitzen. Die Umwege treiben das offne, gerade Handeln aus der Welt hinaus. Wir sind in eine enge Schnürbrust hinein organisiert. Das Schiff der Kirche hat eine solch furchtbare Masse Kardeelen, daß man sich wundert, daß es überhaupt fahren kann; und wenn ein Sturm käme, müßte. es sich von beinahe allem diesem freimachen. Wann werden wir damit anfangen? Wenn jemals ein Tag kommen sollte, da Brüder ausgehen, das Evangelium zu predigen im einfachen Vertrauen auf den Herrn allein, so bin ich Einer von denen, die dann große Erfolge erwarten; aber gegenwärtig ist Sauls Rüstung überall. Wenn wir das Formelwesen in der Predigt los würden, würden wir große Resultate sehen, aber die Kirchen sind in Eisen geschlossen, die sie Rüstung nennen. Du meine Güte, wenn wir einen speziellen Gottesdienst haben sollen, so muß der eine Bruder ihn nach Moody´s Methode eingerichtet haben und er andre kann nur Sankey´s Lieder vertragen. Wer sind wir denn, daß wir Andern folgen müssen? Schwatzt uns nicht von Neuerungen und all dem; weg mit eurem Plunder! Laßt uns Gott mit unserm ganzen Herzen diesen und den Sündern Jesum Christum predigen mit unsrer ganzen Seele, und die Art und Weise ist von keiner Bedeutung. Pfaffentum und Irrtum niederzupredigen, und es in der einfachsten, nur möglichen Art zu tun, indem man Christum predigt, st der Weg der Weisheit. Wir müssen predigen, nicht nach der Weise der Doktoren der Theologie, sondern nach der Weise jener ungelehrten und unwissenden Leute in alter Zeit, die mit Jesu gewesen waren und von ihm gelernt hatten. Brüder, einige von euch haben zu viel Rüstung an. Legt sie ab: seid einfach, seid natürlich, seid kunstlos, seid geradheraus, seid voll Vertrauen auf den lebendigen Gott und ihr werdet Erfolg haben. Weniger Erz des Fabrikanten und mehr von Oben gesalbte Männlichkeit tut uns Not: mehr geheiligte Natürlichkeit und weniger einstudierte Künstlichkeit. O Herr, sende uns dies, um Christi willen. Amen.

Das Endresultat war, daß der junge Kämpfe mit dem Haupte Goliaths in der Hand zurückkam, und ebenso sichre Triumphe warten auf Jeden von euch, wenn ihr euch auf den Herrn verlaßt und einfach und mit Ernst handelt. Wenn du, meine Schwester, um Christi willen arbeitest an seinem Werk, auf ihn vertraust, so wirst du Seelen sich zum ihm bekehren sehen. Wenn du nur, mein Bruder, Alles für Christi Ehre wagen willst, und allein auf ihn bauen, so wird Gott das, was Menschen Fanatismus nennen, nur als heilige Hingebung ansehen und wird dir den Lohn senden, den er immer einem vollen, gründlichen, einfachen, selbstlosen Glauben gibt.

Wenn der Erfolg dieser meiner Predigt der wäre, das ein halbes Dutzend Arbeiter zu kühnem, unternehmendem Eifer für Gott erregt würden, so wollte ich mich sehr freuen. Ich erinnere mich, als ich dies Werk in London mit Gottes Hilfe anfing, da sagte ich, wenn er mir sechs gute Männer und Frauen erwecken wollte, so würde ein Werk getan werden, aber wenn ich sechs tausend schläfrige Leute hätte, würde nichts zu Stande gebracht werden. Gegenwärtig ist mir immer bange, daß wir in einen Zustand des Schlummers verfallen. Diese Kirche zählt beinahe fünftausend Mitglieder, aber wenn ihr nur fünftausend Feiglinge seid, so wird der Kampf Gott keine Ehre bringen. Wenn wir Einen David unter uns haben, so wird der Eine Held Wunder tun; aber denkt euch, was für ein Heer würde es sein, wenn alle Krieger Davide wären - es würde dann schlimm um die Philister stehen. O, daß wir alle Davide wären, daß die Schwächsten unter uns wie David wären und David selbst besser, als er ist, daß er gleich einem Engel des Herrn würde! Gottes heiliger Geist ist im Stande, dies zu tun und warum sollte er es nicht tun? Laßt uns ihn um Hilfe anrufen und diese Hilfe wird kommen.

Ich muß noch eben dies Wort zu einigen hier Gegenwärtigen sagen, die da klagen, daß in dieser Predigt nichts für sie ist. Ihr Unbekehrten, ihr könnt keine Folgerungen aus eurer gemachten Erfahrung ziehen, denn ihr habt keine rechter Art gemacht, aber ihr könnt Trost schöpfen und ich bitte euch, es zu tun, wenn ihr diese Erzählung aus einem andern Gesichtspunkt ansehet. Jesus Christus, der wahre David, hat einige von uns wie Lämmer aus dem Rachen des Teufels gerissen. Manche von uns waren von der Sünde gefangen genommen; unsre Missetat hatte uns so umgeben, daß wir nicht im Stande waren, zu entrinnen, aber unser starker Herr befreite uns. Sünder, warum kann er dich nicht befreien? Wenn du den Löwen des Abgrundes nicht bekämpfen kannst, er kann es. Fragt ihr mich, was ihr tun sollt. Nun, rufe seine Hilfe an, so laut du kannst. Wenn du einem Lamme gleichst, so blöke und das Blöken des Lammes wird das Ohr des Hirten erreichen. Rufe mächtig zu dem Herrn um Errettung, und harre allein auf den Herrn Jesus. Er wird dich erretten. Wenn du auch schon in dem Rachen der Hölle wärst, doch wird er dich, wenn du an ihn glaubst, sicher aus dem Verderben erretten, Gott gebe, daß du es erfährst, um Christi willen. Amen.

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