Spurgeon, Charles Haddon - Das Licht

„Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter: so leuchtet es denen allen, die im Hause sind. Also lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“
Matthäus 5,15.16

Der Heiland sprach von dem Einfluß Seiner Jünger auf ihre Mitmenschen und erwähnte zuerst den verborgenen, aber mächtigen Einfluß, den er mit dem Beispiel des Salzes beschreibt: „Ihr seid das Salz der Erde“ (Mat 5,13). Sobald ein Mensch von neuem geboren ist, fängt er an, auf seine Mitmenschen zu wirken mit einem Einfluß, der mehr gefühlt als gesehen wird. Schon das Dasein eines Gläubigen wirkt auf die Ungläubigen. Er ist wie eine Handvoll Salz, das auf ein Stück Fleisch geworfen wird er hat eine Kraft in sich, und diese fängt an, diejenigen zu durchdringen, die mit ihm in Verbindung kommen. Der unbemerkte und fast gänzlich unbewußte Einfluß eines heiligen Lebens ist sehr wirkungsvoll für die Erhaltung der Gesellschaft und in der Verhinderung sittlicher Fäulnis. Möge ein jeder unter euch Salz bei sich haben, denn „das Salz ist ein gutes Ding“. Habt Salz bei euch, und dann werdet ihr ein Segen für eure Umgebung sein.

Aber jeder wahre Christ hat auch einen sichtbaren Einfluß, den auszuüben er verpflichtet ist, und dieses zeigt der Herr mit Hilfe des Lichts. „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein“ (Mat 5,14). In jedem Fall wird der wahre Christ den stillen und verborgenen Salzeinfluß ausüben auf diejenigen, die unmittelbar mit ihm in Berührung kommen, aber er soll auch dahin arbeiten, daß er ebenfalls den zweiten, den erleuchtenden Einfluß besitzt, der sich viel weiter ausdehnt und mehr mit dem Leben zu tun hat, denn das Salz ist für das tote Fleisch und das Licht für lebendige Menschen. „Also lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ Salzkraft und Licht sind die Stärken eines Christen. Ich glaube aber nicht, daß irgendein Mensch eher Licht weitergibt, bevor er Salz empfangen hat, und doch haben einige Salz, die nicht sehr freigiebig mit ihrem Licht sind. Möge Gott uns Gnade geben, daß das Innere und das Äußere im Gleichgewicht gehalten werde. Mögen wir das erhaltende Salz und das sich ausbreitende Licht haben!

Ich möchte unsere Gedanken jetzt auf das Leuchten richten, und ich bete, daß mir geholfen werde, die sich Zurückhaltenden und weniger Tätigen unter uns zu bewegen, ihren Einfluß auf andere mehr als bisher auszudehnen und das stille Zeugnis ihres demütigen Glaubens mit einem ausgesprochenen Zeugnis für ihren Herrn und Heiland zu krönen. Alle, die Salz haben, werden nun aufgefordert, ihr Licht zu zeigen.

Das Bild, das unser Heiland hier anwendet, ist ein einfaches. Er nimmt es aus den morgenländischen Häusern und Zelten. Er spricht von einem Licht oder genauer gesagt, von einer Lampe. Wir sollten die Stelle lesen: „Man zündet auch nicht eine Lampe an.“ Ich werde das Bild sowohl in der morgenländischen als auch in der abendländischen Form gebrauchen, und wir werden einmal ein Licht und einmal eine Lampe daraus machen. Vielleicht werden wir um so besser „sehen“, wenn wir ein Licht und eine Lampe haben, und obwohl die bildliche Redensart verwirrend sein könnte, wird doch niemand verwirrt werden im Blick auf die wichtige, hier dargelegte Wahrheit.

Drei Dinge kommen im Text vor. Das erste ist das Anzünden, das zweite ist das Aufstellen und das dritte ist das Scheinen. Möge Er, der allein das Licht schaffen kann, uns erleuchten, wenn wir Sein Wort betrachten.

Zuerst laßt uns auf das Anzünden achten. „Man zündet auch nicht ein Licht an.“ Was ist dieses Anzünden der Menschenseelen? Sie sind von Natur aus ohne Licht. „Deren Verstand verfinstert ist, und die entfremdet sind von dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, so in ihnen ist durch die Blindheit ihres Herzens“ (Eph 4,18). Was also ist das Anzünden?

Es ist zuerst und vor allem ein göttliches Werk. Gott fing die Schöpfung damit an, daß Er sprach: „Es werde Licht! Und es ward Licht“ (l. Mose 1,3). Und wie damals, so geschieht es in der Neuschöpfung: Das Erste, was Gott im Herzen eines Menschen schafft, ist das Licht. „Dein Licht wird hervorbrechen wie die Morgenröte“ (Jes 58,8). Wohl sagt David: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil“ (Ps 27.1). Der Heilige Geist erleuchtet den Verstand, so daß der Mensch seine verzweifelte Lage erkennt und seine Unfähigkeit, die Seligkeit durch seine eigenen Werke zu gewinnen. Der Herr gießt Licht in die Seele, so daß Christus im Glauben gesehen wird, das Herz beim Sehen Feuer fängt und das Licht Besitz vom Inneren des Menschen nimmt, so daß er nicht nur das Licht sieht, sondern Licht hat. Das Licht scheint nicht nur auf das Herz. sondern aus dem Herzen. „Ihr wäret einst Finsternis“ nicht nur in der Finsternis, sondern selbst Finsternis „nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn“ (Eph 5,8). Ihr habt nicht nur Licht vom Herrn, sondern ihr seid Licht, da eure Seele die Flamme ergriffen hat. Der Heilige Geist allein kann dieses Werk ausführen. Kein menschliches Wesen wird je Licht in sich haben, bis Gott, der bei der Schöpfung „es werde …“ sprach, durch dasselbe Wort Licht in die Seele bringt. Der Apostel Paulus sagt: „Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, daß durch uns entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi“ (2.Kor 4,6).

Dieses Anzünden ist ein besonderes Werk. Wenn dieses Licht kommt, so trennt es den Menschen von denen um ihn her, die im Dunkeln sind. Es nimmt ihn nicht aus seiner Umgebung heraus, es schließt ihn nicht in ein Kloster ein, aber die Trennung ist vollständig. Alles, was benötigt wird, um einen Unterschied zwischen dem Licht und der Finsternis zu machen, ist, es anzuzünden. Der kleinste Funke wird sich durch sein Dasein von der Finsternis unterscheiden. Es ist durchaus nicht nötig, das Licht zu bezeichnen, um zu verhüten, daß es mit der Finsternis verwechselt wird, und es ist nicht nötig, eine Trompete zu blasen, um bekannt zu machen: „Hier ist es!“

Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Sobald das Licht in das Herz eines Menschen fällt, so ist er von denen getrennt, die um ihn sind, berufen von Gott mit einem Ruf, der gleich einen Unterschied macht zwischen den Berufenen und den anderen Menschenkindern. Die Finsternis konnte das Licht nicht schaffen, denn sie kann es nicht begreifen. „Das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat's nicht begriffen“ (Joh 1,5). Diejenigen, die mit einem christlichen Mann zusammen sind, können ihn nicht begreifen, denn sein Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Bei seiner Bekehrung merken sie, daß eine besondere Veränderung in ihm vorgegangen ist, und, wie jemand gesagt hat, sie sehen, bewundern und hassen diese Veränderung, aber sie verstehen nicht mehr davon als die Eulen von der Sonne. Zuerst halten sie diese Veränderung für Melancholie, aber da der Mensch sich freundlich zeigt, nennen sie es Schwärmerei oder Verrücktheit, als sei er im Kopf verdreht. Oh selige Verdrehung! Wollte Gott, daß diejenigen, die es nicht kennen, in derselben Weise verdreht werden! Es ist das Anzünden des Lichts, das dort. wo alles dunkel war, jetzt himmlisches Licht verbreitet.

Obwohl die Finsternis das Licht nicht versteht und nicht liebt, so ist sie doch gezwungen, sich dem Licht zu ergeben, denn der Kampf zwischen Licht und Finsternis ist kurz und entscheidend. Nach dem Maß des Lichtes erkennt man das Maß seines Sieges. Wenn auch nur wenige Strahlen den östlichen Himmel röten, so haben doch die Pfeile der Sonne das Herz der Nacht durchbohrt, und sobald das Licht Mittags im Zenit stehen wird, müssen alle Spuren der Dunkelheit fliehen.

Geliebte, wenn Gott uns Licht gegeben hat, so hat Er einen Grundsatz in uns gelegt, der immer siegend weitergeht. Wenn die Finsternis auch so undurchdringlich ist wie die ägyptische, so muß sie doch dem Lichte weichen. Ein Kampf ist zu erwarten, aber der Sieg ist gewiß. Wir dürfen uns nicht glauben machen, daß die Finsternis ihre schwarzen Arme ausstrecken wird, um unser Licht zu umarmen, noch dürfen wir uns einbilden, daß sie am Fuße unseres Leuchters demütig sitzen und versuchen wird, ein Bündnis mit uns zu machen. Das Licht kann nicht neben der Finsternis wohnen und einen Bund mit ihr machen, denn es steht geschrieben: „Gott schied das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht“ (l. Mose 1,4.5). So gab Er jedem seinen besonderen Namen, damit sie niemand verwechseln kann.

Kein Mensch wird je imstande sein, diese beiden zu vermischen; sie werden stets zwei Samen sein, die Erben des Lichts und die Kinder der Finsternis, und diese beiden können nie eins werden. Das Licht wird mit der Finsternis Krieg führen, bis das ewige Licht voll aufgegangen und zum Zenit gekommen ist, und dann wird die Erde erfüllt sein mit dem Licht der Herrlichkeit Gottes. Bis dahin, ihr Kinder des Lichts, seht darauf, daß ihr keine Gemeinschaft habt mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis. Das Anzünden des Lichtes geschieht bei der Wiedergeburt und ihr bemerkt es in dem Erwecktsein, an dem Überführtsein von Schuld und der Umkehr. Die Frage ist, ob du je angezündet worden bist, lieber Freund. Hast du je dieses göttliche Licht erhalten? Hast du je die Berührung mit der himmlischen Fackel des Wortes gefühlt, wodurch Licht zu dir gekommen ist und nun in dir wohnt, so daß du selbst ein Licht geworden bist und zum Ruhm Gottes leuchtest?

Weiter ist dieses Lichtgeben ein persönliches Werk bei jedem Einzelnen, der erleuchtet wird. Es heißt: „Lasset euer Licht leuchten vor den Menschen.“ Wenn jemand ein Licht oder eine Kerze anzündet, gehört das Licht ursprünglich nicht zur Kerze, aber wenn die Kerze die Flamme einmal angenommen hat, wird es ihr eigenes Licht, und die Kerze beginnt, mit ihrem eigenen Licht zu leuchten.

So, Geliebte, muß die Gnade Gottes, das Licht vom Himmel, zu einem jeden von uns aus der göttlichen Hand kommen, und wir müssen es persönlich annehmen. Das Licht ist nicht irgendjemandem von uns angeboren, und daher muß es gegeben werden, wozu eine persönliche Annahme nötig ist. Es wird uns nicht gegeben, weil wir zu einem bestimmten Volk gehören oder Glied einer besonderen Familie sind. Bei dem Werk der Erleuchtung handelt die Gnade nicht an der Menschheit als Ganzes, sondern an jedem Einzelnen besonders. Sünde ist persönlich, und so muß auch Gnade sein. Wir sind Einzelne in der Dunkelheit und müssen einzeln, persönlich, mit Licht entzündet werden. Jeder Einzelne muß das Licht annehmen, es sozusagen zulassen, daß er angezündet wird, so daß der Docht seines Wesens, das innere Leben, das durch seine ganze Natur geht, die Flamme annimmt und zu brennen beginnt. Es muß eine persönliche Aneignung des Lichtes stattfinden, so daß es jeder als eigenen Besitz erhält. „Lasset euer Licht leuchten vor den Menschen,“ Betrügt euch nicht mit der Einbildung von einem Volkschristentums oder daß man den christlichen Glauben erben könnte. Die einzig wahre Religion ist persönliche Gottseligkeit. Wir können die Kerzen nicht pfundweise zugleich anzünden oder die Lampen zu einem Haufen türmen und sie zusammen anzünden. Wir haben heutzutage wunderbare Lichter, die mittels der Elektrizität durch einen einzigen Druck angezündet werden, aber auch hier muß jedes Licht eine Flamme erhalten, die zu seiner eigenen wird. Es gibt kein Mittel, die Persönlichkeit aufzuheben und die Menschen als Masse zu retten.

Bei jedem Menschen ist das Licht einzigartig und von dem des anderen verschieden. Das Licht, das in einem treuen Prediger brennt, ist dasselbe, das in einem weiteren scheint, und doch unterscheidet sich ein Stern von dem anderen an Klarheit. Petrus ist nicht Johannes, Paulus ist nicht Jakobus, Whitefield ist nicht Wesley, Luther ist nicht Melanchthon oder Calvin. Wenn du alle Lampen und Leuchten Gottes untersuchst, wirst du nicht zwei gleiche finden. Viele Künstler erschöpfen sich und wiederholen sich dann, aber Gott ist unerschöpflich; nicht zwei Seiner Federstriche sind gleich. Das Licht ist eins und die Herrlichkeit ist eins, aber eine andere Klarheit hat die Sonne, eine andere Klarheit hat der Mond, eine andere Klarheit haben die Sterne. Es besteht ein Unterschied zwischen dem Licht der verschiedenen Öle und Gase und genauso zwischen meinem und deinem Licht, mein Bruder. Es ist sehr leicht möglich, daß du meine Kerze in Ordnung zu bringen wünschst. Du magst es tun, wenn du kannst, aber lösche mich nicht aus. Dein eigenes Licht ist übrigens deine Hauptsorge, und du tätest besser daran, um besondere Gnade zu bitten, damit es nicht verlöscht. Dein Licht unterscheidet sich von dem meinigen wie dein Leben von dem meinigen, obwohl es in einem anderen Sinne wahr ist, daß dein geistliches Licht eins ist mit all dem Licht, das je in der Welt schien. Beim Erleuchten ist eine persönliche Aneignung der göttlichen Flamme und nachher ein persönliches Leuchten des heiligen Lichtes in des Einzelnen eigener Weise nötig. Seht wohl darauf, daß ihr euch nicht täuscht und glaubt, vom Himmel erleuchtet zu sein, während ihr noch täuschende Strohwische seid.

Ich liebe an dieser Stelle das Wort „Kerze“. Heutzutage scheint niemand mehr eine Kerze anzuzünden denn in unseren Tagen sind Kerzen die kleinsten Lichter. Wir verachten fast das Licht einer Kerze in diesen Tagen des elektrischen Lichtes, aber auch kleine Lichter sind nützlich und winzige Lampen haben ihren Leuchtkreis. Gott hat viele kleine Lichter, in Seinem großen Hause hat Er Kerzen und Sterne, und Er will nicht, daß selbst das kleinste Licht verschwendet werde. Selbst der kleinste Lichtstrahl ist von Gott angezündet. Denke daran, wenn du nicht mehr tun kannst, als ein Kind anzusprechen oder ein Traktat weiterzugeben aus Liebe und um Seines Namens willen. Du bist ein kleines Licht, aber wenn der Herr dir auch nur einen Funken von dem heiligen Feuer gegeben hat, so will Er, daß du leuchten sollst. In dieser Welt gibt es viele Lichter, aber nicht zu viele. Wir können die Sonne nicht entbehren, und es würde ein Unglück sein, wenn der kleinste Stern ausgelöscht würde. Wir können auch nicht die neuesten Erfindungen entbehren, die so hell leuchten, daß in unseren Städten die Nacht zum Tag wird, aber ich weiß, daß wir auch den kleinsten Glühwurm am einsamen Feldweg vermissen würden. Wir können keinen einzigen Lichtstrahl unter unserem nebligen und bewölkten Himmel entbehren. Die Gemeinde und die Welt hat alles Licht nötig, das uns gewährt ist, und noch viel mehr. Ich möchte deshalb allen meinen hier anwesenden Brüdern und Schwestern, die nur ein Scheffel haben, die Notwendigkeit ans Herz legen, es auf Zins anzulegen. Dein Licht, mein Freund, mag nur ein Binsenlicht sein, aber du darfst es nicht verbergen. denn alles Licht ist von Gott und wird ausgesandt vom Vater des Lichts zu einem freundlichen und gnädigen Zweck.

Bemerkt ferner, daß das Anzünden allein nicht genügt. Das Anzünden geschieht in einem Augenblick, muß aber in einem gewissen Sinne fortgesetzt werden, und es würde verkehrt sein, eine Lampe anzuzünden und sie dann sich selbst zu überlassen. Die Lampe muß von Zeit zu Zeit frisches Öl haben, denn durch das Scheinen verbraucht sie ihr Brennmaterial. Denken nicht einige von euch, wenn sie auf eine bestimmte Zeit verweisen und sagen: „Dann habe ich mich bekehrt“, daß sie nachher leben können, wie sie wollen? Gott verhüte das! Die Heiligen beweisen ihre Bekehrung durch ihre Ausdauer, und diese Ausdauer gründet in der ständigen Versorgung ihrer Seele durch die göttliche Gnade. Denkt nicht so sehr darüber nach, ob ihr bei einer gewissen Gelegenheit von der Finsternis zum Licht gekommen seid, sondern ob ihr noch „ein Licht seid in dem Herrn“.

Habt ihr Öl in euren Gefäßen und in euren Lampen? Blickt ihr auf Jesus? Es ist gut, daß ihr auf Ihn geblickt habt, aber tut ihr es noch? Das ist die große Frage. Bedenkt, daß das Aufblicken etwas Gegenwärtiges ist. Es ist gut, daß ihr zu Jesus gekommen seid, aber das ist nur der Anfang, ihr müßt fortwährend zu Ihm kommen als zu dem lebendigen Stein. Unsere Lunge muß, wie wir alle wissen, frische Luft haben. Es wird mir nichts nützen, daß ich gestern geatmet habe; ich bin tot, wenn ich nicht heute auch atme. Wir müssen fortwährend Nahrung haben. Du hast gestern gegessen, aber das wird dir heute nichts gegen Hunger und Schwäche helfen, wenn du heute nichts zu dir nimmst. Wie wir täglich Aufbaustoffe für unseren Körper haben müssen, so ist es auch mit unserer Seele. Wenn wir diese vernachlässigen und uns einbilden, daß etwas, was vor zwanzig Jahren geschehen ist, ausreicht, so machen wir einen großen Fehler. Es muß fortwährend ein Putzen der Lampen stattfinden, das in Wirklichkeit ein fortgesetztes Anzünden ist.

Dann muß ich euch daran erinnern, daß das Werk der Erleuchtung ein Werk ist, das den Menschen, an dem es geschehen ist, ganz und gar dem Dienst des Leuchtens weiht. Eine Kerze, wenn sie angezündet ist und fortfährt zu brennen, verzehrt sich im Leuchten. Dazu ist sie bestimmt. Nicht, um in einen Glaskasten gelegt und betrachtet zu werden. Wohl dem Menschen, der sagen kann: „Ich habe mich schier zu Tode geeifert“ (PS 119,139). Ihr werdet sagen, daß es sich mit einer Lampe anders verhält, da dieselbe nicht verbraucht wird. Nein; aber sie ist für den einen Zweck bestimmt, das Haus zu erleuchten, und sie enthält den Vorrat an Öl, der die Flamme speist. Die ganze Lampe, ob sie aus Gold, Silber oder aus etwas anderem gemacht ist, ist für den einen Zweck bestimmt, Licht zu verbreiten. Wenn Gott dich je erleuchtet hat, mein Bruder, so bist du von jetzt an abgesondert von allen anderen Dingen und zu dem einen Beruf erwählt. Du magst manches andere machen nach dem irdischen Beruf, aber das muß untergeordnet sein.

Ich wünschte, daß manche Menschen die irdischen Dienste viel untergeordneter ansehen würden als sie es tun. Das Erste bei einem Christen ist das Christentum. Die Hauptarbeit desjenigen, den Gott berufen hat, ist, wie ein Erwählter Gottes zu leben. Blicke auf Jesus Christus; Er war ein Zimmermann, aber ich muß bekennen, daß ich selten an Ihn als einen solchen denke. Er lebt als der Heiland der Menschen und als der Knecht Gottes in meinen Gedanken. So sollte auch ein Christ leben. Wenn er ein Zimmermann ist, daß der Zimmermann vom Christsein überstrahlt wird, oder wenn er ein Geschäftsmann, ein Gelehrter oder ein Redner wäre, sollte er so leben, daß man an ihm hauptsächlich den Christen erkennen kann. Er ist eine Lampe, und seine Aufgabe ist es, zu scheinen.

Du kannst eine Kerze zu verschiedenen Zwecken gebrauchen. Ich sah kürzlich, wie ein Mann seine Säge und ein anderer seine Schuhe damit schmierte, um trocken durch den Schnee gehen zu können, aber das ist nicht der Zweck, wozu Kerzenwachs bestimmt ist, und es hat seinen Sinn nicht erfüllt, wenn es nicht leuchtet. Ihr könnt vielleicht gelegentlich eine Lampe als Briefbeschwerer benutzen, oder zu irgend etwas anderem, aber sie ist kein geeignetes Werkzeug für irgendeinen anderen Gebrauch als eben das Leuchten. Es ist am besten, wenn jede Sache dazu benutzt wird, wozu sie bestimmt ist.

Habt ihr schon einen Schwan außerhalb des Wassers gesehen? Wie unbeholfen ist sein Gang! Welch schwerfälliger Vogel scheint er zu sein! Aber sieh ihn auf dem Wasser. Welch ein herrliches Schiffsmodell! Welche Grazie! Welche Schönheit! So ist es mit dem Christen. Seine Schönheit wird am deutlichsten gesehen, wenn er sich in seinem besonderen Element bewegt. Gib ihm irgendeinen anderen Zweck und er ist ungeschickt und unschön. Wenn er seine Mitmenschen zu unterweisen und zu retten sucht, ist er dort, wo Gott ihn haben will, und dann werden sich die Weisheit des Schöpfers und alle Schönheiten der göttlichen Gnade in ihm offenbaren. Laßt uns also auf das Leuchten achten, daß es ein Leuchten von oben ist, daß es ein Leuchten ist, welches das Licht zu unserem eigenen macht, und daß es ein Leuchten ist, das uns in Besitz nimmt und fortwährend erhalten wird durch die Gegenwart des Geistes Gottes. So viel über den ersten Punkt.

Nun wollen wir den zweiten Gegenstand, das Aufstellen, betrachten. „Niemand zündet ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel.“ Es ist eine großartige Sache um die Stellung des Menschen; es kann sein Licht dadurch verborgen oder zum besseren Leuchten gebracht werden. Die Hauptsache ist, ihn zu erleuchten und ihn zu befähigen, Licht für andere sein zu können. Aber die nächste wichtige Frage ist, wohin er gestellt wird, wenn er erleuchtet ist, denn einige Menschen sind, wenn sie Jesus finden, zuerst am völlig falschen Platz. Wie kann eine Lampe leuchten, wenn sie in einen Fluß getaucht wird? Nach der Bekehrung einiger Menschen wird eine Ortsveränderung nötig,

Es ist bezeichnend, daß Gott Abraham, als Er ihn berief, nicht in Ur in Chaldäa bleiben ließ. Der Ort, an dem Abraham leuchten sollte, war auch nicht in Haran. Er mußte in das erwählte Land und als Hirtenfürst wandern, denn nur dort und in dieser Eigenschaft konnte Abraham zur Ehre Gottes leuchten. Die meisten Menschen tun wohl. wenn sie bleiben, wo sie sind, und dort leuchten; aber andere müssen sich einem großen Wechsel in ihrer Stellung unterwerfen, ehe sie ihr Licht in dem Bereich leuchten lassen, den der Herr für sie bestimmt hat. Daher mag es kommen. mein Freund, daß du nach deiner Bekehrung mehr Beschwerden hast als je zuvor. Du wirst jetzt aus deinem stillen Versteck hervorgeholt. Es kam nicht darauf an, wo du warst, als du kein Licht weitergabst, du konntest eben sowohl hinter einem Faß als auch unter dem Scheffel oder sonstwo sein, aber nun, da du erleuchtet bist, mußt du auf den Leuchter und wirst daher nach Gottes Vorsehung Wege geführt, die dir jetzt vielleicht etwas beschwerlich erscheinen. Unsere Platzanweisung, ob nun eine Ortsveränderung nötig ist oder nicht, geschieht größtenteils durch die Vorsehung Gottes. Einer wird hierhin, der andere dorthin geführt, und es ist gut für uns, wenn wir unsere Stellung von diesem Standpunkt aus sehen.

Gott stellt uns dahin, wo wir Seiner Sache am besten dienen und unserem Zeitalter am meisten zum Segen werden können. Wenn du die Wahl hättest und vielleicht eine Straßenlampe wärst, so würdest du gewiß eine Hauptstraße wählen, um recht Vielen leuchten zu können, aber die armen Menschen in der kleinen Nebenstraße, wo sich die Betrunkenen zanken und ihre Weiber mißhandeln, haben auch Licht nötig. Wer Gott liebt, würde, wenn er die Wahl hätte, wohl lieber an einem schlechten als an einem guten Ort scheinen. „Oh, könnte ich doch in einer warmherzigen Gemeinde wohnen!“, sagt jemand. Wenn du ein ernsthafter, entschiedener Mann bist, so freut es mich, daß du in das traurige Dorf berufen bist, wo die Menschen fast verhungern in ihrem geistlichem Leben. „Was“, ruft einer, „es freut dich, daß ich so zu leiden habe?“ Nein, das freut mich nicht, aber wenn du ein gefestigter Mensch bist, wirst du nicht leiden, sondern du wirst andere Leute zum Leiden bringen, das heißt, du wirst es dem Prediger, den Diakonen und der Gemeinde schwer machen, damit sie nicht in ihrem elenden Zustand der Lauheit bleiben. Ich hoffe, daß du das Mittel sein wirst, sie zu erwecken und näher zu Christus zu bringen. Wie oft wird eine Stelle, die uns unerwünscht schien, dann doch erwünscht, wenn wir es in diesem Licht betrachten. Gottes Plan stellt uns dahin, wo wir das meiste Licht geben können, und wenn das Licht nicht in der Finsternis aufgestellt wird, wo sollte es dann stehen?

Dieser Raum hier erinnert mich an die Lichter in Bahnhöfen, wie sie in langen Reihen in den Waggons am Bahnsteig stehen und leuchten. Auf den Bahnhöfen sind viele Lampen beisammen, aber sie werden in alle Himmelsrichtungen verteilt, mit jedem Wagen kommen und gehen sie. Hier haben wir auch eine große Anzahl von Lampen, die gemeinsam leuchten, und wenn von hier einer nach Australien, nach Amerika oder Indien geht, so kann ich traurig sein bei dem Gedanken, euch zu verlieren, aber es freut mich doch, daß ihr dahin geht, wo ihr mehr Gutes tun könnt als hier. Warum solltet ihr nicht zerstreut werden wie die ersten Jünger? Warum sollten die Lichter nicht dahin getragen werden, wo es noch dunkel ist? Warum sollten wir an diesem einzigen Fleck ununterbrochen Festbeleuchtung aufrechterhalten, um lediglich unsere eigenen Augen zu erfreuen, anstatt der ganzen Welt Licht zur Verfügung zu stellen? Es ist unsere Aufgabe, zu sagen: „Hier ist ein Licht. Laß es in deinem Hause scheinen“, oder: „Hier ist eine Lampe, hänge sie in dein Zelt, damit Gott dich dadurch segne.“

Obwohl ich nun von der Vorsehung gesprochen habe, so liegt doch ein guter Teil unserer „Platzwahl“ auch in unserer eigenen Hand. Es gibt verschiedene Stellen, beispielsweise solche, die der Text erwähnt, die unserem Leuchten so hinderlich sind, als würde ein Licht unter einen Scheffel gestellt. Du kannst dich aber auch an einen Ort stellen, der deinem Leuchten so vorteilhaft ist, als würde ein Licht auf den Leuchter gestellt.

Bemerkt zuerst, daß der Satz hier in der Verneinung steht. „Man setzt es nicht unter einen Scheffel.“ Ein Scheffel ist ein gutes und nützliches Ding. In fast jedem morgenländischen Haus befand sich damals, weil die Einwohner ihr Korn selbst mahlten und damit gewöhnlich mit den Nachbarn handelten, ein Kornmaß, das hier mit Scheffel übersetzt ist, wenn es auch vielleicht nicht so groß war. Dieses nützliche Kornmaß scheint mir die Beschäftigung des gewöhnlichen Lebens darzustellen, die gewöhnlichen und natürlichen Arbeiten und Sorgen des Haushalts. Viele Männer und Frauen, verbergen das Licht, das Gott angezündet hat, unter dem Scheffel des Geschäfts und der häuslichen Sorgen. Aber, fragt ihr. soll eine Hausfrau nicht eine Hausfrau sein? Allerdings, aber nicht eine solche Hausfrau, die ihre Gottseligkeit verbirgt. Hat nicht der Arbeiter mit seiner Hand zu arbeiten? Allerdings, aber er soll nicht so für die Speise, die vergänglich ist, arbeiten, daß er darüber das ewige Leben verliert. Hat ein Geschäftsmann nicht auf sein Geschäft zu achten? Natürlich muß er das, aber er darf dadurch nicht seine Seele verlieren oder den Seelen anderer schaden. Behalte deinen Scheffel; niemand verlangt, daß du ihn verbrennst, aber behalte ihn am richtigen Ort. Ordne alle weltlichen Dinge der Ehre Gottes unter. Gebrauche nicht deinen Besitz, deine Wünsche, Vergnügungen und Sorgen wie einen Scheffel, der das Licht verdeckt. Dies geschieht bei sehr vielen.

Ich muß jetzt das Gewissen einige Minuten für mich predigen lassen. Willst du zu Hause nachsehen, lieber Freund, wohin du dein Geschäft und deinen Glauben stellst? Was steht am höchsten? Was kommt zuallererst? Ist der Glaube dein Geschäft, oder das Geschäft dein Glaube? Scheint dein Licht auf dem Scheffel, oder wird dein Licht vom Scheffel verdeckt? Ich will nicht weiter auf diese Frage eingehen, weil es für euch gut ist, wenn sie sich jeder im Stillen selbst beantwortet. Ich weiß. wie ein Prediger sein Licht unter den Scheffel stellen kann. Sein Werk kann ein nur amtlicher, formaler Dienst sein, der ihn zum Schauspieler macht. Das Schlechteste. was man mit dem Evangelium tun kann, ist, es mit dem Amt zu verbinden. Sobald wir sozusagen amtlich predigen, haben wir alle Vollmacht verloren. Wir müssen als Menschen zu Menschen sprechen. Ein Predigerbruder sagte eines Tages zu mir: „In dem Augenblick, wo ich die Kanzeltür schließe, schließe ich mein natürliches Selbst aus.“ Das ist nicht gut; ein Mann muß ganz da sein, wenn er Gott dient, und wenn er je mit seinem ganzen Selbst da sein muß, dann ist es beim Predigen.

Wir können das Licht auch unter den Scheffel stellen, wenn wir schwere Worte gebrauchen, Worte, die für gebildete Leute nicht schwierig sind, aber doch für die meisten unserer Hörer. Auch wenn wir besondere Fachausdrücke gebrauchen, wie wir sie wohl im Unterricht und im Lehrsaal anwenden würden, könnten sie aber doch den Sinn für die Leute verschleiern.

Ich kenne einige Christen, die ihr Licht unter den Scheffel stellen, indem sie äußerst scheu und schüchtern sind. Wenn es ums Geldverdienen geht, ziehen sie sich nicht so zaghaft zurück; aber wenn etwas für Jesus gesagt werden soll, so erröten sie und stammeln. Oh, daß sie dieses Hindernis überwinden könnten!

Einige stellen ihr Licht unter den Scheffel durch ihre Unbeständigkeit. Sie handeln nicht, wie Christen handeln sollten, und wenn die Menschen ihre schlechten Werke sehen, preisen sie nicht Gott. Gott verhüte, daß im Haus unsere Dunkelheit mehr gesehen wird als unser Licht!

Einige, fürchte ich, stellen ihr Licht unter den Scheffel der Gleichgültigkeit. Sie scheinen sich nicht darum zu kümmern, wie das Reich Gottes und seine Sache geht. Sie sehen wohl auf den Bestand ihrer Herden, aber um das Haus des Herrn kümmern sie sich wenig. Ich bitte euch, liebe Freunde, stellt das Licht auf keinen Fall unter den Scheffel! Laßt eure ordentlichen Berufe, eure Beziehungen, eure Krankheiten, eure Studien oder eure persönlichen Sorgen nicht so wichtig werden, daß sie das göttliche Licht in eurer Seele verdecken!

Der Text ist jedoch auch positiv. Stelle dein Licht auf den Leuchter. Was will das sagen? Ein Leuchter ist ein passender Verbreiter des Lichtes und jeder sollte ein angemessenes Bekenntnis seines Glaubens ablegen. Die beste Weise ist in Gottes Wort beschrieben. Es heißt: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden“ (Mk 16,16). Sorge dafür, wenn du Glauben hast, daß du ihn in verordneter Weise bekennst, „denn so man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und so man mit dem Munde bekennt, so wird man selig“ (Rom 10,10).

Oh Licht, sage nicht: „Ich will scheinen, aber ich will auf dem Boden liegen.“ Nein, dein Platz ist auf dem dafür bestimmten Leuchter. Lieber christlicher Freund, schließe dich der Gemeinde an, damit du dahin gestellt wirst, wohin du nach der Ordnung des göttlichen Haushaltes gehörst. Wenn du nicht freiwillig herauskommst und dein Licht leuchten läßt, so wird der Herr des Hauses dich wahrscheinlich herausholen. Die Vorsehung wird dafür sorgen, daß das Licht nicht verborgen bleibt. Siehe, was der Herr in früheren Jahren für seine Gemeinde getan hat: Er ließ sie durch Verfolgung in die Öffentlichkeit kommen. Was für Lichter waren doch für das Christentum die Märtyrer in den Kolosseen und auf den Scheiterhaufen der Heiden und der Papisten!

Als es noch keine Druckerpresse gab, das Evangelium öffentlich bekannt zu machen, ließ der Herr seine Zeugen vor Fürsten und Königen stehen, um dort an den öffentlichen Plätzen das Wort von der Versöhnung bekannt zu machen. Die Verfolgung baute den Leuchtturm, und die göttliche Liebe entzündete hoch oben das brennende und leuchtende Licht der heiligen Wahrheit. Du wirst erkennen, daß Gott für dich so einen Leuchtplatz bereitet. Vielleicht wirst du durch den Widerspruch derer, die um dich herum sind, genötigt werden, in deiner Familie Zeugnis zu sein, möglicherweise sind die Umstände glücklicher. Wir sollten jedenfalls tapfer für die Wahrheit sein und von ihr mit aller Klugheit, aber ohne Abstriche sprechen.

Ich sehne mich danach, daß eines Tages die Leitlinien der christlichen Religion in allen Volksschichten zur Regel werden und Grundlage all ihrer Handlungen sein werden. Oft höre ich sagen: „Bringe die Religion nicht in die Politik.“ Das ist's gerade, wohin sie gebracht und hier vor allen Leuten auf den Leuchter gestellt werden sollte. Ich möchte, daß die Kabinettsmitglieder und die Parlamentarier ihre Arbeit als vor dem Herrn tun, und daß das Volk, ob Krieg zu erklären oder Frieden zu schließen ist, es im Licht der Gerechtigkeit bedenken möchte. Wir sollten mit den anderen Völkern handeln nach den Grundsätzen des Neuen Testaments. Ich danke Gott, daß ich gesehen habe, daß dieses in dem einen und anderen Fall schon versucht worden ist, und ich bete darum, daß dieser Grundsatz bestimmend und beständig wird. Wir haben genug geschickte Männer ohne Gewissen gehabt, laßt uns nun sehen, was ehrliche, gottesfürchtige Männer tun können. Aber man sagt uns, daß wir die Interessen des Volkes stärken müssen, als ob es nicht immer den wahren Interessen einer Nation dient, Gerechtigkeit zu üben. „Aber wir müssen unserer eigenen Politik folgen.“ Ich sage: Nein! Laßt die Politik, die sich auf Unrecht gründet, wie Götzen den Maulwürfen und Fledermäusen hingeworfen werden. Haltet es mit der Politik, die würdig ist, bewundert zu werden: „Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch“ (Mt 7,12). Ob wir Fürsten, Minister, Parlamentarier oder Straßenkehrer sind, das ist unser Grundsatz, wenn wir Christen sind.

Bring die Religion auch in dein Geschäft und laß das Licht in den Fabrikhallen und im Büro scheinen! Dann werden wir nicht mehr so viel schlechte Waren haben, mit denen die Fremden betrogen werden, noch werden wir sehen, daß billige und gewöhnliche Artikel beschrieben werden, als seien sie von der besten Qualität, noch irgendwelche anderen Tricks, die jetzt von vielen im Handel gebraucht werden. Ihr Geschäftsleute und Fabrikanten seid euch darin ziemlich gleich; in vielen Geschäften gibt es Betrügereien das sieht man überall.

Stell dein Licht nicht unter einen Scheffel, sondern laß es leuchten, denn es ist dazu bestimmt, gesehen zu werden. Das Christsein sollte genauso an unserem eigenen Tisch wie am Tisch des Herrn erkannt werden. Gottseligkeit sollte sowohl das Parlament beeinflussen als auch die Pastoren-Konferenz. Gott gebe, daß der Tag komme, an dem man die unselige Unterscheidung von weltlichen und religiösen Dingen nicht mehr hört, denn Christen sollen in allen Dingen Gott verherrlichen nach dem Grundsatz: „Ihr esset nun oder trinket oder was ihr tut, so tut es alles zu Gottes Ehre“ (l. Kor 10,31).

Unsere Zeit ist fortgeschritten, aber ich muß euch noch ein wenig festhalten und über das Scheinen sprechen: „Lasset euer Licht leuchten vor den Leuten.“

Wenn ein Licht leuchtet, so kommt es daher, daß es nicht anders kann. Scheinen ist die natürliche Folge, wenn man Licht hat, und ich möchte, liebe Brüder, daß ihr einen heiligen Einfluß auf andere ausübt, weil doch die Gnade wirklich in euch ist. Einige Leute machen verzweifelte Versuche, gut zu erscheinen; sie würden viel erfolgreicher sein, wenn sie gut zu sein suchten. Die Gnade muß im Menschen als lebendige Quelle sprudeln, dann werden Ströme lebendigen Wassers von ihm fließen. Die natürliche Folge eines erneuerten Herzens ist ein erneuertes Leben, und die natürliche Folge eines erneuerten Lebens ist, daß es die Leute sehen und Gott preisen.

Das Scheinen ist jedoch ganz und gar nicht eine zwangsläufige Folge, so daß wir keine Aufmerksamkeit darauf verwenden müßten, und so verlangt der Text Beachtung von uns: „Also lasset euer Licht leuchten.“ Ich möchte die Aufmerksamkeit auf das Wörtchen „also“ richten. „Also lasset euer Licht leuchten“, das heißt, in dieser Weise „lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“. Obwohl du Gnade in deinem Herzen hast, wirst du nicht in der besten Weise leuchten, wenn du es am Gebet, an der Wachsamkeit und ernster Aufmerksamkeit fehlen läßt. Du mußt Herz, Lippen und Hand behüten, oder dein Licht wird nicht so vor den Leuten leuchten, wie es zu wünschen wäre. Die Lampe bedarf des Schmückens. Versäume dieses nie.

Das Leuchten, das von den Christen kommt, ist hier bezeichnet als „gute Werke“. Gutes Reden ist ganz gut, aber gute Werke sind der Schein vom Lichte Gottes. Welche Werke sind gute Werke? Ich möchte antworten: aufrichtiges Tun, ehrliches Handeln, ernstes Betragen. Wenn ein Mensch äußerst wahrhaftig und entschieden treu ist, so werden alle gutwilligen Menschen zugeben, daß seine Werke gute Werke sind. Gute Werke sind Werke der Liebe, der Selbstverleugnung, Werke zum Wohle anderer und zur Ehre Gottes getan. Werke der Barmherzigkeit. Güte und brüderlichen Liebe sind gute Werke; ebenso sorgfältige Pflichterfüllung in allen Dingen, die das moralische und geistliche Wohl unserer Mitmenschen fördern. Werke der Hingabe, durch die du beweist, daß du Gott liebst und Seinen Christus, daß du das Evangelium liebst und das Reich Christi auszubreiten wünschst. Diese Werke mögen von den gewöhnlichen Leuten nicht hoch geschätzt werden, aber es sind vorzügliche und gute Werke. Laßt diese guten und aufrichtigen Werke reichlich in euch sein und bei euch scheinen. Tut sie ohne Prahlerei, aber doch ohne Scham.

Gute Werke haben wie das Scheinen des Lichtes gute Auswirkungen. Ein Licht heitert den Traurigen auf. Welchen Trost verbreitet ein flackerndes Licht in einer Hütte, wenn du lange im Dunkeln umher gewandert bist! Ein Licht führt und leitet den Menschen, und durch sein Leuchten unterweist es ihn. In seinem Lichte sehen, unterscheiden und entdecken sie. Wer tätig ist, lehrt. Der Mensch, der den christlichen Glauben lebt, predigt es. Der ist der treueste Evangelist, dessen Leben Gott verherrlicht und den Menschen Wohltaten erweist.

Beachte jedoch, daß es heißt: „So leuchtet es denen allen, die im Hause sind.“ Nicht nach außen hin allein sollen wir unser Christsein bekannt machen, sondern besonders in der Familie, bei denen, die mit uns im Hause sind. Einige haben ein sehr kleines Haus; sie bewohnen einige Zimmer mit einer kleinen Familie. Sie sollten bemüht sein, genug Gnade zu haben, um einige wenige glücklich zu machen, was nicht immer das Leichteste in der Welt ist. Andere haben eine große Familie; mögen sie Gnade genug haben, die ganze Familie zu beeinflussen. Einige besitzen große Betriebe und beschäftigen viele Leute, und diese sollten einen heiligen Einfluß auf alle ihre Angestellten ausüben. Einige von uns sind Prediger des Evangeliums und haben in einem großen Haus zu scheinen. Wir haben mehr Glaubensöl nötig als andere, damit wir unserem ganzen Hause Licht geben können, und diese Gnade können wir haben. Die ganze Welt ist ein Haus, in dem die Gemeinde das Licht ist, und daher sollten die Glieder der Gemeinde so scheinen, daß die ganze Welt erfüllt werde mit dem Licht der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes.

Der Text sagt, daß das Licht allen leuchtet, die im Hause sind. Einige Christen geben nur einem Teil des Hauses Licht. Ich habe Frauen gekannt, die gegen alle gut waren, nur nicht gegen ihre Männer; diese plagten sie vom Morgen bis zum Abend, so daß sie ihnen kein Licht gaben. Ich habe Männer gekannt, die so oft in Versammlungen waren, daß sie ihre Familien vernachlässigten und ihren Frauen kein Licht gaben. Ich habe Herren gekannt, die ganz gleichgültig den Dienstboten gegenüber waren und Frauen, die ganz vergaßen, das Wohl ihrer Dienstmädchen zu suchen. Wenn unser Licht in Ordnung ist, so wird es das Wohnzimmer und die Küche, das Gesellschaftszimmer und das Mädchenzimmer erleuchten und auf alle scheinen, die im Hause sind. Lichter scheinen nicht nur in eine Richtung, sondern sie scheinen nach allen Seiten. Ein Christ sollte ein Mensch sein, der allen, die in Berührung mit ihm kommen, zum Segen wird.

Der Zweck unseres Scheinens ist nicht, daß die Menschen sehen, wie gut wir sind, noch überhaupt uns sehen, sondern daß sie die Gnade Gottes in uns entdecken und ausrufen: „Welch einen Vater müssen diese Leute haben!“ Ist es nicht hier das erste Mal, daß Gott im Neuen Testament unser Vater genannt wird? Ist es nicht eigentümlich, daß dies zum ersten Mal dort erwähnt wird, wo die Menschen die guten Werke Seiner Kinder sehen? Die Vaterschaft Gottes ist am besten in der Heiligkeit Seiner Kinder zu erkennen. Wenn die Menschen sehen, daß das Licht gut ist, dann preisen sie die Quelle des Lichts, und da sie sehen, daß es vom Vater des Lichts kommt, rühmen sie Seinen Namen.

Ich habe eilen müssen, aber ich bitte Gott, meine Worte deswegen nicht weniger wirksam zu machen, um jeden Christen hier aufzurütteln, das Licht, das er hat, zu benutzen. Es ist eine dunkle Welt, und sie scheint dunkler zu werden, denn die Diener des Satans gehen mit dem Verlangen umher, alles Licht zu verlöschen. Achtet wohl auf eure Lampen, ihr jungfräulichen Seelen. Schmückt die Flamme gut und geht auch in dunkler Nacht dem Bräutigam entgegen. Haltet eure Fackeln hoch, mitten in die Dreistigkeit der Dunkelheit, damit die Menschen sehen, daß Gott, der Vater, noch in der Mitte Seines Volkes ist.

Als der geschätzte Bede8 einst diesen Text auslegte, sagte er, daß Jesus Christus das göttliche Licht in die arme Laterne der Menschheit gebracht und es dann auf den Leuchter der Gemeinde gestellt habe, damit das ganze Haus der Welt erleuchtet werde. So ist es in der Tat. Der Grund, weshalb Licht in der Gemeinde leuchtet, ist, daß diejenigen, die im Dunkeln sind, sehen können. Die Gemeinde besteht nicht für sich selbst, sondern für die Welt im Ganzen. Habt ihr daran schon gedacht, ihr Bekenner? Ihr werdet gesegnet, damit ihr ein Segen seid. Gebt euch Mühe, richtig zu wandeln.

Ihr geht zu Jesu Hochzeitsfest, und ihr freut euch, zu hören, daß Er Wasser in Wein verwandelt, und ihr seid bereit, Ihn zu ehren, weil Er den besten Wein bis jetzt zurückbehalten hat. Aber, ihr Diener Gottes, denkt daran, daß es heißt: „Schöpfet nun und bringt es.“ Das ist euer Befehl. Da ist der von Gott gemachte Wein. „Schöpfet nun und bringt es.“ Empfangt aus Christi Fülle und teilt es anderen mit. Versäumt nicht eure Pflicht als Diener bei dem großen Fest unseres Herrn. Euer Herr hat das Brot genommen und gebrochen und gibt es jetzt euch. Ist die Sache damit zu Ende? Stehst du da und verzehrst deinen eigenen Bissen mit elender Selbstzufriedenheit? Nein, wenn du wirklich ein Jünger Christi bist. so wirst du daran denken, wie die nächsten Worte lauten: „Und die Jünger gaben sie dem Volk.“ Brich also dein Brot den Hungrigen, die um dich her sind. Nimm das ganze Brot Christi und verteile es recht, und du wirst am Ende soviel haben, wie du hattest; ja, mehr, du wirst mit den übrigen Brocken Körbe füllen. Nur seht darauf, daß ihr das. was ihr umsonst bekommen habt, auch umsonst weitergebt, damit nicht das aufgehäufte Manna Würmer brütet oder eure aufgehäuften Schätze von Motten und Rost gefressen werden, und damit eure eigenen Seelen nicht verderben und verfault riechen vor Gott, weil ihr euer Herz weder zu den Hungrigen hinabgebeugt, noch euch bemüht habt, die zu lehren, die in Unwissenheit verloren gehen.

Die Missionsgesellschaften werden euch behilflich sein, die Heiden mit der Lehre zu erreichen. Nehmt Anteil daran. Legt ein Opfer zusammen! Tut euer Äußerstes! Amen.

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