Spurgeon, Charles Haddon - Die königliche Hochzeit

«Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohn Hochzeit machte und sandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit riefen; und sie wollten nicht kommen. Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: «Siehe, mein Festmahl habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit.»
Mat 22,2-4

Wenn Gott mir Kraft verleiht, hoffe ich, das ganze Gleichnis zu behandeln; vorläufig jedoch wollen wir uns nur mit der Eröffnung des königlichen Festes beschäftigen. Zuerst finde ich es sehr passend, unsere Dankbarkeit zu erkennen zu geben, daß es Gott gefallen hat, sich zu unserer Schwachheit herabzulassen und in Gleichnissen zu reden, damit seine Kinder die Geheimnisse des Himmelreichs kennen lernen. Wenn es schon unter den Menschen bewundert wird, wenn große Geister bereit sind, sich herabzulassen, so ist es das größte Wunder, daß Gott selbst vom Himmel auf unsere Erde herabkommt, um unserer Unwissenheit und unserem Unvermögen entgegen zu kommen. Wenn der gelehrte Professor vor den Studenten eine wissenschaftliche Vorlesung gehalten hat und dann nach Hausse kommt, sein Kind auf den Schoß nimmt und dessen kindlichen Begriffen große Wahrheiten zu erklären sucht, dann sieht man die große Liebe in seinem Herzen. Wenn nun der große Gott, vor dem die Seraphinen nur Eintagsfliegen sind, sich herabläßt, Seine Kinder zu unterweisen und ihnen den Weg des Lebens zu zeigen, so offenbart sich hier eine ganz besondere Liebe. Gerade wie wir unseren Kindern Bilder zeigen, um ihre Aufmerksamkeit zu fesseln und ihnen gleichsam spielend Wahrheiten beibringen, so hat der Herr in seiner unendlichen Liebe uns bedeutungsvolle Vorbilder und liebliche Gleichnisse gegeben, womit er unser Interesse erregen und durch den Heiligen Geist unseren Versand erleuchten kann. Wenn Er, der donnert, daß die Berge beben, sich herabläßt, mit einer stillen, sanften Stimme zu uns zu sprechen, so laßt uns wie Maria zu seinen gnädigen Füßen sitzen und willig von ihm lernen. Möchte Gott einem jeden einen wißbegierigen Geist geben, denn das ist der erste Schritt, den Geist Gottes zu verstehen. Derjenige, der bereits ist, mit einem kindlichen Geiste zu lernen, ist schon in einem bedeutenden Maß von Gott gelehrt. Mögen wir dies lehrreiche Gleichnis so studieren, daß wir dadurch zu allem bereit werden, was Gott wohlgefällig ist, denn das Lernen göttlicher Dinge muß sich im Leben an den Folgen zeigen.

Um das Gleichnis zu verstehen, müssen wir zuerst unsere Aufmerksamkeit auf das Vorhaben des Königs lenken, von dem hier gesprochen wird. Er hatte einen großen Zweck im Auge; er wollte seinen Sohn anläßlich seiner Hochzeit ehren. Wir werden dann die sehr großmütige Weise beachten, durch welcher er seinen Zweck zu erreichen beschließt: Er machte eine Festmahl und lud viele dazu ein. Es hätte andere Weisen gegeben, seinen Sohn zu ehren, aber der große König wählte die Weise, durch welche seine Großmut am besten sichtbar wurde. Wer werden dann ferner mit Betrübnis das ernste Hindernis bemerken, das sich der Ausführung dieses gnädigen Vorhabens in den Weg stellte. Die Geladenen wollten nicht kommen. Seitens des Königs gab es nichts, was die Großartigkeit des Festes hindern konnte, denn für dieses leerte er seine Vorratskammern, doch ein anderes besonders schwerwiegendes Hindernis war hinweg zu räumen: die Gäste wollten nicht kommen. Zuletzt werden unsere Gedanken dann mit Bewunderung bei der gnädigen Antwort, die der König den Verächtern seines Festes gibt, verweilen. Er sandte andere Diener, die Einladung, «kommt zur Hochzeit!» zu wiederholen. Wenn wir tief von diesen drei Versen trinken, so werden wir genug zum Nachdenken haben.

I.

Ein gewisser König eines großen Reiches beschließt, ein herrliches Fest zu geben anläßlich einer besonderen Gelegenheit Der Kronprinz, sein vielgeliebter Sohn und Erbe will eine schöne Braut heimführen, und daher wünscht der königliche Vater, diese Gelegenheit mit außerordentlicher Ehre zu feiern. Blicken wir von der Erde zum Himmel! Der große Zweck Gottes, des Vaters, ist, Seinen Sohn zu ehren. Es ist Sein Wille, daß alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren.» Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist schon herrlich in Seiner Göttlichkeit. Er ist unaussprechlich und unendlich darüber erhaben, Ehre zu bedürfen. Alle Engel dienen Ihm und Sein Ruhm erfüllt den Himmel. Er hat seine Tätigkeiten begonnen als Schöpfer, und als solcher ist Seine Herrlichkeit vollkommen. «Denn durch Ihn ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, beide, die Thronen und Herrschaften und Fürstentümer und Obrigkeiten; es ist alles durch Ihn und zu Ihm geschaffen.» Er sprach: «Es werde Licht» und es ward Licht. Er befahl den Bergen, ihre Häupter zu erheben, und ihre Spitzen drangen durch die Wolken. Er schuf die Wasserfluten und befahl ihnen, sich ihren Weg zu bahnen und setzte ihre Grenzen fest. Nichts fehlt an der Herrlichkeit des Wortes Gottes, das im Anfang bei Gott war, der spricht und es geschieht, der gebietet, und es steht da. Er ist auch hoch erhaben als der Erhalter, denn Er war vor allen Dingen und durch Ihn hat alles das Dasein. Er ist der Nagel, der an einem sicheren Platze befestigt ist und an dem alle Dinge hängen. Die Schlüssel des Himmels, des Todes und der Hölle sind an Seinem goldenen Gürtel und die Herrschaft ist auf Seiner Schulter, und Er heißt Wunderbar. Er hat einen Namen, der über alle Namen ist und vor dem sich beugen sollen alle, die im Himmel und auf der Erde und unter der Erde sind. Er ist Gott über alles. Er ist ewig gepriesen. Ihm, der da ist, der da war und der da sein wird, wird ewig Lob gesungen.

Aber es gibt noch eine andere Beziehung, in welcher es dem Sohn Gottes gnädig gefallen hat, mit uns in Verbindung zu treten. Er hat es unternommen, ein Erlöser zu sein und ein Bräutigam zu werden. Er hatte schon Herrlichkeit genug, aber in der Güte seines Herzens wollte Er sein Mitleid über Seine Macht stellen, kam darum herab und vereinigte sich mit der menschlichen Natur, damit Er die Geliebten seiner Wahl von der Strafe ihrer Sünden erlösen und in die allerengste Vereinigung mit ihnen treten könne. Als Heiland wollte der Vater den Sohn ehren, und das Evangeliumsfest findet an und für sich nicht zur Ehre Seiner Person statt, sondern in dieser neuen, aber schon vor Gründung der Welt beschlossenen Beziehung. Zur Ehre Jesus, wie Er in geistliche Verbindung mit seiner Gemeinde tritt, ist das Evangelium die Vorbereitung zu einem königlichen Fest.

(Brüder, wenn ich sagte, daß hier eine großartige Gelegenheit war, so ist es wirklich so in Gottes Schätzung, und es sollte auch so in der unsrigen sein). Es sollte unser Ergötzen sein, den Sohn Gottes zu verherrlichen. Allen treuen Untertanen irgend eines Reiches sieht man einer Hochzeit in der königlichen Familie mit großem Interesse entgegen. Nun ist es ein guter Brauch, der Gratulation und Teilnahme durch passende Freudenfeste seinen Ausdruck zu geben. In dem vor uns liegenden Beispiel fordert diese Gelegenheit alle Untertanen zur besonderen Freude auf, (denn die Gelegenheit selbst ist uns persönlich ein Gegenstand großer Freude und Dankbarkeit). Mit wem findet die Hochzeit statt? Mit Engeln? Er nahm nicht die Engel an. Es ist die Hochzeit mit unserer eigenen Natur. Den Samen Abrahams nahm er an. Sollten wir nicht jubeln , wenn der große Herr des Himmels Fleisch wird und sich herabläßt, das menschliche Geschlecht von dem Verderben des Falles zu erlösen? Die Engel freuen sich, aber sie haben nicht solchen Anteil an der Freude wie wir. Es ist die höchste, persönliche Freude für die Menschheit, daß Jesus Christus, der es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein, in der Gestalt des Fleisches erschien, um mit Seinen Erwählten ein Fleisch zu werden. Wachet auf, die ihr schlummert! Wenn es je eine Gelegenheit gegeben hat, bei der ihr euch ermuntern und ausrufen solltet: «Wache auf, meine Ehre; wache auf, Psalter und Harfe,» so ist es dann, wenn Jesus kommt, um mit seiner Gemeinde verbunden zu werden, mit ihr ein Fleisch zu sein, damit er sie erlöse und sie nachher mit sich auf dem Thron sitzen lasse. Es gab eine Menge Gründe, weshalb die Gäste freudig kommen und sich hochbeglückt schätzen sollten, zu einem solchen Fest geladen zu sein. Hier ist überwältigender Grund, weshalb die Menschheit sich über das herrliche Evangelium Jesus freuen und dasselbe zu erlangen suchen sollte.

Dabei müssen wir die königliche Abstammung des Bräutigams bedenken. Gedenkt daran, daß Jesus Christus, unser Heiland, wahrer Gott vom wahren Gott ist. Werden wir aufgefordert, Ihn zu verehren? Es ist recht, denn wem sollten wir sonst Ehre erweisen? Gewiß sollten wir unseren Schöpfer und Erhalter ehren! Es ist eigensinniger Ungehorsam, den nicht achten zu wollen, der so hoch erhaben und aller Achtung würdig ist. Es ist der Himmel, einem solchen Herrn zu dienen. Sein Ruhm geht bis in die Wolken und für und für sollte Er gepriesen werden. Laßt uns anbeten und knien und niederfallen, laßt uns freudig den Befehlen Gottes gehorchen, die auf die Ehre Seines Sohnes zielen.

Er ist auch der Immanuel, und du wirst wünschen, daß Er geehrt werde. Dieser herrliche Sohn, dessen Ruhm weit verbreitet ist, ist der wahre Gott - davon haben wir gesprochen - aber Er ist auch wahrer Mensch, unser Bruder, Fleisch von unsrem Fleisch und Bein von unsrem Bein. Freut es uns nicht, zu glauben, daß Er, der allenthalben versucht wurde wie wir, sich nie hat von der Sünde beflecken lassen? Es gab nie einen Menschen wie Ihn als Haupt der Menschheit. Der zweite Adam, der Ewigvater - wer von uns wollte ihn nicht verehren?

Bedenke auch Seinen Charakter. Gab es irgend ein solches Leben wie das Seine? Ich will nicht so sehr von Seinem göttlichen Charakter sprechen, obwohl dieser genügende Gründe für Verehrung und Anbetung bietet, sondern denke mehr an Ihn als Mensch. O, Geliebte, die Zartheit, das Mitleid, doch auch welche heilige Kühnheit; welche Liebe zu den Sündern und doch welches Leben in der Wahrheit! Menschen, die Ihn nicht liebten, haben Ihn doch bewundert, und Herzen, von denen wir nicht die geringste Anerkennung seiner Vorzüglichkeit erwartet haben, sind nichtsdestoweniger tief ergriffen worden, wenn sie Sein Leben studierten. Wir müssen Ihn preisen, denn Er ist «auserkoren unter vielen Tausenden.» Es würde Verrat sein, zu schweigen, wenn die Stunde gekommen ist, von Ihm zu sprechen, der ohnegleichen unter den Menschen und unübertroffen unter den Engeln ist. Klatscht in die Hände beim Gedanken an die Hochzeit des Königssohnes, denn Seine Braut hat sich bereit gemacht.

Denke dann auch an seine Verdienste. Wenn wir irgend einen Fürsten ehren, so überlegen wir, was er zum Wohle des Volkes, das er regiert, getan hat. Was hat Jesus denn für uns getan? Laßt mich lieber fragen, was er denn nicht getan hat? Auf Seine Schulter wurden unsere Sünden gelegt, und Er hat sie getragen, weggetragen, so daß sie auf ewig fort sind. Gegen Ihn kämpften unsere Feinde; Er traf sie in der Schlacht, und wo sind sie nun? Sie sind in die Tiefe des Meeres geworfen. Was selbst den Tod, den letzten Feind, betrifft, so hat Er ihn vollständig überwunden, und es wird nicht lange mehr währen, daß selbst der Schwächste unter uns sagen kann: «O, Tod, wo ist dein Stachel? O, Hölle, wo ist dein Sieg?» Er ist der Held des Himmels. Er kehrte zum Throne des Vaters zurück unter dem Beifalljauchzen des Weltalls. Haben wir nicht den Wunsch, Ihn zu ehren, wir, für die Er gekämpft und überwunden hat? Ich fühle, daß ich mit schwachem Hauche spreche über ein Thema, das der ganzen Rednerkraft würdig ist. Bringt Ihm das königliche Diadem und krönt Ihn! Ist Er nicht der Jubel aller, die Ihn kennen? Sollte Er nicht von allen Seiten einen Jubelruf hören? Sollten nicht an Seinem Hochzeitstage in Ost und West, in Nord und Süd die Glocken geläutet und geflaggt werden aus Freude über Ihn? O, dann laßt Ihn groß sein; laßt Ihn glorreich sein! Lange lebe der König! «Hosianna! Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe!»

II.

Zweitens handelt es sich um eine großzügige Weise, das Vorhaben auszuführen. Des Königs Sohn ist zu ehren am Tage seiner Hochzeit; in welcher Weise soll dies geschehen? Barbarische Völker haben auch ihre großen Feste, aber ach, wie tief ist die menschliche Natur gesunken! Bei solchen Festen fließen Ströme menschlichen Blutes. Bis zum heutigen Tage lauert an der Grenze der Zivilisation ein verworfener Tyrann; dessen höllische Diener - mit einem milderen Ausdruck kann ich es nicht bezeichnen - mit kaltem Blute befehlen, Hunderte von seinen Mitgeschöpfen an besonderen Festtagen zu morden. So handelt ein Ungeheuer wie ein Feind zu Ehren seines Sohnes. Kein Blut wird zu Ehren des großen Himmelskönigs vergossen. (Ich bezweifle nicht, daß Jesus auch Ehre von dem Verderben der Menschen hat, die seiner Gnade widerstehen, aber solches wählt Gott nicht zur Ehre seines Sohnes). Jesus, der Heiland, wird an Seinem Hochzeitstage mit der Menschheit durch Gnade geehrt und nicht durch Zorn. Wenn an solchem Tage Blut erwähnt wird, so ist es Sein eigenes Blut, das Ihn ehrt. Das Hinmorden der Menschheit würde Ihm keine Freude machen, denn Er ist sanftmütig und von Herzen demütig und liebt die Menschen. Bei den meisten Fürsten war es Brauch, bei der Hochzeit eines Prinzen eine neue Steuer auszuschreiben oder eine Summe von dem Volke zu erhalten, aber das Gleichnis zeigt, daß der König aller Könige nicht nach der Weise der Menschen handelt. Er bittet nicht um eine Morgengabe für Seinen Sohn. Er erinnert an die Hochzeit nicht durch Forderungen, sondern durch Gaben. Nichts sucht Er vom Volke, aber viel hat Er für dasselbe bereitet. Die Tische sind reich gedeckt und alles, was von den Untertanen erwartet wird, ist, daß sie eine Zeitlang nicht als Untertanen, sondern als Gäste willig zum Palast kommen, nicht, um bei Tische zu dienen, sondern als Gäste bedient zu werden und sich zu freuen.

Beachte dann, daß die freigebige Weise, wie Gott Christus ehrt, durch das Beispiel eines Festes beschrieben wird. Ich erwähne, wie Matthew Henry ein Fest beschreibt. In der Weise der Puritaner sagt er: «Ein Fest dient der Liebe und Lustigkeit, der Fülle und Freundschaft.» So ist es auch mit dem Evangelium. Es entspringt der Liebe. Im Evangelium wirst du als Sünder eingeladen, dich mit Gott versöhnen zu lassen; dir wird die Versicherung gegeben, daß Gott deine Sünden vergibt, aufhört, zornig zu sein und wünscht, daß du mit Ihm versöhnt werdest durch Seinen Sohn. So wird die Liebe zwischen Gott und der Seele hergestellt. Das ist die Ursache für Fröhlichkeit, Glückseligkeit und Freude. Diejenigen, die in Christus Jesus zu Gott kommen und an ihn glauben, haben ihr Herz erfüllt mit überfließendem Frieden. Dieser ruhige See des Friedens erhebt oft seine Wellen zu solcher Höhe, daß die Gläubigen vor Freude in die Hände klatschen. Der große König läßt seine Gäste nicht zur Traurigkeit, sondern zur Freude einladen, wenn er Seinen Sohn Jesus verherrlicht. Er fordert dich nicht auf, an den gekreuzigten Heiland zu glauben, damit du bekümmert werdest, sondern erfreut. Ein Fest dient ferner der Fülle. Die hungrige, verschmachtete Seele des Menschen wird erfüllt mit den Segnungen der Gnade. Das Evangelium füllt alle Fähigkeiten unserer Menschheit. Es gibt keine Eigenschaft unserer Natur, die nicht ihre Not aufgehoben fühlt, wenn die Seele die Fülle der Gnade empfängt. Wir sind mit Gutem gesättigt und wieder jung geworden wie die Adler. «Denn ich will die müden Seelen erquicken, und die bekümmerten Seelen sättigen.» Um das Ganze zu krönen, erhältst du durch das Evangelium die Freundschaft mit dem Vater und Seinem Sohn Jesus Christus. In Christus Jesus haben wir mit der heiligen Dreieinigkeit Gemeinschaft. Gott wird unser Vater und offenbart sein väterliches Herz. Jesus offenbart sich uns, wie Er sich nicht der Welt offenbart, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes bleibt uns. Unsere Gemeinschaft ist wie die Gemeinschaft Davids mit Jonathan und des Johannes mit Jesus. Wir essen von dem Brot des Lebens und trinken von dem Wein, der von den Hefen gereinigt ist. Wir werden in den himmlischen Festsaal geführt, wo uns das Geheimnis des Herrn offenbart wird und unser Herz sich vor dem Herrn ergießt. Sehr nahe ist unsere Gemeinschaft mit Gott, , denn Er zeigt uns die innigste Liebe durch Seine Herablassung. Was sagt ihr dazu? Ist das nicht eine rechte Erquickung, die dessen würdig ist, der sie bereitet hat? Hier, o Sünder, wird dir alles gegeben, was du nur wünschen kannst. Alles, was du für Zeit und Ewigkeit bedarfst, hat Gott für dich in der Person Seines Sohnes bereitet, und Er befiehlt, es zu nehmen umsonst und ohne Geld.

Ich habe euch schon gesagt, daß alle Ausgaben auf den König fielen. Es war ein sehr kostbares Fest, dort gab es Ochsen und Mastvieh, aber keines derselben waren von den Weiden oder aus den Ställen der Gäste genommen worden. Das Evangelium ist ein kostspieliges Geschäft; das Herzblut Christi mußte als Preis für dieses große Fest fließen, aber es kostet den Sünder nichts, nichts an Geld, nichts an Verdienst, nichts an Vorbereitung. Du kannst, so wie du bist, zum Evangeliumsfest kommen, denn auch das hochzeitliche Kleid ist für dich bereitet. So wie du bist, ist dir befohlen, an Jesus zu glauben. Du hast weiter nichts zu tun, als aus Seiner Fülle zu nehmen, denn «denen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an Seinen Namen glauben.» Es wird nicht verlangt, daß du zu den Mitteln etwas beitragen sollst, sondern du darfst ein Gast dieses schönen Festes des unendlichen göttlichen Mitleids sein.

Wie ehrenhaft ist das Evangelium auch für die, die es annehmen. Die Einladung zu der königlichen Hochzeit war eine hohe Ehre. Ich glaube nicht, daß es sehr wahrscheinlich ist, daß wir zur Hochzeit eines Prinzen eingeladen werden, aber wenn es geschehen würde, so würden wir es als ein großes Ereignis in unserem Leben ansehen. So war es mit diesen Leuten. Eine königliche Hochzeit findet nicht jeden Tag statt, und es wird nicht jedermann zu des Königs Fest eingeladen. Bis an das Ende ihres Lebens würden die Gäste sagen: «Ich war auf seiner Hochzeit und habe alle Herrlichkeiten des Festes gesehen.» Manche von ihnen hatten vielleicht noch nie ein solches Fest mitgefeiert, wie der reiche Potentat es für diesen Tag bereitet hatte und waren noch nie in einer solchen Gesellschaft gewesen. Meine Brüder, nichts ehrt einen Menschen so, wie die Annahme des Evangeliums. Während sein Glaube Christus ehrt, ehrt Christus ihn. Es ist nichts Geringes, ein Königssohn zu sein, aber diejenigen, die zur Hochzeit des Sohnes Gottes kommen, sollen selbst Königssöhne werden, selbst Teilhaber der Herrlichkeit des Erben aller Dinge. Während ich von dieser großzügigen Weise spreche, glüht mein Herz vor heiligem Eifer und meine Verwunderung wird darüber erregt, daß die Menschen nicht zum Liebesfeste kommen, das alle seine Gäste ehrt. Wenn das Fest den Gastgeber so teuer zu stehen kommt und für die Gäste ganz frei und so ehrenhaft ist, wie ist es da möglich, daß einige so unweise sind, diesen Genuß abzuweisen? Wahrlich, das ist ein Beweis von der Torheit des unerneuerten Herzens und dem tiefen Verderben, das die Sünde verursacht hat. Wenn die Menschen Mose mit den steinernen Tafeln den Rücken kehrten, so wundert es mich nicht, aber die reich beladenen Tische der Gnade zu verachten, das ist sonderbar. Der Gerechtigkeit Gottes zu widerstehen ist ein Verbrechen, aber die Freigebigkeit des Himmels zurück zu weisen, was ist das? Wir müssen einen Ausdruck der Schande erfinden, diese grobe Undankbarkeit damit zu brandmarken. Gott in seiner schrecklichen Majestät zu widerstehen ist Wahnsinn, aber ihm in seiner gnädigen Majestät zu trotzen, ist mehr als Tollheit. (Die Sünde erreicht ihren Höhepunkt, wenn sie entschlossen ist, lieber zu verhungern, als der göttlichen Güte etwas zu schulden). Ich fühle, daß ich mich beschleunigen muß, meine Botschaft zu bringen, und da ich euch die Weise beschrieben habe, wie Gott Seinen Sohn ehrt, muß ich sogleich die Einladung bekannt machen und euch zurufen: Kommt zum Hochzeitsfest! Kommt und verherrlicht Jesus, indem ihr die Schätze der Gnade annehmt! Eure Werke werden Ihn nicht ehren, wenn ihr diese als Mitbewerber seiner Gerechtigkeit aufstellen wollt. Selbst eure Reue kann Ihn nicht verherrlichen, wenn ihr sie zum Gegner seines köstlichen Blutes macht. Komm, schuldiger Sünder, wie du bist und nimm die Gnade an, die Jesus dir anbietet; nimm die Vergebung an, die sein Blut denen sichert, die an Ihn glauben. Mich dünkt, daß der Bote, als er vom König ausgesandt worden war und Zeichen der Nachlässigkeit der Geladenen feststellen mußte und sah, daß sie nicht kommen wollten, stumm vor Erstaunen gewesen sein muß. Er hatte die Ochsen und das Mastvieh und alle Vorbereitungen gesehen, er kannte den König, er kannte dessen Sohn, er wußte, die Freude es ist, an solchem Feste gegenwärtig zu sein. Als die Geladenen anfingen, ihm den Rücken zu kehren, wiederholte er die Botschaft mit Eifer und wunderte sich über den Verrat, der es wagte, einen so guten König zu beleidigen. Es ist mir, als sehe ich ihn, zuerst unwillig um seines Herrn willen und nachher voller Mitleid, als er daran dachte, was aus solcher äußersten Undankbarkeit und solcher tiefen Beleidigung werden würde. Er trauerte darüber, daß seine Mitbürger, die er liebte, solche Toren waren, ein so gutes Anerbieten zu verachten und eine so freundliche Bekanntmachung unbeachtet zu lassen. Auch ich werde in meiner Seele hin und her gerissen von gemischten, aber heftigen Gefühlen. O, mein Gott, Du hast das Evangelium gegeben, laß niemanden in diesem Hause es verwerfen und so Deinen Sohn verachten und Dich entehren, sondern mögen sich alle Deiner freigebigen Weise, Jesus Christus, den Bräutigam Seiner Gemeinde, zu verherrlichen, erfreuen. Mögen sie kommen und willig das Fest der Liebe ehren.

III.

Wir kommen nun zu unserem dritten Punkt und beachten mit betrübtem Herzen das ernste Hindernis, das sich eine Weile dem freudevollen Feste entgegenstellte.

Der König hatte in seiner Güte gedacht: «Ich will ein großes Fest machen und viele Gäste einladen. Sie sollen sich dessen erfreuen, was mein Königreich leisten kann und ich will dadurch zeigen, wie ich meinen Sohn liebe, und dann werden alle Gäste ein liebliche Erinnerung an diese Hochzeit haben.» Als seine Boten ausgingen, denjenigen, die schon eine vorhergehende Einladung bekommen hatten, zu sagen, daß die Zeit gekommen sei, heißt es: «Sie wollten nicht kommen.» Nicht, sie konnten nicht kommen, sondern sie wollten nicht kommen. Einer aus diesem Grunde, der andere aus einem anderen, aber ohne Ausnahme wollten sie nicht kommen. Das war ein sehr ernstes Hindernis dieser großartigen Sache. Kann der König seine Gäste nicht zur Tafel zwingen? Ja, aber dann würde sein Zweck nicht erreicht werden. Er wünscht keine Sklaven, die seinen Thron ehren. Leute, die gezwungen sind, auf einem Hochzeitsfeste zu sitzen, werden dasselbe nicht zieren. Welches Ansehen könnte es für einen König haben, seine Untertanen zu zwingen, seine Gäste zu sein? Nein, wie ich schon erwähnt habe, als Gast sollte er kein Untertan mehr sein. Es gehörte zur würde des Festes, daß die Gäste mit Freudigkeit kamen, aber sie wollten nicht kommen. Warum wollten sie nicht kommen? Die Antwort wird eine solche sein, die auch die folgende Frage beantwortet: Warum kommst du nicht und glaubst an Jesus? Bei einigen war es Gleichgültigkeit der ganzen Angelegenheit gegenüber. Sie sahen nicht ein, was sie mit dem Könige oder seinem Sohn zu tun hatten. Königliche Hochzeiten sind hohe Dinge und passen für hohe Leute; sie waren einfache Leute, Landleute, die sich mit Hacken und Graben beschäftigten, Handelsleute, die Rechnungen schrieben und nach Pfund und Elle verkauften. Was kümmerten sie sich um den Hof, um den Palast, den König, den Prinzen, seine Braut oder sein Festmahl. Sie sagten das nicht gerade heraus, aber so war ihr Gefühl; es mochte etwas recht Schönes sein, aber es ging ihnen gegen den Strich. Wie viele haben noch jetzt dieselbe Entschuldigung! Wir haben schon sagen hören: «Was hat ein Arbeiter mit der Religion zu tun?» Und wir haben von einigen, die sich in einer anderen Lebensstellung befinden, schon versichern hören, daß Leute, die im Geschäft sind, keine Zeit an die Religion verwenden könnten, sondern ihr Geschäft zu besorgen hätten. Der Herr möge Barmherzigkeit mit solcher Torheit haben! Hier liegt ein großes Hindernis des Evangeliums, nämlich die törichte Gleichgültigkeit der menschlichen Natur betreffs dieses großartigsten aller Gotteswerke, Gottes Verherrlichung seines lieben Sohnes durch die Gnade gegen die Sünder.

Die wahre Grundursache, weshalb diese im Gleichnis die Einladung abschlugen, war die, daß sie untreu waren, denn sie sahen hier ein Gelegenheit für die Treuen, fröhlich zu sein, und da sie nicht treu waren, wünschten sie die Lieder und Freudenbezeugungen von anderen, die fröhlich waren, nicht zu hören. Durch das Fernbleiben beleidigten sie den König und erklärten, daß es sie nicht kümmere, ob er König sei oder nicht, ob sein Sohn ein Prinz sei oder nicht. Sie beschlossen, ihre Lehnspflicht zu verleugnen durch das Abschlagen der Einladung. Sie sagten deutlich: «Wenn er auch ein König und sein Sohn ein Prinz ist, so wollen wir ihn doch nicht ehren. Wir wollen nicht zu denen gerechnet werden, die seinen Tisch umringen und seinen Glanz bewundern. Ohne Zweifel ist das bereitete Fest des Besuches wert und es wäre gut für uns, daran teil zu nehmen, aber wir wollen unseren Appetit verleugnen, damit wir uns unserem Stolz hingeben können. Wir empören uns und erklären: Wir kommen nicht.» Ach, wenn ihr nicht an Jesus glaubt, so ist der Grund eures Unglaubens eine Feindschaft wider euren Schöpfer, den großen Weltregenten, der eure Verehrung verdient. «Ein Ochse kennt seinen Herrn, und ein Esel die Krippe seines Herrn», aber ihr wißt nichts und bedenkt nichts: Ihr seid Rebellen gegen die Majestät des Himmels.

Mit der Ablehnung zeigten die eingeladenen ihre Verachtung gegenüber dem Prinzen wie seines Vaters, und in einigen Fällen wird gerade aus diesem Grunde das Evangelium verworfen, weil der Ungläubige die Gottheit Christi bestreitet und sein Sühnopfer verachtet. O, ihr Herren, hütet euch davor. Ich kenne keine gefährlichere Sache, als Christus dadurch zu entehren, daß ihr seine Sohnschaft und seine Göttlichkeit leugnet. «Küsset den Sohn, daß er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege, denn sein Zorn wird bald entbrennen.» Fallt auf diesen Felsen, ich bitte euch. Gleichgültigkeit deckt die abschlägige Antwort. «Sie verachteten das.» Wenn du die Decke lüftest, so wirst du sehen, daß Verrat gegen den König und Mißfallen an der Würde des Sohnes der Grund war.

Ohne Zweifel verachteten einige das Fest selbst. Sie hätten wissen müssen, daß ein solcher König kein armseliges Mahl bereiten würde, aber sie beabsichtigen, das Fest zu verachten. Wie viele gibt es, die das Evangelium verachten, ohne es zu kennen. Ich sage, die es nicht kennen, denn wenn du hörst, daß jemand das Evangelium gering schätzt, so wirst du fast ohne Ausnahme finden, daß er das Neue Testament kaum gelesen hat und dem die Gnadenlehren gänzlich unbekannt sind. Höre einen Menschen, der geschwätzig das Evangelium verurteilt und du kannst versichert sein, daß er laut ist, weil er leer ist. Wenn er verständiger wäre, so würde er als aufrichtiger Mensch einsehen, wenigstens in Verwunderung stille zu sein, wenn er das Evangelium auch nicht annimmt.

Geliebte Freunde, das Fest ist ein solches, wie ihr es wirklich nötig habt; hört, was es ist. Es ist Vergebung für das Vergangene, Erneuerung der Natur in der Gegenwart und Verherrlichung in der Zukunft. Hier ist Gott unser Helfer, sein Sohn unser Hirte, der Geist unser Lehrer. Hier ist die Liebe des Vaters unsere Freude, das Blut des Sohnes unsere Reinigung, die Kraft des Heiligen Geistes unser Leben (von den Toten). Dir bleibt nichts zu wünschen übrig, was du auch wünschen solltest, denn für alles ist im Evangelium gesorgt und Jesus Christus wird verherrlicht, wenn du es im Glauben annimmst. Aber hier liegt das Hindernis, wenn die Menschen es nicht annehmen: «sie wollten nicht kommen.» Einige von uns haben gedacht, wenn sie das Evangelium klar vortragen und ernst dabei sind, daß unsere Hörer sich bekehren, und Gott verhüte, daß wir es je versuchen, es anders zu machen als klar und ernst, wird trotz alledem die beste Wirksamkeit, die es je gegeben hat und geben wird, in einem Grade erfolglos sein, ja, gänzlich erfolglos, wenn die Kraft des Heiligen Geistes nicht dabei ist. Noch immer wird es heißen: «Aber wer glaubt unsrer Predigt?» Noch immer werden auch solche, die ihren Herrn am besten dienen, Ursache zur Trauer haben, wenn sie auf steinigen Boden säen oder ihr Brot über das Wasser fahren lassen. Selbst der größte Prediger sagt: «Suchet in der Schrift, aber ihr wollt nicht zu mir kommen, daß ihr das Leben haben möget.» Ach, daß es dahin gekommen ist, daß die Gnade verworfen und der Himmel verachtet wird!

IV.

Und nun müssen wir zum Schluß zu dem recht praktischen Teil unserer Betrachtung kommen, die gnädige Antwort des Königs auf die Unbescheidenheit, die seinem Plan widerstand. Was sagte er? Ihr habt gesehen, daß sie erst eingeladen und dann gerufen wurden. Nach morgenländischer Sitte deutet der Ruf an, daß das Fest nun herannahe, so daß es ihnen nicht unbekannt war, sondern sie wußten, was sie taten. Die zweite Einladung verwarfen sie mit kaltem Blute, mit Überlegung und mit Absicht. Was tat der Monarch? Steckte er ihre Stadt in Brand und rottete er die Rebellen aus? Nein. Zuerst sah er bei ihrer beleidigenden Unhöflichkeit durch die Finger. Er sagte sich: «Vielleicht haben sie meine Diener nicht erkannt. Vielleicht haben sie nicht verstanden, daß die Stunde gekommen sei. Vielleicht war die Botschaft zu kurz, und sie haben mißverstanden. Oder, vielleicht sind sie in augenblicklicher Feindschaft gegen mich und werden beim Nachdenken wünschen, nicht so grob und unhöflich gegen mich gewesen zu sein. Was habe ich getan, daß sie mein Hochzeitsmahl abschlagen? Was hat mein Sohn getan, daß sie ihn nicht ehren und nicht zu seiner Tafel kommen wollen? Die Menschen lieben Feste, mein Sohn verdient ihre Ehre, warum sollten sie nicht kommen? Ich will von dem Geschehenen absehen und noch einmal anfangen.» Meine Zuhörer, es sind hier viele unter euch, die Jesus verworfen haben und dennoch wiederholt Einladungen erhalten. An diesem Morgen vergißt mein Herr eure frühere Unfreundlichkeit und sendet mich wieder mit derselben Botschaft: «Kommt zur Hochzeit.» Es ist keine geringe Geduld, die das Vergangene übersieht und in der Güte verharrt und nur euer Bestes sucht.

Der König sandte eine andere Botschaft. «Seht, mein Festmahl habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet und alles bereitet, kommt zur Hochzeit.» Aber beachtet auch, daß er außerdem die Boten wechselt: «Abermals sandte er andere Knechte.» Ja, ich will es sagen, denn meine Seele fühlt es, wenn ein Wechsel der Botschafter euch gewinnen würde, so bin ich bereit, so gern ich auch im Namen meines Herrn rede, hier auf der Stelle zu sterben, damit ein anderer Prediger diesen Platz einnehmen kann, wenn ihr vielleicht durch den selig werdet. Ich weiß, daß meine Sprache einigen von euch eintönig geworden sein muß. Ich suche neue und frische Bilder zu bringen und versuche, meine Stimme und Manieren zu verändern, aber trotzdem muß derselbe Mann euch, die ihr ihn so oft gehört habt, kraftlos geworden sein. Vielleicht ist meine Weise nicht danach, euer besonderes Temperament zu rühren - nun, guter Meister, stelle Deinen Diener an die Seite und beachte ihn nicht. Sende andere Boten, vielleicht gelingt es denen. Aber einigen von euch bin ich ein anderer, wenn auch kein besserer Botschafter, da meine Brüder bei euch keinen Erfolg gehabt haben. Wenn ich nun meine Stimme erhebe und euch zurufe: «Kommt zu Jesus, setzt euer Vertrauen auf seine Versöhnung, glaubt an Ihn, blickt auf Ihn und lebt,» so laßt die neue Stimme erfolgreich sein, da andere Herolde unbeachtet geblieben sind.

Ihr bemerkt auch, daß die Botschaft des Königs ein wenig verändert wurde. Zuerst war sie sehr kurz. Wenn die Herzen der Menschen rechter Art wären, so würden sicherlich kurze Predigten genügen. Eine kurze Einladung würde den rechten Herzen genügen, da aber die Herzen verkehrt sind, befiehlt Gott Seinen Boten, die Botschaft zu erweitern und zu erklären: «Kommt, denn es ist alles bereit. Meine Ochsen und mein Mastvieh habe ich geschlachtet. Alles ist bereit; kommt zur Hochzeit.» Ein der besten Weisen, Sünder zum Heiland zu bringen, ist, ihnen das Evangelium zu erklären. Wenn wir von den Vorbereitungen und dem Reichtum des Evangeliums sprechen und daß es frei und umsonst ist, mögen manche angezogen werden, während die kurze Botschaft, die den Plan der Erlösung bringt, sie nicht angezogen hätte. Einigen genügt es, zu sagen: «Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du selig,» denn sie fragen: «Ihr Herren, was muß ich tun, daß ich selig werde?» Einige aber müssen zum Hochzeitsfest herangezogen werden, indem man ihnen die reiche Fülle des Festes beschreibt. Wir müssen euch das volle Evangelium verkündigen, aber wir werden nie imstande sein, den vollen Reichtum der Gnade Gottes darzustellen. So viel der Himmel höher ist als die Erde, sind Seine Gedanken höher als unsre Gedanken und Seine Wege höher als unsre Wege. Verlasset eure Sünden und eure Gedanken und wendet euch zum Herrn, denn bei Ihm ist viel Vergebung. Er will euch an Sein Herz ziehen und euch den Kuß der Liebe geben in dieser Stunde, wenn ihr wie verlorene Kinder zurückkehrt und eures Vaters Angesicht sucht. Das Evangelium ist ein Strom der Liebe, es ist ein Weltall der Liebe, es ist ganz Liebe. Worte sind nicht dazu imstande, die wunderbare Liebe Gottes gegen die Sünder darzustellen. Keine Sünde ist zu groß und zu schwarz, kein Verbrechen zu rot oder zu verrucht zur Vergebung. Wenn du nur auf den treuen, gekreuzigten Gottessohn blickst, so werden dir alle Sünden und Lästerungen vergeben werden. Das ist Vergebung! Jesus schenkt Reue und Sündenvergebung. Es ist auch das Glück, das du hier und jenseits genießen wirst, ebensowenig zu beschreiben. Du wirst den Himmel auf Erden und den Himmel im Himmel haben. Gott wird dein Gott sein und Jesus dein Freund und die ewige Seligkeit dein Teil.

In dieser letzten Botschaft werden die Gäste sehr fein gedrängt, aber doch in einer Weise, die sie hätte rühren müssen, wenn sie noch irgend etwas Großmut im Herzen gehabt hätten. Ihr seht, wie der Evangelist es beschreibt. Er sagt nicht: «Kommt, oder das Fest ist euch verloren; kommt, oder König wird zornig werden; kommt, oder ihr habt einen Verlust.» Nein, er bringt es in einer ganz besonderen Weise. Ich wage zu sagen - wenn ich unrecht habe, möge der Meister es mir verzeihen -, daß der König versucht, Mitleid zu erregen. Hört: «Mein Hochzeitsmahl habe ich bereitet, aber es ist niemand da zum Essen. Meine Ochsen und mein Mastvieh habe ich geschlachtet, aber es sind keine Gäste da. Kommt, kommt, oder ich bin ein Gastgeber ohne Gäste.» So spricht Gott zuweilen im Evangelium, als habe Er davon einen Gewinn, wenn wir selig werden. Nun, wir wissen, daß sich Gott hier in Liebe herabläßt, in menschlicher Weise zu reden. Was kann Er durch uns gewinnen? Was kann Er verlieren, wenn wir verderben? Aber Er stellt sich oft im Evangelium dar wie ein Vater, der über Sein Kind jammert und ein Verlangen hat, daß es wiederkomme. Er selbst, der ewige Gott, macht sich zum Bittenden bei Seinen Geschöpfen und bittet sie, sich versöhnen zu lassen. Wunderbare Herablassung, denn wie ein Händler, der seine Waren verkauft, ruft er: «Wohlan alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser, und die ihr kein Geld habt, kommt her und kaufet ohne Geld.» Bemerkt ihr nicht, daß Jesus, als er über Jerusalem weinte, sowohl seinetwegen als ihretwegen weinte? «Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen.» Und Gott stellt es im Propheten als Seine eigene Sorge hin: «Soll ich nicht billig ein Adama aus dir machen. Aber mein Herz ist anderen Sinnes, meine Barmherzigkeit ist zu inbrünstig», als sei es nicht allein des Kindes Verlust, sondern auch des Vaters. Fühlst du nicht ein gewisses Mitleid mit Gott, wenn das Evangelium verworfen wird? Soll das Kreuz aufgerichtet sein und niemand blickt dahin? Soll Jesus sterben und niemand durch seinen Tod selig werden? O, teurer Herr, wir fühlen, daß, wenn uns nichts anderes zu Dir zieht, wir kommen müssen, weil du Dich gleichsam zeigst als einen Gastgeber ohne Gäste durch unsre Schuld. Großer Gott, wir kommen; wir kommen mit Freuden; wir kommen, an den Schätzen teil zu nehmen, die Du bereitet hast, um Jesus Christus zu verherrlichen, indem wir als bedürftige Sünder annehmen, was Deine Gnade bereitet hat.

Brüder und Schwestern, da viele abgeneigt sind, Jesus zu ehren, fordere ich euch, die ihr Ihn liebt, ernstlich auf, Ihn desto mehr zu ehren, da es die Welt nicht will. Ihr, die ihr gedrungen worden seid, zu kommen, singt, wenn ihr an der Tafel sitzt, freut euch und preist seinen Namen. Dann geht nach Hause und sprecht mit denen, die nicht kommen wollen, und bittet für sie, daß der Herr ihren Verstand erleuchte und ihren Willen ändere, daß sie auch überzeugt werden, an Jesus zu glauben. Und denjenigen unter euch, die sich halb geneigt fühlen durch die sanfte Berührung seiner Gnade, zum Feste zu kommen, rufe ich zu: «Kommt!» Es ist ein herrliches Evangelium; das Fest ist gut. Es ist ein glorreicher König; der Gastgeber ist gut. Es ist ein teurer Heiland; der Bräutigam ist gut. Es ist alles gut und ihr werdet auch gut gemacht werden, wenn eure Seele die Einladung des Evangeliums, die euch heute gegeben wird, annimmt. «Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.» «Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du selig werden.» Der Herr sende seinen Heiligen Geist und mache die Einladung erfolgreich um seines Sohnes willen. Amen.

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