Spurgeon, Charles Haddon - Jesu Fürbitte für Verbrecher

Er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Übertreter Fürbitte getan.
Jes. 53,12

Unser Herr betete für die Verbrecher, während er gekreuzigt wurde, denn man hörte ihn sagen: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Man nimmt an, daß er dieses Gebet in dem Augenblick sprach, als die Kriegsknechte ihre Henkerspflicht erfüllten und die Nägel durch seine Hände und Füße trieben. Schon zu Beginn seiner Leiden begann er, seine Feinde mit seinen Gebeten zu segnen. Sobald der Fels unseres Heils geschlagen wurde, ergoß sich aus ihm ein Strom der Fürbitte.

Der Herr richtete sein Auge auf einen Punkt in dem Charakter seiner Verfolger, der für sie der günstigste war: daß sie nicht wußten, was sie taten. Ihre Unschuld konnte er nicht geltend machen, darum hob er ihre Unwissenheit hervor. Die Unwissenheit konnte ihre Tat nicht entschuldigen, aber sie konnte ihre Schuld vermindern und darum erwähnte sie der Herr als einen mildernden Umstand.

Die römischen Kriegsknechte wußten natürlich nichts von seiner hohen Mission. Sie waren lediglich die Werkzeuge der Machthaber und wenn sie ihn verspotteten und ihm Essig darreichten, so taten sie es, weil sie seine Ansprüche mißverstanden und in ihm einen törichten Rivalen Cäsars sahen, der nur verdiente, verspottet zu werden. Ohne Zweifel schloß der Heiland diese rohen Heiden in seine Fürbitte ein und vielleicht wurde der Hauptmann, welcher Gott pries und sagte: „Wahrlich, dieser Mensch war gerecht!“ durch die Erhörung des Gebetes unseres Herrn bekehrt.

Was die Juden betrifft, so handelten auch sie im dunkeln, auch wenn sie ein gewisses Maß an Licht hatten. Petrus, welcher keinem Menschen schmeichelte, sagte dennoch: „Brüder, ich weiß, daß ihr in Unwissenheit gehandelt habt, wie auch eure Obersten.“ Es ist ohne Zweifel wahr, daß sie, wenn sie ihn erkannt hätten, den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben würden, obwohl ebenso klar ist, daß sie ihn hätten kennen können, denn seine Zeugnisse waren so klar wie der Mittag.

Unser Herr zeigt in diesem Gebet, wie schnell er dabei ist, etwas zu finden, das in irgendeinem Maß den armen Klienten günstig war, dessen Sache er übernommen hatte. Er entdeckte sofort den einen Umstand, bei welchem das Mitleid festen Fuß fassen konnte und so sprach sein liebevolles Herz diese Bitte aus. Unser großer Fürsprecher wird stets weise und wirksam für uns flehen. Er macht jeden Umstand geltend, den er nur entdecken kann, denn sein liebevolles Auge wird nichts übersehen, das zu unseren Gunsten sprechen kann.

Ich nehme jedoch nicht an, daß der Prophet die Absicht hat, unsere Gedanken auf den einen Vorgang zu beschränken, der von den Evangelisten aufgezeichnet wurde, denn die Fürbitte Christi war ein wesentlicher Teil seines ganzen Lebenswerkes. Er war oft in kalter Nacht auf den Bergen und schüttete sein Herz im Gebet aus. Er könnte ebensogut der Mann der Gebete, wie „der Mann der Schmerzen“ genannt werden. Er betete, auch wenn seine Lippen sich nicht bewegten. Während er tagsüber lehrte und Wunder tat, verkehrte er in der Stille mit Gott, und seine Nächte brachte er oft im Gebet für uns zu. Eigentlich war das ganze Leben unseres Herrn ein Gebet. Er ist nicht nur das Vorbild des Gebets, sondern er ist das Leben und die Kraft des Gebets.

Derjenige, welcher stets bei Gott obsiegt, ist der Mensch gewordene Christus. Der Christus, der das Gesetz erfüllte, der Christus, welcher die Strafe trug. Jesus selbst ist ein immer fortdauerndes Gebet zu dem Allerhöchsten.

Es war ein Teil der Aufgabe des Herrn, für die Übeltäter zu beten. Er ist ein Priester und als solcher bringt er seine Opfer und Gebete um seines Volkes willen dar. Unser Herr ist der große Hohepriester unseres Bekenntnisses und wir lesen, daß er in den „Tagen seines Fleisches sowohl Bitten als auch Flehen mit starkem Geschrei und Tränen“ darbrachte und wir wissen, daß er jetzt für uns betet. Das ist die eigentliche Arbeit, die er heute ausführt.

Wir freuen uns seines vollbrachten Werkes und verlassen uns darauf, aber das bezieht sich auf sein Versöhnungsopfer. Seine Fürbitte entspringt aus seiner Versöhnung und sie wird nie aufhören, solange das Blut seines Opfers seine Kraft behält. Für alle, die durch ihn zu Gott kommen, bringt er seine Verdienste vor den Vater und vertritt die Sache ihrer Seelen. Er macht den erhabenen Grund geltend, den er seinem Leben und seinem Tod entnimmt, und so erlangt er unzählbare Segnungen für die rebellischen Menschenkinder.

Das Wunder seiner Gnade

Ich habe an diesem Morgen eure Aufmerksamkeit auf den immer lebenden Herrn zu lenken, der Fürbitte für die Übeltäter tut. Indem ich das tue, bitte ich Gott zunächst, daß wir alle zur Bewunderung seiner Gnade erweckt werden. Kommt, Brüder, sammelt eure zerstreuten Gedanken und betrachtet ihn, welcher allein in der Lage war, in den Riß zu treten und durch seine Fürbitte den Zorn abzuwenden.

Wenn ihr seine Fürbitte beachten wollt, wird euch die Liebe und Huld seines Herzens auffallen, indem ihr euch daran erinnert, daß er buchstäblich Fürbitte einlegte, während sie sündigten. Von Sünde hören und Sünde sehen, sind zwei verschiedene Dinge. Wir lesen in den Zeitungen von Verbrechen, aber wir werden dadurch nicht so erschüttert, als wenn wir sie selbst gesehen hätten. Der Herr sah die menschliche Sünde, und er sah sie ungefesselt und ungezwungen. Die Verbrecher umgaben ihn, und ihre Sünden schossen Tausende von Pfeilen in sein heiliges Herz und doch betete er für sie. Die Meute umgab ihn und schrie: „Kreuzige, kreuzige ihn!“ und seine Antwort war: „Vater, vergib ihnen!“ Er kannte ihre Grausamkeit und ihre Undankbarkeit und fühlte sie sehr deutlich, aber er beantwortete sie nur mit einem Gebet.

Die Sünde der Menschen hatte alle ihre Kraft aufgeboten, um Gottes Liebe zu töten und so hatte die Sünde ihren schlimmsten Punkt erreicht und doch hielt die Barmherzigkeit Schritt mit der Bosheit und eilte ihr voran, denn er suchte Vergebung für seine Peiniger. Nachdem die gottlosen Mörder Propheten und andere Boten getötet hatten, sagten sie nun: „Dieser ist der Erbe; laßt uns ihn töten, daß das Erbe unser werde.“ Und doch flehte dieser Erbe sterbend: „Vater, vergib ihnen.“ Er wußte, daß das, was sie taten, Sünde war, sonst hätte er nicht so gebetet. Er machte um ihretwillen sein Sohnschaftsrecht geltend und appellierte an die Liebe seines Vaters, ihnen um seinetwillen zu vergeben.

Er sah alles und fühlte die Sünde, wie wir sie nicht fühlen können, denn sein Herz war reiner und darum auch zarter als unser Herz. Er sah, daß die Neigung der Sünde dahinging, ihn und seinesgleichen zu töten, ja, Gott selbst zu töten, wenn sie nur ihren Zweck erreichen konnte. Denn der Mensch war ein Gottesmörder geworden und wollte unbedingt seinen Gott kreuzigen und dennoch-auch wenn seine heilige Seele diese Abscheulichkeit der Sünde empfand-legte er doch Fürbitte für die Übeltäter ein.

Ich weiß nicht, ob ich meine eigene Vorstellung ausspreche, aber mir erscheint es über die Maßen wunderbar, daß er, der die Schrecklichkeit der Sünde erkannte und ihre Zielrichtung sah und fühlte, daß er gerade in dieser Situation für die Übeltäter betete und sagte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Ein anderer Punkt seiner Huld und Gnade wurde bei dieser Gelegenheit ebenso deutlich, daß er solche Fürbitte tat, während er heftige Schmerzen hatte. Es ist wunderbar, daß er seinen Sinn von seinen Schmerzen ablenken und ihre Übeltaten erwägen konnte. Wenn wir großen körperlichen Schmerzen unterworfen werden, finden wir es nicht leicht, unsere Gedanken zu sammeln und zu zwingen, so daß wir dem vergeben und Segen über den herabflehen können, der uns den Schmerz zufügte.

Beachtet auch, daß unser Herr während er fürbittend eintrat, die Schmerzen des Todes vor sich hatte, so daß sowohl seine Seele, wie auch sein Körper litt. Seine Seele war „betrübt“ bis an den Tod. Doch trotz des Drucks, vergißt er sich selbst und denkt nur an die Sünder und fleht für sie. Wir hören keine Klagen, keine Anschuldigungen, keine zornige Antworten, sondern sein ganzes Herz erhob sich voller Liebe zum Himmel in der Fürbitte für seine Feinde, welche er vor seinen Vater brachte.

Aber ich will eure Gedanken nicht auf jenen Vorgang beschränken, weil die Worte des Propheten viel weiter gingen. Mir ist es wunderbar, daß er, der Reine, überhaupt für Übeltäter beten konnte, zu denen wir auch gehörten. Laßt die Bewunderung hier beginnen: Wir sind Sünder von Natur, Sünder durch Praxis, eigenwillige Sünder, Sünder, welche mit schrecklicher Zähigkeit an der Sünde kleben, Sünder, welche wieder zur Sünde zurückkehren, nachdem sie darunter zu leiden hatten-und dennoch hat sich der Gerechte unserer Sache so angenommen, daß er für uns um Vergebung fleht. Wir sind Sünder, welche Pflichten unterlassen und Sünden anhangen, die Kummer zur Folge haben, Sünder der törichtsten Art und dennoch läßt er, der Sünde haßt, sich herab, die Sache unserer Seelen zu vertreten. Sein Haß gegen die Sünde ist so groß wie sein Liebe zu Sündern. Sein Unwille gegen alles Unreine ist so groß, wie der des dreimal heiligen Gottes, welcher die Sünde straft, und dennoch nimmt sich dieser göttliche Fürst, von dem wir singen: „Du hast Gerechtigkeit geliebt und Ungerechtigkeit gehaßt“ der Sache der Übertreter an und betet für sie. O unvergleichliche Gnade, Brüder, es fehlt mir an Worten, davon zu sprechen. Ich fordere euch auf, anzubeten!

Weiter erscheint es mir als ein wunderbarer Umstand, daß er in seiner Herrlichkeit noch immer für Sünder fleht. Es gibt manche, welche ihre früheren Beziehungen vergessen, wenn sie zu einer hohen Stellung befördert werden. Sie kannten einst den armen und bedürftigen Freund, aber weil sie nun über solche Zustände erhaben sind, schämen sie sich der Leute, die sie einst kannten. Unser Herr vergißt die armen Klienten nicht, deren Sache er sich in den Tagen seiner Erniedrigung angenommen hatte. Doch obwohl ich seine Beständigkeit kenne, wundere ich mich dennoch.

Es ist Gnade, daß der Sohn des Menschen auf Erden für Sünder betete, aber es überwältigt mich, wenn ich mir vergegenwärtige, daß er jetzt für Sünder betet, wo er dort regiert, wo Cherubim und Seraphim sich geehrt fühlen, zu seinen Füßen weniger denn nichts zu sein. Dort, wo alle Herrlichkeit seines Vaters in ihm widerstrahlt, wo er in göttlicher Gunst und unaussprechlicher Majestät zur Rechten Gottes thront. Wie können wir hören ohne zu staunen, daß der König aller Könige und Herr aller Herren sich damit beschäftigt, für Sünder, für euch und mich, zu sorgen!

Es ist Herablassung, wenn er mit den Blutgewaschenen vor seinem Thron Gemeinschaft hat, aber das sein Herz von den Glückseligkeiten des Himmels wegsieht, um solcher armen Geschöpfe, wie wir es sind, zu gedenken und unaufhörlich für uns zu beten, das ist unbegreiflich und anbetungswürdig. Es ist mir, als sehe ich in diesem Augenblick unseren großen Hohenpriester fürbittend vor dem Thron, wie er sein herrliches Kleid anhat und unsere Namen auf seiner Brust und auf seinen Schultern ins Allerheiligste trägt. Es ist eine Tatsache und kein leerer Traum. Er ist im Allerheiligsten und hat das eine Opfer dargebracht. Seine Gebete werden allezeit gehört, aber das Wunder ist, daß der Sohn Gottes sich herabläßt, um ein solches Amt zu verwalten und für Verbrecher zu beten.

Diese unvergleichliche Gnade verschließt fast meine Lippen, aber sie öffnet die Tore meiner Seele, und ich möchte schweigen und ihn anbeten, den meine Worte nicht beschreiben können.

Es ist ein Wunder der Gnade, daß unser Herr fortfährt, dies zu tun. Seitdem er in seine Herrlichkeit eingegangen ist, hat er nicht aufgehört, zu beten. Nie hat er seine Erlösten vergessen! Der Glanz des Himmels hat ihn nicht gleichgültig für die Schmerzen der Erde gemacht. Obwohl er Myriaden von Welten geschaffen hat und den Lauf des ganzen Universums überwacht, so hat er doch nie seine Fürbitte eingestellt. Er wird es nie tun, denn die Heilige Schrift veranlaßt uns zu glauben, daß er so lange fürbitten wird, wie er als Mittler lebt: „Da er auch selig machen kann, die durch ihn zu Gott kommen, als der immerdar lebt und bittet für sie.“

Geliebte, solange der große Erlöser lebt und solange noch ein Sünder da ist, der zu ihm kommt, fährt er fort, Fürbitte zu tun. O, mein Meister, wie soll ich Dich loben! Wenn du ab und zu ein solches Amt übernommen und einmal in Zwischenräumen für einige spezielle Fälle gebetet hättest, so wäre das deinerseits sehr gnädig gewesen. Aber daß du stets ein Beter bist und nie aufhörst, uns zu vertreten, das übertrifft alles Lob. Wundervoll sind die Worte in Jesajas Prophezeiung: „Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht still sein, bis ihre Gerechtigkeit hervorbricht wie Lichtglanz und ihr Heil wie eine lodernde Fackel.“

Wie die Lampe im Tempel nicht erlosch, so hört unser Sachwalter nicht auf, Tag und Nacht zu flehen. In seiner Liebesarbeit hat er unermüdlich unsere Sache vor den Vater gebracht.

Ich will mich hierüber nicht weiter ausbreiten, ich kann es nicht. Aber laßt eure Herzen sich in überschwenglicher Liebe zu einem solchen Fürbitter wenden, der allezeit für uns flehen wird. Ich sage: „flehen wird,“ und das ist nicht bloß meine Vermutung, denn unser Text betrifft die Zukunft wie die Vergangenheit. Ihr werdet bei einigem Nachdenken erkennen, daß er als zukünftig verstanden werden muß, weil die Prophezeiung etwa siebenhundert Jahre vor der Zeit geschrieben wurde, bevor der Herr am Kreuz Fürbitte einlegte. Dem Propheten war es tatsächlich zukünftig und darum irren wir nicht, wenn wir ihn als von der Zukunft handelnd lesen. Beständige Liebe betet unaufhörlich. Endloses Mitleid hat endloses Gebet.

Setzt euer Vertrauen auf ihn!

Ich habe euch aufgefordert, seine Gnade zu bewundern und nun flehe ich ernstlich darum, daß wir von dem Heiligen Geist geleitet werden, seine Fürbitte für Verbrecher so zu betrachten, daß wir unser Vertrauen auf ihn selbst setzen. In Christus ist Grund für das Vertrauen eines Sünders und überschwengliche Veranlassung für die Gläubigen, sich ganz und völlig auf ihn zu verlassen. Das ergibt sich aus der Tatsache seiner beständigen Fürbitte.

Laßt mich euch dies zuerst damit beweisen, daß er mit seiner Fürbitte Erfolg hat. Gott erhört ihn, daran zweifeln wir nicht, aber was ist die Grundlage seiner Fürbitte? Denn was sie auch sein mag, wir können uns sicher darauf verlassen, da sie die Fürbitte erfolgreich macht. Lest sorgfältig den Vers: „Dafür, daß er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und sich zu den Verbrechern zählen ließ. Er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Verbrecher Fürbitte getan.“

Wir lesen also, daß der Erfolg seiner Fürbitte sich aus seiner Stellvertretung ergibt. Er bittet und siegt, weil er die Sünden derer getragen hat, für welche er betet. Die Kraft seiner Fürbitte liegt in der Vollständigkeit seines Opfers, das er brachte, als er die Sünde vieler trug. Wenn sich dein Glaube auf denselben Grund stützt, sichert er dir die gleiche Annahme.

Komm, mein Herz, verlasse dich auf diese Wahrheit: „Er hat die Sünde vieler getragen.“ Wirf dich mit allen deinen Sünden auf diese Stellvertretung und erfahre, daß sie ein sicherer Ruheplatz für deinen Glauben ist, weil sie eine feste Basis für deines Herrn Fürbitte ist. Du kannst dich auf den Rechtsgrund des teuren Blutes bei dem Vater berufen, weil auch Jesus das tut.

Da Christus für Verbrecher betet, haben diese Grund, zu kommen und Jesus Christus zu vertrauen. Wenn ihr ihn für euch beten hört, dürft ihr nicht fürchten, daß er euch hinausstoßen wird. Wenn eine Seele zu Christus kommt, hat sie nicht nötig, zu zögern, weil Christus bereits um ihre Rettung gebetet hat. Ich sage euch Übertretern, daß, wenn ihr selbst nicht für euch betet, Christus für euch betet. Bevor seine Erwählten Gläubige werden, haben sie schon einen Platz in seinen Gebeten. Ehe ihr euch als Übertreter erkennt und Verlangen nach Vergebung habt, während ihr noch tot in Sünden seid, wurde für euch schon gebetet. „Vater, vergib ihnen,“ war ein Gebet für solche, welche nie Vergebung für sich gesucht hatten und wenn ihr es nicht wagt, für euch zu beten, so betet er doch für euch, wenn ihr unter eurem Schuldgefühl nicht wagt, eure Augen gen Himmel aufzuheben.

Ja, wenn ihr nicht beten könnt, wenn euch wegen eurer großen Herzensnot das Gebet auf den Lippen zu ersterben scheint, weil ihr euch so unwürdig fühlt, so betet er dennoch für euch. O, wie sollte euch das ermutigen. Kommt und vertraut ihm!

Er, der für euch bittet, wird euch nicht verwerfen; hegt nicht solche unfreundliche Gedanken, sondern kommt und vertraut ihm. Hat er nicht gesagt: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“?

Ich bin auch gewiß, wenn Jesus Christus für Übertreter betet, während sie noch gar nicht angefangen haben, für sich selbst zu beten, er sie mit Sicherheit erhören wird, wenn sie endlich anfangen zu beten. Wenn der Übertreter bußfertig und wegen seiner Irrwege weint, dürfen wir sicher sein, daß der Herr der Barmherzigkeit, welcher ihm beständig nachging, ihm nun entgegenkommt, wo er zu ihm umkehrt. Daran ist gar nicht zu zweifeln. Ich habe den Herrn Jesus dafür gepriesen, daß er für die Übertreter Fürbitte tut, denn ich darf glauben, daß er für mich betet, da ich ohne Zweifel ein Übertreter bin. Wenn aber seine Gebete für diejenigen erhört werden, die auf verkehrten Wegen sind, so werden sie sicherlich auch erhört für die, welche sich zu dem Hirten und Aufseher ihrer Seele bekehrt haben. Für sie wird er vor allen Dingen beten, denn er lebt, um für die zu bitten, welche durch ihn Gott nahen.

Um unser Vertrauen zu stärken, laßt uns die Wirkung der Fürbitte unseres Herrn für Übertreter betrachten. Beachtet zunächst, daß in Erhörung des Gebetes Christi viele der schlimmsten Verbrecher am Leben geblieben sind. Ihr kennt das Gleichnis von dem Feigenbaum, der das Land hinderte, keine Frucht brachte und dem Erdboden die Säfte entzog. Der Herr des Weinbergs sagte: „Hau ihn ab,“ aber der Weingärtner sagte: „Herr, laß ihn noch dieses Jahr, bis ich um ihn graben und Dünger legen werde! Und wenn er künftig keine Frucht bringen wird, gut, wenn aber nicht, so magst du ihn abhauen.“

Es ist nicht nötig, daß ich euch erkläre, wer es ist, der die Axt zurückhält, die sonst den unfruchtbaren Baum umgehauen hätte. Ich sage euch unbekehrten Männern und Frauen, daß ihr euer Leben dem Umstand verdankt, daß mein Herr für euch eingetreten ist. Ihr habt die Fürbitte nicht gehört, aber der große Besitzer des Weinbergs hörte sie, und in Erhörung der Bitten seines Sohnes hat er euch noch ein wenig länger am Leben gelassen. Noch kann das Evangelium zu euch kommen und noch kann der Heilige Geist euch erneuern. Könnt ihr ihm nicht vertrauen, durch dessen Fürsprache ihr noch am Leben seid? Möge der Heilige Geist euch zeigen, wie vernünftig es ist, Jesus Christus zu vertrauen und euch sogleich zum demütigen Glauben an ihn führen!

Die Gabe des Heiligen Geistes, welche zur Rettung der Übertreter notwendig ist, war das Resultat der Fürbitte Christi. Ich zweifle nicht daran, daß zwischen dem Gebet Christi für seine Mörder und der Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfingsten eine Verbindung besteht. Wie das Gebet des Stephanus den Saulus in die Gemeinde brachte und ihn zu einem Apostel machte, so brachte das Gebet Christi zu Pfingsten Dreitausend dahin, seine Jünger zu werden. Als Erhörung des Gebetes des Herrn wurde der Geist Gottes auch den Abtrünnigen gegeben. Nun, es ist ein großer Segen, daß der Geist Gottes den Menschenkindern gegeben worden ist und wenn dies durch Jesu Gebete geschehen ist, dann laßt uns ihm vertrauen, denn was mag uns noch geschenkt werden, wenn wir uns auf seine Kraft verlassen?

Durch Christi Fürbitte geschieht es, daß unsere armseligen Gebete bei Gott angenommen werden. In der Offenbarung sah Johannes einen anderen Engel an den Altar treten, der ein goldenes Räucherfaß hatte, dem viel Räucherwerk für die Gebete der Heiligen auf den goldenen Altar gegeben wurde. Woher kommt dies „viele Räucherwerk“? Was ist es anders, als Jesu Verdienst? Unsere Gebete werden nur wegen seiner Gebete angenommen. Wenn also die Fürbitte Christi für Übeltäter die Gebete der Übeltäter angenehm gemacht hat, so laßt uns ohne Wanken unser Vertrauen auf ihn setzen und dadurch beweisen, daß wir unsere Gebete im völligen Glauben an die Verheißung unseres Gottes darbringen. Sind nicht alle Verheißungen Ja und Amen in Jesus Christus? Laßt uns seiner gedenken und im Glauben bitten.

Durch die Gebete Christi geschieht es auch, daß wir in der Stunde der Versuchung bewahrt werden. Beachtet, was zu Petrus gesagt wurde: „Ich habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht aufhöre.“ Das geschah, als der Satan begehrte, ihn zu sichten wie den Weizen. „Daß du sie bewahrst vor dem Bösen,“ ist ein Teil des Gebetes unseres Herrn und der Vater erhört ihn allezeit. Nun, wenn wir inmitten der Versuchung vor der Vernichtung bewahrt werden, weil Christus für uns betet, so wollen wir uns nicht fürchten, uns seinen gütigen, fürsorglichen Händen anzuvertrauen. Wenn seine Gebete uns aus der Hand des Satans errettet haben, dann kann uns seine ewige Macht auch sicher heimbringen, obwohl der Tod auf dem Weg lauert.

In der Tat, weil er betet, werden wir überhaupt gerettet: „Daher kann er auch die völlig erretten, die sich durch ihn Gott nahen, weil er immer lebt, um sich für sie zu verwenden.“ Dies ist auch ein wichtiger Grund, aus welchem wir die Anschuldigungen der Welt und des Teufels nicht fürchten brauchen, denn: „Wer ist, der verdamme? Christus Jesus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet.“ Satans Anschuldigungen werden alle durch unseren Fürsprecher widerlegt. Er verteidigt uns vor dem Richterstuhl, wenn wir-vom Teufel angeklagt-wie Josua in unreinen Kleidern dort stehen und darum wird das Urteil stets zu unseren Gunsten sein: „Nehmt ihm die schmutzigen Kleider ab!“

O ihr, die ihr verleumderische Anschuldigungen gegen die Heiligen Gottes vorbringen möchtet, hört es: „Und wenn jemand sündigt-wir haben einen Fürsprecher bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten.“ Bedenkt, meine lieben Brüder und Schwestern, was die Fürbitte Jesu getan hat, und ihr werdet ermutigt werden, euer einziges und völliges Vertrauen auf euren Herrn zu setzen. Die ihr ihm noch nie vertraut habt, wollt ihr nicht heute damit beginnen? Könnt ihr euch einen besseren Freund, einen erfolgreicheren Verteidiger vor dem Thron wünschen, als er es ist? Kommt, laßt alle anderen Stützen fallen und übergebt euch ihm. Ich bitte euch, nehmt den Rat der Liebe an.

Und ihr Gläubigen, wenn ihr töricht genug seid, Zweifel und Befürchtungen zu hegen, kommt und seht, wie Jesus für euch betet. Gebt ihm eure Lasten, überlaßt ihm eure Sorgen, denn er sorgt für euch. Er wird euer Anliegen vor den ewigen Thron bringen und euch Hilfe schaffen. Verlaßt euch auf Jesus und wartet das Resultat mit Geduld ab. Möge der Heilige Geist euch mit Glauben und Frieden erfüllen!

Wir sollten dem Beispiel Jesu folgen

Und nun bete ich dafür, daß unser Text uns anspornt, seinem Vorbild zu folgen. Das Leben Christi ist eine Richtschnur für die, welche sich als seine Jünger bekennen. Nun, Brüder in Christus, darf ich euch einige praktische Dinge zeigen und seid ihr mit Hilfe des Heiligen Geistes bereit, sie auszuführen?

Zuerst, unser Herr betete für die Übeltäter; darum ahmt ihn nach, indem ihr alle Übeltaten vergebt, die euch widerfahren. Löscht, wenn möglich, selbst die Erinnerung daran aus eurem Gedächtnis, denn niemand hat euch je so beleidigt, wie die Menschen ihn beleidigt haben, oder wie ihr selbst ihn beleidigt habt. Ihr wurdet nicht ans Kreuz genagelt und eure Hände und Füße wurden nicht durchstochen, und wenn er trotzdem sagte: „Vater, vergib ihnen,“ könnt ihr wohl dasselbe tun.

Zehntausend Pfund warst du ihm schuldig? Dennoch erließ er dir die ganze Schuld und nicht ohne bedeutende Kosten seinerseits. Dein Bruder schuldet dir nur hundert Denare, und du willst ihn würgen? Möchtest du ihm nicht lieber siebzigmal siebenmal vergeben? Kannst du ihm nicht vergeben? Wenn du es für unmöglich hältst, so will ich nicht länger zu dir als zu einem Christen sprechen, denn ich muß daran zweifeln, daß du überhaupt einer bist. Der Herr kann dich nicht annehmen, solange du unversöhnlich bist, denn er selbst sagt: „Wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar und geh vorher hin, versöhne dich mit deinem Bruder; und dann komm und bring deine Gabe dar.“

Gott hört die nicht, in deren Herzen Bosheit und Feindschaft wohnt. Doch ich möchte lieber in Worten der Liebe, als in drohenden Worten zu dir sprechen. Als Nachfolger des sanftmütigen Christus ahme ihn hierin nach, und du wirst Ruhe und Trost für deine Seele finden. Weil Christus dir vergeben hat, erhebe dich zu dem Adel des Charakters, der Freude daran findet, alle Beleidigungen und Kränkungen um Christi willen frei und ganz vergeben zu können. Gewiß, wenn das Sühnopfer, das er darbrachte, Gott genügte, kann es auch dir genügen und die Sünde deines Bruders gegen dich ausmerzen. Jesus nahm die Übertretungen der zweiten Tafel des Gesetzes wie die der ersten auf sich, und du willst eine Anklage gegen deinen Bruder erheben wegen der Sünde, die Jesus getragen hat? Brüder, wir müssen vergeben, denn das Blut hat das Verzeichnis ausgelöscht! Laßt diese Worte der Schrift wie ein milder Tau aus dem Himmel auf eure Herzen kommen: „Seid aber zueinander gütig, mitleidig, und vergebt einander, so wie auch Gott in Christus euch vergeben hat.“

Liebe Freunde, ahmt Christus auch nach, indem ihr für euch selbst betet und sprecht: „Wenn er für solche Menschen betet, wie ich einer bin, dann will ich meine Bitten aussprechen und hoffen, durch ihn erhört zu werden. Da ich ihn rufen höre ´Vater, vergib ihnen´, will ich demütig zu seinen Füßen weinen und versuchen, mein schwaches Flehen mit seiner sieghaften Fürbitte zu verbinden.“

Wenn Jesus sagt: „Vater, vergib ihnen,“ ist es weise von dir, zu rufen „Vater, vergib mir!“ Lieber Zuhörer, das ist der Weg, um gerettet zu werden. Hänge deine Gebete wie goldene Glocken an den Saum des Gewandes des großen Hohenpriesters. Er wird sie ins Allerheiligste tragen und sie dort erklingen lassen. Wie vom Wind getragene Musik weithin zu hören ist, so werden deine Gebete im Himmel einen Hörer haben, weil Jesus sie dorthin weht. Wenn deine Gebete schwach sind, knüpfe sie an die Allmacht seiner Fürbitte, mache seine Verdienste zu Schwingen, auf denen sie emporschweben und seine Macht zu Händen, mit denen sie die unschätzbaren Segnungen erfassen.

Was soll ich zu denen sagen, die sich weigern, zu beten, obwohl sie solche Ermutigung wie die Hilfe Jesu haben? Wenn sie selbst die Fürbitte Jesu Christi von sich weisen, müssen wir ihnen unsere ernsten Warnungen zurufen. Wenn ihr verloren geht, so sei euer Blut auf eurem Haupt. Wir müssen Amen zu eurer Verurteilung sagen und bezeugen, daß ihr es verdient, doppelt bestraft zu werden. Die Verächter großer Barmherzigkeit müssen großen Zorn erwarten. Wenn ihr die Fürbitte eures Heilandes von euch weist, wird sie auf das schrecklichste an euch heimgesucht werden, wenn er euer Richter wird.

Laßt uns in einem dritten Punkt unserem Herrn nachahmen. Wenn uns unsere Übertretungen vergeben sind, so laßt uns Fürbitte für Übeltäter tun, weil Jesus das tut. Er ist das große Vorbild aller seiner Jünger und wenn er es zu seiner beständigen Aufgabe macht, für Sünder zu beten, sollte sich dann sein Volk nicht mit ihm vereinigen? Darum möchte ich eure lautere Gesinnung aufwecken und euch ermahnen, zum Gebet zusammen zu kommen. Laßt nie eure Gebetsversammlungen eingehen. Laßt uns als eine Gemeinde Fürbitte tun für Übeltäter und nicht nachlassen, die Bekehrung der Menschen um uns her zu suchen. Ich hoffe, daß ihr alle Tage, so oft ihr eure Knie für euch selber beugt, Fürbitte für Sünder einlegen werdet.

Die armen Menschen! Viele von ihnen sündigen gegen ihre eigenen Seelen, aber sie wissen nicht, was sie tun. Sie denken, sie finden Vergnügen in der Sünde, auch darin wissen sie nicht, was sie tun. Sie entheiligen den Sonntag, sie verachten die Gemeinde, sie verwerfen Christus, sie taumeln vergnügt der Hölle zu und singen lustige Lieder, als ob sie zu einem Hochzeitsfest zögen-sie wissen nicht, was sie tun. Bei eurer Menschenliebe-ich habe kaum nötig, einen stärkeren Beweggrund hervorzuheben-bei eurer Menschenliebe bitte ich euch, tut für diese armen Seelen was ihr könnt und vor allem betet für sie!

Es ist nicht viel, das von euch gefordert wird. Ihr sollt nicht ans Kreuz geheftet und aufgefordert werden, dort für Sünder zu bluten, ihr werdet nur gebeten, Fürbitte einzulegen. Fürbitte ist ein ehrenvoller Dienst. Es ist Ehre für einen Sünder, wie du bist, wenn es ihm gestattet wird, den König für andere zu bitten. Wenn du Erlaubnis hättest, dich viel am königlichen Hof bewegen zu können, würde es dir keine Beschwerde sein, eine Petition für einen anderen zu überbringen. Es wäre ein Vergnügen, ein Vorrecht, Gesuche für andere zu übergeben, wenn du dazu volle Freiheit hättest. O, steh, wo Abraham stand, und bete für Sünder. Sodom konnte kaum schlechter sein, als es zur Zeit viele Teile der Welt sind. Betet daher von ganzem Herzen. Fleht immer wieder zu dem Herrn, obwohl ihr nur Staub und Asche seid und hört nicht auf, bis der Herr sagt: „Ich habe das Gebet gehört, ich will die Stadt segnen und die Millionen retten und mein Sohn soll verherrlicht werden.“ Ich bin noch nicht ganz fertig, denn ich habe noch von einer weiteren Pflicht zu reden. Laßt uns, liebe Freunde, indem wir für andere beten, auch dafür Sorge tragen, daß wir ihnen soviel wie möglich Gutes tun, weil die Mitteilung, daß Jesus Fürbitte für Übeltäter getan hat, erst gemacht wurde, nachdem geschrieben war: „Er aber hat die Sünde vieler getragen“. Es wäre nur eine reine Formalität unsererseits, wenn wir für Sünder beten wollten, ohne sie zu unterweisen, ohne uns anzustrengen sie aufzuwecken, ohne für ihre Bekehrung ein Opfer zu bringen, oder ohne irgendwie dafür zu sorgen, daß sie überzeugt werden. Wir müssen die Aufrichtigkeit unserer Gebete je nach unserer Fähigkeit durch unsere Taten zu beweisen suchen. Gebet ohne Arbeit ist Falschheit und kann Gott nicht gefallen. Nehmt euch vor, das Beste anderer zu suchen und dann könnt ihr mit redlichem Herzen Fürbitte einlegen.

Schließlich, wenn Christus im Himmel für uns eintritt, so laßt uns freudig und gern auf Erden für ihn eintreten. Er bekennt uns vor Gott und den heiligen Engeln und deshalb sollten wir uns nicht schämen, ihn vor Menschen und Teufeln zu bekennen. Wenn Christus bei Gott für Menschen fleht, so laßt uns nicht träge sein, bei Menschen für Gott einzutreten. Wenn er seine Zeit damit zubringt, für uns zu beten, so laßt uns unsere Zeit zur Vertretung seiner Sache verwenden. Wenn er an uns denkt, sollten auch wir seines Volkes gedenken und ganz besonders für seine Dulder beten. Wenn er unsere Angelegenheiten überwacht und seine Gebete unseren Bedürfnissen anpaßt, so laßt uns auf die Bedürfnisse seines Volkes achten und mit Verständnis für dasselbe beten.

Ach, wie schnell werden Menschen müde zu beten! Wenn ein ganzer Tag zum Gebet abgesondert wird und die Versammlungen nicht sorgfältig geleitet werden, zeigt sich die Ermüdung des Fleisches sehr bald. Gebetsversammlungen verlieren schnell ihre Glut. Schmach über unsere trägen Geister und über unser schwerfälliges Fleisch, welches beständig geweckt werden muß, wenn wir bei unseren Andachtsübungen nicht einschlafen wollen.

„Immerdar“ zu beten, ist nicht zu lang für ihn und doch wird eine Stunde Gebet für uns eine ernste Probe. Durch alle Zeiten erhebt sich noch immer seine Fürbitte zum Thron Gottes und doch lassen unsere Gebete in sehr kurzer Zeit nach. Seht, Mose läßt seine Hände sinken und in der Ebene schlägt Amalek die Kinder Israel! Können wir es ertragen, Siege zu verlieren und dem Feind Ursache zum Triumph zu geben? Wenn eure Prediger ohne Erfolge sind, wenn eure Arbeiter für Christus in den Heidenländern wenig Fortschritte machen, hat das nicht darin seinen Grund, daß wir nur wenig Kraft für das Gebet in der Stille haben?

Gebetsmüdigkeit schwächt die Gemeinde. Wenn wir uns selbst aufrütteln und uns an den Bundesengel klammerten und entschlossen ausrufen würden: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn,“ würden wir uns und unsere Zeit bereichern. Unser fürbittender Herr wird aufgehalten durch den Mangel an einer fürbittenden Gemeinde. Das Reich Gottes breitet sich nicht aus, weil so wenig Gebrauch von dem Gnadenthron gemacht wird. Geht auf eure Knie, meine Brüder, denn auf den Knien siegt ihr. Geht zum Gnadenstuhl und harrt dort. Welch besseren Beweggrund kann ich euch nennen, als diesen: Jesus ist da und wenn ihr seine Gesellschaft wünscht, müßt ihr euch oft dort einfinden. Wenn ihr seine Liebe genießen wollt, so tut, was er tat. Gemeinsames Werk schafft eine neue Gemeinschaft der Herzen. Laßt uns nie fehlen, wenn Beter zusammenkommen, selbst wenn wir andere Beschäftigungen ruhen lassen müssen.

Solange wir leben, laßt uns vor allen Dingen Menschen des Gebets sein und wenn bei unserem Tode nichts anderes von uns gesagt werden kann, möchte man uns dann diese Grabschrift geben können, die zugleich das Denkmal unseres Herrn ist: „Er hat für die Verbrecher Fürbitte getan.“ Amen.

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